Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Sohn 3 Jahre möchte fast nichts selbgekochtes Essen - wie kann ich das ändern

Frage: Sohn 3 Jahre möchte fast nichts selbgekochtes Essen - wie kann ich das ändern

Nicole1505

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Hallo, mein Sohn 3 Jahre war schon immer ein schwieriger Esser! Er möchte am liebsten Gläschen (Menü 1-3 Jahre) er will auch nichts probieren (ab und an probiert er mal) er isst Nudeln mit Hackfleisch , Spinat und Kartoffeln etc. aber das er Bsp mal Fischstäbchen oder Fleisch probiert - keine Chance. Morgens trinkt er ein Glas Milch und isst dann in der Kita (herzhaftes Frühstück) aber mittags zu Hause ein Drama. Heute Kartoffelbrei mit Bratwurst (die isst er normal gerne) nichts zu machen. Er probiert auch nichts. Isst kein Eis oder Gummibärchen (was ja nicht so schlimm ist) zur Zeit würde er am liebsten immer Pommes und zum Nachtisch Schokolade essen. Obst will er gar nicht, nur in der Kita. Ich mache mir echt Sorgen, da er ab Mai in der Kita mittags Essen soll.


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo Nicole1505 Als Mutter ist man schnell ratlos und besorgt, wenn der Nachwuchs nicht so isst, wie man sich das wünscht. Doch Kinder wissen nichts von Ernährungsempfehlungen und essen einfach das, was ihnen schmeckt - oder wenn sie (sehr) hungrig sind. Mit viel Geduld und Liebe, einem guten Miteinander und klaren Regeln, kannst du etwas verändern. Thematisiere auch nicht die Eigenheiten deines Sohnes und zeige ihm auch nicht deine Besorgnis. Könnte es möglich sein, dass dein Sohn mit seinem Essverhalten Aufmerksamkeit auf sich lenken möchte? Wenn du den Eindruck hast, dass es so sein könnte, kann dir Frau Ubbens im Nachbarforum bestimmt ein paar gute Tipps geben. Wenn dein Kind gesund ist, gut gedeiht, meistens fröhlich und agil ist, kurzum, wenn keine Hinweise auf Verdauungsprobleme oder andere Krankheiten vorliegen, dann kannst du dich an die Veränderung im Speisenangebot heranwagen. Ob dein Kind gut gedeiht und sich altersgemäß entwickelt, oder ob sich die Essgewohnheiten noch im normalen Rahmen bewegen, müsstest du sonst euren KiA beurteilen lassen. Wenn du also wirklich sehr besorgt bist, solltest du dich an ihn wenden. Um Veränderungen zu erzielen, braucht es Zeit und Geduld. Doch mit den richtigen Tools, die ich dir gleich schildern werde, wirst du deinen Sohn zu einem ausgewogenen Speiseplan hinführen. Einmal die Woche (immer an einem bestimmten Tag) könntest du eine Pommesmahlzeit einführen. Die Regelmäßigkeit schafft Vertrauen. Zunächst kannst du klare Regeln aufstellen. Damit lernen Kinder i.d.R. schnell umzugehen. Positiv formulierte Regeln werden immer gut angenommen. Finde im täglichen Essplan eine Uhrzeit, zu der dein Kind etwas Schokolade haben darf. Bei dieser täglichen Portion sollte es bleiben. Ausnahmen an bestimmten Tagen (Ostern, Geburtstage, sonstiges) sind erlaubt :-) Du könntest deinen Kleinen auch zwischendurch neue Esserfahrungen sammeln lassen. Nicht nur der Esstisch bietet Möglichkeiten dazu, sondern auch bereits der Platz in der Küche, beim Herd, am Kühlschrank, am Obstkorb - all das kann eine Einladung zum Probieren sein. Der Fokus liegt dabei nicht beim Essen, sondern vielmehr beim Erlebnis. Es hat einen spielerischen Charakter bei einer guten Atmosphäre. Hilfreich kann auch