Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Ernaehrung fuer 18 Monate altes Kind

Frage: Ernaehrung fuer 18 Monate altes Kind

smama

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Hallo, Mein Sohn ist heute genau 18 Monate alt und seit er mit 3 Tagen 100ml Muttermilch getrunken habe ich Probleme mit seinem Appetit. Er kam mit 3300g zur Welt und wog mit 4 Monaten 9.4kg. Da ich ihm bis er 7 Monate alt war vollgestillt habe, haben mich alle Aerzte nur angegrinst, wenn ich denen von meinem Bedenken erzaehlt habe. Jetzt ist er 82.6cm und wiegt 12.2kg. Das Gewicht konnte er wahrscheinlich nur halten, da ich jeden Tag mit ihm kaempfen muss. Die ganze Zeit schreit er nach Essen. Wenn wir mal einen Ausflug machen, muss ich immer eine ganze Tasche mit Lebensmitteln mitnehmen, damit er nicht Zug, Bus oder Park zusammenschreit. Wenn wir picknicken oder auf Kindergeburtstagen sind, spielt er nicht wie die anderen in seinem Alter, sondern ist nur. Meistens fast 2std durchgehend am Stueck. Und es macht ihm Spass. Wir wohnen in Japan und daher ist der Essensplan etwas anderes und komplizierter als in D. Weil ich so verunsichert bin, war ich gestern im Gesundheitsamt und habe ihn dort von einem KiA untersuchen und beraten lassen. Mir wurde gesagt, dass er wohl zu wenig bekommt, deswegen soll ich ihm einen Monat lang 5 volle Mahlzeiten geben und danach wieder kommen. Also, hier ist mal ein Beispiel, was mein Sohn bisher bekommen hat: 6.30 - 1 Scheibe selbstgemachtes Brot (da es hier in Japan nur Sandwichtoast artige Sachen gibt) mit etwas Butter und ein Stueckchen Kaese, - 1 Orange oder halben Apfel oder Erdbeeren - 150ml Milch und dazu Wasser oder Tee 9.00 1 Joghurt mit Obst, oder selbstgemachtes Corn bread mit Milch 11.30 80g Reis, Pasta oder Weizenmehlnudeln, 50-60g Gemuese (als Bratlinge, eingelegt, gekocht, geduenstet etc ) 20g Fisch oder Fleisch oder 1/2 Ei oder 80g Sojaprodukt 200ml Gemuesebruehe mit Gemuesewuerfeln Wasser oder Tee 14.30 1 Joghurt mit Obst, was selbstgemachtes oder 1 Banane oder anderes Obst und 1-2 Reiscracker 100ml Milch 17.30 Das Gleiche Schema wie um 11.30uhr, nur halt anstatt Reis dann Nudeln, oder anstatt Fleisch dann Fisch etc und andere Gemuesesorten Gemuesebruehe mit Gemuesewuerfeln Wenn ich mich nun an das Schema von der KiA halte, muss ich 5mal die gleiche Menge wie um 11.30 und 17.30 machen. Kann das denn richtig sein? Ich habe das Programm heute durchgezogen (nur noch Abendessen steht aus) und mein Sohn hat alles gegessen. Gemuesebruehe nimmt er immer gern Nachschlag… Ich will nicht, dass er wie ein Hefekloss aufgeht und fuehle mich genoetigt sein Essen zu rationieren. Was meinen Sie? Eigentlich sollte man auf einen Experten ja hoeren…


