Frage: Danke und...

Liebe Biggi! Erstmal muss ich dir vielen Dank für deine unermüdlichen Bemühungen sagen! DAnke auch für die Nennung der Kriterien für den Start mit Beikost. Es hat mich doch ein wenig gewundert, dass ein Kind frei sitzen soll! Wenn das so ist, dann wird ja viel zu oft zu früh zugefüttert. Oder gibt es Kinder, die mit 4 Monaten schon sitzen?! Nun noch eine Frage:Wie alt sollte ein Kind sein, dass gestillt wird aber so einschlafen lernen soll? Meine Tochter ist 5einhalb Monate und schläft nur beim Stillen ein. Sollte ich das weiter so machen? Wenn ja: sie schläft erst nach ein bis eineinhalb Stunden alle zehn bis fünfzehn Minuten Stillen so ein, dass ich mal eine STunde ruhe habe. Zur Zeit schläft und trinkt sie sowieso nachts, am Tag dreht sie sich weg, schreit und ist nur noch kurz zum SChlafen zu bewegen. Trotz abgedunkeltem Raum...; alles schon ausprobiert.... Am kommenden Wochenende bekomme ich großen Besuch, den ich nicht absagen kann - es hat eh keiner Verständnis, dass ich schon um 18,30 ins Bett muss. Was soll ich an dem Abend machen bzw. was kann ich im Vorfeld schon tun? Danke dir! Stella

Mitglied inaktiv - 15.11.2001, 20:37



Antwort auf: Danke und...

? Liebe Stella, Der Zeitpunkt, wann ein Kind alleine oder mit nur leichter Stütze in einem Babystuhl sitzen kann, ist unterschiedlich. So wird in der Tabellen zu den Verhaltensmerkmalen in der Entwicklung des Kindes meist beschrieben, dass ein siebenmonatiges Kind in der Regel zumindest kurzzeitig allein sitzen kann, während erst mit ca. 9 Monaten ein „sicheres, zeitlich nicht beschränktes freies Sitzen mit geradem Rücken und guter Kopfkontrolle" beschrieben wird. Wenn sich ein Kind noch mit zwei Händen festhalten muss, dann ist es sicher noch nicht so weit, dass es „sitzen" kann und hätte außerdem keine Hand frei, um selbstständig etwas in den Mund zu stecken, das heißt, es kann selbst noch keine Nahrung aufnehmen. Dein Kind muss also noch nicht „stundenlang" selbst sitzen können, sollte aber so weit sein, dass es sich nicht mehr mit zwei Händen festhalten muss bzw. nur fest ans Sofa angelehnt sitzen kann. Es dürfte kaum ein Kind geben, das bereits mit vier Monaten diese Kriterien erfüllt. Seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist das Stillen und gemeinsame Schlafen eine bewährte Methode Kinder glücklich, gesund und zufrieden aufwachsen zu lassen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses „natürliche" Verhalten des Kindes nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys und Kleinkinder wissen nicht, was zur Zeit „Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Leider geht der Trend zu immer früherer Anwendung sogenannter Schlaftrainingsprogramme und Eltern von Kindern, die sich nicht dieser „Norm" anpassen, wird mehr oder weniger direkt vermittelt, dass sie selbst schuld sind, ja manchmal kommt unterschwellig sogar dazu, dass dies Eltern sich als Versager fühlen sollten. Ein Baby schläft ohne Brust ein, sobald es reif genug dazu ist. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass Du die nächsten Jahre damit verbringen musst, dein Baby in den Schlaf zu stillen, wahrscheinlich wird es sogar schneller vorbei sein, als Du es dir jetzt vorstellen kannst. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass bis jetzt noch jedes Kind aus dem Bett der Eltern ausgezogen ist und zwar lange vor der eigenen Hochzeitsnacht:-). Die Zweifler und all die, die meinen, dass sie es besser wissen, kannst Du ja mal fragen, ob sie gerne alleine schlafen und ob sie der Meinung sind, dass sie ihren Partner „verwöhnen" (im Sinne von „verziehen"), wenn sie gemeinsam in einem Bett, vielleicht sogar aneinandergekuschelt, schlafen. Was nun deinen Besuch am Wochenende betrifft: dein Baby gehört mit zur Familie und warum soll es dann von den gesellschaftlichen Ereignissen der Familie ausgeschlossen bleiben? Babys sind soziale und gesellige Wesen und wenn Du noch nicht um 18.30 Uhr ins Bett willst, dann lass dein Kind doch einfach mit euch zusammen den Abend verbringen. Sobald es dann wirklich müde ist, wirst Du es sicher recht problemlos ins Bett bringen können oder aber es macht einfach auch einmal ein Nickerchen auf deinem Arm oder dem deines Partners. Vielleicht ist das überhaupt unser Problem: wir leben nicht mit unseren Kindern, sondern grenzen sie in vielen Bereichen unseres Lebens aus und damit engen wir uns selbst ein. LLLiebe Grüße Biggi

von Biggi Welter am 16.11.2001