the.flower
Guten Morgen Herr Dr. Gagsteiger, ich finde es richtig toll, dass man hier im Forum Fragen stellen kann. Zu meiner Person: 34 Jahre, schlank, leichtes PCO ohne Insulinresistenz, 1 Kind (Geburt Notkaiserschnitt 2021), aktuell unerfüllter Kinderwunsch seit 1 Jahr, Spermiogramm super. Meine Zyklen: verlängert (zwischen 33 und 38 Tagen), meist aber dennoch mit positivem LH-Test und Temperaturanstieg, Schmierblutungen 3-6 Tage vor Periodenbeginn. Deshalb soll ab dem nächsten Zyklus mit Letrozol stimuliert werden. Der aktuelle Zyklus ist aber gerade richtig gut: positiver LH-Test an Tag 13 und im Ultraschall wurde ein dominanter Follikel an Tag 12 gesehen (18 mm mit guter Gebärmutterschleimhaut von 10 mm). Einzig die Periode war 8 Tage lang und sehr stark und schmerzhaft. Die Temperatur ist in der 2. Zyklushälfte auch deutlich gestiegen, allerdings erst 5 Tage nach positivem LH-Test. Ist es normal, dass der Temperaturanstieg so lange dauert? Oder ist es ein Zeichen, dass der Eisprung erst deutlich nach dem positivem LH-Test stattgefunden hat oder dass das Progesteron nicht gut genug steigt? Wir haben diesen Zyklus von Tag 10 bis Tag 15 jeden Tag genutzt, sodass eine Schwangerschaft natürlich auch möglich ist. Könnte man diese im Blut schon an Tag 21 nachweisen? Oder ist das zu früh? Ich frage, weil ich an Tag 21 zur Kontrolle von Progesteron sowieso zur Blutentnahme gehen muss. Zweite Frage: Im Kinderwunschzentrum wurde uns viel Mut gemacht, dass es im Laufe des Jahres bestimmt mit einer Schwangerschaft klappen würde. Ich mache mir deshalb bereits Gedanken, wie/wann ich eine Schwangerschaft meinem Arbeitsgeber kommunizieren würde. Ich bin Lehrerin, habe also sehr viele Kontakte mit Kindern/Jugendlichen. Auch wenn er stressig ist, mache ich meinen Beruf mit Leidenschaft, weshalb ich ihn eigentlich gerne so lange wie möglich ausüben möchte. Mein Mann ist hier anderer Meinung, da ich keinen ausreichenden Windpockenschutz habe. Als Kind hatte ich nie Windpocken, bin jedoch dagegen geimpft, meine Hausärztin hat durch einen Bluttest aber herausgefunden, dass ich leider zu den seltenen Non-Respondern gehöre und nicht ausreichend Antikörper gebildet habe. Auch eine weitere Impfung würde daran nichts ändern. Mein restlicher Impfstatus ist aber komplett. Ich bin nicht ängstlich und habe immer das Gefühl, unser Kind bringt aus der Kita mehr Keime mit, als ich aus der Schule, möchte aber natürlich einem Baby auch nicht schaden. Wie würden Sie hier über ein individuelles Beschäftigungsverbot denken? Ich bedanke mich für Ihre Zeit und wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.
Guten Tag Bitte beachten sie, dass ich Ihnen an dieser Stelle nur allgemeine Informationen geben und keine individuelle Beratung im Sinne einer behandelnden Ärztin/eines behandelnden Arztes ersetzen kann. Dennoch möchte ich gerne auf Ihre Fragen eingehen. 1. Zyklusgeschehen und Temperaturanstieg Zeitpunkt des Eisprungs und verzögerter Temperaturanstieg: Ein positiver LH-Test zeigt in der Regel an, dass der LH-Anstieg (LH-Surge) beginnt. Die Ovulation selbst erfolgt meist 24–36 Stunden nach Beginn dieses LH-Anstiegs. Der Anstieg der Basaltemperatur setzt häufig 1–3 Tage nach dem Eisprung ein. Wenn Sie an Zyklustag 13 einen positiven LH-Test hatten, kann der Eisprung also durchaus erst an Zyklustag 14 oder 15 stattgefunden haben, sodass die Basaltemperatur dann auch erst einige Tage später deutlich nach oben geht. - Dass Ihre Temperatur erst 5 Tage nach dem positiven LH-Test gestiegen ist, kann mehrere Gründe haben (Zeitpunkt der Messung, individuelle Schwankungen, Genauigkeit des LH-Tests, verspäteter Eisprung usw.). Das ist nicht zwingend ein Hinweis auf eine „schlechte“ Progesteronproduktion, solange Sie insgesamt einen klar erkennbaren Temperaturanstieg haben. Progesteronbestimmung in der zweiten Zyklushälfte (Tag 21): Oft wird ein “Progesterontest an Tag 21” durchgeführt, um die Lutealphase einzuschätzen, jedoch bezieht sich „Tag 21“ klassisch auf einen 28-Tage-Zyklus mit Eisprung an Tag 14. Wenn Sie eher einen Eisprung um Tag 14/15 haben, passt das terminlich noch einigermaßen. Bei Spätovulation (z.B. Tag 18–20) sollte man die Blutentnahme individuell anpassen (ca. 7 Tage nach Eisprung). Früher Nachweis einer Schwangerschaft im Blut: Ein quantitativer Bluttest (β-hCG) kann eine Schwangerschaft ab 14 Tagen nach dem Eisprung sicher anzeigen, manchmal auch schon etwas früher. Der „Zyklustag 21“ reicht dazu nicht aus. Hier wird nur Verunsicherung entstehen. - Beispiel: War der Eisprung an Tag 14, wäre Tag 21 bereits 7 Tage danach („ES+7“). - Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ohnehin Progesteron bestimmen möchte, ist das am 21. ZT sinnvoll. 2. Beschäftigungsverbot und Windpocken-Immunität Ihre berufliche Situation (Lehrerin) und fehlender ausreichender Windpockenschutz: In Deutschland sind im Rahmen des Mutterschutzes bestimmte Regelungen vorgesehen, um Mutter und Kind zu schützen. Bei fehlendem Immunschutz gegen bestimmte Infektionskrankheiten und engem Kontakt zu potenziell ansteckenden Kindern kann ein ärztliches Beschäftigungsverbot in Betracht gezogen werden. Windpocken und Schwangerschaft: Varizellen (Windpocken) können in der Schwangerschaft – vor allem bei Infektion im ersten und zweiten Trimester – zu Komplikationen führen (z.B. konnatales Varizellensyndrom). - Da Sie als Non-Responder gegen Varizellen gelten, ist es bei bekannter Exposition (z.B. wenn in einer Ihrer Klassen Windpocken auftreten) wichtig, schnellstmöglich das weitere Vorgehen mit Ihrer Ärztin bzw. dem Gesundheitsamt zu besprechen. Unter Umständen kommt eine passive Immunisierung (Varizellen-Immunglobuline) in Betracht, die möglichst früh gegeben wird (innerhalb von 96 Stunden nach Exposition). Abwägung im Alltag: - Ein generelles Beschäftigungsverbot ab dem Tag der Schwangerschaft ist bei fehlender Windpocken-Immunität nicht automatisch Standard. Häufig wird zunächst eine individuelle Gefährdungsbeurteilung vorgenommen: Gibt es aktuell Fälle von Windpocken an Ihrer Schule? Wie eng und häufig ist der Kontakt zu erkrankten (oder potenziell erkrankten) Kindern? - Wenn keine Fälle auftreten, ist das Infektionsrisiko theoretisch sehr niedrig; manche Einrichtungen haben auch eine Meldepflicht bzw. informieren, sobald Windpocken in einer Klasse auftreten. In solchen Fällen wäre dann ein vorübergehendes Fernbleiben vom Unterricht denkbar, bis keine Gefahr mehr besteht. Kommunikation mit dem Arbeitgeber: Ob und wann Sie Ihrem Arbeitgeber die Schwangerschaft mitteilen, ist natürlich Ihre persönliche Entscheidung. Bei einem erhöhten Infektionsrisiko kann es jedoch sinnvoll sein, den Arbeitgeber früh zu informieren, damit eventuelle Schutzmaßnahmen (z.B. Versetzung in andere Klassenstufen ohne akute Fälle, organisatorische Umstellung, etc.) oder ein (vorübergehendes) Beschäftigungsverbot ermöglicht werden können. Persönliche Einstellung vs. ärztliche Empfehlung: Da Sie schreiben, Sie seien selbst nicht besonders ängstlich, möchten aber auch kein unnötiges Risiko eingehen, lohnt es sich, gemeinsam mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt und ggf. dem Betriebsarzt oder Gesundheitsamt zu planen: - Gibt es derzeit Infektionsfälle? - Wie schnell kann reagiert werden, wenn Fälle gemeldet werden? - Gibt es gegebenenfalls die Möglichkeit, in andere Aufgabenbereiche oder in den Distanzunterricht zu wechseln (falls wieder im Einzelfall notwendig)? In der Praxis liegt die Entscheidung über ein individuelles Beschäftigungsverbot oft bei der betreuenden Gynäkologin bzw. dem Gynäkologen in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt oder Betriebsarzt und basierend auf der konkreten Gefährdungsbeurteilung. Fazit Verzögerter Temperaturanstieg: Häufig kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, dass insgesamt ein Ovulationszeichen (LH-Anstieg, Follikelgröße, Progesteronwerte, Temperaturanstieg) feststellbar ist. hCG-Nachweis am Tag 21: Ist nicht sinnvoll. Windpocken-Risiko und Beschäftigungsverbot: Kein allgemeines automatisches Beschäftigungsverbot. Vielmehr eine individuelle Einschätzung unter Berücksichtigung aktueller Infektionslage an Ihrer Schule. Sprechen Sie diesen Punkt ruhig bereits früh in der Schwangerschaft mit Ihrem/r Gynäkologen/-in und eventuell Ihrem Arbeitgeber an, um rechtzeitig Schutzmaßnahmen einleiten zu können. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute für Ihren Kinderwunsch und drücke die Daumen, dass es bald klappt. Und natürlich wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen dabei, die für Sie persönlich beste Entscheidung in Bezug auf Ihren Beruf und das Infektionsrisiko zu treffen. Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende Ihr Dr. G. (stellvertretend aus dem „virtuellen” ärztlichen Rat)
the.flower
Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, nun haben Sie mich mit einer solch umfassenden, ausführlichen Antwort sehr beeindruckt. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Zum Thema Windpocken: Eine individuelle Gefährdungsbeurteilung für Schwangere ist bei uns an allen Schulen Standard, ich habe nur selbst wenig Erfahrung damit, da meine 1. Schwangerschaft zu Covid-Zeiten bedeutete, dass ich als Lehrerin von der Schule ein sofortiges Beschäftigungs- und Betretungsverbot des Schulhauses bekam. Ich werde hier zur gegebenen Zeit mit der Kinderwunschklinik und meiner Frauenärztin Rücksprache halten. Ich hätte noch eine Rückfrage zum Thema Zyklus / PCO / Eisprung: Ist es denn überhaupt angezeigt, Letrozol zu geben, wenn bei mir offensichtlich selbst in den verlängerten Zyklen dennoch ein Eisprung stattfindet? Ist es auch einfach möglich, dass wir mit einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch zu ungeduldig sind? Oder sind die Schmierblutungen vor der Periode auch ein Argument für Letrozol? Ich bin etwas verunsichert, weil der momentane Zyklus bislang für meine Verhältnisse so "perfekt" ist, dass ich mir wirklich die Frage stelle, ob eine Medikation überhaupt notwendig ist. Wird Letrozol durchaus auch gegeben, wenn ein Eisprung stattfindet, dieser aber oft etwas verspätet ist? Im letzten Jahr hatte meine Frauenärztin einmal in einem Zyklus Progesteron 9 Tage nach Eisprung bestimmt. Der Wert war 9,8. In demselben Zyklus hatte ich 3 Tage vor der Periode Schmierblutungen. Daraufhin hatte sie mir Progesterontabletten und Agnus Castus verschrieben, eine Schwangerschaft ist dadurch aber in den darauffolgenden 8 Zyklen auch nicht eingetreten. Die LH-Tests waren aber immer positiv, nur oft eben erst zwischen Tag 18 und 22. Und erlauben Sie mir bitte eine letzte Frage: ich leide heute leider unter Kopfschmerzen, die ich versuche auszuhalten, weil ich keine Schmerzmittel nehmen möchte, falls nun doch eine Schwangerschaft eingetreten ist (heute Tag 19). Vielleicht ist es ja auch ein 1. Schwangerschaftssymptom?! Ob ich die Schmerzen noch den ganzen Tag durchhalte, weiß ich nicht, da sie gerade zunehmen. Wäre Ibuprofen in der Einnistungsphase, in der ich mich ja evtl. gerade befinden könnte, ungünstig und wäre dann Paracetamol eine Alternative? Leider hilft mir Paracetamol gegen Kopfschmerzen nicht so gut, aber es wäre besser als nichts. Herzliche Grüße auch an Sie und ein wunderschönes Wochenende!
Da ich sie nicht persönlich untersucht habe, kann ich nur allgemeine medizinische Informationen bereitstellen, die Ihnen bei der Einordnung Ihrer Situation helfen sollen. Bitte besprechen Sie Ihre individuellen Fragen und Therapieoptionen immer persönlich mit Ihrem behandelnden Arzt bzw. Ihrer Ärztin. 1. Letrozol bei bereits bestehendem (späten) Eisprung? Einsatz bei verlängerten oder unregelmäßigen Zyklen: Letrozol kommt nicht ausschließlich dann zum Einsatz, wenn gar kein Eisprung stattfindet. Es wird durchaus auch verschrieben, wenn zwar eine Ovulation vorhanden ist, diese jedoch spät oder sehr unregelmäßig auftritt. Hintergrund: Bei einer verspäteten Ovulation (z. B. ab Zyklustag 18–22) kann es vorkommen, dass die erste Zyklushälfte zu lang ist und möglicherweise auch die Follikelreifung nicht optimal verläuft. Letrozol kann helfen, den Zyklus zu regulieren, indem es den Eisprung auf einen „günstigeren“ Zeitpunkt legt (beispielsweise Zyklustag 12–16). Vorteil: Das erleichtert nicht nur das Timing des Geschlechtsverkehrs bzw. des Transfers (bei IVF/ICSI), sondern kann auch die Hormondynamik verbessern und damit die Einnistungschancen erhöhen. Schmierblutungen als Indiz? Schmierblutungen vor der Regelblutung können auf eine Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz) oder ein hormonelles Ungleichgewicht hinweisen. Wenn trotz Progesterongabe diese Schmierblutungen weiterhin auftreten und der Kinderwunsch bislang unerfüllt bleibt, könnte Letrozol (oder auch Clomifen) als Ovulationsauslöser in Betracht gezogen werden, um den Zyklus zu „optimieren“. Ein einzelner Progesteronwert (z. B. 9,8 ng/ml) gibt einen Hinweis auf eine wahrscheinliche Gelbkörperschwäche, aber auch der zeitliche Verlauf (mehrere Zyklen, mehrere Messungen) ist wichtig. Die Kombination aus längeren Zyklen, Schmierblutungen und unerfülltem Kinderwunsch über ein Jahr (offiziell spricht man ab 12 Monaten von einer „Subfertilität/Infertilität“) ist in vielen Praxen ein Grund, Ovulationsauslöser oder Zyklusmonitoring zu erwägen. Sind Sie „zu ungeduldig“? Es ist völlig nachvollziehbar, dass man nach einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch ungeduldig wird – vor allem, wenn man bereits mit verschiedenen Maßnahmen (z. B. Mönchspfeffer, Progesteron) experimentiert hat. Ein Jahr Kinderwunsch ist jedoch genau die Grenze, ab der in der Regel auch aus medizinischer Sicht eine weitere Abklärung oder Therapieempfehlung erfolgt. Bei einem Alter über 35 empfiehlt man schon nach 6 Monaten eine Abklärung beim Frauenarzt oder in einem Kinderwunschzentrum. Abklärung: Es sollte geklärt werden, ob bei beiden Partnern ggf. weitere Faktoren vorliegen (z. B. Spermiogramm des Mannes). Ebenso könnte eine Hormonstatus-Bestimmung (z. B. FSH, LH, AMH, Prolaktin, Schilddrüsenwerte) und ggf. ein Ultraschall-Monitoring klären, ob ausreichend Follikel heranreifen und wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Einnistung ist. Längere Zyklen können bei PCO-ähnlichen Konstellationen oder mildem PCO-Syndrom auf Dauer eine niedrigere Schwangerschaftsrate bedeuten, weil schlicht weniger Eisprünge pro Jahr stattfinden. Letrozol kurbelt daher oft regelmäßigere Zyklen an. 2. Schmerzmittel in der (möglichen) Einnistungsphase Ibuprofen vs. Paracetamol Paracetamol gilt in der gesamten Schwangerschaft (vor allem im ersten und zweiten Trimester) als das Mittel der ersten Wahl bei Schmerz- und Fieberbehandlung, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Ibuprofen ist grundsätzlich in den frühen Stadien einer Schwangerschaft oft noch nicht absolut kontraindiziert, allerdings wird es ab dem dritten Trimester (ab 28.–30. SSW) strikt gemieden, weil es dem Kind schaden und vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus verursachen kann. Frühe Schwangerschaft/Einnistungszeit: Hier ist die Datenlage zu Ibuprofen nicht ganz so eindeutig „problematisch“, wie in der späten Schwangerschaft. Manche Studien diskutieren allerdings ein leicht erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, wenn regelmäßig (hochdosiert) NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) eingenommen werden. Pragmatischer Rat: Wenn möglich, wählen viele Frauen (und auch Ärztinnen/Ärzte empfehlen es häufig) Paracetamol in der 2. Zyklushälfte, um jedes (wenn auch sehr geringe) potenzielle Risiko zu umgehen. Bei starken Schmerzen und nur gelegentlichem Gebrauch von Ibuprofen in der frühen Frühschwangerschaft ist das Risiko für eine Beeinträchtigung allerdings nach aktuellem Wissensstand überschaubar. Fazit: Wenn es Ihnen sehr schlecht geht und Paracetamol nicht ausreichend wirkt, ist die einmalige (oder kurzfristige) Anwendung von Ibuprofen um den Zeitpunkt der möglichen Einnistung herum vermutlich nicht „verboten“. Im Zweifel aber lieber erst versuchen, mit Paracetamol, viel Ruhe, Entspannung, ggf. auch Hausmitteln (Trinken, abgedunkelter Raum, kühle Stirnkompresse) etwas Linderung zu schaffen. Sollten Kopfschmerzen (oder Migräneanfälle) regelmäßig auftreten, empfiehlt sich ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin zur Migräne- oder Kopfschmerztherapie bei Kinderwunsch. 3. Zusammenfassung & Empfehlung Letrozol-Indikation: Kann auch sinnvoll sein, wenn Sie grundsätzlich Eisprünge haben, diese aber sehr spät oder unregelmäßig kommen. Lutealphasen-Optimierung durch medikamentös gesteuerte Follikelreifung kann sich positiv auf die Einnistungschancen auswirken. Die wiederholten Schmierblutungen könnten ein Hinweis sein, dass eine gezieltere Zyklussteuerung sinnvoll ist. „Zu ungeduldig“? Ein Jahr unerfüllter Kinderwunsch ist genau die Phase, in der üblicherweise eine weitergehende Abklärung (z. B. Spermiogramm, Hormonstatus, Ultraschallmonitoring) und ggf. therapeutische Schritte eingeleitet werden. Ihre Ungeduld ist daher durchaus nachvollziehbar – sie entspricht auch den medizinischen Leitlinien, nach einem Jahr konkret aktiv zu werden. Kopfschmerzen & Schmerzmittel: Paracetamol gilt in der frühen Schwangerschaft als die erste Wahl. Ibuprofen kann zu diesem Zeitpunkt gelegentlich eingenommen werden, sollte jedoch nicht über längere Zeit oder in hohen Dosen erfolgen. Einmalige Anwendungen sind in der Implantationsphase normalerweise kein großes Problem; die größte Vorsicht gilt im späteren Schwangerschaftsverlauf. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute auf Ihrem Weg zum ersehnten Wunschkind. Tauschen Sie sich am besten noch einmal mit Ihrer Frauenärztin oder in der Kinderwunschklinik aus, um gemeinsam eine klare Strategie festzulegen – zum Beispiel durch ein strukturiertes Zyklusmonitoring (Ultraschall, Hormonbestimmungen) und eine gezielte Ovulationsinduktion, wenn nötig. Alles Gute und gute Besserung für Ihre Kopfschmerzen!
