Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Welche Optionen habe ich noch bei schmerzhaftem Stillen?

Frage: Welche Optionen habe ich noch bei schmerzhaftem Stillen?

Kirschblüte

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Guten Tag, ich komme mit meinen Sorgen nicht mehr weiter. Ich habe vor sieben Jahren bereits eine Tochter gestillt und hatte damals nach Entwöhnung der Stillhütchen (habe ich KH sofort bekommen, weil man mit den Brustwarzen nicht stillen könne) keine Probleme. Nun halte ich seit 6 Wochen meine 2. Tochter im Arm. Per Sectio geboren, Sectiobonding erfolgt, direkt an der Brust gewesen und gesaugt. Dann oft angelegt und mit dem Milcheinschuss zunehmend Schmerzen und dann auch links eine blutige Brustwarze. Die Stillschwester vor Ort hat sich sehr viel Mühe mit uns gegeben und immer wieder bestätigt, dass wir es richtig machen. Zu Hause bei anhaltenden Schmerzen bekam ich Stillhütchen zur Entlastung der Brustwarzen, habe aber auch immer nach dem ersten Ansaugen das Hütchen entfernt und es ging mäßig besser. In der 3. Woche entwickelte meine Tochte Symptome eines Mundsoors, so dass wir uns beide lokal initial mit Nystatin, bei ausbleibender Besserung mit Miconazol behandelten. Der Mundsoor ging, der Schmerz blieb. Seit Abschluss der Behandlung bekomme ich nach dem Stillen eine weiße Mamille und es brennt. Nach ca 30 Sek wird es besser und die Haut wieder rosig. Wenn ich dann meinen Still-BH darüber ziehe, geht es von vorne los. Insgesamt dauert das dann zwischen 10 und 30 Minuten.Insgesamt ist die Brustwarze links mehr als rechts unheimlich empfindlich, so dass bereits Kleidung sehr unangenehm ist. Auch zwischen den Mahlzeiten sticht und zieht es in der Brust. Ich nehme fast durchgängig Schmerzmittel bei Bedarf. Ich war bei der FÄ, die einen Abstrich machte und keinen Pilz fand. Zu der weißen Mamille meinte die, es sei ein Raynaud-Syndrom, da könne man nichts machen. Die Hebamme äußerst sich ähnlich. Magnesium im gesamten SSV mit 600 mg, nur 1Woche pausiert zur Sectio, dann weiter eingenommen zur Migräneprophylaxe. Anlegetechnik (asymmetrisches Anlegen) laut Hebamme sehr gut. Wir waren schon einmal bei der Osteopathie, seither überstreckt sich meine Tochter nicht mehr so sehr. Kurzum ich habe immer noch Schmerzen, stille nur zu Hause. Ich bin selbst Ärztin habe schon viel gelesen. Für mich dreht es sich im Kreis: Soor, Vasospasmus, Saugtechnik? Meine FÄ möchte kein Fluconazol verschreiben, da kein Pilz im Abstrich nachgewiesen wurde. Mit dem „Raynaud“ muss ich leben. Ich bin echt kaputt, denn die Schmerzen zehren. Wenn ich nicht wüsste, dass es geht (1.Kind) würde ich längst intensiv übers abstillen nachdenken. Aber ich möchte stillen! Eine Stillberaterin gibt hier im Umkreis ambulant leider nicht, erst in ca 200 km. Auch gibt es keine Stillgruppe. Welche Ideen haben Sie? Welche Optionen gibt es noch? Achso, die Gewichtszunahme bei meiner Tochter ist super! Ganz lieben Gruß und vielen lieben Dank am Voraus!


