wildebackmaus
Hallo! Unser 22 Monate alter Sohn isst ganz plötzlich kein Gemüse mehr. Mittags hätte er am liebsten Nudeln, es gehen aber auch Reis oder Kartoffeln. Das alles jedoch nur pur, Sauce verschmäht er, so dass ich das Gemüse darin nicht verstecken kann. Die Gurke, bis vor 3 Tagen das Highlight beim Abendessen, spuckt er mir jetzt aus. Auch wenn ich mittags das Gemüse extra reiche, habe ich keine Chance. Wenn etwas Sauce an Nudeln etc. ist, mag er das nicht mehr essen. Wie verhalte ich mich richtig? Wäre ja schon schön, wenn er ein bisschen Gemüse äße (Zucchini, Möhren, Pastinaken, Brokkoli, Blumenkohl, Kürbis, Gurke ginge bisher immer, jetzt nicht mehr. Spinat habe ich noch nicht getestet, aber der ist ja auch keine tägliche Lösung...) Lieben Dank für ein paar Tipps, wbm P.S.: Ich habe vegetarischen Brotaufstrich gekauft, den isst er, aber das reicht ja nicht, oder??
Hallo wildebackmaus es ist nicht ungewöhnlich, dass dein Kind Gemüse plötzlich ablehnt. Meist betrifft diese Ablehnung aber lediglich nur sichtbares Gemüse. Das Ganze hat einen biologischen Grund. Kinder wählen instinktiv die Speisen, die sie am besten nähren - das heißt, sie wählen sich die Speisen aus, die sie gut und schnell sättigen, und Speisen, die sie jeweils individuell gut verdauen können. Gemüse (pur) hat fast keinen Sättigungseffekt. Und übrigens: auch Kartoffeln oder Obstsaft zählen als Gemüse bzw Obstportion. Einen wertvollen Tipp für eine erfolgreiche Gemüsezufuhr hat dir "schnuffi30" schon gegeben.: Du kannst Gemüse unsichtbar zu Suppen verarbeiten (die Konsistenz (mit Sahne Fett) wird meist besser akzeptiert) oder du kannst und solltest Gemüse in Gerichte einarbeiten: Auf diese Weise wird es meist gerne gegessen und es gibt vielen Speisen erst den richtigen Geschmackskick, macht die Speise zum Genuss. Pizza ist ein gutes Beispiel. Die Tomaten gehören einfach dazu und werden kommentarlos mitgegessen. In üblichen Maultaschen ist Spinat in die Füllung mit hinein gepackt. Das merkt kein Kind :-) Gemüse darf ruhig ordentlich weich gekocht sein und mit viel Fett zubereitet sein - sp macht es auch beeser satt und wird häufig besser verdaulich. Hier zeigt vor allem das Beispiel mit dem Rahmspinat, wie der Siegeszug angetreten werden konnte. Gemüse lässt sich auch in Fleischsossen verstecken, in Gulasch, in Bratensosse. Gemüse wird nämlich meist gut akzeptiert, wenn es entsprechend zubereitet wurde. Die Erklärung dazu folgt hier: Gemüse ist ein wichtiger Bestandteil im Ernährungskonzept, weil es viele Vitamine, Mineralstoffe und Spiurenelemente, Ballaststoffe, Wasser und sekundäre Pflanzenstoffe (bspw Farbstoffe wie Anthocyane, Lycopine etc) liefert und gleichzeitig kaum Kalorien hat. Gemüse gilt demnach als DAS Lebensmittel. Gemüse kannst du überall einarbeiten, wobei der Kaloriengehalt der Speisen nahezu unbeeinflusst bleibt. In unserer (wie es heißt) immer dicker werdenden Gesellschaft also genau richtig. Gemüse gilt neuerdings als besonders wertvoll, wenn es vor allem grün und roh genossen werde - Beispiel: grüne Smoothies - sie gelten aus oben genannten Gründen bei Gesundsheitsfanatikern als momentan das Beste.... Gemüse ist unbestritten ein wertvoller Begleiter in unserem großen Nahrungssortiment, da es genau wie oben beschrieben viele gute Inhaltsstoffe hat, die tatsächlich "gesund" sind. Aber - und jetzt kommt ein großes ABER - sekundäre Inhaltsstoffe haben durchaus Wirkungen auf den Körper, und zwar Positive wie auch Negative. Kohlsorten haben einen schwefligen