Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

PCO, kein Windpockenschutz

Frage: PCO, kein Windpockenschutz

the.flower

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Guten Morgen Herr Dr. Gagsteiger, ich finde es richtig toll, dass man hier im Forum Fragen stellen kann. Zu meiner Person: 34 Jahre, schlank, leichtes PCO ohne Insulinresistenz, 1 Kind (Geburt Notkaiserschnitt 2021), aktuell unerfüllter Kinderwunsch seit 1 Jahr, Spermiogramm super. Meine Zyklen: verlängert (zwischen 33 und 38 Tagen), meist aber dennoch mit positivem LH-Test und Temperaturanstieg, Schmierblutungen 3-6 Tage vor Periodenbeginn. Deshalb soll ab dem nächsten Zyklus mit Letrozol stimuliert werden. Der aktuelle Zyklus ist aber gerade richtig gut: positiver LH-Test an Tag 13 und im Ultraschall wurde ein dominanter Follikel an Tag 12 gesehen (18 mm mit guter Gebärmutterschleimhaut von 10 mm). Einzig die Periode war 8 Tage lang und sehr stark und schmerzhaft. Die Temperatur ist in der 2. Zyklushälfte auch deutlich gestiegen, allerdings erst 5 Tage nach positivem LH-Test. Ist es normal, dass der Temperaturanstieg so lange dauert? Oder ist es ein Zeichen, dass der Eisprung erst deutlich nach dem positivem LH-Test stattgefunden hat oder dass das Progesteron nicht gut genug steigt? Wir haben diesen Zyklus von Tag 10 bis Tag 15 jeden Tag genutzt, sodass eine Schwangerschaft natürlich auch möglich ist. Könnte man diese im Blut schon an Tag 21 nachweisen? Oder ist das zu früh? Ich frage, weil ich an Tag 21 zur Kontrolle von Progesteron sowieso zur Blutentnahme gehen muss. Zweite Frage: Im Kinderwunschzentrum wurde uns viel Mut gemacht, dass es im Laufe des Jahres bestimmt mit einer Schwangerschaft klappen würde. Ich mache mir deshalb bereits Gedanken, wie/wann ich eine Schwangerschaft meinem Arbeitsgeber kommunizieren würde. Ich bin Lehrerin, habe also sehr viele Kontakte mit Kindern/Jugendlichen. Auch wenn er stressig ist, mache ich meinen Beruf mit Leidenschaft, weshalb ich ihn eigentlich gerne so lange wie möglich ausüben möchte. Mein Mann ist hier anderer Meinung, da ich keinen ausreichenden Windpockenschutz habe. Als Kind hatte ich nie Windpocken, bin jedoch dagegen geimpft, meine Hausärztin hat durch einen Bluttest aber herausgefunden, dass ich leider zu den seltenen Non-Respondern gehöre und nicht ausreichend Antikörper gebildet habe. Auch eine weitere Impfung würde daran nichts ändern. Mein restlicher Impfstatus ist aber komplett. Ich bin nicht ängstlich und habe immer das Gefühl, unser Kind bringt aus der Kita mehr Keime mit, als ich aus der Schule, möchte aber natürlich einem Baby auch nicht schaden. Wie würden Sie hier über ein individuelles Beschäftigungsverbot denken? Ich bedanke mich für Ihre Zeit und wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag Bitte beachten sie, dass ich Ihnen an dieser Stelle nur allgemeine Informationen geben und keine individuelle Beratung im Sinne einer behandelnden Ärztin/eines behandelnden Arztes ersetzen kann. Dennoch möchte ich gerne auf Ihre Fragen eingehen. 1. Zyklusgeschehen und Temperaturanstieg Zeitpunkt des Eisprungs und verzögerter Temperaturanstieg: Ein positiver LH-Test zeigt in der Regel an, dass der LH-Anstieg (LH-Surge) beginnt. Die Ovulation selbst erfolgt meist 24–36 Stunden nach Beginn dieses LH-Anstiegs. Der Anstieg der Basaltemperatur setzt häufig 1–3 Tage nach dem Eisprung ein. Wenn Sie an Zyklustag 13 einen positiven LH-Test hatten, kann der Eisprung also durchaus erst an Zyklustag 14 oder 15 stattgefunden haben, sodass die Basaltemperatur dann auch erst einige Tage später deutlich nach oben geht. - Dass Ihre Temperatur erst 5 Tage nach dem positiven LH-Test gestiegen ist, kann mehrere Gründe haben (Zeitpunkt der Messung, individuelle Schwankungen, Genauigkeit des LH-Tests, verspäteter Eisprung usw.). Das ist nicht zwingend ein Hinweis auf eine „schlechte“ Progesteronproduktion, solange Sie insgesamt einen klar erkennbaren Temperaturanstieg haben. Progesteronbestimmung in der zweiten Zyklushälfte (Tag 21): Oft wird ein “Progesterontest an Tag 21” durchgeführt, um die Lutealphase einzuschätzen, jedoch bezieht sich „Tag 21“ klassisch auf einen 28-Tage-Zyklus mit Eisprung an Tag 14. Wenn Sie eher einen Eisprung um Tag 14/15 haben, passt das terminlich noch einigermaßen. Bei Spätovulation (z.B. Tag 18–20) sollte man die Blutentnahme individuell anpassen (ca. 7 Tage nach Eisprung). Früher Nachweis einer Schwangerschaft im Blut: Ein quantitativer Bluttest (β-hCG) kann eine Schwangerschaft  ab 14 Tagen nach dem Eisprung sicher anzeigen, manchmal auch schon etwas früher. Der „Zyklustag 21“ reicht dazu nicht aus. Hier wird nur Verunsicherung entstehen. - Beispiel: War der Eisprung an Tag 14, wäre Tag 21 bereits 7 Tage danach („ES+7“). - Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ohnehin Progesteron bestimmen möchte, ist das am 21. ZT sinnvoll. 2. Beschäftigungsverbot und Windpocken-Immunität Ihre berufliche Situation (Lehrerin) und fehlender ausreichender Windpockenschutz: In Deutschland sind im Rahmen des Mutterschutzes bestimmte Regelungen vorgesehen, um Mutter und Kind zu schützen. Bei fehlendem Immunschutz gegen bestimmte Infektionskrankheiten und engem Kontakt zu potenziell ansteckenden Kindern kann ein ärztliches Beschäftigungsverbot in Betracht gezogen werden. Windpocken und Schwangerschaft: Varizellen (Windpocken) können in der Schwangerschaft – vor allem bei Infektion im ersten und zweiten Trimester – zu Komplikationen führen (z.B. konnatales Varizellensyndrom). - Da Sie als Non-Responder gegen Varizellen gelten, ist es bei bekannter Exposition (z.B. wenn in einer Ihrer Klassen Windpocken auftreten) wichtig, schnellstmöglich das weitere Vorgehen mit Ihrer Ärztin bzw. dem Gesundheitsamt zu besprechen. Unter Umständen kommt eine passive Immunisierung (Varizellen-Immunglobuline) in Betracht, die möglichst früh gegeben wird (innerhalb von 96 Stunden nach Exposition). Abwägung im Alltag: - Ein generelles Beschäftigungsverbot ab dem Tag der Schwangerschaft ist bei fehlender Windpocken-Immunität nicht automatisch Standard. Häufig wird zunächst eine individuelle Gefährdungsbeurteilung vorgenommen: Gibt es aktuell Fälle von Windpocken an Ihrer Schule? Wie eng und häufig ist der Kontakt zu erkrankten (oder potenziell erkrankten) Kindern? - Wenn keine Fälle auftreten, ist das Infektionsrisiko theoretisch sehr niedrig; manche Einrichtungen haben auch eine Meldepflicht bzw. informieren, sobald Windpocken in einer Klasse auftreten. In solchen Fällen wäre dann ein vorübergehendes Fernbleiben vom Unterricht denkbar, bis keine Gefahr mehr besteht. Kommunikation mit dem Arbeitgeber: Ob und wann Sie Ihrem Arbeitgeber die Schwangerschaft mitteilen, ist natürlich Ihre persönliche Entscheidung. Bei einem erhöhten Infektionsrisiko kann es jedoch sinnvoll sein, den Arbeitgeber früh zu informieren, damit eventuelle Schutzmaßnahmen (z.B. Versetzung in andere Klassenstufen ohne akute Fälle, organisatorische Umstellung, etc.) oder ein (vorübergehendes) Beschäftigungsverbot ermöglicht werden können. Persönliche Einstellung vs. ärztliche Empfehlung: Da Sie schreiben, Sie seien selbst nicht besonders ängstlich, möchten aber auch kein unnötiges Risiko eingehen, lohnt es sich, gemeinsam mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt und ggf. dem Betriebsarzt oder Gesundheitsamt zu planen: - Gibt es derzeit Infektionsfälle? - Wie schnell kann reagiert werden, wenn Fälle gemeldet werden? - Gibt es gegebenenfalls die Möglichkeit, in andere Aufgabenbereiche oder in den Distanzunterricht zu wechseln (falls wieder im Einzelfall notwendig)? In der Praxis liegt die Entscheidung über ein individuelles Beschäftigungsverbot oft bei der betreuenden Gynäkologin bzw. dem Gynäkologen in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt oder Betriebsarzt und basierend auf der konkreten Gefährdungsbeurteilung. Fazit Verzögerter Temperaturanstieg: Häufig kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, dass insgesamt ein Ovulationszeichen (LH-Anstieg, Follikelgröße, Progesteronwerte, Temperaturanstieg) feststellbar ist. hCG-Nachweis am Tag 21: Ist nicht sinnvoll. Windpocken-Risiko und Beschäftigungsverbot: Kein allgemeines automatisches Beschäftigungsverbot. Vielmehr eine individuelle Einschätzung unter Berücksichtigung aktueller Infektionslage an Ihrer Schule. Sprechen Sie diesen Punkt ruhig bereits früh in der Schwangerschaft mit Ihrem/r Gynäkologen/-in und eventuell Ihrem Arbeitgeber an, um rechtzeitig Schutzmaßnahmen einleiten zu können. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute für Ihren Kinderwunsch und drücke die Daumen, dass es bald klappt. Und natürlich wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen dabei, die für Sie persönlich beste Entscheidung in Bezug auf Ihren Beruf und das Infektionsrisiko zu treffen. Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende Ihr Dr. G. (stellvertretend aus dem „virtuellen” ärztlichen Rat)


the.flower

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Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, nun haben Sie mich mit einer solch umfassenden, ausführlichen Antwort sehr beeindruckt. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Zum Thema Windpocken: Eine individuelle Gefährdungsbeurteilung für Schwangere ist bei uns an allen Schulen Standard, ich habe nur selbst wenig Erfahrung damit, da meine 1. Schwangerschaft zu Covid-Zeiten bedeutete, dass ich als Lehrerin von der Schule ein sofortiges Beschäftigungs- und Betretungsverbot des Schulhauses bekam. Ich werde hier zur gegebenen Zeit mit der Kinderwunschklinik und meiner Frauenärztin Rücksprache halten. Ich hätte noch eine Rückfrage zum Thema Zyklus / PCO / Eisprung: Ist es denn überhaupt angezeigt, Letrozol zu geben, wenn bei mir offensichtlich selbst in den verlängerten Zyklen dennoch ein Eisprung stattfindet? Ist es auch einfach möglich, dass wir mit einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch zu ungeduldig sind? Oder sind die Schmierblutungen vor der Periode auch ein Argument für Letrozol? Ich bin etwas verunsichert, weil der momentane Zyklus bislang für meine Verhältnisse so "perfekt" ist, dass ich mir wirklich die Frage stelle, ob eine Medikation überhaupt notwendig ist. Wird Letrozol durchaus auch gegeben, wenn ein Eisprung stattfindet, dieser aber oft etwas verspätet ist? Im letzten Jahr hatte meine Frauenärztin einmal in einem Zyklus Progesteron 9 Tage nach Eisprung bestimmt. Der Wert war 9,8. In demselben Zyklus hatte ich 3 Tage vor der Periode Schmierblutungen. Daraufhin hatte sie mir Progesterontabletten und Agnus Castus verschrieben, eine Schwangerschaft ist dadurch aber in den darauffolgenden 8 Zyklen auch nicht eingetreten. Die LH-Tests waren aber immer positiv, nur oft eben erst zwischen Tag 18 und 22. Und erlauben Sie mir bitte eine letzte Frage: ich leide heute leider unter Kopfschmerzen, die ich versuche auszuhalten, weil ich keine Schmerzmittel nehmen möchte, falls nun doch eine Schwangerschaft eingetreten ist (heute Tag 19). Vielleicht ist es ja auch ein 1. Schwangerschaftssymptom?! Ob ich die Schmerzen noch den ganzen Tag durchhalte, weiß ich nicht, da sie gerade zunehmen. Wäre Ibuprofen in der Einnistungsphase, in der ich mich ja evtl. gerade befinden könnte, ungünstig und wäre dann Paracetamol eine Alternative? Leider hilft mir Paracetamol gegen Kopfschmerzen nicht so gut, aber es wäre besser als nichts. Herzliche Grüße auch an Sie und ein wunderschönes Wochenende!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Da ich sie nicht persönlich untersucht habe, kann ich nur allgemeine medizinische Informationen bereitstellen, die Ihnen bei der Einordnung Ihrer Situation helfen sollen. Bitte besprechen Sie Ihre individuellen Fragen und Therapieoptionen immer persönlich mit Ihrem behandelnden Arzt bzw. Ihrer Ärztin. 1. Letrozol bei bereits bestehendem (späten) Eisprung? Einsatz bei verlängerten oder unregelmäßigen Zyklen: Letrozol kommt nicht ausschließlich dann zum Einsatz, wenn gar kein Eisprung stattfindet. Es wird durchaus auch verschrieben, wenn zwar eine Ovulation vorhanden ist, diese jedoch spät oder sehr unregelmäßig auftritt. Hintergrund: Bei einer verspäteten Ovulation (z. B. ab Zyklustag 18–22) kann es vorkommen, dass die erste Zyklushälfte zu lang ist und möglicherweise auch die Follikelreifung nicht optimal verläuft. Letrozol kann helfen, den Zyklus zu regulieren, indem es den Eisprung auf einen „günstigeren“ Zeitpunkt legt (beispielsweise Zyklustag 12–16). Vorteil: Das erleichtert nicht nur das Timing des Geschlechtsverkehrs bzw. des Transfers (bei IVF/ICSI), sondern kann auch die Hormondynamik verbessern und damit die Einnistungschancen erhöhen. Schmierblutungen als Indiz? Schmierblutungen vor der Regelblutung können auf eine Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz) oder ein hormonelles Ungleichgewicht hinweisen. Wenn trotz Progesterongabe diese Schmierblutungen weiterhin auftreten und der Kinderwunsch bislang unerfüllt bleibt, könnte Letrozol (oder auch Clomifen) als Ovulationsauslöser in Betracht gezogen werden, um den Zyklus zu „optimieren“. Ein einzelner Progesteronwert (z. B. 9,8 ng/ml) gibt einen Hinweis auf eine wahrscheinliche Gelbkörperschwäche, aber auch der zeitliche Verlauf (mehrere Zyklen, mehrere Messungen) ist wichtig. Die Kombination aus längeren Zyklen, Schmierblutungen und unerfülltem Kinderwunsch über ein Jahr (offiziell spricht man ab 12 Monaten von einer „Subfertilität/Infertilität“) ist in vielen Praxen ein Grund, Ovulationsauslöser oder Zyklusmonitoring zu erwägen. Sind Sie „zu ungeduldig“? Es ist völlig nachvollziehbar, dass man nach einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch ungeduldig wird – vor allem, wenn man bereits mit verschiedenen Maßnahmen (z. B. Mönchspfeffer, Progesteron) experimentiert hat. Ein Jahr Kinderwunsch ist jedoch genau die Grenze, ab der in der Regel auch aus medizinischer Sicht eine weitere Abklärung oder Therapieempfehlung erfolgt. Bei einem Alter über 35 empfiehlt man schon nach 6 Monaten eine Abklärung beim Frauenarzt oder in einem Kinderwunschzentrum. Abklärung: Es sollte geklärt werden, ob bei beiden Partnern ggf. weitere Faktoren vorliegen (z. B. Spermiogramm des Mannes). Ebenso könnte eine Hormonstatus-Bestimmung (z. B. FSH, LH, AMH, Prolaktin, Schilddrüsenwerte) und ggf. ein Ultraschall-Monitoring klären, ob ausreichend Follikel heranreifen und wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Einnistung ist. Längere Zyklen können bei PCO-ähnlichen Konstellationen oder mildem PCO-Syndrom auf Dauer eine niedrigere Schwangerschaftsrate bedeuten, weil schlicht weniger Eisprünge pro Jahr stattfinden. Letrozol kurbelt daher oft regelmäßigere Zyklen an. 2. Schmerzmittel in der (möglichen) Einnistungsphase Ibuprofen vs. Paracetamol Paracetamol gilt in der gesamten Schwangerschaft (vor allem im ersten und zweiten Trimester) als das Mittel der ersten Wahl bei Schmerz- und Fieberbehandlung, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Ibuprofen ist grundsätzlich in den frühen Stadien einer Schwangerschaft oft noch nicht absolut kontraindiziert, allerdings wird es ab dem dritten Trimester (ab 28.–30. SSW) strikt gemieden, weil es dem Kind schaden und vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus verursachen kann. Frühe Schwangerschaft/Einnistungszeit: Hier ist die Datenlage zu Ibuprofen nicht ganz so eindeutig „problematisch“, wie in der späten Schwangerschaft. Manche Studien diskutieren allerdings ein leicht erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, wenn regelmäßig (hochdosiert) NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) eingenommen werden. Pragmatischer Rat: Wenn möglich, wählen viele Frauen (und auch Ärztinnen/Ärzte empfehlen es häufig) Paracetamol in der 2. Zyklushälfte, um jedes (wenn auch sehr geringe) potenzielle Risiko zu umgehen. Bei starken Schmerzen und nur gelegentlichem Gebrauch von Ibuprofen in der frühen Frühschwangerschaft ist das Risiko für eine Beeinträchtigung allerdings nach aktuellem Wissensstand überschaubar. Fazit: Wenn es Ihnen sehr schlecht geht und Paracetamol nicht ausreichend wirkt, ist die einmalige (oder kurzfristige) Anwendung von Ibuprofen um den Zeitpunkt der möglichen Einnistung herum vermutlich nicht „verboten“. Im Zweifel aber lieber erst versuchen, mit Paracetamol, viel Ruhe, Entspannung, ggf. auch Hausmitteln (Trinken, abgedunkelter Raum, kühle Stirnkompresse) etwas Linderung zu schaffen. Sollten Kopfschmerzen (oder Migräneanfälle) regelmäßig auftreten, empfiehlt sich ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin zur Migräne- oder Kopfschmerztherapie bei Kinderwunsch. 3. Zusammenfassung & Empfehlung Letrozol-Indikation: Kann auch sinnvoll sein, wenn Sie grundsätzlich Eisprünge haben, diese aber sehr spät oder unregelmäßig kommen. Lutealphasen-Optimierung durch medikamentös gesteuerte Follikelreifung kann sich positiv auf die Einnistungschancen auswirken. Die wiederholten Schmierblutungen könnten ein Hinweis sein, dass eine gezieltere Zyklussteuerung sinnvoll ist. „Zu ungeduldig“? Ein Jahr unerfüllter Kinderwunsch ist genau die Phase, in der üblicherweise eine weitergehende Abklärung (z. B. Spermiogramm, Hormonstatus, Ultraschallmonitoring) und ggf. therapeutische Schritte eingeleitet werden. Ihre Ungeduld ist daher durchaus nachvollziehbar – sie entspricht auch den medizinischen Leitlinien, nach einem Jahr konkret aktiv zu werden. Kopfschmerzen & Schmerzmittel: Paracetamol gilt in der frühen Schwangerschaft als die erste Wahl. Ibuprofen kann zu diesem Zeitpunkt gelegentlich eingenommen werden, sollte jedoch nicht über längere Zeit oder in hohen Dosen erfolgen. Einmalige Anwendungen sind in der Implantationsphase normalerweise kein großes Problem; die größte Vorsicht gilt im späteren Schwangerschaftsverlauf. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute auf Ihrem Weg zum ersehnten Wunschkind. Tauschen Sie sich am besten noch einmal mit Ihrer Frauenärztin oder in der Kinderwunschklinik aus, um gemeinsam eine klare Strategie festzulegen – zum Beispiel durch ein strukturiertes Zyklusmonitoring (Ultraschall, Hormonbestimmungen) und eine gezielte Ovulationsinduktion, wenn nötig. Alles Gute und gute Besserung für Ihre Kopfschmerzen!


the.flower

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Guten Morgen Herr Dr. Gagsteiger, ich möchte mich nur nochmals bei Ihnen für Ihre Zeit und für Ihre ausführlichen Erklärungen bedanken, die mich sehr bestärkt darin haben, dass wir hier nicht mehr einfach geduldig weiter abwarten und "Zeit verlieren" sollten. Unser Kinderwunschzentrum ist gerade auch schon dabei, verschiedene Dinge abzuklären. Der bis gestern so gut laufende Zyklus hat mich nur plötzlich daran zweifeln lassen, dass eine Behandlung wirklich notwendig ist. Seit gestern Abend habe ich aber eine ganz leichte hellbräunliche Schmierblutung (Tag 20) und die Basaltemperatur ist heute um 0,1 Grad gefallen. Es fühlt sich gerade eher so an, als würde dieser Zyklus nach all den verlängerten Zyklen plötzlich viel zu kurz werden und die Kopfschmerzen vielleicht schon mit PMS in Verbindung stehen (kurz vor der Periode habe ich das sehr oft). Morgen an Tag 21 muss ich zur Blutentnahme für Progesteron. Falls Sie noch einen klitzekleinen Moment Zeit für mich haben, würde ich Ihnen gerne noch eine Frage zum Prolaktin stellen. Meine Hormonwerte wurden nämlich zu Zyklusbeginn bestimmt. Eine Hyperandrogenämie war ersichtlich, mein AMH-Wert mit 5 sehr gut, spräche aber angeblich auch für PCO. Schilddrüsenwerte sind top. Prolaktin ist aber mit 45 leicht erhöht. Bei einer Kontrolle meiner Frauenärztin Mitte letzten Jahres war es nicht erhöht. Ab welchen Werten geben Sie hier im Allgemeinen Prolaktinhemmer? Tausend Dank, herzliche Grüße und einen wunderschönen Sonntag!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, grundsätzlich liegt der Referenzbereich für Prolaktin (je nach Labor) meist zwischen ca. 5–25 ng/ml (oder entsprechend 100–500 mIU/l). Ein Wert von 45 ng/ml (bzw. das jeweilige Äquivalent in anderen Einheiten) gilt als leicht bis moderat erhöht. Ob wir in so einem Fall direkt mit einem Prolaktinhemmer (z. B. Bromocriptin oder Cabergolin) behandeln, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Klinische Symptome: – Unregelmäßige Zyklen oder fehlender Eisprung – Galaktorrhoe (Milchfluss aus der Brust) – Ausgeprägte Zyklusstörungen oder Kinderwunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat Bestätigte Mehrfachmessungen: – Prolaktin kann unter Stress, nach körperlicher Aktivität oder auch durch bestimmte Medikamente (z. B. Antidepressiva, Schmerzmittel) vorübergehend erhöht sein. – Wenn wiederholte Messungen (v. a. morgens, nüchtern, in Ruhe) konsistent erhöht sind und zusätzlich Zyklusstörungen oder andere Symptome vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass eine behandlungsbedürftige Hyperprolaktinämie vorliegt. Bei einem leicht erhöhten Prolaktinwert ohne nennenswerte Beschwerden genügt es oft zunächst, kontrollierte Folgemessungen durchzuführen, um zu sehen, ob sich der Wert spontan normalisiert oder ob wirklich eine kontinuierliche Überproduktion besteht. Erst wenn bei wiederholter Messung Werte deutlich oberhalb des Referenzbereichs zu finden sind und/oder entsprechende klinische Symptome auftreten, raten wir zu einer weiterführenden Diagnostik (z. B. Ausschluss eines Prolaktinoms) bzw. zur medikamentösen Therapie. In Ihrem Fall mit einem Wert von 45 ng/ml und bestehendem Kinderwunsch wäre eine zeitnahe zweite Messung sinnvoll. Sollten sich dann weiterhin deutlich erhöhte Werte zeigen und Zyklusstörungen bestehen (z. B. zu kurzer Zyklus, ausbleibender Eisprung), kann eine Therapie mit Prolaktinhemmern angezeigt sein. Solange kein Prolaktinom vermutet wird (typischerweise bei sehr hohen Werten >100 ng/ml), ist in den meisten Fällen eine niedrig dosierte Medikation über einen gewissen Zeitraum ausreichend, um die Prolaktinwerte zu senken und den Zyklus zu stabilisieren. Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute. Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag, Dr. Gagsteiger


the.flower

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Guten Morgen Hr. Dr. Gagsteiger, Sie haben mir vergangenes Wochenende so sehr geholfen und ich könnte noch einmal Hilfe gebrauchen, weil ich mir gerade etwas Sorgen um eine möglicherweise nicht gut startende Schwangerschaft mache. Gestern war ich in der Kinderwunsch-Praxis und habe an Tag 21 den Progesteronwert von 13,26 und den Östradiolwert von 211,6 mitgeteilt bekommen. Mein LH-Test war ja auch an Tag 13 positiv, was für mich außergewöhnlich schnell und gut ist. Tag 10 – 15 haben wir täglich genutzt. Außer Inositol habe ich in diesem Zyklus gar nichts genommen. Allerdings kann ich mir die Schmierblutung seit Tag 19 bis heute (Tag 26) nicht erklären. Ist der Progesteronwert nicht eigentlich hoch genug? Die Blutung ist sehr schwach, hellbraun, oft auch nur 1-2 Mal am Tag am Toilettenpapier, einmal war sie rot aber sehr wenig. Ab und zu zieht es mal, aber nicht dramatisch. Die Basaltemperatur ist zwar nur langsam angestiegen, aber bislang oben geblieben (ca. 36,9). Der Arzt sagte mir gestern, eine Schwangerschaft sei natürlich auch möglich und deshalb wurde mir für die Bestimmung von HCG Blut abgenommen. Ich sollte das Ergebnis eigentlich noch gestern per Telefon mitgeteilt bekommen, aber leider hat sich niemand mehr gemeldet. Wahrscheinlich war das Labor nicht schnell genug. Jetzt mache ich mir Sorgen, dass Schmierblutungen auch ein Zeichen für eine gestörte Schwangerschaft sein könnten und ich dann vielleicht möglichst sofort Progesteron bräuchte? Auch in meiner 1. Schwangerschaft vor 4 Jahren hatte ich anfangs Schmierblutungen und musste Progesteron nehmen. Ich habe sogar noch Tabletten, aber diese jetzt auf Verdacht zu nehmen…? Sollte ich dennoch bis Montagfrüh abwarten und die Kinderwunsch-Praxis dann gleich zurückrufen? Könnte es sich auch um eine Einnistungsblutung handeln? Oder müsste sie dann nicht längst aufhören? Oder kann trotz des Progesteronwertes eine Gelbkörperschwäche vorliegen, die die Schmierblutung auslöst? Und wofür spricht das Verhältnis Progestern/Östradiol? Entschuldigen Sie meine vielen Fragen. Vielleicht können Sie mich beruhigen. Ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie so ein hilfsbereiter Arzt und Mensch sind. Ich wünsche Ihnen ein tolles Wochenende!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Morgen, ich verstehe, dass Sie sich in dieser Situation weiterhin verunsichert fühlen, gerade wenn Sie in Ihrer ersten Schwangerschaft bereits eine Progesteron-Unterstützung benötigt haben. Sie können also trotz des grundsätzlich ausreichenden, aber nicht sehr hohen Progesteronwerts bereits jetzt mit einer vaginalen Progesteron-Einnahme beginnen. Bitte bedenken Sie dabei unbedingt, dass ich Sie aus der Ferne nicht vollumfänglich beraten und untersuchen kann. Eine Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt ist nach wie vor wichtig. Dennoch möchte ich Ihnen folgende allgemeine Einschätzung und Empfehlung geben: 1. Progesteron-Wert und Schmierblutungen Ihr Progesteron-Wert von 13,26 ng/ml an Tag 21 liegt in einem ausreichenden Bereich, dennoch sehen wir in der Kinderwunschmedizin oft etwas höhere Werte um 15–20 ng/ml als „sehr guten“ Bereich. Leichte Schmierblutungen können einfach durch schwankende Hormonspiegel ausgelöst werden – auch bei eigentlich gutem Progesteron. 2. Sinnhaftigkeit einer Progesteron-Gabe Vorteil: Eine zusätzliche Progesteron-Unterstützung (z.B. vaginal) kann helfen, die Schleimhaut zu stabilisieren und mögliche frühe Schwangerschaften besser zu erhalten. Viele Frauen erhalten zur Lutealphasen-Unterstützung Progesteron, selbst wenn der Wert „nur“ im ausreichenden, aber nicht im optimal hohen Bereich liegt. Keine grundsätzliche Schädlichkeit: Progesteron in üblicher Dosierung (z.B. 2- bis 3-mal täglich vaginal) wird in der Regel gut vertragen und gilt als nicht schädlich – weder für die Frau noch für eine entstehende Schwangerschaft. Im Gegenteil wird Progesteron zur Unterstützung in Kinderwunsch-Behandlungen weltweit angewendet. Ihre Vorgeschichte: Da Sie in Ihrer ersten Schwangerschaft bereits auf ärztlichen Rat Progesteron verwendet haben, spricht nichts dagegen, dieses unterstützend auch jetzt wieder einzusetzen – insbesondere, da Sie noch Tabletten zu Hause haben. 3. Konkrete Empfehlung Vorsichtshalber können Sie bereits jetzt mit der vaginalen Einnahme Ihrer Progesteron-Tabletten beginnen – insbesondere, um möglichen Schmierblutungen entgegenzuwirken und die Lutealphase zu stützen. In der Regel wird 2- bis 3-mal täglich eine entsprechende Progesteron-Dosis (z.B. 200 mg) vaginal angewendet. Beachten Sie dazu die Packungsbeilage oder die frühere Dosierungsempfehlung Ihres Arztes. Kontakt mit der Kinderwunsch-Praxis: Rufen Sie am Montag trotzdem noch einmal dort an oder vereinbaren Sie kurzfristig einen Termin, um die weitere Vorgehensweise, z.B. genaue Dosierung und Dauer, mit Ihrem Arzt abzusprechen und sich die HCG-Ergebnisse mitzuteilen. 4. Zusammenfassung Obwohl Ihr Progesteron-Wert in einem grundsätzlich ausreichenden Bereich liegt, ist er nicht ausgesprochen hoch. Zudem hatten Sie bereits Schmierblutungen, was für viele Frauen ein Grund ist, Progesteron frühzeitig zur Stabilisierung einzusetzen. Eine vorsorgliche Progesteron-Gabe über das Wochenende ist in aller Regel nicht schädlich und könnte Ihnen Sicherheit geben. Sollte das HCG-Ergebnis positiv sein, wäre dies ohnehin angezeigt. Ist der Test negativ, können Sie die Einnahme auch wieder beenden. Achten Sie bitte auf verstärkte Blutungen oder Schmerzen – in einem solchen Fall sollten Sie sofort ärztliche Hilfe aufsuchen. Ich hoffe, diese ergänzten Informationen helfen Ihnen, die Situation etwas ruhiger anzugehen. Eine vaginale Progesteron-Anwendung schadet in der Regel nicht und kann eher hilfreich sein. Trotzdem wäre es wichtig, Anfang der Woche noch einmal Rücksprache mit Ihrer Kinderwunsch-Praxis zu halten, um das weitere Vorgehen genau abzustimmen und Ihren HCG-Wert zu besprechen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und drücke Ihnen fest die Daumen! Herzliche Grüße Ihr (Dr. Gagsteiger)


the.flower

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, Sie wissen gar nicht, wie dankbar ich Ihnen bin, dass Sie sich so schnell die Zeit genommen haben, mir zu antworten und das sogar am Samstag. Das ist wirklich alles andere als selbstverständlich und Sie haben sehr zu meiner Beruhigung beigetragen. Ich habe Famenita 200 mg zu Hause und habe davon gleich eine eingeführt, habe dann allerdings festgestellt, dass sie eigentlich seit 1,5 Jahren abgelaufen sind, da ich sie ja noch von der 1. Schwangerschaft übrighabe. Ich hoffe, das führt jetzt vermutlich maximal dazu, dass die Wirkung nicht mehr so gut ist? Sie sehen noch ganz normal aus. Hätten Sie da Bedenken, diese zumindest bis Montag noch zu verwenden? Selbstverständlich rufe ich am Montag in der Praxis an. Nachdem der Arzt mir gestern vorgeschlagen hat, dass wir ab dem nächsten Zyklus mit Letrozol stimulieren (natürlich nur falls ich jetzt nicht schwanger bin), weil dennoch mein Testosteron erhöht ist und meine Zyklen normalerweise zwischen 35 und 40 Tagen dauern, hat er mir für den nächsten Zyklus auch Cyclogest ab der 2. Zyklushälfte vorgeschlagen, mir aber bisher leider nur das Rezept für Letrozol mitgegeben. Schade, dass er nicht selbst auf die Idee kam, mir die Einnahme von Progesteron gleich noch für dieses Wochenende zu empfehlen. Er selbst sagte, eine Schwangerschaft sei durchaus möglich und von den Schmierblutungen hatte ich ihm erzählt. Sie schreiben, dass ich bei einer stärkeren Blutung sofort ärztliche Hilfe aufsuchen sollte. Könnte es sich dann nicht auch einfach um die Periode handeln? Oder würden Sie davon ausgehen, dass Tag 26 oder morgen Tag 27 zu früh für eine Periode wäre? Nun wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Samstag! Danke für alles!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo, es ist verständlich, dass Sie besorgt sind. Was abgelaufene Medikamente betrifft, ist es in der Regel sicherer, diese nicht zu verwenden. Obwohl das Medikament äußerlich normal aussieht, kann die Wirksamkeit nach Ablauf des Verfallsdatums nicht garantiert werden. Es ist möglich, dass die Wirkung abgeschwächt ist, was in Ihrem Fall bedeuten könnte, dass die gewünschte Unterstützung der Gelbkörperphase nicht vollständig gegeben ist. Gehen Sie in eine Apotheke, bitten um das Medikament und reichen Sie später das Rezept nach. Manchmal darf auch ein Apotheker dies entscheiden. Zum Thema Ihrer Blutung: Wenn Ihre Zyklen normalerweise zwischen 35 und 40 Tagen dauern, wäre Tag 26 oder 27 tatsächlich sehr früh für eine Periode. Es könnte sich um eine Schmierblutung handeln, die manchmal bei Schwangerschaften auftritt, aber auch andere Ursachen haben kann. Ich würde Ihnen raten, bei einer stärkeren oder überperiodenstarken Blutung tatsächlich ärztliche Hilfe aufzusuchen, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Da Ihr Arzt Ihnen Letrozol für den nächsten Zyklus verschrieben hat und zusätzlich Cyclogest empfohlen hat, wäre es sinnvoll, am Montag auch ein Rezept für das Progesteron zu erfragen, um für die kommende Zyklushälfte vorbereitet zu sein. Ich hoffe, dass ich Ihnen etwas helfen konnte, und wünsche Ihnen ebenfalls einen schönen Samstag. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.


the.flower

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Guten Morgen Hr. Dr. Gagsteiger, Sie haben mir sogar schon wieder sehr geholfen. Ich bin Ihnen für Ihre schnellen und hilfreichen Antworten so dankbar, das können Sie sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Gleichzeitig gibt es mir zu denken, dass Sie mir als Arzt, obwohl Sie so weit weg sind, bei dieser Problematik mehr geholfen haben als mein eigener. Wir haben gestern Nachmittag einen "Ausflug" gemacht und wohl sämtliche Apotheken der Stadt abgegrast, da sie entweder schon geschlossen waren oder mir ohne Rezept kein Progesteron geben wollten (auch nicht mit Nachreichen) oder nicht das passende dahatten. Letztlich waren wir aber erfolgreich und ich habe sogar Cyclogest bekommen. Gestern am späten Nachmittag habe ich dann eine eingeführt und heute Morgen auch. Da eine davon schon 400 mg hat, bin ich mir jetzt unsicher, ob ich davon 1 oder 2 am Tag nehmen soll? Die Schmierblutung ist leider nach wie vor da, aber nach wie vor gleich schwach. Es zieht auch nach wie vor immer wieder leicht. Die Basaltemperatur ist auch weiterhin konstant oben geblieben. Ist denn Ihrer Meinung nach der hCG-Bluttest am Freitag (Tag 25) dann überhaupt schon zuverlässig gewesen? Der LH-Test war an Tag 13 positiv und ich hatte das Gefühl, der Zervixschleim hat auch dazu gepasst, dass wahrscheinlich an Tag 14 (ausnahmsweise?) ein Eisprung stattgefunden hat. Dann müsste ein Urintest doch eigentlich auch am Dienstag (übermorgen) schon etwas anzeigen können. Selbstverständlich kontaktiere ich morgen in die Kinderwunsch-Praxis um das Ergebnis zu erfahren und mir das Cyclogest-Rezept zu besorgen. Vielleicht meldet sich der Arzt auch vorher selbst bei mir, denn ich selbst komme wohl leider erst am Nachmittag dazu, da bei uns in der Schule der Lehrermangel so zugeschlagen hat, dass man eigentlich überhaupt keine Pausen mehr hat: Krankheitsvertretungen in sämtlichen Lückenstunden (momentan sehr viele Influenzafälle), Mitführen von zwei Klassen parallel etc. Tatsächlich würde mir, falls ich schwanger bin, eine mögliche Influenza-Ansteckung und das allgemeine dauernde Gehetze momentan mehr Angst bereiten als die Windpocken-Problematik, über die wir geschrieben hatten. Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich Ihnen. Danke für Ihre unermüdliche Geduld mit mir.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Morgen, es freut mich sehr zu hören, dass ich Ihnen helfen konnte, und ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre freundlichen Worte. Ich verstehe, dass die Situation frustrierend sein kann, besonders wenn man auf der Suche nach der richtigen Medikation ist. Es ist gut zu hören, dass Sie letztendlich das Cyclogest finden konnten. Was die Dosierung von Cyclogest betrifft, so ist es wichtig, genau die Anweisungen Ihres Arztes zu befolgen. In der Regel wird Cyclogest in der Frühschwangerschaft einmal täglich (400 mg) verwendet, um die Progesteronspiegel zu unterstützen. Da Sie bereits 400 mg verwendet haben, würde ich empfehlen, bei dieser Dosis zu bleiben, es sei denn, Ihr Arzt gibt Ihnen andere Anweisungen. Bezüglich des hCG-Bluttests am Freitag: Normalerweise ist ein Bluttest 14 Tage nach einem angenommenen Eisprung klar aussagekräftig. Wenn Ihr LH-Test an Tag 13 positiv war und Sie vermuten, dass der Eisprung an Tag 14 stattgefunden hat, könnte der Test am Freitag (Tag 25) bereits eine Tendenz aussagen. Ein Urintest könnte ebenfalls schon am Dienstag ein Ergebnis zeigen, besonders wenn er sensitiv genug ist, um niedrige hCG-Spiegel zu erkennen. Dennoch ist es immer gut, sich zusätzlich ärztlich beraten zu lassen. Ihre Sorgen bezüglich Influenza und dem Stress in der Schule sind verständlich, besonders in einer solch potentiell sensiblen Phase. Es ist wichtig, dass Sie sich auch um Ihre eigene Gesundheit kümmern und versuchen, Stress so weit wie möglich zu reduzieren. Hoffentlich können Sie bald mehr Klarheit über Ihre Situation bekommen und entsprechende Unterstützung von Ihrem Kinderwunscharzt erhalten. Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommenden Tage und hoffe, dass alles zu Ihrem Wohlbefinden beiträgt. Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich auf. Einen schönen Sonntag auch für Sie!


the.flower

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Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, entschuldigen Sie bitte vorab, dass ich mich nochmals bei Ihnen melde und Ihre Zeit in Anspruch nehme. Sie haben mir so viel geholfen und ich vertraue Ihren Ratschlägen sehr, weshalb ich denke, dass Sie mir vielleicht einen letzten Rat geben können. Ich habe meinen Arzt der Kinderwunschpraxis gestern Nachmittag erreichen können und auch persönlich mit ihm gesprochen. Der hCG-Wert sagt leider, dass ich nicht schwanger bin. Bereits gestern ist nach nur 10 Tagen Temperaturhochlage (und sehr langsamen Anstieg nach positiven LH-Test) die Basaltemperatur abgefallen und heute hat die Periode eingesetzt. Während der kompletten 10 Tage Hochlage haben die Schmierblutungen angehalten. Zum Progesteronwert von 13 an Tag 21 meinte der Arzt, dass so ein Wert auch immer nur eine Momentaufnahme ist und hier sicherlich trotzdem ein Progesteronmangel vorliegt, weshalb ich jetzt auch das Rezept für Cyclogest für den nächsten Zyklus erhalten habe. Da meine Hormonwerte abgesehen vom leicht erhöhten Testosteron und dem erhöhten Prolaktin aber in Ordnung sind, schlägt er vor, im ersten Behandlungszyklus erst einmal nur eine leichte Stimulation mit Letrozol 2.5 mg zu starten: nur 3 Tabletten (nur von Tag 5 bis 7), anschließend Auslösen des Eisprungs. Meine Frage an Sie bezieht sich auf den Prolaktinwert, den mir der Arzt gestern auch mitgeteilt hat: Er war nun zum zweiten Mal leicht erhöht: Ende Januar 40, Mitte Februar 32, was bei mir sicherlich auch mit dem Stress in der Schule zu tun hat (und ganz nebenbei gibt es ja auch noch mein eigenes Kind). Da der Wert aber nur leicht erhöht ist, soll zunächst auf einen Prolaktinsenker verzichtet werden. Weil Sie mir schon so viele gute Tipps gegeben haben, wollte ich Sie hier um Ihre Meinung fragen. Halten Sie das auch für sinnvoll? Kann alleine Letrozol das Problem möglicherweise lösen? Wenn ja, sollte der Prolaktinwert nochmals kontrolliert werden? Wann? Eine erneute Kontrolle hat mein Arzt bislang nämlich nicht geplant. Oder wie viele Zyklen Letrozol ohne Prolaktinsenker wären sinnvoll bevor man die Strategie ändert? Auch wenn natürlich jeder negative Schwangerschaftstest nach über einem Jahr wieder traurig macht, hoffen wir nun auf Erfolg mit Letrozol und bleiben positiv. Ich danke Ihnen für Ihre hervorragende Unterstützung. Passen Sie auch gut auf sich auf und bleiben Sie auch gesund.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, gerade bei einem nur leicht erhöhten Prolaktinspiegel (Ihr Wert von 32–40) ist es durchaus üblich, erst einmal abzuwarten, ob sich die Situation mit anderen Maßnahmen (z. B. gezielte Ovulationsstimulation, Stressreduktion, Lutealphase-Unterstützung) von selbst reguliert, bevor man zu einem Prolaktinsenker wie Bromocriptin oder Cabergolin greift. Im Folgenden ein paar Punkte, die Sie hinsichtlich Prolaktin, Letrozol und Zyklusplanung berücksichtigen können: Leicht erhöhte Prolaktinwerte und Stress Prolaktin ist ein Hormon, das sehr empfindlich auf Stress reagiert. Schon das Blutabnehmen allein oder andere Alltagsbelastungen können Werte im Bereich von 30–40 ng/ml verursachen. Bei diesen Werten sind in der Regel weder eine weiterführende Diagnostik (z. B. MRT) noch eine direkte medikamentöse Senkung zwingend erforderlich – vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Auffälligkeiten (z. B. typische Symptome wie Milchfluss aus der Brust, sehr lange und unregelmäßige Zyklen oder extrem erhöhte Werte >50–60 ng/ml). Letrozol-Einnahme und Wirkung Letrozol (als Aromatasehemmer) sorgt für eine Anregung der Eireifung und kann dadurch den Eisprung stimulieren. Oft reicht schon eine leichte Dosis, um die Follikelreifung und den Hormonhaushalt zu unterstützen. Zudem kann Letrozol indirekt auf die Hypophyse und damit auch auf den Prolaktinspiegel Einfluss nehmen – zwar nicht wie ein klassischer Prolaktinsenker, aber wenn der Zyklus stabiler und „runder“ abläuft, kann dies unter Umständen den Prolaktinwert günstig beeinflussen. Progesteronunterstützung und Zyklusmonitoring Da Sie bereits ein Rezept für Cyclogest (Progesteron) haben, wird gleichzeitig Ihre Lutealphase stabilisiert, wodurch die Einnistung besser unterstützt werden kann. Oft ist ein niedriger Progesteronspiegel (oder ein zu früher Abfall desselben) in Kombination mit leichten Prolaktinschwankungen ein Grund, warum sich eine Schwangerschaft nicht einstellt. Wichtig ist, dass im Rahmen der Letrozol-Therapie auch kontrolliert wird, wie die Follikel wachsen und wann genau der Eisprung ausgelöst wird.  Zeitpunkt für erneute Prolaktin-Kontrolle Da Ihr Arzt vorerst auf einen Prolaktinsenker verzichten möchte, wäre es sinnvoll, den Prolaktinspiegel nach 2–3 Behandlungszyklen mit Letrozol erneut zu bestimmen – vor allem, wenn bis dahin keine Schwangerschaft eintritt. Falls während dieser Zeit klinische Zeichen auftreten, die für sehr hohes Prolaktin sprechen (plötzliches Ausbleiben der Periode, Milchfluss aus der Brust usw.), oder wenn die Zyklusmonitoring-Werte stark von der Norm abweichen, könnte man den Wert natürlich auch eher überprüfen. Wie viele Letrozol-Zyklen abwarten? Häufig wird empfohlen, etwa 3 Zyklen mit einer bestimmten Stimulationsstrategie (z. B. Letrozol plus Progesteron) durchzuführen, bevor man sie wechselt oder intensiviert. Sollte sich keine Schwangerschaft einstellen oder die Laborwerte unerwartet verschlechtern, würde man das Vorgehen anpassen (z. B. Prolaktinsenker einsetzen, andere Stimulationsprotokolle wählen oder zusätzliche Diagnostik betreiben). Allgemeine Maßnahmen zur Prolaktinsenkung Auch wenn es leichter gesagt als getan ist: Stressreduktion (beruflich und privat) kann helfen, den Prolaktinspiegel auf natürliche Weise zu normalisieren. Ausreichender Schlaf, Entspannungsübungen, moderater Sport und – soweit möglich – Stressvermeidung unterstützen einen ausgeglichenen Hormonhaushalt. Fazit: Bei Ihrem nur leicht erhöhten Prolaktinwert ist es gängige Praxis, zunächst mit einer leichten Letrozol-Stimulation (in Ihrem Fall 2,5 mg) zu beginnen und die Lutealphase mit Progesteron (Cyclogest) zu unterstützen. Ein Prolaktinsenker wird häufig erst dann in Betracht gezogen, wenn sich höhere Werte oder anhaltend problematische Werte zeigen (z. B. deutlich über 50 ng/ml) oder wenn nach mehreren Zyklen eine Schwangerschaft trotz guter Ovulation nicht eintritt. Es ist sinnvoll, nach etwa 2–3 Zyklen Letrozol-Therapie  eine erneute Kontrolle des Prolaktinwertes sowie eine Erfolgskontrolle bezüglich des Eisprungs durchzuführen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und drücke die Daumen, dass Sie mit diesem Behandlungsplan bald Erfolg haben! Sprechen Sie bei Unsicherheit oder neuen Befunden unbedingt nochmals mit Ihrem behandelnden Arzt, damit Sie individuell und zeitnah reagieren können. Herzliche Grüße und alles Gute für Sie!


the.flower

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagteiger, ich wende mich an Sie, weil mir meine Problemstellung dringend erscheint und jetzt über die Feiertage niemand meiner Ärzte erreichbar ist, auch wenn ich weiß, dass meine Frage, nur begrenzt ins Expertenforum passt und entschuldige mich dafür. In der Kinderwunschphase im Februar hatten Sie mir schon einmal sehr kompetent geholfen. Ich bin 34 Jahre, mittlerweile in der 33. Schwangerschaftswoche und habe leider seit ein paar Tagen Influenza A. Das Gute: Ich bin so froh, dass ich mich vor 2 Monaten habe impfen lassen! Am Montag/Dienstag diese Woche begann es mit leichten Halsschmerzen, am Mittwoch ging es dann mit ordentlichem Schnupfen, Abgeschlagenheit, Frieren, Schwitzen weiter. Das Fieberthermometer ist aber bislang nicht über 38,1 gestiegen. Gleichzeitig habe ich alleine mit Kleinkind zu Hause irgendwie alles über Wasser gehalten. Seit Donnerstag huste ich mir die Seele aus dem Leib und habe richtigen Muskelkater im Bauch und hoffe, dem Bauchzwerg damit nicht zu schaden. Gestern, am Freitag, war ich bei der Hausärztin, weil es mir vor den Feiertagen doch irgendwie abklärungsbedürftig schien und hatte sogar gefragt, ob es Influenza sein könnte, das durch die Impfung abgeschwächt durchkommt. Sie tippte nicht darauf, veranlasste aber keinen Test. Die Lunge war frei, die Ohren waren in Ordnung, Lymphknoten und Rachen sahen für sie nach einem viralen Infekt aus, dem sie keinen Namen geben wollte. Als unser ungeimpftes Kleinkind aber seit heute Dauerfieber bis 39,6 bekam, das mit Nurofensaft zumindest auf 38,9 runterging, wurde ich hellhörig und skeptisch und habe uns von meinem Mann einen Influenza- und Covidtest aus der Apotheke holen lassen und siehe da: Influenza A ist knallpositiv bei mir, bei unserem Kind auch positiv, bei meinem Mann (noch?) negativ. Er schnäuzt aber immer wieder und ist auch geimpft. Jetzt quälen mich einige Fragen in meinen Gedanken. Vielleicht können Sie weiterhelfen. 1. Man liest, dass Influenza in der Schwangerschaft zu Früh- und Totgeburt führen kann. Gilt das auch für geimpfte Frauen? Oder nur bei schwerem Verlauf? Passieren die Influenzaviren denn die Plazenta und kommen direkt beim Baby an? Meine Frauenarzttermine sind jetzt zum Schluss der Schwangerschaft im 2-Wochen-Rhythmus. Es ist bisher alles unauffällig. Diesen Dienstag war das Baby zeitgemäß entwickelt (ca. 1700g, 41cm), alles ganz im Durchschnitt, viel Fruchtwasser (Depot 8,0 cm), aber die Menge ist noch ok, CTG unauffällig, einziges Problem: momentan noch BEL. 2. Nächster Termin bei meiner Frauenärztin ist am 2.1., welcher auch ihr erster Tag nach dem Weihnachtsurlaub ist. Sollte ich jetzt unter diesen Umständen zwischenzeitlich zur Vertretung oder unter welchen Umständen sollte ich das machen? Unter welchen Umständen sollte ich zur Vertretung von der Hausärztin? Oder zu einem anderen Arzt? Meine Hebamme ist zwischen Weihnachten und Neujahr erreichbar, sollte ich sie einmal um einen Hausbesuch bitten um die Herztöne zu prüfen oder etwas anderes zu tun? Oder kann ich einfach geduldig und positiv bis 2.1. abwarten? Ich spüre die Kindsbewegungen jeden Tag mehrmals sehr kräftig. Ich erkenne keinen Unterschied zu vor Influenza. 3. Die Hausärztin hat mir gesagt Prospan Kinderhustensaft ist erlaubt in der Schwangerschaft, genauso wie Nasic Kindernasenspray 1 Mal täglich zum Einschlafen. Meine Hebamme hat mir Plantago Bronchialbalsam und Meteoreisen Globuli velati empfohlen. Ab welcher Körpertemperatur sollte ich Fieber mit Paracetamol senken? Hätten Sie gegen diese Medikamente etwas einzuwenden oder gäbe es andere, die Sie mir empfehlen würden oder soll ich einfach gar nichts nehmen? Ich schlafe schon seit 3 Nächten tapfer ohne Nasenspray, um dem Baby möglichst nicht zu schaden. Stattdessen versuche ich es drei Mal täglich mit Nasendusche (Meersalz). Ich habe aber das Gefühl, die Nebenhöhlen schmerzen immer wieder. 4. Gibt es andere Hinweise, die Sie mir mit auf den Weg geben möchten? Wir bleiben positiv. Für den Moment scheint mir die Lage unter Kontrolle, doch beunruhigt mich Influenza in der Schwangerschaft doch etwas, vor allem fürs Baby. Ich bedanke mich herzlich für die Zeit und wünsche Ihnen frohe und hoffentlich gesunde Weihnachten!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sehr geehrte Frau …,   vielen Dank für Ihre sehr sorgfältige Schilderung – und bitte entschuldigen Sie sich keinesfalls. Ihre Fragen sind absolut berechtigt.   Vorweg das Wichtigste in einem Satz: Bei einer geimpften Schwangeren mit mildem bis moderatem Influenza-Verlauf, stabilem Allgemeinzustand, normaler Kindsbewegung und unauffälligen Vorsorgebefunden besteht in der 33. SSW in aller Regel keine akute Gefahr für das Kind.       1. Influenza in der Schwangerschaft – Risiko für Ihr Baby?       a) Früh- oder Totgeburt – für wen gilt das Risiko?     Die in Studien beschriebenen Risiken (Frühgeburt, schwere Verläufe, selten auch intrauteriner Fruchttod) betreffen vor allem:   ungeimpfte Schwangere hohes Fieber > 39 °C über längere Zeit schwere systemische Verläufe (Pneumonie, Atemnot, Hospitalisierung) frühe Schwangerschaftsdrittel     👉 Das trifft auf Sie nicht zu.   Die Impfung:   senkt das Risiko schwerer Verläufe dramatisch schützt auch das Kind indirekt über mütterliche Antikörper führt sehr häufig genau zu dem Bild, das Sie beschreiben: Infektion ja – aber abgeschwächt       b) Gelangen Influenzaviren zum Baby?     Das ist eine sehr häufige Sorge – die Antwort ist beruhigend:   Influenza ist keine klassische plazentagängige Virusinfektion Das Virus selbst erreicht das Kind in der Regel nicht Das Risiko entsteht, wenn überhaupt, indirekt über:   hohes Fieber schwere mütterliche Erkrankung Sauerstoffmangel       👉 Bei stabilem Kreislauf, moderatem Fieber und gutem Befinden des Kindes ist keine direkte Gefährdung zu erwarten.   Ihre aktuellen Befunde (Wachstum zeitgerecht, Fruchtwasser normal, CTG unauffällig, lebhafte Bewegungen) sind sehr gute Zeichen.   Die Beckenendlage hat nichts mit Influenza zu tun.       2. Müssen Sie jetzt zu einem Arzt / zur Vertretung?       Aktuell:  Nein – solange Folgendes zutrifft     Sie können bis zum 2.1. ruhig abwarten, wenn:   Sie regelmäßig kräftige Kindsbewegungen spüren kein anhaltendes Fieber ≥ 38,5–39 °C besteht keine Atemnot, kein Druck auf der Brust, keine deutliche Verschlechterung keine vorzeitigen Wehen, kein Blutverlust, kein Fruchtwasserabgang     Das ist bei Ihnen aktuell alles nicht gegeben.     Wann sollten Sie  sofort  ärztlich vorstellig werden?     Bitte nicht zögern, wenn eines davon eintritt:   Fieber ≥ 38,5 °C, das sich nicht mit Paracetamol senken lässt Atemnot, ausgeprägte Erschöpfung, Kreislaufprobleme deutlich weniger oder keine Kindsbewegungen Schmerzen/Wehen in regelmäßigen Abständen subjektives Gefühl: „Irgendetwas stimmt nicht“       Hebamme?     Ein Hausbesuch kann beruhigend sein, ist aber medizinisch nicht zwingend erforderlich, solange:   Sie Ihr Kind deutlich spüren keine neuen Symptome auftreten     Wenn es Ihnen emotional Sicherheit gibt: ja, gern. Medizinisch ist Geduld absolut vertretbar.       3. Medikamente – was ist sinnvoll, was nicht?       a) Fieber     Paracetamol ist das Mittel der Wahl in der Schwangerschaft empfehlenswert ab:   ≥ 38,5 °C oder früher, wenn Sie sich sehr krank fühlen       Dosierung (üblich):   500–1000 mg max. 3–4×/Tag möglichst kurzzeitig     👉 Fieber nicht tapfer aushalten, das Senken ist fürs Kind eher schützend.     b) Husten & Nase     Zu Ihren genannten Mitteln:   Prospan: ✔️ gut verträglich Nasic Kinder-Nasenspray 1×/Tag: ✔️ völlig in Ordnung → Sie dürfen das ohne schlechtes Gewissen nutzen, Schlaf ist wichtig Nasendusche: ✔️ sehr gut Plantago Bronchialbalsam: ✔️ unproblematisch Globuli: neutral – schaden nicht, ersetzen aber keine wirksamen Maßnahmen     👉 Nebenhöhlenschmerzen sind bei Influenza häufig. Ein maßvoll eingesetztes Nasenspray ist sicherer als dauerhaftes Leiden.   Was Sie nicht brauchen:   Ibuprofen Kombinationspräparate ätherische Öle oral         4. Weitere Hinweise für die nächsten Tage     viel trinken (auch wenn der Appetit fehlt) körperliche Schonung (Sie haben Unglaubliches mit Kleinkind geleistet!) Seitenlage, wenn der Bauch durch Husten schmerzt bei starkem Husten ein Kissen gegen den Bauch pressen → entlastet die Bauchmuskulatur, schadet dem Baby nicht     Ihr intensiver Husten führt nicht zu Schäden am Kind – die Gebärmutter ist sehr gut geschützt.       Mein zusammenfassendes Fazit     Sie haben:   alles richtig gemacht (Impfung!) einen milden, kontrollierten Verlauf ein vitales, gut entwickeltes Kind sehr gute Selbstwahrnehmung     Das ist keine Situation, die man verharmlosen sollte – aber auch keine, die Anlass zur Angst gibt.   Bleiben Sie aufmerksam, aber zuversichtlich. Und gönnen Sie sich – so gut es geht – Ruhe.   Ich wünsche Ihnen von Herzen eine baldige Besserung und ruhige, gesunde Weihnachtstage für Sie und Ihre Familie. 🌿


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, Sie haben mir sehr viel Angst mit Ihrer Nachricht genommen. Vielen lieben Dank, dass Sie sich sogar in der Urlaubszeit rund um Weihnachten so viel Zeit für eine ausführliche Antwort genommen haben! Heute geht es uns leider eher schlechter als gestern. Mein Mann hält sich wacker und versorgt uns beide. Mich friert es sobald ich kurz aufstehe und ich bin langsam wie eine rollende Schildkröte, die überhaupt keine Kraft hat und das in der 33. Schwangerschaftswoche, in der es sowieso langsam beschwerlich wird. Ich hoffe sehr, bis zur Geburt wieder ausreichend Kraft tanken zu können. Habe mich an Ihre Anweisung gehalten und bei 38,5 einen Schlussstrich gezogen, eine Paracetamol 500 genommen, mich ins Bett gelegt und nach einer Stunde angefangen zu schwitzen. Und die Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schmerzen in den Nebenhöhlen wurden dann auch gleich besser. Nach 5 Stunden fange ich jetzt wieder an zu frieren, aber es bleibt im Rahmen bei 38,5. Das Baby strampelt zum Glück sehr aktiv. Jede Bewegung erleichtert mich gerade sehr. Ich bin so froh, geimpft zu sein. Sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich im Krankenhaus. Unser Kind macht uns auch Sorgen. Es kommt heute kaum von den 40 Grad Fieber runter, nachts sogar 40,5. Zwei Stunden nach dem Fiebersaft sind wir aber kurz mal bei 38,3. 5 Stunden später wieder bei fast 40. Mit dem Wechsel von Paracetamol-Zäpfchen und Nurofensaft kommen wir gerade so hin ohne überzudosieren. Wenn Kinder den ganzen Tag freiwillig schlafend im Bett liegen, dann sind sie wirklich krank. Essen ging heute fast gar nicht, aber immerhin Wasser und Milch. Ich hatte Influenza bei Kleinkindern unterschätzt und bereue es sehr, nur uns Erwachsene geimpft zu haben. Nächstes Jahr impfen wir uns alle. Auch die Kinderärztin ist schon im Urlaub und wir müssten zur Vertretung. Teilen Sie meine Meinung, dass wir, so lange ein bisschen getrunken wird und Urin kommt, abwarten können, da wir ja wissen, was der Grund für das hohe Fieber ist und man gegen Influenza außer Fiebersaft sowieso nichts tun kann? Wenn kein Urin mehr kommt, sollten wir vielleicht eher in die Notaufnahme der Kinderklinik? Solche Krankheiten passieren natürlich ausgerechnet in den Weihnachtsferien. Danke für Ihr offenes Ohr und die beruhigenden Informationen, auch wenn es gar nicht Ihr Spezialgebiet mehr ist. Falls Sie noch Ergänzungen haben, freue ich mich jederzeit. Ich wünsche Ihnen fröhliche und vor allem gesunde Weihnachten!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,   vielen Dank für Ihre sehr offene, bewegende Nachricht. Es tut mir leid zu lesen, wie erschöpft und belastet diese Tage für Sie sind – das ist wirklich viel, erst recht in der 33. Schwangerschaftswoche und mit einem fiebernden Kleinkind zu Hause. Umso mehr Respekt davor, wie umsichtig Sie handeln.     Zu  Ihnen     Was Sie beschreiben, passt leider sehr gut zu einem typischen Influenza-Verlauf – aber auch zu einem insgesamt guten Management:   Dass Paracetamol bei 38,5 °C wirkt, das Schwitzen einsetzt und Schmerzen nachlassen, ist ein sehr gutes Zeichen. Das erneute Frieren nach 4–6 Stunden ist typisch, wenn die Wirkung nachlässt. Wichtig und beruhigend: Das Baby ist aktiv, regelmäßige Kindsbewegungen sind eines der zuverlässigsten guten Zeichen. Ihre Impfung hat sehr wahrscheinlich dazu beigetragen, dass der Verlauf trotz der Beschwerden kontrollierbar bleibt und keine schwere Atemproblematik entstanden ist.     Bitte erlauben Sie sich, wirklich langsam zu sein – Ihre Formulierung mit der „rollenden Schildkröte“ ist sehr treffend. Das ist kein Versagen, sondern schlicht Physiologie + Infekt + Schwangerschaft. Kraft kommt zurück – nicht von heute auf morgen, aber sie kommt.     Zu Ihrem  Kind     Ihre Einschätzung ist medizinisch absolut nachvollziehbar und vernünftig.   Bei Influenza im Kleinkindalter gilt tatsächlich:   Hohes Fieber (auch bis 40 °C) ist leider nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist nicht die Zahl allein, sondern:   trinkt Ihr Kind (auch kleine Mengen)? ✔️ gibt es regelmäßig Urin? ✔️ ist es zwischendurch ansprechbar (auch wenn sehr schlapp)? ✔️ sinkt das Fieber zeitweise nach Fiebersenkern? ✔️       Dass Sie Paracetamol und Ibuprofen korrekt im Wechsel geben und auf die Dosierung achten, ist genau richtig.   👉 Abwarten ist vertretbar, solange:   Ihr Kind trinkt (Wasser, Milch – Essen ist nebensächlich), mindestens alle 6–8 Stunden Urin kommt, keine zunehmende Atemnot, keine Blaufärbung, kein apathisches Wegdämmern auftritt.     👉 Sofortige Vorstellung (Kinderklinik / Notaufnahme) wäre sinnvoll, wenn:   kein Urin mehr kommt, Ihr Kind nicht mehr trinkt, das Fieber gar nicht mehr auf Medikamente reagiert, deutliche Atemprobleme, Einziehungen oder eine ungewöhnliche Schläfrigkeit auftreten, oder Sie als Eltern schlicht das Gefühl haben: „So stimmt das nicht mehr.“ Dieses Bauchgefühl ist absolut legitim.     Dass so etwas ausgerechnet in den Weihnachtsferien passiert, ist bitter – aber leider ein sehr bekanntes Szenario. Sie machen es unter diesen Umständen wirklich sehr gut.     Noch ein kleiner Trostgedanke     Dass Sie die Kinderimpfung bereuen, zeigt nur, wie verantwortungsvoll Sie denken – aber bitte seien Sie nicht hart zu sich. Viele Familien entscheiden sich so, und Sie werden nächstes Jahr eine klare, gute Entscheidung treffen. Mehr kann man nicht verlangen.   Ich wünsche Ihnen von Herzen:   ruhige Nächte mit möglichst langen fieberfreien Phasen, weiter spürbare, kräftige Kindsbewegungen, und dass sich bei Ihnen beiden in den nächsten Tagen langsam, aber stetig Besserung einstellt.     Danke für Ihre warmen Weihnachtswünsche – ich gebe sie sehr gerne zurück. Bitte melden Sie sich jederzeit, wenn sich etwas verändert oder Sie unsicher werden. Sie sind damit nicht allein.


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, vielen Dank für die herzlichen Weihnachtswünsche und Ihre hilfreichen Informationen. Ich hoffe, Sie können Weihnachten mit Ihrer Familie genießen. Bei uns hat es nun die Großeltern mit Influenza auch noch lahm gelegt. Ich bin sehr enttäuscht, dass die Hausärztin bei mir keinen Influenzatest gemacht hat, obwohl ich sie darauf angesprochen hatte und noch dazu schwanger zur Risikogruppe gehöre. Sie hätte damit zumindest verhindert, dass unser Sohn auch noch am Tag vor Symptombeginn zu den Großeltern geht und sie mit infiziert. Sie wollten ihn mir abnehmen, weil es mir nicht so gut ging und ich hatte ja nicht geahnt, welche Kreise das jetzt ziehen wird. Hätte ich gewusst, dass ich Influenza habe, hätte ich ihn niemals zu den Großeltern gehen lassen. Meine Impfung hat leider die Ernsthaftigkeit dieses Virus anfangs sehr verschleiert und jetzt liegen alle außer meinem Mann flach. Weihnachten fällt ins Wasser. Mir geht es zum Glück besser, das Fieber ist weg. Nur der Husten hält noch an und die Nebenhöhlen sind noch nicht frei. Ich mache fleißig Nasendusche. Das Baby ist auch weiterhin sehr aktiv. Das beruhigt mich. Aus der rollenden Schildkröte wird jetzt langsam wieder eine rollende Kugel Smiley nr105.gif Aber unser Sohn macht uns ganz große Sorgen. Nach 2,5 Tagen Fieber zwischen 39,5 und 40,5 war das Fieber am Montag fast komplett weg und er wollte wieder etwas spielen und ein bisschen essen (37,5 bis Max. 38,5). Seit Dienstag geht es wieder durch die Decke. Heute dauernd um 39,0-39,5. Er war wieder total schläfrig, hat kaum spielen wollen, nur kurz wenn das Fieber mal auf 38,5 runtergegangen ist. Wir haben im 4-Stunden-Takt Nurofensaft und Paracetamol Zäpfchen abgewechselt. Und das an Weihnachten, wo Kinder sich so über ihre Geschenke freuen. Selbst die Bescherung mussten wir verschieben. Mein Mann ist (und bleibt?) negativ. Bei ihm wirkt die Impfung voll. Er war mit ihm beim Bereitschaftsdienst. Die Lunge ist verschleimt, so die Kinderärztin. Er hat sie gebeten, kapillar Blut abzunehmen um etwas bakterielles auszuschließen. Die Werte: CRP < 1, Lym%, Gran%, Mid%, Lym#, Gran#, Mid#, RBC, HGB, HCT, MCH, MCHC, RDW-CV, RDW-SD, PLT, MPV, PDW, PCT, P-LCR, P-LCC alle im Normbereich. Zwei Werte nicht im Normbereich: Hs-CRP 0,86 rr g/dl (0,00-0,40) und MCV 78,9 (82,0-? Leider unlesbar wegen wenig Tinte). Was sind das für Werte? Habe noch nie Ha-CRP auf einem Blutbild gesehen. Die Kinderärztin sagte, es sei (noch?) viral, sollte aber morgen endlich wenigstens etwas besser werden mit dem Fieber (dann schon Tag 6). Wenn nicht, sollten wir wieder kommen und wieder die Lunge abhören lassen. Ich mache mir echt Sorgen, dass er gerade eine Lungenentzündung bekommt. Er redet sonst wie ein Buch und momentan will er nur kuscheln und schlafen und höchstens mal ein Buch vorgelesen bekommen. Aber er trinkt zumindest wenn man ihn erinnert und schafft etwa 3 Mal Wasserlassen täglich. Können Sie mir etwas zu diesen Werten von ihm sagen? Fiebern Kinder bei Influenza wirklich eine Woche lang so schlimm? Mich beunruhigt, dass es ihm dazwischen schon einmal besser ging. Falls ich Sie noch etwas zur Beckenendlage fragen darf: gibt es etwas, was ich tun kann, um das Baby zur Drehung zu ermutigen? Ich versuche optimistisch zu bleiben, doch leider wäre das schon das zweite Mal bei mir, dass ich mit Beckenendlage in die Geburt gehe. Wir hatten damals so viel probiert und es sollte einfach nicht sein. Von einer Wendung rät meine Frauenärztin auch ab, weil ich eine VW-Plazenta habe. Das erste Mal ist die natürliche Geburt schon gründlich schief gelaufen, also empfiehlt sie dieses Mal gleich Kaiserschnitt falls das Baby sich nicht bald dreht. Ich fand die Erholungszeit nach dem ersten (sekundären) Kaiserschnitt aber schon lang und mit zwei Kindern will man einfach schneller fit sein und funktionieren. Meine Hebamme meint, ich kann eine natürliche Geburt durchaus trotzdem noch einmal probieren. Doch am Ende durch natürliche Geburt und Kaiserschnitt zu gehen, war auch ganz schön anstrengend. Vielleicht haben Sie ja einen Rat. Wie lieb von Ihnen, dass ich noch einmal nachfragen darf!!!  Frohe Weihnachten Ihnen und Ihrer Familie! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, liebe Patientin,   danke für Ihr Vertrauen und dafür, dass Sie mich so offen an dieser belastenden Situation teilhaben lassen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie enttäuschend, erschöpfend und emotional schwer das alles gerade ist – Influenza zur Weihnachtszeit, ein krankes Kind, Sorgen um das Baby und dann noch Geburtsthemen. Das ist schlicht zu viel auf einmal.   Ich gehe Schritt für Schritt auf Ihre Fragen ein.       1. Zu den  Laborwerten Ihres Sohnes  – das ist wichtig und beruhigend einzuordnen       🔬  Was ist hs-CRP?     hs-CRP = hochsensitives C-reaktives Protein wird oft zusätzlich gemessen, um sehr geringe Entzündungen zu erfassen der Wert ist empfindlicher, aber nicht spezifischer als das normale CRP     👉 Ein hs-CRP von 0,86 bei normalem CRP (< 1) bedeutet:   keine relevante bakterielle Entzündung keine Hinweise auf eine bakterielle Pneumonie passt sehr gut zu einem viralen Verlauf     Wichtig: Für bakterielle Infektionen bei Kindern sehen wir meist:   CRP deutlich > 20–30 oft Verschiebungen im Blutbild → alles bei Ihrem Sohn NICHT der Fall         🩸  MCV 78,9     MCV = mittleres Erythrozytenvolumen leicht erniedrigt → spricht am ehesten für einen milden Eisenmangel hat nichts mit dem akuten Infekt zu tun ist nicht gefährlich und aktuell kein Grund zur Sorge     👉 Das kann man in Ruhe nach dem Infekt einmal kontrollieren.       2. Ist der Verlauf mit  Fieber über 6–7 Tage bei Influenza  möglich?     Ja – leider absolut.   Gerade bei Kleinkindern sehen wir:   hohes Fieber über 5–7 Tage oft biphasisch:   kurze Besserung dann erneuter Fieberanstieg → das ist typisch für Influenza, nicht automatisch ein Zeichen für eine bakterielle Superinfektion       Dass:   das Fieber auf Medikamente reagiert Ihr Sohn trinkt Urin kommt die Blutwerte viral sprechen     ist medizinisch sehr beruhigend.       3. Wann müsste man doch an eine Lungenentzündung denken?     Bitte achten Sie besonders auf:   🚨 Alarmzeichen   schnelle, angestrengte Atmung Einziehungen zwischen den Rippen Nasenflügeln dauerhaftes Stöhnen Kind kaum weckbar / reagiert kaum Fieber ohne Reaktion auf Medikamente     ➡️ In diesen Fällen sofort Kinderklinik.   👉 Im Moment beschreiben Sie keines dieser Zeichen.   Dass er viel kuscheln und schlafen will, ist bei Influenza leider typisch, aber kein schlechtes Zeichen an sich.       4. Zum Abwechseln von  Ibuprofen & Paracetamol     Sie machen das vorbildlich korrekt.   Wichtig:   Dosierung nach Gewicht ausreichend Abstand (Paracetamol 6–8 h, Ibuprofen 6–8 h) lieber regelmäßig, als das Fieber eskalieren zu lassen         5. Zu Ihrer Enttäuschung wegen des fehlenden Influenza-Tests     Ihre Enttäuschung ist vollkommen berechtigt.   Gerade:   bei Schwangerschaft (Risikogruppe) bei klarer Exposition bei hohem Fieber     wäre ein Test medizinisch sinnvoll gewesen – auch zur Eindämmung weiterer Kontakte.   Bitte seien Sie trotzdem nicht hart zu sich:   Sie haben verantwortungsvoll gehandelt die Impfung hat Sie vermutlich vor einem schweren Verlauf geschützt niemand konnte diese Kettenreaktion vorhersehen         6. Beckenendlage – was Sie realistisch tun können (und was nicht)       🔄  Was Sie versuchen können     Vierfüßlerstand / „Indische Brücke“ Seitenlagerung (links / rechts abwechselnd) Becken leicht erhöht lagern sanfte Bewegung (Spaziergänge)     Diese Maßnahmen sind nicht schädlich, aber: 👉 die Erfolgsrate ist begrenzt, vor allem nach der 32.–33. SSW.       🤰  Externe Wendung     Bei:   Vorderwandplazenta bereits problematischem Geburtsverlauf deutlicher Erschöpfung     ist die Zurückhaltung Ihrer Frauenärztin sehr nachvollziehbar.       ⚖️ Natürliche Geburt vs. geplanter Kaiserschnitt     Ihre innere Zerrissenheit ist absolut verständlich.   Ganz ehrlich und ärztlich nüchtern:   Eine geplante Sectio ist körperlich oft besser verkraftbar als:   eine lange, schwierige vaginale Geburt plus sekundärer Kaiserschnitt   mit zwei Kindern ist Planbarkeit manchmal ein echter Vorteil der Wunsch „schneller wieder funktionieren zu müssen“ ist real – und legitim     Die Aussage Ihrer Hebamme ist nicht falsch, aber Ihre Erfahrung zählt mindestens genauso viel.   👉 Wenn Ihr Bauchgefühl eher sagt: „Ich schaffe das emotional und körperlich besser mit einem klaren Plan“ dann ist das kein Versagen, sondern Selbstfürsorge.       🌱 Mein ehrliches Gesamtfazit     Ihr Sohn zeigt derzeit keine Zeichen einer bakteriellen Komplikation der Verlauf ist schwer, aber noch im Rahmen einer Influenza Sie selbst sind auf dem Weg der Besserung Ihr Baby zeigt sehr gute Lebenszeichen zur Geburt dürfen Sie sich erlauben, den für Sie schonenderen Weg zu wählen     Bitte melden Sie sich jederzeit, wenn:   das Fieber Ihres Sohnes weiter eskaliert neue Symptome auftreten Sie einfach jemanden brauchen, der mitdenkt     Ich wünsche Ihnen von Herzen:   eine baldige Stabilisierung Ihres Sohnes, ruhige Nächte, und dass trotz allem ein wenig Weihnachtsfrieden bei Ihnen einkehren darf.     Frohe Weihnachten – und bitte passen Sie gut auf sich auf.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich muss jetzt erst einmal aussprechen, wie lieb ich das von Ihnen finde, dass Sie mir und meiner Familie selbst an den Feiertagen so beiseite stehen. Das ist für uns sehr wertvoll, gerade jetzt, wo alle unsere Ärzte Urlaub machen und Weihnachten für uns dieses Jahr so daneben läuft. Ihre Antwort war sehr hilfreich und beruhigend zugleich und hat mich auch mit der BEL zum Nachdenken gebracht. Ich könnte Ihr Mitdenken aber doch noch einmal gebrauchen. Unserem Sohn geht es heute erfreulicherweise am 7. Tag endlich besser. Ich hoffe, der Fieberanstieg auf über 39 Grad kommt nicht noch wieder am späten Nachmittag oder Abend wie gestern. Aber bisher sind wir nur bei 38 Grad ohne Fiebersaft, er schaut auch viel wacher aus den Augen, redet wieder mehr, isst ein bisschen, will mehr spielen und nicht dauernd schlafen. Vielleicht können wir schon morgen unser kleines Weihnachtsfest mit Bescherung wenigstens zu 3,5 nachholen. Einen Kalender kennt unser Sohn ja zum Glück sowieso noch nicht. Er hustet noch ziemlich verschleimt und ich habe im Medikamentenschrank SalbuBronch Tropfen gefunden, die ihm die Kinderärztin mal bei Bronchitis verschrieben hatte (3 x 5 Tropfen). Können wir damit was falsch machen? Zu mir habe ich die eigentliche Frage: Wie viele Tage nach Symptombeginn ist es denn noch normal oder akzeptabel, dichte Nebenhöhlen zu haben? Ich hatte ja als erste von uns Influenza und die richtigen Symptome haben am Mittwoch vor einer Woche begonnen, also vor 10 Tagen. Ich mache 3 x täglich Nasendusche, aber kriege den Mist nicht los. Es kommt auch jedes Mal viel Schleim (weiß und gelb). Meine Nase ist verstopft und man hört es auch an meiner nasalen Stimme. Wenn ich jetzt zum HNO-Arzt gehe, weiß ich genau, was passiert: er hört, das geht schon 10 Tage so, also Antibiotikum. Aber (hoch)schwanger würde ich das gerne vermeiden. Es wäre schon das dritte Antibiotikum in dieser Schwangerschaft für mein armes Baby. Nach dem ersten war meine Scheidenflora komplett aus der Balance gekommen und ich habe dann ein zweites Antibiotikum wegen bakterieller Vaginose gebraucht. Ein Problem gelöst und ein neues geschaffen. So eine Kettenreaktion möchte ich jetzt 7 Wochen vor ET echt lieber vermeiden. Mein pH-Wert ist in letzter Zeit immer perfekt gewesen, ich will ihn nicht wieder zerstören. Aber ich weiß auch, dass meine Nebenhöhlen so nicht bleiben können. Wie viele Tage kann ich dem Ganzen noch geben? Vielleicht dauert es bei Influenza einfach etwas länger bis die Nebenhöhlen frei werden? Zum Bereitschaftsdienst am Wochenende will ich jetzt auch nicht, am Ende komme ich noch kränker nach Hause als ich hingegangen bin. Wäre es sinnvoll, bis Montag zu warten in der Hoffnung, es wird ohne Antibiotikum besser? Mein HNO-Arzt ist sowieso erst wieder am 7.1. da. Ich müsste mir also auch noch irgendwo eine Alternative suchen. Fieber habe ich nicht, der Schleim hängt wirklich nur fest. Wenn ich noch etwas abwarte, kann ich außer Nasendusche etwas tun? Kinder Nasic habe ich 4 Tage lang abends genommen und traue mich nicht mehr es zu lange weiter zu nehmen. Sinupret ist in der Schwangerschaft bestimmt auch nicht erlaubt. Und noch zur BEL: Ich frage mich, warum meine Kinder alle so einen Mist machen und die Kleine dem Großen diesen Mist nachmachen muss. Alle Ihre Ideen, damit das Baby sich noch dreht, setze ich schon um. Magnesium bekomme ich auch von der Frauenärztin um den Bauch immer weich zu halten. Meine Hebamme wird wieder Moxen, aber in der 1. Schwangerschaft hat das schon alles nichts gebracht. Aber Ihre Gedanken helfen mir sehr weiter, eine Entscheidung über die Geburt zu treffen. Ich stelle mir tatsächlich noch eine Frage: Ist es denn häufig bei BEL, dass die vaginale Geburt am Ende daran scheitert, dass das Baby es nicht raus schafft? Bei mir lief nämlich lange Zeit alles super, der Muttermund ging wunderbar auf die 10cm auf, ich habe keine Wehenverstärker gebraucht. Alles war super und dann in der Pressphase ging es nicht mehr weiter. Unser Sohn kam immer ein minimales Stück raus und direkt nach der Wehe rutschte er wieder zurück nach innen. Ich wurde dann noch in alle möglichen Richtungen umgelagert, aber er steckte einfach fest. Ist das eher Zufall oder liegt so etwas an der BEL? Er saß wie ein Buddha. Unser Sohn ist nämlich heute auch noch ein Bequemer (Mama, helf!) und es passt auch irgendwie zu seinem Charakter. Dann bekam ich noch Wehenverstärker und als auch das nichts brachte wurde mir zur PDA geraten, weil der Arzt die Fälle langsam davonschwinden sah und ich so schon bereit für den Kaiserschnitt war. Danach ging erst recht nichts mehr und mir wurde der Kaiserschnitt nahe gelegt. Sehen Sie die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das wieder so läuft, wenn ich mich bei einer 2. BEL wieder für eine natürliche Geburt entscheide? Oder mag das Zufall gewesen sein? Eine natürliche Geburt würde ich bevorzugen aber nicht wenn von Anfang an die Chancen wieder so schlecht stehen und ich mich dann doppelt quäle. Auch Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich ganz viel Weihnachtsfrieden, viel Erholung und es ist lieb, dass Sie an Weihnachten so eine gute Tat leisten. Danke und ganz herzliche Grüße aus der Weihnachtsstadt Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Grüße nach Nürnberg – und vielen Dank für Ihre warmen Worte. Ich nehme sie sehr ernst, gerade weil man zwischen den Zeilen spürt, wie erschöpfend diese Tage für Sie sind. Umso schöner ist es zu lesen, dass es Ihrem Sohn heute endlich etwas besser geht 🌿   Ich antworte Ihnen der Übersicht halber in drei Teilen.       1) Zu Ihrem Sohn und den SalbuBronch-Tropfen     Wenn die SalbuBronch-Tropfen Ihrem Sohn früher bei einer ärztlich diagnostizierten Bronchitis geholfen haben und er aktuell keine auffälligen Nebenwirkungen zeigt (Unruhe, Zittern, Herzklopfen), ist die kurzzeitige Gabe in der bekannten Dosierung in der Regel vertretbar. Sie helfen nicht primär gegen Schleim, sondern entlasten die Bronchien, sodass der Schleim besser abgehustet werden kann. Wichtig:   nur für einige Tage, nicht dauerhaft bei deutlicher Verschlechterung, Atemnot, Einziehungen → bitte ärztlich abklären     Dass er wieder wacher ist, spricht sehr dafür, dass er über den Berg ist.       2) Zu Ihnen: Nebenhöhlen nach Influenza – wie lange ist „noch normal“?     Ihre Beobachtung ist medizinisch sehr plausibel. Nach Influenza ist es häufig, dass:   die Nasennebenhöhlen 10–14 Tage, manchmal sogar bis zu 3 Wochen dicht bleiben der Schleim weiß bis gelblich ist, ohne dass eine bakterielle Infektion vorliegt kein Fieber besteht, sondern „nur“ Druck, Verstopfung, nasale Stimme       Wann spricht noch nicht alles für ein Antibiotikum?     In Ihrer Situation sprechen mehrere Punkte gegen eine sofortige Antibiotikatherapie:   kein Fieber kein einseitiger, zunehmender Gesichtsschmerz kein ausgeprägter Krankheitsrückfall langsame, aber spürbare Besserung im Gesamteindruck     Gerade in der Schwangerschaft ist Zurückhaltung absolut sinnvoll – Ihre Sorge wegen der vaginalen Flora ist sehr berechtigt.     Wie lange dürfen Sie dem Ganzen noch Zeit geben?     👉 Ja, Sie dürfen guten Gewissens noch einige Tage bis Anfang nächster Woche abwarten, solange:   kein Fieber >38,5 °C auftritt keine starken, einseitigen Schmerzen (Zähne, Stirn, Wange) entstehen sich Ihr Allgemeinzustand nicht deutlich verschlechtert     Dass Ihr HNO erst am 7.1. wieder da ist, ist unschön – aber medizinisch nicht automatisch problematisch.     Was können Sie zusätzlich tun (antibiotikafrei)?     Neben der Nasendusche (die Sie sehr gut und richtig machen):   Inhalieren mit Kochsalz (klassisch über Schüssel oder Inhalator) Feuchte, warme Raumluft Viel trinken (der Schleim wird dünner) Abschwellende Nasensprays: – Kinder-Nasic maximal 5–7 Tage, ggf. nur abends, das ist in Ordnung Kopf leicht erhöht schlafen     Sinupret: Es gibt Varianten (z. B. Sinupret Extract), die in der Schwangerschaft nicht empfohlen sind, weil keine ausreichenden Daten vorliegen. Ich würde es an Ihrer Stelle nicht neu beginnen.   ➡️ Kurzfassung: Ihr Verlauf passt sehr gut zu einer postviralen Sinusitis. Abwarten bis Montag ist absolut vertretbar.       3) Zur BEL und Ihrer sehr wichtigen Frage zur Geburt     Ihre Schilderung der ersten Geburt ist eindrücklich – und sie zeigt, dass Sie keineswegs „schlecht geboren“ haben. Im Gegenteil:   vollständige Muttermundseröffnung gute Wehentätigkeit keine primäre Geburtsstörung       Warum kann eine BEL in der Pressphase scheitern?     Ja – bei BEL kommt es häufiger genau in dieser Phase zum Stillstand, obwohl zuvor alles gut lief. Gründe können sein:   ungünstige Beinhaltung (z. B. „Buddha-Sitz“) suboptimale Flexion des kindlichen Kopfes ungünstige Anpassung zwischen Kind und Becken     Dass Ihr Sohn immer wieder zurückgerutscht ist, passt sehr typisch zu einer mechanischen Problematik – nicht zu mangelnder Kraft Ihrerseits.     Bedeutet das automatisch, dass es wieder so laufen wird?     👉 Nein. Aber: Ihre Vorgeschichte ist relevant und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Szenario ähnlich wiederholen könnte, wenn:   erneut eine BEL besteht die kindliche Haltung ungünstig ist keine optimale geburtshilfliche Erfahrung mit BEL-Geburten vorhanden ist     Das ist kein Automatismus, aber auch kein reiner Zufall.     Ist eine vaginale BEL-Geburt trotzdem vertretbar?     Ja – wenn:   das Kind günstig liegt Gewicht, Becken, Betreuung passen Sie innerlich hinter der Entscheidung stehen     Aber: 👉 Sie müssen sich nicht noch einmal „beweisen“. Eine geplante Entscheidung (egal in welche Richtung) ist keine Kapitulation, sondern Fürsorge.       Zum Schluss – ganz persönlich     Ich finde Ihre Gedanken sehr klar, sehr reflektiert und sehr mütterlich. Sie wägen ab, ohne zu dramatisieren, und hören auf Ihr Gefühl – das ist eine große Stärke.   Ich wünsche Ihnen sehr, dass:   Ihr Sohn weiter aufblüht Ihre Nebenhöhlen Ihnen bald Luft lassen – im wahrsten Sinne und Sie für die Geburt eine Entscheidung finden, die Ihnen Ruhe gibt, nicht zusätzliche Last     Danke für Ihre lieben Wünsche. Auch Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich – trotz allem – ein paar friedliche, warme Momente zwischen den Jahren.   Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich möchte Ihnen erst meinen Dank übermitteln für Ihre Präsenz und Ihre langen so hilfreichen Antworten. Sie sind mir so eine Unterstützung, gerade jetzt, wo alle meine Ärzte Urlaub machen und Krankheit sich aber leider nicht nach dem Datum richtet. Ich hoffe, Ihnen nicht auf den Nerv zu gehen. Ich kann noch einmal Ihr Mitdenken brauchen. Sie machen das so gründlich und gewissenhaft. Vorneweg: unserem Sohn geht es viel besser zum Glück. Er hat seit gestern gar kein Fieber mehr, er hustet noch etwas, aber das wird schon werden. Unglaublich wie schnell Kinder sich von einer Woche 40 Grad Fieber erholen. Er hat schon wieder viel mehr Energie. Ich war heute mit ihm etwas an der frischen Luft und er läuft mir rollenden Kugel schon wieder davon. Nur braucht er noch sehr viel Schlaf. Normalerweise schläft er nachts um die 11-12 Stunden, momentan um die 13 Stunden. Aber das tut Eltern auch mal gut wenn morgens länger Ruhe ist ;) Mir geht es aber nicht so gut. Daher meine Nachfrage. Jetzt sind wir bei 13 Tagen seit Influenza-Symptombeginn und ich schnäuze so viel, die Nase ist so dicht, ich habe seit gestern ständig stechende Kopfschmerzen, wobei ich nicht weiß ob sie von den Nebenhöhlen kommen. Mal im Gesicht, mal am Hinterkopf, ich kann es nicht einordnen. Ich habe aber auch das Gefühl, verspannt zu sein. Ich dachte, der Spaziergang heute an der frischen Luft tut der Nase gut, aber sie war trotzdem dauernd dicht und danach war ich total kaputt, müde, abgeschlagen und habe 1,5 Stunden im Bett geschlafen. Ich habe sonst so viel mehr Energie. Alles weg. Ich will auch nicht dauernd Nasic oder Paracetamol gegen die Kopfschmerzen nehmen. Also halte ich alles aus.  Mein Mann hat zum Glück auch gerade Urlaub und kann mir viel abnehmen. Trotzdem will ich irgendwie nicht zum HNO-Arzt gehen. Ich habe so Angst vor einer weiteren bakteriellen Vaginose so kurz vor der Geburt.  Nicht dass das dann noch eine Frühgeburt auslöst. Sie meinten ja, es kann nach Influenza sogar bis zu 21 Tage dauern bis die Nebenhöhlen frei sind. Wenn ich kein Fieber habe, kann ich noch ein bisschen zuwarten? Ich kann es so schlecht einschätzen was gerade richtig ist. Ist gelber Schleim immer ein Anzeichen für Bakterien? Irgendwo hatte ich mal gelesen, es kann auch von abgestorbenen Virenresten kommen. Ich hatte gestern auch noch das Gefühl von Senkwehen, aber ist das nicht etwas früh, jetzt in der 34. Schwangerschaftswoche? Es hat sich wie starke Menstruationsschmerzen angefühlt, auch in den Rücken gezogen, kam auch öfter, aber nach einem warmen Bad war wieder Ruhe. Ich würde sagen, Geburtswehen fühlen sich schlimmer an und würden nicht wieder weggehen. Aber unter den Umständen, dass es noch 6 Wochen bis zur Geburt sind, die Kleine in BEL liegt und diese Nebenhöhlen mich in den Wahnsinn treiben, macht es mich etwas unruhig. Nachdem der Schmerz aber wieder nachgelassen hat, reicht es vielleicht, wenn meine Hebamme mal vorbeikommt und draufschaut? Sie müsste doch auch sehen können falls der Muttermund sich schon öffnet? Mein Termin zum Vorgespräch zur Geburt im Krankenhaus ist auch erst in der 36. Schwangerschaftswoche. Sollte ich mich für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden, ist das früh genug? Meine Frauenärztin ist erst ab 2.1. wieder da. Und sollte es zum vorzeitigen Blasensprung kommen: müssten wir dann den RTW holen? Dieses Szenario ist in der 1. Schwangerschaft nämlich leider mit unserem Buddha-Sohn eingetreten und da hatte mir die Frauenärztin gesagt, ich sollte auf keinen Fall laufen wenn es dazu käme und den RTW holen. Also wurde ich komplett liegend transportiert. Was ich aber nicht verstanden habe, war, dass ich im Krankenhaus nachdem ein Ultraschall gemacht wurde, dann zwar nicht mehr nach Hause durfte und stationär aufgenommen wurde, aber wieder laufen durfte. Und ich glaube nicht, dass da noch Fruchtwasser übrig war, solche Massen wie aus mir liefen. Das waren nicht nur Tropfen. Ich möchte Ihnen nicht auf den Nerv gehen und hoffe, Sie haben eine schöne ruhige Zeit zwischen den Jahren. Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Frau …,   zunächst einmal: Sie gehen mir ganz sicher nicht auf die Nerven. Im Gegenteil – Ihre Nachricht ist sehr klar, reflektiert und zeigt, wie aufmerksam Sie mit sich und Ihrer Schwangerschaft umgehen. Gerade in einer Phase, in der ärztliche Ansprechpartner fehlen, ist es völlig legitim, Orientierung zu suchen. Und ich antworte Ihnen sehr gerne.   Es freut mich sehr zu lesen, dass es Ihrem Sohn wieder deutlich besser geht. Kinder haben in dieser Hinsicht tatsächlich eine beeindruckende Regenerationsfähigkeit – und ja: Dass er gerade mehr Schlaf braucht, ist absolut normal und sogar ein gutes Zeichen. Sein Körper holt nach. Und dass Eltern dabei morgens etwas länger Ruhe haben, darf man mit einem kleinen Augenzwinkern auch genießen 😊       1. Zu Ihrem aktuellen Infektzustand (13 Tage nach Influenza)     Was Sie beschreiben, passt leider sehr gut zu einem verlängerten postviralen Verlauf, insbesondere nach Influenza:   verstopfte Nase sehr häufiges Schnäuzen Druck- oder stechende Kopfschmerzen (Gesicht, Stirn, Hinterkopf wechselnd) ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung schnelle Erschöpfbarkeit nach eigentlich kleinen Belastungen     👉 Das ist nicht ungewöhnlich und kann – wie ich Ihnen bereits schrieb – bis zu 2–3 Wochen, manchmal sogar etwas länger, anhalten.     Gelber Schleim = bakterielle Infektion?     Kurz und beruhigend: Nein, nicht automatisch.   Gelblich-grünes Sekret entsteht häufig durch:   abgestorbene Immunzellen, Virusreste, eine verlangsamte Schleimabfuhr in den Nebenhöhlen.   Entscheidend für eine bakterielle Sinusitis wären:   neu auftretendes oder wieder ansteigendes Fieber zunehmende, einseitige Gesichtsschmerzen deutliche Verschlechterung nach vorheriger Besserung       Das beschreiben Sie so nicht.   Dass Sie nach dem Spaziergang erschöpft waren und schlafen mussten, ist kein Warnsignal, sondern eher Ausdruck davon, dass Ihr Körper noch klar in der Rekonvaleszenz steckt.   👉 Solange kein Fieber, keine deutliche Verschlechterung und keine starken, einseitigen Schmerzen auftreten, dürfen Sie zuwarten.       2. Medikamente: gut, dass Sie nicht „blind“ nehmen     Ihre Zurückhaltung gegenüber:   häufigem Nasic-Gebrauch regelmäßigem Paracetamol     ist vernünftig, aber Sie müssen auch nicht alles „aushalten“.   Ein paar ausgewogene Empfehlungen:   Meerwasser-Nasenspray oder -spülung dürfen Sie mehrfach täglich anwenden Inhalationen (z. B. mit Kochsalz) sind sehr sinnvoll Paracetamol bei Bedarf ist in der Schwangerschaft erlaubt – Sie müssen sich nicht quälen (es geht nicht darum, tapfer zu leiden)         3. Angst vor HNO-Besuch und bakterieller Vaginose     Diese Sorge kann ich emotional gut verstehen, medizinisch ist sie aber sehr gering zu gewichten:   Ein HNO-Besuch allein erhöht nicht das Risiko für eine bakterielle Vaginose. Selbst falls (rein hypothetisch) ein Antibiotikum nötig wäre, gibt es in der Schwangerschaft sehr gut verträgliche Präparate. Eine unbehandelte, schwere bakterielle Infektion wäre langfristig riskanter als eine kontrollierte Therapie.     👉 Aktuell sehe ich keinen zwingenden Grund, jetzt sofort zum HNO zu gehen – aber Sie müssen auch keine Angst davor haben, falls es doch nötig wird.       4. Zu den Schmerzen gestern: Senkwehen oder etwas anderes?     Was Sie beschreiben:   menstruationsähnliche Schmerzen Ziehen in den Rücken wellenartig Besserung nach einem warmen Bad     spricht sehr deutlich für Senkwehen / Übungswehen.   Wichtig:   In der 34. SSW sind Senkwehen nicht zu früh Sie sind oft unregelmäßig sie verschwinden bei Entspannung, Wärme, Lagewechsel     👉 Echte Geburtswehen:   werden stärker, kommen regelmäßig, lassen sich nicht „wegwärmen“ nehmen über Stunden zu.     Das war bei Ihnen nicht der Fall.       5. Hebamme ja – Krankenhaus nein (im Moment)     Ihre Einschätzung ist sehr gut:   Eine Hebamme kann:   den Bauch tasten, Wehenaktivität einschätzen, ggf. vaginal untersuchen, Veränderungen am Muttermund erkennen.       👉 Für die aktuelle Situation reicht das völlig aus, sofern:   keine regelmäßigen Wehen auftreten, kein Blutabgang besteht, kein Fruchtwasser abgeht.         6. BEL, Kaiserschnitt und Geburtsplanung     Ein Vorgespräch in der 36. SSW ist absolut ausreichend Auch die Entscheidung für einen geplanten Kaiserschnitt ist zu diesem Zeitpunkt völlig üblich Die BEL-Lage macht die Situation nicht gefährlicher, sondern planbarer     Hier besteht kein Zeitdruck.       7. Ganz wichtig: vorzeitiger Blasensprung – was tun?     Ihre Erinnerung aus der ersten Schwangerschaft ist korrekt für diese damalige Situation.   Allgemein gilt:   Bei starkem, schwallartigem Fruchtwasserabgang, besonders vor Termin:   nicht selbst fahren RTW rufen   Bei langsamem Tröpfeln:   ebenfalls zeitnah abklären lassen       Dass Sie im Krankenhaus später wieder laufen durften, ist normal:   Die akute Transportphase ist entscheidend Danach wird individuell entschieden     👉 Wenn dieses Szenario erneut eintreten sollte: lieber einmal zu vorsichtig als zu spät.       8. Ein Wort zu Ihnen – jenseits der Medizin     Sie sind:   körperlich erschöpft, hormonell stark gefordert, emotional angespannt, gleichzeitig Mutter, Schwangere und „Organisatorin“ des Alltags.     Dass sich das alles gerade zu viel anfühlt, ist kein Zeichen von Instabilität, sondern von Realität.   Sie machen das sehr gut. Und Ihr Körper zeigt trotz allem klare Zeichen, dass er funktioniert.     Liebe Grüße nach Nürnberg und bitte melden Sie sich jederzeit, wenn Sie erneut unsicher sind. Ich wünsche Ihnen sehr, dass die kommenden Tage etwas ruhiger werden.   Herzlich Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für die wertvollen Ideen und Informationen. Sie haben etwas sehr beruhigendes, freundliches, verständnisvolles, aufmerksames und gründliches an sich.  Das ich sehr lieb :) Leider geht es mir seit gestern Abend überhaupt nicht gut. Ich habe zwar kein Fieber bekommen, aber richtig gespürt, wie die ganzen Krankheitserreger explodiert sind. Mein Kiefer tut so weh, mein Kopf pocht und sticht, beim Bücken, Aufstehen und Schnäuzen sticht es richtig in den Stirnhöhlen, meine Augen sind zugequollen. Ich fühle mich richtig krank. Mein Mann hat sich heute Morgen Sorgen gemacht, in was für einem Zustand ich bin und mich überredet, doch einen HNO-Arzt zu finden, der zwischen den Jahren da ist. Ich habe angerufen durfte auch sofort kommen. Er hat nur einen Blick in die Nase mit seinem Gerät geworfen und sein Ton, mit dem er gesagt hat, dass das total vereitert ist, hat Bände gesprochen (Seine Worte: Ach du meine Güte ist das vereitert und schwanger sind Sie auch noch. Oje). Er war sehr gewissenhaft, finde ich und wollte genau wissen, welches Antibiotikum mir damals die bakterielle Vaginose beschert hat. Das war Cefuroxim. Er hat mir deshalb Amoxicillin 500mg 1-1-1 verordnet und möchte unbedingt, dass ich am Freitag zur Kontrolle komme. Ich habe ihn darum gebeten, mir auch Döderlein gleich aufzuschreiben, weil ich trotzdem wirklich Angst vor einer bakteriellen Vaginose habe. Er kannte sich damit überhaupt nicht aus, hat es mir aber aufgeschrieben. Wie würden Sie diese einnehmen? In der Packung steht einmal täglich. Kann ich auch mehr nehmen? Mit welchem Abstand zum Antibiotikum? Dieses soll ich alle 8 Stunden nehmen. Ich habe auch vaginale pH-Tests zu Hause. Soll ich jeden Tag einen machen? Vielleicht übertreibe ich. Ich habe einfach Panik vor einer bakteriellen Vaginose, weil genau das eben schon einmal direkt nach dem Antibiotikum passiert ist. Ich will keinen vorzeitigen Blasensprung deshalb :( Ist zumindest Amoxicillin fürs Baby wirklich komplett unbedenklich? Meine arme kleine Maus bekommt schon das dritte Antibiotikum. So viele Antibiotika wie in dieser Schwangerschaft habe ich in den ganzen letzten Jahren nicht gebraucht. Ausgerechnet jetzt…. Und noch eine Frage: Wie ansteckend ist denn so eine bakterielle Sinusitis? Wenn ich nach dem Schnäuzen gut die Hände wasche, kann ich das Risiko reduzieren? Ich möchte unseren Sohn und auch meinen Mann natürlich jetzt nicht auch noch das weitergeben. Ist es vielleicht zwei Tage nach Antibiotikabeginn schon weniger ansteckend? Normalerweise schlagen Antibiotika doch schnell an. Meine Hebamme schaut später noch nach mir wegen der Senk- oder Übungswehen. Gestern und heute spüre ich aber nichts mehr. Die kleine Maus ist sehr aktiv und tanzt in meinem Bauch :) Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,   erst einmal: Es tut mir sehr leid, wie schlecht es Ihnen gerade geht. Ihre Beschreibung passt leider sehr typisch zu einer akuten bakteriellen Sinusitis, und ehrlich gesagt: Gut, dass Ihr Mann Sie gedrängt hat zu gehen – und gut, dass der HNO-Arzt so klar reagiert hat. Das war richtig und wichtig, gerade in der Schwangerschaft.   Ich gehe Ihre Fragen der Reihe nach durch und versuche, Ihnen Sicherheit statt zusätzlicher Sorgen zu geben.       1. Die Diagnose & das Antibiotikum       Akute vereiterte Sinusitis     Ihre Symptome (Kieferschmerz, pochender Kopf, stechender Schmerz beim Bücken, geschwollene Augen) sind klassisch für:   eine bakterielle Superinfektion der Nebenhöhlen oft als Folge einer Influenza oder eines starken viralen Infekts     👉 Das ist keine Bagatelle, sondern eine klare Behandlungsindikation.       2. Amoxicillin in der Schwangerschaft – ehrlich und klar       Kurzfassung:     Ja, Amoxicillin ist für Ihr Baby sehr gut untersucht und sicher.   Es gehört zu den Penicillinen wird seit Jahrzehnten routinemäßig in der Schwangerschaft eingesetzt kein erhöhtes Fehlbildungs-, Frühgeburts- oder Entwicklungsrisiko auch in höheren Schwangerschaftswochen unproblematisch     👉 Für Ihr Baby ist eine unbehandelte bakterielle Infektion deutlich gefährlicher als dieses Antibiotikum.   Dass Ihre „kleine Maus“ jetzt schon mehrere Antibiotika „mitbekommt“, fühlt sich emotional schlimm an – medizinisch ist das kein Schaden, sondern Schutz.       3. Angst vor bakterieller Vaginose – sehr verständlich, aber gut handhabbar     Dass Sie nach Cefuroxim eine bakterielle Vaginose hatten, erklärt Ihre Sorge vollkommen. Gut, dass Sie das jetzt aktiv angehen.     Döderlein (Laktobazillen): wie sinnvoll anwenden?     Einmal täglich vaginal ist völlig ausreichend Mehr bringt keinen zusätzlichen Schutz Bitte nicht überdosieren – das kann eher reizen       Zeitpunkt in Kombination mit Antibiotikum     Amoxicillin: alle 8 Stunden Döderlein:   abends, möglichst 2–3 Stunden nach der letzten Antibiotikagabe dann bleiben sie besser „liegen“ und wirken lokal       👉 Sie können die Döderlein parallel zum Antibiotikum nehmen und gerne noch 5–7 Tage nach Ende der Antibiotikatherapie fortführen.       4. Vaginale pH-Tests – bitte nicht übertreiben     Ich sage das ganz liebevoll, aber klar:   Tägliches pH-Messen ist nicht nötig und kann Ihre Angst sogar verstärken     Empfehlung:   1–2× pro Woche reicht völlig oder nur, wenn:   vermehrter Ausfluss unangenehmer Geruch Brennen oder Jucken auftreten       👉 Ein einzelner leicht erhöhter pH-Wert ohne Symptome ist kein Drama.       5. Risiko für vorzeitigen Blasensprung?     Ganz wichtig:   Eine bakterielle Sinusitis macht keinen vorzeitigen Blasensprung Eine unbehandelte vaginale Infektion wäre ein Risiko – deshalb handeln Sie gerade vorbildlich präventiv     Mit:   Antibiotikum Döderlein Aufmerksamkeit für Symptome     tun Sie alles, was medizinisch sinnvoll ist.       6. Ansteckung: Wie gefährlich sind Sie für Mann & Sohn?     Die gute Nachricht:   Eine bakterielle Sinusitis selbst ist kaum ansteckend Die ursprünglichen Viren waren ansteckend – die Phase ist meist vorbei       Was Sie konkret tun können:     Hände waschen nach dem Schnäuzen (machen Sie ja) eigenes Taschentuch, eigenes Handtuch kein Anhusten ins Gesicht (selbstverständlich)     👉 Nach 24–48 Stunden Antibiotikum:   sinkt die bakterielle Last deutlich Sie gelten praktisch nicht mehr als ansteckend         7. Wehen & Baby – sehr beruhigend     Dass die Senk-/Übungswehen wieder weg sind → sehr gut Wärme hilft → spricht gegen Geburtswehen Die Maus ist aktiv → exzellentes Zeichen     Dass Ihre Hebamme heute noch schaut, ist perfekt.       8. Ein ehrliches Wort zum Schluss – nicht als Arzt, sondern menschlich     Sie sind:   krank, hochschwanger, hormonell sensibel, müde, und tragen viel Verantwortung.     Dass Ihr System gerade „Alarm schlägt“, ist kein Zeichen von Übertreibung, sondern von Erschöpfung. Sie machen das außerordentlich gewissenhaft – vielleicht sogar zu streng mit sich selbst.   Jetzt dürfen Sie:   das Antibiotikum mit gutem Gewissen nehmen sich hinlegen und darauf vertrauen, dass Sie medizinisch auf der richtigen Spur sind       Wenn Sie möchten, melden Sie sich gern:   nach der Kontrolle am Freitag oder wenn Sie unsicher sind wegen Ausfluss, pH oder Unterbauchgefühl     Ich wünsche Ihnen sehr, dass die Schmerzen in den nächsten 24–48 Stunden deutlich nachlassen – das ist unter Amoxicillin der Regelfall.   Herzliche Grüße nach Nürnberg und alles Gute für Sie und Ihre kleine Bauchbewohnerin 🌸


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich wünsche Ihnen vorab ein gutes neues Jahr mit viel Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und ganz viel Erfolg! :) Ich habe mich sehr über Ihre letzte Nachricht gefreut und dass Sie mir mit viel Verständnis, Mitgefühl und Gründlichkeit weiterhelfen. Morgen habe ich sowohl Kontrolle beim HNO-Arzt als auch bei der Frauenärztin. Dazu hätte ich vorab eine Frage an Sie. Das Amoxicillin hat 2 Tage gebraucht, bis ich überhaupt eine erste Wirkung spüren konnte. Nach einem ausgefallenen Weihnachten haben wir die Silvesterparty auch abgesagt, weil mir einfach die Energie gefehlt hätte. Aber nach zwei Tagen lief der Eiter endlich nicht mehr dauernd von selbst aus der Nase, die Kopfschmerzen wurden erträglich und ich spürte, wie es sich anfühlt, ein kleines bisschen durch die Nase atmen zu können. Jetzt 3 Tage nach Antibiotikabeginn habe ich das Gefühl, es wirkt. Die Nase ist noch immer nicht komplett frei, meine Stimme ist noch immer nasal und bei der Nasendusche kommen noch immer gelbe eitrige Stücke, aber es wird mit jeder Amoxicillin-Tablette besser und ich funktioniere wieder einigermaßen und liege nicht den ganzen Tag im Bett rum. Ich hoffe, der HNO-Arzt ist morgen mit dem Fortschritt auch zufrieden. Ich habe mir Ihren Rat zu vaginalem ph-Wert und Döderlein zu Herzen genommen und es nicht übertrieben, also 1 Döderlein am Abend vor dem Schlafen eingeführt und bisher hatte ich den ph-Wert gar nicht gemessen. Heute Morgen hatte ich aber das erste Mal das Gefühl, es brennt ganz leicht in der Scheide. Es ist wirklich nicht gravierend, aber nach meiner letzten Erfahrung nach dem Cefuroxim fing es auch genauso an und steigerte sich dann bis 2 Tage nach dem letzten Antibiotikum immer mehr und dann hatte die Frauenärztin auch schon eine bakterielle Vaginose festgestellt. Also habe ich heute Mittag mal den pH-Wert gemessen und wenn ich die Farben richtig lese, geht das schon eher ins grünliche, definitiv ist es nicht hellgelb wie es normalerweise wäre. Ich lese es als 4,7 oder max. 5,0. Ich muss das Amoxicillin noch weitere 3 Tage nehmen, habe also gerade einmal die Hälfte genommen. Nun habe ich morgen sowieso Routine-Termin bei der Frauenärztin zur Schwangerenvorsorge in der 34. Schwangerschaftswoche (Ultraschall, CTG usw.) und werde sie dann auch darauf ansprechen. Was würden Sie jetzt an meiner Stelle oder der Stelle meiner Frauenärztin machen? Weiter beobachten? Das Ende vom Amoxicillin abwarten? Abstrich? Mikroskop? Wahrscheinlich kann ich momentan nicht viel tun um gegen zu steuern? Ich befürchte, das Antibiotikum tötet die Döderlein-Bakterien, die ich zuführe, direkt wieder ab? Ich möchte den einen ph-Wert jetzt gar nicht überbewerten, vielleicht spielt es sich ja auch wieder von selbst ein. Nach der letzten bakteriellen Vaginose spüre ich jetzt im Nachhinein nur sensibler, dass es genauso angefangen hat, nur mit einem leichten Brennen. Meine Darmflora leidet auch. Ich leide normalerweise die Schwangerschaft über eher an Verstopfung, aber gerade ist es eher wieder Durchfall. Ich scheine toll auf Antibiotika zu reagieren, aber leider tötet es bei mir anscheinend besonders gut alles ab, auch die guten Bakterien sämtlicher Floren… Ich schreibe Ihnen morgen mal nach den Kontrollterminen, wenn das in Ordnung geht. Ich freue mich auf Ihre Nachricht. Liebe Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Patientin,   vielen Dank für Ihre ausführliche, sehr reflektierte Nachricht – und auch Ihnen ein gutes neues Jahr mit möglichst viel Ruhe, Stabilität und Gesundheit 🌱 Man spürt sehr deutlich, wie aufmerksam Sie Ihren Körper beobachten, gerade auch vor dem Hintergrund Ihrer letzten Erfahrungen.    Zunächst zu den guten Nachrichten: Der klinische Verlauf Ihrer Sinusitis unter Amoxicillin klingt insgesamt so, wie wir es uns wünschen. Dass es 2–3 Tage dauert, bis eine spürbare Wirkung eintritt, ist völlig typisch. Dass sich der Eiterfluss reduziert, die Kopfschmerzen nachlassen und die Nasenatmung langsam besser wird, spricht klar für ein Ansprechen auf das Antibiotikum. Dass nach drei Tagen noch Sekret kommt und die Stimme nasal ist, ist kein Zeichen des Versagens – die Schleimhäute brauchen oft deutlich länger zur Regeneration. Ich gehe daher auch davon aus, dass Ihr HNO-Arzt mit diesem Verlauf zufrieden sein wird.       Zur vaginalen Situation (der sensibelste Punkt)     Sie beschreiben das klassische Frühwarnsignal, das viele Frauen nach einer bereits erlebten bakteriellen Vaginose sehr gut kennen: leichtes Brennen, noch keine starken Symptome, ein pH-Wert, der leicht aus dem sauren Bereich driftet.   Ein pH von 4,7–5,0 ist:   noch keine manifeste bakterielle Vaginose, aber eine beginnende Verschiebung der Vaginalflora durchaus plausibel.     Und ja: Ihre Einschätzung ist richtig – systemische Antibiotika wie Amoxicillin reduzieren leider auch die Döderlein-Flora, selbst wenn man sie lokal zuführt. Das heißt nicht, dass die Zäpfchen sinnlos sind, aber sie können während der Einnahme nur begrenzt gegensteuern.       Was ich an Ihrer Stelle / an Stelle Ihrer Frauenärztin tun würde     Sehr strukturiert und ohne Übertherapie:   1. Morgen unbedingt ansprechen (das ist genau richtig). In der 34. SSW ist man zu Recht aufmerksam.   2. Gynäkologische Untersuchung mit:   pH-Messung in der Praxis Abstrich + Mikroskop (Nativpräparat) → das ist schnell, schmerzlos und gibt sofort Klarheit:   Döderlein vorhanden? Clue Cells? vermehrte Kokken? Hinweise auf Pilz?       3. Wenn im Mikroskop unauffällig oder nur leicht verschoben: 👉 Beobachten, Amoxicillin regulär zu Ende nehmen, 👉 Döderlein weiter 1× täglich abends, 👉 keine zusätzliche Säuretherapie im Moment (das könnte eher reizen).   4. Nur wenn tatsächlich eine bakterielle Vaginose diagnostiziert wird: Dann – und nur dann – gezielt behandeln (schwangerschaftsgerecht). Ein „prophylaktisches“ Gegenantibiotikum würde ich nicht empfehlen.       Ganz wichtig: Sie machen nichts falsch     Ein einzelner pH-Wert ist keine Diagnose Ihr Körper ist gerade durch Infekt + Antibiotikum + fortgeschrittene Schwangerschaft maximal gefordert Dass Darmflora und Vaginalflora gleichzeitig reagieren, ist sehr typisch     Der Durchfall passt gut zur antibiotischen Wirkung auf die Darmflora – auch hier gilt: unangenehm, aber meist vorübergehend. Falls Ihre Frauenärztin es sinnvoll findet, kann man später (nach Antibiotikaende) auch über ein orales Probiotikum sprechen – jetzt während der Therapie bringt das oft wenig.       Mein Fazit für Sie     Bitte nichts überstürzen Amoxicillin zu Ende nehmen Morgen abklären, nicht spekulieren Sehr wahrscheinlich ist das eine reversible, milde Dysbiose, keine „erneute große Baustelle“     Ich finde es sehr gut, wie umsichtig Sie handeln – nicht ignorierend, aber auch nicht panisch. Schreiben Sie mir sehr gerne nach den Terminen morgen, das ist völlig in Ordnung.   Herzliche Grüße nach Nürnberg Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für die schnelle Antwort und die hilfreichen Infos vorab zu meinen Arztbesuchen. So konnte ich konkret nachfragen :) Der HNO-Arzt war mit dem Fortschritt meiner Nase und Nebenhöhlen zufrieden. Man sieht, dass Amoxicillin anschlägt. Allerdings sitzt ganz oben in der Nase noch immer Eiter und die Schleimhäute sind noch sehr angeschwollen. Ich soll deshalb das Antibiotikum auf jeden Fall noch weiter nehmen, weiter Nasendusche und Salzwassernasenspray und ein Nasenspray mit Kortison (Budes Nasenspray 50 Mikrogramm/Sprühstoß) (morgens und abends je 1 Spritzer pro Nasenloch) nehmen, damit die Schleimhäute abschwellen und der Eiter besser abfließen kann und in 1 Woche noch einmal zur Kontrolle kommen. Dann sollten Eiter und Entzündung ganz weg sein. Etwas gestört hat mich daran, dass er selbst sagte, dass Kortison Wehen auslösen kann. Im nächsten Satz kam dann, dass das aber in dieser Dosis nichts machen dürfte, denn es wäre ja schön, wenn es so einfach wäre, Wehen zu provozieren. Ein Baby, das nicht bereit ist, wird davon auch nicht zur Welt kommen. So drückte er es aus. Als ich das Spray in der Apotheke abholte, war die Apothekerin etwas irritiert und sagte, dass im Beipackzettel steht, es sei in der Schwangerschaft nicht erlaubt. Ich sollte lieber mal noch mit meiner Frauenärztin Rücksprache halten. Das habe ich dann auch gemacht als ich sowieso zur Schwangerenvorsorge dort war. Sie sagte, ich kann das Spray nehmen. Das CTG  wurde allerdings erst nach dem Ultraschall gemacht und innerhalb der ca. 15 (20?) Minuten hat es zwei Wehen aufgezeichnet, die die Ärztin auch im Mutterpass notiert hat und gesagt hat, ich soll langsam machen und ruhig ein bisschen mehr Magnesium weiter nehmen. Eine der beiden Wehen habe ich auch etwas gespürt. Ansonsten war das CTG aber o.B. Im Nachhinein frage ich mich jetzt, ob ich dann wirklich ein Kortison-Nasenspray nehmen sollte? Oder kann das eigentlich wirklich nichts auslösen? Und ist es normal, dass das CTG in der 34. (fast 35.) Schwangerschaftswoche schon etwas Wehen aufzeichnet oder nicht so gut? Der Muttermund ist aber geschlossen und sonst war auch beim Baby nichts auffällig. Die kleine Maus ist bei ca. 2400g und 47cm. Laut der Ärztin geht es ihr gut. Sie hat zum Glück gut zugenommen obwohl ich in den letzten zwei Wochen 1 kg abgenommen habe, weil ich durch Influenza und diese Bakterien überhaupt keinen Appetit hatte. Die für mich beste Nachricht ist, dass sie sich doch noch gedreht hat und nicht mehr in Beckenendlage, sondern in Schädellage liegt! Jaaaa!!! :) Über Influenza, die eitrige Nebenhöhlenentzündung, das Antibiotikum und die von mir dadurch vermutete leichte Dysbalance der Vaginalflora habe ich ihr berichtet. Sie hat daraufhin genau geschaut. Der pH-Wert war auch bei mir etwa 4,7. Ich scheine ihn gestern also richtig selbst bestimmt zu haben. Unter dem Mikroskop waren nur wenige Milchsäurebakterien zu sehen, aber keine Entzündungszellen. Sie meinte, es sieht nach einer leichten Dysbalance aus, aber noch kein Pilz oder Bakterien. Ich soll Döderlein weiter nehmen und sie hat mir für anschließend ans Antibiotikum noch Gynoflor verschrieben. Sollte ich merken, dass es mehr kippt, soll ich früher wieder kommen, sonst in zwei Wochen. Abstrich hat sie aber keinen gemacht. Klingt das sinnvoll? Ansonsten war alles o.B. (Urin usw.). Ein kleines Blutbild hat sie noch machen lassen nachdem ich den halben Dezember krank war und den Ringelrötelntiter. Unser Sohn hatte nämlich Anfang Dezember einen Ausschlag im Gesicht. Wir waren damals beim Kinderarzt und ich glaube leider, dass da eine Fehldiagnose gestellt wurde. Er hatte nämlich eine einzige Aphte im Mund, sonst nichts. Da im Kindergarten gerade Hand-Fuß-Mund rumging, diagnostizierte sie das bei ihm. Er hat danach aber keine weiteren Bläschen, kein Fieber und gar nichts bekommen. Er war absolut fit und hat sogar besonders gut gegessen, vermutlich holte er da gerade von seinem Magen-Darm-Virus auf, den er vorher hatte. Das fand ich merkwürdig für ein angebliches Hand-Fuß-Mund und fragte mich dann eher, ob es auch Ringelröteln sein könnten. Das wäre nicht so gut, weil ich dagegen keine Immunität habe. Aber vielleicht war es auch einfach ein Ausschlag von etwas ganz anderem. Darf ich mich melden, falls beim Blutbild irgendwas auffällig ist oder ich das Gefühl habe, die Vaginalflora kippt noch mehr? Haben Sie sonst noch etwas anzumerken? :) Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus dem verschneiten Nürnberg :) Unser Sohn war heute so glücklich, dass Papa mit ihm Schlittenfahren gehen konnte :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,   vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr reflektierte Rückmeldung – man spürt, wie aufmerksam Sie Ihren Körper und Ihre Schwangerschaft begleiten. Ich gehe die Punkte gern mit Ihnen durch. 1. Kortison-Nasenspray (Budesonid) in der Schwangerschaft Ihre Verunsicherung ist absolut nachvollziehbar, vor allem durch die unterschiedlichen Aussagen von HNO-Arzt, Apotheke und Gynäkologin.   Die gute Nachricht zuerst: Ein lokal angewendetes Kortison-Nasenspray mit Budesonid in niedriger Dosierung gilt in der Schwangerschaft – auch im 3. Trimenon – als gut untersucht und sicher.   Warum das so ist:   Budesonid wirkt lokal in der Nasenschleimhaut die systemische Aufnahme ist minimal die tatsächlich im Blut ankommende Kortisonmenge ist um ein Vielfaches niedriger als bei Tabletten oder Infusionen Budesonid ist sogar das am besten untersuchte inhalative Kortison in der Schwangerschaft   Der Satz des HNO-Arztes war medizinisch etwas unglücklich formuliert, inhaltlich aber korrekt: 👉 Mit dieser Dosierung lassen sich keine relevanten Wehen provozieren. Wenn Kortison in dieser Form zuverlässig Wehen auslösen würde, hätten wir ein sehr einfaches geburtshilfliches Instrument – haben wir aber nicht.   Mein klares Fazit: ✔️ Das Spray dürfen und sollten Sie nehmen, damit:   die Schleimhäute abschwellen der Eiter abfließen kann die Entzündung vollständig ausheilt → denn eine persistierende eitrige Sinusitis ist für Sie und indirekt auch fürs Baby belastender als das Spray.         2. CTG mit zwei Wehen in der 34.–35. SSW – ist das normal?     Ja – das ist absolut im Rahmen.   In dieser Schwangerschaftswoche sind:   Übungswehen (Braxton-Hicks) gelegentliche, unregelmäßige Kontraktionen CTG-Ausschläge ohne Zervixveränderung     👉 völlig normal, vor allem:   nach Infekten bei Erschöpfung bei Dehydratation bei Magnesiumbedarf     Wichtige Entwarnungszeichen bei Ihnen:   Muttermund geschlossen CTG sonst unauffällig Sie haben nur eine der beiden Wehen gespürt kein regelmäßiges Muster     Die Empfehlung:   etwas Tempo rausnehmen Magnesium weiter einnehmen ist genau richtig – nicht mehr, nicht weniger.         3. Gewicht, Wachstum & Lage des Babys     Das ist wirklich eine sehr schöne Nachricht:   ca. 2400 g und 47 cm → exzellentes Wachstum Gewichtszunahme des Babys trotz Ihrer Erkrankung Schädellage! 🎉 → das ist in dieser Phase wirklich Gold wert     Dass Sie selbst etwas Gewicht verloren haben, ist nach Influenza + bakterieller Infektion nicht ungewöhnlich und kein Problem, solange:   das Baby gut wächst (tut es!) Sie jetzt langsam wieder Appetit entwickeln         4. Vaginalflora, pH-Wert & Vorgehen     Das Vorgehen Ihrer Frauenärztin ist sehr differenziert und sinnvoll.   Ihre Befunde sprechen für:   leichte Dysbalance keine Entzündung keinen Pilz keine bakterielle Vaginosen-Typik     Der pH von ~4,7 ist:   leicht erhöht aber noch nicht pathologisch     Die Strategie:   Döderlein weiter Gynoflor im Anschluss ans Antibiotikum kein sofortiger Abstrich engmaschige Selbstbeobachtung     👉 Das ist absolut leitliniengerecht. Ein Abstrich ohne Symptome und ohne Entzündungszellen hätte aktuell keinen Zusatznutzen.   Sehr gut, dass Sie sensibel auf Veränderungen achten – genau so soll es sein.       5. Ringelröteln-Sorge     Ihre Überlegungen sind medizinisch sehr klug, aber:   der Verlauf Ihres Sohnes passt nicht typisch zu Ringelröteln keine klassische Ausbreitung kein Krankheitsgefühl keine typische zeitliche Dynamik     Dass Ihre Ärztin den Parvovirus-B19-Titer bestimmt hat, ist trotzdem absolut richtig – das bringt jetzt Klarheit und Sicherheit.       6. Darf ich mich melden, wenn …?     Ganz klar: Ja, unbedingt.   Bitte melden Sie sich:   bei auffälligem Blutbild bei Veränderung von Ausfluss, Jucken, Brennen bei Unsicherheit oder Bauchgefühl oder einfach, wenn Sie eine Einordnung brauchen     Sie machen das sehr umsichtig – und genau so soll gute Schwangerschaftsbegleitung aussehen.       Mein Gesamteindruck     Medizinisch gesehen:   sehr gute Betreuung sinnvolle Entscheidungen keine roten Flaggen ein Baby, dem es offensichtlich gut geht     Und menschlich:   Sie haben enorm viel weggesteckt in den letzten Wochen Infekte, Sorgen, Schlafmangel und trotzdem so aufmerksam reagiert     Dass Ihr Sohn heute glücklich Schlitten gefahren ist, ist fast sinnbildlich dafür, dass sich gerade vieles wieder sortiert❄️🛷 Herzliche Grüße aus Ulm ins verschneite Nürnberg und weiterhin gute Besserung 🌷


