Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Ich kann es nicht mehr gut machen....

Frage: Ich kann es nicht mehr gut machen....

Jessi.B

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Hallo Biggi, ich weiß so gar nicht recht wo ich anfangen soll.... naja also ich bin Mutter von 2 Mädchen, die Große ist 4 und die Kleine ist nun 15 Monate alt. Meine erste Tochter war ein wirklich pflegeleichtes Baby und ich hatte von Anfang an diese überwältigenden Muttergefühle und widmete ihr meine ganze Aufmerksamkeit. Ich hatte irgendwie kaum Probleme ihre Bedürfnisse zu erkennen, trug sie viel, auch wenn sie nicht weinte - ganz davon abgesehen weinte sie eh kaum und schlief, vor allem auch nachts sehr gut. Dann wurde ich mit unserem zweiten Wunschkind schwanger - und irgendwie war alles anders. Zwar waren nach der Geburt dieselbe überwältigende Liebe da, aber irgendwie konnte ich ihre Bedürfnisse nicht "erspüren". Das fing schon damit an, dass ich sie beim ersten Stillen von der Brust nach 10 Minuten (wie von der Hebamme empfohlen) abdockte, was sie sofort mit herzzereissendem Weinen quittierte. Wenn ich heute so darüber nachdenke frage ich mich was mich da nur geritten hat? (Die erste Tochter habe ich im übrigen nicht gestillt). Ich trug sie auch bei weitem nicht so viel wie meine erste Tochter, zuerst weil ich die Eifersucht der Großen in Grenzen halten wollte, und dann weil meine Große Tochter sehr sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zog, da sie plötzlich ununterbrochen krank war. Sie hatte wirklich einen Infekt nach dem anderen. Irgendwann war die Kleine dann plötzlich kein pflegeleichtes Baby mehr.... da war sie etwa 6 Wochen alt als es anfing, dass sie sehr viel schrie, nur noch schlecht einschlief und vor allem auch wenn sie schlief bei jedem Mucks wach wurde. Immer wenn sie schrie "stopfte" ich ihr meine Brust in den Mund, da sie sich dadurch meinst beruhigen lies, aber im nachhinein habe ich das Gefühl dass dies falsch war.... ich habe nicht nach ihrem Bedürfnis gekuckt, sondern wollte einfach nur dass sie still ist. Das ganze letzte Jahr war irgendwie ein einziges Chaos, ich war oft depressiv und genervt. Es gab wirklich wenige Momente in denen die Kleine meine volle Aufmerksamkeit hatte...., so viele andere Dinge hatte ich um die Ohren (Krebserkrankung in der Fam., KIGA-Probleme, eigene Depression, und die ständigen Krankheiten). Im Moment komme ich etwas zur Ruhe und denke viel über das letzte Jahre nach und es tut mir soooo unendlich leid, dass ich meiner Kleinen nicht dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt habe die die Große erhielt. Die Kleine ist auch weit anstrengender als die Große es war und weißt du, ich bin davon überzeugt dass es meine Schuld ist. Ich versuche immer wieder mir zu verzeihen, da die Umstände nicht gerade günstig waren, aber ich kann es nicht. Ich kann es mir nicht verzeihen. Ich liebe sie doch auch so sehr und ich wollte allen meine Kindern immer eine gleich gute Mutter sein. Ich habe alles verpasst was eine Mama ihrem Kind im ersten Jahr gutes tun kann.... so kommt es mir zumindest vor, und ich kann es nicht mehr gut machen. Das erste Jahr ist vorbei, sie fängt an sich von mir zu lösen und dabei habe ich das Gefühl sie noch gar nicht richtig an mich gebunden zu haben! Was ist nur mit mir los..... ich bin im letzen Jahr ein anderer Mensch geworden, vor allem auch eine andere Mutter, eine die ich so nie sein wollte.... Ich weiß, das das hier eigentlich nicht her gehört, doch ich wußte nicht wo sonst hin damit..... Danke fürs Zuhören. Eine im Moment sehr traurige Jessi


