Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Stillen besonders nachts

Frage: Stillen besonders nachts

schneemaus77

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Hallo Ihr Beiden, ich habe mal wieder eine Frage zum Stillen und Beikost: Unsere Tochter ist nun 6 Monate alt (seit einer Woche) und seitdem bekommt sie auch die 1.Beikost. Das klappt ganz gut. Allerdings stille ich nach wie vor recht viel (habe 6 Monate voll gestillt und nach Bedarf). Ich stille weiterhin nach Bedarf. Dabei fällt mir auf, dass sie besonders nachmittags und abends oft und kurz trinkt. Sie trinkt 2 - 3 Minuten, hört auf und kommt nach 1 Stunde wieder. Ist das normal? Es wäre manchmal einfacher, wenn sie 1mal länger trinkt und dann erst nach 2 - 3 Stunden wiederkäme. Geht das oder ist das Wunschvorstellung? Auch nachts kommt sie, seit sie 3 Monate alt ist, 2 - 4 mal. Das zerrt auf die Dauer ganz schön an meinen Kräften. Allerdings hab ich oft das Gefühl, dass sie von den 4 mal nur 1 - 2 mal wirklich Hunger hat und ansonsten die Brust zur Beruhigung braucht. Habt Ihr einen Rat für mich? Am Tag schläft sie leider auch immer nur kurz und immoment nur im Auto - selbst der Kinderwagen geht immoment nicht. :-( D.h. ich habe gerade keinerlei Erholungsmöglichkeit. Kann das vielleicht auch am Wachstumsschub liegen? Und ändert sich das wieder? LG Schneemaus


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Schneemaus, deine Kleine ist gerade erst sechs Monate alt und damit noch am Beginn der „Beikostkarriere“ und in dieser Zeit sollte der Begriff „BEI Kost“ wörtlich verstanden werden. Beikost ist etwas, was die Muttermilch ergänzt und nicht ersetzt. Es ist deshalb normal und richtig in Verbindung mit der Beikost zu stillen, nicht zuletzt deshalb, weil auf diese Weise bestimmte Bestandteile der Beikost vom Kind besser verwertet werden können. Es wird jetzt wärmer und viele Kinder stillen einfach ihren Durst und trinken deshalb häufiger und am Abend brauchen viele Kinder einfach ihren „Heimathafen“. Du kannst versuchen, die Zeitspannen zu verlängern, aber meist klappt das nicht. Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Deine Tochter kommt langsam in die sogenannte Fremdelphase. Das heißt, das Kind beginnt ganz bewusst zwischen fremd und bekannt zu unterscheiden und lernt nun auch sehr deutlich, dass es ein eigener Mensch ist. Dies kann für das Kind sehr aufregend und verunsichernd sein und dann will es natürlich nicht alleine sein, schon gar nicht, wenn es sich in den Schlaf fallen lassen soll und damit ja auch das letzte bisschen Kontrolle abgeben muss, das es in seiner Welt hat. Das wird sich wieder ändern, hab keine Sorge! Die anstrengenden Tage gehen vorbei, auch wenn es manchmal so aussieht, als ob die Tretmühle sich ewig dreht. Ich wünsche dir bald wieder einfachere Zeiten. LLLiebe Grüße, Biggi


schneemaus77

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Liebe Biggi, herzlichen Dank für Deine Antwort. Ich erwarte ja gar nicht, dass meine Tochter nachts durchschläft, aber es wäre einfach schön, wenn sie nicht alle 1 - 2 Stunden käme und dann z.T. auch mal 1,5 Stunden wach und unruhig ist. Dann bin ich auch wach und kann nicht mehr schlafen. "Nur" stillen nachts ist absolut okay, da sie neben uns im Kinderbett (angedockt an unser Bett) schläft. Ja, sie scheint in der Fremdelphase zu sein, da sie immoment Mama's Nähe sehr stark und besonders nachts braucht. Sie schläft am liebsten an mich gekuschelt. Die Zeitspannen zwischen dem Stillen am Nachmittag/Abend zu verlängern hab ich schon versucht, aber sie wird dann so quengelig, dass ich Ihr dann doch die Brust anbiete - dann ist sie glücklich und ich kann auch wieder entspannen. Ja, ich denke, wir müssen da einfach beide durch. LG Schneemaus


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Liebe Schneemaus, ja, das Gefühl haben wir alle glaub ich auch schon durchlebt :-) So unerträglich es zuweilen erscheint, rückwirkend betrachtet ist es wirklich nur eine Phase, und wenn die vorüber ist, ist sie auch schnell vergessen... Versuche, dir das Leben jetzt so leicht wie möglich zu machen. "Entschlacke" deinen Terminkalender, prüfe, ob eine Arbeit wirklich nötig ist und suche ganz gezielt nach Möglichkeiten, immer mal wieder aufzutanken. So überstehst du diese anstrengende Zeit am besten. Lieben Gruß, kristina


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