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für Ihre so freundliche, ausführliche und hilfreiche Antwort. Sie sind mir wirklich eine große Hilfe und ich schätze es sehr, dass Sie selbst an Feiertagen Fragen beantworten. Sie sind wirklich tip top! :) Und das meine ich ganz ehrlich!  Ihre Antwort zum Budes Nasenspray hat mich sehr beruhigt und ich nehme es jetzt guten Gewissens wie verordnet. Meine Nase und Nebenhöhlen werden jeden Tag besser. Das Antibiotikum habe ich gestern zu Ende genommen und erhole mich jetzt langsam von Influenza und eitriger Nebenhöhlenentzündung. In der Hoffnung dass uns der Kindergarten ab morgen nicht gleich wieder den nächsten Infekt bringt… seit Dezember geht das fast pausenlos so. Wir haben jetzt deshalb überlegt, ob wir unseren Sohn zwei Wochen vor und zwei Wochen nach ET zu Hause lassen. So schade es für ihn ist, aber ich kann nicht in dem Zustand, in dem ich die letzten zwei Wochen war, entbinden und ich möchte auch kein Neugeborenes mit einem dieser heftigen Infekte… Ich würde Sie gerne etwas fragen, weil es mir vom Bauch her heute nicht gut geht. Die letzten Tage spüre ich immer wieder unregelmäßig leichte Wehen (35. Schwangerschaftswoche). Es zieht wie zur Periode, aushaltbar, aber unangenehm. Aber nicht dramatisch. Seit heute Morgen habe ich dauernd Bauchschmerzen, die gefühlt aber eher vom Darm kommen. Ich hatte auch Durchfall, aber der Bauch tut immer wieder weh. Ich habe mich sogar eine ganze Zeit lang hingelegt, weil es krampfartig ist und habe auch noch nichts gegessen heute. Im Liegen in Ruhe wurde es dann langsam etwas besser, aber es ist nicht weg. Ich frage mich, ob auch das von der zerstörten Darmflora kommt? Ich hatte vom HNO-Arzt aber zum Antibiotikum Mutaflor verschrieben bekommen. Sollte ich es mal mit OmniBiotic Panda probieren, das ja extra für Schwangere ist? Auch schon alleine, weil eine gute Darmflora ja auch während der Geburt fürs Baby gut ist? Ich hoffe, das sind keine Vorboten, dass es schon bald losgeht. Soweit ich gehört habe, kann so etwas auch Vorbote zur Geburt sein? Normalerweise legen sich Bauchschmerzen nach dem Durchfall ja schnell komplett, aber jetzt fühlt es sich eher so an, als würden sie so lange weiter gehen bis mein Darm komplett geleert ist. Die kleine Bauchbewohnerin spüre ich sehr aktiv wie immer :) Die Vaginalflora ist übrigens momentan zumindest stabil. Leichte Dysbalance, aber ich habe noch nicht das Gefühl, dass es schlechter geworden ist. Gestern habe ich nach drei Tagen pH-Wert gemessen und er ist weiterhin bei 4,7 und es brennt leicht. Ich habe sehr viel Ausfluss (ohne Slipeinlage geht nichts) und er wird auch immer mehr, er riecht aber normal. Ich denke, die Menge kommt eher von der fortgeschrittenen Schwangerschaft? Ich führe jetzt im Wechsel einen Tag abends Döderlein und einen Tag abends Gynoflor ein. Ist das sinnvoll? Haben Sie noch etwas anderes anzumerken? Das Ergebnis vom kleinen Blutbild von der Frauenärztin habe ich noch nicht (ich denke morgen). Ich freue mich wieder sehr auf Ihren Rat! Dankeschön, dass Sie mir in diesen etwas steinigen letzten Wochen der Schwangerschaft so viel guten Rat geben :) Da fühle ich mich nicht so allein gelassen :) Aber hoffentlich nerve ich Sie nicht... Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Patientin, vielen Dank für Ihre warmen Worte – sie haben mich ehrlich berührt. Und nein: Sie nerven ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Gerade in solchen Phasen soll man fragen dürfen. 🌿 1. Bauchschmerzen, Durchfall, „Darmziehen“ in der 35. SSW   Das, was Sie beschreiben, passt sehr gut zu einer Darmreaktion – und weniger zu echten geburtswirksamen Wehen. Warum der Darm gerade jetzt so reagiert: Antibiotikum beendet → Darmflora ist aktuell instabil Influenza + Infektbelastung → Stress für vegetatives Nervensystem Spätschwangerschaft → Darm ist mechanisch verdrängt und reagiert empfindlicher Progesteron + Infekt → veränderte Darmmotilität 👉 Typisch für Darmkrämpfe: krampfartig wellenförmig Besserung in Ruhe/Liegen Durchfall oder „Entleerungsgefühl“ Ziehen wie bei der Periode (das täuscht häufig Wehen vor)   Dass es nicht sofort komplett weg ist, sondern „so lange zieht, bis der Darm leer ist“, spricht sehr für den Darm.   2. Sind das Vorboten der Geburt?   Kurz und ehrlich: 👉 Nein, das klingt nicht nach Geburtsbeginn. Gegen Geburtsbeginn spricht:   keine regelmäßigen, zunehmenden Kontraktionen keine klare Rhythmik Besserung in Ruhe Darmbeschwerden im Vordergrund Kind ist sehr aktiv (sehr gutes Zeichen!)   Was Sie spüren, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit: Übungswehen / Senkwehen (in der 35. SSW völlig normal) ein gereizter Darm, der diese Schmerzen „überlagert“   Echte Geburtswehen werden regelmäßig, stärker, länger – und hören durch Hinlegen nicht auf.   3. Darmflora: Mutaflor vs. OmniBiotic Panda   Sehr gute und kluge Frage 👍   Mutaflor enthält E. coli Nissle medizinisch wirksam gut nach Antibiotika kann aber anfänglich Blähungen / Bauchkrämpfe machen   OmniBiotic Panda speziell für Schwangere & Stillzeit sanfter mehrere Lactobacillus- und Bifidostämme oft besser verträglich, wenn der Darm gerade „nervös“ ist   👉 Mein Vorschlag für Sie jetzt:   Sie dürfen problemlos auf OmniBiotic Panda wechseln oder:   Mutaflor pausieren Panda 1× täglich (am besten nüchtern oder abends)   Beides ist absolut vertretbar – hören Sie auf Ihr Bauchgefühl (im wörtlichen Sinn). Und ja: ✔️ Eine stabile Darmflora unterstützt das kindliche Mikrobiom bei der Geburt ✔️ Gerade nach Infekten sinnvoll   4. Vaginalflora, Ausfluss, pH-Wert Was Sie schildern, klingt beruhigend.   pH 4,7 → im Normbereich kein unangenehmer Geruch Brennen nur leicht sehr viel Ausfluss → in der späten Schwangerschaft absolut typisch     Der zunehmende Ausfluss kommt durch:   stärkere Durchblutung hormonelle Schleimhautaktivität vermehrte Drüsentätigkeit   Döderlein + Gynoflor im Wechsel 👉 Ja, das ist sinnvoll.   Döderlein: Stabilisierung Gynoflor: zusätzliches Estriol + Lactobazillen Solange: kein starkes Brennen kein Juckreiz kein unangenehmer Geruch … ist dieses Vorgehen sehr gut gewählt.   5. Kindergartenpause für Ihren Sohn Ich finde Ihre Überlegung sehr nachvollziehbar und verantwortungsvoll.   Zwei Wochen vor und nach ET:   reduziert Infektstress massiv schont Sie, die Geburt und das Wochenbett schützt das Neugeborene in einer extrem vulnerablen Phase   Für ein Kleinkind ist das emotional gut auffangbar – für eine erschöpfte Mutter und ein Neugeborenes kann es entscheidend sein.   👉 Das ist keine Übervorsicht, sondern Fürsorge.   6. Was Sie jetzt konkret tun können   Heute / nächste Tage:   viel trinken (kleine Schlucke) leichte Kost (Banane, Reis, Zwieback, Suppe) Wärme auf den Bauch Ruhe ohne schlechtes Gewissen Probiotikum (gerne OmniBiotic Panda)   Wann Sie bitte ärztlich kontrollieren lassen sollten:   wenn Schmerzen zunehmend und regelmäßig werden wenn Wehen nicht im Liegen nachlassen bei Fieber bei vaginaler Blutung bei deutlich verminderten Kindsbewegungen Aktuell sehe ich keinen Alarm, sondern einen Körper, der sich nach Infekt und Antibiotikum wieder sortiert. Liebe Patientin, Sie machen das sehr umsichtig, sehr reflektiert und mit viel Körpergefühl. Dass diese letzten Schwangerschaftswochen „steinig“ sind, ist leider oft so – aber Sie sind nicht allein damit. Herzliche Grüße aus Ulm nach Nürnberg 🌷 Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, schon wieder ich… Entschuldigung! Danke, dass ich immer nachfragen darf und Sie mir mit Ihrer großen Erfahrung und Ihrem großen Fachwissen so viel und schnell antworten. Das ist für mich so toll :) Ich habe schon wieder zwei Nachfragen, weil zwei Blutwerte im Blutbild nicht so gut waren und ich das Gefühl habe, die Scheidenflora kippt gerade doch mehr. Zuerst das Positive: Meinem Darm geht es wieder besser. Ich kann wieder mehr essen. Das Gefühl der Übungs- oder Senkwehen bleibt, aber sie sind unregelmäßig, mal gehen sie für einige Stunden ganz weg, dann kommen sie wieder und eher wie leichte Periodenschmerzen. Ich habe das Mutaflor weggelassen und in der Apotheke OmniBiotic Panda bestellt. Ich kann es morgen abholen und hoffe, ich vertrage das besser. Die Apothekerin meinte auch, dass es Mutaflor schon seit Kriegszeiten gibt, es aber mittlerweile bessere Probiotika gibt wie eben OmniBiotic. Im Mutaflor steht als Nebenwirkung auch Durchfall. Vielleicht ist mein Darm durch Beenden vom Antibiotikum und fortgeschrittene Schwangerschaft auch gerade sehr sensibel, wie Sie selbst schreiben. Ich kenne momentan fast nur den Zustand Durchfall oder Verstopfung. Und es fühlt sich auch wirklich nach wenig Platz durch die kleine Bauchbewohnerin an, auch für den Darm und die Blase. Wenn sie nicht gerade direkt auf die Blase boxt, dann liegt sie zumindest so drauf, dass ich ständig Wasserlassen muss, auch nachts und dann liege ich danach wach im Bett, es wird gestrampelt und ich kann nicht schlafen. Durch ihre Größe und ihr Gewicht drückt sie auch zunehmend richtig nach unten wenn ich (im Entengang) laufe. Aber das ist ja leider so am Ende der Schwangerschaft normal. Nun zu meinen eigentlichen Sorgen. Es brennt seit heute mehr in der Scheide und der Ausfluss wird noch mehr. Ich habe deshalb wieder einen pH-Test gemacht: 5,5. Was würden Sie jetzt tun? Gleich zur Frauenärztin? Erstmal abwarten und Döderlein und Gynoflor weiter nehmen?  Und zweite Frage die Blutwerte betreffend: Hämoglobin war zu niedrig und die Leukozyten zu hoch.  Hämoglobin: 10,5 Leukozyten: 12,2 Alle anderen Werte innerhalb der Norm: Thrombozyten, Erythrozyten, Hämatokrit, MCV, MCHC, MCH, Ery.Verteilbreite, Par. B19-IgG- und IgM-AK, Toxoplasmose-IgG und -IgM, Hubs-Antigen. Also auch keine Ringelröteln zum Glück. Woher können das Hämoglobin und die Leukozyten kommen? Von Influenza und eitriger Nebenhöhlenentzündung? Die Blutentnahme erfolgte an dem Tag, an dem ich das Antibiotikum seit 3 Tagen nahm und der HNO-Arzt eine deutliche Besserung sah. Es war nur noch Eiter ganz oben in der Nase sichtbar. Kann das so einen Einfluss auf die beiden Werte gehabt haben? Würden Sie etwas vorschlagen? Auch bräuchte ich noch die Keuchhustenimpfung vor der Geburt. Die Zeit läuft in der 35. Schwangerschaftswoche gefühlt so etwas davon. Beim letzten Termin wollte die Frauenärztin es aufs nächste Mal schieben, weil die eitrige Nebenhöhlenentzündung ja noch nicht vollständig verheilt war. Würde jetzt wieder etwas dagegen sprechen? Das nächste Mal wäre in Schwangeeschaftswoche 37. Wird es da nicht langsam knapp? Der Körper braucht ja auch noch Zeit, Antikörper zu bilden? Danke für Ihr Verständnis und Ihre nette Hilfe und dafür, dass Sie mich nicht alleine lassen :) Herzliche Grüße vom verschneiten Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,   bitte entschuldigen Sie sich überhaupt nicht. Gerade am Ende der Schwangerschaft, nach Infekt, Antibiotikum und mit einem sehr sensiblen Körper. Ich antworte Ihnen gern und Schritt für Schritt 🌷 Und herzliche Grüße zurück ins verschneite Nürnberg – Ulm ist heute ähnlich winterlich.       1. Scheidenbrennen + pH 5,5 – was jetzt tun?       Einordnung     Ein pH von 5,5 ist in der Schwangerschaft klar erhöht Das Brennen + vermehrter Ausfluss sprechen tatsächlich für eine Dysbalance der Vaginalflora Nach Antibiotikum, Infekt, Stress und Schwangerschaftshormonen ist das leider sehr häufig     👉 Das ist ernst zu nehmen, aber kein Notfall.     Was ich jetzt konkret tun würde     Sofern kein starker Juckreiz, kein übler Geruch und keine Schmerzen bestehen:   Gynoflor® weiternehmen (wegen der Östrogenkomponente sehr sinnvoll) Döderlein vaginal weiterführen   abends insgesamt 7–10 Tage   Kein weiteres Experimentieren (keine neuen Produkte, keine Intimspülungen)     📌 Aber: Wenn   das Brennen zunimmt, der Ausfluss grünlich / gelblich / übelriechend wird oder der pH trotz Therapie > 5 bleibt,     👉 dann bitte zeitnah zur Frauenärztin für:   Abstrich (Bakterien + Pilze) ggf. gezielte Therapie     💡 In der Schwangerschaft bin ich eher frühzeitig kontrollierend als abwartend.       2. Darm & OmniBiotic Panda – sehr gute Entscheidung     Sie beschreiben Ihren Körper extrem treffend. Was Sie erleben, ist eine klassische Dreifachbelastung:   Post-Antibiotikum hochschwanger (Platzmangel, Progesteron!) Infekt + Stress     👉 Dass Durchfall und Verstopfung sich abwechseln, ist leider typisch.     Zu Mutaflor vs. OmniBiotic     Die Apothekerin hatte recht:   Mutaflor (E. coli Nissle) ist historisch wertvoll, aber nicht für jeden Darm gut verträglich OmniBiotic Panda ist:   sanfter schwangerschaftstauglich häufig besser verträglich       👉 Starten Sie einschleichend:   ½ Beutel für 2–3 Tage dann ggf. steigern         3. Blutwerte: Hb 10,5 & Leukozyten 12,2       Hämoglobin 10,5 g/dl     ➡️ Leichte Schwangerschaftsanämie, sehr häufig!   Ursachen:   Verdünnungseffekt (mehr Plasma) Eisenverbrauch durch das Kind evtl. reduzierte Aufnahme durch Darmprobleme     👉 Nicht dramatisch, aber beobachtungswürdig.   Mein Vorschlag:   Ferritin bestimmen (falls noch nicht erfolgt) falls niedrig: → Eisen sanft ergänzen (z. B. jeden 2. Tag, nicht täglich)         Leukozyten 12,2     ➡️ Völlig erklärbar und unbedenklich in Ihrer Situation.   Mögliche Gründe:   Influenza eitrige Nebenhöhlenentzündung Schwangerschaft selbst (!)     💡 In der Schwangerschaft sind Werte bis 15–16 durchaus normal.   👉 Dass die Blutentnahme unter laufender Antibiotikatherapie erfolgte, erklärt das sehr gut.   ➡️ Kein Hinweis auf etwas Gefährliches.       4. Keuchhusten-Impfung (Pertussis) – wichtige Frage!     Sie denken völlig richtig 👏     Empfehlung     Optimal: zwischen SSW 28–32 Spätestens aber bis SSW 36     ➡️ In SSW 37 ist es noch möglich, aber wirklich die letzte sinnvolle Gelegenheit.     Nach Infekt / Antibiotikum?     Eine abgeklungene Nebenhöhlenentzündung spricht NICHT dagegen Kein Problem, wenn:   kein Fieber Allgemeinzustand stabil       👉 Ich würde nicht weiter warten.   📌 Der Körper braucht ca. 2 Wochen, um Antikörper zu bilden – deshalb ist jetzt der richtige Moment.       5. Zu den Senk-/Übungswehen & dem Druckgefühl     Was Sie schildern:   unregelmäßig wechselnd eher ziehend wie Periodenschmerz Druck nach unten beim Gehen     ➡️ Das passt sehr gut zu Senkwehen + Platzmangel.   ⚠️ Alarmzeichen wären:   regelmäßige, schmerzhafte Wehen Blutung Fruchtwasserabgang     Das beschreiben Sie nicht – das beruhigt.       Zusammenfassung – mein klarer Rat 💛     Vaginal:   Döderlein + Gynoflor fortführen bei Verschlechterung → Abstrich   Darm:   OmniBiotic Panda langsam einschleichen   Blutwerte:   Hb leicht niedrig → Ferritin prüfen Leukozyten erklärbar → kein Grund zur Sorge   Impfung:   Pertussis jetzt oder in den nächsten Tagen machen   Und ganz wichtig:   Sie machen das großartig Ihr Körper arbeitet auf Hochtouren – das spüren Sie.   Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bin Ihnen einfach soooooo dankbar! :) Was Sie leisten, geht wirklich über Ihren Job hinaus! Und das noch mit so viel Verständnis zu tun und mir dabei Mut zuzusprechen, ist echt lieb :) Ich habe alles genau so gemacht wie Sie vorgeschlagen haben. Das OmniBiotic Panda habe ich vorsichtig eingeschlichen (morgens nüchtern erstmal nur 1/2 Beutel) und gut vertragen, also keine Bauchschmerzen und Durchfall gehabt. Aber gerade ist mein Darm schon wieder ganz träge und im Verstopfungsmodus.  Meine größte Sorge bleibt leider die Vaginalflora. Es nervt mich von meinem Körper, dass er auf Antibiotika immer so sensibel reagiert. Und das ausgerechnet jetzt 5 Wochen vor ET. Das Brennen in der Scheide wird trotz Döderlein und Gynoflor im Wechsel nicht besser, eher mehr. Es brennt auch beim Wasserlassen. Ich sehe wegen meiner dicken runden Kugel leider nicht mehr selbst die Scheide. Mein Mann sagt, für ihn sieht sie gerötet aus. Er will, dass ich es lieber abklären lassen soll. Ich glaube, er fürchtet sich etwas vor einem vorzeitigen Blasensprung, zu dem eine bakterielle Vaginose ja führen kann und ich hatte in der 1. Schwangerschaft schon einen mitten in der Nacht beim Aufstehen in der 38. Schwangerschaftswoche. Der pH-Wert wird gerade auch schlechter, heute 5,8. Der Ausfluss riecht aber nicht direkt übel, ist aber grünlicher als normal. Die Praxis meiner Frauenärztin ist ausgerechnet jetzt die nächste Woche geschlossen. Direkt danach habe ich sowieso wieder Termin. Jetzt weiß ich nicht recht, ob ich so lange warten soll? Oder lieber am Montag zur Vertretung falls ich da überhaupt so schnell einen Termin bekomme? Vielleicht wird es als Notfall gesehen, wenn ich sage, dass ich 35. (fast 36.) Schwangerschaftswoche bin und die Vaginalflora nicht passt. Ab Montag schaut meine Hebamme auch einmal wöchentlich nach mir, weil sie mir geburtsvorbereitende Akupunktur macht. Ich fürchte nur, dass sie mit der Vaginalflora nur bedingt helfen kann, weil sie ja keinen Abstrich machen kann. Oder kann sie mir da helfen? Auch Ferritin ist nicht bestimmt worden. Ich nehme gerade nur das Eisen, das im Femibion 2 ist, aber das ist doch zu wenig bei einem Hämoglobin von 10,5?  Würden Sie eine bakterielle Vaginose eher vaginal mit Antibiotika behandeln oder oral? Wovon hängt das ab? Oder sogar erst ein Abstrichergebnis abwarten? Und inwiefern ist die Estriolkomponente eigentlich förderlich für die Vaginalflora? Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht. In der Schwangerschaft ist der Östrogenspiegel doch sowieso schon besonders hoch. Am Freitag habe ich es noch bei der Hausärztin probiert, die Keuchhustenimpfung zu bekommen um möglichst keine Zeit mehr zu verlieren. Ich habe die Situation erklärt und bekam als Antwort, es sollte lieber die Frauenärztin in einer Woche machen, wenn sie es für nötig hält, denn nach Impfpass war meine letzte Impfung erst 2022 (während meiner letzten Schwangerschaft) und dann wäre das zu bald. Aber das ist doch Unsinn, oder nicht? Ich habe es echt mit Argumenten probiert. Das hat mich so geärgert. Das ist doch sogar die Stiko-Empfehlung? Bin ich jetzt völlig am Holzweg? Ich will nicht bis Schwangerschaftswoche 37 warten. Unser Sohn kam auch eine Woche vor ET und außerdem kann mir keiner garantieren, dass wir dann nicht schon wieder den nächsten Kindergartenschnupfen haben. Jetzt sind wir gerade alle gesund. Meine Frauenärztin sagte mir, für den Nestschutz des Babys macht man das auf jeden Fall wieder, auch wenn es für mich selbst gerade noch nicht nötig wäre. Irgendwie bin ich jetzt überfragt, was ich am besten machen soll um das alles zu lösen. Die Hausärztin ist nicht kooperativ, die Frauenärztin nicht da und die Hebamme kann mir vermutlich auch nicht weiterhelfen. Darf ich Sie fragen, was Sie an meiner Stelle tun würden?  Danke für Ihr Verständnis :) Gerade sind wir von Freunden von Erlangen nach Nürnberg im Schneegestöber nach Hause gefahren und die Straßen sind ganz schön winterlich :) Verschneite Grüße aus dem Frankenland nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Maria,   erst einmal: Danke für Ihre unglaublich warmen Worte. 🌷 Man spürt beim Lesen sehr deutlich, wie aufmerksam, verantwortungsvoll und liebevoll Sie mit sich und Ihrem Baby umgehen – und gleichzeitig, wie sehr Sie diese Situation gerade nervlich fordert. Ich versuche, Ihnen jetzt ruhig, klar und praxisnah zu antworten – so, wie ich es mir an Ihrer Stelle selbst wünschen würde.       1️⃣ Vaginalflora:  Das ist aktuell der wichtigste Punkt       Ihre Symptome sprechen  nicht mehr nur für „Irritation“     zunehmendes Brennen, auch beim Wasserlassen Rötung, laut Ihrem Mann sichtbar pH 5,8 (deutlich zu hoch für die Schwangerschaft) grünlicher Ausfluss     ➡️ Das ist nicht typisch für eine reine Progesteron- oder Antibiotika-Nachwirkung. ➡️ Das spricht für eine relevante Dysbiose, evtl. bakterielle Vaginose oder Mischinfektion (z. B. Gardnerella ± andere Keime).     ❗ Und jetzt ganz wichtig:     In der 35.–36. SSW ist das kein Bagatellbefund, sondern abklärungsbedürftig.   Nicht panisch – aber bitte ernst nehmen.       2️⃣ Sollten Sie warten oder zur Vertretung gehen?     👉 Ich würde NICHT eine ganze Woche abwarten.   Meine klare Empfehlung: ➡️ Am Montag zur Vertretung (oder gynäkologischer Bereitschaftsdienst), mit dem Hinweis:   35./36. SSW, Brennen, erhöhter pH, grünlicher Ausfluss, V. a. bakterielle Vaginose.   Das wird in der Regel als dringlich gesehen.     Was dort unbedingt passieren sollte:     Vaginalabstrich pH-Kontrolle evtl. Schnelltest auf BV gezielte Therapieentscheidung         3️⃣ Hebamme – kann sie helfen?     Ihre Hebamme ist eine große Unterstützung, aber:   ❌ sie kann keinen Abstrich machen ❌ sie kann keine Antibiotikatherapie einleiten     ➡️ Sie kann:   pH kontrollieren Verlauf beobachten Sie begleiten     Aber die Diagnostik gehört jetzt ärztlich abgeklärt.       4️⃣ Antibiotika: vaginal oder oral?     Das hängt von 3 Dingen ab:   Erreger Stärke der Symptome Schwangerschaftswoche       Grundsätzlich:     Vaginal (z. B. Metronidazol vaginal): ✔️ bevorzugt bei leichter bis moderater BV ✔️ weniger systemische Belastung Oral: ✔️ bei ausgeprägten Symptomen ✔️ bei Rezidiven ✔️ bei Beteiligung der Harnröhre / Brennen beim Wasserlassen     ➡️ Ich würde – wenn möglich – den Abstrich abwarten, ABER: Bei starken Beschwerden darf man auch empirisch vaginal beginnen.       5️⃣ Estriol – warum hilft das der Vaginalflora?     Sehr gute, kluge Frage.     Kurz erklärt:     Estriol wirkt lokal es verdickt das Vaginalepithel mehr Glykogen → mehr Nahrung für Laktobazillen dadurch Senkung des pH     👉 Ja, systemisch ist der Östrogenspiegel hoch – 👉 lokal kann die Schleimhaut trotzdem „erschöpft“ oder gereizt sein, gerade nach Antibiotika.   ➡️ Deshalb ist Estriol trotz Schwangerschaft sinnvoll, wenn es lokal gegeben wird.       6️⃣ Darm & Verstopfung     OmniBiotic Panda vorsichtig einschleichen war genau richtig Verstopfung ist leider:   Eisen Progesteron Schwangerschaft       ➡️ Ergänzend sinnvoll:   viel trinken Magnesium (z. B. 150–300 mg abends) ggf. Flohsamenschalen sehr niedrig dosiert         7️⃣ Eisen / Ferritin     Hb 10,5 g/dl ist:   grenzwertig Ferritin sollte unbedingt bestimmt werden     Femibion allein reicht meist nicht.   ➡️ Ich würde:   Ferritin bestimmen lassen bei < 30–40 µg/l gezielt Eisen ergänzen (das erklärt auch die Verstopfung)         8️⃣ Keuchhustenimpfung – Sie haben völlig recht     Ganz klar: Sie liegen richtig.   STIKO empfiehlt die Pertussis-Impfung in JEDER Schwangerschaft unabhängig vom Impfstatus ideal: SSW 28–32, aber auch später absolut sinnvoll     ❗ Die Aussage „2022 war zu kurz her“ ist fachlich falsch.   ➡️ Ziel ist Nestschutz fürs Baby, nicht Ihr eigener Schutz.     Mein Rat:     Lassen Sie sich die Impfung bei der Vertretung oder einem anderen Arzt geben Sie müssen nicht bis SSW 37 warten gerade weil:   Ihr Sohn früh kam Kindergarteninfekte realistisch sind           🔑 Was ich an Ihrer Stelle tun würde (konkret):     1️⃣ Montag zur gynäkologischen Vertretung 2️⃣ Abstrich + pH + gezielte Therapie 3️⃣ Pertussis-Impfung organisieren (nicht weiter vertrösten lassen) 4️⃣ Ferritin bestimmen lassen 5️⃣ Vaginaltherapie erst anpassen, wenn der Befund da ist 6️⃣ Hebamme weiter einbinden – aber ergänzend, nicht ersetzend     Liebe Maria, Sie machen nichts falsch. Im Gegenteil: Sie handeln sehr reflektiert, informiert und verantwortungsvoll. Dass Ihr Körper auf Antibiotika sensibel reagiert, ist keine Schwäche, sondern eine bekannte biologische Reaktion – leider manchmal genau in den ungünstigsten Momenten. Ich bin gedanklich bei Ihnen – und wünsche Ihnen für heute Abend Wärme, Ruhe und ein bisschen Zuversicht. ❄️🤍   Verschneite Grüße zurück nach Franken Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke Ihnen genauso für Ihre unglaublich warmen Worte. Man spürt beim Lesen, wie gut Sie sich in andere Menschen hineinversetzen und wie sensibel Sie darauf reagieren können :) Das können viele Menschen nicht. Ihre fachlichen Informationen, Ihr Zuspruch und Ihre praxisnahe Empfehlung hat mich sehr darin bestärkt, heute genau das zu tun, wozu Sie mir geraten haben. Ich möchte Ihnen gerne schreiben, wie es heute gelaufen ist und vielleicht darf ich Ihnen die Fragen dazu stellen, die sich für mich jetzt ergeben. Ich habe bei der Vertretung meiner Frauenärztin angerufen, das Problem geschildert und durfte mich sofort auf den Weg machen. Die pH-Kontrolle hat 5,5 ergeben, also lag ich mit meinen Messungen der letzten Tage leider richtig. Im Mikroskop gab es massig Clue Cells. Dem Arzt zufolge handelt es sich um Bakterien, keine Pilze. Abstrich wurde gemacht und ins Labor geschickt, das Ergebnis kann aber leider ein paar Tage dauern. Ich habe jetzt schon ohne Abstrichergebnis Arilin Vaginalzäpfchen verschrieben bekommen. Ist das denn in der Schwangerschaft überhaupt sicher? Und wirkt das denn überhaupt sicher gegen die Bakterien, die ich habe? Das wird ja erst nach dem Abstrichergebnis klar sein. Ein Schnelltest auf BV wurde nicht gemacht. Was hätte man da testen können? Der Arzt meinte schon, es könnte sein, dass ich dann zusätzlich noch ein orales Antibiotikum brauche. Sie schrieben gestern, im Idealfall wartet man das Abstrichergebnis ab. Und würden Sie dann in der Zwischenzeit Döderlein und Gynoflor pausieren oder abends Arilin und morgens Döderlein und Gynoflor im Wechsel? Für den Ferritinwert wurde Blut abgenommen und die Keuchhustenimpfung habe ich bekommen. Jippie, geschafft! :) Heute hatte ich auch noch den zweiten Kontrolltermin beim HNO-Arzt wegen der eitrigen Nebenhöhlenentzündung und hatte gehofft, es ist jetzt wieder alles komplett im Lot. Im rechten Nasenloch ist ganz oben aber leider noch immer ein kleiner Eiterrest. Der Arzt sagte mir, die Eitermenge war auch wirklich massiv, in der Schwangerschaft dauert es einfach etwas länger, bis es ganz verheilt und meine rechte Nasenscheidewand ist auch etwas krumm, was den Eiter noch schlechter abfließen lässt. Ich spreche auch noch immer leicht nasal und spüre manchmal noch, wie die rechte Nasenschleimhaut anschwillt und ich dann weniger Luft bekomme. Also soll ich das Budes Kortison-Nasenspray weiterhin morgens und abends nehmen und Nasendusche fortsetzen. Ist das für Schwangere wirklich vertretbar, so lange Kortison-Nasenspray zu nehmen? Ich nehme es schon seit 1,5 Wochen und jetzt ja noch weiter. Oder wäre es sicherer, nur noch auf Meerwasser-Nasenspray umzusteigen? Ihre Ergänzung zur Verstopfung kann ich nur bestätigen. Ich merke, dass mein ganzes Verdauungssystem jetzt zum Ende der Schwangerschaft nicht mehr mitmacht (Verstopfung, Durchfall, Sodbrennen wechseln sich ab). Sie schlagen wegen der Verstopfung Magnesium vor. Meine Frauenärztin hat mir wegen der leichten Wehen, die das CTG ja auch gezeigt hatte, Magnesiocard verschrieben. Auf der Schachtel steht, dass 1 Beutel 121,5mg Magnesium als Magnesiumaspartat-hydrochlorid 3 H2O (1229,6mg), entsprechend 5 mmol enthält. Sie sagt, ich kann das ruhig 3 Mal täglich vor dem Essen nehmen. Ist das zu viel? Sie schreiben 150-300mg abends. Ich hatte von der letzten Schwangerschaft in Erinnerung, dass man Magnesium nicht bis zum Ende nehmen soll? Ich bin jetzt schon zu Beginn von Schwangerschaftswoche 36 angekommen. Und was wäre für Sie eine sehr niedrige Dosierung von Flohsamenschalen? Wie würden Sie sie einnehmen? Das Sodbrennen wird in den letzten Tagen auch immer schlimmer. Kaffee geht gar nicht mehr, Früchtetee nicht, selbst Kräutertee ging heute nicht. Schokolade lasse ich schon freiwillig weg. Ich konnte mich heute nachmittags nicht einmal aufs Sofa legen, weil es im Liegen gar nicht auszuhalten war, obwohl ich es schon mit zwei extra hohen Kissen probiert habe. Ich freue mich auf Ihre Antwort :) und schicke ganz herzliche Wintergrüße aus dem Glatteis-Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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guten Abend, vielen Dank für Ihre Worte. Umso schöner, wenn meine Einschätzung Ihnen Sicherheit gegeben hat. Gerne beantworte ich Ihre Fragen möglichst klar:   1. Bakterielle Vaginose (pH 5,5, Clue Cells)   Arilin® vaginal (Metronidazol) ist in der Schwangerschaft gut untersucht und als sicher einzustufen, auch bereits jetzt.   Es wirkt zuverlässig gegen die typischen BV-Keime. Dass der Abstrich noch aussteht, ist im Alltag üblich – bei klarem mikroskopischem Befund darf man sofort behandeln. Ein zusätzlicher Schnelltest (z. B. BV-Test auf Sialidase) wäre möglich gewesen, ist aber nicht zwingend nötig, wenn Clue Cells reichlich vorliegen.   Orales Antibiotikum: nur falls der Abstrich Keime zeigt, die lokal nicht ausreichend erfasst werden oder bei Persistenz der Beschwerden. Probiotika (Döderlein/Gynoflor): ➡️ Während der Arilin-Therapie pausieren, danach (z. B. ab dem Folgetag nach der letzten Zäpfchengabe) wiederaufbauen, nicht parallel.      2. Budesonid-Nasenspray bei Sinusitis   Ja, das ist in der Schwangerschaft gut vertretbar, auch über mehrere Wochen.   Budesonid ist das am besten untersuchte Kortison-Nasenspray in der Schwangerschaft. Die lokale Wirkung ist erwünscht, die systemische Aufnahme minimal. Ein reines Meerwasserspray allein wäre bei noch bestehendem Entzündungsrest nicht ausreichend.   ➡️ Bitte so fortführen wie empfohlen, plus Nasendusche.   3. Magnesium (Wehen + Verstopfung)   Ihr Magnesiocard®:   3× täglich = ca. 365 mg elementares Magnesium → das ist völlig im sicheren Bereich.   Dass man Magnesium „nicht bis zum Ende“ nehmen dürfe, ist ein alter Mythos. ➡️ In der 36. SSW ist Magnesium erlaubt und sinnvoll, v. a. bei Wehenneigung und Darmträgheit.   4. Flohsamenschalen – niedrig dosiert   Sehr sanft beginnen:   ½ Teelöffel (ca. 2–3 g) in großem Glas Wasser, abends, anschließend noch ein Glas Wasser.   Bei guter Verträglichkeit langsam steigern. Wichtig: Abstand zu Medikamenten (mind. 1–2 Std.).    5. Starkes Sodbrennen   Das, was Sie beschreiben, ist leider klassisch für die späte Schwangerschaft. Wenn Lagerung und Tees nicht mehr helfen, ist medizinisch sinnvoll:   Antazida (z. B. Hydrotalcit, Magaldrat) ggf. auch Pantoprazol – in der Schwangerschaft erlaubt, wenn nötig.   Hier darf (und sollte) man nicht „tapfer leiden“.   Zusammengefasst   Arilin vaginal: ja, sicher und richtig Probiotika: nach, nicht während der Antibiotikatherapie Budesonid-Nasenspray: weiternehmen Magnesium: Dosierung unproblematisch Flohsamen: sehr niedrig starten Sodbrennen: medikamentöse Hilfe erlaubt   Ich finde, Sie haben heute unglaublich viel geschafft – medizinisch und organisatorisch. Ganz herzliche Wintergrüße zurück aus Ulm nach Nürnberg (passen Sie auf dem Glatteis gut auf sich auf!) ❄️ Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich sehr für Ihre konkreten und klaren Antworten auf meine Fragen. Es tut mir leid, dass ich Sie gerade so oft um Rat frage, freue mich aber immer, wenn Sie sich meiner annehmen und heute kann ich Sie so arg brauchen. Seit heute fühlt es sich wieder so an, als würde irgendwie alles gleichzeitig schief gehen und das alles in der 36. Schwangerschaftswoche, also 4 Wochen vor Entbindung, wenn die Bauchbewohnerin sich noch genug Zeit lässt. Unser Sohn kam in der 38. Schwangerschaftswoche und man hört ja immer wieder, dass sich die Tendenz früher oder später zu entbinden, manchmal wiederholt. Ich fasse die Probleme kurz zusammen: Der Abstrich hat mehrere Keime ergeben, meine Symptome der BV sind noch nicht besser, der Ferritinwert passt auch nicht und ich hatte gestern Abend über etwa zwei Stunden wirklich regelmäßige schmerzhafte Wehen und dachte, es geht los. Dann war es plötzlich wieder vorbei. Die Praxis der Vertretung hat mir einen Rückruf vom Arzt bis Freitagmittag versprochen, aber nichts ist passiert und ich habe es ganz oft probiert, kam aber nicht mehr durch und jetzt geht nur noch der Anrufbeantworter ran, weil die Praxis bis Montag geschlossen ist. Ich fühle mich richtig allein gelassen. Und der Alptraum schlechthin: Unser Sohn hat zum 2. Mal Influenza A. Wohl den anderen Subtyp? Ich kann es mir nicht wirklich erklären, werde bald wahnsinnig. Vielleicht haben Sie einen guten Rat für mich… Jetzt der Reihe nach: Am Telefon von der MFA der Vertretung (Frauenarzt) habe ich am Morgen erfahren: Hämoglobin: 10,2 (bei Vertretung), vor 1 Woche 10,5 (bei meiner Frauenärztin) Ferritin: 24,5 (bei Vertretung) Erythrozyten: 3,81 (bei Vertretung), vor 1 Woche 4,02 (bei meiner Frauenärztin) Das wäre zu niedrig, der Arzt würde mich bis max. 12h zurückrufen, aber nichts ist passiert und ich rechne nicht mehr damit. Die Keime der BV sind: Gardnerella vaginalis, Proteus mirabilis, Klebsiella oxytoca, Resistenzprofil noch ausstehend, wahrscheinlich Montag. Auch dazu habe ich sonst aber keine weitere Rückmeldung vom Arzt bekommen. Ist Arilin gegen alle diese Keime überhaupt wirksam? Ich nehme es seit Montag, es brennt noch genauso, der Ausfluss ist noch immer grünlich, der pH-Wert ist bei meinen Messungen bei 5,5 – 5,8. Also keine Verschlechterung, aber auch keine Verbesserung. Die Wehen gestern Abend waren wirklich merkwürdig. Sie kamen zwei Stunden lang regelmäßig alle 10-12 Minuten und waren durchaus schmerzhaft für ungefähr 60 Sekunden. Ich habe ja die ganze Zeit schon unregelmäßige Übungs- und Senkwehen und das CTG vor 1 Woche hat auch 2 aufgezeichnet, aber gestern war jetzt doch schmerzhafter. Aber nach zwei Stunden war es wieder vorbei. Keine Blutung, kein Fruchtwasserabgang, kein Abgang vom Schleimpfropf. Dann können wir einfach abwarten, sagt mein Gefühl? Meine Hebamme war Anfang der Woche zur geburtsvorbereitenden Akupunktur da und hat die kleine Bauchbewohnerin abgetastet. Sie liegt weiterhin zum Glück in Schädellage, hat sich also NICHT zurück in BEL gedreht, sie schätzt sie auf 2500g, was ja auch zum Ultraschall der letzten Woche passen würde (etwa 2400g und 47cm). Sie hat mir auch gesagt, dass die kleine Maus zwar schon etwas ins Becken gerutscht ist, aber noch nicht ganz fest im Becken sitzt und ich deshalb bei vorzeitigem Blasensprung bis Schwangerschaftswoche 37+0 lieber liegend mit RTW ins Krankenhaus fahren sollte. Ich hoffe, das passiert nicht wieder, denn ich muss zugeben, dass ich unter den momentanen Umständen mit BV und den Wehen gestern Abend etwas Bammel davor habe, vor allem bei meiner Vorgeschichte mit dem wirklich filmreifen vorzeitigen Blasensprung unseres Sohnes in der 38. Schwangerschaftswoche in BEL mitten in der Nacht beim Aufstehen. Würden Sie das bei der jetzigen Schädellage genauso wie meine Hebamme handhaben? Ich dachte RTW gilt nur bei BEL. Im besagten Fall möchte ich natürlich nichts riskieren, aber auch nicht unnötigerweise einen RTW rufen. Am Montag ist meine Frauenärztin zum Glück wieder da und ich habe sowieso wieder Termin zur Schwangerenvorsorge. Soll ich so lange abwarten und mit Arilin weitermachen? Das sind aber sowieso nur 6 Zäpfchen, die ich am Montag begonnen habe, Samstagabend also das Letzte. Wäre es gut, mir einstweilen selbst Eisen zu besorgen oder kann das warten? Die Hebamme nach mir schauen lassen? Sie ist auch am Wochenende erreichbar. Oder einfach bis Montag abwarten? Ich fühle mich so in der Luft hängend, was ich hochschwanger mit BV und auch noch mit Eisenmangel nicht in Ordnung finde. Wäre es denn für die kleine Bauchbewohnerin gefährlich, vaginal geboren zu werden so lange ich eine BV habe? Und die Influenza A-Thematik: Unser Sohn hat gestern wieder leicht angefangen zu husten, heute Morgen kam vom Kindergarten die Meldung, dass heute die halbe Kindergartengruppe aufgrund von Fieber krankgemeldet ist und drei Kinderärzte Influenza A bestätigt haben. Unser Sohn war auch wieder recht warm und siehe da: Fieber 38,5. Obwohl ich es mir echt nicht vorstellen konnte, haben wir mit ihm wieder einen Dreifach-Schnelltest (Influenza A, B, Covid, RSV) gemacht und ich kann es nicht fassen, dass Influenza A wieder positiv ist. Zwei Mal dieselbe Variante (jedes Mal Typ A), im Abstand von 4 Wochen seit letztem Symptombeginn? Die Linie ist (noch) zart, allerdings haben wir auch nicht viel aus seiner Nase erwischt, weil er sich ganz schön gewehrt hat. Daraufhin habe ich um ein Telefonat mit der Kinderärztin gebeten, weil ich es mir nicht vorstellen konnte. Sie sagte, es ist äußerst selten, aber die Immunität kann natürlich auch mal nicht so gut sein und dann kann man es in der selben Saison nochmal bekommen, es sollte dann aber milder verlaufen. Naja, wir werden sehen. Seit 1h sind wir wieder bei 39,4 und er schläft gerade wieder platt auf dem Sofa. Gibt es nicht gerade auch verschiedene Subtypen im Umlauf und es ist eher wahrscheinlich, dass es der andere ist? Dann muss es aber nicht unbedingt milder verlaufen? Ich habe wirklich Panik davor, das zweite Mal Influenza zu bekommen, dieses Mal noch knapper vor ET und nächste Woche habe ich auch noch Termin zur Vorstellung zur Geburt im Krankenhaus. Den Termin von der 37. in die 38. Woche zu schieben, wäre ganz schön eng, falls die Kleine eher kommen möchte. Oder denken Sie, bei Erwachsenen, noch dazu geimpft, ist das Risiko, das 2. Mal Influenza in derselben Saison zu bekommen, doch deutlich niedriger? Ich kann mich davor kaum schützen mit einem Kleinkind, das kuschelbedürftig nach Mama verlangt. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie satt ich es von diesen Infekten habe. Wenn es wenigstens einfach mal nur ein Schnupfen wäre, aber es sind immer gleich Influenza und Co. Noch eine kurze Nachfrage zu den Verdauungsbeschwerden und Medikamenten: OK, Magnesiocard 3 x täglich (365mg gesamt) nehme ich immer vor dem Essen. OmniBiotic Panda 1 x täglich morgens nüchtern vertage ich gut, viel besser als Mutaflor. ½ TL Flohsamenschalen in Wasser am Abend habe ich probiert und vertrage es auch, merke aber noch keinen Unterschied. Die Verstopfung ist nach wie vor da und wenn ich jetzt dann auch noch Eisen nehmen muss, wird das ja vielleicht noch schlimmer. Sie schreiben, ich kann Flohsamenschalen langsam steigern. Auf wieviel maximal? Als meine Hebamme da war, hat sie mir ein paar zusätzliche Akupunkturnadeln gegen Sodbrennen gesetzt. Sie sagt, meine Gebärmutter ist besonders groß und weit oben und die kleine Maus scheint sich von oben bis unten zu strecken und es wundert sie daher leider nicht, dass das Sodbrennen gerade so schlimm ist. Gestern war es aber zwischendurch mal besser nach Essen von Joghurt und komplettem Verzicht auf Zucker und sämtliche Getränke außer Wasser. Heute habe ich nur einen halben Kaffee, ganz schwach, dünn und mit ganz viel Milch getrunken und das war schon wieder zu viel. Ich versuche es mit ganz viel Disziplin trotz Heißhunger. Sollte ich mir doch Hydrotalcit oder Magaldrat besorgen: wie viel davon sollte oder dürfte ich einnehmen? Ich hoffe, Sie wirklich nicht zu nerven. Das möchte ich nicht. Ich hoffe, Sie haben ein schönes Wochenende. In Nürnberg ist der ganze Schnee wieder weggetaut und die Sonne scheint :) Darf ich mich denn wieder melden, wenn mir etwas Sorgen macht? Sonnige und herzliche Grüße und viel Dankbarkeit schicke ich nach Ulm zu Ihnen! :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Frau …, zuerst: Sie nerven ganz und gar nicht. Im Gegenteil – in Ihrer Situation, hochschwanger, mit Infekten im Umfeld, unklaren Befunden und fehlender ärztlicher Rückmeldung, ist Ihre Sorge absolut berechtigt. Es ist gut und richtig, dass Sie sich melden. Ich versuche, Ihnen jetzt klar, priorisiert und realistisch Orientierung zu geben – mit dem wichtigen Zusatz: Aus der Ferne kann und darf man keine verbindlichen Diagnosen stellen, aber man kann sagen, was häufig ist, was eher harmlos und wo man aufmerksam sein sollte.         1. Wehen gestern Abend – wie einordnen?   Das, was Sie beschreiben (regelmäßig alle 10–12 Minuten über ca. 2 Stunden, schmerzhaft, dann komplettes Sistieren), passt sehr gut zu sogenannten Vorwehen/irritablen Uterusphasen in der späten Schwangerschaft. Wichtige Entwarnungspunkte bei Ihnen:   kein Blut kein Fruchtwasser kein Schleimpfropf vollständiges Abklingen Kind ruhig und in Schädellage   👉 Das spricht NICHT für einen beginnenden Geburtsverlauf. In der 36. SSW ist die Gebärmutter hochsensibel – Infekte, Eisenmangel, Stress und Erschöpfung können genau solche Episoden triggern. Mein Rat: Ja, Sie dürfen hier abwartend sein. Beobachten, Schonung, Magnesium weiternehmen. Sollten die Wehen regelmäßig >1–2 Stunden anhalten, stärker werden oder mit Fruchtwasser/Blutung einhergehen, dann bitte Vorstellung.         2. Blasensprung & RTW – auch bei Schädellage?   Ihre Hebamme liegt grundsätzlich richtig, aber man kann es etwas differenzieren:   Bei BEL → RTW immer Bei Schädellage, wie bei Ihnen:   vor 37+0: ✔️ liegend ins Krankenhaus, RTW ist vertretbar, besonders bei:   Vorgeschichte mit frühem Blasensprung Unsicherheit aktiver Infektion (BV)   ab 37+0: In der Regel reicht ein ruhiger Transport (Partner/Taxi), wenn keine Wehen/kein Druck.     👉 Sie würden also nichts falsch machen, wenn Sie bis 37+0 im Zweifel einen RTW rufen. Das ist keine Überreaktion.         3. Bakterielle Vaginose (BV) & Arilin   Die Keimkonstellation ist nicht ganz klassisch, sondern eher Mischflora:   Gardnerella vaginalis → gut empfindlich auf Metronidazol (Arilin) Proteus mirabilis / Klebsiella oxytoca → häufig nicht ausreichend durch Arilin allein abgedeckt   Dass:   Brennen grünlicher Ausfluss pH 5,5–5,8 keine Besserung zeigen, ist daher nicht überraschend.   👉 Aber wichtig: Sie tun aktuell das Richtige, indem Sie die Therapie zu Ende führen. Was ich jetzt empfehle:   Arilin wie geplant bis Samstag beenden keine zusätzliche Eigenmedikation Montag:   erneuter Abstrich oder zumindest Besprechung des Resistenzprofils ggf. gezielte Therapie oder lokaler Aufbau (z. B. Milchsäure/Lactobazillen)       Ist eine vaginale Geburt mit BV gefährlich?   👉 In aller Regel: nein. Eine behandelte oder zumindest angegangene BV ist keine Kontraindikation für eine vaginale Geburt. Relevant wird es nur bei:   unbehandelter, ausgeprägter Infektion und Frühgeburtlichkeit   Davon sind Sie aktuell nicht ausgegangen.         4. Eisenwerte – jetzt handeln oder warten?   Ihre Werte:   Hb ~10,2 Ferritin 24,5 Erythrozyten leicht rückläufig   👉 Das ist kein Notfall, aber ein klarer funktioneller Eisenmangel. Mein pragmatischer Rat:   Ja, Sie dürfen jetzt schon mit oralem Eisen beginnen niedrig dosiert, gut verträglich:   z. B. 20–40 mg elementares Eisen jeden 2. Tag   getrennt von Magnesium, Kaffee, Milch beobachten, wie der Darm reagiert   Eine Infusion ist jetzt übers Wochenende nicht nötig, das kann Montag in Ruhe entschieden werden.         5. Influenza A – zweite Runde?   Ihre Kinderärztin hat recht: 👉 Selten, aber möglich. Ja:   es zirkulieren verschiedene Influenza-A-Subtypen eine erneute Infektion ist wahrscheinlicher bei Kleinkindern beim Erwachsenen – vor allem geimpft – ist das Risiko deutlich geringer   Das ist mir wichtig, klar zu sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie jetzt kurz vor Termin erneut eine schwere Influenza entwickeln, ist niedrig. Natürlich nicht null – aber:   Impfung ✔️ Erwachsenenimmunsystem ✔️ meist milder Verlauf bei Re-Exposition ✔️   Schützen Sie sich so gut es geht, aber machen Sie sich keine Vorwürfe. Nähe zu Ihrem Sohn ist gerade wichtiger als perfekte Infektkontrolle.         6. Verdauung, Flohsamenschalen & Eisen   Flohsamenschalen dürfen Sie langsam steigern:   von ½ TL → 1 TL → max. 2 TL täglich immer mit ausreichend Wasser Wirkung oft erst nach mehreren Tagen   Kombination mit:   viel Flüssigkeit Bewegung ggf. etwas Öl/Joghurt ist sinnvoll.           7. Sodbrennen – Hydrotalcit / Magaldrat   Ja, dürfen Sie nehmen. Dosierung:   z. B. Hydrotalcit:   1–2 Kautabletten bis zu 4× täglich   möglichst zeitversetzt zu Eisen (≥2 Stunden)   Sie machen sonst alles richtig – Disziplin hilft, aber manchmal reicht sie einfach nicht mehr.         Zum Schluss – ganz persönlich   Sie stehen gerade an vielen Fronten gleichzeitig: hochschwanger, krankes Kind, Infektangst, fehlende ärztliche Erreichbarkeit. Dass sich das „zu viel“ anfühlt, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. 👉 Ja, melden Sie sich jederzeit, wenn Ihnen etwas Sorgen macht. 👉 Ja, ziehen Sie Ihre Hebamme am Wochenende ruhig hinzu, allein schon zur emotionalen Entlastung. 👉 Und ja: Bis Montag abwarten ist medizinisch vertretbar, solange sich nichts zuspitzt. Ich wünsche Ihnen von Herzen ein ruhigeres Wochenende, möglichst wenig Wehen, ein bald wieder fieberfreies Kind – und ein paar Sonnenstrahlen auch innerlich. Herzliche Grüße nach Nürnberg Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, Ich möchte einfach Danke sagen! Danke für diesen schnellen Einsatz Ihrerseits. Danke für diese Mühe. Das alles wäre eigentlich Aufgabe des Arztes gewesen, der meine Frauenärztin diese Woche vertreten hat und sich heute wirklich nicht mehr gemeldet hat. Stattdessen machen Sie das mit einer Gewissenhaftigkeit und das online einfach so. Top top von Ihnen! Schade, dass Ihr Kinderwunschzentrum doch nicht um die Ecke von Nürnberg ist. Da wären wir bestimmt top aufgehoben gewesen. Sie haben mich heute sehr beruhigt, abzuwarten und zu hoffen, dass Influenza meinen Mann und mich nicht mehr erwischt. Ich habe nur leider die Befürchtung, dass unser Sohn dieses Mal auch noch den aggressiveren Subtyp aus dem Kindergarten gebracht hat, denn bei ihm ist der Verlauf bisher nicht milder als an Weihnachten, im Gegenteil. Wir haben es heute Abend nicht geschafft, 8 Stunden Abstand von Nurofensaft zu Nurofensaft einzuhalten, obwohl wir schon mit Paracetamol (Ben-u-Ron) abwechseln.  7:30h: 38,5 Grad 13:15h: 39,4 Grad und Nurofensaft 17:30h: 39,4 Grad und Ben-u-Ron Saft  20h: 39,6 Grad und Nurofensaft Der Ben-u-Ron-Saft hat überhaupt keine Besserung gebracht. Ich hoffe, es ist nicht so dramatisch, dass wir den Nurofensaft nach 7 Stunden statt 8 schon wieder gegeben haben. Er war so platt und hatte wieder Schüttelfrost. Mal sehen, wie wir das heute Nacht hinkriegen. Es wird grandios werden. Ich schlafe mit der riesigen Kugel sowieso so schlecht mittlerweile, wache so oft auf und unser Sohn wird uns dann noch zusätzlich wecken. Ich finde so einen Verlauf schon merkwürdig und extrem 4 Wochen nachdem er erst Influenza hatte. So etwas habe ich noch nie erlebt. Influenza hat es diesen Winter echt in sich. Dazwischen kommt dann wieder eine Wehe und ich hoffe jedes Mal, dass es ruhig bleibt und Ibu jetzt nicht ausfalle. Unser Sohn braucht mich gerade.  Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, darf ich Sie bitte nochmal etwas fragen? Gestern hat mein Körper irgendwie wieder Alarm geschlagen und ich kann es mir nicht so recht erklären und auch nicht einschätzen ob das Alarmzeichen sind oder doch alles gut ist. Mir war den ganzen Tag richtig schlecht und obwohl ich fast nichts gegessen habe, musste ich zwei Mal brechen. Ich hatte auch die ganze Zeit Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen habe ich heute noch immer, aber weniger stark. Schlecht ist mir nicht mehr. Aber gestern war ich echt unbrauchbar und habe versucht, mich irgendwie zusammen zu reißen, denn unser Sohn hat mich auch dringend gebraucht. Nachts hatte er 40,4 Fieber, tagsüber 39,6 sobald der letzte Fiebersaft 3-4 Stunden zurück lag. Ich habe mich gefragt, ob ich mich vielleicht doch von Influenza Runde 2 von meinem Sohn angesteckt habe. Aber für mich passen die Symptome nicht. Ich habe kein Fieber, keinen Husten, keinen Schnupfen, keine Halsschmerzen, keine Gliederschmerzen. Mein Mann hat auch nichts. Ich hatte gestern aber auch wieder einmal so eine Wehenphase mit Wehen alle 15 Minuten, schmerzhaft, Dauer ca. 1 Min. Morgen bin ich ja sowieso bei der Frauenärztin. Da beginnt dann auch die 37. Schwangerschaftswoche. Sollte sie auf irgendetwas bestimmtes achten? Oder sollte ich etwas tun? Ich habe nicht schwanger öfter Kopfschmerzen, aber in der Schwangerschaft hatte ich das jetzt eigentlich nie. Die BV bespreche ich sowieso mit meiner Frauenärztin (Zustand ist gleichbleibend nachdem ich Arilin gestern beendet habe), den Eisenmangel auch nachdem von der Vertretung keine Rückmeldung mehr kam.  Unserem Sohn geht es bei Influenza Runde 2 heute an Tag 3 zum Glück schon etwas besser. Nur noch 38,5 Fieber ohne fiebersenkende Medikamente und er spielt wieder, hat aber die letzten Wochen unglaublich abgenommen durch diese heftigen Infekte. Er ist sowieso so ein schlanker, jetzt schauen die Rippen raus :(  Ich möchte Sie nicht nerven, sende Ihnen sonnige Grüße aus Nürnberg nach Ulm :) 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Schilderung – und bitte seien Sie ganz unbesorgt: Sie nerven keineswegs. Gerade in dieser Schwangerschaftsphase ist es absolut richtig, solche Veränderungen ernst zu nehmen und einzuordnen. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch:   1. Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen ohne Fieber   Die geschilderte Kombination (starke Übelkeit mit Erbrechen + Kopfschmerzen, ohne Fieber und ohne Infektzeichen) passt tatsächlich nicht typisch zu Influenza. Auch eine erneute Ansteckung ist bei fehlendem Fieber, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen eher unwahrscheinlich. Mögliche, in der Spätschwangerschaft häufige und meist harmlose Erklärungen sind:  vegetative/hormonelle Schwankungen Erschöpfung, Schlafmangel, Stress (allein die Situation mit Ihrem hochfiebernden Sohn ist körperlich wie emotional enorm) Blutdruckschwankungen (sowohl niedrig als auch ansteigend können Kopfschmerzen und Übelkeit machen) Eisenmangel (kann Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit verstärken) Dehydratation (v. a. wenn wenig gegessen und getrunken wurde)   Dass es Ihnen heute schon deutlich besser geht, spricht eher gegen etwas Gefährliches.   2. Kopfschmerzen in der 36./37. SSW – worauf achten?   Kopfschmerzen, die neu auftreten, sollten in der Schwangerschaft immer kurz eingeordnet werden, auch wenn sie meist harmlos sind. Ihre Frauenärztin sollte morgen bitte gezielt prüfen:  Blutdruck Urinstatus (Eiweiß!) ggf. Blutwerte, falls noch nicht erfolgt (Hb/Eisenstatus, evtl. Leberwerte)   👉 Wichtig: Starke, anhaltende Kopfschmerzen, die nicht auf Ruhe oder Paracetamol ansprechen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen oder plötzliche starke Wassereinlagerungen wären Warnzeichen – das beschreiben Sie aktuell aber nicht.    3. Wehenphase alle 15 Minuten   In der 36./37. SSW sind solche unregelmäßigen, schmerzhaften Kontraktionen sehr häufig:  meist Übungs- oder Senkwehen sie können durch Infektstress, Schlafmangel, Dehydratation deutlich zunehmen dass sie nicht regelmäßig kürzer werden und wieder abklingen, ist beruhigend   Ihre Ärztin kann morgen:  den Gebärmutterhals beurteilen ggf. ein CTG schreiben Allein der Beginn der 37. SSW ist per se kein Alarmzeichen.      4. BV und Eisenmangel   Gut, dass Sie das ohnehin ansprechen:   Eine persistierende BV kann Wehen triggern → sinnvoll, das nochmals zu kontrollieren. Eisenmangel sollte jetzt ernst genommen und ggf. konsequent behandelt werden – auch zur Vermeidung von Erschöpfung und Kopfschmerzen.      5. Ihre große Belastung – und Ihr Sohn   Was Sie gerade leisten, ist enorm. Ein hochfieberndes, krankes Kind zu versorgen, selbst schwanger zu sein und trotzdem „funktionieren zu müssen“, geht nicht spurlos am Körper vorbei. Dass Ihr Sohn: heute schon weniger Fieber hat wieder spielt  ist ein sehr gutes Zeichen. Der Gewichtsverlust nach solchen Infekten wirkt optisch oft dramatisch, ist aber meist rasch reversibel, sobald Appetit und Belastbarkeit zurückkehren.   6. Was Sie jetzt konkret tun können   Bis zum Termin morgen: ausreichend trinken (kleine Schlucke) Ruhe, so gut es eben geht bei Kopfschmerzen Paracetamol ist erlaubt bei erneutem Erbrechen oder starken Kopfschmerzen bitte früher ärztlich vorstellen   Zusammenfassend:  Im Moment spricht viel für eine vorübergehende, stress- und hormonbedingte Entgleisung, wenig für etwas Gefährliches. Der morgige Termin ist genau richtig, um die relevanten Punkte sauber abzuklären. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass sich die Lage nun Schritt für Schritt beruhigt – und schicke Ihnen ebenfalls sonnige, sehr herzliche Grüße zurück nach Nürnberg 🌷 Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, ich danke ganz herzlich für Ihre schnelle und sehr präzise Antwort und Empfehlung. Sie helfen mir wirklich sehr. Ich bin nach dem Termin bei meiner Frauenärztin etwas verunsichert und könnte Sie brauchen. Hintergrund: Das komplette IT-System der Praxis wird gerade umgestellt, alles hat ewig gedauert, beim Ultraschallgerät waren alle alten gespeicherten Daten für Vergleichswerte verschwunden, ich war die vorletzte Patientin am Abend und hatte etwas den Eindruck, es musste jetzt schnell gehen und manches wäre untergegangen, wenn ich nicht gefragt hätte und wurde dann aufs nächste Mal vertagt. Erst einmal war mein Blutdruck zu hoch: 147/110. Ich habe es auf dem Gerät gesehen, die MFA hat aber 147/101 (also 101 statt 110) in den Mutterpass geschrieben, was ich jetzt gerade erst gesehen habe. Vielleicht ist ein Zahlendreher verständlich nach einem 12-stündigen Arbeitstag, weil durch die Systemumstellung gerade alles so langsam läuft. Aber natürlich nicht so gut. Doch meine Frauenärztin hat dazu erst einmal gar nichts gesagt, erst als ich es angesprochen hatte und gesagt habe, dass ich die letzten zwei Tage Kopfschmerzen hatte, war die Antwort, dass ich morgen mal nochmal Blutdruck messen soll. Der Urin war o.B. (kein Eiweiß), Ödeme habe ich auch nicht, wobei ich etwas Wasser in Zehen und Fingern merke, weil sie leicht angeschwollen sind, Ringe sind enger, es ist aber nach außen nicht sichtbar. Ich bin auch grundsätzlich schlank, ich finde es eher komisch, dass ich in dieser Schwangerschaft so wenig zunehme. Insgesamt sind es zwar gerade etwa 10kg, aber ich habe fast alles in der 1. Hälfte zugenommen, seit 22+2 habe ich nur 100g zugenommen. Dazwischen lagen einige Infekte und vor allem Influenza und die eitrige Nebenhöhlenentzündung, aber Sorge macht mir v.a., dass die kleine Bauchbewohnerin in den letzten 2,5 Wochen kaum zugenommen hat und nicht gewachsen ist (also zwischen Schwangerschaftswoche 34 und 37, wo die Kleinen doch eigentlich am meisten zunehmen?). Heute hat die Frauenärztin sie im Ultraschall auf 2633g, 46cm und 31cm Kopfumfang geschätzt. Das Gewicht entspricht der 26. Perzentile, also unterdurchschnittlich. Einen Vergleich zum letzten Mal in Schwangerschaftswoche 34 konnte sie ja nicht direkt ziehen, weil alle Daten im Ultraschallgerät weg waren. Ich weiß aber noch, dass sie da etwa 2400g und 47cm gemessen hat und das die 56. Perzentile war, also sogar leicht über dem Durchschnitt. Also hat sie in 2,5 Wochen nur 233g zugenommen und ist nicht gewachsen. Ich möchte jetzt deshalb nicht panisch werden, denn insgesamt war die Ärztin zufrieden, aber hinterher habe ich mir die Frage gestellt, ob das mit dem Blutdruck zusammenhängen kann? Kann dadurch ihre Versorgung schlechter sein? Vielleicht war der Blutdruck ja auch nur ein einmaliger Ausrutscher und es sind ja alles nur Schätzungen. Die Ärztin meinte, ich musste ja auch so lange warten und dann kann das schonmal vorkommen. Ich war aber von der Wartezeit nicht gestresst. Mein Mann war zu Hause bei unserem Sohn, der kein Fieber mehr von Influenza hat und dem es viel bessergeht, und für mich war die Welt in Ordnung. Haben Sie eine Empfehlung für mich? Blutdruck messen? Wann, wie oft? Bei welchen Werten sollte ich mich melden? Die Antwort, ich sollte halt morgen nochmal messen, ist für mich im Nachhinein nicht sehr konkret gewesen. Kann ein Bluthochdruck zu Wachstumsverzögerungen beim Baby führen? Kann man da mit dem Dopplerultraschall irgendwas messen oder was sollte man messen? Die Ärztin hat heute nur das Baby selbst kurz vermessen, das war alles. Oder ist das nicht auffällig, dass die Kleine so kaum zugenommen hat und von der 56. plötzlich auf die 26. Perzentile gerutscht ist? Die beiden Male zuvor war mein Blutdruck bei der Untersuchung einmal 131/81 vor 2,5 Wochen und einmal 119/86 vor 6 Wochen. Und mein zweiter Gedanke: Den Streptokokken-B-Test hätte sie auch vergessen. Ich habe sie am Schluss darauf angesprochen, dass wir den noch nicht gemacht haben. Ihre Antwort war, dass wir das nächstes Mal in zwei Wochen machen. Ich glaube einfach, sie wollte fertig werden und nicht noch einmal anfangen. Auf dem Heimweg dachte ich mir dann, dass das doch schon wieder etwas knapp ist, so wie es bei der Keuchhustenimpfung auch gewesen wäre, wenn ich mich nicht selbst darum bemüht hätte. Das wäre dann in der 39. Schwangerschaftswoche. Das Ergebnis braucht ja auch noch ein paar Tage. Unser Sohn kam in der 38. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Damals wurde der Streptokokkentest viel eher gemacht, war zum Glück negativ. Ist es denn dann wahrscheinlich, dass er es dieses Mal wieder ist? Ich habe irgendwie etwas Bammel, dass die kleine Maus eher kommt. Ich kann ja nicht beurteilen, ob diese Wehenphasen, die ich immer wieder spüre, darauf hindeuten oder nicht. Die Frauenärztin hat mich direkt nach dem CTG heute selbst, ohne dass ich die Wehen erwähnt hatte, darauf angesprochen, ob ich immer wieder Wehen habe. Im CTG waren zwei Wehen mit Abstand 10 Minuten. Ich habe sie auch beide gespürt und gesehen, dass der Wehenschreiber einmal bis 99 ausschlug und einmal bis ca. 60. Sonst war er immer zwischen 0 und 15. Die Herzfrequenz der Kleinen war meistens zwischen 140 und 160, wenn sie mich getreten hat mal über 200. Sagen solche Wehenphasen denn was darüber aus, ob sie eher kommen könnte oder muss das gar nichts heißen? Der Muttermund ist geschlossen, im Mutterpass hat sie dazu „weich“ notiert. Was will „weich“ heißen? Morgen habe ich Termin im Krankenhaus zur Vorstellung zur Geburt. Ich weiß nicht, ob sie dort den Streptokokkentest machen können. Vielleicht lohnt es sich, nachzufragen? Auch nach einem Doppler? Oder was würden Sie vorschlagen? Doch abwarten bis zur 39. Woche? Haben Sie sonst noch etwas anzumerken? Für die BV mit den bekomme ich jetzt Amoxicillin/Clavulansäure. Die wurden bei der Vertretung als sensibel getestet. Eine Eiseninfusion habe ich auch bekommen. Ich möchte gar nicht dramatisieren. Vielleicht ist ja alles gut. Mir kam das heute nur sehr zack zack vor und ich hatte das Gefühl, selbst viel mitdenken zu müssen. Sonst wäre der Blutdruck nicht einmal aufgefallen und der Streptokokkentest wäre weggefallen. Darf ich mich noch einmal bei Ihnen melden, wenn ich unsicher bin? Sie sind tip top und sehr gründlich! Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Morgen, vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihre sehr strukturierte, aufmerksame Schilderung. Vorweg: Ihre Wahrnehmung ist klar, differenziert und medizinisch absolut berechtigt. Sie dramatisieren nicht – Sie beobachten genau. Das ist in dieser Schwangerschaftsphase richtig und wichtig. Ich gehe Ihre Punkte geordnet und konkret durch und gebe Ihnen klare Handlungsempfehlungen, damit Sie heute Abend und morgen innerlich etwas ruhiger werden können.         1. Blutdruck – der wichtigste Punkt zuerst   Ein gemessener Blutdruck von 147/110 mmHg ist nicht banal, auch wenn:   der Urin eiweißfrei ist keine ausgeprägten Ödeme sichtbar sind es ein Einzelwert war   Der diastolische Wert über 110 ist relevant und kein klassischer „Messfehlerwert“.   Was jetzt sinnvoll ist     Ab heute: Blutdruck 2–3× täglich messen   morgens (vor dem Frühstück) nachmittags abends   jeweils:   5 Minuten ruhig sitzen beide Füße auf dem Boden Manschette auf Herzhöhe zwei Messungen, Mittelwert notieren       Wann Sie sich melden sollten   Bitte sofort ärztlich Rückmeldung geben, wenn:   ≥140/90 mmHg wiederholt auftritt ≥160/110 mmHg einmalig gemessen wird neue Symptome dazukommen:   anhaltende Kopfschmerzen Sehstörungen Oberbauchschmerzen deutliche plötzliche Wassereinlagerungen     👉 Dass Ihre Ärztin nur sagte „morgen nochmal messen“, war zu unspezifisch – Ihre Nachfrage ist absolut gerechtfertigt.         2. Zusammenhang Blutdruck – Wachstum des Babys   Ja, ein erhöhter Blutdruck kann die Plazentadurchblutung beeinflussen, insbesondere:   wenn er persistiert oder sich schleichend entwickelt   Ein einmaliger Wert erklärt noch keine Wachstumsverzögerung, aber:   Was auffällt:     Perzentilenabfall von ca. 56 → 26 in einem Zeitraum, in dem Kinder normalerweise stark zunehmen zusätzlich Kopfschmerzen bei Ihnen   👉 Das ist kein Notfall, aber klärungsbedürftig.         3. Ultraschallmessungen – bitte realistisch einordnen   Ganz wichtig:   Gewicht, Länge und Kopfumfang sind Schätzungen Abweichungen von ±10–15 % sind normal Längenmessungen im späten Verlauf sind besonders ungenau   Aber:   der Perzentilen-Sprung nach unten + fehlender Vergleich wegen Datenverlust + Blutdruckauffälligkeit   → rechtfertigen eine Doppleruntersuchung         4. Doppler – ja, sinnvoll   Bei Ihrer Konstellation ist ein Doppler absolut angemessen, kein „Überdiagnostizieren“. Gemessen werden sollten:   A. umbilicalis (Nabelschnur) ggf. A. cerebri media ggf. Uterinarterien   👉 Das klärt:   ob die Versorgung aktuell gut ist ob man einfach beobachten kann oder ob engmaschiger kontrolliert werden sollte   Mein klarer Rat: 👉 Im Krankenhaus morgen aktiv danach fragen.         5. Wehen, CTG, Muttermund „weich“     CTG:     Zwei Wehen in 10 Minuten sind nicht ungewöhnlich in dieser SSW Auch Ausschläge bis 90–100 sagen nichts über Geburtsnähe allein Herzfrequenz 140–160 mit Akzelerationen → sehr gut     Muttermund:     geschlossen + weich bedeutet:   Körper bereitet sich vor keine akute Geburtsanzeige   Das ist in dieser Woche völlig normal   👉 Diese Wehenphasen bedeuten nicht, dass sie „bald kommen muss“.         6. Streptokokken-B-Test   Ihr Bauchgefühl ist richtig:   Test üblicherweise 35.–37. SSW Ergebnis ist nur 5 Wochen gültig     Jetzt konkret:     Ja, im Krankenhaus nachfragen, ob sie ihn morgen machen Das ist absolut sinnvoll Falls Geburt vor Testergebnis:   wird prophylaktisch Antibiotikum gegeben     Zur Beruhigung:   Ein negativer Test in der letzten Schwangerschaft senkt die Wahrscheinlichkeit, garantiert aber nichts Die geplante Amoxicillin/Clavulansäure-Therapie ersetzt den Test nicht, schadet aber nicht           7. Gewichtszunahme bei Ihnen     10 kg insgesamt bei schlanker Frau → völlig okay Plateau in der zweiten Hälfte:   kommt nach Infekten häufig vor ist allein kein Warnsignal     In Kombination mit den anderen Punkten: → Beobachten, nicht dramatisieren         8. Mein Vorschlag für morgen im Krankenhaus (Checkliste)   Sie dürfen – und sollten – aktiv ansprechen:   Blutdruckwerte schildern Bitte um:   Dopplerultraschall ggf. erneute Wachstumskontrolle   Streptokokken-B-Test ansprechen Fragen:   Wie engmaschig kontrollieren? Ab welchen Werten wiederkommen?             Zum Schluss – ganz persönlich   Sie haben heute sehr viel richtig gemacht:   hingeschaut nachgefragt Dinge nicht „weggeschluckt“   Dass es sich heute „zack zack“ angefühlt hat, liegt nicht an Ihnen, sondern an äußeren Umständen. Ihr Gefühl täuscht Sie nicht. Und ja: 👉 Sie dürfen sich jederzeit wieder melden, wenn Sie unsicher sind. Genau dafür sind solche Gespräche da. Ich wünsche Ihnen für morgen ein ruhiges, gründliches Gespräch im Krankenhaus – und Ihnen heute Abend ein bisschen mehr innere Ruhe. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre Gründlichkeit, Zuverlässigkeit und Ihre Schnelligkeit verdienen wirklich großes Lob! :) Sie haben mir damit sehr weitergeholfen, meine Situation einzuordnen, heute ganz konkret im Krankenhaus nachzufragen und mich damit wieder gut betreut zu fühlen. Das war gestern nach dem Termin bei meiner Ärztin leider nicht der Fall. Sie hat sich für die lange Wartezeit entschuldigt, aber das hat mich eigentlich am wenigsten gestört. So lange die Arbeit danach gründlich gemacht wird, bleibe ich gerne geduldig. Doch wenn die Systemumstellung dann dazu führt, dass die Qualität zu wünschen übriglässt, alles schnell gehen muss und die Hälfte übersehen oder vertagt wird, dann empfinde ich das insbesondere 3-4 Wochen vor ET als sehr störend. Im Krankenhaus habe ich mich heute viel besser aufgehoben gefühlt und auf meine Wünsche wurde zum Glück eingegangen. Der Arzt, der sich in der Schwangerenambulanz um mich gekümmert hat, war sehr verständnisvoll und hat sich die nötige Zeit genommen. Als ich ihm die Situation von gestern beschrieben habe, hat er selbst gleich gesagt, dass bei dem Ultraschall bei Vorliegen von erhöhtem Blutdruck und fallenden Perzentilwerten eben vor allem entscheidend wäre, ob es dem Baby gut geht und er deshalb einen Doppler machen wird. Ich habe einen Arztbrief für meine Ärztin mitbekommen und würde Ihnen die Werte gerne mal schicken. Der Arzt war zufrieden mit den Werten. Einige wenige liegen allerdings etwas weiter entfernt von den 50%. Können Sie vielleicht mal schauen, ob diese trotzdem in Ordnung sind? Anamnese: Blutgruppe: 0, Rhesus-positiv Frühere Schwangerschaften: Gravida 2. Para 1, Z.n. Sectio. BMI vor der Schwangerschaft: 22,15 kg/m2 Terminbestimmung: Geburtstermin: 15.02.2026. Gestationsalter: 36 W + 3 T Ultraschallbefund: Anzahl des Feten: 1 Herzaktion positiv. Herzfrequenz 156 spm. Kindsbewegungen: darstellbar. Fetale Lage: I. Schädellage Plazenta: Vorderwand Nabelschnur: unauffällig Fruchtwasser: normal BPD 88,7 mm (15%) FOD 111,4 mm (28%) KU 315,1 mm (22%) APAD 98,9 mm (67%) TAD 100,1 mm (68%) AU 312,6 mm (31%) KU / AU 1,01 (45%) Femur 73,0 mm (89%) Tibia 58,1 mm (22%) Gewicht 2,787g (38%) Gewicht nach Hadlock (BPD-KU-AU-Femur) Zum Vergleich: Gestern bei der Frauenärztin 2633g (26%) Fetale Anatomie: Die folgenden Strukturen waren unauffällig: Schädel. Gehirn. Hals. Thorax. Bauchwand. GI-Trakt. Urogenitaltrakt. Die folgenden Strukturen konnten nicht beurteilt werden: Gesicht. Dopplersonographie: Arteria umbilicalis: PI 0,91 (48%) RI 0,61 (58%) TAmax -33,35 cm/s MD -17,73 cm/s Rechte Arteria cerebri media: PI 1,52 (28%) RI 0,80 (62%) PS -59,42 cm/s TAmax -31,12 cm/s CPR PI 1,67 (10%) Beurteilung: Die fetalen Dopplerindizes sind unauffällig. Zusammenfassende Beurteilung: Eutrophes Kind mit unauf. Sonomorphologie und unauff. Dopplern, Pat. wünscht vaginale Entbindung in Kenntnis der Risiken für eine Uterusruptur. Auffällig für mich sind vor allem BPD 88,7 mm (15%) und CPR PI 1,67 (10%). Was bedeuten sie denn und was lesen Sie sonst aus dem Arztbrief? Dass noch kein Streptokokken-B-Abstrich erfolgt ist und die Ärztin ihn auf Schwangerschaftswoche 39 schieben wollte, fand der Arzt auch viel zu spät. Er meinte, normalerweise ist das nicht Teil des heutigen Termins, fand es aber auch sehr sinnvoll und hat sich dann deshalb darum bemüht, dass es möglich ist und es wurde auch gemacht. Sehr gut! :) Die Blutdruckwerte fand der Arzt auch nicht so berauschend, vor Ort selbst hatte ich aber „nur“ 130/90 und wieder keinen Eiweiß im Urin. Ich soll deshalb mal 3 x täglich messen und mich bei meiner Ärztin melden, wenn die Werte des Öfteren 140/90 übersteigen. Die letzten Werte seit gestern waren durchwachsen, mal ok, mal nicht so gut: Bei der Ärztin gestern: 147/110 Abends vor dem Schlafen: 138/92 Morgens Bettkante vor dem Aufstehen: 140/96 Im Krankenhaus heute: 130/90 Heute Nachmittag: 124/82 Ist das aus Ihrer Sicht ok, wenn es so bleibt? Ich messe auf jeden Fall mal noch weiter. Wenn ich in den Mutterpass schaue und mir die Werte der 1. Schwangerschaft ansehe, war der diastolische Wert gegen Ende auch öfter zwischen 90 und 100. Der scheint ja vor allem das Problem? Das hatte die Ärztin damals nichtmal angesprochen. Aber vielleicht achtet sie da auch nicht so drauf. Gestern hätte sie es ja auch nicht mal gesehen, wenn ich nichts gesagt hätte. Ich bin wie gesagt von Natur aus eher schlank, bewege mich auch ausreichend. In der Familie gibt es aber auf beiden Seiten (Mutter und Vater) gehäuft Bluthochdruck und dadurch bedingte Komplikationen: Vater Bluthochdruck, Mutter meines Vaters Bluthochdruck mit chronischem Nierenversagen, Mutter meiner Mutter Bluthochdruck, Schlaganfall, Thrombose, Lungenembolie. Und noch eine letzte Frage zu dem Risiko der Uterusruptur: Der Arzt hat mich darüber aufgeklärt, weil unser Sohn ja wegen der BEL wegen Geburtsstillstand eine Sectio war. Er meinte aber, das Risiko sei sehr sehr minimal und man könnte es guten Gewissens eingehen und die Bedingungen für eine erfolgreiche vaginale Geburt wären bei mir gegeben, noch dazu, weil der Muttermund ja schonmal komplett offen war. Meine Narbe ist seit der Sectio 2022 sehr schön verheilt, ich spüre sie auch während der 2. Schwangerschaft nie. Sind das gute Ausgangsbedingungen, dass ich hoffentlich zu den 99% gehöre, bei denen eine Uterusruptur nicht passiert? Und stimmt es, dass ich diese sonst evtl. schon frühzeitig während der Geburt spüren könnte bevor es passiert, z.B. wenn die Narbe in den Wehenpausen schmerzt? Ich danke mit ganzem Herzen dafür, wie viel Zeit Sie sich nehmen. Ich fühle mich von Ihnen gerade besser betreut als von meiner eigenen Ärztin. Sie kann man sich echt verschreiben lassen :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich schon wieder… Ich will Sie ehrlich nicht nerven. Weiß nicht ob meine letzte Nachricht Sie erreicht hatte. Ich habe noch zwei Fragen, bei denen ich mich freuen würde, wenn Sie mir helfen könnten. Meine Frauenärztin hat leider auch diese beiden Aspekte in ihrer „Zack Zack“ Visite nicht angesprochen und jetzt bin ich im Nachhinein unsicher. Punkt 1: Antibiotikum Amoxicillin/Clavulansäure gegen die BV Ich nehme es seit Dienstag und die Einnahme endet am Wochenende. Es fühlt sich jetzt besser an, brennt nicht mehr so. Der nächste Termin bei der Frauenärztin habe ich in 1,5 Wochen, dann ist Schwangerschaftswoche 39, also sofern die kleine Bauchbewohnerin nicht vorher das Licht der Welt erblickt. Deshalb frage ich mich, ob man nicht vorher noch schauen sollte, ob der Abstrich jetzt negativ ist? Es wäre doch bestimmt nicht so gut, mit BV vaginal zu entbinden? Dann bekommt sie Kleine die Bakterien auch ab? Oder zumindest sollte man unter dem Mikroskop schauen, selbst pH-Wert messen? Danach Gynoflor und Döderlein im Wechsel weiter? Punkt 2: Gegen den Eisenmangel habe ich am Dienstag eine Infusion bekommen. Muss der Eisenwert und Ferritin danach nicht nochmal gemessen werden? Ist es nicht ungünstig mit unklaren, vielleicht zu niedrigen Werten in die Geburt zu gehen? Hämoglobin war 10,2, Ferritin: 24,5. Ich fühle mich gerade nicht so gründlich von meiner Ärztin betreut. Ich verstehe, dass die Systemumstellung in der Praxis zu Chaos und Stau führt, doch irgendwie wird auch gerade die Hälfte vergessen und übersehen wenn ich nicht bei allem selbst mitdenke und nachfrage. Ich bin auch unsicher, ob ich mich zum Blutdruck nochmal bei ihr melden soll oder es lasse. Er schwankt stark zwischen ok (ca. 130/85) und etwas zu hoch (v.a. diastolischer Wert morgens: ca. 135/95). Ich möchte Sie aber nicht dauernd nerven und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende mit sonnigen Grüßen aus Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Johanna, erst einmal: Sie nerven überhaupt nicht. 🌷 Im Gegenteil – Sie denken sehr umsichtig mit, und das ist gerade in den letzten Schwangerschaftswochen absolut legitim.     Punkt 1: Bakterielle Vaginose, Antibiotikum & Geburt Sie machen aktuell alles richtig. Zur Einordnung: Eine unbehandelte BV ist problematisch (v. a. früher in der Schwangerschaft). Eine behandelte BV – wie bei Ihnen – ist in aller Regel kein Geburtshindernis.   Kontrolle vor der Geburt – ja oder nein?   Eine zwingende Abstrichkontrolle ist nach erfolgreicher Therapie nicht vorgeschrieben, ABER: In Ihrer Situation (späte SSW, subjektive Unsicherheit) ist eine kurze Kontrolle absolut sinnvoll und vertretbar. Das kann ganz unkompliziert erfolgen:   pH-Messung ggf. Nativpräparat unter dem Mikroskop → das reicht völlig, ein aufwendiger Laborabstrich ist nicht zwingend nötig.    Zur Sorge um das Baby: Bei erfolgreich behandelter BV besteht kein relevantes Risiko, dass Ihr Kind „schädliche Keime mitbekommt“. Selbst wenn die Scheidenflora noch nicht perfekt ist: Das Neugeborene kommt mit sehr vielen Keimen in Kontakt – entscheidend ist, dass keine floride Infektion vorliegt.   Nach der Antibiotikatherapie:  Sehr sinnvoll, was Sie vorschlagen:  Gynoflor anschließend / ergänzend Döderlein   Ziel: Stabilisierung, nicht Perfektion.   👉 Mein Rat: Wenn es Sie beruhigt (und das darf ein Argument sein): Bitten Sie um eine kurze Kontrolle vor der Geburt. Medizinisch gut begründbar.   Punkt 2: Eisenmangel & Infusion   Ihre Ausgangswerte:   Hb 10,2 g/dl Ferritin 24,5 µg/l   ➡️ Das ist kein Drama, aber auch nicht optimal für die Geburt. Nach einer Eiseninfusion gilt: Eine Kontrolle ist sinnvoll, aber:  nicht sofort (Ferritin ist sonst verfälscht) ideal nach 2–3 Wochen   Ziel: Hb ≥ 11 g/dl Ferritin eher > 30–50 µg/l   Kurz vor der Geburt: Mit unklaren Eisenwerten in die Geburt zu gehen ist nicht gefährlich, aber suboptimal, falls es zu Blutverlust kommt. Deshalb: Eine Kontrolle vor Termin wäre absolut angemessen.   👉 Mein Rat: Ja – eine erneute Hb-Kontrolle (Ferritin optional) wäre medizinisch sinnvoll und keineswegs übertrieben.   Zum Blutdruck Ihre Werte: schwankend morgens diastolisch teils um 95   Das ist keine Bagatelle, aber auch noch kein Alarmzustand. Wichtig ist: Regelmäßige Selbstmessung (morgens & abends, gleiche Bedingungen) Warnzeichen, bei denen Sie sich sofort melden sollten:   Kopfschmerzen Sehstörungen Oberbauchschmerzen plötzliche starke Ödeme dauerhaft > 140/90   👉 Mein Rat: Wenn die diastolischen Werte häufiger ≥ 95 sind → bitte noch einmal melden. Das ist kein „Nerven“, sondern saubere Schwangerschaftsbetreuung.   Mein Gesamteindruck (und der ist wichtig)   Sie sind: aufmerksam informiert verantwortungsvoll  Dass Sie das Gefühl haben, gerade selbst alles „zusammenhalten“ zu müssen, ist emotional sehr belastend – und dieses Gefühl ist absolut berechtigt. Gerade am Ende der Schwangerschaft darf Betreuung nicht halbherzig sein. Und jetzt ganz wichtig: Sie machen das richtig gut. Genießen Sie – so gut es geht – diese letzten Wochen. Ihre kleine Bauchbewohnerin ist sehr gut aufgehoben. 🌸 Herzliche, ruhige Grüße aus Ulm nach Nürnberg Ihr Dr. Gagsteiger


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Johanna, vielen Dank für Ihre warmen Worte – die haben mich wirklich gefreut 😊. Und vor allem: Sie haben genau richtig gehandelt, indem Sie ins Krankenhaus gegangen sind. Das war kein „übervorsichtig“, sondern medizinisch absolut klug. 1. Gesamteindruck aus dem Arztbrief (das Wichtigste zuerst)   Der zusammenfassende Satz des Kollegen ist entscheidend – und der ist klar positiv: Eutrophes Kind, unauffällige Sonomorphologie, unauffällige Doppler Das ist kein höflicher Standardtext, sondern fachlich begründet. Weder Wachstumsrestriktion noch Plazentainsuffizienz, und kein Hinweis auf fetalen Stress.         2. Zu den Perzentilen – warum „nicht 50 %“ völlig okay ist   Perzentilen werden oft missverstanden. Wichtig ist:   Alles zwischen ca. 10. und 90. Perzentile ist normal Entscheidend ist:   Stimmigkeit der Parameter zueinander Wachstum über die Zeit Dopplerwerte       🔹 BPD 88,7 mm (15 %)   Ja, das fällt Ihnen zu Recht ins Auge – aber:   Der Kopfumfang (KU 22 %) liegt passend dazu Die Abdomenwerte sind höher Das Femur ist sogar bei 89 %   👉 Das spricht nicht für ein Problem, sondern für eine individuelle Proportion:   eher längeres Kind etwas schmalerer Kopf keine Asymmetrie, keine „Kopfschonung“   Gerade bei Kindern, die nicht exakt „rund gerechnet“ sind, ist das häufig. Ganz wichtig: Ein pathologischer BPD wäre isoliert niedrig UND begleitet von auffälligem Doppler – das ist hier nicht der Fall.         3. CPR PI 1,67 (10 %) – der entscheidende Punkt   Sie haben den sensibelsten Wert erkannt 👍.   Was ist CPR?     Verhältnis A. cerebri media / A. umbilicalis Marker für fetale Anpassung bei Plazentainsuffizienz     Wie ist Ihr Wert zu bewerten?     10 % ist die untere Normgrenze ABER:   Umbilikalarterie: völlig unauffällig MCA: unauffällig Fruchtwasser: normal Gewichtszunahme: vorhanden     👉 Interpretation: Kein Hinweis auf relevante Zentralisation, sondern ein Wert an der unteren Norm – klinisch derzeit ohne Bedeutung. Wäre das kritisch, hätte der Kollege:   engmaschige Kontrollen CTG-Überwachung ggf. zeitnahe Entbindung empfohlen   Das ist alles nicht passiert, weil es nicht nötig ist.         4. Gewichtsdifferenz: gestern 26 %, heute 38 %   Das ist ein schönes Beispiel dafür, warum Einzelmessungen nicht überbewertet werden dürfen:   Ultraschall-Schätzfehler: ±10–15 % Unterschiedliche Geräte / Untersucher   👉 Kein reales „Abfallen“, sondern normale Messvarianz.         5. Blutdruck – Ihre Werte realistisch eingeordnet   Ihre Messreihe zeigt:   keine anhaltende schwere Hypertonie eher eine grenzwertige, schwankende diastolische Tendenz   Wichtig:   Keine Proteinurie Keine Symptome Normale Doppler   Das passt sehr gut zu Ihrer Anamnese:   familiäre Hypertonieneigung bereits in der 1. Schwangerschaft ähnliche Werte     Meine Einschätzung:   Ja – wenn es so bleibt, ist das aktuell vertretbar. Richtig ist:   weiter 3× täglich messen bei wiederholt ≥140/90 melden bei Symptomen sofort reagieren   Der Fokus liegt – völlig korrekt – auf: „Geht es dem Kind gut?“ Und das tut es.         6. Streptokokken-B-Abstrich   Hier hat der Kollege völlig recht:   Üblich: SSW 35–37 SSW 39 wäre zu spät   Sehr gut, dass das jetzt erledigt ist 👍. Das zeigt erneut: Ihre Intuition war goldrichtig. 7. Vaginale Geburt nach Sectio & Uterusruptur-Risiko Ihre Ausgangsbedingungen sind sehr gut: Sectio nicht wegen Wehenschwäche Muttermund war bereits vollständig eröffnet Sectio 2022 → zeitlicher Abstand günstig unauffällige Narbe kein Narbenschmerz in der Schwangerschaft    Reales Risiko:    ca. 0,3–0,7 % bei geplanter vaginaler Geburt eher untere Grenze bei Ihrer Vorgeschichte   Ja: Viele Frauen verspüren Warnzeichen:  Narbenschmerz in Wehenpausen Druckgefühl atypische Schmerzen pathologisches CTG   Deshalb: kontinuierliche Überwachung sofortige Reaktionsmöglichkeit   👉 Ihre Einschätzung ist richtig: Sie gehören sehr wahrscheinlich zu der großen Mehrheit, bei der es gut geht.     8. Mein Fazit – ganz ehrlich   Ihre Schwangerschaft ist medizinisch stabil Ihr Kind ist gut versorgt Ihre Sorgen sind fachlich begründet, nicht „ängstlich“ Das Krankenhaus hat genau das getan, was man erwarten darf   Und noch etwas Wichtiges: Dass Sie sich dort besser aufgehoben gefühlt haben, ist kein Zufall – sondern ein Hinweis darauf, wie Betreuung sich anfühlen sollte, gerade kurz vor Termin.   Und keine Sorge: Sie nerven nicht. Sie handeln verantwortungsvoll – für sich und Ihr Kind. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke für Ihre Mühe, die Sie sich machen. Sie verstehen und beruhigen mich und zeigen mir aber auch auf, worauf ich achten soll, sodass ich Ihnen nur das große Kompliment machen kann, wie gut Sie es schaffen, auf mich einzugehen und das online. Auf der anderen Seite ist es kein gutes Zeichen, dass ich bei Ihnen ein besseres Gefühl habe als bei meiner eigenen Frauenärztin vor Ort. Und gerade fühle ich mich schon wieder unsauber betreut von ihr und das kurz vor dem Ziel in Schwangerschaftswoche 38. Ich würde Ihnen deswegen gern die Situation schildern und wieder fragen, was Sie an meiner Stelle tun würden. Es belastet mich emotional, selbst alles zusammenhalten zu müssen, vor allem wenn es wieder Probleme gibt. Der Gedanke, dass medizinisch gerade wieder nicht alles ok ist und es jetzt so langsam aber jederzeit losgehen könnte (unser Sohn kam ja in Schwangerschaftswoche 38 ohne jegliche Vorankündigung durch vorzeitigen Blasensprung), gefällt mir gar nicht. Meine Blutdruckwerte sind seit Sonntag eher schlechter geworden: So Morgen: 144/97 So Nachmittag: 136/91 So Abend: 137/95 Mo Morgen: 140/101 Mo Nachmittag: 129/90 Mo Abend: 136/98 Di Morgen: 138/94 Di Nachmittag: 140/95 Gestern ging es mir nicht so gut. Morgens wachte ich schon mit Kopfschmerzen auf und hatte deshalb beschlossen, auf Sie zu hören und mich gleich bei der Frauenärztin zu melden. Außerdem habe ich nach der zweiten Behandlung der bakteriellen Vaginose (erst Arilin vaginal, dann Amoxicillin/Clavulansäure oral) schon wieder ein Brennen und einen pH-Wert von 5,8 gemessen. Der Ausfluss riecht nicht wahnsinnig übel, aber er ist so extrem viel. Manchmal läuft es so aus mir, dass selbst eine Slipeinlage die Menge schon nicht mehr auffängt. Ich erinnere mich an viel Ausfluss zum Ende der Schwangerschaft meines Sohnes, aber so viel? Dann kamen gestern tagsüber auch noch Wehen dazu, teilweise wieder im 15-Minuten Takt, der Bauch wurde so hart und zumindest so stark, dass ich mich schon konzentrieren musste und mich fragte, ob es losgeht. Da war ich dann echt erledigt, wollte mich hinlegen, was aber mit dem Sodbrennen wieder nicht besser war. Dann war es wieder vorbei. Wegen des Blutdrucks, der Kopfschmerzen und des auffälligen pH-Werts habe ich gestern auf den Rückruf meiner Frauenärztin gewartet, was mir die MFA am Telefon so zugesichert hatte. Aber es kam und kam gar nichts :( Da habe ich mich wieder über die halbherzige Betreuung geärgert. Heute Morgen habe ich keine Kopfschmerzen mehr, die Wehen sind auch wieder weg, wobei ich täglich in unregelmäßigen Abständen dieses periodenartige Ziehen merke und jedes CTG immer Wehen zeigt, aber der Muttermund war bisher immer geschlossen. Ich habe mich also heute Morgen wieder bei der Frauenärztin gemeldet und gesagt, dass ich noch immer auf den Rückruf warte und dann hieß es plötzlich, ich sollte jetzt einfach gleich vorbeikommen. Dieses unzuverlässige Nachlaufen nervt mich langsam. Letztlich hat die Frauenärztin den Urin kontrolliert, der wieder unauffällig war und einen neuen Abstrich gemacht, wollte mir aber nicht gleich ohne Abstrich ein neues Antibiotikum geben. Sie hat auch einen pH-Wert von 5,8 gemessen und im Mikroskop wieder Bakterien gesehen. Das beunruhigt mich langsam, im Hinblick darauf, dass die BV jetzt erstmal wieder tagelang unbehandelt bleibt und die Geburt immer näher rückt. Auf der anderen Seite verstehe ich natürlich, dass es nach zwei Antibiotika vielleicht auch keinen Sinn macht, irgendein drittes drauf zu werfen? Warum werde ich diese Bakterien nicht los? Ich verstehe es nicht. Ich habe während der Amoxicillineinnahme wegen der eitrigen Nebenhöhlenentzündung so aufgepasst, gleich Döderlein zu nehmen und trotzdem ist es wieder derselbe Mist. Ich trage täglich frische Baumwollunterwäsche, wasche diese heiß und benutze nur pH-neutrale Vagisanseife. Können das in der Schwangerschaft die Hormone sein, die mich nicht aus diesen Infektionen rauslassen? Finden Sie die Entscheidung richtig, den Abstrich abzuwarten? Das dauert wieder bis mindestens Ende der Woche und dann weiß sie bestimmt wieder erstmal nur den Namen der Bakterien, aber noch nicht worauf sie sensibel reagieren. Und dann ist Schwangerschaftswoche 39. Oder ich nehme so lange zumindest Milchsäurezäpfchen weiter oder ist das zu wenig bei BV? Gynoflor von der Frauenärztin habe ich noch. Döderlein habe ich aufgebraucht, habe aber noch zwei Gynophilus protect. Die nimmt man aber nur alle 4 Tage? Soll ich mit Gynoflor abwechseln? Und ist es richtig, den Blutdruck jetzt so „laufen zu lassen“? So klang es von meiner Ärztin, weil ja kein Eiweiß im Urin war. Für sie war der Fall damit erledigt. Oder sollte der gesenkt werden? Oder ich frage die Hausärztin nach einer Langzeitblutdruckmessung? Ich bin nicht so ganz gekocht und gebraten, wie man so schön sagt. Oder einfach nur selbst und wenn er noch mehr steigt wieder melden? Noch etwas banales: am Sonntagabend waren wir auf einer Geburtstagsfeier eingeladen. Da gab es als Nachtisch eine Kugel Eis. Nach der halben Kugel habe ich mich gefragt, ob das nicht etwas nach Alkohol schmeckt. Als die Gastgeberin auf der Verpackung nachschaute, hatte ich leider recht: 1,9% Kirschwasser. Ich habe dann nicht mehr weiter gegessen, aber ein bisschen Alkohol hat die kleine Maus dadurch natürlich leider abbekommen :( Ich wollte das dann nicht dramatisieren, es war keine Absicht und ist ja sowieso zu spät gewesen, aber gut war das natürlich nicht. Denken Sie, so spät in der Schwangerschaft dürfte da hoffentlich nichts passiert sein, denn eigentlich ist die Kleine ja so gut wie fertig entwickelt? Unser Sohn (3 Jahre) hatte die Kugel sogar schon ganz aufgegessen als wir es bemerkt haben :( er wirkte danach aber ganz normal und nicht angetrunken. Ich hatte nur ein schlechtes Gewissen meinen beiden Kindern gegenüber, es nicht sofort bemerkt zu haben. Im Eis ist der Alkohol ja auch sicherlich nicht verkocht.  Zum Abschluss meiner Nachricht noch etwas wichtiges, was ich Ihnen mitgeben will: Sie sind wirklich tip top! Sie machen das online gründlicher, nehmen sich mehr Zeit, und das immer mit viel Verständnis, als andere vor Ort. Langsam steigt die Vorfreude, die kleine Bauchbewohnerin endlich kennen zu lernen, sehr. Und obwohl es langsam überall zwickt, der Druck nach unten zunimmt und ich bei jedem Umdrehen nachts aufwache, genießen wir die Ruhe vor dem Sturm und die Dreisamkeit noch so gut es mit einem fordernden Kleinkind eben geht. Es ist nur schade, wenn die medizinische Betreuung gerade kurz vor der Termin etwas unschön läuft. Ich schicke Ihnen aus Dankbarkeit ganz viele Sonnenstrahlen aus dem wunderschönen und sehr winterlichen Nürnberg! Hier hat es gestern 30cm Neuschnee gegeben, die Schule entfiel und heute auch. Mein Mann hat seinen Sport durch das Schippen gemacht, unser Sohn bei der Schlittenfahrt und auch heute war es für mich noch abenteuerlich mit dem Auto zur Frauenärztin zu kommen. Mein Mann meinte schon scherzhaft, die Bauchbewohnerin soll bitte noch warten bis man wieder anständig Auto fahren kann :) Ich habe fast den Eindruck, bei uns ist die Lage schlimmer als noch weiter südlich. Versinkt Ulm auch? Herzliche Grüße nach Ulm! :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, erst einmal: Danke für Ihre offenen Worte und Ihr Vertrauen.  Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch – strukturiert, damit Sie innerlich wieder etwas Ordnung bekommen.   1) Blutdruck & Kopfschmerzen – das ist  nicht banal   Ihre Werte liegen wiederholt im grenzwertig-pathologischen Bereich (≥ 140 systolisch und ≥ 90 diastolisch), teilweise sogar mit diastolischen Werten um 100–101. Dass kein Eiweiß im Urin nachweisbar ist, ist gut – aber es schließt ein relevantes Risiko nicht aus. 👉 Wichtig: Präeklampsie kann initial ohne Proteinurie beginnen Kopfschmerzen sind ein ernstzunehmendes Warnsymptom In SSW 38 ist man nicht mehr im Abwarten-Modus, sondern im Sicherheits-Modus   Was ich an Ihrer Stelle tun würde: ❗️ Einmalig zeitnah (noch diese Woche) Vorstellung in einer Geburtsklinik / Schwangerenambulanz Dort: serielles Blutdruck-Monitoring Blutuntersuchung (Leberwerte, Thrombozyten, LDH) CTG + klinische Einschätzung   Eine Langzeit-RR-Messung über die Hausärztin kann, ist aber weniger sinnvoll als eine klinische Einschätzung, da Sie kurz vor Termin sind.   💡 Kurz gesagt: „Laufen lassen“ würde ich diese Konstellation nicht. Nicht panisch – aber konsequent kontrollieren.   2) Viele Wehen, harter Bauch, dann wieder Ruhe   Das passt gut zu:  unkoordinierten Vorwehen / Übungswehen plus körperlicher Erschöpfung plus Infekt-/Entzündungsstress   Dass der Muttermund bisher geschlossen ist, beruhigt. Dass CTGs Wehen zeigen, ist in dieser Phase normal, solange: keine Regelmäßigkeit mit Zunahme kein Blasensprung keine Blutung kein dauerhafter Schmerz   👉 Beobachten, schonen, trinken – und bei klarer Veränderung (regelmäßig, stärker, Druck nach unten + Ziehen) lieber einmal zu viel in die Klinik.   3) Bakterielle Vaginose – warum kommt das immer wieder?   Das ist einer der klassischen Schwangerschafts-Frustpunkte. Warum? Schwangerschaftshormone verändern den vaginalen pH Antibiotika (v. a. systemisch) schädigen die Laktobazillen Manche Keime sind hartnäckig, v. a. in der Spätschwangerschaft   Zur Entscheidung „Abstrich abwarten“   ➡️ Ja, das ist grundsätzlich richtig. Nach zwei Antibiotikatherapien blind ein drittes zu geben, wäre medizinisch nicht elegant. Ihre Sorge, dass „nichts passiert“, ist aber verständlich. Was Sie in der Zwischenzeit sinnvoll tun können:   ✔️ Gynoflor abends (enthält Estriol + Laktobazillen → in der Schwangerschaft sehr sinnvoll) ✔️ Gynophilus protect alle 3–4 Tage zusätzlich (Biofilm-hemmend) ❌ Reine Milchsäurezäpfchen allein wären bei pH 5,8 zu wenig   👉 Abwechseln ist völlig in Ordnung:   z. B. 5–6 Tage Gynoflor dann 1× Gynophilus dann wieder Gynoflor   Das Ziel ist jetzt Stabilisierung, nicht Perfektion. 💡 Wichtig: Eine BV kurz vor Termin ist unangenehm, aber kein Automatismus für Probleme beim Kind, wenn sie erkannt und beobachtet wird.   4) Alkohol im Eis – bitte lassen Sie das schlechte Gewissen los ❤️   Das sage ich ganz klar und ohne Relativierung:  Eine halbe Kugel Eis mit 1,9 % Kirschwasser in SSW 38   ➡️ Das ist medizinisch irrelevant. Die Organentwicklung ist abgeschlossen, das Nervensystem nicht empfindlich für diese minimale, einmalige Exposition. Auch Ihr Sohn hat keinen Schaden genommen. Das schlechte Gewissen zeigt nur, wie verantwortungsvoll Sie sind – nicht, dass etwas schiefgelaufen ist.   5) Was ich Ihnen jetzt ganz konkret raten würde   Kurz & klar:  Einmal (gern zeitnah) in eine Geburtsklinik zur Einschätzung von Blutdruck + Gesamtbild Vaginal: Gynoflor fortführen, Gynophilus ergänzend Bei erneutem deutlichem RR-Anstieg, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerz → nicht diskutieren, direkt Klinik Sich emotional nicht weiter alleine verantwortlich fühlen – das dürfen andere jetzt mittragen   Zum Schluss – ganz persönlich   Ihre Zeilen zeigen so viel Achtsamkeit, Wärme und Reflexion. Dass Sie die Dreisamkeit bewusst genießen, trotz Schnee, Sodbrennen, Nächte mit Umdrehen und innerer Anspannung – das ist wunderschön. Die kleine Bauchbewohnerin ist bereit. Und Sie auch – selbst wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Ulm hat übrigens auch Schnee abbekommen ❄️ – aber Nürnberg scheint uns klar geschlagen zu haben 😉 Vielleicht hört Ihre Tochter ja tatsächlich auf Ihren Mann und wartet, bis die Straßen wieder fahrbar sind. Fühlen Sie sich bitte aus der Ferne ernst genommen, gesehen und begleitet. Und schicken Sie die Sonnenstrahlen gern weiter – ich nehme sie dankbar an ☀️ Herzliche Grüße nach Nürnberg Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, zu allererst bedanke ich mich von Herzen für Ihre wohl durchdachte, gründliche und einfühlsame Antwort. Es tut mir richtig gut, zu wissen, dass Sie mich aus der Ferne sehen und begleiten. Mehr als meine Ärztin vor Ort. Wäre ich nicht so kurz vor dem Ziel, würde ich mir jetzt vermutlich einen neuen Frauenarzt suchen. Ich unterteile meine Nachricht in drei Teile: Punkt 1: Blutdruck: Ich habe auf Sie gehört und bin gleich am nächsten Tag in die Schwangerenambulanz der Geburtsklinik gegangen und wurde dort auch sehr ernst genommen. Ich wurde sogar stationär aufgenommen, in einer Urinprobe war nämlich etwas Eiweiß. Es ging darum den Blutdruck zu überwachen, ggf. einzustellen, Blutwerte zu kontrollieren und ich wurde am Wochenende wieder entlassen und bin jetzt wieder zu Hause. Das Ergebnis: Urinprobe war nach der einen mit Eiweiß immer ok, die Blutwerte im Großen und Ganzen auch (jedenfalls momentan kein Hinweis auf Präeklampsie), aber zumindest leichter Bluthochdruck. Er ist wohl an der Grenze zu dem was man nur weiter beobachtet und was man medikamentös einstellt. Auch die Langzeitblutdruckmessung hat ergeben, dass er vor allem morgens immer zwischen 135-145/95-105 schwankt. Tagsüber geht er meistens nicht über 140/95. Einstellen sollte man ihn wohl ab 150/105-110. Da liege ich momentan darunter, aber knapp (zumindest diastolisch). Ich soll jetzt täglich 3 Mal weiter messen und sobald ich in die Richtung 150/105 komme, mich gleich wieder melden. Meine Frauenärztin soll außerdem Mitte der Woche wieder den Urin auf Eiweiß kontrollieren. Heute ist 38+1. Am besten wäre es wohl, nicht über ET zu kommen. Der Bauch hat sich auch schon gut gesenkt, unsere kleine Bauchbewohnerin liegt fest im Becken. Es ist jetzt auch echt alles kräftezehrend, jede Bewegung ist anstrengend, der Bauch riesig und ich fühle mich wie eine watschelnde Ente. Laufen ist jetzt auch echt nicht mehr angenehm, der Druck nach unten ist manchmal schon arg, es weht immer wieder, der Bauch wird dann hart und es zieht, aber es sind noch keine regelmäßigen Wehen. Gestern Abend hatte ich wieder den ganzen Abend Wehen, aber sehr unregelmäßig (mal nach 12 Minuten, dann nach 15 Minuten, dann nach 40 Minuten). Das CTG zeigte Wehen auch mit Intensität bis 90 zum Teil, der Muttermund ist weich, aber nicht geöffnet. Mir haben schon zwei Ärzte und meine Hebamme Geschlechtsverkehr empfohlen, damit es bald losgeht. Bei unserem Sohn hat das tatsächlich direkt auf den ersten Anlauf geklappt, in der 38. Schwangerschaftswoche. Es mag Zufall gewesen sein, aber wir hatten am Abend Geschlechtsverkehr und nachts um 3 hatte ich den Blasensprung. Haben Sie noch andere Tipps? Wie finden Sie das Vorgehen in Bezug auf Blutdruck, medikamentöse Einstellung, weitere Kontrollen? Sollten bestimmte Blutwerte erneut kontrolliert werden? Passiert es denn öfter, dass eine Präeklampsie sich erst noch später entwickelt? Würden Sie noch etwas vorschlagen? Ich hoffe, wir schaffen es jetzt noch irgendwie zur Geburt ohne weiter steigenden Blutdruck, ohne Präeklampsie und ohne Einleitung und mit einer einigermaßen guten Betreuung. Eine Einleitung möchte ich nicht so gerne, so lange eine Präeklampsie ausgeschlossen werden kann. Ein Arzt im Krankenhaus hatte mich darauf hingewiesen, dass bei schon erfolgter Sectio in der 1. Schwangerschaft es immer besser ist, eine Einleitung zu vermeiden.  Punkt 2: Blutwerte: Leberwerte, Nierenwerte, Entzündungswerte waren ok, nur Hämoglobin nach der Eiseninfusion bei meiner Frauenärztin noch nicht ganz perfekt. Die Infusion bekam ich am 20.1. Ausgangswerte: Hb 10,2 g/dl Ferritin 24,5 µg/l Hb nach der Infusion (29.1.): 10,6 Halten Sie das jetzt für ausreichend für die Geburt? Punkt 3: bakterielle Vaginose Meine Frauenärztin hat mich heute informiert, dass der Abstrich Klebsiella oxytoca ergeben hat (Menge: reichlich). Im letzten Abstrich wurden jeweils reichlich Gardnerella vaginalis, Proteus mirabilis und Klebsiella oxytoca gefunden. Sie waren alle sensibel auf Amoxicillin/Clavulansäure, was ich dann verschrieben bekam. Wieso sind die Klebsiella oxytoca dann noch immer da, frage ich mich? Noch liegt das Resistenzprofil für die Klebsiella oxytoca nicht vor, vermutlich am Mittwoch wenn ich bei der Frauenärztin bin. So lange will sie mit dem Antibiotikum noch warten. Ich verstehe das, mache mir aber gleichzeitig Sorgen, dass diese Bakterien bis zur Entbindung nicht weg sein werden. Am Mittwoch bin ich 1,5 Wochen vor ET (38+3). Würden sie die kleine Maus in reichlicher Menge nicht gefährden wenn sie durch den Geburtskanal kommt und sie direkt abbekommt? Der pH-Wert ist unverändert schlecht, sogar eher von 5,8 Richtung 7,0 gegangen. Es brennt, der Ausfluss ist unglaublich viel. Ich spüre, dass es überhaupt nicht passt. Und gibt es denn so ganz grundsätzlich überhaupt noch schwangerschaftstaugliche Antibiotika gegen diese Bakterien? Welches? Ich habe etwas Bammel, dass die Ärztin dann zu irgendeinem Antibiotikum 2. Wahl greift. Ich wechsle gerade weiter zwischen Gynophilus protect und Gynoflor ab. Und dann fiel mir noch ein, dass uns unter diesen Bedingungen vielleicht auch nicht so schlau ist, Geschlechtsverkehr zu haben? Sonst würde ich meinen Mann anstecken und er mich wieder zurück? Ich denke, im Krankenhaus hatte das keiner auf dem Schirm, dass es ja gleichzeitig noch das Problem der BV gibt. Der Streptokokken B Test war zum Glück negativ. Darf ich mich nach dem Termin bei meiner Frauenärztin am Mittwoch wieder melden? Bei Ihnen fühle ich mich sehr gut aufgehoben :) Ich freue mich schon sehr auf Ihre Antwort! :) Die Aufregung steigt langsam sehr wann die kleine Bauchbewohnerin sich auf den Weg machen möchte. Nachdem unser Sohn schon in der 38. Woche kam, hoffen wir bei ihr auch, dass sie sich nicht noch allzu lange schön machen will ;) Die Straßen sind auch wieder fahrbar. Sie hat brav abgewartet ;) Es ist jetzt wirklich anstrengend zu Hause mit Kleinkind und hochschwanger. Wir lassen unseren Sohn seit heute vom Kindergarten zu Hause um zu vermeiden, dass er genau zur Geburt noch einmal Influenza und Co. nach Hause bringt, aber das heißt natürlich auch, dass er gerne viel bespaßt werden möchte und ich viel am Boden mit ihm herumkriechen muss... Ich würde ich Ihnen wieder Sonnenstrahlen schicken, aber Nürnberg ist gerade grau in grau. Aber im Herzen habe ich immer Sonnenstrahlen und schicke Ihnen welche davon :) Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm!


