Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Plötzlicher Kindstod

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Sehr geehrter Herr Jorch,
ich habe meine Frage schon im Forum von Herrn Busse gestellt und er hat mir geraten mich mit meinem Problem an sie zu wenden.
Mein Kinderarzt hat mir bei meinem Besuch in seiner Praxis geraten meine 4 Monate alte Tochter mit einem Monitor überwachen zu lassen und hat auch gleich einen Termin in der Klinik gemacht. Er hält meine Tochter für eine Risikobaby, weil meine Schwester am plötzlichen Kindstod mit 5 Monaten gestorben ist. Soweit ich weiß besteht jedoch nur unter direkten Geschwistern ein erhötes Risiko. Ansonsten bestehen bei uns keine Risikofaktoren und wir haben ihre Schalfbedingungen den bekannten Risikofaktoren angepasst. Außerdem wird sie voll gestillt und wir rauchen nicht. Dennoch bin ich jetzt sehr verunsichert.

Meine Frage ist nun, benötigen wir wirklich einen Monitor zur Überwachung unserer Tochter.
Vielen Dank für ihre Antwort, liebe Grüße
Annette E.

von nelli31 am 11.12.2002, 19:59 Uhr

 

Antwort auf:

Plötzlicher Kindstod

Das SIDS-Risiko ist bei nachfolgenden Geschwistern um das 2-4fache erhöht, d.h. beträgt auf deutsche verhältnisse bezogen derzeit ca. 1-2 auf 1000. Diese Risikoerhöhung beruht wahrscheinlich hauptsächlich auf 3 Faktoren:

1. Die gleichbleibende Risikosituation (Rauchen, Bauchlage u.a.), die bei Ihnen nicht zutrifft.
2. Das mit zunehmender Geschwisterfolge aus unbekannten Gründen ohnehin ansteigende Risiko (3. Kinder z.B. sind gefährdeter als 2. Kinder), die man nicht beeinflussen kann.
3. In einem kleinen Prozentsatz handelt es sich bei mehrfachen SIDS in einer Familie um Kindstötungen, die unentdeckt geblieben sind.

Der genetische Faktor spielt eine sehr untergeordnete Rolle. Ein Beispiel wäre das angeborene QT-Syndrom, welches durch die Ableitung eines EKG´s diagnostiziert werden kann.

Ich rate deshalb vom Monitoring ab, unterstütüze die Eltern bei Ihrem Wunsch nach einem Monitor allerdings, wenn Sie damit besser emotional durch das erste Lebensjahr kommen.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 12.12.2002

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