Dr. med. Vincenzo Bluni

Die ersten 3 Monate; Nahrungsergänzung; IGeL- Leistungen usw.

Antwort von Dr. med. Vincenzo Bluni

Frage:

Hi,

ich bin 19 und in der 8. woche (7+1) habe ich erfahren, dass ich schwanger bin.
Bis zu dem Zeitpunkt habe ich nicht sonderlich auf meine Ernährung geachtet. Folsäurepreperate nahm ich auch nicht. Eigentlich gar nichts, was die Entwicklung des Kleinen fördern könnte.
Der letzte Termin bei meinem Arzt war am 7.10.
Jetzt bin ich in der 9. woche. (8+4)
Er sagte mir, meine Blutwerte sind gut und dass sich der Kleine bis jetzt gut entwickelt, seine Größe und Herzschlag völlig in Ordnung sind und ich mir keine Sorgen um eine Fehlgeburt machen muss.
Warum ist die Stelle beim Köpfchen dunkel? :/
http://img3.imagebanana.com/view/u1m2gd2/bild0044.jpg
Ich hatte bis vor ein paar Tagen noch mit der Übelkeit zu kämpfen. Vorbei geht sie laut irgendwelcher Schwangerschaftsratgeber so Ende des 3. Monats. Ich bin grade am Anfang des 3. Monats und die Übelkeit verlässt mich jetzt schon fast. Schlechtes Zeichen? :/
Mittlerweile achte ich sehr auf meine Ernährung und nehme Centrum Materna/ 1xtägl. Dennoch mache ich mir Sorgen, dass ich damit zu spät angefangen habe, da Folsäure, glaub ich, wichtig für die Entwicklung des Kleinen ist oder man damit das Risiko für das Down- Syndrom oder einen offenen Rücken senkt. Ich weiß nicht genau.
In der Familie gibt niemanden mit genetischen Defekten.
Erhöht das, das Risiko vielleicht schon, dass mein Kleiner gesund sein wird?

Mein arzt bietet sogenannte IGeL- Leistungen an.
Mich interessiert, welche davon am notwendigsten sind, bzw. welche ich davon machen sollte.
1. Ultraschall und Ultraschalldoppler
2. Ausschluss eines Down-Syndroms
3. Ausschluss eines Gestationsdiabetis
4. Ausschluss einer Schilddrüsenstörung
5. Ausschluss einer Toxoplasmoseinfektion
6. Ausschluss einer Chlamydieninfektion
7. Ausschluss einer Infektion mit Streptokokken
8. Ausschluss von Ringelröteln
Würde ich alles machen, wäre ich ca. 500 Euro ärmer. ^^

Mein Text kommt mir irgendwie durcheinander gewürfelt vor, aber naja. Ich bin auch durcheinander, da darf das passieren. :)

LG

von kleeblatt89 am 11.10.2008, 17:55 Uhr

 

Antwort auf:

Die ersten 3 Monate; Nahrungsergänzung; IGeL- Leistungen usw.

Hallo,

1. diese Flüssigkeitsansammlung im Bereich der Hirnhöhle ist in der Frühschwangerschaft ein normaler Befund, wobei den persönlichen Befund immer nur Ihre Frauenärztin/Frauenarzt einschätzen kann.

2. das Nachlassen der Übelkeit ist ebenfalls normal und nicht gleicht mit Besonderheiten in Verbindung zu bringen.

3. die Folsäure dient der Vorbeugung von Neuralrohrdefekten. Wenn Sie diese erst später eingenommen haben, wird zwar die Risikominderung verringert, aber dieses heißt nicht automatisch, dass sich eine solche Fehlbildung ausbilden wird.

4. die Testung auf Chlamydien ist eine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung und damit keine Igel-Leistung.

Das Testen auf Schwangerschaftsdiabetes, eine Schilddrüsenfunktionsstörung und Toxoplasmose ist sicher sehr sinnvoll, Eine routinemäßige TEstung auf Ringelröteln wird von den Fachgesesellschaften nicht empfohlen.

entsprechend einer aktuellen Leitlinie der Fachgesellschaften für Gynäkologie & Geburtshilfe wird mittlerweile für alle schwangeren Frauen zwischen der 35.-37. Schwangerschaftswoche ein bakteriologischer Abstrich aus der Scheide empfohlen, um nach bestimmten Bakterien, den so genannten ß-hämolysierenden Streptokokken, zu suchen.

Dieses ist aber keine so genannte S3-Leitlinie, die damit verbindlich oder Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien wäre.

Ob es also wirklich sinnvoll ist, hier alle Schwangeren ohne Differenzierung zu testen, das möchte ich mal dahingestellt lassen.

Diese keime finden sich bei etwa 10-30% aller Schwangeren. Sie werden aber nur bei einer sehr kleinen Gruppe von Frauen für deren Neugeborene überhaupt eine klinische Bedeutung haben.

