Dr. med. Wolfgang Paulus

Allergie-, und Asthmamedikamente in der Schwangerschaft?

Antwort von Dr. med. Wolfgang Paulus

Zusätzliche Angaben:

Medikamente:Cetirizin Tabltten tgl, zusätzlich Novopulmon Spray oder Salbutamol bei Bedarf
Zeitraum / Dosis:April bis September ( Pollensaison )
Belastungen:selten Atemnot in der Pollenhochsaison, typische Allergiebeschwerden
Krankheiten:nein

Frage:

Hallo Herr Dr. Paulus,

ich habe eine Frage zwecks Allergie in der Schwangerschaft.
Momentan bin ich nicht schwanger, der Kinderwunsch ist aber da.
Ich bin 24, und leide schon seit einigen Jahren an Pollenallergie, zusätzlich ist dann noch eine Haustierallergie und ein saisonales Asthma dazugekommen, trotz vieler Behandlungen und Desensibilisierung.
Das Asthma behandle ich ganzjährig mit Novopulmon Spray, und nur ganz selten benötige ich ein Notspray ( Salbutamol ).
In der Pollenzeit nehme ich Cetirizin gegen die Allergiebeschwerden, was mir die letzten 2 Jahre auch sehr gut geholfen hat.
Kann ich dieses Cetirizin denn auch während der Schwangerschaft nehmen?
Wie sieht es mit dem Novopulmon und das Salbutamol - Spray gegen das Asthma aus?
Ich mach mir viele Gedanken darüber, ob es dem Kind schaden könnte, oder mir, wenn ich Beschwerden habe.

Vielen Dank für Ihre Antwort!
Liebe Grüße

von Frau_Roggstar am 15.11.2013, 19:57 Uhr

 

Antwort auf:

Allergie-, und Asthmamedikamente in der Schwangerschaft?

Zur Asthmatherapie empfiehlt sich vor allem die inhalative Applikation, da sich auf diesem Wege die allgemeine Belastung deutlich reduzieren lässt.

Zur inhalativen Glukokortikoidtherapie bei Asthma bronchiale werden vor allem Beclometason, Budesonid, Flunisolid, Fluticason, Mometason und Triamcinolon eingesetzt. Eine insuffiziente Behandlung von chronischem Asthma bronchiale in der Schwangerschaft kann gesundheitliche Schäden für Mutter und Kind (z. B. Hypoxie, niedriges Geburtsgewicht) mit sich bringen (Witlin 1997; Dombrowski 1997; Jana et al 1995).

Epidemiologische Studien zur inhalativen Glukokortikoidtherapie in der Schwangerschaft zeigten keine Zunahme angeborener Anomalien. Eine retrospektive Studie zur Medikation mit Triamcinolon, Beclometason bzw. Theophyllin bei Asthma in der Schwangerschaft ergab für keinen Wirkstoff einen Zusammenhang mit Fehlbildungen (Blais et al 1998).
Die multizentrische, prospektive Doppelblindstudie START (Inhaled Steroid Treatment As Regular Therapy) bestätigte, dass die Inhalation von 400 µg Budesonid (z. B. Novopulmon) in der Schwangerschaft sicher ist (Silverman et al 2002). Das Swedish Medical Birth Registry konnte keinen Anstieg der Inzidenz angeborener Anomalien unter ca. 3000 Kindern feststellen, deren Mütter in der Frühschwangerschaft Budesonid (inhalativ) angewandt hatten (Norjavaara & De Verdier 2003, Kallen et al 1999). Inhalative Kortikoide werden daher bei mäßigem bis schwerem Asthma bronchiale als Standardtherapie in der Schwangerschaft empfohlen (Oren et al 2004).

Wirkstoffe, die speziell die ß2-Rezeptoren stimulieren, führen zu einer Erweiterung der Bronchien, aber auch zu einer Erschlaffung der Gebärmuttermuskulatur (Tokolyse). Am besten verträglich sind Substanzen mit einer nur geringen Restwirkung auf die ß1-Rezeptoren, die sich in einer Steigerung der Herzaktivität manifestiert. Aus der Klasse der Betasympathomimetika haben sich in der Schwangerschaft die Substanzen Fenoterol, Salbutamol, Reproterol und Terbutalin bewährt.

Sie könnten die Anwendung der inhalativen Präparate auch in der Schwangerschaft fortsetzen.

Eine Publikation berichtet von 39 Neugeborenen ohne Auffälligkeiten nach Exposition mit Cetirizin in der Schwangerschaft (Einarson 1997).

Wir überblicken selbst 150 Schwangerschaftsausgänge nach Exposition mit Cetirizin (n=144) bzw. Levocetirizin (n=6) im ersten Trimenon:
9 x Schwangerschaftsabbruch (darunter 1 x Trisomie 18)
18 x Spontanabort
116 x unauffälliges Neugeborenes
7 x Fehlbildung
(1 x Fußanomalie, 1 x Aortenstenose, 1 x Herzfehler, 1 x Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, 1 x Hautanhängsel Ohren bds., 1 x Leistenbruch)

Ein einheitliches Fehlbildungsmuster lässt sich aus den Angaben nicht ableiten, so dass ein ursächlicher Zusammenhang mit der Medikation unwahrscheinlich ist.

Bei Bedarf wäre daher der Einsatz von Cetirizin in der Schwangerschaft durchaus vertretbar.

von Dr. med. Wolfgang Paulus am 18.11.2013

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