Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Ernähren wir unser Kind 1 Jahr richtig?

Frage: Ernähren wir unser Kind 1 Jahr richtig?

Alexandra_Slm

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Liebe Birgit Neumann, unser Sohn ist 1 Jahr und 1 Monat alt. Er isst mit uns am Familientisch. Nun sind wir ziemlich unschlüssig, was wir ihm alles zu essen geben können und wie wir sein tägliches Essen gestalten. Auf jeden Fall ist er ein sehr mobiler Zeitgenosse, isst sehr, sehr gern Gemüse und Obst und am liebsten davon immer viel ;-) Er wiegt 11 kg und ist 80 cm groß. Zur Zeit bekommt er folgendes: 07:00 Uhr 240 ml Pre-Milch 08:30 Uhr 3 EL Haferflocken mit etwas Wasser, Früchtemus, 3 TL Joghurt, ¾ Birne 12:00 Uhr 230 g Mittag (2 x pro Woche Fleisch, 1 x Fisch, Couscous, Vollkornnudeln, Kartoffeln, Champis, Kürbis etc.) 15:30 Uhr 2 Zwiebäcke mit etwas Wasser, Obstmus bzw. frisches Obst, 3 TL Joghurt 18:30 Uhr 1 Scheibe Brot mit etwas Margarine und vegetarischem Aufstrich, etwas Frischkäse oder Mozzarella Gurke, Paprika, Möhre, dazu verdünnte Pre-Milch (2 Löffel auf 160 ml) Sind die Mengen für ihn ausreichend oder sogar zu viel? Zur Zeit gibt es mittags 2 x die Woche Fleisch (Huhn/Rind) und 1 x Fisch. Die restlichen Tage versuchen wir vegetarisch zu gestalten. Was müssen wir da beachten? Bisher haben wir immer Apfelsaft (Vitamin C wegen der Eisenaufnahme) und Hafer wegen des Eisens beigefügt. Ist das noch notwendig? Welche Lebensmittel sollte er unbedingt seinem Alter entsprechend essen? Bisher haben wir Milch nur in Form von Milchprodukten wie Joghurt, Frischkäse und Mozzarella gegeben. Scheibenkäse wollte er nicht essen, hat aber momentan sicher noch mit der Konsistenz zu tun. Wieviel Kalzium sollte unser Sohn essen? Wie und vor allem durch welche Mengen können wir dies abdecken? Nur mit Milch- und Milchprodukten oder gibt es da auch andere Möglichkeiten? Zitrone im Essen hat er nicht so gut vertragen, er hat mit neurodermitisähnlichem Ausschlag auf den Armen und wundem Po reagiert. Tomate haben wir auch schon versucht. Ist aber auch mit einem etwas wunden Po verbunden. Zucker und Weizen versuchen wir weitestgehend zu vermeiden; Salz nimmt er nur im Brot und im Frischkäse bzw. Mozzarella zu sich. Was können wir ihm an Zwischenmahlzeiten noch anbieten? Was können wir ihm unterwegs im Urlaub anbieten (Brei?)? Was könnten wir ihm kochen? Langsam gehen uns die Ideen aus ... Wann sollen wir ihm Eier anbieten? Wieviel sollte er zusätzlich pro Tag trinken? Er trinkt neben der Premilch nur Wasser, etwas anderes nimmt er nicht. Haben Sie ganz vielen lieben Dank für die Beantwortung all unserer Fragen!


