Dr. med. Vincenzo Bluni

Hat ein BV wirklich positiven Einfluss auf den Ausgang der Schwangerschaft?

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Frage:

Sehr geehrter Dr. Bluni,

ich bin aktuell in der 15 SSW. mit Zwillingen (di-di). Aufgrund verschiedener Vorerkrankungen (homozygotes Faktor V Leiden mit Z.n. LAE, Z.n. recht ausgedehnter Konisation, Z.n Frühabort, Hypothyreose) hat mein Frauenarzt mich als Hochrisikoschwangere eingeschätzt und mit bereits ab der 5. SSW empfohlen mit unserem Betriebsarzt Kontakt aufzunehmen zwecks Beschäftigungsverbot. Da ich sehr gerne arbeite, habe ich das bisher unterlassen.
Ich arbeite als Internistin in der Klinik und verbringe meine Tage in der Hauptsache mit Endoskopie, Sonografie und Supervision. Im Prinzip fühle ich mich sehr wohl, bis auf häufiger auftretende Übelkeit.
In den letzten Wochen habe ich jedoch bemerkt, dass ich wesentlich schlechter mit Stress und Überstunden umgehen konnte (Migräne, Schlafstörungen, vermehrte Übelkeit), dies konnte ich aber mit meinem Chef besprechen und erfreulicherweise das Pensum reduzieren.

Aus meiner Familie und dem Bekanntenkreis schlägt mir nun allerdings immer häufiger Kritik entgegen, dass ich weiterhin arbeiten gehe. ("Wenn du dann mit vorzeitigen Wehen im Krankenhaus liegst, dann wirst du das bereuen")
Jetzt bin ich etwas verunsichert und habe Angst, mit meinem Verhalten meine Kinder zu gefährden.
Daher meine Frage:
Gibt es einen Zusammenhang mit beruflichem Stress und vorzeitiger Wegentätigkeit/Frühgeburtlichkeit? Hätten die Kinder tatsächlich bessere Chancen, wenn ich mich "auf die faule Haut" legen würde? Oder kann man sagen, dass es okay ist, so lange es sich okay anfühlt?

Vielen Dank für Ihre Zeit und die großartige Arbeit, die Sie hier leisten.

Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen für die Feiertage!

von Moppelein, 15. SSW   am 16.12.2019, 22:19 Uhr

 

Antwort auf:

Hat ein BV wirklich positiven Einfluss auf den Ausgang der Schwangerschaft?

Hallo,

Grundsätzlich stellt die geburtshilfliche Situation von ihnen mit den Zwillingen und der Situation nach Konisation sicherlich ein erhöhtes Risiko dar.

Wenn es sich beruflich einrichten lässt, bedeutende Stresssituationen zu vermeiden und auch die körperliche Anstrengung auf ein Minimum zu reduzieren, spricht aus geburtshilfliche Sicht bei unauffälligem Verlauf nichts gegen eine solche Tätigkeit.

Aus der eigenen Erfahrung mit einer großen Ambulanz weiß ich aber, dass sich das eben manchmal nur schwer realisieren lässt, auch wenn offiziell etwas anderes vorgegeben ist.

Insofern ist es dann immer auch eine individuelle Entscheidung, die Sie auch aufgrund ihrer großen Hintergrunderfahrung am Ende selbst entscheiden müssen. Die Empfehlung Ihres Frauenarztes lässt sich natürlich schon ein Stück weit gut nachvollziehen.

Herzliche Grüße

VB

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 17.12.2019

Antwort auf:

Hat ein BV wirklich positiven Einfluss auf den Ausgang der Schwangerschaft?

Ich sage es mal so, alle mit schweren Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft welche ich kenne, hatten sehr früh aufgrund des Berufes ein BV. BV also nicht wegen Komplikationen, die kamen dann zum Schluss der Schwangerschaft.

In deinem Falle, wie wäre es mit ei em Teil-BV? Du kannst, solange du dich fit fühlst, noch etwas arbeiten, wirst aber bezahlt wie wenn du ganze Tage arbeitest. Dein Arzt ist evtl etwas beruhigter weil du etwas ruhiger machst.

von Felica am 17.12.2019

Antwort auf:

Hat ein BV wirklich positiven Einfluss auf den Ausgang der Schwangerschaft?

Liebe Moppelein,

du sagst es: du kannst in der Schwangerschaft wesentlich schlechter mit Stress und Überstunden umgehen. Überstunden sind laut MuSchG deswegen auch verboten (jedenfalls mehr als 8,5 Std pro Tag und mehr als vertraglich vereinbart im Monatsschnitt). Dafür muss dein Chef Sorge tragen, dass das nicht passiert. Stress gehört als Punkt in die Gefährdungsbeurteilung, da sollte Abhilfemaßnahmen her. Wo deine Gesundheit beeinträchtigt wird, muss Abhilfe geschaffen werden. Auch in einem Krankenhaus! Auch bei Ärztinnen, so schwer das ist. Das wäre eigentlich das Erste.

Aufgrund der multiplen Vorerkrankungen und der Gemimi Schwangerschaft benötigt dein Körper mehr als andere Entspannung, hochwertige Ernährung, guten Schlaf, tägliche Bewegungsanreize möglichst in der Natur, Nährstoffe usw. Eben alles was ihm wirklich gut tut. Ob das mit deiner jetztigen Tätigkeit vereinbar wäre, weißt du am besten.
Ein BV ist keinesfalls dazu gedacht, zu Hause auf der faulen Haut zu liegen!

Zwischen Vollzeit-Stress und auf der faulen Haut liegen gibt es etwas dazwischen.
Ich könnte mir für dich ein Teil-BV vorstellen, so daß du noch eine Zeit lang ca. 30% arbeitest und den Rest der Zeit nutzt für deine Gesundheit! Aber sicher nicht bis zur Schutzfrist.

von uriah am 17.12.2019

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