the.flower
Guten Morgen Herr Dr. Gagsteiger, ich möchte mich nur nochmals bei Ihnen für Ihre Zeit und für Ihre ausführlichen Erklärungen bedanken, die mich sehr bestärkt darin haben, dass wir hier nicht mehr einfach geduldig weiter abwarten und "Zeit verlieren" sollten. Unser Kinderwunschzentrum ist gerade auch schon dabei, verschiedene Dinge abzuklären. Der bis gestern so gut laufende Zyklus hat mich nur plötzlich daran zweifeln lassen, dass eine Behandlung wirklich notwendig ist. Seit gestern Abend habe ich aber eine ganz leichte hellbräunliche Schmierblutung (Tag 20) und die Basaltemperatur ist heute um 0,1 Grad gefallen. Es fühlt sich gerade eher so an, als würde dieser Zyklus nach all den verlängerten Zyklen plötzlich viel zu kurz werden und die Kopfschmerzen vielleicht schon mit PMS in Verbindung stehen (kurz vor der Periode habe ich das sehr oft). Morgen an Tag 21 muss ich zur Blutentnahme für Progesteron. Falls Sie noch einen klitzekleinen Moment Zeit für mich haben, würde ich Ihnen gerne noch eine Frage zum Prolaktin stellen. Meine Hormonwerte wurden nämlich zu Zyklusbeginn bestimmt. Eine Hyperandrogenämie war ersichtlich, mein AMH-Wert mit 5 sehr gut, spräche aber angeblich auch für PCO. Schilddrüsenwerte sind top. Prolaktin ist aber mit 45 leicht erhöht. Bei einer Kontrolle meiner Frauenärztin Mitte letzten Jahres war es nicht erhöht. Ab welchen Werten geben Sie hier im Allgemeinen Prolaktinhemmer? Tausend Dank, herzliche Grüße und einen wunderschönen Sonntag!
Guten Tag, grundsätzlich liegt der Referenzbereich für Prolaktin (je nach Labor) meist zwischen ca. 5–25 ng/ml (oder entsprechend 100–500 mIU/l). Ein Wert von 45 ng/ml (bzw. das jeweilige Äquivalent in anderen Einheiten) gilt als leicht bis moderat erhöht. Ob wir in so einem Fall direkt mit einem Prolaktinhemmer (z. B. Bromocriptin oder Cabergolin) behandeln, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Klinische Symptome: – Unregelmäßige Zyklen oder fehlender Eisprung – Galaktorrhoe (Milchfluss aus der Brust) – Ausgeprägte Zyklusstörungen oder Kinderwunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat Bestätigte Mehrfachmessungen: – Prolaktin kann unter Stress, nach körperlicher Aktivität oder auch durch bestimmte Medikamente (z. B. Antidepressiva, Schmerzmittel) vorübergehend erhöht sein. – Wenn wiederholte Messungen (v. a. morgens, nüchtern, in Ruhe) konsistent erhöht sind und zusätzlich Zyklusstörungen oder andere Symptome vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass eine behandlungsbedürftige Hyperprolaktinämie vorliegt. Bei einem leicht erhöhten Prolaktinwert ohne nennenswerte Beschwerden genügt es oft zunächst, kontrollierte Folgemessungen durchzuführen, um zu sehen, ob sich der Wert spontan normalisiert oder ob wirklich eine kontinuierliche Überproduktion besteht. Erst wenn bei wiederholter Messung Werte deutlich oberhalb des Referenzbereichs zu finden sind und/oder entsprechende klinische Symptome auftreten, raten wir zu einer weiterführenden Diagnostik (z. B. Ausschluss eines Prolaktinoms) bzw. zur medikamentösen Therapie. In Ihrem Fall mit einem Wert von 45 ng/ml und bestehendem Kinderwunsch wäre eine zeitnahe zweite Messung sinnvoll. Sollten sich dann weiterhin deutlich erhöhte Werte zeigen und Zyklusstörungen bestehen (z. B. zu kurzer Zyklus, ausbleibender Eisprung), kann eine Therapie mit Prolaktinhemmern angezeigt sein. Solange kein Prolaktinom vermutet wird (typischerweise bei sehr hohen Werten >100 ng/ml), ist in den meisten Fällen eine niedrig dosierte Medikation über einen gewissen Zeitraum ausreichend, um die Prolaktinwerte zu senken und den Zyklus zu stabilisieren. Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute. Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag, Dr. Gagsteiger
the.flower
Guten Morgen Hr. Dr. Gagsteiger, Sie haben mir vergangenes Wochenende so sehr geholfen und ich könnte noch einmal Hilfe gebrauchen, weil ich mir gerade etwas Sorgen um eine möglicherweise nicht gut startende Schwangerschaft mache. Gestern war ich in der Kinderwunsch-Praxis und habe an Tag 21 den Progesteronwert von 13,26 und den Östradiolwert von 211,6 mitgeteilt bekommen. Mein LH-Test war ja auch an Tag 13 positiv, was für mich außergewöhnlich schnell und gut ist. Tag 10 – 15 haben wir täglich genutzt. Außer Inositol habe ich in diesem Zyklus gar nichts genommen. Allerdings kann ich mir die Schmierblutung seit Tag 19 bis heute (Tag 26) nicht erklären. Ist der Progesteronwert nicht eigentlich hoch genug? Die Blutung ist sehr schwach, hellbraun, oft auch nur 1-2 Mal am Tag am Toilettenpapier, einmal war sie rot aber sehr wenig. Ab und zu zieht es mal, aber nicht dramatisch. Die Basaltemperatur ist zwar nur langsam angestiegen, aber bislang oben geblieben (ca. 36,9). Der Arzt sagte mir gestern, eine Schwangerschaft sei natürlich auch möglich und deshalb wurde mir für die Bestimmung von HCG Blut abgenommen. Ich sollte das Ergebnis eigentlich noch gestern per Telefon mitgeteilt bekommen, aber leider hat sich niemand mehr gemeldet. Wahrscheinlich war das Labor nicht schnell genug. Jetzt mache ich mir Sorgen, dass Schmierblutungen auch ein Zeichen für eine gestörte Schwangerschaft sein könnten und ich dann vielleicht möglichst sofort Progesteron bräuchte? Auch in meiner 1. Schwangerschaft vor 4 Jahren hatte ich anfangs Schmierblutungen und musste Progesteron nehmen. Ich habe sogar noch Tabletten, aber diese jetzt auf Verdacht zu nehmen…? Sollte ich dennoch bis Montagfrüh abwarten und die Kinderwunsch-Praxis dann gleich zurückrufen? Könnte es sich auch um eine Einnistungsblutung handeln? Oder müsste sie dann nicht längst aufhören? Oder kann trotz des Progesteronwertes eine Gelbkörperschwäche vorliegen, die die Schmierblutung auslöst? Und wofür spricht das Verhältnis Progestern/Östradiol? Entschuldigen Sie meine vielen Fragen. Vielleicht können Sie mich beruhigen. Ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie so ein hilfsbereiter Arzt und Mensch sind. Ich wünsche Ihnen ein tolles Wochenende!
Guten Morgen, ich verstehe, dass Sie sich in dieser Situation weiterhin verunsichert fühlen, gerade wenn Sie in Ihrer ersten Schwangerschaft bereits eine Progesteron-Unterstützung benötigt haben. Sie können also trotz des grundsätzlich ausreichenden, aber nicht sehr hohen Progesteronwerts bereits jetzt mit einer vaginalen Progesteron-Einnahme beginnen. Bitte bedenken Sie dabei unbedingt, dass ich Sie aus der Ferne nicht vollumfänglich beraten und untersuchen kann. Eine Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt ist nach wie vor wichtig. Dennoch möchte ich Ihnen folgende allgemeine Einschätzung und Empfehlung geben: 1. Progesteron-Wert und Schmierblutungen Ihr Progesteron-Wert von 13,26 ng/ml an Tag 21 liegt in einem ausreichenden Bereich, dennoch sehen wir in der Kinderwunschmedizin oft etwas höhere Werte um 15–20 ng/ml als „sehr guten“ Bereich. Leichte Schmierblutungen können einfach durch schwankende Hormonspiegel ausgelöst werden – auch bei eigentlich gutem Progesteron. 2. Sinnhaftigkeit einer Progesteron-Gabe Vorteil: Eine zusätzliche Progesteron-Unterstützung (z.B. vaginal) kann helfen, die Schleimhaut zu stabilisieren und mögliche frühe Schwangerschaften besser zu erhalten. Viele Frauen erhalten zur Lutealphasen-Unterstützung Progesteron, selbst wenn der Wert „nur“ im ausreichenden, aber nicht im optimal hohen Bereich liegt. Keine grundsätzliche Schädlichkeit: Progesteron in üblicher Dosierung (z.B. 2- bis 3-mal täglich vaginal) wird in der Regel gut vertragen und gilt als nicht schädlich – weder für die Frau noch für eine entstehende Schwangerschaft. Im Gegenteil wird Progesteron zur Unterstützung in Kinderwunsch-Behandlungen weltweit angewendet. Ihre Vorgeschichte: Da Sie in Ihrer ersten Schwangerschaft bereits auf ärztlichen Rat Progesteron verwendet haben, spricht nichts dagegen, dieses unterstützend auch jetzt wieder einzusetzen – insbesondere, da Sie noch Tabletten zu Hause haben. 3. Konkrete Empfehlung Vorsichtshalber können Sie bereits jetzt mit der vaginalen Einnahme Ihrer Progesteron-Tabletten beginnen – insbesondere, um möglichen Schmierblutungen entgegenzuwirken und die Lutealphase zu stützen. In der Regel wird 2- bis 3-mal täglich eine entsprechende Progesteron-Dosis (z.B. 200 mg) vaginal angewendet. Beachten Sie dazu die Packungsbeilage oder die frühere Dosierungsempfehlung Ihres Arztes. Kontakt mit der Kinderwunsch-Praxis: Rufen Sie am Montag trotzdem noch einmal dort an oder vereinbaren Sie kurzfristig einen Termin, um die weitere Vorgehensweise, z.B. genaue Dosierung und Dauer, mit Ihrem Arzt abzusprechen und sich die HCG-Ergebnisse mitzuteilen. 4. Zusammenfassung Obwohl Ihr Progesteron-Wert in einem grundsätzlich ausreichenden Bereich liegt, ist er nicht ausgesprochen hoch. Zudem hatten Sie bereits Schmierblutungen, was für viele Frauen ein Grund ist, Progesteron frühzeitig zur Stabilisierung einzusetzen. Eine vorsorgliche Progesteron-Gabe über das Wochenende ist in aller Regel nicht schädlich und könnte Ihnen Sicherheit geben. Sollte das HCG-Ergebnis positiv sein, wäre dies ohnehin angezeigt. Ist der Test negativ, können Sie die Einnahme auch wieder beenden. Achten Sie bitte auf verstärkte Blutungen oder Schmerzen – in einem solchen Fall sollten Sie sofort ärztliche Hilfe aufsuchen. Ich hoffe, diese ergänzten Informationen helfen Ihnen, die Situation etwas ruhiger anzugehen. Eine vaginale Progesteron-Anwendung schadet in der Regel nicht und kann eher hilfreich sein. Trotzdem wäre es wichtig, Anfang der Woche noch einmal Rücksprache mit Ihrer Kinderwunsch-Praxis zu halten, um das weitere Vorgehen genau abzustimmen und Ihren HCG-Wert zu besprechen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und drücke Ihnen fest die Daumen! Herzliche Grüße Ihr (Dr. Gagsteiger)
the.flower
Hallo Herr Dr. Gagsteiger, Sie wissen gar nicht, wie dankbar ich Ihnen bin, dass Sie sich so schnell die Zeit genommen haben, mir zu antworten und das sogar am Samstag. Das ist wirklich alles andere als selbstverständlich und Sie haben sehr zu meiner Beruhigung beigetragen. Ich habe Famenita 200 mg zu Hause und habe davon gleich eine eingeführt, habe dann allerdings festgestellt, dass sie eigentlich seit 1,5 Jahren abgelaufen sind, da ich sie ja noch von der 1. Schwangerschaft übrighabe. Ich hoffe, das führt jetzt vermutlich maximal dazu, dass die Wirkung nicht mehr so gut ist? Sie sehen noch ganz normal aus. Hätten Sie da Bedenken, diese zumindest bis Montag noch zu verwenden? Selbstverständlich rufe ich am Montag in der Praxis an. Nachdem der Arzt mir gestern vorgeschlagen hat, dass wir ab dem nächsten Zyklus mit Letrozol stimulieren (natürlich nur falls ich jetzt nicht schwanger bin), weil dennoch mein Testosteron erhöht ist und meine Zyklen normalerweise zwischen 35 und 40 Tagen dauern, hat er mir für den nächsten Zyklus auch Cyclogest ab der 2. Zyklushälfte vorgeschlagen, mir aber bisher leider nur das Rezept für Letrozol mitgegeben. Schade, dass er nicht selbst auf die Idee kam, mir die Einnahme von Progesteron gleich noch für dieses Wochenende zu empfehlen. Er selbst sagte, eine Schwangerschaft sei durchaus möglich und von den Schmierblutungen hatte ich ihm erzählt. Sie schreiben, dass ich bei einer stärkeren Blutung sofort ärztliche Hilfe aufsuchen sollte. Könnte es sich dann nicht auch einfach um die Periode handeln? Oder würden Sie davon ausgehen, dass Tag 26 oder morgen Tag 27 zu früh für eine Periode wäre? Nun wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Samstag! Danke für alles!
