Sonne10000
Hallo, mein Sohn ist jetzt 10,5 Monate. Nach der langsamen Akzeptanz des Mittagsbrei (Start mit 5 Monaten, ca. 1,5 Monate ohne Zwang) gingen alle anderen Breie total schnell, so dass er bereits seit etwa zwei Monaten tagsüber kaum noch gestillt wird. Anfangs habe ich ihn noch zwischendurch gestillt, aber auch dieses Bedürfnis hat zunehmend nachgelassen. Es war nicht geplant, dass Stillen schnell komplett durch Beikost zu ersetzen, aber er hat sich so ergeben, da er schnell große Mengen gegessen hat. In stressigen Situationen oder wenn er zwischen zwei Mahlzeiten bei einer aufregenden Krabbelgruppe stillen wollte, haben wir noch gestillt, aber seit einigen Wochen stillen wir tagsüber gar nicht mehr. Einschlafstillen brauchte er nur phasenweise, er nimmt mittlerweile immer seinen Daumen und schläft schnell ein. Nun wurde mir aber von einer Leiterin eines Kinderkurses gesagt, dass die Kinder auch nachts nicht mehr stillen sollen mit der Begründung sie würden sich daran gewöhnen und dass dann in den nächsten Jahren nicht von selbst aufgeben bzw. nur mit großem Theater. Ich habe keine Problem damit nachts noch zu stillen, möchte aber auch nicht jetzt die Abstillphase vor der Gewöhnung (wenn es eine solche gibt..) verpassen und die nächsten Jahre weiterstillen. Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, dass wir beide nur aus Bequemlichkeit stillen, um schneller wieder einzuschlafen. Er kommt allerdings regelmäßig um ca. 23 Uhr, 2.30 und morgens zwischen 5 und 6 und will beim Aufstehen am liebsten nochmal stillen. Oft spuckt er dann morgens aber wieder einiges aus und ich habe das Gefühl er stillt dann nicht aus Hunger, sondern weil er nochmal schlafen möchte. Da er nachts soviel trinkt, ist es auch immer mit dem Frühstück schwierig, da ich nie weiß, wann ich ihm was anbieten soll und er dann meistens bis zum Mittagsbrei gar keinen richtigen Hunger hat. Nachts habe ich aber schon das Gefühl, dass er hungrig ist, weil er ganz oft schluckt und auch nicht direkt an der Brust einschläft, sondern sich nach dem Trinken wegdreht und mit dem Daumen wieder einschläft. Wenn er während des Mittagsschlag wach wird schläft er mit seinem Daumen wieder ein. Seine Mahlzeiten sehen zur Zeit wie folgt aus: Aufstehen ca. 6.45-7.45 Eine Brust zum Einschlafen, was nicht funktioniert ca. 8.30/9.00 Bisschen Brot und Obstbrei ca. 150g ca. 12.30 Mittagsbrei etwa 240-280g 15.30 Obst am Stück/Haferkekse oder Obstbrei ca. 150g 18.30 Milchgetreidebrei ca. 300 g (250ml Kuhmilch, 50 ml Wasser) 19.30 Schlafen Flasche oder Tasse mit Milch (egal ob Kuh oder Pre) will er weder vorm Einschlafen noch nach dem Aufstehen. Schnuller und Wasserflaschen nachts werden weggeworfen. Alle Versuche nachts nicht mehr zu stillen enden mit Geschrei, dem ich nachgebe. Ich würde gerne die 23 Uhr Mahlzeit weglassen, um auch mal das Haus abends verlassen zu können und würde aber morgens gerne noch weiterstillen bis er zumindest ein Jahr ist. Was wäre ihre Empfehlung in dem Alter?
Liebe Sonne10000, seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist es so, dass Mütter ihre Babys in den Schlaf stillen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses „natürliche" Verhalten des Babys nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys wissen nicht, was zur Zeit „Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Leider geht der Trend zu immer früherer Anwendung sogenannter Schlaftrainingsprogramme und Eltern von Babys, die sich nicht dieser „Norm" anpassen, wird mehr oder weniger direkt vermittelt, dass sie selbst schuld sind, ja manchmal kommt unterschwellig sogar dazu, dass dies Eltern sich als Versager fühlen sollten. Ein Baby schläft ohne Brust ein, sobald es reif genug dazu ist. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass Du noch die nächsten Jahre damit verbringen musst, dein Baby in den Schlaf zu stillen, wahrscheinlich wird es sogar schneller vorbei sein, als Du es dir jetzt vorstellen kannst. Dein Baby braucht also vor allem eines: Zeit zum Reifen. Vielleicht "schenkst" Du ihm einfach noch ein bisschen von dieser Zeit, in der du ihm gestattest, so zu sein, wie es ist. Du machst nichts falsch! Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Der immer wieder verbreitete Gedanke, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es gibt Kinder, die nachts keine Nahrung mehr brauchen, aber es gibt eben auch sehr viele Kinder, die auch mit 12 Monaten noch nicht so weit sind. Leider hilft das Abstillen überhaupt nicht, dein Kind würde trotzdem aufwachen und Du musst es dann auf andere Weise beruhigen und herumtragen oder Flasche kochen. Das Buch von William Sears, "Schlafen und Wachen", dass es z.B. über La Leche Liga Deutschland zu kaufen gibt, kann hier tatsächlich hilfreich sein. Nicht, dass es große Auswege aufzeigen würde, aber es erklärt, warum das so ist mit unseren Babys, und warum das auch ok ist. Allein das Wissen kann eine Mutter schon beruhigen, und ihr den Stress nehmen, sie hätte ihrem Kind etwas Verkehrtes antrainiert. Überlege dir auch einmal zu einem Stillgruppentreffen zu gehen und tausch dich dort mit den anderen Müttern aus. Vielleicht hast Du sogar das Glück so wie ich vor Jahren, dass Du dort Mütter oder eine Stillberaterin kennen lernst, die bereits ältere Kinder haben und Du kannst miterleben, dass es sich lohnt noch etwas durchzuhalten. Eine Stillberaterin in deiner Nähe findest Du im Internet unter http://wwwlalecheliga.de (La Leche Liga), http://www.afs stillen.de (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl stillen.de (Still und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße Biggi
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