hellosunshine
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, ich habe das PCO-Syndrom und nehme daher vorbeugend seit dem Eisprung Utrogest 1x täglich vaginal. Das hat bisher auch gut geklappt und ich konnte bereits positiv testen. Werde das Utrogest auf jeden Fall weiterhin nehmen und dann bei meinem FA-Termin auch das weitere Vorgehen besprechen. Ich war der Meinung, dass das Utrogest über die Vaginalschleimhaut relativ schnell aufgenommen wird (~ 30-60Min). Nun habe ich allerdings im Internet gelesen, dass es wohl Stunden dauert?! Da ich auch nachts oft bereits 30Min nach dem Schlafengehen wieder aufstehen muss, weil ich selbst auf Toilette muss oder unser Kind etwas braucht, läuft der Rest der Kapsel oft schon nach kurzer Zeit wieder raus (oft nach ca. 1h). Wird dann trotzdem genug Progesteron aufgenommen? Oder kann es sein, dass ein Großteil des Wirkstoffs dann gar nicht aufgenommen wird? Mache mir nun doch Sorgen .. mein FA ist aktuell leider im Urlaub. Vielen Dank für Ihre Hilfe!
Sehr geehrte Patientin, das ist eine sehr verständliche Sorge – und ich kann Sie gleich zu Beginn beruhigen: Das, was Sie beschreiben, ist ganz typisch und in der Regel kein Problem. Wie schnell wird vaginales Progesteron aufgenommen? Utrogest (mikronisiertes Progesteron) wird über die Vaginalschleimhaut sehr rasch aufgenommen: Bereits nach ca. 20–30 Minuten beginnt die relevante Aufnahme Nach 30–60 Minuten ist der entscheidende Anteil des Wirkstoffs aufgenommen Der Effekt auf die Gebärmutter (sogenannter uterine first-pass effect) tritt lokal und früh ein Die Angaben im Internet, dass es „Stunden dauern soll“, beziehen sich meist auf: Blutspiegelmessungen (systemisch) oder auf orale Einnahme, nicht auf die vaginale Applikation Für den Schwangerschaftserhalt ist aber vor allem die lokale Wirkung an der Gebärmutter entscheidend – und die ist früh da. Was bedeutet das „Auslaufen“ der Kapsel? Ganz wichtig und häufig missverstanden: 👉 Das Auslaufen bedeutet nicht, dass der Wirkstoff verloren geht. Die Kapselhülle und Trägersubstanzen lösen sich auf Überschüssiges Material tritt wieder aus Progesteron selbst ist zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend resorbiert Dass Sie nach 30–60 Minuten (oder auch nach 1 Stunde) Reste bemerken, ist völlig normal – selbst bei Patientinnen, die die Kapsel mehrere Stunden nicht bewegen. Ist Ihre Situation mit nächtlichem Aufstehen problematisch? Kurz gesagt: Nein. Auch wenn Sie: nach 30–60 Minuten wieder aufstehen oder die Kapsel nach ca. 1 Stunde „nachläuft“ 👉 wird in aller Regel ausreichend Progesteron aufgenommen. Das gilt besonders, wenn: Sie bereits positiv getestet haben Sie das Utrogest regelmäßig anwenden bisher alles stabil verlaufen ist Was können Sie zusätzlich tun (optional, nicht zwingend)? Nur falls es Sie beruhigt – medizinisch nicht zwingend nötig: Utrogest direkt im Liegen einführen danach möglichst 30 Minuten liegen bleiben ggf. Slipeinlage verwenden (rein hygienisch) Eine Dosiserhöhung oder zusätzliche Gabe ist ohne ärztliche Rücksprache nicht notwendig, solange keine Blutungen oder andere Warnzeichen bestehen. Zusammenfassung – bitte merken Sie sich vor allem das: ✔ Vaginales Progesteron wird rasch (30–60 min) aufgenommen ✔ Auslaufen bedeutet nicht Wirkverlust ✔ Nächtliches Aufstehen gefährdet die Wirkung nicht ✔ Ihre Sorge ist verständlich, aber medizinisch unbegründet Sie machen das genau richtig, und es gibt aktuell keinen Hinweis, dass Ihr Progesteronschutz unzureichend wäre. Ich wünsche Ihnen für die nächsten Tage viel Ruhe – und vorsichtig gesagt: einen guten, stabilen Start in diese Schwangerschaft 🌱 Alles Weitere können Sie ganz entspannt beim Termin mit Ihrer Frauenärztin besprechen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
hellosunshine
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiner, vielen herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Da haben Sie mir schon sehr viel Angst genommen. Eine Frage hätte ich noch: Ich habe seit dem positiven Test einen etwas unruhigen Magen und muss daher oft sehr kurzfristig auf Toilette. Mir ist es schon passiert, dass das 30min nach Utrogest-Gabe vaginal so war. Dann ist es Ihrer Meinung nach in so einem Fall auch nicht notwendig, dass ich vorsichtshalber nochmal eine Utrogest-Kapsel nehme? Zumal es ja nicht mal sicher ist, dass beim Toilettengang da was mit rausgekommen ist von der Kapsel? Vielen Dank schon vorab für Ihre Hilfe! Durch meine hormonellen Probleme bin ich da recht ängstlich leider..