Insofern lässt sich Ihre Frage eigentlich mit einem "Nein" beantworten. Allerdings mag es hierzu - wie so häufig - unterschiedliche Auffassungen geben.

5. Pränataldiagnostik (vorgeburtliche Diagnostik zum Ausschluss oder Risikoeinschätzung genetischer Störungen und Missbildungen) ist sicher immer mehr auch ein sehr sensibles Thema, bei dem die objektive Information und Aufklärung durch Frauenärztin/Frauenarzt im Vordergrund stehen sollte, wenn die schwangere Frau dieses anspricht oder sich aus der Vorgeschichte die Notwendigkeit ergibt, darüber zumindest zu sprechen.

Sofern kein besonderes familiäres Risiko für genetische Störungen oder Missbildungen vorliegt, die Frau nicht 35 Jahre oder älter ist und sie auch nicht schon vorweg ein entsprechendes Bedürfnis nach Informationen zur vorgeburtlichen Missbildungsdiagnostik äußert, würde sicher nicht generell zu einer weiterführenden Diagnostik geraten werden.

Dem behandelnden Arzt obliegt hier eher die Aufgabe, objektiv zu informieren; weniger, zu einer bestimmten Entscheidung oder einem bestimmten Verfahren zu drängen.

Die Besprechung zu diesem Thema kann natürlich auch schon zu jedem Zeitpunkt vor diesem Alter stattfinden.

Ist die schwangere Frau 35 Jahre oder älter und/oder gibt es ein familiäres Risiko für genetische Erkrankungen oder Missbildungen, sollte man mit ihr bei Kinderwunsch oder zu Beginn einer Schwangerschaft schon über die damit verbundenen Risiken für Mutter und Kind sprechen und dazu gehört eben auch das Thema Pränataldiagnostik inklusive der Möglichkeit einer unabhängigen genetischen und ggf. psychosozialen Beratung in einer unabhängigen Einrichtung.

Bestandteil der Aufklärung/Information von Frauenärztin/Frauenarzt zu diesem Themenkomplex sollte immer auch die individuelle Information über mögliche Konsequenzen, Grenzen der Verfahren und Risiken sein, so dass die Eltern den Sachverhalt gut nachvollziehen können, um ihnen die Möglichkeit zu geben, dann eine eigene Entscheidung für oder gegen eine weiterführende Diagnostik zu treffen.

Es steht meines Erachtens also zunächst die ausführliche Information der jeweiligen Methoden im Vordergrund stehend. Die Entscheidung selbst kann und sollte aber nur das betroffene Elternpaar selbst fällen.



Über die nicht invasiven Verfahren der Pränataldiagnostik, wie z.B. die Nackentransparenzmessung, das Ersttrimesterscreening, differenzierter Organultraschall/Missbildungsultraschall um die 22. SSW sollte man, sofern gewünscht, ebenso mit der Schwangeren/ dem Paar sprechen, wie auch über die invasiven Verfahren, wie Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) oder Chorionzottenbiopsie.

Über den Triple-Test muss man zumindest informieren; empfehlen kann man dieses Verfahren kaum mehr.



Das Risiko für die Geburt eines Kindes mit einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) liegt bei einer 25jährigen (keine familiäres Risiko vorausgesetzt) bei 1: 1352, bei einer 30jährigen bei 1:895,bei einer 32jährigen 1:659, bei einer 36jährigen bei 1:280, bei einer 38jährigen 1: 167 und bei einer 40jährigen bei 1:97.

Ebenso steigt bei einer Frau ab dem 35. Lebensjahr das Risiko für schwangerschaftsspezifische Komplikationen, wozu auch Fehlgeburten gehören, an.

Das Risiko einer Fehlgeburt infolge einer Fruchtwasserpunktion oder einer Chorionzottenbiopsie liegt in etwa bei 1:100, was dem Risiko einer 40jährigen für die Geburt eines Kindes mit einem Down-Syndrom entspricht.

Wenn die Frau/die Eltern sich gegen eine invasive Diagnostik wie der Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie zum Ausschluss einer Trisomie oder ähnlicher Chromosomenstörungen entscheiden, weil sie das Risiko z.B. für eine Fehlgeburt nicht eingehen möchten, dann ist der Frau (insbesondere, wenn sie älter ist, als 35 Jahre) in erster Linie die Messung der Nackentransparenz oder das Ersttrimesterscreening zwischen der 11.+14. SSW zu empfehlen.


Bitte nicht vergessen:

1.der sichere Ausschluss von Chromosomenstörungen ist nur durch eine Chorionzottenbiopsie oder Fruchtwasserpunktion möglich.

2. mit der Amniozentese oder der Chorionzottenbiopsie können nicht alle genetischen Störungen, Stoffwechsel-, Muskel- oder Erbkrankheiten erkannt werden. Sofern das genetische Ergebnis der Amniozentese/Chorionzottenbiopsie unauffällig ist, werden damit Erkrankungen und Fehlbildungen des Ungeborenen nicht ausgeschlossen.

