ballibaby
Liebe Biggi! Du hast mir schon einmal gut geholfen und im Moment brauche ich einfach einen kleinen Stupser in die richtige Richtung. Meine Tochter (3,5J) habe ich ca. 18 Monate gestillt und dann abgestillt, weil ich gar nicht schwanger werden konnte unter dem Dauerstillen. Im nachhinein, ich hörte auf Ratschläge meiner Eltern, finde ich, dass das Abstillen gradezu "brutal" war. Meine Eltern waren der Meinung, 12 Monate stillen sei schon eine Ehrenmedaille wert und ich müsse mich nicht weiter abmühen. Obwohl ich das Stillen liebte und keinen Endpunkt setzen wollte (allerdings war ich eben auch hin- und hergerissen weil ich gerne nochmal schwanger werden wollte und nicht 2-3 Jahre warten wollte ... ;(...), hörte ich irgendwann doch auf sie und legte mich jeden Abend mit meiner Tochter ins Bett. Ich sang so lange neben ihr (sie hatte auch eine Milchflasche) und begleitete sie, bis sie schlief. Oft weinte sie dabei lange, jedoch ließ ich sie NIEMALS alleine, also ging nie aus dem Raum, geschweige denn aus dem Bett. Heute schläft sie gut durch und hat mir das hoffentlich verziehen. Sie wurde immer rundum gestillt und getragen... sie dann plötzlich nicht mehr zu stillen (weiterhin aber zu tragen und ihr alle Liebe zu geben) hat ihr bestimmt trotzdem einen Stich ins Herz gegeben ... Heute wurde mir bewusst, dass meine kleine Tochter jetzt auch 18 Monate ist, sie wurde immer voll gestillt und ich habe noch nie über das Abstillen nachgedacht. Bis letzte Nacht. Mir viel auf, dass sie kürlich im Urlaub fast jede nacht durchschlief (von 22h-5:30 etwa kein Stillen) - das war für mich wunderbar. Jetzt sind wir wieder zu Hause und sie will alle 1-2 Stunden nachts an die Brust. So "extrem" war es vorher selten, immer "nur" wenn sie mal zahnte oder krank war und da extra viel für sie da zu sein finde ich selbstverständlich. Langsam wünsche ich mir aber doch, dass sie länger schläft, es wäre natürlich grossartig, wenn beide Kinder ab 20:30, wenn sie meist beide friedlich nebeneinander im Familienbett schlummern, dort auch beide friedlich mal 2-3 Stunden gleichzeitig weiterschlafen würden. Aber die Kleine meldet sich nach 40 Minuten spätestens, weil sie ja eine feine Nase hat und weiß dass ich nicht da bin. So zu arbeiten und eine Doktorarbeit zu schreiben ist für mich etwas schwierig, meist schaffe ich nur mittags was zu tun, finde es aber grandios, weil die Kleine dann im Tragetuch bei mir stillt und schläft und ich in Ruhe arbeiten kann. Im Hinterkopf höre ich meine Eltern und andere Leute sagen: sie ist schon fast 2, jetzt lernt sie, nur auf deinem Arm zu schlafen und nur an der Brust ... Oder mein Kinderdarzt: wenn sie nachts durchschlafen wollen, müssen sie wohl abstillen ... Ich weiss einfach nicht was ich glauben soll! Ich habe jetzt ja schon die Erfahrung gemacht (z.b. im urlaub neulich) dass das Kindlein auch mal durchschläft, obwohl man eine "immer geöffnet-Milchbar Strategie" fährt. Trotzdem entmutigen mich dann 2-3 Nächte wo gar nicht an Schlaf zu denken ist bzw. mit häufigen Unterbrechungen ... Ich bin müde, bitte bauen Sie mich ein wenig auf ... < 3 < 3 Julie
Liebe Julie, in diesem Alter kannst Du langsam Grenzen setzen. Du musst nicht gleich ganz abstillen, aber Dein Baby kann lernen, dass auch DU Pausen brauchst :-). Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste überhaupt ist allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin `schwach" werden. Sicher ist ein zweijähriges Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deiner Tochter darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden. Wenn Du nicht mehr ständig stillen möchtest, wird es am besten sein, wenn du schrittweise vorgehst, z.B. in dem du zunächst eine gewisse stillfreie Zeit in der Nacht einführst. Dazu kannst du wie folgt vorgehen: Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du ihr während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das nun auf Deutsch erschienen ist und das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße, Biggi