Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen?

Frage: Abstillen?

BridgetBride

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Hallo liebe Frau Welter, mein Sohn ist jetzt 13 Monate alt. Nach seiner Geburt habe ich hart gekämpft um ihn stillen zu können. Er hatte Gelbsucht und war zu schwach zum trinken, deshalb habe ich 8 Wochen lang, alle 2 Stunden abgepumpt und mit der Flasche gefüttert. Zum Glück ist der Knoten dann doch noch geplatzt und wir haben seither eine ganz harmonische Stillbeziehung. Er isst auch schon kräftig nahezu alles was wir auch essen, trinkt Wasser und ab und zu Apfelschorle. Vom Prinzip her bin ich rundum zufrieden mit seiner Entwicklung. Zeitweise hab ich ihn nur noch morgens, nachmittags und abends gestillt und er hat auch schon ein paar Tage am Stück durchgeschlafen. Momentan bin ich allerdings frustriert. Mein Liebling wacht nachts ständig auf. Ganz plötzlich, aus dem Tiefschlaf heraus, sitzt er in seinem Bettchen, dass an meines grenzt und brüllt unvermittelt bis er die Brust bekommt. Manchmal schaff ich es zwischen den Aufwachern gar nicht mehr einzuschlafen. Mein Mann versucht mich zu unterstützen und steht manchmal nachts mit unserem Sohn auf damit ich ein paar Stunden schlafen kann. Der kleine ist dann eigentlich gut gelaunt. Aber irgendwann kommt der Punkt an dem er wieder müde wird und dann höre ich ihn durch 2 geschlossene Türen brüllen. Auch mein Mann ist frustriert weil er unseren Süßen kaum beruhigen kann und er zum einschlafen immer mich braucht. Das zehrt alles ganz schön an den Nerven.. Eigentlich habe ich gehofft dass er sich sanft von alleine abstillt. Auch weil wir irgendwann ein zweites Kind wollen. Er nimmt keinen Schnuller und ich habe ein schlechtes Gewissen ihm quasi die Brust vorzuenthalten. Aber ich kann nicht ewig so weiter leben und er ist ja auch müde und unleidlich. Haben sie bitte einen Tipp für mich? Ich möchte die Intervalle vergrößern ohne ihn zu quälen. Oder ist dann ein komplettes abstillen besser umzusetzen? Vielen herzlichen Dank im Voraus und liebe Grüße!


