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Sehr geehrter Dr. Paulus, vor und während der Schwangerschaft war ich wegen Schlafstörungen in Behandlung. Meine Frauenärztin hat mir für den akuten Fall Diazepam verschrieben, mein Psychiater zu Kalma mit dem Wirkstoff Tryptophan geraten, was ich aber nicht eingenommen habe. Jetzt in der Stillzeit sind die Einschlafstörungen wieder da und meine Frage ist, ob ich im akuten Fall eines der oben genannten Medikamente nehmen kann. Meine Tocher ist jetzt 7 Monate und wird noch teilweise gestillt. Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Bei L-Tryptophan handelt es sich um eine essentielle Aminosäure. Bei chronischen Schlafstörungen ist hypothetisch ein Mangel an Serotonin in den Raphe-Kernen als Ursache angesehen worden. Der zerebrale Serotoninmangel kann jedoch nicht durch eine direkte Substitution behoben werden, da Serotonin selbst die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann. In den serotonergen Neuronen kann jedoch die Synthese über ein erhöhtes Angebot der physiologischen Vorstufe L-Tryptophan (5-Hydroxytryptamin) gesteigert werden, um diesen Mangelzustand zu beheben. Zur Sicherheit von L-Tryptophan in Schwangerschaft und Stillzeit liegen für den Menschen keine Studien vor. Allerdings enthält sowohl die Muttermilch als auch die Flaschennahrung für Säuglinge die essentielle Aminosäure Tryptophan. Gegen eine moderate Anwendung von L-Tryptophan bei Schlafstörungen der stillenden Mutter bestehen daher grundsätzlich keine schwerwiegenden Bedenken.
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