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Geschrieben von JuliaB am 28.07.2005, 21:54 Uhr

Schweden/ viele Fragen rund um die Geburt

Hallihallo,
ich wohne seit über 2 Jahren in Skaane und werde im November mein drittes Kind hier zu Welt bringen.

Ich habe meine anderen zwei Kinder in Deutschland bekommen und bin nun etwas ängstlich, wie das alles mit der Geburt wird. In medizinischer Hinsicht bin ich eher naturheilkundlich eingestellt und habe wirklich Angst vor einer total medizinisch programmierten Geburt im Krankenhaus. Was ich bis jetzt hier erlebt habe kann ich mir die Geburten nur so vorstellen, denn alles ist 100 Prozent Schulmedizin und total standardisiert. Man bekommt ja noch nicht einmal einen pflanzlichen Hustensaft für die Kinder in der Apotheke... Sind meine Befürchtungen, was die Geburt angeht, berechtigt? Schreibt mir doch bitte mal, wie es bei Euch so im Krankenhaus zugegangen ist. Hatte jemand von Euch eine Hausgeburt? Können die Hausgeburtshebammen wenigstens irgendwas Naturheilkundliches - besonders Homöopathie finde ich für eine Hausgeburt wichtig.

Auch gibt es hier ja nach der Geburt keine Hebamme, die nach Hause kommt, ich will aber direkt nach der Geburt nach Hause. Wie habt Ihr das gemacht? Wie läuft die Betreuung nach der Geburt?

Was muß ich nach der Geburt alles an Amtsgängen erledigen (mein Mann ist auch deutsch)?

Leider falle ich hier durch das soziale System, da mein Mann in Dänemark in der Sozialversicherung ist und ich "nur" studiere. Vielleicht hat da ja auch noch jemand einen Tip für mich, denn irgendwoher müßte ich doch auch Erziehungsgeld bekommen.

Mir graut es auch schon davor, wenn mein Baby mal krankwerden sollte. Es ist immer so ein Kampf hier diese "Bulldoggen" von Krankenschwestern am Telefon zu überzeugen, daß das Kind wirklich krank ist und wirklich einen Arzttermin braucht. Es ist mir schon mehrmals vorgekommen, daß sie mir einen Termin für eines meiner Kinder verwehrt haben, darunter einmal bei Pseudokrupp, einmal unklares, sehr hohes Fieber (die Ärzte waren eben schon "ausgebucht und mehr als arbeiten können sie eben nicht"). Um ehrlich zu sein, ich habe das Gesundheitssystem ziemlich satt, ist es bei Euch genauso schlimm? Wenn ja, wie kommt ihr damit klar?

Herzliche Grüße schon mal,
Julia

PS: Entschuldigt, das Posting klingt glaube ich nicht gerade so optimistisch und positiv, aber Schweden hat eben auch seine Nachteile, wie jedes Land. Nur, welche Vorteile hat es eigentlich für Deutsche außer der guten Kinderbetreuung,(teilweise gute Schule) und dem meist weniger stressigen Leben?? Bei den vielen Nachteilen als Ausländer hier....;-)

 
3 Antworten:

Re: Schweden/ viele Fragen rund um die Geburt

Antwort von JenL am 29.07.2005, 17:26 Uhr

Hallo Julia,

Ich habe letzten Dezember mein erstes Kind hier in Schweden bekommen. Mein Mann (Schwede) hat aus einer frueheren Beziehung noch Zwillinge, zwei 13 Jahre alte Jungs, die wohnen jede zweite Woche bei uns, und die habe ich "mitgeerbt".

Also, mit deinem Posting kann ich mich so ganz und gar identifizieren, du hättest garnicht besser beschreiben können, wie das hier halt so ist. Alle in Deutschland haben gesagt, in Schweden sei alles so toll mit dem Gesundheitssystem, aber neh !


Als ich schwanger geworden bin, bin ich erstmal zu meinem (privaten)Frauenarzt gegangen, damit der mir sagt, ob ich wirklich schwanger bin. Dann hatte ich gedacht, der betreut mich jetzt weiter, so wie es in Deutschland ist, aber neh, statt dessen
musste ich die Modervårdscentral anrufen (die nur von 8 - 8.45 Telefonsprechstunde hat, also kaum erreichbar ist). Dass hat 4 Tage gedauert, bis ich endlich eine
Hebamme erreicht habe zum Termin machen. Die hat mir dann zu meinem Schock einen Termin Ende Mai gegeben,
da wäre ich schon 12 Wochen schwanger, ein bischen spät fuer eine erste (noch nicht mal ärztliche) Untersuchung fand ich. Habe dann Druck gemacht, und bekam dann einen etwas frueheren.

