Mehrsprachig aufwachsen

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von Ich-bins  am 21.06.2018, 17:08 Uhr

Gedankenexperiment

Ich plane nicht mein Kind zweisprachig zu erziehen (Wir sind beide Deutsche und leben in Deutschland, da bietet es sich einfach nicht an.)

Ich habe mir aber neulich (nur aus Spaß) überlegt, ob folgendes möglich wäre:
Ich habe an der Uni mal ein paar Semester Schwedisch gelernt. Aus dieser Zeit habe ich noch CDs mit Astrid Lindgren-Liedern (Pippi, Michel und Co.) im schwedischen Original.
Wenn man einem Kind diese Lieder von Anfang an vorspielen würde, würde es dann Schwedisch lernen?
Bestimmt könnte es ab einem gewissen Alter die Lieder mitsingen (wahrscheinlich sogar mit der richtigen Aussprache), aber würde es verstehen was die Worte bedeuten?

Würde mich nur mal interessieren.

LG.

 
10 Antworten:

Re: Gedankenexperiment

Antwort von DK-Ursel am 21.06.2018, 23:55 Uhr

Hej!

Nein, Schwedisch würde Dein Kind davon nicht lernen.
(Wenn Du ein bißchen heirim Forum mitgelesen hast, könntest Du Dir selber sagen,daß sogar muttersprachliche bilinguale Erziehung oft harte Arbeit ist - und leider (?) eben nicht durch das Abspielen einiger CDs machbar.
Andererseits lernen einsprachige Kinder schließlich auch nicht sprechen/verstehen, wenn ihre Eltern nicht mit ihnen reden,sondern stattdessen nur hin und wieder oder sogar dauernd CDs in ihrer Sprache vorduden.
Sie blieben alle Kasper Hausers!))

Aber mitsingen könmte es sie sicher, so wie wir anderen ja auch engilsche, französiche, anderssprachge Lieder gesungen haben, lange bevor wir die Sprache auch nur entfernt lernten.
Allerdings erinnert mich das dann schon an das gefügelte Wort, daß wir da nur um Haaresbreite an der Erfindung einer neuen Sprache vorbeischlitterten, wenn wir früher die ersten englische Texte mitsangen.
Noch heute geht mir manchmal ein Licht auf, wenn ich ein altes englisches Lied höre, das ich jetzt ganz anders verstehe als in meinen ersten Schuljahren mit Englisch

Wenn wir hier im Forum oder ich im Fremdsprachenunterricht Lieder empfehlen, dann eben zur Unterstützung - nicht zum alleinigen Lernen einer Sprache.
Da bliebe der Wortschatz ja sehr rudimentär, sehr aus dem Alltag und in einen gesanglichen Liederzusammenhang, sehr eingerenzt --- und manchmal eben um des Reimes oder der Melodie willen in falscher Wortstellung oder sonstwie "eigen-artig".

Also, laß sie ruhig schwedisch singen,wenn Dir das Spaß macht, einen Effekt für die schwedische Sprache oder das Sprachenlernen generell hat das m.E. absolit nicht, wenn da nicht noch anderes passiert.
Gruß Ursel, DK

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von Salkinila am 22.06.2018, 8:57 Uhr

Ich habe das bei meinem Sohn gemacht, als er klein war, allerdings mit Französisch. Und nicht, weil ich hoffte, dass er dadurch die Sprache lernt, sondern weil ich die Lieder so toll fand. Gut, ich hatte schon die leise Hoffnung, dass er durch das Hören vielleicht einen positiven Bezug zur französischen Sprache bekommt :) Allerdings sprechen sowohl mein Mann als auch ich fließend Französisch, es war also nicht ganz merkwürdig.
Den gewünschten Effekt brachte es allerdings nicht - im Gegenteil, mein Sohn mochte die Lieder nicht besonders, deutsche dagegen sehr. Er mochte auch nichts englisches hören, als er klein war. Ich vermute einfach mal, dass es ihn gestört hat, dass er nichts versteht.
Im Kindergarten hatte er dann eine Erzieherin, die aus Frankreich kam und die einmal in der Woche "Französisch" für die Kinder anbot (Spiele, Lieder etc.). Das hat er bis zum Ende der Kindergartenzeit mitgemacht. Danach war er sogar noch ein Jahr in "Französisch für Grundschüler" an der VHS, ein Kurs, den diese Erzieherin anbot. Hängengeblieben ist von beidem: nichts!
Französisch in der Schule hatte er dann als 2. FS ab der 6. Klasse und das lief von Anfang an super. Er hat das Fach immer noch als verpflichtenden Grundkurs, es ist eines seiner besten Fächer. Allerdings glaube ich nicht, dass der frühe Kontakt mit der Sprache da einen Einfluss drauf hatte - er ist generell sehr sprachbegabt. So richtig funktioniert mit den Fremdsprachen hat es allerdings erst, als er die Sprachen lesen und schreiben konnte. Auch vom Grundschulenglisch hat er kaum was mitbekommen, da das nur mündlich ablief. Er ist ein sehr visueller Typ und lernt dadurch, dass er Dinge liest und evtl. nochmal niederschreibt. Allein durchs Hören klappt das bei ihm nicht.