Hallo, es ist verständlich, dass Sie besorgt sind. Was abgelaufene Medikamente betrifft, ist es in der Regel sicherer, diese nicht zu verwenden. Obwohl das Medikament äußerlich normal aussieht, kann die Wirksamkeit nach Ablauf des Verfallsdatums nicht garantiert werden. Es ist möglich, dass die Wirkung abgeschwächt ist, was in Ihrem Fall bedeuten könnte, dass die gewünschte Unterstützung der Gelbkörperphase nicht vollständig gegeben ist. Gehen Sie in eine Apotheke, bitten um das Medikament und reichen Sie später das Rezept nach. Manchmal darf auch ein Apotheker dies entscheiden. Zum Thema Ihrer Blutung: Wenn Ihre Zyklen normalerweise zwischen 35 und 40 Tagen dauern, wäre Tag 26 oder 27 tatsächlich sehr früh für eine Periode. Es könnte sich um eine Schmierblutung handeln, die manchmal bei Schwangerschaften auftritt, aber auch andere Ursachen haben kann. Ich würde Ihnen raten, bei einer stärkeren oder überperiodenstarken Blutung tatsächlich ärztliche Hilfe aufzusuchen, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Da Ihr Arzt Ihnen Letrozol für den nächsten Zyklus verschrieben hat und zusätzlich Cyclogest empfohlen hat, wäre es sinnvoll, am Montag auch ein Rezept für das Progesteron zu erfragen, um für die kommende Zyklushälfte vorbereitet zu sein. Ich hoffe, dass ich Ihnen etwas helfen konnte, und wünsche Ihnen ebenfalls einen schönen Samstag. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
the.flower
Guten Morgen Hr. Dr. Gagsteiger, Sie haben mir sogar schon wieder sehr geholfen. Ich bin Ihnen für Ihre schnellen und hilfreichen Antworten so dankbar, das können Sie sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Gleichzeitig gibt es mir zu denken, dass Sie mir als Arzt, obwohl Sie so weit weg sind, bei dieser Problematik mehr geholfen haben als mein eigener. Wir haben gestern Nachmittag einen "Ausflug" gemacht und wohl sämtliche Apotheken der Stadt abgegrast, da sie entweder schon geschlossen waren oder mir ohne Rezept kein Progesteron geben wollten (auch nicht mit Nachreichen) oder nicht das passende dahatten. Letztlich waren wir aber erfolgreich und ich habe sogar Cyclogest bekommen. Gestern am späten Nachmittag habe ich dann eine eingeführt und heute Morgen auch. Da eine davon schon 400 mg hat, bin ich mir jetzt unsicher, ob ich davon 1 oder 2 am Tag nehmen soll? Die Schmierblutung ist leider nach wie vor da, aber nach wie vor gleich schwach. Es zieht auch nach wie vor immer wieder leicht. Die Basaltemperatur ist auch weiterhin konstant oben geblieben. Ist denn Ihrer Meinung nach der hCG-Bluttest am Freitag (Tag 25) dann überhaupt schon zuverlässig gewesen? Der LH-Test war an Tag 13 positiv und ich hatte das Gefühl, der Zervixschleim hat auch dazu gepasst, dass wahrscheinlich an Tag 14 (ausnahmsweise?) ein Eisprung stattgefunden hat. Dann müsste ein Urintest doch eigentlich auch am Dienstag (übermorgen) schon etwas anzeigen können. Selbstverständlich kontaktiere ich morgen in die Kinderwunsch-Praxis um das Ergebnis zu erfahren und mir das Cyclogest-Rezept zu besorgen. Vielleicht meldet sich der Arzt auch vorher selbst bei mir, denn ich selbst komme wohl leider erst am Nachmittag dazu, da bei uns in der Schule der Lehrermangel so zugeschlagen hat, dass man eigentlich überhaupt keine Pausen mehr hat: Krankheitsvertretungen in sämtlichen Lückenstunden (momentan sehr viele Influenzafälle), Mitführen von zwei Klassen parallel etc. Tatsächlich würde mir, falls ich schwanger bin, eine mögliche Influenza-Ansteckung und das allgemeine dauernde Gehetze momentan mehr Angst bereiten als die Windpocken-Problematik, über die wir geschrieben hatten. Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich Ihnen. Danke für Ihre unermüdliche Geduld mit mir.
Guten Morgen, es freut mich sehr zu hören, dass ich Ihnen helfen konnte, und ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre freundlichen Worte. Ich verstehe, dass die Situation frustrierend sein kann, besonders wenn man auf der Suche nach der richtigen Medikation ist. Es ist gut zu hören, dass Sie letztendlich das Cyclogest finden konnten. Was die Dosierung von Cyclogest betrifft, so ist es wichtig, genau die Anweisungen Ihres Arztes zu befolgen. In der Regel wird Cyclogest in der Frühschwangerschaft einmal täglich (400 mg) verwendet, um die Progesteronspiegel zu unterstützen. Da Sie bereits 400 mg verwendet haben, würde ich empfehlen, bei dieser Dosis zu bleiben, es sei denn, Ihr Arzt gibt Ihnen andere Anweisungen. Bezüglich des hCG-Bluttests am Freitag: Normalerweise ist ein Bluttest 14 Tage nach einem angenommenen Eisprung klar aussagekräftig. Wenn Ihr LH-Test an Tag 13 positiv war und Sie vermuten, dass der Eisprung an Tag 14 stattgefunden hat, könnte der Test am Freitag (Tag 25) bereits eine Tendenz aussagen. Ein Urintest könnte ebenfalls schon am Dienstag ein Ergebnis zeigen, besonders wenn er sensitiv genug ist, um niedrige hCG-Spiegel zu erkennen. Dennoch ist es immer gut, sich zusätzlich ärztlich beraten zu lassen. Ihre Sorgen bezüglich Influenza und dem Stress in der Schule sind verständlich, besonders in einer solch potentiell sensiblen Phase. Es ist wichtig, dass Sie sich auch um Ihre eigene Gesundheit kümmern und versuchen, Stress so weit wie möglich zu reduzieren. Hoffentlich können Sie bald mehr Klarheit über Ihre Situation bekommen und entsprechende Unterstützung von Ihrem Kinderwunscharzt erhalten. Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommenden Tage und hoffe, dass alles zu Ihrem Wohlbefinden beiträgt. Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich auf. Einen schönen Sonntag auch für Sie!
the.flower
Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, entschuldigen Sie bitte vorab, dass ich mich nochmals bei Ihnen melde und Ihre Zeit in Anspruch nehme. Sie haben mir so viel geholfen und ich vertraue Ihren Ratschlägen sehr, weshalb ich denke, dass Sie mir vielleicht einen letzten Rat geben können. Ich habe meinen Arzt der Kinderwunschpraxis gestern Nachmittag erreichen können und auch persönlich mit ihm gesprochen. Der hCG-Wert sagt leider, dass ich nicht schwanger bin. Bereits gestern ist nach nur 10 Tagen Temperaturhochlage (und sehr langsamen Anstieg nach positiven LH-Test) die Basaltemperatur abgefallen und heute hat die Periode eingesetzt. Während der kompletten 10 Tage Hochlage haben die Schmierblutungen angehalten. Zum Progesteronwert von 13 an Tag 21 meinte der Arzt, dass so ein Wert auch immer nur eine Momentaufnahme ist und hier sicherlich trotzdem ein Progesteronmangel vorliegt, weshalb ich jetzt auch das Rezept für Cyclogest für den nächsten Zyklus erhalten habe. Da meine Hormonwerte abgesehen vom leicht erhöhten Testosteron und dem erhöhten Prolaktin aber in Ordnung sind, schlägt er vor, im ersten Behandlungszyklus erst einmal nur eine leichte Stimulation mit Letrozol 2.5 mg zu starten: nur 3 Tabletten (nur von Tag 5 bis 7), anschließend Auslösen des Eisprungs. Meine Frage an Sie bezieht sich auf den Prolaktinwert, den mir der Arzt gestern auch mitgeteilt hat: Er war nun zum zweiten Mal leicht erhöht: Ende Januar 40, Mitte Februar 32, was bei mir sicherlich auch mit dem Stress in der Schule zu tun hat (und ganz nebenbei gibt es ja auch noch mein eigenes Kind). Da der Wert aber nur leicht erhöht ist, soll zunächst auf einen Prolaktinsenker verzichtet werden. Weil Sie mir schon so viele gute Tipps gegeben haben, wollte ich Sie hier um Ihre Meinung fragen. Halten Sie das auch für sinnvoll? Kann alleine Letrozol das Problem möglicherweise lösen? Wenn ja, sollte der Prolaktinwert nochmals kontrolliert werden? Wann? Eine erneute Kontrolle hat mein Arzt bislang nämlich nicht geplant. Oder wie viele Zyklen Letrozol ohne Prolaktinsenker wären sinnvoll bevor man die Strategie ändert? Auch wenn natürlich jeder negative Schwangerschaftstest nach über einem Jahr wieder traurig macht, hoffen wir nun auf Erfolg mit Letrozol und bleiben positiv. Ich danke Ihnen für Ihre hervorragende Unterstützung. Passen Sie auch gut auf sich auf und bleiben Sie auch gesund.
Guten Abend, gerade bei einem nur leicht erhöhten Prolaktinspiegel (Ihr Wert von 32–40) ist es durchaus üblich, erst einmal abzuwarten, ob sich die Situation mit anderen Maßnahmen (z. B. gezielte Ovulationsstimulation, Stressreduktion, Lutealphase-Unterstützung) von selbst reguliert, bevor man zu einem Prolaktinsenker wie Bromocriptin oder Cabergolin greift. Im Folgenden ein paar Punkte, die Sie hinsichtlich Prolaktin, Letrozol und Zyklusplanung berücksichtigen können: Leicht erhöhte Prolaktinwerte und Stress Prolaktin ist ein Hormon, das sehr empfindlich auf Stress reagiert. Schon das Blutabnehmen allein oder andere Alltagsbelastungen können Werte im Bereich von 30–40 ng/ml verursachen. Bei diesen Werten sind in der Regel weder eine weiterführende Diagnostik (z. B. MRT) noch eine direkte medikamentöse Senkung zwingend erforderlich – vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Auffälligkeiten (z. B. typische Symptome wie Milchfluss aus der Brust, sehr lange und unregelmäßige Zyklen oder extrem erhöhte Werte >50–60 ng/ml). Letrozol-Einnahme und Wirkung Letrozol (als Aromatasehemmer) sorgt für eine Anregung der Eireifung und kann dadurch den Eisprung stimulieren. Oft reicht schon eine leichte Dosis, um die Follikelreifung und den Hormonhaushalt zu unterstützen. Zudem kann Letrozol indirekt auf die Hypophyse und damit auch auf den Prolaktinspiegel Einfluss nehmen – zwar nicht wie ein klassischer Prolaktinsenker, aber wenn der Zyklus stabiler und „runder“ abläuft, kann dies unter Umständen den Prolaktinwert günstig beeinflussen. Progesteronunterstützung und Zyklusmonitoring Da Sie bereits ein Rezept für Cyclogest (Progesteron) haben, wird gleichzeitig Ihre Lutealphase stabilisiert, wodurch die Einnistung besser unterstützt werden kann. Oft ist ein niedriger Progesteronspiegel (oder ein zu früher Abfall desselben) in Kombination mit leichten Prolaktinschwankungen ein Grund, warum sich eine Schwangerschaft nicht einstellt. Wichtig ist, dass im Rahmen der Letrozol-Therapie auch kontrolliert wird, wie die Follikel wachsen und wann genau der Eisprung ausgelöst wird. Zeitpunkt für erneute Prolaktin-Kontrolle Da Ihr Arzt vorerst auf einen Prolaktinsenker verzichten möchte, wäre es sinnvoll, den Prolaktinspiegel nach 2–3 Behandlungszyklen mit Letrozol erneut zu bestimmen – vor allem, wenn bis dahin keine Schwangerschaft eintritt. Falls während dieser Zeit klinische Zeichen auftreten, die für sehr hohes Prolaktin sprechen (plötzliches Ausbleiben der Periode, Milchfluss aus der Brust usw.), oder wenn die Zyklusmonitoring-Werte stark von der Norm abweichen, könnte man den Wert natürlich auch eher überprüfen. Wie viele Letrozol-Zyklen abwarten? Häufig wird empfohlen, etwa 3 Zyklen mit einer bestimmten Stimulationsstrategie (z. B. Letrozol plus Progesteron) durchzuführen, bevor man sie wechselt oder intensiviert. Sollte sich keine Schwangerschaft einstellen oder die Laborwerte unerwartet verschlechtern, würde man das Vorgehen anpassen (z. B. Prolaktinsenker einsetzen, andere Stimulationsprotokolle wählen oder zusätzliche Diagnostik betreiben). Allgemeine Maßnahmen zur Prolaktinsenkung Auch wenn es leichter gesagt als getan ist: Stressreduktion (beruflich und privat) kann helfen, den Prolaktinspiegel auf natürliche Weise zu normalisieren. Ausreichender Schlaf, Entspannungsübungen, moderater Sport und – soweit möglich – Stressvermeidung unterstützen einen ausgeglichenen Hormonhaushalt. Fazit: Bei Ihrem nur leicht erhöhten Prolaktinwert ist es gängige Praxis, zunächst mit einer leichten Letrozol-Stimulation (in Ihrem Fall 2,5 mg) zu beginnen und die Lutealphase mit Progesteron (Cyclogest) zu unterstützen. Ein Prolaktinsenker wird häufig erst dann in Betracht gezogen, wenn sich höhere Werte oder anhaltend problematische Werte zeigen (z. B. deutlich über 50 ng/ml) oder wenn nach mehreren Zyklen eine Schwangerschaft trotz guter Ovulation nicht eintritt. Es ist sinnvoll, nach etwa 2–3 Zyklen Letrozol-Therapie eine erneute Kontrolle des Prolaktinwertes sowie eine Erfolgskontrolle bezüglich des Eisprungs durchzuführen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und drücke die Daumen, dass Sie mit diesem Behandlungsplan bald Erfolg haben! Sprechen Sie bei Unsicherheit oder neuen Befunden unbedingt nochmals mit Ihrem behandelnden Arzt, damit Sie individuell und zeitnah reagieren können. Herzliche Grüße und alles Gute für Sie!
the.flower
Sehr geehrter Herr Dr. Gagteiger, ich wende mich an Sie, weil mir meine Problemstellung dringend erscheint und jetzt über die Feiertage niemand meiner Ärzte erreichbar ist, auch wenn ich weiß, dass meine Frage, nur begrenzt ins Expertenforum passt und entschuldige mich dafür. In der Kinderwunschphase im Februar hatten Sie mir schon einmal sehr kompetent geholfen. Ich bin 34 Jahre, mittlerweile in der 33. Schwangerschaftswoche und habe leider seit ein paar Tagen Influenza A. Das Gute: Ich bin so froh, dass ich mich vor 2 Monaten habe impfen lassen! Am Montag/Dienstag diese Woche begann es mit leichten Halsschmerzen, am Mittwoch ging es dann mit ordentlichem Schnupfen, Abgeschlagenheit, Frieren, Schwitzen weiter. Das Fieberthermometer ist aber bislang nicht über 38,1 gestiegen. Gleichzeitig habe ich alleine mit Kleinkind zu Hause irgendwie alles über Wasser gehalten. Seit Donnerstag huste ich mir die Seele aus dem Leib und habe richtigen Muskelkater im Bauch und hoffe, dem Bauchzwerg damit nicht zu schaden. Gestern, am Freitag, war ich bei der Hausärztin, weil es mir vor den Feiertagen doch irgendwie abklärungsbedürftig schien und hatte sogar gefragt, ob es Influenza sein könnte, das durch die Impfung abgeschwächt durchkommt. Sie tippte nicht darauf, veranlasste aber keinen Test. Die Lunge war frei, die Ohren waren in Ordnung, Lymphknoten und Rachen sahen für sie nach einem viralen Infekt aus, dem sie keinen Namen geben wollte. Als unser ungeimpftes Kleinkind aber seit heute Dauerfieber bis 39,6 bekam, das mit Nurofensaft zumindest auf 38,9 runterging, wurde ich hellhörig und skeptisch und habe uns von meinem Mann einen Influenza- und Covidtest aus der Apotheke holen lassen und siehe da: Influenza A ist knallpositiv bei mir, bei unserem Kind auch positiv, bei meinem Mann (noch?) negativ. Er schnäuzt aber immer wieder und ist auch geimpft. Jetzt quälen mich einige Fragen in meinen Gedanken. Vielleicht können Sie weiterhelfen. 1. Man liest, dass Influenza in der Schwangerschaft zu Früh- und Totgeburt führen kann. Gilt das auch für geimpfte Frauen? Oder nur bei schwerem Verlauf? Passieren die Influenzaviren denn die Plazenta und kommen direkt beim Baby an? Meine Frauenarzttermine sind jetzt zum Schluss der Schwangerschaft im 2-Wochen-Rhythmus. Es ist bisher alles unauffällig. Diesen Dienstag war das Baby zeitgemäß entwickelt (ca. 1700g, 41cm), alles ganz im Durchschnitt, viel Fruchtwasser (Depot 8,0 cm), aber die Menge ist noch ok, CTG unauffällig, einziges Problem: momentan noch BEL. 2. Nächster Termin bei meiner Frauenärztin ist am 2.1., welcher auch ihr erster Tag nach dem Weihnachtsurlaub ist. Sollte ich jetzt unter diesen Umständen zwischenzeitlich zur Vertretung oder unter welchen Umständen sollte ich das machen? Unter welchen Umständen sollte ich zur Vertretung von der Hausärztin? Oder zu einem anderen Arzt? Meine Hebamme ist zwischen Weihnachten und Neujahr erreichbar, sollte ich sie einmal um einen Hausbesuch bitten um die Herztöne zu prüfen oder etwas anderes zu tun? Oder kann ich einfach geduldig und positiv bis 2.1. abwarten? Ich spüre die Kindsbewegungen jeden Tag mehrmals sehr kräftig. Ich erkenne keinen Unterschied zu vor Influenza. 3. Die Hausärztin hat mir gesagt Prospan Kinderhustensaft ist erlaubt in der Schwangerschaft, genauso wie Nasic Kindernasenspray 1 Mal täglich zum Einschlafen. Meine Hebamme hat mir Plantago Bronchialbalsam und Meteoreisen Globuli velati empfohlen. Ab welcher Körpertemperatur sollte ich Fieber mit Paracetamol senken? Hätten Sie gegen diese Medikamente etwas einzuwenden oder gäbe es andere, die Sie mir empfehlen würden oder soll ich einfach gar nichts nehmen? Ich schlafe schon seit 3 Nächten tapfer ohne Nasenspray, um dem Baby möglichst nicht zu schaden. Stattdessen versuche ich es drei Mal täglich mit Nasendusche (Meersalz). Ich habe aber das Gefühl, die Nebenhöhlen schmerzen immer wieder. 4. Gibt es andere Hinweise, die Sie mir mit auf den Weg geben möchten? Wir bleiben positiv. Für den Moment scheint mir die Lage unter Kontrolle, doch beunruhigt mich Influenza in der Schwangerschaft doch etwas, vor allem fürs Baby. Ich bedanke mich herzlich für die Zeit und wünsche Ihnen frohe und hoffentlich gesunde Weihnachten!