Biggi Welter

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Liebe BridgetBride, auch wenn Sie jetzt abstillen, wird Ihr Baby wahrscheinlich nicht besser schlafen. Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Sie können jetzt schon mit vielen Tricks versuchen, die Situation zu verändern, aber es wird nur Stress und Tränen geben, denn Ihr Kind IST einfach in der Phase, in der es Sie viel braucht. In dieser Zeit verarbeiten Kinder vieles in der Nacht, und brauchen die Bestätigung, dass Mama ganz nah ist, und die beruhigende Milch, noch ziemlich. Wenn Sie jetzt abstillen, kann es sein, dass Sie aufstehen müssen und Ihr Baby auf andere Weise beruhigt werden muss. Als stillende Mutter haben Sie den ungeheuren Vorteil, dass Sie Ihr Kind durch diese für alle anstrengende Zeit begleiten können, ohne dass Sie richtig wach werden und aufstehen müssen. Genießen Sie dieses Privileg, sich einfach nur umdrehen zu müssen und dann, wenn schon nicht sofort weiterschlafen zu können, so doch zumindest ruhen können. Spannen Sie weiterhin auch Ihren Partner ein. Väter können sehr wohl auch einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen. Wenn Sie gerne lesen und ein Buch lesen möchten, das sich mit dem Thema Schlaf auseinandersetzt und dessen Autor beim Thema Schlaf auch Achtung vor dem Baby zeigt und dessen Bedürfnisse ernst nimmt, kann ich Ihnen wärmstens „Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte" von Dr. William Sears empfehlen, das Sie im Buchhandel, bei der La Leche Liga und jeder LLL Stillberaterin bekommen können. Sie sollten auch tagsüber versuchen, sich selbst Nischen zu schaffen, die Sie ganz gezielt für Ihre Erholung nutzen. Gönnen Sie sich selbst in dieser anstrengenden Zeit so viel Ruhe wie möglich. Jetzt ist nicht die Zeit für blitzende Fußböden und spiegelnde Fenster. Lassen Sie den Haushalt auf Sparflamme laufen. Wenn die Fenster erst in einem halben Jahr wieder geputzt werden, dann schadet das niemandem und Tiefkühlgemüse ist nicht so schlecht und muss nicht geputzt werden. Nicht alles muss gebügelt werden. Machen Sie den Tragetest. Bügeln Sie etwas und tragen Sie es für zehn Minuten. Das nächste Mal bügeln Sie es nicht und tragen es für zehn Minuten. Dann vergleichen Sie ist der Unterschied nach der kurzen Tragezeit wirklich so deutlich, dass das Bügeln sich gelohnt hat? Viel Bügelarbeit lässt sich sparen, wenn die Wäsche sorgfältig aufgehängt wurde bzw. nicht lange im Trockner liegen bleibt, wenn der Trockner fertig ist. Es ist nicht viel mehr Arbeit, die doppelte Menge von zum Beispiel Nudelsauce zu kochen. Sie können dann eine Hälfte einfrieren und haben damit schnelle eine Mahlzeit, wenn ein Tag mal wieder sehr hektisch war. Nehmen Sie ALLE Hilfe an, die Sie bekommen können. Möglicherweise kann Ihnen auch Ihre Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder eine Freundin (selbstverständlich auch das männliche Pendant dazu) etwas unter die Arme greifen. Das können ganz simple Dinge sein z.B. einmal alle Fenster putzen, den Bügelkorb leerbügeln, einige vorgekochte Mahlzeiten für die Tiefkühltruhe, ein Nachmittag Babysitten während Sie in die sich hinlegen, spazierengehen oder sonst etwas für sich tun ... Vielleicht finden Sie einen verantwortungsbewussten Teenager, der gegen geringes Entgelt bereit ist, mit dem älteren Kind oder dem Baby zu spielen oder spazieren zu gehen. In dieser Zeit sollten Sie dann aber wirklich entweder schlafen (bzw. ruhen) oder sich mit dem größerem Kind beschäftigen oder SICH etwas Gutes tun. Achten Sie darauf, dass Sie genügend essen und trinken. Sie müssen keine perfekten Menus kochen und essen, einigermaßen ausgewogen reicht und es darf auch Tiefkühlgemüse statt frischem Gemüse sein (dann sparen Sie sich auch das Schälen und Putzen). Eine hungrige Mutter ist nicht so belastbar. Außerdem möchte ich Ihnen empfehlen (sofern Sie nicht privat versichert sind), sich von Ihrem Hausarzt krank schreiben und sich eine Haushaltshilfe verschreiben zu lassen (dazu müssen Sie erklären, dass Ihr Mann nicht zuhause bleiben kann und auch sonst niemand in der Familie da ist, der sich um die Versorgung des Kindes [das ist der erforderliche Wortlaut!] kümmern kann. Wenn Sie erst einmal Entlastung im Alltag haben, haben Sie etwas mehr Luft um durchzuschnaufen. Und um sich jedes Mal, wenn auch das Kind ruht, selbst (mit) ins Bett zu legen! Ehrlich gesagt ist DIESER Schritt meist auch recht schnell in Angriff genommen, ein Termin beim Hausarzt reicht, dann ein Anruf bei der Nachbarschaftshilfe, Sozialstation oder Kinderbüro (je nachdem, wer sich bei euch um das Thema "Haushaltshilfe im Krankheitsfall" kümmert). Das "Problem Kind" braucht meist mehr Zeit... Schauen Sie nach vorne. Die anstrengende Zeit wird vorübergehen. Auch Ihre beiden werden älter und reifer werden und nicht mehr soooo viel Aufmerksamkeit brauchen. Kurz: beschränken Sie viel Dinge auf das absolut Notwendige, so dass Sie auf diese Weise mehr Zeit für sich bekommen. Diese "gewonnene" Zeit können Sie dann dazu nutzen, sich wieder zu erholen, neue Energie zu tanken. Vergessen Sie sich selbst nicht: Gönnen SIE SICH etwas Gutes, dann lassen sich so anstrengende Phasen leichter überstehen. Ich wünsche Ihnen bald wieder ruhigere Zeiten. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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