Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillwochenende

Frage: Stillwochenende

Olivia81

Beitrag melden

Hallo ihr beiden, heute frage ich für meine Bekannte, die auf Grund ihres anstrengenden Babys momentan keine Zeit zum Schreiben hat.. Ihr Baby ist 9 Wochen alt und wird seit der Geburt vollgestillt. Vor etwa 2 Wochen fing es an, dass er sowohl tagsüber als auch nachts teilweise alle ca. 1-1.5 Stunden Hunger meldete. Sie legte ihn dann auch immer an..aber irgendwie schien er nicht mehr satt zu werden. Mit der Medela Symphony & Doppelpumpset versuchte sie die Milchmenge zu erhöhen (nach dem Stillen pumpt sie ab). Im Forum ratet ihr in solchen Fällen oft zu einem Stilltag, dass man sich also mit Baby ins Bett verzieht und nichts anderes macht als stillen ..diesen Rat gab ich ihr. Nun hat sie das ein Wochenende lang praktiziert mit dem Ergebnis, dass die Milch sich verringert hatte (beim Abpumpen nach dem Stillen kamen nur noch mickrige Mengen). Woran kann das liegen? Der Kleine saugt sehr kräftig, nimmt bis jetzt noch zu, ist auch sonst gesund & munter, hat täglich mind. 6 nasse Windeln usw. Sie möchte unbedingt weiter vollstillen und keine Pre-Nahrung geben. 2. Es ist ihr schon öfter passiert, wenn sie von ihrem Kind getrennt und mit völlig anderen Dingen beschäftigt war, so einen Milcheinschuss verspürte. Das ist doch der Milchspendereflex, oder? Warum setzt er bei ihr oft dann ein, wenn das Kind gar nicht Hunger meldet bzw. gar nicht da ist?? danke & viele Grüße Olivia


Biggi Welter

Biggi Welter

Beitrag melden

Liebe Olivia, wie viel Milch eine Frau abpumpen oder ausstreichen kann sagt NICHTS darüber aus, wie viel Milch sie tatsächlich bildet. Erstens gibt es ganz große Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Milchpumpen (und noch dazu arbeitet nicht jede Pumpe bei jeder Frau gleich wirkungsvoll). Zweitens ist das Abpumpen oder Ausstreichen eine Technik, die erlernt werden muss (die Frau muss auch lernen mit der Pumpe einen Milchspendereflex auslösen zu können) und drittens gibt es keine Pumpe, die so wirkungsvoll eine Brust entleeren kann wie ein Baby. Dazu kommt, dass der Milchspendereflex bei der Mutter um ein vielfaches besser durch ein Baby als durch ein Milchpumpe ausgelöst wird. Vielleicht war deine Freundin einfach angespannt und ängstlich und der Milchspendereflex wurde nicht ausgelöst. Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut und der Organismus eines Babys ist auf häufige Mahlzeiten eingestellt. Dabei ist es nun nicht unbedingt immer so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys und vor allem am späten Nachmittag und Abend kommt es verstärkt zu solchen Cluster Phasen. Es bedeutet also keineswegs, dass die Milchmenge sich verringert hat, wenn das Baby vermehrt an die Brust möchte. Ob das Kind deiner Freundin gedeiht kann man bei einem vollgestillten Baby an den folgenden Anzeichen erkennen: o mindestens fünf bis sechs nasse Wegwerfwindeln hat (um zu sehen wie nass "nass" ist, kannst Du sechs Esslöffel Wasser auf eine trockene Windel geben). Diese Regel gilt aber nur für voll gestillte Kinder, das heißt das Baby bekommt nichts außer Muttermilch (kein Wasser, Tee, Saft usw.). o in den ersten sechs Wochen täglich mindestens zwei bis vier Stuhlentleerungen (später sind seltenere Darmentleerungen normal) o eine durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme von mindestens 110 g pro Woche ausgehend vom niedrigsten Gewicht (mit zunehmendem Alter verringert sich die durchschnittliche Gewichtszunahme), o eine gute Hautfarbe und eine feste Haut, o Wachstum in die Länge und Zunahme des Kopfumfangs o ein aufmerksames und lebhaftes Verhalten des Babys in den Wachphasen. Solange diese Kriterien erfüllt sind, dürfte alles in Ordnung sein. Ich kann deiner Freundin nur dringend empfehlen, einmal ein Stillgruppentreffen zu besuchen oder zumindest einmal mit einer Stillberaterin in ihrer Nähe ein direktes Gespräch (auch am Telefon) zu führen. Viele Unsicherheiten lassen sich im direkten Gespräch sehr viel besser ausräumen und der Austausch mit anderen stillenden Müttern kann sehr ermutigend sein und vor allem wird sie sehen und erleben, dass sich andere Babys genau so verhalten wie ihr kleines Menschlein. Viele Frauen haben auch ohne das Anlegen einen Milchspendereflex, der einsetzt, wenn sie ihr Kind oder auch ein anderes Baby schreien hören oder gar nur an es denken. Manche Mütter berichten, dass der Milchspendereflex ausgelöst wird, bevor das Baby aufwacht. LLLiebe Grüße, Biggi


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.