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von DK-Ursel am 22.06.2018, 10:02 Uhr

Hej!

Wenn ich bedenke - und diesen Gedanken hatte ich gestern abend schon, aber ich hatte schon so lang geschrieben - wenn ich also bedenke, daß meine Töchter, erstklassige Leserinnnen, sich dennoch anfangs schwer taten mit Büchern, die aus anderen Sprachen übersetzt waren,weil da eben die Namen komisch waren und holperten und den Lesefluß störten - und sie hatten eben noch keine große Ahnung von englischer, franz. etc. Aussprache, dann verstehe ich das sehr gut, daß der Sohn lieber Lieder sang, die er verstand.

Und wenn ich weiterhin bedenke, und das finde ich noch wichtiger, daß wir Lieder ja zum Sprechenlernen, wohlgemerkt erstmal NICHT Sprachen lernen, einsetzen, dann ist es Zeit,die der deutschen Sprache fehlt.
Ich weiß noch, wie die Pädagogin der 0. Kl., Vorshcule also, seufzte, daß manche Kidner eben in ihren Kleinkindertagen viel zu wenig Lieder, Singspiele, Sprachspiele etc. gemacht hätten, das könne sie in d er 0. Kl. eben gar nicht nachholen, das sei aber so wichtig!
Und selbst wenn sie die Zeit gehabt hätte:
Manches eignet sich dann nciht mehr für einen 6-7 Jährigen, manches sollte lieber mit 2 oder 3 Jahrfen gesungen, gebldet, gehört werden, um so zu wirken, daß Sprache nicht nur Kommunikation, Wörter und Grammatik, sondern auch Phantasie und Poesie, Rhythmus und Vielfältigkeit sein kann.
Das sind die besten Grundlagen, um weitere (Fremd-)Sprachen zu lernen - nicht Lieder,Texte, Wörter in fremden Sprachen.

Gruß Ursel, DK

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von DiLee am 23.06.2018, 12:31 Uhr

Hallo!

Mit Musik und Hörbüchern habe ich leider keine Erfahrung, aber ich habe im Bekanntenkreis in Montenegro und auf dem restlichen Balkan sooo viele Kinder kennengelernt, die fließend Deutsch sprachen! Fließend! Ohne jemals in Deutschland gewesen zu sein oder auch nur deutsche Freunde oder Verwandte gehabt zu haben. Ich war jedes Mal sprachlos wenn das Kind plötzlich akzentfrei sprach und keinerlei Probleme damit hatte eine reiche Konversation zu führen.
Weder war es von den Eltern unterstützt worden noch forciert.
Es war das deutsche Fernsehen :)
In zwei Fällen hatten die Eltern keinen blassen Schimmer davon, dass ihre Kinder ein perfektes Deutsch beherrschten.
Zwei meiner Freunde von dort, Zwillingsbrüder, die ebenso in die Deutsches-TV-Kategorie gehören, studierten in Deutschland.
Die Kinder haben von Zeichentrickfilmen bis über Filme einfach Tv geschaut.
Also hier habe ich es mir eigenen Augen gesehen, gehört und erlebt.
Letztes Jahr habe ich einer Stadt in Bosnien einen Besuch abgestattet und musste feststellen, dass ich Deutsch lieber nicht als „Geheimsprache“ nutzen sollte, so ziemlich alle Jugendliche verstanden mich und konnten mitreden. Und Auf Nachfrage war es immer wieder das TV, weil nur im deutschen TV das bessere Programm lief :)

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von Joaninha am 23.06.2018, 13:14 Uhr

Huhu,

ich hab als Kind immer französische Kinderlieder gehört und bilde mir ein, dass darum meine Aussprache heute doch im Vergleich zu anderen Französisch-in-der-Schule-Lernern eher nativnah ist. Die Sprache selbst habe ich damit aber nicht gelernt, dazu braucht man dann wohl umfassenderen Input als den, den die Lieder liefern können.
Ich weiß jetzt aber nicht, ob die Aussprache für deutsche Schwedisch-Lerner überhaupt ein Problem ist - ist das Lautinventar des Schwedischen deutlich anders als im Deutschen?
Ansonsten kann ich mich der Vorrednerin anschließen, ich habe in Norwegen auch erlebt, wie gut Kinder Englisch sprechen, wenn Filme nciht synchronisiert werden :) Frage ist halt, ob man den zugehörigen TV-Konsum so toll findet.

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von DK-Ursel am 23.06.2018, 14:33 Uhr

Hej nochmal!

Deswegen schrieb ich "Unterstützung", und die bezweifele weder ich noch andere, wenn es um Lieder, TV und andere"Hilfsmittel gibt.
Die empfehle ich sogar Erwachsenen!

