Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Alles?

Frage: Alles?

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Hallo Birgit, Meine Kleine wird 11 Monate alt. Ich wüsste gerne, ob sie nun schon alles essen darf. Ich weiß, dass es einige Ausnahmen gibt, z. B. Honig oder Nüsse. Sie bekommt mittags noch Gläschenkost und ich gebe ihr dann immer noch etwas ab von dem, was wir essen, z. B. Nudeln, Kartoffeln. Ansonsten soll man ja darauf achten, dass das Essen nicht stark gewürzt/gesalzen ist. Aber gibt es darüber hinaus noch Einschränkungen? Darf sie an Obst und Gemüse alles essen, was sie mit ihren Zähnchen schon schafft? In der Krabbelgruppe geben die anderen Mütter ihren Kindern schon Plätzchen, Bratwurst, usw., also Dinge, von denen ich meine Kleine noch fernhalte. Oder brauche ich das gar nicht? Danke für Ihren Rat!


Birgit Neumann

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Hallom Löwin82 Erlaubt ist in der Familienkost eigentlich fast alles, was kleinkindgerecht auf - und zubereitet wurde. Der Verzicht auf Kaffee, Cola, zu viele Fertiggerichte (Fertigpizza und Co) sowie Alkohol versteht sich von selbst... Betreffs Rohmilchkäse (und Listeriengefahr i.A., sowie Toxoplasmose, Salmonellen) ist es ähnlich wie bei Schwangeren - Kinder sind kleiner und dadurch schneller anfällig, ihr Immunsystem ist noch nicht gut ausgereift. Desdhalb besser Vorsicht alten lassen, wenn ihr Rohmilchkäseliebhaber seid und diesen häufig esst. Aber auch nicht jeder Rohmilchkäse hat Listerien - die Wahrscheinlich ist hierbei nur eben höher. Vorsicht auch bei Gemüse-Rohkost - diese immer super gut waschen, waschen, waschen! Wenn du Rohmilchkäse durcherhitzt, besteht übrigens keine Gefahr mehr und dein Kind kann mitessen. Bei Weichkäse wie Brie oder Camembert kannst du die Rinde wegschneiden, dann verringerst du das Risiko enorm. Listerien wachsen nicht ins Käseinnere. Rohmilch-Hartkäse wie Emmentaler ist auch nicht so dramatisch. Hartkäse hat nur noch einen geringen Wasseranteil und dadurch eine schlechte Lebensbedingung für Mikroorganismen. Fischgerichte (auch bei Filet) immer genau auf Gräten prüfen. Fischstäbchen (können nach dem Garen von der Panade befreit werden) sind i.d.R. aber grätenfrei und eignen sich deshalb besonders gut. Hirse, Quinoa und Amaranth sollten regelmäßig und in größeren Mengen besser erst ab dem 3. Lj auf den Tisch kommen. Kleine Mengen und das mal ab und zu sind kein Problem. Ausnahme: (Baby-)Hirseflocken. Vorsicht auch bei kleinen Kernchen bei Himbeeren und Johannisbeeren (bei Marmelade drauf achten) - möglichst entfernen. Saaten gelten ebenso am Anfang asl weniger gut geeignet, wie Nüsse. Und auch Leinsamen ist in größeren Mengen weniger gut geeignet..Hierbei geht es um das enorme Quellvermögen, was für den kleinen Darm schnell zu groß sein kann. Zwiebel, Knoblauch sind individuell unterschiedlich verträglich und deshalb gibt es keine Empfehlung :-) Wer schon durch Fruchtwasser und Muttermilch darauf "geeicht" ist, verträgt das meist problemlos. Empfindliche Babys haben damit eher ihre Schwierigkeiten. Wenn du bei etwas unsicher bist, dann gib deinem Kind erst mal nur wenig davon und nicht täglich. Chili auch noch meiden. Fertiggerichte sind häufig sehr würzig und deshalb nicht optimal. Beim Selberkochen kannst du einfach etwas weniger salzen, dann passt das. Das Essen sollte im 2.Lj nicht übertrieben salzarm sein - aber auch nicht zu salzig. In reichlich Fett gebratene Speisen sind etwas schwerer verdaulich, weshalb sie für die Kleinsten abends weniger gut bekömmlich sind. Besonders Fleisch sollte deshalb schonend gebraten werden. Sonst gibt es kaum Einschränkungen. Erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten. Mit ihren 13 Monaten kann deine Tochter nun also wirklich fast alles mitessen. Das Essen sollte kleinkindgerecht zubereitet sein. Das Gros der Nahrung kann basically sein, in der Zusammensetzung den Breien ähnlich. Dazu kann und sollte deine Kleine vielfältig neue Esserfahrungen machen können - auch mit Bratwurst. Davon einfach wenig und nicht regelmäßig. Als Erlebnis ist das aber durchaus super. Als tägliche Kost gilt Bratwurst natürlich als weniger optimal - aber das gilt ebenso für Erwachsene.... Mit einem erweiterten Nahrungsangebot kann deine Tochter viele Esseindrücke sammeln und damit ihre gustatorische Wahrnehmung schulen. Je mehr Auswahl - desto besser. Versuche dein Kiind an das zu gewöhnen, was du langfristig als richtig und gut ansiehst, an das, was eure Familienkost ist oder sein sollte. Diese Speisen prägen sich in das sog. Geschmacksgedächtnis ein und dein Kind wird diese Speisen auf ewig mögen. Selber kochen und backen, selber zubereiten - das ist jetzt genau richtig. Diese Grundnahrung kannst du ab und zu mit ein paar "Fertigprodukten" (um beim Beispiel Bratwurst zu bleiben erweitern. Auch mal ein handelsüblicher Schokokeks. Aber wenn du bspw (häufiger) Kekse geben magst, könntest bspw auf Kekse aus Eigenproduktion oder zu Keksen aus dem Sortiment im Naturkosthandel (= bspw meist weniger süß, hochwertige Zutaten) zurückgreifen. Der Organismus ist bei gesunden Kindern jetzt so weit ausgereift, dass die meisten Speisen gut vertragen werden. Wenn ein Kind schon als Baby öfter Verdauungsprobleme, Bauchschmerzen, Ausschläge etc hatte, ist man als Mutter viel vorsichtiger und gibt neue Speisen nur in Minimengen. Robuste Kinder, die schon von Beginn der Beikost alles gegessen haben und sehr viel Freude am Essen hatten, können viel schneller und mit weniger Vorsicht an die Familienkost gewöhnt werden. Aber richte dich auch nach deinem Gefühl. Es leitet dich bestimmt gut und richtig. Ganz allgemein möchte ich dir noch diese Informiation geben: Kinder erleben Essen mit allen Sinnen und Essen dient in diesem Alter nicht nur zu Ernährungszwecken, sondern vor allem auch zum Sammeln von neuen Ess- bzw Sinneseindrücken. Erlaube unbedingt das Essen mit den Fingern. Denn das ist wichtig, wie oben erwähnt, für das sinnliche Erlebnis und die langsame Annäherung. Zeigen deinem Kleinen evtl auch schon mal das Essen mit (Kinder-)Besteck. Also dann Grüße B.Neumann


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