Johanna_B
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, Vielen lieben Dank zunächst für Ihre für mich sehr hilfreichen Antworten zu meinem Problem der vorzeitig verschwindenden Dreilagigkeit! Heute habe ich eine technische Frage hierzu, denn ich würde gerne etwas mehr nachvollziehen können, was im Ultraschall zu sehen ist. Höhe des Endometriums und dessen Dreilagigkeit werden nach meinem Wissensstand im Längsschnitt beurteilt. Unter meinen alten Ultraschallaufnahmen sind aber auch solche mit dem Vermerk "Uterus quer", auf denen sich in der Mitte des Endometriums ein deutlicher weißer Strich erkennen lässt. 1.Ist es möglich, die Dreischichtigkeit des Endometriums im Querschnitt zu sehen bzw. zu beurteilen? Kann es insbesondere Situationen oder Ultraschallbedingungen geben, in denen sich die Dreilagigkeit im Längsschnitt nicht darstellen lässt, wohl aber im Querschnitt? 2.Können Sie mir bitte auch erklären, wodurch das dreilagige Erscheinungsbild überhaupt entsteht? (Es sind ja, soweit ich weiß, keine drei Lagen, sondern zwei - wodurch also entsteht das charakteristische Mittelecho?) Herzliche Grüße, Johanna
Sie befinden sich hier eigentlich in einem Forum zur Medikamentenanwendung in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht für Ultraschallbefunde in der Kinderwunschbehandlung. Haben Sie die Ultraschallbefunde in Ihrem Kinderwunschzentrum nicht erörtert? Die Dreilagigkeit des Endometriums ist ein sonographisches Phänomen, das durch die zyklusabhängigen Unterschiede zwischen den Zonen des Endometriums entsteht. Es handelt sich dabei nicht um drei anatomisch getrennte Schichten, sondern um unterschiedliche Echogenitäten der verschiedenen Gewebe. Unter dem Einfluss steigender Östrogenspiegel in der ersten Zyklushälfte proliferiert die Schleimhaut und der Wassergehalt nimmt deutlich zu. Dadurch entstehen ausgeprägte Unterschiede zwischen funktioneller Schicht und Basalschicht. Dadurch werden die Schichten sonographisch besonders gut voneinander abgegrenzt. Nach dem Eisprung verändert Progesteron die Gewebestruktur, das gesamte Endometrium wird homogener und der Wassergehalt verteilt sich gleichmäßiger. Deshalb verschwindet die typische Dreilagigkeit meist innerhalb weniger Tage nach dem Eisprung und das Endometrium erscheint homogen hyperechogen. Die Dreilagigkeit gilt als Zeichen einer ausreichenden Östrogenwirkung und eines proliferativen Endometriums. Besonders in der Reproduktionsmedizin wurde sie häufig als günstiger Marker angesehen. Allerdings zeigen neuere Studien, dass ihre prognostische Aussage für Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten deutlich geringer ist als früher angenommen. Ein fehlendes Dreischichtmuster allein ist kein verlässlicher Prognosefaktor für das Scheitern einer IVF- oder Kryotransferbehandlung, sofern Endometriumdicke und zeitliche Abstimmung der Progesteronexposition stimmen. Im transvaginalen Ultraschall während der späten Proliferationsphase erscheinen drei charakteristische Linien: Die zentrale helle Linie entspricht der Grenzfläche der beiden aneinanderliegenden Endometriumhälften. Diese Echogenität entsteht hauptsächlich durch die Reflexion an den beiden gegenüberliegenden Oberflächen sowie geringe Mengen Schleim oder Flüssigkeit. Eine beidseits dunklere Schicht entspricht dem östrogenstimulierten funktionellen Endometrium. Durch den hohen Wassergehalt und die locker angeordneten Drüsen erscheint diese Zone echoärmer. Die äußere helle Randschicht entspricht dem Übergang zwischen der basalen Schleimhaut und der Gebärmuttermuskulatur. Durch das dichtere Gewebe entstehen stärkere Ultraschallreflexionen. Die sonographische Beurteilung erfolgt üblicherweise im Längsschnitt mit der Transvaginalsonde.
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