sein, den Gerichten phantasievolle Namen zu geben, die zu dein Interessen deines Kindes passen. Welche "Helden" mag dein Kind? Benenne die Gerichte entsprechend. Überleg dir, welche Regel hilfreich für euch sein könnten. Es sollten Regeln sein, die für alle Beteiligten kompromisslos durchführbar sind. Bspw: Es muss immer erst probiert werden, dann darf abgelehnt werden. Bpsw auch dass es Schokolade nur gibt, wenn vorher ordentlich gegessen wurde. Wenn das Mittagessen wirklich nicht schmeckt, dann kann es stattdessen Alternativen wie herzhaft belegte Brote o.ä. geben. Eine Wahlmöglichkeit darf vorhanden sein. Diese Orientierung könnte deinem Sohn helfen, die negative Haltung dem Essen gegenüber umzuformen und ihm eine Chance geben, aus der ablehnenden Haltung herauszufinden. Wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten, die ihr mit einem Ritual einleiten könnt, um den Übergang vom Spielen zum Essen freudig zu bestreiten. Biete deinem Kleinen auch spielerische Essanreize und lass ihn ggf beim Vorbereiten schon spielerisch helfen. hübsch zu Ostern sind jetzt Hefehäschen, die dein Kleiner selbst formen kann: Rezept für Hefeteigfiguren 250g Mehl 1/4 Stück Hefe 1 Prise Salz 1 E 50g Zucker 25g weiche Butter oder Margarine 75-100 ml lauwarme Milch (ggf mehr) Alle Zutaten zu einem Hefeteig kneten, Teig gehen lassen. Stücke vom Teig abschneiden und Figuren formen, oder kleine Brötchen. Stelle Rosinen und anderes zum Verzieren bereit. Figruen auf eine Backblech mit Backpapier setzen. Abdecken und nochmals gehen lassen. Mit verquirltem Eigelb mit Milch bestreichen. Bei 180° C (vorgeheizt) im Ofen ca 20 Minuten backen. Versuche auch folgendes: Pflanzt in einem zuvor hübsch angemalten Blumemntopf einen (Stangen)bohnesamen ein. Dein Sohn darf die Pflanze umsorgen und beobachten, wie sie nach kurzer Zeit bereits anfängt zu wachsen. Schon nach wenigen Wochen ist eine Bohne (oder zwei) zur Ernte bereit. Daraus könnt ihr ein Festessenkochen. Dein Sohn kann sein Kuscheltier einladen und mit ihm die eigene Ernte verspeisen. Auch wenn es zunächst nur eine einzige Bohne ist....wenn es ihm gefällt, wird er bald auch zwei und mehr essen. !! Achtung! grüne Bohnen müssen immer gekocht (ca 10 min) werden! Sie sind roh giftig. !! Um Obstmahlzeiten attraktiver zu gestalten, kannst du Obststückchen ganz klein schneiden. Dein Sohn könnte sie mit der Gabel essen, was spielerisch fordert. Lege die Stückchen als hübsch arrangiertes Gesicht auf einen Teller. Ihr könntet auch ein Spiel spielen, um Obststückchen attraktiver zu machen. Kennst du bspw "Obstgarten" von Haba? * Auch das ist eine Idee, um die Freude am Obst essen hervorzulocken. Die meisten Kinder mögen das essen, was sie kennen. Es gibt ihnen Sicherheit und Geborgenheit. Je jünger die Kleinen sind, desto aufgeschlossener sind sie neuen Essangeboten. Mit etwa 18 Lm ändert sich das und die Auswahl der gemochten Speisen wird meist kleiner. Das passiert nochmals um den 3. Geburtstag herum. Erst mit 6-8 Jahren und später ab etwa 12 Jahren beginnen sich Kinder wieder mehr für neue Essabenteuer zu begeistern und wagen sich langsam wieder an neue Essofferten heran. Das passt doch genau zu deiner Schilderung, oder? Die eingeschränkte Auswahl an gemochten Speisen ist einfach ausgedrückt "ein bisschen angeboren" und half in frühen Zeiten, dass sich die Kleinsten nicht