Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Vierter Transfer gescheitert

Frage: Vierter Transfer gescheitert

LenasWunschkind2026

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Lieber Dr. Gagsteiger,  mein Mann und ich (beide 31 Jahre alt) befinden uns seit ca. 2,5 Jahren im Kinderwunsch, 1,5 Jahre davon in der Behandlung einer Kinderwunschklinik. Wir haben insgesamt ca. 5 Zyklen GVnP hinter uns, nachdem es ein Jahr auf natürliche Weise nicht funktioniert hatte. In der Klinik folgten dann drei IUIs und vier erfolglose Transfers. Nachdem der dritte Transfer auch nicht das gewünschte Ergebnis brachte, fand etwas mehr Diagnostik bei uns statt (endlich).  Bei meinem Mann wurde eine Oligoteratozoospermie diagnostiziert, zudem eine hohe DNA-Fragmentation von 35 %. Bei mir wurde die Gerinnung untersucht, diese war unauffällig. Der Befund der KIR-Gene ergab einen Haplotyp AA. Die Killer- und Plasmazellen waren unauffällig. Mein Mikrobiom war ebenfalls unauffällig. Ich hatte viel Hoffnung in den vierten Versuch gesteckt, da unter Berücksichtigung der neuen Befunde hier doch einiges anders lief. Ich erhielt Intralipid-Infusionen, Prednisolon, Granozyte, Clexane und Östrogen für die Schleimhaut und dennoch war der Transfer leider nicht erfolgreich.  Zu uns: Wir sind beide normalgewichtig, Nichtraucher, trinken kaum bis keinen Alkohol und führen ein wirklich normales Leben. Wir sind beide berufstätig, aber auch hier würde ich sagen, dass wir nicht mehr Stress ausgesetzt sind, als andere berufstätige Menschen. Auf die Nährstoffversorgung und die Einnahme von Antioxidantien achte ich seit Monaten (für uns beide). Ansonsten sind wir gesund, haben keine Vorerkrankungen oder Ähnliches. Ich war noch nie schwanger, hatte nie einen positiver Test in der Hand. Ich hatte auch keine Entzündungen/OPs im Bauchraum, keine Geschlechtskrankheiten o.Ä.. Unsere Embryonen sind immer von guter bis mittlerer Qualität. Bisher wurden nur Blastozysten transferiert, meist schlüpfend mit AA oder AB Qualität. Die Einzige, die nicht so perfekt mitmachen möchte, ist meine Gebärmutterschleimhaut. Sie ist meist eher flach aufgebaut (mein absolutes Maximum waren 11 mm mit Östrogen zur Unterstützung), aber sie ist immer dreischichtig.  Meine Blutung hat sich seit der Kinderwunschzeit stark verändert. Zwischenzeitlich habe ich kaum noch eine richtige Blutung, was mir Sorgen bereitet. Nach dem Absetzen der hormonellen Verhütung hatte ich eine eher starke Blutung die über die Monate immer schwächer wurde.  Wenn ich mir vorstelle, dass das meine Schleimhaut ist, wundert es mich ehrlich gesagt nicht, dass es bisher zu keiner erfolgreichen Einnistung gekommen ist.  Die Ärzte sahen bisher keine Indikation für eine Gebärmutterspiegelung gegeben. Auf meinen Wunsch hin fand einmalig ein 3D Ultraschall statt, auch hier konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden. Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los, dass meine Schleimhaut das Problem sein könnte und etwas mit meiner Gebärmutter vielleicht nicht stimmt.  Naja, zu meiner eigentlichen Frage: Wie sollen wir weiter machen? Soll ich nochmal versuchen die Ärzte der Klinik von einer Gebärmutterspiegelung zu überzeugen (bisher war ich damit leider nicht erfolgreich). Wäre weitere Diagnostik sinnvoll (und wenn ja welche?) oder braucht es einfach noch etwas Durchhaltevermögen?  Können Sie eine Hypothese dazu aufstellen, warum es bisher noch nicht geklappt hat?  Über eine fachliche Einschätzung Ihrerseits zu unserer Situation freue ich mich!  Besten Dank und liebe Grüße  Lena 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ja, ein ausgeprägter Eisenmangel kann grundsätzlich auch einen Einfluss auf den Zyklus und möglicherweise indirekt auf den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut haben. Vor allem bei einem deutlichen Eisenmangel bzw. einer Eisenmangelanämie ist die Versorgung des gesamten Organismus beeinträchtigt. Er ist aber eher selten die alleinige Erklärung für eine zu dünne Gebärmutterschleimhaut. Da Sie Vegetarierin sind und bereits ein deutlich erniedrigter Eisenwert festgestellt wurde, ist die begonnene Eisensubstitution auf jeden Fall sinnvoll. Ich würde bei der nächsten Kontrolle insbesondere Ferritin, Hämoglobin und Transferrinsättigung mitbestimmen lassen. Ein Ferritinwert allein kann zudem bei Entzündungen etwas irreführend sein. Für die Gebärmutterschleimhaut sind letztlich mehrere Faktoren entscheidend – insbesondere der Östrogenspiegel, die Durchblutung und die Reaktion des Endometriums auf Östrogen. Deshalb würde ich den Eisenmangel korrigieren, ihn aber nicht überbewerten. Er könnte ein zusätzlicher Baustein sein, muss aber nicht die Ursache für den bisherigen Schleimhautaufbau gewesen sein. Liebe Grüße und alles Gute!


