Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Baby 11 Monate isst kaum etwas, hat aber Hunger!

Frage: Baby 11 Monate isst kaum etwas, hat aber Hunger!

Kekskopf

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Hallo, ich habe zur Zeit ein großes Problem mit der Ernährung meiner Tochter Vivien, elf Monate. Bisher hat sie Brei bekommen, morgens etwas Brot mit Butter oder Frischkäse. Zwischendurch wird noch gestillt, allerdings habe ich nur noch recht wenig Milch, für eine ganze Mahlzeit reicht es nicht mehr. Das Problem ist, dass Vivien seit einigen Wochen mittags den Brei fast verweigert. Sie isst nur noch ca. 50 Gramm. Also dachten wir, wir lassen sie am Familientisch mitessen. Das klappt aber ebenfalls sehr schlecht. Vivien isst ein wenig, steckt manche Sachen in den Mund, schmeißt aber das meiste in der Gegend herum. Nach jedem Essen sieht unser Wohnzimmer aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Und sie hat definitiv meistens nach dem Essen noch Hunger, schmeißt aber nur noch mit dem Essen! Teilweise biete ich ihr sechs, sieben verschiedene Lebensmittel an, und nichts ist ihr recht. Heute sah ihr Essensplan z.B. folgendermaßen aus: 8:00 1/2 Stück Kranzkuchen 10:00 2 EL Joghurt mit einem Mini-Stück Banane und einem selbstgebackenen Dinkel-Babykeks 12:00 Gnocchi mit Gemüse und Tomatensoße - sie hat das Gemüse verschmäht, auch die Tomatensoße, und von den Gnocchi hat sie 3 gegessen! 13:00 ein paar Mini-Stückchen Birne und ganze sechs Trauben... 15:00 20 Gramm Banane 16:00 1 Mini-Stück Brot mit Butter 17:30 mein Mann isst, Vivien isst noch mal 2 Gnocchi Abendbrei wird es ca. um 19 Uhr geben, davon wird sie ca. 120 Gramm essen - es ist der einzige Brei und mittlerweile die einzige Mahlzeit, bei der sie generell gut isst. Zwischendurch wird sie noch gestillt, trinkt aber definitiv nur noch ein paar Schlückchen, keine ganze Mahlzeit. Man merkt ihr an, dass sie Hunger hat, aber sie isst einfach NICHTS, was ich ihr anbiete! Sie nimmt am Tag kaum Kalorien zu sich, und dementsprechend oft will sie nachts dann gestillt werden. Sie kommt mindestens jede Stunde, und ich gehe auf dem Zahnfleisch! Gegen vier Uhr morgens reicht aber auch meine Milch oft nicht mehr aus, weil sie echt mittlerweile dauernuckelt! Ich bin einfach verzweifelt und weiß nicht mehr weiter! Pre- und Einsermilch werden übrigens ebenfalls verschmäht. Ach ja, Brot o.ä. muss ich ihr in winzige Stückchen schneiden, die sie mit Daumen und Zeigefinger aufklaubt und in den Mund steckt, große Stücke werden verschmäht, auch wenn es etwas Weiches ist, von dem sie gut abbeißen kann. Haben Sie einen Rat für mich? Vielen Dank!