vergiften. Mit etwa 3 Jahren sind Kinder schon etwas selbständiger und brauchen nicht mehr ständig beaufsichtigt werden. Sie sind in dieser Zeit selbst etwas vorsichtiger und probieren von sich aus eher keine neue Speisen - um auf die früheren Zeiten zurückzukommen - bot diese "Antineugier" somit einen Schutz vor Vergiftung. Die Kleinsten konnten etwas selbständiger "herumstreunen". Für Eltern und Kind war das durchaus sinnvoll. Um aus diesem evolutionär geprägten Muster auszubrechen, kannst du dein Kind immer wieder neue Speisen probieren lassen, ganz kleine Mengen, kleine Probierhäppchen, so lange und immer wieder, bis er sich an die meisten Sachen schlicht gewöhnt hat. Babies, Kleinkinder und Kinder, auch Erwachsene, haben eine mehr oder weniger stark ausgeprägte sog. Neophobie. Das ist eine Art Angst vor dem "neuen" Essen. Ursprünglich, wie oben im Text schon erwähnt, eine gute Schutzfunktion. Dieses Phänomen ist sogar in der Tierwelt vorzufinden - neue Dinge werden auch hier nur zögerlich von Jung und Alt gekostet. Und am besten wird das gegessen, was immer und immer wieder von allen nebenstehenden Personen auch verzehrt wird. Kinder lernen Essen, durch dieses sog. "soziale Lernen". Es basiert auf dem Nachahmungsinstinkt. Je mehr euer Kind bei euch Eltern sieht, was und wie ihr esst, desto besser. Dazu ist es gut, wenn es immer wieder die gleichen Sachen gibt., denn der Gewöhnungseffekt kann dauern. Koche also ruhig solche Sachen, die du und Papa gerne essen. Das ist eure Familientradition, eure Esskultur. Diese kulinarischen Erfahrungen prägen die Kinder langfristig. Du darfst neben dem Familiengericht auch Nudeln servieren - aber dein Sohn sollte unbedingt vom Neuen probieren und eine kleine Menge essen - dazu kannst du auch bspw Reste vom Vortag oder Brot bereit stellen und erlauben. Es ist wichtig, dass die Kleinsten viele neue Erfahrungen sammeln können. Denn nur über das Probieren und essen können neue Leibspeisen entdeckt werden. Und koche auch Speisen, die dein Kind gerne mag - die ihr Eltern essen "müsst". Wie kann eine solche "Probierregel bei euch "formuliert werden? Sie sollte positiv klingen und keinen Druck oder Zwang erzeugen. Die Kontinuität im Probieren kann irgendwann eine Veränderung bewirken - zuvor weniger Beliebtes kann plötzlich doch zur Lieblingsspeise werden. Hilfreich ist es, in kleinen Schritten vorzugehen. Denn Kinder müssen ein Geschmacksgedächtnis aufbauen, un das braucht Zeit. Es ist die Basis für den später daraus resultierenden Appetit. Langsam kannst du die Palette gerne gegessener Speisen erweitern. Versuche es auch mal in einer anderen Sitaution, mal nicht am Esstisch, sondern vielleicht auf dem Spielplatz, bei der Oma, bei Freunden, im Urlaub, im Restaurant etc Erweitereruhig auch spielerisch das Angebot. Hast du Ideen? Der spielerische Umgang mit Essen (kocht zusammen) schafft Berührungsängste aus dem Weg, öffnet den Weg für Neues, Neugier wird geschaffen. Auf diese Weise könnte dein Kleiner ggf Lieblingsspeisen entdecken. Beliebt sind bspw Pizzagesichter. Mit Spaghetti als Haaren. Ein paar Bilder und Inspirationen findest du oben bei den Fotos. Meine Tochter war auch immer sehr skeptisch. Gefallen fand sie häufig an "exotischen" Dingen wie Litschis oder Physalis, Oliven, Falafel (Kichererbsenbällchen), Couscous, etcetc. Dinge, die sie aber durch vorsichtiges