Maminachkrebs Runde 2
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich komme auch aus Ulm und wende mich daher sehr gerne an Sie als Experte. Kurz zu mir: Ich hatte mit 36 die Diagnose Darmkrebs, war zu dem Zeitpunkt kinderlos. Durch die Krebsbehandlung (Radiochemo, OP, Chemo) haben meine Eierstöcke die Arbeit eingestellt. Daher war ich auf eine Eizellspende angewiesen, die in Deutschland leider ja noch nicht erlaubt ist. Der erste Transfer im Ausland hat zu einem wunderbaren, gesundem Kind geführt (trotz Präeklampsie und Kaiserschnitt). Anschließend hatte ich noch zwei erfolglose Kryotransfers und stehe vor der vermutlich letzten Prozedur, da ich sehr viele Hormone nehmen muss ( 3x 1 Progynova, 2x täglich 400mg Progesteron vaginal, 25 mg Prolutex s.c. bzw. Beim letzten Mal sogar 50 mg Prolutex). Obwohl der Embryo eine gute Qualität hatte und meine Schleimhaut in Ordnung war, fand wiederholt keine Einnistung statt. Ich denke, dass die Durchblutung meiner Gebärmutter, aufgrund meiner Vorerkrankung zu wenig bzw. Gar nicht beachtet wird. Ich würde daher gerne ASS und Heparin nehmen um die Durchblutung meiner Gebärmutter zu verbessern und so die Einnistung zu erleichtern. Wie ist denn in Deutschland der Standard nach Bestrahlung? Mein Arzt geht nicht auf meine Hinweise ein und möchte erst mit positivem Schwangerschafttstest mit ASS beginnen (wie beim 1. Mal). Mir ist das allerdings zu spät zumal ich mir aufgrund der vielen Hormone sowieso Sorgen um Thrombose mache (keine Gerinnungsstörung, aber bereits Portthrombose gehabt). Was würden Sie mir denn empfehlen? Wenn ich noch etwas fragen darf, ich habe auch recherchiert, dass Vit. E ( 400-800 i.e. und L- Arginin 3-6g und Omega 3 mit mindestens 200 mg DHA als Supplements die Durchblutung des Gewebes fördern können. Leider hat mir das bisher noch nie ein Arzt gesagt. Aber damit kann ich mir doch sicher nicht schaden und doch irgendetwas selbst dazu beitragen, dass es vielleicht beim nächsten Mal funktioniert. Oder haben Sie mir noch irgendwelche fundierte Tipps, außer vielleicht hoffen und beten? Vielen herzlichen Dank im Voraus für Ihre Mühe!
Guten Abend, zunächst einmal: Ihr Weg ist medizinisch und menschlich wirklich außergewöhnlich belastend gewesen – Darmkrebs mit 36, Radiochemotherapie, Operation, danach die ovarielle Insuffizienz und der Weg über eine Eizellspende. Dass daraus bereits ein gesundes Kind entstanden ist, ist ein sehr starkes positives Signal für Ihre Gebärmutterfunktion. Das wird manchmal unterschätzt. Ich versuche Ihnen Ihre Fragen möglichst nüchtern und medizinisch fundiert zu beantworten. 1. Ein sehr wichtiger positiver Punkt Der wichtigste Befund in Ihrer Geschichte ist: Sie waren bereits einmal mit einer Eizellspende schwanger und haben ein gesundes Kind geboren. Das bedeutet: die Gebärmutter ist grundsätzlich implantationsfähig das Endometrium kann eine Schwangerschaft tragen die Plazentation hat zumindest einmal funktioniert Die Präeklampsie passt übrigens zu Eizellspenden – sie tritt dort deutlich häufiger auf als bei Schwangerschaften mit eigenen Eizellen. Das spricht insgesamt dafür, dass Ihre Gebärmutter grundsätzlich funktionieren kann, auch wenn eine vorausgegangene Bestrahlung natürlich Einfluss auf Durchblutung und Gewebequalität haben kann. 2. Einfluss einer Bestrahlung auf die Gebärmutter Nach einer Beckenbestrahlung können mehrere Veränderungen auftreten: verminderte Durchblutung der Gebärmutterarterien Fibrosierung des Gewebes reduzierte Elastizität der Gebärmutterwand eingeschränkte Regeneration der Gebärmutterschleimhaut Diese Effekte sind sehr individuell und hängen stark von der damaligen Strahlendosis ab. Typische Hinweise wären: dünne Schleimhaut reduzierte Durchblutung im Doppler verkleinertes Uterusvolumen Da bei Ihnen bereits eine Schwangerschaft möglich war, spricht vieles dafür, dass diese Effekte nicht extrem ausgeprägt sind. 3. ASS und Heparin Hier muss man zwischen Studienlage und individueller Situation unterscheiden. ASS (Aspirin) wird in der Reproduktionsmedizin häufig eingesetzt bei: erhöhtem Präeklampsierisiko Durchblutungsproblemen teilweise auch bei wiederholtem Implantationsversagen Typisch sind 75–100 mg täglich. Viele Zentren beginnen bereits im Transferzyklus, andere erst nach positivem Schwangerschaftstest. In Ihrer Situation – mit bereits erlebter Präeklampsie – spricht durchaus etwas dafür, ASS schon früher einzusetzen. Heparin Heparin wird normalerweise eingesetzt bei: Gerinnungsstörungen Antiphospholipid-Syndrom wiederholten Fehlgeburten Für eine reine Implantationsverbesserung ohne Gerinnungsstörung ist die Studienlage begrenzt. Allerdings erwähnen Sie eine Portthrombose in der Vergangenheit. In Kombination mit einer hochdosierten Östrogentherapie kann daher eine prophylaktische Heparingabe durchaus diskutiert werden, beispielsweise in niedriger Dosierung. Das müsste jedoch individuell internistisch oder gerinnungsmedizinisch beurteilt werden. 