Sehr geehrte Frau …, vielen Dank für Ihre sehr sorgfältige Schilderung – und bitte entschuldigen Sie sich keinesfalls. Ihre Fragen sind absolut berechtigt. Vorweg das Wichtigste in einem Satz: Bei einer geimpften Schwangeren mit mildem bis moderatem Influenza-Verlauf, stabilem Allgemeinzustand, normaler Kindsbewegung und unauffälligen Vorsorgebefunden besteht in der 33. SSW in aller Regel keine akute Gefahr für das Kind. 1. Influenza in der Schwangerschaft – Risiko für Ihr Baby? a) Früh- oder Totgeburt – für wen gilt das Risiko? Die in Studien beschriebenen Risiken (Frühgeburt, schwere Verläufe, selten auch intrauteriner Fruchttod) betreffen vor allem: ungeimpfte Schwangere hohes Fieber > 39 °C über längere Zeit schwere systemische Verläufe (Pneumonie, Atemnot, Hospitalisierung) frühe Schwangerschaftsdrittel 👉 Das trifft auf Sie nicht zu. Die Impfung: senkt das Risiko schwerer Verläufe dramatisch schützt auch das Kind indirekt über mütterliche Antikörper führt sehr häufig genau zu dem Bild, das Sie beschreiben: Infektion ja – aber abgeschwächt b) Gelangen Influenzaviren zum Baby? Das ist eine sehr häufige Sorge – die Antwort ist beruhigend: Influenza ist keine klassische plazentagängige Virusinfektion Das Virus selbst erreicht das Kind in der Regel nicht Das Risiko entsteht, wenn überhaupt, indirekt über: hohes Fieber schwere mütterliche Erkrankung Sauerstoffmangel 👉 Bei stabilem Kreislauf, moderatem Fieber und gutem Befinden des Kindes ist keine direkte Gefährdung zu erwarten. Ihre aktuellen Befunde (Wachstum zeitgerecht, Fruchtwasser normal, CTG unauffällig, lebhafte Bewegungen) sind sehr gute Zeichen. Die Beckenendlage hat nichts mit Influenza zu tun. 2. Müssen Sie jetzt zu einem Arzt / zur Vertretung? Aktuell: Nein – solange Folgendes zutrifft Sie können bis zum 2.1. ruhig abwarten, wenn: Sie regelmäßig kräftige Kindsbewegungen spüren kein anhaltendes Fieber ≥ 38,5–39 °C besteht keine Atemnot, kein Druck auf der Brust, keine deutliche Verschlechterung keine vorzeitigen Wehen, kein Blutverlust, kein Fruchtwasserabgang Das ist bei Ihnen aktuell alles nicht gegeben. Wann sollten Sie sofort ärztlich vorstellig werden? Bitte nicht zögern, wenn eines davon eintritt: Fieber ≥ 38,5 °C, das sich nicht mit Paracetamol senken lässt Atemnot, ausgeprägte Erschöpfung, Kreislaufprobleme deutlich weniger oder keine Kindsbewegungen Schmerzen/Wehen in regelmäßigen Abständen subjektives Gefühl: „Irgendetwas stimmt nicht“ Hebamme? Ein Hausbesuch kann beruhigend sein, ist aber medizinisch nicht zwingend erforderlich, solange: Sie Ihr Kind deutlich spüren keine neuen Symptome auftreten Wenn es Ihnen emotional Sicherheit gibt: ja, gern. Medizinisch ist Geduld absolut vertretbar. 3. Medikamente – was ist sinnvoll, was nicht? a) Fieber Paracetamol ist das Mittel der Wahl in der Schwangerschaft empfehlenswert ab: ≥ 38,5 °C oder früher, wenn Sie sich sehr krank fühlen Dosierung (üblich): 500–1000 mg max. 3–4×/Tag möglichst kurzzeitig 👉 Fieber nicht tapfer aushalten, das Senken ist fürs Kind eher schützend. b) Husten & Nase Zu Ihren genannten Mitteln: Prospan: ✔️ gut verträglich Nasic Kinder-Nasenspray 1×/Tag: ✔️ völlig in Ordnung → Sie dürfen das ohne schlechtes Gewissen nutzen, Schlaf ist wichtig Nasendusche: ✔️ sehr gut Plantago Bronchialbalsam: ✔️ unproblematisch Globuli: neutral – schaden nicht, ersetzen aber keine wirksamen Maßnahmen 👉 Nebenhöhlenschmerzen sind bei Influenza häufig. Ein maßvoll eingesetztes Nasenspray ist sicherer als dauerhaftes Leiden. Was Sie nicht brauchen: Ibuprofen Kombinationspräparate ätherische Öle oral 4. Weitere Hinweise für die nächsten Tage viel trinken (auch wenn der Appetit fehlt) körperliche Schonung (Sie haben Unglaubliches mit Kleinkind geleistet!) Seitenlage, wenn der Bauch durch Husten schmerzt bei starkem Husten ein Kissen gegen den Bauch pressen → entlastet die Bauchmuskulatur, schadet dem Baby nicht Ihr intensiver Husten führt nicht zu Schäden am Kind – die Gebärmutter ist sehr gut geschützt. Mein zusammenfassendes Fazit Sie haben: alles richtig gemacht (Impfung!) einen milden, kontrollierten Verlauf ein vitales, gut entwickeltes Kind sehr gute Selbstwahrnehmung Das ist keine Situation, die man verharmlosen sollte – aber auch keine, die Anlass zur Angst gibt. Bleiben Sie aufmerksam, aber zuversichtlich. Und gönnen Sie sich – so gut es geht – Ruhe. Ich wünsche Ihnen von Herzen eine baldige Besserung und ruhige, gesunde Weihnachtstage für Sie und Ihre Familie. 🌿
the.flower
Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, Sie haben mir sehr viel Angst mit Ihrer Nachricht genommen. Vielen lieben Dank, dass Sie sich sogar in der Urlaubszeit rund um Weihnachten so viel Zeit für eine ausführliche Antwort genommen haben! Heute geht es uns leider eher schlechter als gestern. Mein Mann hält sich wacker und versorgt uns beide. Mich friert es sobald ich kurz aufstehe und ich bin langsam wie eine rollende Schildkröte, die überhaupt keine Kraft hat und das in der 33. Schwangerschaftswoche, in der es sowieso langsam beschwerlich wird. Ich hoffe sehr, bis zur Geburt wieder ausreichend Kraft tanken zu können. Habe mich an Ihre Anweisung gehalten und bei 38,5 einen Schlussstrich gezogen, eine Paracetamol 500 genommen, mich ins Bett gelegt und nach einer Stunde angefangen zu schwitzen. Und die Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schmerzen in den Nebenhöhlen wurden dann auch gleich besser. Nach 5 Stunden fange ich jetzt wieder an zu frieren, aber es bleibt im Rahmen bei 38,5. Das Baby strampelt zum Glück sehr aktiv. Jede Bewegung erleichtert mich gerade sehr. Ich bin so froh, geimpft zu sein. Sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich im Krankenhaus. Unser Kind macht uns auch Sorgen. Es kommt heute kaum von den 40 Grad Fieber runter, nachts sogar 40,5. Zwei Stunden nach dem Fiebersaft sind wir aber kurz mal bei 38,3. 5 Stunden später wieder bei fast 40. Mit dem Wechsel von Paracetamol-Zäpfchen und Nurofensaft kommen wir gerade so hin ohne überzudosieren. Wenn Kinder den ganzen Tag freiwillig schlafend im Bett liegen, dann sind sie wirklich krank. Essen ging heute fast gar nicht, aber immerhin Wasser und Milch. Ich hatte Influenza bei Kleinkindern unterschätzt und bereue es sehr, nur uns Erwachsene geimpft zu haben. Nächstes Jahr impfen wir uns alle. Auch die Kinderärztin ist schon im Urlaub und wir müssten zur Vertretung. Teilen Sie meine Meinung, dass wir, so lange ein bisschen getrunken wird und Urin kommt, abwarten können, da wir ja wissen, was der Grund für das hohe Fieber ist und man gegen Influenza außer Fiebersaft sowieso nichts tun kann? Wenn kein Urin mehr kommt, sollten wir vielleicht eher in die Notaufnahme der Kinderklinik? Solche Krankheiten passieren natürlich ausgerechnet in den Weihnachtsferien. Danke für Ihr offenes Ohr und die beruhigenden Informationen, auch wenn es gar nicht Ihr Spezialgebiet mehr ist. Falls Sie noch Ergänzungen haben, freue ich mich jederzeit. Ich wünsche Ihnen fröhliche und vor allem gesunde Weihnachten!
Guten Abend, vielen Dank für Ihre sehr offene, bewegende Nachricht. Es tut mir leid zu lesen, wie erschöpft und belastet diese Tage für Sie sind – das ist wirklich viel, erst recht in der 33. Schwangerschaftswoche und mit einem fiebernden Kleinkind zu Hause. Umso mehr Respekt davor, wie umsichtig Sie handeln. Zu Ihnen Was Sie beschreiben, passt leider sehr gut zu einem typischen Influenza-Verlauf – aber auch zu einem insgesamt guten Management: Dass Paracetamol bei 38,5 °C wirkt, das Schwitzen einsetzt und Schmerzen nachlassen, ist ein sehr gutes Zeichen. Das erneute Frieren nach 4–6 Stunden ist typisch, wenn die Wirkung nachlässt. Wichtig und beruhigend: Das Baby ist aktiv, regelmäßige Kindsbewegungen sind eines der zuverlässigsten guten Zeichen. Ihre Impfung hat sehr wahrscheinlich dazu beigetragen, dass der Verlauf trotz der Beschwerden kontrollierbar bleibt und keine schwere Atemproblematik entstanden ist. Bitte erlauben Sie sich, wirklich langsam zu sein – Ihre Formulierung mit der „rollenden Schildkröte“ ist sehr treffend. Das ist kein Versagen, sondern schlicht Physiologie + Infekt + Schwangerschaft. Kraft kommt zurück – nicht von heute auf morgen, aber sie kommt. Zu Ihrem Kind Ihre Einschätzung ist medizinisch absolut nachvollziehbar und vernünftig. Bei Influenza im Kleinkindalter gilt tatsächlich: Hohes Fieber (auch bis 40 °C) ist leider nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist nicht die Zahl allein, sondern: trinkt Ihr Kind (auch kleine Mengen)? ✔️ gibt es regelmäßig Urin? ✔️ ist es zwischendurch ansprechbar (auch wenn sehr schlapp)? ✔️ sinkt das Fieber zeitweise nach Fiebersenkern? ✔️ Dass Sie Paracetamol und Ibuprofen korrekt im Wechsel geben und auf die Dosierung achten, ist genau richtig. 👉 Abwarten ist vertretbar, solange: Ihr Kind trinkt (Wasser, Milch – Essen ist nebensächlich), mindestens alle 6–8 Stunden Urin kommt, keine zunehmende Atemnot, keine Blaufärbung, kein apathisches Wegdämmern auftritt. 👉 Sofortige Vorstellung (Kinderklinik / Notaufnahme) wäre sinnvoll, wenn: kein Urin mehr kommt, Ihr Kind nicht mehr trinkt, das Fieber gar nicht mehr auf Medikamente reagiert, deutliche Atemprobleme, Einziehungen oder eine ungewöhnliche Schläfrigkeit auftreten, oder Sie als Eltern schlicht das Gefühl haben: „So stimmt das nicht mehr.“ Dieses Bauchgefühl ist absolut legitim. Dass so etwas ausgerechnet in den Weihnachtsferien passiert, ist bitter – aber leider ein sehr bekanntes Szenario. Sie machen es unter diesen Umständen wirklich sehr gut. Noch ein kleiner Trostgedanke Dass Sie die Kinderimpfung bereuen, zeigt nur, wie verantwortungsvoll Sie denken – aber bitte seien Sie nicht hart zu sich. Viele Familien entscheiden sich so, und Sie werden nächstes Jahr eine klare, gute Entscheidung treffen. Mehr kann man nicht verlangen. Ich wünsche Ihnen von Herzen: ruhige Nächte mit möglichst langen fieberfreien Phasen, weiter spürbare, kräftige Kindsbewegungen, und dass sich bei Ihnen beiden in den nächsten Tagen langsam, aber stetig Besserung einstellt. Danke für Ihre warmen Weihnachtswünsche – ich gebe sie sehr gerne zurück. Bitte melden Sie sich jederzeit, wenn sich etwas verändert oder Sie unsicher werden. Sie sind damit nicht allein.
the.flower
Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger,
vielen Dank für die herzlichen Weihnachtswünsche und Ihre hilfreichen Informationen. Ich hoffe, Sie können Weihnachten mit Ihrer Familie genießen. Bei uns hat es nun die Großeltern mit Influenza auch noch lahm gelegt. Ich bin sehr enttäuscht, dass die Hausärztin bei mir keinen Influenzatest gemacht hat, obwohl ich sie darauf angesprochen hatte und noch dazu schwanger zur Risikogruppe gehöre. Sie hätte damit zumindest verhindert, dass unser Sohn auch noch am Tag vor Symptombeginn zu den Großeltern geht und sie mit infiziert. Sie wollten ihn mir abnehmen, weil es mir nicht so gut ging und ich hatte ja nicht geahnt, welche Kreise das jetzt ziehen wird. Hätte ich gewusst, dass ich Influenza habe, hätte ich ihn niemals zu den Großeltern gehen lassen. Meine Impfung hat leider die Ernsthaftigkeit dieses Virus anfangs sehr verschleiert und jetzt liegen alle außer meinem Mann flach. Weihnachten fällt ins Wasser. Mir geht es zum Glück besser, das Fieber ist weg. Nur der Husten hält noch an und die Nebenhöhlen sind noch nicht frei. Ich mache fleißig Nasendusche. Das Baby ist auch weiterhin sehr aktiv. Das beruhigt mich. Aus der rollenden Schildkröte wird jetzt langsam wieder eine rollende Kugel
Aber unser Sohn macht uns ganz große Sorgen. Nach 2,5 Tagen Fieber zwischen 39,5 und 40,5 war das Fieber am Montag fast komplett weg und er wollte wieder etwas spielen und ein bisschen essen (37,5 bis Max. 38,5). Seit Dienstag geht es wieder durch die Decke. Heute dauernd um 39,0-39,5. Er war wieder total schläfrig, hat kaum spielen wollen, nur kurz wenn das Fieber mal auf 38,5 runtergegangen ist. Wir haben im 4-Stunden-Takt Nurofensaft und Paracetamol Zäpfchen abgewechselt. Und das an Weihnachten, wo Kinder sich so über ihre Geschenke freuen. Selbst die Bescherung mussten wir verschieben. Mein Mann ist (und bleibt?) negativ. Bei ihm wirkt die Impfung voll. Er war mit ihm beim Bereitschaftsdienst. Die Lunge ist verschleimt, so die Kinderärztin. Er hat sie gebeten, kapillar Blut abzunehmen um etwas bakterielles auszuschließen. Die Werte: CRP < 1, Lym%, Gran%, Mid%, Lym#, Gran#, Mid#, RBC, HGB, HCT, MCH, MCHC, RDW-CV, RDW-SD, PLT, MPV, PDW, PCT, P-LCR, P-LCC alle im Normbereich. Zwei Werte nicht im Normbereich: Hs-CRP 0,86 rr g/dl (0,00-0,40) und MCV 78,9 (82,0-? Leider unlesbar wegen wenig Tinte). Was sind das für Werte? Habe noch nie Ha-CRP auf einem Blutbild gesehen. Die Kinderärztin sagte, es sei (noch?) viral, sollte aber morgen endlich wenigstens etwas besser werden mit dem Fieber (dann schon Tag 6). Wenn nicht, sollten wir wieder kommen und wieder die Lunge abhören lassen. Ich mache mir echt Sorgen, dass er gerade eine Lungenentzündung bekommt. Er redet sonst wie ein Buch und momentan will er nur kuscheln und schlafen und höchstens mal ein Buch vorgelesen bekommen. Aber er trinkt zumindest wenn man ihn erinnert und schafft etwa 3 Mal Wasserlassen täglich. Können Sie mir etwas zu diesen Werten von ihm sagen? Fiebern Kinder bei Influenza wirklich eine Woche lang so schlimm? Mich beunruhigt, dass es ihm dazwischen schon einmal besser ging.