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo smama woher rührt denn deine Angst, dass dein Kind "dick" werden könnte? Gesunde Kinder essen bei einem guten und ausgewogen gestalteten Essensangebot i.d.R. nicht zu viel. Sie essen durchaus bei einer Mahlzeit, wenn es ihnen richtig gut schmeckt, durchaus auch einmal eine Riesenportion. Meist wird dafür die nächste oder übernächste Mahlzeit auch wieder kleiner. Kinder sind hier sehr anpassungsfähig. Auch wenn sie einmal wenig essen, dann verhungern sie nicht sofort, sondern hauen bei der nächsten oder irgendwann so richtig rein. Ein gut gemeinter Rat ist daher dieser: Als Mama bestimmst du das Angebot und dein Kind bestimmt die Essmenge. Bei Kuchen, Keksen und anderen Süßigkeiten darfst und solltest du die Menge aber durchuas regulieren, Ausnahmen sind ab und zu erlaubt :) Mit 3 (möglichst) gemeinsamen Hauptmahlzeiten und 2 ZMZ kann sich dein Kind aus dem ausgewogenen, gesunden Speisenangebot ausreichend bedienen. Vertraue auf dein Kind und vertraue darauf, dass dein gesundes Kind nicht zu viel (auf die Woche, den Monat hochgerechnet) essen wird.* Das ist natürlich kein Freibrief für Gummibärchen, Chips, Schokolade und Co. Das Angebot sollte aus gesunden, schmackhaften, leckeren Gerichten, Basics bestehen. Als ZMZ können durchaus auch Kuchen und Kekse, ggf Pudding und Schokolade angeboten werden. Bei diesen Leckereien darfst und solltest du die Menge bestimmen. Es handelt sich um Luxusgüter, die in der Menge reglementiert werden dürfen. Und wenn sich dein Kleiner hierbei nicht zu satt isst, kann er sich bei den Hauptmahlzeiten mit den "gesunden" Speisen sättigen. Kinder sollten lernen, ihre natürlichen Grenzen selbst zu erspüren. Falls du nun wirklich aber sehr besorgt bist, oder irgendwie "spürst", dass etwa nicht i.O. sei, müsstest du nochmals detailliert mit dem KiA reden, ihm deine Sorgen und unbewussten Ängste/Ahnungen schildern, damit eine evtl organische Ursache gefunden werden könnte. Gibt es bspw Erkrankungen in der Familie? Wie sind die Ärzte mit der Gesamtentwicklung deines Kindes zufrieden? Gibt es Auffälligkeiten auf anderen Gebieten? Wie oft warst du beim KiA? Wenn alles gut ist, kannst du sich grob danach richten: Es folgt eine Übersicht, die dir zeigt, woraus das tägliche Speisenangebot, im 2. Lj ungefähr bestehen sollte: Zumindest in D nimmt man diese Übersicht als grobe Orientierung: Reichlich Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Reis etc (ca 80g) reichlich Obst und Gemüse, etwa 5 P am Tage(3 P Gemüse, 2 P Obst) 1 P = die Füllmengen einer hohlen Kinderhand. gefolgt von Milch- und Milchprodukten (ca 300ml am Tag - im 2. Lj) Fleisch oder Fisch (ca 30g), mal Ei Fette und Öle am wenigstens sollte der Anteil Süßigkeiten sein ausreichend Getränke, Wasser konkret sind das täglich im 2. Lj etwa 80g Getreide/Brot bzw Nudeln, Reis u. a. Getreidebeilagen 120g Kartoffeln 120g Gemüse 120g Obst 300ml Milch, Milchprodukte 30g Fleisch/Wurst 1-2 Eier pro Woche 25g Fisch pro Woche (in Japan ggf öfter, statt Fleisch?) 