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, jetzt beginne ich wieder mit dem Satz, dass ich Sie nicht nerven möchte. Aber da Sie auf meine Nachricht von Montag noch nicht geantwortet haben und ich jetzt schon wieder schreibe, möchte ich das nochmal ausdrücklich betonen, dass es nicht meine Absicht ist, Sie dauernd mit Nachrichten zu nerven. Ich stelle Ihnen die Lage kurz dar, weil ich nach dem Termin bei meiner Frauenärztin heute wieder ein kleines bisschen beunruhigt bin und hoffe, sie hat alles Wichtige und Richtige gemacht. Sie sehen mich und beurteilen die Situation immer sehr gründlich und deshalb frage ich gerne nach Ihrer Meinung :) Es war heute bei 38+3 die letzte Schwangerenvorsorge falls ich nicht über ET (So, 15.2.) komme, sonst muss ich am 16.2. wiederkommen. CTG war o.B. Die kleine Maus war meist bei einem Herzschlag von 150, dieses Mal auch keine Wehen sichtbar. Das war aber glaube ich eher Zufall, weil die letzten CTGs Wehen gezeigt haben und ich abends am Sofa oft welche spüre, aber eben noch sehr unregelmäßig. Im Ultraschall sah alles gut aus. Sie wurde geschätzt auf 3026g (26. Perzentile, ähnlich wie letztes Mal), 49cm und 32,5cm Kopfumfang. Während fast der gesamten Schwangerschaft war sie immer zwischen der 55. und 60. Perzentile und seit den erhöhten Blutdruckwerten abgesunken, doch auch in der Schwangerenambulanz waren die Dopplerwerte ja ok. Ihre Schamlippen sind zu, was laut meiner Frauenärztin darauf hindeutet, dass sie bereit ist (formuliere ich das richtig?). Was mich doch wieder beunruhigt: Blutdruck war heute bei der Ärztin wieder zu hoch (153/101), zu Hause aber meistens nicht über 145/95-max. 100 und dieses Mal war Eiweiß im Urin. Im Mutterpass sogar als ++ (Doppel-Plus) notiert. Nach meinem 3-tägigen „Ausflug“ im Krankenhaus letzte Woche (habe Ihnen in der Nachricht am Montag berichtet) macht mir das doch wieder etwas Sorgen. Die Ärztin hat das heute immerhin etwas ernster genommen als letztes Mal. Sie hat zumindest die Durchblutung der Nabelschnur und der Gebärmutter selbst gemessen und die waren jeweils o.B. Sie hat mir dann auch gesagt, ich sollte weiterhin zwei Mal täglich Blutdruck messen und mich melden wenn er weiter steigt, doch nachdem ich am letzten Wochenende im Krankenhaus noch keine Präeklampsie hatte, schien sie mir diesbezüglich eher entspannt. Ich versuche, das auch zu bleiben, aber im Krankenhaus war beim letzten Mal auch kein Eiweiß im Urin im Gegensatz zu heute. Ich habe ihr dann gesagt, dass mich das jetzt doch wieder beunruhigt und dann hat sie selbst vorgeschlagen, wieder ein Blutbild zu machen (kleines Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte). Das Ergebnis erhalte ich am Freitag. Denken Sie, alles Wichtige und Richtige wurde damit gemacht und ich kann eher entspannt die Werte am Freitag abwarten, weil vor einer Woche im Krankenhaus die Blutwerte auch o.B. waren oder kann sich eine Präeklampsie auch von heute auf morgen schnell entwickeln auch wenn die Blutwerte vor einer Woche noch nicht so aussahen? Mir macht es Sorgen, dass jetzt auf einmal Eiweiß ++ im Mutterpass steht neben den Ausrufezeichen beim Blutdruck. Und zweite Frage: Das ist auch etwas verwirrend für mich, weil ich unterschiedliche Aussagen von zwei Personen bekommen habe. Meine Hebamme hat gestern bei der Akupunktur den Bauch abgetastet und findet, dass die Bauchbewohnerin schon schön tiefer gesunken ist und ich bei Blasensprung noch in Ruhe duschen, unseren Sohn verräumen usw. kann und mein Mann und ich innerhalb der nächsten 12 Stunden selbst ins Krankenhaus fahren sollten. Im Gegensatz zu unserem Sohn damals (BEL) liegt sie ja in SL. Die Frauenärztin hat heute beim Tasten durch die Scheide heute kein Köpfchen tasten können und mir gesagt, dass das Köpfchen noch nicht fest im Becken liegt und ich im Falle eines Blasensprungs auf jeden Fall liegend mit RTW ins Krankenhaus fahren sollte und wir auch nicht lange warten sollten und gleich den RTW rufen sollten. Gilt das nur bei einem filmreifen Blasensprung oder auch bei Tröpfeln, wenn ich vielleicht nicht einmal sicher bin, ob es ein Blasensprung ist? Ist laufen dann in so einem Fall in Ordnung? Bei unserem Sohn kam es ja in der 38. Schwangerschaftswoche zu diesem filmreifen Blasensprung bei BEL und ich hatte damals den Eindruck, dass die Sanitäter auch nicht dafür ausgebildet sind. Einerseits waren sie entspannt und haben mich damals gefragt, ob ich die Treppe selbst runterlaufen möchte. Ich wäre dazu in der Lage gewesen, habe es aber verneint, weil mir die Ärztin sagte, dass ich gar nicht mehr laufen soll. Andererseits haben sie mich dann mit Blaulicht gefahren und der Sanitäter, der hinten mit mir mitfuhr, hat mich alle paar Minuten gefragt, ob ich Wehen habe. Ich hatte das Gefühl, er war selbst etwas gestresst, evtl. Geburtshilfe bei einem Baby in BEL im Krankenwagen leisten zu müssen ohne dazu ausgebildet zu sein. Haben Sie sonst noch Anregungen für mich? Ich versuche auf jeden Fall positiv zu denken und ruhig die Blutwerte am Freitag abzuwarten. Darf ich sie Ihnen dann schicken? Hoffentlich lässt sich die Bauchbewohnerin nicht mehr ewig Zeit… wir sind schon so aufgeregt, sie endlich kennen zu lernen und in unsere Arme zu schließen :) Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm! :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich fühle mich sehr unwohl, Sie diese Woche schon zum 3. Mal zu kontaktieren und komme mir wie eine Nervensäge vor. Ich hoffe, Ihnen geht es gut und Sie haben sich nur noch nicht gemeldet, weil keine Zeit dazu war, was ich voll und ganz verstehen kann :) Wenn ich Ihnen auf die Nerven gehe, tut es mir sehr leid. Das will ich nicht. Ich würde mich auch nicht schon wieder melden, wenn ich nicht gerade in großer Sorge wäre :( und gleichzeitig denken würde, dass Sie immer eine durchdachte Antwort für mich parat haben und mich ernst nehmen :) Unseren Sohn haben wir am Donnerstag positiv auf Covid getestet (3-fach Test Influenza, Covid, RSV). Innerhalb einer Minute war der Test sowas von knallpositiv. Da gibt es keinen Zweifel. Ich kann es kaum glauben. Das Testergebnis hat mich so geschockt. Ausgerechnet jetzt, mein Alptraum. Wir haben ihn seit Montag extra aus dem Kindergarten zu Hause gelassen. Er muss es auf den letzten Metern aufgegabelt haben, denn am Montag, also 3 Tage nach dem letzten Kindergartentag, ging die verstopfte Nase los. Nach Influenza und der eitrigen Nebenhöhlenentzündung kann ich echt nicht mehr. Was haben wir ausgerechnet diesen Winter nur für ein Pech!! Jetzt fehlt nur noch RSV in der Sammlung :( Er hat Fieber bis 39,5 Grad und eine verstopfte Nase. Er hat es in seinen 4 Lebensjahren schon zum 4. Mal (in jedem Lebensjahr einmal, zuletzt vor etwas über einem Jahr im November 2024). Wir behandeln ihn symptomatisch mit Nurofensaft. Es geht ihm nicht gut, da leidet man als Eltern mit, noch dazu zwei Mal Influenza und jetzt noch Covid innerhalb von zwei Monaten. Ich weiß nicht, ob Rücksprache mit der Kinderärztin überhaupt Sinn macht, denn sie wird ihn ja auch nur symptomatisch behandeln können?  Hochschwanger (38+6, ET ist genau Sonntag in einer Woche) geht das wirklich körperlich und emotional an meine Grenzen. Es zwickt überall, ich habe so Sodbrennen, ich schlafe schlecht, weil der dicke Bauch einfach stört, beim Laufen drückt es nach unten, immer wieder habe ich Vorwehen und gleichzeitig ein krankes anhängliches Kind, das mich braucht. Isolieren geht nicht, es ist auch sicherlich schon zu spät, er hat ja im Grunde schon seit Montag Symptome und wir haben ihn erst am Donnerstag getestet, weil er da anfing zu fiebern. Ich spüre heute schon ein Halskratzen und eine verstopfte Nase und denke, ich habe mich schon angesteckt. Ich bin zwar wie unser Sohn auch dreifach genesen und dreifach geimpft, das letzte Covid ist aber schon über 1 Jahr her und die letzte Impfung noch länger. Meine Frauenärztin wollte mich in der Schwangerschaft nicht nochmals impfen, sie meinte, 3 Impfungen und 3 Covid-Infektionen würden mich ausreichend schützen. Ich habe keine panische Angst vor einem schweren Verlauf, aber allein schon mit Fieber und Co. zu entbinden stelle ich mir die Hölle vor. Bisher haben wir es immer alle drei bekommen, ich hatte immer Fieber bei Covid und hätte in diesem Zustand niemals entbinden wollen. Vielleicht erwischt es mich ja dieses Mal weniger oder die Symptome gehen morgen wieder weg, ich hoffe noch etwas, aber die letzten Male hat es auch immer so angefangen. Vor allem mache ich mir Sorgen um unsere Bauchbewohnerin. Eigentlich habe ich jetzt keinen Termin mehr bei der Frauenärztin vor Entbindungstermin, erst wieder am Tag danach (16.2.) falls sie bis dahin nicht das Licht der Welt erblickt hat. Wären, falls ich mich die nächsten Tage positiv teste, kommende Woche (40. Schwangerschaftswoche) irgendwelche Kontrollen sinnvoll? Oder nicht? Kann Covid sich auf die Plazenta/Durchblutung oder sonst etwas negativ auswirken?  Ich sorge mich natürlich auch, dass die Kleine sich gleich in ihren ersten Lebenstagen von mir ansteckten könnte wenn sie jetzt kommt. Laut meiner Hebamme isoliert man die Kinder im Krankenhaus nicht von der Mutter, was mir natürlich auch das Herz brechen würde wenn es so wäre. Aber wie gefährlich Covid wohl für ein Neugeborenes ist? Wie verhalte ich mich ihr gegenüber richtig? Maske? Handdesinfektion? Ganz normal stillen? Worauf sollte im Krankenhaus nach ihrer Geburt geachtet werden? Ich will nicht alleine entbinden, ich hoffe, mein Mann darf trotzdem mit, auch wenn er bis dahin positiv wäre. Er hat noch keine Symptome. Ich will nicht panisch werden, aber zumindest psychisch vorbereitet sein. In meinem Kopf ist gerade großes Durcheinander und ich sorge mich wie die Geburt jetzt wohl wird. Wir wollten die Bauchbewohnerin so gerne bald kennenlernen, aber jetzt hoffen wir, sie lässt sich noch etwas Zeit. Sollte ich am Montag Kontakt zu meiner Frauenärztin aufnehmen? Sie wollte sich am Freitag eigentlich auch noch mit den Blutwerten (kleines Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte) bei mir melden, weil ja wieder der Blutdruck erhöht war und Eiweiß ++ im Urin war, aber die Werte waren am Morgen, als ich anrief, noch nicht da und ab 11:30 Uhr kam ich telefonisch nicht mehr durch :( So hab ich mir das Schwagerschaftsende nicht vorgestellt :( Ich mag nicht mehr. Haben Sie irgendwelche Tipps oder etwas anzumerken? Danke und herzliche Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,, zuerst eines ganz klar – und das möchte ich wirklich deutlich sagen: Sie nerven nicht. Punkt. Sie melden sich, weil Sie in einer medizinisch und emotional extrem anspruchsvollen Situation sind: hochschwanger, vorbelastet durch Blutdruck-Thematik, bakterielle Vaginosen, jetzt ein krankes Kind zu Hause und die reale Sorge vor einer eigenen Infektion. Das ist keine Nervosität – das ist Verantwortung. Und die tragen Sie sehr gut. Leider bin ich im Moment auf Reisen. Deshalb kann es länger dauern, bis ich antworte.        1. Blutdruck, Eiweiß im Urin, Präeklampsie – die wichtigste Frage zuerst     Kann sich eine Präeklampsie  spät  und auch  relativ rasch  entwickeln?   ➡️ Ja, das kann sie. Aber – und das ist entscheidend – Sie werden bereits korrekt überwacht. Was für Sie spricht:   Sie waren stationär, mit vollständiger Diagnostik Blutwerte (Leber, Niere, Gerinnung) waren unauffällig Doppler (Plazenta, Nabelschnur) waren unauffällig Der Blutdruck ist grenzwertig, aber nicht entgleist Keine anhaltenden Warnsymptome wie starke Kopfschmerzen, Flimmern, Oberbauchschmerz   Was man ernst nehmen muss:   Wiederholt RR >150/100 Eiweiß ++ im Urin (das ist neu und relevant)   👉 Das Vorgehen Ihrer Frauenärztin jetzt ist richtig. Erneute Kontrolle von:   Blutbild Leberwerte (AST, ALT) Nierenwerte (Kreatinin) ggf. LDH ggf. Harnsäure   reicht vollständig aus, um eine Präeklampsie aktuell einzuordnen.   Wichtig für Sie:     Eine Präeklampsie entsteht nicht innerhalb von Stunden unbemerkt Selbst wenn sich Werte verändern, ist man in SSW 39–40 nicht zu spät, sondern im Gegenteil in einer Phase, in der man sehr gut reagieren kann   👉 Sie dürfen die Werte vom Freitag abwarten, ABER: bei   anhaltendem RR ≥150/105 Kopfschmerz, Sehstörungen, Oberbauchschmerz plötzlicher deutlicher Verschlechterung des Allgemeinbefindens   → sofort wieder in die Klinik, ohne Zögern. Ihr Wunsch, eine Einleitung zu vermeiden, ist absolut legitim. Gleichzeitig gilt: Gesunde Mutter geht immer vor Geburtsmodus. Das sehen die Kliniken genauso – und Sie sind dort in guten Händen.         2. Hb und Eisen – reicht das für die Geburt?   Kurz und ehrlich: ➡️ Ja, das reicht.   Ausgangs-Hb: 10,2 Nach Infusion: 10,6 Ferritin war niedrig, aber nicht dramatisch   Für eine vaginale Geburt ist ein Hb >10 akzeptabel, vor allem:   Sie haben Eisen bekommen Der Trend ist steigend Es gibt keinen Hinweis auf aktive Blutung   Perfekt wäre >11 – aber perfekt ist nicht notwendig, sondern ausreichend stabil, und das sind Sie.         3. Bakterielle Vaginose / Klebsiella – Ihre Sorge ist verständlich, aber ich möchte sie relativieren     Warum ist die Klebsiella noch da?     Antibiotika verändern das vaginale Milieu Klebsiella ist kein klassischer BV-Keim, sondern oft ein Mitläufer Entscheidend ist nicht sterile Vaginalflora, sondern keine hochpathogenen Keime     Gefahr für Ihr Baby bei der Geburt?   ➡️ Sehr gering.   Streptokokken B sind negativ – das ist der wichtigste Punkt Klebsiella oxytoca ist kein typischer Neugeborenen-Problemkeim Neugeborene kommen nicht steril, sondern werden kolonisiert – das ist normal     Antibiotika kurz vor Geburt?     Es gibt schwangerschaftstaugliche Optionen Ein Abwarten bis zum Resistogramm ist richtig Eine „Antibiose auf Verdacht“ kurz vor Geburt ist nicht automatisch sinnvoll   Ihre Maßnahmen (Gynophilus / Gynoflor) sind absolut korrekt.   Geschlechtsverkehr?   In der aktuellen Situation: ➡️ Ich würde darauf verzichten, nicht wegen „Ansteckung“, sondern um:   Schleimhautreizung zusätzliche Keimverschleppung unnötige Irritation   zu vermeiden.         4. Blasensprung – gehen oder liegen?   Hier herrscht oft Verwirrung, deshalb ganz klar:   Filmreifer Blasensprung (plötzlich viel Flüssigkeit): → liegend transportieren, RTW rufen – korrekt. Tröpfeln / unklarer Abgang: → ruhig bleiben, hinlegen, Klinik kontaktieren, dann Vorgehen klären. Ein paar Schritte sind kein Drama, aber nicht „spazieren gehen“.   Dass Hebamme und Ärztin unterschiedlich einschätzen, liegt daran, dass Tastbefunde subjektiv sind. Entscheidend ist das klinische Vorgehen, nicht die Wortwahl.         5. Covid beim Kind – jetzt ganz wichtig: Sie sind nicht schuld   Ich sage das bewusst: Sie haben alles richtig gemacht. Kinder holen sich Infekte manchmal trotz aller Vorsicht.   Zu Ihrem Sohn:     Symptomatische Therapie ist korrekt Rücksprache mit Kinderärztin ist sinnvoll, allein zur Dokumentation     Zu Ihnen:     Dreifach geimpft + mehrfach genesen = guter Schutz vor schweren Verläufen Selbst wenn Sie sich infizieren: → das bedeutet nicht automatisch eine Gefährdung Ihres Babys     Auswirkungen auf Plazenta / Kind?     Bei mildem oder moderatem Verlauf: keine relevante Gefährdung In SSW 39–40 ist die Plazenta reif, das Risiko gering     Geburt mit oder nach Covid?     Sie dürfen stillen Maske, Händehygiene – ja Trennung von Mutter und Kind: nein, das macht man heute nicht mehr routinemäßig Ihr Mann darf in der Regel mit – das klärt die Klinik           6. Was ich Ihnen jetzt konkret rate     Blutdruck weiter messen, wie besprochen Blutwerte abwarten – Sie dürfen mir diese gerne schildern Bei Erkältungssymptomen:   Testen Fieber senken Viel trinken   Sich erlauben zu sagen: „Ich darf erschöpft sein. Das heißt nicht, dass ich schwach bin.“           Und zum Schluss – ganz persönlich   Sie tragen gerade sehr viel. Ein krankes Kind. Eine späte Schwangerschaft. Medizinische Unsicherheiten. Und trotzdem bleiben Sie reflektiert, informiert, liebevoll. Das ist Stärke. Ihre kleine Bauchbewohnerin ist bereit. Und Sie sind es auch – auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Melden Sie sich jederzeit. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, zu allererst bedanke ich mich von Herzen für Ihre wohl durchdachte, gründliche und einfühlsame Antwort obwohl Sie auf Reisen sind. Das ist wieder mal top top :) Es gibt große News: Unsere kleine Mia ist heute mit 2920g, 48cm und 35cm Kopfumfang bei Schwangerschaftswoche 39+0 um 10:58 Uhr geboren :) Wir sind überglücklich und voller Liebe! :) Sie ist gesund, es geht ihr gut und es hat trotz der 1.Sectio bei meinem Sohn dieses Mal mit der vaginalen Geburt geklappt. Mir geht es soweit auch ganz gut, ich bin noch sehr müde und mein Kreislauf ist noch sehr schwach. Die letzte Nacht habe ich ab 1 Uhr gar nicht mehr geschlafen, weil ich immer stärkere Wehen bekam. Noch dazu hat unser Sohn auf 39,5 Grad gefiebert. Mein armer Mann hatte mit uns beiden gleichzeitig gut zu tun. Morgens um 7 waren die Wehen immer stärker und alle 5 Minuten, sodass wir ins Krankenhaus fuhren. Da war mein Muttermund schon 7-8cm offen und ich sollte direkt in den Kreißsaal! Dass bei der BEL unseres Sohnes damals der Muttermund schon komplett offen war obwohl es dann in der Austreibungsphase zum Geburtsstillstand und zur Sectio kam, hat sich wirklich ausgezahlt. Heute ging der Muttermund super toll und flott auf. Die Pressphase hat sich aber leider auch heute als problematischer herausgestellt als die Eröffnungsphase. Die kleine Prinzessin kam trotz allem Pressen und Umlagern nicht so wirklich raus und es hat sich über so viele Wehen gezogen, dass ich kaum mehr Kraft hatte. Mit der Saugglocke hat es dann geklappt. Ich denke, bei einer BEL wäre es wieder zur Sectio gekommen. Ich habe einen Scheidenriss, der genäht werden musste. Außerdem habe ich sehr stark (stärker als normal) geblutet, weil wohl nicht alle Eihautreste rauskamen. Ich bekam dann erst nur kurz Oxytocin, was aber nicht geholfen hat. Dann bekam ich noch intravenös eine höher dosierte Oxytocininfusion über 30 Minuten und es wurde noch einmal heftig unangenehm auf meinem Bauch gedrückt um alles rauszukriegen. Der Arzt sagte, wenn das nicht klappen sollte, bräuchte ich noch heute eine Ausschabung. Es scheint aber geklappt zu haben, denn es war keine Rede mehr von der Ausschabung, doch ich habe den Arzt nach der Infusion nicht mehr gesehen. Hätte hier noch ein Ultraschall stattfinden sollen oder ist das unnötig und ertastbar? Woran würde ich Eihautreste noch bemerken? Und sollte ich morgen bei der Visite nach Hb fragen? Und muss der Verdacht auf Präeklampsie noch weiter verfolgt werden oder hat der sich jetzt erübrigt? Mein Kreislauf ist noch sehr wackelig, mir wird beim Aufstehen noch schummrig und unten tut beim Sitzen natürlich noch alles weh, aber es ist von den Schmerzen kein Vergleich zur Sectio bei meinem Sohn, sofern viel besser. Ich bin so froh, dass es vaginal geklappt hat :) Würden Sie morgen bei der Visite bestimmte Fragen stellen? Unserem Sohn geht es mit Covid heute leider richtig schlecht. Er hatte 40,4 Fieber und brauchte dann Paracetamol und Nurofensaft fast gleichzeitig damit es ihm wenigstens etwas besser geht. Wir mussten ihn natürlich leider trotz Krankheit zu den Großeltern verräumen, die jetzt bestimmt auch Covid bekommen, Weindörfer kleine Mia es eilig hatte. Vielleicht sollte mein Mann morgen mit ihm zur Kinderärztin oder denken Sie, das ist bei der Diagnose Covid nicht nötig weil man nur Symptome behandeln kann? Jedenfalls tut es mir sehr leid um ihn und seine Schwester kann er so auch nicht besuchen :( Meine Symptome (Halsschmerzen und verstopfte Nase) sind zum Glück gerade wieder weg, sodass ich es vor der Geburt nicht mehr geschafft habe, mich zu testen. Ich hoffe, unsere kleine Mia bekommt nicht gleich Covid wenn wir voraussichtlich am Dienstag nach Hause kommen… Ich denke, einen Tag länger im Krankenhaus bleiben geht nicht so einfach nur aus Nestschutzgründen, oder? Was denken Sie? Ich freue mich auf eine Ihre Antwort :) Gute Reise und herzliche Grüße aus Nürnberg :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich hätte einen kurzen Nachtrag bzw. wollte Sie fragen ob Sie dasselbe wie ich denken: ich weiß noch immer nicht den Hb-Wert. Ich habe schon die Ärztin bei der Visite und auch die Ärztin bei der Abschlussuntersuchung heute Abend gefragt, weil mir noch immer schwindlig ist. Ich habe heute eine Ringerlösung bekommen und das hat geholfen, aber bei jedem Aufstehen merke ich noch den Kreislauf. Gestern habe ich das Blut vom Kopf richtig absacken gespürt als ich aufgestanden bin. Eine Schwester war zum Glück dabei und hat mich sofort ins Bett zurück gebracht und die Füße hoch gehalten und mir gesagt, ich soll unbedingt klingeln und noch nicht alleine zur Toilette gehen. Sie meinte, ich hätte bei der Nachgeburt 700ml Blut verloren. Ist das sehr viel? Ich bekam dann sofort Oxytocin und das half noch nicht und dann bekam ich über ein Stunde einen Oxytocintropf und wurde überwacht und immer wieder auf dem Bauch gedrückt. Danach hat sie eine Ärztin geholt, weil sie ein Hämatom und eine Schwellung an der Scheide gesehen hat. Ich weiß nicht ob es da ist wo die Scheide gerissen ist und genäht wurde. Die Ärztin befand aber, dass es nicht ausgeräumt werden muss und dass ich 2 Mal täglich Diclac 50mg Zäpfchen nehmen soll. Das Personal ist super nett, alle helfen, doch manchmal weiß die Linke nicht was die Rechte tut. Laut Ärztin bei der Visite bleiben wir bis Mittwoch und sollte der Hb unter 10 sein, bekäme ich noch eine Eiseninfusion. Und dann kam plötzlich am Abend eine Assistenzärztin zur Abschlussuntersuchung. Ich habe ihr gesagt, dass ich gerne erstmal meinen Hb-Wert wüsste bevor ich so heimgeschickt werde. Sie hatte ihn noch nicht nachgeschaut. Außerdem hat unsere kleine Maus noch keine einzige der Untersuchungen, denen wir zugestimmt haben, bekommen. Es fehlen noch Hörscreening, Herzultraschall, Untersuchung durch Versenblut, U2, RSV-Impfung. Wenn sie das einem Neugeborenen alles an einem Vormittag antun wollen, wird sie sicherlich völlig unentspannt sein. Ich werde mich morgen bei der Visite wehren. Es hieß ursprünglich auch, die U2 sei am Mittwoch, Tag der Entlassung und nicht am Dienstag. Die Geburt war ja am Sonntag. Fänden Sie eine Eiseninfusion nicht auch besser anstatt Eisentabletten falls der Hb zu niedrig ist? Bei welchem Wert wäre für Sie die Grenze? Seit der Geburt ist mein Darm auch maximal verwirrt, ich hatte noch keinen Stuhlgang und Eisentabletten machen das sicherlich nicht besser. Sollte ich nach einem Abführmittel fragen? Denken Sie auch, dass erst der Hb in Ordnung sein sollte bevor ich rausgeschmissen werde?  Die Milch kommt leider auch noch nicht so ganz obwohl Mia sich beim Abdocken wirklich gut macht (besser als ihr Bruder damals). Sie ist ja sowieso zart mit ihren 2920g und jetzt ist  sie bei 2790g. Ich hatte für den Fall eines zweiten nötigen Kaiserschnitts prophylaktisch etwas Kolostrum in Spritzen gesammelt und eingefroren. Das gebe ich ihr jetzt nach jeder Stillmahlzeit und sie verputzt es immer. Aber vielleicht müsste ich noch aktiver werden? Doch wie? So, jetzt schläft die kleine süße Maus endlich ganz ruhig und ich nutze die Gelegenheit bis zur nächsten Stillunterbrechung auch. Ihnen weiterhin gute Reise und ich danke für Ihre große Unterstützung :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich hoffe, Sie haben eine schöne Reise- und Urlaubszeit. Ich möchte Ihre Zeit nicht zu lange in Anspruch nehmen, nur noch einmal etwas fragen, was dem aktuellen Stand entspricht auch wenn ich Ihnen damit schon die 3. Nachricht schicke. Mia und ich wurden am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen. Bei Mia war bei der U2 alles gut, es wurden noch das Neugeborenen Hörscreening gemacht, die RSV Impfung gegeben, Versenblut für einige Untersuchungen entnommen. Alles o.B. Ein Kopfultraschall wegen der Saugglockengeburt war auch o.B. zum Glück. Nur beim Herzultraschall (um frühe Herzfehler zu entdecken) hat sie ein ganz kleines Loch, das in 4 Wochen kontrolliert werden soll, aber der Kinderkardiologe war nicht beunruhigt. Er meinte, das haben ganz viele Neugeborene und das wächst zu 99% zu bis zur Kontrolle. Ihr Gewicht ist leider noch ein Problem. Sie hat innerhalb von zwei Tagen von 2920g auf 2640g abgenommen und damit fast die 10% erreicht und sie wurde leicht gelb. Mir wurde dann im Krankenhaus Stress mit Zufüttern gemacht und ich hatte den Eindruck, dass ihr das zwar hilft, sie aber noch fauler an die Brust geht und damit erst recht keine Milch produziert wird. Bei jedem Andocken schläft sie nach 3 Minuten ein. Sie dockt wunderbar ganz alleine an, aber sie saugt wenig und ist so schnell müde. Aus der Flasche kommt die Milch natürlich schneller und bequemer. Meine Hebamme möchte jetzt eine andere Strategie verfolgen: weniger zufüttern, mehr anlegen, sie öfter wecken. Gibt es denn Präparate, die die Milchbildung anregen? Oder würden Sie noch etwas anderes zusätzlich empfehlen?  In meinem Mutterpass wurde eingetragen:  SSW: 39+0 Geburtsdatum: 08.02.2026 Geburtszeit: 10:58 Geschlecht: W Geburtsmodus: Vakuum-Extraktion von BB Kindslage: aus v.HHL Gewicht: 2920g Länge/Kopfumfang: 48 cm / 35 cm Apgar: 9/10/10 NA-pH/NA-BE: 7.22 Fehlbildungen: keine Entbindungsrisiken: Z.n.Sectio, protrahierte Geburt/Geburtsstillstand in der Austreibungsperiode bei BEL Komplikationen bei der Geburt: Atonie; Scheidenriss Geburtsverletzungen: Damm intakt Hb: 9,7 RR 135/90 gyn. Befund normal: ja Der Scheidenriss wurde genäht. Ich habe 700ml Blut verloren, weil nach der Nachgeburt die Gebärmutter sich nicht richtig zusammenzog. Es wurde etwas hektisch auf meinem Bauch herumgedrückt um Eihautreste zu holen, das klappte nicht. Dann sagte der Arzt, ich sollte sofort an den Oxytocintropf und bräuchte eine Ausschabung in Vollnarkose falls wir es nicht in der nächsten Stunde hinbekommen. Ich wurde noch eine Stunde beobachtet und immer wieder der Bauch gedrückt. Dann gab es Entwarnung und Mia und ich wurden auf Station gebracht. Ich soll jetzt Eisentabletten nehmen, aber mir ist noch immer oft schwindlig. Wäre nicht eine Infusion besser? Bei der Frauenärztin? Was denken Sie? Außerdem ist mein Darm noch etwas verwirrt nach der Entbindung und der Stuhlgang noch etwas problematisch. Ich denke, die Eisentabletten machen das nicht besser. Meine Hebamme hat außerdem festgestellt,  dass meine Rektusdiastase 3-4 Finger groß ist und findet das sehr viel. Ich soll nur über die Seite aufstehen, ab und zu eine Schulterbrücke machen und mich unbedingt zur Rückbildung anmelden. Sie wird sie genau beobachten, bei einer größeren müsste man operieren. Das hat mir etwas Angst gemacht. Warum und ab wann operiert man das? Kann das jetzt im Wochenbett noch größer werden? Was kann ich dagegen tun? Haben Sie sonst noch Anregungen oder Anmerkungen für mich? Ich danke Ihnen sehr für Ihre Unterstützung :) Wir sind gerade zu viert wie in einer kleinen Blase zu Hause und genießen diese Kennenlern- und Kuschelzeit sehr. Der große Bruder hat uns wegen seiner Covid-Infektion ja leider nicht im Krankenhaus besuchen können. Es hat sich wie ein Wunder zum Glück aber keiner angesteckt. Er ist so liebevoll mit seiner kleinen Schwester und hat sich so gefreut, sie kennen zu lernen. Da liefen bei mir die Freudentränchen :) wie sagt man so schön? Im Wochenbett fließt es überall: das Blut, die Tränen, die Milch :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was für wundervolle Nachrichten. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer kleinen Mia. 39+0, 2920 g, 48 cm – das klingt nach einem sehr stimmigen Start ins Leben. Und nach einer starken Mutter. Eine vaginale Geburt nach Sectio ist kein Selbstläufer. Das haben Sie großartig gemacht. Ich gehe Ihre Fragen jetzt ruhig und strukturiert durch.         1. Die Blutung und die Eihautreste   Zunächst: Das, was Sie schildern, klingt nach einer atone bzw. subatone Nachblutung mit Verdacht auf Plazentarest oder Eihautreste. Das ist nicht selten.   Was üblicherweise gemacht wird:     Uterus tasten (Fundusstand, Konsistenz) manuelle Kontrolle Oxytocin ggf. höher dosierte Infusion ggf. uteriner Druck (Crede-Handgriff) nur bei Persistenz → Kürettage   Wenn danach:   der Uterus gut kontrahiert ist, die Blutung deutlich nachlässt, Kreislauf stabil bleibt,   → dann ist kein zwingender Ultraschall erforderlich. Ein Ultraschall kann hilfreich sein, aber: Frische Blutkoagel und Restgewebe sehen sonographisch oft ähnlich aus. Die klinische Beurteilung ist entscheidender.   Woran würden Sie Restgewebe bemerken?   Achten Sie auf:   erneut zunehmende starke Blutung große Koagel anhaltend weicher, hochstehender Uterus Fieber übel riechender Wochenfluss zunehmende Unterbauchschmerzen   Solange die Blutung normaler Wochenfluss ist und der Uterus sich gut zusammenzieht → sehr beruhigend.         2. Hb-Wert – unbedingt nachfragen   Ja. Nach starker Blutung und Ihrem wackeligen Kreislauf würde ich morgen aktiv fragen: „Wie ist mein Hb-Wert nach der Geburt?“ Wenn Hb < 10 g/dl → Eisen. Wenn deutlich darunter → je nach Symptomatik Infusion oder selten Transfusion. Ihr Schwindel beim Aufstehen kann sein:   Schlafmangel Flüssigkeitsmangel Blutverlust Kreislauflabilität nach Geburt   Das klärt sich mit Hb und Blutdruck.         3. Präeklampsie – erledigt oder nicht?   Mit der Geburt ist der Haupttrigger entfernt. Aber: Präeklampsie kann postpartal noch auftreten oder fortbestehen, typischerweise innerhalb der ersten 48–72 Stunden. Fragen Sie morgen:   „Wie sind meine Blutdruckwerte?“ „Wurden die Laborwerte (Leber, Thrombozyten) nochmal kontrolliert?“   Wenn Blutdruck jetzt normal ist und kein Eiweiß mehr im Urin → Thema wahrscheinlich abgeschlossen.         4. Ihre vaginale Geburt – realistische Einordnung   Die lange Pressphase mit Vakuum ist nach VBAC nicht ungewöhnlich. Entscheidend:   Keine Uterusruptur Keine Notsectio Vaginal gelungen Kein Vergleich zur Sectio-Schmerzintensität   Das ist ein sehr gutes Outcome. Der Scheidenriss: Sitzen ist unangenehm, klar. Kühlung, lokale Pflege, Zeit. In 7–10 Tagen deutlich besser.         5. Ihr Sohn mit Covid   40,4 °C ist hoch, aber bei Covid bei Kindern nicht ungewöhnlich. Zum Kinderarzt morgen? Ja, wenn:   Fieber > 3 Tage hoch bleibt er sehr apathisch ist schlecht trinkt Atemprobleme auftreten   Ansonsten ist es symptomatische Therapie:   Paracetamol oder Ibuprofen (nicht „fast gleichzeitig“, sondern im Wechsel mit Abstand) viel trinken Beobachtung   Ich verstehe, dass Ihnen das Herz bricht, dass er seine Schwester nicht sehen kann. Aber aktuell schützen Sie Mia damit.         6. Covid-Risiko für Mia   Neugeborene bekommen keinen klassischen „Nestschutz“ gegen Covid, nur Antikörper, wenn die Mutter welche hat. Entscheidend:   Hände desinfizieren kranker Bruder mit Abstand ggf. Maske bei Symptomen viel Lüften   Ein Tag länger im Krankenhaus nur aus Infektionsschutzgründen ist meist organisatorisch schwierig, medizinisch nicht zwingend notwendig, wenn Sie stabil sind. Viel wichtiger ist: Zu Hause klare Hygienestrategie.         7. Konkrete Fragen für die Visite morgen   Sie dürfen selbstbewusst fragen:   Wie hoch war mein Blutverlust geschätzt? Wie ist mein Hb heute? Ist der Uterus gut rückgebildet? Besteht sonographisch Restverdacht? Wie sind meine aktuellen Blutdruckwerte? Brauche ich Eisen? Wann darf ich mobilisieren? Worauf soll ich zu Hause achten?   Das sind kluge, sachliche Fragen.         8. Und jetzt das Wichtigste   Sie haben:   eine VBAC geschafft eine Saugglockengeburt durchgestanden eine stärkere Nachblutung gemeistert eine schlaflose Nacht überlebt ein fieberndes Kind im Hintergrund gehabt   Natürlich ist Ihr Kreislauf wackelig. Ihr Körper hat heute Hochleistungssport betrieben. Trinken. Langsam aufsetzen. Unterstützung annehmen. Kein Heldentum. Und erlauben Sie sich, stolz zu sein.       Wenn sich etwas anfühlt wie:   zunehmende Schwäche Herzrasen starke Blutung Kopfschmerz mit Blutdruckanstieg Fieber   → sofort melden. Ansonsten: Sie sind auf einem guten Weg. Und Mia? Die hat sich eine sehr entschlossene Mutter ausgesucht. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was für wundervolle Nachrichten. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer kleinen Mia. 39+0, 2920 g, 48 cm – das klingt nach einem sehr stimmigen Start ins Leben. Und nach einer starken Mutter. Eine vaginale Geburt nach Sectio ist kein Selbstläufer. Das haben Sie großartig gemacht. Ich gehe Ihre Fragen jetzt ruhig und strukturiert durch.         1. Die Blutung und die Eihautreste   Zunächst: Das, was Sie schildern, klingt nach einer atone bzw. subatone Nachblutung mit Verdacht auf Plazentarest oder Eihautreste. Das ist nicht selten.   Was üblicherweise gemacht wird:     Uterus tasten (Fundusstand, Konsistenz) manuelle Kontrolle Oxytocin ggf. höher dosierte Infusion ggf. uteriner Druck (Crede-Handgriff) nur bei Persistenz → Kürettage   Wenn danach:   der Uterus gut kontrahiert ist, die Blutung deutlich nachlässt, Kreislauf stabil bleibt,   → dann ist kein zwingender Ultraschall erforderlich. Ein Ultraschall kann hilfreich sein, aber: Frische Blutkoagel und Restgewebe sehen sonographisch oft ähnlich aus. Die klinische Beurteilung ist entscheidender.   Woran würden Sie Restgewebe bemerken?   Achten Sie auf:   erneut zunehmende starke Blutung große Koagel anhaltend weicher, hochstehender Uterus Fieber übel riechender Wochenfluss zunehmende Unterbauchschmerzen   Solange die Blutung normaler Wochenfluss ist und der Uterus sich gut zusammenzieht → sehr beruhigend.         2. Hb-Wert – unbedingt nachfragen   Ja. Nach starker Blutung und Ihrem wackeligen Kreislauf würde ich morgen aktiv fragen: „Wie ist mein Hb-Wert nach der Geburt?“ Wenn Hb < 10 g/dl → Eisen. Wenn deutlich darunter → je nach Symptomatik Infusion oder selten Transfusion. Ihr Schwindel beim Aufstehen kann sein:   Schlafmangel Flüssigkeitsmangel Blutverlust Kreislauflabilität nach Geburt   Das klärt sich mit Hb und Blutdruck.         3. Präeklampsie – erledigt oder nicht?   Mit der Geburt ist der Haupttrigger entfernt. Aber: Präeklampsie kann postpartal noch auftreten oder fortbestehen, typischerweise innerhalb der ersten 48–72 Stunden. Fragen Sie morgen:   „Wie sind meine Blutdruckwerte?“ „Wurden die Laborwerte (Leber, Thrombozyten) nochmal kontrolliert?“   Wenn Blutdruck jetzt normal ist und kein Eiweiß mehr im Urin → Thema wahrscheinlich abgeschlossen.         4. Ihre vaginale Geburt – realistische Einordnung   Die lange Pressphase mit Vakuum ist nach VBAC nicht ungewöhnlich. Entscheidend:   Keine Uterusruptur Keine Notsectio Vaginal gelungen Kein Vergleich zur Sectio-Schmerzintensität   Das ist ein sehr gutes Outcome. Der Scheidenriss: Sitzen ist unangenehm, klar. Kühlung, lokale Pflege, Zeit. In 7–10 Tagen deutlich besser.         5. Ihr Sohn mit Covid   40,4 °C ist hoch, aber bei Covid bei Kindern nicht ungewöhnlich. Zum Kinderarzt morgen? Ja, wenn:   Fieber > 3 Tage hoch bleibt er sehr apathisch ist schlecht trinkt Atemprobleme auftreten   Ansonsten ist es symptomatische Therapie:   Paracetamol oder Ibuprofen (nicht „fast gleichzeitig“, sondern im Wechsel mit Abstand) viel trinken Beobachtung   Ich verstehe, dass Ihnen das Herz bricht, dass er seine Schwester nicht sehen kann. Aber aktuell schützen Sie Mia damit.         6. Covid-Risiko für Mia   Neugeborene bekommen keinen klassischen „Nestschutz“ gegen Covid, nur Antikörper, wenn die Mutter welche hat. Entscheidend:   Hände desinfizieren kranker Bruder mit Abstand ggf. Maske bei Symptomen viel Lüften   Ein Tag länger im Krankenhaus nur aus Infektionsschutzgründen ist meist organisatorisch schwierig, medizinisch nicht zwingend notwendig, wenn Sie stabil sind. Viel wichtiger ist: Zu Hause klare Hygienestrategie.         7. Konkrete Fragen für die Visite morgen   Sie dürfen selbstbewusst fragen:   Wie hoch war mein Blutverlust geschätzt? Wie ist mein Hb heute? Ist der Uterus gut rückgebildet? Besteht sonographisch Restverdacht? Wie sind meine aktuellen Blutdruckwerte? Brauche ich Eisen? Wann darf ich mobilisieren? Worauf soll ich zu Hause achten?   Das sind kluge, sachliche Fragen.         8. Und jetzt das Wichtigste   Sie haben:   eine VBAC geschafft eine Saugglockengeburt durchgestanden eine stärkere Nachblutung gemeistert eine schlaflose Nacht überlebt ein fieberndes Kind im Hintergrund gehabt   Natürlich ist Ihr Kreislauf wackelig. Ihr Körper hat heute Hochleistungssport betrieben. Trinken. Langsam aufsetzen. Unterstützung annehmen. Kein Heldentum. Und erlauben Sie sich, stolz zu sein.       Wenn sich etwas anfühlt wie:   zunehmende Schwäche Herzrasen starke Blutung Kopfschmerz mit Blutdruckanstieg Fieber   → sofort melden. Ansonsten: Sie sind auf einem guten Weg. Und Mia? Die hat sich eine sehr entschlossene Mutter ausgesucht. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was für wundervolle Nachrichten. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer kleinen Mia. 39+0, 2920 g, 48 cm – das klingt nach einem sehr stimmigen Start ins Leben. Und nach einer starken Mutter. Eine vaginale Geburt nach Sectio ist kein Selbstläufer. Das haben Sie großartig gemacht.    1. Die Blutung und die Eihautreste   Zunächst: Das, was Sie schildern, klingt nach einer atone bzw. subatone Nachblutung mit Verdacht auf Plazentarest oder Eihautreste. Das ist nicht selten.   Was üblicherweise gemacht wird:     Uterus tasten (Fundusstand, Konsistenz) manuelle Kontrolle Oxytocin ggf. höher dosierte Infusion ggf. uteriner Druck (Crede-Handgriff) nur bei Persistenz → Kürettage   Wenn danach:   der Uterus gut kontrahiert ist, die Blutung deutlich nachlässt, Kreislauf stabil bleibt,   → dann ist kein zwingender Ultraschall erforderlich. Ein Ultraschall kann hilfreich sein, aber: Frische Blutkoagel und Restgewebe sehen sonographisch oft ähnlich aus. Die klinische Beurteilung ist entscheidender.   Woran würden Sie Restgewebe bemerken?   Achten Sie auf:   erneut zunehmende starke Blutung große Koagel anhaltend weicher, hochstehender Uterus Fieber übel riechender Wochenfluss zunehmende Unterbauchschmerzen   Solange die Blutung normaler Wochenfluss ist und der Uterus sich gut zusammenzieht → sehr beruhigend.         2. Hb-Wert – unbedingt nachfragen   Ja. Nach starker Blutung und Ihrem wackeligen Kreislauf würde ich morgen aktiv fragen: „Wie ist mein Hb-Wert nach der Geburt?“ Wenn Hb < 10 g/dl → Eisen. Wenn deutlich darunter → je nach Symptomatik Infusion oder selten Transfusion. Ihr Schwindel beim Aufstehen kann sein:   Schlafmangel Flüssigkeitsmangel Blutverlust Kreislauflabilität nach Geburt   Das klärt sich mit Hb und Blutdruck.         3. Präeklampsie – erledigt oder nicht?   Mit der Geburt ist der Haupttrigger entfernt. Aber: Präeklampsie kann postpartal noch auftreten oder fortbestehen, typischerweise innerhalb der ersten 48–72 Stunden. Fragen Sie morgen:   „Wie sind meine Blutdruckwerte?“ „Wurden die Laborwerte (Leber, Thrombozyten) nochmal kontrolliert?“   Wenn Blutdruck jetzt normal ist und kein Eiweiß mehr im Urin → Thema wahrscheinlich abgeschlossen.         4. Ihre vaginale Geburt – realistische Einordnung   Die lange Pressphase mit Vakuum ist nach VBAC nicht ungewöhnlich. Entscheidend:   Keine Uterusruptur Keine Notsectio Vaginal gelungen Kein Vergleich zur Sectio-Schmerzintensität   Das ist ein sehr gutes Outcome. Der Scheidenriss: Sitzen ist unangenehm, klar. Kühlung, lokale Pflege, Zeit. In 7–10 Tagen deutlich besser.         5. Ihr Sohn mit Covid   40,4 °C ist hoch, aber bei Covid bei Kindern nicht ungewöhnlich. Zum Kinderarzt morgen? Ja, wenn:   Fieber > 3 Tage hoch bleibt er sehr apathisch ist schlecht trinkt Atemprobleme auftreten   Ansonsten ist es symptomatische Therapie:   Paracetamol oder Ibuprofen (nicht „fast gleichzeitig“, sondern im Wechsel mit Abstand) viel trinken Beobachtung   Ich verstehe, dass Ihnen das Herz bricht, dass er seine Schwester nicht sehen kann. Aber aktuell schützen Sie Mia damit.         6. Covid-Risiko für Mia   Neugeborene bekommen keinen klassischen „Nestschutz“ gegen Covid, nur Antikörper, wenn die Mutter welche hat. Entscheidend:   Hände desinfizieren kranker Bruder mit Abstand ggf. Maske bei Symptomen viel Lüften   Ein Tag länger im Krankenhaus nur aus Infektionsschutzgründen ist meist organisatorisch schwierig, medizinisch nicht zwingend notwendig, wenn Sie stabil sind. Viel wichtiger ist: Zu Hause klare Hygienestrategie.         7. Konkrete Fragen für die Visite morgen   Sie dürfen selbstbewusst fragen:   Wie hoch war mein Blutverlust geschätzt? Wie ist mein Hb heute? Ist der Uterus gut rückgebildet? Besteht sonographisch Restverdacht? Wie sind meine aktuellen Blutdruckwerte? Brauche ich Eisen? Wann darf ich mobilisieren? Worauf soll ich zu Hause achten?   Das sind kluge, sachliche Fragen.         8. Und jetzt das Wichtigste   Sie haben:   eine VBAC geschafft eine Saugglockengeburt durchgestanden eine stärkere Nachblutung gemeistert eine schlaflose Nacht überlebt ein fieberndes Kind im Hintergrund gehabt   Natürlich ist Ihr Kreislauf wackelig. Ihr Körper hat heute Hochleistungssport betrieben. Trinken. Langsam aufsetzen. Unterstützung annehmen. Kein Heldentum. Und erlauben Sie sich, stolz zu sein.       Wenn sich etwas anfühlt wie:   zunehmende Schwäche Herzrasen starke Blutung Kopfschmerz mit Blutdruckanstieg Fieber   → sofort melden. Ansonsten: Sie sind auf einem guten Weg. Und Mia? Die hat sich eine sehr entschlossene Mutter ausgesucht. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Erstmal: Sie denken völlig richtig. Und Sie reagieren nicht „überempfindlich“, sondern strukturiert und verantwortungsvoll. Ich gehe das Punkt für Punkt durch.         1. 700 ml Blutverlust – ist das viel?   Nach vaginaler Geburt gilt:   Ø Blutverlust: ca. 300–500 ml 500 ml = postpartale Hämorrhagie 700 ml = moderat erhöhte Blutung, aber kein dramatisischer Ausnahmefall   Entscheidend ist nicht nur die Zahl, sondern:   Wie war Ihr Ausgangs-Hb? Wie reagieren Kreislauf und Symptome?   Ihr Schwindel beim Aufstehen + „Blut sackt ab“-Gefühl spricht für: → orthostatische Kreislauflabilität → möglicherweise relevanter Hb-Abfall Dass die Schwester Sie nicht alleine gehen lässt, ist absolut richtig.         2. Hb-Wert – hier haben Sie vollkommen recht   Ich sage es klar: Sie sollten den Hb-Wert kennen, bevor über Entlassung gesprochen wird. Orientierung:   Hb > 11 → meist problemlos Hb 10–11 → grenzwertig, je nach Symptomatik Hb 9–10 → häufig symptomatisch Hb < 9 → deutlich behandlungsbedürftig Hb < 8 → klare Indikation für i.v.-Eisen oder ggf. Transfusion je nach Klinik   Mit Schwindel würde ich persönlich sagen: Unter 10 und symptomatisch → i.v.-Eisen ist sinnvoller als Tabletten. Warum?   wirkt schneller keine Darmprobleme bessere Resorption Sie haben gerade ein Neugeborenes – Sie brauchen Energie   Sie denken absolut richtig.         3. Eiseninfusion vs. Tabletten   Ich würde bei:   Hb < 10 + Symptome → Infusion bevorzugen Hb 9 oder darunter → klar Infusion   Tabletten:   wirken langsam machen Verstopfung schlecht bei ohnehin trägem Darm postpartal   Und ja – Ihr Darm ist nach Geburt oft „beleidigt“:   Progesteronabfall Weichteilschwellung Schmerz Bewegungsmangel   Sie dürfen ganz klar nach einem milden Laxans fragen:   Lactulose Macrogol   Nicht warten, bis es weh tut.         4. Das Hämatom an der Scheide   Das ist nicht ungewöhnlich nach:   Vakuum Riss Pressphase   Wichtig ist:   Wird es größer? Zunehmende Schmerzen? Druckgefühl?   Wenn stabil und klein → konservativ + Diclofenac völlig korrekt.         5. Das organisatorische Chaos   Sie haben völlig recht: Neugeborenen-Screenings gebündelt an einem Vormittag sind Stress. Standard:   U2 zwischen 3.–10. Lebenstag Hörscreening meist vor Entlassung Pulsoxymetrie früher Fersenblut meist Tag 2–3 RSV je nach Saison   Sie dürfen sachlich sagen: „Ich möchte, dass die Untersuchungen sinnvoll verteilt werden.“ Das ist kein „Wehren“. Das ist Mitdenken.         6. Entlassung nur bei stabilem Hb?   Ich bin ganz bei Ihnen:   stabile Kreislaufsituation Hb bekannt Mobilisation möglich ohne Präsynkope kein expandierendes Hämatom   Dann Entlassung. Nicht: „Wird schon gehen.“ Sie müssen zu Hause funktionieren.         7. Gewichtsabnahme von Mia   2920 g → 2790 g Das sind ca. 4–5 % Gewichtsverlust. Bis 7–10 % physiologisch. Also: völlig im Rahmen. Und dass sie gut andockt, ist Gold wert.         8. Milch kommt noch nicht richtig?   Tag 2 nach Geburt? Völlig normal. Sie hatten:   lange Geburt Blutverlust Stress Oxytocin-Infusion Kreislaufprobleme   All das kann den Milcheinschuss verzögern. Sie machen es perfekt:   häufig anlegen Kolostrum zufüttern Ruhe nutzen   Wenn Sie aktiver werden wollen:   alle 2–3 Stunden anlegen ggf. nach dem Stillen 10 Minuten beidseits abpumpen (Stimulation!) viel trinken Haut-zu-Haut-Kontakt   Aber kein Aktionismus. Ihr Körper braucht gerade Regeneration.         9. Wichtigste Einschätzung   Sie zeigen:   klare klinische Beobachtung richtige Prioritäten sachliche Forderungen   Das ist souverän. Was ich morgen sagen würde: „Ich habe noch orthostatischen Schwindel. Bitte teilen Sie mir meinen Hb-Wert mit. Ab welchem Wert empfehlen Sie i.v.-Eisen?“ Das ist ruhig, fachlich und klar.         10. Und jetzt ganz ehrlich   Sie haben:   VBAC geschafft 700 ml Blutverlust kompensiert ein Hämatom Kreislaufstress Covid-Sohn im Hintergrund Stillbeginn   Natürlich sind Sie erschöpft. Ihr Körper hat heute ein großes Werk vollbracht. Jetzt ist Phase 2: Regeneration. Schlafen Sie, sobald Mia schläft. Nehmen Sie Hilfe an. Und bleiben Sie in dieser klaren, ruhigen Haltung. Sie machen das sehr gut.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Zuerst: Sie klingen trotz allem stabil, reflektiert und sehr klar. Und dieses Bild am Ende – Blut, Tränen, Milch – trifft das Wochenbett ziemlich präzise.   1. Mia – Herzbefund   Ein „kleines Loch“ beim Neugeborenen ist fast immer ein:  kleines PFO (persistierendes Foramen ovale) oder kleiner muskulärer VSD   Beides ist extrem häufig. Wenn der Kinderkardiologe entspannt war, ist das entscheidend. 99 % schließen sich spontan. Kontrolle in 4 Wochen ist Standard, kein Alarmzeichen.      2. Gewichtsabnahme & Stillen   2920 g → 2640 g Das sind ~9,6 %. Grenzwertig, aber noch im physiologischen Rahmen. Problem ist weniger die Zahl – sondern: schläft nach 3 Minuten ein saugt wenig wird schnell müde Das ist typisch bei:   leichtem Ikterus verzögertem Milcheinschuss Geburtsstress leichter Anämie der Mutter (Milchbildung indirekt)   Ihre Hebamme denkt absolut richtig: Mehr Stimulation, weniger Flaschenbequemlichkeit.  Konkrete Strategie:     Alle 2–3 Stunden anlegen, auch nachts Vor dem Anlegen:   wickeln Füße kitzeln Hautkontakt   Währenddessen:   Brustkompression (Milchfluss aktiv halten)   Nach dem Stillen 10 Minuten beidseits abpumpen → das ist der stärkste Stimulus für Milchbildung   Flasche nur, wenn:   Gewichtsabnahme weitergeht Trinkschwäche persistiert Bilirubin steigt   Wenn zufüttern, dann möglichst:   Becher Löffel Brusternährungsset           3. Gibt es Mittel zur Milchsteigerung?   Ja – aber sekundär. Pflanzlich:   Bockshornklee Mariendistel Stilltee   Medikamentös (selten):   Domperidon (Off-label, ärztliche Entscheidung)   Aber: Der stärkste Stimulus ist Entleerung der Brust. Milchbildung ist Nachfrage-System.         4. Ihr Hb 9,7 – und weiterhin Schwindel   9,7 + Symptome → ich persönlich hätte Ihnen im Krankenhaus eine i.v.-Eisengabe angeboten. Warum?   schneller wirksam weniger Darmprobleme Sie sind im Wochenbett, nicht im Büro   Sie können das bei Ihrer Gynäkologin ansprechen. Hb < 10 + Schwindel → für mich klare Indikation zur Erwägung einer Infusion.         5. Darmprobleme   Postpartal normal:   Progesteronabfall Beckenbodenreizung Riss Schmerzhemmung Eisen   Sie dürfen:   Macrogol Lactulose viel trinken Flohsamenschalen   Nicht pressen – wegen Riss und Diastase.         6. Rektusdiastase 3–4 Finger   Das ist im frühen Wochenbett nicht dramatisch. Nach zwei Schwangerschaften ist das häufig. Wichtig:   In den ersten 8–12 Wochen operiert man praktisch nie. Man operiert nur bei:   persistierender >3–4 cm Diastase nach 6–12 Monaten funktionellen Beschwerden massiver Instabilität     Jetzt:   Seitlich aufstehen → richtig Kein Sit-up Kein schweres Heben Frühzeitige, sanfte Tiefenmuskulatur-Aktivierung Rückbildungskurs   Nein – sie wird jetzt im Wochenbett normalerweise nicht größer, wenn Sie sich vernünftig bewegen. Angst vor OP ist aktuell nicht nötig.         7. Atonie & Bauchdrücken   Das, was Sie schildern, war ein klassisches atones Geschehen. Sie sind stabil geblieben. Keine Ausschabung nötig. Das spricht dafür, dass letztlich keine relevanten Reste verblieben sind.         8. Ihre Gesamtsituation   Sie haben:   VBAC 700 ml Blutverlust Hb 9,7 Stillstart Ikterus-Baby Covid-Sohn hormonellen Crash   Natürlich sind Sie wackelig. Und trotzdem klingen Sie innerlich stabil.         9. Was ich jetzt priorisieren würde     Hb-Kontrolle in 1–2 Wochen Eiseninfusion erwägen Konsequent anlegen + pumpen Gewicht engmaschig kontrollieren Schlaf über alles stellen           10. Und jetzt etwas Wichtiges   Sie analysieren alles medizinisch korrekt. Aber vergessen Sie nicht: Wochenbett ist kein Examen. Es ist Chaos, Hormone, Müdigkeit, Liebe, Unsicherheit. Und das, was Sie am Ende schreiben – der große Bruder, die Tränen – das ist das Entscheidende. Sie sind als Familie angekommen. Der Rest sind lösbare, medizinisch gut steuerbare Themen. Sie machen das sehr gut.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen herzlichen Dank für die Glückwünsche zur Geburt unserer kleinen Mia und für Ihre wirklich ausführlichen Antworten. Sie sind sehr feinfühlig und verstehen die Situation ausgesprochen gut :) Es ist so eine wunderschöne Familienzeit zum Kuscheln, man kann dieses Glück und diese Liebe nicht in Worte fassen. Mia ist eine so zuckersüße und bis jetzt so brave Maus. Sie lässt alles geduldig mit sich machen, lässt sich ablegen, wickeln, weint gar nicht viel. Wenn es so bleibt, ist sie wirklich ein pflegeleichtes Baby :) und ich bin so froh, dass es vaginal dieses Mal geklappt hat. Als die Pressphase so unerträglich lang war und ich es vor Schmerzen nicht mehr ausgehalten habe und mir auch noch die Kraft ausging und ich merkte, dass die Hebamme meinte, es läuft nicht mehr so gut, habe ich vor Angst gefleht, dass ich bitte bitte nicht nochmal einen Kaiserschnitt möchte. Der Arzt meinte dann, wir schaffen das schon ohne. Dann musste ich zwar in Positionen gehen, die ich unerträglich fand und empfand die Saugglocke als extrem schmerzhaft, weil dann selbst in den Wehenpausen der Schmerz extrem war, aber sie hat zum Ziel geführt und ich bin so glücklich, jetzt nicht wieder diese Schmerzen nach einem Kaiserschnitt zu erleben :) Gestern hat Mia Clusterfeeding gemacht, sie wollte alle Stunden an die Brust und das war wirklich anstrengend, aber es hat dazu geführt, dass die Milch endlich richtig eingeschossen ist und sie langsam beginnt, zuzunehmen. Die Hebamme hat sie vor und nach dem Trinken gewogen und sie hatte plötzlich 60ml aus einer einzige Seite bekommen. Das ist das Doppelte von dem, was wir zufüttern sollten. Heute trinkt sie sich mit kräftigen Schlücken satt und ist danach wie im Milchkoma und lange Zeit zufrieden. Doch leider habe ich jetzt heute das Gefühl, dass es jetzt schon direkt zu viel Milch ist und sich die Brust entzündet. Sie fühlt sich heiß und so prall an und schmerzt sehr und es fröstelt mich immer wieder. Ich lege mich heute schon viel hin, weil es mir wirklich überall weh tut. Unten vom Riss und Hämatom und oben von der Milch. Der Hormoncrash tut dann sein Übriges dazu. Mir ist auch immernoch schwindlig und im Nachhinein ärgert es mich, dass ich keine Eiseninfusion im Krankenhaus bekommen habe, sondern nur Eisentabletten, vor allem weil Sie gestern geschrieben haben, dass Sie mir eine Infusion gegeben hätten. Jetzt nehme ich Flohsamenschalen (Ihr Vorschlag) gegen die Verstopfung. Die ist doppelt unschön, weil ich seit der Geburt zusätzlich echt schmerzhafte Hämorrhoiden habe. Das hilft etwas, aber ich denke, die Eisentabletten sind ungut. Sie meinten, Hb-Kontrolle in 1-2 Wochen. Soll ich vielleicht eher zur Kontrolle um eine Infusion zu bekommen? Morgen kommt auch meine Hebamme wieder und ich frage sie, was sie mir für die Brust empfiehlt, doch ich schätze Ihre Ratschläge sehr und wollte auch Sie fragen. Was kann ich tun?  Haben Sie noch Anmerkungen oder Tipps? Die sind immer tip top :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :) 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Was für eine kraftvolle Geburt. Sie haben gekämpft, gezweifelt, gelitten – und es geschafft. Vaginal, trotz Angst, trotz Erschöpfung, trotz Saugglocke. Das ist keine „kleine“ Leistung. Das ist beeindruckend. Und jetzt liegen Sie da – unten wund, oben gespannt, hormonell durchgeschüttelt – und halten dieses kleine Wunder im Arm. Genau so fühlt sich Wochenbett oft an: Himmel und Hölle gleichzeitig. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch.         🍼 1️⃣ Brust – Milchstau oder normale Einschussphase?   Das klingt sehr nach Milcheinschuss + beginnender Stau, noch nicht zwingend nach Mastitis. Typisch jetzt:   heiße, pralle Brust Druckschmerz Frösteln allgemeines Krankheitsgefühl   Wichtig: Jetzt konsequent handeln, damit es nicht kippt.   Was Sie heute konkret tun sollten:   Vor dem Stillen:   5–10 Minuten Wärme (warmer Waschlappen, Dusche) Brust sanft ausstreichen   Beim Stillen:   häufig anlegen (alle 2–3 h) Kinn des Babys Richtung verhärtete Stelle Position variieren   Nach dem Stillen:   kühlen! (Quarkwickel oder Kühlpad) nur minimal abpumpen, wenn noch Spannung bleibt (nicht leerpumpen!)   Zusätzlich:   viel Ruhe (Sie machen das richtig) viel trinken BH nicht zu eng   ⚠️ Wenn:   Fieber > 38,5 deutliche Rötung starke Gliederschmerzen   → sofort ärztlich vorstellen. Dann reden wir über Antibiotika. Aber im Moment klingt es noch wie „zu viel Angebot nach Clusterfeeding“. Das reguliert sich oft innerhalb von 24–48 Stunden.         🧠 2️⃣ Hormoncrash & Schwindel   Das ist eine Mischung aus:   Östrogenabfall Schlafmangel Geburtstrauma möglicher Anämie   Dass Sie noch schwindelig sind, nehme ich ernst. Sie hatten:   lange Pressphase Saugglocke Hämatom   Das heißt: Blutverlust war wahrscheinlich nicht minimal.   Meine klare Haltung:   Wenn Sie:   deutlich schwindelig sind sich kraftlos fühlen Hb vermutlich unter 10 liegt   Dann würde ich nicht zwei Wochen warten. Ich würde:   diese Woche Hb kontrollieren Ferritin mitbestimmen bei Hb < 10 oder Ferritin sehr niedrig → Eiseninfusion erwägen   Gerade im Wochenbett darf man großzügiger sein. Sie müssen funktionieren – für sich und Mia. Eisentabletten + Hämorrhoiden + Obstipation = unnötige Quälerei. Das dürfen Sie aktiv ansprechen.         🚽 3️⃣ Verstopfung & Hämorrhoiden   Sie machen mit Flohsamenschalen alles richtig. Zusätzlich sinnvoll:   viel trinken ggf. Lactulose niedrig dosiert lokal z.B. Hamamelis-Salbe oder Posterisan akut beim Stuhlgang nicht pressen   Wichtig: Erst weich machen, dann kommt die Heilung.         💛 4️⃣ Emotionale Verarbeitung der Geburt   Was Sie schildern – die Angst vor dem Kaiserschnitt, das Flehen, das Ausgeliefertsein – das darf nachhallen. Auch wenn das Ergebnis wunderschön ist, war es körperlich und emotional grenzwertig. Wenn Sie merken, dass:   Bilder immer wieder kommen Sie nachts unruhig werden Sie die Szene gedanklich durchspielen   Dann sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ärztin darüber. Früh darüber reden verhindert spätere Verarbeitungsschwierigkeiten. Aber im Moment klingt es nach normaler Erschöpfung, nicht nach Trauma.         🧒 Mia   60 ml aus einer Brust – das ist hervorragend. Milchkoma nach kräftigem Trinken – perfektes Zeichen. Clusterfeeding war kein Problem, sondern die Lösung. Sie machen das sehr gut.         🎯 Meine klare Prioritätenliste für Sie     Heute konsequent Brustmanagement Hb zeitnah kontrollieren (nicht erst in 2 Wochen, wenn Sie sich schwach fühlen) Weichen Stuhl sichern Schlafen, wann immer Mia schläft Sich bewusst sagen: „Ich darf gerade angeschlagen sein.“   Sie sind nicht „zu empfindlich“. Sie sind eine Frau im Wochenbett. Und das ist physiologisch eine Extremphase.       Wenn morgen die Hebamme kommt, lassen Sie:   Brust anschauen Temperatur kontrollieren ggf. einen Stau gezielt massieren   Und falls heute Abend Fieber kommt, bitte direkt reagieren.       Sie machen das beeindruckend gut. Und ja – diese Liebe kann man nicht in Worte fassen. Aber man sieht zwischen Ihren Zeilen, wie sehr Sie angekommen sind. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg und streichen Sie Mia einmal sanft über das Köpfchen von mir.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, was für eine herzliche und einfühlsame Rückmeldung von Ihnen :) Vielen lieben Dank :) Da sind mir gleich die Tränen gekommen, dass Sie Mia über ihr kleines Köpfchen streicheln :) Sie sagen es genau richtig. Das Wochenbett ist Himmel und Hölle zugleich. Dieses kleine süße zerbrechliche Wunder schaut einen plötzlich mit großen Rehaugen an. Man schmilzt dahin. Gleichzeitig tut alles weh und jede Kleinigkeit bringt einen zum Weinen und man weiß gar nicht warum. Die Hormone schütteln einen ganz schön durch. Diesen Spagat zwischen zwei Kindern hinzubekommen, finde ich anspruchsvoll, vor allem dem großen Bruder noch immer gerecht zu werden. Wir haben ihn noch nicht wieder in den Kindergarten, da es dort gerade einige RSV Fälle gibt und uns das selbst mit Mias Impfung zu heiß ist. Aber immer wenn ich mich hinlege habe ich ein schlechtes Gewissen und verschiebe es erstmal auf etwas später um mit dem Großen erst etwas zu spielen, damit er nicht das Gefühl hat, Mama ist nicht mehr da. Aber es strengt mich sehr an, denn die Nächte sind auch anstrengend obwohl Mia nicht öfter als 2 Mal nachts stillen will und mein Mann alles andere nachts gerade übernimmt. Sie ist leicht zu befriedigen, allerdings macht sie bei fast jedem Stillen Kaka in die Windel, am liebsten natürlich in eine frische Windel, sodass die Nächte vor allem deshalb hart sind. Ich bin sehr froh über alle Ihre Ratschläge, wie ich eine Brustenzündung jetzt möglichst vermeiden kann. Habe alles befolgt. Die Hebamme hat sich die Brust heute angeschaut und massiert, weil sie da schon einen Milchstau bemerkt. Mia nimmt jetzt toll zu: 2920g bei Geburt, 2640g nach 2 Tagen, 2760g vorgestern, 2840g heute. Die Milch ist da, aber einfach zu viel. Ich habe kein starkes Fieber, aber doch 38,2 und fühle mich auch schlapp und die Brüste sind heiß und rot. Die Hebamme meinte, ich sollte morgen unbedingt mal zur Frauenärztin. Braucht man bei leicht erhöhter Temperatur schon Antibiotika oder kann man das vielleicht noch ohne hinkriegen? Geht das oral ohne ins Krankenhaus zu müssen? Und sollte mir die Frauenärztin vielleicht gleich eine Eiseninfusion geben ohne noch einmal Blut abzunehmen? Im Mutterpass steht als Hb 9,7 und der Blutverlust war 700ml wegen der Antonie. Nach 1h Oxytocintropf und Überwachung war ich ok, aber seitdem ist mir einfach schwindlig. Es ist weniger als die ersten zwei Tage nach der Geburt, aber nach dem Duschen war es mir vom Kreislauf her heute schon wieder nicht so gut. Denken Sie, die Frauenärztin sollte mir einfach gleich morgen eine Eiseninfusion geben? Ihr Labor ist immer sehr langsam (2-3 Tage). Dann könnte ich mir endlich die Eisentabletten sparen und damit wäre das Verstopfungs-Hämorrhoiden-Problem auch besser? Und noch eine Frage zum Bluthochdruck/ Präeklampsie: meine Frauenärztin hatte sich ja am Freitag vor der Geburt leider nicht mehr mit den Blutwerten (kleines Blutbild, Leber, Niere) gemeldet und am Sonntag ist sie geboren. Als wir im Kreißsaal ankamen, hat die Hebamme im Mutterpass den letzten Blutdruckwert (153/101) und Eiweiß ++ gesehen und dann wurde mir gleich nochmal Blut abgenommen, Urin getestet und Blutdruck gemessen. Ich weiß, dass der Blutdruck wieder hoch war (aber vielleicht im Wehenstress normal?). Was mit dem Urin war, weiß ich nicht. Ich bekam dann noch einen Einlauf und ab dem Moment war ich dann schon so mit mir selbst beschäftigt, dass ich zu solchen Nachfragen nicht mehr fähig war. Mein Mann hat auch nicht gefragt. Auf Station war der Blutdruck eher niedrig, vielleicht bedingt durch den Blutverlust? Sollte ich jetzt nochmal regelmäßig messen oder denken Sie, das Thema ist somit passé? Und eine letzte banale Frage: im Krankenhaus bekam ich immer 200mg Jod am Morgen, welches ich in der Stillzeit weiter nehmen soll. Im Femibion 3, das ich schon vor der Geburt gekauft habe, sind nur 150mg. Reicht das oder soll ich lieber 50mg zusätzlich nehmen? Falls das Gewicht wichtig ist: ich bin eher klein und zierlich. Ja, die Bilder der Geburt hallen schon noch etwas nach. Die Pressphase war nicht einfach und ich habe gespürt, dass Hebamme und Arzt irgendwann an einem Punkt waren, wo ich dann genau den Anweisungen folgen musste, weil es zu kippen drohte und das erinnerte mich an die BEL Geburt unseres Sohnes, bei der es wirklich kurz vor dem Ziel stagnierte und zur Sectio kam und ich danach wirklich körperlich fertig war. Stundenlange Wehen und am Ende die Schmerzen einer Sectio. Doch ich glaube, die Angst, dass es wieder in den letzten Zügen der Geburt nach all den Schmerzen und Stunden zum Geburtsstillstand und Notkaiserschnitt kommt, war dann schon groß, aber dadurch, dass es dank Saugglocke vaginal geklappt hat, wenn es auch höllisch wehtat, weil es wieder so viele Wehen gebraucht hat, in der Mias Kopf und Saugglocke dann gefühlt halb drinnen und halb draußen waren, hinterlässt die Geburt insgesamt doch ein sehr positives Bild. Es hat geklappt :) Das war jeden Schmerz wert :) ich kann das also sehr positiv sehen :) Herzlichen Dank und liebe Grüße aus Nürnberg :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Es tut mir leid, dass ich Sie nach zwei Tagen schon wieder zutexte. Mir geht’s seit letzter Nacht nicht gut, ich kann Sie wieder gut gebrauchen. Gestern hatte ich das Gefühl, den Milchstau mit ihren Tipps in den Griff zu bekommen. Erst Brust wärmen, dann stillen in verschiedenen Positionen, abpumpen, kühlen. Meine Hebamme hat die Brust massiert, aber der Stau löst sich nicht :( Heute Nacht wurde die Brust richtig heiß, rot, Ich konnte mich kaum umdrehen im Bett und seitlich drauf legen vor Schmerzen und habe sehr gefroren und 39 Fieber bekommen. Jetzt fühle ich mich richtig krank. Frieren, müde, schlapp, Schmerzen. So habe ich mir das Wochenbett nicht vorgestellt. Ich möchte für die kleine Mia fit sein :( Ich war deshalb heute bei der Frauenärztin und sie hat mir gegen die Mastitis Floxapen 500mg 4xtgl. für 10 Tage verschrieben. Ich soll auch Ibu 600 gegen Fieber und Schmerzen nehmen. Ist diese Behandlung Standard? Wann würde man eine Milchkultur in Erwägung ziehen? Kann ich auch Ibu 400 nehmen? Wie oft? Das reicht vielleicht. Es geht ja alles in die Muttermilch… was sollte ich sonst beachten? Erst hatte ich nicht genug Milch und jetzt ist es so viel, dass ich nicht mehr weiß wohin damit. Stilleinlagen alleine reichen nicht, meine Hebamme hat mir Auffangschalen gegeben und da sammeln sich in 3 Stunden locker 30-40ml pro Brust. Toll, dass ich das gleich einfrieren kann, aber es schmerzt und fühlt sich nach Explosion an. Das Problem ist vielleicht auch, dass Mia eher nur alle 4 Stunden trinken möchte und dann aber einen richtigen Zug hat und in 8 Minuten sich den Bauch an allein einer Seite vollhaut und an der anderen Seite dann fast nichts mehr will und satt und müde ist. Sie rollt dann so süß die Augen wie in einem Milchrausch, lächelt sogar kurz, genießt und schläft ein. Wenn ich sie schon nach 2-3 Stunden wecke, damit sie die Brust eher leert und mir Druck nimmt, ist sie schläfrig und will nicht viel trinken. Es geht offenbar gegen ihren Rhythmus. Sie schläft mit ihren 10 Tagen noch unglaublich viel. Sie nimmt aber super zu. Heute (10 Tage alt) schon 3040g, also schon mehr als Geburtsgewicht (2920g) und das obwohl sie ja so abgenommen hatte. Sie hat 200g in 2 Tagen zugenommen. Super toll! Doch meiner „Explosion“ hilft es leider nicht :( Sobald die Ibu nicht wirkt, friert es mich und die Schmerzen werden echt stark. Ich hoffe außerdem, mit dem Antibiotikum nicht wieder eine bakterielle Vaginose zu bekommen wie nach der eitrigen Nebenhöhlenentzündung am Ende der Schwangerschaft. Ich kann ja mit dem Wochenfluss und Scheidenriss jetzt auch keine Milchsäurezäpfchen einführen. Gibt es eine Alternative? Denken Sie, im Wochenbett ist die Gefahr genauso hoch wie in der Schwangerschaft oder sogar höher? Sollte ich auch gleich wieder OmniBiotic Panda nehmen?  Den Eisen- und Ferritinwert hat die Frauenärztin abgenommen, das Ergebnis kommt aber frühestens am Donnerstag (oder Freitag). Darf ich es Ihnen dann schicken? Ich hatte gehofft, sie gibt mir bei meinem Hb von 9,7 nach der Atonie und dem Hämatom durch die Geburt einfach gleich eine Eiseninfusion, aber leider nein. Mir ist zusätzlich einfach so oft schwindlig, schlapp, müde, meine Hebamme findet mich blass. Ich fühle mich auch so. Für 10 Tage nach der Geburt fühle ich mich noch völlig unfit. Ich finde das gerade alles schwierig mit Neugeborenem, das versorgt werden muss und den Großen gibt es ja auch noch. Mein Mann hat gerade Elternzeit und hilft viel, aber trotzdem möchte und muss ich ja auch funktionieren. Bin etwas traurig gerade :( Die Situation macht es nicht gerade leicht, den Hormoncrash emotional gerade gut auszuhalten. Vielleicht haben Sie Anmerkungen und Anregungen für mich :) Die sind immer wieder tip top :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,, Ein normales, aber sehr intensives Wochenbett. Zwei Kinder, Schlafmangel, hormoneller Absturz, Verantwortung – das ist Hochleistung. Dass Sie dabei emotional sind, zeigt nur, wie sehr Sie fühlen. Und ja: Es darf gleichzeitig Himmel und Hölle sein. Jetzt ruhig und strukturiert zu den medizinischen Punkten.         1️⃣ Brust, Temperatur, möglicher Beginn einer Mastitis   Sie berichten:   Milchstau bereits bemerkt heiße, gerötete Brüste 38,2 °C schlappes Gefühl   Das ist sehr wahrscheinlich eine beginnende Mastitis, noch im Frühstadium. 👉 38,2 °C ist noch kein dramatisches Fieber. 👉 Krankenhaus ist nicht automatisch nötig. 👉 Antibiotika sind nicht immer sofort erforderlich. Aber: Wenn Rötung, Schmerzen oder Temperatur morgen steigen → frühzeitig behandeln.   Was jetzt entscheidend ist:     Weiterstillen (sehr wichtig!) Häufiges Anlegen, beginnend an der betroffenen Seite Nach dem Stillen kühlen Vor dem Stillen Wärme Sanfte (!) Massage Richtung Mamille Ibuprofen ist erlaubt (entzündungshemmend)   Wenn morgen bei der Gyn:   Temperatur > 38,5 ausgeprägte Rötung Verschlechterung   → Dann Antibiotikum, oral, ambulant. Typisch: Flucloxacillin oder Cephalosporin. Kein Krankenhaus nötig, solange Sie stabil sind. Sie sind noch in einem Bereich, wo man es eventuell ohne Antibiotika drehen kann – aber bitte niedrigschwellig behandeln.         2️⃣ Eisen, Hb 9,7, 700 ml Blutverlust   Hb 9,7 nach Geburt + 700 ml Blutverlust   Schwindel Schlappheit   Das ist absolut plausibel. Hier meine klare Meinung: 👉 Ja, eine Eiseninfusion wäre sinnvoll. 👉 Sie müssen dafür nicht erst 3 Tage auf Labor warten. 👉 Ferritin war vermutlich vor Geburt nicht hoch. Eine einmalige i.v.-Gabe:   wirkt schneller macht keine Verstopfung verbessert Kreislauf deutlich   Gerade mit zwei Kindern und Stillen ist schnelle Stabilisierung wertvoll. Ich würde es machen.         3️⃣ Blutdruck / Präeklampsie   153/101 + Eiweiß ++ ist ernst zu nehmen. Dass danach stationär niedrige Werte waren, kann durch:   Blutverlust Entspannung nach Geburt   bedingt sein. Meine Empfehlung: 👉 Jetzt 1–2 Wochen täglich messen morgens und abends in Ruhe, nicht im Stress. Wenn Werte:   unter 140/90 → beruhigend wiederholt darüber → bitte kontrollieren lassen   Postpartale Präeklampsie kann auch nach Geburt noch auftreten. Also: Thema noch nicht ganz „passé“, aber wahrscheinlich erledigt.         4️⃣ Jod in der Stillzeit   Stillzeitbedarf: ca. 200–250 µg/Tag. Wenn Femibion 150 µg enthält, würde ich auf 200 µg ergänzen. Also ja: 50 µg zusätzlich ist sinnvoll. Nicht wegen Körpergröße – sondern wegen Bedarf.         5️⃣ Ihr schlechtes Gewissen wegen des Großen   Jetzt etwas Wichtiges: Ihr Sohn braucht keine perfekte Mutter. Er braucht eine regulierte Mutter. Wenn Sie sich überlasten, um „gerecht“ zu sein, ist langfristig niemandem geholfen. Er lernt gerade: Mama ist müde, aber Mama liebt mich. Das reicht. Und RSV-Vorsicht ist absolut nachvollziehbar.         6️⃣ Zur Geburt   Was Sie beschreiben, klingt nach:   Kontrollverlustangst durch Vorgeschichte alte Sectio-Erinnerung Grenzsituation dann doch vaginaler Erfolg   Dass es positiv überwiegt, ist ein sehr gutes Zeichen. Aber dass die Bilder noch nachhallen, ist normal. Wenn in 2–3 Wochen:   Flashbacks starkes Wiedererleben Vermeidungsverhalten   auftreten → bitte ansprechen. Früh reagieren ist klug, nicht schwach.         Zusammenfassung     Mastitis wahrscheinlich im Frühstadium → morgen kontrollieren Antibiotikum nur bei Verschlechterung Eiseninfusion: ja, sinnvoll Blutdruck 1–2 Wochen beobachten Jod auf 200 µg ergänzen Progesteron / Stillen / Prolaktin hier kein Thema   Und ganz persönlich: Sie machen das gut. Sehr gut sogar. Aber jetzt dürfen Sie sich auch ausruhen. Ihr Körper hat gerade Großes geleistet. Herzliche Grüße nach Nürnberg 🌷


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst ganz ruhig: Das, was Sie gerade erleben, ist keine Schwäche, sondern eine echte akute Erkrankung im Wochenbett. 39° Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen – das ist keine „kleine Verhärtung“, das ist eine echte Mastitis. Und die darf man ernst nehmen. Sie haben absolut richtig reagiert.         1️⃣ Floxapen 500 mg 4× täglich – ist das Standard?   Ja. Das ist Leitlinien-gerecht bei bakterieller Mastitis. Wirkstoff: Flucloxacillin Ziel: Staphylokokken (häufigster Erreger) Dauer 7–10 Tage ist üblich. Bitte nicht vorzeitig abbrechen, auch wenn es schneller besser wird. Krankenhaus braucht man nur bei:   Kreislaufinstabilität Abszess keine Besserung nach 48 Stunden           2️⃣ Ibuprofen – 400 oder 600?   Beides ist stillverträglich. Ibuprofen geht nur minimal in die Muttermilch. Sie dürfen:   400 mg alle 6–8 Stunden oder 600 mg alle 8 Stunden   Maximal 2400 mg pro Tag. Bei 39° und starken Schmerzen ist 600 mg absolut vertretbar. Das ist nicht gefährlich für Mia.         3️⃣ Wann Milchkultur?   Nur wenn:   nach 48 Stunden Antibiotikum keine Besserung oder Rückfall oder Verdacht auf MRSA   Jetzt noch nicht nötig.         4️⃣ Ihre „Explosion“ – das ist gerade das Hauptproblem   Sie haben:   Überproduktion Baby mit 4-Stunden-Rhythmus einseitige 8-Minuten-Powertrinkerin   Das führt zwangsläufig zu: → Überfüllung → Druck → Stau → Entzündung Wichtig jetzt: ❗ Nicht zusätzlich stark abpumpen. Das signalisiert: „Mehr produzieren!“ Stattdessen:   Nur Druck abnehmen, nicht leerpumpen Blockstillen erwägen (z.B. 3 Stunden nur eine Seite) Kühlen nach dem Stillen Enge BHs vermeiden Lecithin (z.B. 1200 mg 3×/Tag) kann helfen, Milchfließfähigkeit zu verbessern   Dass sie viel zunimmt, ist wunderbar – aber Ihre Brust darf dabei nicht kaputtgehen.         5️⃣ Bakterielle Vaginose durch Antibiotikum?   Das Risiko ist da – aber im Wochenbett nicht höher als sonst. Sie können:   OmniBiotic Panda weiternehmen zusätzlich ein orales Milchsäurepräparat für Vaginalflora   Zäpfchen jetzt wirklich nicht sinnvoll wegen Wochenfluss. Beobachten reicht erstmal. Nicht prophylaktisch vaginal behandeln.         6️⃣ Eisen, Schwindel, Blässe   Hb 9,7 + 700 ml Blutverlust   Infekt Schlafmangel   Natürlich fühlen Sie sich miserabel. Sie sind 10 Tage post partum. Ihr Körper hat:   Geburt Blutverlust Hormonabsturz Infekt   gleichzeitig zu bewältigen. Das ist Hochleistungssport im Minusbereich. Wenn Ferritin niedrig ist → ich würde weiter zur Infusion tendieren. Schicken Sie mir die Werte gerne.         7️⃣ Emotionale Lage   Sie sind:   infiziert anämisch hormonell im Crash schlafdepriviert   Und versuchen gleichzeitig, eine perfekte Mutter für zwei Kinder zu sein. Das ist unmenschlich viel. Sie müssen gerade nicht funktionieren. Sie müssen gesund werden. Ihr Mann ist da. Das ist jetzt sein Job.         8️⃣ Woran Sie erkennen, dass es besser wird   Innerhalb von 24–48 Stunden Antibiotikum sollte:   Fieber sinken Schmerzen abnehmen Rötung kleiner werden   Wenn nicht → sofort wieder zur Ärztin.         Und jetzt etwas Persönliches   Dass Sie traurig sind, ist kein Zeichen, dass Sie es nicht schaffen. Es ist ein Zeichen, dass Sie erschöpft sind. Sie haben:   ein gesundes Baby ein gut zunehmendes Baby eine vaginal bewältigte Geburt eine engagierte Hebamme einen unterstützenden Mann   Im Moment fühlt es sich nicht so an – aber objektiv läuft sehr vieles gut. Nur Ihr Körper schreit gerade: „Pause.“ Und die dürfen Sie sich nehmen. Herzliche Grüße nach Nürnberg 🌷


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für die herzlichen Worte und Ihre super ausführlichen Anregungen. Das hilft sehr gut. Es beeindruckt mich, mit welchem Eifer Sie das machen. Ich weiß, Sie schreiben mir immer, ich nerve nicht, aber jetzt schreibe ich schon wieder. Heute Mittag hat mich meine Frauenärztin angerufen um mir die Eisenwerte mitzuteilen. Sie hat versucht, es extra zu beschleunigen, weil sie auch gesehen hat, dass es mir echt nicht so gut geht. Heute ist die Praxis am Nachmittag zu. Ich soll gleich morgen zur Eiseninfusion kommen. Endlich bekomme ich eine!!! Die Werte: Hb 9,0 (bei Entlassung im Krankenhaus 9,7) Ferritin 16,2 µg/l Aber was mich etwas irritiert: Wie kann denn dieser erneute Absturz vom Hb sein? Dass er 9,7 nach der Geburt war, wundert mich bei dem Blutverlust von 700ml wegen der Uterusatonie nicht. Aber wieso ist er jetzt trotz Eisentabletten nochmal so gefallen? Der Wochenfluss ist nach 11 Tagen schon noch stark und noch immer rot und teilweise mit kleinen Koageln und auch stärker als nach der 1. Geburt, aber das war ja ein Kaiserschnitt. Da ist er schwächer als nach einer vaginalen Geburt? Ich kann mir den erneuten Absturz nicht ganz erklären. Dürfen denn nach 11 Tagen noch Koagel abbluten? Ist das auffällig? Die Hebamme schaut immer auf die Wunde selbst, aber sie sieht natürlich die Blutung selbst auch nicht ständig. Sollte ich sie auf etwas bestimmtes ansprechen wenn sie wieder kontrolliert? Ich spüle auch bei jedem Toilettengang noch immer mit dem „Einlaufbeutel“, den ich im Krankenhaus bekommen habe, mit Wasser, damit das Blut nicht verklebt oder sich Bakterien sammeln.  Wie viele Infusionen gibt man denn bei diesen Werten? Erstmal eine und dann kontrollieren? Wann? Oder ist es wahrscheinlich dass es mehrere braucht? Oder reicht vermutlich eine? Die Mastitis ist leider noch nicht besser, ich muss mich vermutlich noch gedulden. Es sind ja erst 24 Stunden seit dem Antibiotikum. Die letzte Nacht war die Hölle. Ich hatte so Schüttelfrost und dann 39,3 Fieber. Habe dann wieder eine Ibu genommen. Dann hat Mia gleichzeitig nicht gut abgetrunken, sondern immer nur ein paar Schlucke und dann geweint. Das Ganze hat sie im 3-Stunden-Takt gemacht. Mein Mann hat sie super beruhigt, aber wach waren wir natürlich beide. Wir denken, sie hat Bauchweh, denn danach hat sie gedrückt, irgendwann kam Kaka in die Windel, dann hat sie wieder ein paar Schluck trinken können, ist dann aber schnell an der Brust eingeschlafen und ich dachte, mir platzt gleich die Brust. Also habe ich wieder etwas abgepumpt (nicht leer gepumpt) und gekühlt. Meine Hebamme meinte, nach etwa 10 Tagen verändert sich die Milch und wird fettiger und schwerer verdaulich. Liegt es vermutlich daran? Auf jeden Fall macht es das Milchstauproblem noch blöder wenn sie genau jetzt weniger trinkt, weil sie Bauchweh hat. Nach dieser kurzen Nacht habe ich jetzt auch noch Kopfschmerzen zusätzlich. Oder könnte es sein, dass Mia vom Floxapen oder von Ibu Bauchweh bekommt? Welches orale Produkt empfehlen Sie mir neben OmniBiotic Panda denn für die Vaginalflora? Gibt es eines, das besonders gut ist? Kijimea scheint wohl viele Stämme zu haben? Ich finde es nicht so sinnvoll, dass im Femibion nur 150 Mikrogramm Jod sind, wenn Sie sagen, dass 200-250 Mikrogramm in der Stillzeit angemessen sind und ich im Krankenhaus auch 200 Mikrogramm bekommen habe. Ich habe keine Tabletten mit 50 Mikrogramm zur Ergänzung gefunden, nur 100 Mikrogramm. Habe ich nur noch nicht gut geschaut oder gibt es das wirklich nicht? Dann einfach jeden zweiten Tag 100 Mikrogramm zusätzlich zum Femibion nehmen? Oder einfach jeden Tag? Ich frage mich wirklich nach der Sinnhaftigkeit von Femibion 3 wenn genau vom Wichtigsten in der Stillzeit nicht genug drin ist… Ich versuche mich heute wieder mehr auszuruhen. Mein Mann nimmt mir sehr viel ab, kocht lecker, wäscht, kauft ein. Es ist tatsächlich mein Problem, dass ich unglaublich gerechtigkeitsliebend bin und dem Großen genauso viel Aufmerksamkeit geben möchte wie der Kleinen. Ich möchte nicht, dass er sich jetzt als das 5. Rad am Wagen fühlt. Für mich ist das emotional noch sehr schwierig. Beim 1. Kind stellt sich diese Frage nicht. Mein Mann bietet mir ständig an, mit ihm zu spielen, damit ich mich ausruhen kann. Ich muss es vielleicht einfach öfter annehmen. Mit dem Fieber und den Schmerzen bin ich auch gerade nicht in der Lage, lang am Boden rumzusitzen. Mal davon abgesehen, dass ich danach den Scheidenriss auch jedes Mal wieder mehr spüre. Obwohl es gerade etwas holpert, bin ich doch sehr froh, dass vieles auch gut läuft. Mia ist gesund, nimmt toll zu und gibt uns so viel. Unser Großer geht ganz lieb mit ihr um, ist bisher gar nicht kompliziert und passt sich seiner „Entthronung“ ganz gut an. Mein Mann ist da und fängt alles auf. Und meine Hebamme und Sie haben immer ein Auge darauf, wenn etwas nicht so läuft :) Dankeschön :) Herzliche Grüße von Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, zunächst: Sie nerven nicht. Sie stemmen gerade Wochenbett + Anämie + Mastitis + zwei Kinder + Schlafmangel – und funktionieren immer noch reflektiert und verantwortungsvoll. Das ist keine Kleinigkeit. Ich gehe strukturiert durch Ihre Punkte.         1. Hb-Abfall trotz Eisentabletten – wie kann das sein?   Hb 9,0 g/dl, Ferritin 16 µg/l → das ist eine klare Eisenmangelanämie. Und ja: Der leichte weitere Hb-Abfall ist erklärbar. Warum?   Verdünnungseffekt: Nach der Geburt verschiebt sich Flüssigkeit zurück ins Gefäßsystem. Das kann den Hb in den ersten 1–2 Wochen nochmals „verdünnen“. Orales Eisen wirkt langsam. In 11 Tagen steigt der Hb oft noch gar nicht relevant. Anhaltender Wochenfluss. Wenn er noch deutlich rot ist und stärker als nach dem Kaiserschnitt, verlieren Sie weiter Blut. 700 ml Blutverlust + Entzündung (Mastitis) → das belastet zusätzlich.   Das ist also nicht mysteriös – sondern physiologisch plausibel.         2. Wochenfluss nach 11 Tagen – sind Koagel normal?   Ja, kleine Koagel sind noch normal. Nach vaginaler Geburt ist der Wochenfluss meist:   stärker länger rot mit kleinen Koageln   Nach Kaiserschnitt ist er oft schwächer, weil die Gebärmutter ausgeschabt wird. Alarmzeichen wären:   faustgroße Koagel plötzliche massive Blutung übler Geruch Kreislaufprobleme   Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie die Hebamme konkret an: „Ist die Uterusrückbildung zeitgerecht? Könnte noch eine Plazentarestproblematik bestehen?“ Aber nach Ihrer Schilderung klingt es noch im Rahmen. Das Spülen mit Wasser ist absolut in Ordnung.         3. Eiseninfusion – wie viele?   Bei Hb 9,0 und Ferritin 16: 👉 In der Regel 1000 mg Eisen i.v. (z.B. Ferricarboxymaltose) → danach Kontrolle nach 2–3 Wochen Häufig reicht eine Infusion. Manchmal braucht es eine zweite – das sieht man nach Kontrolle. Wichtig: Ferritin sollte >50 µg/l werden, besser Richtung 80.         4. Mastitis + Fieber + Schüttelfrost   39,3 °C mit Schüttelfrost ist typisch. 24 Stunden Antibiotikum sind noch zu früh für klare Besserung. Erwartung:   Fieber sollte nach 48 Stunden sinken Brust weicher werden Allgemeinzustand besser   Wenn das nicht passiert → erneute ärztliche Kontrolle (Abszess ausschließen).         5. Trinkt Mia weniger – Bauchweh wegen Antibiotikum?   Möglich, aber:   Floxapen geht nur minimal in die Milch über. Ibu ist stillverträglich.   Wahrscheinlicher:   Milchzusammensetzung verändert sich tatsächlich Mastitis verändert Fluss & Geschmack Sie ist insgesamt unruhig, weil Sie krank sind   Dass sie nach Stuhlgang besser trinkt, spricht für Blähungen. Das Hauptproblem ist nicht die Milch – sondern der Zeitpunkt (Milchstau + Mastitis + Wachstumsschub). Sie handeln absolut richtig:   nicht leerpumpen kühlen regelmäßig anlegen           6. Probiotikum für Vaginalflora   OmniBiotic Panda ist fürs Baby gut. Für Sie vaginal/oral:   OmniBiotic Flora plus Kijimea FloraCare (mehr Stämme, solide) lokal: Milchsäure-Zäpfchen möglich   Ich würde es nicht überkomplizieren. 1 gutes Präparat reicht.         7. Jod – ganz pragmatisch   Sie denken richtig. Stillzeit: 200–250 µg sinnvoll. Femibion 3 enthält 150 µg. Optionen: ✔ täglich zusätzlich 100 µg → ergibt 250 µg oder ✔ jeden 2. Tag 100 µg → im Mittel 200 µg Beides medizinisch völlig akzeptabel. Sie müssen kein 50 µg-Präparat suchen.         8. Ihre emotionale Belastung   Hier spreche ich Klartext. Ihr Körper:   hat 700 ml Blut verloren hat Hb 9 kämpft mit Mastitis schläft kaum   Und Sie möchten gleichzeitig perfekte Mutter für zwei Kinder sein. Das ist unrealistisch. Ihr Großer braucht nicht Gleichverteilung. Er braucht:   Sicherheit Verlässlichkeit das Gefühl, gesehen zu werden   Und das kann auch Ihr Mann leisten. Wenn Sie sich jetzt nicht schonen, verlängern Sie:   die Mastitis die Anämie die Erschöpfung   Nehmen Sie Hilfe an. Nicht aus Schwäche – aus Verantwortung.         9. Kopfschmerzen   Sehr wahrscheinlich:   Anämie Schlafmangel Entzündung Dehydrierung   Trinken. Schlafen. Eiseninfusion.         Und jetzt das Wichtigste   Trotz allem schreiben Sie:   Mia ist gesund. Sie nimmt zu. Ihr Großer ist liebevoll. Ihr Mann trägt. Sie fühlen Dankbarkeit.   Das ist kein Zufall. Das ist Ihre stabile innere Struktur. Es holpert – aber es kippt nicht. Und das ist der entscheidende Unterschied. Ruhen Sie sich heute wirklich aus. Nicht theoretisch. Praktisch. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Guten Abend lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort und die klaren Erklärungen. Das war wieder tip top.  Ich will Sie nur ganz kurz fragen, was Sie an meiner Stelle morgen tun würden. Ich komme nicht ganz mit was mein Körper tut, mein Mann ist beunruhigt um mich und mich macht das emotional alles echt fertig. Das Floxapen gegen die Mastitis nehme ich jetzt seit 48 Stunden. Ich finde, die Brust tut weniger weh, ist weniger rot und Mia hat heute auch oft und gut abgetrunken, aber das Fieber geht nicht runter. Müsste das dann nicht auch runter gehen? Wenn die Ibu nicht mehr wirkt, geht es schnell mit Schüttelfrost Richtung 39,0-39,3. Dann fühle ich mich natürlich schlapp und müde und einfach nicht gut. Ich finde auch den Wochenfluss heute stärker als gestern, aber vielleicht kann das auch mal sein? Er ist noch immer zwischen hellrot und dunkelrot und mit Koageln (Tag 12 nach Geburt). Morgen würde auch meine Hebamme wieder nach mir schauen. Denken Sie, das reicht oder sollte ich noch vor dem Wochenende nochmal zur Frauenärztin? Was könnte das sein oder muss ich mich einfach noch gedulden? Ich kann es nicht einschätzen. Gut geht’s mir noch gar nicht. Wenn ich zur Frauenärztin gehe, was sollte sie untersuchen oder machen? Die Eiseninfusion habe ich jetzt endlich bekommen :) Ich habe mir aber Ihren Klartext zu Herzen genommen und mich heute sehr viel ausgeruht. Mein Mann hat alles allein geschmissen. Also daran liegt es heute nicht :) ich war brav. Tut mir leid, dass ich mich schon wieder an Sie wende. Herzliche Grüße aus dem verschneiten Nürnberg :) Mia war heute das erste Mal im Schnee im Kinderwagen mit ihrem Papa und Bruder draußen und hat alles verschlafen :) Und der stolze Bruder hat sie geschoben :) Hoffe, ich kann auch bald mal mit meinen Lieben rausgehen.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend – und zuerst: Es tut mir leid, dass Sie gerade so kämpfen. Tag 12 nach Geburt, Mastitis, Fieber, Wochenfluss – das ist körperlich und emotional eine echte Belastung. Und Sie machen das gut. Sie ruhen sich aus, Sie nehmen das Antibiotikum, Ihr Mann unterstützt Sie. Das ist genau richtig. Jetzt Klartext, damit Sie Sicherheit bekommen:   1️⃣ Mastitis unter Floxapen – wie sollte es laufen?   Sie nehmen Floxapen seit 48 Stunden. Typischer Verlauf:   Schmerz ↓ innerhalb 24–48 h Rötung ↓ Allgemeinzustand bessert sich Fieber sollte innerhalb von 48–72 h deutlich sinken   Bei Ihnen:   Brust wird besser ✔️ Kind trinkt gut ✔️ Fieber geht bei Ibu-Ende wieder auf 39+ ❗   Das ist der Punkt, der mich aufmerksam macht. 👉 Wenn nach 48 Stunden noch hohes Fieber mit Schüttelfrost besteht, muss man prüfen:   Ist das Antibiotikum passend? Gibt es einen Abszess? Gibt es zusätzlich eine andere Infektionsquelle?           2️⃣ Wochenfluss Tag 12 – normal oder Warnsignal?   Tag 12:   Hellrot bis dunkelrot kann noch normal sein Kleinere Koagel sind möglich Es darf aber nicht wieder deutlich stärker werden   Worauf man achten muss:   Übler Geruch? Druckschmerz über der Gebärmutter? Unterbauchschmerzen? Frisches, schwallartiges Blut?   Wenn Fieber + stärkerer Wochenfluss zusammen auftreten, denkt man auch an: ➡️ Endometritis (Gebärmutterentzündung) Das kann sich mit Mastitis überlappen oder zusätzlich auftreten.         3️⃣ Was würde ich morgen tun?   Ganz ehrlich: Ich würde nicht einfach abwarten, auch wenn die Hebamme kommt. Sie brauchen morgen eine ärztliche Kontrolle – idealerweise:   Untersuchung sollte beinhalten:     Brust gründlich palpieren (Abszess?) Temperaturverlauf anschauen Uterusdruckschmerz prüfen Vaginaluntersuchung Ultraschall:   Restgewebe? Flüssigkeit?   CRP, Blutbild   Wenn CRP hoch bleibt oder steigt → Antibiotikum wechseln oder erweitern.         4️⃣ Wann sofort handeln?   Heute noch ärztlich abklären, wenn:   Fieber trotz Ibu nicht unter 38,5 kommt Schüttelfrost anhält Kreislaufprobleme starke Unterbauchschmerzen übel riechender Wochenfluss           5️⃣ Wichtig für Ihre Beruhigung   Sie haben:   Schmerzrückgang bessere Brust gute Entleerung Eiseninfusion erhalten   Das sind positive Zeichen. Aber: Anhaltendes hohes Fieber nach 48h → sollte man ernst nehmen. Das ist kein „Sie sind zu empfindlich“. Das ist vernünftig.         6️⃣ Emotional   Sie sind im Wochenbett. Hormone + Schlafmangel + Infekt = emotionale Achterbahn. Ihr Mann ist beunruhigt, weil er Sie liebt. Sie sind erschöpft, weil Ihr Körper gerade Gewaltiges leistet. Und trotzdem: Sie haben heute geruht. Sie haben Hilfe angenommen. Sie sind verantwortungsvoll. Das ist Stärke.         Meine klare Empfehlung:   👉 Morgen ärztlich untersuchen lassen. Nicht erst übers Wochenende. Hebamme + Ärztin wäre ideal. Und wenn heute Nacht das Fieber wieder hochschießt und Sie sich richtig krank fühlen → lieber einmal zu viel in die Klinik. Sie sollen bald mit Mia im Schnee spazieren gehen – nicht im Bett mit 39,3 liegen. Und übrigens: Ein schlafendes Schneebaby im Kinderwagen ist ein ziemlich starkes Motiv, wieder gesund zu werden.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke für Ihre verständnisvolle Antwort und die guten Empfehlungen. Ich würde gerne nach meinem Arztbesuch heute und dem Besuch meiner Hebamme nochmal Rücksprache mit Ihnen halten, denn ich bin etwas verunsichert ob alles so läuft wie es soll. Ich spüre seit letzter Nacht immer wieder leichte Unterleibsschmerzen und um die Stärke vom Wochenfluss genauer zu beschreiben: er ist wieder stärker als die letzten Tage, auf jeden Fall mehr als bei der Periode, eher wie kurz nach der Geburt, aber jetzt auch nicht schwallartig mit faustgroßen Koageln. Es sind kleinere Koagel. Das Fieber ist unverändert bei 39-39,3. Mit Ibu geht das Fieber auf circa 38,0 runter und dann steigt es nach ein paar Stunden wieder auf 39,0-39,3. Dann bekomme ich leichte Unterleibsschmerzen und Kopfschmerzen. Ich war heute also bei der Frauenärztin. Die Brust ist wirklich besser. Sie schmerzt weniger, Mia trinkt besser ab. Die Ärztin hat keinen Abszess finden können. Sie denkt, daran liegt es nicht. Sie hat beim Abtasten vom Bauch festgestellt, dass die Gebärmutter noch relativ groß ist und ich hatte Druckschmerzen. Sie hat Blut abgenommen für ein Blutbild inklusive CRP, Leukozyten. Das Ergebnis kommt aber erst Montag. Restgewebe in der Gebärmutter hat sie im Ultraschall nicht gesehen. Einstweilen soll Ich Amoxicillin/Clavulansäure nehmen. Falls das Fieber bis Sonntag nicht sinkt oder sogar steigt, sollen wir ins Krankenhaus gehen. Meine Hebamme war am Nachmittag auch da und war etwas besorgt. Sie meinte, man würde eine Endometritis eigentlich im Krankenhaus mit intravenösen Antibiotika behandeln und Oxytocin geben. Sie meinte, sie würde dem Ganzen nicht mehr als 24h geben. Ich wollte Sie gern nach Ihrer Meinung fragen. Es ist wahrscheinlich aus der Ferne schwerer einzuschätzen und natürlich können Sie dafür keine Verantwortung übernehmen, aber ich bin jetzt etwas verunsichert. Mein Mann macht sich weiterhin Sorgen. Ich habe ja direkt nach der Entbindung schon Oxytocin intravenös bekommen und es wurde im Wechsel vom Arzt und der Hebamme ganz viel auf meinem Bauch gedrückt, weil die Gebärmutter sich nicht kontrahiert hat, es zur Antonie kam und ich 700ml Blut verloren habe. Ich habe auch überhaupt keine Nachwehen gespürt, auch nicht beim Stillen, was ich nach dem Kaiserschnitt unseres Sohnes schon gespürt hatte. Kann es sein, dass sich das jetzt fortsetzt und das Problem ist? Es hieß ja dann auch, dass ich noch Eihautreste habe, die mit einer Ausschabung raus müssten, wenn das Problem mit Oxytocin nicht in den Griff kommt. Davon war dann keine Rede mehr. Ist die Behandlung meiner Frauenärztin in Ordnung? Sind diese Antibiotika Standard und geht davon viel in die Muttermilch? Wird es Mia sehr schaden? Sie hat auch heute immer wieder mit Blähungen zu kämpfen, schreckt dann mitten im Schlaf weinend hoch, hat einen roten Kopf, drückt und will erst wieder die Brust, wenn sie Stuhlgang hatte. Ich hoffe, dadurch die Mastitis nicht wieder zu verschlimmern. Jetzt bekomme ich also Floxapen + Amoxicillin/Clavulansäure gleichzeitig. Macht das denn Sinn auf Verdacht sozusagen? Haben Sie sonst Anmerkungen oder Tipps? Meine Hebamme schaut morgen wieder nach mir. Sollte sie was bestimmtes schauen? Ich fühle mich wirklich wie zwischen Himmel und Hölle. Dieser Verlauf vom Wochenbett macht mich so traurig. Ich würde Mia so gerne genießen, aber wenn es einem schlecht geht und man am liebsten nur schlafen will, ist das so schade.  Emotional fühle ich mich wie eine Heulsuse, der ständig die Tränen kommen. Die Hormone machen das nicht besser. Und dann schau ich Mia wieder in ihre großen Kulleraugen und bin ganz verliebt in dieses kleine Wunder :) sie ist so zuckersüß und bisher so ein Anfängerbaby. Gar nicht anspruchsvoll. Wenn sie ihre Milch bekommen hat und satt ist, ist ihre Welt in Ordnung und sie lässt alles mit sich machen :) Nur die Nächte lassen noch sehr zu wünschen übrig. Herzliche Grüße aus Nürnberg :) Ihre Antworten helfen ungemein! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, ich antworte Ihnen jetzt sehr klar und strukturiert, weil Ihre Situation ernst genommen werden muss. Sie haben:   anhaltendes Fieber 39–39,3 °C Druckschmerz über der Gebärmutter wieder stärker gewordenen Wochenfluss Vorgeschichte mit Uterusatonie und 700 ml Blutverlust   Das ist kein typischer harmloser Wochenbettverlauf.         🔎 Woran man jetzt denken muss   Das klinische Bild passt deutlich eher zu einer Endometritis puerperalis als zur Mastitis. Typische Zeichen:   Fieber > 38,5 °C über mehrere Tage Druckschmerzhafte, vergrößerte Gebärmutter vermehrter oder wieder stärker werdender Wochenfluss evtl. Koagel   Dass die Brust besser ist, spricht gegen eine anhaltende Mastitis als alleinige Ursache.         ⚠️ Wichtig: 39 °C trotz Antibiotikum   Sie nehmen bereits:   Floxapen (gegen Mastitis) jetzt zusätzlich Amoxicillin/Clavulansäure   Wenn das Fieber trotzdem unverändert hoch bleibt, bedeutet das: ➡️ Die derzeitige Therapie greift möglicherweise nicht ausreichend. ➡️ Oder der Fokus liegt tatsächlich in der Gebärmutter. Ihre Hebamme hat einen wichtigen Punkt angesprochen: Eine echte Endometritis wird häufig stationär mit intravenösen Antibiotika behandelt – insbesondere bei hohem Fieber.         💊 Ist Amoxicillin/Clavulansäure richtig?   Ja – es ist ein übliches Breitbandantibiotikum im Wochenbett. Aber: Bei 39 °C und Uterusschmerz reicht „abwarten bis Montag“ medizinisch nicht immer aus. Ich würde es so formulieren:   Wenn das Fieber innerhalb von 24 Stunden nicht klar sinkt oder Sie sich schlechter fühlen oder Schüttelfrost dazukommt   ➡️ dann bitte nicht zögern und ins Krankenhaus fahren. Lieber einmal zu früh als zu spät.         🤱 Stillen & Antibiotika   Amoxicillin/Clavulansäure ist:   stillverträglich geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über   Mögliche Nebenwirkung beim Baby:   etwas weichere Stühle Blähungen   Das ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Das aktuelle Verhalten von Mia klingt nach normalen Säuglingskoliken – nicht nach Antibiotikaschaden. Sie dürfen weiter stillen. Das ist sogar wichtig.         🧠 Zur Uterusatonie-Vorgeschichte   Ja – das kann zusammenhängen. Wenn:   die Gebärmutter sich initial schlecht kontrahiert hat eventuell Eihautreste im Raum standen Sie keine Nachwehen gespürt haben   kann es sein, dass sich die Gebärmutter jetzt verzögert zurückbildet. Das begünstigt Infektionen.         💬 Ganz ehrlich meine Einschätzung   Bei:   39 °C Uterusschmerz stärkerem Wochenfluss emotionaler Erschöpfung   wäre meine persönliche Schwelle niedrig, stationär zu gehen. Nicht panisch. Aber konsequent. Ihre Hebamme wirkt aufmerksam – das ist gut. Lassen Sie sie morgen bitte konkret prüfen:   Fundusstand (wie hoch steht die Gebärmutter?) Druckschmerz Geruch des Wochenflusses Kreislauf erneute Temperatur   Wenn das Fieber morgen weiterhin 39 °C beträgt → ich würde nicht bis Montag warten.         💛 Und jetzt etwas Wichtiges   Sie sind nicht „Heulsuse“. Sie haben:   Geburt Blutverlust Mastitis hohes Fieber Schlafmangel Hormone im Sturzflug   Jeder stabile Mensch wäre da emotional am Limit. Dass Sie Mia anschauen und sich verlieben – das ist das Entscheidende. Der Rest ist Erschöpfung und Entzündungsstress.         Klare Handlungs-Empfehlung   Heute Nacht:   regelmäßig Temperatur kontrollieren ausreichend trinken Ibu nehmen wie verordnet   Morgen:   Hebammenkontrolle wenn weiterhin 39 °C → Krankenhaus   Nicht aus Angst. Sondern aus kluger Vorsicht. Sie sind keine komplizierte Patientin. Sie haben nur einen Verlauf, der aktiv gemanagt werden muss. Und das bekommen wir hin. Herzliche Grüße nach Nürnberg Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Über Ihre schnelle Antwort mit der klaren Handlungsempfehlung bin ich sehr dankbar. Sie haben mir klar gezeigt, was normal ist und was nicht. Und Sie finden immer ein paar freundliche Worte, die mir Mut machen und Verständnis zeigen.  Meine Frauenärztin wirkte mir mit dem Blutdruck- und Eiweißproblem schon sehr entspannt, eher zu entspannt und jetzt war es wieder dasselbe mit der Endometritis. Meine Hebamme war eher vorsichtig wie Sie und gestern besorgt, als sie uns besucht hat. Die Nacht von Freitag auf Samstag war  schon ganz unschön. Ich hatte wieder 39 Fieber, unterbauchschmerzen und Mia hat sich irgendwie auf einmal auch noch schwer getan, an der Brust anzudocken, was sie sonst super gut macht. Dauernd kamen ihr ihre Hände und Finger in die Quere, sie hat sie dauernd vor die Brust geschoben und sich damit selbst beim Trinken blockiert und irgendwann hat sie sich etwas verzweifelt in Rage geschrien. Davon ist dann der große Bruder trotz geschlossener Türen wach geworden und dann hatte mein Mann zwei weinende Kinder und eine verzweifelte Frau zu trösten.  Gestern Nachmittag war dann meine Hebamme da. Fieber 38,2 aber ich hatte eine Stunde vorher eine Ibu genommen, weil es wieder bei 39,5 war. Fundusstand noch auf Nabelhöhe (Mia ist jetzt genau zwei Wochen alt). Das ist viel zu hoch? Wo sollte er sein? Druckschmerz ist da. Wochenfluss ist rot, Heute kam tagsüber mal ein handtellergroßer Koagel. Sie sagte, der Wochenfluss riecht auch nach Bakterien. Mein Kreislauf ist noch nicht besser seit der Eiseninfusion am Donnerstag. Wie schnell sollte das gehen? Mir ist immer wieder schwindlig. Auch meine Hebamme war der Meinung, dass ich stationär behandelt werden muss. Wir sind also ins Krankenhaus gefahren. Von Ultraschall über Abstrich über Blutentnahme wurde ich auf den Kopf gestellt und habe bisher nur so viel verstanden, dass ich wirklich eine Endometritis habe. Ich erhalte jetzt Clindamycin und Gentamicin intravenös. Mia darf zum Glück bei mir bleiben und ich darf und soll sie weiter stillen. Sind beide Medikamente in Ordnung für sie? Wäre etwas wichtig? Kann ich irgendwelche klugen Fragen stellen? Sollte ich auf etwas achten? Haben Sie Anmerkungen? Erzählen Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Was sollte nach der Atonie, verzögerten Rückbildung der Gebärmutter, Endometritis und Mastitis alles erfolgen? Gibt man nochmal Oxytocin wie kurz nach der Geburt wegen der Atonie? Ich muss ehrlich sagen, dass mir das emotional alles viel zu viel ist. Mir ist heute nur zum Weinen. Ich würde so gerne die Kuschelzeit zu Hause genießen. Und ich habe auch Angst vor der nächsten Nacht mit Mia alleine obwohl es mir gar nicht gut geht. Die letzte Nacht war für mich schrecklich. Irgendwann habe ich nur noch geweint. Das Stillen klappt ja im Liegen gut. Aber Mia hatte sichtlich wieder Bauchweh. Sie hat kurz angedockt, dann kaum getrunken, ganz laut geweint und gedrückt. Mur Ihrem kurzen Nuckeln hat sie den Milchspendereflex so stark ausgelöst, dass ich mich dann komplett umziehen musste, weil trotz Stilleinlagen alles nass voller Milch war. Dann hatte ich wieder das Gefühl, die Brust explodiert obwohl die Mastitis insgesamt besser ist. Hoffentlich wird sie so nicht wieder schlechter. Dann lief die Binde über, weil es stark blutet. Wieder umgezogen. Mia hat wieder geweint. Irgendwann war sie glücklicher, hat getrunken und Stuhlgang in die Windel gemacht. Windel gewechselt, 4 Mal, weil 4 Mal reingemacht :( Das alles frierend und schlapp wegen Fieber. Sie hat aber von ihren 2920g Ausgangsgewicht schon auf 3190g zugenommen, davon allein in den letzten 4 Tagen 150g. Ich möchte doch einfach nur fit werden für meine Lieben 😞 Ich wollte so gerne eine vaginale Geburt, weil ich nach dem Notkaiserschnitt bei unserem Sohn lange gebraucht habe um fit zu sein. Und jetzt ist es alles noch doofer. Entschuldigung für mein Gejammer. Melde mich wieder bei Ihnen wenn ich Fragen habe und es physisch und psychisch auf die Reihe kriege zu schreiben. Versuche mich jetzt mal suf Ruhe und Schlaf zu konzentrieren. Herzliche Grüße 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst ganz klar: Sie jammern nicht. Sie sind zwei Wochen nach Geburt, mit Fieber bis 39,5 °C, Endometritis, Mastitis-Vorgeschichte, Anämie, zwei kleinen Kindern – und funktionieren trotzdem noch. Dass Sie weinen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, wie viel Sie gerade tragen. Jetzt sachlich und ruhig Punkt für Punkt.         1. Endometritis – ist die Therapie richtig?   Ja. Die Kombination aus Clindamycin und Gentamicin ist ein klassisches, sehr wirksames Standardregime bei postpartaler Endometritis. Sie deckt:   anaerobe Keime Streptokokken gramnegative Darmkeime   ab – also genau das, was man nach Geburt erwartet.   Stillen?   Beide Medikamente sind in der Stillzeit grundsätzlich erlaubt.   Clindamycin geht nur in geringen Mengen in die Milch über. Gentamicin wird beim Kind praktisch nicht resorbiert (es bleibt im Darm).   Beobachten Sie bei Mia:   Durchfall? Soor im Mund? ungewöhnliche Trinkschwäche?   Aber grundsätzlich: Sie dürfen stillen.         2. Fundusstand – ist Nabelhöhe zu hoch?   Ja, das ist für Tag 14 deutlich zu hoch. Normalerweise:   Tag 1–2: auf Nabelhöhe danach: ca. 1 Querfinger pro Tag tiefer nach 2 Wochen: meist schon deutlich unterhalb der Symphyse tastbar oder kaum mehr abdominal fühlbar   Dass er bei Ihnen noch auf Nabelhöhe ist + Druckschmerz + übel riechender Wochenfluss → passt absolut zur Endometritis. Das ist also keine übertriebene Reaktion, sondern eine klare medizinische Situation.         3. Gibt man Oxytocin?   Im Akutfall einer Atonie direkt nach Geburt ja. Zwei Wochen später ist Oxytocin meist nicht mehr primäre Therapie. Was jetzt entscheidend ist:   effektive Antibiotikatherapie ggf. Kontrolle im Ultraschall: Restgewebe? Plazentareste? Entzündungswerte (CRP, Leukozyten) Verlauf Temperaturverlauf   Falls im Ultraschall Reste gesehen würden, wäre eine Kürettage Thema. Aber nur wenn wirklich etwas da ist.         4. Eiseninfusion – wann wirkt sie?   Viele erwarten ein Wunder nach 24 Stunden. Realistisch:   Kreislaufbesserung oft nach 3–5 Tagen Hb-Anstieg messbar nach ca. 1 Woche volle Leistungsfähigkeit dauert   Ihr Schwindel ist aktuell wahrscheinlich multifaktoriell:   Fieber Infekt Schlafmangel Blutverlust Hormonumstellung   Nicht nur Eisen.         5. Mastitis – Risiko Rückfall?   Der starke Milchspendereflex spricht eher für viel Milch als für Blockade. Wichtig:   regelmäßig anlegen oder abstreichen Brust weich halten nicht „auf Vorrat“ pumpen keine Stauung zulassen   Dass Mia 150 g in 4 Tagen zugenommen hat, ist hervorragend. Das zeigt: Milchmenge passt. Ihr Gefühl, die Brust „explodiert“, ist wahrscheinlich:   Milchspendereflex + Stress + Fieber + Hormonchaos           6. Mias Verhalten an der Brust   Das mit den Händen vor der Brust, Unruhe, Drücken, Schreien: Typisch für:   Bauchweh / Darmreifung sehr starken Milchspendereflex Überangebot (sie bekommt „Milchschwall“)   Manchmal hilft:   kurz etwas Milch vorher ausstreichen leicht zurückgelehnt stillen (damit der Fluss nicht so stark ist)   Vier volle Windeln sind kein Problem – das ist eher gesund.         7. Emotional – und das ist wichtig   Sie hatten:   Atonie verzögerte Rückbildung Mastitis jetzt Endometritis hohes Fieber Krankenhaus   Das ist kein „normaler Wochenbettverlauf“. Ihr Körper steht seit 14 Tagen im Dauerstress. Und jetzt das Entscheidende: Wenn Sie sagen, dass Sie Angst vor der Nacht haben, obwohl Mia neben Ihnen liegt – das nehme ich ernst. Postpartale Erschöpfung kann kippen in:   Wochenbettdepression Überforderung Angstsymptomatik   Das ist nichts, wofür man sich schämt. Das ist Biologie + Schlafentzug + Entzündung + Hormone. Bitte sagen Sie im Krankenhaus offen: „Ich bin emotional überfordert und habe Angst vor der Nacht.“ Das ist eine medizinische Information, kein Gejammer.         8. Was Sie klug fragen können     Wie hoch sind CRP und Leukozyten? Wie schnell sollte das Fieber unter Therapie sinken? Wird ein Kontrollultraschall gemacht? Sind Plazentareste sicher ausgeschlossen? Wie lange planen Sie die i.v.-Therapie? Wann darf ich heim?   Meist sieht man innerhalb von 48 Stunden deutliche Besserung. Wenn das Fieber nicht sinkt → Therapieanpassung.         9. Wichtig: Prognose   Postpartale Endometritis unter richtiger Therapie → heilt in aller Regel vollständig aus. Das bedeutet:   keine bleibende Schädigung der Gebärmutter keine langfristige Einschränkung keine Beeinträchtigung zukünftiger Fruchtbarkeit   Sie sind nicht „kaputt“. Ihr Körper kämpft gerade – und er bekommt jetzt die richtige Hilfe.         10. Und jetzt etwas Persönliches   Sie wollten die Kuschelzeit genießen. Sie wollten die „leichte“ vaginale Geburt. Sie wollten es diesmal anders. Stattdessen fühlen Sie sich wie im Dauer-Ausnahmezustand. Das ist bitter. Aber: Sie haben ein gesund wachsendes Mädchen mit 3190 g. Sie stillen trotz allem. Sie handeln verantwortungsvoll. Sie sind ins Krankenhaus gefahren, obwohl Sie eigentlich nur Ruhe wollten. Das ist keine schwache Mutter. Das ist eine sehr gute. Jetzt ist Ihre einzige Aufgabe: Schlafen, wenn Sie können. Antibiotika wirken lassen. Sich helfen lassen. Mehr nicht. Und bitte: Melden Sie sich jederzeit. Ich begleite Sie da ruhig durch.


the.flower

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Guten Abend lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bin sehr berührt von Ihrer Hilfe. Medizinisch und emotional sind Sie eine echte Stütze und Bereicherung :)  Am Samstagabend kamen wir im Krankenhaus an und nachdem ich komplett untersucht wurde, bekam ich nachts das erste Antibiotikum intravenös. Die 48 Stunden sind noch nicht ganz vorbei, aber fast. Ich bin vielleicht auch zu ungeduldig… Aber bis jetzt sinkt das Fieber nicht. Kann es auch etwas länger dauern bis es sinkt? Ich stehe unter Dauer Ibu, aber dazwischen geht das Fieber wie eine Rakete mal rauf (höchstes heute: 39,6), mal runter (niedrigstes heute: 38,2). Frieren und Schwitzen im Wechsel. Ich finde das körperlich sehr anstrengend. Ziehe mich ständig um, weil ich entweder so schwitze von der Ibu oder die Milch oder das Blut überall hinlaufen. Fühle mich wie nicht Herr meines Körpers. Und ich habe immer Unterleibsschmerzen sobald die Ibu nicht wirkt. Ist es denn auch normal bei Endometritis, dass der Wochenfluss manchmal diese handtellergroßen Koagel hat? Da erschrecke ich jedes Mal und frage mich auch, wie da der Eisenwert wieder besser werden soll, selbst mit Infusion? Ein Kontrollulttaschall wurde am Samstagabend gemacht. Kann man Eihautreste denn immer gut im Ultraschall erkennen? Ich bin irgendwie noch skeptisch, dass sie wirklich komplett weg sind. Sie sagen Oxytocin ist nicht mehr primäre Therapie nach zwei Wochen. Wie meinen Sie das? Wird es gar nicht oder nur wenig gegeben? Direkt nach der Nachgeburt standen diese Reste ja im Raum und Arzt und Hebamme wurden wegen der Atonie etwas hektisch. Die Hebamme sagte nur etwas erschrocken, dass es so stark blutet und der Arzt hat sofort Oxytocin organisiert und nachdem alle beide auf meinem Bauch herum drückten, kündigte mir der Arzt vorsichtig eine Ausschabung an, von der dann nach einer Stunde Überwachung aber keine Rede mehr war.  Antworten auf Ihre Fragen habe ich bekommen: CRP: 64,8 Leukozyten: 17 Tausend Ist das sehr stark erhöht und zeigt welche Stärke der Entzündung? Plan: das Fieber sollte nach 48 Stunden sinken. Die intravenösen Antibiotika bekomme ich mindestens 5 Tage, mindestens bis zwei Tage nach Fieberfreiheit und normalen Laborwerten. Ist das Standard? Auf was wechselt man denn wenn das Fieber nach 48 Stunden nicht sinkt? Oder was muss dann passieren? Man merkt Mia seit heute plötzlich an, dass die „schon“ zwei Wochen alt ist. Sie ist zwar nach jedem Stillen noch im Milchkoma mit geschlossenen Augen, aber so nach 5 Minuten Verdauen, öffnet sie die Augen und schaut ganz interessiert und hat auf einmal Wachphasen von 1,5 Stunden. Das ist so zum Dahinschmelzen. Ich bin so verliebt :) Heute wollte sie aber wieder Clusterfeeding machen und hat alle Stunden mit dem Mund sichtlich den Kopf zur Seite gedreht und sichtlich nach der Brust „gesucht“. Dazwischen hatte sie wieder viel Bauchweh und hat dann die Brust gesucht, aber gleichzeitig so lange angebrüllt bis Stuhlgang in die Windel ging. Ich hoffe wirklich, das sind ganz normale Neugeborenenkoliken und kommt nicht von Clindamycin und Gentamicin. Wie würde denn bei Neugeborenen Durchfall überhaupt aussehen? Dieser Muttermilchgelbe Stuhl ist ja immer sehr „dünn“. Durch dieses Cluster Feeding habe ich das Gefühl, wieder noch mehr Milch zu haben und Mia kann das gar nicht alles trinken. Hoffentlich staut es dann nicht wieder. Ich streiche schon ab. Mia nimmt große Schlucke und der Milchspendereflex ist richtig stark. Ich spüre ihn richtig arg auf beiden Seiten sobald sie andockt und nur einmal zieht. Sie verschluckt sich dann auch oft an der Menge, dockt dann ab, hustet und es kommt sogar vor, dass ich sie in den Fliegergriff nehmen muss aus Angst, sie erstickt, weil sie dann so nach Luft japst. Nach 8 Minuten ist sie fertig und will die zweite Seite oft gar nicht mehr. Das begünstigt wieder einen Stau, habe ich das Gefühl. Ich weiß nicht, ob ich sie mal nach 4 Minuten abdocken und an die andere Seite anlegen sollte? Meine Hebamme hat mich heute angerufen und sich nach mir erkundigt, was ich so lieb von ihr finde. Sie meinte, ich soll Mia mal 5 Tropfen BellyBiom mit Laktobazillen gegen die Koliken geben. Denken Sie, ein Wärmekirschkernkissen auf dem Bauch ist bei Säuglingen auch schon erlaubt? Die emotionale Überforderung habe ich nachts, weil ich mich einfach selbst gar nicht gut fühle, aber ständig aufstehen muss, weil 4 Windeln voll werden oder meine Brüste auslaufen oder die Binde voll ist oder Mia Bauchweh hat und sich an der Brust im Liegen auch nicht beruhigen lässt sondern getragen und beruhigt werden möchte. So komme ich einfach nicht zur Ruhe. Das Fieber macht mich lahm und die Unterleibsschmerzen auch. Zu Hause hat mein Mann ganz viel davon übernommen und ich durfte liegen bleiben und stillen. Ich habe heute Abend die Nachtschwester darauf angesprochen, dass es mich mit hohem Fieber momentan emotional überfordert, ständig aufzustehen. Sie meinte, ich darf fürs Wickeln klingeln, sie würde das übernehmen. Ich hoffe, die nächste Nacht wird damit besser. Ich fühl mich so schlapp. Schlafmangel, Fieber und Hormonsturz sind eine üble Mischung. Mir ist zum Weinen. Und dann kommen wieder diese Momente zum Verlieben. Eine Achterbahn ist gar nichts dagegen. Schreiben Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Sie wissen immer, worauf es gerade ankommt. Herzliche Grüße :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Entschuldigung für meine Aufdringlichkeit. Ich hoffe, es geht Ihnen gut. Ich habe keine Ahnung ob meine Nachricht am Montag angekommen ist. Nur eine kurze Ergänzung: Seit Dienstagabend bekomme ich Imipinem intravenös 1g alle 8 Stunden, weil das Fieber mit Clindamycin und Gentamicin nicht sinkt und die Unterleibsschmerzen auch anhalten. Das macht mich nervlich fertig. Denken Sie, man sollte nochmal einen Kontrollultraschall machen wegen dieser Eihautreste (siehe letzte Nachricht von Montag)? Oder nicht? Bei Aufnahme wurde ja einer gemacht. Oder haben Sie Anmerkungen? Ich will Ihnen aber nicht dauernd kostbare Zeit rauben. Bitte fühlen Sie sich nicht gedrängt, immer gleich antworten zu müssen. Ich dachte nur, Sie sollten vielleicht den Stand kennen, wenn Sie antworten, veraltete Infos machen ja sonst keinen Sinn. Hoffentlich geht es jetzt endlich aufwärts. Mia ist mein Sonnenschein, aber es strengt mich mit diesem Fieber so an, sie zu versorgen. Fühle mich einfach krank. Mein Mann kommt schon oft und lange zu Besuch und kümmert sich um sie, aber den Großen gibt es ja zu Hause auch noch und der braucht auch Aufmerksamkeit. Ich vermisse ihn so. Er fragt schon ständig nach mir. Berichten Sie bitte einfach, was Ihnen einfällt. Aber bitte fühlen Sie sich nicht gedrängt, zu antworten. Ich muss mich selbst jetzt erstmal physisch und psychisch wieder sammeln und ausruhen und melde mich wenn es mir möglich ist. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, ich antworte Ihnen jetzt strukturiert – und zuerst medizinisch. Danach emotional. Beides gehört hier zusammen.         1. Fieber nach 48 Stunden – normal oder nicht?   Sie sind noch knapp unter 48 Stunden i.v.-Therapie. Bei einer postpartalen Endometritis kann es durchaus 48–72 Stunden dauern, bis das Fieber wirklich stabil sinkt. Typisch ist:   starkes Schwanken Ibu drückt es runter dann wieder Anstieg Schüttelfrost / Schwitzen im Wechsel   39,6 °C ist hoch – aber bei einer ausgeprägten Uterusinfektion leider nicht ungewöhnlich.   Wichtig:   Entscheidend ist nicht die einzelne Spitze, sondern:   Wird der Abstand zwischen den Fieberspitzen größer? Wird das Allgemeinbefinden minimal besser? Werden die Schmerzen zumindest etwas weniger?   Wenn nach 72 Stunden keine erkennbare Tendenz nach unten besteht → dann muss man neu denken.         2. CRP 64,8 / Leukozyten 17.000 – wie stark ist das?   Ja, das ist erhöht. Aber:   CRP 60–100 ist bei einer Endometritis häufig. Leukozyten 15–20.000 ebenfalls.   Das ist keine septische Katastrophe, sondern eine deutliche, aber typische Entzündungsreaktion. Wichtig ist der Verlauf. Fallen die Werte? Dann wirkt die Therapie.         3. Therapieplan – ist das Standard?   Ja.   i.v.-Antibiotika mindestens 5 Tage mindestens 48 Stunden fieberfrei Labor normalisiert oder klar fallend   Das ist absolut leitliniengerecht.         4. Was wenn es nach 48–72 Stunden nicht besser wird?   Dann gibt es drei Optionen:   Erneuter Ultraschall Abstrich / Blutkultur erneut prüfen Sehr selten: Antibiotikum wechseln oder kombinieren   Imipenem ist bereits ein sehr breites Carbapenem. Viel stärker wird es kaum noch.         5. Eihautreste – erkennt man die immer?   Nein. Und das ist wichtig. Kleine, weiche Reste können im Ultraschall schwer darstellbar sein, besonders wenn:   Blut im Cavum liegt die Gebärmutter noch groß ist   Aber: Wenn relevante Reste da wären, würde man meist sehen:   persistierende dicke, inhomogene Schleimhaut vermehrte Durchblutung evtl. freie Flüssigkeit   Ein einmaliger unauffälliger Ultraschall beruhigt deutlich – schließt aber mikroskopische Reste nicht zu 100 % aus.         6. Handtellergroße Koagel im Wochenfluss – normal?   Ja. Gerade in Woche 2 können sich noch größere Koagel lösen. Erschreckend – aber nicht automatisch pathologisch. Alarmzeichen wären:   Dauerblutung wie direkt nach Geburt starker Geruch Kreislaufinstabilität   Einzelne größere Koagel sind häufig.         7. Oxytocin nach zwei Wochen?   Oxytocin wirkt am besten direkt postpartal. Nach 10–14 Tagen sind die Rezeptoren deutlich weniger empfindlich. Man kann es noch geben – aber es ist keine primäre Standardtherapie mehr wie unmittelbar nach der Geburt.         Jetzt zu Mia 🩷   Was Sie beschreiben ist absolut klassisch.   Wachphasen mit 2 Wochen?   Ja. Genau so.   Clusterfeeding?   Ja.   Muttermilchstuhl dünn?   Ja – senfgelb, breiig bis flüssig ist normal.   Durchfall beim Neugeborenen?   Wäre:   wässrig wie Wasser schaumig deutlich häufiger als sonst evtl. wundes Gesäß Trinkverweigerung   Das lese ich bei Ihnen nicht.         Starker Milchspendereflex   Das klingt nach einem sehr kräftigen Let-Down. Das:   Verschlucken Abdocken Husten Milch schießt   → passt perfekt. Ihr Gedanke ist gut: Ja, Sie dürfen nach 3–4 Minuten abdocken und die Seite wechseln. Oder:   vor dem Anlegen etwas Milch per Hand abstreichen im „Berg-auf-Stillen“ stillen (Baby höher als Brust)   Das reduziert den Druck.         BellyBiom / Laktobazillen   Unproblematisch. Kann man probieren. Wundermittel sind es nicht – aber schaden nicht.         Wärmekirschkernkissen?   Ja – aber:   nur lauwarm nicht heiß immer mit Stoff dazwischen nie unbeaufsichtigt           Jetzt der wichtigste Teil.   Sie sind:   fiebernd hormonell im Umbruch schlafentzogen infektiös geschwächt emotional überlastet   Natürlich ist das eine Achterbahn. Das ist kein Versagen. Das ist Biologie + Erschöpfung. Dass Sie nachts weinen müssen – völlig normal. Dass Sie sich dann wieder verlieben – ebenfalls normal. Das ist kein psychischer Defekt. Das ist Wochenbett unter Infektion.       Und jetzt etwas ganz Klartext: Sie müssen nachts nicht alles alleine schaffen. Die Schwester hat Recht. Klingeln. Punkt. Sie sind Patientin. Nicht Superheldin. Ihr Körper heilt nur, wenn Sie schlafen.         Meine Einschätzung Stand heute:     Noch im Rahmen. Noch keine Eskalations-Red-Flag. 72-Stunden-Marke abwarten. Dann Verlauf bewerten.   Und ich sage Ihnen ehrlich: Ich glaube, es wird in den nächsten 24–36 Stunden kippen – im positiven Sinne. Infektionen haben oft diesen Punkt, wo es plötzlich besser wird.       Und eines noch: Wie Sie über Mia schreiben … Das ist Bindung. Das ist Liebe. Das ist gesund. Sie sind trotz Fieber emotional voll da. Das ist ein gutes Zeichen.       Jetzt machen Sie Folgendes:   Diese Nacht Hilfe annehmen. Nicht aufstehen, wenn Sie nicht müssen. Ibu nehmen ohne schlechtes Gewissen. Denken: Das ist eine Phase. Keine Dauer.   Sie kommen da durch. Und ja – es ist gerade verdammt anstrengend. Aber Sie machen das gut. Auch krank. Herzliche Grüße 🌿