Falls ich Sie noch etwas zur Beckenendlage fragen darf: gibt es etwas, was ich tun kann, um das Baby zur Drehung zu ermutigen? Ich versuche optimistisch zu bleiben, doch leider wäre das schon das zweite Mal bei mir, dass ich mit Beckenendlage in die Geburt gehe. Wir hatten damals so viel probiert und es sollte einfach nicht sein. Von einer Wendung rät meine Frauenärztin auch ab, weil ich eine VW-Plazenta habe. Das erste Mal ist die natürliche Geburt schon gründlich schief gelaufen, also empfiehlt sie dieses Mal gleich Kaiserschnitt falls das Baby sich nicht bald dreht. Ich fand die Erholungszeit nach dem ersten (sekundären) Kaiserschnitt aber schon lang und mit zwei Kindern will man einfach schneller fit sein und funktionieren. Meine Hebamme meint, ich kann eine natürliche Geburt durchaus trotzdem noch einmal probieren. Doch am Ende durch natürliche Geburt und Kaiserschnitt zu gehen, war auch ganz schön anstrengend. Vielleicht haben Sie ja einen Rat.
Wie lieb von Ihnen, dass ich noch einmal nachfragen darf!!!
Frohe Weihnachten Ihnen und Ihrer Familie!
Guten Abend, liebe Patientin, danke für Ihr Vertrauen und dafür, dass Sie mich so offen an dieser belastenden Situation teilhaben lassen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie enttäuschend, erschöpfend und emotional schwer das alles gerade ist – Influenza zur Weihnachtszeit, ein krankes Kind, Sorgen um das Baby und dann noch Geburtsthemen. Das ist schlicht zu viel auf einmal. Ich gehe Schritt für Schritt auf Ihre Fragen ein. 1. Zu den Laborwerten Ihres Sohnes – das ist wichtig und beruhigend einzuordnen 🔬 Was ist hs-CRP? hs-CRP = hochsensitives C-reaktives Protein wird oft zusätzlich gemessen, um sehr geringe Entzündungen zu erfassen der Wert ist empfindlicher, aber nicht spezifischer als das normale CRP 👉 Ein hs-CRP von 0,86 bei normalem CRP (< 1) bedeutet: keine relevante bakterielle Entzündung keine Hinweise auf eine bakterielle Pneumonie passt sehr gut zu einem viralen Verlauf Wichtig: Für bakterielle Infektionen bei Kindern sehen wir meist: CRP deutlich > 20–30 oft Verschiebungen im Blutbild → alles bei Ihrem Sohn NICHT der Fall 🩸 MCV 78,9 MCV = mittleres Erythrozytenvolumen leicht erniedrigt → spricht am ehesten für einen milden Eisenmangel hat nichts mit dem akuten Infekt zu tun ist nicht gefährlich und aktuell kein Grund zur Sorge 👉 Das kann man in Ruhe nach dem Infekt einmal kontrollieren. 2. Ist der Verlauf mit Fieber über 6–7 Tage bei Influenza möglich? Ja – leider absolut. Gerade bei Kleinkindern sehen wir: hohes Fieber über 5–7 Tage oft biphasisch: kurze Besserung dann erneuter Fieberanstieg → das ist typisch für Influenza, nicht automatisch ein Zeichen für eine bakterielle Superinfektion Dass: das Fieber auf Medikamente reagiert Ihr Sohn trinkt Urin kommt die Blutwerte viral sprechen ist medizinisch sehr beruhigend. 3. Wann müsste man doch an eine Lungenentzündung denken? Bitte achten Sie besonders auf: 🚨 Alarmzeichen schnelle, angestrengte Atmung Einziehungen zwischen den Rippen Nasenflügeln dauerhaftes Stöhnen Kind kaum weckbar / reagiert kaum Fieber ohne Reaktion auf Medikamente ➡️ In diesen Fällen sofort Kinderklinik. 👉 Im Moment beschreiben Sie keines dieser Zeichen. Dass er viel kuscheln und schlafen will, ist bei Influenza leider typisch, aber kein schlechtes Zeichen an sich. 4. Zum Abwechseln von Ibuprofen & Paracetamol Sie machen das vorbildlich korrekt. Wichtig: Dosierung nach Gewicht ausreichend Abstand (Paracetamol 6–8 h, Ibuprofen 6–8 h) lieber regelmäßig, als das Fieber eskalieren zu lassen 5. Zu Ihrer Enttäuschung wegen des fehlenden Influenza-Tests Ihre Enttäuschung ist vollkommen berechtigt. Gerade: bei Schwangerschaft (Risikogruppe) bei klarer Exposition bei hohem Fieber wäre ein Test medizinisch sinnvoll gewesen – auch zur Eindämmung weiterer Kontakte. Bitte seien Sie trotzdem nicht hart zu sich: Sie haben verantwortungsvoll gehandelt die Impfung hat Sie vermutlich vor einem schweren Verlauf geschützt niemand konnte diese Kettenreaktion vorhersehen 6. Beckenendlage – was Sie realistisch tun können (und was nicht) 🔄 Was Sie versuchen können Vierfüßlerstand / „Indische Brücke“ Seitenlagerung (links / rechts abwechselnd) Becken leicht erhöht lagern sanfte Bewegung (Spaziergänge) Diese Maßnahmen sind nicht schädlich, aber: 👉 die Erfolgsrate ist begrenzt, vor allem nach der 32.–33. SSW. 🤰 Externe Wendung Bei: Vorderwandplazenta bereits problematischem Geburtsverlauf deutlicher Erschöpfung ist die Zurückhaltung Ihrer Frauenärztin sehr nachvollziehbar. ⚖️ Natürliche Geburt vs. geplanter Kaiserschnitt Ihre innere Zerrissenheit ist absolut verständlich. Ganz ehrlich und ärztlich nüchtern: Eine geplante Sectio ist körperlich oft besser verkraftbar als: eine lange, schwierige vaginale Geburt plus sekundärer Kaiserschnitt mit zwei Kindern ist Planbarkeit manchmal ein echter Vorteil der Wunsch „schneller wieder funktionieren zu müssen“ ist real – und legitim Die Aussage Ihrer Hebamme ist nicht falsch, aber Ihre Erfahrung zählt mindestens genauso viel. 👉 Wenn Ihr Bauchgefühl eher sagt: „Ich schaffe das emotional und körperlich besser mit einem klaren Plan“ dann ist das kein Versagen, sondern Selbstfürsorge. 🌱 Mein ehrliches Gesamtfazit Ihr Sohn zeigt derzeit keine Zeichen einer bakteriellen Komplikation der Verlauf ist schwer, aber noch im Rahmen einer Influenza Sie selbst sind auf dem Weg der Besserung Ihr Baby zeigt sehr gute Lebenszeichen zur Geburt dürfen Sie sich erlauben, den für Sie schonenderen Weg zu wählen Bitte melden Sie sich jederzeit, wenn: das Fieber Ihres Sohnes weiter eskaliert neue Symptome auftreten Sie einfach jemanden brauchen, der mitdenkt Ich wünsche Ihnen von Herzen: eine baldige Stabilisierung Ihres Sohnes, ruhige Nächte, und dass trotz allem ein wenig Weihnachtsfrieden bei Ihnen einkehren darf. Frohe Weihnachten – und bitte passen Sie gut auf sich auf.
the.flower
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich muss jetzt erst einmal aussprechen, wie lieb ich das von Ihnen finde, dass Sie mir und meiner Familie selbst an den Feiertagen so beiseite stehen. Das ist für uns sehr wertvoll, gerade jetzt, wo alle unsere Ärzte Urlaub machen und Weihnachten für uns dieses Jahr so daneben läuft. Ihre Antwort war sehr hilfreich und beruhigend zugleich und hat mich auch mit der BEL zum Nachdenken gebracht. Ich könnte Ihr Mitdenken aber doch noch einmal gebrauchen. Unserem Sohn geht es heute erfreulicherweise am 7. Tag endlich besser. Ich hoffe, der Fieberanstieg auf über 39 Grad kommt nicht noch wieder am späten Nachmittag oder Abend wie gestern. Aber bisher sind wir nur bei 38 Grad ohne Fiebersaft, er schaut auch viel wacher aus den Augen, redet wieder mehr, isst ein bisschen, will mehr spielen und nicht dauernd schlafen. Vielleicht können wir schon morgen unser kleines Weihnachtsfest mit Bescherung wenigstens zu 3,5 nachholen. Einen Kalender kennt unser Sohn ja zum Glück sowieso noch nicht. Er hustet noch ziemlich verschleimt und ich habe im Medikamentenschrank SalbuBronch Tropfen gefunden, die ihm die Kinderärztin mal bei Bronchitis verschrieben hatte (3 x 5 Tropfen). Können wir damit was falsch machen? Zu mir habe ich die eigentliche Frage: Wie viele Tage nach Symptombeginn ist es denn noch normal oder akzeptabel, dichte Nebenhöhlen zu haben? Ich hatte ja als erste von uns Influenza und die richtigen Symptome haben am Mittwoch vor einer Woche begonnen, also vor 10 Tagen. Ich mache 3 x täglich Nasendusche, aber kriege den Mist nicht los. Es kommt auch jedes Mal viel Schleim (weiß und gelb). Meine Nase ist verstopft und man hört es auch an meiner nasalen Stimme. Wenn ich jetzt zum HNO-Arzt gehe, weiß ich genau, was passiert: er hört, das geht schon 10 Tage so, also Antibiotikum. Aber (hoch)schwanger würde ich das gerne vermeiden. Es wäre schon das dritte Antibiotikum in dieser Schwangerschaft für mein armes Baby. Nach dem ersten war meine Scheidenflora komplett aus der Balance gekommen und ich habe dann ein zweites Antibiotikum wegen bakterieller Vaginose gebraucht. Ein Problem gelöst und ein neues geschaffen. So eine Kettenreaktion möchte ich jetzt 7 Wochen vor ET echt lieber vermeiden. Mein pH-Wert ist in letzter Zeit immer perfekt gewesen, ich will ihn nicht wieder zerstören. Aber ich weiß auch, dass meine Nebenhöhlen so nicht bleiben können. Wie viele Tage kann ich dem Ganzen noch geben? Vielleicht dauert es bei Influenza einfach etwas länger bis die Nebenhöhlen frei werden? Zum Bereitschaftsdienst am Wochenende will ich jetzt auch nicht, am Ende komme ich noch kränker nach Hause als ich hingegangen bin. Wäre es sinnvoll, bis Montag zu warten in der Hoffnung, es wird ohne Antibiotikum besser? Mein HNO-Arzt ist sowieso erst wieder am 7.1. da. Ich müsste mir also auch noch irgendwo eine Alternative suchen. Fieber habe ich nicht, der Schleim hängt wirklich nur fest. Wenn ich noch etwas abwarte, kann ich außer Nasendusche etwas tun? Kinder Nasic habe ich 4 Tage lang abends genommen und traue mich nicht mehr es zu lange weiter zu nehmen. Sinupret ist in der Schwangerschaft bestimmt auch nicht erlaubt. Und noch zur BEL: Ich frage mich, warum meine Kinder alle so einen Mist machen und die Kleine dem Großen diesen Mist nachmachen muss. Alle Ihre Ideen, damit das Baby sich noch dreht, setze ich schon um. Magnesium bekomme ich auch von der Frauenärztin um den Bauch immer weich zu halten. Meine Hebamme wird wieder Moxen, aber in der 1. Schwangerschaft hat das schon alles nichts gebracht. Aber Ihre Gedanken helfen mir sehr weiter, eine Entscheidung über die Geburt zu treffen. Ich stelle mir tatsächlich noch eine Frage: Ist es denn häufig bei BEL, dass die vaginale Geburt am Ende daran scheitert, dass das Baby es nicht raus schafft? Bei mir lief nämlich lange Zeit alles super, der Muttermund ging wunderbar auf die 10cm auf, ich habe keine Wehenverstärker gebraucht. Alles war super und dann in der Pressphase ging es nicht mehr weiter. Unser Sohn kam immer ein minimales Stück raus und direkt nach der Wehe rutschte er wieder zurück nach innen. Ich wurde dann noch in alle möglichen Richtungen umgelagert, aber er steckte einfach fest. Ist das eher Zufall oder liegt so etwas an der BEL? Er saß wie ein Buddha. Unser Sohn ist nämlich heute auch noch ein Bequemer (Mama, helf!) und es passt auch irgendwie zu seinem Charakter. Dann bekam ich noch Wehenverstärker und als auch das nichts brachte wurde mir zur PDA geraten, weil der Arzt die Fälle langsam davonschwinden sah und ich so schon bereit für den Kaiserschnitt war. Danach ging erst recht nichts mehr und mir wurde der Kaiserschnitt nahe gelegt. Sehen Sie die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das wieder so läuft, wenn ich mich bei einer 2. BEL wieder für eine natürliche Geburt entscheide? Oder mag das Zufall gewesen sein? Eine natürliche Geburt würde ich bevorzugen aber nicht wenn von Anfang an die Chancen wieder so schlecht stehen und ich mich dann doppelt quäle. Auch Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich ganz viel Weihnachtsfrieden, viel Erholung und es ist lieb, dass Sie an Weihnachten so eine gute Tat leisten. Danke und ganz herzliche Grüße aus der Weihnachtsstadt Nürnberg :)
Liebe Grüße nach Nürnberg – und vielen Dank für Ihre warmen Worte. Ich nehme sie sehr ernst, gerade weil man zwischen den Zeilen spürt, wie erschöpfend diese Tage für Sie sind. Umso schöner ist es zu lesen, dass es Ihrem Sohn heute endlich etwas besser geht 🌿 Ich antworte Ihnen der Übersicht halber in drei Teilen. 1) Zu Ihrem Sohn und den SalbuBronch-Tropfen Wenn die SalbuBronch-Tropfen Ihrem Sohn früher bei einer ärztlich diagnostizierten Bronchitis geholfen haben und er aktuell keine auffälligen Nebenwirkungen zeigt (Unruhe, Zittern, Herzklopfen), ist die kurzzeitige Gabe in der bekannten Dosierung in der Regel vertretbar. Sie helfen nicht primär gegen Schleim, sondern entlasten die Bronchien, sodass der Schleim besser abgehustet werden kann. Wichtig: nur für einige Tage, nicht dauerhaft bei deutlicher Verschlechterung, Atemnot, Einziehungen → bitte ärztlich abklären Dass er wieder wacher ist, spricht sehr dafür, dass er über den Berg ist. 2) Zu Ihnen: Nebenhöhlen nach Influenza – wie lange ist „noch normal“? Ihre Beobachtung ist medizinisch sehr plausibel. Nach Influenza ist es häufig, dass: die Nasennebenhöhlen 10–14 Tage, manchmal sogar bis zu 3 Wochen dicht bleiben der Schleim weiß bis gelblich ist, ohne dass eine bakterielle Infektion vorliegt kein Fieber besteht, sondern „nur“ Druck, Verstopfung, nasale Stimme Wann spricht noch nicht alles für ein Antibiotikum? In Ihrer Situation sprechen mehrere Punkte gegen eine sofortige Antibiotikatherapie: kein Fieber kein einseitiger, zunehmender Gesichtsschmerz kein ausgeprägter Krankheitsrückfall langsame, aber spürbare Besserung im Gesamteindruck Gerade in der Schwangerschaft ist Zurückhaltung absolut sinnvoll – Ihre Sorge wegen der vaginalen Flora ist sehr berechtigt. Wie lange dürfen Sie dem Ganzen noch Zeit geben? 👉 Ja, Sie dürfen guten Gewissens noch einige Tage bis Anfang nächster Woche abwarten, solange: kein Fieber >38,5 °C auftritt keine starken, einseitigen Schmerzen (Zähne, Stirn, Wange) entstehen sich Ihr Allgemeinzustand nicht deutlich verschlechtert Dass Ihr HNO erst am 7.1. wieder da ist, ist unschön – aber medizinisch nicht automatisch problematisch. Was können Sie zusätzlich tun (antibiotikafrei)? Neben der Nasendusche (die Sie sehr gut und richtig machen): Inhalieren mit Kochsalz (klassisch über Schüssel oder Inhalator) Feuchte, warme Raumluft Viel trinken (der Schleim wird dünner) Abschwellende Nasensprays: – Kinder-Nasic maximal 5–7 Tage, ggf. nur abends, das ist in Ordnung Kopf leicht erhöht schlafen Sinupret: Es gibt Varianten (z. B. Sinupret Extract), die in der Schwangerschaft nicht empfohlen sind, weil keine ausreichenden Daten vorliegen. Ich würde es an Ihrer Stelle nicht neu beginnen. ➡️ Kurzfassung: Ihr Verlauf passt sehr gut zu einer postviralen Sinusitis. Abwarten bis Montag ist absolut vertretbar. 3) Zur BEL und Ihrer sehr wichtigen Frage zur Geburt Ihre Schilderung der ersten Geburt ist eindrücklich – und sie zeigt, dass Sie keineswegs „schlecht geboren“ haben. Im Gegenteil: vollständige Muttermundseröffnung gute Wehentätigkeit keine primäre Geburtsstörung Warum kann eine BEL in der Pressphase scheitern? Ja – bei BEL kommt es häufiger genau in dieser Phase zum Stillstand, obwohl zuvor alles gut lief. Gründe können sein: ungünstige Beinhaltung (z. B. „Buddha-Sitz“) suboptimale Flexion des kindlichen Kopfes ungünstige Anpassung zwischen Kind und Becken Dass Ihr Sohn immer wieder zurückgerutscht ist, passt sehr typisch zu einer mechanischen Problematik – nicht zu mangelnder Kraft Ihrerseits. Bedeutet das automatisch, dass es wieder so laufen wird? 👉 Nein. Aber: Ihre Vorgeschichte ist relevant und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Szenario ähnlich wiederholen könnte, wenn: erneut eine BEL besteht die kindliche Haltung ungünstig ist keine optimale geburtshilfliche Erfahrung mit BEL-Geburten vorhanden ist Das ist kein Automatismus, aber auch kein reiner Zufall. Ist eine vaginale BEL-Geburt trotzdem vertretbar? Ja – wenn: das Kind günstig liegt Gewicht, Becken, Betreuung passen Sie innerlich hinter der Entscheidung stehen Aber: 👉 Sie müssen sich nicht noch einmal „beweisen“. Eine geplante Entscheidung (egal in welche Richtung) ist keine Kapitulation, sondern Fürsorge. Zum Schluss – ganz persönlich Ich finde Ihre Gedanken sehr klar, sehr reflektiert und sehr mütterlich. Sie wägen ab, ohne zu dramatisieren, und hören auf Ihr Gefühl – das ist eine große Stärke. Ich wünsche Ihnen sehr, dass: Ihr Sohn weiter aufblüht Ihre Nebenhöhlen Ihnen bald Luft lassen – im wahrsten Sinne und Sie für die Geburt eine Entscheidung finden, die Ihnen Ruhe gibt, nicht zusätzliche Last Danke für Ihre lieben Wünsche. Auch Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich – trotz allem – ein paar friedliche, warme Momente zwischen den Jahren. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
