Neelia25
Hallo Herr Dr. Gagsteiner, mein Mann und ich befinden uns seit zwei Jahren im Kinderwunsch, seit ca. einem 3/4 Jahr mit Unterstützung einer Klinik. Nach einigen Zyklen GVnP und drei inseminationen wurde uns dann aufgrund des eingeschränkten Spermiogramms meines Mannes (Beweglichkeit eingeschränkt) zu einer ICIS geraten. Die Stimulation verlief eigentlich gut, bis auf das Timing der Punktion. Von ca. 30 gezählten Eizellen bleiben nur 8 übrig, da ich frühzeitig ovuliert hatte ... 6 davon konnten befruchtet werden und am Ende blieben drei Blastozysten, wobei eine leider nicht eingefroren werden konnte. Wir hatten also eine Blastozyste mit 9AA Qualität und eine mit 9BC Qualität. Ein Transfer erfolgte im natürlichen, der andere im künstlichen Zyklus. Bisher hat die Diagnostik (wobei wir neben der standardisierten Blutuntersuchungen nicht viel Diagnostik gemacht haben, außer meine Gerinnung und eine Eileiterdurchgäbgigkeitsprüfung vor IUI (auf meine Bitte hin)). Ich hänge der Ärztin seit der dritten erfolglosen IUI mit dem Wunsch nach einer Gebärmutterspiegelung in den Ohren, wofür sie, aufgrund der unauffälligen (Ultraschall)-Befunde keine Indikation sieht. Auch jetzt wäre es der Plan der Klinik einfach so weiter zu machen wie beim letzten Mal und keine großartige Veränderung vorzunehmen. Ich weiß, dass Patientinnen sich oft in Diagnostik verlieren und die Dianostik nicht immer Aufschluss gibt, aber keine Diagnostik durchzuführen, kann auch nicht die Lösung sein. Ich möchte die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht strapazieren, aber ich bin auch nicht bereit die zweite ICIS so zu "verschießen", wie die Erste. Mein Vertrauensverhöltnis ist ehrlich gesagt einfach gestört, nachdem 20 Eizellen bei der ersten Stimulation verloren gegangen waren, da es für mich keine Kapazitäten mehr für eine OP gab und ich zwei Tage später punktiert wurde als eigentlich vorgesehen. Umso mehr Gedanken ich mir darüber mache, umso ärgerlicher finde ich das. Naja ... zu meiner eigentlichen Frage. Wir sind beide 29 Jahre alt und auch wenn ich von überall höre "ihr seid noch jung" ist meine Geduld ausgereizt. Welche Diagnostik würde ggf. bei uns sinnvoll sein, was könnte/sollte ich versuchen im Gespräch mit der klinik anzustoßen, bevor ich meine Gedanken bzgl. einem Klinikwechsel konkretisieren werde. Über eine Rückmeldung Ihrerseits freue ich mich sehr! Ganz liebe Grüße
Guten Tag, vielen Dank für Ihre ausführliche Nachricht. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie nach diesem ersten ICSI-Versuch enttäuscht und auch verunsichert sind. Wenn zunächst etwa 30 Follikel gesehen wurden und dann wegen eines vorzeitigen Eisprungs nur noch 8 Eizellen gewonnen werden konnten, ist das natürlich ein erheblicher Einschnitt in die Erfolgsaussichten dieses Versuches. Dass Sie darüber ärgerlich sind und das Vertrauen gelitten hat, ist absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig werfen diese Angaben noch einige Fragen auf. Über 30 Eibläschen sprechen zunächst auch für eine deutliche Überstimulationssituation oder zumindest für eine sehr starke ovarielle Reaktion. In einer gut steuerbaren IVF-/ICSI-Stimulation versucht man in der Regel, nicht „möglichst viele“, sondern eine gute, sichere und kontrollierbare Zahl an Follikeln zu erreichen — häufig eher im Bereich von bis zu etwa 15 gut entwickelten Eibläschen. Wenn deutlich mehr Follikel heranwachsen, steigen nicht nur organisatorische und medizinische Risiken, sondern auch die Anforderungen an ein sehr präzises Timing und ein gutes Sicherheitsmanagement. Umso wichtiger wäre deshalb eine genaue Analyse des Stimulationsverlaufs: Wann waren welche Follikelgrößen erreicht? Wie hoch waren Estradiol, LH und Progesteron vor der Auslösung? Gab es bereits Hinweise auf einen beginnenden spontanen LH-Anstieg oder Eisprung? Wurde ein Antagonist eingesetzt, und falls ja, ab wann und in welcher Dosierung? Und warum konnte die Punktion nicht zu dem ursprünglich geplanten Zeitpunkt stattfinden? Die Tatsache, dass aus 8 gewonnenen Eizellen 6 befruchtet wurden und daraus 3 Blastozysten entstanden sind, zeigt grundsätzlich eine gute biologische Entwicklungsfähigkeit. Der Versuch war also nicht „wertlos“. Aber das Zyklusmanagement scheint zumindest nicht optimal verlaufen zu sein. Vor einer zweiten ICSI sollte deshalb sehr genau besprochen werden, wie sowohl eine Überreaktion als auch ein vorzeitiger Eisprung beim nächsten Mal möglichst vermieden werden können. Es gibt in Ihrer Schilderung außerdem noch weitere wichtige Lücken, die für die Einschätzung relevant wären: Waren bei Ihnen bereits Schwangerschaften vorausgegangen, auch