4. Nahrungsergänzungen Die von Ihnen genannten Substanzen werden tatsächlich gelegentlich unterstützend eingesetzt. L-Arginin (3–6 g täglich) → kann über Stickstoffmonoxid eine Gefäßerweiterung fördern. Vitamin E (ca. 400 IE täglich) → antioxidativer Effekt, vereinzelt Hinweise auf bessere Schleimhautentwicklung. Omega-3-Fettsäuren → entzündungsmodulierend und gefäßschützend. Diese Präparate sind keine Wundermittel, können aber unter Umständen unterstützend wirken und sind in moderaten Dosierungen in der Regel unproblematisch. 5. Weitere wichtige Diagnostik der Gebärmutter Gerade nach einer Bestrahlung lohnt sich häufig eine sehr genaue Beurteilung der Gebärmutter. Ich würde dabei in mehreren Schritten vorgehen: 1. Ausführlicher hochauflösender Ultraschall genaue Beurteilung der Gebärmutterstruktur Messung der Schleimhaut Doppleruntersuchung der Durchblutung ggf. 3D-Ultraschall zur exakten Darstellung der Gebärmutterhöhle 2. Sonografische Hysteroskopie (Hydrosonografie) Dabei wird mit Ultraschall und Flüssigkeit die Gebärmutterhöhle genauer dargestellt. 3. Klassische Hysteroskopie Wenn im Ultraschall oder in der sonografischen Hysteroskopie Unklarheiten bestehen, kann eine direkte Spiegelung der Gebärmutter mit einem dünnen Endoskop erfolgen. Damit lassen sich kleine Veränderungen wie Verwachsungen, Polypen oder fibrotische Veränderungen sehr zuverlässig erkennen. 6. Bedeutung des Endometrium-Mikrobioms Ein Thema, das in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist das Mikrobiom der Gebärmutter. Dabei wird untersucht, welche Bakterien im Endometrium vorhanden sind. Ziel ist es auszuschließen, dass: eine unbemerkte chronische Entzündung oder eine ungünstige bakterielle Besiedelung die Einnistung erschwert. Diese Untersuchung kann durch einen gezielten Abstrich aus der Gebärmutterhöhle erfolgen. Wenn sich Hinweise auf eine Fehlbesiedelung zeigen, lässt sich diese häufig gezielt antibiotisch oder probiotisch behandeln. Gerade bei wiederholten erfolglosen Transfers kann diese Untersuchung sinnvoll sein. 7. Ein realistischer Blick auf die Erfolgswahrscheinlichkeit Bei Eizellspenden liegt die Schwangerschaftsrate pro Transfer etwa bei: 50–60 %. Das bedeutet leider auch, dass nicht jeder Transfer funktioniert, selbst unter optimalen Bedingungen. Zwei erfolglose Transfers sind daher statistisch nicht ungewöhnlich. 8. Mein pragmatischer Rat In Ihrer Situation würde ich überlegen: ASS 100 mg ab Beginn des Transferzyklus eventuell Heparinprophylaxe aufgrund der Thrombosevorgeschichte ergänzend Omega-3 und ggf. L-Arginin eine sehr genaue sonografische Beurteilung der Gebärmutter und ihrer Durchblutung sowie gegebenenfalls eine Mikrobiomuntersuchung des Endometriums 9. Zum Schluss noch ein persönlicher Hinweis Sie haben bereits bewiesen, dass Ihr Körper eine Schwangerschaft tragen kann. Das ist prognostisch ein sehr wichtiges und positives Zeichen. Wenn Sie möchten, dürfen Sie sich auch gerne bei uns in der Praxis melden – gerade wenn Sie aus Ulm oder der Umgebung kommen. Dann können wir die Situation in Ruhe besprechen und uns die Gebärmutter einmal sehr genau im Ultraschall anschauen. Mit den besten Wünschen für Ihren nächsten Versuch. Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger von Bestfertility
Maminachkrebs Runde 2
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, dass Sie sich tatsächlich heute Abend direkt die Zeit genommen haben meine lange Nachricht zu lesen und so wunderbar ausführlich zu beantworten. Und zwar nicht nur als Arzt, sondern vor allem in erster Linie auch als Mensch! Ich würde sehr gerne bei Ihnen die Doppler Ultraschall Untersuchung machen und auch das Mikrobiom untersuchen lassen und melde mich morgen gleich in der Praxis. Nochmals herzlichen Dank dafür, ich schätze das sehr. Einen schönen Abend!
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