the.flower
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich möchte Ihnen erst meinen Dank übermitteln für Ihre Präsenz und Ihre langen so hilfreichen Antworten. Sie sind mir so eine Unterstützung, gerade jetzt, wo alle meine Ärzte Urlaub machen und Krankheit sich aber leider nicht nach dem Datum richtet. Ich hoffe, Ihnen nicht auf den Nerv zu gehen. Ich kann noch einmal Ihr Mitdenken brauchen. Sie machen das so gründlich und gewissenhaft. Vorneweg: unserem Sohn geht es viel besser zum Glück. Er hat seit gestern gar kein Fieber mehr, er hustet noch etwas, aber das wird schon werden. Unglaublich wie schnell Kinder sich von einer Woche 40 Grad Fieber erholen. Er hat schon wieder viel mehr Energie. Ich war heute mit ihm etwas an der frischen Luft und er läuft mir rollenden Kugel schon wieder davon. Nur braucht er noch sehr viel Schlaf. Normalerweise schläft er nachts um die 11-12 Stunden, momentan um die 13 Stunden. Aber das tut Eltern auch mal gut wenn morgens länger Ruhe ist ;) Mir geht es aber nicht so gut. Daher meine Nachfrage. Jetzt sind wir bei 13 Tagen seit Influenza-Symptombeginn und ich schnäuze so viel, die Nase ist so dicht, ich habe seit gestern ständig stechende Kopfschmerzen, wobei ich nicht weiß ob sie von den Nebenhöhlen kommen. Mal im Gesicht, mal am Hinterkopf, ich kann es nicht einordnen. Ich habe aber auch das Gefühl, verspannt zu sein. Ich dachte, der Spaziergang heute an der frischen Luft tut der Nase gut, aber sie war trotzdem dauernd dicht und danach war ich total kaputt, müde, abgeschlagen und habe 1,5 Stunden im Bett geschlafen. Ich habe sonst so viel mehr Energie. Alles weg. Ich will auch nicht dauernd Nasic oder Paracetamol gegen die Kopfschmerzen nehmen. Also halte ich alles aus. Mein Mann hat zum Glück auch gerade Urlaub und kann mir viel abnehmen. Trotzdem will ich irgendwie nicht zum HNO-Arzt gehen. Ich habe so Angst vor einer weiteren bakteriellen Vaginose so kurz vor der Geburt. Nicht dass das dann noch eine Frühgeburt auslöst. Sie meinten ja, es kann nach Influenza sogar bis zu 21 Tage dauern bis die Nebenhöhlen frei sind. Wenn ich kein Fieber habe, kann ich noch ein bisschen zuwarten? Ich kann es so schlecht einschätzen was gerade richtig ist. Ist gelber Schleim immer ein Anzeichen für Bakterien? Irgendwo hatte ich mal gelesen, es kann auch von abgestorbenen Virenresten kommen. Ich hatte gestern auch noch das Gefühl von Senkwehen, aber ist das nicht etwas früh, jetzt in der 34. Schwangerschaftswoche? Es hat sich wie starke Menstruationsschmerzen angefühlt, auch in den Rücken gezogen, kam auch öfter, aber nach einem warmen Bad war wieder Ruhe. Ich würde sagen, Geburtswehen fühlen sich schlimmer an und würden nicht wieder weggehen. Aber unter den Umständen, dass es noch 6 Wochen bis zur Geburt sind, die Kleine in BEL liegt und diese Nebenhöhlen mich in den Wahnsinn treiben, macht es mich etwas unruhig. Nachdem der Schmerz aber wieder nachgelassen hat, reicht es vielleicht, wenn meine Hebamme mal vorbeikommt und draufschaut? Sie müsste doch auch sehen können falls der Muttermund sich schon öffnet? Mein Termin zum Vorgespräch zur Geburt im Krankenhaus ist auch erst in der 36. Schwangerschaftswoche. Sollte ich mich für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden, ist das früh genug? Meine Frauenärztin ist erst ab 2.1. wieder da. Und sollte es zum vorzeitigen Blasensprung kommen: müssten wir dann den RTW holen? Dieses Szenario ist in der 1. Schwangerschaft nämlich leider mit unserem Buddha-Sohn eingetreten und da hatte mir die Frauenärztin gesagt, ich sollte auf keinen Fall laufen wenn es dazu käme und den RTW holen. Also wurde ich komplett liegend transportiert. Was ich aber nicht verstanden habe, war, dass ich im Krankenhaus nachdem ein Ultraschall gemacht wurde, dann zwar nicht mehr nach Hause durfte und stationär aufgenommen wurde, aber wieder laufen durfte. Und ich glaube nicht, dass da noch Fruchtwasser übrig war, solche Massen wie aus mir liefen. Das waren nicht nur Tropfen. Ich möchte Ihnen nicht auf den Nerv gehen und hoffe, Sie haben eine schöne ruhige Zeit zwischen den Jahren. Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus Nürnberg :)
Liebe Frau …, zunächst einmal: Sie gehen mir ganz sicher nicht auf die Nerven. Im Gegenteil – Ihre Nachricht ist sehr klar, reflektiert und zeigt, wie aufmerksam Sie mit sich und Ihrer Schwangerschaft umgehen. Gerade in einer Phase, in der ärztliche Ansprechpartner fehlen, ist es völlig legitim, Orientierung zu suchen. Und ich antworte Ihnen sehr gerne. Es freut mich sehr zu lesen, dass es Ihrem Sohn wieder deutlich besser geht. Kinder haben in dieser Hinsicht tatsächlich eine beeindruckende Regenerationsfähigkeit – und ja: Dass er gerade mehr Schlaf braucht, ist absolut normal und sogar ein gutes Zeichen. Sein Körper holt nach. Und dass Eltern dabei morgens etwas länger Ruhe haben, darf man mit einem kleinen Augenzwinkern auch genießen 😊 1. Zu Ihrem aktuellen Infektzustand (13 Tage nach Influenza) Was Sie beschreiben, passt leider sehr gut zu einem verlängerten postviralen Verlauf, insbesondere nach Influenza: verstopfte Nase sehr häufiges Schnäuzen Druck- oder stechende Kopfschmerzen (Gesicht, Stirn, Hinterkopf wechselnd) ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung schnelle Erschöpfbarkeit nach eigentlich kleinen Belastungen 👉 Das ist nicht ungewöhnlich und kann – wie ich Ihnen bereits schrieb – bis zu 2–3 Wochen, manchmal sogar etwas länger, anhalten. Gelber Schleim = bakterielle Infektion? Kurz und beruhigend: Nein, nicht automatisch. Gelblich-grünes Sekret entsteht häufig durch: abgestorbene Immunzellen, Virusreste, eine verlangsamte Schleimabfuhr in den Nebenhöhlen. Entscheidend für eine bakterielle Sinusitis wären: neu auftretendes oder wieder ansteigendes Fieber zunehmende, einseitige Gesichtsschmerzen deutliche Verschlechterung nach vorheriger Besserung Das beschreiben Sie so nicht. Dass Sie nach dem Spaziergang erschöpft waren und schlafen mussten, ist kein Warnsignal, sondern eher Ausdruck davon, dass Ihr Körper noch klar in der Rekonvaleszenz steckt. 👉 Solange kein Fieber, keine deutliche Verschlechterung und keine starken, einseitigen Schmerzen auftreten, dürfen Sie zuwarten. 2. Medikamente: gut, dass Sie nicht „blind“ nehmen Ihre Zurückhaltung gegenüber: häufigem Nasic-Gebrauch regelmäßigem Paracetamol ist vernünftig, aber Sie müssen auch nicht alles „aushalten“. Ein paar ausgewogene Empfehlungen: Meerwasser-Nasenspray oder -spülung dürfen Sie mehrfach täglich anwenden Inhalationen (z. B. mit Kochsalz) sind sehr sinnvoll Paracetamol bei Bedarf ist in der Schwangerschaft erlaubt – Sie müssen sich nicht quälen (es geht nicht darum, tapfer zu leiden) 3. Angst vor HNO-Besuch und bakterieller Vaginose Diese Sorge kann ich emotional gut verstehen, medizinisch ist sie aber sehr gering zu gewichten: Ein HNO-Besuch allein erhöht nicht das Risiko für eine bakterielle Vaginose. Selbst falls (rein hypothetisch) ein Antibiotikum nötig wäre, gibt es in der Schwangerschaft sehr gut verträgliche Präparate. Eine unbehandelte, schwere bakterielle Infektion wäre langfristig riskanter als eine kontrollierte Therapie. 👉 Aktuell sehe ich keinen zwingenden Grund, jetzt sofort zum HNO zu gehen – aber Sie müssen auch keine Angst davor haben, falls es doch nötig wird. 4. Zu den Schmerzen gestern: Senkwehen oder etwas anderes? Was Sie beschreiben: menstruationsähnliche Schmerzen Ziehen in den Rücken wellenartig Besserung nach einem warmen Bad spricht sehr deutlich für Senkwehen / Übungswehen. Wichtig: In der 34. SSW sind Senkwehen nicht zu früh Sie sind oft unregelmäßig sie verschwinden bei Entspannung, Wärme, Lagewechsel 👉 Echte Geburtswehen: werden stärker, kommen regelmäßig, lassen sich nicht „wegwärmen“ nehmen über Stunden zu. Das war bei Ihnen nicht der Fall. 5. Hebamme ja – Krankenhaus nein (im Moment) Ihre Einschätzung ist sehr gut: Eine Hebamme kann: den Bauch tasten, Wehenaktivität einschätzen, ggf. vaginal untersuchen, Veränderungen am Muttermund erkennen. 👉 Für die aktuelle Situation reicht das völlig aus, sofern: keine regelmäßigen Wehen auftreten, kein Blutabgang besteht, kein Fruchtwasser abgeht. 6. BEL, Kaiserschnitt und Geburtsplanung Ein Vorgespräch in der 36. SSW ist absolut ausreichend Auch die Entscheidung für einen geplanten Kaiserschnitt ist zu diesem Zeitpunkt völlig üblich Die BEL-Lage macht die Situation nicht gefährlicher, sondern planbarer Hier besteht kein Zeitdruck. 7. Ganz wichtig: vorzeitiger Blasensprung – was tun? Ihre Erinnerung aus der ersten Schwangerschaft ist korrekt für diese damalige Situation. Allgemein gilt: Bei starkem, schwallartigem Fruchtwasserabgang, besonders vor Termin: nicht selbst fahren RTW rufen Bei langsamem Tröpfeln: ebenfalls zeitnah abklären lassen Dass Sie im Krankenhaus später wieder laufen durften, ist normal: Die akute Transportphase ist entscheidend Danach wird individuell entschieden 👉 Wenn dieses Szenario erneut eintreten sollte: lieber einmal zu vorsichtig als zu spät. 8. Ein Wort zu Ihnen – jenseits der Medizin Sie sind: körperlich erschöpft, hormonell stark gefordert, emotional angespannt, gleichzeitig Mutter, Schwangere und „Organisatorin“ des Alltags. Dass sich das alles gerade zu viel anfühlt, ist kein Zeichen von Instabilität, sondern von Realität. Sie machen das sehr gut. Und Ihr Körper zeigt trotz allem klare Zeichen, dass er funktioniert. Liebe Grüße nach Nürnberg und bitte melden Sie sich jederzeit, wenn Sie erneut unsicher sind. Ich wünsche Ihnen sehr, dass die kommenden Tage etwas ruhiger werden. Herzlich Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
the.flower
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für die wertvollen Ideen und Informationen. Sie haben etwas sehr beruhigendes, freundliches, verständnisvolles, aufmerksames und gründliches an sich. Das ich sehr lieb :) Leider geht es mir seit gestern Abend überhaupt nicht gut. Ich habe zwar kein Fieber bekommen, aber richtig gespürt, wie die ganzen Krankheitserreger explodiert sind. Mein Kiefer tut so weh, mein Kopf pocht und sticht, beim Bücken, Aufstehen und Schnäuzen sticht es richtig in den Stirnhöhlen, meine Augen sind zugequollen. Ich fühle mich richtig krank. Mein Mann hat sich heute Morgen Sorgen gemacht, in was für einem Zustand ich bin und mich überredet, doch einen HNO-Arzt zu finden, der zwischen den Jahren da ist. Ich habe angerufen durfte auch sofort kommen. Er hat nur einen Blick in die Nase mit seinem Gerät geworfen und sein Ton, mit dem er gesagt hat, dass das total vereitert ist, hat Bände gesprochen (Seine Worte: Ach du meine Güte ist das vereitert und schwanger sind Sie auch noch. Oje). Er war sehr gewissenhaft, finde ich und wollte genau wissen, welches Antibiotikum mir damals die bakterielle Vaginose beschert hat. Das war Cefuroxim. Er hat mir deshalb Amoxicillin 500mg 1-1-1 verordnet und möchte unbedingt, dass ich am Freitag zur Kontrolle komme. Ich habe ihn darum gebeten, mir auch Döderlein gleich aufzuschreiben, weil ich trotzdem wirklich Angst vor einer bakteriellen Vaginose habe. Er kannte sich damit überhaupt nicht aus, hat es mir aber aufgeschrieben. Wie würden Sie diese einnehmen? In der Packung steht einmal täglich. Kann ich auch mehr nehmen? Mit welchem Abstand zum Antibiotikum? Dieses soll ich alle 8 Stunden nehmen. Ich habe auch vaginale pH-Tests zu Hause. Soll ich jeden Tag einen machen? Vielleicht übertreibe ich. Ich habe einfach Panik vor einer bakteriellen Vaginose, weil genau das eben schon einmal direkt nach dem Antibiotikum passiert ist. Ich will keinen vorzeitigen Blasensprung deshalb :( Ist zumindest Amoxicillin fürs Baby wirklich komplett unbedenklich? Meine arme kleine Maus bekommt schon das dritte Antibiotikum. So viele Antibiotika wie in dieser Schwangerschaft habe ich in den ganzen letzten Jahren nicht gebraucht. Ausgerechnet jetzt…. Und noch eine Frage: Wie ansteckend ist denn so eine bakterielle Sinusitis? Wenn ich nach dem Schnäuzen gut die Hände wasche, kann ich das Risiko reduzieren? Ich möchte unseren Sohn und auch meinen Mann natürlich jetzt nicht auch noch das weitergeben. Ist es vielleicht zwei Tage nach Antibiotikabeginn schon weniger ansteckend? Normalerweise schlagen Antibiotika doch schnell an. Meine Hebamme schaut später noch nach mir wegen der Senk- oder Übungswehen. Gestern und heute spüre ich aber nichts mehr. Die kleine Maus ist sehr aktiv und tanzt in meinem Bauch :) Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus Nürnberg :)
