Entwicklung von Neunjährigen: Kreativ und kritisch

Zwei Jungs mit Tablet

© fotolia, YakobchukOlena

Neunjährige sind erstaunlich: Sie gestalten schwer bewaffnetet Raumschiffe, erledigen selbstständig kleinere Aufgaben und ergreifen dazu auch immer öfter die Initiative - jedoch nicht unbedingt, wenn es um Hausaufgaben und Haustiere geht.

Neulich habe ich gelesen, dass das Lieblingsspielzeug von Kindern auf ihre spätere Berufswahl schließen lässt. Danach machte ich mir ernsthaft Sorgen um unseren neunjährigen Sohn. Niko spielt seit Jahren gerne mit Lego. Die vorgegebenen Bausätze setzt er - wenn überhaupt - nur einmal zusammen. Danach wird das ganze Bausatzdings auseinandergenommen und extrem stark verfremdet. Meistens entstehen dabei apokalyptische Kampfmaschinen oder schwer bewaffnete Flugapparate mit physikalisch fragwürdiger Aeordynamik. Mein Mann meint, das ist eben so in dem Alter. Ich frage bei Niko schon mal nach, warum seine Konstruktionen denn immer Waffen an Bord haben müssen und wer damit eigentlich bekämpft werden soll und ob er sich dessen bewusst ist, dass Waffen Schreckliches anrichten könnten. Niko verdreht angesichts so viel Pazifismus meist die Augen und antwortet genervt: "Mama, das verstehst Du nicht."

Stimmt. Und ich will es auch gar nicht verstehen. Als neunjähriges Mädchen habe ich meine Puppen hübsch angezogen und frisiert. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, ihnen schusssichere Westen anzuziehen und sie mit Handgranaten und Schnellfeuerwaffen auszustatten. Ich habe dementsprechend auch in einem friedlichen Metier meinen Beruf gefunden. Wenn ich meinen Sohn so sehe, würde es mich nicht wundern, wenn er sich nach dem Schulabschluss in der Entwicklungsabteilung eines Rüstungskonzerns bewirbt.

Cool und selbstständig

Erstaunt bin ich jedoch, was unser Neunjähriger im zivilen Leben schon alles kann: Wenn er sehr gut gelaunt ist - oder morgens richtig Appetit hat - dann macht er sich alleine auf den Weg zum Bäcker und holt samstags Frühstücksbrötchen für uns alle. Dazu zieht er sich selbstständig an, wenn auch nicht immer der Witterung angepasst. An einem Sommertag trägt er auch schon mal Gummistiefel, wenn die gerade dastehen und es schnell gehen muss. Ansonsten wird er sogar etwas wählerisch und zieht nicht mehr alles widerspruchslos an, was ich ihm hinlege. "Cool" sollten die T-Shirts und Hosen sein. Was "cool" ist, definiert er für sich täglich neu und stellt dann sein "Outfit" zusammen.

Händewaschen wird überbewertet

Wenn es ums Händewaschen oder um die schmutzige Wäsche geht, hört die Selbstständigkeit jedoch sehr schnell wieder auf: Über schmutzige Wäsche kann man im eigenen Zimmer tagelang geduldig drübersteigen oder drumherumspielen. Und Händewaschen wird, wenn es nach Niko geht, sowieso überbewertet.

Nicht nur die Hygiene lässt bei Neunjährigen noch zu wünschen übrig, es mangelt manchmal auch an Motivation und Durchhaltevermögen, sich regelmäßig und zuverlässig um seine Hausaufgaben zu kümmern. Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser, lautet hier nach wie vor unser Erziehungsmotto mit dem wir seit der ersten Klasse ganz gut fahren. Denn manchmal versucht Niko uns auszutricksen. Kleine Flunkereien wie `Ja, ich habe mich um die Meerschweinchen gekümmert` fallen immer auf, denn seine Meerschweinchen verpfeifen ihn regelmäßig. Meerschweinchen quietschen so penetrant, wenn sie Futterschwund fürchten, dass Niko damit nie durchkommt. Trotzdem probiert er es immer wieder - doch Meerschweinchen lassen sich mit nichts außer Futter bestechen.

Kritische Diskussionen

Kleine Pflichten wie Zimmer aufräumen, Hausaufgaben machen, Meerschweinchen versorgen oder Geschirrspüler ausräumen sind seit kurzem ein gern genommener Anlasse für Niko eine Diskussion zu starten. Unser Sohn liebt es im Moment zu diskutieren und sich an uns zu reiben. Dabei hinterfragt er alles zunehmend kritisch - besonders wenn es um seine Pflichten geht: Warum muss ich mein Zimmer aufräumen? Es ist mein Zimmer. Warum muss ich den Geschirrspüler ausräumen? Es ist nicht mein Geschirrspüler. Und warum muss ich überhaupt Hausaufgaben machen? Als Eltern hat man es da leicht, man antwortet einfach: "Weil es DEINE Hausaufgaben sind, mein Schatz."

Zuletzt überarbeitet: Dezember 2018

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