Schnuller fürs Baby - ja oder nein?

Schnuller fürs Baby - ja oder nein?
Dr. Busse
Sprechblase

Herr Dr. Busse, wir überlegen, dass wir unserem Baby in der Stillzeit schon einen Schnuller anbieten sollten - was meinen Sie?

Redaktion:

Herr Dr.Busse, wann darf man Babys erstmals einen Schnuller geben? Schon während der Stillzeit?

Dr. Busse:

Babys haben ein angeborenes, starkes Saugbedürfnis, was in erster Linie dazu dient, dass sie rasch ausreichend Nahrung zu sich nehmen. Aber auch wenn der Hunger gestillt ist, saugen Babys munter weiter, denn Saugen und Nuckeln - und dazu wird alles verwendet, was sich in Reichweite befindet - sind eine wunderbare Art, sich zu entspannen. Ein guter Schnuller ist dafür ideal und kann dann, wenn sich das Stillen in den ersten 2 bis 4 Wochen gut eingespielt hat, auch gestillten Kindern zwischen den Mahlzeiten unbedenklich gegeben werden.

Redaktion:

Gibt es Situationen, in denen man seinem Baby einen Schnuller anbieten sollte?

 

Dr. Busse:

Wenn ein Baby offensichtlich keinen Hunger hat, aber unruhig und quengelig ist, bzw. sich nur schwer beruhigen lässt, kann ihm das Saugen an einem Schnuller sehr helfen, Stress und Anspannung abzubauen. Eltern sollten das Geben eines Schnullers aber nicht zum Automatismus werden lassen bei jedem “Mukser”, den das Baby macht. Es soll ja auch seine Stimme ausprobieren dürfen. Die Stimme der Eltern und eine kleine “Streicheleinheit” sind ebenfalls wunderbare “Beruhiger” und je häufiger die Eltern so reagieren, umso eher reicht dem Baby diese “Versicherung” aus, wenn es sich gerade nicht so wohl fühlt. Sinnvoll ist ein Schnuller zum Einschlafen, denn wissenschaftliche Unter­suchungen haben gezeigt, dass dies sogar das Risiko für den plötzlichen Kindstod reduzieren kann.

Redaktion:

Worauf sollten Eltern beim Schnuller-Einkauf achten?

Dr. Busse:

Ein guter Schnuller sollte kiefergerecht geformt sein, damit es zu keinen Zahnfehlstellungen kommt - er sollte also keine “Kirschform” haben. Natürlich sollte er geprüft und frei von Schadstoffen sein und auch die richtige Größe für das Alter des Kindes haben. Das Schild muss unbedingt so groß sein
(> 3,8 cm), dass der Schnuller nicht als Ganzes in den Mund gesteckt werden kann, und es sollte großzügige Luftlöcher haben, damit die Haut um den Mund herum “atmen” kann. So können wunde Stellen am Mund vermieden werden.

Keinesfalls darf eine “Schnullerkette” oder ein Band um den Hals oder die Hand des Kindes gebunden oder am Bett befestigt werden, denn das könnte zum Strangulieren führen.

Redaktion:

Welchen Einfluss haben denn Schnuller auf die Kiefer- und Zahnentwicklung? Müssen sich Eltern diesbezüglich Sorgen machen?

Dr. Busse:

Je dünner und flexibler der "Hals" des Schnullers ist, umso geringer ist sein Einfluss auf Kiefer und Zähne. Es gibt heute diesbezüglich sehr gute Schnuller, die im Hinblick auf eine Vermeidung von Zahnfehlstellungen entwickelt wurden. Und wenn Eltern dann zudem den Rat befolgen, entsprechend gute Schnuller bewusst einzusetzen und nicht zum Dauer­nuckeln zu überlassen, müssen sie sich keine Sorgen machen. Das ist übrigens auch wichtig für die Sprach­entwicklung. Wer ständig “einen Stöpsel” im Mund hat, kann nicht sprechen lernen!

Redaktion:

Wie sollen es Eltern denn mit der Hygiene des Schnullers halten?

Dr. Busse:

Dass ein Schnuller mal auf dem Boden landet, lässt sich kaum vermeiden. Keinesfalls sollten Eltern dann den Schnuller Ihres Kindes ablecken, um ihn zu säubern - genauso wenig wie einen Löffel - denn so werden Kariesbakterien übertragen. Ideal ist die Reinigung unter fließendem Wasser, notfalls reicht unterwegs einfach Abwischen mit einem sauberen Tuch. Oder noch besser: ein Reserveschnuller ist dabei! Zusätzlich kann der Schnuller regelmäßig zuhause aus­gekocht oder sterilisiert werden. Der Schnuller sollte vor jedem Gebrauch geprüft werden. Wenn er Risse oder Bissspuren zeigt, - spätestens aber nach 2 Monaten (aus hygienischen Gründen)- sollte er ersetzt werden.

Redaktion:

Wann sollte sich denn ein Kind von seinem Schnuller verabschieden?

Dr. Busse:

Wie schon erwähnt, sollte ein Schnuller bewusst eingesetzt und nicht zum Dauernuckeln gegeben werden, bzw. sollte Zuwendung immer die erste Maßnahme zur Beruhigung sein. Dann fällt auch der Abschied vom Schnuller leichter, der spätestens zum 3.Geburtstag erfolgen sollte, damit sich sowohl Sprache als auch Zähne und Kiefer weiter gesund entwickeln können. Natürlich darf die “Schnullerfee” den Abschied mit einem kleinen Geschenk als Schnullerersatz erleichtern!

Redaktion:

Vielen Dank für diese Tipps, Herr Dr. Busse

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