Ab dann habe ich eigendlich nur einen Schreck nach dem nächsten bekommen. Die Ultraschall Frau war super
unfreundlich, als die gemerkt hat, dass ich Ausländerin bin, hat die nicht mehr mit mir gesprochen und garnichts erklärt. Als ich dann am Ende gefragt habe, wann denn der nächste Ultraschal-Termin ist, hat sie mich angeschaut, als komme ich vom Mars, und mir von oben herrab erklärt,
es gibt keinen weiteren Termin. Mega-Schock fuer mich. Ich habe ja von der Familie in Deutschland gehört, was
man da alles fuer Unetrsuchungen macht, und hier fast garnichts. Ich war dann zu Besuch in Deutschland und
habe mich vom meiner ehemaligen Frauenärztin untersuchen lassen, zur Sicherheit, und dann hat sie
in Woche 22 noch einen Ultraschall gemacht, damit ich auch sicher war, dass wirklich alles okay ist.

Dann musste ich noch alle die schwedischen Begriffe lernen, die mit Geburt und Baby usw zu tun haben. Hatte dann noch ab 4. Monat Probleme mit Foglössning und musste zur Krankengymnastin. Hat 4 Wochen gedauert, bis ich den Termin hatte. Die haben mich dann fuer Wassergymnastik angemeldet, den ersten Termin habe ich dann 5 Tage vor der Geburt bekommen !!!!

Zum Glueck war meine zweite Hebamme sehr nett und hat mich mit meinem Schwedisch-englisch gemisch gut
verstanden. Sie hat mir einen Termin bei einer deutschen Ärztin besorgt, die hat mir dann alles von wegen Geburt hier usw. erklärt. Das war schön, da fuehlte ich mich wieder sicher.

Die allgemeine Geburtsvorsorge war
allerdings dumm. Die haben mich alle immer doof angeschaut, wenn ich denen erklärt habe, was man in Deutschland untersucht, und dass ich dass auch gemacht haben möchte. Ich hätte ja sogar fuer die Extrauntersuchungen bezahlt, aber dass geht hier ja
nicht, dass ist ja Schweden, da sind alle gleich *smirk*.

Der Geburtsvorbereitungskurs war auch witzig, also viel verpasst du da nicht. Ich hatte erwartet,
Atemuebungen zu lernen, aber neh - dass ist hier schon wieder "out". Wir haben nur anhand eines anatomischen
Models erklärt bekommen, wie dass Kind im Bauch liegt, und wie es sich dreht während der Geburt. Dann haben
wir einen Film (70er Jahre) ueber die Geburt gesehen, und noch zwei Filme (80er Jahre) ueber Stillen. Alle
unsere Fragen darueber was ist, falls es mal nicht ideal bei der Geburt abläuft wurden nett "abgeschmettert", so was wuerde man in dem Kurs nicht
besprechen, es geht doch sowieso alles immer gut. Auch keine Info ueber Kaiserschnitt. Dafuer aber ein
Besuch auf der Entbindungsstation. Als man den ersten Schrei hinter einer der Tueren gehört hat, wurde die ganze Gruppe kreidebleich und hat geschlottert. Ausserdem war ich etwas übberrascht, Wassergeburt oder ein Geburtstuhl wurde in unserem Krankenhaus garnicht angeboten, Hausgeburten schon garnicht und ein anderes Krankenhaus war nicht möglich, da zu weit weg.

Als alternative Schmerzlinderung bei der Geburt wurde uns ein TENS-Gerät angeboten und Akkupunktur. Ich habe nach homöopatischen Mitteln gefragt, die gibt es in Schweden aber nicht, und deshalb habe ich mir Globuli von meiner Heilpraktikerin aus Deutschland schicken lassen.

Übrigends, die Geburt wird hier in Schweden auf Wunsch nicht eingeleitet, wenn man über dem Termin ist, es wird
10 Tage abgewartet und ab dem 11. Tag muss man dann jeden 2. Tag ins Krankenhaus zur Untersuchung. Erst ab 14 Tage wird Einleitung angeboten hat mir mein Arzt erklärt.

Es gibt in Schweden aber auch das Doula-System in grösseren Städten, ich bin mir nicht sicher, ob die auch Hausgeburten machen.

Wir ist es mit der Verständigung ? Wie ist dein schwedisch ? Spricht dein Freund gut schwedisch ? Ich hab einen Förlossingsplan (Geburtsplan) mit meinem Mann geschreiben, kann ich nur empfehlen, da habe ich ganz gross und ganz oben hingeschrieben, dass ich eine englisch sprechende Hebamme und Arzt will. Habe ich auch bekommen und dass war gut so. Ich verstehen schwedisch ziemlich gut, lese auch schwedische Buecher, sehe fern etc, aber während der Geburt war die Sprache plötzlich wie chinesisch. Da hatte ich am Ende sogar Probleme
mit englisch, und hab wohl ziemlich viel deutsch mit allen geredet (war auch gut so, dass die nicht so
verstanden haben, wie ich geflucht habe *grin*).

Nach der Geburt muss man ca 8 Stunden im Krankenhaus bleiben, damit sicher ist, dass man keine Komplikationen hat. Dann kannst du nach Hause, muss aber jeden Tag zurück ins Krankenhaus zu bestimmten Untersuchungen des Babies und dir. Nach 72 Stunden wird der letzte Test am Baby gemacht, dann kannst du endlich ganz zuhause bleiben. Mir war die ganze Fahrerei zu dumm, da bin ich gleich im Krankenhaus geblieben. Stillen und Room-in sind in Schweden standard. Ich kann dir noch mehr zur genauen Geburt schreiben, wenn du willst.

