Susi973
Hallo zusammen, meine Tochter ist jetzt 10,5 Monate alt. Breistart war mit 5,5 Monaten. Sie isst von Anfang an mit Begeisterung und auch alles was auf den Tisch kommt (in Breiform, sie hat erst zwei Zähne unten) Meine erste Frage ist nun: Da meine Kleine erst zwei Zähnchen hat, wie kann ich ihr das Kauen beibringen? Ich koche alles selbst für sie und habe, ehrlich gesagt, etwas Angst vorm Verschlucken. Stückiger Brei geht schon ganz gut, aber so fingerfood oder Zwieback trau ich mich ihr noch gar nicht geben, weil sie immer so große Stücke abbeißt. Was kann ich ihr zutrauen? Muss ich sie einfach mal machen lassen? Bisher fische ich ihr immer wieder alles aus dem Mund... Eine zweite Frage: Wie kann ich den Speiseplan möglichst abwechslungsreich gestalten? Ich habe eigentlich schon alle (geeigneten) Gemüsesorten ausprobiert, doch alles was bläht oder stopft, ist nicht so gut. Da bleibt nicht mehr viel.. Nudeln, Kartoffeln, Hirse wechsle ich als Beilage immer ab. Morgens und Abends bekommt sie Halbmilchbrei mit Obst. Ist das ok so? Zwischenmahlzeiten braucht sie eigentlich kaum, sie hat einfach keinen Hunger, nur manchmal.. (Brot mag sie leider nicht..) Und noch eine Frage: Meine Tochter möchte nur gefüttert werden und überhaupt nicht selbst probieren sich Essen in den Mund zu stecken. Wie kann ich ihr das schmackhaft machen? Außerdem akzeptiert sie keine Trinklernflaschen, nur warmen Tee aus ihren (ehemaligen) Milchflaschen. Wann kann ich versuchen sie nach und nach ans Glas zu gewöhnen? Puh, ganz schön viele Fragen - ich hoffe, Sie können mir helfen. Vielen Dank schon mal im Voraus :-) :-) Liebe Grüße
Hallo Susi973 das Trinken aus einem Glas, Becher oder einem sonstigen Gefäß könnt ihr einfach immer und immer wieder üben. Spielerisch und nebenbei. Im 1. Lj ist es noch völlig in Ordnung, dass deine Kleine Wasser aus einem Fläschchen trinkt. Die Familienkost kannst du jetzt weiter ausbauen. Hab ein bisschen mehr Vertrauen in die Fähigkeiten deiner Tochter. Biete Essen an und warte einfach ab, wie sie sich langfristig mit dem Essen befassen wird. Biete jeden Morgen und Abend ganz routiniert ein paar kleine, dünn mit Butter bestrichene Brotwürfelchen an. Arrangiere die Stückchen hübsch angeordnet auf einem (Melamin?)-Teller mit einem hübschen Motiv, iss du ab und zu auch von diesen Brotstückchen und warte einfach mal ab. Deine Tochter wird zugreifen. Vielleicht noch nicht heute, vielleicht auch noch nicht morgen - aber irgendwann. Sie wird das Stückchen wohl zuerst ausgiebig mit den Fingern befühlen und anschliessend evtl mit den Lippen, der Zunge. Und erst dann wird sie es sich evtl in den Mund stecken. Vielleicht wird sie darauf herum kauen und es sogar schlucken. Vielleicht nimmt sie es in den Mund und spuckt es direkt wieder aus. Dann bräuchte deine Tochter noch etwas mehr Zeit, um mit stückiger Familienkost umzugehen. Oder sie wird das Spiel am nächsten Tag wiederholen und dann doch schlucken. Kinder lernen essen durch die Gewöhnung. Anfangs fühlt sich das neue Lebensmittel häufig noch fremd und komisch an für sie. Aber nach und nach, vor allem wenn andere Personen im nahen Umfeld einfach und genussvoll essen, wird deine Tochter bestrebt sein, es ihnen bzw euch gleich zu tun. Durch Nachahmung, durch Beobachtung wird sich auch eure Tochter bald zu einer eifrigen und neugierigen Esserin entwickeln. Du darfst deine Kleine nebenher füttern, mit ihrem gewohnten Brei. Gib ihr zusätzlich die Chance, Essen auch auf ihre Weise ganzheitlich und mit allen Sinnen kennenzulernen. Biete Familienkost, die zaghaft gewürzt sein darf. Biete Kauanreize, damit sich die Muskulatur ausbilden kann. Wenn deine Tochter tatsächlich mit Stückchen weniger gut zurecht kommt, sich noch zu häufig daran verschluckt, dann solltest du nochmals etwas abwarten. Das Schlucken ist u.a. ein Reifeprozess. MIt etwa 10 Lm schaffen es sie meisten Babys. Biete kleine weiche Kost an, denn damit ist die Gefahr des sich Verschluckens minimiert. Hole deinem Kind auch nicht jeden festen Bissen aus dem Mund, denn