biochemische Schwangerschaften oder frühe Fehlgeburten? Wurde jemals ein Eingriff an der Gebärmutter durchgeführt, zum Beispiel eine Ausschabung, eine Operation, eine Hysteroskopie oder die Entfernung eines Polypen oder Myoms? Solche Informationen können die Frage beeinflussen, ob eine Gebärmutterspiegelung sinnvoller wird. Auch die von Ihnen genannten Blastozystenbewertungen „9AA“ und „9BC“ würde ich noch einmal genau hinterfragen. Üblicherweise wird bei Blastozysten die Ausdehnung eher mit Zahlen von 1 bis 5 oder 6 beschrieben, kombiniert mit Buchstaben für die Qualität von innerer Zellmasse und Trophektoderm, also zum Beispiel 4AA, 5AA oder 5BC. Zahlen wie 8 oder 9 sieht man eher bei der Beurteilung von Tag-3-Embryonen, bei denen die Zellzahl angegeben wird. Es wäre daher wichtig, sich den Laborbericht genau erklären zu lassen: Handelte es sich wirklich um Blastozysten? An welchem Entwicklungstag wurden sie beurteilt? Und was genau bedeutet diese Dokumentation in Ihrer Klinik? Vor einem weiteren Versuch würde ich aus meiner Sicht vor allem diese Punkte mit der Klinik besprechen: 1. Eine ehrliche Analyse des ersten ICSI-Zyklus Warum kam es zu dieser sehr starken Follikelreaktion? Warum kam es trotzdem zum vorzeitigen Eisprung? Und wie wird beim nächsten Mal verhindert, dass wieder ein großer Teil der Eizellen verloren geht? 2. Eine angepasste Stimulationsstrategie Bei einer Patientin mit offenbar sehr guter ovarieller Reaktion sollte nicht das Ziel sein, möglichst viele Follikel zu erzeugen. Ziel ist eine sichere, kontrollierte Stimulation mit guter Eizellqualität und einem planbaren Punktionstermin. Das kann bedeuten: niedrigere Startdosis, engmaschigere Kontrollen, frühzeitigerer Antagonist, anderes Auslösemoment oder ein anderes Sicherheitskonzept. 3. Eine klare Erklärung der Embryonendokumentation Die Angaben „9AA“ und „9BC“ sollten Sie sich genau erklären lassen, weil diese Notation für Blastozysten ungewöhnlich ist. Sie sollten wissen, was tatsächlich transferiert wurde: Tag-3-Embryo oder Blastozyste, welcher Entwicklungstag, welche Qualität und welche Einschätzung des Labors. 4. Eine gezielte Gebärmutterdiagnostik Eine unauffällige Ultraschalluntersuchung ist beruhigend, schließt aber kleine Polypen, feine Verwachsungen, eine chronische Endometritis oder andere diskrete Schleimhautveränderungen nicht immer sicher aus. Eine Gebärmutterspiegelung ist nicht bei jeder Patientin zwingend notwendig. Nach zwei erfolglosen Transfers und bei Ihrem verständlichen Wunsch nach Sicherheit kann man aber sachlich über eine zusätzliche Abklärung sprechen — zum Beispiel 3D-Ultraschall, Saline-Sonographie oder Hysteroskopie, abhängig von Vorgeschichte und Befund. 5. Die Transferbedingungen Es sollte nachvollziehbar sein, ob Schleimhautdicke, Schleimhautstruktur, Progesteronbeginn und Transferzeitpunkt optimal waren. Gerade im künstlichen Zyklus kann auch eine Kontrolle des Progesteronwertes sinnvoll sein. 6. Der männliche Faktor Wenn das Spermiogramm deutlich eingeschränkt ist, ist ICSI plausibel. Je nach Ausprägung kann man zusätzlich überlegen, ob Entzündungszeichen, starke Einschränkungen der Morphologie oder gegebenenfalls eine DNA-Fragmentation eine Rolle spielen könnten. Ich würde Ihrer Klinik sehr klar, aber sachlich sagen: „Ich möchte vor einer zweiten ICSI den ersten Versuch strukturiert aufarbeiten. Mir ist wichtig zu verstehen, warum es zu einer so starken Follikelreaktion kam, warum es dennoch zum vorzeitigen Eisprung gekommen ist, wie das Protokoll beim nächsten Mal konkret angepasst wird, wie die Embryonenqualität genau dokumentiert wurde und ob vor einem weiteren Transfer eine zusätzliche Gebärmutterdiagnostik sinnvoll ist. Ich möchte keinen diagnostischen Aktionismus, aber ich möchte auch nicht einfach denselben Ablauf wiederholen.“ Und ja: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Fragen nicht ernst genommen werden, das Management nicht überzeugend erklärt wird oder organisatorische Gründe zu einem suboptimalen Behandlungsverlauf geführt haben, dann dürfen Sie durchaus über eine Zweitmeinung oder auch einen Klinikwechsel nachdenken. Das wäre kein übertriebener Schritt, sondern ein legitimer Versuch, wieder Vertrauen und Klarheit in die Behandlung zu bringen. Mit 29 Jahren haben Sie grundsätzlich gute Voraussetzungen. Aber „Sie sind ja noch jung“ ersetzt keine sorgfältige Planung. Gerade weil Ihre Chancen grundsätzlich gut sein können, lohnt es sich, den nächsten Versuch besonders sauber, sicher und individuell vorzubereiten. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger
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