Innerhalb einer Woche meldet sich dann die Barnvårdcentral deiner Umgebung telefonisch bei dir und eine Kinderschwester kommt zum Hausbesuch um das Baby zu wiegen, zu messen and dem Nabel zu kontrollieren und zu sehen, wie es dir geht. Dann musst du jeden Woche einmal zum Wiegen und Messen zur Barnvårdcentral, später seltener. Homööpatie ist für die unbekannt, dass ich mein Baby mit Globuli gegen Bauchweh etc behandele finden alle seltsam, aber man lässt mich tun, was ich will. Ach ja, falls du nicht stillst, es gibt keine HA Flaschennahrung in Schweden. Bio-Dinkel und Hirsebrei lasse ich mir von
meinen Elern aud Deutschland schicken, nun seit der Kleine Brei bekommt.

Wegen Erziehungsgeldes... da hatte ich keine Probleme. Ich musste nur eine Bescheinigung des Krankenhauses bei der Försäkningskassa einreichen, dann bekam ich automatisch die 950 SEK Kindergeld. Das Elterngeld auch, da bekommst du 480 Tage oder so bezahlt, du kannst dir einteilen, ob du alle Tage auf einmal willst, oder welche sparen willst (kannst sie dir einteilen, bis das Kind 8 Jahre alt ist). Da ich hier keinen Job habe (vorher habe ich bei KOMVUX schwedisch gelernt und mein Mann studiert), bekomme ich nur dem Mindestsatz, dass sind 4300 SEK pro Monat in Erziehungsgeld. Dass solltest du automatisch auch bekommen.

Den einzigen anderem Amtsgang, der gemacht werden muss, ist die Vaterschaftserklärung, da wird dir auch was zugeschickt. Ach ja, und ruf das Migrationverket an und sage denen, du bekommst ein Baby, damit sie dir die Formulare schon vor der Geburt zuschicken, du musst ja fuer das Baby auch die Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Dann ruf auch die Deutsche Botschaft in Stockholm an, und frage wegen Geburtsanzeige und Kinderpass, die schicken dir dann Zettel wo genau draufsteht, welche Papiere du alle einreichen musst, damit dein Kind als Deutscher registriert wird.

Mehr fällt mir momentan nicht ein, aber wenn du noch mehr Fragen hast, email mir doch, ist schön mal mit jemanden zu schreiben, der genau die gleichen Probleme hat :-)

Ciao,
Jennifer

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Re: Schweden/ viele Fragen rund um die Geburt

Antwort von JuliaB am 30.07.2005, 21:49 Uhr

Hallo Jennifer,
vielen Dank erstmal für die vielen Infos. Ich habe Deine Emailadresse notiert und schreibe Dir wahrscheinlich mal auf diesem Weg.

Ganz herzliche Grüße
Julia

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Re: Schweden/ viele Fragen rund um die Geburt

Antwort von Linus05 am 02.08.2005, 10:17 Uhr

Hallo,
habe mein Kind im Januar hier in Schweden bekommen. War bis November noch in Deutschlnad und bin dann ziemlich tief gefallen, was die Vorsorge anging. Hatte aber eine total liebe Vorsorgehebamme, die sich jedesmal über eine Stunde für mich Zeit genommen hat. Habe trotzdem danach meistens geheult.
Wassergeburten sind in Schweden verboten. Ich hätte in die Badewanne gekonnt, aber vor der Geburt hätte ich wieder rausgemußt. Ich wohne in Lappland. Als Schmerzmittel gab es PDA und Lachgas, Akkupunktur wäre auch gegangen, aber da waren die nicht so begeistert von. Was mir nicht gefiel, ist, dass dem Kind im Mutterleib noch eine Elektrode in den Kof gestochen wird, damit das Kind während der ganzen Geburt unter Kontrolle ist. Du kannst aber schriftlich verfügen, dass du das nicht willst, nur du trägst dann das Risiko für die Gesundheit deines Kindes.
Was du haben willst und was nicht, kannst du vorher mit der Hebamme festlegen und das war sehr hilfreich.
Die schwedische Hebamme bei der Geburt war super! Sie hatte viel Ahnung und alle haben sich echt bemüht. Ich mit schwedisch und sie mit englisch. Nach 24 Stunden wirst du wieder entlassen mit Baby und im Krankenhaus lassen sie dich mit dem Baby komplett in Ruhe. Einen Tag nach der Entlassung kommt eine Hebamme vom Krankenhaus vorbei und schaut kurz nach dem rechten.
Obwohl mir die Umstellung sehr schwer fiel, ich würde mein 2. Kind auch in Schweden zur Welt bringen! Kinder sind einfach das größte hier! Die machen alles für dein Kind!!!
Also mach dich nicht verrückt. Wenn du willst, kannst du natürlich auch kein Schmerzmittel bekommen.
Wenn du noch Fragen hast, mail mich an.
Tinabaerlein@gmx.net
Grüße
Martina

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