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Jessi, am liebsten würde ich dich in den Arm nehmen, ich kennen deine Gefühle nämlich nur zu gut. Du LIEBST deine Kinder und DAS zählt und ich bin sicher, dass jede Mutter beim zweiten Kind oft genervter und manchmal weniger liebevoll ist. Und bitte glaube nicht, dass dein Kind nicht gestillt werden wollte! Mit der Brust kannst Du dein Kind nicht zustöpseln. Kein Kind lässt sich an die Brust zwingen und wenn dein Kind nicht gestillt werden wollte, sondern ein anderes Bedürfnis hatte, dann hätte es dies unmissverständlich kund getan. Stillen ist eine aktive Sache von beiden Partnern und ohne dass das Kind mitmacht, geht es nicht. Ich bin sicher, dass manche Mutter gelegentlich versucht, das Kind mit der Brust zu beruhigen, einfach, weil es jetzt gerade praktisch und bequem wäre, aber das funktioniert in den allermeisten Fällen nicht solange das Kind nicht will, weil das Kind nicht gegen seinen Willen an die Brust gebracht werden kann. Die (weiche) Brust, kann nicht einfach in den Mund gesteckt werden wie zum Beispiel eine Flasche oder ein Schnuller (der ja sogar im Mund festgehalten werden kann). Stillen ist viel mehr als nur eine Form der Ernährung: es ist Trost, gibt Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Deshalb ist das Stillen in keiner Hinsicht mit dem Flaschegeben zu vergleichen. Ich bin sicher, dass dein Baby keinen Schaden bekommen hat. dein Kind spürt deine Liebe und instinktiv weiß es, dass Du ihm niemals schaden wolltest. Babys sind Gott sei Dank mit einer gewissen Robustheit ausgestattet und verzeihen uns unvermeidbare Fehler. Also KOPF HOCH, genieße die Zeit mit deinem Baby und vergeude nicht Zeit und Kraft mit Vorwürfen, die Du dir gar nicht machen musst! Jeden Tag kannst Du deinem Kind Liebe schenken und wenn Du dir selbst verzeihst, wird dein Kind deine Freude spüren, da bin ich sicher. Ich umarme dich Biggi


Morgen

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Liebe Jessi, da gibt es nix gutzumachen. Den meisten Eltern geht es andersrum, sie finden, dass sie beim ersten alles falsch gemacht haben, das erste anstrengeder ist usw. Dein Fall beweist, es liegt eben garnicht nur so sehr an den Eltern, sondern eben auch an den Kindern, sie sind wie sie sind! Klar hat ein zweites Kind nicht mehr alle Aufmerksamkeit der Eltern. Aber es hat dafür noch die Aufmerksamkeit eines Geschwisterchens! Und glaub mir, dein Kind hätte die Brust nicht genommen, wenn es sie nicht gewollt hätte. Das ist ja das schöne am Stillen, geht immer und überall, in sekundenschnelle, kostet nix, und ist alles, was das Baby will. Die Mama muss fast garnix machen und TROTZDEM ist das Kind so glücklich wie nur irgend möglich. Stillen ist sein Hobby, sein Beruf, seine Leidenschaft. Ich hatte beim ersten Kind ein schlechtes Gewissen, weil ich dachte ich müsste irgendwas "tun", bespaßen, fördern, was weiss ich. Bis ich kapierte, dass das bei einem Neugeborenen Null nötig ist. Es will getragen werden und gestillt. Klingt als hättest du immer entweder das eine oder das andere gemacht. Was will ein Baby mehr? Postpartumdepression kann auch noch länger nach der Geburt auftreten, wenn deine Traurigkeit anhält, nimm das Ernst und lass dich mal beim Arzt durchchecken. LG. Stefaníe


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