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo Kekskopf bist du sicher, dass deine Kleine Hunger hat? Wenn sie hungrig wäre, würde sie mehr essen. Ich vermute, dass Vivien durch die Mumi doch recht gut satt wird. Beim Stillen hast du keine Kontrolle bezüglich der aufgenommenen Kalorienmenge. Es ist gut möglich, dass deine Milch recht fettreich ist und dadurch gut sättigt. Am Tag fehlt dadurch der nötige Anreiz zum Essen. Biggi Welter kann dir das noch genauer erklären. Vielleicht kannst du von ihr auch ein paar Tipps erhalten, wie du das nächtliche Stillen reduzieren könntest. Dazu kommt, dass mit etwa 10Lm die Zeit des schnellen Wachstums allmählich vorbei ist und die Gewichtszunahme stagniert. Das äußert sich häufig durch verringerten Appetit, Essportionen schrumpfen. Der von dir exemplarisch geschilderte Tages-Essplan ist auch keineswegs besorgniserregend - zusammen mit Mumi kann das durchaus ausreichen. Ich erkenne dabei eine starke Tendenz zu süßen Speisen und Vivien isst häufiger, dafür Miniportionen. Wenn deine Kleine gut gedeiht, altersgerecht entwickelt, gesund, munter und fröhlich ist, dann brauchst du dir vermutlich keine Sorgen zu machen. Esst ihr denn zusammen? Je mehr euer Kind bei euch Großen sieht, desto besser. Als Mutter kann man schon daran verzweifeln, wenn die lieben Kleinen nicht so essen wollen, wie man sich das wünscht, oder so wie es in den allgemeinen Ernährungsempfehlungen geschrieben steht. Kinder wissen nichts von Ernährungsempfehlungen und essen einfach dann, wenn es ihnen schmeckt, oder wenn sie hungrig sind. Was schmeckt gründet auf der persönlichen Erfahrung und an der Gewöhnung daran. Jedes Kind is(s)t unterschiedlich. Manche Kinder essen gern und viel und einfach alles bis auf wenige Ausnahmen. Manche Kinder essen wenig und sind dabei oft noch sehr mäkelige Esser. Das wichtigste Element ist zunächst einmal einfach die Tatsache, dass ein Kind überhaupt isst :-) Das klingt zunächst zwar sehr banal und ist dennoch die erste Vorraussetzung. Die ist bei euch erfüllt :-) Was du schreibst, beklagen übrigens nicht wenige viele Mütter: Das Kind möchte nicht das essen, was Mama will. Und das ist auch kein Phänomen der neueren Zeit. Nein, es war schon immer so. Auch zu Großmutters Zeiten, und auch während der sog. Hungerjahre, als Nahrung knapp war. Das zu essen, was Kinder kennen und ihnen schmeckt, gibt ihnen Sicherheit. Bis es schmeckt, müssen sie oft über 10 mal von etwas probieren, bevor sie wirklich gut akzeptieren. Die Kleinen müssen neue Speisen erst kennenlernen, neue Geschmackseindrücke sammeln, bewerten, neue Konsistenzen akzeptieren, kauen, selber essen lernen. Kleine Mengen können ausreichen. Freue dich, wenn dein Kind etwas gegessen hat oder auch nur probiert hat. Das ist besser als nichts und dein Kind lernt dazu. Kleine Probiermengen von etwa Neuem sind geanu richtig. Lieber eine Erbse als keine. Die Mengen sind steigerbar! Spielerisch erlebt, immer wieder die gleichen Dinge präsentiert, mit vielen Sinnen erfahren, das prägt nachhaltig. Hieraus bildet sich eine gute Basis! Der Forscherdrang ist in dieser Altersphase sehr ausgeprägt und alle Sinne wollen beschäftigt sein. Nicht nur die Konsistenz (Stückchen), sondern auch die Vielfalt charakterisiert die Familienkost. Es müssen niemals Riesenmengen von Neuem gegessen werden. Oft reicht es auch, wenn das Kind die Bereitschaft zeigt, überhaupt zu probieren. Auch wenn es nur bspw eine einzige Erbse wäre. Beim nächsten Mal wären es dann zwei und so weiter. Biete auf einem Teller kleingeschnittene, dünn mit Butter bestrichene, von der Brotkruste enfernte, Brotstückchen an. Idealerweise greift deine Kleine freudig zu und ist begeistert von dieser neuen Art des Essens - was du ebenfalls bestätigst. Bei den Mengen kannst du auf den Appetit eures Kinder vertrauen. Wenn sie genug hat, wird sie das zeigen. Etwa in dem sie die Speisen vom Tisch wirft. Sei nicht enttäuscht, wenn deine Kleine nicht das isst, was du ihr anbietest. Lass sie neue Speisen selbst entdecken und findet eine neue Routine. Satt wird deine Kleine vielleicht doch momentan noch überwiegend durch Mumi, Abenbrei und Obst - verteilt auf häufige kleine Portionen. Bringe ganz viel Routine in euren Essplan und schaffe ggf größere Essenspausen. Grüße B.Neumann


Kekskopf

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Ich muss noch dazu schreiben, dass Vivien bereits seit etwa drei Monaten mit Essen spielen darf. Also sie entdeckt zwar noch, aber ich denke, dass doch mittlerweile auch etwas im Magen landen sollte, oder? :-(


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