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo Alexandra_Slm dein Plan klingt nahezu perfekt. Änderungen kannst du bei der Milchsorte vornehmen. Mit Beginn des 2. Lj kann die Folgemilch durch Milch und Milchprodukte abgelöst werden. Davon kann dein Kleiner täglich etwa 300 ml haben. 100 g Joghurt oder je 15g Schnittkäse bzw 30g Weichkäse ersetzen ca 100ml (Trink-)Milch. Damit deckst du den Calciumbedarf auf jeden Fall. Die empfohlene Menge sollte - auf eine Woche hochgerechnet - nicht allzu stark nach oben oder unten abweichen. Kuhmilch enthält mehr Proteine und Calcium als Säuglingsmilch oder Muttermilch. Bei einer guten und gesunden Speisenauswahl kann sich dein Kind optimal ernähren. Du kannst bei einem gesunden Kind durchaus darauf vertrauen, dass es sich holt, was es braucht. Du kannst die Speisenauswahl jetzt sehr vielseitig gestalten und dein Kind querbeet das mitessen lassen, was ihr üblicherweise esst. Das ist eure Familienkultur - eure Familientradition. Daran sollte sich euer Kind langfristig gewöhnen. Der (gedeckte) Esstisch bietet eine große Spielwiese an Möglichkeiten, den Esshorizont zu erweitern, denn hier sind alle Sinne angesprochen: Farben für die Augen, Gerüche für die Nase, Aromen und Geschmack für den Gaumen, verschiedene Konsistenzen für den Tastsinn - vor allem dem Tastsinn im Mund. Kinder lernen (auch essen) durch sinnliche Erfahrungen. Sie wollen alles ganzheitlich begreifen: ihr Essen befühlen, mit den Händen, dem Mund, mit dem Geschmack, dem Geruch. Dränge Breie immer weiter in den Hintergrund und lass deinen Kleinen alleine essen und vermehrt (weiche) Stückchen kauen, damit sich die Kaumuskulatur gut ausbilden kann. Im Lauf des Vormittags kannst du eine Obstportion anbieten wie bspw reife (weiche Birne) in Stückchen oder Banane. Die weiche Konsistenz kann dein Sohn mit dem Gaumen zerdrücken und gut schlucken, ohne überfordert zu sein. Auch beliebt sind Hirsewaffeln, Knusperbrot, Brötchen. Bspp: Apfel-Haferbötchen: siehe bitte hier: http://www.kuechengoetter.de/rezepte/Brot-Broetchen/Apfel-Hafer-Broetchen-18059.html oder das? http://www.chefkoch.de/rezepte/1775721287565479/Suesse-Karottenbroetchen.html Mittagessen könntest du mit dem üblichen Brei plus weiche gegarte Stückchen (Gemüse/Kartoffel) und/oder Nudeln etc her richten. Und du darfst ihm auch das geben, was du isst. Du könntest bspw einen frischen Kartoffelbrei zubereiten, von dem du auch isst. Weiche, mit dem Gaumen gut zerdrückbare Speisen sind generell gut geeignet. Harte kleine Stückchen solltet ihr dagegen unbedingt noch meiden. Kartoffelbrei ist für den Anfang zum Beispiel bestens geeignet. Dazu weich gekochte und in Butter oder Öl geschwenkte Gemüsestückchen wie Möhren oder Kürbis, Zucchini, Erbsen usw. Mittagsbrei kannst du bspw auch mit Herzoginkartoffeln ergänzen: 750g geschälte Kartoffeln in Salzwasser kochen. Wasser abschütten, Kartoffeln stampfen, zu Kartoffelbrei. Etwas auskühlen lassen. mit 1 Ei, 1 Eigelb, Salz, 1 EL Butter vermengen, Hauch Muskat nach Belieben. Alles gut vermischen und mit dem Spritzbeutel Rosetten auf eine Backblech spritzen. Wenn das zu mühselig ist, also für die Alltagsküche, kannst du den Teig auch mit Hilfe von zwei TL als Nocken auf ein Backblech setzen. MIt etwas Sahne bepinseln und ca 15 min im Ofen bei 190° backen. andere Ideen sind: Bolognesesosse 1 mittelgroße Zwiebel fein würfeln, 1 Knoblauchzehe ebenso. In Olivenöl und Wasser ca 10-15 min dünsten. 