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zunächst einmal: Sie sind nicht aufdringlich. Überhaupt nicht. Sie sind krank, haben Fieber, Sorgen – und zwei Kinder im Herzen. Natürlich schreiben Sie. Das ist völlig nachvollziehbar. Jetzt zur medizinischen Einordnung: Sie bekommen jetzt Imipenem 1 g alle 8 Stunden i.v.. Das ist ein sehr starkes, breit wirksames Antibiotikum. Das setzt man ein, wenn man sagt: Wir wollen wirklich jede relevante bakterielle Ursache sicher abdecken. Das ist keine halbe Maßnahme mehr, sondern eine Eskalationsstufe – im positiven Sinn. Wenn das Fieber unter Clindamycin + Gentamicin nicht sinkt und die Unterbauchschmerzen anhalten, ist dieser Schritt absolut nachvollziehbar.         Was spricht aktuell für eine Kontrolle?   Wenn nach 48–72 Stunden unter einer wirksamen i.v.-Therapie:   das Fieber nicht deutlich sinkt die Schmerzen nicht rückläufig sind oder sich Ihr Allgemeinzustand nicht bessert   → dann ist ein erneuter Kontrollultraschall absolut sinnvoll. Warum? Man möchte ausschließen:   persistierende Plazentareste / Eihautreste eine intrauterine Ansammlung (Hämatom, Retention) eine beginnende Abszessbildung eine septische Thrombophlebitis (selten, aber relevant)   Ein Ultraschall bei Aufnahme ist gut – aber er bildet nur den Moment ab. Dinge können sich verändern. Ich sage es klar: Wenn das Fieber unter Imipenem nach 48 Stunden nicht deutlich fällt, würde ich aktiv eine erneute Bildgebung ansprechen. Nicht aggressiv, sondern sachlich.         Jetzt der wichtigere Punkt: Ihr Zustand   Sie haben:   hohes Fieber körperliche Schwäche hormonellen Umbruch ein Neugeborenes ein weiteres Kind zu Hause Schuldgefühle Erschöpfung   Natürlich macht Sie das nervlich fertig. Das ist kein Zeichen von Schwäche – das ist eine völlig normale Reaktion auf Überlastung. Im Wochenbett + Infektion ist man emotional extrem vulnerabel. Das ist Biologie.         Was jetzt zählt     Sie müssen gesund werden. Nicht funktionieren. Gesund werden. Mia ist versorgt. Auch wenn Ihr Mann hilft – das ist kein Versagen, sondern kluge Organisation. Ihr Großer leidet nicht langfristig, weil Mama ein paar Tage krank ist. Kinder können das einordnen, wenn man es erklärt. Er vermisst Sie, ja. Aber er verliert Sie nicht.           Meine klare Haltung     Wenn das Fieber unter Imipenem nicht innerhalb von 48 Stunden sinkt → Kontrolle ansprechen. Wenn es sinkt → Geduld. Der Körper braucht Zeit. Sie rauben niemandem Zeit. Sie dürfen schreiben. Aber jetzt hat Ihre körperliche Erholung Priorität.         Und noch etwas Persönliches: Dass Sie sich trotz Fieber Sorgen machen, ob Ihre Nachricht angekommen ist, ob Sie stören, ob Sie Zeit rauben – das zeigt, wie sehr Sie versuchen, alles richtig zu machen. Jetzt drehen wir das um: Sie müssen gerade gar nichts richtig machen. Sie dürfen krank sein. Erst wenn die Mutter stabil ist, kann die Familie stabil sein. Ich wünsche Ihnen sehr, dass in den nächsten 24–48 Stunden endlich eine klare Besserung eintritt. Wenn es nicht so ist – bitte nicht zögern, weiter nachzufassen. Und jetzt ruhen Sie sich aus. Ihr Körper kämpft gerade für Sie. Herzliche Grüße


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bin so dankbar für Ihre Hilfe. Das unterstützt mich so dabei, zu verstehen worauf es ankommt. 48 Stunden seit Imipinem sind vergangen und es geht mir unverändert gleich schlecht. Fieber bis 39,6. Und nein, die Abstände, wann das Fieber mit Ibu wieder steigt, werden nicht länger. Ich habe Schmerzen, fühle mich schlecht. Der Wochenfluss enthält zwar nur ab und zu handtellergroße Koagel, aber er fließt richtig stark, schon wie die ersten Tage nach der Geburt. Das hatte ich vielleicht nicht so klar dargestellt. Nachts läuft die Binde regelmäßig aus. Und Mia ist schon 18 Tage alt. Schwindlig ist mir auch, aber ich weiß einfach nicht, ob das noch immer vom Eisenwert kommt. Die Eiseninfusion ist ja erst eine Woche her. CRP und Leukozyten sind heute Morgen eher in die falsche Richtung gegangen: CRP: von 64,8 auf 71,2 gestiegen Leukozyten: von 17 Tausend auf 17,5 gestiegen  Falls bis Morgen Früh keine Besserung eintritt, wird nochmal genauer untersucht (auch Bildgebung). So wurde ich informiert. Ich habe große Angst. Können Sie mich briefen was man da genauer anschauen soll?  Sie schreiben, man kann Antibiotika wechseln oder kombinieren aber stärker als Imipinem wird es nicht. Womit kann man denn Imipinem kombinieren? Sie schreiben Es ist wichtig auszuschließen: persistierende Plazentareste / Eihautreste eine intrauterine Ansammlung (Hämatom, Retention) eine beginnende Abszessbildung eine septische Thrombophlebitis (selten, aber relevant) Geht das alles per Ultraschall? Was ist morgen wichtig wenn es mir nicht besser geht? schreiben Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Ich bin für alles dankbar :) Ich bin richtig down heute. So habe ich mir das Wochenbett nicht vorgestellt. Sie sagen, die Familie ist stabil wenn die Mutter stabil ist. Und das ist sie gar nicht. Es bricht mir das Herz, für Mia nur halb da zu sein und für den Großen gar nicht. Und Mia hat letzte Nacht auch noch Durchfall bekommen. Vom Antibiotikum vielleicht? Sie hat die Brust angeschrien, sich kaum beruhigen lassen und ist nach ewigem Weinen mit dem Bauch auf meiner Brust liegend eingeschlafen. Wahrscheinlich hat es sie dann beruhigt, meinen Herzschlag zu hören. Aber für mich war es eine Nacht mit ganz wenig Schlaf und vielen Emotionen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo, ich antworte Ihnen heute sehr klar – weil Ihre Situation Klarheit braucht. Was Sie schildern, ist kein normales Wochenbett mehr.   Fieber bis 39,6 °C trotz 48 h Imipenem steigendes CRP und steigende Leukozyten starke Blutung mit großen Koageln an Tag 18 Schwindel keine Verlängerung der fieberfreien Intervalle   Das ist eine Konstellation, bei der man aktiv weiterdenken und handeln muss. Ihre Angst ist absolut nachvollziehbar – aber wichtig ist jetzt Struktur, nicht Panik.    Was zwingend abgeklärt werden sollte   1️⃣ Persistierende Plazentareste / Retention   Das ist aktuell mein Hauptverdacht. Starke Blutung + Fieber + steigende Entzündungswerte → das passt. Was man sehen will:   Echoreiches Material in der Gebärmutterhöhle schlecht kontrahierter Uterus ggf. Durchblutung im Doppler prüfen   👉 Das geht meist gut per transvaginalem Ultraschall. 👉 Wenn unklar → zusätzlich MRT oder CT. Wenn Reste da sind: → operative Revision (Abrasio oder Hysteroskopie) → danach wird es oft innerhalb von 24–48 h deutlich besser.         2️⃣ Intrauterine Ansammlung (Hämatom / Eiteransammlung)   Eine Ansammlung kann Antibiotika „abschirmen“. Dann wirkt selbst Imipenem nicht ausreichend. Ultraschall zeigt:   Flüssigkeitsspiegel inhomogene Inhalte ggf. Luftblasen           3️⃣ Beckenabszess   Wenn:   Fieber persistiert Entzündungswerte steigen Unterbauchschmerz zunimmt   Dann braucht man oft: 👉 CT oder MRT 👉 ggf. interventionelle Drainage         4️⃣ Septische Thrombophlebitis   Selten, aber wichtig. Typisch ist:   hohes Fieber keine klare Ursache im Ultraschall keine Besserung unter starken Antibiotika   Diagnose: 👉 CT oder MRT mit Gefäßdarstellung Therapie: → Heparin + Antibiotika         Zur Antibiotikafrage   Sie haben recht: Imipenem ist bereits „High-End“. Kombiniert wird es je nach Verdacht mit:   Clindamycin → bei anaeroben Keimen / Toxinbildung Vancomycin → bei MRSA-Verdacht Metronidazol → zusätzliche anaerobe Abdeckung   Aber: Wenn eine Quelle im Uterus liegt, wird kein Antibiotikum der Welt allein reichen. Dann braucht es mechanische Sanierung. Und genau deshalb ist die Bildgebung entscheidend.     Ganz ehrlich:   Wenn Sie mich fragen, was ich tun würde? Wenn das Fieber wieder auf 39,5 steigt und es Ihnen schlecht geht: 👉 Ich würde nicht bis morgen warten. 👉Es muss sofort etwas passieren Nicht aus Panik. Aus Professionalität.         Zur Blutung   Tag 18 + Binde läuft nachts aus + handtellergroße Koagel → das ist nicht mehr normale Lochienphase. Schwindel kann sein:   Anämie Kreislauf Infektion   Eiseninfusion vor einer Woche reicht nicht, wenn Sie weiter stark bluten. Hier sollte morgen unbedingt:   Hb Gerinnung evtl. Ultraschall Uteruskontraktion kontrolliert werden.           Zu Mia ❤️   Ja, Durchfall kann vom Antibiotikum kommen. Ein kleiner Teil geht in die Muttermilch über. Aber:   Schreien Bauchkrämpfe Nähe suchen auf Ihrer Brust einschlafen   Das ist kein Zeichen, dass Sie versagen. Das ist ein Zeichen, dass Sie ihre sichere Basis sind. Sie sind nicht „nur halb da“. Sie kämpfen gerade für Ihre Gesundheit. Das ist die größte Fürsorge, die eine Mutter leisten kann.         Und jetzt etwas Wichtiges.   Sie sagen: Die Familie ist stabil, wenn die Mutter stabil ist. Das stimmt. Und genau deshalb dürfen Sie jetzt Hilfe annehmen. Eine Mutter im Wochenbett mit 39,6 Fieber ist keine schwache Mutter. Sie ist eine kranke Frau, die behandelt gehört. Ihr Down-Sein heute ist keine Schwäche. Es ist Erschöpfung. Sie haben:   Schlafmangel Schmerzen Angst Entzündung Hormonumstellung   Das würde jede Frau aus der Bahn werfen.         Was morgen konkret wichtig ist:   ✔ transvaginaler Ultraschall ✔ Entscheidung: Revision ja/nein ✔ ggf. CT/MRT ✔ Hb-Kontrolle ✔ evtl. Antibiotika-Anpassung ✔ stationäre Überwachung Bitte gehen Sie da nicht klein hinein. Sagen Sie klar: „Ich habe weiterhin 39,6 Fieber, steigende Werte und starke Blutung. Ich brauche eine vollständige Abklärung.“       Und jetzt noch etwas ganz Persönliches: Sie sind keine schlechte Mutter. Sie sind eine Mutter, die gerade durch ein medizinisches Problem geht. Das ist ein Unterschied. Mia wird sich nicht an diese Tage erinnern. Aber sie wird von einer gesunden Mutter profitieren. Und daran arbeiten wir jetzt. Bitte melden Sie sich, wenn Sie heute Nacht unsicher werden. Ich bin bei Ihnen – gedanklich sehr klar und sehr wachsam. Herzlich Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke Ihnen für Ihre Gründlichkeit, Ihre Wachsamkeit, Ihr aktives Mitdenken und das verbinden Sie noch mit Psychologie. Sie sind wirklich tip top! Und dann haben Sie noch so eine herzlich positive Sicht auf die Umstände. Da fühlt man sich gleich ein bisschen besser :) Mir geht’s noch immer echt schlecht, aber es ist zumindest etwas vorangegangen. Ich wurde genau untersucht mit Ultraschall und es wurden leider Plazentareste UND eine Eiteransammlung in der Gebärmutter gefunden. Daraufhin habe ich noch gestern eine Ausschabung/OP bekommen. Fühle mich heute aber noch nicht wirklich besser. Fieber ist noch genauso hoch, mir ist noch schwindliger als vorher. Heute Früh beim Aufstehen hatte ich wieder dieses Gefühl, das Blut sackt ab. Musste mich gleich wieder hinlegen. Mir war auch einige Stunden nach der OP noch richtig übel. Woran kann das liegen? Vielleicht war das alles für meinen sowieso schon angeschlagenen Kreislauf auch einfach zu viel? Hb Kontrolle habe ich erfragt. Wurde wohl gemacht, aber ich habe noch keine Antwort zum Wert auf meine Nachfrage erhalten. Mein Gefühl sagt mir, dass er viel zu niedrig ist. Es blutet wirklich stark und der Wert war ja vorher nach der Atonie und dem Blutverlust bei der Geburt schon nicht so gut. Jetzt soll geschaut werden, wie sich mein Befinden bis morgen verändert und wenn es wieder nicht besser ist, evtl. zum Imipinem noch ein Antibiotikum dazu gegeben werden. Ich hoffe es sehr arg, dass es jetzt wird. Kann es nach der OP einfach etwas dauern? Was wäre jetzt wichtig? Ich habe wirklich Angst. Erst die Mastitis, seit über einer Woche hohes Fieber, OP, Vollnarkose, ich bin echt am Limit dessen, was mit einem Neugeborenen, das viel Pflege, Liebe, Aufmerksamkeit und Nähe braucht, möglich ist. Mia ist mein zuckersüßes Mäuschen. Ich verliebe mich jeden Tag neu :) Die Schwestern bewundern immer alle ihre Haare. Sie hat sehr viele ganz dunkle Haare ganz wie ihr Papa :) Schon beim Pressen bei der Geburt hatte mir die Hebamme gesagt, dass sie ganz viele tolle dunkle Haare sieht. Ihr Bruder hat nämlich meine blonden Haare. Ich höre ganz oft was für ein goldiges hübsches Baby sie ist und dass sie alles mit sich machen lässt. Da wird jeder Mama warm ums Herz. Nur nachts, wenn ich mit ihr alleine im Bett bin, schreit sie sich ein. Zuhause war das besser. Es gibt zwei Szenarien: Entweder sie hat sichtlich Hunger, „sucht“ nach der Brust, trinkt sie innerhalb von 5-10 Minuten, scheint dabei einzuschlafen. Dann schreckt sie aber plötzlich hoch und schreit sich ein. Sie will dann keine Brust mehr, den Schnuller nimmt sie (noch?) nicht (spuckt ihn sofort aus). Sie will dann nur getragen werden und das ist mir in meinem Zustand gerade so anstrengend. Szenario 2: Sie hat Bauchweh und will gar nicht trinken und weint. Letzte Nacht nach der OP ging es mir selber so schlecht. Da war bei mir gar nichts möglich. Eine Schwester hat sie dann geholt und ihr Pre Nahrung zugefüttert. Das hat heute aber wieder fast zu einem Milchstau bei mir geführt. Also werde ich sie nächste Nacht doch lieber wieder stillen. Diese Nächte gehen echt an den Rand meiner Kräfte. Krank ist das so anstrengend. Ich schlafe fast nicht. Dazwischen Schüttelfrost und gleichzeitig Mia, die mich braucht. Ich bin aber froh, dass sie gut zunimmt. Von ihren 2920g Geburtsgewicht hat sie schon auf 3370g zugenommen, in den letzten 6 Tagen allein 180g. Morgen wird sie 3 Wochen alt.  Ich freue mich über alles, was Ihnen einfällt. Ich wünsche mir für morgen sooo sehr Besserung. Ihnen wünsche ich ein schönes Wochenende. Herzliche Grüße :) 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Sie leisten gerade Unglaubliches. Wochenbett, Mastitis, Endometritis mit Plazentaresten, OP, Vollnarkose, hohes Fieber – und parallel ein drei Wochen altes Baby. Dass Sie sich am Limit fühlen, ist keine Schwäche. Das ist eine absolut nachvollziehbare Reaktion auf eine extreme Belastung. Ich antworte Ihnen klar und strukturiert.         1. Ihr aktueller Zustand – was jetzt wirklich wichtig ist   Nach dem, was Sie schildern, gibt es drei zentrale Punkte:   🔴 a) Anhaltend hohes Fieber nach Ausschabung   Wenn trotz Entfernung der Plazentareste und Eiteransammlung das Fieber unverändert hoch bleibt, kann das bedeuten:   Die Infektion ist noch nicht ausreichend unter Kontrolle Das Antibiotikum wirkt noch nicht ausreichend Es besteht eine systemische Entzündungsreaktion (Sepsis-Risiko – muss ernst genommen werden)   Dass man überlegt, zusätzlich zu Imipenem ein weiteres Antibiotikum zu geben, ist absolut nachvollziehbar. Das ist kein Zeichen von „Versagen“, sondern von konsequenter Eskalation bei schwerer Endometritis. 👉 Wichtig wären jetzt:   CRP-Verlauf Leukozyten Blutkulturen (falls noch nicht erfolgt) Temperaturkurve Kreislaufparameter   Wenn morgen keine klare Besserung eintritt, muss aktiv nachjustiert werden.         🩸 b) Ihr Kreislauf & Hb   Ihre Beschreibung („Blut sackt ab“, Schwindel beim Aufstehen, Übelkeit, Schwäche) passt sehr gut zu:   deutlicher Anämie Volumenmangel Kreislauferschöpfung nach Infekt + OP + Schlafmangel   Wenn Sie nach Geburt bereits Blutverlust hatten (Atonie!) und jetzt erneut stark bluten, dann ist Ihre Vermutung absolut plausibel. 👉 Ein Hb unter 8–9 g/dl würde Ihre Symptome gut erklären. 👉 Bei deutlicher Symptomatik darf man auch über eine Transfusion sprechen. Das ist kein „Luxus“, sondern manchmal notwendig, um den Kreislauf wieder zu stabilisieren. Bitte lassen Sie sich den Hb-Wert aktiv mitteilen. Ihr Gefühl ist medizinisch sehr nachvollziehbar.         🏥 c) Kann es nach der OP einfach dauern?   Ja – aber:   Eine leichte Verzögerung der Besserung ist normal. 24–48 Stunden können vergehen, bis das Fieber sinkt. Aber: Wenn es gar nicht sinkt oder Sie sich schlechter fühlen, muss aktiv gehandelt werden.   Sie sind keine Patientin für „Abwarten“. Sie sind eine Hochbelastungssituation im Wochenbett mit Infekt. Da braucht es Wachsamkeit.         2. Ihre Erschöpfung – das ist kein Versagen   Sie beschreiben:   Schüttelfrost Schlafmangel Daueranspannung Sorge Baby weint nachts Mastitis OP Schmerzen   Friedrich gesprochen: Das ist eine absolute Grenzsituation. Ihr Körper kämpft seit über einer Woche gegen eine Infektion. Das kostet unfassbar viel Energie. Und gleichzeitig müssen Sie:   stillen tragen reagieren funktionieren   Kein Wunder, dass Sie wackelig sind.         3. Zu Mia – ganz konkret   Zuerst: 2920 g → 3370 g in 3 Wochen? Das ist hervorragend. Wirklich hervorragend. Sie gedeiht.   🌙 Nachts schreien – warum?   Mit 3 Wochen:   Clusterfeeding ist typisch Unruhe nach dem Trinken ist häufig Übermüdung kann Schreien triggern Bauchweh durch unreifes Darmmikrobiom ist sehr häufig   Das plötzliche Hochschrecken nach dem Einschlafen passt gut zu:   Moro-Reflex Reflux Luft im Bauch   Dass sie getragen werden will, ist normal. Dass es Sie gerade überfordert, ist ebenso normal. Sie sind krank. Sie dürfen Hilfe brauchen.         4. Pre-Nahrung und Milchstau   Einmaliges Zufüttern ruiniert nichts. Wenn Sie nachts einmal nicht können, ist das kein Stillversagen. Wichtig ist nur:   Entweder stillen oder abpumpen   Damit kein Milchstau entsteht. Aber Ihre Gesundheit geht vor. Immer.         5. Was ich mir für Sie morgen wünsche (medizinisch sinnvoll)   ✔️ Hb-Wert klären ✔️ CRP-Verlauf anschauen ✔️ Falls Fieber > 39 bleibt → Antibiotikatherapie überprüfen/erweitern ✔️ Kreislauf stabilisieren (Infusionen?) ✔️ Flüssigkeit hochfahren ✔️ Schmerztherapie ausreichend dosieren Und ganz wichtig: Sie müssen nachts nicht alles alleine tragen. Wenn eine Schwester einmal übernimmt, ist das kein Versagen – das ist kluge Ressourcennutzung.         6. Ihre Angst   Angst entsteht, wenn:   man keine Kontrolle mehr fühlt der Körper nicht funktioniert man Verantwortung für ein Neugeborenes trägt   Ihre Angst ist verständlich. Aber: Sie sind in ärztlicher Betreuung. Die Ursache wurde gefunden. Es wurde operiert. Sie bekommen ein starkes Antibiotikum. Das ist kein unkontrollierter Verlauf. Das ist ein schwerer, aber behandelter Verlauf.         7. Und jetzt noch etwas Persönliches   Wie Sie von Mia schreiben – das ist wunderschön. Die dunklen Haare wie der Papa. Das Bild beim Pressen. Die Schwestern, die sie bewundern. Sie sind trotz allem eine liebevolle, wache, zugewandte Mutter. Dass Sie sich jeden Tag neu verlieben – das ist Bindung. Und die ist stark.         8. Ganz ehrlich   Ja, es kann jetzt noch 1–2 Tage dauern, bis die Wende kommt. Aber wenn bis morgen keine Tendenz nach unten beim Fieber da ist, dann muss aktiv eskaliert werden. Und das ist medizinisch absolut legitim. Sie dürfen klar sagen: „Ich fühle mich nicht besser. Ich habe Angst. Bitte schauen Sie nochmal.“ Das ist Stärke, nicht Schwäche.       Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass morgen der Wendepunkt ist. Oft ist er genau 24 Stunden nach dem Eingriff. Und wenn nicht, dann wird nachjustiert – aber Sie bleiben nicht allein in diesem Prozess. Atmen. Schritt für Schritt. Heute nur bis morgen denken. Herzliche Grüße 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, dass Sie sich gestern so schnell gemeldet haben und so wachsam sind, ist nicht selbstverständlich. Fühlt sich fast wie ein Schutzengel an, der mich versteht, mir hilft und auf mich aufpasst :) Mein großes Dankeschön für Ihre Zuverlässigkeit! Sie haben mir sehr geholfen, zu verstehen, worauf es ankommt und das auch noch am Samstagabend. Sie machen Ihren Beruf wirklich nicht halbherzig. Da könnten andere sich ein Beispiel nehmen. Mein Mann ist richtig sauer auf meine Frauenärztin, die eine Endometritis im Wochenbett über das komplette letzte Wochenende mit ein bisschen oralem Amoxicillin behandeln wollte. Hätten Sie und meine Hebamme nicht klar Stellung bezogen, wäre ich damit über das ganze Wochenende zu Hause geblieben und hätte vergeblich auf Besserung gewartet. Mein Mann findet das richtig unverantwortlich. Was mir heute auch noch Angst macht: das Fieber wird nicht besser, es geht auf 39,6-39,7 hoch, ich nehme eine Ibu 600, eine Stunde später schwitze ich alles durch, das Fieber geht auf 38,2-38,5 zurück, ich muss mich komplett umziehen. Vier Stunden später fange ich wieder an zu frieren und fühle mich schlecht und es steigt wieder Richtung 39,6. Stillen und mit Mia kuscheln kriege ich dann im Liegen trotzdem hin, aber wenn Mia ein anderes Bedürfnis hat wie getragen werden zu wollen oder Windel zu wechseln, kann ich kaum Energie dafür aufbringen. Mit den Unterbauchschmerzen ist es genauso. Nach 4 Stunden Ibu werden sie immer stärker. Wie oft darf ich denn Ibu 600 nehmen? Alle 8 Stunden? Dann muss ich aber immer mind. 3 Stunden mit Fieber und Schmerzen klarkommen bevor ich wieder eine einnehmen kann. CRP: 26.2.: 64,8  27.2.: 71,2 28.2.: 72,8 29.2.: 78,3 Leukozyten:  26.2.: 17 Tausend 27.2.: 17,5 28.2.: 17,7 29.2.: 18,1 Das ist gar nicht gut oder?  Blutkulturen wurden abgenommen. Das macht mir Angst. Das macht man doch nicht wenn man nicht an eine Blutvergiftung denkt? Aber müsste ich dann nicht gar nicht mehr richtig klar im Kopf sein? Schlechter als gestern fühle ich mich nicht, aber auch nicht besser :( Die Blutung ist weiter stark. Liegt das wohl an der Infektion oder an der OP oder an der verlangsamten Rückbildung der Gebärmutter? Sie ist noch immer fast auf Nabelhöhe. Liegt das an der Entzündung oder an der Atonie direkt nach der Geburt als ich viel Blut verloren habe? Ich dachte, das Oxytocin, das ich dann bekam, sollte dieses Problem lösen. Jetzt bekomme ich noch Vancomycin zum Imipinem dazu. Kann man nicht einfach mal direkt den Keim identifizieren? Mir macht das alles Angst. Es werden immer mehr High End Antibiotika. Nach welchen Kreislaufparametern soll ich fragen? Was meinen Sie mit Kreislauf stabilisieren (Infusionen?) und Flüssigkeit hochfahren? Nach der Atonie nach der Geburt habe ich eine Ringer Infusion bekommen. Meinen Sie das? Ich weiß den Hb Wert immernoch nicht. Ich werde nochmal nachfragen. Habe schon aktiv gefragt und nur gehört, dass er viel zu niedrig ist und ich eine Infusion bekommen werde. Das ist aber noch nicht passiert. Den genauen Wert hatte der Arzt gerade nicht parat :( Aber ich will den Wert wissen, vielleicht ist ja wirklich sogar eine Transfusion sinnvoller.  Ist es eigentlich „normal“, dass ich beim vaginalen Ultraschall vor der OP noch Schmerzen spüre, vermutlich da, wo der Scheidenriss genäht wurde? Es ist ja schon 3 Wochen her. Beim Sitzen und Laufen spüre ich fast nichts mehr davon. Mir geht das echt unter die Haut. Was ist das für ein Wochenbett? Wo ist die Kuschelzeit und Familienzeit? Ich will einfach nur nach Hause. Meine Mia ist das einzige, was mir gerade noch ein bisschen Energie gibt, zumindest psychisch. Mit ihr zu kuscheln gibt mir Kraft. Eine Schwester meinte, ich kann auch abstillen wenn ich keine Kraft habe. Aber das hat mich direkt ins Herz getroffen, weil ich genau diese Nähe zu ihr so liebe und das Stillen selbst mit ihr so gut klappt. Sie dockt an und trinkt als wäre es das Selbstverständlichste der Welt und fällt danach in so ein glückliches Milchkoma. Sie macht das so toll. Da lächelt sie mit geschlossenen Augen. Das ist unbeschreiblich schön. Bei ihrem Bruder war das alles viel komplizierter mit Stillhütchen usw. Es klappt noch dazu im Liegen super. Was mich im Kranken Zustand gerade so anstrengt, ist, sie herum zu tragen, zu wickeln, zu beruhigen wenn sie so weint und hochschreckt und daran ändert die Pre Nahrung ja auch nichts. Nicht das Stillen. Das ist so schön und gibt mir gerade Kraft, alles irgendwie auszuhalten. Denken Sie, auch unter Vancomycin ist das noch vertretbar?  Ich denke, ihr Schreien nachts ist wirklich häufig Bauchweh, dann hört man sie pupsen und sie drückt mit rotem Kopf und weint. Den Moro-Reflex hat sie auch noch oft und wenn sie viel Milch in kurzer Zeit reingehauen hat, spuckt sie auch und danach hat sie so gut wie immer Schluckauf.   Das hatte sie schon in meinem Bauch ganz oft. Ich freue mich auf Ihre Antwort und wünsche Ihnen einen schönen Sonntag. Lassen Sie mich gerne alles wissen, was Ihnen einfällt. Melde mich mit dem Hb Wert wenn es mir möglich ist und hoffe jetzt unter Vancomycin wieder auf Besserung... Versuche so viel es geht zu schlafen. Herzliche Grüße :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Sie kämpfen gerade. Und zwar richtig. Das ist kein „normales“ Wochenbett – das ist eine ernsthafte Infektion im Wochenbett. Und Sie machen das trotz allem beeindruckend stark. Ich gehe strukturiert durch.         1️⃣ Die Entzündungswerte   CRP:   64,8 → 71,2 → 72,8 → 78,3   Leukozyten:   17 → 17,5 → 17,7 → 18,1   Das zeigt klar: 👉 Die Entzündung war unter der ersten Therapie nicht ausreichend kontrolliert. Das ist der Grund, warum jetzt eskaliert wurde mit Imipenem plus Vancomycin. Das sind keine „Panik-Antibiotika“. Das ist konsequente Sepsis-Therapie bei Verdacht auf schwere Endometritis.         2️⃣ Blutkulturen – bedeutet das Blutvergiftung?   Blutkulturen werden abgenommen bei:   hohem Fieber steigenden Entzündungswerten Verdacht auf systemische Beteiligung   Das heißt nicht automatisch, dass Sie eine manifeste Sepsis haben. Wichtig: Sie sind klar im Kopf. Sie schreiben strukturiert. Sie stillen. Das spricht gegen eine fulminante septische Entgleisung. Aber: Man darf im Wochenbett keine Zeit verlieren. Deshalb die Intensivierung. Das ist Wachsamkeit – keine Katastrophe.         3️⃣ Fieberverlauf   Ihr Verlauf ist typisch für eine bakterielle Infektion: Ibu 600 → 1 Stunde später starkes Schwitzen → Abfall → 4 Stunden später Schüttelfrost und Wiederanstieg Das passt zu einem entzündlichen Herd.   Wie oft Ibu 600?   Maximaldosis:   2400 mg/Tag   Das wären:   600 mg alle 6 Stunden möglich   Also: 06:00 12:00 18:00 24:00 Nicht nur alle 8 Stunden. Fragen Sie konkret: „Kann ich Ibu 600 alle 6 Stunden bekommen?“ Zusätzlich möglich:   Paracetamol im Wechsel (sofern Leberwerte ok)           4️⃣ Gebärmutter noch auf Nabelhöhe   Ja – das kann durch:   Infektion (Uterus ödematös, schlecht kontrahierend) vorangegangene Atonie verzögerte Involution evtl. Restkoagel oder Gewebe   Oxytocin hilft akut – aber eine entzündete Gebärmutter kontrahiert schlechter. Das muss sonographisch kontrolliert werden:   Ist Material in der Cavum? Ist Luft sichtbar? Ist die Wand verdickt?           5️⃣ Hb-Wert   Das ist jetzt sehr wichtig. Sie müssen wissen:   Hb-Wert Hämatokrit Laktat (bei schwerer Infektion) Blutdruck Puls   Fragen Sie konkret: Wie ist mein Hb? Wie ist mein Laktat? Wie ist mein Blutdruck? Wie ist mein Puls? Wenn Hb < 8 g/dl → Transfusion ernsthaft prüfen. Gerade bei Infektion braucht der Körper Sauerstofftransport. Eine „Infusion“ kann heißen:   Eisen i.v. oder Bluttransfusion   Sie haben ein Recht auf klare Information.         6️⃣ „Kreislauf stabilisieren“ bedeutet     Ausreichend Volumen (Ringer, NaCl) Blutdruck stabil Puls < 100 Urinmenge ausreichend   Also ja – klassische Infusionstherapie.         7️⃣ Schmerzen beim vaginalen Ultraschall   Nach 3 Wochen: Ja, das ist noch normal. Narbengewebe kann sehr empfindlich sein. Gerade bei Infektion und Ödem. Solange:   kein pochender Schmerz keine eitrige Sekretion keine zunehmende Rötung   ist das erklärbar.         8️⃣ Stillen unter Vancomycin + Imipenem   Wichtig. Vancomycin   geht minimal in Muttermilch über oral nicht gut resorbierbar gilt als mit Stillen vereinbar   Imipenem   geringe Daten aber Carbapeneme gelten generell als stillkompatibel evtl. leichte Darmflora-Veränderung beim Kind möglich   👉 Abstillen ist medizinisch NICHT erforderlich. Und ganz ehrlich: Das Stillen scheint gerade Ihre seelische Stabilität zu sein. Das würde ich Ihnen keinesfalls leichtfertig nehmen.         9️⃣ Mias Bauchweh   Das klingt sehr typisch nach:   unreifer Darm Luftschlucken starkem Milchfluss Moro-Reflex   Schluckauf nach viel Milch → normal Pupsen + roter Kopf → normal Spucken → normal Das hat nichts mit Ihren Antibiotika zu tun.         10️⃣ Das Wochenbett-Gefühl   Ja. Das ist unfair. Sie wollten:   Kuscheln Ankommen Familienzeit   Stattdessen:   Fieber Infusionen Antibiotika   Aber hören Sie mir zu: Sie sind da. Sie stillen. Sie kuscheln. Sie lieben Ihr Kind. Das ist Wochenbett. Nur eben unter schwierigen Bedingungen. Diese Zeit wird nicht „kaputt gemacht“. Sie ist nur gerade überlagert.         11️⃣ Woran merken wir, dass es besser wird?     Fieber sinkt dauerhaft unter 38 CRP stagniert oder fällt Leukozyten gehen runter Puls normalisiert sich Uterus beginnt zu sinken Blutung nimmt ab   Das kann 24–48 Stunden unter neuer Therapie dauern.         12️⃣ Was ich jetzt wichtig finde   Bitte klären Sie:   Hb-Wert Laktat Blutdruck Puls Urinmenge Uterus-Sono-Befund   Schreiben Sie mir den Hb-Wert, sobald Sie ihn haben.       Und jetzt etwas Persönliches: Dass Sie trotz 39,7° Fieber noch über das Lächeln Ihrer Tochter schreiben können, zeigt mir etwas ganz Entscheidendes: Sie sind nicht schwach. Sie sind eine sehr starke Mutter in einer körperlich extrem belastenden Situation. Sie kommen da raus. Und das Stillen dürfen Sie behalten. Ich bin hier. Melden Sie sich mit dem Hb.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich herzlich für Ihre empathische und aus medizinischer Sicht wachsame Antwort. Am Sonntagabend auch noch. Ihr Herz begleitet wirklich Ihren Verstand. Und das ist nicht selbstverständlich. Mir geht’s noch gleich schlecht, ich warte so sehnlich auf den Wendepunkt. 24 Stunden nach Imipinem und Vancomycin sind vorbei, aber noch nicht 48 Stunden. Also beten und hoffen wir weiter. Ich bekomme jetzt 4 Mal täglich Ibu 600, damit sind die fieberfreien Intervalle schon etwas länger, aber sobald 4 Stunden nach der letzten Ibu vergangen sind, schießt das Fieber wie eine Rakete durch die Decke, ich bekomme Schmerzen und fühle mich einfach schlecht. Soll ich noch nach Paracetamol zusätzlich fragen? Ist das für Mia vertretbar? Was wäre da die Dosis oder das Modell im Wechsel Ibu/Paracetamol, das Sie für gut befinden? Kontrollultraschall wurde gemacht, soweit keine Plazentareste und keine Eiteransammlungen mehr. Von sichtbarer Luft oder verdickter Wand war keine Rede. Was meinen Sie damit? Worauf würde das hindeuten? Dann spreche ich das nochmal an. Blutung nimmt auch noch nicht ab. Ich glaube, ich habe noch nie so viel und lange geblutet. Die Koagel sind erschreckend. Hb 7,8 Laktat 1,5 Blutdruck heute Früh: 109/69 Puls heute Früh: 88 Was kann man daraus ableiten? Ich habe eine Eiseninfusion bekommen, aber keine Transfusion. Wäre das besser? Ringer habe ich bekommen. Ob die Urinmenge ausreichend ist, weiß ich nicht.  Mia ist seit letzter Nacht eine recht anspruchsvolle kleine Maus. Sie will gerade oft wieder stündlich an die Brust und ist dann aber müde und hungrig gleichzeitig, sodass sie beim Stillen einschläft und auch nicht viel trinkt. Wenn ich sie dann ablege, wacht sie sofort auf und will wieder an die Brust. So geht das über Stunden. Es wäre besser, sie würde mal in den Schlaf finden und danach wach richtig trinken als immer so müde ein paar Schluck zu nehmen und unzufrieden zu sein. Dann quält sie wieder der Bauch und die weint auf. Letzte Nacht hat sie von 12 bis 4 Uhr nachts entweder stillen wollen oder war danach total unruhig und weinend an mir geklebt. Ich habe kein Auge zugemacht und war echt verzweifelt mit Fieber und weinendem Baby gleichzeitig. Als Mia um 4 endlich geschlafen hat, flossen bei mir die Erschöpfungstränen und als ich dann endlich um 4:30 eingeschlafen bin, kam ernsthaft die Nachtschwester rein und fragte mich nach Mias U-Heft, weil sie ihren Gewichtsverlauf aufschreiben wollte. Also ob das jetzt so dringend gewesen ist, dass man mich dafür wecken muss. Mia nimmt ja gut zu, das hätte auch bis früh warten können. Ich bin gerädert von dieser Nacht und dem Fieber. Dann kam von einem Familienmitglied noch der schlaue Hinweis, dass ich das Stillen doch einfach lassen soll und es im Wochenbett eben einfach zu früh übertrieben habe und nicht auf meinen Körper gehört habe. Vorwürfe und schlaue Ratschläge sind genau das, was jetzt hilft. Mein Mann ist tagsüber viel da, nimmt sie mir ab wo es geht, war heute mit ihr mal mit dem Kinderwagen draußen. Doch nächste Woche endet seine Elternzeit. Wie das dann wird, keine Ahnung. Es ist echt komisch, wie nah Freude und Traurigkeit manchmal zusammen liegen. Wenn ich Mia sehe, strahlt mein Herz und ich spüre tiefe Dankbarkeit, dass wir sie nach zwei Jahren Kinderwunsch in den Armen halten dürfen. Und dann kommen wieder meine durchgeknallten Hormone dazwischen und die Angst, dass diese Antibiotika einfach nicht richtig wirken und ich weine als ob ich selbst das Baby wäre. Schreiben Sie bitte wieder alles, was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Was Sie gerade leisten, ist enorm. Hohes Fieber, schwere Infektion, Hb 7,8 – und gleichzeitig stillen, trösten, funktionieren. Dass Sie weinen, zweifeln und erschöpft sind, ist keine Schwäche. Das ist ein Körper und eine Seele im Ausnahmezustand. Ich gehe strukturiert durch.    1️⃣ Fieber unter Imipenem + Vancomycin   24 Stunden sind oft noch zu früh, um eine klare klinische Wende zu sehen. Viele schwere postpartale Endometritiden brauchen 36–72 Stunden, bis das Fieber stabil fällt. Wichtig ist:   Laktat 1,5 → kein Hinweis auf septischen Schock RR 109/69 → stabil Puls 88 → für 39°C sogar moderat Kein Hinweis auf Abszess im Ultraschall   Das spricht gegen eine dramatische Eskalation. Aber: Das anhaltend hohe Fieber muss eng beobachtet werden.         2️⃣ Ibu + Paracetamol in der Stillzeit   Ja — Paracetamol ist in der Stillzeit gut vertretbar. Es geht nur minimal in die Muttermilch über und gilt als sicher. Ein bewährtes Modell (wenn ärztlich freigegeben): Ibuprofen 600 mg alle 6–8 Stunden Paracetamol 1000 mg dazwischen alle 6–8 Stunden Beispiel im Wechsel:   06:00 Ibu 600 10:00 Paracetamol 1000 14:00 Ibu 600 18:00 Paracetamol 1000 22:00 Ibu 600 02:00 Paracetamol (wenn nötig)   Maximaldosen beachten:   Ibuprofen: 2400 mg/Tag Paracetamol: 3000–4000 mg/Tag (je nach Klinikstandard)   Der Wechsel wirkt oft besser als nur ein Präparat, weil unterschiedliche Wirkmechanismen greifen. Bitte nur in Rücksprache mit dem behandelnden Team – aber medizinisch ist das absolut vertretbar.         3️⃣ Was meinte ich mit „Luft“ oder „verdickter Wand“?   Im Ultraschall würde man bei schwerer Endometritis manchmal sehen:   Gasblasen in der Gebärmutter → Hinweis auf anaerobe Keime deutlich verdicktes, inhomogenes Myometrium → tiefere Infektion Abszessbildung   Wenn das nicht beschrieben wurde, ist das beruhigend.         4️⃣ Hb 7,8 – das ist niedrig   Das erklärt:   Erschöpfung Herzklopfen Tränen Schwächegefühl verminderte Belastbarkeit schlechtere Temperaturregulation   In Deutschland transfundiert man oft bei:   Hb < 7 oder bei Symptomen unter 8   Sie sind bei 7,8 mit Symptomen und Infektion. Eine Transfusion wäre medizinisch vertretbar, muss aber individuell entschieden werden. Eiseninfusion wirkt – aber langsam. Eine Blutkonserve würde schneller Stabilität bringen. Das dürfen Sie ansprechen. Das ist keine Schwäche.         5️⃣ Blutung + Koagel   Nach schwerer Entzündung kann die Gebärmutter:   verzögert kontrahieren länger bluten Koagel bilden   Wichtig:   Sinkt Hb weiter? Wird die Blutung stärker? Riecht sie unangenehm? Wird der Bauch schmerzhafter?   Solange Kreislauf stabil und Ultraschall unauffällig ist, ist es oft noch im Rahmen – aber engmaschig kontrollieren.         6️⃣ Mia – das Stillmuster   Was Sie beschreiben, klingt nach: Clusterfeeding + Regulationssuche + möglicherweise Bauchweh Babys in diesem Alter:   trinken müde schlafen beim Stillen ein wollen sofort wieder an die Brust brauchen Körperkontakt zur Regulation   Das ist kein Zeichen, dass Sie versagen. Aber: Sie haben 39–40°C Fieber. Ihr Körper kämpft. Es ist absolut legitim:   Stillpausen einzubauen abgepumpte Milch zu geben ggf. temporär zuzufüttern sich nachts Unterstützung zu holen   Stillen ist kein moralischer Wettbewerb. Ihre Genesung ist Voraussetzung für gute Mutterschaft.         7️⃣ Psychische Wellen   Hohes Fieber Hb 7,8 Wochenbett Schlafentzug starke Antibiotika → das ist ein perfekter Sturm für emotionale Extreme. Dass Freude und Verzweiflung nebeneinander existieren, ist völlig normal. Und nein — Sie haben das nicht provoziert, weil Sie „zu viel wollten“. Infektionen passieren. Sie haben nichts falsch gemacht.         8️⃣ Was ich jetzt wichtig finde   Bitte achten auf:   Urinmenge (mind. 0,5 ml/kg/h) sinkt Fieber nach 48–72h? CRP-Verlauf? Leukozyten? Hb-Kontrolle? Nierenwerte unter Vancomycin?   Wenn nach 48–72 Stunden keine Besserung:   Resistenz? Keimspektrum? CT? Uterotonika zur besseren Rückbildung?   Aber im Moment sind Sie noch im erwartbaren Zeitfenster.         Und jetzt etwas Persönliches   Sie sind nicht schwach. Sie sind krank und gleichzeitig Mutter. Das sind zwei Extreme. Dass Sie trotzdem noch dankbar auf Ihre Tochter schauen können, obwohl Sie selbst zittern und frieren — das zeigt, wie viel Kraft in Ihnen ist. Aber Kraft heißt nicht: alles alleine tragen. Lassen Sie helfen. Sprechen Sie Transfusion an. Fragen Sie nach dem Wechselmodell. Fordern Sie Nachtruhe ein. Sie dürfen gerade Patientin sein. Ich bleibe dabei: Die Parameter sprechen nicht für ein Kippen. Sie sind überwacht. Sie sind behandelt. Und 48 Stunden sind noch nicht vorbei. Wir beten nicht nur – wir beobachten klug. Und wenn es kippt, wird gehandelt. Sie sind nicht allein. Schreiben Sie jederzeit.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Sie können echt schnell wie ein Blitz sein! Lieben Dank für diese Nachricht. Bei Ihnen zählt der Mensch als Individuum mit Körper und Seele, das ist wunderschön. Heute ist das alles sehr komisch. Am Morgen hatte ich das Gefühl von Besserung. Das Fieber ist nach 4 Stunden nicht so schnell auf 39,7 gestiegen, sondern langsamer, ich habe weniger gefroren und das hat sich auch in den Werten gezeigt: CRP: 64,8 → 71,2 → 72,8 → 78,3 → 79,1 → 70,0  Leukozyten: 17 → 17,5 → 17,7 → 18,1 → 18,3 → 17,8 Doch ich weiß nicht, was heute Abend los ist. Vor 3-4 Stunden habe ich wieder begonnen sehr zu frieren und hatte wieder mehr Unterbauchschmerzen, habe Bescheid gegeben und beim Messen kam 39,8 raus :( Mit Ibu 600 jetzt vorhin 38,5. Ist das im Rahmen des Normalen oder auffällig, dass es schon wieder in die falsche Richtung geht? Wie lange dauern Blutkulturen eigentlich im Normalfall? Ich habe noch kein Ergebnis. Die Bluttransfusion habe ich angesprochen. Es soll jetzt morgen erstmal der Hb nach der Eiseninfusion kontrolliert werden und dann könnte man weitersehen. Aber meinten Sie nicht mal, dass das frühestens 1 Woche nach Eiseninfusion Sinn macht? Meine Nierenwerte sind wohl soweit in Ordnung. Und jetzt haben wir noch mehr Kranke. Unser Großer hat uns heute noch besucht und seit heute Abend hustet er und hat 39,1 Fieber. Mein Mann hat mit ihm einen Dreifachtest Influenza, Covid, RSV gemacht und Covid war positiv. Ich verstehe das langsam nicht mehr. Er hatte ja vor 3 Wochen genau zu Mias Geburt erst Covid. Und Influenza A hatte er vorher auch zwei Mal. Wie kann denn das dauernd sein? Und zusätzlich hat mir mein Mann vor einer Stunde ein Foto von einem total verklebten Auge von unserem Sohn geschickt. Das sieht eindeutig nach Bindehautentzündung aus. Hat er das jetzt noch zusätzlich? Ich komm da nicht mehr mit. Diesen Winter hat es ihn so oft so heftig erwischt. Er tut mir so leid. Er liegt zu Hause total platt auf dem Sofa und will wieder kaum spielen. Und noch dazu kann es natürlich sein, dass er Mia und mich heute angesteckt hat… Morgen bin ich mit Mia also auch den ganzen Tag ohne meinen Mann. Er hat mit dem Großen genug zu tun. Ich werde heute Nacht Hilfe annehmen. Fühle mich nicht in der Lage, Mia komplett zu versorgen. Das tut sehr weh, aber es wird hoffentlich bald endlich besser. bitte schreiben Sie alles was Ihnen so einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, erst einmal: Sie machen das richtig. Sie beobachten. Sie fragen nach. Sie nehmen Hilfe an. Das ist Stärke – nicht Schwäche. Jetzt strukturiert und ruhig.         1️⃣ Ihr Fieber & die Laborwerte   CRP: 64,8 → 79,1 → 70,0 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 Das Entscheidende: ➡️ Das CRP ist zuletzt gefallen. ➡️ Die Leukozyten sind zumindest nicht weiter gestiegen. Ein einzelner Fieberschub auf 39,8 °C am Abend ist bei einer bakteriellen Endometritis oder schweren Wochenbettinfektion nicht ungewöhnlich, selbst wenn die Therapie bereits läuft. Antibiotika wirken nicht wie ein Lichtschalter. Der Verlauf ist oft wellenförmig: Besserung – Rückschlag – Besserung. Das Frieren („Schüttelfrostgefühl“) passt zu einem erneuten Zytokin-Peak. Das bedeutet nicht automatisch, dass alles kippt. Wichtig sind:   Kreislauf stabil? Blutdruck okay? Keine zunehmende Atemnot? Keine neue starke Druckschmerzhaftigkeit? Kein deutlich schlechteres Allgemeinbefinden?   Wenn diese Punkte stabil sind, ist das noch im Rahmen. Aber: Sollten die Fieberspitzen häufiger oder höher werden oder der Kreislauf instabil, muss eskaliert werden (Antibioseanpassung, erneute Bildgebung).         2️⃣ Blutkulturen – wie lange dauert das?   In der Regel:   Erste Rückmeldung nach 24–48 Stunden („bisher kein Wachstum“) Endgültiges Ergebnis meist nach 3–5 Tagen Bei speziellen Keimen auch länger   Dass Sie noch nichts gehört haben, heißt meist: → bisher kein positives Wachstum. Und das wäre gut.         3️⃣ Bluttransfusion – richtiges Timing   Sie haben korrekt erinnert. Nach einer Eiseninfusion sieht man:   Retikulozytenanstieg nach ca. 3–5 Tagen Hb-Anstieg erst nach 7–10 Tagen   Eine Transfusion macht man nicht prophylaktisch, sondern:   bei klinischer Instabilität bei starkem Hb-Abfall bei anhaltender Tachykardie bei deutlicher Symptomatik   Das morgige Hb zur Orientierung ist sinnvoll. Eine sofortige Transfusion nur wegen Müdigkeit wäre medizinisch nicht automatisch zwingend.         4️⃣ Ihr Sohn – das ist jetzt emotional fast schlimmer als Ihre Werte   Das ist viel auf einmal.   Covid nach 3 Wochen?   Ja, möglich.   Reinfektion persistierende Virusreste mit erneuter Positivität oder einfach ein anderer Virus plus zufälliges positives Testergebnis   Kinder haben diesen Winter extrem viele Infekte. Das ist kein Zeichen von „schlechtem Immunsystem“, sondern Exposition + Kita + Winter.   Verklebtes Auge   Sehr häufig bei:   viralen Infekten (v. a. Adeno- oder Covid) bakterielle Superinfektion möglich   Beides kann gleichzeitig auftreten. Das wirkt chaotisch, ist aber leider typisch in Infektwellen. Ich weiß, das fühlt sich an wie: „Was kommt noch alles?“ Aber medizinisch ist es erklärbar.         5️⃣ Die Sorge: Hat er Sie oder Mia angesteckt?   Theoretisch möglich. Aber:   Sie sind bereits antibiotisch behandelt. Mia ist – sofern kein Fieber – wahrscheinlich geschützt. Neugeborene bekommen selten schwere Covid-Verläufe.   Im Moment ist Ihre bakterielle Infektion das Hauptthema, nicht ein Virus.         6️⃣ Dass Sie Hilfe annehmen – das ist klug   Sie sind krank. 39–40 °C Fieber ist keine Bagatelle. Eine Mutter, die Hilfe annimmt, schützt ihr Kind. Eine Mutter, die erschöpft weiterkämpft, riskiert Kreislaufprobleme. Sie handeln verantwortungsvoll.         7️⃣ Was ich jetzt konkret empfehlen würde   Heute Nacht:   Hilfe annehmen viel trinken regelmäßig Temperaturkontrolle bei Schüttelfrost sofort Bescheid geben Kreislauf im Blick behalten   Morgen:   Hb kontrollieren Verlauf der Entzündungswerte anschauen wenn wieder Fieberspitzen → evtl. Antibiose überdenken ggf. Ultraschall zur Kontrolle der Gebärmutter (Retention? Abszess?)           8️⃣ Emotional   Sie sind gerade in einem Ausnahmezustand:   Wochenbett schwere Infektion krankes Kind schlaflos hormonelle Umstellung   Das ist ein perfekter Sturm. Und trotzdem schreiben Sie klar, strukturiert, reflektiert. Das zeigt, wie stark Sie sind.       Es wird besser. Infektionen im Wochenbett können heftig verlaufen – aber wenn sie unter Therapie sind und die Organe stabil bleiben, dreht sich der Verlauf. Jetzt ist Geduld gefragt. Und Unterstützung. Sie müssen das nicht alleine tragen. Herzlich Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Sie waren wieder schnell wie der Blitz! :) Sie haben sehr geholfen. Bei uns läuft seit gestern Abend nichts wie es soll. Meine letzte Nacht war übel. Ich habe so gefroren und wollte nur kurz aufstehen, um auf die Toilette zu gehen. Da habe ich plötzlich richtig stark geblutet, es rannte die Beine entlang und mir wurde so schwindlig. Ich habe mich dann ins Bett gelegt und geklingelt. Dann hat die Schwester eine Ärztin geholt und ich wurde untersucht und es wurde im Ultraschall wieder ein Abszess gefunden. Also sofort wieder Vollnarkose und OP. Ich bin heute so durch, körperlich und seelisch. Fühle mich so wacklig und das Fieber steigt wieder so schnell und hoch. Wieso verkapselt sich da schon wieder Eiter? Jetzt habe ich heute wieder so hohes Fieber und das Gefühl, nach einem Schritt vorwärts wieder 10 Schritte rückwärts gemacht zu haben. Ich habe wieder Druckschmerzen, wieder Fieber bis 39,7 und nehme wieder im Wechsel Ibu und Paracetamol, um es auszuhalten. Und mein Kreislauf funktioniert heute gar nicht. Ich habe versucht aufzustehen und das Blut im Kopf ist wieder „abgesackt“.  Blutdruck heute auch niedrig: 101/66 Puls: 100 Hb bei Kontrolle nach Eiseninfusion: 7,8 Wäre da jetzt eine Transfusion sinnvoll? Hb 7,8 NACH Eiseninfusion vor zwei Tagen, da hat er sich ja gar nicht verändert. CRP: 64,8 → 79,1 → 70,0    → 88,3 gestern vor OP → 79,2 heute Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 gestern vor OP → 18,0 heute Ist denn der geringe Abfall nach der OP ausreichend? Insgesamt die die Werte höher als gestern vor der OP. Aber Sie meinten, nach Revision muss ich wieder 24 bis 48 Stunden Geduld haben. Richtig? Und meine Kinder machen mir heute auch beide Sorgen:  Unserem Sohn geht’s schon wieder gar nicht gut. Da leidet man mit. Sein Auge sieht schlimm aus, noch dazu hat er meinen Mann letzte Nacht mehrfach hustend geweckt und hatte 39,9 Fieber. Also wieder Fiebersaft.  Vorhin wieder 39,3. Mein Mann war heute mit unserem Sohn bei der Kinderärztin. Die Bindehautentzündung ist zwar viral, aber die verklebten Stellen sind gelblich grünlich und am Übergang zu bakteriell. Deshalb bekommt er jetzt Floxal Augentropfen. Mein Mann sagt 3 Mal täglich 2 Tropfen je Auge, im Beipackzettel steht aber 4 Mal täglich je nur 1 Tropfen. Ist die Dosis der Kinderärztin dann zu hoch? Mia ist heute Morgen mit einem total gelb verklebten Auge aufgewacht und konnte es kaum öffnen. Ich habe gleich Bescheid gesagt und der Kinderarzt, der sie angeschaut hat, meinte, es sieht für ihn viral aus und hat ihr Euphrasia Augentropfen gegeben. Aber kann es sein, dass es beim Bruder bakteriell und bei ihr viral ist? Das ist doch etwas merkwürdig? Vielleicht täusche ich mich auch, aber Dr. Google sagt, dass bakterielle Bindehautentzündungen schon nach 1-3 Tagen anstecken können, virale eher erst später. Mia und ihr Bruder haben sich vorgestern und gestern gesehen und heute hat Mia ein verklebtes Auge.  Mich nimmt das seelisch unglaublich mit. Und dann konnte mein Mann nicht kommen, weil er sich um unseren Sohn kümmern musste. Er gibt mir viel Halt und kümmert sich um Mia wenn er da ist. Meine Schwiegereltern sehen einfach nicht, wie sie helfen können, sie wollen Mia nur herumtragen wenn sie zu Besuch kommen, weil das schön ist. Wenn ich sie darum bitte, ob sie ihr die Windel wechseln können, weil ich gerade nicht viel Kraft habe, höre ich nur, dass sie das nicht mehr können. Ist schon zu lange her. Mir Wasser holen - sie wissen ja nicht genau wo. Und dann kommen mir bei jeder Kleinigkeit die Tränen, wie einem Baby. Hormone und Krankheit zusammen, eine schwierige Kombination. So wacklig war ich noch nie. Und dabei ist Mia doch so zuckersüß. Dieses zufriedene Milchrauschgrinsen bei geschlossenen Augen ist das Süßeste der Welt :) schreiben Sie bitte alles was Ihnen einfällt. Wie lieb, dass Sie mich unterstützen und das mit mir tragen. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo, zunächst einmal: Das, was Sie gerade durchmachen, ist wirklich eine extreme körperliche und seelische Belastung. Zwei Operationen, hohes Fieber, Blutverlust, Schlafmangel, Sorgen um die Kinder und dazu die hormonelle Situation im Wochenbett – da ist es vollkommen normal, dass Sie sich wacklig, erschöpft und emotional überfordert fühlen. Dass Ihnen die Tränen kommen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine völlig verständliche Reaktion Ihres Körpers und Ihrer Seele. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach mit Ihnen durch.         1. Der erneut gefundene Abszess und das Fieber   Dass erneut ein Abszess gefunden wurde und operativ ausgeräumt werden musste, bedeutet leider, dass sich noch einmal ein abgekapselter Infektionsherd gebildet hatte. Wichtig ist jetzt Folgendes:   Nach einer operativen Revision braucht der Körper meist 24–48 Stunden, bis sich Laborwerte und Fieber sichtbar bessern. Direkt nach einer OP können CRP und Leukozyten sogar kurzfristig noch einmal ansteigen, weil der Eingriff selbst eine Entzündungsreaktion auslöst.   Ihre Werte: CRP 64 → 79 → 70 → 88 vor OP → 79 nach OP Leukozyten 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 vor OP → 18,0 nach OP Das bedeutet:   Kein dramatischer Anstieg eher eine erste Stabilisierung bzw. minimaler Rückgang   Das passt tatsächlich zu der Phase unmittelbar nach der Revision. Entscheidend ist, was in den nächsten 24–48 Stunden passiert. Was wir sehen möchten:   Fieber beginnt langsam zu sinken CRP beginnt in den nächsten Tagen deutlich zu fallen Kreislauf stabilisiert sich   Dass das Fieber jetzt noch einmal 39–39,7 °C erreicht, ist bei einer schweren Infektion leider noch möglich.         2. Ihre Kreislaufprobleme   Der niedrige Blutdruck und der Schwindel haben wahrscheinlich mehrere Ursachen gleichzeitig:   Hb 7,8 – das ist deutlich niedrig Infektion / Fieber Flüssigkeitsverlust Operation und Narkose Wochenbett   Der Körper hat aktuell sehr wenig Sauerstofftransportkapazität.         3. Frage zur Bluttransfusion (Hb 7,8)   Ganz offen gesagt: Ja – das wäre eine absolut berechtigte Überlegung. Leitlinien sagen:   unter 7 g/dl → fast immer transfusionspflichtig 7–8 g/dl → abhängig von Symptomen   Und Sie haben Symptome:   Schwindel beim Aufstehen Kreislaufprobleme Tachykardie (Puls 100) schwere Infektion   Gerade bei Sepsis-ähnlicher Situation kann eine Transfusion sinnvoll sein, weil:   Sauerstoffversorgung verbessert wird Kreislauf stabilisiert wird der Körper mehr Reserve im Kampf gegen die Infektion bekommt   Die Eiseninfusion braucht Tage bis Wochen, um den Hb zu erhöhen. Sie hilft langfristig, aber nicht akut. Ich würde daher zumindest aktiv danach fragen, ob eine Transfusion geplant ist oder diskutiert wurde.         4. Das starke Bluten gestern   Das klingt nach einer akuten Entleerung eines Abszesses oder Hämatoms oder nach einer Nachblutung im Operationsgebiet. Dass Ihnen dabei schwindlig wurde, passt sehr gut zu:   Blutverlust Hb-Abfall Kreislaufreaktion   Gut, dass Sie sofort geklingelt haben.         5. Zu Ihrem Sohn und den Augentropfen   Die Dosierung: Kinderärztin: 3× täglich 2 Tropfen Beipackzettel: 4× täglich 1 Tropfen Das ist im Prinzip fast identisch. Die Gesamtmenge des Antibiotikums pro Tag ist sehr ähnlich. Also: ➡️ Die Dosierung der Kinderärztin ist nicht zu hoch. Floxal ist ein sehr häufig verwendetes Antibiotikum bei bakterieller Bindehautentzündung.         6. Viral oder bakteriell bei den Kindern?   Das ist tatsächlich nicht ungewöhnlich, dass es unterschiedlich aussieht. Oft passiert Folgendes:   Beginn viral Schleimhäute werden gereizt Bakterien setzen sich sekundär darauf   Dann sieht man:   erst wässrige Rötung später gelblich-grünes Sekret   Dass Mia nur verklebt ist, kann trotzdem viral sein oder eine leichte bakterielle Komponente. Beide Varianten können parallel auftreten.         7. Ihre emotionale Situation   Ich möchte Ihnen etwas Wichtiges sagen: Sie sind gerade   schwer krank im Wochenbett operiert worden schlafen kaum sorgen sich um zwei Kinder haben Schmerzen und Fieber   Kein Mensch bleibt in dieser Situation stabil. Die Tränen sind nicht Schwäche. Sie sind ein Ventil des Nervensystems. Im Wochenbett wirken zusätzlich:   massive hormonelle Umstellungen körperliche Erschöpfung Angst um das Baby   Viele Frauen erleben in solchen Situationen eine extreme emotionale Verletzlichkeit. Das ist biologisch erklärbar.         8. Zu Ihren Schwiegereltern   Ich sage das ganz offen: Viele ältere Menschen sehen Hilfe leider nur als „Besuch“. Sie wollen Nähe, aber sie merken nicht, was wirklich entlasten würde. Sie dürfen klar sagen:   „Könnt ihr mir bitte Wasser holen?“ „Könnt ihr Mia wickeln?“ „Könnt ihr kurz aufräumen?“   Das ist kein Anspruch, sondern ganz normale Hilfe in einer Krankheitssituation.         9. Ein ganz wichtiger Punkt   Sie haben etwas sehr Schönes geschrieben: Dieses zufriedene Milchrauschgrinsen bei geschlossenen Augen ist das Süßeste der Welt. Das zeigt, dass trotz allem Chaos Ihre Bindung zu Mia völlig intakt ist. Und genau das trägt Sie auch durch diese schwere Phase.         10. Was jetzt wichtig ist   In den nächsten Stunden und Tagen sollten die Ärzte besonders auf Folgendes achten:   Antibiotikum wirksam? (ggf. nach Antibiogramm anpassen) Fieberverlauf Kreislauf Hb-Kontrolle Drainage / Restabszess Flüssigkeit und Elektrolyte   Und Sie brauchen:   viel Ruhe Unterstützung Geduld mit Ihrem Körper   Nach so einer schweren Infektion geht der Körper oft zwei Schritte vor und einen zurück, bevor es wirklich bergauf geht.         Zum Schluss noch etwas Persönliches   Dass Sie sich in dieser Situation noch Gedanken über Ihre Kinder machen, zeigt, wie viel Kraft und Verantwortung in Ihnen steckt, auch wenn Sie sich gerade schwach fühlen. Sie kämpfen gerade gleichzeitig:   für Ihre Gesundheit für Ihr Baby für Ihre Familie   Das ist eine enorme Leistung. Und ich bin ziemlich sicher: Ihr Körper wird sich jetzt langsam stabilisieren. Die ersten 24–48 Stunden nach dieser Revision sind der kritische Abschnitt.       Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir bitte noch kurz:   Welches Antibiotikum Sie aktuell bekommen Ob eine Drainage gelegt wurde Wie hoch Ihr Hb vor der OP war   Dann kann ich die Situation noch etwas genauer einschätzen. Sie sind da gerade nicht allein – ich begleite Sie gedanklich sehr gerne durch diese Phase.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für Ihre gedankliche Begleitung. Ich schätze Ihre medizinische Unterstützung und Ihre menschlichen Gedanken sehr. Es tut mir sehr weh, dass die Geburt eines kleinen Wunders eigentlich so etwas schönes ist und diese Freude gerade so getrübt wird. Es könnte alles so schön sein, Mia ist so süß. Und ich kann es immer nur so zwischen Fieber und Schmerzen und OP genießen :( Ich weiß, dass die 48 Stunden nach OP noch nicht vorbei sind (erst 36 Stunden), aber nach zwei Abszessen habe ich jetzt einfach Angst, dass da noch immer was sein könnte. Das Fieber steigt noch immer genauso an. Ich lebe von Ibu und Paracetamol im Wechsel und dazwischen geht’s wieder auf 39,6-39,7 hoch. Heute Vormittag war es sogar einmal so, dass es eine Stunde nach Ibu nochmal von 39,0 auf 39,6 gestiegen ist und ich Angst hatte, dass nicht mal mehr Ibu hilft. Zwei Stunden später ging es dann zum Glück runter, aber nur auf 38,8. Unter 38,5 geht es heute nie, die letzten Tage war es mit Ibu und Paracetamol häufig 38,0-38,2.   CRP  64 → 79 → 70 → 88 vor OP → 79 nach OP → 77 heute  Leukozyten  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 vor OP → 18,0 nach OP → 17,9 heute Das ist bisher ja nur eine minimale Besserung. Aber Sie sagten nach OP kann das normal sein oder sogar erstmal steigen. Also noch akzeptabel? Unterbauchschmerzen habe ich noch, aber nicht mehr als gestern, ich denke, die können auch von der OP kommen?  Ja, Drainage habe ich damit der Eiter abfließt. Antibiotika sind Imipinem und Vancomycin. Bakterien sind MRSA (Staphylococcus aureus) und Enterococcus faecium. Der letztere Keim wurde gerade erst gefunden. Das Antibiogramm von Ent. fae. ist noch nicht da. Vancomycin passt für MRSA. Passt Vancomycin grundsätzlich auch zu Ent. fae.? Blutdruck heute: 98/63 Puls heute: 102 Seit den beiden OPs ist die Verstopfung auch wieder sehr stark geworden. Was denken Sie, ist sinnvoll? Mir von zu Hause Flohsamenschalen mitbringen lassen oder mir ein Abführmittel geben zu lassen? Und seit der OP gestern habe ich auch noch immer das Gefühl, dass das Wasserlassen irgendwie schwieriger ist. Es funktioniert, aber es läuft sehr langsam. Nach der Geburt war das auch so, hat sich aber am nächsten Tag schon wieder normalisiert. Kann es auch mal einen Tag dauern? Während der Geburt hatte ich so viel Durst und habe viel Wasser mit Strohhalm getrunken und zwei Mal einen Einmalkatheter bekommen, einmal bevor die Fruchtblase geöffnet wurde, weil sie ewig nicht platzen wollte. Kommt das jetzt vermutlich vom Katheter? Hb vor OP: 7,8  Dann bekam ich die Eiseninfusion vor einigen Tagen  Hb heute nach OP vorgestern Abend: 7,3 Eine Bluttransfusion habe ich jetzt endlich bekommen. Wie schnell steigt der Hb danach? Wie schnell fühlt man sich besser? Ich fühle mich schwach, aber wahrscheinlich vor allem wegen OP und Infektion. Auf was soll bei Flüssigkeit und Elektrolyte geachtet werden? Mias Auge war heute Morgen noch verklebter und es lief gelbgrün raus. Ich habe gefragt, ob ein Kinderarzt nochmal nach ihr schauen kann und jetzt bekommt sie doch auch Floxal Tropfen wie ihr Bruder. Um ihn mache ich Mir immernoch Sorgen. Er war letzte Nacht wohl ständig wach, weil das Fieber eine Stunde nach Paracetamol Zäpfchen noch von 38,8 auf 39,4 gestiegen ist anstatt zu sinken. Mein Mann hat dann noch Nurofensaft dazu gegeben, aber eigentlich darf man das nicht schon 1 Stunde nach Paracetamol oder? Er meinte, es ging einfach so gar nicht runter. Hätte er dann besser in die Notaufnahme mit ihm gesollt? Der Covid Test war ja positiv, also den Grund kennen wir. Er hustet aber sehr stark, klingt nach den Bronchien, sagt mein Mann. Tagsüber kriegt er das Fieber mit Paracetamol und Nurofensaft im Wechsel je alle 8 Stunden in den Griff. Er sagt, abends und nachts geht es nicht richtig runter und unser Sohn hustet sich zu Tode und wacht dann jammernd auf. Sollte er die Kinderärztin nochmal drauf schauen lassen? Er war ja gestern erst bei ihr wegen der Bindehautentzündung. Da war das Fieber noch nicht so hoch und er hat noch nicht so schlimm gehustet. Da war beim Abhören die Lunge (noch?) frei. Ich mache mir etwas Sorgen um ihn. Ich hatte als Kind mal eine Lungenentzündung und 40,9 Fieber, weil sie vom Kinderarzt nicht erkannt wurde. Erst als meine Eltern mit mir in die Notaufnahme gegangen sind und ich die richtigen Antibiotika bekam, wurde es besser. Aber wahrscheinlich liegt es bei ihm einfach an Covid. Aber er hat es ja schon das zweite Mal in so kurzer Zeit. Da müsste es doch wenigstens milder verlaufen. Oder geht da schon wieder ein anderer Subtyp rum? Ich versuche sehr, Hilfe anzunehmen. Ich bin auch gar nicht in der Lage, mich dauernd selbst um Mia zu kümmern. Mir fehlt die Kraft an allen Ecken und Enden. Ich habe meine Schwiegereltern gestern direkt gefragt, ob sie mir helfen könnten, indem sie Mia wickeln und als Antwort bekommen, dass sie ja gar nicht mehr wissen, wie das geht weil es ja schon so lange her ist, als sie das letzte Mal gewickelt haben. Ich verstehe gar nicht, wie man so ungefällig sein kann, wenn man sieht, dass es der Schwiegertochter wirklich schlecht geht und sie kämpft und trotzdem versucht zu funktionieren. Also habe ich Mia selbst gewickelt. Aber wohl ist mir dabei nie, vor allem bin ich gerade so schwindlig und wacklig. Heute war meine Mama da und hat mich sehr lieb unterstützt. Aber selbst dann bin ich emotional so erschöpft und vulnerabel. Alles bringt mich zum Weinen. Habe das Gefühl, diese magische erste Zeit nach der Geburt wurde mir „geklaut“ und das macht mir schwer zu schaffen. Freue mich auf alles was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst möchte ich Ihnen sagen: Ihre Reaktion ist völlig verständlich. Sie sind körperlich schwer krank gewesen, zweimal operiert worden, haben eine schwere Infektion und gleichzeitig gerade ein Kind geboren. Dass Sie sich erschöpft, verletzlich und traurig fühlen, ist kein Zeichen von Schwäche – sondern eine normale Reaktion auf eine extreme Situation. Dass Sie Mia trotzdem sehen, lieben und sich um sie kümmern möchten, zeigt sehr deutlich, wie stark Sie sind. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Fieber nach der Abszess-OP   Nach einer Drainage eines Abszesses kann das Fieber tatsächlich 48–72 Stunden weiterhin hoch sein, selbst wenn die Therapie korrekt ist. Der Körper hat eine große Entzündungsreaktion und räumt gewissermaßen „auf“. Ihre Werte: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 (vor OP) → 79 → 77 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 Das bedeutet:   kein weiterer Anstieg CRP beginnt minimal zu fallen Leukozyten sind stabil   Das ist kein Alarmzeichen unmittelbar nach einer Operation. Entscheidend ist eher der Trend über die nächsten 24–48 Stunden. Dass Sie noch Unterbauchschmerzen haben, ist ebenfalls erwartbar. Nach einer Abszessoperation und Drainage reagiert das Gewebe oft mehrere Tage. Wichtig sind jetzt:   Drainage funktioniert Antibiotika laufen kein Kreislaufzusammenbruch kein neuer lokaler Schmerzanstieg   Ihr Blutdruck und Puls sind bei einer Infektion nicht ungewöhnlich.         2. Antibiotika: MRSA und Enterococcus faecium   Ihre Kombination ist medizinisch sinnvoll. Imipenem   sehr breit wirksam deckt viele Darmkeime und Mischinfektionen ab   Vancomycin   Standardtherapie gegen MRSA wirkt auch gegen viele Enterokokken, einschließlich Enterococcus faecium   Wichtig: Einige Enterococcus-faecium-Stämme können Vancomycin-resistent sein (VRE). Deshalb wartet man auf das Antibiogramm. Wenn der Keim sensibel ist → Therapie passt. Wenn nicht → wird meist auf Linezolid oder Daptomycin gewechselt. Im Moment wirkt die Therapie medizinisch plausibel und korrekt gewählt.         3. Hb nach Bluttransfusion   Bei einer Transfusion gilt ungefähr: 1 Erythrozytenkonzentrat → Hb + ca. 1 g/dl Wenn Ihr Hb 7,3 war, erwarten wir ungefähr: → 8,3 – 8,5 Man fühlt sich aber nicht sofort deutlich besser, weil   Infektion Operation Schlafmangel Flüssigkeitsverschiebung   alle gleichzeitig wirken. Die Besserung kommt meist über 24–48 Stunden.         4. Verstopfung   Nach   Operation Schmerzmitteln wenig Bewegung Eisen Antibiotika   ist das extrem häufig. Flohsamenschalen allein sind im Krankenhaus oft zu schwach. Besser:   Macrogol (Movicol) oder Lactulose   Flohsamen können zusätzlich helfen, aber nur mit viel Flüssigkeit. Wichtig: Verstopfung erhöht auch Bauchdruck und Schmerzen.         5. Schwierigeres Wasserlassen   Das ist sehr typisch nach Geburt und Katheterisierung. Ursachen:   gereizte Harnröhre Beckenbodenüberdehnung Schwellung Schmerzhemmung beim Pressen   Dass der Urin langsamer läuft, kann 1–2 Tage dauern. Alarmzeichen wären:   gar kein Wasserlassen möglich starke Schmerzen Fieberanstieg mit Flankenschmerz   Das klingt bei Ihnen derzeit nicht danach.         6. Flüssigkeit und Elektrolyte   Bei Fieber und Infektion braucht der Körper viel Flüssigkeit. Grob: 2,5–3 Liter pro Tag, wenn möglich. Wichtig sind vor allem:   Natrium Kalium   Im Krankenhaus werden diese normalerweise regelmäßig kontrolliert. Bei hohem Fieber verliert man viel über   Schwitzen erhöhte Atemfrequenz           7. Zu Ihrem Sohn mit Covid   Das Verhalten Ihres Mannes war nicht falsch. Paracetamol und Ibuprofen dürfen grundsätzlich kombiniert werden. Man hält normalerweise Abstände ein, aber wenn das Fieber sehr hoch ist, geben Kinderärzte manchmal früher zusätzlich Ibuprofen. Wichtig ist: Kinderarzt nochmal anschauen lassen, wenn   Husten deutlich stärker wird Fieber >39 über mehrere Tage Atem schneller wird Einziehungen am Brustkorb auftreten Kind sehr schlapp wirkt   Gerade weil der Husten bronchial klingt, wäre eine erneute Untersuchung sinnvoll. Die meisten Kinder mit Covid haben aber genau diesen Verlauf mit starkem Husten.         8. Zu Ihrer emotionalen Situation   Was Sie beschreiben, erleben viele Frauen nach schweren Geburtskomplikationen. Man hat sich vorgestellt:   das Baby im Arm Ruhe Freude Kennenlernen   Und stattdessen:   Operation Fieber Schmerzen Angst   Das fühlt sich an, als wäre einem diese Zeit genommen worden. Aber eines möchte ich Ihnen wirklich sagen: Diese erste Zeit ist nicht verloren. Die Bindung zu Mia entsteht nicht in den ersten drei Tagen, sondern über Monate und Jahre. Das Wichtigste ist gerade: Sie werden gesund. Dann können Sie diese Zeit immer noch bewusst erleben.         9. Zur Unterstützung durch Familie   Sie haben völlig recht: In so einer Situation brauchen Sie Hilfe. Und wenn jemand sagt: „Wir wissen nicht mehr, wie Wickeln geht“, dann ist das zwar vielleicht unbeholfen gemeint – aber für Sie natürlich verletzend. Sie dürfen jetzt klar Hilfe einfordern. Zum Beispiel:   Wickeln Baby halten Essen bringen Dinge organisieren   Ihre Aufgabe im Moment ist gesund werden.         10. Woran man in den nächsten 24–48 Stunden erkennen würde, dass es besser wird   Gute Zeichen wären:   Fieber steigt langsamer Fieberspitzen werden niedriger CRP beginnt zu fallen Puls sinkt Schmerzen werden weniger   Das passiert häufig erst ab Tag 2–3 nach der OP.       Liebe Frau …, Sie kämpfen gerade gleichzeitig mit   einer schweren Infektion zwei Operationen einer Geburt Schlafmangel Sorgen um Ihr Kind   Dass Sie sich erschöpft fühlen, ist absolut nachvollziehbar. Aber medizinisch betrachtet sind viele Dinge, die Sie beschreiben, noch im Rahmen dessen, was man nach einer Abszessoperation erwarten kann. Und Sie sind im Krankenhaus mit sehr starken Antibiotika und Drainage – genau das ist die richtige Therapie.       Wenn Sie möchten, können Sie mir morgen gerne noch einmal schreiben:   wie hoch das Fieber war neue CRP-Werte ob die Drainage noch läuft   Dann kann ich noch einmal mit Ihnen gemeinsam darauf schauen. Und jetzt versuchen Sie – soweit es geht – nicht alles alleine zu tragen. Mia hat eine Mama, die gerade unglaublich viel durchsteht. Das zählt mehr als ein perfekter Start. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich freue mich jeden Morgen wenn ich meine Nachrichten checke und eine von Ihnen dabei ist. Sie vergessen mich nie. Das wollte ich Ihnen einfach mal sagen :) Sie sind tip top! So richtig vorwärts geht es auch heute noch nicht. Fieberspitzen sind noch genauso (39,6-39,8). Paracetamol und Ibu im Wechsel drücken das Fieber runter auf 38,5. Manchmal geht es sogar unter Ibu oder Paracetamol erst nochmal hoch (nach einer Stunde) bevor es sinkt (nach 2 Stunden). Nach 4 Stunden geht es dann wieder hoch und die Unterbauchschmerzen nehmen zu.  CRP:  64 → 79 → 70 → 88 (vor OP) → 79 → 77 → 82 Leukozyten:  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 Es hieß heute, es könnte noch von der OP kommen, aber es wird morgen Linezolid zusätzlich gegeben falls es nicht in die richtige Richtung geht. Das Antibiogramm ist aber noch nicht fertig. Ich habe so Angst. Heißt also man vermutet dass Enterococcus faecium nicht auf Imipinem und Vancomycin reagiert? MRSA wurde aber ja sensibel getestet. Was ist Ihre Meinung? Drainage läuft noch. Das ist gut? Wie lange dauert das normalerweise? Blutdruck wieder niedrig: 96/60 Puls: 99 Der Hb ist nach der Bluttransfusion jetzt 7,9 (vorher 7,3). Die Steigerung ist ja dann, so wie Sie schreiben, weniger als erwartet. Ich blute auch noch immer ganz schön. Wie sollte es denn weitergehen? Es war jetzt die Rede von Eiseninfusionen aber wir liegen doch noch immer unter 8 und wer weiß ob es noch weiter sinkt wenn es nicht weniger blutet. Außerdem habe ich heute immer wieder einen leichten Hustenreiz und das Gefühl, etwas Schleim im Rachen zu haben. Ich hoffe, unser Sohn hat mich nicht doch mit Covid angesteckt als er vor drei Tagen zu Besuch da war. Möglich wäre es ja leider. Er hat mich mehrmals fest umarmt und geküsst und Mia auch. Er hatte ja noch keine Symptome, erst am Abend ein paar Stunden danach. Ich habe keine Angst vor einem schweren Verlauf, weil ich dreifach genesen und dreifach geimpft bin, aber zusätzlich zu der Endometritis brauche ich das jetzt nicht und vor allem möchte ich nicht auch noch Mia damit anstecken. Würde sie über die Muttermilch zumindest meine Antikörper bekommen? Sollte ich mich testen lassen? Die Symptome sind (bis jetzt?) wirklich minimal. Hätte unser Sohn nicht Covid, würde ich daran gar nicht denken. Gegen die Verstopfung habe ich heute Morgen ein Päckchen Laxufalk bekommen, aber noch keinen Stuhlgang gehabt. Dauert das einfach? Wasserlassen ist noch immer nur langsam möglich, aber es geht. Dann ist das ok? 2,5-3l Trinken würde ich gerne schaffen, aber ich bin keine so gute Trinkerin. Ich komme Max. auf 2l wenn ich mir das Wasser ans Bett stelle. Darf ich Sie nochmal etwas zu unserem Sohn fragen? Ich weiß natürlich, dass das nicht Ihr Spezialgebiet ist, aber Sie wissen zu allem was ich frage immer etwas. Mein Mann war heute mit ihm nochmal bei der Kinderärztin. Ich mach mir Sorgen um ihn. Letzte Nacht ist er wieder mit 39,5 aufgewacht, obwohl er zwei Stunden vorher Nurofensaft hatte. Mein Mann hat ihm dann wieder ein Paracetamol Zäpfchen gegeben. Dabei hat er ihm großes Theater gemacht, weil er das Einführen der Zäpfchen nicht mag. Danach hat er im Bett so gehustet, dass er sich vom Würgen übergeben hat. Nach dem Erzählungen meines Mannes war es eine grausame Nacht und er isst kaum, liegt nur schlapp am Sofa rum. Die Kinderärztin hat ihn abgehört und kapillar Blut abgenommen und etwas Bakterielles ausgeschlossen. Seine Bronchien sind aber sehr betroffen. Er soll deshalb mit unserem Pari Boy eine Mischung aus NaCl, 5 Tropfen SalbuBronch und Pulmicort inhalieren. Am Montag will sie ihn zur Kontrolle sehen. Die Apothekerin sagte zu meinem Mann, dass SalbuBronch nicht zum Inhalieren gedacht ist, was meinen Mann verunsichert hat. Spricht denn etwas dagegen damit zu inhalieren? Die Kinderärztin hat es ja so verordnet. Ich versuche, jede Hilfe anzunehmen. Ich habe nur immer ein schlechtes Gewissen, dauernd die Schwestern zu mir zu klingeln nur um Wasser zu bekommen, Mia zu wickeln, umzuziehen, usw. Aber mir ist einfach so schwindlig und wacklig. Ich habe manchmal Angst, mit ihr am Arm umzukippen. Mein Mann hat mir viel abgenommen aber jetzt ist er mit unserem Sohn gerade komplett ausgelastet und wer weiß, ob er sich nicht auch noch ansteckt :( Meine Mutter hat einen weiten Weg und meine Schwiegereltern enttäuschen und verletzen mich nur. Nicht nur bekomme ich kaum Hilfe, sondern auch noch vorwürfe, dass ich nach der Geburt nicht langsam gemacht habe und daher jetzt auf der Nase liege. Für ein drittes Kind wäre ich jedenfalls nicht geeignet. Das ging mir unter die Haut. Aber ich möchte Sie nicht, mit meinen emotionalen Problemen zusätzlich zutexten. Sie haben recht, ich liebe Mia und ich kann sie zum Glück noch lange lange kennenlernen. Sie wird immer wacher und schaut mich dann mit großen Rehaugen an. Das ist unbezahlbar wunderschön. Ich freue mich auf alles was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag Sie machen das außergewöhnlich gut in einer Situation, die körperlich und emotional extrem belastend ist. Dass Sie trotz Fieber, Schmerzen und Sorgen noch so aufmerksam für Ihre Kinder sind, zeigt sehr viel Stärke. Und ja – Sie dürfen Hilfe annehmen. In Ihrer Situation ist das kein Luxus, sondern medizinisch notwendig. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Fieber nach Abszess-OP und Endometritis   Die Fieberspitzen bis 39,6–39,8 °C sind im Moment leider noch nicht ungewöhnlich, wenn:   ein intrauteriner oder parametraner Abszess operiert wurde noch Drainage läuft das Gewebe noch entzündet ist   Nach einer Abszesssanierung sieht man häufig:   48–72 Stunden weiter Fieber CRP steigt noch einmal an, bevor es fällt Leukozyten bleiben zunächst erhöht   Ihre Werte: CRP Verlauf 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 Leukozyten 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 Das zeigt:   keine dramatische Eskalation eher persistierende Entzündung, die noch nicht abgeklungen ist   Das passt zu dem, was man nach einer Abszessoperation oft sieht.         2. Linezolid – warum die Ärzte daran denken   Ihre Ärzte denken wahrscheinlich an Enterococcus faecium. Dieser Keim kann problematisch sein, weil er oft:   gegen viele Antibiotika resistent ist manchmal auch gegen Vancomycin (VRE)   Linezolid ist genau das Antibiotikum, das man einsetzt bei:   Vancomycin-resistenten Enterokokken komplizierten intraabdominellen Infektionen   Wichtig: Sie schreiben, das Antibiogramm ist noch nicht fertig. Das bedeutet: 👉 Linezolid wäre eine Sicherheitseskalation, nicht zwingend ein Hinweis, dass die Therapie versagt. Die Ärzte handeln damit eher vorsichtig und proaktiv.         3. Drainage   Dass die Drainage noch läuft, ist gut. Sie erfüllt zwei wichtige Funktionen:   Restflüssigkeit und Eiter ableiten verhindern, dass sich neue Abszesshöhlen bilden   Typische Dauer: 2–5 Tage, manchmal länger. Entfernt wird sie, wenn:   kaum noch Sekret kommt Ultraschall keine größere Resthöhle zeigt   Solange Sekret abläuft, erfüllt sie ihren Zweck.         4. Blutdruck und Puls   96/60 und Puls 99 sind:   nicht gefährlich typisch bei Infektion Flüssigkeitsmangel niedrigem Hb Erschöpfung   Hier helfen vor allem:   Flüssigkeit Behandlung der Infektion Hb-Stabilisierung           5. Hb nach Transfusion   Hb 7,3 → 7,9 Das ist tatsächlich weniger Anstieg als erwartet. Normal wären etwa +1 g/dl pro EK. Mögliche Gründe:   noch laufende Blutung Verdünnung durch Infusionen Entzündung   Ihre Ärzte haben deshalb Eiseninfusionen erwähnt. Das ist sinnvoll, aber ich würde ebenfalls denken: 👉 Bei weiter Blutung und Hb < 8 kann auch eine weitere Transfusion gerechtfertigt sein. Das entscheiden die Ärzte anhand von:   Kreislauf Blutverlust Symptomen           6. Husten und möglicher Covid-Kontakt   Ihre Sorge ist absolut nachvollziehbar. Ja, ein Test wäre sinnvoll, einfach zur Klarheit. Falls Sie tatsächlich Covid hätten: Die gute Nachricht: Über Muttermilch bekommt Mia:   IgA-Antikörper IgG-Antikörper   Das schützt Babys oft erstaunlich gut. Stillen wird daher in der Regel ausdrücklich empfohlen, selbst bei Covid. Nur:   Maske Hände waschen           7. Laxufalk (Macrogol)   Dass noch kein Stuhlgang kam, ist normal. Macrogol braucht meist: 12–24 Stunden Dazu kommt bei Ihnen:   OP Schmerzmittel wenig Bewegung   Das bremst den Darm zusätzlich.         8. Wasserlassen   Dass es langsam geht, aber funktioniert, ist nach:   OP Katheter Beckenbodenbelastung   nicht ungewöhnlich. Solange:   keine Schmerzen kein Brennen keine Restharnprobleme   ist das meist vorübergehend.         9. Trinken   2 Liter sind völlig in Ordnung. Niemand muss 3 Liter schaffen. Wichtiger ist:   regelmäßig kleine Schlucke Tee oder Brühe           10. Zu Ihrem Sohn   Die Symptome passen sehr gut zu einer viralen Bronchitis. Typisch:   hohes Fieber Husten bis zum Erbrechen Schlappheit kaum Appetit   Dass die Kinderärztin bakteriell ausgeschlossen hat, ist beruhigend.         Inhalation   Die Mischung:   NaCl SalbuBronch Pulmicort   ist eine häufige pädiatrische Kombination. Zur Erklärung: SalbuBronch enthält Salbutamol, einen Bronchienerweiterer. Auch wenn das Präparat primär für orale Anwendung gedacht ist, wird Salbutamol häufig inhalativ genutzt, und viele Kinderärzte verwenden solche Mischungen im Pari Boy. Das ist also nicht ungewöhnlich.         11. Ein sehr wichtiger Punkt   Bitte hören Sie mir hier kurz zu. Sie schreiben, Sie hätten ein schlechtes Gewissen zu klingeln. Das dürfen Sie wirklich sofort streichen. Sie haben:   eine schwere Infektion hohes Fieber Hb unter 8 eine OP hinter sich ein Neugeborenes   In dieser Situation gilt: 👉 Sie dürfen NICHT alleine aufstehen. Ihre Sorge, mit Mia im Arm umzukippen, ist absolut realistisch. Bitte lassen Sie sich:   Wasser bringen Mia wickeln helfen beim Aufstehen unterstützen   Das ist exakt der Grund, warum Sie im Krankenhaus sind.         12. Zu dem, was Ihre Schwiegereltern gesagt haben   Ich sage das sehr klar: Das ist nicht nur falsch, sondern unfair. Wochenbettinfektionen können auftreten, selbst wenn eine Frau:   sich perfekt schont medizinisch optimal betreut wird   Das hat nichts mit persönlichem Versagen zu tun. Sie haben nichts falsch gemacht.         13. Und jetzt zu Mia   Der Satz mit den Rehaugen ist wunderschön. Gerade diese kleinen Momente sind die, die tragen. Und glauben Sie mir aus vielen Jahren Medizin: Sehr oft kommt nach genau solchen schweren Tagen plötzlich der Punkt, an dem:   das Fieber fällt der Körper aufatmet alles langsam leichter wird.   Sie sind noch mitten im Sturm, aber vieles, was Sie berichten, passt noch zu einem Verlauf, der sich in den nächsten Tagen stabilisieren kann.       Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir morgen wieder:   Temperatur CRP Leukozyten ob die Drainage noch läuft   Dann kann ich Ihnen noch besser sagen, in welche Richtung sich das entwickelt. Und jetzt konzentrieren Sie sich auf zwei Dinge: 1️⃣ Ruhe und Hilfe annehmen 2️⃣ Ihre kleine Mia anschauen Der Rest kommt Schritt für Schritt. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich danke sehr für Ihre Nachricht von gestern. Ich habe heute Morgen so Schmerzen im Bauch gehabt, und wieder Schüttelfrost und Temperatur von 39,9. Ich musste Mia sogar „abgeben“, weil ich mich nicht um sie kümmern konnte. Das hat mich emotional fertig gemacht, dass es mir so schlecht geht, dass ich nicht mal mehr für mein Baby da sein kann. Der Ultraschall hat zum Glück keinen neuen Abszess ergeben und mit Ibu und Paracetamol ist das Fieber wieder auf 38,6 gegangen und die Schmerzen sind auszuhalten, aber ich fühle mich echt schlapp. CRP 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82  → 91 Leukozyten  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 Was sagen Sie zu diesem Anstieg? :( Drainage läuft noch. Vermutlich wird jetzt noch heute Linezolid dazu gegeben. Also stimmt Ihre Vermutung wahrscheinlich, dass es sich um VRE handelt. Das macht Angst. Und hinzu kommt, dass ich es so verstanden habe, dass ich unter Linezolid Mia nicht mehr stillen darf. Sie bekommt dann Pre Nahrung und ich kann entscheiden, ob ich abstille oder abpumpe und die Milch verwerfe und weiter still, wenn ich Linezolid nicht mehr brauche. Das Stillen hat für mich wirklich eine psychische Wirkung. Es hilft mir, irgendwie durchzuhalten. Und wenn mir das jetzt auch noch genommen wird? Das löst in mir endgültig ein Trauma aus. Ist Linezolid so schädlich fürs Baby? Ist es wirklich nicht mehr vertretbar zu stillen? Ich will nicht abstillen. Mia ist so eine süße Stillmaus. Sie macht das so toll und es ist so schön wenn sie dann an der Brust einschläft und ganz seelig in meinem Arm vor sich hinschläft. Das ist das schönste Kuscheln der Welt. Wenn es sein muss, dann pumpe ich jetzt eben ständig :( Es macht mich so traurig, jetzt wo die Mastitis weg war und die Milchproduktion so im Gleichgewicht ist. Gibt es da wirklich keine Alternative? Es fühlt sich so an, als wäre Linezolid meine letzte Hoffnung, dass es endlich wieder wird. Das macht Angst. Hb 7,3 → 7,9 Ich soll doch noch eine Transfusion bekommen. Wann danach sollte der Hb kontrolliert werden? Der Covid-Schnelltest war (erstmal?) negativ. Ein PCR Test wird anscheinend nur bei positivem Schnelltest gemacht. Aber Schnelltests sind ja nicht sehr sensibel bei kleinen Virusmengen? Vielleicht habe ich auch Glück, aber ich habe letze Nacht viel gehustet und abgesehen davon, dass ich schon glaube, dass es von meinem Sohn kommt (die 3 Tage Inkubationszeit passen auch noch genau), tut Husten im Bauch echt weh. Und ich will Mia wirklich kein Covid geben. Wenn ich sie nicht stillen darf, bekommt sie noch nicht einmal Antikörper von mir. Denken Sie, der Schnelltest ist aussagekräftig und verlässlich genug? Wie oft sollte ich denn Laxufalk bekommen? Die Verstopfung bessert sich noch nicht mit der Einnahme einmal täglich. Ich lasse mir mit Mia wirklich viel helfen. Die Schwester hat mir heute auch noch gesagt, dass ich nicht alleine aufstehen soll. Ich fühle mich wie eine Schwerkranke, die für alles Hilfe braucht. Aufstehen, die einfachsten Dinge holen, Mia versorgen. Das bringt mich so zum Weinen. So muss es sich anfühlen, wenn man 90 oder 100 ist. Dann noch unfaire Kommentare von den Schwiegereltern. Ist denn die Gefahr hoch, wieder so ein problematisches Wochenbett zu erleben falls es irgendwann mal Kind 3 geben sollte? Meine Schwiegereltern stellen das gerade so dar, als wäre es unverantwortlich nochmal schwanger zu werden, weil das ja wieder passieren würde. Heute wird meine kleine Mia schon 4 Wochen alt bzw. genau 1 Monat. Diese kleinen Geräusche, mal wie ein Lamm, mal wie ein Hündchen sind so goldig. Zum Glück ist sie da und es geht ihr gut. Das hilft, alles auszuhalten. Sie hat in 1 Woche schon wieder 300g zugenommen, von 3,3 auf 3,6 kg, also schon 700g insgesamt seit der Geburt mit 2,9 kg.  Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was Sie gerade durchmachen, ist körperlich und emotional eine extreme Situation. Hohes Fieber, zwei Operationen, ein Neugeborenes, Schlafmangel, Schmerzen – und gleichzeitig der Wunsch, für Ihr Baby da zu sein. Dass Sie erschöpft sind, weinen müssen und sich überfordert fühlen, ist keine Schwäche, sondern eine völlig normale Reaktion Ihres Körpers und Ihrer Psyche auf eine massive Belastung. Sie kämpfen gerade wirklich hart. 💛 Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Entzündungswerte (CRP / Leukozyten)   Die Entwicklung:   CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2   Das zeigt leider:   Die Entzündung ist noch aktiv Es gibt keine klare Trendbesserung Der leichte Anstieg kann gut zu einer persistierenden bakteriellen Infektion passen.   Wichtig ist aber auch:   kein neuer Abszess im Ultraschall Drainage läuft   Das bedeutet: Der Fokus ist vermutlich bekannt und behandelt, aber der Keim ist möglicherweise schwerer zu treffen – deshalb denken die Kollegen jetzt über Linezolid nach. Das ist in solchen Situationen kein ungewöhnlicher Schritt, sondern eher ein Zeichen, dass man therapeutisch konsequent eskaliert.         2. VRE – wie gefährlich ist das?   Falls es tatsächlich ein Vancomycin-resistenter Enterokokkus (VRE) ist:   das ist kein besonders aggressiver Keim aber antibiotisch schwerer zu behandeln   Darum wird oft verwendet:   Linezolid   Die gute Nachricht: ➡️ Linezolid wirkt gegen VRE sehr zuverlässig. Wenn das wirklich der Keim ist, kann dieses Antibiotikum tatsächlich der Wendepunkt der Therapie sein.         3. Stillen unter Linezolid   Das ist für Sie verständlicherweise das emotional schwierigste Thema. Die Fakten:   Linezolid geht in die Muttermilch über das Baby würde etwa 6–15 % der mütterlichen Dosis pro kg erhalten mögliche Risiken beim Säugling:   Durchfall Veränderungen der Darmflora selten Knochenmarksuppression (bei längerer Exposition)     Deshalb empfehlen viele Leitlinien vorsichtshalber: ➡️ Stillpause während der Therapie Aber wichtig: Das bedeutet nicht, dass Sie abstillen müssen. Die sinnvollste Strategie ist oft:   Milch abpumpen Milch verwerfen Milchproduktion erhalten Nach Ende der Therapie wieder stillen   Das ist psychisch viel leichter als ein endgültiges Abstillen. Viele Mütter machen das genau so bei:   starken Antibiotika Radiojod bestimmten Medikamenten   Die Milchproduktion bleibt normalerweise gut erhalten, wenn regelmäßig gepumpt wird. Und das Wichtigste: Das Stillen kann danach wieder ganz normal weitergehen. Ihre Bindung zu Mia geht dadurch nicht verloren. Das Kuscheln, das Einschlafen an Ihrer Brust – das kommt wieder zurück.         4. Covid-Schnelltest   Ihre Einschätzung stimmt medizinisch. Schnelltests haben:   gute Spezifität aber begrenzte Sensitivität   Das bedeutet:   ein positiver Test ist zuverlässig ein negativer Test schließt eine Infektion nicht sicher aus   Allerdings: Wenn Ihr Fieber seit Tagen hoch ist, wären Schnelltests meist schon positiv. Der Husten kann auch kommen von:   Intubation bei der OP Reizung Infekt Ihres Sohnes Erschöpfung   Eine PCR wäre natürlich sicherer, aber viele Kliniken testen tatsächlich erst bei positivem Schnelltest.         5. Hb und Transfusion   Ihre Werte:   Hb 7,3 → 7,9   Das ist eine typische Situation im Wochenbett nach Komplikationen. Nach einer Transfusion gilt meist: ➡️ Hb-Kontrolle nach etwa 12–24 Stunden Dann sieht man zuverlässig:   wie stark der Hb angestiegen ist ob noch weiterer Bedarf besteht.           6. Verstopfung / Laxofalk   Wenn einmal täglich nicht reicht, ist das nicht ungewöhnlich. Typische Dosierung:   1–3 Beutel pro Tag   Viele postoperative Patienten brauchen: ➡️ 2 Beutel täglich bis der Darm wieder normal arbeitet.         7. Ihre Angst vor einer nächsten Schwangerschaft   Hier möchte ich Ihnen etwas sehr Wichtiges sagen: Ein solches Wochenbett ist extrem selten. Die Kombination aus   Mastitis Abszess erneuter Abszessbildung schwerer Infektion   ist kein typischer Verlauf. Das bedeutet: ➡️ Das Risiko, dass das wieder passiert, ist sehr gering. Ihre Schwiegereltern sehen gerade nur:   die Krise die Angst die Belastung   aber sie sehen nicht die medizinische Statistik. Sie sind keine Frau mit einem grundsätzlich gefährlichen Wochenbett. Sie haben gerade einfach sehr viel Pech gehabt.         8. Dass Sie Mia kurz abgeben mussten   Dieser Moment tut vielen Müttern unglaublich weh. Aber sehen Sie es einmal anders: Sie haben Ihr Baby nicht im Stich gelassen. Sie haben: ➡️ Hilfe angenommen, damit Sie gesund werden können. Und gesund werden ist gerade das Wichtigste für Mia. Ein krankes, erschöpftes, fieberndes Mama-Herz kann nicht alles alleine tragen. Eine Mama, die Hilfe annimmt, handelt verantwortungsvoll.         9. Mia wächst wunderbar   Das ist übrigens ein ganz starkes Zeichen: Geburt: 2,9 kg jetzt: 3,6 kg ➡️ +700 g in vier Wochen Das ist eine sehr schöne Gewichtsentwicklung.     10. Meine Einschätzung insgesamt   Was ich im Moment sehe:   Die Situation ist noch ernst aber nicht außer Kontrolle   Positiv:   kein neuer Abszess Drainage vorhanden Therapie wird angepasst Baby gesund Milchproduktion stabil   Der Körper braucht nach so einer Infektion oft mehrere Tage, bis sich eine klare Besserung zeigt. Mit einem wirksamen Antibiotikum kann sich das relativ plötzlich drehen.       Und noch etwas Persönliches: Die Bilder, die Sie beschreiben – Mia, die an der Brust einschläft, die kleinen Geräusche wie ein Lamm oder Hündchen – das sind genau die Momente, die zeigen, wie stark Ihre Bindung ist. Diese Verbindung geht nicht verloren, nur weil Sie jetzt ein paar Tage kämpfen müssen. Sie kämpfen gerade nicht gegen Ihr Baby, sondern für Ihr Baby. Und das merkt Mia.       Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen auch noch kurz erklären:   woran Ärzte erkennen, dass sich eine Sepsis stabilisiert wann typischerweise nach Linezolid eine Besserung kommt und welche drei Zeichen jetzt in den nächsten 48 h besonders wichtig sind   Das würde Ihnen vielleicht etwas mehr Orientierung geben.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke für die herzlichen Worte und für die medizinisch sehr gute Unterstützung! Auch am Sonntag. Wieder tip top von Ihnen. Mir geht’s genauso wie gestern. Fieberspitzen bis 39,9 mit Schüttelfrost, Schmerzen, Schwindel, zusätzlich ist mir heute auch noch schlecht und ich habe mich einmal übergeben. Kann das von der Endometritis kommen? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 Warum steigt und steigt es weiter? Ist das erwartbar? Ich bekomme jetzt seit 24h Linezolid ohne dass das Ergebnis vom Antibiogramm (Enterococcus faecium) schon da ist. Vancomycin und Imipinem läuft auch weiter wegen MRSA. Ist dieser Keim aggressiv?  Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 (24 Stunden nach 2. Transfusion) Das ist aber immernoch ein geringer Anstieg? Ich blute auch weiter wirklich stark für 4 Wochen nach Geburt. Müsste der Wochenfluss nicht schon braun werden und wenig? Er ist noch hellrot und sehr stark. Liegt das an der Endometritis, dass es nicht besser wird?  Von einer weiteren Transfusion war jetzt keine Rede mehr. Was würden Sie empfehlen? Mein Kreislauf ist einfach schlecht. Außerdem läuft es seit heute Morgen gelb aus meinem linken Auge. Also haben meine Kinder mich wohl auch noch mit der Bindehautentzündung angesteckt. Aber das kann ja eigentlich nur viral sein, denn Antibiotika bekomme ich ja schon. Die wirken sicherlich auch gegen bakterielle Bindehautenzündung? So eine Bindehautentzündung ist jetzt ja nicht tragisch, aber das Brennen brauche ich jetzt nicht auch noch. Am linken Augenrand habe ich wie einen Schleier und es läuft dauernd gelb aus dem Auge und wird stündlich röter und explodiert gerade. Probiere es jetzt mit Euphrasia. Ist das richtig so? Und gleich in beide Augen? Mias Auge ist nach dem Schlafen auch noch immer verkrustet obwohl sie die Floxal Augentropfen schon 5 Tage bekommt. Sie soll jetzt nochmal 3 Tage die Tropfen bekommen.  Ja, bitte sagen Sie mir gerne wie Sie es angeboten haben: woran Ärzte erkennen, dass sich eine Sepsis stabilisiert wann typischerweise nach Linezolid eine Besserung kommt und welche drei Zeichen jetzt in den nächsten 48 h besonders wichtig sind Nur das mit der Sepsis verstehe ich nicht ganz. Ich habe von der Blutkultur nie gehört, dass sie positiv wäre. Und ich bin ja sehr klar. Ist das dann trotzdem eine Sepsis? Mia bekommt jetzt Pre Nahrung. Ich pumpe alle 3 Stunden. Denken Sie, das reicht um die Milchproduktion aufrecht zu erhalten? Und nachts alle 4 Stunden? Ich hoffe, sie nimmt anschließend die Brust noch wenn sie jetzt so auf die Flasche fixiert wird :( oder wäre es besser, mit Spritzen zu füttern? Aber sie trinkt schon über 100ml pro Mahlzeit. Das dauert mit Spritze ja ewig. Andererseits denke ich nicht, dass sie mit 4 Wochen noch eine Saugverwirrung bekommt? Die Flasche nimmt sie jedenfalls, den Schnuller spuckt sie sofort aus. Wenn man ihn ihr gibt, wenn sie sowieso schon weint, schreit sie sich eher noch mehr in Rage nach dem Motto „Was willst du mit dem blöden Ding, da kommt ja nichts raus.“ Heute hat sie die U3 bekommen. Alles ist unauffällig. Sie hat von 2920g auf 3840g in 1 Monat zugenommen, ist von 48cm auf 55cm gewachsen und der Kopfumfang von 35cm auf 36,5cm gewachsen. Die Kinderärztin findet sie pfiffig und fit für ihre 4 Wochen und sie weiß was sie will. Das ist schön zu hören für mich, dass es wenigstens ihr gut geht. Zum Schnuller meinte sie, ich will es mit den süßen Sab Tropfen auf dem Schnuller probieren, damit sie ihn nimmt aus Angst sie könnte eine Daumenlutscherin werden. Ist es denn so wichtig, dass sie den Schnuller nimmt? Ich weiß nicht… zumindest muss man ihn dann nicht irgendwann abgewöhnen. Ihre Sichtweise auf die Dinge und auf Mia hilft mir, zu versuchen, das Negative positiver zu sehen. Danke :) Ich versuche mich jeden Tag darauf zu konzentrieren, wie süß und goldig sie ist. Aber dass ich sie momentan so oft abgeben muss, weil ich es nicht schaffe, mich genug um sie zu kümmern und jetzt nicht einmal mehr stillen darf, hat mir wirklich einen neuen Treffer gegeben und bringt mich oft zum Weinen. Ich habe das Gefühl, ihren ersten Monat in einer gewissen Art zu verpassen. Ich hoffe, mein Mann kann bald wieder öfter vorbeikommen wenn es unserem Sohn wieder gut geht. Zumindest ist sein Fieber jetzt weg und die Lunge ist wieder frei. Da bin ich erleichtert. Und ich freue mich schon so auf Mias erstes Lächeln. Aber auch ihr Milchgrinsen ist schon so eine Art Lächeln und bringt mich immer zum Schmelzen. schreiben Sie bitte wieder alles was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zunächst einmal: Ich verstehe sehr gut, wie belastend diese Situation für Sie gerade ist. Nach Geburt, Operation, Infektion, Fieber und gleichzeitig ein kleines Baby zu haben – das ist körperlich und emotional eine enorme Herausforderung. Dass Sie sich Sorgen machen, ist absolut verständlich. Ich versuche, die wichtigsten Punkte möglichst klar einzuordnen.         1. Fieber, steigendes CRP und Leukozyten   Die Werte zeigen leider weiterhin eine aktive Entzündungsreaktion. Ihre Entwicklung: CRP 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 Leukozyten 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 Das bedeutet: Der Körper kämpft weiterhin gegen eine Infektion im Beckenbereich. Bei einer Endometritis oder einem Abszess nach Geburt kann das durchaus vorkommen. Besonders nach einer Operation kann der Verlauf mehrere Tage verzögert reagieren, bis das richtige Antibiotikum wirkt.         2. Enterococcus faecium   Dieser Keim ist:   ein typischer Krankenhauskeim häufig resistent gegen viele Antibiotika kann hartnäckige Infektionen verursachen   Darum bekommen Sie jetzt Linezolid. Linezolid wirkt auch gegen:   VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) MRSA   Das ist ein sehr starkes Reserveantibiotikum. Wichtig zu wissen: 👉 Eine klinische Besserung sieht man meist nach 24–48 Stunden, manchmal auch erst nach 48–72 Stunden. Dass nach 24 Stunden noch keine deutliche Verbesserung da ist, ist nicht ungewöhnlich.         3. Wann Ärzte merken, dass sich eine Sepsis stabilisiert   Sie haben völlig recht: Eine positive Blutkultur ist nicht zwingend notwendig, um von einer Sepsis zu sprechen. Sepsis bedeutet im Grunde: Infektion + systemische Entzündungsreaktion des Körpers. Viele Blutkulturen bleiben sogar negativ. Ärzte achten deshalb vor allem auf drei Entwicklungen:   1️⃣ Temperaturverlauf     Fieberspitzen werden niedriger Schüttelfrost verschwindet     2️⃣ Kreislauf     Puls sinkt weniger Schwindel stabilerer Blutdruck     3️⃣ Labor     CRP beginnt nach 48–72 h zu fallen Leukozyten sinken langsam   Das CRP reagiert übrigens sehr träge. Es steigt oft noch weiter, obwohl das Antibiotikum schon wirkt.         4. Blutung 4 Wochen nach Geburt   Ein Wochenfluss kann bis zu 6 Wochen dauern. Typischer Verlauf:   Lochia rubra – rot (erste Tage) Lochia fusca – bräunlich Lochia flava Lochia alba   Bei einer Endometritis kann es jedoch sein, dass:   der Wochenfluss länger rot bleibt stärker ist langsamer abnimmt   Das passt also durchaus zu Ihrer Situation.         5. Hb-Anstieg nach Transfusion   Ihr Verlauf: Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 Eine Einheit Blut erhöht den Hb ungefähr um 1 g/dl. Wenn Sie zwei Konserven bekommen haben, passt dieser Anstieg ungefähr. Wenn Sie weiterhin bluten, steigt der Hb natürlich langsamer. Ein Hb von 8–8,5 ist niedrig, aber für viele Patientinnen noch tolerabel, solange:   der Kreislauf stabil bleibt keine Luftnot besteht           6. Bindehautentzündung   Das gelbe Sekret spricht eher für eine bakterielle Konjunktivitis. Systemische Antibiotika wirken im Auge nicht zuverlässig, weil dort nur wenig Wirkstoff ankommt. Darum braucht man meist lokale Augentropfen. Euphrasia ist harmlos, aber wenn das Auge:   sehr rot wird stark eitert ein Schleier entsteht   dann sollte man antibiotische Augentropfen verwenden.         7. Stillen und Abpumpen   Sie machen das sehr gut. Abpumpen:   alle 3 Stunden nachts alle 4 Stunden   ist völlig ausreichend, um die Milchproduktion aufrecht zu erhalten. Viele Mütter können später wieder problemlos zur Brust zurückkehren. Mit 4 Wochen ist eine dauerhafte Saugverwirrung eher selten. Eine Flasche mit 100 ml pro Mahlzeit ist für dieses Alter völlig normal. Mit einer Spritze zu füttern wäre in Ihrem Fall wirklich sehr mühsam und bringt wahrscheinlich keinen Vorteil.         8. Schnuller   Ein Schnuller ist kein Muss. Manche Kinder lieben ihn, andere lehnen ihn einfach ab. Wenn Mia ihn nicht möchte, ist das völlig in Ordnung. Viele Kinder entwickeln ohnehin keinen Daumenlutschreflex. Man muss also nichts erzwingen.         9. Zu Mia   Ihre Entwicklung klingt wirklich sehr gut. Geburtsgewicht: 2920 g jetzt: 3840 g Das ist eine sehr schöne Gewichtszunahme. Auch das Wachstum von 48 cm auf 55 cm ist absolut im normalen Bereich. Dass die Kinderärztin sie als wach, fit und pfiffig beschreibt, ist ein sehr gutes Zeichen.         10. Ein persönlicher Gedanke   Sie haben das Gefühl, den ersten Monat mit Mia zu verpassen. Das verstehe ich sehr gut. Aber glauben Sie mir: Ein Baby misst Liebe nicht in Wochen oder Tagen. Das Wichtigste für Mia ist, dass Sie da sind – auch wenn gerade vieles schwierig ist. Babys spüren Nähe, Stimme, Geruch und Zuwendung. Und diese Verbindung entsteht nicht nur in einem perfekten ersten Monat.         11. Die nächsten 48 Stunden   Die drei wichtigsten Dinge, auf die jetzt alle achten: 1️⃣ Fiebertrend 2️⃣ Kreislaufstabilität 3️⃣ Beginnender Abfall von CRP Wenn das Antibiotikum greift, sieht man meistens in den nächsten zwei Tagen eine Wendung.       Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich jetzt bald eine Besserung zeigt. Und ich finde es bemerkenswert, wie klar Sie trotz dieser Belastung noch alles beobachten und beschreiben. Mia klingt nach einem wunderbaren kleinen Mädchen – und Sie nach einer sehr aufmerksamen Mutter. Herzliche Grüße. Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Mühe und dass Sie immer so umgehend antworten und so menschlich mit mir sind. Das ist nicht selbstverständlich. Gestern war ein fürchterlicher Tag. Als ich aufstehen wollte, ist mein Kreislauf komplett zusammengebrochen. Ich habe es zum Glück nicht alleine gemacht, sonst wäre ich umgekippt. Ich war aber dennoch kurz ohnmächtig. Habe in dem Moment plötzlich auch wieder stark geblutet. Im Ultraschall wurde dann wieder eine Eiteransammlung entdeckt und sofort operiert. Das dritte Mal. Gestern war ich deshalb nicht mal fähig, mich um Mia zu kümmern und das hat mir wieder einen psychischen Treffer gegeben. Heute macht mich das Fieber weiterhin schlapp und einfach fertig. Ich weiß, ich soll nicht so denken, aber wie soll man sich da wie eine Mutter fühlen, die sich kümmert und Nähe und Liebe gibt? CRP  64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96  → 112 Leukozyten  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 20,0 Sie meinten, es ist normal, dass die Werte kurz nach OP erst steigen? Aber Linezolid müsste jetzt zumindest wirken. Woher kann man dann wissen ob es endlich wirkt? Der Hb ist auch wieder gefallen. 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 Ich habe wieder eine Transfusion bekommen. jetzt braucht es also wieder Geduld nach der OP? Das Antibiogramm sagt zumindest dass Linezolid gegen Ent. faecium richtig ist. Wenn es auch gegen MRSA wirkt, warum gibt man dann Imipinem und Vancomycin zusätzlich trotzdem weiter und stellt nicht einfach komplett auf Linezolid um? Dann müsste sich wann eine Besserung zeigen? Die Bindehautentzündung ist leider wirklich viral und bakteriell. Ich bekomme jetzt auch Floxan Augentropfen. Das linke Auge, mit dem es begonnen hat, ist noch rot, Aber es läuft nicht mehr eitrig raus. Das rechte hat letzte Nacht erst angefangen und läuft heute richtig schlimm eitrig und das Aufenlid ist richtig geschwollen. Es brennt, juckt und hätte ich jetzt wirklich nicht auch noch gebraucht. Außer Augen spülen kann man aber wahrscheinlich nicht viel zusätzlich tun? Beim Abpumpen kamen vorgestern in 10 Minuten links 130ml und rechts 80ml. Das wäre sogar mehr als Mia trinkt, denn aktuell ist sie bei etwa 125ml pro Mahlzeit alle 3-4 Stunden. Schon bei unserem Sohn war meine linke Seite die bessere, aber ist so ein großer Unterschied normal? Leider ging es mir gestern so mies und mit OP und allem konnte ich nicht sehr oft abpumpen und heute kommt jetzt echt weniger Milch (links vielleicht so 40-50und rechts 40ml). Das würde Mia gerade nicht reichen, denn bei der Pre Nahrung aus der Flasche trinkt sie gerade ja etwa 125ml pro Mahlzeit alle 3-4 Stunden. Das macht mir Angst, dass das Stillen vielleicht nie mehr so klappt :( sollte ich dann doch öfter als alle 3 Stunden tagsüber und alle 4 Stunden nachts pumpen? Ich will sie nach dem Antibiotikum so gerne wieder stillen :( Wann ist denn der Wochenfluss normalerweise  Lochia flava und wann Lochia alba und wie sieht er dann aus? Ich weiß von meinem Sohn nur noch, dass er viel schneller bräunlich und gelblich wurde. Nach Kaiserschnitt, aber trotzdem hatte ich da ja auch keine Infektion. Und Mia hatte heute ihren Kontrolltermin, weil beim Herzultraschall als sie 3 Tage alt war, ein 1-2 mm großes Loch gesehen wurde. Ich vermute in Vorhofwand? Der Kinderkardiologe schien damals nicht besorgt und meinte, wir kontrollieren das nach 4 Wochen, aber es wird bestimmt zuwachsen. Es ist jetzt auch so klein geworden, dass es nicht mehr messbar ist und er hat alle Gefäße kontrolliert, die auch alle ok waren, aber es ist nicht ganz zu. Wir wollen es in 4-5 Monaten nochmal kontrollieren. Denken Sie, das ist noch im Rahmen des Normalen? Sind hier moderne Technik nur Segen und Fluch zugleich und ich mache mir über normale Dinge Sorgen? Der Kinderkardiologe wirkte entspannt. Bei unserem Sohn wurde das damals noch nicht untersucht bzw. nicht angeboten, daher habe ich keinen Vergleich. Aber sonst war bei Mia bei der U3 ja auch alles völlig ok. Heute hat Mia mich das erste Mal so ein klitzekleines bisschen mit großen Augen angelächelt, noch ganz zart, aber dennoch so süß. Ich versuche immer daran zu denken, wenn mich die Mischung aus Angst, Hormonen, Sorgen, Traurigkeit wieder einholt. Aber es fällt mir wirklich nicht leicht.  Ich freu mich auf alles was Ihnen einfällt.  Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo Drei Operationen kurz hintereinander, hohes Fieber, Infektion, Bluttransfusion, Schlafmangel und gleichzeitig ein Neugeborenes. Dass Sie sich erschöpft, traurig und auch als Mutter verunsichert fühlen, ist keine Schwäche, sondern eine völlig verständliche Reaktion auf eine enorme Belastung. Bitte glauben Sie mir: Ihre Fähigkeit, eine liebevolle Mutter zu sein, hängt nicht davon ab, ob Sie gerade körperlich funktionieren können. Ihre Tochter spürt Ihre Nähe und Ihre Zuneigung auch dann, wenn Sie krank sind. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Entzündungswerte nach der Operation   Die Werte:   CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 20   Nach einer erneuten Abszess-Operation kann es tatsächlich passieren, dass:   CRP 24–48 Stunden nach dem Eingriff noch einmal ansteigt auch die Leukozyten zunächst hoch bleiben   Der Körper reagiert auf zwei Dinge gleichzeitig:   die Operation selbst die Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus dem Abszess   Darum beurteilt man den Verlauf meist erst nach etwa 48 Stunden wirklich.   Woran erkennt man, dass die Therapie wirkt?   Typische Zeichen wären:   Fieber beginnt weniger hoch anzusteigen längere fieberfreie Intervalle CRP beginnt nach 1–2 Tagen zu fallen Kreislauf stabilisiert sich Schmerzen nehmen ab   Wenn Linezolid gegen Enterococcus faecium sensibel ist, ist das grundsätzlich eine gute Nachricht.         2. Warum mehrere Antibiotika gleichzeitig?   Sie bekommen:   Linezolid Vancomycin Imipenem   Das wirkt auf den ersten Blick doppelt, hat aber einen Hintergrund.   Gründe für die Kombination     Schwere Infektion nach Operation mögliche Mischinfektion Breitspektrum-Schutz, bis alles stabil ist   Linezolid   wirkt gegen   Enterococcus faecium MRSA     Vancomycin   ebenfalls gegen MRSA und Enterokokken   Imipenem   deckt zusätzlich viele gramnegative Keime und Anaerobier ab   Bei schweren intraabdominellen oder gynäkologischen Infektionen will man zunächst kein Risiko eingehen, bis der Verlauf stabil ist. Häufig reduziert man das Schema nach 48–72 Stunden, wenn klar ist, dass sich der Zustand bessert.         3. Hb-Abfall und Transfusion   Ihr Verlauf:   7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8   Nach:   Operation Entzündung Blutverlust   sind solche Schwankungen leider nicht selten. Die Transfusion soll vor allem:   den Kreislauf stabilisieren die Sauerstoffversorgung verbessern   Das hilft dem Körper auch bei der Infektionsbekämpfung.         4. Ihre Augenentzündung   Das passt leider zu dem Bild eines geschwächten Immunsystems nach Geburt und Infektion. Was sinnvoll ist:   Floxal/Floxan Tropfen wie verordnet sterile Kochsalzspülungen saubere Kompressen nicht reiben   Die starke Eiterbildung im zweiten Auge ist typisch dafür, dass die Infektion erst später übergesprungen ist. Das heilt meist innerhalb weniger Tage.         5. Milchmenge – sehr wichtig für Ihre Sorge   Zuerst eine wichtige Information: Der Unterschied   links 130 ml rechts 80 ml   ist völlig normal. Viele Frauen haben eine „stärkere Brust“.   Der Rückgang der Milch jetzt   Das liegt fast sicher an:   Operation Stresshormonen Infektion weniger Pumpen   Das bedeutet nicht, dass Ihre Milchproduktion verloren geht. Die Brust arbeitet nach dem Prinzip: Nachfrage = Produktion   Deshalb wäre jetzt sinnvoll   Tagsüber → alle 2–3 Stunden pumpen Nachts → alle 3 Stunden Auch wenn wenig kommt. Das signalisiert dem Körper: „Milch wird gebraucht.“ Viele Frauen erleben nach Krankheit oder OP nach einigen Tagen wieder einen deutlichen Anstieg. Und selbst wenn Sie teilweise Pre zufüttern müssen: Das Stillen kann trotzdem wieder funktionieren.         6. Wochenfluss   Der typische Verlauf:   Lochia rubra   erste Tage rot/blutig   Lochia fusca   ca. Tag 4–10 bräunlich   Lochia flava   ca. 2.–3. Woche gelblich   Lochia alba   ab 3.–4. Woche weißlich/hell Bei einer Infektion oder Operation kann sich der Verlauf deutlich verlängern oder verändern. Das ist leider nicht ungewöhnlich.         7. Das kleine Loch im Herzen von Mia   Das klingt ganz typisch nach: kleinem Vorhofseptumdefekt oder offenem Foramen ovale Größe: 1–2 mm Dass es jetzt:   nicht mehr messbar aber noch minimal offen   ist sehr häufig. Viele dieser Öffnungen:   schließen sich im ersten Lebensjahr manchmal sogar erst später   Der entspannte Eindruck des Kinderkardiologen ist daher ein gutes Zeichen. Kontrolle in 4–5 Monaten ist Standard. Hier würde ich mir wirklich keine Sorgen machen.         8. Ein ganz wichtiger Punkt zum Schluss   Sie schreiben: „Wie soll man sich da wie eine Mutter fühlen?“ Eine gute Mutter ist nicht die, die immer stark ist. Eine gute Mutter ist die, die ihr Kind liebt und sich sorgt. Und genau das tun Sie. Ihre Tochter hat heute zum ersten Mal ein kleines Lächeln gezeigt. Das ist kein Zufall. Babys reagieren auf:   Stimme Geruch Nähe   Sie sind für Mia die wichtigste Person der Welt, auch wenn Sie gerade krank sind.         Noch ein medizinischer Gedanke   Der entscheidende Zeitraum jetzt sind wirklich die nächsten 24–48 Stunden: Wenn   Fieber etwas sinkt CRP beginnt zu fallen Kreislauf stabiler wird   dann hat die Behandlung den richtigen Weg eingeschlagen.       Wenn Sie möchten, können Sie mir gerne noch schreiben:   wie hoch das Fieber heute war ob Sie Schüttelfrost hatten ob eine Drainage noch liegt   Dann kann ich den Verlauf noch besser einschätzen. Und versuchen Sie, auch in diesem Chaos einen Moment mit Mia bewusst wahrzunehmen – so wie heute dieses kleine Lächeln. Solche Momente tragen einen manchmal erstaunlich weit. Herzliche Grüße.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke für die schnelle Antwort. Danke für die Erklärungen. und danke für die einfühlsamen Gedanken. Ihre positive Sichtweise auf die Dinge ist so menschlich und hilft mir, ein wenig Kraft zu schöpfen. Ich habe heute einen ersten kleinen Hoffnungsschimmer auf Besserung! Aber ich bin noch nicht sicher ob es gute Zeichen sind und Entwarnung von Seiten der Ärzte gab es noch nicht. Vielleicht können Sie die Situation einschätzen: Das Fieber steigt schon noch hoch auf 39,6-39,7 aber nicht schon 4 Stunden nach Ibu sondern erst nach etwa 5-6 Stunden. Mir wird dann auch noch kalt wie bei Schüttelfrost, aber eher wie frösteln, nicht ganz so schlimmes zittern. Die Schmerzen sind da, aber ich kann nicht einschätzen ob von OP oder von der Infektion. Woran merke ich den Unterschied? Die Werte steigen aber immernoch.  CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 Diese sind von heute Morgen, etwa 40 Stunden nach OP. Ist es zu früh um zu sagen ob es jetzt wieder wird?  Sie schrieben CRP ist träge. Wie schnell fällt es denn wenn es endlich mal beginnt zu fallen? Und sind die Leukozyten auch träge?  Ja, Drainage liegt noch. Ist das gut? Mein Kreislauf ist noch gar nicht stabil. Heute Morgen wollte ich aufstehen und hatte wieder das Gefühl das Blut sinkt ab und mir wird so schwindlig, dass ich direkt wieder ins Bett muss.  Blutdruck heute Morgen 98/60 Puls 98 Hb ca. 24 Stunden nach Bluttransfusion:  7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 Der Anstieg ist wieder nur mäßig oder? Sollte man dann mit Eiseninfusionen weiter machen? Ich pumpe jetzt mehr, weil die Milchmenge so abgenommen hat. Heute waren es sogar nur noch 40ml links und 20ml rechts. Warum wird das immer weniger obwohl ich jetzt mehr pumpe? Alle 2 Stunden, nachts alle 3. Was kann ich machen? Bockshornklee? Das stresst mich und dadurch wird es wahrscheinlich noch weniger. Kann Mia sich eigentlich von meiner Bindehautentzündung wieder zurück anstecken? Sie hat ihre letzten Floxal Augentropfen gestern, aber ich habe heute immernoch rote Augen und nehme die Tropfen noch bis Samstag. Vielleicht wäre es gut für sie, ihr Euphrasia zur Vorbeugung zu geben? Mir fehlt auch mein Großer so. Sein Covid Test ist immernoch zart positiv und er hustet noch und die Nase läuft noch. Mein Mann bringt ihn deshalb noch nicht mit. Ist die Ansteckungsgefahr noch so hoch? Mein Mann hat sich nicht angesteckt obwohl er 24/7 mit ihm zusammen ist und unser Sohn ihm sozusagen ins Gesicht hustet und niest.  Mein Mann hat von zu Hause meine eingefrorene Muttermilch mitgebracht. Dann bekommt Mia weniger Pre Nahrung. Letzte Nacht hat sie fast zwei Stunden lang mal mehr mal weniger geweint, hatte Luft im Bauch und sichtlich Bauchschmerzen. Ich habe das Gefühl, die Pre Nahrung macht ihr mehr Bauchschmerzen als die Muttermilch. Oder kann es an der Umstellung liegen? Es fiel mir irgendwie schwer sie weinend an die Schwester abzugeben und wollte für sie da sein, aber nach 1 Stunde wirkte die Ibu nicht mehr und mir wurde kalt und ich habe es nicht mehr geschafft. Aber ich versuche die schönen Momente bewusst wahrzunehmen. Wenn sie mit großen Augen schaut, süße Geräusche macht, versucht zu lächeln, ihr Milchrauschgesicht. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, Sie kämpfen gerade gleichzeitig mit einer schweren Infektion, einer Operation, Kreislaufproblemen, Stillproblemen und den Sorgen um Ihre Kinder – und trotzdem versuchen Sie, die schönen Momente mit Mia bewusst wahrzunehmen. Das ist kein kleines Detail, sondern ein Zeichen innerer Stärke. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Fieber und Entzündungswerte   Die Entwicklung ist nicht eindeutig schlecht, auch wenn die Laborwerte noch steigen. Ein paar wichtige Punkte: Zeit nach Operation: 40 Stunden nach einer Abszessoperation ist noch sehr früh. Der Körper hat zwei Prozesse gleichzeitig:   die eigentliche Infektion die Operationsentzündung   Beides treibt CRP und Leukozyten nach oben.   CRP   CRP reagiert relativ träge:   beginnt meist erst 24–48 Stunden nach erfolgreicher Behandlung zu fallen halbiert sich dann ungefähr alle 24–48 Stunden   Das bedeutet: Selbst wenn das Antibiotikum jetzt wirkt, kann das CRP noch 1–2 Tage steigen oder plateauieren, bevor es fällt. Ein CRP von 118 ist hoch, aber bei einem intraabdominellen Abszess leider nicht ungewöhnlich.   Leukozyten   Leukozyten reagieren schneller als CRP, aber auch sie können noch steigen, solange:   Fieber besteht Gewebe entzündet ist der Körper Stress hat   Wichtiger als ein einzelner Wert ist der Trend über mehrere Tage.         2. Ihr Fieberverlauf   Das, was Sie beschreiben, ist tatsächlich ein kleines positives Zeichen: Vorher:   Fieberanstieg schon nach 4 Stunden   Jetzt:   erst nach 5–6 Stunden   Das bedeutet häufig:   die Entzündungsaktivität nimmt minimal ab der Körper hat etwas mehr Kontrolle   Auch dass der Schüttelfrost eher Frösteln statt starkem Zittern ist, passt dazu. Es ist keine Entwarnung, aber ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer.         3. Schmerzen – OP oder Infektion?   Typische Unterschiede: Operationsschmerz   eher lokal bewegungsabhängig Druckschmerz an der OP-Region nimmt langsam täglich ab   Infektionsschmerz   eher diffus oft begleitet von   Schüttelfrost starkem Krankheitsgefühl erneut steigenden Schmerzen     Nach einer Abszessoperation sind Schmerzen noch mehrere Tage normal.         4. Drainage   Dass die Drainage noch liegt, ist sehr gut. Sie erfüllt zwei wichtige Aufgaben:   Rest-Eiter kann abfließen man erkennt früh, ob sich wieder Flüssigkeit sammelt   Eine Drainage verhindert häufig einen neuen Abszess.         5. Kreislaufprobleme   Ihr Kreislauf erklärt sich gut durch mehrere Faktoren:   schwere Infektion Operation Blutverlust Hb noch niedrig Flüssigkeitsmangel Stillstress   Ihr Blutdruck 98/60 mit Puls 98 zeigt: Der Körper arbeitet noch im Kompensationsmodus. Das braucht oft einige Tage, bis es stabil wird.         6. Hb-Wert   Ihr Verlauf: 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 Das ist nicht ungewöhnlich. Nach Transfusionen passiert oft:   zunächst Anstieg dann Verdünnung durch Infusionen leichte Schwankungen   Ein Hb um 8–8,5 ist nach solchen Ereignissen leider typisch.   Eiseninfusion   Ja, intravenöses Eisen kann sinnvoll sein, besonders wenn:   Blutverlust bestand Stillen geplant ist Hb sich nur langsam erholt   Das entscheiden die Ärzte meist nach Ferritinwert.         7. Stillen – warum die Milchmenge sinkt   Die wichtigsten Gründe bei Ihnen:   Schwere Infektion Fieber Stresshormone Schlafmangel Kreislaufbelastung Operation   Der Körper priorisiert gerade Überleben vor Milchproduktion. Das bedeutet nicht, dass es nicht wiederkommt. Ihr Pumpenrhythmus ist bereits sehr gut.   Dinge die helfen können     viel trinken Hautkontakt mit dem Baby wenn möglich Ruhe warmes Anlegen vor dem Pumpen Oxytocin durch Nähe     Bockshornklee   Kann helfen, aber:   wirkt nicht bei allen kann Bauchprobleme machen   Der wichtigste Faktor bleibt Gesundwerden. Wenn Ihr Körper sich stabilisiert, steigt die Milchproduktion häufig wieder.         8. Bindehautentzündung – Ansteckung   Wenn Mia bereits Floxal bekommen hat und beschwerdefrei ist: Eine erneute Ansteckung ist unwahrscheinlich. Augentropfen bis Samstag zu nehmen ist vernünftig. Euphrasia zur Vorbeugung ist möglich, aber medizinisch meist nicht nötig. Wichtiger:   Hände waschen eigene Handtücher nicht ins Auge fassen und dann ans Baby           9. Covid beim großen Sohn   Ein zart positiver Test bedeutet:   Virusreste können noch nachweisbar sein Ansteckungsfähigkeit ist meist deutlich geringer   Wenn:   Husten Schnupfen   noch bestehen, ist etwas Vorsicht sinnvoll – vor allem wegen des Neugeborenen. Ihr Mann verhält sich daher vernünftig.         10. Bauchschmerzen bei Pre-Nahrung   Das kommt sehr häufig vor. Mögliche Gründe:   Darm muss sich erst anpassen andere Zusammensetzung als Muttermilch mehr Gasbildung   Besonders wenn ein Baby:   abwechselnd Muttermilch und Pre bekommt gerade erst geboren ist   Das reguliert sich meist nach einigen Tagen. Muttermilch ist für den Darm natürlich leichter.         11. Die Szene mit Mia   Dass Sie sie schweren Herzens abgegeben haben, zeigt nur eines: Sie sind eine sehr gute Mutter. Eine Mutter zu sein bedeutet nicht, immer alles selbst zu schaffen, sondern zu erkennen, wann der eigene Körper Hilfe braucht. Gerade jetzt ist Gesundwerden Ihre wichtigste Aufgabe. Denn nur dann können Sie langfristig für Mia da sein.         Eine medizinische Gesamt-Einschätzung   Es gibt noch keinen klaren Entwarnungspunkt, aber auch keine dramatischen Alarmzeichen in Ihrer Beschreibung. Der Verlauf passt zu:   schwerer Infektion Abszessoperation noch sehr früher postoperativer Phase   Die nächsten 48 Stunden sind meist entscheidend. Wenn   Fieber langsam sinkt CRP Plateau erreicht Kreislauf stabiler wird   dann geht es meist in die richtige Richtung.       Und noch etwas Persönliches: Sie beschreiben diese kleinen Momente mit Mia – die großen Augen, die Geräusche, das Milchrauschgesicht. Genau diese Momente sind es, die Menschen auch durch schwere Tage tragen. Der Körper braucht vielleicht noch ein paar Tage. Aber Ihr Blick für diese Momente zeigt, dass Sie innerlich schon wieder Richtung Leben gehen.    Alles, alles Gute! Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre sehr schnelle Antwort gestern. Ihre Menschlichkeit und Professionalität schätze ich wirklich. Sie machen das so lieb und tip top :) Ich glaube jetzt geht’s langsam aufwärts! :) Jedenfalls hoffe ich das! Ich habe etwas weniger Schmerzen, das Fieber steigt nur noch alle 6 Stunden und dann nur bis 39,4.  Die Schmerzen kann ich nicht so einordnen. Sie sind schon bewegungsabhängig, aber ich kann die Stelle nicht genau benennen. Spricht das dann eher für OP Schmerzen oder kommt es eher von der Infektion? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120  Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 Denken Sie es wird besser obwohl CRP noch steigt? Drainage liegt noch, es läuft viel. Ist das normal? Sollte es nicht täglich weniger werden? Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 gestern  Ferritin 17 Machen weitere Eiseninfusionen Sinn? Kreislauf: Blutdruck heute Morgen 101/64 Puls 97 Das ist noch nicht so gut? Dass beim Abpumpen nur noch so wenig kommt, macht mich sehr traurig. Ich verstehe natürlich, dass mein Körper gerade die Heilung priorisiert. Doch Mia ist so ein Stillbaby, sie macht das so toll. Ich versuche mich damit zu trösten, dass ich den nackten Körperkontakt (um die Oxytocinbildung zu fördern) zu ihr sehr liebe.  Ich habe seit gestern schon Halsschmerzen und habe es aber auf die OP (Vollnarkose) geschoben. Doch seit letzter Nacht hat Mia eine total verstopfte und laufende Schnupfennase. Manchmal hustet sie verschleimt. Wo auch immer sie jetzt einen Virus herhaben kann. Und ich auch, denn mein Covid-Schnelltest vor ein paar Tagen war ja negativ. Ich mache mir jetzt schon etwas Sorgen um sie, denn mit ihren 4,5 Wochen ist ihr Immunsystem ja nicht gerade gut. Ein Kinderarzt hat sie schon angeschaut. Bis jetzt zum Glück nichts in der Lunge oder den Ohren, es ist nur die Nase und der Rachen. Bei jedem Wickeln soll ihr jetzt Fieber gemessen werden, ab 38,0 soll ich gleich Bescheid geben. Es war aber bisher immer darunter (37,5/37,8/37,7). Ich spüle ihre Nase jetzt mit NaCl und darf ihr Max. 3 x täglich Otriven Nasenspray für Säuglinge geben. Leider trinkt sie jetzt gerade nicht so gut. Sie ist sehr anhänglich, lässt sich kaum ablegen, hat letzte Nacht so viel geweint und wollte zwar alle Stunden trinken, aber nach ein paar Schlücken hat ihre Nase sie so gestört, dass das Trinken in Schreien überging. Für mich war es also wieder alles andere als eine erholsame Nacht. Vielleicht sollte ich ihr das NaCl und Otriven immer vor dem Stillen geben? Wobei sie Otriven ja nur 3 Mal täglich haben darf. Vorhin kam mir der Gedanke, dass es hoffentlich nicht RSV oder doch noch Covid vom Bruder ist. Aber dann wäre die Inkubationszeit ja 9 Tage gewesen. Da war er das letzte Mal da. Das ist doch unwahrscheinlich? Haben Sie noch andere Tipps oder Anmerkungen für Mia und mich? Mache mir Sorgen um die kleine Maus. Sie ist noch so klein und zerbrechlich. Aber insgesamt entwickelt sie sich so prächtig, es ist eine wahre Freude, das zu sehen. Wie aufmerksam und interessiert sie schon schaut im Vergleich zu vor zwei Wochen, wie sie ihr Köpfchen schon hebt wenn man sie über die Schulter schauen lässt. Man muss natürlich schon noch bereit sein, dass es jeden Moment kippt, aber sie hält das oft bestimmt schon mehr als 5 Sekunden. Ich bin so verliebt und versuche mich davon tragen zu lassen. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, Es freut mich wirklich zu lesen, dass Sie das Gefühl haben, dass sich die Situation langsam etwas stabilisiert. Das sind genau die kleinen Zeichen, auf die man in so einer Phase achten muss. Ich gehe Ihre Punkte einmal der Reihe nach durch.         1. Fieber, CRP und Leukozyten   Dass Ihr Fieberabstand größer wird (erst nach etwa 6 Stunden) und die Schmerzen etwas nachlassen, ist tatsächlich ein gutes klinisches Zeichen. In der Medizin gilt: Der klinische Zustand ist wichtiger als ein einzelner Laborwert. Dass Ihr CRP noch steigt (118 → 120) ist nach einer schweren Infektion und Operation nicht ungewöhnlich. CRP reagiert zeitverzögert und kann noch 1–2 Tage weiter ansteigen, obwohl die Therapie bereits wirkt. Wichtiger ist:   Fieber steigt langsamer Schmerzen nehmen leicht ab Kreislauf stabilisiert sich Drainage funktioniert   Das passt insgesamt durchaus zu einer beginnenden Besserung. Die Leukozyten sind sogar minimal gesunken (19,5 → 18,9) – das ist ebenfalls ein kleines, aber positives Zeichen.         2. Schmerzen – OP oder Infektion?   Die Beschreibung spricht eher für postoperative Schmerzen: Typisch für OP-Schmerzen:   bewegungsabhängig schwer exakt lokalisierbar eher „ziehend“ oder „drückend“   Typisch für Infektionsschmerz wäre:   sehr lokalisierbar konstant oft zunehmender Druckschmerz   Dass Sie die Stelle nicht genau benennen können und sie bewegungsabhängig sind, passt daher eher zu Wund- bzw. Gewebeschmerzen nach der Operation.         3. Drainage   Dass noch viel Sekret läuft, ist zunächst kein schlechtes Zeichen. Eine Drainage hat zwei wichtige Funktionen:   Eiter / Entzündungsflüssigkeit abführen Verhindern, dass sich wieder ein Abszess bildet   Solange sie noch fördert, bedeutet das oft: ➡️ Der Körper räumt noch auf. Die Menge nimmt oft erst nach einigen Tagen langsam ab, nicht unbedingt täglich. Problematisch wäre eher:   plötzlich kein Ablauf mehr zunehmende Schmerzen neues Fiebermaximum           4. Blutwerte und Eisen   Ihr Hb ist deutlich niedrig. Verlauf:   7,3 7,9 8,5 7,8 8,4   Das spricht für eine langsame Stabilisierung, aber die Reserven sind gering. Ihr Ferritin 17 zeigt praktisch leere Eisenspeicher. Daher: ➡️ Ja, weitere Eiseninfusionen sind sehr sinnvoll. Gerade nach:   Operation Infektion Blutverlust Stillzeit   braucht der Körper Eisen, um wieder rote Blutkörperchen aufzubauen. Das hilft auch gegen:   Schwäche Herzrasen Kreislaufprobleme           5. Kreislauf   Ihr Kreislauf:   101 / 64 Puls 97   Das ist nach:   Infektion Anämie Operation Schlafmangel   noch nicht überraschend. Der Puls ist etwas erhöht, was bei Hb um 8 völlig typisch ist. Der Körper versucht damit, den Sauerstofftransport auszugleichen. Wichtig ist:   viel trinken langsam aufstehen Eisen auffüllen           6. Stillen und wenig Milch   Dass beim Abpumpen weniger Milch kommt, hat mehrere Gründe: Ihr Körper ist gerade beschäftigt mit:   Heilung Entzündung Blutaufbau Stresshormonen   All das hemmt die Milchproduktion vorübergehend. Der wichtigste Punkt ist aber: Körperkontakt. Dass Sie Mia nackt auf Ihrer Haut halten, ist tatsächlich eine der besten Maßnahmen, um Oxytocin zu fördern und die Milchbildung wieder anzukurbeln. Sie machen das genau richtig. Und ganz wichtig: Selbst wenn zeitweise weniger Milch kommt – das ist kein dauerhaftes Problem.         7. Mias Schnupfen   Das klingt zunächst sehr typisch nach einem harmlosen Säuglingsinfekt. Gute Zeichen:   Temperatur unter 38 °C Lunge frei Ohren unauffällig   Bei Neugeborenen sind verstopfte Nasen besonders störend beim Trinken, weil sie Nasenatmer sind. Ihr Vorgehen ist richtig: Sehr sinnvoll:   NaCl vor dem Stillen Kopf leicht erhöht lagern kurze Stillpausen zum Luft holen   Ihr Gedanke ist gut: ➡️ NaCl tatsächlich am besten vor dem Stillen geben. Otriven können Sie dann gezielt vor wichtigen Mahlzeiten einsetzen (max. 3× täglich).         8. RSV oder Covid?   Nach 9 Tagen Inkubationszeit ist das eher unwahrscheinlich. Typische Inkubationszeiten:   RSV: 3–5 Tage Covid: 2–5 Tage   Wahrscheinlich hat sie einfach einen gewöhnlichen Erkältungsvirus. Das kommt leider häufig vor – besonders wenn ältere Geschwister im Umfeld sind. Wichtige Warnzeichen wären:   Atemnot Einziehungen zwischen den Rippen Trinkverweigerung Fieber über 38 °C   Davon berichten Sie glücklicherweise nichts.         9. Noch ein Gedanke zu Ihnen   Sie haben gerade extrem viel gleichzeitig zu tragen:   schwere Infektion zwei Operationen Blutverlust Stillstart Neugeborenes   Und trotzdem schreiben Sie mit so viel Liebe über Mia. Dass Sie sie anschauen, wie sie ihr Köpfchen hebt und sich darüber freuen können – das zeigt, dass trotz allem Ihre Verbindung zu ihr unglaublich stark ist. Das ist für ein Baby mindestens so wichtig wie jede perfekte medizinische Situation.         Zusammenfassung   Die Zeichen sprechen vorsichtig für eine langsame Besserung:   Fieberabstände größer Schmerzen etwas weniger Leukozyten minimal gesunken Drainage funktioniert   Das CRP darf noch kurz nachlaufen.     Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ganz lieben Dank für Ihre so schnelle Antwort. Ich fühle mich von Ihnen wirklich gut begleitet. In all den brenzligen Momenten waren und sind Sie immer zur Stelle. Ich fühle mich heute wieder ein bisschen besser! Etwas weniger Schmerzen, das Fieber steigt nur noch bis 39,0 und Ibu allein ist ausreichend ohne mit Paracetamol abzuwechseln. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 Ich freue mich, dass beide Werte fallen, aber von halbieren alle 24-48 Stunden kann man ja noch nicht reden. Sollte das bei CRP und Leukozyten gleichermaßen so sein? Drainage liegt noch, aber heute läuft sehr wenig. Gestern war es richtig viel. Ist das normal? Heute habe ich nur gehört, dass meine Nierenwerte sich etwas verschlechtert haben und bei weiterer Verschlechterung Vancomycin gestoppt wird und ich dann nur noch Linezolid und Imipinem gegen die MRSA und die Ent. faec. kriege. Ist das ok? Wieso jetzt auf einmal die Nieren? Muss ich mir Sorgen machen? Kreislauf  Blutdruck heute Morgen 106/67 Puls 95 Ist das immerhin schon etwas besser? Aufgrund vom niedrigen Hb und Kreislauf ist mir oft noch sehr schwindlig. Mia macht mir heute Sorgen und es nimmt mich emotional sehr mit, dass es ihr nicht so gut geht und fordert mich in meinem Zustand sehr heraus, mich entsprechend um sie zu kümmern. Ihre Schnupfennase ist richtig zu, dadurch trinkt sie oft wenig aus der Flasche, aber dafür öfter. Ihre Temperatur ist zum Glück weiter knapp unter 38, also 37,5-37,8. Manchmal hustet sie richtig verschleimt. Gestern Abend und heute Morgen hat sie so schwallartig gespuckt, dass ich nicht weiß, ob man das noch spucken oder schon brechen nennen muss. In hohem Bogen sehr weit und von der Menge sehr viel, fast die ganze Milch, die sie etwa 30 Minuten vorher getrunken hat. Das hat sie seit der Geburt noch nie gemacht. Kurz vorher hat sie gewürgt, mir kam es so vor, als würde sie den Schleim der Erkältung loswerden wollen. Ich hoffe, das ist nicht schlimm? Nicht dass sie nicht genug Flüssigkeit hat oder stark abnimmt. Das Ganze zieht das einen Rattenschwanz nach sich: man muss sie umziehen, weil alles vollgespuckt ist. Davon wacht sie auf und weint, weil sie eigentlich müde ist. Wenn ich sie dann nackt auf mich lege (Haut auf Haut) um sie zu beruhigen, riecht sie wahrscheinlich die Milch an meiner Brust und fängt sichtlich an danach zu „suchen“ (dreht den Kopf zur Seite der Brust und öffnet den Mund), aber wegen Linezolid darf sie ja nicht an die Brust. Das macht sie dann „traurig“ und sie weint. Dann hilft nur noch herumtragen, was ich aber körperlich noch nicht lange schaffe und auch Angst habe, dass mir genau mit ihr am Arm der Kreislauf umkippt. Dann kommen mir selbst die Tränen, weil ich denke, dass ich ihr nicht gerecht werde und nicht geben kann, was sie braucht. Mein Mann kommt jetzt wieder, weil unser Sohn zum Glück wieder gesund ist, aber er kann auch nicht den ganzen Tag bleiben, denn den Großen gibt es ja auch noch. Und noch eine medizinische Frage zu Mia: würde es nicht auch Sinn machen, ihr mit einem Nasensauger Schleim aus der Nase zu holen, direkt nach der NaCl Lösung? Das NaCl Spülen ist ja gut, aber es beseitigt ja nicht das, was stört.  Und zu ihrer Bindehautentzündung: die Floxaltropfrn bekam sie 8 Tage. Jetzt sind ihre Augen aber immernoch verklebt, besonders morgens nach der Nacht und tagsüber nach einem längerem Schlaf. Ist das normal? Meine Hebamme meinte, es können bei Neugeborenen auch verstopfte Tränenkanäle sein. Ich nehme die Floxaltropfen jetzt seit 5 Tagen, der Eiter ist weg, meine Augen sind aber auch noch immer leicht gerötet und morgens verklebt. Nachts wenn Mia nicht weckt, wache ich auch mit verklebten Augen auf und muss sie erstmal reinigen. Ist das normal? Kann das von der viralen Komponente kommen? Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Für Mia habe ich wirklich unendlich viel Liebe, das haben Sie richtig aus meinen Zeilen gelesen. Dank ihr verzweifle ich nicht komplett. Diese Rehaugen, diese vielen samtweichen schwarzen Haare, diese weiche Babyhaut, der Babygeruch, das gibt Kraft. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend Man spürt in jeder Zeile, wie sehr Sie Ihre kleine Mia lieben. Und gleichzeitig, wie viel Sie gerade körperlich und emotional tragen müssen. Dass Ihnen dabei manchmal die Tränen kommen, ist absolut verständlich. Sie sind gerade selbst krank, erschöpft und gleichzeitig Mutter eines Neugeborenen – das ist eine enorme Belastung. Bitte sehen Sie: Sie machen das sehr gut. Allein Ihre Aufmerksamkeit und Sorge zeigen das. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Ihre Infektion – CRP, Leukozyten und Fieber   Die Entwicklung Ihrer Werte wirkt insgesamt vorsichtig positiv. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 Wichtige Punkte:   CRP beginnt zu fallen (120 → 107) – das ist ein gutes Zeichen. Leukozyten fallen ebenfalls – ebenfalls positiv. Dass sich das nicht sofort halbiert, ist bei schweren Infektionen völlig normal.   Diese Regel („Halbierung alle 24–48 h“) gilt eher für unkomplizierte bakterielle Infektionen. Bei Abszessen, Operationen und Drainagen ist der Verlauf oft langsamer und wellenförmig. Das Entscheidende ist:   Fieber weniger hoch Schmerzen weniger CRP und Leukozyten beginnen zu sinken   Das passt zu einer langsamen Stabilisierung.         2. Drainage – heute weniger Sekret   Das ist nicht ungewöhnlich. Nach Abszessdrainagen sieht man häufig:   Anfangs viel Sekret dann rasch weniger schließlich nur noch wenig   Wichtig ist eher:   kein neuer Abszess im Ultraschall kein erneuter Fieberanstieg   Dass gestern viel und heute wenig läuft, passt also gut.         3. Nierenwerte und Vancomycin   Hier kann ich Sie beruhigen. Vancomycin ist bekannt dafür, die Nieren zu belasten. Typisch ist:   Kreatinin steigt etwas Ärzte reagieren vorsichtig Medikament wird reduziert oder gestoppt   Wenn man auf Linezolid + Imipenem umstellt, ist das medizinisch völlig plausibel. Gerade gegen Enterococcus faecium und MRSA ist Linezolid ein sehr gutes Antibiotikum. Dass die Ärzte die Nieren im Blick haben, zeigt: ➡️ Sie überwachen die Therapie sorgfältig. Ein leichter Anstieg der Nierenwerte ist unter dieser Therapie nicht selten und meist reversibel.         4. Kreislauf   Blutdruck 106/67 Puls 95 Für Ihre Situation ist das absolut akzeptabel. Der Schwindel kommt wahrscheinlich eher von:   Hb niedrig Infektion Flüssigkeitsmangel Erschöpfung   Das ist leider typisch nach solchen Erkrankungen.         Jetzt zu Mia   Ihre Beschreibung klingt insgesamt sehr nach einer Erkältung eines Neugeborenen. Ich gehe Punkt für Punkt durch.         5. Verstopfte Nase   Ja — Nasensauger nach NaCl ist sinnvoll. Gute Reihenfolge:   NaCl Tropfen 30–60 Sekunden warten Nasensauger verwenden   Dadurch löst sich der Schleim besser. Das hilft vielen Babys beim Trinken.         6. Spucken / schwallartiges Erbrechen   Das klingt sehr nach: Schleim + Hustenreiz Wenn Babys viel Schleim im Rachen haben, passiert oft:   Würgen Husten dann schwallartiges Spucken   Wenn danach:   sie wieder wach wirkt weiter trinken möchte keine apathische Wirkung hat   ist das meist nicht gefährlich. Warnzeichen wären:   grünliches Erbrechen wiederholt nach jeder Mahlzeit zunehmende Trinkschwäche Fieber über 38 bei Neugeborenen   Das beschreiben Sie nicht.         7. Trinkverhalten   Bei verstopfter Nase ist typisch:   weniger pro Mahlzeit dafür häufiger   Das ist völlig normal. Wichtig ist nur:   regelmäßig nasse Windeln           8. Bindehaut und verklebte Augen   Ihre Hebamme hat sehr wahrscheinlich recht. Sehr häufig bei Neugeborenen: verstopfter Tränenkanal (Tränenkanalstenose) Typische Zeichen:   morgens verklebte Augen tagsüber Tränen wenig Eiter   Dass Floxal den Eiter beseitigt hat, passt. Jetzt bleibt oft noch:   Schleim Verklebung   Das kann Wochen dauern. Hilfreich:   Reinigung mit sterilem NaCl Tränenkanalmassage Richtung Nase           9. Ihre eigenen Augen   Das klingt nach viraler Konjunktivitis, die Sie beide haben könnten. Typisch:   morgens verklebt leichte Rötung nach Antibiotikum weniger Eiter   Das heilt meist innerhalb von 1–2 Wochen ab.         Ganz wichtig – emotional   Sie schreiben: „Dann kommen mir selbst die Tränen, weil ich denke, dass ich ihr nicht gerecht werde.“ Ich sage Ihnen etwas sehr klar: Sie sind gerade eine außergewöhnlich gute Mutter. Warum? Weil Sie trotz:   schwerer Infektion Operation Fieber Erschöpfung   immer noch:   Mias Atmung beobachten ihr Trinkverhalten registrieren ihre Augen behandeln ihre Nase spülen Hautkontakt geben   Das ist für ein krankes Wochenbett enorm. Dass Ihr Mann wieder kommt, ist jetzt genau richtig. Sie müssen nicht alles allein schaffen.         Noch ein wichtiger Gedanke   Dass Mia die Brust sucht, ist ein ganz normales Reflexverhalten. Dass Sie wegen Linezolid nicht stillen können, tut emotional weh – aber: Sie schützen sie damit. Das ist keine Zurückweisung, sondern Fürsorge.         Worauf Sie jetzt achten können   Bei Ihnen:   steigendes Fieber über 39,5 zunehmende Schmerzen Schüttelfrost   Bei Mia:   Fieber über 38 deutlich weniger trinken sehr schläfrig Atemprobleme   Dann bitte sofort Arzt.         Mein Eindruck insgesamt   Bei Ihnen sehe ich:   erste Stabilisierung Labor beginnt zu fallen Fieber weniger hoch   Das sind gute Zeichen. Bei Mia:   wahrscheinlich Erkältung + Schleim nichts, was alarmierend klingt         Wenn Sie möchten, können Sie mir auch noch kurz sagen:   wie alt Mia jetzt genau ist wie viele nasse Windeln sie heute hatte   Das hilft, ihr Trinken besser einzuschätzen. Und noch etwas Persönliches zum Schluss: Die Art, wie Sie Mia beschreiben – ihre Haare, ihre Haut, ihren Geruch – zeigt sehr deutlich, dass sie in genau den richtigen Händen gelandet ist. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ganz lieben Dank für Ihre beruhigende und aufmerksame Nachricht gestern Abend. Sie sind einfach top top und machen Ihre Arbeit mit Herz. Das ist so schön für mich :) Und Sie ermutigen mich immer! Ich fühle mich heute etwa wie gestern, also insgesamt etwas besser aber so ganz enorm ist der Unterschied noch nicht. Etwas weniger Schmerzen, kein Schüttelfrost mit Zittern und klappernden Zähnen, aber frösteln und Gänsehaut wenn sie Ibu nach etwa 6 Stunden nicht mehr wirkt. Dann steigt das Fieber so auf 39,0. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 Ist das im Rahmen, dass sie weiter langsam fallen? Kreatinin ist 1,4. Ist das deutlich erhöht und wie schnell normalisiert sich die Nierenfunktion wenn jetzt Vancomycin weggelassen wird? Drainage liegt noch, aber heute läuft fast gar nichts. Ist das eher gut weil der Eiter dann weg ist oder eher schlecht weil er nicht mehr abläuft? Mein Kreislauf ist heute irgendwie nicht gut.  Blutdruck heute Morgen 96/59 Puls 103 Heute ist mir oft sehr schwindlig. Mia hatte gestern nur 4 nasse Windeln, davon 1 mit Stuhlgang. Sonst hat sie locker 6-8 Windeln und in fast jeder Stuhlgang. Heute sind es bisher 2 nasse Windeln, was auch wenig ist? Sie ist ja ein Sonntagskind und heute genau 5 Wochen alt. Sollte sie mehr Windeln haben? Sie trinkt durch die Erkältung auch weniger. Eigentlich trinkt sie etwa 120ml pro Mahlzeit und das alle 3-4 Stunden. Momentan trinkt sie zwar alle 2-3 Stunden aber eher nur 60ml. Und davon spuckt sie dann ab und zu (zum Glück nicht nach jeder Mahlzeit!) wirklich viel in hohem Bogen aus. Es sieht dann aus wie eine Mischung aus Milch und Schleim. Danach schläft sie dann ein und will auch nicht noch mehr trinken. Ist das noch im Rahmen? Ihre Temperatur ist zwischen 37,4 und 37,8. Der Schleim stört sie auch im Rachen, nicht nur in der Nase. Sie hustet immer wieder verschleimt. Ich denke, wir haben beide denselben Mist aufgegabelt. Ich habe schon seit Tagen immer wieder Halsschmerzen und heute noch mehr und huste auch verschleimt. Meine Nase ist aber frei. Für mich ist der Husten sehr unangenehm weil die Erschütterung mir jedes Mal im Bauch schmerzt. Kann man Babys was gegen den Schleim im Rachen geben? NaCl, Nasensauger und Otriven Nasenspray helfen ja nur der Nase. Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Es freut mich, dass man meine Liebe zu Mia so deutlich erkennt. Mir geht es zwar wirklich schlecht und ich hatte die Hoffnung, dass es dieses Mal ohne Notkaiserschnitt besser läuft. Aber sie ist trotzdem jeden Schmerz wert. Ich weiß, dass man nur spekulieren kann, wo diese fiese Infektion herkommt. Aber manchmal frage ich mich, ob durch die Saugglocke irgendwie Keime in die Gebärmutter gekommen sein könnten? Oder ist das unrealistisch? Ich weiß nicht, wie lange eine Saugglocke normalerweise in der Scheide ist, aber in meinem Fall ging das über viele viele Wehen und war vom Schmerzlevel fast unaushaltbar, weil ich selbst in den Wehenpausen das Gefühl hatte, der Schmerz zerreißt mich und es der einzige Moment der Geburt war, in dem ich sehnsüchtig auf die nächste Wehe gewartet habe, weil es beim Pressen fast aushaltbarer war als in den Pausen. Ich bekam dann irgendein opiodähnliches Schmerzmittel, aber nicht mal damit war es besser. Das war völlig umsonst. Kann die lange Dauer eine Infektion begünstigt haben? Oder die sich anschließende Atonie? Es hieß ja dann, dass dank Oxytocintropf alles draußen ist, aber dann wurden ja doch noch Eihautreste gefunden. Mia ist jedenfalls so süß! Ich könnte sie den ganzen Tag anschauen. Ihr Bruder hat ihr heute beim Besuch die Flasche gegeben. Das war so ein herzerwärmender Moment, meine beiden Kinder zusammen zu sehen. Bis jetzt konnten sie ja leider noch nicht viel Zeit miteinander verbringen. Und zum Lachen hat mich unser Sohn dabei auch gebracht. Er hat mir erklärt, dass mir noch eine dritte Brust in der Mitte wachsen muss, denn wenn ich Mia wieder stillen darf, ist eine für Mia, eine für ihn zum Probieren der Milch und Papa braucht ja auch eine :) Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Gjuten Abend, Man spürt in jeder Zeile, wie sehr Sie sich trotz der ganzen Belastung um Mia kümmern. Das ist wirklich beeindruckend. Sie kämpfen gerade mit einer schweren Situation, und trotzdem haben Sie noch den Blick für Ihr Baby und sogar für die schönen Momente mit Ihrem Sohn. Das sagt sehr viel über Sie aus. Ich gehe die Punkte der Reihe nach durch.         1. Entzündungswerte (CRP und Leukozyten)   Ihre Entwicklung wirkt insgesamt erstmals klar in die richtige Richtung. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 Das Entscheidende ist:   Der Peak scheint bei 120 erreicht gewesen zu sein. Jetzt sehen wir zwei Messungen hintereinander fallend.   CRP fällt fast immer deutlich langsamer, als es ansteigt. Dass es nicht alle 24–48 h halbiert wird, ist völlig normal bei:   größeren Infektionen Abszessen postoperativen Situationen   Der Verlauf, den Sie jetzt zeigen, ist medizinisch absolut plausibel. Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 Auch hier sehen wir:   Plateau jetzt langsam fallend   Das passt gut zum CRP-Trend. 👉 Kurz gesagt: Der Verlauf wirkt erstmals stabil rückläufig.         2. Drainage – dass jetzt wenig kommt   Das ist meist ein gutes Zeichen. Eine Drainage hört normalerweise aus zwei Gründen auf zu laufen:   Der Eiterraum ist leer → gut Die Drainage ist verstopft → selten, wird aber klinisch geprüft   Wenn gleichzeitig:   Schmerzen weniger werden Entzündungswerte fallen Fieber etwas weniger wird   spricht das sehr für Variante 1.         3. Kreatinin 1,4   Ja, das ist leicht erhöht, aber noch nicht dramatisch. Typische Ursachen in Ihrer Situation:   Dehydratation (Fieber!) Antibiotika wie Vancomycin Kreislaufbelastung nach OP Infektion   Wenn Vancomycin abgesetzt wird und Sie wieder stabil trinken, normalisiert sich das häufig innerhalb weniger Tage. Wichtig ist jetzt:   ausreichend Flüssigkeit Kontrolle der Werte           4. Kreislauf: 96/59 und Puls 103   Das ist bei Ihrer Situation nicht ungewöhnlich. Mögliche Gründe:   Infektion Fieber Flüssigkeitsmangel postoperative Belastung Schmerzmittel   Der Puls reagiert bei Fieber stark. Schwindel ist daher nachvollziehbar, sollte aber beobachtet werden. Hilfreich:   ausreichend trinken langsam aufsetzen / aufstehen Beine leicht hochlagern           5. Mia – Windeln   Mit 5 Wochen erwartet man typischerweise: 5–8 nasse Windeln pro Tag. Vier sind untere Grenze, aber noch nicht automatisch problematisch. Wenn es heute erst zwei sind, sollte man:   weiter beobachten schauen, ob sie im Laufe des Tages noch mehr hat   Wichtige Warnzeichen wären:   sehr dunkler Urin trockene Lippen eingesunkene Fontanelle auffällig schlapp   Das beschreiben Sie nicht.         6. Weniger trinken wegen Erkältung   Das passt gut zu einem Infekt. Vorher:   120 ml alle 3–4 h   Jetzt:   60 ml alle 2–3 h   Die Tagesmenge kann dabei ähnlich bleiben, nur anders verteilt. Babys trinken bei Erkältung oft:   häufiger kleinere Mengen   Das ist sehr typisch.         7. Spucken „im hohen Bogen“   Solange:   es nicht nach jeder Mahlzeit Mia danach zufrieden wirkt sie weiter zunimmt   ist das meist Reflux + Schleim durch den Infekt. Der Schleim aus dem Rachen wird oft mit ausgespuckt.         8. Temperatur von Mia   37,4–37,8 °C ist noch kein Fieber. Bei Babys spricht man meist erst ab 38,0 °C rektal von Fieber.         9. Schleim im Rachen   Leider gibt es für so kleine Babys kaum Medikamente. Hilfreich sind:   NaCl-Nasentropfen Nasensauger leicht erhöhte Oberkörperlagerung feuchte Raumluft   Manchmal hilft auch:   Baby kurz aufrecht halten leicht auf den Rücken klopfen   Das löst Schleim.         10. Ihre eigene Erkältung   Das passt leider zu Ihrem Gesamtbild. Infektionen der oberen Atemwege sind postpartal sehr häufig, weil:   Immunsystem erschöpft ist Krankenhauskontakte hoch sind Schlaf fehlt   Der Husten tut nach Bauchoperation oder Abszess-OP immer besonders weh.         11. Frage zur Saugglocke und Infektion   Eine Saugglocke allein verursacht normalerweise keine Gebärmutterinfektion. Infektionen entstehen häufiger durch:   lange Geburtsdauer viele vaginale Untersuchungen Eihautreste Blutreste Atonie Kaiserschnitt   Die Eihautreste, die später gefunden wurden, sind tatsächlich ein plausiblerer Auslöser als die Saugglocke. Die Saugglocke kann indirekt beitragen, wenn:   die Geburt sehr lange dauert Gewebe stark belastet wird   Aber sie ist selten die Hauptursache.         12. Und noch etwas Persönliches   Der Moment mit Ihrem Sohn, der Mia die Flasche gibt, ist genau das, was in solchen Wochen zählt. Und seine Theorie mit der dritten Brust für Papa ist medizinisch zwar nicht ganz korrekt – aber emotional ziemlich charmant. Solche Sätze zeigen, dass Kinder manchmal genau das schaffen, was Medizin nicht kann: Sie bringen Licht in eine schwere Situation.         Was mich heute am meisten beruhigt   Drei Dinge:   CRP fällt erstmals Leukozyten fallen Schüttelfrost wird weniger   Das sind klassische Zeichen, dass der Körper langsam gewinnt. Es geht selten plötzlich – meist in kleinen Schritten. Und genau diese kleinen Schritte beschreiben Sie gerade.   Das hilft vielen Patienten sehr, die nächsten Tage besser einzuordnen.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ganz lieben Dank für Ihre beruhigende und so menschliche Antwort und für die lieben Zeilen und die Komplimente zu mir als Mutter :) auch bei Ihnen spürt man in jeder Zeile, dass Sie hinter all den medizinischen Details doch die Menschen sehen, denen es schlecht geht und gerne helfen. Das sagt auch viel über Sie als Mensch aus! Es geht glaube ich weiterhin in die richtige Richtung! Weniger Schmerzen, weniger hohes Fieber (heute max. 38,8) nach Wirkung der Ibu.  CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 Ist das weiterhin ok, dass sie weiter langsam fallen und ich noch Fieber habe? Kreatinin (1,4): Wann und wie oft sollte das jetzt kontrolliert werden nachdem Vancomycin weggelassen wurde? Und Sie sagen, Flüssigkeit ist wichtig. Meinen Sie Ringer-Lösungen? Ich bekomme eine am Tag, fühle mich aber noch schwindlig vom Kreislauf. Wäre es eine Idee, zu fragen, ob man sie erhöhen kann? Z.B. auf 2 am Tag? Drainage liegt noch, gestern lief fast gar nichts, heute auch nicht viel, aber etwas mehr. Ist das normal? Diese Schwankungen? Wann zieht man die Drainage normalerweise? Wenn gar nichts mehr läuft über längere Zeit? Mia tut sich heute sehr schwer beim Trinken. Ihre Nase scheint sie zu quälen oder sie hat auch Halsschmerzen wie ich. Wenn sie so stark sind wie meine, wundert es mich nicht, dass sie nicht viel trinkt. Meine sind ganz schön störend. Es kostet mich heute sehr viel Kraft, denn kaum trinkt sie 20ml, schreit sie die Flasche an. Dazwischen spuckt sie auch noch in hohem Bogen beim Husten. Sie kommt auch wieder so grad so auf 4 Windeln. Ich habe echt keine Idee mehr, wie ich sie zum Trinken motivieren kann. Die Schwester meinte schon, sie sollte am besten etwas mehr trinken, die Menge war heute grenzwertig. Aber das stresst mich, was soll ich denn machen, wenn sie die Flasche anschreit? Sollte ich die Schwester mal bitten nach ihrer Fontanelle zu schauen? Sie ist nicht apathisch aber sie trinkt nicht viel und spuckt einen Teil auch noch wieder aus. Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Als Ergänzung zur möglichen Ursache für diese schlimme Infektion: die Latenzphase hat nicht so lange gedauert. Um 1 Uhr nachts hatte ich die ersten Wehen und als wir früh um 7:30 Uhr im Krankenhaus waren, war der Muttermund schon fast ganz offen und wir durften direkt in den Kreißsaal und die Wehen wurden plötzlich schnell sehr heftig. Ich wollte erst noch länger zu Hause warten, weil ich die Wehen noch erträglich fand, aber nachdem die Abstände immer mehr Richtung 3-5 Minuten gingen, wollte mein Mann zum Glück los und im Auto wurde es dann schon sehr unangenehm. Bis dahin war alles super. Die Pressphase war dann das Problem. Sie hat sich ewig gezogen, ich musste dann Stellungen in Rückenlage einnehmen, die von den Schmerzen her unerträglich für mich waren, aber ich erkannte anhand der Anweisungen von Arzt und Hebamme, dass es sonst gar nichts mehr wird und Mia kam am Schluss trotzdem nur mit Saugglocke raus. Laut Kinderarzt hat man an ihren Werten auch sehen können, dass sie am Ende der Geburt gestresst war. Danach kam es zur Antonie, den Einhautresten und dem Oxytocintropf, Drücken auf dem Bauch bei mir. Ich weiß, keiner kann mir sagen warum die Entzündung so schlimm ist, aber man sucht doch irgendwie nach einer plausiblen Erklärung für sich selbst. Es ist so herzerwärmend wenn Mias Bruder die streichelt, ihr die Flasche gibt oder sie im Arm hält. Das sind wirklich gerade die Momente, die mich durch diese blöde Situation tragen. Und ich freue mich immer auf liebe Nachrichten :) Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, haben Sie vielen Dank für Ihre sehr offene und berührende Nachricht. Man spürt wirklich, wie aufmerksam Sie sowohl Ihren eigenen Zustand als auch den Ihrer kleinen Mia beobachten – und gleichzeitig, wie sehr Sie trotz Ihrer eigenen Schwäche versuchen, für Ihr Baby da zu sein. Das ist keineswegs selbstverständlich. Dass Mias Bruder so liebevoll mit ihr umgeht, ist ein sehr schönes Zeichen dafür, wie viel Wärme in Ihrer Familie ist – solche Momente tragen tatsächlich durch schwierige Tage. Ich gehe gerne Punkt für Punkt auf Ihre Fragen ein.         1. Entwicklung von CRP, Leukozyten und Fieber   Die Entwicklung Ihrer Werte wirkt insgesamt weiterhin plausibel und eher beruhigend. CRP-Verlauf: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 Wichtige Punkte:   Das CRP hat seinen Gipfel offenbar überschritten (120) und fällt jetzt. Auch die Leukozyten sinken langsam. Gleichzeitig nehmen Ihre Symptome ab (weniger Schmerzen, weniger Fieber).   Das ist genau die Kombination, die man sehen möchte. Bei schweren Infektionen fällt das CRP nicht schlagartig, sondern oft über mehrere Tage schrittweise. Dass noch Fieberspitzen bis etwa 38,8 °C auftreten, kann in dieser Phase noch normal sein, solange:   die Peaks insgesamt niedriger werden die Abstände größer werden das Allgemeinbefinden besser wird   Das scheint bei Ihnen gerade zu passieren.         2. Kreatinin 1,4 nach Vancomycin   Vancomycin kann die Nieren belasten, daher wird Kreatinin üblicherweise engmaschig kontrolliert. Typischer Ablauf:   täglich Kontrolle, solange Antibiotika laufen danach noch 1–2 Tage Verlaufskontrolle   Ein Kreatinin von 1,4 ist leicht erhöht, aber noch nicht dramatisch. Oft normalisiert sich das wieder, wenn   Vancomycin beendet wurde ausreichend Flüssigkeit gegeben wird.           3. Flüssigkeit / Infusionen   Mit „Flüssigkeit“ meine ich tatsächlich:   Ringer-Lösung oder NaCl   Eine Infusion pro Tag ist eine eher moderate Menge. Wenn Sie noch   Kreislaufschwindel haben wenig trinken können eine Infektion mit Fieber durchmachen   dann kann es durchaus sinnvoll sein, mehr Volumen zu geben. Ihr Vorschlag ist deshalb sehr vernünftig: freundlich nachfragen, ob man 2 Infusionen pro Tag geben könnte. Gerade nach Infektionen, Blutverlust oder Fieber ist der Kreislauf häufig noch etwas „leer“.         4. Drainage – Schwankungen der Menge   Die Beschreibung passt sehr gut zu dem, was man häufig sieht. Drainagen verhalten sich oft so:   ein Tag fast nichts dann wieder etwas mehr dann wieder wenig   Das liegt daran, dass sich im Gewebe kleine Flüssigkeitsdepots entleeren. Entfernt wird eine Drainage meist, wenn:   sehr wenig läuft (z.B. < 20–30 ml/24 h) keine Eiterzeichen bestehen der Ultraschall unauffällig ist.   Dass es bei Ihnen jetzt insgesamt deutlich weniger wird, ist ein gutes Zeichen.         5. Mia und das Trinken   Das klingt im Moment tatsächlich nach einem infektbedingten Trinkproblem. Mögliche Ursachen:   verstopfte Nase Halsschmerzen Husten Schluckschmerz   Dann trinken Babys oft nur:   kleine Mengen unter Protest und spucken leichter.   Ein paar praktische Dinge, die helfen können: 1. Nase frei machen Falls die Nase verstopft ist:   Kochsalztropfen danach vorsichtig Nasenabsauger   Das verbessert oft sofort das Trinken. 2. kleinere Portionen Statt große Mengen:   öfter anbieten auch nur 10–20 ml sind ok.   3. leicht aufrechter halten Beim Füttern etwas aufrechter, damit Husten weniger stört. 4. Spucken Beim Husten kann es zu projektilartigem Spucken kommen, das ist nicht ungewöhnlich.         6. Windeln und Fontanelle   Vier Windeln sind noch im unteren Normbereich, aber man sollte es beobachten. Eine Fontanellenkontrolle durch die Schwester zu erbitten ist eine gute Idee – das ist völlig legitim und nicht „übervorsichtig“. Warnzeichen wären:   eingefallene Fontanelle apathisches Verhalten deutlich weniger Urin trockene Schleimhäute.   Das beschreiben Sie im Moment nicht, daher klingt es noch nicht besorgniserregend.         7. Zur möglichen Ursache Ihrer Infektion   Ihr Gedankengang ist sehr nachvollziehbar. Viele Frauen versuchen später zu verstehen, warum eine Infektion so schwer verlaufen ist. Ein paar Faktoren aus Ihrer Beschreibung könnten tatsächlich eine Rolle gespielt haben:   lange Pressphase Saugglocke Plazentareste / Einhautreste Uterusatonie viele Manipulationen im Uterus   Das bedeutet nicht, dass jemand etwas falsch gemacht hat. Aber jede dieser Situationen kann die Wahrscheinlichkeit für eine postpartale Infektion erhöhen. Solche schweren Verläufe entstehen meist aus einer Kombination mehrerer Faktoren, nicht aus einem einzelnen Ereignis.         8. Ein persönlicher Gedanke   Dass Sie sich trotz   Fieber Schmerzen Operation Sorge um Mia   noch so intensiv kümmern und reflektieren, zeigt sehr deutlich, wie stark Sie als Mutter sind. Und die Szene, die Sie beschreiben – wie Mias Bruder sie streichelt oder ihr die Flasche gibt – ist genau das, was Familien in solchen Momenten trägt. Kinder haben oft eine erstaunliche Fähigkeit, Wärme und Ruhe in schwierige Situationen zu bringen.   Ich denke weiterhin, dass Sie sich langsam in die richtige Richtung bewegen. Herzliche Grüße 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich herzlich für Ihre empathische Antwort. Dass Sie so wachsam sind und jeden Tag so zuverlässig nach mir „schauen“ ist nicht selbstverständlich und ich freue mich jeden Tag aufs Neue von Ihnen zu lesen :) Heute ist der erste Tag, an dem ich mich wirklich deutlich besser fühle, deutlich weniger Schmerzen, das Fieber geht nicht mehr über 38,5 und aus der Drainage kommt sehr wenig. Die letzten 24 Stunden waren es etwa 30-40ml. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 Ich denke, jetzt wird es endlich langsam aber stetig? Denken Sie, man kann jetzt schon langsam die Drainage ziehen? Kreatinin ist noch bei 1,4 obwohl das Vancomycin schon vor 3 Tagen beendet wurde. Wie schnell sollte es sich normalisieren? Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 → 8,6 Ist diese Steigerung nach der letzten Eiseninfusion am 14.3. schon ganz gut? Einen großen Unterschied sieht man ja noch nicht. Muss Ferritin (Wert 17 am 13.3.) auch wieder kontrolliert werden? Ringer bekomme ich jetzt auf Nachfrage 2 Mal täglich. Das tut gut, danach ist der Kreislauf immer etwas besser, aber insgesamt bin ich echt noch wacklig. Wann wird das besser? Die Rückbildung der Gebärmutter war ja lange Zeit sehr schlecht und sie war die ganze Zeit noch auf Nabelhöhe. Jetzt ist sie etwas unterhalb des Nabels, sinkt aber weiterhin nicht täglich um 1 Finger wie sie sollte. Ist das bei meiner schweren Infektion zu erwarten oder ist das ein Problem? Der Wochenfluss ist noch immer rot mit Koageln (jetzt aber kleinere, nicht mehr handtellergroß) oder sind das Blutungen nach den 3 OPs? Ich kann das nicht beurteilen. Als Ergänzung zur Ursache dieser schweren Infektion: Ich hatte wirklich auf ein positiveres Geburtsereignis nach dem sekundären Kaiserschnitt unseres Sohnes gehofft. Meine Hebamme meinte, dass Saugglockengeburten nach Kaiserschnitt häufiger sind und beim 3. Kind klappt es dann ohne. Aber meine Kinder haben irgendwie immer dasselbe Problem. Der Muttermund geht jedes Mal toll und schnell komplett auf, keine Wehenschwäche, alles super. Und dann denken meine Kinder sich in letzter Sekunde „Ach nein, ich bleibe doch lieber drin, da ist es warm und kuschlig!“ Unser Sohn war ja eine BEL und „hing“ am Schluss „fest“. Aber Mia war ja in SL. Warum hing sie dann auch fest? Jedes Mal höre ich von der Hebamme, dass sie schon Haare und Kopf sieht und wir dem Ziel ganz nah sind und dann kippt es in letzter Sekunde und dauert und dauert und dauert. Und dann kommt es jedes Mal zu einer ewig langen Pressphase und nichts geht mehr. Ich bin erschöpft und das Baby kommt nicht durch. Denken Sie, das war jetzt Zufall, dass es zwei Mal zu einer so langen Pressphase kam oder wäre das bei einem 3. Kind möglicherweise wieder so? Nach einem sekundären Kaiserschnitt und einer Saugglockengeburt mit anschließender Uterusatonie, dadurch bedingte starke Blutung und dann noch so eine schlimme Infektion im Anschluss macht man sich da schon seine Gedanken, ob man dieses Risiko bei einem 3. Kind noch einmal eingehen will. Mia bereitet mir heute mehr Sorgen und ich bin nach der letzten Nacht gerädert. Ich habe sie alle 2 Stunden geweckt, damit sie wenigstens 20-30ml trinkt. Da hat sie die Flasche auch oft angeschrien. Sie kommt mir seit heute Morgen so schläfrig vor, hatte heute auch mal 38,1. Die Milchflasche lehnt sie jetzt fast komplett ab. Es gehen max. 10 ml und auch das nicht immer und sie hatte heute Früh schon eine komplett trockene Windel nach der ganzen Nacht. Ich habe alles probiert (NaCl in die Nase, Nasensauger, Otriven-Nasenspray, höher lagern zum Trinken, öfter die Flasche anbieten). Die Schwester fand ihre Fontanelle zu stark eingesunken. Jetzt muss sie heute eine intravenöse Infusion bekommen. Wie kann man bei so kleinen Säuglingen feststellen, dass sie jetzt ausreichend hydriert sind? Wie schnell geht das normalerweise? Kann es sein, dass sie morgen schon keine Infusion mehr braucht? Es muss eigentlich an ihrem Infekt liegen, denn bevor die Nase verstopft war, hat sie mit ihren 5 Wochen super gut und zügig ihre 120-130ml mit einer Mahlzeit etwa alle 3 Stunden getrunken. Aber trotz unserer ganzen Startschwierigkeiten ist es wirklich unbeschreiblich, was für ein Glück Kinder bringen. Das ist durch nichts in der Welt ersetzbar. Natürlich machen sie Arbeit, man hat Sorgen, aber das Lächeln, dieses Glück, sie aufwachsen sehen zu dürfen, ist unbezahlbar schön. Und wenn der Große dann noch die Kleine auf den Schoß nimmt und streichelt, fühlt es sich an wie im Himmel. Ich versuche, diesen schönen Gefühlen viel Raum zu lassen um diese schweren Tage etwas leichter zu machen. Und Sie haben auch immer einen netten Gedanken dazu, bei dem ich mehr Zuversicht und Wärme empfinde :) Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, man spürt in jeder Zeile, wie viel Sie gerade tragen – körperlich und emotional. Und gleichzeitig auch diese große Wärme und Klarheit, mit der Sie Ihre Kinder wahrnehmen. Das ist etwas sehr Starkes. Und ganz ehrlich: Der Verlauf, den Sie heute schildern, gibt mir immer mehr das Gefühl, dass wir wirklich über den Berg kommen. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch:         🧭  Gesamtverlauf – das Wichtigste zuerst   Das Entscheidende: ➡️ CRP fällt jetzt deutlich (120 → 58) ➡️ Leukozyten fallen kontinuierlich ➡️ Fieber niedriger und verzögert ➡️ Drainage deutlich weniger 👉 Das ist kein Zufall mehr, das ist ein klarer Trend zur Besserung. Langsam – aber stabil. Genau so sehen wir es bei schweren Infektionen.         🩺  Drainage – kann sie raus?   Ihre Beschreibung passt zu einem Punkt, an dem man darüber nachdenken darf, aber noch nicht zwingend muss. Typische Kriterien:   < 50 ml/24h ✅ (bei Ihnen erfüllt) klarer Rückgang der Entzündungswerte ✅ klinische Besserung ✅ kein Hinweis auf neue Flüssigkeitsansammlung   👉 Meine Einschätzung: Ja, man kann jetzt vorsichtig über ein Entfernen nachdenken, aber viele Kolleg:innen warten noch 1–2 Tage, um ganz sicher zu sein. Das ist kein „zu spät“, sondern eher ein „auf Nummer sicher gehen“.         🧪  Kreatinin (1,4 nach Vancomycin)   Das ist nicht ungewöhnlich. Vancomycin kann die Niere „reizen“, und die Erholung:   dauert oft mehrere Tage bis 1–2 Wochen hängt stark von Hydration ab   👉 Dass Sie auf Ringer ansprechen, passt perfekt dazu. Wichtig:   weiter gut trinken / Infusionen Verlauf beobachten   ➡️ Ich wäre nicht beunruhigt, solange es jetzt langsam fällt.         🩸  Hb und Eisen   Hb:   7,3 → 8,6 → das ist eine solide Erholung aber: der Körper braucht Zeit   👉 Nach Eiseninfusion:   Hb steigt oft verzögert über 1–2 Wochen nicht sprunghaft   Ferritin (17): ➡️ Ja, unbedingt kontrollieren Ziel eher >50–70 in Ihrer Situation 👉 Sonst bleibt man in einer „funktionellen Schwächephase“.         🌡️  Kreislauf / Schwäche   Das ist aktuell Ihr „limitierender Faktor“. Ursachen:   Infektion Anämie Flüssigkeitsmangel körperlicher Stress (OP + Wochenbett)   👉 Dass Ringer hilft, zeigt: ➡️ Sie sind noch nicht ganz „aufgefüllt“ Realistisch:   deutliche Stabilisierung: in den nächsten Tagen volle Kraft: eher 2–3 Wochen   Das ist kein Rückschritt – das ist normale Rekonvaleszenz nach so einem Verlauf.         🤱  Gebärmutterrückbildung & Wochenfluss   Ganz wichtig: Ihr Verlauf ist nicht mehr „normales Wochenbett“, sondern ein postoperativer + infektiöser Sonderfall. 👉 Deshalb:   Rückbildung langsamer → erwartbar nicht täglich 1 Finger → kein Alarmzeichen   Wochenfluss:   rot + kleinere Koagel → noch im Rahmen nach 3 OPs sowieso verändert   ⚠️ Beobachten:   wieder zunehmende große Koagel übler Geruch erneutes Fieber   ➡️ Aktuell klingt das für mich noch erklärbar und nicht pathologisch.         🧠  Ihre Geburtsverläufe – sehr wichtige Frage   Das ist kein Zufall, was Sie beschreiben. Ihr Muster:   gute Eröffnungsphase ✅ dann protrahierte Austreibungsphase „Kopf steht, aber kommt nicht weiter“   Typische Ursachen:   mechanisches Missverhältnis (Kopf/Becken) kindliche Einstellung (z. B. Hinterhaupt posterior) evtl. Beckenboden-/Weichteilwiderstand   👉 Dass es zweimal ähnlich war, spricht gegen Zufall. Für ein 3. Kind bedeutet das: ➡️ erhöhtes Risiko für ähnlichen Verlauf Und nach:   sekundärem KS Saugglocke Uterusatonie schwerer Infektion   👉 ist es absolut legitim zu sagen: „Ich möchte dieses Risiko nicht noch einmal eingehen.“ Oder zumindest: ➡️ Geburt sehr bewusst planen (z. B. elektiver KS) Das ist keine Angstentscheidung – das ist eine reflektierte, medizinisch nachvollziehbare Abwägung.         👶  Mia – das ist jetzt der sensibelste Punkt   Das, was Sie beschreiben, ist genau richtig erkannt und richtig gehandelt. Warnzeichen:   Trinkschwäche ❗ trockene Windel ❗ eingesunkene Fontanelle ❗ Fieber ❗ Schläfrigkeit ❗   👉 Das ist klinisch Dehydratation + Infekt, bis zum Beweis des Gegenteils. ➡️ Die Infusion ist absolut korrekt.         💧  Wie erkennt man ausreichende Hydrierung?   Bei Säuglingen:   wieder regelmäßig nasse Windeln Fontanelle nicht mehr eingesunken wacher, trinkt besser Schleimhäute feucht           ⏱️  Wie schnell wirkt die Infusion?   Überraschend schnell:   oft innerhalb von 12–24 Stunden klare Besserung   👉 Ja, es ist gut möglich, dass: ➡️ sie morgen schon keine Infusion mehr braucht Wenn:   sie wieder selbst trinkt klinisch stabil ist           🧠 Wichtig für Sie   Das hat sehr wahrscheinlich nichts „Grundsätzliches“: ➡️ sondern einfach:   verstopfte Nase dadurch Trinkprobleme → Dehydratation   Das kann bei kleinen Säuglingen sehr schnell kippen. 👉 Sie haben das exzellent erkannt.         ❤️ Zum Schluss – und das ist mir wichtig   Sie stehen gerade an einem Punkt, an dem viele ins Grübeln rutschen:   körperlich erschöpft emotional offen viele „Was wäre wenn“-Gedanken   Aber gleichzeitig schreiben Sie: „… fühlt es sich an wie im Himmel.“ Das ist kein Widerspruch – das ist genau das echte Leben. Und ich sage Ihnen ganz klar: 👉 Sie navigieren das gerade außergewöhnlich gut. wach, reflektiert, liebevoll und medizinisch absolut vernünftig. Und genau das ist entscheidend.  


