Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Fehlgeburt, Hashimoto und weiteres Vorgehen

Frage: Fehlgeburt, Hashimoto und weiteres Vorgehen

kleinerHase

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, ich hatte kürzlich eine Fehlgeburt (Missed Abortion, Herz hörte in der 9. SSW auf zu schlagen). Vor 1,5 Jahren bekam ich - nach meiner ersten und erfolgreichen Schwangerschaft - die Diagnose Hashimoto. Mein TSH wurde schnell gut eingestellt (immer zwischen 0,5 und 1). Die TPO-AK sind aber dauerhaft erhöht (Wert immer noch >600), auch mit Seleneinnahme. Andere Krankheiten sind mir nicht bekannt.  Ich habe daher Angst, dass meine Fehlgeburt auf die Autoimmunaktivitäten in meinem Körper zurückzuführen ist und es daher bei einem neuen Schwangerschaftsversuch wieder zu einer FG kommt, wenn ich nichts unternehme. Da ich schon 34 Jahre alt bin, haben wir auch nicht mehr so viel Zeit, ehe sich zusätzlich das Fehlgeburtsrisiko aufgrund meines Alters immer mehr erhöht. Was könnte ich tun, um mein Fehlgeburtsrisiko zu senken? Sollte ich andere Autoimmunkrankheiten, genetische Probleme, Killerzellen in der Gebärmutter... etc. testen lassen, und wenn ja, welche konkreten Tests wären da in meiner Situation sinnvoll? Gibt es eine Möglichkeit, meine Antikörper zu senken? Vielen Dank für Ihre Hilfe!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sehr geehrte Frau …, zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen: Es tut mir sehr leid, dass Sie diese Erfahrung machen mussten. Eine Fehlgeburt – besonders nach bereits nachweisbarer Herzaktion – ist für viele Paare eine sehr belastende Situation. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass eine einzelne Fehlgeburt leider relativ häufig vorkommt und in den meisten Fällen kein Hinweis auf eine dauerhafte Störung der Fruchtbarkeit ist. Ich gehe gerne Schritt für Schritt auf Ihre Fragen ein.         1. Zusammenhang zwischen Hashimoto und Fehlgeburt   Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis sehen wir zwei Aspekte:   Schilddrüsenfunktion (TSH) Autoimmunaktivität (Antikörper)   Der entscheidende Faktor für eine Schwangerschaft ist die Schilddrüsenfunktion, nicht primär die Höhe der Antikörper. Ihr TSH-Wert zwischen 0,5 und 1,0 ist für eine Schwangerschaft sehr gut eingestellt. In diesem Bereich arbeiten Schilddrüse und Stoffwechsel optimal. Die TPO-Antikörper (TPO-AK) können bei Hashimoto dauerhaft hoch bleiben – oft über viele Jahre. Leider gibt es keine Therapie, die diese Antikörper zuverlässig senkt, und das ist auch nicht zwingend erforderlich, solange die Schilddrüsenfunktion stabil bleibt. Studien zeigen zwar:   Frauen mit erhöhten TPO-AK haben leicht häufiger Fehlgeburten aber der Effekt ist deutlich geringer, wenn der TSH optimal eingestellt ist – so wie bei Ihnen.           2. Die häufigste Ursache einer Fehlgeburt   Der wichtigste Punkt: In etwa 60–70 % der Fehlgeburten liegt eine zufällige chromosomale Fehlverteilung im Embryo vor. Das bedeutet:   Der Embryo hatte von Beginn an eine genetische Fehlverteilung Der Körper beendet dann die Schwangerschaft   Das hat nichts mit Ihrem Verhalten oder Ihrer Gesundheit zu tun. Mit 34 Jahren liegt das Risiko dafür ungefähr bei 25–30 % pro Schwangerschaft.         3. Welche Untersuchungen sind nach einer einzelnen Fehlgeburt sinnvoll?   Nach nur einer Fehlgeburt empfehlen internationale Leitlinien meist noch keine große Diagnostik. Trotzdem kann man einige Dinge prüfen, wenn Sie mehr Sicherheit wünschen. Sinnvolle Basisabklärung: 1. Schilddrüse   TSH fT4 ggf. TPO-AK Verlauf (nur dokumentierend)   2. Gerinnung bei persönlicher oder familiärer Vorgeschichte:   Antiphospholipid-Antikörper Lupus-Antikoagulans Anticardiolipin-AK   (→ zur Abklärung eines Antiphospholipid-Syndrom) 3. Gebärmutterstruktur z. B. durch   hochauflösenden vaginalen Ultraschall ggf. Hysteroskopie           4. Was ich aktuell  nicht routinemäßig empfehlen würde   Viele Tests werden im Internet häufig genannt, sind aber wissenschaftlich sehr umstritten. Dazu gehören:   NK-Zellen / Killerzellen der Gebärmutter umfangreiche Immunprofile viele Thrombophilietests ohne Hinweis unspezifische Immuntherapien   Diese Untersuchungen liefern leider oft keine klar verwertbaren Ergebnisse.         5. Maßnahmen, die tatsächlich helfen können   Ein paar Dinge haben sich als sinnvoll erwiesen: 1. Schilddrüse eng kontrollieren TSH in der Schwangerschaft ideal: 0,5–1,5 Kontrolle alle 1 bis 3 Monate      2. Folsäure + Mikronährstoffe Empfehlenswert:   Folsäure (400–800 µg) Jod (sofern keine Kontraindikation) Vitamin D (bei Mangel)         3. Selen Selen (100–200 µg täglich) kann bei Hashimoto helfen, auch wenn der Effekt auf die Antikörper begrenzt ist.       4. Progesteron in der Frühschwangerschaft Einige Studien zeigen Vorteile bei Frauen mit Fehlgeburten in der Vorgeschichte. Zum Beispiel:   vaginales Progesteron bis ca. 12. SSW           6. Ihre Prognose   Die wichtigste Botschaft: Nach einer einzelnen Fehlgeburt liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste Schwangerschaft normal verläuft, bei etwa 75–85 %. Auch bei Hashimoto werden sehr viele gesunde Kinder geboren, wenn die Schilddrüse gut eingestellt ist – so wie bei Ihnen.         7. Wann würde ich mehr Diagnostik empfehlen?   Eine erweiterte Abklärung wird meist empfohlen bei:   ≥2 Fehlgeburten Fehlgeburt nach 10.–12. SSW Auffällige Familienanamnese bekannte Gerinnungsstörungen         ✅ Mein praktischer Rat Wenn Sie wieder schwanger werden möchten:   TSH vor Schwangerschaft kontrollieren direkt nach positivem Test erneut kontrollieren ggf. früh Progesteron geben Schwangerschaft früh per Ultraschall begleiten   Das reicht in den meisten Fällen völlig aus.       Viel Glück!


kleinerHase

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Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Sie haben mir sehr weitergeholfen!


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