Probieren, für sich entdeckte. Achso - trinkt dein Kind evtl viel zwischendurch? Wenn ja, was? Koche einfach so, dass es mit den Extras nicht auffällt und dir keine besonderen Mühen macht. Brot ist bspw eine Alternative, Nudeln eine andere. Reste vom Vortag sind ebenfalls gut, gib ggf noch etwas Brei dazu. Es ist sinnvoll, wenn du die täglichen Mahlzeiten nicht als Herausfoderung siehst und quasi jedes Mal aufs Neue "hoffst", dass dein Kleiner diesmal von den angebotenen Speisen essen wird. Lebe besser selbstverständliche Routine, Rituale und isst selber gut und gerne - sei ein Vorbild. Besonders schön hat das einmal der bekannte dänische Familientherapeut, Jesper Juul, formuliert. Er bezeichnet Erziehung als "Osmose", Erziehung ginge vielmehr durch die Haut. Mehr als durch Worte gesprochen zählt die Haltung, die innere Einstellung - all das nähmen die Kleinen viel stärker wahr als Worte. Das Vorleben steht bei ihm an erster Stelle - denn persönliche Maßstäbe und Überzeugungen - unausgesprochen - prägen, nach seiner Vorstellung, die Kinder vor allem. Also dann ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen Viele Grüße B.Neumann *Auf einem Spielfeld gibt es vier Obstbäume, die mit den entsprechenden Obstsorten aus Holz bestückt werden. Jeder Spieler erhält ein Körbchen und darf mit einem speziellen Würfel würfeln. Je nach gewürfelter Seite darf man entweder die gezeigt Obstsorte "pflücken" und ins Körbchen legen. Oder die Würfelseite zeigt einen Raben. Er steht für die Konkurrenz der Mitspieler und könnte gewinnen. Es gibt ein Puzzle, das aus mehreren Teilen besteht und den Raben zeigt. Wird der Rabe gewürfelt, müssen die Mitspieler das Puzzle jeweils erweitern. Ziel des Spieles ist es, die Obstbäume leer zu bekommen, bevor der Rabe fertig gepuzzlet ist. Dieses Spiel kannst du mit deinen Kindern spielen. Statt der Holzfrüchte, kannst du echtes Obst (Obststückchen) auflegen. Wenn deine Mädchen evtl doch noch zu jung für das Spiel sind - auch später macht das noch großen Spaß und kann die Furcht vor neuen Obstsorten nehmen. Geeignet sind Heidelbeeren, Erdbeeren, Melonenstückchen u.v.m Das Spielbrett mit Frischhaltefolie überziehen und die Körbchen durch Teller ersetzen. Und auch in vereinfachter Form kann man das Spiel einfach selbst nachmalen - ohne Rabe. Essen mit spielen zu verbinden, kann sehr wirkungsvoll sein. Das Spiel gibt es auch in abgeänderter und vereinfachter Version für jüngere Kinder.


Nicole1505

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Liebe Frau Neumann, vielen lieben Dank für die Antwort! Ich werde auf jeden Fall die Tipps probieren. Ich weiß, dass ich relaxter mit dem Thema umgehen muss, aber es fällt mir schwer. Im Januar waren wir bei der U7a alles ok! Seid er in die Kita geht, isst er auch Sachen, die er vorher nicht gegessen hat (Bsp. Knäckebrot mit Quark). Er trinkt recht viel (wo ich auch drauf achte, da er ein Nierenproblem hat) er trinkt nur Wasser (möchte auch gar nichts anderes) und morgens ein Glas Milch. Das Spiel Obstgarten haben wir, ich werde es auf jeden Fall mal probieren mit echtem Obst. Er deutet bei dem Spiel auch immer an, als würde er essen. Ich mache mir halt einfach Gedanken, da ich das von den Kindern aus dem Verwandten/Freundeskreis so nicht kenne. Aber nochmals vielen lieben Dank!!


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