Guten Tag, das ist eine sehr häufige und absolut nachvollziehbare Sorge – und ich kann Sie hier zum Glück recht klar beruhigen. Kurzfassung vorab Nein: In der von Ihnen beschriebenen Situation ist es nicht notwendig, vorsichtshalber eine zusätzliche Utrogest-Kapsel einzunehmen. Warum Sie sich keine Sorgen machen müssen Wenn Sie vaginal Progesteron (Utrogest) anwenden, gilt: Die Aufnahme erfolgt sehr schnell: Ein relevanter Teil des Progesterons wird bereits innerhalb der ersten 15–30 Minuten über die Vaginalschleimhaut aufgenommen. Was später ggf. als „Reste“ wahrgenommen wird, ist meist Trägermaterial, nicht der wirksame Hormonanteil. Selbst wenn Sie 30 Minuten nach der Gabe auf die Toilette mussten, ist es sehr unwahrscheinlich, dass dadurch die wirksame Progesteronmenge verloren gegangen ist. Zusätzlich kommt Progesteron nicht nur lokal, sondern auch über den sogenannten „first uterine pass effect“gezielt in der Gebärmutter an – genau dort, wo es gebraucht wird. 👉 Und ganz wichtig: Es ist nicht einmal sicher, dass überhaupt irgendetwas von der Kapsel abgegangen ist. Warum „vorsichtshalber nachnehmen“ eher nicht sinnvoll ist Progesteron hat eine relativ breite therapeutische Sicherheit, aber: unnötiges Nachdosieren kann den Magen-Darm-Trakt eher weiter reizen, zu mehr Müdigkeit, Schwindel oder Unwohlsein führen, und verstärkt oft eher die innere Anspannung, statt Sicherheit zu geben. Ein einmaliger, gedanklicher „Unsicherheitsmoment“ rechtfertigt keine zusätzliche Gabe. Ein paar beruhigende Gedanken speziell für Sie Gerade bei Frauen mit hormoneller Vorgeschichte entsteht verständlicherweise das Gefühl, „alles müsse perfekt laufen, sonst kippt sofort alles“. Das entspricht nicht der biologischen Realität: Frühschwangerschaften sind nicht so fragil, wie sie sich emotional anfühlen. Progesteron wirkt kontinuierlich, nicht minütlich. Einzelne kleine Abweichungen – selbst echte – sind klinisch nicht relevant. Sie machen das sehr gewissenhaft und richtig. Wann man anders denken würde (nur zur Einordnung) Nur wenn mehrfach Kapseln direkt nach der Gabe vollständig verloren gehen würden oder ausgeprägte Resorptionsprobleme bestünden würde man über eine Anpassung der Applikationsform (z. B. zusätzlich oral oder s.c.) nachdenken. Davon sind Sie nach Ihrer Schilderung weit entfernt. Sehr geehrte Frau Petra, Ihre Angst ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung – gerade nach einem langen Weg. Medizinisch gesehen dürfen Sie hier ruhig bleiben. Sie müssen nichts nachholen und nichts „retten“. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen auch noch sagen, wie lange Progesteron in der Frühschwangerschaft wirklich „verzeiht“, oder ab wann Symptome eher vom Hormon als von der Schwangerschaft selbst kommen. Mit herzlichen Grüßen Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
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