Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Ratschlag

Frage: Ratschlag

Johanna_B

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, Ich hatte zu Beginn des aktuellen Zyklus eine Coronainfektion. Die Symptome waren mild: Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und zwei Tage starke Abgeschlagenheit. Eine restliche Verschleimung hielt sich fast drei Wochen lang. Mein Eisprung findet um den 19. ZT statt. Im aktuellen Zyklus war er erst an ZT 35 - das kommt sonst nie vor. Deswegen frage ich mich, ob ich den nächsten Zyklus bereits zur Vorbereitung eines Kryotransfers im natürlichen Zyklus (unterstützt durch Pergoveris) nutzen kann oder ob ich besser noch zuwarten soll - zumal mir die Studienlage der Karenzzeit nach Corona nicht eindeutig scheint. Ich finde Studien, die eine Wartezeit von 30 Tagen nach Genesung als ausreichend empfinden, aber auch andere, die eine längere Wartezeit - zum Teil sogar bis 6 Monate - empfehlen. Für mein Eisbärchen wünsche ich mir natürlich eine uneingeschränkte Chance. Was würden Sie mir raten?  Viele Grüße und einen schönen Sonntag! Johanna


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, vielen Dank für Ihre sehr reflektierte Schilderung. Kurzfassung vorweg: Nach dem, was Sie beschreiben, spricht medizinisch nichts zwingend dagegen, den nächsten Zyklus bereits für einen Kryotransfer im (leicht) unterstützten natürlichen Zyklus zu nutzen – wenn sich Ihr Zyklus hormonell wieder normalisiert und Sie sich vollständig erholt fühlen. Ein vorsichtiges Zuwarten von einem weiteren Zyklus wäre aber ebenso gut vertretbar, wenn Sie selbst mehr Sicherheit möchten. Etwas ausführlicher: 1. Zusammenhang Corona – Zyklusverschiebung   Dass Ihr Eisprung in diesem Zyklus erst an ZT 35 stattgefunden hat, passt sehr gut zu einer vorübergehenden Störung der hypothalamisch-hypophysären Steuerung durch:   die Infektion selbst, die entzündliche Immunreaktion, körperlichen Stress und Erschöpfung.   Das sehen wir nach Virusinfektionen (nicht nur nach COVID) relativ häufig, auch bei sonst sehr stabilen Zyklen. Wichtig: 👉 Das ist in aller Regel reversibel und kein Hinweis auf eine dauerhaft eingeschränkte Fruchtbarkeit oder Endometriumrezeptivität.   2. Studienlage zur „Karenzzeit“ nach Corona   Sie haben recht: Die Datenlage ist nicht einheitlich. Das liegt vor allem daran, dass viele frühe Empfehlungen sehr vorsichtig waren. Aktuell lässt sich die Literatur so zusammenfassen: Bei mildem Verlauf (wie bei Ihnen, ohne Fieber, ohne systemische Komplikationen) → keine überzeugenden Hinweise, dass eine längere Wartezeit (>1 Zyklus) die Schwangerschafts- oder Einnistungsraten verbessert. Die häufig zitierte 30-Tage-Regel nach Genesung ist aus heutiger Sicht für milde Verläufe ausreichend. Empfehlungen von 3–6 Monaten stammen meist aus:   frühen Pandemiephasen, Übertragungen aus der Spermatogenese, oder aus Vorsicht bei schweren Verläufen. r den Kryotransfer (kein Einfluss auf die Eizelle, kein Stimulationsstress) ist die Datenlage sogar eher beruhigend.   3. Was ist für den Transfer entscheidend?   Für die Einnistung sind entscheidend: ein physiologischer Eisprung, eine zeitgerecht aufgebaute Schleimhaut, eine stabile Lutealphase, und ein ruhiges immunologisches Milieu. Wenn im nächsten Zyklus:   der Eisprung wieder in einem normalen Zeitfenster liegt, die Schleimhaut gut reagiert (ggf. unterstützt durch niedrig dosiertes Pergoveris), keine Infektzeichen mehr bestehen, 👉 dann sehe ich keinen relevanten Nachteil für Ihr „Eisbärchen“.   4. Mein persönlicher, pragmatischer Rat   Ich würde es so handhaben: Wenn der nächste Zyklus wieder „geordnet“ startet → Kryotransfer im unterstützten natürlichen Zyklus ist gut vertretbar. Wenn der nächste Zyklus erneut deutlich verzögert oder dysreguliert ist → lieber einen Zyklus pausieren, nicht aus Angst vor Corona, sondern um optimale hormonelle Bedingungen abzuwarten.   Beides ist medizinisch absolut legitim – der Unterschied liegt weniger in der Statistik als in Ihrem persönlichen Sicherheitsgefühl.   5. Ein letzter, wichtiger Gedanke   Ihr Wunsch, Ihrem Eisbärchen „die uneingeschränkte Chance“ zu geben, ehrt Sie sehr. Gleichzeitig dürfen Sie darauf vertrauen: 👉 Ein einzelner, bereits abgeklungener, milder Infekt nimmt einem guten Embryo nicht seine Chance, wenn die uterinen Bedingungen stimmen. Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Sonntag und vor allem Zuversicht. 🌱 Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


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