Milka2014
Hallo, mein Sohn ist mit 14 Monaten ein wirklich mäkeliger und anspruchsvoller "Wenig-Esser". Viele Sachen schmecken ihm überhaupt nicht, wie z.B. normales Bauernbrot, Käse aller Art, die meisten Wurst- und Aufstrichsorten, Butter oder Frischkäse, rohes Obst und Gemüse. Was er gelegentlich isst: Miniaturstückchen von Breze oder Baguette, vereinzelte Löffel Naturjoghurt mit Banane oder winzige Probierhappen von unserem normalen Familienessen. Zur Zeit ernährt er sich etwa so: 7:00 - 210 ml Pre-Milch 9:30 - ein paar Löffel Früchte- oder Gemüsebrei aus dem Gläschen, einige Reiswaffeln oder ein Stück Breze 12:00 - Mittagessen ist die reinste Katastrophe, außer etwas zerdrückter Kartoffel mit Gemüsebrei und Fleischzubereitung geht meistens gar nichts 15:00 - wieder etwas Getreide-Früchtebrei oder zerdrückte Banane mit eingeweichtem Zwieback, wenn er sehr gut gelaunt ist 17:00 - 150 ml Pre-Milch (gegen den Durst, er trinkt tagsüber kaum Tee oder Wasser) 19:00 - Abendessen: mein Mann und ich sind am Ende aller Kräfte und geben ihm egal was, hauptsache er isst irgendwas. Ein bisschen was von unseren Nudeln, Gulasch oder ähnliches, wieder Breze, in der größten Not auch ein Stück Kuchen Wir sind wirklich verzweifelt, weil dieser Speiseplan kaum ausgewogen und nährstoffreich genug ist. Jede Mahlzeit ist ein Kampf mit dem Kind, er wirft alles auf den Boden und lacht geradeheraus. Das Gewicht liegt bei 11 Kilo, er ist 83 cm groß. Ansonsten ist er ein fröhliches Kind und eigentlich total unproblematisch. Was können Sie uns raten, was wir ihm noch anbieten können? Danke und viele Grüße, Milka
Hallo Milka du schreibst, dass dein Kind fröhlich und unproblematisch ist. Es scheint somit alles bestens :) Es könnte sein, dass euer Kleiner einfach keinen größeren Hunger hat, weshalb ihm Minimengen möglicherweise momentan einfach ausreichen. Babys wachsen in den ersten Lebensmonaten sehr schnell und brauchen dafür große Mengen Milch(nahrung). Mit etwa 10 Lm aber ist die Phase des schnellen Wachstums in der Regel weitestgehend abgeschlossen. Der Appetit/Hunger wird kleiner, das Wachstum geht nun langsamer. Die Folgemilch könnt ihr durch Kuhmilch und Kuhmilchprodukte ersetzen. Davon kann dein Kind täglich etwa 300 ml haben. 100 g Joghurt oder je 15g Schnittkäse bzw 30g Weichkäse ersetzen ca 100ml (Trink-)Milch. Die empfohlene Menge sollte - auf eine Woche hochgerechnet - nicht allzu stark nach oben oder unten abweichen. Was du evtl konkret verändern könntest: Du könntest bspw ein 1. Frühstück mit Milch und Brot anbieten und als 2. Frühstück etwas Obst. So kann dein Kind zum Mittagessen Hunger entwickeln und neben etwas zerdrückter Kartoffel (mit Gemüse-und Fleischbrei) auch Speisen von euch Großen probieren. Kinder lieben es, bekannte Speisen zu essen. Sie sind aber durchaus neugierig auf neue Geschmackserlebnisse. Davon nehmen sie zwar am Anfang häufig nur kleine Probierportionen an - aber der Appetit kommt mit dem Essen. Beim nächsten Kontakt mit einer dieser neuen Speisen wird die Essportion ggf schon größer. Irgendwann braucht er die Kartoffel (mit Gemüse-und Fleischbrei) nicht mehr dazu, sondern isst mit Genuss ganz selbstverständlich vom Angebot am Familientisch mit. Ihr macht es also genau richtig, in dem ihr euren Kleinen einfach mitessen lasst. Ihr fördert damit seine Neugier und schult seinen Geschmackssinn. Dieser kann ihn durch das vielfältige Speisenangebot leiten. Bei einer guten und gesunden Speisenauswahl kann sich dein Kind optimal ernähren. Du kannst die Speisenauswahl jetzt sehr vielseitig gestalten und dein Kind querbeet das mitessen lassen, was ihr üblicherweise esst. Das ist eure Familienkultur - eure Familientradition. Daran sollte sich euer Kind langfristig gewöhnen. Der (gedeckte) Esstisch bietet eine große Spielwiese an Möglichkeiten, den Esshorizont zu erweitern, denn hier sind alle Sinne angesprochen: Farben für die Augen, Gerüche für die Nase, Aromen und Geschmack für den Gaumen, verschiedene Konsistenzen für den Tastsinn - vor allem dem Tastsinn im Mund. Kinder lernen (auch essen) durch sinnliche Erfahrungen. Sie wollen alles ganzheitlich begreifen: ihr Essen befühlen, mit den Händen, dem Mund, mit dem Geschmack, dem Geruch. Lass dein Kind einfach damit experimentieren, was ihm ohenhin schon Spaß bereitet. In dieser Altersphase, in der die lieben Kleinen selbständiger werden wollen, auch alleine essen möchten, braucht man als Eltern viel Geduld und Toleranz :) Kinder erleben das Essen mit allen Sinnen und Essen dient in diesem Alter nicht mehr nur zur Ernährung, sondern vor allem zum Sammeln von neuen Ess- bzw Sinneseindrücken. Die Kleinen unterscheiden auch noch nicht wirklich zwischen Spiel und Mahlzeit. Sie beobachten ihre Mitwelt und imitieren gerne. Deshalb sind die Speisen besonders begehrt, die andere Familienmitglieder essen, Dinge die sie immer und immer wieder sehen. Ein Brötchen kann zerlegt werden, die Kruste bröckelt ab, das Innere ist weich und lässt sich formen, wie Knete. Es kann gut geschluckt werden. Die Kleinen begutachten die Speisen, die auf dem Tisch stehen sehr genau. Kontinuität ist deshalb wichtig. Sie untersuchen die Dinge zuerst mit den Händen, dann mit dem Mund und manches wird dabei geschluckt und manches aber wieder ausgespuckt. Butter ist oft ein interessantes Untersuchungsobjekt. Da werden die Finger versenkt, oder Nudeln werden auf den Boden geworfen, der Belag vom Brot heruntergeholt und gekostet, der Belag nur abgeleckt, Hände im Kartoffelbrei gebadet... Für die Kleinen ist jetzt alles spannend. Doch diese Experimentierphase gehört unbedingt dazu und sie vergeht auch wieder. Dränge Breie immer weiter in den Hintergrund und lass deinen Kleinen alleine essen und vermehrt (weiche) Stückchen kauen, damit sich die Kaumuskulatur gut ausbilden kann. Mach dich also nicht verrückt, kleine Essmengen können ausreichen. Wichtig sind die regelmäßigen, möglichst gemeinsamen Mahlzeiten, mit einem "gesunden" und ausgewogenen Speisenangebot. Siehe das Essen auch als Erlebnis, vermittle Esskultur - all das ist ebenso gut und wichtig, um dein Kind zu einem guten, vielseitigen und genussreichen Esser heranzubilden. Grüße B.Neumann