Entwicklung von Zehnjährigen:
Vorpubertäre Herausforderungen

Mädchen schreibt

© fotolia, Syda Productions

Zehnjährige kommen langsam in eine pubertäre Entwicklungsphase, in der sie für sich Neues entdecken wollen. Dabei stellen sie Autoritäten und Regeln immer wieder auf den Prüfstand - was für Eltern durchaus anstrengend sein kann.

Wir waren auf die Vorpubertät unserer Tochter nicht vorbereitet. Sie brach über uns herein wie ein plötzlich heraufziehendes Gewitter über unerfahrene Wanderer im Hochgebirge. Ich wusste von der Pubertät, dem Schreckensszenario des Erwachsenwerdens. Die Pubertät, dachte ich naiv, setzt ungefähr mit 13 ein, da haben wir noch etwas Schonfrist. Aber dass es auch eine Vorhölle des Erwachsenwerdens gibt, davon hatte ich noch nie etwas gehört.

Zehnjährige und ihre Teenagerallüren


Bei den Planungen zu Isabelles 10. Geburtstag ging es langsam los. Ich wollte wissen, was sich Isabelle zu ihrem Geburtstag wünscht, wen sie einladen möchte und wie sie sich ihre Feier vorstellte. Auf ihrer Geburtstagswunschliste hatte unsere Tochter unterschiedliche Produkte der Unterhaltungselektronik zusammengestellt und meinte vorausschauend: "Wenn das alles zu teuer ist, dann einen E-Reader, mit dem man auch Fotos machen kann." Und was die Geburtstagsfeier angehe, bitte bloß keine Schnitzeljagd und auch keine peinlichen Spiele. Aha. Nun gut, das Alter wird zweistellig, die Ansprüche steigen, dachte ich mir und machte Vorschläge: Ins Schwimmbad gehen, in den Zoo oder einen Fahrradausflug. Meine Vorschläge wurden mit dem Prädikat "langweilig" versehen. Isabelle dachte an Bowlingbahn, Kletterpark oder wenn Schwimmbad, dann bitte eines mit vielen Rutschen.

Nachdem mein Mann und ich keinen Kleinkredit für die Ausrichtung des Geburtstags unserer Tochter aufnehmen wollten, einigten wir uns darauf, einen DVD-Abend bei uns zuhause zu machen, mit anschließender Übernachtungsparty.

Bei der konkreten Planung ließ Isabelle bereits erste Teenagerallüren durchblicken wie Augenrollen und genervtes Aufstöhnen bei elterlichen Ansagen, die dem vorpubertierenden Nachwuchs so gar nicht in den Kram passen. Selbst dann, wen man es durchaus wohlwollend meint. Im Hinblick auf ihre Übernachtungsparty gab ich ihr nur den Hinweis: "Ich kann mich leider nicht mehr an die Farbe deines Zimmerbodens erinnern. Könntest Du bitte Dein Zimmer aufräumen, damit Dein Besuch eine Chance hat, die mitgebrachten Schlafsäcke auch auszurollen." Es folgte ein genervtes Aufstöhnen, dann Augenrollen und die Antwort: "Mama, das ist so uncool."

Lackierte Nägel und coole Hobbys

Das Zimmer räumte Isabelle erst in letzter Minute auf, zuvor musste sie sich noch die Fingernägel lackieren. Auf ihrer Prioritätenliste stehen seit neuestem schrill lackierte Fingernägel ganz oben. Noch deutlich vor täglich die Wäsche wechseln und regelmäßig duschen. Wenn es nach Isabelle ginge, würde sie extrem Wasser sparend leben und nur einmal im Monat duschen - doch das wissen wir zu verhindern bis die richtige Pubertät einsetzt und wir das Büro in ein Bad umbauen werden.

Denn bei unserem gleichaltrigen Neffen ist es jetzt schon ins Gegenteil gekippt: Meine Schwester muss morgens zwanzig Minuten früher aufstehen, damit sie noch vor ihrem Sohn Zugang zum Badezimmer hat. Denn sobald Ben wach ist, steht er im Bad, verriegelt die Tür und wäscht, fönt und gelt seine Haare bis kurz vor acht. Alles muss bei unserem zehnjährigen Neffen jetzt richtig "cool" sein: Nicht nur das Outfit, das ging schon vor zwei Jahren los. Jetzt müssen auch die Hobbys das Image unterstreichen: Skateboards sind cool, Inlineskates gerade sehr uncool. Dirtbikes sind cool, normale Fahrräder, die mit so überflüssigem Schnickschnack wie Schutzblech oder gar Bremsen ausgestattet sind, sind sehr sehr uncool.

Bevor Isabelle mit einem Rad ohne Bremsen zur Schule fährt, ist mir der Spleen mit dem Nagellack doch lieber. So empfing sie, wenn schon nicht frisch geduscht, so zumindest frisch manikürt, ihre Geburtstagsgäste. Die Entourage roch ähnlich wie unser Kind, lud die mitgebrachten Schlafsäcke gleich im Wohnzimmer ab und machte sich kollektiv daran, die DVD des Abends zu bestimmten.

Jeder hatte einen Film mitgebracht und ich war erstaunt, wie ruhig, basisdemokratisch und vernünftig da abgewogen wurde: Schließlich einigte man sich auf E.T. was ich angesichts der Konkurrenz von Harry Potter und Co. richtig rührend fand. Sechs 10jährige saßen in unserem Wohnzimmer, futterten Chips, diskutierten über E. T. und dass er viel zu schwer für den Fahrradkorb wäre. Nachdem E.T. seinen Heimweg angetreten hatte und alle Chips-Schüsseln leer gefuttert waren, rollten die Kids gleich im Wohnzimmer ihre Schlafsäcke aus und machte es sich gemütlich. Unsere Tochter hatte recht behalten - das mit dem Zimmer aufräumen hätte sie sich wirklich sparen können.

Zuletzt überarbeitet: April 2019

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