Abgesehen davon, wieviel TV-Konsum dazu gehört, einigermaßen gutes (!) --- fließend ist ja nicht gleichgut --- Deutsch zus prechen und wie man das nun wieder findet, ist es unbestrittenb,daß Länder wie NL oder DK im Englischen besser zus ein scheinen,w weildie Filme eben nicht synchronisiert sind.
Trotzdemweiß ich von englischen Freunden, daß das Englisch eben dadurch nicht gleichbedeutend ist mit GUT, denn wir alle glauben, relativ gut Englisch zu sprechen, (schließlich werden wir verstanden)ä101), sobald jedoch ein Muttersprachler den Mund aufmacht und/oder uns hört, bemerken wir hoffentlich,die Grenzen.
(Ansonsten wäre das Nichtbemerken auch schon ein Fall für mangelndes Sprachgefühl.)

Und von daher bezweifele ich den Wert des "fließenden Deutsch" bei den serbischen/krotaischen Kindern auch sehr.
Verstehen und manche Dnige sagen können ist eine Sache - enie Sprache können oder gar beherrschen eine ganz andere.

Sprache entwickelt sich nicht NUR durch Hören, sie muß benutzt werden, im Dialog; der Wortschatz muß sich anpassen und immer wieder geübt werden - in Fremdsprachen ebenso wie in Muttersprache(n).
Es gibt durchaus auch einsprachige Kinder, deren Sprache jeder Phantasie, Farbe und Wendigkeit entbehrt - und die, die ich kenne,wurden in der Tat auch viel vor dem TV "geparkt".

Wie gesagt, wäre es so einfach, Sprachen zu lernen, dann hätten nicht nur Eltern in Mehrsprachenforen weniger "Probleme", sondern auch Fremdsprachenlehrer oder Eltern, die ihren Kindern Fremdsprachen näherbringen wollen -wir alle wären deutlich besser in mind. 1 (Fremd)=Sprache.
Klappt aber eben leider nicht.

Gruß Ursel, DK

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von DiLee am 23.06.2018, 19:19 Uhr

:)

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von DiLee am 24.06.2018, 20:05 Uhr

Das ist MEINE persönliche Erfahrung gewesen, die ich hier teile.
Da kann jeder gerne seine Zweifel haben.
Ich war dabei und das reicht mir volkommen.
Sprachen als Kind zu erlernen, ist keine große Wissenschaft. Ich selber bin wunderbar bilingual großgeworden unsere Tochter wird trilingual erzogen.

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von Ich-bins am 26.06.2018, 16:12 Uhr

Danke für eure interessanten Beiträge und Kommentare.

Ich habe mich gerade daran erinnert, dass mein Bruder mit einem vietnamesischen Kind im Kindergarten war, später auch in der Schule.
Dieser hatte auch viel Deutsch vom Fernsehen gelernt und las dann später auch gerne Comics, wodurch sich die Comicsprache (Uff, Zack, Bautz, etc.) etwas bei ihm eingeschlichen hatte. Er hat es nicht oft benutzt, wahrscheinlich weil er das von seinen Freunden in KiGa und Schule auch nie gehört hat. Aber wenn er es gemacht hat, war das recht lustig.

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Re: Gedankenexperiment

Antwort von DK-Ursel am 28.06.2018, 15:21 Uhr

Ja, auf die Art bin ich - passionierte Krimilesern - auch mal übel-lustig reingefallen.
Wenn wir hier oder ich in meinen Kursen Lektüre, Filme etc. empfehle, dann ja wie erwähnt zur Unterstützung, nicht zum ausschließlichen Lernen.
Und ich vergeiche das gern mit Dingen, die ich im Haus weit weg packe oder eben ganz in meiner Nähe habe.
Wenn ich - wie eine tüchtige Kursteilnehm,erin - täglich dt. Serien sehe, ist meni deutsch hierzulande, wo ich es im Alltag sonst nirgends hören, eben näher an mir dran als die Kiste Englisch, die manche Deutsche oben im Dachgeschoß stehen haben und erst mühsam runterholen (=aktivieren) müssen.
Daher haben eben Dänen oder Niederländer ihr Englisch schnell parat - vielleicht gar nicht mal unbedingt immer besser und schon gar nicht korrekt, aber enfach schnel lund fließend, während wir din Dtld. mangels (täglichem) Kontakt erstmal die Kiste runterholen,aufmachen und durchstöbern müssen.
Bildlich gesprochen.

Übrigens wurde der ältere Herr,der sehr gerne Hansi Hinterseer hörte, zunächst vond en anderen belächelt:
Tatsächlich hatte er eben "sein" Deutsch auch mehr parat als die, die weder dt. Lieder noch sonstwas neben dem Unterricht mit oder in Sachen Deutsch taten.
Das ist eben so:
Auch wenn das Sprichwort eigentlich anderes meint, iste ben so en Hemd näher als die Jacke...

Gruß Ursel, DK

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