Mimizu
Liebe Birgit, meine Tochter wird noch voll gestillt. Seit dem vollendetem 6. Monat versuchen wir ihr Brei zu geben. Angefangen haben wir mit selbstgemachten Möhrenbrei mit Rapsöl dies endete mit würgen und spucken jämmerlich. Habe ihr immer wieder mittags vor dem Stillen Möhre angeboten - das gleiche Szenario. Sie schüttelte sich vor ekel. Dann habe ich woche später fingerfood meistens bananenstück in schale oben 0.5cm geschält gegeben. Das Lutschen und Einspeicheln klappte besser, sobald es sich um herunterschlucken ging kam wieder würgen und alles wieder hoch. Mittlerweile sind wir bei Obstbreikompositionen von Hipp wie Apfel-Banane-Birne mit Hirse oder pur angekommen. Diese ißt sie aber nie mehr als 3 löffelchen. Gemüsebrei biete ich ihr konsequent an- ein löffel das wars. Herzhaftes bzw. Fleisch verweigert sie völlig. Sie kann nicht aus der Flasche trinken, schnullert auch nicht aber sie trinkt gerne aus dem becher. Gebe ihr nur wasser. Wie sieht eigentlich ein gesunder Ernährungsplan in ihrem Alter aus? Wieviel sollte sie täglich essen und was am besten? Soll ich wenn ich abstillen möchte ihr ein milchersatz anbieten? Meine Ernährung-für-babys-büchersammlung hat mich nur verwirrt, ich sehe vor lauter "breitipps" den wald nicht mehr. Reicht ihr denn die Muttermilch noch ? Kann es sein dass sie mit MuMi schon versorgt ist und eigentlich nichts mehr braucht? Eine Anmerkung: sie hat leichte Neurodermitis ich würde Kuhmilch möglichst im ersten Lebensjahr meiden. Also Dinkelflockenbrei & co. eher umgehen. Oder ist das egal? Vielen Dank für Deine Mühe, ist schon wahnsinnsarbeit die du hier leistest ! Mimizu
Hallo Mimizu Als Stillmama kannst du die Beikost ganz gelassen angehen. Beikost kannst du wörtlich nehmen und zusätzlich zum Stillen mit deinem Baby das Abenteuer Beikost spielerisch beginnen. Bei der Beikost (von gestillten Babys) geht es nicht nur darum Brei zu geben, um Nährstoffe und Kalorien zuzuführen, sondern es geht viel mehr auch darum, neue Geschmackseindrücke, Esstechniken, Rituale, Konsistenzen und Nahrung i.A. kennen zu lernen, damit sich der Organismus langsam umstellen und umgewöhnen kann. Ziel ist es, deinem Baby zusätzlich zum Stillen neue Esseindrücke zu geben. Der individuelle Weg zur Beikost, d.h. zu einer erweiterten Kostpalette kann bei jedem Baby anders verlaufen. Gut und wichtig ist bei nach Bedarf gestillten Babys zunächst vor allem das Anbieten von Beikost, Fingerfood und ggf erster Familienkost. Was das Baby damit anstellt, kann sehr verschieden sein. Mit Beginn des 7. Lm sind die meisten Babys soweit, und wollen gerne Beikost. Manche Babys kommen schnell mit dem Löffeln zurecht, manche brauchen dafür etwas mehr Zeit - andere Babys - inzwischen immer mehr - wollen lieber alleine essen. - sie wollen keinen Löffel und sie möchten keinen Brei. Wobei die Kleinen bei dieser Art Beikost nicht wirklich essen, sondern die angebotene Nahrung eher spielerisch erkunden. Der Sättigungsaspekt ist dabei unerheblich. Beikost, d.h. mehr zu essen als nur Milch. Sie ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung. Beikost ist aus vielen Gründen wichtig - nicht nur zum Sattwerden. Es geht auch um das spielerische Entdecken der verschiedenen sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln, das Loslassen von Mama etc., die neue Esstechnik u.v.m. Beim Stillen können die Stillmahlzeiten tatäschlich auch verschieden sättigen. Da hast du schin recht, mit deiner Vermutung, dass dein Baby zu der Uhrzeit, wenn du Brei anbietest gar keinen großen Hunger und der Essanreiz fehlt. Brei essen macht auf Dauer nämlich auch nur dann Sinn und Spaß, wenn deine Tochter merkt, dass es einen Nutzen bringt - nämlich vom hungrig sein zum Satt werden. Auch dann, wenn sie darin einen Vorteil gegenüber dem Stillen sieht - wenn der Brei satt macht und das Löffeln oder das selber Essen mit Freude geschieht. Um mehr zu essen, fehlt also vermutlich schlicht der Hunger... Wenn deine Tochter gut gedeiht, sich gut entwickelt, der KiA zufrieden ist, bräuchtest du vorerst also gar nicht all zu viel zu verändern. Wichtig ist und bleibt, dass