Guten Abend, erst einmal: Es tut mir sehr leid, wie schlecht es Ihnen gerade geht. Ihre Beschreibung passt leider sehr typisch zu einer akuten bakteriellen Sinusitis, und ehrlich gesagt: Gut, dass Ihr Mann Sie gedrängt hat zu gehen – und gut, dass der HNO-Arzt so klar reagiert hat. Das war richtig und wichtig, gerade in der Schwangerschaft. Ich gehe Ihre Fragen der Reihe nach durch und versuche, Ihnen Sicherheit statt zusätzlicher Sorgen zu geben. 1. Die Diagnose & das Antibiotikum Akute vereiterte Sinusitis Ihre Symptome (Kieferschmerz, pochender Kopf, stechender Schmerz beim Bücken, geschwollene Augen) sind klassisch für: eine bakterielle Superinfektion der Nebenhöhlen oft als Folge einer Influenza oder eines starken viralen Infekts 👉 Das ist keine Bagatelle, sondern eine klare Behandlungsindikation. 2. Amoxicillin in der Schwangerschaft – ehrlich und klar Kurzfassung: Ja, Amoxicillin ist für Ihr Baby sehr gut untersucht und sicher. Es gehört zu den Penicillinen wird seit Jahrzehnten routinemäßig in der Schwangerschaft eingesetzt kein erhöhtes Fehlbildungs-, Frühgeburts- oder Entwicklungsrisiko auch in höheren Schwangerschaftswochen unproblematisch 👉 Für Ihr Baby ist eine unbehandelte bakterielle Infektion deutlich gefährlicher als dieses Antibiotikum. Dass Ihre „kleine Maus“ jetzt schon mehrere Antibiotika „mitbekommt“, fühlt sich emotional schlimm an – medizinisch ist das kein Schaden, sondern Schutz. 3. Angst vor bakterieller Vaginose – sehr verständlich, aber gut handhabbar Dass Sie nach Cefuroxim eine bakterielle Vaginose hatten, erklärt Ihre Sorge vollkommen. Gut, dass Sie das jetzt aktiv angehen. Döderlein (Laktobazillen): wie sinnvoll anwenden? Einmal täglich vaginal ist völlig ausreichend Mehr bringt keinen zusätzlichen Schutz Bitte nicht überdosieren – das kann eher reizen Zeitpunkt in Kombination mit Antibiotikum Amoxicillin: alle 8 Stunden Döderlein: abends, möglichst 2–3 Stunden nach der letzten Antibiotikagabe dann bleiben sie besser „liegen“ und wirken lokal 👉 Sie können die Döderlein parallel zum Antibiotikum nehmen und gerne noch 5–7 Tage nach Ende der Antibiotikatherapie fortführen. 4. Vaginale pH-Tests – bitte nicht übertreiben Ich sage das ganz liebevoll, aber klar: Tägliches pH-Messen ist nicht nötig und kann Ihre Angst sogar verstärken Empfehlung: 1–2× pro Woche reicht völlig oder nur, wenn: vermehrter Ausfluss unangenehmer Geruch Brennen oder Jucken auftreten 👉 Ein einzelner leicht erhöhter pH-Wert ohne Symptome ist kein Drama. 5. Risiko für vorzeitigen Blasensprung? Ganz wichtig: Eine bakterielle Sinusitis macht keinen vorzeitigen Blasensprung Eine unbehandelte vaginale Infektion wäre ein Risiko – deshalb handeln Sie gerade vorbildlich präventiv Mit: Antibiotikum Döderlein Aufmerksamkeit für Symptome tun Sie alles, was medizinisch sinnvoll ist. 6. Ansteckung: Wie gefährlich sind Sie für Mann & Sohn? Die gute Nachricht: Eine bakterielle Sinusitis selbst ist kaum ansteckend Die ursprünglichen Viren waren ansteckend – die Phase ist meist vorbei Was Sie konkret tun können: Hände waschen nach dem Schnäuzen (machen Sie ja) eigenes Taschentuch, eigenes Handtuch kein Anhusten ins Gesicht (selbstverständlich) 👉 Nach 24–48 Stunden Antibiotikum: sinkt die bakterielle Last deutlich Sie gelten praktisch nicht mehr als ansteckend 7. Wehen & Baby – sehr beruhigend Dass die Senk-/Übungswehen wieder weg sind → sehr gut Wärme hilft → spricht gegen Geburtswehen Die Maus ist aktiv → exzellentes Zeichen Dass Ihre Hebamme heute noch schaut, ist perfekt. 8. Ein ehrliches Wort zum Schluss – nicht als Arzt, sondern menschlich Sie sind: krank, hochschwanger, hormonell sensibel, müde, und tragen viel Verantwortung. Dass Ihr System gerade „Alarm schlägt“, ist kein Zeichen von Übertreibung, sondern von Erschöpfung. Sie machen das außerordentlich gewissenhaft – vielleicht sogar zu streng mit sich selbst. Jetzt dürfen Sie: das Antibiotikum mit gutem Gewissen nehmen sich hinlegen und darauf vertrauen, dass Sie medizinisch auf der richtigen Spur sind Wenn Sie möchten, melden Sie sich gern: nach der Kontrolle am Freitag oder wenn Sie unsicher sind wegen Ausfluss, pH oder Unterbauchgefühl Ich wünsche Ihnen sehr, dass die Schmerzen in den nächsten 24–48 Stunden deutlich nachlassen – das ist unter Amoxicillin der Regelfall. Herzliche Grüße nach Nürnberg und alles Gute für Sie und Ihre kleine Bauchbewohnerin 🌸
the.flower
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich wünsche Ihnen vorab ein gutes neues Jahr mit viel Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und ganz viel Erfolg! :) Ich habe mich sehr über Ihre letzte Nachricht gefreut und dass Sie mir mit viel Verständnis, Mitgefühl und Gründlichkeit weiterhelfen. Morgen habe ich sowohl Kontrolle beim HNO-Arzt als auch bei der Frauenärztin. Dazu hätte ich vorab eine Frage an Sie. Das Amoxicillin hat 2 Tage gebraucht, bis ich überhaupt eine erste Wirkung spüren konnte. Nach einem ausgefallenen Weihnachten haben wir die Silvesterparty auch abgesagt, weil mir einfach die Energie gefehlt hätte. Aber nach zwei Tagen lief der Eiter endlich nicht mehr dauernd von selbst aus der Nase, die Kopfschmerzen wurden erträglich und ich spürte, wie es sich anfühlt, ein kleines bisschen durch die Nase atmen zu können. Jetzt 3 Tage nach Antibiotikabeginn habe ich das Gefühl, es wirkt. Die Nase ist noch immer nicht komplett frei, meine Stimme ist noch immer nasal und bei der Nasendusche kommen noch immer gelbe eitrige Stücke, aber es wird mit jeder Amoxicillin-Tablette besser und ich funktioniere wieder einigermaßen und liege nicht den ganzen Tag im Bett rum. Ich hoffe, der HNO-Arzt ist morgen mit dem Fortschritt auch zufrieden. Ich habe mir Ihren Rat zu vaginalem ph-Wert und Döderlein zu Herzen genommen und es nicht übertrieben, also 1 Döderlein am Abend vor dem Schlafen eingeführt und bisher hatte ich den ph-Wert gar nicht gemessen. Heute Morgen hatte ich aber das erste Mal das Gefühl, es brennt ganz leicht in der Scheide. Es ist wirklich nicht gravierend, aber nach meiner letzten Erfahrung nach dem Cefuroxim fing es auch genauso an und steigerte sich dann bis 2 Tage nach dem letzten Antibiotikum immer mehr und dann hatte die Frauenärztin auch schon eine bakterielle Vaginose festgestellt. Also habe ich heute Mittag mal den pH-Wert gemessen und wenn ich die Farben richtig lese, geht das schon eher ins grünliche, definitiv ist es nicht hellgelb wie es normalerweise wäre. Ich lese es als 4,7 oder max. 5,0. Ich muss das Amoxicillin noch weitere 3 Tage nehmen, habe also gerade einmal die Hälfte genommen. Nun habe ich morgen sowieso Routine-Termin bei der Frauenärztin zur Schwangerenvorsorge in der 34. Schwangerschaftswoche (Ultraschall, CTG usw.) und werde sie dann auch darauf ansprechen. Was würden Sie jetzt an meiner Stelle oder der Stelle meiner Frauenärztin machen? Weiter beobachten? Das Ende vom Amoxicillin abwarten? Abstrich? Mikroskop? Wahrscheinlich kann ich momentan nicht viel tun um gegen zu steuern? Ich befürchte, das Antibiotikum tötet die Döderlein-Bakterien, die ich zuführe, direkt wieder ab? Ich möchte den einen ph-Wert jetzt gar nicht überbewerten, vielleicht spielt es sich ja auch wieder von selbst ein. Nach der letzten bakteriellen Vaginose spüre ich jetzt im Nachhinein nur sensibler, dass es genauso angefangen hat, nur mit einem leichten Brennen. Meine Darmflora leidet auch. Ich leide normalerweise die Schwangerschaft über eher an Verstopfung, aber gerade ist es eher wieder Durchfall. Ich scheine toll auf Antibiotika zu reagieren, aber leider tötet es bei mir anscheinend besonders gut alles ab, auch die guten Bakterien sämtlicher Floren… Ich schreibe Ihnen morgen mal nach den Kontrollterminen, wenn das in Ordnung geht. Ich freue mich auf Ihre Nachricht. Liebe Grüße aus Nürnberg :)
Liebe Patientin, vielen Dank für Ihre ausführliche, sehr reflektierte Nachricht – und auch Ihnen ein gutes neues Jahr mit möglichst viel Ruhe, Stabilität und Gesundheit 🌱 Man spürt sehr deutlich, wie aufmerksam Sie Ihren Körper beobachten, gerade auch vor dem Hintergrund Ihrer letzten Erfahrungen. Zunächst zu den guten Nachrichten: Der klinische Verlauf Ihrer Sinusitis unter Amoxicillin klingt insgesamt so, wie wir es uns wünschen. Dass es 2–3 Tage dauert, bis eine spürbare Wirkung eintritt, ist völlig typisch. Dass sich der Eiterfluss reduziert, die Kopfschmerzen nachlassen und die Nasenatmung langsam besser wird, spricht klar für ein Ansprechen auf das Antibiotikum. Dass nach drei Tagen noch Sekret kommt und die Stimme nasal ist, ist kein Zeichen des Versagens – die Schleimhäute brauchen oft deutlich länger zur Regeneration. Ich gehe daher auch davon aus, dass Ihr HNO-Arzt mit diesem Verlauf zufrieden sein wird. Zur vaginalen Situation (der sensibelste Punkt) Sie beschreiben das klassische Frühwarnsignal, das viele Frauen nach einer bereits erlebten bakteriellen Vaginose sehr gut kennen: leichtes Brennen, noch keine starken Symptome, ein pH-Wert, der leicht aus dem sauren Bereich driftet. Ein pH von 4,7–5,0 ist: noch keine manifeste bakterielle Vaginose, aber eine beginnende Verschiebung der Vaginalflora durchaus plausibel. Und ja: Ihre Einschätzung ist richtig – systemische Antibiotika wie Amoxicillin reduzieren leider auch die Döderlein-Flora, selbst wenn man sie lokal zuführt. Das heißt nicht, dass die Zäpfchen sinnlos sind, aber sie können während der Einnahme nur begrenzt gegensteuern. Was ich an Ihrer Stelle / an Stelle Ihrer Frauenärztin tun würde Sehr strukturiert und ohne Übertherapie: 1. Morgen unbedingt ansprechen (das ist genau richtig). In der 34. SSW ist man zu Recht aufmerksam. 2. Gynäkologische Untersuchung mit: pH-Messung in der Praxis Abstrich + Mikroskop (Nativpräparat) → das ist schnell, schmerzlos und gibt sofort Klarheit: Döderlein vorhanden? Clue Cells? vermehrte Kokken? Hinweise auf Pilz? 3. Wenn im Mikroskop unauffällig oder nur leicht verschoben: 👉 Beobachten, Amoxicillin regulär zu Ende nehmen, 👉 Döderlein weiter 1× täglich abends, 👉 keine zusätzliche Säuretherapie im Moment (das könnte eher reizen). 4. Nur wenn tatsächlich eine bakterielle Vaginose diagnostiziert wird: Dann – und nur dann – gezielt behandeln (schwangerschaftsgerecht). Ein „prophylaktisches“ Gegenantibiotikum würde ich nicht empfehlen. Ganz wichtig: Sie machen nichts falsch Ein einzelner pH-Wert ist keine Diagnose Ihr Körper ist gerade durch Infekt + Antibiotikum + fortgeschrittene Schwangerschaft maximal gefordert Dass Darmflora und Vaginalflora gleichzeitig reagieren, ist sehr typisch Der Durchfall passt gut zur antibiotischen Wirkung auf die Darmflora – auch hier gilt: unangenehm, aber meist vorübergehend. Falls Ihre Frauenärztin es sinnvoll findet, kann man später (nach Antibiotikaende) auch über ein orales Probiotikum sprechen – jetzt während der Therapie bringt das oft wenig. Mein Fazit für Sie Bitte nichts überstürzen Amoxicillin zu Ende nehmen Morgen abklären, nicht spekulieren Sehr wahrscheinlich ist das eine reversible, milde Dysbiose, keine „erneute große Baustelle“ Ich finde es sehr gut, wie umsichtig Sie handeln – nicht ignorierend, aber auch nicht panisch. Schreiben Sie mir sehr gerne nach den Terminen morgen, das ist völlig in Ordnung. Herzliche Grüße nach Nürnberg Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
the.flower
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für die schnelle Antwort und die hilfreichen Infos vorab zu meinen Arztbesuchen. So konnte ich konkret nachfragen :) Der HNO-Arzt war mit dem Fortschritt meiner Nase und Nebenhöhlen zufrieden. Man sieht, dass Amoxicillin anschlägt. Allerdings sitzt ganz oben in der Nase noch immer Eiter und die Schleimhäute sind noch sehr angeschwollen. Ich soll deshalb das Antibiotikum auf jeden Fall noch weiter nehmen, weiter Nasendusche und Salzwassernasenspray und ein Nasenspray mit Kortison (Budes Nasenspray 50 Mikrogramm/Sprühstoß) (morgens und abends je 1 Spritzer pro Nasenloch) nehmen, damit die Schleimhäute abschwellen und der Eiter besser abfließen kann und in 1 Woche noch einmal zur Kontrolle kommen. Dann sollten Eiter und Entzündung ganz weg sein. Etwas gestört hat mich daran, dass er selbst sagte, dass Kortison Wehen auslösen kann. Im nächsten Satz kam dann, dass das aber in dieser Dosis nichts machen dürfte, denn es wäre ja schön, wenn es so einfach wäre, Wehen zu provozieren. Ein Baby, das nicht bereit ist, wird davon auch nicht zur Welt kommen. So drückte er es aus. Als ich das Spray in der Apotheke abholte, war die Apothekerin etwas irritiert und sagte, dass im Beipackzettel steht, es sei in der Schwangerschaft nicht erlaubt. Ich sollte lieber mal noch mit meiner Frauenärztin Rücksprache halten. Das habe ich dann auch gemacht als ich sowieso zur Schwangerenvorsorge dort war. Sie sagte, ich kann das Spray nehmen. Das CTG wurde allerdings erst nach dem Ultraschall gemacht und innerhalb der ca. 15 (20?) Minuten hat es zwei Wehen aufgezeichnet, die die Ärztin auch im Mutterpass notiert hat und gesagt hat, ich soll langsam machen und ruhig ein bisschen mehr Magnesium weiter nehmen. Eine der beiden Wehen habe ich auch etwas gespürt. Ansonsten war das CTG aber o.B. Im Nachhinein frage ich mich jetzt, ob ich dann wirklich ein Kortison-Nasenspray nehmen sollte? Oder kann das eigentlich wirklich nichts auslösen? Und ist es normal, dass das CTG in der 34. (fast 35.) Schwangerschaftswoche schon etwas Wehen aufzeichnet oder nicht so gut? Der Muttermund ist aber geschlossen und sonst war auch beim Baby nichts auffällig. Die kleine Maus ist bei ca. 2400g und 47cm. Laut der Ärztin geht es ihr gut. Sie hat zum Glück gut zugenommen obwohl ich in den