Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Breiverweigerung bei Baby mit 9,5 Monaten

Frage: Breiverweigerung bei Baby mit 9,5 Monaten

Müde Mama

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Hallo Frau Welter, mein kleines Mädchen mag seit 3 Tagen keinen Brei mehr. Biete ihr zwar in gewohntem Rhythmus an, mehr als 3 Löffel (wenn überhaupt) mag sie jedoch nicht. Meist kneift sie ihren Mund von vorn herein zu. Nun biete ich ihr zusätzlich Fingerfood an, ebenfalls Fehlanzeige. Zum Auffangen ihres Defizits, da die Windeln nur noch halb so nass sind und sie an Gewicht verliert, stille ich nun wieder zu den eigentlichen Mahlzeiten. Es kommt jedoch nicht mehr allzu viel. Also stillen wir auch nachts fröhlich weiter und der Schlafmangel trägt sein Übriges bei... Können sie mir einen Tipp geben, wie ich meine Kleine wieder zum Essen bewegen kann? Wie häufig soll ich noch stillen? Oder welche Alternativen gibt es? Wie lange darf ich zuwarten, auch wenn sie abnimmt? Ich muss dazu sagen, sie ist seit gestern auch ziemlich verschnupft und da es mir seitdem ähnlich eegeht und mich obendrein Halsschmerzen plagen, ist dies natürlich auch bei ihr nicht auszuschließen. Zähne sind auch wieder im Anmarsch. Kommt also auch einiges dazu. Fieber hat sie bisher nicht. Gut drauf ist sie auch und hat ab heute begonnen sich an Dingen aufrecht auf die Kniee hochzuziehen. Haben Sie einen Rat für mich? Viele Grüße, die müde Mama


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe müde Mama, es kommt immer wieder einmal vor, dass ein Baby die Beikost ablehnt und statt dessen wieder häufiger oder mehr oder ganz gestillt werden will. Dafür gibt es viele Gründe von einer sich ankündigenden Erkältung über Zahnungsprobleme oder einfach nur einem zu hektischen Tag. Wichtig ist, dass aus dem Thema "Essen" kein Kampf gemacht wird. Einen solchen Kampf verlieren die Eltern sehr schnell und viele Essstörungen haben ihre Ursache in der ganz frühen Kindheit, wenn das Baby zum essen gezwungen werden sollte. Der beste Weg, ein Kind zu einem "schwierigen Esser" zu machen besteht darin, es zum Essen zu zwingen! Ein Kind darf essen, aber es muss nicht essen und eine sehr bewährte Methode lautet "Die Mutter bietet an, was es gibt, das Kind entscheidet wie viel oder wenige es davon isst". Vermeide es weiterhin, dein Kind mit Gewaltkuren zum Essen zwingen zu wollen, ja lass das Thema ganz sein. Stille dein Kind wieder eine Weile, bis sich die Wogen geglättet haben und wieder Ruhe eingekehrt ist und probiere es dann erneut. Sicher ist auch für dich das auf deutsch erhältliche Buch "Mein Kind will nicht essen" von dem spanischen Kinderarzt Dr. Carlos Gonzales eine interessante (und beruhigende) Lektüre. Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 3 932022 12 2) bei der La Leche Liga oder auch im Stillshop hier auf der Seite erhältlich. Dr. Gonzales hat eine Aufstellung gemacht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = 1185 ml MM Eiweiss: 9,6 g = 910 ml MM Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf des Kindes an vielen Nährstoffen lange zu decken vermag und nicht unbedingt Eile geboten ist, das Kind zum Essen zu zwingen. Es gibt Babys, die es geradezu hassen und hysterisch reagieren, wenn man ihnen etwas in den Mund stecken will. Diese Kinder essen aber recht gut, wenn sie selber essen dürfen. Das Geschmiere, das es dabei gibt, ist weniger schlimm, als das Theater mit einem Kind, das sich mit allen Kräften wehrt und außerdem lernen die Kinder recht schnell gut zu essen. Es gibt eine ganze Menge, was als fingergerechte Nahrung angeboten werden kann. Banane zum Beispiel kann ein Kind gut in die Hand nehmen, sie ist weich und es kann sie alleine essen. Auch ein Stück von einer gekochten Kartoffel geht gut. Gekochte Erbsen können einzeln aufgepickt werden (ist gleichzeitig eine gute Übung für die Feinmotorik), alle Gemüse und Obstarten, die einigermaßen weich sind und dann in kleine Stücke geschnitten werden, können gegeben werden. Probiere es einfach einmal aus. Wenn Dein Kind jetzt wieder vermehrt an der Brust trinkt, wird sich die Milchmenge schnell steigern. Wenn Du den Eindruck hast, dass Dein Kind krank wird, frage einmal den Arzt, was er dazu sagt. LLLiebe Grüße und Dir gute Besserung! Biggi


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