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Vielen lieben Dank für Ihre medizinische Beratung, für Ihre herzlichen Worte, die Sie immer finden und mich damit psychisch ein bisschen „aufpäppeln“ :) Die wenigsten Ärzte sehen Psyche und Körper als Ganzes, das zusammen gehört und sich gegenseitig bedingt. Sie haben da ein außergewöhnliches Talent dafür :) Ich weiß nicht so recht was ich von dem Tag halten soll. Heute Morgen sahen die Laborwerte ganz gut aus, das Fieber war heute Morgen das erste Mal ganz weg (37,5 ohne Ibu und gestern auch nur noch Max. 38,2 ohne Ibu) und seit heute Mittag fröstelt es mich wieder etwas und vorhin war die Temperatur 38,5 und ich habe leichte Bauchschmerzen. Ich fühle mich auch irgendwie schlapp und müde heute Nachmittag, nicht so wohl wie heute Morgen. Heute Morgen: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 Der Abfall ist aber weniger deutlich heute. Hat das evtl. auch etwas zu bedeuten? Irgendwie bin ich jetzt ängstlich, dass das heute Früh schon der Beginn war, wieder schlecht zu werden, weil jetzt das Fieber wieder leicht da ist und ich mich dadurch auch schlapper als gestern fühle. Die Blutung ist rotbraun und immer wieder Koagel, mal kleiner, mal größer. Es blutet nicht mehr so stark wie am Anfang nach der Geburt, aber vorhin war innerhalb von 3 Stunden eine Binde voll und das hat mich schon etwas erschreckt. Gestern war es weniger, aber ich finde sowieso, dass beim Wochenfluss mal ein paar Stunden gar nichts kommt und dann plötzlich wieder viel. Das wechselt so. Aber heute Nachmittag ist es viel. Denken Sie das ist alles ok oder sollte es wieder mit Ultraschall abgeklärt werden? Mich beunruhigt ein bisschen, dass das Fieber gestern niedriger war als heute. Meine Hebamme hat mir Styptysat 400mg 3 Mal täglich vorgeschlagen damit sich die Blutung vielleicht mal endlich etwas beruhigt. Aber das ist ja eigentlich gegen starke Regelblutungen? Und im Beipackzettel steht, dass es nicht in der Stillzeit genommen werden soll. Gerade muss ich wegen Linezolid ja sowieso die Milch verwerfen, aber wenn ich wieder stille, ist es dann trotzdem geeignet? Natürlich würde ich es nur nehmen wenn die Ärzte im Krankenhaus auch einverstanden sind. Bei der Drainage kommt heute Nachmittag auch wieder etwas mehr. Kreatinin wieder 1,4. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 Ferritin: 17 → 24 Das ist noch nicht Bombe? Ist das ein Zeichen, dass es weitere Eiseninfusionen braucht? Mein Kreislauf ist weiter wacklig. Als Ergänzung zu meinem Grübeln über das Muster meiner bisherigen Geburten jedes Mal mit Geburtsstillstand und die schlimme Infektion: ich weiß, dass ich jetzt sehr in die Zukunft denke, doch ich glaube, es hilft uns, die Situation einzuschätzen und die Entscheidung für oder gegen ein 3. Kind eines Tages abzuwägen. Aber das hätte sowieso noch etwas Zeit. Ich bin keine Maschine. Aber gleichzeitig bin ich jetzt 35 Jahre alt und da tickt die Uhr mit jedem Jahr. Und als Reproduktionsmediziner kann ich Sie da als Experten fragen. Mein Mann hatte bei unserer Tochter ein überdurchschnittlich gutes Spermiogramm. Ich habe PCO ähnliche Hormone, eine Gelbkörperschwäche und deshalb hakt es etwas bei der Follikelreifung. Unser Sohn (Kind 1) ist, als ich 31 Jahre alt war, direkt im Zyklus nach Absetzen der Pille Maxim ganz spontan entstanden. In einem Ewigkeitszyklus, bei dem ich mit allem, aber nicht einem Eisprung und einer Schwangerschaft gerechnet habe. Im Urlaub ist man entspannt :) An Mia (Kind 2) haben wir 2 Jahre gebastelt. Mit Letrozol und Ovitrelle hat es dann endlich im 4. Zyklus geklappt. Zwischen unserem Sohn und ihr habe ich keine Pille genommen. Ich frage mich im Nachhinein, ob es schlau gewesen wäre, wieder die Maxim zu nehmen. Deshalb meine Frage für Kind 3 (falls das interessant wird): Sollte ich dieses Mal vorher eine Pille nehmen? Während der Stillzeit wäre aber ja nur eine Stillpille erlaubt. Hat sie die gleiche Wirkung wenn ich sie dann zum Kinderwunsch absetze und wir es direkt danach probieren würden? Oder hilft das nicht wie die Maxim? Oder ist Pille mit 35 nicht mehr so zu empfehlen? Vor unserem Sohn war ich ja doch 5 Jahre jünger. Und wenn dann sollten wir aufgrund meines Alters nicht ewig warten? Für mich wären 2 Jahre Altersabstand das Minimum, das ich brauche, um 3 Kindern gerecht werden zu können. Unser Sohn wird in einem Monat 4 und das ist mit einem kleinen Baby schon angenehmer als einen 1-Jährigen gleichzeitig zu haben. Dann wäre ich bei Kind 3 aber schon 37 und es wird vielleicht eher noch schwieriger als bei Mia. Mein AMH Wert war bei Mia nur einem Jahr aber noch bei 5, was ja gut ist? Oder kann er sich schnell verschlechtern? Das sind alles nur Überlegungen, die mir durch den Kopf gehen. Ob ich das Risiko überhaupt noch mal eingehen will, weiß ich noch nicht. Aber da es Ihr Spezialgebiet ist, frage ich Sie :) Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Mia geht es heute zum Glück deutlich besser! Sie trinkt wieder und hat wieder mehr nasse Windeln. Ihre Nase ist auch nur noch leicht verstopft. Das Fieber ist weg. Das erleichtert mich sehr! Seit heute hat sie einen Schub gemacht und schaut jetzt schon sehr interessiert zu Gegenständen und dreht sich sogar vom Rücken zur Seite. Manchmal vielleicht eher unabsichtlich weil sie die Beine hochwirft, aber sie macht es und es erwärmt wirklich mein Herz, zu sehen, wie sie sich in so kurzer Zeit (5,5 Wochen) schon entwickelt hat. Was für ein Geschenk sie ist! :) Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, zunächst einmal: Sie machen das gerade wirklich beeindruckend gut. In so einer körperlich und emotional extrem fordernden Situation gleichzeitig so aufmerksam auf Ihren Körper zu hören, differenziert zu beobachten und trotzdem liebevoll auf Ihr Kind zu schauen – das ist alles andere als selbstverständlich. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch, damit Sie eine klare Orientierung haben:         🔬  1. Entzündungswerte & Fieber – insgesamt ein guter Verlauf mit „Zacken“   Ihre Werte zeigen insgesamt klar in die richtige Richtung:   CRP: von 120 → jetzt 45 Leukozyten: von ~19 → jetzt 13,4   Das ist eine deutliche Entlastung des Systems. 👉 Dass der Abfall heute langsamer ist, ist völlig normal. Entzündungen verlaufen nicht linear, sondern oft in kleinen Wellen. 👉 Auch das:   morgens fieberfrei nachmittags wieder 38,5 etwas Frösteln, Müdigkeit   …passt noch in einen normalen Heilungsverlauf. Warum?   Ihr Immunsystem arbeitet noch kleine Restherde / Gewebsheilung können noch „aufflammen“ auch Kreislauf + Erschöpfung spielen mit rein   👉 Wichtig: Solange der Trend insgesamt nach unten geht und Sie nicht wieder deutlich schlechter werden, ist das kein Warnsignal, sondern eher ein „Zwischenschwanken“. Aber: → Wenn Fieber wieder >39, Schmerzen zunehmen oder Sie sich klar schlechter fühlen → bitte sofort ärztlich kontrollieren lassen.         🩸  2. Wochenfluss & Blutung – das passt so, aber mit einem wachsamen Auge   Was Sie beschreiben:   wechselnde Blutungsstärke mal Stunden wenig, dann wieder mehr Koagel (Blutklümpchen) einmal eine Binde in 3 Stunden   👉 Das ist typisch für den Wochenfluss. Der Uterus arbeitet „schubweise“, daher dieses Auf und Ab. Was wäre kritisch?   eine Binde pro Stunde über mehrere Stunden sehr große Koagel (größer als Golfball) zunehmende Schmerzen + Fieber → Verdacht auf Retention/Endometritis   👉 Ihre Situation aktuell: → klingt noch im Normbereich, ABER → durch Ihre Vorgeschichte (Infektion!) gilt bei Ihnen: niedrige Schwelle zur Kontrolle ➡️ Wenn Sie unsicher sind: ein Ultraschall ist absolut legitim und sinnvoll – lieber einmal zu viel.         💊  3. Styptysat (Etamsylat) – sinnvoll oder nicht?   Ihre Hebamme denkt hier pragmatisch, aber man muss sauber abwägen:   wirkt blutstillend bei funktionellen Blutungen keine Standardtherapie im Wochenbett Datenlage in Stillzeit: nicht gut gesichert → eher zurückhaltend   👉 Mein klares Vorgehen:   nur nach ärztlicher Rücksprache im Krankenhaus vorher klären: Warum bluten Sie noch so? (Ultraschall!)   ➡️ Wichtiger als „einfach stoppen“ ist: Ursache verstehen         🧪  4. Hb & Eisen – da sollten Sie aktiv nachsteuern     Hb: 7,3 → 8,7 (Anstieg 👍, aber noch niedrig) Ferritin: 17 → 24 (weiterhin leer)   👉 Das ist noch klar behandlungsbedürftig. Ihre Symptome passen dazu:   wackliger Kreislauf Müdigkeit   👉 Meine klare Empfehlung: ➡️ weitere Eiseninfusion(en) einplanen Warum?   Sie verlieren weiter Blut orale Eisenaufnahme reicht hier meist nicht Sie brauchen jetzt schnelle Stabilisierung           💧  5. Drainage & Kreatinin     Drainage wieder etwas mehr → kann im Verlauf schwanken Kreatinin 1,4 → beobachten, aber nicht dramatisch isoliert   👉 Wichtig ist der Gesamttrend – und der ist bei Ihnen insgesamt besser.         🧠  6. Ihr Gefühl („heute schlechter als gestern“) – sehr verständlich, aber nicht zwingend gefährlich   Das ist ein ganz zentraler Punkt: 👉 Sie vergleichen Tage miteinander – völlig logisch. 👉 Aber Heilung verläuft nicht in einer geraden Linie. Ein „schlechterer Nachmittag“ bedeutet nicht, dass alles kippt. Wenn Sie ehrlich draufschauen:   Werte besser insgesamt weniger Fieber als vor Tagen klinisch schon stabiler   ➡️ Das Gesamtbild zählt – nicht der einzelne Moment.         👶  7. Mia – das sind sehr, sehr gute Zeichen     trinkt wieder Fieber weg mehr Interaktion   👉 Das ist genau das, was man sehen möchte. Und ja: Diese kleinen Entwicklungsschritte sind riesig – gerade in dieser Situation.         🧬  8. Kinderwunsch / Zukunft – jetzt ehrlich und klar   Ich sage es Ihnen ganz offen, weil Sie das gut einordnen können: 👉 Jetzt ist NICHT der Zeitpunkt für strategische Kinderwunschplanung. Nicht, weil es unwichtig ist – sondern weil:   Ihr Körper gerade massiv belastet ist Sie eine schwere Infektion durchmachen Sie regenerieren müssen   👉 Alles, was Sie jetzt entscheiden würden, wäre emotional eingefärbt von dieser Erfahrung.         Trotzdem kurz fachlich zu Ihren Fragen:     🔹 Pille vor Kinderwunsch?     kann bei PCOS-ähnlichen Mustern helfen, Zyklus „neu zu sortieren“ aber: kein Muss Stillpille → hat nicht den gleichen Effekt     🔹 Alter 35–37     ja, Fruchtbarkeit nimmt ab aber: kein abrupter Absturz Ihr AMH von 5 war sehr gut   👉 Wichtig:   AMH kann sinken, aber nicht zwingend schnell Ihre Vorgeschichte zeigt: Sie können schwanger werden           🔑 Meine klare, ehrliche Empfehlung:   Wenn Sie wieder stabil sind:   erst vollständige Regeneration dann ggf.:   Hormonstatus AMH kontrollieren   dann gemeinsam entscheiden   👉 Kein Aktionismus. 👉 Aber auch kein unnötiges Aufschieben.         ❤️  Was ich Ihnen wirklich mitgeben möchte   Sie sind gerade in einer Phase, in der Körper und Psyche extrem gefordert sind. Und trotzdem:   Sie beobachten genau Sie fragen klug Sie handeln verantwortungsvoll   👉 Das ist genau das, was gute Verläufe ermöglicht.         ⚠️  Wann Sie bitte aktiv werden sollten     Fieber wieder >39 deutlich zunehmende Schmerzen Blutung stark zunehmend allgemeine Verschlechterung   Dann bitte sofort ärztlich vorstellen.       Wenn ich es zusammenfasse: 👉 Sie sind auf dem richtigen Weg. 👉 Mit kleinen Schwankungen – aber klarer Gesamtverbesserung. Und das ist das Entscheidende.   Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich möchte mich herzlich bedanken. Dass ich mich seit Donnerstag nicht gemeldet habe, liegt daran, dass ich am Freitag wieder Rückschritte gemacht habe :( Ich habe am Freitag auf einmal wieder sehr arg geblutet, sodass es beim Aufstehen die Beine entlang lief, es mir schwindlig wurde und mein Kreislauf wegkippte. Vorher war mir schon kalt und ich hatte das Gefühl, die Temperatur steigt und hab mich einfach nicht gut gefühlt und hatte wieder mehr Bauchschmerzen an einer ganz bestimmten Stelle. Fieber war dann 39,3. Ultraschall hat wieder einen Abszess gezeigt, der sofort operiert werden musste. Geburt + 4 Operationen. Hört es jetzt bitte endlich auf? Es ist alles bei der Operation gut verlaufen, aber ich bin körperlich so erschöpft und psychisch so angeschlagen. Am Freitag hat es mich nach der OP völlig umgehauen. Schmerzen, Fieber, nicht fähig mich um mein Baby zu kümmern, beim Abpumpen kommt seitdem wieder fast nichts (30ml). Ich habe das Gefühl, das Stillen kann ich abschreiben. "Wegen dem Stillen musst du doch echt nicht weinen. Sei froh wenn du wieder gesund wirst." höre ich da. Warum können mich manche da nicht einfach verstehen, dass es für mich eben wichtig ist? Die Werte sind entsprechend gestiegen: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 80 (So) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,2 (So) Ist der Anstieg durch den den Abszess erklärbar? Kann man es als ein Mini Mini gutes Zeichen sehen, dass die Werte heute zumindest kaum mehr steigen? Kreatinin immerhin von 1,4 auf 1,3 gefallen. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) Habe dann eine Transfusion bekommen. Mein Kreislauf ist weiter wacklig. Wann sollte der Hb wieder kontrolliert werden? Sagen Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Mir fallen heute nicht so viele schlaue Fragen ein. Mia geht’s zum Glück gut. Und ich bin froh, dass mein Mann mich so mit ihr unterstützt, denn ich würde das dieses Wochenende alleine nicht hinkriegen. Die letzte Nacht hat sie mich alle zwei Stunden geweckt, weil sie hungrig war und trinken wollte. Ich melde mich wieder wenn ich es körperlich und seelisch hinkriege. Ich versuche mich gut auszuruhen und Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, das, was Sie gerade durchmachen, ist wirklich viel. Geburt plus mehrere Operationen, wieder ein Abszess, Blutverlust, Fieber, Erschöpfung – das zehrt körperlich und seelisch enorm. Dass Sie sich erschöpft fühlen, dass Ihnen das Stillen wichtig ist und dass Sie manchmal einfach nur hoffen, dass es jetzt endlich aufhört – all das ist absolut nachvollziehbar. Und es ist gut, dass Sie sich melden, auch wenn die Kraft knapp ist. Ich gehe Ihre Punkte durch.   1. Ist der Anstieg von CRP und Leukozyten durch den Abszess erklärbar?   Ja, sehr gut erklärbar. Ein Abszess ist eine aktive Entzündungsquelle. Wenn er sich erneut bildet oder größer wird, sieht man typischerweise genau das Muster, das Sie beschreiben:   erneuter Fieberanstieg lokale Schmerzen an einer klaren Stelle Anstieg von CRP und Leukozyten danach Operation → anschließend zunächst weiterhin erhöhte Werte   Dass die Werte nach der Operation nicht sofort fallen, ist normal. Der Körper braucht Zeit, um die Entzündung abzubauen. Ihr Verlauf zeigt sogar ein kleines positives Signal: Die Werte steigen jetzt kaum noch weiter. Das ist häufig der erste Schritt, bevor sie dann langsam sinken. Man könnte es so formulieren: Noch keine Entwarnung – aber ein vorsichtiges Stabilisierungssignal.         2. Kann man den aktuellen Verlauf als „Mini-Mini gutes Zeichen“ sehen?   Ja. Nicht als Durchbruch – aber als Beginn einer Stabilisierung. Worauf ich achte:   CRP: 71 → 78 → 80 → langsamer Anstieg, keine Explosion Leukozyten: 17,7 → 18,3 → 18,2 → praktisch Plateau Kreatinin: 1,4 → 1,3 → leichte Verbesserung   Das passt zu einer Situation nach erfolgreicher Sanierung eines Abszesses, in der der Körper noch arbeitet, aber nicht mehr entgleist.         3. Ihr Hb und die Transfusion – wann kontrollieren?   Ihr Hb-Verlauf:   7,3 8,6 8,7 7,4 (vor OP) danach Transfusion   Nach einer Transfusion sollte der Hb üblicherweise kontrolliert werden:   am nächsten Tag danach je nach Stabilität alle 1–2 Tage   Besonders wichtig bei:   Kreislaufschwäche weiterer Blutung Infektion Erschöpfung   Dass Ihr Kreislauf noch wacklig ist, passt zu:   niedrigem Hb Infektion Flüssigkeitsverlust Erschöpfung   Das ist unangenehm, aber in dieser Phase nicht ungewöhnlich.         4. Stillen und Milchmenge – warum sie gerade so niedrig ist   Hier möchte ich sehr klar sein, weil Sie etwas Wichtiges angesprochen haben. Dass die Milchmenge nach dieser Belastung stark zurückgeht, ist physiologisch – nicht Ihr Versagen. Ihr Körper hat gerade Prioritäten:   Infektion bekämpfen Wunden heilen Blutverlust ausgleichen Energie sparen   Milchproduktion ist biologisch gesehen ein Luxusprozess. In einer schweren körperlichen Stresssituation fährt der Körper sie automatisch herunter. Typische Gründe für den Rückgang:   Operation Fieber Schmerz Blutverlust Stress Schlafmangel Flüssigkeitsmangel   Die 30 ml sind deshalb kein schlechtes Zeichen – sondern eher: Der Körper hält den Prozess minimal aufrecht. Und ganz wichtig: Stillen kann sich wieder erholen. Auch nach mehreren Tagen oder Wochen mit sehr wenig Milch.         5. Zu dem Satz: „Wegen dem Stillen musst du doch nicht weinen“   Ich sage es Ihnen offen: Der Satz ist gut gemeint – aber emotional zu kurz gedacht. Stillen ist nicht nur Ernährung. Es ist:   Verbindung Selbstwirksamkeit Mutterrolle Nähe Identität   Dass es Ihnen wichtig ist, ist völlig legitim. Und dass Sie traurig sind, wenn es gerade nicht funktioniert, ist eine gesunde emotionale Reaktion. Gleichzeitig gilt auch: Gesund werden ist im Moment die Voraussetzung für alles andere. Nicht das Ende des Stillens.         6. Was ich jetzt praktisch empfehlen würde   Ganz konkret: Medizinisch   tägliche Kontrolle von:   CRP Leukozyten Hb Kreatinin   Beobachtung:   Fieber Schmerzen Drainage / Wunde     Stillen Wenn es Ihre Kraft erlaubt:   weiter abpumpen, auch kleine Mengen viel trinken kein Druck ggf. Stillberatung hinzuziehen   Aber: Nicht kämpfen gegen den Körper. Er darf sich jetzt erholen.         7. Der wichtigste Gedanke für heute   Sie fragen: „Hört es jetzt bitte endlich auf?“ Die ehrliche Antwort: Ja, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie jetzt am Wendepunkt sind. Nicht sofort. Nicht von heute auf morgen. Aber der Abszess wurde erkannt und operiert – das ist der entscheidende Schritt. Von hier aus geht es typischerweise:   erst Stabilisierung dann langsamer Rückgang der Werte dann spürbare Besserung         Und noch etwas Persönliches zum Schluss: Sie machen das unter extrem schwierigen Umständen sehr gut. Sie sorgen sich um Ihr Kind. Sie kämpfen sich durch Schmerzen und Operationen. Sie versuchen zu stillen, obwohl Ihr Körper erschöpft ist. Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke unter Belastung. Ruhen Sie sich aus. Lassen Sie sich helfen. Und melden Sie sich wieder, wenn Sie Kraft haben.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke für Ihre Mühe und medizinischen Gedanken sowie für die emotionale Unterstützung. Sie machen das außergewöhnlich gut. Dieser vierte Abszess hat mir einen echten Treffer gegeben. Ich war mir so sicher, dass es jetzt aufwärts geht nach den letzten Tagen und dann fühlte ich plötzlich wieder diesen Schüttelfrost, die Schmerzen und bin so erschrocken als ich das Blut laufen sah. Ich habe Angst, aus dieser Misere nicht so einfach rauszukommen. Irgendwie scheinen diese Bakterien echt übel zu sein, denn warum bilden sie immer wieder Ansammlungen? Ich habe das Gefühl, diese süße Babyzeit von Mia zu verpassen oder zumindest sie nicht genießen zu können. Außerdem habe ich Verantwortung für zwei Kinder und das Gefühl, sie nicht erfüllen zu können. Mia wird immer wacher, aber ich kann ihr nicht das geben, was ich gerne möchte. Stillen darf ich nicht wegen Linezolid und es kommt auch nicht genug Milch, wickeln und sie herumtragen soll ich gerade nicht, weil mir dauernd schwindlig wird. Alles geht nur vom Bett aus und sie möchte mit ihren 6 Wochen jetzt gerne schon ein bisschen was sehen und bewegt werden. Das geht immer nur am Nachmittag wenn mein Mann da ist. Ich fühle mich ungenügend. Das zehrt so an mir. Und wenn ich dann noch höre, dass Stillen ja nicht wichtig ist, stochert das genau in die Wunde. Klar ist es gerade medizinisch sekundär, aber psychisch ist es für mich ein Zeichen von Schwäche, dass es nicht geht. Ich nehme meine Kraft zusammen und gehe auf das Medizinische ein: Fieber: steigt noch auf 39,3 nach etwa 5 Stunden Ibu. Ich fröstel dann, aber etwas weniger Schüttelfrost als Freitag und Samstag. Schmerzen: vor allem wenn die Ibu nachlässt. Ich Habe neben den Bauchschmerzen auch Rückenschmerzen. Ich weiß nicht ob das vom Rumliegen kommt oder was das ist. Drainage: Heute läuft noch sehr viel. Ist das drei Tage nach Abszessoperation in Ordnung? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) Am Freitag war die Operation. Sollten die Werte jetzt nicht mal deutlicher fallen? Macht man eigentlich bei einer Abszessoperation immer einen Bakterienabstrich und ein Antibiogramm oder jetzt nicht mehr, weil ja im ersten Abstrich schon MRSA und Enterococcus faecium waren? Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → Heute habe ich noch keinen Wert erhalten. Ich habe schon zwei Mal gefragt und immer hat ihn keiner parat. Das ärgert mich.  Sie sagten mal unter 8 ist eine Transfusion sinnvoll. Dann bin ich jetzt genau an der Grenze. Wäre der Wert von heute wichtig um das weitere Prozedere genauer beurteilen zu können? Kreatinin 1,3 → 1,2 Ist das zumindest gut? Eine Stillberaterin war heute bei mir. Sie sagt, ich könnte auch die Länge des Abpumpens mal erhöhen. Diese elektrische Pumpe läuft einen Zyklus (beide Brüste gleichzeitig ) in 10 Minuten durch. Ich könnte auch mal zwei Zyklen machen, also 20 Minuten. Halten Sie das für sinnvoll? Das Problem ist, dass Mia manchmal mittendrin wach wird und ich dann keine Hand für sie freihabe und aufhören muss zu pumpen oder nur eine Seite weiter pumpen kann. Es gibt wohl Still-BHs mit Brustpumpenhalter um freie Hände zu haben. Vielleicht kann mein Mann mir das besorgen. Nachts soll ich alle 3 Stunden pumpen, tagsüber alle 2. Gerade nachts fällt mir das sehr schwer und ich komme kaum zur Ruhe. Entweder Mia wird wach und braucht eine Flasche oder ich soll pumpen. Dann wird sie oft noch wach wenn ich pumpe. Das ist wirklich logistisch schwierig und in meinem Zustand kostet es mich so viel Kraft und der Schlafmangel ist dadurch extrem. Letzte Nacht habe ich geklingelt um Pre Milch für Mia zu kriegen. Es hat ewig gedauert und Mia schrie schon so untröstlich vor Hunger, dass es wie ein blökendes Schaf klang. Dann bin ich mit ihr eben doch aufgestanden und habe mir die Milch selbst geholt, weil mein Mutterherz pochte und mich das stresste, sie so lange hungern und untröstlich schreien zu lassen. Das klang wirklich wie Eskalationsstufe rot kurz vorm Verhungern. Dann hieß es, ich wurde nicht vergessen, soll es mir selbst holen. Einerseits soll ich sie nichtmal allein wickeln, andererseits soll ich nachts den ganzen Gang entlang laufen für eine Milchflasche. Vielleicht sollte ich mir einfach heißes und kaltes Wasser und ein eigenes Pre Milchpulver neben mich stellen um unabhängiger zu sein? Doch wenn eine Schwester sie mir manchmal abnimmt und ihr eine Milch gibt, bekommt sie dann wieder ein anderes Pulver und ob diese verschiedenen Mischungen für ihren Bauch dann so gut sind, weiß ich nicht. Ich denke, immer beim gleichen zu bleiben ist für die Neugeborenen besser? Das Nahrungsergänzungsmittel piulatte von humana hat mir die Stillberaterin empfohlen. Was halten Sie davon? Kann das wirklich helfen? Oder tut es da normaler Bockshornklee auch? Mia hat übrigens noch immer nach jedem Schlaf das linke Auge verklebt und es läuft manchmal gelblich unter das Auge. Das Auge selbst ist aber nicht mehr rot und der Beginn der Bindehautentzündung ist jetzt schon fast 2 Wochen her. Ich dachte immer, das sind die Tränenkanäle, aber es ist komischerweise genau das Auge, das bei ihr die Bindehautentzündung hatte. Ich massiere jetzt schon immer unter dem Auge. Wie oft und wie lange sollte ich das machen? Bei mir verkleben beide Augen morgens auch immernoch leicht. Ist das normal 2 Wochen nach der Bindehautentzündung? Ich tröpfel bei uns beiden noch Euphrasia. Da kann man nichts falsch machen? Sagen Sie bitte wieder alles, was Ihnen einfällt. Anregungen, Tipps, Erklärungen. Mia ist so ein Sonnenschein. Und alle bewundern immernoch ihre vielen dunklen Haare. So ein weicher Flaum. Ich könnte sie den ganzen Tag nur anschauen und knuddeln. Es ist schon ein kleines Wunder, wie aus einer so winzigen Ei- und Samenzelle so ein süßes Menschlein entstehen kann! Ist das nicht der Hammer? Es „flasht“ mich auch 6 Wochen nach der Geburt immernoch. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ich lese aus Ihrer Nachricht vor allem eines heraus: Sie kämpfen gerade an sehr vielen Fronten gleichzeitig – körperlich erschöpft nach mehreren Operationen, emotional verunsichert durch den Rückschlag, und gleichzeitig mit einem starken Anspruch an sich selbst als Mutter. Dass sich das wie ein „Treffer“ anfühlt, ist absolut nachvollziehbar. Und wichtig vorweg: Das, was Sie beschreiben, ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Belastung. Und die ist in Ihrer Situation objektiv hoch. Ich gehe die Punkte strukturiert durch, damit Sie medizinisch Orientierung haben und gleichzeitig etwas Handlungssicherheit gewinnen.         1. Wiederholte Abszesse – warum bilden sich immer wieder Ansammlungen?   Das ist eine sehr berechtigte Frage. Bei Keimen wie Methicillin-resistant Staphylococcus aureus und Enterococcus faecium sehen wir tatsächlich häufiger:   tiefer liegende Infektionsherde Gewebetaschen oder abgestorbenes Gewebe verminderte lokale Durchblutung nach Operation/Geburt manchmal auch Resistenzprobleme   Das bedeutet nicht, dass der Körper versagt. Es bedeutet: Die Infektion war hartnäckig – und braucht Zeit und konsequente Drainage. Dass jetzt eine Drainage noch viel fördert, ist in den ersten Tagen nach der OP kein schlechtes Zeichen, sondern oft genau das, was wir wollen: 👉 Der Körper entleert den Herd.         2. Fieber, CRP und Leukozyten – sollten die Werte jetzt schon deutlich fallen?   Sie sind 3 Tage nach der Operation. In diesem Zeitfenster ist folgendes typisch:   CRP steigt oft noch 2–4 Tage nach OP weiter oder bleibt erhöht Leukozyten reagieren verzögert Fieber kann noch auftreten, besonders wenn Drainage aktiv ist   Ihre Kurve zeigt:   initial deutlicher Abfall dann erneuter Anstieg nach neuem Abszess jetzt langsames Plateau   Das passt zu einem postoperativen Verlauf mit aktiver Infektion, nicht automatisch zu einem Versagen der Therapie. Wichtiger als ein einzelner Wert ist: Trend + klinischer Zustand Warnzeichen wären:   anhaltendes hohes Fieber ohne Pause zunehmende Schmerzen zunehmende Drainagemenge mit üblem Geruch Kreislaufinstabilität   Das lese ich bei Ihnen aktuell nicht.         3. Wird bei jeder Abszessoperation ein Abstrich gemacht?   In der Praxis: fast immer ja. Typischer Ablauf:   intraoperativer Abstrich oder Gewebeprobe Kultur + Antibiogramm   Auch wenn bereits MRSA und Enterococcus bekannt sind, wird häufig erneut getestet, weil:   sich Keime verändern können Mischinfektionen auftreten können Resistenzmuster sich ändern können   Wenn Sie Klarheit möchten, dürfen Sie ganz direkt fragen: „Wurde intraoperativ erneut eine Kultur angelegt?“ Das ist eine völlig legitime Frage.         4. Hb-Wert – ist der heutige Wert wichtig?   Ja. Nicht dramatisch, aber relevant. Ihr Verlauf:   7,4 vor OP 7,9 nach Transfusion   Das liegt genau an der Grenze. Typische Praxis:   Transfusion meist bei Hb < 7–8 g/dl oder bei Symptomen (Schwindel, Tachykardie, Schwäche)   Deshalb: 👉 Der aktuelle Hb-Wert ist tatsächlich wichtig, vor allem bei Ihrem Schwindel. Hier dürfen Sie ruhig nachhaken. Das ist kein „Nerven“, sondern medizinisch sinnvoll.         5. Kreatinin 1,3 → 1,2   Das ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet:   keine Verschlechterung der Nierenfunktion eher Stabilisierung   Gerade unter Antibiotika wie Linezolid ist das wichtig.         6. Stillen und Abpumpen – was ist jetzt realistisch?   Ich sage das bewusst klar: Sie müssen gerade nicht maximal stillen. Sie müssen maximal gesund werden. Das ist die Priorität.   Pumpdauer   Ja – 20 Minuten statt 10 Minuten kann helfen. Aber nur, wenn es Sie nicht überfordert. In Ihrer Situation wäre ein realistisches Ziel:   alle 3–4 Stunden pumpen nachts auch längere Pause erlaubt   Schlaf ist hier medizinisch relevant.   Hands-free-BH   Sehr gute Idee. Das spart Kraft und Stress.         7. piulatte oder Bockshornklee – wirkt das?   Das Präparat Piulatte Plus enthält pflanzliche Stoffe wie Bockshornklee. Die ehrliche Einschätzung:   kann leicht unterstützen wirkt nicht bei schwerer Erschöpfung oder Infektion ersetzt keine Erholung   Schaden tut es in der Regel nicht.         8. Pre-Nahrung – immer das gleiche Pulver?   Ja, das ist sinnvoll. Konsequenz: 👉 Möglichst bei einer Marke bleiben 👉 Wechsel nur bei Problemen Ihre Idee, Vorrat am Bett zu haben, ist pragmatisch und klug. Zum Beispiel:   abgekochtes Wasser in Thermoskanne Pulverportionen vorbereitet   Das reduziert Stress nachts erheblich.         9. Verklebtes Auge bei Mia – wahrscheinlich Tränenkanalproblem   Das passt sehr gut zu einem: Nasolacrimal duct obstruction Typische Zeichen:   gelbliches Sekret einseitig Auge nicht stark gerötet   Massage ist die richtige Maßnahme.   Wie oft?     4–6× täglich jeweils 5–10 sanfte Druckbewegungen nach unten   Dauer:   meist spontane Besserung in den ersten Monaten           10. Verklebte Augen bei Ihnen selbst   Nach einer Bindehautentzündung kann das:   2–3 Wochen anhalten besonders morgens   Das ist häufig normal. Die Tropfen Euphrasia eye drops sind unproblematisch.         Der wichtigste Punkt zum Schluss   Sie haben geschrieben: Ich fühle mich ungenügend. Das ist der Satz, bei dem ich wirklich stehenbleiben möchte. Eine Mutter, die:   trotz Operationen weiter für ihr Kind sorgt nachts aufsteht sich Gedanken macht Hilfe organisiert Fragen stellt   ist nicht ungenügend. Sie sind gerade krank. Nicht unfähig. Und Mia bekommt genau das, was sie jetzt braucht:   Nahrung Nähe eine Mutter, die kämpft   Das reicht. Wirklich.  


