Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Frage bzgl. Frühabort

Frage: Frage bzgl. Frühabort

Johanna0407

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, ich habe nochmal eine Frage bzgl. meines Verlaufs. Sie hatten mir ja vor Kurzem sehr sehr gut weitergeholfen. Ich hatte ja am 5.5. eine IUI mit folgendem Verlauf: HCG Werte: 19.5. 35 22.5. 123 29.5. 400 kurzfristige Kontrolle auf Ihr Anraten am 1.6. 237 -> Absetzen Progesteron, seit dem 4.6. Blutung ähnliche Intensität wie Periode, die jetzt fast vorbei ist. Heute im Sono sah die Gebärmutter laut Arzt aus, als wäre ich nie schwanger gewesen (zuvor immer deutl. aufgebaut Schleimhaut). Heute wurde wieder Blut abgenommen. Am Freitag ist die nä. Kontrolle geplant, der Arzt meinte man könne gleich mit der nä. IUI fortfahren. Wenn der HCG Wert nun weiter sinkt, heißt das, dass es eine intrauterine SS war und der (linke) Eileiter, wo der Eisprung auch war, funktioniert? Es wurde nämlich nie die Eileiterfunktion untersucht, weil ich schon ein Kind vor 4 Jahren nach spontaner SS bekommen habe (die Geburt war aber prim. unkomplizierte Sectio wegen BEL). Die Chlamydien AK waren auch negativ. Sind die Chancen bei IUI mit 38 und Oligozoospermie überhaupt realistisch oder war es einfach nur ein 6er im Lotto, dass es jetzt geklappt hat? Unser Arzt ist leider nicht sehr gesprächig. Vielen vielen Dank Johanna