15g schtbares Streichfett/Öl geduldet sind ca 10% Süßigkeiten am Gesamtanteil der zugeführten Energiemenge* (= ca 95 kcal) (*tägl Energiemenge ca 950 kcal) Quelle: FKE, DO, 2006 die Angaben entsprechen OptiMIX - - 100 ml Milch entsprechen ca 15 g Schnittkäse/30 g Weichkäse - je 100 kcal = 1 Kugel Eiscreme / 45 g Obstkuchen /4 Butterkekse /4 EL Flakes /4 TL Zucker /2 EL Marmelade / 30 g Fruchtgummi oder 20 g Schokolade/ 10 Stck. Chips / 1 Glas (200 ml) Limonade, Fruchsaftgetränk Es ist gut, wenn man sich an den üblichen Empfehlungen orientiert. Es ist aber nicht notwendig, Mengen bei gesunden Kindern täglich zu kontrollieren. Die Mengenangaben können auf eine Woche hochgerechnet werden. Denn häufig ist es so, dass auf scheinbare Fastentage, Tage an denen ein Kind nur lustlos im Essen stochert, sog. Freßtage folgen, Tage an denen ein Kind schier unersättlich scheint - und umgekehrt. Im Mittelmaß bleiben die Mengen in etwa gleich. Auch Wachstumsschübe gehen mit größerem Appetit und entsprechend größeren Essmengen über einen begrenzten Zeitraum einher. Jetzt schau dir einmal euren Plan an. Stellst du größere Abweichungen fest? Manche Kinder haben einen größeren Appetit. Der Bedarf ist von mehreren Faktoren abhängig und kann nicht pauschal errechnet werden. Man kann mit Hilfe eines Planes aber meist eine Tendenz erkennen. Oder fällt dir auf, dass bspw eine Lebensmittelgruppe zu übermäßig oder eine Gruppe bspw zu gering verzehrt wird? Das täglich empfohlene Maß von ca 300ml Milch(-produkten) am Tag solltet ihr nicht zu häufig in zu großem Ausmaß überschreiten. 100 ml Kuhmilch können durch bspw 100g Naturjoghurt ersetzt werden. Und hier nochmal eine kurze Erklärung: Für eine ausgewogene Mischkost sollten alle Lebensmittelgruppen im Speiseplan enthalten sein. Und zwar in einer bestimmten Mengenrelevanz. (auf die Woche hochgerechnet, Schwankungen in Wachstumsphasen sind okay) Sehr schön wird dies bspw in der sog. Ernährungspyramide oder dem sog.Ernährungskreis bildlich dargestellt. Kreis: Hier werden die unterschiedlichen Lebensmittelgruppen (Getreide, Milchprodukte, Fleisch, Obst und Gemüse etc) in unterschiedlich großen Segmenten gezeigt und verdeutlichen dadurch den ungefähren Anteil in der täglichen Ernährung. Pyramide: hier stehen die Lebensmittelgruppen zu einer Pyramide aufgetürmt. Die mengenmäßig größte zu verzehrende Gruppe bildet die Basis. Zur Spitze hin wird der Anteil der täglich zu verzehrenden Menge kleiner. Ganz oben sind hier Fette bzw Süßigkeiten und Knabbereien. Was mir bei eurem Paln auffällt ist, dass es viel Gemüsebrühe gibt, was zwar viel Flüssigkeit liefert, den Magen füllt, aber kaum Sättigung bringt. Hat diese Brühe in Japan einen besonderen Stellenwert? Meine Empfehlungen sind "deutsch". Ich weiß nun leider nicht genau, inwiefern sich diese Empfehlungen 1:1 übertragen lassen. Vertraue deshalb auf den Appetit deines (gesunden) Kindes und biete eure familieneigenen Speisenkreationen, eure Esskultur mit all ihren Besonderheiten (Stichwort selbstgebackenes Brot meats Gemüsebratling, Fisch versus Fleisch) an. Lass dein Kind frei wählen. Und ich lese in deinem Posting - zwischen den Zeilen - auch übrigens von zweierlei "Problematiken", die dich beschäftigen. Zum Einen hast du Angst, dass dein Sohn zu viel isst und dadurch langfristig zu höherem Gewicht tendieren könnte. Auf der anderen Seite hast du stets eine Tasche mit Essen dabei, damit dein Kind immer etwas essen kann. Bleibe bei den festgelegten 5 Mahlzeiten und gib zwischendurch tatsächlich nichts. Das lernt dein Kind ganz schnell und er wird sich daran gut anpassen. ich wünsche euch alles Gute viele Grüße ans andere Ende der Welt! B.Neumann


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