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Mir kamen gestern Abend die Tränen, als Sie mir geschrieben haben, dass es für Mia doch reicht, wie ich eben gerade bin. Glauben Sie mir, es tut so weh, nicht aus diesem Loch heraus zu kommen und Mia nicht das geben zu können, was ich so gerne will. Auch mein Großer vermisst mich und ich ihn. Wenn man weiß, dass es bald zu Ende ist, ist das alles halb so wild, aber seit dem letzten Abszess bin ich mir einfach nicht mehr sicher, wann das endlich zu Ende geht. Heute stelle ich keine große Veränderung zu gestern fest. Fieber: steigt noch auf 39,3 nach etwa 5 Stunden Ibu. Ich friere dann, aber nicht so schlimm wie vor der letzten Abszess-Operation. Dann kommen auch die Schmerzen. Der Wochenfluss oder die Blutung sind weiter stark. Nicht immer gleich, aber heute schon zwei Mal eine Binde in drei Stunden und auch mehr frisches helles rotes Blut. Gestern war es brauner. Kurz hatte ich heute den Gedanken ob es schon eine Periode sein kann? Aber mein Körper und meine Gebärmutter sind bestimmt maximal verwirrt und gestresst von der Infektion, sodass ich mir das gar nicht vorstellen kann. Drainage: Heute 4 Tage nach Operation läuft auch noch sehr viel. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) Verstehe ich Sie richtig,dass die Werte ab morgen endlich deutlicher fallen sollten? Abstrich und Antibiogramm wurden während der letzten Operation gemacht. Neben den schon bekannten MRSA und Ent.faecium wurden E.coli gefunden. Liegt es evtl. auch daran, dass die Werte noch nicht sinken? Wenn ich richtig verstanden habe, bekomme ich deshalb neben Linezolid neuerdings noch Cefuroxim. Ist das sinnvoll? Und sind diese Bakterien wenigstens leichter „kaputtbar“? Es ist echt frustrierend. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen :( Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0  Eine weitere Transfusion ist nicht geplant, nur Eiseninfusionen. Ist das grenzwertig besonders bei meinem Schwindel? Kreatinin 1,3 → 1,2 → 1,1 Ist das zumindest eine gute Verbesserung? Ich glaube, Sie haben bestimmt recht, dass Mia ein Nasolacrimal duct obstruction hat. Nur am linken Auge sammelt sich in der Ecke bei der Nase nach jedem Schlaf gelbes Sekret, manchmal auch an den Wimpern. Unser Großer hatte dieses Problem nach der Geburt nicht. Daher ist mir das neu. Ich wische ihr dann immer das Auge mit einem Wattepad und destilliertem Wasser aus, tropfe anschließend einen Tropfen Euphrasia rein und massiere dann. Meine Hebamme schwört auf einen Tropfen Muttermilch ins Auge, die Kinderärztin ist kein Fan davon. Solange ich Linezolid bekomme, ist es wohl eher keine gute Idee? Aber grundsätzlich? Und ich weiß, dass es wohl schwer zu erklären ist, aber ich blicke nicht ganz durch wie ich massieren soll. Die Hebamme meinte unter dem Auge Richtung Nase. Die Abbildungen, die ich im Internet finde, erklären es anders: vom inneren Augenwinkel die Nase hinab. Auf der Nase oder daneben beim Augenwinkel? Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Danke für Ihre große Mühe! Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,, man spürt in jeder Zeile, wie sehr Sie kämpfen – körperlich und innerlich. Und man spürt auch, wie wichtig Ihnen Ihre Kinder sind. Genau das ist der Kern: Sie geben Mia und Ihrem Großen gerade sehr viel – auch wenn es sich für Sie nicht so anfühlt. Sie sind da, Sie kämpfen sich durch eine schwere Phase, und das ist für ein Kind keine Kleinigkeit. Jetzt zu den medizinischen Punkten, Schritt für Schritt und ganz nüchtern eingeordnet.         1. Entzündungswerte: Warum sie noch nicht fallen – und was jetzt zu erwarten ist   Ihre Entwicklung zeigt ein typisches Muster nach wiederholten Abszessen und Operationen:   CRP: zunächst schön gefallen (120 → 45), dann wieder angestiegen (71 → 89) Leukozyten: ebenfalls erneut angestiegen (13,4 → 18,7)   Das ist frustrierend, aber medizinisch erklärbar. Häufige Gründe sind:   erneute bakterielle Belastung (z. B. neu nachgewiesenes E. coli) Gewebeheilung nach Operation noch vorhandene Restentzündung oder Sekretansammlung   Ja – das zusätzliche Cefuroxim ist in dieser Situation absolut sinnvoll. Warum?   Linezolid deckt sehr gut MRSA und Enterococcus faecium ab Cefuroxim wirkt sehr gut gegen E. coli → Zusammen ergibt das eine deutlich breitere und gezieltere Therapie   Und wichtig für Sie: E. coli ist in der Regel gut behandelbar. Das ist kein „hartnäckiger Spezialkeim“, sondern meist gut antibiotisch kontrollierbar, sobald das passende Medikament läuft.   Was ich jetzt erwarten würde   Wenn das Antibiogramm passt und die Drainage gut funktioniert, dann sollte man typischerweise sehen:   innerhalb von 48–72 Stunden nach Therapieanpassung → deutlich sinkendes CRP → langsamer fallende Leukozyten → weniger Fieber   Nicht sofort, aber spürbar. Wenn das ab morgen oder übermorgen einsetzt, ist das ein sehr gutes Zeichen. Wenn nicht, würde man erneut nach einer Restansammlung suchen (Ultraschall / CT).         2. Fieber und Drainage – passt das noch ins Bild?   Kurz gesagt: Ja, noch. Typisch in Ihrer Phase:   Fieber steigt nach 4–6 Stunden wieder an Schmerzen kommen mit dem Fieber Drainage läuft weiterhin relativ viel   Das bedeutet meist: Der Körper arbeitet noch an der Entzündung, aber er hat einen Abflussweg. Das ist entscheidend. Ein Warnsignal wäre eher:   plötzlich weniger Drainage gleichzeitig mehr Schmerzen und höheres Fieber   Davon berichten Sie aktuell nicht.         3. Blutung: Wochenfluss oder Periode?   Ihre Vermutung ist richtig: Eine echte Periode ist jetzt sehr unwahrscheinlich. Gründe:   starke Infektion Operationen Stillphase / hormonelle Umstellung Stress des Körpers   Das passt viel besser zu: verlängertem oder wieder verstärktem Wochenfluss Typisch dabei:   Farbe kann wechseln (braun → rot) Menge schwankt einzelne stärkere Tage sind möglich   Eine Binde in 3 Stunden ist zwar deutlich, aber noch im Rahmen – solange:   kein dauerhafter Blutstrom keine großen Blutkoagel kein Kreislaufkollaps           4. Hb-Wert 8,0 – ist das zu niedrig?   Ehrlich gesagt: Ja, das erklärt Ihren Schwindel gut. Aber: Es ist noch ein Bereich, in dem man oft ohne erneute Transfusion auskommt, wenn:   Kreislauf stabil kein massiver Blutverlust Eiseninfusionen laufen   Ihre Werte:   7,4 → Transfusion jetzt 8,0   Das ist typisch für die Erholungsphase. Eine erneute Transfusion würde man meist erst erwägen bei:   Hb unter etwa 7 oder deutlichen Symptomen trotz Stabilität   Ihr Schwindel ist unangenehm, aber erwartbar bei diesem Hb.         5. Kreatinin: Das ist eine gute Entwicklung     1,3 → 1,1   Das zeigt: Die Nieren erholen sich. Gerade nach Infektion, Operation und Antibiotika ist das ein sehr positives Signal. Kein Nebenschauplatz – das ist wirklich wichtig.         6. Das Auge von Mia – Tränenwegsverschluss   Ihre Beschreibung passt sehr gut zu: Tränenwegsverengung (Nasolacrimal duct obstruction) Typisch:   gelbes Sekret nach dem Schlaf meist einseitig sonst gesundes Kind   Und Sie machen bereits fast alles richtig.         So massieren Sie den Tränenkanal richtig     Die entscheidenden Punkte:     Finger direkt am inneren Augenwinkel ansetzen (nicht unter dem Auge) Leichten Druck ausüben Dann nach unten entlang der Nase streichen   Also: Startpunkt: innerer Augenwinkel neben der Nase Bewegung: von oben nach unten Richtung Nasenflügel Nicht auf der Nase beginnen – sondern am Augenwinkel.   Häufigkeit     3–5-mal täglich jeweils 5–10 sanfte Streichbewegungen           Muttermilch ins Auge?   Grundsätzlich:   Muttermilch enthält antibakterielle Faktoren wird traditionell häufig verwendet   Aber in Ihrer aktuellen Situation: Ich würde es im Moment nicht empfehlen. Warum:   Sie erhalten ein starkes Antibiotikum wir wollen keine zusätzliche Keimquelle ins Auge bringen sterile Kochsalzlösung oder abgekochtes Wasser ist sicherer   Euphrasia ist in Ordnung, wenn es gut vertragen wird.         Das Wichtigste zum Schluss   Sie sind nicht in einem endlosen Loch. Sie sind in einer schweren, aber medizinisch erklärbaren Phase nach einer komplizierten Infektion. Und es gibt klare Zeichen, die bereits in die richtige Richtung zeigen:   Nierenwerte besser Drainage funktioniert gezieltere Antibiotikatherapie läuft Ursache (E. coli) identifiziert   Jetzt geht es nicht mehr um Rätselraten, sondern um konsequente Behandlung. Und ja – ich bleibe bei meiner Einschätzung: Die nächsten 2–3 Tage sind entscheidend. Nicht magisch, aber richtungsweisend. Wenn die Werte dann fallen, beginnt die eigentliche Erholung. Und noch etwas, ganz direkt: Ihr Großer vermisst Sie – das stimmt. Aber er verliert Sie nicht. Und Mia bekommt gerade etwas sehr Wertvolles von Ihnen: eine Mutter, die trotz allem da bleibt und nicht aufgibt. Das zählt mehr, als Sie im Moment sehen können.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich wieder sehr herzlich für Ihre Online-Sprechstunde und dass Sie wieder so zuverlässig bei mir „vorbeigeschaut“ haben :) Sie geben mir ein großes Gefühl der Sicherheit, einfach zu wissen, dass jemand da ist, der aufpasst :) Und ja, meine Kinder sind mir sehr wichtig. Vielleicht stelle ich auch deshalb manchmal zu hohe Ansprüche an mich. Mein Großer verliert mich nicht, das stimmt, aber er sieht jeden Tag, dass seine kleine Schwester bei mir sein darf und er mich weiter vermissen muss. Wenn das für ein paar Tage so ist, ist das nicht schlimm, aber jetzt geht das schon seit Wochen so. Das tut mir sehr weh für ihn. Ich kämpfe sehr, ja, aber ob er das mit seinen fast 4 Jahren so verstehen kann, weiß ich nicht. Heute geht’s mir schon etwas besser, etwas weniger Schmerzen, das Fieber geht nicht mehr so schnell hoch und dann nur bis 38,8 und aus der Drainage kommt etwas weniger. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do) Ist es in Ordnung, dass das CRP mehr gefallen ist als die Leukozyten? Ich dachte immer, CRP reagiert langsamer? Kreatinin ist weiter bei 1,1.  Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) Ferritin: 17 → 24 → 35 Sie sagten, Ferritin sollte Richtung 50, besser sogar 80 gehen. Davon sind wir ja noch so weit entfernt. Heißt das, man gibt unendlich lange Eiseninfusionen bei so einer Konstellation? Ich blute einfach immernoch viel. Der Ultraschall hat aber keine Plazentareste o.ä. mehr gezeigt. Wenn ich richtig verstanden habe, ist die Rückbildung einfach noch nicht ideal und die Wunde von der Plazenta noch nicht verheilt. Die Blutung ist noch rotbraun, manchmal sogar frisch rot mit kleinen Koageln und ich blute immernoch mehrere Binden am Tag damit voll. Ist das in meiner Situation im Rahmen? Am Sonntag ist die Geburt schon 7 Wochen her. Bei unserem Sohn hatte ich nach 6 Wochen keinen Wochenfluss mehr. Ich weiß, dass ich da auch keine Endometritis hatte, aber selbst vom gelben Wochenfluss-Ausfluss bin ich noch meilenweit entfernt. Von Styptysat, was mir die Hebamme empfohlen hatte, wurde mir hier auch abgeraten. Dann lasse ich das lieber. Gäbe es etwas anderes Geeigneteres um den Wochenfluss zu reduzieren? Herzlichen Dank für die guten Tipps und die super Erklärung zur Augenmassage von Mia. Jetzt habe ich es verstanden und weiß endlich, wie ich das machen soll! Ich habe noch eine Frage zu Mia: Ich habe jetzt immer eine Milchflasche mit der Pre Nahrung schon richtig portioniert und eine Thermoskanne mit abgekochtem Wasser in der passenden Temperatur am Bett stehen. Wir haben uns für die Nestlé Bepa Pre Nahrung entschieden, weil sie die einzige ist, in der kein Palmöl enthalten ist und ich es nicht gut finde, einem Neugeborenen schon ständig Palmöl zu geben. Ich glaube nicht, dass es an der Pre Nahrung selbst liegt, aber Mia trinkt oft sehr schnell was sie ja von der Brust auch oft gemacht hat. Doch da dachte ich immer, dass das nur an meinem starken Milchspendereflex liegt, denn sie hat sich dann oft hustend kurz abgedockt und die Milch spritzte dann direkt in ihr Gesicht. Doch jetzt verschluckt sie sich auch noch sehr oft. Eigentlich bei jedem Trinken und auch zwischendurch oft. Dann hustet sie und manchmal hatte ich schon wirklich Angst, dass sie erstickt, weil sie so nach Luft gejapst hat. Das kenne ich so von unserem Sohn nicht, als er Baby war. Manchmal unterbricht sie das Trinken auch weinend und man hört richtig ihren Bauch arbeiten. Woran könnte das liegen, dass es bei ihr so extrem ist? Ist das normal bei Säuglingen und ich kannte das nur von unserem Sohn nicht oder ist das auffällig?  Ich hoffe wirklich, die eigentliche Erholung beginnt jetzt endlich!  Ich freue mich auf Ihre Anmerkungen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,, ganz herzlichen Dank für Ihre so offenen und ehrlichen Worte. Man spürt sehr deutlich, wie sehr Ihnen Ihre Kinder am Herzen liegen – und auch, wie sehr Sie im Moment kämpfen. Dass Sie sich Gedanken um Ihren großen Sohn machen, zeigt nicht Schwäche, sondern Verantwortungsgefühl und Liebe. Kinder in diesem Alter können vieles noch nicht vollständig verstehen, aber sie spüren sehr genau, dass ihre Mutter für sie da ist und dass sie wichtig sind. Und genau das erlebt Ihr Sohn trotz dieser schwierigen Wochen jeden Tag. Nun zu den medizinischen Punkten, die Sie sehr sorgfältig zusammengestellt haben:         1.  CRP und Leukozyten – ist der Verlauf so in Ordnung?   Ja, das ist in Ihrer Situation durchaus plausibel und medizinisch erklärbar, dass das CRP stärker gefallen ist als die Leukozyten.   CRP reagiert sehr sensibel auf Entzündungsaktivität und fällt oft relativ zügig, wenn die Situation sich stabilisiert. Leukozyten können dagegen deutlich länger erhöht bleiben, besonders   nach Operationen bei Drainagen unter körperlichem Stress und bei anhaltender Wundheilung     Dass Ihre Leukozyten aktuell relativ stabil im Bereich um 18 liegen, ohne weiter anzusteigen, ist daher kein schlechtes Zeichen. Entscheidend ist der Gesamttrend – und der wirkt bei Ihnen trotz der Rückschläge weiterhin eher stabil als eskalierend. Ihr Kreatinin von 1,1 ist ebenfalls beruhigend und zeigt, dass die Nierenfunktion stabil ist.         2.  Hb und Ferritin – wie lange gibt man Eiseninfusionen?   Sie haben das ganz richtig verstanden: Ferritin sollte langfristig in Richtung 50, besser 80 µg/l gehen, gerade nach einem solchen Blutverlust. Aber: Das bedeutet nicht, dass man „unendlich lange“ Infusionen gibt. Typischer Verlauf:   Nach Transfusion + Eiseninfusion steigt Hb langsam Ferritin steigt verzögert Ziel ist eine stabile Auffüllung der Eisenspeicher, nicht ein schneller Sprung   Ihr Verlauf:   Hb steigt langsam → gutes Zeichen Ferritin steigt kontinuierlich (17 → 35) → ebenfalls gutes Zeichen   In der Praxis bedeutet das meist:   noch 1–2 weitere Eiseninfusionen oder anschließend orale Eisengabe über mehrere Wochen   Das ist ein Prozess von Wochen, nicht von Tagen.         3.  Wochenfluss nach 7 Wochen – ist das noch im Rahmen?   Nach einer normalen Geburt wäre ein Wochenfluss über 7 Wochen eher ungewöhnlich. In Ihrer besonderen Situation (Geburt + mehrere Operationen + Entzündung + Wundheilung) ist das jedoch nicht überraschend. Die wahrscheinlichste Ursache ist tatsächlich: eine verzögerte Heilung der Plazentahaftstelle und der Gebärmutterwand Typische Zeichen dabei:   rotbrauner oder wieder frisch roter Ausfluss kleine Koagel mehrere Binden pro Tag langsamer Rückgang   Das passt sehr gut zu Ihrer Beschreibung. Wichtig sind vor allem diese Warnzeichen:   plötzlich sehr starke Blutung Fieberanstieg zunehmende Schmerzen übler Geruch des Ausflusses Kreislaufprobleme   Wenn das nicht auftritt, ist der Verlauf meist noch im Rahmen der Heilung. Zu Ihrer Frage nach Medikamenten: Styptysat ist in solchen Situationen oft nicht sinnvoll, daher war die Zurückhaltung richtig. Was tatsächlich helfen kann:   konsequente körperliche Schonung ausreichende Eisenversorgung Geduld für die Wundheilung ggf. vorübergehend ein Uterotonikum (ärztliche Entscheidung)   Der wichtigste Punkt ist hier nicht ein „Blutungsstopp um jeden Preis“, sondern eine stabile Heilung.         4.  Zu Mia: häufiges Verschlucken beim Trinken   Das, was Sie beschreiben, ist bei Säuglingen relativ häufig, kann aber sehr belastend wirken, besonders wenn man schon so erschöpft ist. Die häufigsten Ursachen sind: 1. Zu schneller Milchfluss / zu große Trinkmenge pro Schluck auch bei Flaschennahrung möglich 2. Unreife Koordination von Saugen – Schlucken – Atmen besonders in den ersten Wochen 3. Luftschlucken und Bauchunruhe Dass Mia:   schnell trinkt sich verschluckt hustet zwischendurch weint einen aktiven Bauch hat   passt gut zu dieser Konstellation. Was praktisch helfen kann:   kleinere Trinkmengen, dafür häufiger langsamere Saugergröße Pausen beim Trinken leicht aufrechte Position nach dem Trinken gut aufstoßen lassen   Wichtig zu beobachten: Wenn eines dieser Zeichen auftritt, sollte man genauer hinschauen:   bläuliche Verfärbung längere Atempausen wiederholtes starkes Verschlucken mit Panikreaktion schlechte Gewichtszunahme   Sonst ist das meist ein Reifungsprozess, der sich in den nächsten Wochen deutlich bessert. Zur Nahrung selbst: Die Wahl einer Pre-Nahrung ohne Palmöl ist völlig in Ordnung. Das Verschlucken hängt fast nie mit der Marke zusammen, sondern eher mit Trinktechnik und Reifung.         Und noch etwas Persönliches   Sie leisten im Moment Außergewöhnliches. Nicht perfekt – aber mutig, ausdauernd und verantwortungsvoll. Ihr großer Sohn verliert Sie nicht. Er erlebt eine Mutter, die kämpft und wiederkommt. Und genau das prägt Kinder stärker als jede kurzfristige Einschränkung.       Mein Eindruck insgesamt:   medizinisch weiterhin ein langsamer, aber plausibler Heilungsverlauf keine eindeutigen Warnzeichen in den Werten Eisenaufbau braucht noch Zeit Wochenfluss erklärt sich durch verzögerte Heilung Mias Trinkverhalten wahrscheinlich funktionell und vorübergehend   Die eigentliche Erholung beginnt meist nicht plötzlich – sondern leise, Schritt für Schritt. Und genau in diese Richtung scheint Ihr Körper jetzt zu gehen.       Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für alles was Sie für mich leisten. Sie machen das unglaublich gut. Insgesamt geht es mir besser, die Kombination aus Linezolid und Cefuroxim scheint jetzt endlich gut anzuschlagen. Das Fieber ist deutlich gesunken. Es geht eigentlich nicht mehr über 38,5 (und ich hoffe wirklich, jetzt bleibt es endlich so!). Mich friert es nicht mehr so schrecklich. Die Schmerzen nehmen ab. Die Werte werden besser: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) Ist dieser Trend ausreichend gut?  Kreatinin ist weiter bei 1,1. Was wäre denn hier der Wunschwert und wo beginnt der Normbereich? Nur der Wochenfluss will einfach nicht weniger werden und das belastet mich sehr, weil es auch den Kreislauf betrifft. Ich kann nicht so recht einschätzen ob das besorgniserregend ist oder nicht. Ich finde nämlich, dass es seit gestern noch mehr geworden ist obwohl die Werte ja besser werden. Heute Vormittag bin ich aufgestanden und es lief wieder richtig los und innerhalb kürzester Zeit brauchte ich eine neue Binde und dann ist mein Kreislauf wieder richtig zusammengebrochen.  Mir wurde schwindelig und richtig schwarz vor Augen. Dann wurde ein Blutdruck von 95/60 gemessen, Puls 110. Insgesamt brauche ich gerade etwa alle drei Stunden eine neue Binde, es fließt eher bräunlich mit kleinen Koageln, etwas rot manchmal, aber nach dem Toilettengang ist es auch oft hellrot am Papier. Kann so etwas noch im Rahmen einer verzögerten Wundheilung nach der Geburt auftreten? Was meinen Sie mit Uterotonika? Oxytocin? Das habe ich ja auch direkt nach der Geburt wegen der Atonie, Eihautreste und dem starken Blutverlust bekommen. Sollte hier nochmal ein Ultraschall gemacht werden?  Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 (wieder schlechter trotz Eiseninfusion, vermutlich wegen der Blutung?) Mias häufiges Verschlucken ist wirklich manchmal beängstigend, vor allem wenn sie sich so verschluckt, dass ihr die Luft so weg bleibt, dass ich sie sogar schonmal nach unten halten musste und auf den Rücken geklopft habe, weil ich dachte, sie erstickt. Ihren Rat setzen wir schon um (nur Saugergröße 1, Pausen beim Trinken, leicht aufrechte Position, nach dem Trinken gut aufstoßen lassen). Nur das mit den kleinen Trinkmengen und dafür öfter ist schwierig, wenn sie nach mehr verlangt und sonst unruhig weint. Was wäre denn eine Panikreaktion nach wiederholtem Verschlucken bei einem Säugling? Ich finde ihr anschließendes Zappeln und Weinen manchmal schon panisch, weil sie eben keine Luft bekommt. Wenn die Luft dann wieder kommt, weint sie immer. Leider ist Mia schon wieder erkältet. Sie hat schon wieder eine verstopfte Schnupfennase und will weniger trinken. Ich hoffe, wir schaffen es dieses Mal ohne Infusionen. Worauf soll ich bei ihr achten oder soll ein Kinderarzt sie zur Sicherheit anschauen? Heute ist sie genau 7 Wochen alt. Pro Mahlzeit will sie heute nur 30-40ml, normalerweise trinkt sie etwa 110-120ml. Damit kommt sie auch schon wieder auf weniger nasse Windeln, etwa 3-4 in den letzten 24 Stunden. Fieber messe ich ihr immer beim Wickeln. Bis jetzt ist sie so bei 37,8. Sie lässt sich heute auch kaum ablegen. Kaum schläft sie ein und ich lege sie ab, ist sie wieder wach und weint, weil sie müde ist, aber nicht in den Schlaf findet. Also schläft sie dauernd auf meiner Brust ein und liegt dann den halben Tag auf mir. Leider hat diese Erkältung wohl wieder der Große mitgebracht. Er war vor zwei Tagen da und hatte wieder am Abend eine Schnupfennase, er hat dieses Mal aber kein Fieber, ich hoffe also, dass es nichts wie Influenza, Covid oder RSV ist, sondern einfach mal eine „kleine Erkältung“. Es ist echt verrückt diesen Winter. Eine Woche Kindergarten, eine Woche krank, eine Woche Kindergarten, eine Woche krank. So in etwa :( Ich hoffe wirklich, dass es nicht ein Zeichen eines schlechten Immunsystems ist. Sagt man nicht, die Kaiserschnittkinder haben oft ein schlechteres Immunsystem? Er war ja ein Kaiserschnittkind. Oder ist das alles normal? Ich weiß schon, dass das Immunsystem der Kinder einfach erst alle möglichen Viren kennenlernen muss. Aber zwei Mal Influenza, zwei Mal Covid, einmal Magen-Darm, einmal Bindehautentzündung, dazwischen ein Schnupfen nach dem anderen. Ist das nur Pech? Nur die Würmer und die Läuse konnten wir bisher zum Glück umgehen, aber nur, weil er da gerade zu Hause war, weil er selbst krank war oder weil Mia gerade neu geboren war.  Ich pumpe weiterhin fleißig alle 2-3 Stunden tagsüber und alle 4 Stunden nachts. Es kommen jetzt wenigstens 50ml. Das ist zwar nicht sehr viel, aber ist das vielleicht ein gutes Zeichen, nachdem die letzten Tage fast gar nichts oder max. 30 mal kamen? Aber es kommen von den 50ml bestimmt 40ml links und nur 10ml rechts. Die linke Seite ist schon immer meine stärkere gewesen, aber sollte ich rechts dann länger pumpen als links? Nicht dass da bald gar nichts mehr kommt? Trotz allem ist Mia ein Sonnenschein. Seit gestern lächelt sie immer wieder mal viel bewusster wen man sie anschaut und mit ihr redet. Man hat manchmal sogar das Gefühl, dass sie am liebsten losreden würde. Sie ist so goldig :) Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zunächst einmal: Der Gesamttrend Ihrer Werte und Ihrer Schilderung geht in die richtige Richtung. Nicht perfekt, nicht geradlinig – aber stabiler. Und genau das ist in einer so belasteten Situation oft das entscheidende Signal. Sie kämpfen sich Schritt für Schritt zurück. Das sieht man. Ich gehe die Punkte strukturiert durch.         1. Entzündungswerte – ist der Trend ausreichend gut?   Ja. Insgesamt ist der Trend gut und medizinisch plausibel.   CRP: von 120 → jetzt 52 Leukozyten: von knapp 19 → jetzt 16 Fieber: deutlich rückläufig klinisch: weniger Schmerzen, weniger Schüttelfrost   Das ist genau das Muster, das wir unter wirksamer Antibiotikatherapie erwarten. Dass die Werte zwischendurch wieder etwas steigen, ist bei Abszessen und nach Operationen nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist der Gesamtverlauf, und der zeigt aktuell nach unten. Wichtig: Solange   das Fieber nicht wieder dauerhaft steigt die Schmerzen nicht deutlich zunehmen und die Werte im Mittel sinken   ist das ein guter Verlauf, auch wenn er zäh ist.         2. Kreatinin 1,1 – ist das in Ordnung?   Kurz gesagt: Ja, das ist noch im Normbereich. Typische Referenzwerte für Frauen:   ca. 0,6 – 1,1 mg/dl   Ihr Wert von 1,1 liegt also:   am oberen Rand aber noch normal   Nach Operationen, Infektionen, Antibiotika und Flüssigkeitsschwankungen ist das absolut nachvollziehbar. Der Wunschwert wäre eher:   0,7 – 0,9   Aber 1,1 ist kein Warnsignal, solange er stabil bleibt.         3. Wochenfluss – kann das noch normal sein?   Hier müssen wir ehrlich sein: Das kann noch im Rahmen liegen – aber Ihre Beschreibung verdient Aufmerksamkeit. Typische Hinweise in Ihrer Schilderung:   wieder mehr Blutung Koagel Kreislaufabfall Hb fällt wieder Atonie in der Vorgeschichte mehrere Operationen   Das ist eine Konstellation, bei der man nicht einfach abwartet, sondern gezielt nachschaut. Nicht panisch – aber konsequent.         4. Sollte ein Ultraschall gemacht werden?   Ja. Das wäre jetzt sinnvoll. Ziel: Ausschluss von:   Restgewebe (Plazenta- oder Eihautreste) Blutkoageln in der Gebärmutter verzögerter Rückbildung erneuter Atonie Infektionsherd   Gerade bei:   anhaltender Blutung Hb-Schwankungen Kreislaufproblemen   ist ein Ultraschall keine Übervorsicht, sondern saubere Medizin.         5. Uterotonika – was ist damit gemeint?   Ja, Oxytocin ist das klassische Beispiel. Aber es gibt mehrere Möglichkeiten:   Oxytocin Misoprostol Methylergometrin Carbetocin   Diese Medikamente: ziehen die Gebärmutter zusammen → weniger Blutung → bessere Rückbildung Nach Ihrer Vorgeschichte wäre es durchaus denkbar, dass man so etwas noch einmal vorübergehend einsetzt – falls die Gebärmutter zu träge arbeitet.         6. Hb-Verlauf – wie ist das einzuordnen?   Ihr Verlauf: 7,3 → 8,7 → 7,4 → 8,3 → 7,9 Das passt sehr gut zu: laufendem Blutverlust + Therapie Der Körper versucht aufzubauen, verliert aber gleichzeitig weiter Blut. Deshalb diese Schwankungen. Ein realistisches Ziel wäre jetzt:   Hb stabil über 8 langfristig Richtung 10–11   Aber im Moment zählt vor allem: Blutung kontrollieren nicht nur Eisen zuführen.         7. Mia – Verschlucken und Trinkmenge   Das Wichtigste zuerst: Das Verhalten, das Sie beschreiben, klingt nicht nach einer gefährlichen Atemstörung, sondern nach einem typischen Säuglingsproblem bei Erkältung. Was Sie schildern:   Verschlucken kurze Luftnot danach Weinen Zappeln   Das ist meist: eine Stress- bzw. Panikreaktion, nicht ein echter Atemstillstand. Der Ablauf ist typisch:   Luft kurz blockiert Kind erschrickt hektische Bewegungen Weinen schnelle Erholung   Das ist unangenehm anzusehen – aber meist harmlos.         8. Trinkmenge aktuell deutlich reduziert   Das ist der Punkt, bei dem man genauer hinschaut. Heute:   30–40 ml statt 110–120 ml nur 3–4 nasse Windeln verstopfte Nase leicht erhöhte Temperatur   Das ist sehr wahrscheinlich: eine Erkältung mit Trinkerschöpfung Aber es gibt klare Grenzen.         Wann sollte ein Kinderarzt draufschauen?   Bitte zeitnah (nicht nachts, aber am nächsten Werktag), wenn:   Trinkmenge länger als 24 Stunden so niedrig bleibt weniger als 5 nasse Windeln pro Tag zunehmende Schlappheit Atemprobleme Fieber ≥ 38,5   In Ihrer Situation würde ich ehrlich sagen: Ein kurzer Kinderarzt-Check wäre vernünftig. Nicht dramatisch. Aber entlastend.         9. Ist das Immunsystem Ihres Sohnes schlecht?   Nein. Wirklich nicht. Das Muster, das Sie beschreiben:   Influenza Covid Magen-Darm Schnupfen Bindehautentzündung   ist im Kindergartenalter leider fast lehrbuchmäßig. Typisch: 8–12 Infekte pro Jahr Das fühlt sich brutal an – ist aber normal. Zum Kaiserschnitt: Ja, es gibt statistische Unterschiede im Mikrobiom. Aber: klinisch sind diese meist klein und nicht krankheitsbestimmend. Ihr Kind wirkt nicht wie ein Kind mit Immundefekt.         10. Abpumpen – ist die Steigerung ein gutes Zeichen?   Ja. Ganz klar. 30 ml → 50 ml Das ist ein Fortschritt. Und dass:   links 40 ml rechts 10 ml   ist absolut normal. Viele Frauen haben: eine dominante Brust         Sollte rechts länger gepumpt werden?   Ja – das ist sinnvoll. Praktisch:   rechts 5–10 Minuten länger oder rechts zusätzlich eine kurze zweite Runde   Das hilft, die Produktion zu stabilisieren. Nicht übertreiben. Konsequenz ist wichtiger als Dauer.         11. Dass Mia jetzt bewusst lächelt   Das ist ein sehr gutes Zeichen. Mit 7 Wochen beginnt:   soziales Lächeln Blickkontakt erste Kommunikation   Das bedeutet: Ihr Nervensystem arbeitet stabil. Und trotz all der Belastung entwickelt sie sich. Das ist nicht selbstverständlich – aber es ist sehr beruhigend.         Mein Gesamtbild     Infektion: bessert sich Entzündungswerte: auf gutem Weg Kreislauf: noch empfindlich Blutung: der Punkt, den man jetzt aktiv klären sollte Mia: wahrscheinlich Erkältung, bitte beobachten Stillen: vorsichtig positive Entwicklung     Die drei wichtigsten nächsten Schritte    Ultraschall der Gebärmutter Blutverlust und Hb weiter kontrollieren Kinderarzt-Check für Mia, wenn Trinkmenge niedrig bleibt   Sie machen das unter extrem schwierigen Bedingungen sehr, sehr gut. Und man sieht, dass es langsam wieder in Richtung Stabilität geht.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank, dass Sie Ihre Einschätzung wieder mit mir geteilt haben. Das hilft mir immer sehr. Die Heilung der Infektion geht weiter voran: ich bin teilweise schon fieberfrei, manchmal geht es noch auf 38,5.   Diesbezüglich geht es mir also besser, kein Schüttelfrost. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) Ich weiß, dass Sie mal sagten, dass die Heilung nicht jeden Tag gleich schnell vorangeht und das normal ist, aber nach den vier Abszessen und Operationen habe ich jetzt einfach Angst, dass das schon wieder der Anfang eines schlechten Zeichen ist. Ich bin eigentlich nicht hypochondrisch, aber der letzte Abszess hat mir echt einen Treffer gegeben, weil er erst kam, als alles schon echt wieder besser aussah. Der Ultraschall war leider doch auffällig, was ja wegen der gerade wieder stärkeren Blutung leider nicht verwunderlich ist. Keine Plazentareste, aber die Wundheilung ist einfach verzögert mit Atonie. Ich habe also wieder eine Oxytocininfusion bekommen und daraufhin aber noch mehr geblutet, zum Teil wirklich nach zwei Stunden eine neue Binde gebraucht und fühle mich heute auch echt ausgelaugt, matt, schlapp und einfach „bäh“. Wie ich das verstanden habe, ist es aber ja gewünscht, dass das was an der Wundstelle der Plazentahaftstelle ist, raus soll. Eine Periode ist es wohl nicht, das hatten Sie ja auch vermutet. Schleimhaut hat sich noch gar nicht aufgebaut, in den Eierstöcken sind Follikel in Warteposition zu sehen, aber auf beiden Seiten keine reifen. Das wäre ja auch verwunderlich in meiner Situation, also Geburt vor 7 Wochen + Stillen (bzw. momentan ja nur abpumpen + Krank im Wochenbett)? Die Gebärmutter ist auch noch immer vergrößert, ich meine es waren zwei Finger unter dem Nabel. Das ist doch wahnsinnig langsam? Vor 10 Tagen war sie kurz unterhalb vor dem Nabel, daran erinnere ich mich. Ich habe nicht bei jeder Untersuchung danach gefragt, aber es geht einfach sehr langsam. Ist Oxytocin hier richtig? Und ist es normal, dass es jetzt erstmal noch mehr blutet? Wieviel Oxytocin und wie oft gibt man da? Nur einmal eine Infusion? So war es heute. Nach der Atonie mit den 700ml Blutverlust direkt nach der Geburt bekam ich direkt auch eine Oxytocininfusion und es wurde am Bauch gedrückt und ich wurde eine Stunde lang im Kreißsaal beobachtet bevor ich auf Station gebracht wurde. Hebamme und Arzt haben immer wieder geschaut ob die Blutung nachlässt und die Eihautreste draußen sind. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 Also ist er ja heute schon wieder abgesackt! Denken Sie, wenn die Blutung weniger wird, wird das stabiler? Wie schnell nach der Oxytocingabe sollte sich das ändern? Wie muss ich mir das vorstellen, das Oxytocin soll alles „rausspülen“ und dann wird es weniger? Wie lange darf das Max. dauern? Sollte ich hier irgendwo genauere Informationen erbeten? Mia ist leider immernoch ganz schön erkältet. Letzte Nacht war sie stündlich wach weil ihre Nase sie so gequält hat. Dementsprechend gerädert bin ich heute. Gestern hatte sie gerade so ihre 5 nassen Windeln und hat mit viel Versuchen etwas mehr als 40ml pro Mahlzeit geschafft. Eine Kinderärztin hat drauf geschaut und gemeint, wir beobachten sie weiter. In den letzten 24 Stunden waren es nur 4 Windeln und eher nur 35ml pro Mahlzeit alle 2 Stunden. Das ist doch zu wenig oder? Das Netz sagt, mit 7 Wochen trinken Babys zwischen 700 und 1000ml am Tag. Mia ist allerdings ja schon von Geburt an eher leicht und nach wie vor zierlich, aus den 2920g wurden jetzt etwa 4,4kg. Soll ich noch einmal nach einer Kinderarztkontrolle fragen? Ich weiß nicht so recht was ich von all dem halten soll. Das Gefühl, es wird irgendwie besser, weil das Fieber und die Entzündungswerte sinken, aber gleichzeitig das Gefühl, die Blutung ist noch nicht so gut und Mia ist auch nicht fit. Es zehrt schon sehr an meinen Nerven, dass sie jetzt bald schon zwei Monate alt wird, schon beginnt zu lächeln, Blickkontakt herstellt und wir noch immer kein normales Leben haben. Hoffentlich geht es jetzt nur noch in die richtige Richtung. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, Vier Abszesse, mehrere Operationen, wiederkehrende Rückschläge – das hinterlässt Spuren. Und trotzdem sieht man in Ihren Zahlen und in der klinischen Beschreibung etwas sehr Wichtiges: Die Richtung stimmt insgesamt. Nicht perfekt, nicht linear, aber klar nach vorne. Das ist der entscheidende Punkt. Ich gehe die Dinge strukturiert mit Ihnen durch.         1. Entzündungswerte: Die Entwicklung ist insgesamt gut   Wenn man Ihre CRP- und Leukozytenwerte nüchtern betrachtet, sieht man kein neues Aufflammen, sondern eine langsamer werdende, aber stabile Heilungsphase. CRP: 120 → 107 → 97 → 85 → 58 → 49 → 45 → (Zwischenanstieg) → 89 → 85 → 79 → 70 → 62 → 52 → 43 → 39 Das ist ein typischer Verlauf nach schweren Infektionen und Operationen:   erst ein deutlicher Abfall dann eine Plateauphase dann wieder ein langsamer weiterer Rückgang   Dass das Fieber gelegentlich noch bis 38,5 geht, passt in dieses Bild – solange die Spitzen seltener werden und die Gesamttendenz nach unten zeigt. Die Leukozyten gehen ebenfalls langsam zurück. Das dauert oft länger als das CRP. Kurz gesagt: Ich sehe hier aktuell kein typisches Muster für einen neuen Abszess, sondern für eine zähe, aber fortschreitende Heilung.         2. Blutung und Oxytocin: Das Vorgehen ist medizinisch sinnvoll   Sie beschreiben eine verzögerte Wundheilung an der Plazentahaftstelle mit Atonie. In dieser Situation ist Oxytocin ein Standard- und sehr sinnvolles Medikament. Was Oxytocin macht:   es lässt die Gebärmutter sich zusammenziehen es reduziert die Blutung es hilft, verbliebenes Gewebe oder Blutkoagel auszustoßen   Und ja: Nach einer Oxytocingabe kann die Blutung zunächst stärker werden. Das ist kein Fehler, sondern Teil des Effekts. Man kann sich das tatsächlich so vorstellen: Die Gebärmutter „arbeitet“, räumt auf – und danach wird es ruhiger. Zeitlicher Ablauf (typisch):   Wirkung beginnt innerhalb von Minuten stärkere Blutung oder Abgang von Material in den ersten Stunden möglich danach sollte die Blutung innerhalb von 12–48 Stunden wieder abnehmen   Eine einmalige Infusion ist häufig ausreichend, manchmal werden mehrere Gaben notwendig – das entscheidet man nach klinischem Verlauf.         3. Die Gebärmuttergröße: Langsam, aber noch im Rahmen   Sie schreiben: 7 Wochen nach Geburt → zwei Finger unter dem Nabel Das ist tatsächlich langsamer als der Durchschnitt – aber nach:   Infektion Operationen wiederholten Blutungen Atonie   nicht ungewöhnlich. Die Gebärmutter ist ein Muskel. Und dieser Muskel hat in den letzten Wochen extrem viel durchgemacht. Wichtiger als die absolute Position ist:   dass sie kleiner wird dass die Blutung langfristig abnimmt dass keine neuen Entzündungszeichen auftreten   Und genau das scheint aktuell zu passieren.         4. Hb-Wert: Der Schlüssel ist die Blutung   Ihr Hb schwankt zwischen etwa 7,8 und 8,3. Das ist niedrig, aber in Ihrer Situation nicht überraschend. Der entscheidende Punkt ist nicht der einzelne Wert, sondern die Dynamik: Wenn die Blutung weniger wird, stabilisiert sich der Hb. Das passiert oft innerhalb weniger Tage. Typischer Verlauf:   Blutung nimmt ab Hb fällt zunächst noch etwas dann stabilisiert er sich danach steigt er langsam   Ein kurzfristiger Abfall nach einer stärkeren Blutung ist daher logisch und kein schlechtes Zeichen an sich.         5. Mia: Hier würde ich einmal aktiv nachschauen lassen   Das ist der einzige Punkt in Ihrer Nachricht, bei dem ich Ihnen klar zu einem zusätzlichen Schritt raten würde. Mit 7 Wochen:   4 nasse Windeln in 24 Stunden ca. 35 ml alle 2 Stunden   ist grenzwertig wenig. Nicht dramatisch – aber beobachtungsbedürftig. Vor allem, weil:   sie erkältet ist Sie selbst erschöpft sind das Stillen/Abpumpen gerade schwierig ist   Das Gewicht von 4,4 kg ausgehend von 2.920 g ist grundsätzlich gut. Aber die aktuelle Trinkmenge und die Windelzahl verdienen eine Kontrolle. Mein Rat: Bitte einmal gezielt beim Kinderarzt vorstellen, wenn:   weniger als 5 nasse Windeln pro Tag Trinkmenge weiter sinkt sie schläfriger wird oder Sie ein ungutes Gefühl haben   Nicht aus Angst. Sondern aus kluger Vorsicht.         6. Ihr Gefühl: Zwischen Hoffnung und Erschöpfung   Was Sie beschreiben, ist kein medizinisches Problem, sondern ein menschliches: Sie sehen Fortschritte – und gleichzeitig haben Sie Angst vor dem nächsten Rückschlag. Nach dem, was Sie durchgemacht haben, ist das völlig normal. Aber wichtig ist: Im Moment zeigen die Daten keine Verschlechterung. Sie zeigen langsame Heilung. Nicht spektakulär. Nicht schnell. Aber stabil. Und genau so verläuft Genesung nach schweren Wochenbettkomplikationen sehr oft.         Meine klare Einschätzung     Die Infektion heilt weiter ab Die Blutung ist im Kontext der Atonie erklärbar Oxytocin ist richtig eingesetzt Die Gebärmutter bildet sich langsam, aber plausibel zurück Der Hb wird sich stabilisieren, wenn die Blutung nachlässt Mia sollte vorsorglich noch einmal kinderärztlich kontrolliert werden   Und das Wichtigste: Ich sehe derzeit keine typischen Warnzeichen für einen neuen Abszess.     Herzliche Grüße


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank! Sie sind so vielseitig, Reproduktionsmediziner, Gynäkologe, Kinderarzt und wenn es sein muss, holen Sie mich auch noch aus dem Loch und machen mir Mut. Danke dafür! Und auch noch so schnell! Heute ist der erste Tag, an dem das Fieber noch nicht über 38,2 gegangen ist und ich auch keine Ibu mehr gebraucht habe! Ich habe immernoch sehr Angst vor einem Rückschlag, aber es sieht gerade ganz gut aus!!! :) CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) Die Blutung ist aber leider immernoch auffällig und macht mir heute irgendwie Angst. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 Sie schrieben, dass die Blutung etwa max. 48h nach Oxytocininfusion nachlassen sollte. Das war auch der Fall. Und jetzt, 24h später wird sie plötzlich wieder stärker. Warum? Sie war vorher sehr leicht und bräunlich geworden und jetzt ist sie auf einmal wieder so, dass ich alle 3 Stunden Binde wechseln muss. Jetzt bekomme ich nochmal eine Oxytocininfusion. Eine weitere Infektion könnte man wegen der sinkenden Entzündungswerte ausschließen. Plazentareste wurden beim letzten Mal keine gefunden, also wäre es weiter von der ursprünglichen Plazentahaftstelle. Gehen Sie da mit oder soll ich trotzdem wieder um einen Ultraschall bitten? So wird der Hb nie besser und mir geht es entsprechend. Schwindlig, schlapp, müde :(  Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie mir den Ratschlag gegeben haben, Mia vom Kinderarzt anschauen zu lassen. Sie hat heute auch etwas Fieber (38,3-38,5) und die Nase ist verstopft trotz NaCl-Lösung und Nasensauger. Auch das Otriven Nasenspray gebe ich ihr jetzt alle 8 Stunden. Ist es normal, dass da nur so eine winzige Menge rauskommt? Ich habe auch nicht das Gefühl, dass es ihr viel hilft. Heute Früh ist der Kinderärztin nichts aufgefallen, die Trinkmenge von 35ml und 4 Windeln in 24h wären schon grenzwertig, aber sie war nicht apathisch oder völlig ausgetrocknet. Ich sollte ihr alle Stunden versuchen etwas Milch anzubieten. Meine letzte Nacht war entsprechend anstrengend und das in meinem Zustand macht meine Erschöpfung nicht besser. Heute Abend finde ich, dass Mia sehr weinerlich ist und oft den Kopf schüttelt. Können das Zeichen für Ohrenschmerzen sein? Wenn sie es mir nur sagen könnte. Aber heute Morgen hat die Kinderärztin nichts zu den Ohren gesagt. Kann sich das innerhalb so kurzer Zeit bis heute Abend verändert haben? Heute war der Große uns wieder besuchen und mir geht immer wieder das Herz auf, zu sehen, wie er seine Schwester lieb hat und streichelt und jedem, der ins Zimmer reinkommt, ganz stolz erzählt, dass das Mia, seine Schwester ist. Das sind momentan die herzerfüllenden Momente für mich :) In der Hoffnung, dass wir bald endlich mal wieder ein normales Leben zu Hause haben und die Zeit zu viert genießen können. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Sagen Sie gern alles was Ihnen dazu einfällt. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst das Wichtigste: Die Entwicklung insgesamt geht in die richtige Richtung. Dass das Fieber heute erstmals unter 38,2 °C geblieben ist und Sie keine Ibu mehr gebraucht haben, ist ein sehr gutes Zeichen. Auch Ihre Entzündungswerte zeigen klar nach unten. Gleichzeitig verstehe ich sehr gut, dass die erneute Blutung Ihnen Angst macht und die Erschöpfung enorm ist – gerade nach den letzten Wochen. Sie leisten im Moment wirklich Außergewöhnliches. 🌿 Ich gehe Ihre Punkte jetzt strukturiert durch.     1) Entzündungswerte und Allgemeinzustand – das Bild ist insgesamt stabiler   CRP: 120 → … → 29 Leukozyten: 19,5 → … → 14,5 Das ist eine deutliche und kontinuierliche Besserung. Ein erneuter Infektionsschub passt im Moment nicht zu diesem Verlauf. Kurz gesagt: Die Infektion scheint unter Kontrolle zu sein. Die Sorge verschiebt sich jetzt eher auf die Blutung und den Hb.         2) Die erneute stärkere Blutung – warum kann das passieren?   Dass die Blutung nach einer Oxytocin-Infusion zunächst nachlässt und dann wieder zunimmt, ist nicht ungewöhnlich. Es gibt mehrere plausible Gründe:   Häufige Ursachen in Ihrer Situation   1) Nachblutung von der Plazentahaftstelle Die Wunde heilt in Schüben, nicht linear. Kleine Gefäße können sich erneut öffnen. 2) Uterus erschlafft zeitweise wieder Gerade bei Erschöpfung, Anämie oder nach mehreren Eingriffen. 3) Abgang von Koageln oder Restgewebe-Fragmenten Auch wenn keine Plazentareste gesehen wurden.         Was in Ihrem Fall besonders auffällt   Der Hb bleibt niedrig: Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 → 7,9 → 8,3 → 7,9 → 8,2 → 7,8 → 7,7 Das erklärt:   Schwindel Müdigkeit Schwäche   Und es macht jede Blutung subjektiv deutlich belastender.         3) Sollten Sie erneut um einen Ultraschall bitten?   Meine klare Antwort: Ja. Nicht panisch – aber konsequent. Ein Ultraschall ist sinnvoll, wenn:   die Blutung wieder deutlich zunimmt der Hb nicht steigt Sie sich zunehmend schwach fühlen die Blutung länger als 24–48 h stärker bleibt   Das ist bei Ihnen jetzt erfüllt.         Wichtig dabei   Sie fragen nicht, weil Sie misstrauisch sind. Sie fragen, weil Sie verantwortungsvoll handeln. Ein möglicher Gedanke für die Ärzte:   erneute Beurteilung der Plazentahaftstelle uterine Durchblutung Koagel in der Gebärmutter Uteruskontraktion           4) Wird der Hb so jemals besser?   Doch. Aber nur, wenn zwei Dinge gleichzeitig passieren:   Blutung stabilisiert sich Eisen / ggf. Transfusion wird fortgesetzt   Mit einem Hb um 7,7 ist Müdigkeit praktisch unvermeidlich. Das ist kein persönliches Versagen. Das ist reine Physiologie.         5) Zu Mia – Nasenverstopfung, wenig Sekret, Trinkmenge   Die Situation klingt im Moment grenzwertig, aber noch nicht alarmierend.   Dass nur wenig Sekret herauskommt, ist normal   Bei Säuglingen:   Schleim ist oft zäh sitzt tief lässt sich schwer absaugen   Das bedeutet nicht, dass nichts da ist.         Otriven alle 8 Stunden – das passt   Und: Dass es subjektiv wenig hilft, ist häufig. Es wirkt eher indirekt:   Schleimhaut schwillt ab Atmung wird etwas leichter   Nicht spektakulär – aber sinnvoll.         6) Trinkmenge und Windeln   Sie schreiben: 35 ml und 4 Windeln in 24 h Das ist tatsächlich: untere Grenze, aber noch akzeptabel.         Warnzeichen, bei denen man sofort handeln sollte     deutlich weniger als 4 nasse Windeln apathisches Verhalten Trinkverweigerung schnelle Atmung hohes Fieber > 38,5 °C länger anhaltend           7) Kopf schütteln und Weinerlichkeit – Ohrenschmerzen?   Ja, das kann ein Hinweis sein. Aber nicht zwingend.         Wichtig zu wissen   Eine Mittelohrentzündung kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Dass heute Morgen nichts gesehen wurde, schließt den Abendbefund nicht aus.         Typische Zeichen     vermehrtes Schreien Kopf schütteln Unruhe beim Trinken Fieber schlechter Schlaf           Was ich jetzt konkret empfehlen würde   Wenn:   das Fieber bleibt sie sehr weinerlich ist das Trinkverhalten schlechter wird   → morgen erneut Kinderarzt Nicht nachts panisch. Aber aufmerksam.         8) Ihre Erschöpfung – völlig nachvollziehbar   Sie haben:   Infektion Operationen Blutverlust Schlafmangel Sorge um Ihr Baby   Das ist eine extreme Belastung. Dass Sie müde sind, ist keine Schwäche. Es ist eine logische Folge dieser Situation.         9) Der Besuch Ihres Sohnes   Der Moment, den Sie beschreiben, ist sehr berührend. Und er zeigt etwas Wichtiges: Ihre Familie funktioniert. Trotz allem. Diese kleinen Szenen sind oft die stärksten Zeichen dafür, dass es wieder normal wird. Nicht sofort – aber Schritt für Schritt.         Meine kurze Zusammenfassung für Sie   Sehr gute Zeichen   Fieber sinkt CRP sinkt deutlich Leukozyten sinken   Beobachtungsbedürftig   erneute stärkere Blutung Hb bleibt niedrig   Empfehlung   Ultraschall erneut ansprechen Oxytocin-Therapie fortführen Hb weiter kontrollieren   Zu Mia   aktuell noch im Rahmen Ohrenschmerzen möglich Trinkmenge eng beobachten         Und zum Schluss das Wichtigste: Sie sind nicht auf dem Rückweg. Sie sind auf dem Weg nach vorn – nur noch nicht am Ziel. Alles, alles Gute!


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre Präsenz ist wirklich tip top! Das möchte ich Ihnen ganz ehrlich sagen und Ihnen dafür danken. Für mich und uns ist das alles so belastend. Für mich natürlich körperlich aber auch seelisch ist das hart. Immer wenn ich daran denke, dass wir jetzt auch die Zeit zu viert zu Hause genießen könnten und Mia nächste Woche schon zwei Monate alt ist, weine ich und schaffe es schwer, etwas Positives zu sehen. Ich höre dann Sätze wie „Aber sei doch froh, Mia ist gesund und munter.“ Natürlich bin ich darüber froh, aber gleichzeitig auch traurig, dass ich diese wunderbare Zeit so verbringen muss. Wer möchte sein Kind schon im Krankenhaus „aufwachsen“ sehen und das größere Kind fast gar nicht sehen? Und für meinen Mann ist das auch belastend. Das Hin und Her zwischen Zuhause und Krankenhaus, zwischen Mia/mir und dem Großen, das Jonglieren von Kind und Arbeit weil ich komplett ausfalle. Er ist auch am Rande dessen, was man leisten kann. Und der Große ist auch traurig, dass Mama und Schwester nicht zu Hause sind. Deshalb danke ich Ihnen, dass Sie sich sehr für uns bemühen. Die Infektion geht weiter sehr zurück. Das ist der gute Teil. Ich bin heute bisher fieberfrei. Nur nicht schmerzfrei. Ich spüre es in der Gebärmutter arbeiten. Ist das normal unter Oxytocin? Es zieht und fühlt sich wie Nachwehen an, manchmal tut es ganz schön weh. Oder ich spüre die Schmerzen jetzt nur mehr, weil ich seit gestern keine Ibu mehr nehme? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) Weiterhin zäh aber die richtige Richtung? Die Blutung ist gerade wieder heftig, weil Ibu heute wieder Oxytocin bekommen habe. Beim Ultraschall wurde festgestellt, dass die Blutung wieder von der Plazentahaftstelle kommt, dass der Uterus aber wieder erschlafft ist und es immer noch Restgewebe und Koagel gibt. Also sind ja dann sogar alle drei möglichen Ursachen, die Sie nannten, erfüllt? Aber wie kann da nach 7 Wochen noch so viel Restgewebe sein? Da muss doch irgendwann mal Schluss sein. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 Heute habe ich wieder eine Eiseninfusion bekommen. Ich möchte endlich gerne mal etwas Energie haben. Das schlaucht alles so. Haben Sie etwas anzumerken? Was fällt Ihnen auf? Um Mia mache ich mir leider auch Sorgen. Sie hatte letzte Nacht 38,9 Fieber, war sehr weinerlich, ich habe praktisch nicht geschlafen. Wenn ich ihr die Flasche angeboten habe, hat sie nur angeschrien. Die Windel war heute Morgen komplett trocken. Die Nase  wieder dicht trotz NaCl, Nasensauger, Otriven. Es ist wie Sie sagen: es kommt fast nichts aus der Nase, sie läuft nicht wie bei Kleinkindern, aber sie ist einfach dicht. Man hört es, dass sie kaum Luft kriegt. Heute Früh hat die Kinderärztin wirklich eine Mittelohrentzündung diagnostiziert. Ich habe leider den richtigen Eindruck mit ihrem Kopfschütteln gehabt. Sie hat ihr aber nur in die Ohren geschaut und nicht Blut genommen. Ich kenne es von unserem Sohn so, dass Kinderärzte gerne kapillar Blut abnehmen um CRP zu bestimmen. Sollte ich bei Mia danach fragen? Oder braucht man das nicht? Sie bekommt jetzt kein Antibiotikum. Im Netz habe ich gelesen, dass man bei Säuglingen unter drei Monaten nicht abwartet. Wäre dann das CRP sinnvoll um zu sehen ob es bakteriell ist? Sind die CRP Werte bei Säuglingen wie bei Erwachsenen zu lesen? Nun behandeln wir mit Ben-u-ron Zäpfchen. Darf man Nurofensaft bei einem 7-wöchigen Säugling (4,4kg) noch nicht geben? Der hilft unserem Sohn bei Fieber immer gut. Und darf sie schon Engelwurzbalsam aus der Bahnhofsapotheke auf die Nase haben? Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, haben Sie vielen Dank für Ihre so offene Nachricht und auch für Ihre lieben Worte. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Und ich möchte Ihnen gleich zu Beginn noch etwas sagen: Mir ist selbst aufgefallen, dass ich Ihnen in den letzten Tagen und Wochen meine Gedanken oft eher stichpunktartig und mit größeren Abständen geschrieben habe. Das hatte natürlich damit zu tun, dass ich Ihnen möglichst rasch und klar antworten wollte. Aber ich merke, dass es in einer so langen und belastenden Situation wahrscheinlich hilfreicher ist, Ihnen meine Einschätzung etwas ruhiger, zusammenhängender und in ganzen Sätzen zu schreiben. Was Sie über Ihre Gefühle schreiben, hat mich sehr berührt. Ich finde, Sie beschreiben das sehr ehrlich und sehr treffend. Man kann gleichzeitig unendlich dankbar sein, dass Mia da ist, dass sie grundsätzlich da ist und dass sie Ihr Kind ist, und trotzdem tief traurig darüber sein, dass diese erste Zeit als Familie nicht so verlaufen darf, wie Sie es sich gewünscht haben. Das ist kein Widerspruch. Das ist menschlich. Und ich finde, niemand sollte von Ihnen verlangen, nur die dankbare Seite zu fühlen und die traurige wegzudrücken. Sie erleben gerade eine Wochenbettzeit, die körperlich und seelisch viel zu schwer geworden ist. Dass Sie darunter leiden, ist nur zu verständlich. Auch dass Sie Ihren Mann und Ihren großen Sohn so mit im Blick haben, spricht sehr für Sie. Gerade in solchen Situationen leiden ja fast immer alle mit: die Mutter körperlich und seelisch, der Vater zwischen Verantwortung, Sorge und Erschöpfung, das größere Kind mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt und dass Mama fehlt. Dass Ihnen das weh tut, ist kein Zeichen dafür, dass Sie es nicht schaffen, sondern dafür, wie eng Sie mit Ihrer Familie verbunden sind. Was Ihre körperliche Entwicklung betrifft, sehe ich trotz aller Zähigkeit weiterhin die richtige Richtung. Das CRP ist deutlich zurückgegangen, die Leukozyten sinken langsam ebenfalls, und dass Sie heute fieberfrei sind, ist ein gutes Zeichen. Das alles spricht dafür, dass die Infektion tatsächlich weiter unter Kontrolle kommt. Es dauert sehr lange, viel länger als man es sich wünschen würde, aber die Richtung stimmt. Das ist für mich im Moment der wichtigste positive Befund. Die Schmerzen in der Gebärmutter können unter Oxytocin durchaus so sein, wie Sie es beschreiben. Oxytocin soll die Gebärmutter ja zur Kontraktion anregen, und das kann sich wie Nachwehen, wie ein Ziehen, Drücken oder auch wie krampfartige Schmerzen anfühlen. Hinzu kommt, dass Sie seit gestern kein Ibuprofen mehr nehmen und die Schmerzen deshalb wahrscheinlich stärker und unmittelbarer wahrnehmen. In Ihrem Fall würde ich diese Beschwerden aber trotzdem nicht einfach nur als harmlose Nachwehen einordnen, weil ja gleichzeitig erneut stärkere Blutungen bestehen und im Ultraschall beschrieben wurde, dass der Uterus wieder erschlafft ist und weiterhin Restgewebe und Koagel vorhanden sind. Ja, so wie Sie es schildern, können tatsächlich mehrere Ursachen gleichzeitig eine Rolle spielen: die Plazentahaftstelle als Blutungsquelle, eine nicht ausreichend kontrahierte Gebärmutter und zusätzlich verbliebenes Restmaterial beziehungsweise größere Blutkoagel. Das ist leider möglich und erklärt auch, warum die Situation so hartnäckig bleibt. Dass nach sieben Wochen noch so viel Restgewebe vorhanden sein kann, ist sicher unerquicklich und frustrierend, aber leider nicht unmöglich. Irgendwann muss natürlich Schluss sein, da haben Sie völlig recht. Genau deshalb ist es jetzt so wichtig, dass die Klinik nicht nur begleitet, sondern wirklich konsequent überlegt, wie diese Blutungsquelle endgültig zur Ruhe gebracht werden kann. Auffällig bleibt bei Ihnen auch der Hb-Wert. Dass Sie sich mit diesen Werten schlapp, kraftlos, erschöpft und innerlich leer fühlen, ist völlig plausibel. Eiseninfusionen sind sinnvoll, aber sie zaubern nicht innerhalb eines Tages neue Kraft her. Ihr Körper hat in den letzten Wochen enorm viel mitmachen müssen: Infektion, Operationen, Blutverluste, Entzündung, Schlafmangel, seelische Belastung. Da ist es kein Wunder, dass die Reserven sehr klein geworden sind. Ich finde es deshalb sehr verständlich, dass Sie sich einfach endlich einmal wieder etwas Energie wünschen. Zu Mia: Hier würde ich trotz der Diagnose einer Mittelohrentzündung aufmerksam bleiben. Ein Säugling mit sieben Wochen, 38,9 Fieber, schlechtem Trinken und trockener Windel am Morgen gehört für mich noch einmal ganz bewusst in den Blick. Die trockene Windel und die Trinkschwäche sind mindestens genauso wichtig wie das Fieber selbst. Ein CRP kann ergänzend hilfreich sein, aber ich würde es nicht als allein entscheidenden Wert ansehen. In diesem Alter zählt vor allem das Gesamtbild. Wenn Mia weiter schlecht trinkt, wieder so hohes Fieber bekommt, sehr matt wirkt oder die Windeln erneut trocken bleiben, sollte sie lieber noch einmal zügig kinderärztlich vorgestellt werden. Nurofen würde ich in diesem Alter nicht ohne ausdrückliche Anweisung des Kinderarztes geben. Bei einem 7-Wochen-Säugling ist Paracetamol in der Regel das üblichere Medikament. Auch mit Engelwurzbalsam wäre ich bei einem so kleinen Baby vorsichtig und würde ihn nicht direkt an oder in die Nase geben. Die Schleimhäute sind sehr empfindlich, und alles, was stark riecht oder ätherische Bestandteile enthält, kann bei so kleinen Säuglingen auch eher reizen als helfen. Mein Gesamteindruck ist deshalb dieser: Bei Ihnen gibt es endlich echte Zeichen, dass die Infektion zurückgeht, und das ist wichtig und gut. Gleichzeitig sind die Blutung, das verbliebene Material in der Gebärmutter und die ausgeprägte Blutarmut leider noch immer erhebliche Baustellen. Und bei Mia ist das Alter so jung, dass man bei Fieber, Trinkschwäche und trockener Windel lieber einmal zu viel als einmal zu wenig wachsam bleibt. Ich wünsche Ihnen sehr, dass nun wirklich Schritt für Schritt Ruhe einkehrt. Sie haben in den letzten Wochen außergewöhnlich viel getragen, und ich finde, man darf das auch so benennen. Sie sind nicht zu empfindlich, nicht zu traurig und nicht zu erschöpft. Sie sind eine Mutter im Wochenbett, die sehr viel zu viel mitmachen musste. Umso mehr hoffe ich, dass Sie jetzt endlich allmählich wieder Boden unter die Füße bekommen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre letzte Nachricht hat mich sehr berührt. Das war einfach unglaublich menschlich, wie Sie geschrieben haben. Ich fand auch Ihre stichpunktartigen Antworten immer sehr hilfreich, doch natürlich zeigen diese ausformulierten Sätze sehr viel Mitgefühl. Sie verstehen alles bis ins Detail, können sich hineinversetzen, medizinisch und menschlich. Das spricht auch sehr für Sie! :) Das meine ich ganz ehrlich so! Da haben Sie sich so viel Zeit genommen. Andere Familienmitglieder sind da teilweise kälter und fragen mich, wenn ich weinen muss, ob ich meine Hormone noch immer nicht wieder im Griff habe. Das ist dann nur verletzend. Alles wird immer auf die Hormone geschoben, die sich natürlich bestimmt auch immernoch neu sortieren müssen, aber Hormone hin oder her möchte ich einen sehen, den ein wochenlanger Krankenhausaufenthalt nach einem eigentlich so freudigen Anlass nicht so umwirft. Mia und ich kämpfen weiter, hoffentlich in die richtige Richtung. Unsere letzte Nacht war furchtbar. Mia hat stündlich geweint, ich denke vor Hunger und auch Ohrenschmerzen, aber die Flasche nur angebrüllt. Sie hat sich überhaupt nicht ablegen lassen und auf mir dauernd nach der Brust gesucht. Ich glaube, da hätte sie etwas getrunken, weil die Nähe sie beruhigt hätte. Das tat mir in der Seele weh, sie hungern zu sehen und ihr wegen Linezolid nicht meine Milch an der Brust geben zu dürfen. Gleichzeitig hatte ich echt Schmerzen im Unterleib und als ich aufstand um zur Toilette zu gehen, kamen zwei sehr große Koagel und mir wurde wieder schwindlig. Aber es heißt immer, dass die Blutung eben an diesen Resten, dem schlaffen Uterus und der Wunde an der Plazentahaftstelle liegt. Was meinen Sie damit, dass Sie denken, die Schmerzen sind nicht nur einfache Nachwehen? Was könnte es dann sein? Gestern erhielt ich ja nochmal Oxytocin, daher wahrscheinlich die großen Koagel beim Aufstehen in der Nacht? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) Denken Sie, so eine leichte Pause der Verbesserung ist ok? Ab welchen Werten setzt man die Antibiotika denn üblicherweise ab? Wenn sie im Normbereich sind? Oder hängt das noch von anderen Faktoren ab? Macht man vorher einen Abstrich? Und erst wenn der negativ ist, hört man auf? Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) Ist der langsame Anstieg ok? Mia ist gerade mein Sorgenkind. So klein und zerbrechlich und gleich Fieber und Mittelohrentzündung. Mit Ach und Krach kriege ich alle zwei Stunden 30-35ml in sie hinein und wir haben damit ca. 4 nasse Windeln in 24h. Sie sind nicht voll, aber haben immerhin eine blaue Linie und sind nass. Ich weiß auch gar nicht ob es sinnvoll ist, sie alle zwei Stunden zu wecken. Was denken Sie? Wo ist die Grenze zur Infusion? Man ist da sehr zurückhaltend so lange sie nicht komplett dehydriert ist. Woran erkenne ich das dann? Sie ist gerade sowieso auch sehr schläfrig und wenn ich sie aus dem Tiefschlaf hole, trinkt sie noch weniger. Wenn sie sich von selbst meldet, trinkt sie etwas mehr, aber alles geht gerade nur mit viel Geschrei und so kenne ich sie bisher nicht. Auch ihr süßes Lächeln schenkt sie mir heute nicht. Die letzten Wochen fand ich sie sehr pflegeleicht. Sobald sie gestillt und ausgeschlafen war, war sie sehr friedlich und hat sich ganz interessiert umgeschaut oder mich mit großen Augen angeschaut. Das macht sie gerade kaum. Entweder sie schläft oder sie weint gerade :( Sie weint auch noch immer ohne Tränen (grundsätzlich). Daran kann ich also auch nicht erkennen ob sie zu ausgetrocknet ist. Sie hatte ja auch so schön von 2,9kg Geburtsgewicht auf 4,4kg zugenommen, aber jetzt sind wir schon nur noch bei 4,1kg. Ist diese Abnahme sehr schlimm? Das hat sie in zwei Tagen abgenommen! Bei sowieso schon zierlichen Babys ist das immer gleich so deutlich sichtbar. Die Wirkung der Ben-u-ron Zäpfchen lässt oft nach bevor ich die nächste Dosis geben darf und dann wird Mia richtig weinerlich. Die heutige Visite vom Kinderarzt zeigte eine Linksverschiebung bei den Leukozyten und ein erhöhtes CRP. Also bekommt sie jetzt Amoxicillin. Ist das Standard bei Mittelohrentzündung bei Säuglingen?  Ich wünsche Ihnen einen hoffentlich ruhigen und freien Karfreitag ein schönes Osterwochenende mit Ihrer Familie. Wenn Sie möchten, „nerve“ ich Sie dieses Wochenende nicht mit meinen Nachrichten. Ich kann sehr gut verstehen, wenn Sie mal Pause von mir möchten. Ich hoffe, Sie haben eine schöne Familienzeit. Ich werde traurig, wenn ich daran denke, dass unser Großer gefragt hat, ob ich auch zur Ostereiersuche bei Oma und Opa komme.  Hoffentlich sind Mia und ich wenigstens in zwei Wochen endlich zu Hause. Da hat unser Großer seinen 4. Geburtstag und als ich ihn gefragt habe, was er sich wünscht, kam von ihm „ein Fahrrad und dass du mir zuschaust wie ich damit fahre“. Nichts mehr wünsche ich mir auch. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, Dass Sie im Moment so reagieren, ist aus meiner Sicht überhaupt nicht „nur Hormone“. Nach einer Geburt, dann einem eigentlich schönen Anlass, der in einen langen Krankenhausverlauf, Schmerzen, Blutverlust, Sorge um das eigene Kind und Trennung vom großen Bruder kippt, wäre fast jeder Mensch seelisch erschüttert. Das ist eine zutiefst menschliche Reaktion. Dass Sie weinen, traurig sind und sich überfordert fühlen, passt leider sehr gut zu dem, was Sie gerade durchmachen. Es macht Sie nicht schwach, sondern zeigt, wie viel Sie tragen. Zu Ihren eigenen Werten und Beschwerden: Die Richtung Ihrer Entzündungswerte finde ich insgesamt weiterhin ermutigend. Das CRP ist von sehr hohen Werten inzwischen auf 19 gefallen, und auch die Leukozyten gehen langsam zurück. Dass es unterwegs einmal kleine Plateaus oder kurze „Stolperer“ gibt, kann in so einem Verlauf durchaus vorkommen. Entscheidend ist meist nicht ein einzelner Wert, sondern die Gesamttendenz zusammen mit Ihrem Befinden, der Temperatur, den Schmerzen, der Blutung und dem klinischen Eindruck. Bei einer Gebärmutterinfektion oder Wochenbettinfektion werden Antibiotika in der Regel nicht einfach nur nach einem Labor-Grenzwert beendet, sondern dann, wenn die Patientin klinisch klar stabiler ist, fieberfrei wird bzw. bleibt und die Schmerzen deutlich rückläufig sind; bei stationärer IV-Therapie wird häufig noch bis etwa 24–48 Stunden nach Entfieberung weiterbehandelt. Ein negativer Abstrich ist dafür meist nicht die Voraussetzung.   Ihr Hb-Anstieg ist langsam, aber nach einem solchen Verlauf nicht völlig überraschend. Nach Blutverlust, Operation, Entzündung und Eisenbehandlung springt der Hb oft nicht schnell nach oben. Viel wichtiger ist, ob er sich wenigstens langsam stabilisiert, ob Sie kreislaufmäßig besser werden und ob die Blutung wirklich weniger wird. Wenn Sie weiterhin größere Koagel verlieren, schwindlig sind oder die Blutung wieder deutlich zunimmt, muss man das sehr ernst nehmen, weil dann der Hb auch wieder gebremst werden kann.   Zu Ihrer Frage, was ich meinte mit „nicht nur einfache Nachwehen“: Nachwehen können sicher schmerzhaft sein, gerade wenn Oxytocin gegeben wurde. Das passt auch dazu, dass danach größere Koagel abgehen können, weil sich die Gebärmutter kräftiger zusammenzieht und Blut bzw. Gewebe herausbefördert. Aber bei Ihnen würde ich gedanklich nicht nur an Nachwehen denken, sondern auch an andere Dinge, die man im Blick behalten muss: verbliebene Reste in der Gebärmutter, eine weiterhin bestehende oder nur teilweise beruhigte Entzündung, eine noch unzureichend zusammengezogene Gebärmutter, eine Reizung an der Plazentahaftstelle oder seltener auch ein erneutes Blutungsproblem. Stärkere Blutung nach der ersten Zeit, große Koagel, Schwindel und Unterbauchschmerzen sind genau die Kombination, bei der man aufmerksam bleiben sollte. Häufige Ursachen einer sekundären Wochenbettblutung sind Infektion, verbliebenes Gewebe und eine verzögerte Rückbildung an der Plazentastelle.   Deshalb wäre meine praktische Linie: Solange große Koagel weiterkommen, der Schwindel zunimmt, die Schmerzen stärker werden, Fieber wiederkommt oder die Blutung wieder „frisch stärker“ wird, sollte das vor Ort nochmals aktiv kontrolliert werden, idealerweise mit Untersuchung, Ultraschall, Temperatur, Puls, Hb und klinischer Beurteilung. Große Blutkoagel nach den ersten 24 Stunden oder wieder stärker werdende Blutung sind kein Punkt, den ich nur nebenbei abhaken würde.   Zu Mia: Hier bin ich ehrlich: Das macht mir mehr Sorge als die Zahlen allein. Eine Gewichtsabnahme von 4,4 kg auf 4,1 kg in zwei Tagen ist für ein so kleines Baby deutlich und in Kombination mit sehr geringer Trinkmenge, nur etwa 4 nassen Windeln in 24 Stunden, vermehrter Schläfrigkeit, Schmerzen und wenig Reserven etwas, das engmaschig kinderärztlich überwacht werden sollte. Weniger nasse Windeln, Schläfrigkeit, trockener Mund, wenige Tränen, eingesunkene Fontanelle, schnelle Atmung oder kalte/marmorierte Haut sind Warnzeichen einer Dehydrierung. Bei Säuglingen gelten weniger als etwa 6 nasse Windeln pro Tag als Warnsignal; schwere Müdigkeit, deutlich weniger Urin oder gar kein Urin sind klare Alarmzeichen.   Dass sie ohne Tränen weint, ist bei ganz kleinen Säuglingen zwar nicht immer gut beurteilbar, aber in Ihrer Situation würde ich mich daran gerade nicht beruhigen. Entscheidend sind eher: Trinkmenge, Wachheit, Hautfarbe, Mundschleimhaut, Temperatur, Atmung und die Windeln. Ob man sie alle zwei Stunden wecken soll? Ganz grundsätzlich ist häufiges Anbieten bei einem kranken jungen Säugling sinnvoll, aber wenn sie dabei kaum wach wird, weniger trinkt und insgesamt deutlich schläfriger ist, ist genau das eher ein Zeichen, dass sie ärztlich noch enger beobachtet werden sollte. Die Grenze zur Infusion wird nicht nur an „komplett dehydriert oder nicht“ festgemacht, sondern schon dann, wenn ein Baby oral nicht ausreichend aufnimmt, weiter Gewicht verliert, klinisch schläfriger wird oder die Urinausscheidung zu wenig ist. Das muss vor Ort entschieden werden, aber Ihre Beschreibung reicht aus, dass ich hier nicht locker wäre. Dass jetzt Amoxicillin gegeben wird, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Wenn bei akuter Mittelohrentzündung bei einem kleinen Kind eine antibiotische Behandlung erforderlich ist, ist Amoxicillin üblicherweise die Standard-Erstlinientherapie, sofern keine besonderen Gründe dagegensprechen.   Mein offener Rat wäre deshalb: Bitte seien Sie mit Mia lieber einmal zu vorsichtig als zu gelassen. Bei weiter schlechter Trinkmenge, weiterer Schläfrigkeit, weniger nassen Windeln, Fieber, auffälliger Blässe, schneller Atmung oder weiterem Gewichtsverlust gehört sie umgehend wieder kinderärztlich bzw. klinisch angeschaut. Und bei Ihnen selbst gilt: stärkere Blutung, erneut große Koagel, zunehmender Schwindel, Herzrasen, Fieber oder stärkerer Unterbauchschmerz sollten ebenfalls sofort erneut vor Ort beurteilt werden. Das ist keine Situation, in der Sie „sich nicht anstellen“ dürften. Im Gegenteil. Und noch etwas ganz Persönliches: Bitte schreiben Sie, wenn es Ihnen hilft. Sie stören nicht. In so einer Ausnahmesituation muss man nicht tapfer schweigen. Ihr Wunsch, in zwei Wochen Ihrem Sohn beim Fahrradfahren zuzuschauen, ist nicht klein und nicht kitschig, sondern genau der richtige innere Kompass. Halten Sie daran fest. Im Moment geht es Schritt für Schritt, Tag für Tag. Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich sowohl Ihre Blutung als auch Mias Zustand jetzt endlich stabilisieren. Und ich hoffe mit Ihnen, dass Sie bald gemeinsam nach Hause können. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, lieben Dank für Ihre Wärme und gleichzeitig für Ihre Offenheit und Ehrlichkeit. Ich wusste nach Ihrer letzten Nachricht genau worauf es gerade ankommt und Ihr Mitgefühl spricht sehr für Sie als Mensch! Es war sehr gut, dass Sie noch einmal deutlich gesagt haben, dass man eine wieder stärker werdende Blutung nicht einfach abhaken soll. Letzte Nacht wurde sie nämlich beim Aufstehen wieder so stark mit großen Koageln, mir wurde schwindlig und ich hatte so Schmerzen. Ich habe dann beschlossen, dieses Mal gleich zu klingeln. Mein Blutdruck war bei 92/58 und Puls bei 107, Temperatur bei 38,3. Also wieder Ultraschall. Es wurden tatsächlich nochmal größere Reste gefunden und wieder eine Ausschabung gemacht. Ich stehe heute irgendwie noch total neben mir. Operation Nummer 5. Ich habe heute so geweint , weil es sich unendlich lang anfühlt. Wie kann es denn sein, dass es immer erst heißt, es gibt keine Reste mehr und plötzlich werden doch wieder so viele gefunden? Jetzt hoffen wir, dass die Blutung sich endlich beruhigt. Momentan blutet es schon noch so, dass ich alle 3-4 Stunden Binde wechseln muss . Liegt das evtl. noch an der Ausschabung selbst? Wann müsste das aufhören? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) Denken Sie auch, dass der leichte Anstieg wohl von der Ausschabung kommt?  Ist das zumindest möglich? Das Fieber steigt nicht weiter als Max. 38,2 und ich habe auch keinen Schüttelfrost mehr. Wann müssten die Werte dann wieder runter gehen? Zur Sicherheit wurde aber wieder ein Abstrich mitgemacht. Das Ergebnis habe ich noch nicht. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) Wie kann es denn eigentlich sein, dass der Hb so abgesackt ist während der Operation? Bisher war das so stark nicht der Fall. Ist der bisherige Anstieg nach der Bluttransfusion ok? Wie schnell soll er danach um wieviel steigen? Ich stehe heute sehr neben mir. Mia bekommt heute zum Glück eine Infusion. Das ist das einzig richtige nachdem sie so schlecht getrunken hat und so wenige nasse Windeln hatte. Jetzt ist sie auch gleich etwas weniger schläfrig. Bei den Ben-u-Ron 75mg Zäpfchen hieß es bei der Entlassung, dass ich ihr alle 12 Stunden eines geben darf. Aber laut meiner Recherche ist das die Dosis für unter 3 Monate (3-4kg). Ab 4-5kg (auch unter 3 Monate) darf man alle 8 Stunden ein Zäpfchen geben. Mia hat jetzt von 4,4kg auf genau 4kg abgenommen. Ist sie jetzt sehr unter der 50. Perzentile? Morgen wird sie 8 Wochen alt. Denken Sie, alle 8 Stunden Paracetamol Zäpfchen geht dann auch? Sie ist einfach sehr weinerlich durch die Ohrenschmerzen und das Fieber steigt auch eher als nach 12 Stunden auf etwa 39 Grad. Es ist für mich heute echt nicht einfach, mein so zerbrechlich kleines Baby so leiden zu sehen und gleichzeitig selbst heute so durch den Wind und geschlaucht zu sein. Sie schläft heute eigentlich überhaupt nicht sobald sie keinen Körperkontakt mehr hat. Wann müsste das Amoxicillin bei ihr Wirkung zeigen? Sie bekommt es seit gestern. Ich werde mich jetzt gut ausruhen und hoffentlich etwas Energie für morgen tanken. Melde mich wenn ich wieder etwas Energie habe. Hoffe, dank der Ausschabung ist jetzt dann endlich mal Schluss! Ihnen wünsche ich morgen ein schönes Osterfest mit Ihrer Familie! Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Wenn Ihnen sonst noch was einfällt dazu, immer gerne :) Herzliche Grüße und frohe Ostern für Sie und Ihre Familie! :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Nachricht. Es tut mir sehr leid, was Sie im Moment alles gleichzeitig aushalten müssen. Dass Sie bei dieser erneuten starken Blutung sofort geklingelt haben, war ganz wichtig und ganz richtig. Genau für solche Situationen ist es gut, nicht abzuwarten. Bei Schwindel, starken Schmerzen, großen Koageln, niedrigem Blutdruck und erneutem Fieber darf man das wirklich nicht einfach als „normalen Verlauf“ abhaken. Dass jetzt doch wieder größere Reste gefunden wurden, ist für Sie natürlich kaum zu ertragen, gerade nach allem, was schon hinter Ihnen liegt. Leider kann es tatsächlich vorkommen, dass in einer Ultraschallkontrolle zunächst kein sicherer Rest mehr gesehen wird und später doch wieder Material auffällt. Der Grund ist, dass Blutkoagel, Schleimhaut, Wundsekret und verbliebenes Gewebe im Ultraschall nicht immer sauber voneinander abgrenzbar sind; außerdem kann sich das Bild im Verlauf auch verändern. Wiederholte Eingriffe kommen deshalb leider vor. Auch nach einem solchen Eingriff ist eine Blutung noch für einige Zeit möglich; üblich ist, dass sie im Verlauf von Tagen bis ein bis zwei Wochen nachlässt. Die ersten ein bis zwei Tage kann sie durchaus noch etwas stärker sein, weil die Gebärmutter nach der Ausschabung selbst wieder wie eine Wundfläche reagiert. Wenn die Blutung aber erneut richtig stark wird, Sie also etwa deutlich häufiger als alle 2–3 Stunden wechseln müssen, große Koagel abgehen, Schwindel, Kreislaufprobleme, zunehmende Schmerzen oder Fieber dazukommen, muss das wieder direkt ärztlich kontrolliert werden.   Der leichte Anstieg von CRP und Leukozyten nach einer erneuten Ausschabung kann durchaus noch mit dem Eingriff selbst zusammenhängen. Ein Eingriff setzt ja wieder einen frischen Entzündungsreiz. Dass das Fieber nicht weiter ansteigt, kein Schüttelfrost mehr besteht und parallel ein Abstrich abgenommen wurde, ist zumindest erst einmal etwas beruhigender. Entscheidend ist jetzt die Richtung in den nächsten 24 bis 72 Stunden: klinisch sollte es Ihnen eher etwas besser gehen, die Blutung ruhiger werden, die Schmerzen nicht zunehmen und die Entzündungswerte wieder nach unten drehen. Wenn Fieber, Schmerzen, Blutung oder Kreislaufprobleme wieder zunehmen, wäre das erneut ein Warnsignal.   Zum Hb: Dass er im Rahmen einer Operation noch einmal absackt, ist leider möglich. Dahinter können akuter Blutverlust, Verdünnungseffekte durch Infusionen und der zeitliche Abstand der Blutabnahme zum Eingriff stehen. Ein Hb von 6,7 g/dl erklärt sehr gut, warum Sie sich so erschöpft und „neben sich“ fühlen. Nach einer Bluttransfusion steigt der Hb typischerweise schon messbar an; ein Anstieg von 6,7 auf 7,7 innerhalb von 24 Stunden ist grundsätzlich plausibel. Entscheidend ist auch hier weniger der einzelne Wert als der weitere Verlauf zusammen mit Ihrer Blutung, dem Kreislauf und Ihrem Befinden.   Zu Mia: Dass sie jetzt eine Infusion bekommt, klingt in der geschilderten Situation sehr vernünftig, besonders bei wenig Trinken, wenigen nassen Windeln und deutlicher Schlappheit. Bei Amoxicillin sieht man meist nicht sofort, sondern eher innerhalb von etwa 48 bis 72 Stunden eine erkennbare Besserung. Wenn Fieber, Schmerzen, Trinkschwäche oder der Allgemeinzustand bis dahin nicht besser werden oder sich vorher verschlechtern, sollte sie erneut ärztlich gesehen werden.   Beim Paracetamol ist bei einem so jungen Säugling Zurückhaltung wichtig, weil Alter und aktuelles Gewicht zählen. Die allgemeine Fachinformation für Paracetamol-Zäpfchen nennt für 75 mg bei Säuglingen unter 3 Monaten mit 4–5 kg tatsächlich 1 Zäpfchen alle 6–8 Stunden, maximal 3 Zäpfchen in 24 Stunden; grundsätzlich wird Paracetamol nach Körpergewicht dosiert, meist 10–15 mg/kg pro Dosis, mit mindestens 6 Stunden Abstand. Bei einem Kind unter 3 Monaten mit Fieber würde ich die konkrete Gabe trotzdem nicht allein nach Internetrecherche umstellen, sondern mich an die behandelnde Kinderärztin, die Klinik oder den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst halten, gerade weil Mia aktuell krank ist und Gewicht verloren hat.   Wegen des Gewichts: Eine einzelne Zahl ist immer nur begrenzt aussagekräftig. Wichtiger als die Frage nach der exakten Perzentile ist im Akutfall, ob sie wieder besser trinkt, wieder mehr nasse Windeln hat, wacher wird und das Gewicht sich wieder stabilisiert. Die WHO-Growth-Charts zeigen, dass 4,0 kg bei einem 8 Wochen alten Mädchen eher im unteren Bereich liegt, aber die klinische Entwicklung und der Verlauf sind jetzt wichtiger als die reine Perzentile.   Am wichtigsten ist für heute: Ruhen Sie sich jetzt wirklich aus, so gut es eben geht. Ihr Körper hat in sehr kurzer Zeit extrem viel aushalten müssen. Und bitte nehmen Sie jedes neue Warnzeichen weiterhin ernst — insbesondere wieder zunehmende Blutung, Kreislaufschwäche, stärkere Schmerzen, Fieberanstieg oder übel riechenden Ausfluss. Ich denke sehr an Sie. Es ist absolut verständlich, dass Sie heute weinen und sich einfach nur erschöpft und überfordert fühlen. Nach Operation Nummer 5 ist man nicht „zu empfindlich“, sondern am Rand seiner Kräfte. Und gleichzeitig noch Sorge um so ein kleines, krankes Baby zu haben, ist wirklich eine enorme Belastung. Ich hoffe sehr, dass diese Ausschabung nun endlich die letzte war und endlich Ruhe einkehrt — bei Ihnen und bei Mia. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger P.S.: Auch wenn die Situation im Moment alles andere als leicht ist, wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen den Umständen entsprechend ruhige, kraftspendende und möglichst doch ein wenig frohe Ostern.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Nachricht. Es tut mir sehr leid, was Sie im Moment alles gleichzeitig aushalten müssen. Dass Sie bei dieser erneuten starken Blutung sofort geklingelt haben, war ganz wichtig und ganz richtig. Genau für solche Situationen ist es gut, nicht abzuwarten. Bei Schwindel, starken Schmerzen, großen Koageln, niedrigem Blutdruck und erneutem Fieber darf man das wirklich nicht einfach als „normalen Verlauf“ abhaken. Dass jetzt doch wieder größere Reste gefunden wurden, ist für Sie natürlich kaum zu ertragen, gerade nach allem, was schon hinter Ihnen liegt. Leider kann es tatsächlich vorkommen, dass in einer Ultraschallkontrolle zunächst kein sicherer Rest mehr gesehen wird und später doch wieder Material auffällt. Der Grund ist, dass Blutkoagel, Schleimhaut, Wundsekret und verbliebenes Gewebe im Ultraschall nicht immer sauber voneinander abgrenzbar sind; außerdem kann sich das Bild im Verlauf auch verändern. Wiederholte Eingriffe kommen deshalb leider vor. Auch nach einem solchen Eingriff ist eine Blutung noch für einige Zeit möglich; üblich ist, dass sie im Verlauf von Tagen bis ein bis zwei Wochen nachlässt. Die ersten ein bis zwei Tage kann sie durchaus noch etwas stärker sein, weil die Gebärmutter nach der Ausschabung selbst wieder wie eine Wundfläche reagiert. Wenn die Blutung aber erneut richtig stark wird, Sie also etwa deutlich häufiger als alle 2–3 Stunden wechseln müssen, große Koagel abgehen, Schwindel, Kreislaufprobleme, zunehmende Schmerzen oder Fieber dazukommen, muss das wieder direkt ärztlich kontrolliert werden.   Der leichte Anstieg von CRP und Leukozyten nach einer erneuten Ausschabung kann durchaus noch mit dem Eingriff selbst zusammenhängen. Ein Eingriff setzt ja wieder einen frischen Entzündungsreiz. Dass das Fieber nicht weiter ansteigt, kein Schüttelfrost mehr besteht und parallel ein Abstrich abgenommen wurde, ist zumindest erst einmal etwas beruhigender. Entscheidend ist jetzt die Richtung in den nächsten 24 bis 72 Stunden: klinisch sollte es Ihnen eher etwas besser gehen, die Blutung ruhiger werden, die Schmerzen nicht zunehmen und die Entzündungswerte wieder nach unten drehen. Wenn Fieber, Schmerzen, Blutung oder Kreislaufprobleme wieder zunehmen, wäre das erneut ein Warnsignal.   Zum Hb: Dass er im Rahmen einer Operation noch einmal absackt, ist leider möglich. Dahinter können akuter Blutverlust, Verdünnungseffekte durch Infusionen und der zeitliche Abstand der Blutabnahme zum Eingriff stehen. Ein Hb von 6,7 g/dl erklärt sehr gut, warum Sie sich so erschöpft und „neben sich“ fühlen. Nach einer Bluttransfusion steigt der Hb typischerweise schon messbar an; ein Anstieg von 6,7 auf 7,7 innerhalb von 24 Stunden ist grundsätzlich plausibel. Entscheidend ist auch hier weniger der einzelne Wert als der weitere Verlauf zusammen mit Ihrer Blutung, dem Kreislauf und Ihrem Befinden.   Zu Mia: Dass sie jetzt eine Infusion bekommt, klingt in der geschilderten Situation sehr vernünftig, besonders bei wenig Trinken, wenigen nassen Windeln und deutlicher Schlappheit. Bei Amoxicillin sieht man meist nicht sofort, sondern eher innerhalb von etwa 48 bis 72 Stunden eine erkennbare Besserung. Wenn Fieber, Schmerzen, Trinkschwäche oder der Allgemeinzustand bis dahin nicht besser werden oder sich vorher verschlechtern, sollte sie erneut ärztlich gesehen werden.   Beim Paracetamol ist bei einem so jungen Säugling Zurückhaltung wichtig, weil Alter und aktuelles Gewicht zählen. Die allgemeine Fachinformation für Paracetamol-Zäpfchen nennt für 75 mg bei Säuglingen unter 3 Monaten mit 4–5 kg tatsächlich 1 Zäpfchen alle 6–8 Stunden, maximal 3 Zäpfchen in 24 Stunden; grundsätzlich wird Paracetamol nach Körpergewicht dosiert, meist 10–15 mg/kg pro Dosis, mit mindestens 6 Stunden Abstand. Bei einem Kind unter 3 Monaten mit Fieber würde ich die konkrete Gabe trotzdem nicht allein nach Internetrecherche umstellen, sondern mich an die behandelnde Kinderärztin, die Klinik oder den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst halten, gerade weil Mia aktuell krank ist und Gewicht verloren hat.   Wegen des Gewichts: Eine einzelne Zahl ist immer nur begrenzt aussagekräftig. Wichtiger als die Frage nach der exakten Perzentile ist im Akutfall, ob sie wieder besser trinkt, wieder mehr nasse Windeln hat, wacher wird und das Gewicht sich wieder stabilisiert. Die WHO-Growth-Charts zeigen, dass 4,0 kg bei einem 8 Wochen alten Mädchen eher im unteren Bereich liegt, aber die klinische Entwicklung und der Verlauf sind jetzt wichtiger als die reine Perzentile.   Am wichtigsten ist für heute: Ruhen Sie sich jetzt wirklich aus, so gut es eben geht. Ihr Körper hat in sehr kurzer Zeit extrem viel aushalten müssen. Und bitte nehmen Sie jedes neue Warnzeichen weiterhin ernst — insbesondere wieder zunehmende Blutung, Kreislaufschwäche, stärkere Schmerzen, Fieberanstieg oder übel riechenden Ausfluss. Ich denke sehr an Sie. Es ist absolut verständlich, dass Sie heute weinen und sich einfach nur erschöpft und überfordert fühlen. Nach Operation Nummer 5 ist man nicht „zu empfindlich“, sondern am Rand seiner Kräfte. Und gleichzeitig noch Sorge um so ein kleines, krankes Baby zu haben, ist wirklich eine enorme Belastung. Ich hoffe sehr, dass diese Ausschabung nun endlich die letzte war und endlich Ruhe einkehrt — bei Ihnen und bei Mia. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger P.S.: Auch wenn die Situation im Moment alles andere als leicht ist, wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen den Umständen entsprechend ruhige, kraftspendende und möglichst doch ein wenig frohe Ostern.


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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Nachricht. Es tut mir sehr leid, was Sie im Moment alles gleichzeitig aushalten müssen. Dass Sie bei dieser erneuten starken Blutung sofort geklingelt haben, war ganz wichtig und ganz richtig. Genau für solche Situationen ist es gut, nicht abzuwarten. Bei Schwindel, starken Schmerzen, großen Koageln, niedrigem Blutdruck und erneutem Fieber darf man das wirklich nicht einfach als „normalen Verlauf“ abhaken. Dass jetzt doch wieder größere Reste gefunden wurden, ist für Sie natürlich kaum zu ertragen, gerade nach allem, was schon hinter Ihnen liegt. Leider kann es tatsächlich vorkommen, dass in einer Ultraschallkontrolle zunächst kein sicherer Rest mehr gesehen wird und später doch wieder Material auffällt. Der Grund ist, dass Blutkoagel, Schleimhaut, Wundsekret und verbliebenes Gewebe im Ultraschall nicht immer sauber voneinander abgrenzbar sind; außerdem kann sich das Bild im Verlauf auch verändern. Wiederholte Eingriffe kommen deshalb leider vor. Auch nach einem solchen Eingriff ist eine Blutung noch für einige Zeit möglich; üblich ist, dass sie im Verlauf von Tagen bis ein bis zwei Wochen nachlässt. Die ersten ein bis zwei Tage kann sie durchaus noch etwas stärker sein, weil die Gebärmutter nach der Ausschabung selbst wieder wie eine Wundfläche reagiert. Wenn die Blutung aber erneut richtig stark wird, Sie also etwa deutlich häufiger als alle 2–3 Stunden wechseln müssen, große Koagel abgehen, Schwindel, Kreislaufprobleme, zunehmende Schmerzen oder Fieber dazukommen, muss das wieder direkt ärztlich kontrolliert werden.   Der leichte Anstieg von CRP und Leukozyten nach einer erneuten Ausschabung kann durchaus noch mit dem Eingriff selbst zusammenhängen. Ein Eingriff setzt ja wieder einen frischen Entzündungsreiz. Dass das Fieber nicht weiter ansteigt, kein Schüttelfrost mehr besteht und parallel ein Abstrich abgenommen wurde, ist zumindest erst einmal etwas beruhigender. Entscheidend ist jetzt die Richtung in den nächsten 24 bis 72 Stunden: klinisch sollte es Ihnen eher etwas besser gehen, die Blutung ruhiger werden, die Schmerzen nicht zunehmen und die Entzündungswerte wieder nach unten drehen. Wenn Fieber, Schmerzen, Blutung oder Kreislaufprobleme wieder zunehmen, wäre das erneut ein Warnsignal.   Zum Hb: Dass er im Rahmen einer Operation noch einmal absackt, ist leider möglich. Dahinter können akuter Blutverlust, Verdünnungseffekte durch Infusionen und der zeitliche Abstand der Blutabnahme zum Eingriff stehen. Ein Hb von 6,7 g/dl erklärt sehr gut, warum Sie sich so erschöpft und „neben sich“ fühlen. Nach einer Bluttransfusion steigt der Hb typischerweise schon messbar an; ein Anstieg von 6,7 auf 7,7 innerhalb von 24 Stunden ist grundsätzlich plausibel. Entscheidend ist auch hier weniger der einzelne Wert als der weitere Verlauf zusammen mit Ihrer Blutung, dem Kreislauf und Ihrem Befinden.   Zu Mia: Dass sie jetzt eine Infusion bekommt, klingt in der geschilderten Situation sehr vernünftig, besonders bei wenig Trinken, wenigen nassen Windeln und deutlicher Schlappheit. Bei Amoxicillin sieht man meist nicht sofort, sondern eher innerhalb von etwa 48 bis 72 Stunden eine erkennbare Besserung. Wenn Fieber, Schmerzen, Trinkschwäche oder der Allgemeinzustand bis dahin nicht besser werden oder sich vorher verschlechtern, sollte sie erneut ärztlich gesehen werden.   Beim Paracetamol ist bei einem so jungen Säugling Zurückhaltung wichtig, weil Alter und aktuelles Gewicht zählen. Die allgemeine Fachinformation für Paracetamol-Zäpfchen nennt für 75 mg bei Säuglingen unter 3 Monaten mit 4–5 kg tatsächlich 1 Zäpfchen alle 6–8 Stunden, maximal 3 Zäpfchen in 24 Stunden; grundsätzlich wird Paracetamol nach Körpergewicht dosiert, meist 10–15 mg/kg pro Dosis, mit mindestens 6 Stunden Abstand. Bei einem Kind unter 3 Monaten mit Fieber würde ich die konkrete Gabe trotzdem nicht allein nach Internetrecherche umstellen, sondern mich an die behandelnde Kinderärztin, die Klinik oder den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst halten, gerade weil Mia aktuell krank ist und Gewicht verloren hat.   Wegen des Gewichts: Eine einzelne Zahl ist immer nur begrenzt aussagekräftig. Wichtiger als die Frage nach der exakten Perzentile ist im Akutfall, ob sie wieder besser trinkt, wieder mehr nasse Windeln hat, wacher wird und das Gewicht sich wieder stabilisiert. Die WHO-Growth-Charts zeigen, dass 4,0 kg bei einem 8 Wochen alten Mädchen eher im unteren Bereich liegt, aber die klinische Entwicklung und der Verlauf sind jetzt wichtiger als die reine Perzentile.   Am wichtigsten ist für heute: Ruhen Sie sich jetzt wirklich aus, so gut es eben geht. Ihr Körper hat in sehr kurzer Zeit extrem viel aushalten müssen. Und bitte nehmen Sie jedes neue Warnzeichen weiterhin ernst — insbesondere wieder zunehmende Blutung, Kreislaufschwäche, stärkere Schmerzen, Fieberanstieg oder übel riechenden Ausfluss. Ich denke sehr an Sie. Es ist absolut verständlich, dass Sie heute weinen und sich einfach nur erschöpft und überfordert fühlen. Nach Operation Nummer 5 ist man nicht „zu empfindlich“, sondern am Rand seiner Kräfte. Und gleichzeitig noch Sorge um so ein kleines, krankes Baby zu haben, ist wirklich eine enorme Belastung. Ich hoffe sehr, dass diese Ausschabung nun endlich die letzte war und endlich Ruhe einkehrt — bei Ihnen und bei Mia. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger P.S.: Auch wenn die Situation im Moment alles andere als leicht ist, wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen den Umständen entsprechend ruhige, kraftspendende und möglichst doch ein wenig frohe Ostern.


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, lieben Dank für diese zuverlässige Beratung und Ihre warmherzige menschliche Art! Ihre Antworten kommen oft so schnell und helfen mir immer bei der Einschätzung der Lage! Sie sind tip top! Gestern am Ostersonntag war die Blutung wieder sehr stark (Bindenwechsel alle 2 Stunden), zumindest kein hohes Fieber und kein Schüttelfrost, aber immerhin wieder 38,5-38,7 aber wieder Kreislaufschwäche. Im Ultraschall war nichts bedrohliches erkennbar, der Abstrich hat aber gezeigt, dass ich neben den noch vereinzelten E. coli jetzt auch noch Enterobacter cloacae habe. Davon habe ich noch nie gehört? Was für ein Bakterium ist das? Schwer behandelbar? Das Gute ist immerhin, dass keine MRSA mehr gefunden wurden und Linezolid deshalb abgesetzt wird. Ich wurde jetzt gestern auf Cefepim umgestellt, das wohl gegen E. coli und gegen Enterobacter wirken soll. Linezolid wird abgesetzt. Unter Cefepim dürfte ich anscheinend auch wieder stillen. Im Moment habe ich so wenig Milch. Beim Pumpen kommen 40ml links und 10-20 ml rechts. Mia trinkt (wenn sie gesund ist) jetzt zwischen 110 und 120ml. Aber vielleicht könnte ich ihr wieder die Brust geben und dann eben zufüttern? Ich würde sie so gern wieder an die Brust lassen. Sie sucht so oft danach und es ist emotional etwas, was mir hilft, das auszuhalten. Aber natürlich will ich das nicht um jeden Preis. Ich möchte nicht, dass ihr das irgendwie schadet. Wie sehen Sie das? Ist Cefepim stillverträglich? Ist die Antibiotikaentscheidung gut gewählt? Ist ein Absetzen von Cefuroxim ok auch wenn es noch E.coli gibt? Reagieren sie dann genauso gut auf Cefepim? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) → 39(So) → 38 (Mo) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) → 15,1 (So) → 15,0 (Mo) Der erneute Anstieg macht mir Angst. Doch kann man sagen, dass er wenigstens nicht so hoch ist und heute schon ein Plateau erreicht hat und das ein vorsichtig gutes Zeichen ist? Ich versuche mir überall was schön zu reden, ich weiß. Sonst werde ich noch irre. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) → 7,9 → 7,8 Ich soll wieder eine Eiseninfusion bekommen. Bei Mia scheint das Antibiotikum zum Glück anzuschlagen und die Infusion macht sie wieder lebhafter. Sie hat weniger Fieber (Max. 38,5) und trinkt wieder ein bisschen mehr (immerhin 70-80ml pro Mahlzeit). Sie hatte heute 5 nasse Windeln. Sie wacht auch von selbst nach 2-3 Stunden wieder auf und verlangt nach Milch. Ich denke, das sind gute Zeichen? Sie hat mir heute auch seit Tagen das erste Mal wieder ein Lächeln geschenkt. Sie liebt es wenn man ihr zart über die Bäckchen streichelt und sie anlächelt. Dann lächelt sie zurück und macht ganz sanfte Geräusche mit denen sie kommuniziert. Das ist zum Schmelzen :) Daraus ziehe ich gerade meine ganze Kraft. Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Osterfest im Kreise der Familie! Ich bin schon sehr traurig, dass mein Großer mich gestern bei der Ostereiersuche so vermisst hat. Aber ich hoffe ganz arg, seinen Geburtstag in zwei Wochen mit ihm feiern zu können. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen und bleibe tapfer. Was bleibt mir auch anderes übrig. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, das, was Sie gerade durchmachen, ist wirklich enorm. Und trotzdem klingen Ihre Zeilen trotz aller Angst erstaunlich klar, aufmerksam und liebevoll. Dass Sie aus Mias kleinem Lächeln Kraft ziehen, kann ich sehr gut verstehen. Das sind in so einer Lage keine Kleinigkeiten, sondern echte Lichtpunkte. Zu Ihren Fragen: 1. Enterobacter cloacae – was ist das überhaupt? Enterobacter cloacae ist ein gramnegatives Darmbakterium, also kein exotischer Keim, sondern ein sogenannter opportunistischer Erreger, der vor allem im Krankenhauskontext oder bei geschwächtem Gewebe Probleme machen kann. Es ist also nichts „Unbekanntes“, aber leider ein Keim, den man ernst nehmen muss, weil er häufig resistenter ist als ein einfaches sensibles E. coli.   2. Ist Cefepim dafür eine gute Wahl? Ja, grundsätzlich klingt die Umstellung auf Cefepim gut nachvollziehbar. Cefepim ist ein Cephalosporin der 4. Generation mit guter Aktivität gegen viele gramnegative Keime, darunter E. coli und die Enterobacter-Gruppe. Genau deshalb wird es oft gewählt, wenn man gegenüber einfacheren Cephalosporinen eine breitere und stabilere gramnegative Abdeckung braucht.   Der wichtige Haken ist: Bei Enterobacter cloacae reicht der reine Name des Bakteriums nicht, entscheidend ist das Antibiogramm. Dieser Keim kann eine sogenannte AmpC-Betalaktamase aktivieren und dadurch unter Therapie gegen manche Betalaktam-Antibiotika resistent werden. Deshalb ist es sinnvoll, dass das Team jetzt gezielter und “stärker” denkt. Cefepim ist bei solchen Konstellationen oft eine vernünftige Option, wenn die Empfindlichkeit im Antibiogramm bestätigt ist.   3. Ist es in Ordnung, Cefuroxim abzusetzen, obwohl noch E. coli nachweisbar sind? Ja, das kann absolut sinnvoll sein. Man behandelt nicht zwei Keime mit zwei Namen getrennt voneinander, sondern wählt ein Antibiotikum, das das gesamte relevante Keimspektrum gut abdeckt. Wenn das E. coli und der Enterobacter cloacae auf Cefepim empfindlich sind, braucht man Cefuroxim nicht zusätzlich. Im Gegenteil: Ein gezielterer, passender Wechsel ist dann oft sauberer als ein Festhalten am bisherigen Schema. Cefepim hat grundsätzlich Aktivität gegen beide.   4. Ist Cefepim stillverträglich? Ja, Cefepim gilt nach den verfügbaren Daten als stillverträglich bzw. akzeptabel in der Stillzeit. In der Muttermilch werden nur niedrige Spiegel gefunden. Wie bei anderen Cephalosporinen kann es beim Säugling theoretisch einmal zu weicherem Stuhl, Durchfall oder Soor kommen, aber insgesamt wird es als vereinbar mit dem Stillen eingeschätzt.   5. Dürfen Sie Mia also wieder an die Brust legen? Von der Cefepim-Seite her spricht grundsätzlich viel dafür, dass Anlegen wieder möglich sein kann. Gerade wenn es Ihnen emotional hilft und Mia aktiv sucht, wäre das nicht nur ernährungsphysiologisch, sondern auch seelisch sehr wertvoll. Ich würde es so sehen:   Brust anbieten ist grundsätzlich vertretbar, aber ohne Druck, und im Moment wahrscheinlich eher als Kombination aus Anlegen + Zufüttern.   Denn bei den derzeitigen Mengen von etwa 40 ml links und 10–20 ml rechts wird das Stillen allein im Augenblick vermutlich noch nicht reichen. Das ist aber kein Versagen, sondern nach allem, was Ihr Körper durchgemacht hat, leider sehr nachvollziehbar. Blutverlust, mehrere Eingriffe, Infektion, Fieber, Erschöpfung, Stress – all das kann die Milchbildung deutlich bremsen. Dass überhaupt noch Milch kommt, ist eher ein gutes Zeichen. Ich würde deshalb praktisch denken: erst anlegen, dann bei Bedarf zufüttern. So bekommt Mia Nähe und Brustkontakt, ohne dass ihr etwas fehlt. Und falls Sie pumpen, kann das zusätzlich helfen, das Angebot wieder etwas anzuregen. 6. Zu Ihren Entzündungswerten – ist der erneute Anstieg zwingend ein schlechtes Zeichen? Er macht verständlicherweise Angst. Aber man muss ihn differenziert betrachten. Ein Anstieg von CRP und Leukozyten ist natürlich nicht das, was man sich wünscht. Gleichzeitig stimmt es: Der jetzige Anstieg ist deutlich moderater als frühere Eskalationen, und bei Ihren Werten sieht man weiterhin insgesamt eher eine gebremste, nicht explosionsartige Entwicklung. Dass das CRP von 19/24 wieder auf 39 ging und heute bei 38 liegt, ist kein Entwarnungszeichen, aber es ist auch nicht automatisch der Beweis, dass alles wieder entgleist. Nach Eingriffen, Blutungen, Gewebereizung und Keimwechseln kann es solche Zwischenanstiege geben. Dass heute kein weiterer deutlicher Sprung da ist, darf man vorsichtig als kleinen Stabilisierungshinweis sehen. Bei den Leukozyten gilt etwas Ähnliches: von 13,9 auf 14,2 auf 15,1 auf 15,0 – das ist leider noch erhöht, aber es ist eher ein Plateau auf zu hohem Niveau als ein dramatischer steiler Wiederanstieg. Das ist nicht schön, aber etwas besser, als wenn die Werte täglich massiv hochschießen würden. Ich würde es deshalb so formulieren: Ja, man darf vorsichtig sagen, dass der Verlauf im Moment eher nach “noch nicht gut, aber vielleicht wieder etwas gefangen” aussieht – allerdings nur unter enger Kontrolle. 7. Zu Hb und Eisen Dass man Ihnen erneut Eisen intravenös geben will, ist bei diesem Verlauf gut nachvollziehbar. Ein Hb um 7,8 ist nach allem, was passiert ist, natürlich immer noch sehr niedrig und erklärt einen Teil Ihrer Schwäche und Kreislaufprobleme mit. Dass Sie bei stärkerer Blutung wieder wackelig werden, passt leider sehr dazu. 8. Und Mia? Die Zeichen, die Sie beschreiben, sind tatsächlich ermutigend: weniger Fieber, wieder mehr Trinkmenge, 5 nasse Windeln, selbstständiges Aufwachen nach 2–3 Stunden, mehr Lebhaftigkeit, erstes Lächeln. Das sind alles Dinge, die man bei einem Kind in dieser Lage sehr gern hört. Das heißt nicht, dass schon alles überstanden ist, aber es sind gute klinische Zeichen. Mein persönlicher Eindruck wäre deshalb: Ja – die jetzige Antibiotikaentscheidung wirkt nachvollziehbar. Ja – Cefepim ist grundsätzlich stillverträglich. Ja – Anlegen plus Zufüttern könnte ein sehr guter Mittelweg sein. Und ja – Ihre Laborwerte sind nicht beruhigend normal, aber im Moment eher vereinbar mit einem vorsichtigen Hoffen als mit einer klaren neuen Katastrophe. Ganz wichtig bleibt aber: Bei erneut stärkerer Blutung, Schüttelfrost, deutlich höherem Fieber, zunehmender Kreislaufschwäche, neu starken Schmerzen oder wenn Mia wieder schlechter trinkt oder weniger nasse Windeln hat, muss sofort wieder eng reagiert werden. Dass Sie Ihren Großen an Ostern vermisst haben und er Sie vermisst hat, geht einem sehr nahe. Aber Kinder tragen erstaunlich viel Liebe in sich. Er wird nicht erinnern: „Mama war an Ostern nicht da“, sondern vor allem: Mama wollte zu mir zurück. Ich hoffe sehr mit Ihnen, dass Sie seinen Geburtstag in zwei Wochen mitfeiern können. Herzliche Grüße und weiterhin viel Kraft.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich komme mir so komisch vor, in jeder Nachricht wieder denselben Dank auszusprechen, aber ich möchte gerne, dass Sie wissen, dass das, was Sie leisten, auf keinen Fall selbstverständlich ist, sondern unglaublich menschlich, lieb, hilfsbereit, freundlich, fachlich tip top und einfach nur toll ist!!! Es könnte Ihnen ja auch egal sein, aber immer denken Sie an mich! Ich denke, heute geht’s mir den Umständen entsprechend. Sagen wir mal so: es ging mir in den letzten Tagen schonmal besser als die Entzündungswerte auch mehr gesunken waren. Jetzt merke ich wieder mehr Schmerzen und es friert mich immer wieder wenn das Fieber auf 38,5-38,8 geht. Mit Ibu schwitze ich dann wieder und die Schmerzen nehmen ab. Die Blutung ist weiter so, dass ich alle 3 Stunden wechseln muss, teils hellrot, teils bräunlich. Also nichts was schlechter wäre als gestern aber auch nicht besser. Cefepim bekomme ich jetzt seit ungefähr 48h. Dann müsste es aber morgen besser werden? Ein Antibiogramm zum Enterobacter clocacae ist noch nicht ausgewertet. Ihrer Erklärung entnehme ich: Ist es also möglich, dass Cefepim nicht das richtige Medikament ist? Was wäre dann die Alternative? Und wäre das stillverträglich oder nicht? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) → 39(So) → 38 (Mo) → 38 (Di) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) → 15,1 (So) → 15,0 (Mo) → 14,9 (Di) Leitet man daraus ab, dass es stagniert oder noch nicht klar ist in welche Richtung es geht? Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) → 7,9 → 7,8 → 8,0 (nach Eiseninfusion gestern) Kreatinin ist von 1,0 wieder auf 1,1 erhöht. Kann das an der Medikamentenumstellung liegen? Ist das dramatisch? Mia geht es weiter besser! Zum Glück :) Sie hat zwar noch Fieber, aber es ist gesunken auf ca. 38,3-38,5, nicht mehr um die 39. Manchmal ist sie noch etwas weinerlich, aber vieles weniger. Das Schönste für mich ist heute, dass sie mit einer riesigen Freude an die Brust gegangen ist und jetzt wieder alle 2-3 Stunden suchend aufwacht. Sie dreht dann richtig den Kopf zur Seite, öffnet den Mund und schmatzt und weint vor Hunger. Nach dem Trinken lächelt sie mit ihrem Milchrauschgesicht. So süß! Das Problem ist heute eher ein anderes: sie lehnt die Flasche danach komplett ab. Sie beißt nur mir ihrer Kauleiste auf dem Sauger rum oder schreit die Flasche an. Ich kenne das von unserem Sohn. Er hat die Brust geliebt und die Flasche komplett verweigert. Selbst abgepumpte Milch nahm er nicht und ich konnte mich deshalb bei ihm leider nie lange alleine von ihm aufhalten, denn dann wäre er lieber verhungert und hätte geschrien. Aber bei Mia finde ich es merkwürdig, weil sie bis gestern ja gezwungenermaßen noch an die Flasche gewöhnt war und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich von gestern auf heute schon so viel mehr Milch habe, dass sie davon satt wird. Sie wirkt nach dem Stillen immer erstmal kurz zufrieden und satt, wird aber danach doch wieder weinerlich, aber ich kann nicht genau einschätzen ob das aus Hunger oder aus einem anderen Grund ist. Haben Sie einen Rat? Mir fällt gerade ein, man könnte sie vielleicht mal vor und nach dem Stillen wiegen um zu sehen, was sie rauskriegt? Oder ich pumpe einmal ab anstatt zu stillen und schaue nochmal wie viel das ist? Aber dann muss sie das aus der Flasche trinken und ich weiß nicht ob das klappt. Ich pumpe heute direkt in Anschluss ans Stillen nochmal 5-10 Minuten um die Milchproduktion weiter anzuregen (nicht immer aber immer wenn ich es körperlich gerade schaffe). Da kommen dann immer max. 10ml links und rechts nur Tröpfchen. Aber das heißt vermutlich nur, dass Mia das was da war, leer getrunken hat? Meine Hebamme hat mir auch mal gesagt, dass die Babys oft mehr aus der Brust kriegen als die Pumpe rauskriegt. Stimmt das? Ich hoffe einfach, sie nimmt jetzt wieder zu. Sie hat nicht mehr weiter abgenommen seit der Infusion, also insgesamt von 4,4 auf 4,0kg in 3 Tagen. Aber seitdem ist es wenigstens stabil. Übermorgen wird sie 2 Monate alt.  Unsere letzte Nacht war leider nicht berauschend. Sie schläft tagsüber gerade sehr viel und nachts hat sie mich oft mit großen Augen angeschaut und wollte gerne Programm. Das war vor der Mittelohrentzündung besser. Da hat sie auch schonmal 4-5 Stunden am Stück geschafft ohne aufwachen und ohne trinken (von 23-4 Uhr). Ich weiß auch nicht recht wie ich ihren Tag-Nacht-Rhythmus etwas besser fördern kann. Wenn ich sie tagsüber wecke, ist sie schlecht gelaunt und will auch nicht gut trinken und schläft an der Brust ein. Wenn ich sie selbst aufwachen lasse, trinkt sie flott und schaut wach. Für mich ist das in meinem Zustand echt anstrengend, mir dauernd so massiv die Nächte um die Ohren zu hauen. Alle 2 Stunden ist sie wach, will trinken, danach schaut sie mit großen Augen und tagsüber schafft sie nicht mehr als eine Stunde oder manchmal schläft sie sogar direkt nach dem Stillen wieder ein. Ich hoffe, Sie hatten einen guten Start in eine verkürzte Woche.  Ich wünsche mir so sehr, bald mit beiden Kindern und meinem Mann zu Hause diese magische erste Zeit nachholen zu können. Das tut mir weh, sie nicht genießen zu können. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre warmen Worte. Dass Sie sich in dieser schweren Situation trotz allem noch die Kraft nehmen, so freundlich zu schreiben, berührt mich sehr. Und ich finde überhaupt nicht, dass Ihr Dank „zu viel“ ist. Im Gegenteil: ich freue mich, wenn ich Ihnen in dieser anstrengenden Zeit ein wenig Halt und Orientierung geben kann. Zu Ihrem Verlauf heute meine ehrliche Einschätzung: Im Moment wirkt es auf mich leider noch nicht so, als ob man schon sicher sagen könnte: jetzt geht es eindeutig in die richtige Richtung. Es ist aber auch noch zu früh, um Cefepim nach nur rund 48 Stunden schon als unwirksam abzuschreiben. Bei solchen Infektionen sieht man unter passender Antibiotikatherapie oft innerhalb von 48–72 Stunden eine Besserung; wenn Fieber und Beschwerden darüber hinaus anhalten, muss man immer auch an ein noch nicht ausreichend kontrolliertes Infektionsgeschehen denken, zum Beispiel an verbliebenes entzündliches Material oder einen Herd, der sich nicht allein mit Antibiotika beruhigen lässt. Bei postpartum/endometrialen Infektionen sollte eine längere Persistenz von Fieber trotz Therapie gerade an so etwas denken lassen.   Zu Cefepim und Enterobacter cloacae: Ja, es ist grundsätzlich möglich, dass Cefepim nicht das richtige Medikament ist — aber das kann man ohne Antibiogramm noch nicht sauber entscheiden. Enterobacter cloacae gehört zu den Keimen, bei denen bestimmte Resistenzmechanismen problematisch sein können. Cefepim kann gegen solche Erreger durchaus wirksam sein, ist aber deutlich ungünstiger, wenn zusätzlich ESBL-Mechanismen vorliegen; deshalb ist die genaue Empfindlichkeitstestung hier wirklich wichtig.   Was wäre dann eine Alternative? Das hängt ganz entscheidend vom Antibiogramm und vom vermuteten Infektionsort ab. Wenn Cefepim nicht ausreichend greift oder der Keim resistent ist, werden in der Praxis je nach Befund oft andere gezielte intravenöse Antibiotika erwogen, bei stärker problematischen Resistenzmustern nicht selten ein Carbapenem wie Meropenem. Das ist aber keine Entscheidung „nach Schema“, sondern sollte wirklich am Resistogramm und am klinischen Verlauf festgemacht werden.   Stillverträglichkeit: Cefepim gilt nach LactMed als mit dem Stillen vereinbar; in der Milch werden nur niedrige Spiegel erwartet. Gelegentlich kann es beim Kind zu etwas Durchfall oder Soor kommen, schwere Nebenwirkungen sind aber nicht zu erwarten. Auch Meropenem gilt grundsätzlich als mit dem Stillen vereinbar, ebenfalls mit niedrigen Milchspiegeln. Ibuprofen ist in der Stillzeit ohnehin eines der bevorzugten Schmerzmittel.   Zu Ihren Entzündungswerten: Ihr Verlauf ist leider nicht klar progredient besser, sondern eher plateauartig mit erneuter leichter Gegenbewegung:   CRP war schon sehr schön bis 19 gefallen und ist dann wieder auf 24 und 39 angestiegen, jetzt 38. Die Leukozyten waren rückläufig bis etwa 13,9 und liegen jetzt wieder um 15.   Das ist für mich eher ein Bild von Stagnation mit leichter erneuter Aktivität, nicht von stabiler Entwarnung. Noch kein Beweis für ein Scheitern von Cefepim — aber eben auch noch kein beruhigender Verlauf. Gerade zusammen mit erneutem Fieber, Frösteln und wieder mehr Schmerzen muss man das ernst nehmen. Zur Blutung: Dass sie nicht schlimmer als gestern ist, ist immerhin gut. Aber eine Blutung, bei der weiterhin etwa alle 3 Stunden gewechselt werden muss und die noch teils hellrot ist, passt eben leider ebenfalls dazu, dass lokal noch keine völlige Ruhe eingekehrt ist. Das würde ich klinisch weiter eng beobachten lassen. Zum Kreatinin 1,1: Das ist für sich genommen noch nicht dramatisch, aber ich würde es ernst nehmen und weiter kontrollieren. Cefepim wird renal eliminiert, und in den Fachinformationen werden auch Kreatininanstieg und Nierenfunktionsstörungen als mögliche unerwünschte Wirkungen genannt. Gleichzeitig kann ein solcher kleiner Anstieg natürlich auch an Flüssigkeitsmangel, Fieber, Kreislaufsituation oder anderen Begleitumständen liegen. Also: nicht dramatisch, aber kontrollbedürftig.   Mein praktischer Gedanke für morgen wäre deshalb: Wenn bis morgen unter Cefepim kein klarer klinischer Umschwung kommt — also weniger Fieber, weniger Frieren, weniger Schmerzen — dann würde ich persönlich sehr darauf drängen, dass man die Situation noch einmal aktiv neu bewertet: Antibiogramm, klinischer Status, Entzündungswerte, Nierenwerte und vor allem die Frage, ob es noch einen Restherd gibt, der die ganze Sache unterhält. Zu Mia: Dass sie mit Freude an die Brust geht, suchend aufwacht, nach dem Trinken dieses zufriedene „Milchrauschgesicht“ zeigt — das ist erst einmal etwas sehr Schönes und spricht dafür, dass das Stillen für sie wieder richtig wichtig geworden ist. Und ja: Babys holen oft mehr aus der Brust heraus als eine Pumpe, deshalb sagt die abgepumpte Menge allein erstaunlich wenig über die tatsächliche Milchmenge aus. Auch die Academy of Breastfeeding Medicine empfiehlt bei Unsicherheit Vor- und Nachwiegen, um die übertragene Trinkmenge objektiver einzuschätzen.   Deshalb finde ich Ihren Gedanken sehr gut: Vor- und Nachwiegen wäre hier tatsächlich eine der sinnvollsten Methoden, wenn das organisatorisch machbar ist. Dann hätten Sie nicht nur ein Gefühl, sondern echte Zahlen. Am besten auf derselben genauen Waage, direkt vor und nach dem Stillen, unter möglichst gleichen Bedingungen.   Dass nach dem Stillen beim Pumpen nur noch wenig kommt, kann durchaus einfach bedeuten: Mia hat schon viel geholt. Das ist also nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Dass sie die Flasche jetzt anschreit, kann mehrere Gründe haben: zum einen die klare Rückkehr zur Brust als bevorzugte Trinkform, zum anderen vielleicht noch Nachwirkungen der letzten Tage mit Unwohlsein, Ohrenschmerzen und allgemeiner Erschöpfung. Wenn sie nach dem Stillen zunächst zufrieden wirkt, dann später aber wieder unruhig wird, muss das nicht automatisch Hunger sein. Es kann auch Nähebedürfnis, Erschöpfung, Bauchunruhe oder einfach noch Nachwirkung der Infektion sein. Worauf ich bei Mia jetzt am meisten schauen würde, ist: Gewicht, nasse Windeln, Trinkverhalten, Wachheit zwischen den Schlafphasen und insgesamt der Eindruck, ob sie wieder in eine stabile Richtung kommt. Dass das Gewicht nach dem Abfall von 4,4 auf 4,0 kg immerhin nicht weiter gesunken ist, ist zunächst besser als weiterer Verlust — aber es sollte jetzt natürlich bald wieder nach oben gehen. Zu Ihrem Tag-Nacht-Rhythmus: Im Alter von knapp 2 Monaten ist das leider oft noch nicht wirklich stabil, und nach Krankheit gerät so etwas leicht durcheinander. Ich würde sie tagsüber im Moment nicht mit Gewalt wachhalten, wenn sie dann nur schlechter trinkt und quengelig wird. Sinnvoller ist meist: tagsüber Licht, normale Alltagsgeräusche, Füttern wenn sie sich meldet; nachts eher ruhig, dunkel, wenig „Programm“, wenig Ansprache, damit der Unterschied zwischen Tag und Nacht langsam wieder klarer wird. Einen perfekten Rhythmus kann man in dieser Phase meist nicht erzwingen. Mein Kerngefühl heute ist daher: Bei Ihnen: noch keine Entwarnung, eher weiter sehr wachsam bleiben. Bei Mia: vorsichtige kleine Aufwärtstendenz, was mich freut. Beim Stillen: nicht die Pumpe überschätzen; das Kind ist oft der bessere „Milchentnehmer“. Vor- und Nachwiegen wäre jetzt wirklich eine gute Idee. Und noch etwas sehr Persönliches zum Schluss: Dass Sie sich danach sehnen, diese erste Zeit mit Ihrem Mann und beiden Kindern endlich zuhause nachholen zu dürfen, ist so verständlich. Das ist kein Luxuswunsch, sondern etwas ganz Grundlegendes. Es ist bitter, wenn ausgerechnet diese eigentlich magische erste gemeinsame Zeit von Sorgen, Krankenhaus, Operationen, Fieber und Erschöpfung überschattet wird. Dass Sie darüber traurig sind, ist nicht Schwäche, sondern völlig menschlich. Ich hoffe sehr, dass morgen ein etwas klarerer Schritt in die richtige Richtung sichtbar wird. Herzliche Grüße


