Lkpf
Liebe Biggi, meine Tochter ist jetzt 13 Monate. Unsere Stillbeziehung war immer einfach, schön und ohne Probleme. Jetzt langsam bin ich aber etwas im Zwiespalt. Meine Tochter fordert momentan tagsüber wieder öfter die Brust ein. Ich weiß gar nicht genau, warum, aber mich stört es zunehmend. Ich möchte eigentlich, dass sie tagsüber isst und abends und nachts weiter gestillt wird. Dieses Saugen ertrage ich tagsüber einfach nicht mehr gut. Es nervt mich, wenn sie kommt. Meistens sage ich zwei-, dreimal Nein, lenke sie ab und stille sie dann doch, weil ich das Gefühl habe, dass es ihr wichtig ist und sie instinktiv weiß, was sie gerade braucht. Momentan ist sie krank und trinkt auch deshalb tagsüber wieder mehr. Ich habe schon das Gefühl, dass ihr die Brust gerade guttut, und genau deshalb fällt mir das Nein sagen besonders schwer – vor allem, wenn sie sowieso kaum etwas isst. Gleichzeitig glaube ich, dass mich auch beeinflusst, dass viele Freunde gerade abstillen oder schon abgestillt haben. Bei anderen habe ich das Gefühl, dass die Kinder feste Nahrung besser annehmen und die Brust gar nicht mehr so sehr verlangen. Meine Tochter scheint sie dagegen noch richtig zu brauchen. Dabei war Abstillen für mich eigentlich nie ein Ziel. Ich wollte immer gerne ungefähr bis zum 2. Geburtstag stillen und hatte gedacht, dass sich die Mahlzeiten langsam reduzieren und irgendwann nur noch ein oder zwei übrig bleiben, die beide Seiten genießen können. Ich weiß aber auch, dass Stillen eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist und meine Bedürfnisse genauso zählen wie ihre. Trotzdem habe ich beim Nein sagen oft ein schlechtes Gefühl, weil es sich so anfühlt, als hätte ich die Kontrolle und könnte über etwas entscheiden, das sie genauso betrifft.Ich habe deshalb schon über komplettes Abstillen nachgedacht oder darüber, mir einen Zeitraum zu setzen, bis wann ich aufhören möchte. Denn so, wie es gerade ist, ist es mir einfach zu viel. Dazu kommt, dass ich seit dem ersten Tag des Stillens starke Schmerzen in meinen Handgelenken habe. Als ich tagsüber nicht mehr gestillt habe, waren die Schmerzen komplett weg und ich war so erleichtert. Seitdem sie tagsüber wieder häufiger stillt, sind sie leider zurück. 😪Ich weiß gerade einfach nicht, was der richtige Weg ist. Ich möchte ihre Bedürfnisse nicht ignorieren, aber meine eigenen eben auch nicht. Und gerade wenn sie krank ist oder zahnt und die Brust offensichtlich braucht, fällt es mir besonders schwer, eine Grenze zu setzen. Vielleicht hast du ja 1,2 Tipps für mich. Liebe Grüße ❤️
Liebe Lkpf, höre mal ganz genau ich dich hinein, was empfindest DU? Ist es für DICH eher schon ein Machtkampf? Fühlst DU DICH wohl? Wenn du dich nicht mehr wohl fühlst, dann ist es dein gutes Recht etwas zu ändern. Stillen ist eine ZWEIERbeziehung und du musst dich nicht zwingen. Sicherlich ist es für dein Kind ein liebgewonnenes Ritual und es wird die Brust schmerzlich vermissen, aber wenn es dich nur noch nervt, dann spürt dein Kind das auch. Wichtig ist nun, dass ihr zum einen wirklich miteinander redet und du deinem Kind klar erklärst und sagst, was du willst und was du nicht mehr willst. Zum anderen muss für dein Kind deutlich erkennbar sein, wo deine Grenzen gesetzt sind. Liebevolle Konsequenz ist das Zaubermittel in der Erziehung. Das Wichtigste ist jetzt, dass du Klarheit für dich bekommst. Je klarer für dich ist, was dein Ziel ist, desto besser lässt es sich erreichen. Denn unsere Kinder spüren jeden Zweifel in uns und dann fällt es ihnen schwerer, uns zu folgen (im wahrsten Sinne des Wortes). Dein Baby spürt jetzt deinen Zwiespalt und da es sich nicht hinsetzen und sagen kann „Mama, ich spüre, dass du dir nicht sicher bist, was jetzt das Richtige ist, deshalb werde ich dir jetzt bei deiner Entscheidungsfindung helfen" reagiert er auf deine Zweifel mit Unruhe, Weinen und Verunsicherung. Es hat keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten als Weinen und (vermehrte) Anhänglichkeit. Kinder sind für „geordnete Verhältnisse", Unsicherheit und Zweifel bringen sie aus dem Gleichgewicht. Nimm dir einmal eine ruhige Stunde für dich, in der du wirklich unbeeinflusst von außen nachdenken kannst und mach dir dabei sogar ruhig eine Liste aller Gründe, die für ein Wenigerstillen jetzt sprechen und auch welche dagegen sprechen. Überlege dann, welche der Gründe tatsächlich für DICH Bestand haben. Überdenke deine Beziehung zu deinem Kind. Dein Kind wird Regeln lernen und das kann es auch in diesem Alter! Auch DEINE Gefühle sind wichtig und wenn du dich unwohl fühlst, dann ist es dein gutes Recht, etwas zu ändern! Wenn du dir deiner Entscheidung sicher bist, wird es euch beiden besser gehen. Lass dich aber auch nicht verunsichern und vergleiche dein Baby nicht mit anderen Kindern.Wenn es für dich okay ist, dann schenke deinem Kind die Zeit und die Nähe, die es vielleicht noch braucht, denn eigentlich ist es ein Kompliment an dich, denn deine Tochter zeigt eine gute Bindung. Du bist ihr „Heimathafen“ und sie fühlt sich bei dir an der Brust sicher und geborgen. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hochgeschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe, dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Wie gesagt, spüre in dich hinein, was für DICH zählt. Liebe Grüße Biggi
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