deine Tochter ausreichend Gelegenheiten erhält, um neues Essen kennen zu lernen. Auch wenn es nur Minimengen sind. Was zählt ist zunächst einzig die Tatsache, dass dein Baby Beikost bekommt und diese isst. Beikost gibt es eben zusätzlich zum Stillen nach Bedarf, wobei hier Vielfalt wichtiger sei als die Menge. Es geht dabei vor allem darum, die neue Esstechnik zu erlernen und auch darum neue Aromen kennen zu lernen, die Konsistenz der Nahrung zu erfühlen usw. Das heisst das Ziel sei hier vor allem die langsame Gewöhnung an neue Essgenüsse. Beim Gefüttert-werden sitzt das Baby meist im Hochstuhl - ist da bei euch auch so? Sitzt deine Kleine gegenüber von dir ? Dann nimm sie doch einmal auf den Schoss und lass sie zusammen mit dir Fingerfood kennen lernen. Nimm doch zunächst die Banane, die deine Kleine schon öfter gesehen und geschmeckt hat. Schneide ein paar längere Stückchen, lege sie auf einen Teller und setzt euch an den Tisch. Idealerweise greift deine Kleine danach und will die Banane mit den Fingern betasten. Das wäre ein erster Schritt. Meist wird das Ding anschliessend vorsichtig zum Mund geführt und langsam abgelutscht. Indem dein Baby die Nahrung auf eigene Faust erkunden kann, wird sie vorsichtig und langsam, in ihrem Entwicklungstempo, essen, kauen und schlucken lernen. Wichtig ist dabei, dass sie die Erfahrungen mit stückiger Kost alleine machen kann. Sie wird das Stückchen so in den Mund nehmen, dass sie es langsam mit den Tastrezeptoren im Mund ertasten kann. Diese Tastrezeptoren sind bei Babys/Kleinkindern sehr weit vorne im Mund/Zunge platziert. Darum ist das Ablutschen zunächst wichtig, Dadurch entsteht Berührungskontakt. Dein Baby kann langsam die Oberflächenstruktur eines neuen Lebensmittels erspüren und sich daran gewöhnen. Die "Hemmschwelle" es weiter in den Mund zu nehmen wird irgendwann "gebrochen". Sie wird das neue Lebensmittel dann lutschen, ggf erste Kaubewegungen machen und möglicherweise schlucken oder ausspucken. Die Zeit der Annäherung kann etwas dauern, aber sie führt zum Ziel. Die angebotenen Speisen sollten immer sehr weich und basically sein, d.h. auf Zusätze wie Salz oder Zucker etc sollte bis zum ca 10. Lm verzichtet werden. Die Kost sollte auch immer so aufbereitet sein, dass sie dein Baby ohne "Gefahr" essen kann. Auf diese spielerische und zwanglose Weise kann sich eure Tochter langsam an Beikost gewöhnen. Schneide ausserdem aus rohen Gemüsesorten (bspw Möhre, Pastinake, Kohlrabi, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Kartoffeln, auch: Brokkoliröschen, Blumenkohlröschen) oder Obstsorten Apfel oder Birne, Pfirsich (jeweils geschält) in fingerdicke ca 8-10cm lange Stücke. Gare sie (dampfgaren oder in wenig Wasser dünsten) ohne Zusätze sehr weich. Fertig ist das Fingerfood und auf geht' s zum gemeinsamen Snacken bei Tisch. Wenn das Schlucken dieser gröberen Kost gut funktioniert, könntest auch mal ein Würfelchen Brot abgeben, einfach zum Kennenlernen eines neuen Geschmackseindruckes und der anderen Konsistenz. Auf Kuhmilch kannst du im 1. Lj komplett verzichten. Wenn du abstillen möchtest, bräuchtest du einen Milchersatz, d.h. eine Folgemilch. Hierzu, d.h. bei der Wahl der richtigen Sorte könntest du dich von Frau Plath im Forum der Hipp-Elternberatung - hier bei rub - beraten lassen. Willst oder muss du denn im 1. Lj schon abstillen? Wenn ja, komplett oder nur teilweise? Fassen wir zusammen: solange du deine Tochter nach Bedarf stillst, kannst du die Beikost wie bisher anbieten. Du könntest versuchen, das Angebot spielerisch mit einfachem Fingerfood, wie beschrieben, erweitern. Wobei der Fokus hier vor allem auf dem Erlebnis und dem selbständigen Essen liegt. Beim Stillen nach Bedarf plus Beikost à la "baby-led-weaning" wird dein (gesundes) Baby mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Wenn du möchtest, dass deine Kleine mehr Beikost isst, müsstest du ggf einen anderen Stillrhythmus finden. Tipps dazu kann dir evtl Biggi Welter im Nachbarforum geben. Ich hoffe, dass ich dir ein bisschen weiter helfen konnnte. Wenn du noch Fragen hast - dann nur zu. Bis bald Grüße B.Neumann