Golfgirl1980
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, ich (44) und mein Partner hätten gerne ein Kind. Meine letzte reguläre Periode hatte ich am 18.04.2025. Dann am 03.05. positiver Clearblue Ovulationstest. Allerdings dann vom 13.05. bis 18.05. spinnbarer Zerviksschleim und am 16.05. erneut positiver Ovulationstest. Die Periode kam am 28.05., jedoch sehr schwach mit etwas hellrotem Blut und zog sich bis 07.06. hin. AMH wurde am 28.05. gemessen und ist < 0.1 μg/l. Vor 2 Jahren lag es bei 1,3 μg/l. Blutabnahme der Hormonwerte erfolgte am 10.06., also 14. Zyklustag, wenn ich vom 28.05. rechne. LH: 8,7 U/l; FSH: 9,7 U/l; E2: 86 ng/l; Progesteron: 0,2 μg/l; Testosteron: 0,48 μg/l. Schmierblutung vom 12.06. bis 17.06. Am 20.06 wieder ein positiver LH Test. Seit zwei Tage jetzt Ziehen im Unterleib als wenn die Periode kommt. Ansonsten schmerzende Brüste und Kreislaufprobleme. Kann es sein, dass so urplötzlich die Perimenopause eingesetzt hat? Besten Dank im Voraus.
Guten Tag,, vielen Dank für Ihre ausführliche Nachricht und das Vertrauen, das Sie mir entgegenbringen. Sie beschreiben sehr genau, was in den letzten Wochen passiert ist – und ich kann gut nachvollziehen, wie verunsichernd es sein muss, wenn sich der Zyklus plötzlich verändert, Ovulationstests nicht eindeutig ausfallen und körperliche Symptome wie Brustspannen und Kreislaufprobleme dazukommen. All das wirft viele Fragen auf – besonders, wenn gleichzeitig ein Kinderwunsch besteht. Was Ihre Hormonwerte betrifft: Der deutlich abgesunkene AMH-Wert von unter 0,1 μg/l – vor zwei Jahren lag er noch bei 1,3 – deutet darauf hin, dass die ovarielle Reserve inzwischen stark reduziert ist. Das bedeutet, dass nur noch wenige Eizellen in den Eierstöcken vorhanden sind. In Verbindung mit den Zyklusveränderungen, den Zwischenblutungen, den unsicheren LH-Peaks und der ausbleibenden typischen Hochlage des Progesterons liegt der Verdacht nahe, dass Sie sich inzwischen in der frühen Perimenopause befinden. Diese Übergangsphase kann sich tatsächlich sehr plötzlich bemerkbar machen – auch bei Frauen, die vorher immer einen stabilen Zyklus hatten. Trotzdem sollte man andere mögliche Ursachen für Ihre Symptome nicht vorschnell ausschließen. So wäre es sinnvoll, eine Schwangerschaft sicherheitshalber per Bluttest auszuschließen. Auch eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion und des Prolaktinwerts kann hilfreich sein, ebenso wie eine gynäkologische Untersuchung, um z. B. Polypen oder Myome als Ursache für die Blutungsstörungen auszuschließen. Wenn der Kinderwunsch für Sie und Ihren Partner aktuell im Vordergrund steht, ist es besonders wichtig, jetzt keine Zeit zu verlieren. Es gibt – auch bei einem sehr niedrigen AMH – Möglichkeiten. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Schwangerschaft deutlich reduziert, aber nicht gleich null. Daher würde ich Ihnen empfehlen, möglichst zeitnah ein spezialisiertes Kinderwunschzentrum aufzusuchen, um gemeinsam zu besprechen, ob in Ihrem individuellen Fall eine Unterstützung sinnvoll ist. Hilfreich wäre zuvor noch eine Blutabnahme an Zyklustag 2 oder 3 mit Bestimmung der Werte für FSH, LH, Östradiol, TSH und Prolaktin sowie ein transvaginaler Ultraschall zur Beurteilung der Antralfollikelzahl in den Eierstöcken. Später auch zur Beurteilung der Gebärmutterschleimhaut. Diese Informationen helfen, ein möglichst genaues Bild Ihrer aktuellen Situation zu gewinnen. Ich weiß, dass diese Phase voller Unsicherheiten ist – körperlich wie emotional. Aber Sie sind nicht allein damit. Wichtig ist, dass wir sie jetzt rasch und gezielt nutzen. Mit herzlichen Grüßen Dr. Friedrich Gagsteiger
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