Salija
Liebe Frau Neumann, Würde sie gerne mal um Rat fragen und hätte ganz viele Fragen :-) Meine Tochter, fast 8 Monate, 70cm, 10,2 kg (keine Zähne) hat großes Interesse an unserer Kost und immer wenige an ihren Breien. Bisher war es so dass sie morgens (5 Uhr) 210ml 1er Milch, vormittags und nachmittags jeweils 210g getreidebrei, 220g Mittagsbrei (abwechselnd mit und ohne Fleisch) und 220 g Milch-Abendbrei (18 Uhr) bekommen hat. Oft habe ich das Gefühl dass ihr dies zu wenig ist da sie schon nach 2-3 Stunden wieder Hunger hat. Es ist auch so, dass sie nach der leeren Schüssel sehr oft noch den Mund aufreißt (es bleiben also so gut wie nie Reste) und wenn wir essen, uns mit offenem Mund und gebrummel anmeckert oder uns gar das Essen aus den Händen nehmen will.Wie kann das sein? Manchmal komme ich mir so vor als wäre ich sie nur am füttern :-) Das Problem dabei ist auch, dass wir durch ihr Essverhalten zeitlich so eingespannt sind,dass wir gar nicht lange was unternehmen können, da in 2-3 std ja schon wieder Essenszeit ist ;) Noch dazu, wenn es mittags mal so ist dass wir unterwegs sind, gibt es eine Alternative zum Mittagsbrei? Wir kochen überwiegend frisch, aber selbst nen Gläschen ist ja nicht mal schnell beim spazieren aufgewärmt?? 2.gibt es noch eine Alternative zu zweimal getreidebrei?zb am Vormittag Brot? Oder ist sie mit ihren 8 Monaten zu jung dafür?und wenn ja, wieviel geb ich ihr an Brot (dunkles Brot?) und was drauf? 3.habe bisher, außer Banane noch kein rohes Obst gegeben, darf ich das in dem Alter nun? 4. wir kochen ihr Trinkwasser noch ab und vaporisieren Sauger und trinkflaschen, ist das alles noch notwendig? Vielen Dank im Voraus! Salija
Hallo Salija wenn deine Tochter sehr hungrig ist, könntest du die Milchmenge vorerst noch einmal erhöhen. Im Alter deiner Tochter sind 400-500 ml durchaus noch angemessen. Der üblicherweise empfohlene Plan lautet so: Morgens: Milch (1-2mal ggf öfter oder weniger) Mittags: Gemüse-Kartoffel-(Fleisch)-Brei = milchfrei, zur besseren Eisenresorption Nachmittags: milchfreier Getreide-Obstbrei (ab 7. Lm) = milchfrei, zur besseren Eisenresorption, und zur Unterstützung der Nährstoffaufnahme aus dem Mittagsbrei Abends: Milchbrei Milch fördert einen guten Schlaf evtl nachts eine Portion Milch, falls nötig Die Reihenfolge der bestimmten Breiypen ist so gewählt, dass durch die bestimmten Lebensmittelkombinationen die Nährstoffe ideal ergänzt werden. hier noch mal die Eckdaten, d.h. die Grundrezepte für die einzelnen Breie: Grundrezept GKF-Brei: 100g Gemüse 50g Kartoffeln 20-30g Fleisch 2 EL Obstsaft (Vit C-reich) 8g Öl dazu Fingerfood "Rezept" für die Zubereitung von babygerechten Gemüsesticks: Schneide aus rohen Gemüsesorten (bspw Möhre, Pastinake, Kohlrabi, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Kartoffeln, auch: Brokkoliröschen, Blumenkohlröschen) fingerdicke ca 8-10cm lange Stücke. Gare sie (dampfgaren oder in wenig Wasser dünsten) ohne Zusätze sehr weich. Fertig ist das Fingerfood. Vorraussetzung für diesen Selbstbedienungsteller ist immer: dein Baby muss selbständig sitzen können. Diese Sticks sind ein Erlebnis für dein Baby, sie fordern deine aktiv zum Mitessen auf. Sie sind eine wunderbare Bereicherung zum Brei und führen zaghaft an feste Kost heran. Nur wenn sich deine Kleine noch häufiger verschluckt (manche Babys neigen dazu), dann solltet ihr das Abenteuer besser aufschieben. Gerne darfst du ihr dazu auch schon ein paar kleine, kleinkindgeeignete, weiche Probierhappen vom Familienessen geben. Der Nährwert ist davon unerheblich - es zählt die Erfahrung, das sinnliche Erlebnis - Geschmack, Aroma, Konsistenz. Die Neugier wird geweckt. GOB 20g Getreideflocken 90-100g Wasser (evtl mehr) 1oog Obstmus 5g (1 TL) Butter oder Öl alternativ dazu: Haferflockenbrei 20g feine (zerkleinerte) Haferflocken in ca 150 ml (+/-) Wasser aufkochen 100g Obstmus zugeben plus 1 TL Öl oder Butter Zwiebackbrei 2 Zwiebäcke übergießen mit 100-200 ml abgekochtem, noch warmem Wasser 100g Obstmus untermischen 1 TL Butter oder Öl dazu evtl weiches Fingerfood aus Obst (gekocht oder roh) Milchbrei. 