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich habe mich sehr über Ihre Antwort gefreut auch wenn die medizinischen Fakten noch nicht so viel Anlass für eine beruhigende und positive Einschätzung geben. Das macht mir sehr zu schaffen, noch dazu feiert unser Sohn in genau einer Woche seinen 4. Geburtstag und ich habe nicht viel Hoffnung bis dahin zu Hause zu sein. Das macht mich unfassbar traurig. Dazu kommt die Angst nach dem gefühlt 101. Antibiotikum und der 6. Operation noch immer kein definitives Zeichen der Entwarnung zu bekommen. Aber Ihr Halt tut trotzdem gut oder vielleicht gerade deshalb. Da ich Ihnen das letzte Mal am Dienstag geschrieben habe und seitdem viel passiert ist, muss ich Sie erstmal auf den Stand bringen: am Mittwoch waren Fieber, Schmerzen und Blutung noch nicht besser, also wurde wieder untersucht und leider wieder ein Abszess gefunden. Also Operation Nummer 6. Ich bin durch, körperlich wie seelisch. Bis Freitag wurde leider gar nichts besser und das Antibiogramm hat dann wirklich das ergeben, was Sie „befürchtet“ haben, nämlich dass Cefepim nicht wirksam gegen Enterobacter clocacae ist und seit Freitagabend bekomme ich jetzt Meropenem. Noch sind es keine 48 Stunden, ich spüre aber noch keine deutliche Besserung, aber zumindest keine Veeschlechterung. Schmerzen, Fieber bis 38,5 und es blutet rot. Einzig das Frieren ist heute bislang etwas weniger. Ich versuche mich daran zu klammern und zu hoffen, dass es das erste Zeichen einer Besserung ist.  CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) → 39(So) → 38 (Mo) → 38 (Di) → 59 (Mi) → 65 (Do, Tag nach der 6. Operation) → 68 (Fr) → 65 (Sa, erster Tag nach Beginn Meropenem) → 61 (So) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) → 15,1 (So) → 15,0 (Mo) → 15,1 (Di) → 16,8 (Mi) → 17,1 (Do, Tag nach der 6. Operation) → 17,2 (Fr) → 16,9 (Sa, erster Tag nach Beginn Meropenem) → 16,5 (So) Dass die Werte leider sehr gestiegen sind, macht mir natürlich Angst. Aber geht es heute wenigstens langsam in die richtige Richtung? Insgesamt fühle ich mich schlapp, schwindelig und einfach nicht wohl in meiner Haut. Manchmal frage ich mich selbst, wie ich es in diesem Zustand schaffe, mich um mein Baby zu kümmern. Das ist mir alles manchmal viel zu viel. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) → 7,9 → 7,8 → 8,0 (nach Eiseninfusion) → 8,3 → 8,2 → 8,0 → 7,8 → 7,6 (heute) Ich soll also wieder eine Eiseninfusion bekommen. Never ending story :( Kreatinin bleibt bei 1,1. Ist Meropenem genauso nierenschädlich wie Cefepim? Wie findet man denn heraus ob es am Medikament oder an Flüssigkeitsmangel, Fieber, Kreislaufsituation oder anderen Begleitumständen liegt? Wenigstens Mias Ohrenentzündung bessert sich deutlich. Sie wacht suchend auf, geht gerne an die Brust, dockt zügig an, zieht dann wieder wie vorher innerhalb von 5-8 Minuten ihre Milch rein. Das Problem ist, dass sie offenbar nur etwa 60ml trinkt. Das sagt die Waage zumindest (vorher-nachher Wiegen). Ob das an ihrem Trinkverhalten liegt, weil sie nicht mehr möchte, oder an meiner Brust, weil sie gerade nicht mehr hergibt, weiß ich nicht und finde, das ist ein Problem. Sie wirkt danach nämlich seit 3 Tagen nicht wirklich glücklich. Sie quengelt, aber wenn man ihr dann eine Flasche Pre Nahrung anbietet, schreit sie die Flasche nur an. Will sie die Flasche nicht mehr? Oder will sie einfach nicht mehr trinken? Ich habe keine Ahnung. Oder drückt dann der Bauch? Manchmal pupst und drückt sie dann auch. Ich hatte ja während und nach der Antibiotikaeinnahme in der Schwangerschaft mit Ihnen besprochen, dass ich OmniBiotic Panda nehme. Das ist doch auch für Säuglinge geeignet? Könnte ich das Mia auch geben? Wie viel und wie oft? In Wasser aufgelöst mit einer kleinen Spritze? Vielleicht würde das ihrem Bauch helfen? Ihr Gewicht entwickelt sich auch nicht so prickelnd durch das schlechte Trinken. Von 4,2kg hatte sie ja auf 4,0kg in nur 3 Tagen abgenommen während der Mittelohrentzündung und jetzt sind wir bei 4,1kg. Also minimale Zunahme aber zu wenig? Das hat sie von Mittwoch bis Sonntag zugenommen. Geboren ist sie ja am 8.2. und ist damit jetzt zwei Monate alt. Sollte ich wirklich nach jedem Stillen pumpen, um mehr Milch zu haben? Oder zwischen zwei Stillmahlzeiten? Oder wie kann man herausfinden ob ich jetzt genug Milch habe? Ich habe nicht das Gefühl, denn vor der ganzen Krankheit haben die Brüste sich viel praller angefühlt, Mia hatte um die 100ml getrunken und nachts sind meine Brüste sogar regelmäßig ausgelaufen. Das passiert jetzt gar nicht. Nasse Windeln hat Mia momentan gerade so 5 am Tag. Stuhlgang hatte sie bis vor der Mittelohrentzündung mehrmals täglich senfgelb, oft in fast jeder Windel. Seitdem hat es total abgenommen. Gerade hatte sie das letzte Mal vor zwei Tagen Stuhlgang. Ist das normal? Meine Hebamme sagte mir zwar mal, dass bei Stillbabys alles zwischen 7 Mal täglich und einmal pro Woche normal ist, aber bei ihr hat es sich in kurzer Zeit so stark verändert. Wobei ich mich erinnere, dass unser Sohn ganz am Anfang auch mehrmals täglich Stuhlgang hatte und dann irgendwann weniger, aber trotzdem noch so 1-2 Mal täglich. Mia ist auch zwischen den Schlafphasen schon öfter wach. Aber manchmal trinkt sie auch nur und schläft direkt weiter. Längstens hält sie mal 60 Minuten durch, dann gähnt sie ständig, die Augen fallen ihr zu und sie quengelt. Ablegen zum Einschlafen lässt sie sich aktuell gar nicht. Sie schläft nur auf mir oder auf meinem Mann ein, wenn er gerade da ist. Danach kann man sie ablegen und dann hängt es wahrscheinlich davon ab wie müde und wie stark sie im Tiefschlaf ist, ob sie innerhalb von 5-10 Minuten wieder wach ist oder ob sie weiterschläft. Klingt das normal für ihr Alter oder zu schläfrig? Insgesamt ist sie so 6 Stunden am Tag wach. Wenn sie aber wach und satt wirkt, lässt sie sich auch mal auf einer Krabbeldecke ablegen, schaut dann interessiert und lächelt und kommuniziert, wenn man sie anspricht oder anlacht. Auf den Bauch lässt sie sich auch legen und hebt dann auch schon mal 5-10 Sekunden. Wenn man sie hält und über die Schulter schauen lässt, hält sie den Kopf schon ein bisschen, aber nach kurzer Zeit, kippt er dann schon noch und man muss ihn stützen. Klingt das alles normal? Bei der U3 war alles gut, aber seitdem waren die Erkältung und die Mittelohrentzündung schon beunruhigend, weil sie nicht trinken wollte, angenommen hat und nicht so wach war wie sonst. Ich hoffe, dass sie das nicht in ihrer Entwicklung verzögert. Und ihr Trinkverhalten macht mir etwas Sorgen. Sie spuckt auch oft. Gestern hat sie einmal so weit und so viel gespuckt, dass das schon wie Übergeben aussah und der ganze Boden an der Stelle voll war. Es sah von der Menge nach dem aus, was sie vielleicht getrunken haben könnte. Also ob da noch was im Bauch war, frage ich mich. Haben Sie Tipps zu ihrem Trinkverhalten? Worauf kommt es an? Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und freue mich über Ihre Anmerkungen. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, das ist im Moment wirklich eine extreme Belastung, körperlich und seelisch. Nach sechs Operationen, wiederholten Antibiotikowechseln, Fieber, Blutung, Anämie und gleichzeitig einem kleinen Baby ist es völlig nachvollziehbar, dass Sie sich erschöpft, traurig und irgendwann auch innerlich leer fühlen. Dass Sie sich am 4. Geburtstag Ihres Sohnes festhalten und gleichzeitig Angst haben, nicht daheim zu sein, tut mir sehr leid. Zu den Entzündungswerten: Ganz ehrlich, der Anstieg in den letzten Tagen nach erneuter Abszessbildung und Operation ist natürlich nicht schön. Aber der heutige Verlauf unter Meropenem wirkt auf mich zumindest nicht wie eine weitere klare Verschlechterung. Das CRP ist von 65 auf 61 gefallen, die Leukozyten von 16,9 auf 16,5. Das ist noch kein Durchbruch, aber für die ersten knapp 48 Stunden auch nicht hoffnungslos. Bei einer so komplizierten Situation beurteilt man das Antibiotikum meist nicht nach wenigen Stunden, sondern eher nach 48 bis 72 Stunden im Gesamtbild aus Fieber, Schmerzen, Schüttelfrost, Kreislauf, Blutung und Labor. Meropenem ist ein Carbapenem und wird renal eliminiert; eine Dosisanpassung richtet sich nach der Nierenfunktion. Direkte Nephrotoxizität ist dabei nicht das klassische Hauptproblem. Bei Cefepim stehen in den Fachinformationen eher neurotoxische Komplikationen bei eingeschränkter Nierenfunktion im Vordergrund, während sich Kreatininanstiege im Klinikalltag oft auch durch Infektion, Volumenmangel, Fieber, Kreislaufschwankungen, Kontrastmittel, Blutverlust oder die Gesamtsituation mit erklären lassen.   Mit einem Kreatinin von 1,1 würde ich deshalb im Moment nicht sofort sagen: Das Medikament schädigt die Niere. Viel wichtiger ist die Verlaufskontrolle: Kreatinin, Urinmenge, Blutdruck, Flüssigkeitsbilanz, Entzündungssituation und ggf. weitere Begleitfaktoren. Genau so trennt man in der Klinik meistens, ob eher das Medikament selbst oder eher die gesamte Belastungssituation dahintersteht.   Der Hb von 7,6 erklärt sehr viel von dem, was Sie beschreiben: Schlappheit, Schwindel, reduzierte Belastbarkeit, das Gefühl, sich kaum auf den Beinen halten zu können. Das ist keine Einbildung und auch kein „sich anstellen“, sondern bei dieser Blutarmut absolut plausibel. Dass erneut Eisen gegeben werden soll, passt deshalb schon ins Bild, auch wenn es sich verständlicherweise wie eine nie endende Geschichte anfühlt. Zu Mia: Ein Teil dessen, was Sie schildern, klingt noch im Rahmen eines jungen Säuglingsalters, ein anderer Teil verdient aber jetzt wirklich einen engen kinderärztlichen Blick. Positiv ist, dass sie Sie anschaut, lächelt, kommuniziert, auf dem Bauch kurz hebt und an der Brust zunächst zügig trinkt. Das spricht erst einmal gegen einen völlig erschöpften oder apathischen Eindruck. Andererseits sind schlechte Gewichtszunahme, nur etwa 5 nasse Windeln pro Tag, weniger Stuhl, häufiges Quengeln nach dem Stillen, offensichtliche Unzufriedenheit und wiederholtes Spucken Zeichen, bei denen man die Trinkmenge und die Versorgung sehr ernst nehmen sollte. AAP- und NHS-Informationen nennen nach den ersten Lebenstagen meist mindestens 5 bis 6 nasse Windeln pro Tag als groben Orientierungswert dafür, dass genug ankommt; außerdem ist das Pumpen oder Ausstreichen nach dem Stilleneine übliche Maßnahme, um die Milchbildung wieder anzuregen.   Mein praktischer Eindruck ist daher: Ja, es kann gut sein, dass Ihre Milchmenge im Moment durch die schwere Erkrankung, Operationen, Stress, Fieber, Blutverlust und Erschöpfung zurückgegangen ist. Dass sich die Brust weniger prall anfühlt und nicht mehr ausläuft, passt dazu. Deshalb würde ich das Kind nicht nur nach Gefühl, sondern jetzt wirklich systematisch beurteilen:  tägliches Gewicht möglichst immer unter ähnlichen Bedingungen, Zahl der nassen Windeln, Trinkverhalten an der Brust, gegebenenfalls Stillprobe oder Beobachtung durch Kinderarzt/Stillberaterin, und notfalls vorübergehend gezielte Zufütterung, wenn die Zunahme nicht reicht.   Dass ein voll gestilltes Kind seltener Stuhlgang hat, kann zwar normal sein. Aber die Kombination aus weniger Stuhl, grenzwertigen Windeln und mäßiger Gewichtsentwicklung macht hier die Gewichtskurve wichtiger als die Stuhlhäufigkeit allein. Größeres Spucken kann ebenfalls noch harmlos sein, sollte aber bei gleichzeitig geringer Zunahme eben nicht einfach abgetan werden.   Zu OmniBiotic Panda: Das Präparat wird zwar für Säuglinge beworben, aber ich würde Mia im jetzigen Moment nicht auf eigene Faust zusätzlich etwas geben, ohne dass Kinderarzt oder Hebamme kurz mit draufschauen. Das Hauptthema scheint mir im Moment nicht in erster Linie das Mikrobiom zu sein, sondern die Frage: Kommt genug Milch an und braucht sie vorübergehend Unterstützung? Mein klarer Rat wäre deshalb: Sie sollten Mia zeitnah, am besten morgen, kinderärztlich anschauen lassen, wenn das Gewicht weiter nur minimal steigt, sie nach dem Stillen oft unzufrieden ist, die Windeln nicht mehr werden oder wieder so wirkt, als trinke sie deutlich zu wenig. Und für Sie selbst würde ich unter Meropenem die nächsten 24 bis 48 Stunden noch genau auf das Gesamtbild schauen. Wenn bei ihnen Fieber, rote Blutung, Schmerzen oder Schüttelfrost wieder zunehmen oder die Werte erneut steigen, wäre das natürlich kein beruhigender Verlauf. Trotz allem sehe ich heute eher ein zartes mögliches Ansprechen als eine klare neue Entgleisung. Das ist noch kein Aufatmen, aber auch noch kein Grund, die Hoffnung aufzugeben. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich möchte mich erst wieder herzlich für Ihre Zeit, Bemühungen, Ihren Halt und Ihre warmen Worte was meine Situation betrifft bedanken. Sie leisten wirklich unglaublich viel für mich mit meinen endlosen Fragen. Ich habe das Gefühl, Ihnen lange nicht so viel positives geschrieben zu haben wie ich es heute tue. Meropenem schlägt endlich richtig gut gegen diesen Enterobacter clocacae an. Gestern habe ich schon eine erste Besserung der Beschwerden gespürt und seit heute habe ich kein Fieber mehr und soll das Antibiotikum ab dem Moment der Fieberfreiheit (also heute) 5 Tage bekommen, also bis einschließlich Samstag wenn es so bleibt. Der Hb ist aber noch nicht genial und ich wollte Sie deshalb fragen ob Sie dem Absetzen des Antibiotikums so zustimmen würden oder das kritisch sehen bzw. was für Sie die Voraussetzung einer Entlassung wäre. Geht das absetzen nicht auch etwas nach den Blutwerten und die sind noch gar nicht in Ordnung (siehe unten)? Schmerzen habe ich viel weniger, die Blutung ist nicht weg, aber deutlich schwächer. Ich brauche etwa zwei Binden am Tag und sie ist bräunlich. Das ist viel weniger aber ja doch noch viel mehr als eine Schmierblutung. Frisches rotes Blut kommt nicht mehr. Die Werte: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) → 39(So) → 38 (Mo) → 38 (Di) → 59 (Mi) → 65 (Do, Tag nach der 6. Operation) → 68 (Fr) → 65 (Sa, erster Tag nach Beginn Meropenem) → 61 (So) → 52 (Mo) → 37 (Di) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) → 15,1 (So) → 15,0 (Mo) → 15,1 (Di) → 16,8 (Mi) → 17,1 (Do, Tag nach der 6. Operation) → 17,2 (Fr) → 16,9 (Sa, erster Tag nach Beginn Meropenem) → 16,5 (So) → 15,5 (Mo) → 14,6 (Di) Was denken Sie? Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) → 7,9 → 7,8 → 8,0 (nach Eiseninfusion) → 8,3 → 8,2 → 8,0 → 7,8 → 7,6 → 8,0 (nach Eiseninfusion gestern) Wie hoch sollte der Hb Ihrer Meinung nach vor einer Entlassung sein? Ich weiß, ich traue dem Frieden selbst noch nicht, denn nach so vielen Rückschritten kann ich mir so einen Schritt noch gar nicht vorstellen. Kreatinin ist von 1,1 auf 1,0 gesunken. Es hieß, die Urinmenge ist etwa 36,5ml pro Stunde. Ich wiege gerade 63kg. Ist die Urinmenge ok? Der Blutdruck ist immernoch niedrig: oft so 95-100/60. kann man daraus was für die Nieren ableiten? Sollte die Dosis von Meropenem angepasst, also reduziert werden oder ist die Nierenfunktion ok? Mia macht mir noch immer Sorgen. Alle Ihre Ratschläge habe ich sehr ernst genommen. Bei der Stillprobe kam raus, dass sie jedes Mal nur zwischen 50 und 60ml von der Brust trinkt. Das Problem ist, dass sie die Flasche im Anschluss nur anschreit und sie momentan komplett ablehnt. Daher kann mir keiner so richtig sagen, ob sie so eine „Spatzenesserin“ ist oder ob es daran liegt, dass aus meiner Brust gerade nicht mehr kommt oder ob es doch noch von ihrer Mittelohrentzündung kommt, die aber fast abgeklungen ist. Ich bin mit meinem Latein auch am Ende, wie man das herausfinden könnte. Sie hat jetzt mal einen Tag eine Infusion bekommen als sie sogar nur bei 4 Windeln war. Zugenommen hat sie jetzt wie folgt: 4,2kg → 4,1kg → 4,0kg → 4,1kg →4,2kg (seit letzten 3 Tagen). Vorhin kam mir die Frage, ob es an einem kurzen Zungenbändchen liegen könnte? Oder äußert sich das anders? Es fühlt sich an, wie ein Tappen im Dunkeln. Heute hatte sie wieder 6 nasse Windeln und schien zufriedener. Sie war heute auch öfter 1,5 Stunden am Stück wach und interessiert. Mein Mann hat ihr Kontrastkarten (schwarz-weiße Kontraste) zu Hause ausgedruckt. Wir stellen sie vor Mia wenn sie in Bauchlage ist um sie zu motivieren, den Kopf zu heben. Das hat heute gut geklappt auch wenn sie schon nach 10-15 Sekunden den Kopf wieder ablegt und anfängt zu quengeln. Heute Abend hat sie eine Schreiphase von 15 Minuten gehabt, in der man ihr nichts recht machen konnte. Die Brust hat sie angeschrien, die Flasche auch, sie schien mir total überreizt, aber in den Schlaf fand sie auch nicht. Vielleicht war sie „drüber“ aber selbst beim Rumtragen weinte sie schlimm. Irgendwann fiel sie erschöpft in den Schlaf. Ich hoffe einfach, dass sich das alles einspielt bevor wir hoffentlich bald nach Hause dürfen. Denn wenn sie dann wieder zu wenige nasse Windeln hat und die Flasche mit Pre Nahrung auch ablehnt, kann ich ihr nicht mal schnell eine Infusion geben. Morgen soll sie ihre erste Impfdosis bekommen (Rotaviren + 6-fach-Impfung). Mir graust es. Sollte sie dann wieder fiebern, wird es morgen bestimmt noch schwerer sie zum Trinken zu kriegen. Haben Sie etwas im Kopf was Ihnen zu Mia einfällt? Ich freue mich so sehr auf zu Hause, auf unseren Sohn, ihn Fahrradfahren zu sehen, die beiden Kinder nach zwei Monaten endlich einmal zusammen zu sehen. Eine Angst bleibt noch, dass es wieder rückwärts gehen könnte, aber ich hoffe jetzt einfach das Beste! :) Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, haben Sie vielen Dank für Ihre so lieben Worte. Und vor allem: wie gut, dass sich jetzt endlich eine echte Besserung zeigt. Dass unter Meropenem das Fieber verschwunden ist, die Schmerzen deutlich nachlassen, die Blutung schwächer wird und auch das CRP nun wieder klar fällt, ist insgesamt wirklich ein ermutigendes Bild. Gerade nach diesem langen, kräftezehrenden Verlauf ist das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zu Ihrer ersten Frage: Aus der Distanz wirkt das derzeit grundsätzlich so, als könne man vorsichtig optimistisch sein. Bei schweren Infektionen richtet sich die Entscheidung zum Absetzen eines Antibiotikums in der Regel nicht nur nach einzelnen Blutwerten, sondern vor allem nach dem gesamten klinischen Bild: also Fieberfreiheit, deutlich rückläufige Beschwerden, stabile Kreislaufverhältnisse, beherrschte Blutung, kein neuer Hinweis auf einen verbliebenen Infektfokus und insgesamt ein klarer Trend zur Erholung. Entzündungswerte dürfen dabei durchaus noch erhöht sein und müssen vor einer Entlassung nicht zwingend vollständig normalisiert sein. Nach erfolgreicher Herdsanierung werden Antibiotika häufig eher kurz weitergegeben, statt so lange, bis alle Laborwerte ganz normal sind. (PMC ) Ihre Werte sprechen im Trend eher für Besserung als für einen neuen Rückschlag: Das CRP ist von 65 auf 37 gefallen, die Leukozyten sind ebenfalls rückläufig, und klinisch geht es Ihnen besser. Das ist meist wichtiger als ein noch nicht „schönes“ Labor. Kritischer wäre es, wenn wieder Fieber, mehr Schmerzen, frische stärkere Blutung, Kreislaufinstabilität oder erneut steigende Entzündungswerte dazukämen. (PMC ) Beim Hb würde ich eine Entlassung nicht an einer ganz bestimmten Zahl festmachen. Entscheidend ist weniger, ob der Hb schon „ideal“ ist, sondern ob er stabil bleibt und ob Sie damit klinisch zurechtkommen: also kein zunehmender Schwindel, keine Luftnot, keine relevante Tachykardie, keine fortschreitende Blutung und insgesamt wieder eine gewisse Belastbarkeit. Ein Hb von 8,0 ist noch deutlich erniedrigt, aber allein kein automatisches Hindernis für eine Entlassung, wenn der Wert stabil ist und Sie klinisch kompensiert sind. Da würde ich also eher auf Stabilität als auf Perfektion schauen. Die Urinmenge ist nach Ihrer Angabe in Ordnung: 36,5 ml pro Stunde bei 63 kg entsprechen ungefähr 0,58 ml/kg/h. Als kritisch gilt bei Erwachsenen eher eine Urinmenge unter 0,5 ml/kg/h über mindestens 6 Stunden. Auch das gesunkene Kreatinin von 1,1 auf 1,0 spricht eher gegen eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion. Der niedrige Blutdruck allein beweist keine Nierenschwäche; wichtiger sind dabei Kreatinin, Urinmenge und der gesamte Kreislaufzustand. (KDIGO ) Auch zur Meropenem-Dosis passt das zunächst eher beruhigend: Laut Fachinformation ist eine Dosisanpassung im Erwachsenenalter vor allem bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion beziehungsweise bei einer Kreatinin-Clearance von etwa 50 ml/min oder weniger nötig. Nach Ihren Angaben klingt das im Moment nicht danach. (FDA Access Data ) Was für mich für eine Entlassung wichtig wäre, wäre also vor allem: Sie bleiben fieberfrei, die Schmerzen bleiben klar rückläufig, die Blutung nimmt weiter ab, die Nierenfunktion bleibt stabil, es gibt keinen Hinweis auf einen verbliebenen Herd, und Sie kommen insgesamt wieder etwas zu Kräften. Dass der Hb und die Entzündungswerte dann noch nicht „schulbuchmäßig“ sind, wäre für mich nicht das Hauptproblem. Zu Mia: Dass sie heute wieder 6 nasse Windeln hatte, wacher wirkte und zufriedener war, ist erst einmal ein gutes Zeichen. Bei gestillten Säuglingen gelten ab den ersten Lebenstagen meist mindestens 6 nasse Windeln pro Tag als beruhigend; zu wenige nasse Windeln und ausbleibende Gewichtszunahme sprechen eher dafür, dass Trinkmenge oder Trinktransfer nicht sicher genug sind. (Breastfeeding USA ) 50–60 ml pro Stillmahlzeit müssen für sich genommen noch nicht zwingend zu wenig sein, aber zusammen mit der vorübergehend geringen Windelzahl und dem nur langsamen Gewichtsanstieg ist das schon etwas, was man weiter sehr aufmerksam beobachten sollte. Rein praktisch sind jetzt die entscheidenden Fragen: Trinkt sie effektiv? Schluckt sie hörbar? Ist sie nach dem Stillen zufrieden? Steigt das Gewicht nun wieder verlässlich? Und bleibt die Zahl nasser Windeln stabil gut? Ein kurzes Zungenbändchen kann tatsächlich eine Rolle spielen, aber nicht jedes Zungenbändchen macht Probleme, und es wird derzeit eher zu häufig vorschnell dafür verantwortlich gemacht. Relevant wird es vor allem dann, wenn die Zunge in ihrer Bewegung wirklich eingeschränkt ist und dadurch Milchtransfer, Gewichtszunahme oder das Anlegen nicht gut funktionieren. Typische Hinweise sind schlechter oder sehr flacher Saugschluss, häufiges Abrutschen, langes ineffektives Trinken, Klickgeräusche, unzureichende Gewichtszunahme und oft auch wunde Brustwarzen bei der Mutter. Am sinnvollsten ist dann nicht der schnelle Blick nur auf das Bändchen, sondern eine richtige Still- und Trinkbeobachtung durch eine erfahrene Stillberaterin oder Kinderärztin. (HealthyChildren.org ) Ihre Beobachtung mit den Kontrastkarten und der Bauchlage finde ich übrigens sehr schön. 10–15 Sekunden Kopfheben in diesem Alter können völlig in Ordnung sein. Viel wichtiger als lange Zeiten ist, dass sie überhaupt immer wieder kleine aktive Phasen zeigt. Dass sie abends einmal „drüber“ war und 15 Minuten schwer zu beruhigen, passt durchaus auch zu Übermüdung, Reizüberflutung oder Bauch-/Ohr-Unwohlsein und muss nicht gleich etwas Krankhaftes bedeuten. Wegen der Impfung morgen würde ich es ganz pragmatisch sehen: Eine leichte banale Erkrankung ist meist kein Grund, Impfungen zu verschieben. Wenn ein Säugling aber gerade deutlich reduziert trinkt, hydrierungsmäßig wackelig ist oder insgesamt mittelgradig bis deutlich krank wirkt, kann es vernünftig sein, noch einmal mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu besprechen, ob man wirklich morgen impft oder lieber ganz kurz wartet, bis die Situation stabiler ist. Gerade bei Ihnen würde ich das nicht dogmatisch, sondern klinisch entscheiden lassen. (Zentrum für Krankheitskontrolle ) Mein Eindruck insgesamt: Bei Ihnen selbst sieht das zum ersten Mal seit längerem wirklich nach einer echten Entspannung aus. Noch ist Vorsicht verständlich, und nach so vielen Rückschritten kann man dem Frieden innerlich nicht sofort trauen. Aber die jetzige Entwicklung ist eindeutig besser. Bei Mia sehe ich ebenfalls kleine gute Zeichen, aber da würde ich vor Entlassung schon Wert darauf legen, dass das Trinken, die Windelzahl und das Gewicht über mindestens kurze Zeit verlässlich stabil bleiben und man notfalls noch einmal ganz gezielt eine Stillberaterin oder Kinderärztin auf das Thema Trinktransfer/Zungenbändchen schauen lässt. Ich hoffe sehr mit Ihnen, dass dies nun wirklich die Phase ist, in der es nicht wieder rückwärts geht, sondern endlich nach Hause. Dass Sie sich danach sehnen, Ihren Sohn wiederzusehen und beide Kinder endlich zusammen zu erleben, kann ich sehr gut verstehen. Und ich finde, diesmal darf man wirklich vorsichtig Hoffnung haben. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich glaube, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie hilfreich mir Ihr Halt ist. Es tut gut zu wissen, dass in meiner komplexen gesundheitlichen Situation noch jemand da ist, der ein wachsames Auge auf die Dinge hat. Sie sind eine echte Bereicherung in dieser schwierigen Zeit! :) Es sieht wirklich gerade so aus als wäre nach fast zwei Monaten Endometritis endlich ein Ende in Sicht! Es geht mir immer besser! Das Fieber ist weiterhin weg, die Schmerzen deutlich besser, die Blutung wird weniger (jetzt noch 1 Binde bräunlich am Tag verglichen zu zwei vor drei Tagen). Die Werte bessern sich stetig. Nur vom Kreislauf und den Kräften her kämpfe ich noch sehr mit mir. Mein Blutdruck ist noch oft niedrig (oft 90-100/50-60). Mir ist einfach noch schlapp, ich bin schwindelig und mir fehlen sehr die Kräfte. Nach Schwangerschaft, Geburt und vor allem fast zwei Monaten Krankheit und Krankenhaus ist das wahrscheinlich kein Wunder. Aber zu Hause zu funktionieren und zwei Kinder zu wuppen, macht mir doch noch Angst. Wenn ich hier aus meinem Bett aufstehe, dreht es mich oft noch und ich habe einfach kaum Ausdauer. Nach ein paar Schritten ist Ende. Denken Sie, es spricht was dagegen mit meinem Mann und Mia jeden Tag ein paar Schritte mit dem Kinderwagen hier vor die Tür zu gehen um ein bisschen Kräfte zu kriegen bevor wir entlassen werden? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) → 39(So) → 38 (Mo) → 38 (Di) → 59 (Mi) → 65 (Do, Tag nach der 6. Operation) → 68 (Fr) → 65 (Sa, erster Tag nach Beginn Meropenem) → 61 (So) → 52 (Mo) → 37 (Di) → 30 (Mi) → 22 (Do) → 14 (Fr) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) → 15,1 (So) → 15,0 (Mo) → 15,1 (Di) → 16,8 (Mi) → 17,1 (Do, Tag nach der 6. Operation) → 17,2 (Fr) → 16,9 (Sa, erster Tag nach Beginn Meropenem) → 16,5 (So) → 15,5 (Mo) → 14,6 (Di) → 13,8 (Mi) → 13,0 (Do) → 12,4 (Fr) Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) → 7,9 → 7,8 → 8,0 (nach Eiseninfusion) → 8,3 → 8,2 → 8,0 → 7,8 → 7,6 → 8,0 (nach Eiseninfusion gestern) → 8,1 → 8,1 Meropenem soll ich noch bis einschließlich morgen (Samstag) kriegen. Dann werde ich vermutlich Sonntag oder Montag entlassen sofern Mia auch in einem guten Zustand ist. Denken Sie, das ist okay so? Oder sollte die Entwicklung noch weiter beobachtet werden? Ich will natürlich möglichst schnell heim und den Geburtstag meines Sohnes mit ihm feiern, doch möchte ich auch nicht zu Hause ankommen und hoffnungslos überfordert oder mich medizinisch total unsicher fühlen. Können Sie mir Ihre Einschätzung geben? Was sollte medizinisch vorher organisiert sein? Ein nahtloser medizinischer Übergang zur Frauenärztin? Anfangs tägliche Besuche meiner Hebamme? Was sollte sie tun und worauf sollte sie  oder sollten wir achten? Mia hat ihre Sache die letzten zwei Tage gut gemacht und besser getrunken und 6 nasse Windeln gehabt. Ich war trotzdem skeptisch in Hinblick auf die Impfung, da mir ihre Trinkschwäche noch immer Sorgen bereitet. Mir wurde aber gesagt,die Trinkschwäche sei sicherlich von der Erkältung und Mittelohrentzündung gekommen und beides sei abgeklungen. Sie wurde deshalb heute geimpft. Mir war nicht ganz bewusst, dass heute so viele Impfungen gleichzeitig gegeben werden. Sie bekam Rotaviren als Schluckimpfung, 6-fach in einen Oberschenkel und Pneumokokken in den anderen Oberschenkel und das hat sie jetzt im Trinkverhalten wieder zurückgeworfen :( Sie ist heute dermaßen schläfrig und wenn sie mal aufwacht, weint sie ständig, ist knatschig, hat Fieber. Wenn ich sie wickle und die Beine und Oberschenkel anfassen muss, schreit sie auf, wahrscheinlich weil ihr die Einstichstelle weh tut. Da leidet man mit so einem kleinen Wutzel mit, aber schlimm ist vor allem, dass sie wieder fast nicht trinkt und wieder zwischen 0 Uhr letzte Nacht und jetzt (13:30h) nur 2 nasse Windeln hatte. Denken Sie, das ist vertretbar wenn es morgen wieder besser ist oder ist das für heute auch grenzwertig? Sie nuckelt heute nur zur Beruhigung an der Brust aber trinkt kaum. Dabei kommt seit gestern endlich mehr Milch bei mir. Letzte Nacht musste ich mich das erste Mal seit langem wieder umziehen weil meine Brüste ausgelaufen sind und wir in Milch gebadet haben. Wer hätte gedacht, dass man sich über eine „Milchsauerei” so freuen kann. Aber heute fühlt es sich schon wieder fast wie Milchstau an, weil mehr Milch da ist, Mia aber kaum trinkt. Die nuckelt, zieht kurz, löst damit den Milchspendereflex aus und es beginnt wie wild zu laufen und spritzen und dann hört sie aber abrupt auf zu trinken und schläft völlig fertig ein. Meine Brüste spannen und drücken heute wahnsinnig. Selbst auf der Seite zu liegen schmerzt sobald ich nur leicht auf der Brust (vor allem links) liege. Ich hoffe, das wird nicht gleich wieder zur Mastitis wie schon einmal. Mia scheint unglaublich schnell nicht gut trinken zu wollen, sobald es ihr nicht super gut geht. Das macht mir schon Sorge, weil ihr großer Bruder natürlich auch weiterhin immer wieder etwas aus dem Kindergarten nach Hause bringen wird. Das Zungenbändchen scheint jedenfalls nicht Schuld zu sein. Mias Gewichtszunahme ist trotzdem langsam: 4,2kg → 4,1kg → 4,0kg → 4,1kg → 4,2kg (in 3 Tagen) → 4,3kg (in 3 Tagen) Ich freue mich so unglaublich auf zu Hause und darauf, diese Geschwisterliebe endlich erleben zu dürfen. Ich hoffe nur, es geht alles gut. Es macht mich etwas nervös und ich hoffe, es geht uns dann zu Hause auch gut. Ich bin wirklich froh über Ihren Halt! Sie sind einfach tip top :) Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre so liebe Nachricht. Es freut mich wirklich sehr, dass Sie sich endlich auf einem spürbar besseren Weg befinden. Nach allem, was Sie in den letzten Wochen durchmachen mussten, ist diese Entwicklung ein ganz wichtiger und sehr hoffnungsvoller Schritt. Die aktuellen Verläufe von CRP, Leukozyten, Fieber, Schmerzen und Blutung sprechen nun tatsächlich deutlich dafür, dass das Meropenem endlich gut greift und sich die Situation stabilisiert. Dass Sie sich kreislaufmäßig, kraftlos und schwindelig fühlen, wundert mich bei diesem Gesamtverlauf allerdings überhaupt nicht. Nach Schwangerschaft, Geburt, Blutverlust, Infektion, mehreren Operationen, Transfusionen und einem Hb um 8 ist das leider sehr nachvollziehbar. In so einer Situation darf man von sich selbst noch keine normale Belastbarkeit erwarten. Ein paar vorsichtige Schritte mit dem Kinderwagen vor die Tür halte ich grundsätzlich eher für sinnvoll als für schädlich – natürlich nur ganz langsam, gut begleitet, ohne Ehrgeiz und sofort mit Pause, wenn Schwindel, Herzrasen, Zittrigkeit oder stärkere Schmerzen auftreten. Gerade etwas Mobilisation kann helfen, Kreislauf und Kräfte langsam wieder aufzubauen. Entscheidend ist aber: nicht trainieren, sondern nur behutsam aktivieren. Was die Entlassung betrifft, klingt Sonntag oder Montag aus der Ferne durchaus plausibel, wenn bis dahin weiter gilt: fieberfrei, Schmerzen rückläufig, Blutung nicht wieder stärker, keine neue Druckdolenz, kein erneuter Leistungseinbruch, und die Entzündungswerte bleiben zumindest stabil fallend. Für die Entlassung ist vor allem wichtig, dass Sie klinisch stabil sind und dass die medizinische Nachsorge zu Hause gut abgesprochen ist. Ganz besonders wichtig wäre mir daher, dass Sie die weitere Betreuung vor der Entlassung bereits konkret organisieren: also mit Ihrer Frauenärztin und/oder Ihrer Hebamme besprechen, wer Sie wann in den ersten Tagen zu Hause sieht und wer im Zweifel Ihre erste Anlaufstelle ist. Ein nahtloser Übergang ist nach einem solchen Verlauf wirklich sehr wichtig. Die Hebamme sollte – wenn möglich – anfangs engmaschig nach Ihnen sehen und dabei auf Kreislauf, Temperatur, Blutung, Unterbauchschmerzen, Brustbefund, Trink- und Stillsituation und natürlich auch auf Ihren allgemeinen Kräftezustand achten. Außerdem würde ich Ihnen ganz dringend raten, für die erste Zeit zu Hause eine echte Entlastung im Alltag zu organisieren. Wenn Familie oder Verwandtschaft nicht ausreichend helfen können, wäre eine Haushaltshilfe sehr sinnvoll. Bitte erkundigen Sie sich auch bei Ihrer Krankenkasse, welche Unterstützung in dieser Richtung möglich ist. Nach einem so langen und schweren Verlauf sollten Sie nicht mit dem Anspruch nach Hause gehen, sofort wieder den gesamten Haushalt und zwei Kinder allein stemmen zu müssen. Wichtig ist, dass Sie und auch Ihre Hebamme auf Warnzeichen achten: neues Fieber, wieder zunehmende Unterbauchschmerzen, übel riechender Wochenfluss, wieder deutlich stärkere Blutung, Schüttelfrost, zunehmende Schwäche, Kreislaufprobleme oder ein insgesamt schlechterer Eindruck. Dann bitte lieber früh wieder ärztlich Rücksprache halten. Zu Mia: Dass sie nach der Impfung schläfriger ist, mehr weint, Fieber hat und an den Oberschenkeln empfindlich reagiert, kann grundsätzlich schon noch im Rahmen einer Impfreaktion liegen. Trotzdem ist es natürlich richtig, das Trinkverhalten besonders aufmerksam zu beobachten. Wenn es morgen schon wieder besser ist, sie wieder wacher wird und wieder mehr trinkt, wäre das beruhigend. Wenn sie aber weiter kaum trinkt, sehr schlapp bleibt oder deutlich zu wenig nasse Windeln hat, sollte das bitte noch einmal kinderärztlich angeschaut werden. Dass Ihre Milch nun endlich wieder mehr wird, ist im Grunde eine sehr schöne Entwicklung. Gleichzeitig klingt es heute tatsächlich nach einer deutlichen Spannung der Brust, sodass man aufpassen muss, dass daraus kein Milchstau wird. Deshalb bitte gut entlasten, regelmäßig anlegen oder vorsichtig ausstreichen und die Brust aufmerksam beobachten. Wenn eine Brust heiß, deutlich gerötet und zunehmend schmerzhaft wird oder Sie selbst wieder Fieber bekommen, müsste man rasch an eine Mastitis denken. Insgesamt sehe ich bei Ihnen jetzt zum ersten Mal seit längerer Zeit wirklich eine Entwicklung, die Mut machen darf. Sie müssen zur Entlassung noch nicht wieder „fit“ sein. Aber Sie sollten ausreichend stabil sein, ein gutes Nachsorge-Netz haben und vor allem zu Hause nicht sofort in eine Überforderung geraten. Genau das ist jetzt entscheidend. Ich freue mich sehr mit Ihnen, dass endlich Licht am Ende dieses langen Tunnels zu sehen ist, und ich hoffe sehr, dass Sie den Geburtstag Ihres Sohnes bald zuhause, deutlich sicherer und mit etwas mehr Ruhe erleben dürfen. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger  


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Vielen lieben Dank für die lieben Worte, dass Sie sich mit mir über die Fortschritte freuen und für die großartige Stütze in den letzten Wochen und sogar Monaten. Eigentlich stehen Sie mir ja schon seit Dezember zur Seite (und das sogar an den Weihnachtsfeiertagen!), seit es an Weihnachten mit Influenza in der Schwangerschaft angefangen hat das sind schon 4 Monate!Ihre Ausdauer ist wirklich 1A! Seit Sonntag sind wir alle vereint zu Hause. Was könnte es schöneres geben, als die beiden Kinder endlich vereint zu sehen, den Großen, der die Kleine zum Einschlafen wiegt, der ihr beim Baden das Badeentchen bringt und ihr freudig von seinem Kindergartenalltag erzählt. Die Kleine, die ihren großen Bruder mit Kulleraugen gespannt anschaut und mich, die Mama, die sich über diesen Moment des Wiedersehens, der Liebe so freut, dass sie ständig zu Tränen gerührt ist wie eine Heulsuse :) Und dann durfte ich auch noch dem Großen beim Fahrradfahren zusehen, wie toll! Das waren der Sonntag und der Montag. Gefühlt haben wir das Ganze verpasste Wochenbett an zwei Tagen wie in einer „Blase“ nachgeholt. Und dann kam der heutige Dienstag und es geht etwas chaotischer voran… Bei unserem Großen wurde ein neuer Virus „freigeschaltet“ wenn man das so nennen kann :( Es hat ihn letzte Nacht komplett erwischt: Fieber, nachts Erbrechen, heute kaum Appetit, einmal Durchfall und bisschen Schnupfen zur Verwirrung noch dazu. Also so ein richtiges Überraschungspaket, bei dem man sich denkt: Virus, Entscheide dich doch bitte mal, was du sein willst. Erkältung oder Magen Darm. Und dann das Highlight heute Morgen: der Große schläft endlich seelenruhig… leider komplett im eigenen Erbrochenen. Also: spontane Rettungsaktion mit duschen (und das bei Fieber…), Bett abziehen, alles sauber machen, während unten Mia ihr persönliches Schreikonzert veranstaltet. Mein Mann und meine Eltern übernehmen gerade zum Glück sehr viel. Wir bekommen auch eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse (danke für diesen Tipp!). Denn ich merke die Strapazen der letzten Wochen schon sehr. Komme mir wie ein Wrack vor. Nach all den Wochen im Krankenhaus fehlt mir einfach total die Energie. Ich laufe einmal die Treppe hoch und bin fix und alle. Viel mehr außer Stillen und kurz mit dem Großen ein paar Minuten spielen schaffe ich kräftemäßig nicht und schlafe danach ein wie ein Baby. Ist diese bleierne Müdigkeit normal?Der Schlafmangel nachts macht das natürlich nicht besser, wobei Mia jetzt zu Beginn der Nacht sogar schon 5-6 Stunden am Stück schläft ohne Aufwachen, ohne Stillen, ganz alleine in ihrem Beistellbettchen neben mir (von etwa 23h bis 4 Uhr). Dann wird sie unruhig, ich stille sie im Liegen seitlich und sie schläft direkt weiter bis früh um 7 Uhr. Momentan trinkt sie tagsüber dafür alle 1,5 Stunden, das finde ich echt oft und ich merke, dass es für meinen unfitten Körper anstrengend ist. Vielleicht holt sie die vergangenen Wochen etwas nach? Wenn sie müde ist, hängt sie ewig an der Brust und nuckelt sich damit un den Schlaf. Das Kuscheln ist schön, aber auch anstrengend für die Brustwarzen, die schon rot werden. Haben Sie dagegen einen Tipp außer Brustwarzensalbe? Eine kurze Stillauszeit kriege ich aber nie, weil sie die Flasche gar nicht mehr akzeptiert. Sie brüllt sie wenn es sein muss 30-45 Minuten lang an und beißt nur mit der Kauleiste darauf herum. Sie schreit dann so wild, dass es fast schon wütend wirkt wie “Gib mir meine Brust!”. Wir sind da etwas ratlos, wie wir sie dazu bringen, auch die Flasche zu akzeptieren. Selbst wenn ich aus dem Raum gehe und mein Mann das alleine macht, damit sie nicht sieht, dass ihre Brust auch in der Nähe ist, schreit sie nur. Aber den Schnuller nimmt sie ja auch nach wie vor nicht. Sie liebt einfach nur die Brust. Madame ist wählerisch… Falls Sie den ultimativen Tipp haben, gerne her damit :) Sie haben ja für alles immer gute Anregungen. Kreislaufprobleme habe ich auch noch immer. Ist es aus Ihrer Sicht wichtig, jeden Tag Blutdruck zu messen? Der ist bestimmt noch zu niedrig. Ich bekomme vom Krankenhaus gerade Eisentabletten, weil der Hb bei Entlassung 8,2 war. Jetzt merke ich schon wieder die stopfende Wirkung davon. Sollte mir die Frauenärztin nicht besser wieder eine Infusion geben?  Und ich habe heute das erste Mal keine Ibu genommen und spüre heute ziemlich Bauchschmerzen im Unterbauch. So wie sie sich bei der Endometritis auch angefühlt haben, aber ich habe kein Fieber. Dass ich kein Fieber habe, beruhigt mich, aber gleichzeitig habe ich Angst, wenn ich wieder Schmerzen spüre. Die Wärmflasche hilft ganz gut. Die Blutung ist weiterhin bräunlich und mehr als Schmierblutung aber nicht extrem stark. Mir ist auch zu Hause sehr schwindlig. Ohne Hilfe von meinem Mann und meinen Eltern wäre ich mit zwei Kindern gerade aufgeschmissen. Gestern war meine Hebamme da und meinte, man merkt die verzögerte Rückbildung und die Auswirkungen der Infektionen schon noch deutlich, aber es wäre gerade nichts absolut beunruhigend. Da habe ich aber auch noch Ibu genommen. Sollte ich Ibu einfach noch weiter nehmen? Ich möchte Mia beim Stillen nicht dauernd so viele Medikamente zumuten und frage mich auch ob es normal ist, dass ich ohne Ibu die Schmerzen heute wieder spüre. Morgen (Mi) kommt wieder meine Hebamme vorbei (im Moment alle zwei Tage) und am Freitag habe ich Termin bei der Frauenärztin zur Kontrolle. Denken Sie, dieser Modus ist ausreichend oder sollte ich eher zur Frauenärztin oder sollte die Hebamme öfter und eher kommen? Was sollte die Hebamme denn genau ansehen und was die Frauenärztin? Ich hoffe, meine Ärztin nimmt die Situation dieses Mal sehr ernst und nicht zu locker wie letztes Mal als sie diese schlimme Endometritis lediglich oral behandeln wollte. Die Werte bei Entlassung waren: CRP: 10 Leukozyten: 12,0 Sollten sie am Freitag auch kontrolliert werden? Wo beginnt der Normbereich jeweils? Sind sie noch erhöht? Mia macht ihre Sache gerade echt gut. Sie trinkt ordentlich, ist auch mal schon zwei Stunden am Stück wach, schaut interessiert und neugierig, kommuniziert mit neuen so süßen Lauten wie „arrr“ und lächelt. Sie lässt sich schon eine ganze Zeit lang am Boden und in der Wippe absetzen und schaut ihrem Bruder gebannt beim Spielen zu und quengelt erst wenn sie müde wird oder Hunger hat. Es ist so ein Geschenk für mich, die beiden endlich so sehen zu dürfen! Sie weint eigentlich wenig, nicht mal eine volle Windel stört sie. Vormittags schafft sie es auch schon, ganz alleine in ihrer Wiege einzuschlafen wenn sie sich leicht bewegt. Da wartet sie zum Teil 15 Minuten ganz geduldig auf den Sandmann. Nur nachmittags braucht sie noch mehr Körpernähe um einzuschlafen. Danach kann man sie ablegen, aber nach einem Schlafzyklus (etwa 35-40 Minuten) wacht sie auf. Manchmal ist sie dann ausgeschlafen, manchmal weint und gähnt sie noch und braucht dann Hilfe um wieder einzuschlafen. Meine Hebamme wiegt sie alle zwei Tage und sie hat jetzt von 4,2kg (letzte Woche) auf 4,4kg (gestern) zugenommen mit ihren 10 Wochen. Ihr Geburtsgewicht waren ja auch nur 2920g und dazwischen hatte sie im Krankenhaus wegen der Mittelohrentzündung ja von 4,3kg auf 4,0kg abgenommen. Denken Sie, diese Zunahme ist jetzt ok? Andere Babys wiegen in diesem Alter schon über 5kg… sie hat auch keinen Babyspeck. Ich hoffe, sie steckt sich nicht bei ihrem Bruder mit diesem Virus an, sonst geht das Trink- und Gewichtsproblem wahrscheinlich wieder von vorne los. Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort und Ihre Anmerkungen und Ideen! Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre so liebe Nachricht. Es freut mich wirklich sehr, dass Sie seit Sonntag endlich wieder alle gemeinsam zu Hause sein können. Nach all den schweren Wochen ist das ein großes Geschenk, und Ihre Schilderung von Ihren beiden Kindern hat mich sehr berührt. Genau solche Momente geben wieder Kraft. Dass Sie sich im Moment noch so erschöpft, kraftlos und schwindelig fühlen, ist nach diesem langen und schweren Verlauf leider gut nachvollziehbar. Bei einem Hb von 8,2 können Müdigkeit, Schwäche und Kreislaufprobleme ganz erheblich sein. Das sollte man ernst nehmen, ohne sich dadurch sofort beunruhigen zu lassen. Die neuen Unterbauchschmerzen sollte man nach Ihrer Vorgeschichte aber aufmerksam beobachten. Dass Sie kein Fieber haben, ist zunächst beruhigend. Trotzdem gilt: Wenn die Schmerzen zunehmen, wieder Fieber dazukommt, der Wochenfluss unangenehm riecht, die Blutung stärker wird oder Sie sich insgesamt kränker fühlen, sollte das rasch ärztlich kontrolliert werden. Typische Warnzeichen einer Gebärmutterinfektion nach der Geburt sind Unterbauchschmerzen, Fieber, Krankheitsgefühl, Druckschmerz und auffälliger Wochenfluss. Ibuprofen ist in der Stillzeit grundsätzlich gut geeignet und gehört zu den bevorzugten Schmerzmitteln, weil nur sehr geringe Mengen in die Muttermilch übergehen. Wenn Sie es also im Moment noch brauchen, ist das aus Still-Sicht in der Regel in Ordnung. Wichtig ist nur, dass man die Schmerzen nicht einfach dauerhaft überdeckt, sondern die Ursache weiter im Blick behält. Den Modus mit Hebamme morgen und Frauenärztin am Freitag finde ich im Moment passend, solange Sie fieberfrei bleiben und die Beschwerden nicht deutlich zunehmen. Die Hebamme sollte auf Blutung, Wochenfluss, Kreislauf, Rückbildung, Brustsituation und Ihr allgemeines Befinden schauen. Bei der Frauenärztin würde ich am Freitag zusätzlich um eine sorgfältige Untersuchung mit Ultraschall und um Blutkontrollen bitten, insbesondere Hb, CRP, Leukozyten und möglichst auch Ferritin. Auch zum Stillen passt vieles noch in das Bild einer Nachholphase nach den schwierigen Wochen. Dass Mia tagsüber häufig trinken möchte, kann gut sein. Für die Brustwarzen helfen oft nicht nur Salben, sondern auch ein Wechsel der Stillpositionen, gutes Anlegen und möglichst wenig Dauernuckeln, wenn sie nur noch zur Beruhigung saugt. Dass sie die Flasche derzeit verweigert, ist in dieser Situation nicht ungewöhnlich. Und zu Mia selbst: Ihre Beschreibung klingt insgesamt sehr schön. Sie wirkt wach, interessiert und kontaktfreudig. Auch die Gewichtszunahme von 4,2 auf 4,4 kg in etwa einer Woche klingt zunächst durchaus ordentlich. Wichtiger als der Vergleich mit anderen Babys ist, dass sie auf ihrer eigenen Kurve wieder verlässlich zunimmt. Eine stetige Gewichtszunahme ist ein gutes Zeichen. Mein Eindruck ist deshalb insgesamt: Vieles spricht für eine langsame, aber echte Erholung nach einer außergewöhnlich schweren Zeit. Aber man darf Ihre Beschwerden jetzt auch nicht einfach als normales Wochenbett abtun. Bitte lassen Sie morgen die Hebamme noch einmal genau draufschauen und sprechen Sie am Freitag die Punkte Blutbild, Entzündungswerte, Ferritin, Ultraschall, Rückbildung und die neuen Schmerzen ganz konkret an. Und bitte: Wenn Fieber, stärkere Schmerzen, übel riechender Wochenfluss, stärkere Blutung oder deutliche Kreislaufprobleme dazukommen, dann nicht bis Freitag warten. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Es tut mir echt gut, Sie als Stütze zu haben! Sie machen das so ausgezeichnet! Ich weiß, dass ich mich immer darauf verlassen kann, dass Sie mir einen guten Rat geben! Und so einen kann ich heute wieder brauchen… Ich bin heute so verunsichert und möchte Ihnen gern die Situation schildern. Die Unterbauchschmerzen sind gleichbleibend, aber eben wieder etwas mehr als bei Entlassung am vergangenen Sonntag. Die Hebamme meinte gestern, sie fände den Wochenfluss schon noch stark. “Stark” ist so relativ. Im Vergleich zu den Blutungen der letzten Wochen ist er jetzt richtig harmlos, aber eben noch immer braun und mehr als eine Slipeinlage, ich würde sagen etwa eine Binde am Tag. Meine Hebamme findet das für Woche 11 nach Geburt zu viel, aber ich denke mir, mein Verlauf war ja auch nicht normal.  Rückbildung 4 Finger unter dem Nabel, Rektusdiastase 2 Finger breit. Das ist alles noch nicht ideal oder? Heute bei der Frauenärztin wurde im Ultraschall zumindest nichts gefunden, was für ein neues Aufflammen einer Entzündung sprechen würde. zum Glück! Der Schnellabstrich war auch ok, der pH aber schon wieder etwas verschoben (pH 5,0). Sollte ich da wieder etwas einführen? Trotz Blutung? Sie ist ja nicht mehr sooo stark. Oder etwas orales nehmen? Sie meinte Gynoflor wäre gut. Ein kleines Blutbild mit Entzündungswerten hat sie gemacht, wollte mir auch mittags noch die Werte mitteilen. Ich habe aber mal wieder keinen Rückruf erhalten und kam dann um Dreiviertel 12 vor Schließung der Praxis vor dem Wochenende nicht mehr telefonisch durch. Diese Unzuverlässigkeit finde ich unschön. Ich hoffe einfach, es heißt, dass nichts am Anbrennen ist, doch allein schon der niedrige Hb ist sicherlich nicht plötzlich im Normbereich von den wenigen Eisentabletten diese Woche. Am liebsten würde ich Frauenarzt wechseln, aber mein Fall ist doch kompliziert und da weiß ich nicht, ob es mittendrin sinnvoll ist. Ich merke einfach diese fehlende Ausdauer noch schlimm. Mit 35 erwartet man ein anderes Energielevel von sich selbst :( Dann kommt wieder der Schwindel und außer Stillen und ein bisschen mit den Kindern Zeit verbringen schaffe ich einfach nichts und brauche für alles Hilfe. Das stört mich so, weil ich sonst sehr selbständig bin. Denken Sie, ich kann zumindest beruhigt ins Wochenende gehen was die Gebärmutterinfektion betrifft wenn zumindest im Ultraschall alles gut war? Die linke Brust macht mir auch wieder etwas Probleme. Die letzten Tage hat Mia alle 1,5 Stunden getrunken, vermutlich um viel nachzuholen. Jetzt scheint sie etwas weniger zu trinken (mein Gefühl), sie trinkt auch etwas seltener. Meine linke Brust reagiert da so schnell mit Milchstau darauf. Jetzt wärme ich wieder vor dem Stillen, kühle danach und pumpe etwas. Meine Hebamme hat mit mir noch einmal andere Stillpositionen geübt. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es eher schlechter wird und jetzt ist Wochenende. Mia hat heute auch schon wieder zwei Mal in hohem Bogen gespuckt. Ob das einfach wieder ein Spucken war oder sie sich schon bei ihrem Bruder angesteckt hat, kann ich noch nicht sagen. Ich hoffe natürlich ersteres. Falls sie sich angesteckt hat und jetzt auch noch Fieber bekommt: wann sollten wir am Wochenende zum Bereitschaftsdienst mit ihr gehen? Ganz neugeboren ist sie ja mit 11 Wochen nicht mehr, aber klein trotzdem. Meine Sorge ist vor allem, dass sie dann wieder nicht trinkt. Das wäre für sie wieder schlecht und für meine Brust auch…  Trotz der immer noch holprigen Zeit bin ich so dankbar mit meinen Lieben zu Hause sein zu dürfen. Mein Sohn hat gestern gesagt: „Mama, ich hab dich so lieb. Endlich bist du wieder da.” Das hat so gut getan. Morgens endlich vor dem Aufstehen zu viert im Bett zu kuscheln ist so ein wundervoller Start in den neuen Tag. Wir würden Sie an meiner Stelle weiter verfahren? Sagen Sie gerne alles was Ihnen einfällt :) Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort und Ihre Anmerkungen und Ideen!  Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, Nach allem, was Sie in den letzten Wochen durchgemacht haben, ist Ihr inneres Alarmsystem verständlicherweise noch sehr empfindlich. Und trotzdem lese ich aus Ihrer Nachricht auch sehr viel Gutes heraus: Sie sind zu Hause, Sie sind bei Ihren Kindern, der Ultraschall war unauffällig, der Schnellabstrich war beruhigend, und es gibt aktuell keinen klaren Hinweis auf ein erneutes Aufflammen der Gebärmutterentzündung. Das ist erst einmal sehr wichtig. Der Wochenfluss darf nach einem so komplizierten Verlauf durchaus länger und unruhiger sein als nach einer normalen Geburt. Braunlicher Ausfluss spricht eher für älteres Blut. Eine Binde pro Tag ist natürlich noch nicht „nichts“, aber es klingt nicht nach einer akuten starken Blutung. Entscheidend wäre: Wird es wieder deutlich mehr? Wird es wieder frisch hellrot? Kommen Fieber, zunehmende Unterbauchschmerzen, übel riechender Ausfluss oder ein deutlich schlechteres Allgemeingefühl dazu? Dann müsste man rasch kontrollieren. Wenn der Ultraschall heute unauffällig war und kein Hinweis auf Flüssigkeit, Reste oder einen neuen Abszess gesehen wurde, dürfen Sie bezüglich der Gebärmutterinfektion erst einmal vorsichtig beruhigter ins Wochenende gehen — nicht sorglos, aber beruhigter. Dass die Entzündungswerte und der Hb-Wert noch einmal wichtig sind, sehe ich genauso. Es ist ärgerlich, wenn man dann vor dem Wochenende keine Rückmeldung bekommt. Gerade bei Ihrer Vorgeschichte wäre eine klare Kommunikation sehr wertvoll. Falls es Ihnen am Wochenende schlechter geht, würde ich mich nicht auf „wird schon passen“ verlassen, sondern lieber einmal zu früh als zu spät in die Klinik beziehungsweise zum gynäkologischen Bereitschaftsdienst gehen. Wenn Sie aber fieberfrei sind, die Schmerzen nicht zunehmen, der Wochenfluss nicht stärker wird und der Ultraschall unauffällig war, spricht vieles dafür, dass akut nichts „am Anbrennen“ ist. Der pH von 5,0 zeigt, dass das Scheidenmilieu noch nicht ganz stabil ist. Das ist nach Blutungen, Antibiotika, Wochenbett und Ihrer ganzen Vorgeschichte nicht überraschend. Gynoflor kann grundsätzlich sinnvoll sein, weil es die Vaginalflora wieder unterstützt. Bei stärkerer Blutung würde ich mit vaginalen Präparaten eher zurückhaltend sein, aber bei nur noch schwacher bräunlicher Blutung kann man das durchaus mit der behandelnden Ärztin so umsetzen. Alternativ oder ergänzend kann man auch oral Milchsäurebakterien beziehungsweise Probiotika einnehmen. Wichtig ist aber: bitte nichts Aggressives, keine Spülungen, keine Selbstexperimente. Ziel ist nicht, „maximal zu behandeln“, sondern das Milieu ruhig und schonend wieder aufzubauen. Zur Rückbildung: Vier Finger unter dem Nabel und eine Rektusdiastase von zwei Fingern sind nach diesem Verlauf nicht überraschend. Ideal ist es noch nicht, aber es ist auch kein Grund, an sich selbst zu zweifeln. Ihr Körper war nicht in einem normalen Wochenbett, sondern in einer massiven Belastungssituation mit Infektion, Operationen, Blutverlust, Antibiotika, Stillen und Schlafmangel. Dass Sie mit 35 nicht Ihr normales Energielevel haben, ist unter diesen Umständen absolut nachvollziehbar. Das ist kein persönliches Versagen, sondern Biologie. Sie dürfen Hilfe brauchen. Wirklich. Wegen der Brust würde ich sehr wachsam bleiben. Milchstau kann sich schnell entwickeln, besonders wenn Mia plötzlich seltener oder kürzer trinkt. Ihre Maßnahmen sind richtig: vor dem Stillen wärmen, gut anlegen, verschiedene Positionen, danach kühlen, nur vorsichtig entlastend pumpen — nicht zu viel, sonst regen Sie die Milchproduktion weiter an. Wenn die Brust aber deutlich röter, heißer oder schmerzhafter wird, wenn Sie Schüttelfrost, Fieber oder ein richtig krankes Gefühl bekommen, dann bitte nicht abwarten. Dann muss an eine beginnende Mastitis gedacht werden, und das sollte am Wochenende ärztlich beurteilt werden. Bei Mia würde ich vor allem auf Trinkverhalten, Allgemeinzustand und Ausscheidung achten. Spucken allein, auch einmal im hohen Bogen, kann bei Säuglingen vorkommen. Wenn sie aber wiederholt schwallartig erbricht, deutlich weniger trinkt, auffallend schläfrig oder schlapp wirkt, Fieber bekommt, weniger nasse Windeln hat oder Sie das Gefühl haben: „Mein Kind ist nicht wie sonst“, dann bitte am Wochenende zum kinderärztlichen Bereitschaftsdienst oder in die Kinderklinik. Mit 11 Wochen ist sie nicht mehr ganz neugeboren, aber immer noch klein genug, dass man lieber früher kontrolliert. An Ihrer Stelle würde ich das Wochenende so planen: Ich würde mir selbst klare Warnzeichen setzen: Fieber, zunehmende Unterbauchschmerzen, wieder frische/stärkere Blutung, übel riechender Wochenfluss, deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands, Brust mit Rötung/Überwärmung/Fieber oder ein Baby, das schlecht trinkt oder krank wirkt. Wenn eines davon auftritt, würde ich nicht zögern, ärztlich vorstellig zu werden. Wenn diese Warnzeichen nicht auftreten, würde ich versuchen, das Wochenende wirklich als Erholungszeit zu nehmen. Nicht „endlich wieder funktionieren“, sondern essen, trinken, stillen, liegen, kuscheln, langsam gehen, Hilfe annehmen. Sie sind nicht einfach nur müde — Sie rekonvaleszieren nach einem außergewöhnlich schweren Verlauf. Und noch etwas: Der Satz Ihres Sohnes ist eigentlich die schönste Medizin, die man sich vorstellen kann. „Mama, ich hab dich so lieb. Endlich bist du wieder da.“ Genau da liegt im Moment Ihr wichtigster Auftrag: nicht perfekt sein, nicht alles schaffen, sondern da sein. Und das sind Sie. Auch wenn Sie noch schwach sind. Auch wenn Sie Hilfe brauchen. Sie sind wieder bei Ihren Kindern — und Ihr Körper darf jetzt in Ruhe nachkommen. Herzliche Grüße Ihr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Vielen lieben herzlichen Dank für Ihre Mühe! Sie sind wirklich tip top! Ich fühle mich schlecht, Sie am Sonntag schon wieder zu behelligen. Es brennt einfach ständig bei uns :( Ich habe am Samstagfrüh wieder Schüttelfrost und Fieber bekommen :( meine linke Brust hat sich wie kurz vor einer Explosion angefühlt. Rot, heiß, ich kann kaum auf der Seite liegen vor Schmerz. Wir waren also beim gyn. Bereitschaftsdienst. Mastitis, das war leider klar :( Antibiotikum: Dicloxacillin. Das tausendste innerhalb von zwei Monaten :( Ist es vermutlich das richtige? mir geht es bescheiden. Ich liege fast nur im Bett rum, weil mir das Fieber das bisschen Energie, das ich noch habe, auch noch nimmt. Ich nehme wieder Ibu und bin in einem Wechselzustand aus Frieren und Schwitzen… und Schmerzen in der Brust. Wären Quarkwickel vielleicht hilfreich oder etwas anderes? Außerdem habe ich das Gefühl, es brennt leicht in der Scheide. Ich habe deshalb selbst nochmal pH gemessen: 5,3. Bei der Frauenärztin war er am Freitag noch 5,0. Muss ich davon ausgehen, dass sich da wieder Bakterien bilden? Eigentlich hätte ich morgen nur zum Telefonat über die Blutwerte von Freitag bei der Frauenärztin angerufen. Denken Sie, ich sollte hingehen? Nochmal Blut nehmen wegen der Mastitis oder nochmal Ultraschall oder Abstrich oder oder oder? Was sollte am besten gemacht werden? Beim Bereitschaftsdienst ging das alles ziemlich zackig. Da hat keiner groß meinen schwierigen Verlauf der letzten Wochen beachtet und auch keinen vaginalen Ultraschall gemacht. Unser Großer hat noch dazu eine furchtbare Nacht gehabt und wir dazu. Ein krankes Kind und eines, das noch nicht durchschläft, ist eine tolle Kombination. Irgendwie ist das ein komisches Virus. Kein Übergeben mehr, aber Husten, Schnupfen und wieder verklebte Augen. Aber dieses Mal keine geröteten Augen, es läuft nur immer wieder mal weißgelblich im Auge Richtung Nase und in der Früh verkleben die Augen richtig. Nachts hat er so bellend gehustet (Wie Krupp) und konnte kaum schlafen und hat ganz aufgelöst geweint. Mein Mann stand die erste Hälfte der Nacht am Fenster mit ihm. Danach war er besser. Fieber hat er bisher nicht (37,6) und wirkt tagsüber auch nicht total krank. Sollten wir morgen wegen der Augen oder dem Krupphusten zur Kinderärztin? Euphrasia geben wir ihm jetzt wieder auch wenn es jedes Mal ein Drama ist in seine Augen zu tropfen und Prospan geben wir und er inhaliert mit NaCl. Fällt Ihnen noch was Gutes aus der Hausapotheke ein? Hoffentlich geht es jetzt nicht bei Mia wieder los.  Ich hoffe wirklich, dass ich es dieses Mal mit einem einzigen Antibiotikum und ohne Krankenhaus schaffe. Es macht mir echt zu schaffen, dass es schon wieder holpert. Ich möchte endlich einfach die Zeit mit meinen Lieben genießen. Gestern saß ich zumindest mal im Gartenstuhl in der Sonne, habe den Großen beim Schaukeln und Rennen zugeschaut und der kleinen Mia unter ihrem Spielebogen. Das hat gut getan.  Wir würden Sie an unserer Stelle weiter verfahren? Sagen Sie gerne alles was Ihnen einfällt :) Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort und Ihre Anmerkungen und Ideen!  Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ach Mensch – das tut mir wirklich sehr leid. Sie haben in den letzten Wochen schon so unglaublich viel getragen, und ich kann sehr gut verstehen, dass diese neue Mastitis jetzt emotional wie körperlich noch einmal richtig an die Substanz geht. Bitte haben Sie kein schlechtes Gewissen, dass Sie sich melden. Wenn es „brennt“, dann darf man sich Hilfe holen. Dicloxacillin ist bei einer klassischen bakteriellen Mastitis grundsätzlich ein sehr übliches und passendes Antibiotikum, vor allem wenn man an Staphylokokken als häufige Erreger denkt. Wichtig ist jetzt aber: Unter der Behandlung sollte es innerhalb von etwa 24–48 Stunden zumindest eine erkennbare Tendenz zur Besserung geben – weniger Fieber, weniger Krankheitsgefühl, weniger Spannung/Schmerz in der Brust. Wenn das nicht der Fall ist oder wenn die Brust zunehmend härter, stärker gerötet oder sehr umschrieben schmerzhaft bleibt, sollte man unbedingt nochmals kontrollieren und auch an einen beginnenden Abszess denken, den man per Ultraschall ausschließen kann. Was Sie zusätzlich tun können: Ibuprofen ist in dieser Situation sinnvoll, weil es nicht nur gegen Schmerzen, sondern auch gegen die Entzündung wirkt. Kühlung kann sehr hilfreich sein – Quarkwickel dürfen Sie gerne versuchen, wenn es Ihnen guttut. Bitte aber nicht eiskalt und nicht auf offene Hautstellen. Wichtig ist auch, dass die Brust weiter vorsichtig entleert wird, ohne aggressives Ausmassieren oder starkes „Durchkneten“. Stillen oder Abpumpen ist in der Regel weiter möglich und sogar sinnvoll, aber bitte sanft und ohne zusätzlichen Druck. Die neueren Mastitis-Empfehlungen raten eher zu Schonung, Kühlung, entzündungshemmender Behandlung und schonender Entleerung – nicht zu kräftiger Massage. Wegen des vaginalen Brennens und des pH-Wertes: Ein pH von 5,3 ist nach den ganzen Antibiotika und nach dem Wochenbett leider nicht überraschend. Das bedeutet nicht automatisch, dass jetzt wieder „gefährliche“ Bakterien entstehen, aber es zeigt schon, dass die Scheidenflora im Moment belastet ist. Gerade nach mehrfacher Antibiotikatherapie kann die Schleimhaut gereizt sein, und auch Pilzbeschwerden können auftreten. Ich würde das deshalb nicht dramatisieren, aber auch nicht ignorieren. An Ihrer Stelle würde ich morgen nicht nur telefonieren, sondern mich nochmals kurz persönlich vorstellen – einfach wegen des Gesamtverlaufs. Sinnvoll wären aus meiner Sicht: klinische Kontrolle der Brust, bei anhaltendem Fieber oder starken Schmerzen ggf. Brustultraschall zum Ausschluss eines Abszesses, eventuell Blutbild/CRP je nach Allgemeinzustand, und bei vaginalem Brennen ein kurzer Abstrich bzw. eine Beurteilung der Schleimhaut. Nicht, weil ich sofort etwas Schlimmes vermute, sondern weil Ihr Verlauf in den letzten Wochen eben nicht „Standard“ war und man deshalb sorgfältiger hinschauen darf. Zum Großen: Der bellende Husten klingt tatsächlich nach einem Krupp-artigen Infekt. Frische kühle Luft, Beruhigung, aufrechte Position und Inhalation mit Kochsalz sind gute Maßnahmen. Wenn er Atemnot bekommt, Einziehungen zeigt, pfeifend/ziehend atmet, bläulich wirkt oder sehr erschöpft ist, bitte sofort ärztlich vorstellen bzw. Notdienst. Wegen der verklebten Augen und des nächtlichen Hustens würde ich morgen die Kinderärztin zumindest kontaktieren – besonders wenn die Augen morgens richtig verklebt sind oder das Sekret eitrig wirkt. Euphrasia schadet meist nicht, ersetzt aber keine ärztliche Beurteilung, wenn es stärker wird. Und ganz menschlich gesagt: Sie brauchen jetzt keine Heldinnenleistung. Sie brauchen Entlastung, Schlaf, Flüssigkeit, Schmerzmittel ohne schlechtes Gewissen und eine klare ärztliche Kontrolle. Der Gartenstuhl in der Sonne war genau richtig – solche kleinen Inseln sind wichtig. Aber jetzt darf der Fokus wirklich darauf liegen, dass Sie nicht wieder in eine Verschlechterung hineinrutschen. Ich hoffe sehr mit Ihnen, dass es diesmal mit einem einzigen passenden Antibiotikum, guter lokaler Behandlung und konsequenter Kontrolle wieder abfängt – und dass Sie nicht ins Krankenhaus müssen. Aber wenn Fieber, Schüttelfrost oder Brustschmerz unter Dicloxacillin nicht zügig besser werden, bitte nicht zu lange zuwarten. Dann muss man nachsehen, ob die Therapie angepasst werden muss oder ob sich irgendwo ein Abszess entwickelt. Ganz herzliche Grüße Ihr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, DANKESCHÖN! Das war wieder so klar, hilfreich und herzlich dazu! Es brennt und brennt und brennt einfach. Ich bin mit den Nerven am Boden. In meinem Kopf spielt sich gerade ein Kopfkino ab, in dem alles von vorne losgeht. Und dann rennen mir die Tränen hinunter. Ich brauche endlich echte Erholung zu Hause, körperlich und seelisch. Und nicht wieder neue Probleme, die mir das letzte bisschen Energie weiter rauben. Ich habe so Angst vor einer Verschlechterung. Letzte Nacht war fürchterlich. Ich konnte vor Schmerzen in der linken Brust kaum schlafen. Heute Morgen habe ich gleich bei meiner Frauenärztin angerufen und sollte sofort kommen. Einen Abszess hat sie mittels Ultraschall zum Glück nicht feststellen können, Blut hat sie neu abgenommen, weil ich trotzdem nach wie vor bis auf 39,0-39,5 fiebere und die Brust einfach so weh tut und so heiß und rot ist. Das Antibiotikum habe ich am Samstagabend begonnen. Dann sollte es aber spätestens heute Abend mal besser werden? Ich soll morgen auf jeden Fall nochmal zur Kontrolle kommen und wenn es dann nicht besser ist, muss ich wieder ins Krankenhaus :( ist dieses Vorgehen vernünftig? Die neuen Blutwerte von heute sollten bis morgen auch vorliegen. Falls sie heute Abend noch kommen, würde mich die Ärztin gleich anrufen. Ich hoffe, dieses Mal sagte sie das nicht ins Leere. Aber sie hat heute schon gecheckt, dass es mir gerade echt wieder nicht gut geht. Und vaginal bin ich auch unsicher, ob das in die richtige Richtung geht: bei der Frauenärztin war der pH Wert heute sogar 5,7 und im Mikroskop hat sie ein paar Bakterien entdeckt, hat also gleich wieder einen Abstrich gemacht. Nach dem Abtasten von Bauch und einem vaginalen Ultraschall meint sie aber, dass ich gerade keine neue Endometritis habe. Aber meine Sorge, dass sich wieder eine entwickelt, ist jetzt schon sehr groß, ehrlich gesagt. Würde denn Dicloxacillin grundsätzlich auch gegen einige Bakterien einer bakteriellen Vaginose oder Endometritis wirken? Am Freitagfrüh war das Blutbild noch einigermaßen ok und am Samstagfrüh ging das Fieber los.  Freitagfrüh: CRP 8 Leukozyten 12,0 Hb 8,5 Ferritin 17 → 35 → 38 War aus Ihrer Sicht am Freitag schon an den Entzündungswerten zu sehen, dass sich da was anbahnt oder nicht? Wie finden Sie die Eisenwerte? Meine Gynäkologin sagt, ich soll die Eisentabletten weiter nehmen. Wäre nicht eine Infusion besser? Noch dazu habe ich noch immer mit Verstopfung zu kämpfen, schon seit der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt und so richtig wird das nicht besser. Wahrscheinlich auch der Bewegungsmangel, weil ich keine Energie habe. Die Eisentabletten und die Hämorrhoiden seit der Entbindung machen das nicht besser. Sollte ich morgen nochmal um eine Eiseninfusion bitten? Gäbe es noch andere wichtige Blutwerte, nach denen ich mich erkundigen sollte? Nochmal Kreatinin? Und noch eine praktische Frage zur Mastitis: Ich versuche automatisch mehr links anzulegen um mir möglichst viel Druck aus der entzündeten Brust zu nehmen, aber habe dann schon Angst, rechts auch einen Milchstau zu erzeugen. Sollte ich trotzdem links und rechts wie immer anlegen oder durchaus links bevorzugen? Normalerweise fange ich beim Stillen immer im Wechsel einmal mit links und einmal mit rechts an. Momentan fange ich fast immer mit links an um die entzündete Brust gleich zu entlasten, aber so trinkt Mia natürlich links immer mehr als rechts. Ist das ungünstig? Sie nuckelt sich auch gerne an der Brust in den Schlaf. Einerseits versuche ich sie, eher abzudocken und in ihr Bett zu legen. Andererseits fängt sie dort dann immer öfter zur Beruhigung an am Daumen zu lutschen. Den Schnuller nimmt sie partout nicht. Das finde ich sehr ungut alles. Kommt es denn bei Daumenlutschern erst zu Zahnfehlstellungen wenn sie nein mit 3 oder 4 Jahren nuckeln oder auch schon wenn sie es nur als Baby machen? Sie führt immer die Faust zur Nase und dann von dort aus den Daumen der Nase entlang nach unten bis zum Mund und dann saugt sie daran wie wild. Wie nehmen ihr dann immer gleich den Daumen aus dem Mund, aber sie wird dann oft sauer und beschwert sich. Schnuller probieren wir immer wieder erfolglos, auch verschiedene. Die Kinderärztin macht da viel Druck, finden wir, dass das Daumenlutschen ganz schlecht ist. Ich war auch eine Daumenlutscherin und habe keine Fehlstellungen oder andere Konsequenzen davon getragen. Unser Großer hatte heute Morgen wieder absolut verklebte Augen und hat wieder so schlecht geschlafen mit so einer Art Krupp bellender Husten. Ich sag Ihnen, wir beschäftigen gerade die ganze Familie mit unseren Problemen :( Während mein Mann mich zur Frauenärztin begleitet hat, weil ich das weder kräftemäßig noch vom Schwindel alleine hinbekomme, war meine Mutter mit unserem Großen bei der Kinderärztin. Die Augen sollen wir noch zwei bis drei Tage mit Euphrasia weiter behandeln und uns wieder melden falls wir es damit alleine nicht hinbekommen. Sie sind nur morgens verklebt, aber nicht so knallrot und eitrig wie vor ein paar Wochen. Der Schleim sitzt leider in der Lunge und er bekommt deshalb zum Schleimlösen ACC Kindersaft 200mg und heute Abend sollen wir ihm gegen den Husten ein Cortisonzäpfchen Klismacort 100mg geben, damit er nicht so aufgelöst vor Husten weint. Er soll den Schleimlöser morgens und nachmittags bekommen, aber wenn man ihn nachmittags gibt, hustet er dann nicht nachts erst recht? Mia hat noch nichts, ich hoffe, es bleibt so, sonst haben wir wieder das Problem mit dem Trinken und abgesehen davon tut das meinem Milchstau nicht gerade gut. Wir würden Sie an unserer Stelle weiter verfahren? Sagen Sie gerne alles was Ihnen einfällt :) Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort und Ihre Anmerkungen und Ideen!  Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das ist wirklich viel zu viel auf einmal. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch am Limit sind. Nach allem, was Sie schon durchgemacht haben, ist dieses „es geht schon wieder los“-Gefühl furchtbar. Trotzdem: Das heutige Vorgehen Ihrer Frauenärztin klingt aus der Ferne vernünftig und verantwortungsvoll — Ultraschall zum Ausschluss eines Abszesses, erneute Blutentnahme, engmaschige Kontrolle morgen und bei fehlender Besserung Klinik. Bei 39,0–39,5 °C Fieber trotz Antibiotikum, starker Rötung, Hitze und Schmerzen der Brust würde ich das wirklich ernst nehmen. Dicloxacillin ist grundsätzlich ein passendes Antibiotikum bei typischer bakterieller Mastitis, weil es gut gegen Staphylokokken wirkt, die häufigen Erreger einer Mastitis. Üblicherweise sollte innerhalb von etwa 24–48 Stunden eine erste Besserung spürbar werden. Wenn heute Abend oder morgen keine klare Besserung eintritt, oder wenn Schüttelfrost, Kreislaufprobleme, zunehmende Rötung, zunehmende Schmerzen oder ein schweres Krankheitsgefühl dazukommen, wäre eine Vorstellung in der Klinik absolut richtig. Die Academy of Breastfeeding Medicine beschreibt bei Mastitis ein Spektrum von Entzündung bis Abszess; ein Abszess sollte per Ultraschall ausgeschlossen werden und muss, falls vorhanden, drainiert werden. Weiterstillen ist in der Regel möglich und sogar sinnvoll. Zur Sorge vor Endometritis: Dass Ihre Frauenärztin Bauch, Gebärmutter und vaginalen Ultraschall unauffällig fand, ist erst einmal beruhigend. Dicloxacillin ist aber kein typisches Antibiotikum gegen bakterielle Vaginose oder Endometritis, weil dort oft andere und gemischte Keime eine Rolle spielen, teils auch anaerobe Bakterien. Es kann also einzelne Keime erfassen, aber es ist nicht die klassische gezielte Therapie für BV oder eine Endometritis. Deshalb ist der Abstrich sinnvoll. Ein pH von 5,7 spricht dafür, dass das Scheidenmilieu gestört ist, aber allein daraus folgt noch keine Endometritis. Entscheidend wären zunehmende Unterbauchschmerzen, übelriechender Wochenfluss/Ausfluss, Druckschmerz der Gebärmutter, anhaltendes hohes Fieber ohne Erklärung durch die Brust oder deutlich steigende Entzündungswerte. Zu den Blutwerten vom Freitag: CRP 8 ist nur leicht erhöht und kann im Wochenbett oder bei beginnender Entzündung noch wenig aussagekräftig sein. Leukozyten 12,0 sind ebenfalls nur moderat erhöht und postpartal nicht ungewöhnlich. Daraus konnte man am Freitag aus meiner Sicht noch nicht sicher ablesen: „Da kommt jetzt eine schwere Mastitis.“ Das passt leider dazu, dass eine Mastitis sehr plötzlich kippen kann. Hb 8,5 und Ferritin 17 → 35 → 38: Der Hb ist niedrig, das Ferritin war zumindest initial niedrig und ist jetzt etwas besser. Wenn Sie aber so erschöpft, schwindelig und durch Verstopfung/Hämorrhoiden belastet sind, darf man das Thema Eiseninfusion durchaus nochmals ansprechen. Die Tabletten sind grundsätzlich richtig, aber sie helfen langsam und machen bei vielen Frauen die Verstopfung schlimmer. Eine Eiseninfusion kann sinnvoll sein, wenn der Hb deutlich niedrig ist, die Beschwerden ausgeprägt sind, orale Eisenpräparate schlecht vertragen werden oder eine zügigere Erholung gewünscht ist. Ich würde morgen konkret fragen: „Wäre bei Hb 8,5, Schwindel, starker Erschöpfung und Verstopfung unter Tabletten eine Eiseninfusion medizinisch sinnvoll?“ Zusätzlich sinnvoll zu erfragen: CRP-Verlauf, Leukozyten mit Differentialblutbild, ggf. Procalcitonin bei unklar schwerem Infekt, Kreatinin, Leberwerte, Elektrolyte — besonders falls eine Klinikaufnahme oder i.v.-Antibiose im Raum steht. Zur Brust/Stillen: Bitte nicht versuchen, die linke Brust „maximal leer zu bekommen“. Das ist verständlich, kann aber durch Überstimulation die Milchbildung links noch mehr ankurbeln und den Druck langfristig verstärken. Besser: weiterstillen, aber eher sanft und regelmäßig, ohne aggressives Ausmassieren. Sie können links anfangen, wenn dort der Druck sehr groß ist, aber achten Sie darauf, rechts nicht zu lange auszulassen. Praktisch wäre: normal im Wechsel weiterstillen, bei sehr praller linker Brust kurz links zuerst zur Entlastung, dann rechts nicht vergessen. Nach dem Stillen eher kühlen. Ibuprofen, wenn Sie es vertragen und es ärztlich erlaubt ist, ist bei Mastitis oft hilfreich, weil es Schmerz und Entzündung reduziert. Tiefe Massage und starkes „Ausdrücken“ werden heute eher kritisch gesehen, weil das Gewebe zusätzlich gereizt werden kann. Quarkwickel können subjektiv angenehm sein, sind aber kein Ersatz für Antibiotikum und Kontrolle. Wenn sie Ihnen guttun: dünn, kühl, nicht eiskalt, nicht auf offene Haut oder Brustwarze, und wieder entfernen, bevor alles warm und trocken wird. Zum Daumenlutschen: Bitte machen Sie sich damit jetzt nicht noch ein zusätzliches schlechtes Gewissen. Bei einem Baby ist Saugen ein normales Beruhigungsverhalten. Zahnfehlstellungen werden vor allem dann ein Thema, wenn intensives Daumenlutschen über längere Zeit bis ins Kleinkindalter anhält, besonders Richtung 3.–4. Lebensjahr und darüber hinaus. Im Babyalter ist das noch nicht der Moment, in dem Sie sich jeden Daumen sofort „erkämpfen“ müssen. Wenn Mia keinen Schnuller nimmt, nimmt sie ihn eben nicht. Sie brauchen jetzt keine weitere Baustelle. Sanft anbieten ja, aber kein Dauerkrieg um den Daumen. Zu Ihrem Großen: ACC eher morgens und am frühen Nachmittag zu geben, ist nachvollziehbar, weil Schleimlöser abends tatsächlich dazu führen können, dass mehr Sekret mobilisiert wird und nachts mehr Husten entsteht. Das Cortisonzäpfchen bei bellendem Krupp-Husten klingt nach einem üblichen Vorgehen, wenn die Kinderärztin das so empfohlen hat. Wichtig wären Warnzeichen: Atemnot, Einziehungen am Hals/zwischen den Rippen, bläuliche Lippen, starke Erschöpfung, hohes Fieber oder ein Kind, das nicht mehr gut trinkt/reagiert — dann bitte nicht zögern. Mein praktischer Vorschlag für Sie wäre: Heute und morgen steht nur die Mastitis-Stabilisierung im Mittelpunkt. Temperatur, Schmerzen, Rötung und Allgemeinzustand beobachten. Die Brust nicht malträtieren, sondern ruhig, regelmäßig, sanft stillen, kühlen, trinken, Ibuprofen/Paracetamol nach ärztlicher Empfehlung. Wenn heute Abend oder morgen keine klare Besserung kommt: Klinik ist kein Scheitern, sondern genau der richtige Sicherheitsweg. Dort könnte man, falls nötig, i.v. behandeln, die Blutwerte kontrollieren und die Brust erneut per Ultraschall beurteilen. Und ganz wichtig: Sie müssen das nicht „tapfer wegatmen“. Bei diesem Fieber, den Schmerzen, Hb 8,5 und der Vorgeschichte ist Ihre Erschöpfung keine Schwäche, sondern eine völlig nachvollziehbare körperliche Reaktion. Jetzt braucht es engmaschige Kontrolle, Entlastung zu Hause und einen niedrigen Schwellenwert für die Klinik — nicht, weil alles schlimm werden muss, sondern damit es nicht wieder entgleist.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Vielen lieben Dank, dass Sie wieder so schnell zur Stelle waren. Es fühlt sich wirklich grässlich an, dieses Gefühl: Geht es jetzt wieder los? Kann ich nicht endlich mal einfach meine Familie genießen? Was wenn ich Mias ganze süße Babyzeit verpasse? Ich liebe es, wie sie auf ihrem Wickeltisch Spaß hat, von links nach rechts schaut, die Wand mit den Tieren genau anschaut und dann lächelt und geradezu mit den Tieren kommuniziert und Laute von sich gibt. Das ist so undenklich süß und jeden Schmerz wert. Und doch wünsche ich mir nichts sehnlicher als dass es mir endlich gut geht und ich auch funktioniere. Momentan funktionieren alle anderen für mich. Nichts schaffe ich alleine, das macht mich fertig. Ich komme schon mit meinem eigenen Körper nicht klar, wie soll ich mich um zwei kleine Kinder kümmern? Aber mein Mann kann das auf Dauer auch nicht alles alleine tragen. Er trägt gerade schon viel zu viel und weiß irgendwie genau, dass er gerade die Familie zusammenhält und nicht wegbrechen darf. Die Situation ist tricky. Mir geht’s heute ein klein wenig besser von der Brust her, das Fieber ist heute Morgen das erste Mal etwas besser gewesen (38,7) und tagsüber nicht über 39,0 gegangen. Die Brust ist etwas weniger heiß und rot, aber gut ist anders. Die Frauenärztin meinte aufgrund der leichten Verbesserung, dass wir dem Ganzen bis morgen nochmal eine Chance geben. Sie hat aber nicht nochmal einen Brustultraschall gemacht heute. Wäre das trotzdem nötig gewesen? Das Fieber ist ja nicht weg, heute Abend auch wieder 38,9 mit Schüttelfrost. Habe mich dann ins Bett eingemummelt und auf die Wirkung der Ibu gewartet und dann ging es mir besser. Aber ich mache mir schon Sorgen , ob es wirklich besser ist oder doch nicht. Von heute sind die Entzündungswerte auch noch nicht da, die bei der Einschätzung helfen könnten. Von gestern kann ich Ihnen folgende Blutwerte geben: CRP 17,3 Leukozyten 13,1 PCT 29,5 Kreatinin 1,19 Leberwerte und Elektrolyte waren im Normbereich. Was genau meint das Differenzialblutbild? Dann kann ich danach fragen. Eine Eiseninfusion habe ich heute zum Glück bekommen. Aber mir ist noch immer schwindlig. Bei jedem Treppensteigen läuft mein Mann mir aus Angst, ich könnte kippen. Ich möchte so gern endlich besser dran sein :( Danke, dass Sie uns den Druck mit dem Dsumenlutschen nehmen. Die Kinderärztin macht uns da zu viel Druck mit diesem Schnullerproblem. Als ob wir gerade keine anderen Probleme hätten. Wahrscheinlich haben ihre beide Kinder den Schnuller genommen. Da redet sie sich leicht. Ich kenne jetzt beides: Schnullerliebhaber (unser Großer als er Baby war) und Schnullerhasser (Mia) und kann nur sagen, dass man dagegen gar nichts tun kann. Da helfen auch die besten Sab Tropfen oder Glucose nichts. Wer nicht will, der will nicht. Und wer ihn liebt, der liebt ihn. Wenigstens dem Großen hat das Cortisonzäpfchen gut getan und er hat letzte Nacht ohne Husten durchgeschlafen. Eine Sorge weniger. Wir würden Sie an unserer Stelle weiter verfahren? Sagen Sie gerne wieder alles was Ihnen einfällt :) Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort und Ihre Anmerkungen und Ideen!  Gute Nacht und  Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das klingt alles wirklich sehr belastend – körperlich und seelisch. Und ich kann sehr gut verstehen, dass Sie sich nicht nur wegen der Brust sorgen, sondern auch wegen dieser großen Angst: „Verpasse ich gerade die schöne Babyzeit?“ Gerade weil Sie Mia so innig wahrnehmen und beschreiben, merkt man ja, wie sehr Sie da sind – auch wenn Ihr Körper im Moment nicht so mitmacht, wie Sie es sich wünschen. Zuerst das Wichtigste: Dass es heute etwas besser war – weniger Rötung, weniger Hitze, Fieber nicht mehr über 39,0 °C – ist grundsätzlich ein gutes Zeichen. Aber: Schüttelfrost und abendliches Fieber von 38,9 °C bedeuten, dass die Entzündung noch nicht wirklich unter Kontrolle ist. Ich würde deshalb sehr engmaschig bleiben und nicht zu lange abwarten. Ein erneuter Brustultraschall wäre aus meiner Sicht spätestens dann sinnvoll, wenn morgen keine klare weitere Besserung eingetreten ist – also wenn Fieber, Schüttelfrost, starke Schmerzen, zunehmende Verhärtung oder Rötung weiter bestehen. Bei einer Mastitis muss man immer im Blick behalten, ob sich ein Abszess bildet. Ein Abszess kann sich klinisch manchmal erst im Verlauf zeigen; die Academy of Breastfeeding Medicine beschreibt, dass sich ein Abszess durch zunehmende Verhärtung/Rötung oder eine Flüssigkeitsansammlung zeigen kann und Ultraschall zur Abklärung eingesetzt werden kann. Die Laborwerte zeigen, dass da durchaus eine relevante Entzündung läuft: CRP 17,3 und Leukozyten 13,1 passen zu einer entzündlichen Situation. Beim PCT muss man auf die Einheit achten: Falls wirklich PCT 29,5 ng/ml gemeint ist, wäre das ein sehr hoher Wert und aus meiner Sicht ein Grund, sehr klar ärztlich bzw. notfallmäßig beurteilt zu werden, weil Procalcitonin bei schweren bakteriellen Infektionen und Sepsis deutlich ansteigen kann. Procalcitonin allein stellt keine Diagnose, aber es hilft, die Wahrscheinlichkeit und Schwere einer bakteriellen Infektion einzuschätzen. Ich würde an Ihrer Stelle daher morgen nicht nur „mal schauen“, sondern ganz konkret um folgende Punkte bitten: erneute klinische Untersuchung der Brust, Brustultraschall, wenn Fieber/Schüttelfrost/Schmerzen weiter bestehen, Kontrolle von CRP, Leukozyten, PCT, Kreatinin, Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Allgemeinzustand, bei weiterem Fieber/Schüttelfrost ggf. Blutkulturen und Prüfung, ob das Antibiotikum passt oder ob eine stationäre Behandlung bzw. intravenöse Antibiotikagabe nötig wird. Das Differenzialblutbild bedeutet: Man schaut nicht nur auf die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen, sondern auf die Untergruppen – vor allem neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten, Eosinophile und Basophile. Bei bakteriellen Infektionen sieht man häufig eine Vermehrung der neutrophilen Granulozyten, manchmal auch unreife Vorstufen. Das kann helfen, die Entzündung besser einzuordnen. Auch das Kreatinin von 1,19 sollte man im Verlauf beachten, gerade wenn Sie Fieber haben, schwitzen, wenig trinken können oder viele Medikamente benötigen. Es ist nicht dramatisch isoliert, aber in dieser Situation sollte man darauf achten, dass die Niere gut durchblutet bleibt: ausreichend trinken, Kreislauf beobachten, und Ibu bitte nicht unbegrenzt oder „oben drauf“ nehmen, ohne dass Ihre Ärztin das mit Kreatinin und Allgemeinzustand im Blick hat. Was ich Ihnen sehr klar sagen würde: Wenn heute Nacht oder morgen wieder hohes Fieber, stärkerer Schüttelfrost, Benommenheit, Herzrasen, Luftnot, kalter Schweiß, zunehmender Schwindel, Kreislaufprobleme oder eine rasche Verschlechterung auftreten, dann bitte nicht mehr bis zum nächsten Routinetermin warten, sondern ärztlich akut vorstellen – im Zweifel Bereitschaftsdienst oder Klinik. Zur Brust selbst: Kühlen kann angenehm sein, aber bitte nicht aggressiv. Quarkwickel können subjektiv guttun, medizinisch entscheidend sind aber Entleerung ohne Gewalt, Schonung, passende Schmerztherapie und vor allem das richtige Antibiotikum. Nicht massieren, nicht „ausdrücken“, nicht mit Druck bearbeiten – das kann das Gewebe zusätzlich reizen. Stillen oder Abpumpen sollte möglichst so erfolgen, dass kein starker Milchstau entsteht, aber ohne Kampf und ohne Überstimulation. Und zum Schnuller: Da haben Sie völlig recht. Manche Kinder nehmen ihn, manche nicht. Das ist im Moment wirklich nicht Ihr Hauptproblem. Mia zeigt Ihnen sehr deutlich, was sie mag und was nicht. Sie müssen daraus keine zusätzliche Baustelle machen. Was Ihren Mann betrifft: Ja, er trägt gerade sehr viel. Aber das ist nicht Ihre Schuld. Das ist eine akute Familiensituation, kein Dauerzustand und kein persönliches Versagen. Gerade jetzt darf die Familie „im Notbetrieb“ laufen. Perfekte Abläufe, Haushalt, Schnullertraining, alles andere darf warten. Priorität haben jetzt: Ihre Infektion sicher in den Griff bekommen, Kreislauf stabilisieren, schlafen, trinken, essen, und Mia und Ihren Großen so gut es eben geht liebevoll versorgen lassen. Und noch etwas: Sie verpassen Mias Babyzeit nicht. Sie sind mittendrin. Selbst in diesem erschöpften Zustand beschreiben Sie ihre kleinen Laute, ihr Lächeln und ihre Blicke so liebevoll und genau – das ist keine abwesende Mutter. Das ist eine Mutter, die gerade krank ist und trotzdem mit dem Herzen ganz nah bei ihrem Kind bleibt. Für morgen wäre mein pragmatischer Rat: klare Verlaufskontrolle, Laborwerte einfordern, bei fehlender deutlicher Besserung Ultraschall der Brust, und bei auffälligem PCT oder anhaltendem Schüttelfrost eher eine Stufe vorsichtiger handeln als zu spät. Herzliche Grüße Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Herzlichen Dank für diese klare und warme Nachricht. Ich bin froh über Ihren Beistand. Ich habe mich einige Tage nicht gemeldet. Man könnte sagen, wir waren im Überlebensmodus und haben nichts auf die Kette bekommen. Ich habe von Montag auf Dienstag so Schmerzen in der Brust bekommen, dass ich dachte, sie explodiert. Sie wurde so heiß und rot. Das Fieber kletterte auf 39,8 und ich lag wie ein Häufchen Elend in meinem Bett und wusste nicht mal mehr, wie ich es hinbekommen soll, Mia zu stillen. Gleichzeitig brannte es in der Scheide noch mehr und ich merkte es im Hals Kratzen und fing an zu husten und mir war klar, dass ich mich zu allem Übel auch noch von unserem Sohn angesteckt habe. Die Nacht haben wir irgendwie im Notmodus überstanden und sind am nächsten Tag zur Frauenärztin gegangen, die mich sofort ins Krankenhaus geschickt hat. Sie hätte sogar einen Rettungswagen geholt, aber das wollte ich nicht. Vielleicht wäre es aber doch die bessere Idee gewesen, denn im Auto musste ich mich dann auch noch übergeben. Ich glaube, ich fand fast die Fahrt unter Wehen bei Mias Geburt ins Krankenhaus noch angenehmer als diese, obwohl die Wehen da schon sehr zackig alle 3 Minuten kamen und ich schon damit gekämpft habe. Im Krankenhaus wurde ein Abszess in der Brust festgestellt und dieser wurde sofort punktiert und ein Abstrich vom Keim genommen. Das orale Antibiotikum der FÄ scheint ja nicht gewirkt zu haben und so wurde von Dicloxacillin oral auf Piperacillin/Tazobactam und Clindamycin umgestellt intravenös umgestellt. Ich darf und soll am besten weiterstillen. Ich möchte das eigentlich auch gerne, ich liebe Mias und meine Stillbeziehung, weil es einfach mehr ist als Nahrungsaufnahme, es ist unsere Kuschelzeit, die Zeit, die ich mit ihr habe und kräftemäßig hinbekomme, für mich also sehr wertvoll. Aber gleichzeitig halte ich diese Brustprobleme langsam nicht mehr aus und will nur noch aufhören mit dem Stillen wenn es nicht bald besser wird. Aber wenn ich richtig verstanden habe, empfiehlt man bei Mastitis heute weiter zu stillen, auch bei Abszess? Die Abstrichergebnisse von Brust und Scheide stehen noch aus. Das Fieber ist etwas besser (etwa 38,5 statt 39), aber ich fühle mich noch immer krank. Vielleicht auch zusätzlich durch den niedrigen Hb, die Punktion, die Erkältung. Nasic ist wohl auch nicht stillverträglich? Ich schlafe so schlecht. Entweder die Brust weckt mich oder der Husten oder Mia wacht durch meinen Husten auf und dann sind wir beide wach. Oder mir wird wieder kalt, weil das Fieber steigt. Ich bräuchte einfach auch mal erholsamen Schlaf. Gegen den Husten darf ich ja auch nichts nehmen, weder schleimlösend noch hustenstillend und quäle mich herum. Ich gebe Ihnen mal Laborwerte: CRP 17,3 (FÄ Fr letzte Woche) → 29,7 (FÄ Montag diese Woche) → 40,0 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 45,4 (Mi nach Punktion) →  25,3 (heute) Leukozyten 13,1 → (FÄ Fr letzte Woche) → 14,0 (FÄ Montag diese Woche) → 14,5 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 14,9 (Mi nach Punktion) →  13,2 (heute) PCT 29,5 habe ich wohl falsch verstanden? → 0,31 (FÄ Montag diese Woche) → 0,36 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 0,40 (Mi nach Punktion) →  0,29 (heute) Kreatinin 1,19 (bei FÄ) → 1,10 (heute) Hb 8,5 bei FÄ vor Eiseninfusion → 9,0 Ist die Besserung ausreichend? Sieht es nach wirksamen Antibiotika aus auch wenn die Abstrichergebnisse noch auf sich warten lassen? Schlagen diese Antibiotika auch gegen gängige Keime der bakteriellen Vaginose an? Sollte der Hb mit einer weiteren Eiseninfusion erhöht werden? Sollte ich Nachfrage zur Niere stellen? Sie muss so viele Antibiotika und Schmerzmittel aushalten :( Mia akzeptiert noch dazu nach wie vor nicht die Flasche. Alleine deshalb traue ich mich schon nicht, abzustillen. Sie brüllt die Flasche nur an, selbst wenn sie hungrig ist. Wir haben es einmal 30 Minuten lang mit abgepumpter Milch in der Flasche probiert und Mia war nur am Schreien und hat nur auf dem Sauger herumgebissen als ob sie nicht wüsste was sie damit anfangen soll bis sie irgendwann so erschöpft und schluchzend in den Schlaf gefallen ist, natürlich nicht länger als 10 Minuten, weil sie ja hungrig war. Meine Hebamme hat es bei ihr auch mal mit der Flasche probiert und es war dasselbe. Sie hat aber bemerkt, dass Mia fast nur den Kopf nach links dreht. Sie weigert sich, ihn rechts zu lassen wenn man ihn für sie dreht. Sie saugt auch links stärker am Finger wenn man ihn ihr gibt, meine Hebamme meint, Mia ist verspannt und wir sollten mit ihr zur Osteopathie gehen. Sie hebt auch in Bauchlage nur jammernd den Kopf und nicht annähernd so hoch und lange wie unser Großer das mit 12 Wochen konnte. Ich würde ihr so gerne helfen, den Kopf auch in die andere Richtung zu drehen, aber ich weiß nicht wie und kämpfe einfach so mit mir selbst. Sie weint nach kürzester Zeit auch auf dem Bauch. Auf dem Rücken liegt sie dagegen ewig und lächelt und kommuniziert, man merkt richtig, wie sie erzählen will, vor allem wenn ihr Musik-Mobile spielt. Da ist sie viel kommunikativer als ihr Bruder das zu dem Zeitpunkt war. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie verspannt ist und osteopathie gut für sie wäre, aber dass die Flaschenverweigerung davon kommt, kann ich mir kaum vorstellen. Ihr Bruder wollte die Flasche irgendwann auch nicht mehr nehmen. Ich glaube eher, dass das typisch Stillkind ist und vielleicht auch ihre Art ist, auf die anstrengenden letzten Wochen zu reagieren. Was halten Sie von dem Ganzen falls Sie das aus der Ferne beurteilen können? Oder haben Sie Einfälle? Welche Hinweise haben Sie sonst? Dieser erneute Rückschritt ist schwer erträglich. Es nimmt mir viel von meiner Hoffnung, die ich hatte, als ich vom Krankenhaus heimkam. Man freut sich so, alles hinter sich zu lassen und dann kommt das nächste. Da könnte ich einfach weinen. Mein Mann hat sich auch noch genau wie ich mit diesem Virus bei unserem Sohn angesteckt und hat heute selbst leichtes Fieber und Gliederschmerzen und kann mir deshalb Heute auch nicht behilflich sein und Mia mal kurz im Krankenhaus abnehmen. Meine Eltern kommen vorbei, aber sie kennen Mias Vorlieben und Bedürfnisse nicht so gut wie mein Mann und ich, sodass sie mir nur bedingt eine Hilfe sind wenn sie sich auch sehr bemühen. Mia ist die einzige, die sich noch nicht angesteckt hat, was mich wundert, denn ihr Immunsystem ist sicherlich das schlechteste von uns allen. Oder es ist vielleicht, weil sie über die Milch meine Antikörper trinkt? Ich hoffe jedenfalls, dass es so bleibt. Sie ist so eine Süße, unter ihrem singenden Mobile tanzt sie geradezu und lacht und strampelt. Das haben wir mit ins Krankenhaus genommen, damit sie hier wenigstens auch etwas Spaß haben kann. Melde mich wieder wenn ich Energie und Zeit finde. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das ist wirklich unglaublich viel auf einmal. Mastitis mit Abszess, Fieber, Punktion, intravenöse Antibiotika, Schlafmangel, Husten, Schmerzen, Sorge um Mia, und dann auch noch Ihr Mann krank. Dass Sie sich gerade im „Überlebensmodus“ fühlen, ist absolut nachvollziehbar. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern schlicht eine extreme Belastung. Zu den Laborwerten: Die Entwicklung sieht vorsichtig ermutigend aus. Das CRP ist nach dem Anstieg jetzt deutlich von 45,4 auf 25,3 gefallen, die Leukozyten gehen ebenfalls etwas zurück, und das PCT ist niedrig bzw. rückläufig. Das spricht zumindest dafür, dass die Kombination aus Punktion des Abszesses und intravenöser Antibiotikatherapie greift. Entscheidend ist aber immer der klinische Verlauf: weniger Fieber, weniger Krankheitsgefühl, weniger Rötung/Überwärmung/Spannung der Brust und kein erneuter Abszess im Ultraschall. Die Abstrichergebnisse sind natürlich wichtig, damit man die Antibiotika gegebenenfalls gezielt anpassen kann. Dass Sie weiterstillen dürfen und sollen, entspricht tatsächlich meist dem heutigen Vorgehen – auch bei Mastitis und in vielen Fällen auch nach Abszesspunktion, sofern es von der behandelnden Klinik so beurteilt wird. Weiteres Entleeren der Brust ist oft wichtig, damit sich die Situation nicht wieder staut. Gleichzeitig muss man ganz klar sagen: Wenn Sie körperlich und seelisch irgendwann nicht mehr können, darf auch über ein sehr behutsames Reduzieren gesprochen werden. Aber bitte keinesfalls abrupt abstillen, gerade nicht in dieser Situation, weil das die Brustprobleme eher verschlimmern könnte. Piperacillin/Tazobactam und Clindamycin decken ein breites Keimspektrum ab. Clindamycin wirkt auch gegen viele anaerobe Keime, die bei bakterieller Vaginose eine Rolle spielen können. Trotzdem würde ich die Scheidenbeschwerden nicht „nebenbei mitbehandelt“ abhaken, sondern die Abstrichergebnisse abwarten und dann gezielt entscheiden, ob lokal oder systemisch noch etwas Sinnvolles nötig ist. Zum Hb: 9,0 ist niedrig, aber nach Infektion, Geburt/Wochenbett und Entzündung nicht überraschend. Ob eine weitere Eiseninfusion sinnvoll ist, hängt von Ferritin, Transferrinsättigung, Entzündungsaktivität, Beschwerden und Verträglichkeit ab. Das würde ich im Krankenhaus ruhig aktiv ansprechen. Gerade wenn Sie so erschöpft sind, kann eine gute Eisenversorgung später viel ausmachen – aber während einer akuten Infektion wird man das individuell abwägen. Das Kreatinin würde ich ebenfalls ansprechen. Es ist gut, dass es von 1,19 auf 1,10 gefallen ist. Trotzdem ist es bei Fieber, Antibiotika, Schmerzmitteln und möglicherweise wenig Trinken sinnvoll, die Nierenwerte und Elektrolyte weiter zu kontrollieren. Wichtig wäre auch, dass Schmerzmittel wie Ibuprofen nur in der Dosis und Dauer genommen werden, die die Klinik in Ihrer Situation für vertretbar hält. Wegen Husten, verstopfter Nase und Schlaf: Bitte fragen Sie dort ganz konkret nach stillverträglichen Möglichkeiten. Oft gibt es mehr Optionen, als man in der akuten Sorge denkt – auch Nasensprays oder bestimmte Hustenmaßnahmen können unter Stillen je nach Präparat und Dauer möglich sein. Das sollen aber bitte die Ärztinnen und Ärzte vor Ort mit Blick auf Ihre Gesamtsituation freigeben. Schlaf ist gerade keine Nebensache, sondern Teil Ihrer Genesung. Zu Mia: Dass sie die Flasche verweigert, kann bei Stillkindern tatsächlich vorkommen und muss nicht bedeuten, dass etwas „Schlimmes“ dahintersteckt. Gleichzeitig finde ich die Beobachtung der Hebamme wichtig: wenn Mia den Kopf fast nur nach links dreht, sich gegen rechts wehrt und in Bauchlage sehr schnell unglücklich wird, sollte man das anschauen lassen. Ich würde hier nicht nur an Osteopathie denken, sondern auch kinderärztlich bzw. physiotherapeutisch abklären lassen, ob eine einseitige Verspannung, Blockierung, bevorzugte Haltung oder beginnende Kopfasymmetrie vorliegt. Oft helfen schon sanfte Lagerungs- und Übungsstrategien sehr gut. Und ja: Eine solche Asymmetrie kann durchaus das Trinken, Saugen, Andocken und auch die Akzeptanz bestimmter Positionen beeinflussen – sie muss aber nicht der einzige Grund für die Flaschenverweigerung sein. Bis dahin würde ich keinen Kampf mit der Flasche machen. Wenn Mia dabei schreit und erschöpft einschläft, verknüpft sie die Flasche eher noch negativer. Manchmal geht es besser, wenn eine andere Bezugsperson die Flasche anbietet, wenn das Baby noch nicht völlig hungrig ist, in halb schlaftrunkenem Zustand, mit anderer Saugerform, in anderer Position oder auch einmal mit Becher/Spritze/Löffel unter Anleitung. Aber aktuell ist das Wichtigste: Mia bekommt Nahrung, und Sie werden medizinisch stabiler. Dass Mia bisher gesund geblieben ist, kann tatsächlich mit Stillen und den über die Muttermilch übertragenen Antikörpern zusammenhängen. Eine Garantie ist das nicht, aber es ist ein schöner Schutzfaktor. Und wie Sie sie beschreiben – lachend, strampelnd, kommunizierend unter ihrem Mobile – klingt das trotz allem nach einem kleinen Mädchen, das sehr viel Lebenskraft zeigt. Bitte versuchen Sie, sich innerlich nicht daran zu messen, was Sie gerade „schaffen“. Sie sind nicht in einer normalen Familiensituation, sondern krank im Krankenhaus mit einem gestillten Baby und einem Infekt obendrauf. Jetzt zählt nur: Infektion kontrollieren, Brust entlasten, Schlaf ermöglichen, Schmerzen reduzieren, Mia ernähren, Hilfe annehmen. Alles andere darf gerade klein werden. Und ganz wichtig: Sollten Fieber, Brustschmerz oder Rötung wieder zunehmen, Schüttelfrost zurückkommen, der Allgemeinzustand schlechter werden oder sich erneut eine gespannte Stelle bilden, bitte sofort im Krankenhaus ansprechen – dann muss man rasch erneut kontrollieren, ob noch ein Abszessanteil besteht. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass jetzt endlich die Trendwende kommt. Die fallenden Entzündungswerte sind jedenfalls ein erstes gutes Zeichen. Halten Sie sich daran fest – nicht als falsche Sicherheit, aber als berechtigten kleinen Hoffnungspunkt. Herzliche Grüße Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Vielen lieben Dank für Ihre schnelle klare herzliche Antwort. Ich bin wirklich emotional durch. Mia wird am Freitag schon drei Monate alt und ich konnte sie noch gar nicht genießen. Die Babyzeit geht so schnell vorbei und das erste Viertel ist jetzt schon rum und ich habe davon fast noch nichts genießen können. Zwischen Fieber und Schmerzen ist das alles einfach ein Überlebensmodus :( Es musste gestern Abend wieder nachgebessert werden, also nochmal Punktion der Brust. Ich bekam am späten Nachmittag ganz schlimm Schüttelfrost, meine Zähne haben richtig geklappert und als die Schwester gemessen hat, war es 39,8. Mir wurde so schlecht, kalt, schlapp, ich musste mich übergeben. Was mir etwas Sorgen bereitet, ist, dass die Laborwerte wieder gestiegen sind, auch heute noch 12h nach Punktion und dass auch eine Blutkultur gemacht wurde. Ist das normal und kann einfach an der Punktion liegen, so wie es bei den Abszess-Operationen der Gebärmutter auch war? So hatte ich es verstanden. Zumindest von den Schmerzen, der Überhitzung, der Rötung und dem Fieber ist es heute besser als gestern, aber richtig gut ist es noch nicht. Das Fieber ist wieder so bei 38,5-38,7 wenn die Ibu nicht mehr wirkt. Ich darf gerade nur alle 8 Stunden eine Ibu 400 bekommen wegen der Nierenfunktion. Aber damit geht es mir spätestens nach 5 Stunden nicht mehr gut und dann muss ich immer 3 Stunden so aushalten, in denen es mir schlecht geht, ich friere und die Brust tut so weh. Wenn Mia dann genau in dieser Zeit Bespaßung wünscht, komme ich absolut an meine Grenzen. Gibt es denn andere nierenfreundliche Schmerzmittel nach denen ich mal konkret fragen könnte?  Ich gebe Ihnen Laborwerte: CRP 17,3 (FÄ Fr letzte Woche) → 29,7 (FÄ Montag diese Woche) → 40,0 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 45,4 (Mi nach Punktion) →  25,3 (So Früh) → 34,1 (So Abend bei Schüttelfrost) → 39,0 (heute Morgen) Leukozyten 13,1 → (FÄ Fr letzte Woche) → 14,0 (FÄ Montag diese Woche) → 14,5 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 14,9 (Mi nach Punktion) →  13,2 (So) Früh) → 14,1 (Do Abend bei Schüttelfrost) → 14,4 (heute Morgen) PCT 0,31 (FÄ Montag diese Woche) → 0,36 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 0,40 (Mi nach Punktion) →  0,29 (So Früh) → 0,40 (So vor Punktion) → 0,45 (heute Morgen) Kreatinin 1,19 (bei FÄ) → 1,10 (So) → 1,12 (heute Morgen) Hb 8,5 bei FÄ vor Eiseninfusion → 9,0 →9,0 Ferritin 17 → 35 → 38 → 40 Transferrinsättigung 14% Wie empfinden Sie den Anstieg bei CRP und Leukozyten seit der Punktion? Ich sollte eigentlich schon heute Vormittag eine Eiseninfusion bekommen, aber ich warte noch immer darauf. Macht das bei meinen Blutwerten Sinn? Gegen den Husten darf ich Dextrometorphan vor dem Schlafengehen abends nehmen. Es wundert mich allerdings, weil ich online lese, dass die Stillzeit eine Kontraindikation darstellt. Wie sehen Sie das? Nasic darf ich nehmen wenn es nur 1 Mal täglich ist. In der Schwangerschaft hatte ich mich nur getraut, Nasic für Kinder zu nehmen. Hier würde man mich auch das für Erwachsene nehmen lassen. Wie stehen Sie dazu? Ich bin sehr froh über Ihren Tipp, Mia wegen Ihres Kopfes mal einem Kinderarzt vorzustellen. Im Krankenhaus hieß es zuerst, da müsste ich ambulant zu unserem Kinderarzt gehen, weil es ja jetzt kein Notfall sei und nicht im Vordergrund stünde. Das verstehe ich natürlich, aber wer weiß, wie lange ich dieses Mal hier liege? Ich habe ganz höflich meine Angst ausgedrückt, das ich nicht möchte, dass Mia eine Entwicklungsverzögerung entwickelt, weil sie vielleicht eine Asymmetrie oder Blockade hat, die keiner entdeckt oder behandelt hat. Es hieß dann, jemand würde nach ihr schauen. Bis jetzt noch nicht. Ich bleib dran. Mir macht das schon Sorgen, dass sie ihren Kopf nur minimal hebt und auch da jammert sie nach max. 1 Minute und legt den Kopf dann ab. Und sie übt ihn auch dann immer über die linke Seite. Selbst mit den Kontrastkarten oder mit anderem Spielzeug kann ich sie nicht motivieren, weiter zu machen. Sie hört erst auf zu jammern, wenn man sie zurück auf den Rücken dreht oder hochnimmt. Jetzt probiere ich es öfter aber dafür kürzer. Aber auch da mag sie die Bauchlage überhaupt nicht. Unser Großer war richtig gut darin und hat sich schnell drehen können und ist sehr bald gekrabbelt und hat sich sehr bald überall hochgezogen. Vielleicht vergleiche ich sie auch zu viel mit ihm. Jedes Kind ist anders. Aber ich möchte kein Problem übersehen.  Am schwersten fällt es mir gerade, dass unser Großer Mia und mich wieder so vermisst. Er hat mir gestern weinend gesagt, dass er will, dass wir nach Hause kommen und mich gefragt, wann ich wieder da bin. Die Tatsache, dass ich ihm darauf keine richtige Antwort geben kann, ist für mich schwer auszuhalten. Und es hat mich emotional wirklich gebeutelt, zu hören, dass er Mia jetzt abends gar keinen Gutenachtkuss geben kann. Es ist wie die kurze Hoffnung auf ein normales Familienleben, die mit einem Wusch wieder schwindet.  Freue mich auf Ihre Antwort und Anmerkungen. Melde mich wenn ich wieder Kraft dazu habe. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das tut mir wirklich sehr leid zu lesen. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie emotional völlig erschöpft sind. Drei Monate nach der Geburt immer noch zwischen Schmerzen, Fieber, Krankenhaus, Brustpunktionen, Sorgen um Mia und Sehnsucht nach Ihrem Sohn zu stehen, ist nicht „ein bisschen belastend“, sondern eine extreme Situation. Dass Sie das gerade kaum noch aushalten können, ist keine Schwäche, sondern absolut nachvollziehbar. Zu den Laborwerten: Der erneute Anstieg von CRP, Leukozyten und PCT nach erneuter Punktion und Schüttelfrost passt grundsätzlich zu einer noch aktiven Entzündungssituation. Nach einer Punktion oder Drainage kann es durch Manipulation am entzündeten Gewebe auch noch einmal zu einem vorübergehenden Anstieg der Entzündungswerte kommen. Entscheidend ist aber nicht ein einzelner Wert, sondern der Verlauf zusammen mit Ihrem klinischen Befinden. Dass es Ihnen heute im Vergleich zu gestern bezüglich Schmerzen, Überwärmung, Rötung und Fieber bereits besser geht, ist ein wichtiges positives Zeichen. Gleichzeitig zeigen die Werte und das wiederkehrende Fieber, dass die Situation weiterhin ernst genommen und engmaschig kontrolliert werden muss. Dass eine Blutkultur abgenommen wurde, finde ich in dieser Konstellation richtig und vernünftig — nicht, weil damit automatisch etwas Schlimmes bewiesen wäre, sondern weil man bei Schüttelfrost und hohem Fieber sicher ausschließen bzw. erkennen möchte, ob Keime ins Blut übergetreten sind. Bitte fragen Sie auf Station auch konkret, ob das Antibiotikum zur bisherigen Keimlage passt, ob ein Abstrich/Kultur aus dem Punktat vorliegt und ob sonographisch ausreichend entlastet wurde oder ob noch Resthöhlen bestehen. Bei einem Brustabszess ist die Kombination aus passender Antibiotikatherapie und guter Drainage entscheidend. Wegen der Schmerz- und Fiebersituation sollten Sie unbedingt noch einmal konkret nach einem nierenfreundlicheren zusätzlichen Schema fragen. Wenn Ibuprofen wegen der Nierenwerte nur begrenzt gegeben werden darf, kommt häufig Paracetamol als Ergänzung infrage, sofern Leberwerte und sonstige Umstände dagegen nicht sprechen. Das kann man oft zeitversetzt einsetzen, damit diese schlimmen Lücken zwischen den Ibuprofen-Gaben nicht so hart werden. Bitte sprechen Sie das aktiv an: „Gibt es für mich ein festes Schmerz- und Fieberschema, zum Beispiel mit Paracetamol zusätzlich, damit ich nicht nach fünf Stunden wieder völlig abstürze?“ Genau dafür ist das Stationsteam da. Die Eiseninfusion halte ich bei Hb um 9, Ferritin noch niedrig und Transferrinsättigung von 14 % grundsätzlich für sinnvoll, gerade nach dieser langen Belastung, Entzündung und Erschöpfung. Allerdings entscheidet die Klinik, wann der beste Zeitpunkt ist. In einer akuten Infektphase wird Eisen manchmal etwas zurückgestellt, weil man zuerst die Entzündung stabilisieren möchte. Aber grundsätzlich ist die Idee, Ihre Eisenspeicher wieder aufzufüllen, sehr nachvollziehbar. Zu Dextromethorphan: In der Stillzeit wird Dextromethorphan in üblicher Dosierung heute nicht grundsätzlich als problematisch angesehen. Embryotox beschreibt, dass keine Berichte über symptomatische Säuglinge vorliegen und bei üblichen Einzeldosen kaum Probleme zu erwarten sind; LactMed bewertet die Mengen in der Muttermilch als sehr niedrig. Wichtig ist, Kombinationspräparate mit Alkohol oder ungünstigen Zusatzstoffen zu vermeiden und es möglichst nur kurz und gezielt, zum Beispiel abends, einzunehmen. Auch Xylometazolin-Nasenspray, also z. B. Nasic, ist in der Stillzeit bei kurzer Anwendung und üblicher Dosierung grundsätzlich vertretbar. Embryotox schreibt, dass wegen der lokalen Anwendung nur mit einem geringen Übergang in die Muttermilch gerechnet wird. Ich würde trotzdem sparsam bleiben: so kurz wie möglich, so selten wie nötig, bevorzugt abends, und nicht länger als wenige Tage. Wenn Ihnen die Kinderdosis reicht, ist das natürlich völlig in Ordnung; wenn die Nase aber wirklich dicht ist, ist auch die Erwachsenendosis kurzzeitig nicht automatisch falsch. Wegen Mia finde ich Ihren Instinkt richtig. Sie müssen sich nicht verrückt machen, aber Sie dürfen dranbleiben. Nicht jedes Kind liebt die Bauchlage, und der Vergleich mit dem großen Bruder ist nur begrenzt hilfreich — jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Aber wenn Mia den Kopf fast nur über eine Seite hebt, sehr schnell jammert und die Bauchlage kaum toleriert, dann ist eine kinderärztliche Einschätzung sinnvoll. Nicht als Notfall, aber auch nicht als etwas, das man ewig schieben sollte. Es geht ja nicht darum, etwas Dramatisches zu vermuten, sondern eine Asymmetrie, Blockade, muskuläre Spannung oder eine beginnende Lagepräferenz früh zu erkennen. Ihre Idee, lieber öfter und dafür ganz kurz zu üben, ist genau richtig. Und zu Ihrem Sohn: Das ist wahrscheinlich im Moment der schmerzhafteste Teil. Sie wollen für beide Kinder da sein, und ausgerechnet jetzt werden Sie wieder herausgerissen. Aber bitte versuchen Sie, sich nicht die Schuld dafür zu geben. Ihr Sohn leidet nicht, weil Sie ihn im Stich lassen, sondern weil er Sie liebt und vermisst. Das ist etwas anderes. Vielleicht kann man ihm jeden Abend ein kleines festes Ritual geben: eine Sprachnachricht von Ihnen, ein Foto von Mia, ein kurzer Video-Gutenachtkuss, immer zur gleichen Zeit. Kinder halten Unsicherheit besser aus, wenn es wenigstens ein kleines verlässliches Ritual gibt. Im Moment ist das Wichtigste: Die Entzündung muss wirklich zur Ruhe kommen, die Brust muss ausreichend entlastet sein, das Antibiotikum muss passen, und Sie brauchen ein besseres Schmerz- und Fieberschema. Bitte bitten Sie ruhig ausdrücklich darum. Sie müssen diese drei schlechten Stunden zwischen den Gaben nicht tapfer „wegatmen“, wenn es eine medizinisch sinnvolle Alternative gibt. Ich wünsche Ihnen sehr, dass jetzt endlich der Wendepunkt kommt. Und auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt: Diese Babyzeit ist nicht verloren. Mia spürt Ihre Nähe auch im Krankenhaus, auch im Überlebensmodus, auch dann, wenn Sie nicht so können, wie Sie gerne möchten. Sie sind da — und das zählt sehr viel mehr, als Sie im Moment vielleicht fühlen können. Melden Sie sich einfach, wenn Sie wieder Kraft haben. Herzliche Grüße F. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich komme mir schon langsam blöd vor, immer und immer wieder denselben Dank zu äußern. Doch ich muss sagen, dass es auch wirklich so ist, dass Sie unglaublich viel leisten für mich und das ganz nebenbei zu Ihrem Alltag in Ihrer eigenen Praxis. Das verdient wirklich große Anerkennung! Sie schreiben immer so ausführliche und verständliche Antworten. Und Sie haben dabei auch immer viel Verständnis für die emotionalen Gefühle, die mit so einer Krankheitsphase einhergehen. Und oft sogar Ratschläge, wie ich dieses Dilemma auf ganz pragmatisch menschlicher Seite am besten lösen kann. Heute ist Mia genau 3 Monate alt, schon drei Monate seit der Geburt, drei Monate Mia, aber auch fast drei Monate Krankheit. Ich fühle mich wirklich maximal belastet und dann kommt noch dazu, dass ich das Gefühl habe, keinem meiner beiden Kinder gerade das bieten zu können, was sie gerne hätten. Mein Sohn hätte gerne eine Mama, die zu Hause ist, ihm vorliest, mit ihm spielt, mit ihm herumalbert, rennt und tobt und nichts davon kann ich leisten. Und Mia kommt zu Hause auch besser klar als hier mit mir alleine im Krankenhaus. Zu Hause hat das Einschlafen in ihrer Wiege zuletzt so gut geklappt. Man konnte sie ablegen und mit etwas wiegen ist sie von selbst eingeschlafen. Hier klappt das gar nicht, weil wir keine Wiege haben. Sie schreit sich ein wenn ich sie ablege, schläft also nur auf mir ein oder oft nur wenn ich sie herumtrage und genau das ist in meinem fiebrigen Zustand für mich so anstrengend. Sobald ich sie ablege, wacht sie entweder direkt auf oder schläft maximal einen Schlafzyklus, also so 30-35 Minuten. Dann wacht sie gähnend auf, ist eigentlich noch hundemüde, gleichzeitig hungrig und suchend, aber findet nicht zurück in den Schlaf außer ich lasse sie an der Brust nuckeln, was mir mit der Mastitis gerade nicht so guttut. So trinkt sie gefühlt auch ständig, aber schläft jedes Mal schnell an der Brust ein und trinkt dadurch gefühlt zwar wahnsinnig oft aber auch immer nur ganz wenig. Dann tut mir wieder die Brust weh. Sie müsste einfach mal richtig schlafen und dann im fitten Zustand richtig gut trinken, aber seit ein paar Tagen klappt das gar nicht gut. Nachts hat sie zu Hause manchmal bis früh um 5 schon durchgeschlafen, hier wacht sie alle 2 Stunden unruhig auf und will trinken und ich selbst komme nicht wirklich zur Ruhe. Kann das am Ortswechsel liegen? Ich habe das Gefühl, ihr gefällt es hier auch nicht und ich werde ihren Bedürfnissen nicht gerecht. Das fühlt sich für eine Mama schrecklich an. Und dann lächelt sie mich wieder so süß an, gestern sogar zwei Mal schon mit Ton, fast juchzend, dann schmelze ich wieder dahin und bin so froh, sie zu haben. Täglich entdeckt sie etwas Neues, das ist schon schön anzusehen und erwärmt das Herz. Ihre Hände entdeckt sie auch zunehmend. Wenn man ihr ein dünnes raschelndes Tuch gibt, kann sie das schon etwas greifen. Ich würde sagen eher noch unbewusst und nur kurz, aber es ist ein Anfang. Sie hat es heute sogar schon mal zum Mund geführt und daran gelutscht und ich habe das Gefühl, die orale Phase beginnt schon langsam. Mein Mann ist zwar noch immer ziemlich erkältet, aber er sagt, er hat kein Fieber mehr und fühlt sich etwas fitter. Vielleicht könnte er Mia einfach mal zum Spaziergang im Kinderwagen mit rausnehmen. Für mich ist das unglaublich anstrengend, sie dauernd in den Schlaf zu wiegen und dabei herumzulaufen. Ich habe diese Kraft nicht ständig und fühle mich auch noch immer schwindelig. Sie trinkt momentan auch gut und hat jetzt von 2920g Geburtsgewicht auf 5,1 kg zugenommen. Ist das nach unseren Startschwierigkeiten mit genau 3 Monaten ganz gut? Zierlich war sie ja von Anfang an und ist sie noch immer. Babyspeck findet man bei ihr nicht, aber sie hat trotzdem kleine Pausbäckchen und sieht jetzt nicht abgemagert aus, nur eben schlank. Gewachsen ist sie schon ordentlich, denn die Größe 50/56 wird jetzt zu klein und wir wechseln gerade auf 62/68. Der Abstrich aus der Brust ergab zwar Staphylococcus aureus, aber einen resistenten (MRSA). Warum kriege ich immer gleich die resistenten Keime ab? Das belastet mich und macht Angst. Ist es wahrscheinlich, dass sich deshalb der Abszess gebildet hat? Ich wurde deshalb seit Mittwoch auf Vancomycin umgestellt. Mich wundert das, weil es doch nierenschädigend ist? Und mein Kreatininwert ist nach wie vor nicht prickelnd (heute 1,15). Wie genau sollte man sichergehen, dass die Nieren das mitmachen? Ich bin auch hin-und hergerissen was das Stillen angeht. Mir quatschen da auch so viele rein. Meine Mutter, Freundinnen, … alle meinen es lieb, aber keiner versteht die Lage wirklich wenn er mir sagt „Still doch einfach ab.“ So einfach ist das nicht. Mir raten hier auch alle dazu, nicht abzustillen, weil es den Milchstau noch mehr erhöhen kann. Als ich bei unserem Sohn abgestillt habe, hatte ich auch schon kurzzeitig einen Milchstau. Außerdem schreit Mia die Flasche ja nur an. Ich denke doch mal, dass sie sich nicht vor Hunger sterben lassen würde und die Flasche schon akzeptieren würde, wenn es mehrere Male nacheinander keine Brust gibt. Aber ich kann mir die Tortur vorstellen, ihr Geschrei und sie wird sicherlich mehrere Male gar nicht trinken bis sie vor Hunger und Verzweiflung gar nicht mehr weiterweiß. Außerdem finde ich es eigentlich so schön, sie zu stillen. Ich liebe unsere innige Stillbeziehung, nur eben nicht so unter Schmerzen und Fieber. Denken Sie, es wäre eine gute Idee, dem Vancomycin eine letzte Chance zu geben bevor ich entscheide abzustillen? Mir geht es heute noch nicht berauschend, die Brust ist schon noch rot und heiß und schmerzhaft, aber weniger und es ist wenigstens heute noch kein Schüttelfrost aufgetreten, wenn ich Ibuprofen und Paracetamol im Wechsel nehme und die Temperatur steigt damit nicht über 38,2. Aber in Sicherheit darf ich mich damit vermutlich nicht wiegen, denn Ibuprofen und Paracetamol verschleiern das Fieber sicherlich wenn ich alle 5-6 Stunden etwas einnehme? Paracetamol wurde mir erlaubt. Meine Leberwerte sind gut. Das nimmt mir viel Leiden. Da danke ich Ihnen sehr für diesen Vorschlag! Ist Paracetamol auch wirklich stillverträglich und Vancomycin auch? Meine arme kleine Maus bekommt durch mich ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel nach dem anderen :( Momentan ist mir immer wieder richtig übel und essen ist dann eine Quälerei. Woher kann denn das kommen? Ich hoffe, die kleine Mia bekommt dann über die Milch genügend Nährstoffe. Und immerhin der Wochenfluss ist jetzt so gut wie weg, nur noch ganz leicht gelblicher Ausfluss. Denken Sie eigentlich, dass ich nochmal nach einem Ultraschallcheck der Gebärmutter fragen sollte? Normalerweise hat man doch 6-8 Wochen nach Geburt eine Nachuntersuchung, aber die fiel bei mir mehr oder weniger weg, weil ich ja ständig Endometritis hatte und dauernd Abszesse und Ultraschalluntersuchungen. Laborwerte: CRP 17,3 (FÄ Fr letzte Woche) → 29,7 (FÄ Montag diese Woche) → 40,0 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 45,4 (Mi nach Punktion) →  25,3 (So Früh) → 34,1 (So Abend bei Schüttelfrost) → 39,0 (Mo) → 42,3 (Di) → 49,7 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 47,5 (Do) → 39,6 (heute) Leukozyten 13,1 → (FÄ Fr letzte Woche) → 14,0 (FÄ Montag diese Woche) → 14,5 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 14,9 (Mi nach Punktion) →  13,2 (So) Früh) → 14,1 (Do Abend bei Schüttelfrost) → 14,4 (Mo) → 14,8 (Di) → 15,3 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 15,0 (Do) → 14,3 (heute) PCT 0,31 (FÄ Montag diese Woche) → 0,36 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 0,40 (Mi nach Punktion) →  0,29 (So Früh) → 0,40 (So vor Punktion) → 0,45 (Mo) → 0,46 (Di) → 0,46 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 0,41 (Do) → 0,40 (heute) Zeigen die Werte, dass Vancomycin beginnt zu wirken? Der Anstieg die letzten Tage macht mir Angst. Und was bedeutet es, dass PCT sich die letzten Tage nicht so groß verändert hat? Und warum wird denn Eisengabe, also Infusion oft zurückgestellt während akuter Entzündung? Es wird noch immer abgewartet mit der Gabe. Ich glaube, mir würde das so guttun. Mein Mann hat einen Weg entdeckt, wie wir die Bauchlage trainieren können und Mia anstatt 1 Minute zumindest 3-4 Minuten mitmacht: er legt sich auf den Rücken, nimmt die Beine angewinkelt hoch und legt Mia dabei mit ihrem Bauch auf seine Unterschenkel. Ihr Kopf ist dann in der Luft und schaut auf seinen Bauch. Auf seinem Brustkorb liegt dann eine Kontrastkarte, die Mia anschauen kann, wenn sie Kopf hoch genug hebt. Auf diese Art hebt sie ihren Kopf mehr, weil sie gar nicht anders kann. Wie finden Sie diese Übung? Kennen Sie noch andere, die Mias Nackenmuskulatur stärken? Mit meiner Hebamme habe ich telefoniert. Sie hat uns empfohlen, die Bauchlage mit einer Handtuchrolle zu trainieren, die Mia beim Heben des Köpfchens etwas stützen kann. Ein Kinderarzt hat sie immernoch nicht angeschaut. Ich werde nochmal darum bitten :( Kann die Tatsache, dass sie den Kopf mehr nur nach links dreht und sich in Bauchlage so unwohl fühlt und auch den Kopf nur wenig hebt, mit der Saugglockengeburt zusammenhängen? Treten da öfter Kopfasymmetrien oder Blockaden auf? Ich weiß noch, dass die Hebamme während der Pressphase sagte, dass die kleine Maus sich aber auch richtig gedreht hat um heraus zu kommen und sie wirklich nah dran war, weil ihre vielen dunklen Haare ja schon sichtbar waren. Aber bei jedem Pressen kam sie ein Stück weit raus und rutschte dann gleich wieder zurück, wie damals bei unserem Großen, nur durch die BEL hat es dann einen sekundären Kaiserschnitt gebraucht. Wir haben das Pressen bei Mias Geburt ja unzählige Male ohne Saugglocke probiert in den für mich unaushaltbarsten Positionen und ich den Arzt schon anflehte, dass wir bitte nicht schon wieder kurz vor dem Ende einen Kaiserschnitt machen müssen. Dann schlug der Arzt die Saugglocke vor. Nach der Saugglockengeburt wurde Mias ganzer Kopf in der Kinderklinik genau mit Ultraschall untersucht und es war alles in Ordnung. Aber vermutlich ging es dabei darum, andere Schäden durch die Saugglocke auszuschließen und eine Blockade oder Asymmetrie hätte man so sowieso nicht festgestellt? Links war auf jeden Fall von Anfang an ihre bevorzugte Kopfseite. Unser Sohn spürt natürlich die Unsicherheit, er spürt, dass mit Mama schon wieder etwas nicht stimmt. Und es macht ihm auch Angst. Er versteht mit seinen 4 Jahren natürlich nicht die Details, aber er versteht, dass Mama krank ist und nicht mit ihm spielen kann. Mein Mann sagt, er ist zu Hause gerade sehr anhänglich, als ob er Verlustängste hätte. Ihre Ideen für Rituale aus der Ferne finde ich klasse. Seit gestern Abend zu seiner Schlafenszeit um 19:30 Uhr machen wir ein kurzes Videotelefonat. Dann bekommt er von mir einen Gutenachtkuss und von Mia jeden Morgen zum Aufstehen ein aktuelles Foto. Das tut ihm gut und damit auch mir :) Ich freue mich auf Ihre Anmerkungen und habe ein schlechtes Gewissen, heute so viel geschrieben zu haben und jetzt mussten Sie einen Roman von mir lesen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Bitte kein schlechtes Gewissen. Sie schreiben keinen „Roman“, sondern Sie beschreiben eine extrem belastende Ausnahmesituation: drei Monate Mia – aber eben auch fast drei Monate Krankheit, Schmerzen, Fieber, Krankenhaus, Sorge um zwei Kinder und ständig neue Entscheidungen. Dass Sie erschöpft, traurig, gereizt, verunsichert und gleichzeitig voller Liebe für Mia sind, ist nicht widersprüchlich. Das ist genau das, was eine gute Mutter in Überlastung erlebt. Und ganz wichtig: Sie werden Ihren Kindern gerade nicht „nicht gerecht“. Sie sind krank. Das ist etwas völlig anderes. Ihr Sohn bekommt gerade trotzdem Verbindung: das Abendtelefonat, der Gutenachtkuss, Mias Foto am Morgen. Das sind kleine Rituale, aber für ein vierjähriges Kind können sie sehr viel Halt geben. Zu Mia: Gewicht, Schlaf und Trinken Von 2920 g auf 5100 g mit genau 3 Monaten ist nach den Startschwierigkeiten insgesamt sehr ordentlich. Sie ist offenbar ein zierliches, aber wachsendes Kind. Dass Größe 50/56 zu klein wird und Sie auf 62/68 wechseln, passt ebenfalls dazu. Entscheidend ist weniger, ob sie „Babyspeck“ hat, sondern ob sie wach, interessiert, rosig, zunehmend aktiv ist, ausreichend nasse Windeln hat und auf ihrer Kurve weiterwächst. Dass Mia im Krankenhaus schlechter schläft, halte ich für sehr gut möglich. Babys reagieren auf Ortswechsel, andere Geräusche, anderes Licht, andere Gerüche, Ihre eigene Anspannung und den fehlenden gewohnten Ablauf. Eine Wiege, die zu Hause gut funktioniert hat, fehlt hier; stattdessen ist sie mehr an Ihnen, sucht mehr Brust, schläft kürzer und trinkt kleinteiliger. Das ist nicht automatisch ein Zeichen, dass etwas Grundsätzliches schiefläuft – es kann schlicht ein Krankenhaus- und Stressmodus sein. Wenn Ihr Mann fieberfrei ist, sich besser fühlt und hygienisch vorsichtig ist, wäre ein Spaziergang mit Mia im Kinderwagen vermutlich sehr sinnvoll: für Mia, für ihn – und vor allem für Sie. Sie brauchen Schlafpausen. Das ist keine Schwäche, sondern Therapie. MRSA, Abszess und Vancomycin MRSA klingt bedrohlich, und ich verstehe sofort, warum Sie denken: „Warum bekomme ich auch das noch?“ Aber: MRSA bedeutet nicht, dass Sie „schuld“ sind oder dass Ihr Körper versagt. Solche Keime können auf Haut und Schleimhäuten vorkommen oder im medizinischen Umfeld übertragen werden. Wenn eine Brust durch Milchstau, Gewebedruck, Entzündung und kleine Eintrittspforten belastet ist, kann sich daraus leider eine bakterielle Mastitis und auch ein Abszess entwickeln. Ja: ein resistenter Staphylococcus aureus kann erklären, warum die Entzündung hartnäckiger war und warum sich ein Abszess gebildet oder gehalten hat. Beim Abszess ist aber nicht nur das Antibiotikum entscheidend, sondern auch die Entlastung/Drainage. Antibiotika allein kommen in eine Abszesshöhle oft schlechter hinein. Vancomycin ist bei MRSA eine nachvollziehbare Therapie. Es ist ein starkes Medikament, aber genau deshalb wird es im Krankenhaus eingesetzt, wenn man es braucht. Niere und Vancomycin Ihre Sorge wegen Kreatinin 1,15 ist berechtigt – nicht panisch, aber berechtigt. Vancomycin kann nierenschädigend sein, vor allem bei höheren Spiegeln, längerer Therapie, Austrocknung oder Kombination mit weiteren nierenschädigenden Medikamenten. Moderne Empfehlungen zielen darauf, die Vancomycin-Exposition therapeutisch, aber nicht unnötig hoch zu halten; häufig wird dafür ein Spiegel-/AUC-Monitoring verwendet. Zielbereiche um AUC 400–600 mg*h/L werden in aktuellen Monitoring-Empfehlungen genannt. Praktisch heißt das für Sie: Im Krankenhaus sollte man auf Folgendes achten: Vancomycin-Spiegel kontrollieren und die Dosis daran anpassen. Kreatinin/eGFR regelmäßig kontrollieren, bei instabiler Situation eher engmaschig. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherstellen, soweit medizinisch erlaubt. Andere nierenschädigende Medikamente möglichst vermeiden oder bewusst abwägen. Bei ansteigendem Kreatinin frühzeitig Infektiologie/Nephrologie mitdenken. Ibuprofen ist bei Mastitis sehr hilfreich, aber bei auffälliger Niere sollte das Team die Dosis und Dauer bewusst im Blick behalten. Stillen unter Vancomycin, Paracetamol und Ibuprofen Hier kann ich Sie beruhigen: Vancomycin gilt in der Stillzeit im Allgemeinen als vereinbar. LactMed beschreibt niedrige Spiegel in der Muttermilch; weil Vancomycin oral schlecht aufgenommen wird, ist beim gestillten Kind normalerweise keine relevante Blutaufnahme zu erwarten. Auch Paracetamol ist in der Stillzeit ein sehr gut geeignetes Schmerz- und Fiebermittel; die Mengen in der Muttermilch liegen deutlich unter üblichen Säuglingsdosen, Nebenwirkungen sind selten.   Ibuprofen gilt ebenfalls als übliches Schmerzmittel in der Stillzeit; stillmedizinische Quellen nennen Paracetamol und Ibuprofen in normaler Dosierung als vereinbar. Das heißt: Mia bekommt nicht „ein Antibiotikum und Schmerzmittel nach dem anderen“ in voller Dosis. Sie bekommt, wenn überhaupt, sehr kleine Mengen über die Milch. Das ist emotional schwer auszuhalten, aber medizinisch deutlich weniger dramatisch, als es sich für Sie als Mutter anfühlt. Abstillen – jetzt oder später? Ich würde in Ihrer Situation nicht aus Panik abstillen. Nicht, weil Stillen um jeden Preis sein muss – sondern weil ein abrupter Stillstopp bei Mastitis/Abszess tatsächlich den Milchstau verschlechtern kann. Die CDC schreibt ausdrücklich, dass Mütter mit MRSA-Infektion in der Regel weiterstillen können, wenn die Behandlung stillverträglich ist. Mein Bauchgefühl aus der Ferne wäre daher: Dem Vancomycin jetzt noch eine faire Chance geben, solange die Klinik die Entzündung, die Brust und Ihre Nierenwerte eng überwacht. Wenn sich die Situation stabilisiert, kann man später in Ruhe entscheiden: weiterstillen, teilweise stillen, langsam reduzieren oder abstillen. Aber nicht aus dem Gefühl heraus: „Ich halte es nicht mehr aus und muss sofort alles beenden.“ Wenn abgestillt werden sollte, dann eher kontrolliert und schrittweise, nicht brutal von heute auf morgen – gerade bei Ihrer Vorgeschichte mit Milchstau. Fieber, Schmerzmittel und Laborwerte Sie haben recht: Ibuprofen und Paracetamol können Fieber maskieren. Wenn die Temperatur damit nicht über 38,2 steigt, heißt das nicht automatisch, dass alles vorbei ist. Aber: Dass kein Schüttelfrost mehr aufgetreten ist, die Brust weniger rot/heiß/schmerzhaft ist und das CRP von 49,7 auf 47,5 und jetzt 39,6 gefallen ist, ist vorsichtig positiv. Die Werte zeigen noch keine Entwarnung, aber eher: Es könnte beginnen, in die richtige Richtung zu gehen. CRP reagiert träge und kann nach Punktion/Drainage, Gewebereizung und anhaltender Entzündung verzögert fallen. Leukozyten von 15,3 auf 14,3 sind ebenfalls leicht besser, aber noch erhöht. PCT um 0,40 ist nicht dramatisch hoch und spricht eher nicht für eine schwere systemische Sepsis, aber es passt zu einer relevanten bakteriellen Entzündung. Dass PCT sich nicht stark verändert, kann bedeuten: keine massive Verschlechterung, aber auch noch keine vollständige Beruhigung. Wichtiger als ein einzelner Wert ist jetzt die Kombination aus: Allgemeinzustand Schüttelfrost ja/nein Brustbefund Temperaturverlauf mit und ohne Antipyretika CRP/Leukozyten-Trend Ultraschall: bleibt noch eine Abszesshöhle oder neue Flüssigkeit? Blutkulturen, falls bei Schüttelfrost/Fieber abgenommen Resistogramm und ausreichende Drainage Übelkeit und Essen Übelkeit kann mehrere Ursachenachen haben: Infektion selbst, Antibiotika, Schmerzmittel, wenig Schlaf, Erschöpfung, Kreislauf, Eisenmangel/Anämie, wenig Essen, Stress und Krankenhausumgebung. Auch Vancomycin kann indirekt über die Gesamtsituation mit Unwohlsein verbunden sein. Mia bekommt über die Milch weiter Nährstoffe. Ihr Körper priorisiert die Milchbildung erstaunlich stark. Trotzdem brauchen Sie Energie: lieber kleine Portionen, Suppen, Joghurt, Banane, Zwieback, Haferbrei, Elektrolyte, Tee, was irgendwie geht. Es muss gerade nicht perfekt gesund sein. Es muss hinein und Sie stabilisieren. Warum Eiseninfusion oft bei akuter Entzündung verschoben wird Das hat zwei Gründe. Erstens wird Eisen in akuter Entzündung schlechter verwertet, weil der Körper über Hepcidin Eisen „wegschließt“. Zweitens möchte man bei aktiver bakterieller Infektion oft vermeiden, unnötig Eisen verfügbar zu machen, solange die Infektion nicht kontrolliert ist. Das ist nicht immer absolut verboten, aber viele Teams warten, bis die Infektion klar rückläufig ist. Wenn Sie stark anämisch sind oder sehr symptomatisch, kann man das natürlich neu abwägen. Aber das Zurückstellen ist medizinisch nachvollziehbar. Wochenfluss und Gebärmutter-Ultraschall Wenn der Wochenfluss jetzt nur noch leicht gelblich ist, nicht übel riecht, Sie keine zunehmenden Unterbauchschmerzen haben und die Entzündungszeichen eher von der Brust erklärbar sind, klingt das zunächst beruhigend. Trotzdem: Weil Ihre Wochenbettphase so kompliziert war mit Endometritis, Klinikaufenthalten und Abszessen, fände ich einen abschließenden gynäkologischen Ultraschallcheck der Gebärmutter sinnvoll – nicht als Notfall, sondern zur Abrundung: Rückbildung, Cavum, Plazentareste unwahrscheinlich?, Schleimhaut, Ovarien, ggf. Restflüssigkeit. Das dürfen Sie ruhig ansprechen. Mias Kopfseite, Bauchlage und Saugglocke Dass Mia bevorzugt nach links schaut und Bauchlage nicht mag, sollte tatsächlich kinderärztlich oder physiotherapeutisch angeschaut werden. Das heißt nicht automatisch, dass etwas Schlimmes ist. Häufig sind es bevorzugte Kopfhaltung, muskuläre Asymmetrie, Verspannung, Lagerungsvorliebe oder ein beginnender Plagiozephalus. Eine Saugglockengeburt kann mit Druck, Hämatom, Kopfhaut-/Weichteilbelastung und anfänglicher Schonhaltung einhergehen. Der Ultraschall des Kopfes in der Kinderklinik war sehr wichtig, um ernste innere Komplikationen auszuschließen. Eine Haltungsasymmetrie oder Blockade sieht man damit aber meist nicht sicher. Dafür braucht es klinische Untersuchung: Kopfrotation, Seitneigung, Muskeltonus, Schädelasymmetrie, Hüften, neurologischer Eindruck. Die Übung Ihres Mannes klingt grundsätzlich kreativ und liebevoll – aber ich wäre vorsichtig mit „sie hebt den Kopf mehr, weil sie gar nicht anders kann“. Es soll Training sein, kein Zwang. Wenn Mia gut gesichert ist, frei atmen kann, nicht überstreckt und nicht weint, kann man das kurz machen. Noch besser sind viele sehr kurze, positive Einheiten. Gute Varianten: Bauchlage auf Papas/Mamas Brust, leicht schräg, Gesicht zu Gesicht. Bauchlage mit kleiner Handtuchrolle unter Brust/Achselhöhe, Arme nach vorne. Seitlage rechts/links im Wechsel mit Spielzeug oder Gesicht auf der weniger beliebten Seite. Tragen so, dass sie zur weniger bevorzugten Seite schauen muss. Wickeltisch: Ansprache und Kontrastkarte bewusst von rechts anbieten, wenn sie links bevorzugt. Viele Mini-Einheiten: 30 Sekunden bis 2 Minuten, mehrmals täglich, statt wenige lange Einheiten. Und ja: Bitte nochmal um kinderärztliche Einschätzung bitten. Nicht panisch, aber bestimmt. Was ich jetzt konkret wichtig fände Für die nächsten 24–48 Stunden wären aus meiner Sicht die Kernpunkte: Brust/Infektion: Wird die Brust klinisch besser? Gibt es im Ultraschall noch eine punktionswürdige Höhle? Passt Vancomycin laut Resistogramm? Werden Spiegel und Nierenwerte kontrolliert? Mutter: Schlafpausen organisieren. Mia mit Papa im Kinderwagen raus, wenn vertretbar. Nicht heldenhaft durchhalten, sondern Kräfte sparen. Stillen: Weiterstillen oder Milch vorsichtig entleeren, aber nicht abrupt abstillen. Keine Entscheidung aus Panik. Mia: Gewicht klingt gut. Schlafchaos im Krankenhaus ist plausibel. Kopf-/Haltungsasymmetrie kinderärztlich bzw. physiotherapeutisch ansehen lassen. Und vielleicht der wichtigste Satz: Sie sind nicht die Ursache dafür, dass gerade alles so schwer ist. Sie sind eine kranke Mutter, die trotzdem unglaublich viel Bindung, Wärme und Fürsorge gibt. Mia merkt nicht: „Mama schafft nichts.“ Mia merkt: „Mama ist da.“