LenasWunschkind2026

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Was mir noch eingefallen ist. Bei der letzten Blutuntersuchung die ich habe durchführen lassen hatte ich einen sehr schlechten Eisenwert (ich bin Vegetarierin) und sollte einige Zeit Eisen supplementieren, was ich nun tue. Die Kontrolle hat noch nicht stattgefunden, aber vielleicht spielt auch das eine Rolle für die GMS? 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Lena, nach vier erfolglosen Blastozystentransfers mit überwiegend guten Embryonen kann ich sehr gut nachvollziehen, dass Sie nicht einfach nur zum fünften Transfer übergehen möchten. Mit 31 Jahren sind Ihre grundsätzlichen Voraussetzungen eigentlich günstig – deshalb finde ich es vernünftig, jetzt noch einmal strukturiert nach möglichen Ursachen zu suchen. Dabei würde ich zwei Dinge etwas unterschiedlich gewichten: Die DNA-Fragmentation Ihres Mannes von 35 % ist durchaus auffällig und könnte eine Rolle spielen. Eine gute morphologische Qualität einer Blastozyste bedeutet leider nicht automatisch, dass auch biologisch bzw. genetisch alles optimal ist. Hier würde ich die andrologische Seite noch einmal genau anschauen: mögliche Ursachen der erhöhten Fragmentation, beispielsweise eine Varikozele oder entzündliche Faktoren, und auch die Frage, ob sich daraus Konsequenzen für die Gewinnung bzw. Auswahl der Spermien ergeben. Beim KIR-AA-Haplotyp wäre ich dagegen vorsichtiger. Ebenso würde ich aus dem bisherigen Misserfolg nicht automatisch ableiten, dass Intralipid, Prednisolon, Granocyte oder Clexane beim nächsten Versuch noch intensiver eingesetzt werden müssten. Für viele dieser immunologischen Zusatzbehandlungen ist die wissenschaftliche Evidenz bei wiederholtem Implantationsversagen begrenzt. Ihre Sorge hinsichtlich der Gebärmutter kann ich dagegen gut nachvollziehen. Eine Schleimhaut von bis zu 11 mm und ein dreischichtiger Aufbau sind zunächst einmal sehr ordentliche Voraussetzungen. Auch eine schwächer gewordene Monatsblutung beweist keineswegs, dass zu wenig funktionsfähiges Endometrium vorhanden ist. Blutungsstärke und die im Ultraschall gemessene Schleimhautdicke lassen sich nicht einfach gleichsetzen. Trotzdem würde ich nach Ihrer Vorgeschichte eine diagnostische Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) durchaus für sinnvoll halten. Ein unauffälliger 3D-Ultraschall ist beruhigend, ersetzt aber nicht vollständig den direkten Blick in die Gebärmutterhöhle. Sehr kleine Polypen, Verwachsungen oder andere subtile Veränderungen können auf diese Weise besser erkannt werden. Gegebenenfalls könnte man dabei auch gezielt eine Gewebeprobe entnehmen. Vor einem weiteren Transfer würde ich deshalb noch einmal systematisch Bilanz ziehen: Gebärmutterhöhle/Hysteroskopie, bisherige Endometriumdiagnostik, Schleimhautentwicklung und Transferbedingungen sowie insbesondere die männliche Seite mit der erhöhten DNA-Fragmentation. Auch die embryologische Dokumentation aller bisherigen Behandlungen – Zahl und Reife der Eizellen, Befruchtungsrate, Entwicklung bis Tag 5/6 und Blastozystenqualität – würde ich noch einmal genau betrachten. Und noch einen Gedanken möchte ich Ihnen mitgeben: Auch ein Wechsel des Kinderwunschzentrums kann nach einem solchen Verlauf durchaus sinnvoll sein. Das bedeutet keineswegs, dass Ihre bisherige Klinik schlecht gearbeitet hat. Aber nach 1,5 Jahren Behandlung und vier erfolglosen Transfers kann ein frischer Blick ausgesprochen wertvoll sein. Ein erfahrenes Kinderwunschzentrum mit gutem Ruf beurteilt möglicherweise einzelne Befunde anders, setzt im Labor andere Schwerpunkte oder verändert Details bei Stimulation, Embryokultur, Transfer oder Endometriumvorbereitung. Manchmal sind es tatsächlich solche kleinen Unterschiede, die neue Möglichkeiten eröffnen. Zumindest eine unabhängige Zweitmeinung würde ich Ihnen in Ihrer Situation empfehlen. Eine einzelne überzeugende Erklärung dafür, warum Sie bisher noch nie schwanger waren, lässt sich aus Ihren Angaben leider nicht ableiten. Ich würde aber auch nicht vorschnell Ihrer Schleimhaut die Schuld geben. Implantation ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Embryo, Endometrium und dem richtigen Zeitpunkt – und selbst eine wunderschöne AA-Blastozyste ist nicht zwangsläufig chromosomal gesund. Mit 31 Jahren haben Sie aber einen ganz entscheidenden Faktor auf Ihrer Seite: Ihr Alter. Vier negative Transfers sind sehr enttäuschend und rechtfertigen ein erneutes genaues Hinschauen, bedeuten aber keineswegs, dass Ihre Aussichten grundsätzlich schlecht sind. Mein Weg wäre daher: nicht einfach nur weitermachen wie bisher, sondern jetzt einmal einen Schnitt machen, alle Unterlagen zusammentragen und eine qualifizierte Zweitmeinung – gegebenenfalls in einem anderen Kinderwunschzentrum – einholen. Die Hysteroskopie und die erhöhte DNA-Fragmentation würde ich dabei ausdrücklich zur Diskussion stellen. Danach kann man mit einem neu bewerteten und nachvollziehbaren Konzept weitergehen. Herzliche Grüße Friedrich Gagsteiger


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