Emmi 123
Sehr geehrte Frau Wrede und Frau Welter, Ich habe schon sooo viel über das Stillen gelesen und jetzt muss ich einfach Mal zwei Fachfrauen fragen. Kann ich wenn ich noch Stille schnell wieder schwanger werden und wenn ja kann ich dann auch noch ein paar Monate weiter stillen?? Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. LG Emmi 123
Kristina Wrede
Hallo Liebe Emmi 123, na, dann geb ich dir hier mal unser geballtes Wissen weiter :-) Unter der Voraussetzung, dass ein Baby jünger als sechs Monate ist, ausschließlich gestillt wird und die Abstände zwischen den Stillzeiten nicht länger als höchstens vier Stunden sind und die Menstruation noch nicht wieder eingesetzt hat, beträgt die empfängnisverhütende Wirkung des Stillens etwa 98 %. Das heißt, dass zwei von 100 Frauen schwanger werden, auch wenn alle die o.g. Punkte erfüllt sind. Sobald aber einer dieser Punkte nicht mehr erfüllt ist, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft deutlich an, allerdings kann ich keine exakten Prozentzahlen nennen. Bei manchen Frauen genügt auch nur noch ein oder zwei Mal stillen innerhalb von 24 Stunden bei einem älteren Kind, um den Eisprung zu unterdrücken, aber wie gesagt, für den Einzelfall lässt sich da nichts Genaues sagen. Es ist also möglich, dass du trotz Stillen schwanger wirst :-) Der ersten Regelblutung nach der Geburt kann (nicht muss) ein Eisprung vorausgehen. Hat die Frau dann genau zum passenden Zeitpunkt Geschlechtsverkehr, dann kommt es unter Umständen gar nicht mehr zu dieser Regelblutung, weil bereits wieder eine neue Schwangerschaft eingetreten ist. Von daher kann eine neue Schwangerschaft sehr wohl möglich sein, ohne dass vorher eine Regelblutung stattgefunden hat. Viele Frauen haben aber zunächst noch ein oder mehrere Zyklen ohne Eisprung ehe wieder ein Eisprung stattfindet. Doch auch hier gilt: es gibt keine absolute Vorhersage für die einzelne Frau. eine erneute Schwangerschaft ist kein Abstillgrund. Es ist möglich während der gesamten Schwangerschaft weiter zu stillen und sogar nach der Geburt des nächsten Babys beide Kinder zu stillen (das wird Tandemstillen genannt). Viele Kinder stillen sich allerdings im Laufe der erneuten Schwangerschaft ab, unter anderem deshalb, weil sich der Geschmack der Milch verändert. Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf schadet das Stillen nicht. Die Mutter sollte jedoch auf eine gute und ausgewogene Ernährung achten, um Mangelerscheinungen bei sich selbst zu vermeiden. In der Regel kann eine gut ernährte Mutter, sowohl das ungeborene Baby als auch das gestillte Kind, wenn es älter als ein Jahr ist, ausreichend zu versorgen. Ist das Stillkind noch jünger als ein Jahr, sollte auf seine Entwicklung und seinen Gewichtsverlauf geachtet werden. Die Mutter sollte darauf achten, dass Sie angemessen zunimmt, gesund und nahrhaft isst und genügend Zeit zum Ausruhen hat. Manche Frauen brauchen deutlich mehr zusätzliche Kalorien, wenn sie schwanger sind und gleichzeitig stillen. In der Schwangerschaft kann die Milchproduktion nachlassen und es ist nicht immer möglich sie mit den üblichen Methoden zur Steigerung der Milchmenge wieder zu erhöhen. Deshalb sollte die Gewichtskurve des gestillten Kindes im Auge behalten werden. Einige Frauen haben Probleme mit sehr empfindlichen oder sogar wunden Brustwarzen, die auf die Hormonumstellung durch die Schwangerschaft zurückzuführen sind. Wie lange diese Empfindlichkeit und das Wundsein anhalten, lässt sich nicht vorhersagen. Leider helfen, die meisten Empfehlungen für wunde Brustwarzen in dieser Situation nicht. Es gibt keine bewiesenen Risiken für Mutter oder ungeborenes Kind, wenn die Mutter während der gesund verlaufenden Schwangerschaft stillt. Gebärmutterkontraktionen, die beim Stillen auftreten können, sind ein normaler Teil der Schwangerschaft. (Die Stimulation der Brustwarzen verursacht die Ausschüttung geringer Mengen des Hormons Oxytozin, das wiederum Kontraktionen der Gebärmutter und der Milchbläschen in der Brust verursacht). Auch während des Geschlechtsverkehrs, den die meisten Paare auch während der Schwangerschaft weiterhin haben, kann es zu Gebärmutterkontraktionen kommen. Selbst wenn einige stillende Mütter stärkere und häufigere Kontraktionen während der Spätschwangerschaft spüren, scheinen diese keine Gefahr für das ungeborene Baby im Verlauf einer normalen Schwangerschaft darzustellen. Eine Studie ergab, dass Stillen keine negativen Auswirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft zu haben scheint (Moscone und Moore, 1993). Außer dem Wunsch der Mutter abzustillen, gibt es nur wenige Gründe, während einer Schwangerschaft nicht weiterzustillen. Dazu gehören: o Schmerzen in der Gebärmutter oder Blutungen; o vorangegangene Frühgeburten; o ununterbrochener Gewichtsverlust der Mutter im Verlauf der Schwangerschaft. Dies kommt jedoch nur sehr selten vor. Stillen verursacht auch keine Blutungen. Es gibt auch keine Beweise dafür, dass eine vorangegangene Fehlgeburt ein Grund zum Abstillen sei. LIeben Gruß, Kristina
Emmi 123
Sehr geehrte Frau Wrede, Vielen lieben Dank für Ihre sehr ausführliche, interessante und hilfreiche Antwort auf meine Frage! Schön daß es dieses Forum mit seinen Experten gibt. Ich möchte es nicht missen! Danke!