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Kirschblüte, es kann sein, dass Du einfach total verspannt bist und deshalb Schmerzen hast. Ich würde die Anlegetechnik zunächst noch einmal überprüfen lassen, allerdings kann es tatsächlich auch immer noch ein Soor sein oder das Raynaud-Syndrom. Solche Gefäßkrämpfe sieht man immer wieder bei Frauen, die das Magnesium, das sie während der Schwangerschaft eingenommen haben, plötzlich abgesetzt haben. In seltenen Fällen handelt es sich dabei auch um ein Phänomen, das Raynaud Syndrom genannt wird und auch andere Körperteile z.B. die Finger befallen kann. Bei einem echten Raynaud Syndrom gibt es medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, die auch in der Stillzeit möglich sind. Schau mal: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/article/830590/schmerzen-stillen-mastitis-gefaessproblem.html Es ist nicht ganz einfach, von hier aus eine zuverlässige "Diagnose" zu stellen. Falls Du noch keinen Kontakt zu einer Stillberaterin hast, solltest Du dich dann an eine Stillberaterin vor Ort wenden, die Euch beim Stillen sehen kann und so feststellen kann, ob das Baby korrekt an der Brust saugt oder vielleicht ein Saugproblem vorliegt, das behandelt werden müsste. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Soor ist eine ungeheuer hartnäckige Sache und muss mit ebenso ungeheurer Konsequenz mit dem richtigen Mittel und lange genug behandelt werden. Ganz wichtig ist dabei, dass nicht nur die Mutter, sondern auch das Baby behandelt wird, auch wenn das Baby, was allerdings nur sehr selten der Fall ist, symptomfrei erscheint. Wird nur die Mutter behandelt und das Kind nicht, dann stecken sich beide gegenseitig immer wieder an (Ping Pong Effekt). Da Pilzinfektionen so seeeeehr hartnäckig sind, ist neben der Behandlung absolute Hygiene unabdinglich ist absolute Hygiene wichtig und Du musst auch noch weiter behandeln, wenn schon alle Symptome verschwunden sind. Die Pilze halten sich nämlich noch eine Weile, nachdem die Symptome bereits verschwunden sind und schlagen erneut zu, wenn die Behandlung zu früh beendet wird. Candida albicans, der Erreger des Soors liebt Zucker und deshalb wird bei Soorbefall empfohlen auf Zucker weitgehend zu verzichten. Muttermilch enthält Laktose, das ist ebenfalls ein Zucker und Candidapilze leben ganz gut davon. Deshalb sollte bei einer Soorinfektion die Milch nach dem Stillen nicht auf den Brustwarzen eintrocknen, sondern mit klarem Wasser abgewaschen werden, um dem Soor die Lebensgrundlage zu entziehen. Hier noch einige generelle Hinweise zum Thema Soor: Nachdem die Behandlung der Soorinfektion begonnen wurde, können die Beschwerden für ein bis zwei Tage schlimmer erscheinen, bevor eine Besserung eintritt. Die Mutter sollte ihre Brustwarzen nach jedem Stillen mit klarem Wasser abspülen und an der Luft trocknen lassen, da Soor in Milch und feuchtem Milieu gut gedeiht. Bis der Schmerz verschwindet, können folgende Vorschläge dazu beitragen, das Stillen weniger schmerzhaft zu machen: häufigere, kürzere Stillmahlzeiten anbieten, an der weniger schmerzhaften Seite zuerst anlegen (wenn es eine weniger schmerzhafte Seite gibt), den Saugschluss des Babys unterbrechen, bevor es von der Brust genommen wird, indem sanft am Kinn des Babys oder am Mundwinkel des Babys gezogen wird. Soorpilze können sich an vielen Stellen (einschließlich Muttermilch) halten. Deshalb sollte sich die Mutter ihre Hände häufig waschen und die folgenden Vorsichtsmaßnahmen einhalten, um einen Rückfall zu vermeiden. Das Baby kann mit abgepumpter Milch gefüttert werden. Die Milch, die während einer Soorinfektion abgepumpt wurde, sollte jedoch nicht aufbewahrt und eingefroren werden. Einfrieren inaktiviert Hefepilze, tötet sie aber nicht ab (Rosa 1990). Daher kann eingefrorene Milch, die das Baby nach Abschluss der Behandlung erhält, einen Rückfall verursachen. Erhält das Baby einen Beruhigungssauger oder werden Flaschensauger oder Beißringe benutzt, müssen sie einmal täglich zwanzig Minuten lang ausgekocht werden, um die Soorerreger abzutöten. Nach einer Behandlungsdauer von einer Woche sollten sie weggeworfen und neue gekauft werden. Wird eine Milchpumpe benutzt, müssen alle Teile, die mit der Milch in Berührung kommen (mit Ausnahme der Gummidichtungen), täglich ausgekocht werden. Einmalstilleinlagen sollten nach jedem Stillen weggeworfen werden. Stilleinlagen aus Stoff sollte die Mutter nach jedem Stillen wechseln und erst wieder benutzen, nachdem sie in heißem Seifenwasser gewaschen wurden. Ist das Baby bereits alt genug, um mit Spielsachen zu spielen, muss alles, was es in den Mund nehmen kann, häufig mit heißem Seifenwasser abgewaschen werden, um eine erneute Infektion und ein Weiterverbreiten der Infektion an andere Kinder zu verhindern. Auf der Webseite von LLL findest du ein Infoblatt zum Thema Soorinfektion in der Stillzeit http://lalecheliga.de/downloads Dort ist das geballte LLL-Wissen zu diesem Übel zusammengefasst! Es tut mir leid, dass ich Dir nur allgemeine Empfehlungen geben kann, aber Du hast tatsächlich schon fast alles probiert und eigentlich alles richtig gemacht. LLLiebe Grüße Biggi


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