letzten zwei Wochen 1 kg abgenommen habe, weil ich durch Influenza und diese Bakterien überhaupt keinen Appetit hatte. Die für mich beste Nachricht ist, dass sie sich doch noch gedreht hat und nicht mehr in Beckenendlage, sondern in Schädellage liegt! Jaaaa!!! :) Über Influenza, die eitrige Nebenhöhlenentzündung, das Antibiotikum und die von mir dadurch vermutete leichte Dysbalance der Vaginalflora habe ich ihr berichtet. Sie hat daraufhin genau geschaut. Der pH-Wert war auch bei mir etwa 4,7. Ich scheine ihn gestern also richtig selbst bestimmt zu haben. Unter dem Mikroskop waren nur wenige Milchsäurebakterien zu sehen, aber keine Entzündungszellen. Sie meinte, es sieht nach einer leichten Dysbalance aus, aber noch kein Pilz oder Bakterien. Ich soll Döderlein weiter nehmen und sie hat mir für anschließend ans Antibiotikum noch Gynoflor verschrieben. Sollte ich merken, dass es mehr kippt, soll ich früher wieder kommen, sonst in zwei Wochen. Abstrich hat sie aber keinen gemacht. Klingt das sinnvoll? Ansonsten war alles o.B. (Urin usw.). Ein kleines Blutbild hat sie noch machen lassen nachdem ich den halben Dezember krank war und den Ringelrötelntiter. Unser Sohn hatte nämlich Anfang Dezember einen Ausschlag im Gesicht. Wir waren damals beim Kinderarzt und ich glaube leider, dass da eine Fehldiagnose gestellt wurde. Er hatte nämlich eine einzige Aphte im Mund, sonst nichts. Da im Kindergarten gerade Hand-Fuß-Mund rumging, diagnostizierte sie das bei ihm. Er hat danach aber keine weiteren Bläschen, kein Fieber und gar nichts bekommen. Er war absolut fit und hat sogar besonders gut gegessen, vermutlich holte er da gerade von seinem Magen-Darm-Virus auf, den er vorher hatte. Das fand ich merkwürdig für ein angebliches Hand-Fuß-Mund und fragte mich dann eher, ob es auch Ringelröteln sein könnten. Das wäre nicht so gut, weil ich dagegen keine Immunität habe. Aber vielleicht war es auch einfach ein Ausschlag von etwas ganz anderem. Darf ich mich melden, falls beim Blutbild irgendwas auffällig ist oder ich das Gefühl habe, die Vaginalflora kippt noch mehr? Haben Sie sonst noch etwas anzumerken? :) Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus dem verschneiten Nürnberg :) Unser Sohn war heute so glücklich, dass Papa mit ihm Schlittenfahren gehen konnte :)
Guten Tag, vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr reflektierte Rückmeldung – man spürt, wie aufmerksam Sie Ihren Körper und Ihre Schwangerschaft begleiten. Ich gehe die Punkte gern mit Ihnen durch. 1. Kortison-Nasenspray (Budesonid) in der Schwangerschaft Ihre Verunsicherung ist absolut nachvollziehbar, vor allem durch die unterschiedlichen Aussagen von HNO-Arzt, Apotheke und Gynäkologin. Die gute Nachricht zuerst: Ein lokal angewendetes Kortison-Nasenspray mit Budesonid in niedriger Dosierung gilt in der Schwangerschaft – auch im 3. Trimenon – als gut untersucht und sicher. Warum das so ist: Budesonid wirkt lokal in der Nasenschleimhaut die systemische Aufnahme ist minimal die tatsächlich im Blut ankommende Kortisonmenge ist um ein Vielfaches niedriger als bei Tabletten oder Infusionen Budesonid ist sogar das am besten untersuchte inhalative Kortison in der Schwangerschaft Der Satz des HNO-Arztes war medizinisch etwas unglücklich formuliert, inhaltlich aber korrekt: 👉 Mit dieser Dosierung lassen sich keine relevanten Wehen provozieren. Wenn Kortison in dieser Form zuverlässig Wehen auslösen würde, hätten wir ein sehr einfaches geburtshilfliches Instrument – haben wir aber nicht. Mein klares Fazit: ✔️ Das Spray dürfen und sollten Sie nehmen, damit: die Schleimhäute abschwellen der Eiter abfließen kann die Entzündung vollständig ausheilt → denn eine persistierende eitrige Sinusitis ist für Sie und indirekt auch fürs Baby belastender als das Spray. 2. CTG mit zwei Wehen in der 34.–35. SSW – ist das normal? Ja – das ist absolut im Rahmen. In dieser Schwangerschaftswoche sind: Übungswehen (Braxton-Hicks) gelegentliche, unregelmäßige Kontraktionen CTG-Ausschläge ohne Zervixveränderung 👉 völlig normal, vor allem: nach Infekten bei Erschöpfung bei Dehydratation bei Magnesiumbedarf Wichtige Entwarnungszeichen bei Ihnen: Muttermund geschlossen CTG sonst unauffällig Sie haben nur eine der beiden Wehen gespürt kein regelmäßiges Muster Die Empfehlung: etwas Tempo rausnehmen Magnesium weiter einnehmen ist genau richtig – nicht mehr, nicht weniger. 3. Gewicht, Wachstum & Lage des Babys Das ist wirklich eine sehr schöne Nachricht: ca. 2400 g und 47 cm → exzellentes Wachstum Gewichtszunahme des Babys trotz Ihrer Erkrankung Schädellage! 🎉 → das ist in dieser Phase wirklich Gold wert Dass Sie selbst etwas Gewicht verloren haben, ist nach Influenza + bakterieller Infektion nicht ungewöhnlich und kein Problem, solange: das Baby gut wächst (tut es!) Sie jetzt langsam wieder Appetit entwickeln 4. Vaginalflora, pH-Wert & Vorgehen Das Vorgehen Ihrer Frauenärztin ist sehr differenziert und sinnvoll. Ihre Befunde sprechen für: leichte Dysbalance keine Entzündung keinen Pilz keine bakterielle Vaginosen-Typik Der pH von ~4,7 ist: leicht erhöht aber noch nicht pathologisch Die Strategie: Döderlein weiter Gynoflor im Anschluss ans Antibiotikum kein sofortiger Abstrich engmaschige Selbstbeobachtung 👉 Das ist absolut leitliniengerecht. Ein Abstrich ohne Symptome und ohne Entzündungszellen hätte aktuell keinen Zusatznutzen. Sehr gut, dass Sie sensibel auf Veränderungen achten – genau so soll es sein. 5. Ringelröteln-Sorge Ihre Überlegungen sind medizinisch sehr klug, aber: der Verlauf Ihres Sohnes passt nicht typisch zu Ringelröteln keine klassische Ausbreitung kein Krankheitsgefühl keine typische zeitliche Dynamik Dass Ihre Ärztin den Parvovirus-B19-Titer bestimmt hat, ist trotzdem absolut richtig – das bringt jetzt Klarheit und Sicherheit. 6. Darf ich mich melden, wenn …? Ganz klar: Ja, unbedingt. Bitte melden Sie sich: bei auffälligem Blutbild bei Veränderung von Ausfluss, Jucken, Brennen bei Unsicherheit oder Bauchgefühl oder einfach, wenn Sie eine Einordnung brauchen Sie machen das sehr umsichtig – und genau so soll gute Schwangerschaftsbegleitung aussehen. Mein Gesamteindruck Medizinisch gesehen: sehr gute Betreuung sinnvolle Entscheidungen keine roten Flaggen ein Baby, dem es offensichtlich gut geht Und menschlich: Sie haben enorm viel weggesteckt in den letzten Wochen Infekte, Sorgen, Schlafmangel und trotzdem so aufmerksam reagiert Dass Ihr Sohn heute glücklich Schlitten gefahren ist, ist fast sinnbildlich dafür, dass sich gerade vieles wieder sortiert❄️🛷 Herzliche Grüße aus Ulm ins verschneite Nürnberg und weiterhin gute Besserung 🌷
the.flower
Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für Ihre so freundliche, ausführliche und hilfreiche Antwort. Sie sind mir wirklich eine große Hilfe und ich schätze es sehr, dass Sie selbst an Feiertagen Fragen beantworten. Sie sind wirklich tip top! :) Und das meine ich ganz ehrlich! Ihre Antwort zum Budes Nasenspray hat mich sehr beruhigt und ich nehme es jetzt guten Gewissens wie verordnet. Meine Nase und Nebenhöhlen werden jeden Tag besser. Das Antibiotikum habe ich gestern zu Ende genommen und erhole mich jetzt langsam von Influenza und eitriger Nebenhöhlenentzündung. In der Hoffnung dass uns der Kindergarten ab morgen nicht gleich wieder den nächsten Infekt bringt… seit Dezember geht das fast pausenlos so. Wir haben jetzt deshalb überlegt, ob wir unseren Sohn zwei Wochen vor und zwei Wochen nach ET zu Hause lassen. So schade es für ihn ist, aber ich kann nicht in dem Zustand, in dem ich die letzten zwei Wochen war, entbinden und ich möchte auch kein Neugeborenes mit einem dieser heftigen Infekte… Ich würde Sie gerne etwas fragen, weil es mir vom Bauch her heute nicht gut geht. Die letzten Tage spüre ich immer wieder unregelmäßig leichte Wehen (35. Schwangerschaftswoche). Es zieht wie zur Periode, aushaltbar, aber unangenehm. Aber nicht dramatisch. Seit heute Morgen habe ich dauernd Bauchschmerzen, die gefühlt aber eher vom Darm kommen. Ich hatte auch Durchfall, aber der Bauch tut immer wieder weh. Ich habe mich sogar eine ganze Zeit lang hingelegt, weil es krampfartig ist und habe auch noch nichts gegessen heute. Im Liegen in Ruhe wurde es dann langsam etwas besser, aber es ist nicht weg. Ich frage mich, ob auch das von der zerstörten Darmflora kommt? Ich hatte vom HNO-Arzt aber zum Antibiotikum Mutaflor verschrieben bekommen. Sollte ich es mal mit OmniBiotic Panda probieren, das ja extra für Schwangere ist? Auch schon alleine, weil eine gute Darmflora ja auch während der Geburt fürs Baby gut ist? Ich hoffe, das sind keine Vorboten, dass es schon bald losgeht. Soweit ich gehört habe, kann so etwas auch Vorbote zur Geburt sein? Normalerweise legen sich Bauchschmerzen nach dem Durchfall ja schnell komplett, aber jetzt fühlt es sich eher so an, als würden sie so lange weiter gehen bis mein Darm komplett geleert ist. Die kleine Bauchbewohnerin spüre ich sehr aktiv wie immer :) Die Vaginalflora ist übrigens momentan zumindest stabil. Leichte Dysbalance, aber ich habe noch nicht das Gefühl, dass es schlechter geworden ist. Gestern habe ich nach drei Tagen pH-Wert gemessen und er ist weiterhin bei 4,7 und es brennt leicht. Ich habe sehr viel Ausfluss (ohne Slipeinlage geht nichts) und er wird auch immer mehr, er riecht aber normal. Ich denke, die Menge kommt eher von der fortgeschrittenen Schwangerschaft? Ich führe jetzt im Wechsel einen Tag abends Döderlein und einen Tag abends Gynoflor ein. Ist das sinnvoll? Haben Sie noch etwas anderes anzumerken? Das Ergebnis vom kleinen Blutbild von der Frauenärztin habe ich noch nicht (ich denke morgen). Ich freue mich wieder sehr auf Ihren Rat! Dankeschön, dass Sie mir in diesen etwas steinigen letzten Wochen der Schwangerschaft so viel guten Rat geben :) Da fühle ich mich nicht so allein gelassen :) Aber hoffentlich nerve ich Sie nicht... Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm :)
Liebe Patientin, vielen Dank für Ihre warmen Worte – sie haben mich ehrlich berührt. Und nein: Sie nerven ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Gerade in solchen Phasen soll man fragen dürfen. 🌿 1. Bauchschmerzen, Durchfall, „Darmziehen“ in der 35. SSW Das, was Sie beschreiben, passt sehr gut zu einer Darmreaktion – und weniger zu echten geburtswirksamen Wehen. Warum der Darm gerade jetzt so reagiert: Antibiotikum beendet → Darmflora ist aktuell instabil Influenza + Infektbelastung → Stress für vegetatives Nervensystem Spätschwangerschaft → Darm ist mechanisch verdrängt und reagiert empfindlicher Progesteron + Infekt → veränderte Darmmotilität 👉 Typisch für Darmkrämpfe: krampfartig wellenförmig Besserung in Ruhe/Liegen Durchfall oder „Entleerungsgefühl“ Ziehen wie bei der Periode (das täuscht häufig Wehen vor) Dass es nicht sofort komplett weg ist, sondern „so lange zieht, bis der Darm leer ist“, spricht sehr für den Darm. 2. Sind das Vorboten der Geburt? Kurz und ehrlich: 👉 Nein, das klingt nicht nach Geburtsbeginn. Gegen Geburtsbeginn spricht: keine regelmäßigen, zunehmenden Kontraktionen keine klare Rhythmik Besserung in Ruhe Darmbeschwerden im Vordergrund Kind ist sehr aktiv (sehr gutes Zeichen!) Was Sie spüren, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit: Übungswehen / Senkwehen (in der 35. SSW völlig normal) ein gereizter Darm, der diese Schmerzen „überlagert“ Echte Geburtswehen werden regelmäßig, stärker, länger – und hören durch Hinlegen nicht auf. 3. Darmflora: Mutaflor vs. OmniBiotic Panda Sehr gute und kluge Frage 👍 Mutaflor enthält E. coli Nissle medizinisch wirksam gut nach Antibiotika kann aber anfänglich Blähungen / Bauchkrämpfe machen OmniBiotic Panda speziell für Schwangere & Stillzeit sanfter mehrere Lactobacillus- und Bifidostämme oft besser verträglich, wenn der Darm gerade „nervös“ ist 👉 Mein Vorschlag für Sie jetzt: Sie dürfen problemlos auf OmniBiotic Panda wechseln oder: Mutaflor pausieren Panda 1× täglich (am besten nüchtern oder abends) Beides ist absolut vertretbar – hören Sie auf Ihr Bauchgefühl (im wörtlichen Sinn). Und ja: ✔️ Eine stabile Darmflora unterstützt das kindliche Mikrobiom bei der Geburt ✔️ Gerade nach Infekten sinnvoll 4. Vaginalflora, Ausfluss, pH-Wert Was Sie schildern, klingt beruhigend. pH 4,7 → im Normbereich kein unangenehmer Geruch Brennen nur leicht sehr viel Ausfluss → in der späten Schwangerschaft absolut typisch Der zunehmende Ausfluss kommt durch: stärkere Durchblutung hormonelle Schleimhautaktivität vermehrte Drüsentätigkeit Döderlein + Gynoflor im Wechsel 👉 Ja, das ist sinnvoll. Döderlein: Stabilisierung Gynoflor: zusätzliches Estriol + Lactobazillen Solange: kein starkes Brennen kein Juckreiz kein unangenehmer Geruch … ist dieses Vorgehen sehr gut gewählt. 5. Kindergartenpause für Ihren Sohn Ich finde Ihre Überlegung sehr nachvollziehbar und verantwortungsvoll. Zwei Wochen vor und nach ET: reduziert Infektstress massiv schont Sie, die Geburt und das Wochenbett schützt das Neugeborene in einer extrem vulnerablen Phase Für ein Kleinkind ist das emotional gut auffangbar – für eine erschöpfte Mutter und ein Neugeborenes kann es entscheidend sein. 👉 Das ist keine Übervorsicht, sondern Fürsorge. 6. Was Sie jetzt konkret tun können Heute / nächste Tage: viel trinken (kleine Schlucke) leichte Kost (Banane, Reis, Zwieback, Suppe) Wärme auf den Bauch Ruhe ohne schlechtes Gewissen Probiotikum (gerne OmniBiotic Panda) Wann Sie bitte ärztlich kontrollieren lassen sollten: wenn Schmerzen zunehmend und regelmäßig werden wenn Wehen nicht im Liegen nachlassen bei Fieber bei vaginaler Blutung bei deutlich verminderten Kindsbewegungen Aktuell sehe ich keinen Alarm, sondern einen Körper, der sich nach Infekt und Antibiotikum wieder sortiert. Liebe Patientin, Sie machen das sehr umsichtig, sehr reflektiert und mit viel Körpergefühl. Dass diese letzten Schwangerschaftswochen „steinig“ sind, ist leider oft so – aber Sie sind nicht allein damit. Herzliche Grüße aus Ulm nach Nürnberg 🌷 Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
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