Geruch, den sie bereits beim Kochen ausströmen (Kinder verabscheuen den schwefligen Geruch) und schon hier zu Ablehnung führen kann. Rucola schmeckt leicht scharf und bitter, auch grüne Paprika schmeckt bitter. Ein bitterer Geschmack wird vor allem von Kindern abgelehnt. Sie schmecken sogar schon ganz feine Nuancen und essen nicht weiter. Auch Möhren schmecken u.U. leicht bitter. Manche Gemüsesorten (bsp grüne Bohnen, Hülsenfrüchte) enthalten Stoffe, die unverdaulich oder gar giftig sind. Diese Gemüsesorten brauchen erst einen Verarbeitungsschritt, um (gut) verdaulich werden - durch kochen, backen, frittieren oder fermentieren, u.a. (Auswaschen, entfernen, züchten,...). Das sind nur ein paar wenige Beispiele, die dir verdeutlichen können, warum es sinnvoll ist, mit Gemüse verantwortungsvoll umzugehen und nur das zu essen, was man wirklich mag. Grüne Lebensmittel sind häufig unreif, was nach Verzehr zu evtl Unwohlsein führen kann. Und diese bei Kindern häufig zu beobachtende, ich nenne sie einfach "grüne Gemüse/Obstphobie" hängt genau damit zusammen. Es ist sozusagen genetisch bedingt. Es bot früher einen Schutz vor Vergiftungen, wenn Kinder von sich aus, grüne Beeren am Strauch hängen liessen, statt sie aus Neugier (oder Hunger?) einfach zu essen. In unserer modernen Gesellschaft hilft es, diese Urängste durch erzieherische Maßnahmen zu durchbrechen. Es hilft, unsere Kinder schlichtweg an das Gemüse zu gewöhnen. Trotzdem wird nicht jedes Kind jede Gemüsesorte lieben. Jedes Kind sucht sich die Sorten heraus, die es gut verdauen kann. Und dabei sind die Unterschiede sehr individuell. Manche Kinder mögen Gemüse roh und manche Kinder bevorzugen die gekochte Variante. Ein einmaliges Ablehnen bedeutet übrigens nicht, dass eine Gemüsesorte nicht gemocht wird. Es kann sinnvoll sein, das Gemüse in einem anderen Kontext zu servieren, in einer anderen Verarbeitungsform**, zu einer anderen Uhrzeit.... **Nicht alle Kinder mögen Pellkartoffeln, aber sie lieben Pommes. Das führt auch schon zum nächsten Punkt, warum Kinder Gemüse oft nicht einfach pur essen mögen. Es ist einerseits der Geschmack, aber auch der Nährwert. Gemüse liefert kaum Kalorien. Doch Kinder brauchen genau diese. Sie sehen im Gemüseverzehr keinen offenbaren Nutzen. Es macht nicht satt. Gemüse darfst du deshalb ruhig so zubereiten, dass es einen größeren Nährwert bekommt - durch Fettzugabe. Cremesuppen und Sossen, Rahmspinat, Lasagne, Eintöpfe u.v.m. Hier sind ein paar Beispiele für Speisen mit unauffälligem Gemüsezusatz: Kartoffelbrei kannst du mit Möhren orange "färben". Gib dem Ding einen originellen Namen wie "DIE MAUS" Kartoffelbrei. Auch durch eine solche "Identifikation" schaffst du Vertrautheit, Neugier und spierlerischen Anreiz. Die Kartoffel ist ohnehin sehr vielseitig einsetzbar - Knödel, Gnocchi, Pommes, Backofenkartoffeln, Pellkartoffeln, Rösti u.v.m., Suppen... Grüne Erbsensuppe: Finde eine ´Namen dafür:-) - bei Mädchen kann es Lillifee's Blumenwiesensuppe sein... TK-Erbsen in leicht gesalzenem Wasser kochen. Nach dem Kochen pürieren und anschliessend noch mal durch ein Haarsieb streichen. Mit Sahne nochmals aufkochen, abschmecken (Zucker, ganz wenig Salz) - Toll! In Pfannkuchen kannst du wunderbar Gemüse (Zucchini)verstecken. 