200g gemischtes Hack dazu und in Olivenöl anbraten. Salze, Pfeffer, Zucker, Oregano (frisch oder getrocknet, Basilikum (frisch oder getrocknet) zugeben und durchbraten. Mit ca 400g Tomaten aus der Dose/Tetrapack (stückig oder zerkleinert) zugeben, aufkochen, abschmecken, nachwürzen und ggf Tomatenmark zugeben, bis es gut schmeckt. Die Sosse so lange köcheln lassen, wie Zeit bleibt. Mindestens 7-10 empfohlen. Dazu Spaghetti und Salat Asl Brotbelag eignen sich auch Avocado oder Fleischbrei aus dem Gläschen. Süßkartoffelsuppe 1 Süßkartoffel ca 200g 1 Kartoffel ca 80g 2 Knoblauchzehen geschnitten ½ Zwiebel gewürfelt 50 ml Sahne ½ l Gemüsebrühe dünsten, kochen, pürieren, abschmecken dazu überbackener Toast: pro Person etwa 2 Scheiben Toastbrot mit Butter/Margarine bestreichen. Tomaten in Scheiben schneiden. Auf jede Toastscheibe eine Tomatenscheibe legen und etwas würzen. Dazu jeweils 1/2 Scheibe Kochschinken und 1 Scheibe Goudakäse. Toast im heissen Ofen überbacken, bis der Käse geschmolzen ist. In Stückchen geschnitten anbieten. Kartoffeltortilla (alias Kartoffel mit Rührei) 1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt, gar dünsten. In einer Pfanne ca 3 große Kartoffeln (geschält und in ca 1 cm große Würfel geschnitten) in Ollivenöl von allen Seiten anbraten. Salzen. Die Kartoffeln in ein Däpmfsieb geben und fertig garen. 3 Eier aufschlagen, 1/2 Becher Sahne zugeben, Würzen. Die gegarten Kartoffeln in eine Teflonpfanne geben, etwas Öl zugeben. Die Eiermasse übergießen. Die Tortilla nun anbraten und das Ei stocken lassen. Die Tortilla sanft auf einen Teller gleiten lassen. Einen weiteren Teller zu Hilfe nehmen, stürzen, und mit der anderen Seite in die Pfanne zurück gleiten lassen. Weiter braten und garen. Dazu (Tomaten)-Salat. Koche ruhig solche Sachen (kleinkindgerecht), die du und Papa gerne essen. Das ist eure Familientradition, eure Esskultur. Diese kulinarischen Erfahrungen prägen die Kinder langfristig. Kinder müssen neue Speisen kennenlernen, neue Geschmackseindrücke sammeln, bewerten, neue Konsistenzen akzeptieren, kauen, selber essen lernen. Sie müssen sich ein Geschmacksgedächtnis aufbauen. Das braucht Zeit. Es ist aber die Basis für den später daraus resultierenden Appetit. Und nur über das Probieren können neue Esserfahrungen gesammelt werden. Auf diesen Erfahrungen beruht genussreiches Essen und darauf basiert widerum die Appetisteuerung. Kinder müssen bis zu 10 mal etwas probiert haben, bevor sie es wirklich gut akzeptieren und sich an den Geschmack gewöhnt haben. Zum Probieren genügen oft schon mimimale Mengen. Ein einziges Reiskorn, eine halbe Karoffel, ein Löffelchen Kartoffelbrei... Dein Kind kann sich auf diese Weise langsam an Geschmack, Konsistenz, Mundgefühl, Verdaulichkeit, Bekömmlichkeit neuer Speisen herantasten. Ganz langsam durch Riechen, Sehen, Fühlen, Schmecken...so findet das neue und unbekannte Essen gute Akzeptanz. Und Essen lernen geschieht auch durch das Nachahmen der anderen Personen bei Tisch. Iss selbst mit Genuss und biete einen reichhaltig gedeckten Esstisch. Biete dazu einfache Beilagen, die deine Kleine kennt und gut isst. Kinder mögen das essen, was sie kennen. Es gibt ihnen Sicherheit und Geborgenheit. Die Zeit der Familienkost ist jetzt eine wichtige Phase, in der euer Sohn neben diesen ihm bekannten Speisen ausreichend und viele Gelegenheiten haben sollte, um Neues zu probieren und dadurch Neues kennen - und lieben lernen kann. Ansonsten liegst du mit dieser Auswah generell richtig: jeden Tag reichlich Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Reis etc dazu reichlich Obst und Gemüse, etwa 5 P am Tag (1 P = gefüllte hohle Kinderhand) gefolgt von Milch- und Milchprodukten (ca 300 ml am Tag) dann Fleisch, Fisch, Eiprodukte (abwechselnd im Wochenplan, bzw ca 1 mal die Woche Fisch) schliesslich noch einen kleinen Anteil an sichtbaren Fetten und Ölen am wenigstens sollte der Anteil Süßigkeiten sein ausreichend Getränke, Wasser