sonst lernt sie, dass dieses Mundgefühl nicht okay sei. Greife am besten "nur" ein, wenn wirklich Gefahr droht. Wenn die Kleinsten selbständig essen, passiert das zum Glück nur sehr selten. Aus diesem Grund sollte die Kost trotzdem ausreichend weich und mit dem Gaumen gut zerdrückbar sein und keinesfalls !!!! Nüsse oder Kernchen, Saaten etc enthalten. Mit den Nudeln klappt das Essen doch schon gut, wie du schreibst.... Du könntest auch die Obstvielfalt steigern und bspw reife, weiche Birne oder Banane anbieten. Diese könntest du zerdrücken oder in kleinen Stückchen anbieten. Rohen Apfel bspw könntest du auf einer Glasreibe fein reiben und füttern. Mandarine oder Clementinen könntest du zu Saft gepresst anbieten, evtl teelöffelweise oder zum Trinken üben aus einem kleinen Glas/Tässchen etc. Der Trinkanreiz bei dem süßen Saft ist höher als bei Wasser und das Üben fällt ganz leicht. Zum kennen lernen festerer Kost, könntest du auch bspw schon einmal frische Waffeln oder festen Grießbrei (in Form geschnitten = Grießschnitten) anbieten. 200 ml Kuhmilch ca 35-40g (+/-) g Weichweizengrieß Grieß in der Milch gut aufkochen, rühren, rühren, rühren :-) Die Masse auf einen Teller streichen, stehen lassen, d.h. den Grieß kurz quellen lassen. Danach kannst du entweder hübsche Motive ausstechen oder den mehr oder weniger festen Brei in Stücke schneiden. Dazu etwas flüssige Butter dazugeben, Obstmus zugeben und evtl etwas süßen. siehe auch hier: http://www.rund-ums-baby.de/forenbilder/index.htm?seite=9&forum=kochen-fuer-kinder#start Die Familienkost ist charakterisiert durch das Gemeinschaftserlebnis " Essen". Das gemeinsame Mahl inspiriert zum Nachahmen. Davon profitieren die Kleinsten stark. Schaffe ganz viel Routine und achte vermehrt auf das Erlebnis der gemeinsamen Mahlzeit. Essen ist mehr als nur das Stillen von Hunger. Es sind auch kulturelle Erfahrungen, die sich durch Erfahrungen am Esstisch einprägen. Essen ist ein Erlebnis, das mit allen Sinnen erfahren werden sollte. Ein reichhaltig gedeckter Esstisch weckt die Neugier deines Kindes und fördert damit das soziale Lernen. Das sog. soziale Lernen basiert auf dem Nachahmungsinstinkt. Je mehr eure Tochter bei euch Großen sieht, was und wie ihr esst, desto mehr möchte sie das auch. Serviere auch den Brei stets auf einem Teller/Schüssel. Lass deine Kleine auch schon ganz viel selbständig essen. Dadurch wird die Feinmotorik gefördert und dein Kind kann das Essen aktiv mitgestalten. Sie kann neues Essen kennenlernen. Essen und Spiel sind in dem Alter stark miteinander verwoben. Biete das Gros der Speisen noch so an, wie sie es am besten essen kann: breiig, matschig, sossig? Zerdrücke das Familiensssen vor ihren Augen, so kann sie die Speise in ihrem Ursprungszustand sehen. Das macht Appetit. Denn Familienkost ist Erlebnis! Lass dein Kind riechen, kosten, matschen, picken, kosten, kauen, lecken, abbeissen, bei dir mitessen, u.v.m. Also dann Grüße B. Neumann
Susi973
Hallo Frau Neumann, vielen Dank für Ihre freundliche und ausführliche Antwort. Wir haben schon ganz viel davon ausprobiert. Meine Kleine bekommt jetzt mindestens 2x am Tag ein riesen Lätzchen an, nen Löffel in die Hand und darf "selber essen" :-) Es klappt ganz gut - man kann ja alles wieder putzen :-D Eine Frage hätte ich allerdings noch: Meine Tochter matscht schon sehr in ihrem Brei (was sie ja auch soll und darf), aber am aller Tollsten findet sie es natürlich wenn der Löffel richtig drauf klatscht und der Brei schön hoch spritzt.. Bis zu welchem Punkt lass ich es ihr "durchgehen" und ab wann soll ich ihr zeigen was eigentlich nicht so ganz passt. Verstehen die Kids da überhaupt schon den Unterschied? Brot kommt leider immer noch nicht gut an. Ich esse immer brav mit, aber sie dreht sich komplett weg und will das gar nicht mehr.. Soll ich es erst mal nochmal weglassen für ein paar Wochen? Auch Obst isst sie nicht selbst.. Nur beim Löffeln wird ganz groß aufgesperrt :-) Soll ich das selber zugreifen erst mal nochmal hinten anstellen? Vielen Dank für Ihre Hilfe :-) Grüße Susi973