Dazu können u.a. Herzfehler, Spaltbildungen im Gesicht, Fehlbildungen, wie z.B. Extremitätenfehlbildungen und auch geistige Behinderungen oder Stoffwechselkrankheiten gehören.

Denn solche Fehlbildungen und Erkrankungen sind nicht zwangsläufig mit einer erkennbaren Abweichung im Chromosomensatz verbunden.

Eine Garantie für ein Kind ohne eine genetische Erkrankung kann keine Methode der Pränataldiagnostik geben. Pränatale Diagnostik wird eben zur Identifizierung diagnostizierbarer Probleme unter klarer Indikation angewendet.

3.Die hohe Zuverlässigkeit der Nackentransparenzmessung oder des Ersttrimesterscreenings hängt sicher ganz wesentlich von der Qualifikation und Erfahrung des Untersuchers, sowie des Ultraschallgerätes ab.

Dieses setzt deshalb voraus, dass es sich bei dem Untersucher/Untersucherin um einen entsprechend der Vorgaben der Fetal Medicine foundation in London zugelassenen und qualifizierten Arzt handelt. Handelt es sich um eine spezielle Einrichtung für Pränataldiagnostik, ist von einer solchen Qualifikation erfahrungsgemäß auszugehen. Fragen Sie also vorher nach der Qualifikation und der Häufigkeit, mit der dieses Verfahren vom Anbieten denn durchgeführt wird!

4.neben den üblicherweise drei vorgesehenen Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft wird bei besonderen Indikationen (Risiko aus der Vorgeschichte oder dem Alter, Auffälligkeiten, Wachstumsretardierung, andere Besonderheiten) ein so genannter differenzierter Organultraschall/Feinultraschall/Missbildungsultraschall zwischen der 19. + 23. SSW von einem Arzt mit entsprechender Qualifikation in der Pränataldiagnostik durchgeführt.

Meist in einer Spezialpraxis oder einem Perinatalzentrum. Hierbei schaut der Untersucher/in nach der kindlichen Aktivität, dem Bewegungsmuster, dem Profil des Gesichts der Fruchtwassermenge und der Plazenta. Darüber hinaus wird nach sichtbaren Fehlbildungen im Bereich der Weichteile, Organe, Knochen, des Zentralnervensystems, des Herzens und der Extremitäten geschaut.

Gegebenenfalls wird auch die Versorgungslage des Kindes mit Hilfe eines Dopplers ergänzend durchgeführt.

Wichtig in dem Zusammenhang ist aber , dass ein Ausschluss von Chromosomenanomalien per Ultraschall als Alternative zu einer invasiven Diagnostik (wie der Fruchtwasserpunktion, Chorionzottenbiopsie oder der Nabelschnurblutentnahme ) nur beschränkt durch den Nachweis von charakteristischen, aber nicht obligatorisch vorhandenen Hinweiszeichen auf Chromosomenanomalien möglich ist.


VB

von Dr. med. Vincenzo Bluni am 12.10.2008

Antwort auf:

Die ersten 3 Monate; Nahrungsergänzung; IGeL- Leistungen usw.

hallo kleeblatt...
erstmal gratulation zur schwangerschaft... sicherlich wird dir dr. bluni noch ausführlicher schreiben, aber ich kann dir nur ganz kurz sagen, daß dieser dunkle schatten in deinem ss-stadium vollkommen normal ist.
ich habe mich schon bei meinem ersten sohn gewundert und nun bei meiner jetzigen ss endlich meine frauenärztin gefragt.
sie sagte, daß es ein gaaaanz normales phänomen der 7./8. ssw ist, daß man diesen dunklen schatten sieht. du wirst sehen, bei deinen nächsten vu ist es verschwunden.
hoffe ich konnte dich ein wenig beruhigen
lg

von smartine am 11.10.2008

Antwort auf:

Die ersten 3 Monate; Nahrungsergänzung; IGeL- Leistungen usw.

1. Ultraschall und Ultraschalldoppler
Doppler ist eigentlich nur nötig, wenn eine Unterversorgung vermutet wird und dann bekommst du den auch gratis

2. Ausschluss eines Down-Syndroms
Hm... wie denn? Geht doch nur mit Fruchtwasserentnahme.

3. Ausschluss eines Gestationsdiabetis
Auch das wird jeder Dok gratis untersuchen, wenn Gefahr besteht.

5. Ausschluss einer Toxoplasmoseinfektion
Halte ich für okay. hat mich beruhigt zu wissen, daß ich schon mal Toxo hatte und somit immun bin.

Bei den anderen Dingen würd ich sagen nein, wenn kein Verdacht besteht.

http://www.patientenbeauftragte.de/index.php?client=1&lang=1&idcat=32&idart=13

lG Kerstin

von mamafürvier am 11.10.2008

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