1 Ei verquirlen, 5 EL Milch dazu. 3 EL Mehl beimischen, etwas Zucker, eine Prise Salz. kurz stehen lassen. Einen Apfel feinreiben, in den Teig geben. In Fett kleine Portionen rausbacken. den Apfel merkt man kaum. auch Zucchini kannst du feinreiben, etwas trockentupfen und unter den Teig mengen. Auch in Waffeln lässt sich dergleichen verstecken. Käsewaffeln 100 g Butter oder Margarine 3 Eier 250 g Mehl Salz, Pfeffer 1/2 Liter Milch geriebenes Gemüse 200 g geriebener Käse Ca. 150 ml Buttermilch So geht's: Die Butter bei schwacher Hitze zerlassen und etwas abkühlen lassen. Die Eier trennen. In einer Schüssel das Mehl mit Salz und Pfeffer mischen. Die Eigelbe mit der Milch verquirlen und unter das Mehl rühren. Das Gemüse, den Käse und die Butter zugeben. Die Eiweiße zu Schnee schlagen und vorsichtig unterheben. Im Waffeleisen backen. Süßkartoffelsuppe 1 Süßkartoffel ca 200g 1 Kartoffel ca 80g 2 Knoblauchzehen geschnitten ½ Zwiebel gewürfelt 50 ml Sahne ½ l Gemüsebrühe dünsten, kochen, pürieren, abschmecken Ratatouille: 1 kleine Zwiebel in Stücke schneiden 1 Knoblauchzehe in klein Stücke schneiden 1/2 Möhre in Scheiben schneiden 1/2 rote Paprika in Stückchen 1/2 Zucchini in Würfel schneiden (ca 1 cm) 2 Tomaten (geviertelt) 1 kleiner Zweig frischer Rosmarin die Zwiebel in 1 EL Olivenöl kurz anbraten und und dünsten Knoblauch zugeben Wenn alles gut weich ist, herausnehmen. Im Topf/in der Pfanne 1EL Olivenöl nachgiessen und die Möhren und die Paprika anbraten und gar dünsten Zucchini und Tomaten zugeben, ggf Olivenöl, und Rosmarin. Kurz anbraten, garen, Zwiebel dazu. Würzen (Salz, Zucker, Pfeffer). 1/2 Pack Tomatenpüree zugeben und bei offenem Deckel und niedriger Hitze garen bis alles weich und gar ist. Wer Gemüse gerne bissfest mag, kann es selbstverständlich auch bissfest lassen. Kinder mögen es meistens lieber weich. Auch in Kuchen/Muffins kannst du Möhren, Rote Bete oder Spinat einarbeiten. Dein Kind wird diese lieben! Die Auflistung zum Tehma Gemüse ist keineswegs vollständig, sie soll dir nur verdeutlichen, dass Gemüse zwar als Gesundkost gepriesen wird, und auch wirklich "wichtig" ist, doch keineswegs immer pur gegessen werden muss, um einen möglichst großen Nutzen daraus zu ziehen. Gemüse darfst du in den täglichen/wöchentlichen Speiseplan so mit einbeziehen, wie es euch gefällt. Ob der Gemüseanteil nun im Kuchen verarbeitet wurde oder schon im Mittagessen verspeist wurde - das ist Geschmacksache. Dein Kind soll das Gemüse doch schliesslich mit Genuss essen und es gerne essen. 2 Portionen Gemüse am Tag, in der Größe der hohlen Hand deines Kindes sind ausreichend. Die Menge ist eigentlich ganz einfach zu erreichen, denn auch Kartoffeln, Tomaten(sosse), Zwiebeln, Avocado, all das zählt als Gemüse..... Und gerne gebe ich dir noch ein paar Ideen für Gerichte, in denen du Gemüse verstecken kannst. Quiches, Teigtaschen, u.v.m. Auch beliebt sind fein geraffelte Möhren als Salat. Die stark zerkleinerte Konsistenz wird meist gemocht. Durch Zugabe von geriebenem Apfel bekommst du den Geschmack lieblicher. Das Öl bei der Rohkost sättigt ausserdem, macht den Salat attraktiver. Führe bspw routinemäßig eine kleine Vorspeise zum Mittagessen ein. 1-2 TL von Möhrensalat - aus Gewohnheit gegessen - sind langfristig ein lohnendes Ziel. Diesen frischen "Möhrensalat" kannst du durch fein geraffelte Kohlrabi, Rote Bete, Zucchini, Blumenkohl etc austauschen. Durch die Routine kannst du erreichen, dass Vielfalt auf den Tisch kommt und gegessen wird. 1 -2 TL werden meist gut akzeptiert. Also dann Grüße B.Neumann
schnuffi30
Ich habe auch so jemanden zuhause... Sie verweigert nach wievor Gemüse wenn es am Teller liegt - nun koche ich ihr immer wieder mal abends eine Gemüsesuppe - diese mit knusprigen Brotcroutons isst sie sehr gerne :) Lg