Falls dir das weiter hilft, hier eine kleine Orientierung über Essmengen, die für 1-jährige Kinder passen. Konkrete Zahlen lauten in etwa so: 80g Getreide/Brot 120g Kartoffeln (bzw Reis**, Nudeln etc) 120g Gemüse 120g Obst 300ml Milch, Milchprodukte 30g Fleisch/Wurst 1-2 Eier pro Woche 25g Fisch pro Woche 15g Streichfett/Öl geduldet sind ca 10% Süßigkeiten am Gesamtanteil der zugeführten Energiemenge* (*tägl Energiemenge ca 950 kcal) Quelle: FKE, DO, 2006 die Angaben entsprechen OptiMIX - ** Reis u. a. Getreidebeilagen - 100 ml Milch entsprechen ca 15 g Schnittkäse/30 g Weichkäse - je 100 kcal = 1 Kugel Eiscreme / 45 g Obstkuchen /4 Butterkekse /4 EL Flakes /4 TL Zucker /2 EL Marmelade / 30 g Fruchtgummi oder 20 g Schokolade/ 10 Stck. Chips / 1 Glas (200 ml) Limonade, Fruchsaftgetränk Es ist gut sich an den üblichen Empfehlungen zu orientieren. Es ist aber nicht notwendig, Mengen bei gesunden Kindern täglich zu kontrollieren. Die Mengenangaben können auf eine Woche hochgerechnet werden. Denn häufig ist es so, dass auf scheinbare Fastentage, Tage an denen ein Kind nur lustlos im Essen stochert, sog. Freßtage folgen, Tage an denen ein Kind schier unersättlich scheint - und umgekehrt. Im Mittelmaß bleiben die Mengen in etwa gleich. Auch Wachstumsschübe gehen mit größerem Appetit und entsprechend größeren Essmengen über einen begrenzten Zeitraum einher. Dein Kind soll so viel trinken, wie er Durst hat. Biete ihm regelmäßig (vor allem nach den Mahlzeiten) Wasser an. Also dann Grüße B.Neumann P.S. Lebensmittel die vorerst noch nicht ganz optimal geeignet sind: Es gibt kaum noch Verbote. Wenn du dir bei etwas unsicher bist, dann gib deinem Kind erst mal nur wenig davon und nicht täglich. Handelsübliche Fertiggerichte sind für die tägliche Ernährung als Grundlage ungeeignet, denn sie vor allem häufig sehr salzig und würzig und haben zu wenig Nährstoffe (Vitamine und Co). Beim Selberkochen kannst du einfach etwas weniger salzen, dann passt das. Das Essen sollte im 2.Lj nicht übertrieben salzarm sein - aber auch nicht zu salzig. Alkohol und Kaffee sollten tabu sein. Sie haben in der Kinderküche nichts verloren. In reichlich (!) Fett gebratene Speisen sind anfangs für die Kleinsten noch etwas schwerer verdaulich, besonders abends ist das weniger gut bekömmlich. Pfannkuchen sind trotzdem der Hit. Heutzutage brät man sie dank Antihaftbeschichtungen in Pfannen ohnehin viel fettärmer. Ansonsten gilt: Erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten. Fischgerichte (auch bei Filet) immer genau auf Gräten prüfen. Fischstäbchen (können nach dem Garen von der Panade befreit werden) sind i.d.R. aber grätenfrei und eignen sich deshalb besonders gut. Hirse, Quinoa und Amaranth sollten regelmäßig und in größeren Mengen besser erst ab dem 3. Lj auf den Tisch kommen. Kleine Mengen und das mal ab und zu sind kein Problem. Ausnahme: Baby-Hirseflocken. Ganze Nüsse sind wegen der Verschluckungsgefahr noch nicht gut geeignet. Da sie hart sind, können sie beim Verschlucken Probleme verursachen. Nüsse als Mus sind geeignet. So ist es auch mit den kleinen Kernchen bei Himbeeren und Johannisbeeren (bei Marmelade drauf achten) - möglichst entfernen. Leinsamen ist in größeren Mengen weniger gut geeignet. Zwiebel, Knoblauch, scharfe Gewürze sind individuell unterschiedlich verträglich und deshalb gibt es keine Empfehlung :-) Betreffs Rohmilchkäse (und Listeriengefahr i.A.) ist es ähnlich wie bei den Schwangeren: siehe hier: http://www.rund-ums-baby.de/kochecke/beitrag.htm?id=23628 So auch Salmonellen oder Toxoplasmose, z.b. in Bezug auf Salami, die aber ohnehin für Essanfänger viel zu würzig ist.


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