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Johanna, erst einmal: Es tut mir sehr leid, dass es nicht gehalten hat. Gleichzeitig zeigt Ihr Verlauf etwas Wichtiges: Es hat unter IUI eine Befruchtung und frühe Einnistung stattgefunden. Das ist bei 38 Jahren und Oligozoospermie keine Selbstverständlichkeit und eher ein positives biologisches Signal — auch wenn der Ausgang natürlich enttäuschend ist. Zu Ihren Fragen: 1. Beweist ein fallender hCG-Wert, dass es eine intrauterine Schwangerschaft war? Nein, leider nicht sicher. Ein fallendes hCG nach Blutung und unauffälliger Gebärmutter spricht sehr für eine früh abgegangene Schwangerschaft, oft eine biochemische Schwangerschaft oder sehr frühe Fehlgeburt. Aber: Solange nie eindeutig eine Fruchthöhle in der Gebärmutter gesehen wurde, bleibt es formal eine Schwangerschaft unklarer Lokalisation. Deshalb ist es richtig, das hCG weiter zu kontrollieren, bis es unter 10 mIU/ml oder praktisch negativ ist. Auch bei Eileiterschwangerschaften kann das hCG zunächst fallen; das Risiko wird mit fallenden und niedrigen Werten deutlich kleiner, ist aber erst wirklich erledigt, wenn der Wert zuverlässig verschwindet. Leitlinien empfehlen bei unklarer Schwangerschaftslokalisation eine Verlaufskontrolle bis zur sicheren Rückbildung. 2. Bedeutet dieser Verlauf, dass der linke Eileiter funktioniert? Es ist ein gutes indirektes Zeichen, aber kein Beweis. Wenn der Eisprung links war und es danach zu einer Schwangerschaft gekommen ist, spricht das dafür, dass zumindest der Weg Ei–Spermium–Befruchtung grundsätzlich möglich war. Aber man kann daraus nicht sicher ableiten, dass der linke Eileiter anatomisch und funktionell völlig normal ist. Eine Eileiterfunktion ist mehr als „offen“: Der Eileiter muss die Eizelle aufnehmen, Transport ermöglichen und den Embryo korrekt Richtung Gebärmutter bewegen. Das kann man auch mit HSG/HyCoSy nur teilweise prüfen. Die ASRM beschreibt HSG bzw. Kontrastmittelsonographie als Standardverfahren zur Beurteilung der Tubendurchgängigkeit; eine negative Chlamydienserologie macht relevante Tubenschäden weniger wahrscheinlich, schließt sie aber nicht völlig aus. 3. Muss vor der nächsten IUI zwingend die Eileiterdiagnostik gemacht werden? Nicht zwingend, aber man sollte es vernünftig abwägen. Sie hatten vor vier Jahren eine spontane Schwangerschaft und Geburt, Chlamydien-AK waren negativ, und jetzt ist unter IUI eine Schwangerschaft entstanden. Das spricht eher gegen einen schweren beidseitigen Tubenfaktor. Eine unkomplizierte Sectio wegen BEL macht nicht automatisch eine Eileiterstörung. Wenn es aber wiederholt nicht klappt, wenn Schmerzen, Endometrioseverdacht, frühere Entzündungen, auffällige Ultraschallbefunde oder weitere unklare frühe Verluste dazukommen, wäre eine HyCoSy oder HSGsinnvoll. 4. Darf man gleich mit der nächsten IUI weitermachen? Grundsätzlich ja — wenn das hCG weiter deutlich fällt und idealerweise unter 10 ist, keine Schmerzen bestehen, keine auffälligen Ultraschallbefunde vorliegen und die Blutung abgeklungen ist. Ich wäre hier nicht nachlässig: Vor Beginn der neuen Stimulation sollte klar sein, dass keine fortbestehende Schwangerschaftsaktivität mehr vorliegt. Also: hCG heute abwarten, Freitag Kontrolle, und erst bei klarem weiterem Abfall beziehungsweise fast negativem Wert starten. 5. Waren die Chancen realistisch oder war das ein „Sechser im Lotto“? Es war kein Sechser im Lotto. Mit 38 Jahren sind die Chancen pro IUI-Zyklus natürlich begrenzt, aber nicht null. Realistisch liegt die Schwangerschaftsrate pro IUI in dieser Altersgruppe — je nach Spermienqualität nach Aufbereitung, Stimulation, Follikelzahl und Vorgeschichte — oft grob im Bereich von etwa 5–10 % pro Versuch, manchmal etwas darüber, manchmal darunter. Bei stärkerer Oligozoospermie sinken die Chancen. IVF/ICSI hat pro Behandlungszyklus meist höhere Chancen, ist aber auch aufwendiger. IUI ist besonders dann noch vertretbar, wenn nach Aufbereitung genügend bewegliche Spermien vorhanden sind, der Eisprung gut getimt wird und kein deutlicher Tubenfaktor besteht. Allgemein hängen IUI-Erfolgschancen stark von Alter, Ursache der Fertilitätsstörung und Spermienqualität ab. Mein Fazit: Der Verlauf ist traurig, aber nicht hoffnungslos. Er zeigt: Sie können unter IUI schwanger werden. Das spricht dafür, dass die Methode bei Ihnen nicht völlig aussichtslos ist. Gleichzeitig sollte man mit 38 Jahren nicht zu viele Monate verlieren. Ich würde wahrscheinlich noch zwei bis maximal drei gut gemachte IUI-Zyklen erwägen — mit sauberem Monitoring, Auslösen mit Ovitrelle, guter Spermaaufbereitung und dokumentiertem post-wash-Befund. Wenn dann keine intakte Schwangerschaft entsteht oder die Spermienwerte nach Aufbereitung schwach sind, wäre der nächste logische Schritt eher IVF/ICSI, weil man damit Zeit spart und mehr Informationen über Befruchtung und Embryonalentwicklung bekommt. Wichtig für Freitag: Bitte konkret fragen, wie hoch das hCG ist, ob es weiter bis unter 10 kontrolliert wird, wie viele bewegliche Spermien nach Aufbereitung bei der letzten IUI tatsächlich inseminiert wurden, und ob vor weiteren IUIs eine HyCoSy/HSG sinnvoll wäre. Das sind berechtigte Fragen — nicht lästig, sondern medizinisch zentral.


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