200ml Milch (Säuglingsmilch oder Kuhmilch) 20g Getreideflocken Instant 20g Obstmus alternativ: Rezept für Grießbrei mit echtem Grieß: 200g Kuhmilch (bzw Halbmilch) 20g Grieß Grieß in der Milch gut 3 min aufkochen, Grieß ausquellen lassen 1 -2 EL Obstmus dazu Zwiebackbrei: 200ml Säuglingsmilch oder abgekochte Halbmilch (Kuhmilch) 1,5- 2 (Baby-)zwiebäcke zerbröselt bzw mit der warmen (bei Kuhmilch noch heissen) Flüssigkeit übergiessen 20g Obstmus oder Saft abkühlen lassen Die Zwiebäcke werden mit heisser (= warmer) Milch übergossen, damit sie sich gut auflösen. Wenn du selbst kochst, kannst du die Portionsgrößen an den Appetit deiner Tochter anpassen. Nur die Mengenverhältnisse musst du weiterhin beachten. Eine Portion von 190g -200g Brei in Rezepten ist an den Appetit an Max Mustermann angepasst. Die meisten Babys sind mit dieser Menge satt und zufrieden. Manche Babys brauchen und andere Babys brauchen weniger. Du kannst auch erste Versuche mit rohen Obstsorten starten. Geschälter Pfirsich oder Melone sind jetzt im Sommer besonders gut geeignet. Zum Frühstück könntest du es auch ab und zu schon einmal mit Brotstückchen versuchen. Da Brot meist viel Salz enthalten wird allgemein von einer Brotmahlzeit im Alter deiner Tochter noch abgeraten. Ab dem 10. Lm kannst du ihr schliesslich morgens und abends Brot anbieten. Ab diesem Alter ist die sehr empfehlenswert, damit die Kleinsten ausreichend Gelegenheit haben, das Kauen zu trainieren. Die Kaumuskulatur muss gefordert werden, um sich gut auszubilden. Schneide dann regelmäßig morgens eine halbe Scheibe mit Butter/Margarine bestrichenes Mischbrot o.ä. (fein vermahlenes VK-Brot oder Kartoffelbrot oder Roggenbrot,....), vorerst noch ohne Rinde, in kleine mundgerechte Stückchen. Diese kleinen Stückchen locken zum Zugreifen. Belag nach Wahl, entweder direkt aufgeschmiert oder daneben präsentiert. Bis dahin könntest du evtl Babyzwieback zum Knabbern anbieten oder ggf einmal Brot selbst backen, bei dem du den Salzgehalt reduzieren könntest. Stattdessen sind auch weich gekochte Nudeln als Fingerfood eine willkommene Ergänzung beim Mittagessen. Die Kleinsten lieben das Fingerfood, das sie gemeinsam mit den Eltern bei Tisch essen können. Sie sind damit ausgiebig beschäftigt und als Ergänzung zum Brei - sehr zufrieden. Grüße B.Neumann P.S. Grieß (aus Weizen oder Dinkel) ist sehr nahrhaft, wohingegen bspw Reis weniger langanhaltend sättigt. Hirse sollte man besten mit Milch ergänzt werden, um optimal zu sättigen. Hafer ist eine sher fettreiche Getreidesorte, die auch mit Wasser gut schmeckt. du kannst den Milchbrei abends mit der Getreidesorte zubereiten, die dir persönlich gut gefällt. Jede Getreidesorte hat ihre spezifische Zusammensetzung im Hinblick auf Proteine, Kohlenhydrate und Fett. Hafer ist bspw eine recht fettreiche Getreidesorte, Reis ist nahezu fettarm, Hirse dagegen enthält wenig Proteine. Hirse passt deshalb gut im Milchbrei. Andere mögliche Getreidesorten sind Grieß (Weizen oder Dinkel, Mais). Es gibt auch 4-Korn- bzw 7-Kornflocken. Das ist jeweils eine Mischung aus mehreren Getreidesorten, wobei sich die Inhaltsstoffe ideal ergänzen. *Instantflocken haben zugesetztes Vit B1 (gesetzlich vorgeschrieben). Herkömmliche Produkte haben das nicht. Baby-Instantflocken unterliegen zudem der Diätverordnung - ähnlich wie bei Bioprodukten.
jani-san
Hallo Salija, aus der Erfahrung mit meinem Sohn (derzeit 1,5 Jahre alt) kann ich schon mal berichten, dass er mit 9 Monaten auch immer mehr gesteigertes Interesse an unserem festen Essen zeigte. Ich hatte erst höllische Angst, dass er sich verschluckt, weil er noch keine Zähne hatte. Aber nach und nach haben wir uns mehr getraut und diese kleinen "feste Essensübungen" eher als eine Art "Spiel" neben den Breilmahlzeiten angesehen. Es war erstmal eine reine Übung, wie er was toleriert. Daher hier unsere besten Erfolge: Etwas weichgekochte Birnen-/Apfelstückchen oder Mango u.ä.... das geht wunderbar mit dem Gaumen zu zerdrücken. Banane sowieso. Beim Brot war es halt so, dass das trocken ist und er es erst weich gesabbert hat und sich eben ab und zu verschluckte... deshalb: niiiieeemals unbeobachtet lassen! Ganz toll waren auch Orangenscheiben, die er aussaugte. Auch geschälte Wiener waren der Hit. Es heißt ja immer, man kann sowas testweise machen, sobald die Kleinen von selbst zeigen, daran Interesse zu haben. Wir haben es probiert und hatten da richtig lustige Momente (z.B. bei der Orange). Man muss halt echt dabei bleiben, um schnell einzuschreiten, wenn z.B. ein zu großes Stück in den Mund gelangt. In der Krippe dann wurden z.B. keine halben Sachen mehr gemacht... da war unser Sohn gerade 1 Jahr alt. Ich hatte noch Gläschen mit in die Krippe gegeben bzw. gebeten, das Essen unbedingt zu pürieren... aber die Erzieherinnen berichteten schon am ersten Tag, dass er "essen wollte wie die Großen". Da klappte es also plötzlich mit Spätzle, weichen Kartoffeln, weichem Gemüse. Tja, und inzwischen gibt es fast nix mehr, was er nicht essen kann... jetzt geht es nur noch darum, was er essen mag.