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Was soll ich sagen? Wow! Danke! Wie toll! Auf Sie ist Verlass! 3 Monate Mia heißt nicht nur fast 3 Monate Krankheit, sondern auch 3 Monate Beistand von Ihnen, sogar viel länger! DANKE!!!!!! Dauernd neue Entscheidungen, neue Erkenntnisse, neue Ergebnisse, wie soll man das aushalten? Kaum habe ich das Gefühl, irgendwo geht es in die richtige Richtung, schon kommt etwas neues beunruhigendes. Mit der Brust geht es aufwärts. Das ist der positive Teil meiner Nachricht. Die Rötung und Schwellung lassen deutlich nach, das Fieber hat bis gestern auch nachgelassen auch wenn Paracetamolund Ibuprofen das vielleicht maskieren. Vancomycin passt laut Antibiogramm und der Ultraschall der Brust war auch in Ordnung, es muss nicht mehr punktiert werden. Nach der Nierenfunktion und AUC wegen Vancomycin habe ich genauer gefragt und die Antwort beunruhigt mich ein wenig. Ich wüsste gerne Ihre Meinung dazu. Ich bekomme 900mg Vancomycin alle 12 Stunden und bin damit bei AUC 650. Laut dem Zielbereich, den Sie nennen (400-600), ist das zu hoch? Was bedeutet das? Was müsste man beachten? Was sollte man machen? Ich bin eigentlich klein und schlank, momentan sind von der Schwangerschaft noch ein paar Kilo zu viel drauf (60kg) falls das für die Vancomycin Dosis wichtig ist. Blutwerte: CRP 17,3 (FÄ Fr letzte Woche) → 29,7 (FÄ Montag diese Woche) → 40,0 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 45,4 (Mi nach Punktion) →  25,3 (So Früh) → 34,1 (So Abend bei Schüttelfrost) → 39,0 (Mo) → 42,3 (Di) → 49,7 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 47,5 (Do) → 39,6 (Fr)  → 29,4 (Sa) → 30,2 (heute) Leukozyten 13,1 → (FÄ Fr letzte Woche) → 14,0 (FÄ Montag diese Woche) → 14,5 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 14,9 (Mi nach Punktion) →  13,2 (So) Früh) → 14,1 (Do Abend bei Schüttelfrost) → 14,4 (Mo) → 14,8 (Di) → 15,3 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 15,0 (Do) → 14,3 (Fr)  → 13,2 (Sa) → 13,3 (heute) PCT 0,31 (FÄ Montag diese Woche) → 0,36 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 0,40 (Mi nach Punktion) →  0,29 (So Früh) → 0,40 (So vor Punktion) → 0,45 (Mo) → 0,46 (Di) → 0,46 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 0,41 (Do) → 0,40 (Fr) → 0,29 (Sa) → 0,33 (heute) Kreatinin 1,15 (Fr) → 1,17 (Sa) → 1,14 (heute) eGFR 62,45 (heute) So wie ich verstanden habe, ist meine Nierenfunktion aktuell leicht eingeschränkt, aber nicht stark und ich soll deshalb ab sofort kein Ibuprofen nehmen, sondern nur Paracetamol, Max. 1000mg alle 6 Stunden. Besser wäre weniger. Ist das die übliche Maximaldosis von Paracetamol?  Ich verstehe nicht ganz wieso meine Nierenfunktion sich noch nicht komplett eingespielt hat. Die letzte Endometritis ist doch schon etwas her.  Und jetzt, was mir heute wirklich Sorgen macht: ich hatte Ihnen ja geschrieben, dass der Wochenfluss nur noch ganz leicht und gelblich ist. Seit etwa zwei Stunden habe ich plötzlich wieder eine rote Blutung. Es blutet ganz schön ordentlich. Eine Binde war in den zwei Stunden schon Dreiviertel voll. Vorhin hat die Paracetamol nachgelassen und dann hatte ich Unterleibsschmerzen. Ich hoffe, da tummeln und vermehren sich nicht schon wieder Bakterien. Ein Ultraschall wurde gleich gemacht und ein Abstrich und es hieß, wir würden das Ergebnis mal abwarten. Im Nachhinein kommen mir viele Fragen in den Sinn. Woran könnte man da eine neue Endometritis erkennen? Kann es eine erste Periode sein? Ich kann mir das mit Vollstillen und meiner Krankheit aber gar nicht vorstellen. Bei meinem Sohn kam die erste Periode erst nach ca. 6-7 Monaten als er anfing zu essen und ich zunehmend weniger stillte. Woran würde man eine Periode im Ultraschall erkennen? An aufgebauter Schleimhaut? Was sollte noch gemacht werden? Ist es in Ordnung, abwartend auf das Abstrichergebnis zu handeln? Mir macht es etwas Angst, dass die Laborwerte heute nicht so gefallen sind wie gestern :(  Wegen der Übelkeit kriege ich gerade auch fast nichts runter. Banane, Joghurt und Haferflocken gehen ganz gut, aber alles auch nur in kleinen Mengen. Gibt es irgendwelche Medikamente gegen Übelkeit, nach denen ich fragen könnte? Auf der anderen Seite möchte ich Mia nicht noch mehr Medikamente zumuten. Ihre Tipps zu Mia finde ich genial und ziemlich hilfreich! Sie ist zierlich, aber rosig und interessiert. Zierlich war auch schon ihr Bruder und ist es auch heute noch und ich auch. Mia kommuniziert gefühlt täglich mit neuen Lauten. Das ist mehr als süß :) „arö“ und „grrr“ liebt sie besonders. Heute hat sie das erste Mal versucht, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Sie ist nicht mehr weit davon entfernt, aber geschafft hat sie es nicht ganz. Auf die Seite (wieder links!) hat sie es aber geschafft und dann weiter gekämpft um bis auf den Bauch zu kommen. Es war jedenfalls das erste Mal, dass sie nicht mehr so da lag wie ich sie hingelegt hatte. Denken Sie, das ist ein gutes Entwicklungszeichen? Es beruhigt mich, zu sehen, dass sie motorisch Fortschritte macht auch wenn sie den Kopf immer nur nach links dreht. Ihr Tipp mit der Bauchlage mit kleiner Handtuchrolle unter Brust/Achselhöhe, Arme nach vorne funktioniert richtig gut. Da meckert sie nicht sofort und hebt den Kopf zumindest 20 Sekunden. Im U-Heft steht bei der U4, die jetzt stattfinden soll, dass sie es mind. 30 Sekunden können sollte. Vielleicht frage ich mal nach der U4 hier? Oder mein Mann vereinbart einen Termin bei unserer Kinderärztin zur U4 und zum Check wegen ihrer einseitigen Kopfhaltung und nimmt sie mal kurz mit? Es hat immernoch keiner nach ihr geschaut. Am kommenden Mittwoch hätte Mia bei unserem Kinderarzt sowieso Termin zur 2. Rotavirenimpfung. Es wäre bestimmt sinnvoll, den Termin wie geplant in Anspruch zu nehmen? Ich kann sie vorher stillen und mein Mann holt sie dann bei mir ab und fährt mit ihr zur Kinderärztin. Wir üben auf jeden Fall weiter. Bei der kreativen Übung meines Mannes, bei der sie auf seinen Beinen „in der Luft“ liegt, hält er sie natürlich gut fest und wenn sie beginnt, zu stark zu jammern, wird selbstverständlich abgebrochen. Mein Mann war gestern mit ihr im Kinderwagen spazieren und ich konnte einfach mal eine Runde schlafen. Das tat mir gut. Meine Schlafpausen sind viel zu kurz wenn Mia alle 2 Stunden trinken will. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Mann und ich dieselbe Erkältung von unserem Großen bekommen haben und denke, Mia hat nur nichts, weil sie die Antikörper über das Stillen bekommt. Ich habe sie auch dauernd erkältet auf mir liegen. Denken Sie dann, mein Mann muss sehr vorsichtig sein mit Maske etc. bei ihr? Gut Händewaschen ist natürlich klar, aber ich denke, Maske ist vielleicht nicht nötig?Ich denke, sie hätte sich schon längst von mir angesteckt? Ich huste schon seit fast einer Woche und sie ist pausenlos direkt neben oder auf mir. Danke für den Rat zum Abstillen. Ich glaube, es ist eine gute Idee, diese Entscheidung in Ruhe nach der Mastitis zu treffen und jetzt nicht voreilig etwas zu tun, was ich dann bereue. Ich wünsche mir einfach nichts sehnlicher als mit meinen Kindern und mit meinem Mann zu Hause zu sein. Heute hat mir mein Großer ein Bild zum Muttertag gemalt und ein Bild von sich und Mia im Bilderrahmen geschenkt, damit ich sie beide auch immer an meinem Bett um mich herum habe. Da kamen mir wieder die Tränen und ich fühle mich dauernd wie ein Jammerlappen, der wegen jedem Pups weinen muss.  Ich freue mich auf jede noch so kleine Idee Ihrerseits. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, erst einmal: Die wichtigste gute Nachricht steht ganz oben: Die Brust entwickelt sich klinisch in die richtige Richtung. Weniger Rötung, weniger Schwellung, kein punktionspflichtiger Befund im Ultraschall und ein passendes Antibiogramm für Vancomycin – das sind alles sehr wichtige und beruhigende Zeichen. Dass CRP und Leukozyten nicht jeden Tag schulbuchmäßig fallen, ist nach Abszess/Punktion/Mastitis und unter laufender Entzündung nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist immer die Kombination aus klinischem Befinden, Fieberverlauf, Brustbefund, Kreislauf, Labor und Nierenwerten. Vancomycin, AUC 650 und Niere Eine AUC von 650 liegt tatsächlich etwas über dem meist angestrebten Zielbereich von 400–600 mg·h/L. Dieser Bereich wird empfohlen, um Wirksamkeit und Sicherheit möglichst gut auszubalancieren. Oberhalb davon steigt vor allem das Risiko für eine Belastung der Niere. Das heißt aber nicht: „gefährlich“ oder „sofort Schaden“. Es heißt eher: genau hinschauen und die Dosis überprüfen.Bei Ihnen kommt hinzu, dass das Kreatinin mit etwa 1,14–1,17 und die eGFR um 62 zeigen, dass die Niere gerade nicht ganz frei läuft. Nicht dramatisch, aber eben auch nicht perfekt. Ich würde deshalb ganz sachlich nachfragen: „Könnte die Vancomycin-Dosis aufgrund der AUC von 650 und der leicht eingeschränkten Nierenfunktion angepasst oder engmaschig erneut kontrolliert werden?“ Typischerweise achtet man dann auf: tägliche oder sehr regelmäßige Kontrolle von Kreatinin/eGFR, erneute Vancomycin-Spiegel/AUC-Berechnung, ausreichend Flüssigkeit, soweit möglich, Vermeidung zusätzlicher nierenschädigender Faktoren, deshalb konsequent kein Ibuprofen mehr, solange die Niere sich nicht erholt hat. Dass Ibuprofen jetzt gestoppt wurde, ist sehr vernünftig. Ibuprofen kann bei Entzündung, Flüssigkeitsmangel, Antibiotikatherapie und angeschlagener Niere zusätzlich belasten. Paracetamol Paracetamol 1000 mg alle 6 Stunden entspricht der üblichen oberen Erwachsenendosis, also maximal 4 g pro 24 Stunden. Viele Kliniken versuchen aber, gerade bei längerer Einnahme, wenig Essen, Erschöpfung oder Leberbelastung möglichst darunter zu bleiben. Paracetamol gilt in der Stillzeit grundsätzlich als eines der bevorzugten Schmerzmittel; Nebenwirkungen beim gestillten Kind sind selten. Also: Ja, die genannte Maximaldosis ist üblich. Aber der Satz „besser weniger, wenn es geht“ ist ebenfalls richtig. Warum ist die Niere noch nicht ganz normal? Das muss nicht heißen, dass eine neue Katastrophe läuft. Eine Niere kann nach einer schweren Entzündung, Fieber, wenig Trinken, Schmerzmitteln, Antibiotika, Kreislaufstress und allgemeinem Krankheitszustand einfach einige Zeit brauchen, bis sie sich vollständig stabilisiert. Gerade wenn Übelkeit dazukommt und Sie wenig trinken/essen können, ist das für die Niere zusätzlich ungünstig. Wichtig ist: Der Wert ist leicht eingeschränkt, nicht schwer. Aber in dieser Situation ist Vorsicht richtig. Die neue rote Blutung Das verstehe ich sehr gut, dass Sie das erschreckt. Nach drei Monaten Wochenbett und nach all dem, was passiert ist, wirkt jede neue Blutung sofort wie ein Alarmzeichen. Es gibt mehrere Möglichkeiten: erste stärkere hormonelle Blutung / erste Periode Auch unter Vollstillen ist das selten, aber nicht unmöglich – vor allem wenn der Körper durch Krankheit, Stress, Entzündung und Gewichts-/Hormonveränderungen aus dem Takt kommt. Abbruchblutung durch hormonelle Schwankung Nicht jede Blutung ist eine „echte“ Periode mit vorherigem Eisprung. Reizung der Gebärmutterschleimhaut nach Endometritis / Wochenbettverlauf Nach Infektion und Entzündung kann die Schleimhaut empfindlich sein. erneute oder anhaltende Endometritis Daran denkt man besonders bei zunehmenden Unterbauchschmerzen, Fieber, übel riechendem Ausfluss, Druckschmerz der Gebärmutter, steigenden Entzündungswerten oder auffälligem Ultraschall. Plazentareste/Koagel/Gewebereste Das würde man im Ultraschall oft durch auffälliges echoreiches Material oder eine stärker aufgebaute/inhomogene Gebärmutterhöhle vermuten. Eine Periode erkennt man im Ultraschall nicht immer eindeutig. Man kann aber Hinweise sehen: aufgebaute Schleimhaut, Blut/Koagel in der Gebärmutterhöhle, eine eher zyklische Schleimhautstruktur oder Zeichen, die eben gegen Reste oder Abszess sprechen. Wirklich beweisend ist das oft nicht. Dass Ultraschall und Abstrich sofort gemacht wurden, ist richtig. Ob reines Abwarten reicht, hängt vom Gesamtbild ab. Ich würde aber bei Ihrer Vorgeschichte sehr klar sagen: Wenn die Blutung stärker wird, Sie große Koagel verlieren, eine Binde innerhalb von etwa einer Stunde voll ist, Fieber/Schüttelfrost wiederkommt, die Unterbauchschmerzen zunehmen oder der Kreislauf wackelt, sollte nicht nur auf den Abstrich gewartet werden. Dann muss unmittelbar erneut ärztlich beurteilt werden. Die Laborwerte von heute sind nicht perfekt, aber sie schreien auch nicht eindeutig „es eskaliert“. CRP 30,2 nach 29,4 ist praktisch eine Seitwärtsbewegung. PCT 0,33 ist niedrig bis mäßig und nicht hochseptisch. Leukozyten 13,3 sind noch erhöht, aber nicht ansteigend explodierend. Klinisch entscheidend bleibt: Wie geht es Ihnen? Fieber? Schmerz? Blutungsmenge? Kreislauf? Übelkeit Bitte unbedingt ansprechen. Übelkeit ist nicht harmlos, wenn Sie dadurch kaum trinken und essen können – gerade wegen der Niere und der Antibiotikatherapie. Mögliche Mittel, nach denen Sie fragen könnten, wären zum Beispiel: Ondansetron, häufig sehr wirksam gegen Übelkeit, Dimenhydrinat, je nach Situation, Metoclopramid, wobei man Nutzen/Nebenwirkungen abwägen muss. In der Stillzeit muss man jedes Medikament bewusst wählen, aber es ist nicht automatisch besser, gar nichts zu nehmen. Wenn Sie wegen Übelkeit dehydrieren, schlecht essen, nicht schlafen und die Niere belastet wird, ist Mia damit auch nicht geholfen. Hier darf man pragmatisch sein: ein geeignetes Antiemetikum, ärztlich ausgewählt, kann sehr sinnvoll sein. Mia Was Sie beschreiben, klingt sehr schön und tatsächlich beruhigend: rosig, interessiert, neue Laute, Blickkontakt/Kommunikation, erste Drehversuche zur Seite, Kampfgeist beim Weiterdrehen. Das sind gute Entwicklungszeichen. Dass sie in Bauchlage mit der Handtuchrolle 20 Sekunden den Kopf hebt, ist für die Situation schon ein Erfolg. Die 30 Sekunden im U-Heft sind eine Orientierung, kein Strafzettel. Kinder entwickeln sich nicht exakt nach Tabelle, aber die einseitige Kopfhaltung sollte man ernst nehmen und anschauen lassen. Ich finde Ihren Plan sehr gut: Ihr Mann nimmt den Mittwochstermin zur Rotavirenimpfung wahr und bittet die Kinderärztin gleichzeitig um Beurteilung der einseitigen Kopfhaltung, Bauchlage, Motorik und gegebenenfalls Physiotherapie/Manualtherapie-Empfehlung. Das ist keine Panikmaßnahme, sondern gute, frühe Unterstützung. Dass sie versucht, sich vom Rücken zur Seite und weiter Richtung Bauch zu drehen, ist wirklich ein gutes Zeichen. Und Ihre Übung mit der Handtuchrolle ist genau richtig: kurz, freundlich, häufig, ohne Kampf. Erkältung, Stillen, Maske Wenn Sie seit fast einer Woche husten und Mia trotzdem rosig, wach und unauffällig ist, ist das sehr beruhigend. Stillen gibt ihr tatsächlich wichtige Antikörper und Schutzfaktoren mit. Trotzdem ist Händewaschen sinnvoll, und direktes Anhusten sollte man vermeiden. Eine Maske beim Vater ist aus meiner Sicht nicht zwingend, wenn es nur eine normale Erkältung ist und er nicht stark hustet, fiebert oder sehr nah in ihr Gesicht atmet. Wenn er stark symptomatisch ist, kann Maske beim engen Kuscheln/Füttern vorübergehend sinnvoll sein. Aber Sie haben recht: Mia war ohnehin die ganze Zeit eng bei Ihnen. Jetzt geht es eher um vernünftige Hygiene, nicht um sterile Abschottung. Und zu Ihnen Nein, Sie sind kein Jammerlappen. Sie sind seit Wochen krank, haben Schmerzen, Fieber, Brustabszess, Antibiotika, Krankenhaus, Schlafmangel, ein Baby, ein größeres Kind und dauernd neue Befunde. Dass Ihnen beim Muttertagsbild Ihres Sohnes die Tränen kommen, ist nicht Schwäche. Das ist Bindung, Erschöpfung und Liebe gleichzeitig. Ich würde für heute die Prioritäten ganz klar setzen: Niere schützen. Vancomycin-AUC aktiv nachfragen. Kein Ibuprofen. Übelkeit behandeln lassen. Blutung eng beobachten. Mia zum Kinderarzttermin mit dem Papa schicken. Und jede Schlafmöglichkeit nehmen, die sich bietet. Sie müssen jetzt nicht alles lösen. Heute reicht: stabil bleiben, trinken, Schmerzen kontrollieren, Blutung beobachten, und die nächsten Schritte mit den Ärzten vor Ort ruhig, aber bestimmt besprechen. Ganz herzliche Grüße Ihr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke Ihnen vielmals für die schnelle Rückmeldung und Ihre klaren und wertvollen Tipps sowie die herzliche warme Art, die Sie dabei haben. Wo fange ich heute am besten an… die Brust ist viel besser: kaum mehr rot, kaum heiß, kaum schmerzhaft. Das erleichtert! Aber: Von Sonntag auf Montag Nacht wurde es unten wieder schlimm. Es macht mich fertig: dieser Ping Pong Effekt von oben (Brust) und unten (Gebärmutter) fühlt sich wie eine Never ending Story an! Mein Körper kommt nicht klar. Warum? Ich weiß, Sie können mir diese Frage auch nicht beantworten. Keiner kann das. Jedenfalls habe ich von Sonntag auf Montag so geblutet, dass die Binde nachts komplett auslief und mich starke Unterleibsschmerzen geweckt haben. Ich dachte erst ziehend und krampfartig und hoffte deshalb, es käme vielleicht nur von der Periode, aber es sieht leider nach einer neuen Entzündung aus. Ich habe wieder gefroren und hatte 39,5 Grad beim Messen. Die Ultraschalluntersuchung ergab keine Plazentareste, keine Schleimhaut, also wohl auch keine Periode? Mein Kreislauf ist abgesackt (Blutdruck 94/55, Puls 109). Während das Abstrichergebnis noch auf sich warten lässt, werde ich zusätzlich zum Vancomycin für die Brust jetzt noch mit Clindamycin und Gentamicin „beschossen“ :( Mir ist übel und ich fühle mich den Umständen entsprechend. Nachts komme ich manchmal gar nicht klar, Mia zu stillen, weil ich so neben der Spur bin. Gegen die Übelkeit bekomme ich Ondensatron. Das hilft zumindest soweit, dass ich etwas mehr Essen runterbekomme. Finden Sie die Antibiotikaentscheidung richtig? Die Wahl der Antibiotika auch? Deckt das ausreichend Keime ab? Ist das für meine Nieren gefährlich? Ist es stillverträglich? Hier heißt es wieder, ich darf und soll ruhig weiterstillen.  Nach AUC 650 und der Vancomycin Dosis habe ich konkret nachgefragt: sie wurde von 900mg zwei Mal täglich auf 800mg reduziert. Kann man Vancomycin vielleicht auch bald absetzen? Muss die Brust dazu zu 100% verheilt und symptomfrei sein? Woher merkt man denn dass man das AB absetzen kann? Die Blutwerte sind wieder deutlich angestiegen wegen der neuen Keime der Gebärmutter, also kann man daran ja nichts zur Brust ablesen? Ich versuche auch den Nieren zuliebe, weniger Paracetamol zu nehmen, aber dann habe ich einfach Schmerzen und kann Mia nicht viel geben. Sie schaut jetzt schon so interessiert, dass sie viel anspruchsvoller ist und viel sehen will und geradezu ihre Beschäftigung fordert. Blutwerte: CRP 17,3 (FÄ Fr letzte Woche) → 29,7 (FÄ Montag diese Woche) → 40,0 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 45,4 (Mi nach Punktion) →  25,3 (So Früh) → 34,1 (So Abend bei Schüttelfrost) → 39,0 (Mo) → 42,3 (Di) → 49,7 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 47,5 (Do) → 39,6 (Fr)  → 29,4 (Sa) → 30,2 (So) → 43,6 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 48,2 (Di) → 46,1 (heute) Leukozyten 13,1 → (FÄ Fr letzte Woche) → 14,0 (FÄ Montag diese Woche) → 14,5 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 14,9 (Mi nach Punktion) →  13,2 (So) Früh) → 14,1 (Do Abend bei Schüttelfrost) → 14,4 (Mo) → 14,8 (Di) → 15,3 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 15,0 (Do) → 14,3 (Fr)  → 13,2 (Sa) → 13,3 (So) → 16,9 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 17,1 (Di) → 16,9 (heute) PCT 0,31 (FÄ Montag diese Woche) → 0,36 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 0,40 (Mi nach Punktion) →  0,29 (So Früh) → 0,40 (So vor Punktion) → 0,45 (Mo) → 0,46 (Di) → 0,46 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 0,41 (Do) → 0,40 (Fr) → 0,29 (Sa) → 0,33 (So) → 0,48 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 0,49 (Di) → 0,45 (heute) Kreatinin 1,15 (Fr) → 1,17 (Sa) → 1,14 (So) → 1,22 (Mo) → 1,24 (Di, Reduktion Vancomycin) → 1,19 (heute) Die Explosion am Montag macht mir nur Angst. Und heute ist es doch maximal eine Seitwärtsbewegung. Der Keim steht noch nicht fest. Denken Sie, die Antibiose muss noch mehr erweitert werden? Mein Mann war heute mit Mia bei der Kinderärztin zur Rotavirenimpfung und hat sie darum gebeten, ihre Kopfhaltung anzusehen. Die Kinderärztin hat zwar nicht von einer Asymmetrie geredet, aber von einer Verspannung und Mia Physiotherapie verschrieben. Sie sagt, das kann schon mit der Saugglockengeburt zusammenhängen. Bei Geburt hatte Mia im Apgartest zwar 9/10/10, aber der NApH 7.22 und Base Excess -8.5 mmol/l zeigen laut ihr, dass vermutlich nicht nur ich von der langen Pressphase gestresst war, sondern auch sie. Mein Mann hat leider nicht nachgefragt, in wiefern diese Werte dafür sprechen, dass es sie gestresst haben könnte. Was bedeuten sie denn? Kann man da wirklich Stress ablesen und ist es nicht weit hergeholt, daraus abzuleiten, dass Mia jetzt verspannt ist? Überhaupt habe ich das Gefühl, Mia macht gerade auch einfach einen Sprung und ist dabei in einer Art Schlafregression. Sie schläft aktuell gar nicht mehr einfach ein, sondern nur durch Schaukeln. Im Kinderwagen fahren, in der Wippe wiegen, herumtragen funktioniert. Aber ich habe hier eben keine Wippe und nicht die Kraft, dauernd mit ihr am Arm oder in der Babytrage herumzulaufen. Ablegen in ein nicht schaukelndes Bett funktioniert dann für Max. 30 Minuten, dann ist sie wieder wach, will aber oft eigentlich manchmal weiter schlafen, also muss man sie wieder herumtragen. Nachts ist sie gerade 3 Mal wach und will trinken (gegen 1 Uhr, gegen 4 Uhr, gegen 6 Uhr). Die Nachtschwester hat es letzte Nacht mit der Flasche probiert, weil ich so durch war und nicht mehr konnte, aber da hat sie sich nur eingeschrien und die Flasche partout abgelehnt. Sie ist auch plötzlich an allem so viel mehr interessiert. Sie findet überall etwas zum Anschauen, was sie aber auch überreizt. Ohne Wiege habe ich keine richtige Möglichkeit, Mia im abgelegten Zustand zum Schlafen zu bringen. Am liebsten würde ich ihre Wiege hier aufbauen. Sie schläft praktisch 7-8 Mal täglich, aber eben immer nur 30 Minuten und dann ist sie immer 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden wach, dabei gut gelaunt, lässt sich ablegen, lächelt, macht so viele Laute und flirtet mit jedem :) Nach 1 bis 1 1/4 merkt man aber schon, wie sie sich die Augen reibt, quengelig wird und der Akku wieder leer ist. Ist das mit drei Monaten normal? Ich meine mich zu erinnern, dass unser Großer da schon nur noch 3-4 Mal täglich geschlafen hat. Gestern waren meine Schwiegereltern da um sie mir etwas abzunehmen, doch beide sind Kettenraucher. Es taugt mir schon nicht sonderlich, wenn sie Mia nehmen, weil sie sehr nach Rauch stinken. Aber als ich sie gebeten habe, wenigstens ihre Hände zu waschen oder zu desinfizieren, musste ich mir sagen lassen, dass ich übertreiben würde und Mia nicht aus Zucker sei. Dann wurde ihr mit den „Zigarettenfingern“ durchs Gesicht, sogar an den Augen gestreichelt und das war mir dann endgültig zu viel und ich habe sie höflich gebeten, das zu unterlassen oder doch Hände zu waschen. Daraufhin haben sie sich beleidigt verabschiedet und mir Mia in die Hand gedrückt. Habe ich denn aus medizinischer Sicht so falsch und übertrieben gehandelt? Ich bin emotional so angeschlagen von allem was passiert und dann noch das. Da kamen mir dann viele Tränen. Wenn die Hilfe keine Hilfe ist… Ich bin absolut überzeugte Nichtraucherin und ein Baby schon mit so viel Rauch zu empfangen ist für mich ein No Go. Das ist egoistisch und respektiert meinen Wunsch nicht. Es gibt doch sogar Studien über ein erhöhtes Risiko am plötzlichen Kindstod bei Rauchereltern? Emotional ist das gerade alles furchtbar. Das einzige, das mir Mut macht, sind meine kleine Mia und ihr großer Bruder. Heute Morgen hat sie mich mit diesem glückseligen Lächeln geweckt, mir tief in die Augen geschaut und mit ihrer zarten Stimme erzählt und erzählt und erzählt. Erzählen ist voll ihr Ding. Da waren alle Sorgen für einen kurzen Moment wie in Luft aufgelöst und ich wusste wofür ich das alles aushalte. Gestern habe ich spaßig zu meinem Mann gesagt, dass wir beide uns bald am Esstisch gar nicht mehr unterhalten können, denn wenn Mia auch mal so gerne und viel redet wie ihr großer Bruder (er redet wie ein Buch!), dann kommen wir bald nicht mehr zu Wort 🙂 Aber ich glaube, darüber werde ich mich dann schon fast freuen 🙂 Ich melde mich wenn es meine Kraft wieder zulässt und freue mich auf alles was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das ist wirklich unglaublich viel auf einmal. Und ich möchte Ihnen zuerst sagen: Sie übertreiben nicht.Weder medizinisch noch emotional. Diese Kombination aus Mastitis/Brustabszess-Sorge, erneutem Fieber, starken Blutungen, Unterbauchschmerzen, Kreislaufabfall, Krankenhaus, Stillen, Schlafmangel und Sorge um Mia ist eine Extremsituation. Dass Ihnen da die Tränen kommen, ist keine Schwäche, sondern eine normale Reaktion auf Dauerbelastung. 1. Antibiotika: Clindamycin + Gentamicin + Vancomycin Aus der Ferne kann ich natürlich nicht die konkrete Therapieentscheidung der Klinik ersetzen. Aber vom Prinzip her ist die Entscheidung gut nachvollziehbar. Bei Verdacht auf eine Wochenbett-/Gebärmutterentzündung ist Clindamycin plus Gentamicin eine klassische, gut etablierte Kombination. Sie deckt viele der typischen Keime ab: anaerobe Keime, Streptokokken, Staphylokokken und gramnegative Darmkeime. In Übersichtsarbeiten wird diese Kombination ausdrücklich als geeignete Therapie der postpartalen Endometritis beschrieben. Vancomycin ist zusätzlich vor allem gegen grampositive Problemkeime wichtig, insbesondere bei Staphylokokken/MRSA-Verdacht oder komplizierter Brustinfektion. Dass Sie aktuell also „breit“ behandelt werden, ist bei Fieber bis 39,5 °C, Schüttelfrost, Kreislaufabfall und steigenden Entzündungswerten nicht abwegig, sondern eher Ausdruck davon, dass man nichts verpassen möchte. Ob man noch weiter erweitern muss, hängt vor allem ab von: klinischem Verlauf: Fieber runter? Kreislauf stabil? Schmerzen besser? Abstrich-/Blutkulturen: welcher Keim, welche Resistenz? Bildgebung: Abszess? Hämatom? infizierte Flüssigkeit? Plazentarest wirklich ausgeschlossen? Nierenwerten und Medikamentenspiegeln. Eine „Seitwärtsbewegung“ nach 24–48 Stunden macht noch nicht automatisch Therapieversagen. Aber wenn Fieber, Schmerzen oder Kreislaufprobleme bleiben oder zunehmen, muss natürlich neu gedacht werden: erneuter Ultraschall, ggf. Blutkulturen, Urinstatus/-kultur, Kontrolle der Brust, ggf. infektiologische Mitbeurteilung. 2. Niere: Ja, beobachten – aber nicht in Panik geraten Ihre Kreatininwerte sind erhöht beziehungsweise grenzwertig: 1,15 → 1,24 → 1,19. Das ist ein Signal, das man ernst nehmen muss, aber es sieht im Moment nicht wie eine dramatische Entgleisung aus. Wichtig ist: Vancomycin und Gentamicin können beide nierentoxisch sein, besonders in Kombination, bei Fieber/Dehydratation, niedrigem Blutdruck, wenig Trinken, Übelkeit oder zusätzlicher Belastung. Deshalb ist genau richtig: Vancomycin über Spiegel/AUC steuern, Dosis reduzieren, wenn AUC zu hoch ist, Kreatinin täglich oder engmaschig kontrollieren, Gentamicin möglichst ebenfalls spiegel-/intervallgerecht dosieren, gute Flüssigkeitsbilanz sichern. Eine AUC von 650 ist eher hoch; die Reduktion von 900 mg 2× täglich auf 800 mg 2× täglich klingt daher plausibel. Entscheidend ist aber der nächste Spiegel und die Nierenfunktion. Paracetamol ist übrigens nicht der typische Haupt-Nierenbelaster wie etwa NSAR/Ibuprofen bei Risikosituation. Paracetamol belastet eher die Leber, wenn es zu hoch dosiert wird. Wenn Sie Schmerzen haben, sollten Sie nicht heldenhaft alles aushalten. Schmerzen, Schlafmangel und Stress schwächen Sie zusätzlich. Die Klinik soll lieber sauber festlegen: Was dürfen Sie, in welcher Maximaldosis, in welchem Abstand? 3. Stillen unter Vancomycin, Gentamicin, Clindamycin, Ondansetron Die Aussage der Klinik, dass Sie weiterstillen dürfen, ist gut begründbar. Vancomycin: Geht nur in niedrigen Mengen in die Muttermilch über und wird vom Kind oral schlecht aufgenommen; LactMed schreibt, dass keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind. Gentamicin: Wird schlecht in die Muttermilch ausgeschieden, und systemische Effekte beim gestillten Kind sind laut LactMed unwahrscheinlich. Clindamycin: Stillen ist nicht grundsätzlich kontraindiziert. Man sollte Mia aber beobachten auf Durchfall, Soor, Windelsoor oder selten Blut im Stuhl, weil Clindamycin die Darmflora beeinflussen kann. Ondansetron: Wird in der Stillzeit häufig als vertretbar angesehen; klinisch ist vor allem wichtig, dass Sie dadurch trinken und essen können. Denn Kreislauf, Milchbildung und Erholung brauchen Energie. Ganz praktisch: Wenn Mia normal trinkt, wach und rosig ist, ausreichend nasse Windeln hat und keinen auffälligen Durchfall/Soor entwickelt, ist Weiterstillen meist der richtige Weg. Wenn Sie nachts zu krank sind, ist es aber auch kein Versagen, wenn Hilfe organisiert wird. Mia lehnt die Flasche im Moment offenbar ab – das ist anstrengend, aber nicht ungewöhnlich. 4. Wann kann Vancomycin abgesetzt werden? Nein, die Brust muss nicht zwingend „100 % wie neu“ aussehen. Nach einer schweren Mastitis/Abszesssituation können Verhärtung, Druckempfindlichkeit oder Restveränderungen noch länger bestehen. Absetzen oder Deeskalation richtet sich eher nach: kein Fieber mehr, keine Schüttelfröste, Brust deutlich rückläufig: weniger rot, weniger heiß, weniger schmerzhaft, kein neuer Abszess im Ultraschall, Entzündungswerte im passenden Gesamtbild rückläufig, Keimbefund/Resistogramm erlaubt schmalere Therapie, Nierenwerte sprechen für Reduktion/Beendigung. Sie haben recht: Wenn jetzt gleichzeitig eine Gebärmutterentzündung läuft, kann man am CRP nicht sauber ablesen, was von der Brust kommt. Dann zählt die klinische Brustbeurteilung besonders: Aussehen, Schmerz, Temperatur, Ultraschall, Sekret/Punktionsergebnis. 5. Die Blutwerte: beunruhigend, aber nicht „explodierend außer Kontrolle“ CRP 46, Leukozyten 16,9, PCT 0,45: Das passt zu einer relevanten bakteriellen Entzündung. Das ist nicht harmlos. Aber das PCT ist nicht extrem hoch, und der Kreatininwert ist wieder leicht besser. Entscheidend ist jetzt der Trend ab Beginn der erweiterten Antibiose. Dass CRP und Leukozyten nach Therapiebeginn nicht sofort fallen, ist häufig. CRP hinkt klinisch oft hinterher. Ich würde stärker fragen: Haben Sie noch Schüttelfrost? Fieberkurve besser? Unterbauchschmerz besser? Blutung weniger? Blutdruck stabiler? Allgemeinzustand besser? Urin unauffällig? Brust weiter besser? Wenn diese Punkte besser werden, ist ein CRP von 46 am Folgetag noch kein Grund zur Panik. Wenn diese Punkte nicht besser werden, muss konsequent nachgesteuert werden. 6. Mia: Nabel-pH 7,22 und Base Excess -8,5 Ein Nabelarterien-pH von 7,22 und ein Base Excess von -8,5 zeigen: Mia hatte unter der Geburt wahrscheinlich Stress, ja. Aber das ist keine schwere Azidose. Zusammen mit Apgar 9/10/10 spricht das eher für: Sie war belastet, hat sich aber sehr gut angepasst. Daraus direkt abzuleiten, dass sie jetzt wegen dieser Werte verspannt ist, wäre zu weit gegriffen. Die Saugglockengeburt, lange Pressphase, Lagerung, Zug-/Druckbelastung am Kopf-Hals-Bereich können aber durchaus zu einer muskulären Verspannung oder bevorzugten Kopfhaltung beitragen. Physiotherapie ist da eine sehr sinnvolle, harmlose und oft hilfreiche Maßnahme. Also: Die Werte erklären nicht automatisch die Verspannung. Aber Geburtssituation und Saugglocke können schon ein plausibler Baustein sein. 7. Mias Schlaf mit 3 Monaten: Das klingt sehr normal Was Sie beschreiben, klingt sehr nach einem ganz typischen 3-Monats-Baby: kurze Tagschläfchen von 30 Minuten, 7–8 kleine Schläfchen, Wachfenster etwa 75–90 Minuten, schnell überreizt, braucht Bewegung/Schaukeln, nachts mehrere Stillmahlzeiten, plötzlich viel wacher, sozialer, interessierter, „erzählt“, lächelt, flirtet. Das ist nicht pathologisch. Es ist nur brutal anstrengend, wenn die Mutter krank im Krankenhaus liegt. Dass Ihr großer Sohn damals vielleicht mit 3 Monaten schon 3–4 Schläfchen hatte, kann sein – Kinder sind verschieden. Mia klingt nicht „falsch“, sondern eher sehr wach, reizoffen und altersentsprechend. Pragmatisch würde ich im Krankenhaus wirklich sagen: Wenn die Wiege hilft, dann soll die Wiege her. Nicht, weil Mia „verwöhnt“ ist, sondern weil Sie gerade körperlich nicht die Kraft haben können, ein Baby stundenlang zu tragen. Das ist kein Erziehungsproblem, sondern Krisenmanagement. 8. Raucherhände/Geruch: Sie haben völlig richtig reagiert Nein, Sie haben nicht übertrieben. Natürlich stirbt ein Kind nicht, weil jemand einmal nach Rauch riecht. Aber daraus folgt nicht, dass man einem Baby mit Zigarettenfingern ins Gesicht und an die Augen fassen sollte. Das ist schlicht respektlos gegenüber Ihnen als Mutter und unnötig gegenüber Mia. Passivrauch erhöht bei Säuglingen das Risiko für plötzlichen Kindstod, Atemwegsinfekte, Bronchitis/Pneumonie, Mittelohrentzündungen und Asthma-/Atemwegsprobleme. Die CDC schreibt ausdrücklich, dass es kein sicheres Expositionsniveau für Passivrauch gibt und dass Säuglinge besonders gefährdet sind.   Auch das SIDS-Risiko ist bei Rauchbelastung nach der Geburt erhöht. Und ja: Es geht nicht nur um Rauch in der Luft, sondern auch um Rückstände an Kleidung, Haut und Händen. Ihre Bitte war minimal: Hände waschen/desinfizieren und nicht mit Rauchfingern ins Gesicht. Das ist keine Hysterie. Das ist normale Säuglingshygiene. Eine klare Grenze wäre völlig angemessen: „Ich freue mich über Hilfe sehr. Aber bei Mia gilt: vor dem Hochnehmen bitte Hände waschen, nicht direkt nach dem Rauchen kuscheln und bitte nicht mit Rauchgeruch oder Zigarettenhänden ins Gesicht fassen. Das ist mir medizinisch und emotional wichtig.“ Wer darauf beleidigt reagiert, hilft in diesem Moment leider nicht wirklich. 9. Der wichtigste Punkt: Sie brauchen echte Entlastung, nicht zusätzliche Konflikte Sie leisten gerade nicht „zu wenig“. Sie leisten in einem kranken Körper viel zu viel. Mia braucht keine perfekte Mutter, sondern eine Mutter, die wieder gesund wird. Ihr Mann, Pflege, Familie, Klinikpersonal – alle müssen jetzt um Sie herum organisieren, nicht Sie um alle anderen. Meine klare Einschätzung: Die Antibiotikatherapie ist grundsätzlich plausibel und breit genug angelegt, solange engmaschig kontrolliert wird. Die Niere muss ernsthaft überwacht werden, aber der aktuelle Verlauf wirkt nicht katastrophal. Stillen ist unter diesen Medikamenten meist vertretbar; Mia sollte auf Darmflora-/Soorzeichen beobachtet werden. Vancomycin muss nicht bis zur absolut perfekten Brust gegeben werden, sondern bis die klinische Situation und Befunde eine Deeskalation erlauben. Mia klingt entwicklungsneurologisch nach einem wachen, altersentsprechenden 3-Monats-Baby. Ihre Grenze gegenüber Rauchern war medizinisch und mütterlich vollkommen berechtigt. Und vielleicht das Wichtigste: Dieses kleine Lächeln am Morgen, dieses Erzählen und Flirten – das ist nicht klein. Das ist im Moment Ihr Anker. Halten Sie sich daran fest. Nicht, weil alles schönzureden wäre, sondern weil genau diese Momente zeigen, wofür Sie gerade kämpfen: für Ihre Gesundheit, für Mia, für Ihren Sohn, für Ihre Familie.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Es ist wirklich toll, wie genau und ausführlich Sie antworten und uns beim Krisenmanagement helfen. Ich bin so traurig, dass ich es gerade mal eine Woche zu Hause geschafft habe, bevor der ganze Mist wieder losging. Ich fühle mich meiner Familienzeit beraubt, fühle mich unfair dem Großen gegenüber, der verständlicherweise langsam eifersüchtig auf Mia wird („Wieso darf sie immer bei Mama bleiben? Ich will auch.“). Mein Mann muss alles alleine erledigen und regeln und meine Schwiegereltern reagieren nur beleidigt wenn man nicht will, dass sie mit ihren Raucherfingern in Mias Gesicht langen (eigentlich sollte es wohl selbstverständlich sein, die Hände zu waschen bevor man einem Baby ins Gesicht langt???) oder sie machen nur dumme Kommentare („Hab dir ja schon nach der ersten Mastitis gesagt, hör auf zu stillen, aber du wolltest ja nicht und jetzt hast du den Salat.“ - Was hat das bitte mit der Endometritis jetzt zu tun? Das ist einfach nur unfair und unüberlegt). Die Antworten auf die meisten Ihrer Fragen waren gestern noch ernüchternd und deshalb wurde gestern das Antibiotikum zum tausendsten Mal umgestellt und zwar auf Imipinem: Haben Sie noch Schüttelfrost? →  gestern ja, heute weniger  Fieberkurve besser? → gestern nein (39,6), heute etwas (39,0) Unterbauchschmerz besser? → gestern tat es sehr weh 😞Es fühlte sich an als würde sich die ganze Gebärmutter verkrampfen, heute ein bisschen besser  Blutung weniger? → gestern Nein, ich Wechselte alle 2 Stunden Binde und es kamen immer wieder große Koagel, heute keine Koagel mehr aber Wechsel noch alle 2-3 Stunden  Blutdruck stabiler? → 95/55 (gestern Früh), heute 99/60 Allgemeinzustand besser? → gestern mies, heute kleine Tendenz zur Besserung Urin unauffällig? → Ja, wenigstens das Brust weiter besser? → Ja, das zum Glück auch. Und dazu ist das der Stand:   Abstrich-/Blutkulturen: welcher Keim, welche Resistenz? →  wieder so ein unschöner resistenter Keim: Klebsiella pneumoniae MRN (oder wie heißt das genau?), Resistent gegen die bisherigen Antibiotika Vancomycin, Clindamycin, Gentamicin, deshalb jetzt Imipinem. Klingt das für Sie plausibel? Bildgebung: Abszess? → Nein Hämatom? → davon war zumindest keine Rede → wie würde man das sehen im Ultraschall und was dagegen tun? infizierte Flüssigkeit? → Nein Plazentarest wirklich ausgeschlossen?  → Ja ich hoffe, meine Stichworte sind verständlich genug. Da die Brust jetzt nicht mehr heiß und rot ist, wurde Vancomycin auch abgesetzt. Das wird den Nieren sicherlich gut tun. Ich spüre aber links noch immer so eine Verhärtung/Knoten. Ist das in Ordnung? Wie lange kann es dauern bis das weggeht? Wie nierenfreundlich ist Imipinem? Sollte man auch dabei irgendwelche Spiegel kontrollieren? Wie stillverträglich ist Imipinem? Ich darf und soll immer weiter stillen. Ich habe gerade eher das Gefühl, dass die Milch wieder weniger wird. Das Gefühl hatte ich bis jetzt immer wenn die Endometritis gerade schlimm war. Ich hoffe trotzdem für Mia, dass es ihr noch reicht, denn sie macht bei jedem Flaschenversuch der Schwester ein Drama und das Ende vom Lied sind immer 0ml oder max. 10ml. Sie beißt nur auf dem Sauger rum und regt sich fürchterlich auf. Die Kinderärztin meinte zu meinem Mann, dass das bei vollgestillten Kindern keine Seltenheit ist und sie nicht glaubt, dass das mit ihrer Verspannung zu tun hat. Deshalb würde ich es gerade nicht übers Herz bringen, abzustillen. Ich hätte sogar Angst, wenn die Milch komplett versiegt, dass sie dann wieder abnehmen würde, weil sie die Flasche einfach komplett ablehnt. Es ist auch egal welcher Sauger (Größe, Marke, alles probiert…). Man könnte sagen, sie lehnt alles „unnatürliche“ ab. Den Schnuller will sie ja auch nicht. Stattdessen schiebt sie lieber die ganze Faust oder den Daumen in den Mund. Unter diesen Bedingungen abzustillen würde mir sehr schwer fallen. Denken Sie, es ist nötig? Sollte ich wieder etwas pumpen damit weiterhin genug Milch kommt? Vom Milchstau jetzt wieder zum kompletten Gegenteil. Das macht etwas Angst, dass dann gleich wieder eine Mastitis entsteht. Wieso kann meine Milchproduktion nicht einfach mal im Gleichgewicht sein? Meine Brust kennt anscheinend nur zu viel oder zu wenig. Blutwerte: CRP 17,3 (FÄ Fr letzte Woche) → 29,7 (FÄ Montag diese Woche) → 40,0 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 45,4 (Mi nach Punktion) →  25,3 (So Früh) → 34,1 (So Abend bei Schüttelfrost) → 39,0 (Mo) → 42,3 (Di) → 49,7 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 47,5 (Do) → 39,6 (Fr)  → 29,4 (Sa) → 30,2 (So) → 43,6 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 48,2 → (Di) → 46,1 (Mi)  → 52,4 (Do, dann Start Imipinem) → 52,0 (Fr) Leukozyten 13,1 → (FÄ Fr letzte Woche) → 14,0 (FÄ Montag diese Woche) → 14,5 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 14,9 (Mi nach Punktion) →  13,2 (So) Früh) → 14,1 (Do Abend bei Schüttelfrost) → 14,4 (Mo) → 14,8 (Di) → 15,3 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 15,0 (Do) → 14,3 (Fr)  → 13,2 (Sa) → 13,3 (So) → 16,9 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 17,1 (Di) → 16,9 (Mi) → 17,5 (Do, dann Start Imipinem) → 17,3 (Fr) PCT 0,31 (FÄ Montag diese Woche) → 0,36 (Krankenhaus Di vor Punktion) → 0,40 (Mi nach Punktion) →  0,29 (So Früh) → 0,40 (So vor Punktion) → 0,45 (Mo) → 0,46 (Di) → 0,46 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 0,41 (Do) → 0,40 (Fr) → 0,29 (Sa) → 0,33 (So) → 0,48 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 0,49 (Di) → 0,49 (Do, dann Start Imipinem) → 0,47 (Fr) Kreatinin 1,15 (Fr) → 1,17 (Sa) → 1,14 (So) → 1,22 (Mo) → 1,24 (Di, Reduktion Vancomycin) → 1,19 (Do, dann Start Imipinem) → 1,15 (Fr) Ist die heutige Seitwärtsbewegung einen Tag nach Imipinem in Ordnung? Paracetamol: ich darf Max. 1000mg alle 6 Stunden nehmen. Meine Leberwerte sind gut. Klingt das vernünftig? Ohne komme ich gar nicht klar und selbst damit habe ich gerade nach etwa 4 Stunden ein ca. zweistündiges „Loch“, in dem es mir gar nicht gut geht. Mir tut dann so der Unterbauch weh und ich friere. Darf ich mir wenigstens eine Wärmflasche geben lassen? Aber wahrscheinlich ist das wegen Verbrühungsgefahr nicht erlaubt 😞 Oder fällt Ihnen noch ein anderes nierenfreundliches Schmerzmittel ein, nach dem ich ergänzend fragen könnte? Wie sieht es eigentlich mit dem Hb aus? Der wird schon wieder schlechter: heute: 8,3 Ich frage am besten wieder nach einer Eiseninfusion? Anscheinend ist man wieder zurückhaltend. Ich freue mich, dass Sie Mias Verhalten als normal empfinden. Das beruhigt mich zumindest. Es ist so widersprüchlich. Einerseits gibt sie mir so viel Kraft. Gleichzeitig ist es brutal anstrengend, wie Sie sagen. Ein Baby, das alle 2 Stunden an die Brust will, nachts auch mehrmals, viel Zuwendung braucht durch Wiegen, aber auch schon Bespaßung will usw. in meinem Zustand, ist eigentlich zu viel verlangt. Ich war gestern so fertig als ich mit meinen Schwiegereltern auch noch den Konflikt ums Rauchen hatte. Ich brauche Entlastung, Hilfe und nicht zusätzlichen Ärger. Das verkrafte ich nicht. Mein Mann war sehr enttäuscht von seinen Eltern und hat mit ihnen geredet, doch Einsicht fehlt komplett und sind weiter beleidigt. Und ich bin sehr enttäuscht. Wieso kann man mir nicht einfach helfen? Aber Sie haben uns darin bestärkt, wirklich die Wiege hier aufzubauen, denn diese Idee hatten wir auch schon. Mein Mann hat sie gleich zu Hause abgebaut, hergebracht und aufgebaut. Das wird jetzt hoffentlich ein Gamechanger damit Mia leichter einschläft. Einmal hat es schon ganz gut funktioniert. Mein Mann versucht auch zu organisieren, dass jeden Nachmittag jemand bei mir ist und mir Mia etwas abnimmt, meist er, aber auch mal meine Eltern, Schwiegereltern, Freunde. Wobei ich bei meinen Schwiegereltern nicht recht weiß, ob es mir hilft und mich nicht mehr stresst. Immer wenn sie gehen, fühle ich mich sauer, leer und mir nicht geholfen. Für meinen langen Roman entschuldige ich mich. Ich melde mich, wenn ich es kräftemäßig wieder schaffe. Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Bitte entschuldigen Sie sich nicht für Ihren „Roman“. In Ihrer Situation ist das kein Roman, sondern ein sehr nachvollziehbarer Versuch, wieder Ordnung in ein völlig überforderndes Geschehen zu bringen. Und ich finde: Trotz allem, was Sie schildern, gibt es erste kleine Zeichen in die richtige Richtung: weniger Schüttelfrost, keine Koagel mehr, etwas weniger Unterbauchschmerz, Brust deutlich ruhiger, Kreatinin wieder rückläufig. Das ist noch kein Durchbruch – aber es ist auch nicht „alles unverändert schlecht“. 1. Klebsiella pneumoniae MRN und Imipenem: klingt das plausibel? Ja, das klingt grundsätzlich plausibel. Gemeint ist vermutlich Klebsiella pneumoniae als multiresistenter gramnegativer Erreger, häufig abgekürzt als MRGN – also nicht „MRN“, sondern meist MRGN. Klebsiellen können leider gegen viele Standardantibiotika resistent sein. Wenn der Keim gegen die bisherigen Antibiotika nicht ausreichend empfindlich war, ist die Umstellung auf ein Carbapenem wie Imipenem/Cilastatin nachvollziehbar – vorausgesetzt, das Antibiogramm zeigt eine Empfindlichkeit. Wichtig ist: Vancomycin wirkt vor allem gegen grampositive Erreger, nicht gegen Klebsiellen. Wenn die Brustentzündung klinisch ruhig ist und kein grampositiver Problemkeim im Vordergrund steht, ist das Absetzen von Vancomycin daher durchaus logisch – und für die Niere wahrscheinlich günstig. Bei postpartaler Endometritis ist Clindamycin plus Gentamicin klassisch eine häufig wirksame Kombination; bei resistenten gramnegativen Keimen muss man aber selbstverständlich nach Resistogramm behandeln. 2. Ist die Seitwärtsbewegung der Werte nach einem Tag Imipenem in Ordnung? Ja. Ein Tag nach Beginn eines neuen, wirksamen Antibiotikums darf man noch keine dramatische Laborwende erwarten. Gerade CRP und Leukozyten laufen oft verzögert. Wichtiger sind in den ersten 24–48 Stunden: wird der Schüttelfrost weniger? sinken die Fieberspitzen? wird der Unterbauchschmerz weniger? wird die Blutung ruhiger? stabilisieren sich Kreislauf und Allgemeinzustand? Und hier beschreiben Sie immerhin eine kleine klinische Tendenz zur Besserung. Das zählt mehr als ein einzelner CRP-Wert. Das CRP von 52,4 auf 52,0 ist im Grunde eine Seitwärtsbewegung – aber nicht beunruhigend, wenn gleichzeitig die Klinik langsam besser wird. 3. Hämatom: Wie würde man das sehen und was würde man tun? Ein Hämatom sieht man im Ultraschall oft als abgegrenzte Flüssigkeits- oder Blutansammlung, je nach Alter des Blutes unterschiedlich echoreich oder echofrei. Frisches Blut kann anders aussehen als älteres, geronnenes Blut. Man würde insbesondere auf Folgendes achten: Flüssigkeitsansammlung in oder um die Gebärmutter Koagel im Cavum uteri Zeichen einer organisierten Blutansammlung Schmerzlokalisation eventuell Doppler, um aktive Blutung oder stark durchblutete Areale abzugrenzen Wenn kein Abszess, keine infizierte Flüssigkeit, kein Plazentarest und kein relevantes Hämatom gesehen wurden, ist das erst einmal beruhigend. Ein kleines Hämatom würde man oft beobachten. Ein größeres, infiziertes oder druckschmerzhaftes Hämatom könnte je nach Lage eine Drainage oder operative/interventionelle Maßnahme erfordern – aber das scheint bei Ihnen aktuell ja gerade nicht beschrieben worden zu sein. 4. Brust: Verhärtung/Knoten trotz besserer Rötung – ist das noch normal? Ja, das kann nach einer Mastitis oder einem Milchstau noch eine Weile bleiben. Wenn die Brust nicht mehr heiß, nicht mehr rot und deutlich weniger schmerzhaft ist, spricht das eher für: Restverhärtung nach Entzündung, noch nicht vollständig gelösten Milchstau, entzündlich geschwollenes Gewebe, selten eine kleine abgekapselte Flüssigkeit/Abszessbildung. Wichtig wäre: Wenn der Knoten größer wird, wieder stark schmerzt, die Haut erneut rot/heiß wird, Fieber eindeutig aus der Brust zu kommen scheint oder die Verhärtung nach einigen Tagen gar nicht rückläufig ist, sollte nochmals gezielt ein Brustultraschall erfolgen. Solche Verhärtungen können durchaus Tage bis wenige Wochen brauchen, bis sie vollständig verschwinden. Bitte nicht brutal massieren – eher Wärme vor dem Stillen, sanftes Ausstreichen, Stillen in unterschiedlichen Positionen, danach bei Bedarf kühlen. 5. Imipenem: Niere, Spiegelkontrolle, Stillen Imipenem/Cilastatin wird über die Niere ausgeschieden, deshalb muss die Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion angepasst werden. Die Fachinformation nennt eine Dosisreduktion bei reduzierter Kreatinin-Clearance; ohne Anpassung können insbesondere neurologische Nebenwirkungen begünstigt werden. Eine klassische „Spiegelkontrolle“ wie bei Vancomycin oder Gentamicin ist bei Imipenem normalerweise nicht üblich. Sinnvoll sind aber: Kreatinin/eGFR-Verlauf, Urinausscheidung, Elektrolyte, Leberwerte, Blutbild, klinische Beobachtung auf neurologische Auffälligkeiten, zum Beispiel Zittern, Verwirrtheit, Krampfneigung – vor allem bei Nierenfunktionsstörung. Ihr Kreatinin war unter Vancomycin etwas angestiegen und ist jetzt wieder bei 1,15. Das ist eher beruhigend. Es muss aber weiter kontrolliert werden. Zur Stillzeit: LactMed beschreibt Imipenem/Cilastatin als akzeptabel in der Stillzeit; es gelangen nur geringe Mengen in die Muttermilch. Wie bei vielen Beta-Laktam-Antibiotika sollte man beim Kind auf Durchfall, Soor oder ungewöhnliche Unruhe achten, aber ein grundsätzliches Stillverbot ergibt sich daraus nicht. 6. Muss abgestillt werden? Nach allem, was Sie schreiben: Nein, ich sehe aus der Ferne keinen zwingenden Grund, jetzt abzustillen – solange Ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte das Stillen unter Imipenem ausdrücklich erlauben und Mia gut überwacht wird. Im Gegenteil: In Ihrer konkreten Lage wäre ein erzwungenes Abstillen wahrscheinlich ein zusätzlicher massiver Stressor. Mia nimmt die Flasche kaum, sie beruhigt sich an der Brust, und Sie haben Angst, dass sie sonst abnimmt. Diese Sorge ist nachvollziehbar. Was ich pragmatisch machen würde: Stillen weiter ermöglichen, aber Sie entlasten. Nicht jede Unruhe Mias muss durch Sie gelöst werden. Ihr Mann, Ihre Eltern oder eine Pflegeperson können Mia wiegen, tragen, wickeln, beruhigen – und Sie stillen dann möglichst nur, wenn es wirklich ums Trinken geht. Pumpen nur vorsichtig. Wenn die Milch gerade weniger wirkt, kann kurzes Pumpen oder Ausstreichen helfen, die Produktion zu stabilisieren. Aber bitte nicht übertreiben, sonst rutscht man wieder in Überproduktion und Milchstau. Besser kleine, gezielte Signale setzen: zum Beispiel nach einzelnen Stillmahlzeiten kurz nachpumpen, wenn Mia nicht gut getrunken hat – nicht stundenlang „auf Vorrat“. Flaschenversuche nicht zum Kampf machen. Wenn Mia die Flasche komplett verweigert, würde ich das nicht mit Druck eskalieren. Manchmal klappt eher Becher, Löffel, Spritze, Fingerfeeding oder ein alternatives Fütterungssystem – das sollte aber eine erfahrene Stillberaterin/Kinderpflegekraft zeigen. 7. Paracetamol: 1000 mg alle 6 Stunden? 1000 mg alle 6 Stunden entsprechen maximal 4000 mg pro Tag. Das ist bei Erwachsenen über 50 kg eine übliche Obergrenze, sofern Leberwerte gut sind, kein relevanter Alkohol, keine schwere Mangelernährung und keine sonstigen Risikofaktoren bestehen. Die Fachinformationen nennen 1000 mg pro Gabe und 4000 mg pro Tag als maximale Dosierung für Erwachsene; bei Nieren- oder Leberproblemen können Anpassungen nötig sein. Dass Sie nach 4 Stunden wieder ein Loch bekommen, passt leider dazu: Paracetamol wirkt oft nicht die vollen 6 Stunden gleich stark. Eine Wärmflasche: ja, aber sicher. Nicht heiß, sondern warm, gut eingewickelt, nicht direkt auf die Haut, nicht beim Einschlafen unbeaufsichtigt. Alternativ ein warmes Kirschkernkissen. Bei Unterbauchkrämpfen kann Wärme sehr helfen. Nierenfreundliche Ergänzung: Das sollten Sie direkt mit der Station besprechen. Je nach Befund könnten ärztlich erwogen werden: Metamizol/Novaminsulfon, falls keine Gegenanzeigen bestehen, krampflösende Mittel, in Einzelfällen kurzfristig stärkere Analgesie. NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac wären wegen Niere, Blutung und Infektlage eher vorsichtig zu bewerten – nicht auf eigene Faust. 8. Hb 8,3: Eiseninfusion? Ein Hb von 8,3 g/dl ist niedrig, aber die Entscheidung hängt stark davon ab: Kreislauf, Luftnot/Herzrasen, Schwindel, weiterer Blutverlust, Ferritin/Transferrinsättigung, Entzündungsaktivität, geplante weitere Eingriffe. Eine Eiseninfusion kann sinnvoll sein, wenn Eisenmangel eine Rolle spielt und keine akute Kontraindikation besteht. Bei aktiver schwerer Infektion sind manche Teams zurückhaltend, weil Eisen theoretisch Infektionsprozesse beeinflussen kann. Andererseits braucht Ihr Körper Reserven für die Erholung. Ich würde also nicht fordern „ich brauche unbedingt Eisen“, sondern fragen: „Könnten wir bitte Ferritin, Transferrinsättigung und Retikulozyten anschauen und gemeinsam entscheiden, ob eine Eiseninfusion trotz Infektlage sinnvoll und sicher ist?“ Bei Hb 8,3 und fortgesetzter Blutung ist diese Frage absolut berechtigt. 9. Familie, Rauchen, Schwiegereltern: Sie sind nicht empfindlich – Sie setzen eine normale Grenze Ganz klar: Natürlich sollten sich Menschen die Hände waschen, bevor sie einem Baby ins Gesicht fassen. Erst recht bei Rauchern, erst recht bei einem kleinen Baby, erst recht in einer Situation, in der Sie krank, erschöpft und infektbelastet sind. Und der Kommentar „hör auf zu stillen, jetzt hast du den Salat“ ist nicht hilfreich, nicht medizinisch sauber und schlicht unfair. Sie brauchen keine Schuldzuweisungen. Sie brauchen Ruhe, Hygiene, praktische Hilfe und Menschen, die nicht beleidigt sind, wenn man normale Baby-Schutzregeln einfordert. Ich würde die Grenze sehr einfach halten: „Wir freuen uns über Hilfe. Aber im Krankenhaus und bei Mia gelten klare Regeln: Hände waschen, nicht mit Rauchgeruch oder ungewaschenen Händen ins Gesicht des Babys, keine Diskussionen über das Stillen. Wenn das nicht geht, ist der Besuch im Moment keine Hilfe.“ Das klingt hart, aber es ist nicht hart. Es ist Selbstschutz. 10. Die Wiege war eine sehr gute Idee Das kann wirklich ein kleiner Gamechanger sein. Ihr Ziel muss jetzt nicht sein, alles „normal“ zu schaffen. Ihr Ziel ist: Infekt unter Kontrolle bringen, Schmerzen senken, Schlafinseln schaffen, Mia sicher versorgen, Stillen erhalten, wenn es für Sie und Mia noch passt, Konflikte konsequent reduzieren. Wenn Schwiegereltern Sie nach dem Besuch leerer und wütender zurücklassen, dann sind sie im Moment vielleicht nicht die richtige Hilfe – auch wenn sie es gut meinen oder beleidigt reagieren. Hilfe, die zusätzlichen Stress macht, ist keine Entlastung. Mein Gesamtgefühl Ich finde die Umstellung auf Imipenem bei multiresistenter Klebsiella plausibel, wenn das Resistogramm passt. Die Laborwerte dürfen nach einem Tag noch stehen bleiben. Entscheidend ist jetzt, ob in den nächsten 24–48 Stunden Fieber, Schüttelfrost, Unterbauchschmerz und Blutung weiter nachlassen. Dass Brust und Kreatinin besser aussehen, ist positiv. Und menschlich: Sie machen das nicht falsch. Sie sind nicht schuld. Sie sind schwer krank in einer Phase, in der Sie eigentlich Ihr Baby und Ihre Familie genießen sollten. Dass Sie traurig, wütend, erschöpft und enttäuscht sind, ist keine Schwäche – es ist eine normale Reaktion auf eine wirklich überfordernde Situation. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Imipenem jetzt endlich der richtige Schlüssel ist. Und bitte: Lassen Sie andere die Konflikte abfangen. Ihr Mann darf hier ruhig der Türsteher Ihrer Kräfte sein. Sie brauchen im Moment nicht mehr Diskussionen – Sie brauchen Schutz.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, wo fange ich denn am besten an? Am besten erstmal danke! Sie denken klasse mit, kompetent, umfassend, menschlich. Es ging schon richtig gut aufwärts am letzten Wochenende und dann traf es mich gestern wieder wie der Blitz. Schüttelfrost, Fieber fast 40 Grad, Unterbauchschmerzen, starke Blutung (1 Binde in 1 Stunde), Kreislaufprobleme, das volle Programm. Wieder Ultraschall, wieder ein Abszess, wieder eine OP. Danach war ich fertig mit der Welt und Mia hat mich schreiend völlig ausgehungert erwartet. Sie hat wirklich lieber stundenlang die Flasche abgelehnt und gehungert und auf mich gewartet. Ganze 10ml hat sie in der Zwischenzeit getrunken. Dann kam bei mir erstmal kaum Milch, ich denke, der Stress (körperlich und seelisch) hat in dem Moment die Milchmenge drastisch reduziert. Heute pumpe ich ab und zu etwas und es wird wieder mehr. Sie meinte, ich sollte nicht zu lange pumpen um nicht wieder in einen Milchstau zu rutschen. Wie lange ist es denn sinnvoll? Ist 5 Minuten schon zu lang? Heute: Ich beantworte Ihre Fragen: wird der Schüttelfrost weniger? → ja, die Zähne klappern nicht mehr, aber ich friere noch wenn Paracetamol nicht mehr wirkt, aber weniger sinken die Fieberspitzen? → von gestern fast 40 Grad auf heute 39,0 wird der Unterbauchschmerz weniger? → ein bisschen, ich denke, es schmerzt jetzt auch etwas von der OP? wird die Blutung ruhiger? →nicht mehr alle Stunden 1 Binde, jetzt ca. alle 3 Stunden 1 Binde. Das ist schon noch viel, finde ich. Oder? stabilisieren sich Kreislauf und Allgemeinzustand? →naja, Blutdruck ungefähr 95/60, Puls 105, ich fühle mich schon noch schlapp. Imipinem wurde als sensibel gegen Klebsiella pneumoniae MRGN getestet. Ich habe kein Zittern davon, Leberwerte und Elektrolyte sind alle in der Norm. Es hieß, die Urinmenge ist etwa 36ml pro Stunde. Ich wiege gerade 63kg. Ist die Urinmenge ok? Blutwerte: CRP 49,7 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 47,5 (Do) → 39,6 (Fr)  → 29,4 (Sa) → 30,2 (So) → 43,6 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 48,2 → (Di) → 46,1 (Mi)  → 52,4 (Do, dann Start Imipinem) → 52,0 (Fr) → 49,3 (Sa) → 41,8 (So) → 58,4 (Mo vor Abszess-OP) → 52,0 (Di) Leukozyten 15,3 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 15,0 (Do) → 14,3 (Fr)  → 13,2 (Sa) → 13,3 (So) → 16,9 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 17,1 (Di) → 16,9 (Mi) → 17,5 (Do, dann Start Imipinem) → 17,3 (Fr) → 17,0 (Sa) → 16,1 (So) → 17,7 (Mo vor Abszess-OP) → 17,2 (Di) PCT 0,46 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 0,41 (Do) → 0,40 (Fr) → 0,29 (Sa) → 0,33 (So) → 0,48 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 0,49 (Di) → 0,49 (Do, dann Start Imipinem) → 0,47 (Fr) → 0,45 (Sa) → 0,39 (So) → 0,48 (Mo vor Abszess-OP) → 0,45 (Di) Kreatinin 1,15 (Fr) → 1,17 (Sa) → 1,14 (So) → 1,22 (Mo) → 1,24 (Di, Reduktion Vancomycin) → 1,19 (Do, dann Start Imipinem) → 1,15 (Fr) → 1,13 (Sa) → 1,11 (So) → 1,10 (Mo vor Abszess-OP) → 1,08 (Di) eGFR 67,2 (heute) Wie sehen Sie die Werte? Das Schmerzmittel Metamizol wurde mir ergänzend zu Paracetamol gegeben. Ibuprofen ist wegen der Nieren weiterhin tabu. Was ich auf Embroytox zu Metamizol finde, ist nicht so beruhigend: „Klinik Eine Kasuistik beschreibt Zyanoseanfälle beim Säugling nach Einnahme von drei Dosen zu 500 mg Metamizol 18 h, 7 h und 2 h vorher durch die Mutter. Möglich ist ein Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme, da Metamizol in der Muttermilch sowie im kindlichen Serum und Urin nachgewiesen wurde. Empfehlung Einzelne Dosen von Metamizol erfordern keine Einschränkung des Stillens, Paracetamol oder Ibuprofen sind vorzuziehen.“ Sollte ich es besser weglassen oder mit viel Abstand zum Stillen nehmen (soweit möglich, denn Mia trinkt fast alle 2 Stunden)? Der Hb ist von 8,3 auf 7,9 (heute) gefallen. Ferritin 17 → 35 → 38 → 40 → 32 Transferrinsättigung 10% Retikulozyten 13.900 Wie stark ist die Anämie aus Ihrer Sicht? Mein Kreislauf ist nicht gut, besonders seit der OP gestern, mir ist schwindelig, der Puls ist schnell, ich blute weiter. Es hieß, ich erhalte heute noch eine Transfusion, nicht nur Eisen. Ist das richtig aus Ihrer Sicht? Sie haben recht, meinen Schwiegereltern muss man leider klare Grenzen setzen. Anders schaffen sie es leider nicht, das zu respektieren, was uns wichtig ist. Traurig aber wahr. Leider ist die Situation am Sonntag schon wieder eskaliert. Meine Schwiegermutter hat Mias Windel gewechselt, wollte zur Toilette und hat Mia dabei alleine (!) auf dem Wickeltisch liegen gelassen. Ich habe ihr hinterhergerufen, dass sie mir bitte Mia vorher geben soll, da ich sie nicht unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch lassen möchte und wieder musste ich mir anhören, dass ich obervorsichtig bin, meine Hormone mit mir durchgehen würden und Mia sich doch noch gar nicht dreht und da nichts passieren würde. Geschockt von dieser Uneinsichtigkeit bin ich selbst aufgestanden um sie zu holen. Diese Hilfe ist wirklich keine Hilfe. Manchmal zweifle ich schon an mir selbst, ob ich eine „Helikoptermama“ bin. Ich würde niemals ein Baby alleine am Wickeltisch liegen lassen, auch nicht 10 Sekunden. Gar nicht. Für mich schon wieder ein No Go. Und wieder mitten im Konflikt ohne es zu wollen. Darf ich Sie noch etwas zu unserem Großen fragen? Er macht mir gerade auch wieder Sorgen. Gestern Morgen hatte mein Mann das Gefühl, dass er sich warm anfühlt, man hat ihm aber sonst nichts angemerkt. Temperaturcheck: 38,4. Mist, er hat recht gehabt. Also kein Kindergarten, kein Besuch bei uns. Im Laufe des Tages stieg das Fieber bis 39,3 und er wurde zunehmend langsam, matschig, müde. Nach dem Nurofensaft ging es auf 38,0 runter und es ging ihm wieder besser, er hat zwar ruhig gespielt, aber er hat gespielt. Er sagt, es tut ihm auch nichts weh. Er hustet nicht, die Nase läuft nicht, nichts. Letzte Nacht wachte er mit Schüttelfrost weinend auf, mein Mann hat ihn getröstet, gekuschelt, umgezogen und ihm ein Paracetamol-Zäpfchen gegeben, weil es erst 6 Stunden seit dem letzten Nurofensaft waren. Heute Morgen ist er schon mit 39,5 aufgewacht, mit Nurofensaft 37,9, aber 5 Stunden später wieder 39,1 und wieder Paracetamol-Zäpfchen. Für die Höhe der Temperatur ist er wohl recht fidel (natürlich nicht so wie sonst, aber nicht total apathisch). Dennoch frage ich mich, was das jetzt wieder sein könnte… gestern hat er einmal gesagt, dass er Bauchweh hat, hat aber sobald das Fieber mit Nurofensaft runter ging, auch gegessen, nicht übermäßig, aber immerhin. Unsere Kinderärztin macht leider oft und sehr lang Urlaub, sie hat jetzt schon bis nach den Pfingstferien (8.6.) Urlaub. Würden Sie zur Vertretung mit ihm gehen? Oder was würden Sie mit ihm machen? Fiebersaft und Zäpfchen weiter? 39,5 ist ja schon ganz schön hoch und sobald der Fiebersaft nicht wirkt, schießt es wieder hoch und er legt sich aufs Sofa und spielt nicht mehr. Hoffentlich hat er Mia nicht wieder angesteckt, denn er war 12h bevor er Fieber bekam, bei uns und hat sie auch angefasst, zwar mit gewaschenen Händen, aber er fasst sich oft in sein eigenes Gesicht, wie Kinder das eben so machen. Wenigstens Mia geht es gerade gut und sie macht viele Fortschritte. Das tut meiner Seele gut. Sie ist wirklich mein Anker in dieser überfordernden Situation. Wenn die Tränen laufen, schaue ich sie an, sie lächelt und alles ist für den Moment vergessen. Sie hat seit ein paar Tagen immer längere Wachphasen (oft 2 Stunden oder 2,5 sogar), sie schläft anstatt 7-8 Mal am Tag auf einmal nur noch ca. 4 Mal am Tag und da auch oft nur 30 Minuten und danach wacht sie lächelnd und strampelnd in ihrer Wiege auf und schaut sich die Welt an. Die Wiege hilft super! Da schläft sie auch von selbst ein, wenn es schaukelt. Selbst beim Stillen trinkt sie die erste Brust oft noch sehr zügig und wenn dann das erste Sättigkeitsgefühl einsetzt, ist sie plötzlich an allem interessiert und schaut überall anstatt weiter zu trinken. Ihre Bauchlage wird auch besser. Die Handtuchrolle von Ihnen war der echte Gamechanger. Tolle Idee! Damit liegt sie nämlich höher, sieht mehr und dann hält sie viel länger durch. Grundsätzlich will sie nur noch so getragen werden, dass sie alles sieht, sonst kommt sofort Beschwerde. Die Welt ist ja so interessant. Unter ihrem Spielebogen versucht sie gerade aktiv den Ring zu greifen und schafft es manchmal schon kurz. Sollte sie jetzt auch hohes Fieber bekommen, darf sie auch schon Paracetamol und Nurofensaft (natürlich in ihrer Dosis) im Wechsel haben? Alle wieviele Stunden? Wie schnell sollte ein Kinderarzt sie sehen, wenn sie Fieber bekommt? Sie ist ja jetzt „schon“ ein bisschen über 3 Monate alt (geboren am 8.2.). Ich möchte Sie wirklich nicht mit meinen langen Nachrichten nerven. So viele Fragen, die auch nicht einmal Ihr Fachgebiet sind. Entschuldigung! Melde mich, wenn ich in der Lage bin. Herzliche Grüße :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sie nerven überhaupt nicht. Im Gegenteil — ich finde, Sie beschreiben die Situation sehr genau, und ich kann gut verstehen, wie erschöpft, überfordert und gleichzeitig wachsam Sie im Moment sind. Was Sie gerade durchmachen, ist körperlich und seelisch enorm viel. Nach Schüttelfrost, fast 40 °C Fieber, erneuten Unterbauchschmerzen, starker Blutung und erneutem Abszess mit OP ist völlig klar: Das ist keine „normale Wochenbett-Erschöpfung“, sondern eine ernsthafte Infektionssituation, die engmaschig stationär überwacht werden muss. Zu Ihren Werten: Dass der CRP nach der Abszess-OP noch nicht sofort deutlich fällt, ist nicht ungewöhnlich. Nach einer erneuten Entzündungsquelle und Operation kann der CRP erst verzögert reagieren. Wichtig ist jetzt weniger ein einzelner Wert, sondern der Verlauf: Fieber, Schüttelfrost, Kreislauf, Schmerzen, Blutung, Leukozyten, PCT, Nierenwerte und natürlich Ihr klinischer Eindruck. Die Leukozyten sind weiterhin deutlich erhöht, das PCT ist aber nicht extrem hoch. Das passt zu einer relevanten bakteriellen Infektion, aber nicht zwingend zu einer fulminanten Sepsis. Trotzdem: Ihr Körper arbeitet gerade schwer. Dass Imipenem gegen die Klebsiella pneumoniae MRGN sensibel getestet wurde, ist eine sehr wichtige und gute Nachricht. Damit haben die behandelnden Kolleginnen und Kollegen jetzt ein Antibiotikum, das gezielt wirken kann. Nun muss man beobachten, ob Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und Blutwerte in den nächsten 24–48 Stunden wirklich nachgeben. Zur Urinmenge: 36 ml pro Stunde bei 63 kg entspricht etwa 0,57 ml/kg/Stunde. Die klassische untere Grenze liegt etwa bei 0,5 ml/kg/Stunde. Das ist also gerade noch im akzeptablen Bereich, aber nicht üppig. Bei Infektion, Blutverlust, niedrigem Blutdruck und Nierenbelastung sollte das weiter eng kontrolliert werden. Wichtig ist: nicht nur die Menge, sondern auch Kreatinin, Elektrolyte, Blutdruck, Flüssigkeitsbilanz und Allgemeinzustand. Die Nierenwerte sehen im Verlauf eher etwas beruhigender aus: Kreatinin von 1,24 auf 1,08 ist eine gute Richtung. Trotzdem war es richtig, mit Ibuprofen vorsichtig zu sein. Zur Blutung: Eine Binde pro Stunde war eindeutig viel. Eine Binde alle drei Stunden ist besser, aber in Ihrer Situation mit Hb-Abfall, Kreislaufproblemen und frischer OP weiterhin etwas, das man ernst nehmen muss. Bitte weiter konsequent melden, wenn die Blutung wieder zunimmt, große Koagel kommen, Schwindel stärker wird oder der Puls weiter hochgeht. Zur Anämie: Ein Hb von 7,9 g/dl ist eine deutliche Blutarmut. Entscheidend ist nicht nur die Zahl, sondern auch Ihr Zustand: Schwindel, schneller Puls, niedriger Blutdruck, weitere Blutung, Infektion, frische OP und Erschöpfung. In dieser Kombination finde ich es absolut nachvollziehbar, dass nicht nur Eisen, sondern auch eine Bluttransfusion geplant wird. Das ist kein „Übertreiben“, sondern kann in dieser Situation sehr sinnvoll sein. Die niedrige Transferrinsättigung zeigt zusätzlich, dass Eisen fehlt. Die Retikulozyten wirken noch nicht so, als ob das Knochenmark bereits kraftvoll gegensteuert. Zum Pumpen und Stillen: Der Stress, die Infektion, die OP, Fieber und Blutverlust können die Milchmenge kurzfristig deutlich reduzieren. Das heißt nicht, dass das Stillen verloren ist. Oft kommt die Milch wieder, wenn Schmerz, Fieber, Kreislauf und Stress etwas besser werden. Wenn Mia nicht direkt trinken kann oder Sie entlastet werden müssen, kann kurzes Pumpen sinnvoll sein — eher zur Entlastung und zum Erhalt des Signals, nicht zum „Leer-Pumpen“. 5 Minuten sind in der Regel nicht zu lang. Oft reichen 5–10 Minuten, je nachdem, ob Milch kommt und ob die Brust gespannt ist. Ich würde im Moment nicht aggressiv lange pumpen, weil Sie tatsächlich keinen neuen Milchstau provozieren sollen. Lieber häufiger kurz und sanft als selten sehr lange. Entscheidend ist: Brust weich halten, Schmerzen vermeiden, aber keine Überstimulation. Zu Metamizol: Embryotox schreibt, dass einzelne Dosen Metamizol in der Stillzeit keine Einschränkung des Stillens erfordern, Paracetamol oder Ibuprofen aber vorzuziehen sind. Da Ibuprofen bei Ihnen wegen der Nieren gerade nicht ideal ist, kann Metamizol als einzelne oder kurzfristige Gabe vertretbar sein, wenn die behandelnden Ärzte es für nötig halten. Ich würde es aber nicht leichtfertig dauerhaft nehmen, sondern möglichst sparsam, in der niedrigsten wirksamen Dosis und mit Blick auf Mia. Ein möglichst großer Abstand zum Stillen kann theoretisch sinnvoll sein, ist bei einem Baby, das alle zwei Stunden trinkt, aber praktisch oft kaum machbar. Nach Einzeldosen müssen Sie nach Embryotox nicht abstillen oder verwerfen. Bitte achten Sie bei Mia auf ungewöhnliche Müdigkeit, Trinkschwäche, Blässe, Blauverfärbung oder auffälliges Verhalten — dann sofort ärztlich melden. (Embryotox ) Zu Ihren Schwiegereltern: Nein, Sie sind keine Helikoptermama, wenn Sie nicht möchten, dass ein Baby unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch liegt. Das ist schlicht vernünftig. Ein Baby gehört auf dem Wickeltisch immer unter unmittelbare Aufsicht — auch wenn es sich „noch nicht richtig dreht“. Der erste unkontrollierte Schwung passiert nicht nach Terminplan. In dieser Frage dürfen und sollten Sie klar bleiben. Vielleicht hilft innerlich dieser Satz: „Ich diskutiere hier nicht über Erziehungsstile, sondern über Sicherheit.“ Und wenn Hilfe mehr Stress, Konflikt und Risiko bringt, dann ist es keine echte Hilfe. Gerade jetzt brauchen Sie Menschen, die entlasten — nicht Menschen, die Ihre Grenzen infrage stellen. Zu Ihrem Großen: 39,5 °C Fieber, Schüttelfrost, deutliche Müdigkeit und kein klarer Infektfokus — also kein Husten, kein Schnupfen, keine klaren Halsschmerzen — würde ich bei einem Kind auf jeden Fall bei der kinderärztlichen Vertretung abklären lassen, besonders wenn das Fieber immer wieder hochschießt. Es kann natürlich ein Virus sein. Aber man sollte je nach Untersuchung auch Ohren, Rachen, Lunge, Bauch und Urin mitdenken. Wenn er apathisch wirkt, schlecht trinkt, Nackensteifigkeit, Atemprobleme, blasse/marmorierte Haut, anhaltende Bauchschmerzen, Ausschlag, starke Schmerzen oder Austrocknungszeichen zeigt: nicht warten, sondern Notdienst/Kinderklinik. Die aktuelle AWMF-Leitlinie empfiehlt Fiebersenker wie Paracetamol oder Ibuprofen vor allem dann, wenn das Kind durch das Fieber beeinträchtigt ist, also Schmerzen hat oder sich deutlich schlecht fühlt — nicht nur, um eine Zahl zu senken. (AWMF Leitlinienregister ) Paracetamol und Ibuprofen bitte nur in alters- und gewichtsangepasster Dosierung geben und nicht zu eng hintereinander. Ein Wechsel kann in manchen Situationen gemacht werden, sollte aber nicht chaotisch werden, weil man sonst schnell den Überblick verliert. Schreiben Sie am besten jede Gabe mit Uhrzeit, Wirkstoff und Dosis auf. Zu Mia: Dass Mia wachere Phasen bekommt, mehr sehen will, unter dem Spielbogen greift, in Bauchlage Fortschritte macht und sich für die Welt interessiert, klingt wunderbar. Das sind kleine Lichtblicke, und ich verstehe sehr gut, dass Ihnen das Kraft gibt. Wenn Mia jetzt Fieber bekommt, wäre ich bei einem etwas über drei Monate alten Baby weiterhin vorsichtig. Bei Säuglingen unter drei Monaten soll Fieber ab 38 °C ärztlich abgeklärt werden; bei 3–6 Monaten gilt hohes Fieber, besonders ab etwa 39 °C, ebenfalls als Warnsignal, das zeitnah ärztlich beurteilt werden sollte. (DGKJ ) Paracetamol ist bei Säuglingen grundsätzlich möglich, Ibuprofen erst ab 3 Monaten und nur bei passendem Gewicht und guter Flüssigkeitsaufnahme. Ich würde bei Mia aber nicht einfach routinemäßig Paracetamol und Nurofen im Wechsel geben, sondern bei Fieber zuerst kinderärztlich Rücksprache halten — besonders wegen ihres jungen Alters und der ganzen Infektsituation in der Familie. Wenn sie schlecht trinkt, ungewöhnlich schläfrig ist, schwer weckbar wirkt, blass/marmoriert ist, Atemprobleme hat oder Sie ein schlechtes Bauchgefühl haben: lieber sofort vorstellen. Mein Gesamtbild: Sie sind noch nicht „über den Berg“, aber es gibt einzelne gute Zeichen: Schüttelfrost weniger, Fieber etwas niedriger, Blutung nicht mehr stündlich, Kreatinin besser, gezieltes Antibiotikum vorhanden, Abszess operativ behandelt. Jetzt braucht Ihr Körper Zeit, Ruhe, Flüssigkeit, Blutaufbau, gute Schmerztherapie und klare Überwachung. Und ganz wichtig: Sie müssen gerade nicht stark wirken. Sie sind stark genug, weil Sie sich trotz allem kümmern, beobachten, fragen und für Ihre Kinder da sind. Aber jetzt dürfen auch andere für Sie sorgen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ach ich bin Ihnen so dankbar für Ihre Mühe, für Ihre klaren Erklärungen, für Ihre präzisen Antworten auf all meine Fragen, Sie sind ein ausgezeichneter Arzt und dazu noch menschlich tip top. Danke! Seit gestern geht es mir ein bisschen besser, das ist die beste Nachricht des Tages. Ich beantworte zuerst wieder Ihre Fragen: wird der Schüttelfrost weniger? → Ich feiere immernoch wenn Paracetamol nicht mehr wirkt,aber weniger  sinken die Fieberspitzen? → von fast 40 Grad Montag auf Dienstag 39,0  auf heute 38,6 wird der Unterbauchschmerz weniger? → Ja, aber es verkrampft sich auch noch immer  wird die Blutung ruhiger? →immernoch ca. alle 4 Stunden 1 Binde. Koagel kommen nicht.  stabilisieren sich Kreislauf und Allgemeinzustand? →naja, mir ist einfach schwindlig, Blutdruck weiterhin ungefähr 95/60, Puls 100. Also insgesamt nicht gut, aber ein minimaler Fortschritt Blutwerte:  CRP 49,7 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 47,5 (Do) → 39,6 (Fr)  → 29,4 (Sa) → 30,2 (So) → 43,6 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 48,2 → (Di) → 46,1 (Mi)  → 52,4 (Do, dann Start Imipinem) → 52,0 (Fr) → 49,3 (Sa) → 41,8 (So) → 58,4 (Mo vor Abszess-OP) → 52,0 (Di) → 48,0 (Mi) → 40,6 (Do) Leukozyten 15,3 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 15,0 (Do) → 14,3 (Fr)  → 13,2 (Sa) → 13,3 (So) → 16,9 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 17,1 (Di) → 16,9 (Mi) → 17,5 (Do, dann Start Imipinem) → 17,3 (Fr) → 17,0 (Sa) → 16,1 (So) → 17,7 (Mo vor Abszess-OP) → 17,2 (Di) → 16,8 (Mi) → 15,1 (Do) PCT 0,46 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 0,41 (Do) → 0,40 (Fr) → 0,29 (Sa) → 0,33 (So) → 0,48 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 0,49 (Di) → 0,49 (Do, dann Start Imipinem) → 0,47 (Fr) → 0,45 (Sa) → 0,39 (So) → 0,48 (Mo vor Abszess-OP) → 0,45 (Di) → 0,43 (Mi) → 0,38 (Do) Kreatinin 1,15 (Fr) → 1,17 (Sa) → 1,14 (So) → 1,22 (Mo) → 1,24 (Di, Reduktion Vancomycin) → 1,19 (Do, dann Start Imipinem) → 1,15 (Fr) → 1,13 (Sa) → 1,11 (So) → 1,10 (Mo vor Abszess-OP) → 1,08 (Di) → 1,14 (Mi) → 1,10 (Do) Wie bewerten Sie meine klinischen Symptome im Zusammenhang mit den Blutwerten? Kreatinin ist wieder leicht schlechter? Der Abszess wurde am Mo entfernt. Eine Bluttransfusion habe ich nun bekommen. Wann würde man den Hb, Ferritin, Transferrinsättigung wieder kontrollieren? Seit der Abszess-OP habe ich das Gefühl, es kommt wieder zu wenig Milch und Mia wirkt auch nicht immer satt zufrieden danach. Da sie die Flasche komplett ablehnt: wäre es einen Versuch wert mit Spritze oder Löffel? Metamizol traue ich mich kaum nehmen, weil ich wirklich Angst habe, dass es bei Mia schlimme Nebenwirkungen hervorruft. Ich versuche es mit Paracetamol und Wärmflasche. Aber da leide ich schon immer wieder wenn Paracetamol nachlässt. Ich bin froh, dass Sie die Situation mit dem Wickeltisch und meiner Schwiegermutter genauso sehen. Man zweifelt irgendwann an sich selbst wenn man solch nachlässige Menschen um sich herum hat. Ich denke mir, im Auto schnelle ich mich doch auch zur Prävention an ohne jedes Mal einen Unfall zu haben und warte nicht damit ab bis ich den ersten Unfall habe. Und ja, ich brauche gerade echt Hilfe von den anderen. Mia ist schon so viel wach jetzt und ich schaffe es in meinem Zustand einfach nicht, den ganzen Tag für sie da zu sein. Mein Mann kümmert sich nachmittags oft um sie, aber jetzt ist er mit unserem kranken Sohn gerade wieder voll eingespannt. Meine Schwiegereltern sind keine echte Hilfe. Meine Mutter kommt gerade sehr oft, aber gestern war zum Beispiel ein Tag, an dem keiner kommen konnte und das hat mich körperlich viel Kraft gekostet und irgendwann liefen dann meine Tränen - aus Erschöpfung, Angst, Überforderung. Mia ist ein Engelchen und beschäftigt sich lange unter dem Spielebogen alleine, doch irgendwann braucht sie auch wieder jemanden, der sie bespaß, wickelt usw. Gestern wurde mir genau schwindlig als ich mit ihr am Wickeltisch stand und habe es fast bereut, nicht um Hilfe gebeten zu haben. Ich würde Sie gerne nochmal zu unserem Großen fragen. Was mein Mann von unserem Großen berichtet, macht mir echt Sorgen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde er mit 40,6 Grad Fieber wach. Schon am Nachmittag vorher stieg das Fieber nur drei Stunden nach einem Paracetamolzäpfchen auf 39,6. Schüttelfrost und Schwitzen wechseln sich ab. Mein Mann war am Mittwoch mit ihm beim Kinderarzt. Alle Schnelltests (COVID, Influenza, RSV und noch zwei andere) waren negativ. Der Kinderarzt hat beim Abtasten der Lymphknoten am Hals sofort gesagt, dass das nach Streptokokken aussieht, weil besonders der eine extrem angeschwollen ist, wie ein Ball. Er hatte das Rezept fürs Antibiotikum schon direkt vorbereitet und als er das Ergebnis der Kapillaren Blutentnehmen sah, hat er es meinem Mann direkt in die Hand gedrückt und gemeint, dass er sich das schon gedacht hatte. Er sprach von einer Streptokokken Angina, gleichzeitig hat unser Sohn aber keine Halsschmerzen. Wie passt das zusammen? Eine typische Scharlachzunge hat er auch nicht. Einen Streptokokken Schnelltest hat der Arzt auch nicht gemacht. Kann er rein vom Tasten am Hals wissen, dass es Streptokokken sind? Er bekommt jetzt für 7 Tage Amoxicillin / Clavulansäure. Mein Mann hat mir ein Foto vom Ergebnis der Blutentnahme geschickt und nachdem mein CRP auch erhöht ist, konnte ich jetzt mit dem Wert meines Sohnes natürlich etwas anfangen. Sein CRP liegt bei 59. Das ist doch extrem hoch oder wird der Wert bei Kindern anders gelesen? Nicht dass er einen Abszess hat und der übersehen wurde? Bis jetzt (24h nach Antibiotikabeginn) ist das Fieber noch anhaltend hoch zwischen 39,3 und 40,6 (meist steigt es auf etwa 39,7) und unser Sohn hängt nur auf dem Sofa herum. Angeblich sollte das Antibiotikum schon nach 24h wirken, laut Arzt. Wann sollte er sich mit unserem Sohn nochmal vorstellen falls es nicht besser wird? Jetzt kommt das lange Pfingstwochenende auch noch. Gibt es nicht auch Streptokokken Schnelltests mit denen man sicher gehen hätte können? Ich tippe Ihnen die restlichen Werte meines Sohnes ab:  CRP 59 + LEU 13.95 + (5.00-10.00) LYM 2.04 (1.30-4.00) MON 0.30 (0.30-4.00) GRA 11.61 + (2.50-7.50) LYM % 14.6 - (25.0-40.0) MON % 2.1 (1.8-17.0) GRA % 83.3 + (50.0-75.0) ERY 4.90 (4.00-5.50) HGB 12.0 g/dl (12.0-17.4) HCT 38,74% (36.00-52.00) MCV 79 fl (76-96) MCH 24.5 pg - (27.0-32.0) MCHC 31.0 g/dl (30.0-35.0) RDWc 14.9% PLT 325 (150-400) PCT 0.25% MPV 7.7 fl - (8.0-15.0) PDWc 36.9% Lysierreagenz 0.90 ml PrVW 280/283 PrVR 312/314 Können Sie daraus auch etwas bakterielles lesen? MCH- und MCV-, was bedeutet das? Ist es richtig, dass eine Streptokokken Angina ein Zeichen eines schlechten Immunsystems sein kann? Er nimmt momentan wirklich alles mit und die Kinder in unserem Umfeld sind zwar auch oft krank, aber nicht gleich jedes Mal mit 40 Fieber und Covid, Influenza, Streptokokken. Ich hoffe auch wirklich, dass Mia nicht noch etwas bekommt. Wie ansteckend ist so etwas denn normalerweise? Kurz vor dem Gehen am Sonntag (12h vor dem ersten Fieberanstieg ) hat er sie einmal direkt angehustet. Eigentlich hustet er schon gut in die Armbeuge, aber da hatte er ausgerechnet nicht dran gedacht. Könnte es bei Mia sogar passieren, dass sie sich angesteckt hat und das Fieber aber nicht richtig sichtbar wird? Kleine Babys fiebern ja oft noch nicht richtig? Kann ich es dann sogar übersehen? Immerhin etwas positives möchte ich mit Ihnen teilen, da Sie uns schon so lange begleiten: Mia unterhält sich seit neustem mit ihren Spielsachen. Sie lächelt dann ganz zufrieden und redet und redet und redet und probiert dabei ganz süß ihre Stimme aus. Das ist so goldig und gibt mir so viel Kraft 🙂 Danke, dass Sie sich so für uns bemühen. Und ich fühle mich auch wirklich nicht stark gerade, da haben Sie recht. Ich versuche durchzuhalten. Herzliche Grüße :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Gerne — ich würde es so beantworten: warm, aber mit klarer medizinischer Orientierung und mit deutlicher Empfehlung zur erneuten Vorstellung des Sohnes vor dem langen Wochenende. Fachlich wichtig: Nach wirksamer Antibiotikatherapie gelten Streptokokken-Racheninfektionen meist nach etwa 24 Stunden als deutlich weniger ansteckend; ein Streptokokken-Schnelltest kann bei passender Klinik hilfreich sein, beweist aber nicht jede bakterielle Situation. Bei Kindern muss Fieber immer zusammen mit Allgemeinzustand, Trinkverhalten, Atmung, Hautfarbe und elterlicher Sorge bewertet werden.   Paracetamol und Ibuprofen gelten in der Stillzeit als Schmerzmittel der Wahl; Metamizol sollte eher zurückhaltend eingesetzt werden, einzelne Dosen erfordern laut Embryotox aber nicht zwingend eine Stillpause. Guten Abend, zuerst einmal: Die schönste Nachricht in Ihrer ganzen langen Nachricht ist tatsächlich, dass es Ihnen seit gestern zumindest ein wenig besser geht. Das klingt noch nicht nach „Entwarnung“, aber es klingt nach einer ersten vorsichtigen Wendung in die richtige Richtung. Ihre Werte und Ihre Beschwerden passen im Moment zu einer schweren entzündlichen Situation, die sich nur langsam beruhigt. Dass das CRP nach der Abszess-Operation von 58,4 auf 52,0, dann 48,0 und jetzt 40,6 gefallen ist, ist grundsätzlich ein gutes Zeichen. Auch die Leukozyten gehen von 17,7 auf 15,1 zurück. Das ist noch erhöht, aber die Richtung stimmt. Das PCT bleibt nur mäßig erhöht und steigt nicht weiter an. Auch das spricht eher dafür, dass die Situation kontrollierter wird und nicht völlig entgleist. Trotzdem: Sie sind klinisch noch nicht stabil. Fieber bis 38,6, Schwindel, Blutdruck um 95/60, Puls um 100, weiterhin Blutung und Erschöpfung sind Zeichen, dass Ihr Körper noch mitten in der Rekonvaleszenz steckt. Nach einer Abszess-OP darf man nicht erwarten, dass alles innerhalb von 24 bis 48 Stunden normal ist. Aber die Richtung muss weiter stimmen: weniger Fieber, weniger Schmerzen, stabilerer Kreislauf, sinkende Entzündungswerte. Das Kreatinin sehe ich im Verlauf eher als relativ stabil und nicht dramatisch verschlechtert. Es war zwischenzeitlich bei 1,24 und liegt jetzt bei 1,10. Der kleine Sprung von 1,08 auf 1,14 und wieder 1,10 ist in dieser Situation eher eine Schwankung als ein klarer Rückschritt. Wichtig bleibt aber: ausreichend Flüssigkeit, Kreislauf stabilisieren und bei Medikamenten wie Vancomycin, Gentamicin oder anderen potenziell nierensensiblen Substanzen weiter konsequent kontrollieren. Nach einer Bluttransfusion würde man den Hb meist relativ zeitnah kontrollieren, oft innerhalb von 24 bis 48 Stunden, je nach Situation auch früher. Ferritin und Transferrinsättigung kontrolliert man nicht unbedingt sofort am nächsten Tag, weil Ferritin als Entzündungswert in Ihrer Situation verfälscht hoch sein kann. Sinnvoller ist eine Kontrolle, wenn die akute Entzündung deutlich abgeklungen ist, zum Beispiel nach einigen Wochen. Der Hb, die Retikulozyten und gegebenenfalls Eisenparameter können dann helfen zu entscheiden, ob zusätzlich Eisen sinnvoll ist. Zur Milch: Nach Fieber, Operation, Blutverlust, Schmerzen, Stress und Erschöpfung ist es sehr plausibel, dass die Milchmenge vorübergehend zurückgeht. Das bedeutet nicht, dass das Stillen verloren ist. Es bedeutet vor allem: Ihr Körper kämpft gerade an vielen Fronten. Wenn Mia die Flasche ablehnt, kann man durchaus versuchen, kleine Mengen abgepumpte Milch oder Pre-Nahrung mit Spritze, Becherchen oder Löffel anzubieten. Das ist manchmal mühsam, aber es kann überbrücken. Wichtig ist, dass Mia ausreichend nasse Windeln hat, wach und rosig wirkt und nicht zunehmend schlapp oder ausgetrocknet erscheint. Wenn Sie unsicher sind, lieber einmal mehr die Hebamme oder Kinderärztin einbeziehen. Zu Metamizol: Ihre Sorge verstehe ich sehr gut. Paracetamol und Ibuprofen sind in der Stillzeit üblicherweise die bevorzugten Schmerzmittel. Metamizol würde ich nicht leichtfertig oder regelmäßig nehmen, aber eine einzelne notwendige Dosis ist nicht automatisch ein Grund zur Panik. Wenn Sie aber starke Schmerzen haben und Paracetamol nicht ausreicht, dann sollten Sie nicht heldenhaft leiden, sondern mit den behandelnden Ärzten eine klare, stillverträgliche Schmerzstrategie besprechen. Schmerz, Schlafmangel und Stress verschlechtern nämlich wiederum Kreislauf, Milchbildung und Erholung. Und ja: Sie brauchen Hilfe. Nicht „eigentlich“, sondern ganz konkret. Sie gehören im Moment nicht allein an den Wickeltisch, wenn Ihnen schwindlig ist. Das ist keine Schwäche, sondern nüchterne Unfallvermeidung. Sie haben völlig recht mit Ihrem Vergleich: Man schnallt sich im Auto nicht erst nach dem Unfall an. Wenn Ihnen beim Wickeln schwindlig wird, ist das ein ernstes Warnsignal. Bitte organisieren Sie die Tage so, dass Sie Mia möglichst im Sitzen versorgen, nichts im Stehen erzwingen und bei Schwindel sofort Hilfe holen. Im Zweifel muss jemand kommen, auch wenn es unbequem ist. Sie sind nicht in der Phase, in der Sie „funktionieren“ müssen. Sie sind in der Phase, in der Sie geschützt werden müssen. Zu Ihrem Großen: Das, was Sie berichten, klingt nach einem deutlich kranken Kind. Ein CRP von 59 ist bei einem Kind nicht harmlos, aber auch nicht automatisch ein Zeichen für einen Abszess oder eine Katastrophe. Zusammen mit Leukozyten von 13,95 und vor allem vielen Granulozyten passt das schon eher zu einer bakteriellen Entzündung oder zumindest zu einer kräftigen entzündlichen Reaktion. Rein aus den Blutwerten kann man aber nicht sicher sagen: „Das sind Streptokokken.“ Dafür braucht man die klinische Untersuchung und gegebenenfalls einen Rachenabstrich oder Schnelltest. Eine Streptokokken-Angina kann auch ohne starke Halsschmerzen auftreten, besonders bei kleineren Kindern. Auch die klassische Himbeerzunge oder Scharlachzunge muss nicht immer vorhanden sein. Stark geschwollene Halslymphknoten, hohes Fieber, reduzierter Allgemeinzustand und entsprechende Blutwerte können den Verdacht durchaus begründen. Sicher „ertasten“ kann man Streptokokken aber nicht. Man kann nur sagen: Das Muster passt dazu. Ein Schnelltest wäre grundsätzlich möglich gewesen und kann in unklaren Fällen helfen. Dass er nach 24 Stunden Antibiotikum noch fiebert, kann vorkommen. Trotzdem würde ich bei Fieber bis 40,6, stark reduziertem Allgemeinzustand und bevorstehendem langen Wochenende nicht zu lange abwarten. Wenn er weiter so hoch fiebert, schlecht trinkt, sehr schlapp ist, Nackensteifigkeit, Atemprobleme, zunehmende einseitige Halsschwellung, Schmerzen beim Schlucken, Speichelfluss, auffällige Hautfarbe oder starke Verschlechterung zeigt, sollte er sofort erneut ärztlich vorgestellt werden – notfalls kinderärztlicher Bereitschaftsdienst oder Kinderklinik. Wenn nach 36 bis 48 Stunden Antibiotikum gar keine klare Besserung erkennbar ist, würde ich ebenfalls erneut kontrollieren lassen. Dann muss man prüfen: Ist die Diagnose richtig? Passt das Antibiotikum? Gibt es eine andere Infektquelle, zum Beispiel Mittelohr, Lunge, Harnwege, Lymphknotenabszess oder etwas anderes? MCH und MCV: Das sind Werte der roten Blutkörperchen. MCV beschreibt die Größe der roten Blutkörperchen, MCH den Hämoglobingehalt pro rotem Blutkörperchen. Wenn MCH niedrig und MCV eher niedrig-normal sind, kann das zu einem beginnenden Eisenmangel passen. Das ist bei Kindern relativ häufig und hat mit der akuten Infektion nicht zwingend direkt zu tun. Der Hb von 12,0 liegt noch im unteren Normbereich. Das sollte man bei Gelegenheit kontrollieren, aber es erklärt nicht das akute hohe Fieber. Eine Streptokokken-Angina ist kein Beweis für ein schlechtes Immunsystem. Kinder nehmen Infekte oft gehäuft mit, besonders wenn Kindergarten, Geschwisterkontakte und Winter-/Frühjahrssaison zusammenkommen. Dass er gerade viel mitnimmt, ist belastend und frustrierend, aber nicht automatisch ein Immundefekt. Wenn allerdings ungewöhnlich schwere, ungewöhnlich häufige oder schlecht heilende Infektionen auftreten, kann der Kinderarzt natürlich später gezielt überlegen, ob man das Immunsystem einmal orientierend prüft. Zur Ansteckung von Mia: Nach Beginn eines wirksamen Antibiotikums nimmt die Ansteckungsfähigkeit bei Streptokokken meist nach etwa 24 Stunden deutlich ab. Vorher kann eine Ansteckung natürlich möglich sein. Dass er sie einmal angehustet hat, bedeutet aber nicht automatisch, dass sie sich infiziert hat. Trotzdem würde ich bei Mia jetzt besonders aufmerksam sein: Trinkverhalten, Wachheit, Hautfarbe, Atmung, Temperatur, nasse Windeln. Kleine Säuglinge können tatsächlich manchmal noch nicht so eindeutig fiebern wie größere Kinder. Wenn Mia auffällig schläfrig wird, schlechter trinkt, blass/grau wirkt, schneller oder angestrengt atmet, weniger nasse Windeln hat oder eine Temperatur ab 38,0 °C zeigt, bitte sofort kinderärztlich abklären lassen. Bei so kleinen Babys lieber einmal zu früh als einmal zu spät. Und trotz allem möchte ich Ihnen sagen: Dass Mia jetzt mit ihren Spielsachen „spricht“, lächelt und ihre Stimme ausprobiert, ist wunderschön. Genau solche kleinen Momente sind manchmal der Anker, wenn außen herum alles zu viel wird. Halten Sie sich daran fest. Sie müssen sich im Moment nicht stark fühlen. Sie müssen nur Schritt für Schritt durch diese Phase kommen – und Sie dürfen dafür jede Hilfe einfordern, die Sie bekommen können. Herzliche Grüße F. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Lieben Dank für Ihre Antwort. Das Positivste meiner Nachricht ist heute, dass es mir gerade endlich so viel besser geht. Sogar so viel besser, dass ich in 1-2 Tagen entlassen werde. Ich habe kein Fieber mehr, die Unterbauchschmerzen sind so gut wie weg, der Kreislauf ist wieder ganz gut, ich fühle mich nicht mehr so krank. Imipinem hat gewirkt. Was für eine Erleichterung und Freude. Aber sie ist noch etwas getrübt, denn es wäre ja leider nicht der erste kurze „Ausflug“ nach Hause bevor alles wieder losgeht. Die Freude ist groß, aber die Angst sitzt im Nacken, das muss ich ehrlich zugeben. Was mir noch etwas Sorgen macht: die Blutung ist viel besser aber nicht weg. Es blutet täglich noch bräunlich. Die Entzündungswerte und Hb sind wieder noch nicht perfekt: CRP 49,7 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 47,5 (Do) → 39,6 (Fr)  → 29,4 (Sa) → 30,2 (So) → 43,6 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 48,2 → (Di) → 46,1 (Mi)  → 52,4 (Do, dann Start Imipinem) → 52,0 (Fr) → 49,3 (Sa) → 41,8 (So) → 58,4 (Mo vor Abszess-OP) → 52,0 (Di) → 48,0 (Mi) → 40,6 (Do) →… → 13,2 (heute) Leukozyten 15,3 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 15,0 (Do) → 14,3 (Fr)  → 13,2 (Sa) → 13,3 (So) → 16,9 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 17,1 (Di) → 16,9 (Mi) → 17,5 (Do, dann Start Imipinem) → 17,3 (Fr) → 17,0 (Sa) → 16,1 (So) → 17,7 (Mo vor Abszess-OP) → 17,2 (Di) → 16,8 (Mi) → 15,1 (Do) →… → 12,8 (heute) PCT 0,46 (Mi, dann Beginn Vancomycin) → 0,41 (Do) → 0,40 (Fr) → 0,29 (Sa) → 0,33 (So) → 0,48 (Mo, Beginn Clindamycin und Gentamicin) → 0,49 (Di) → 0,49 (Do, dann Start Imipinem) → 0,47 (Fr) → 0,45 (Sa) → 0,39 (So) → 0,48 (Mo vor Abszess-OP) → 0,45 (Di) → 0,43 (Mi) → 0,38 (Do) →… → 0,15 (heute) Kreatinin 1,15 (Fr) → 1,17 (Sa) → 1,14 (So) → 1,22 (Mo) → 1,24 (Di, Reduktion Vancomycin) → 1,19 (Do, dann Start Imipinem) → 1,15 (Fr) → 1,13 (Sa) → 1,11 (So) → 1,10 (Mo vor Abszess-OP) → 1,08 (Di) → 1,14 (Mi) → 1,10 (Do) →… → 1,06 (heute) Hb 9,2 Wie finden Sie die Werte? Ich werde wohl wieder mit Eisentabletten entlassen werden, die dann stopfen. Wären weitere Eiseninfusionen bei der Frauenärztin aus Ihrer Sicht angezeigt? Ich soll voraussichtlich am Mittwoch nach Hause kommen und am Freitag wieder zur Kontrolle bei der Frauenärztin. Was sollte aus Ihrer Sicht alles kontrolliert werden? Denken Sie auch, einer Entlassung steht nichts im Weg? Bei den Blutwerten stand außerdem TSH 8,3. Mein TSH war nie auffällig. Wie kann das denn sein? Ich nehme auch keine Schilddrüsenmedikamente. Kann das ein einmaliger Ausrutscher sein? Unser Sohn macht uns gerade allen Sorgen. Sie sind zwar kein Kinderarzt, wissen aber doch immer etwas Gutes dazu. Er hatte ja seit Montag letzter Woche ganz hohes Fieber (40,7). Am Mittwoch meinte der Kinderarzt, dass er eine Mandelentzündung hat und ein Lymphknoten am Hals besonders groß ist (wie ein Tennisball). Amoxicillin-Clavulansäure hatte nicht angeschlagen. Weiterhin 40,7, Schüttelfrost nachts wechselte sich mit Schwitzen ab. Am Freitag war mein Mann wieder mit ihm beim Kinderarzt. Der Lymphknoten war noch größer, aus den Leukozyten 14.000 wurden sogar 18.000, CRP blieb gleich bei 59, GRA +, LYM -. Der Kinderarzt hat ihn in die Kinderklinik eingewiesen zum Ausschluss eines Abszesses am Lymphknoten und zur intravenösen Antibiotikagabe. Da macht man sich als Eltern echt Sorgen. Mein Mann hat zwischen Warten und Untersuchungen 5 Stunden mit ihm in der Kinderambulanz verbracht. Drei Ärzte haben ihm einen Ultraschall sämtlicher Lymphknoten am Hals gemacht. Weder Assistenz- noch Oberarzt waren sich sicher und vermuteten wirklich einen Abszess, der Kinderchirurg sah aber keinen Abszess und gab Entwarnung. Nach vielem Hin und Her wurde also entschieden, dass er das Antibiotikum zu Hause oral weiter nehmen sollte und man bei Kindern intravenös nur behandeln würde, wenn der Allgemeinzustand noch schlechter wäre (völlig apathisch, nicht mehr trinken) oder es die nächsten zwei Tage nicht besser werden würde. Zwei Tage später (Sonntag) wurde es wirklich das erste Mal besser, aber auch heute an Tag 7 des Antibiotikums (letzter Tag!) ist das Fieber nicht ganz weg sondern noch bei 38,5-39,0. Die Fieberspitzen nehmen ab, aber es ist nicht weg. Morgen sollte der Kinderarzt laut Arztbrief der Kinderklinik kontrollieren, ob das Antibiotikum abgesetzt werden kann. Die Antibiotikaflasche mit der Flüssigkeit ist nämlich jetzt dann leer. Doch mein Mann hofft, überhaupt einen Kinderarzt zu finden, der das machen kann, denn unsere Kinderärztin ist im Urlaub und hat nie eine offizielle Vertretung. Der Kinderarzt, der die Mandelentzündung festgestellt hat, ist der, zu dem wir immer gehen, wenn unsere Kinderärztin nicht da ist. Doch der ist jetzt auch im Urlaub ohne eine Vertretung zu haben. Ich dachte immer, jeder Arzt müsste das haben, wenn er Urlaub macht. Jetzt muss mein Mann erstmal jemanden finden, der die Kontrolle jetzt so mittendrin übernimmt. Und langsam wird es auch schwierig, wenn jedes Mal ein anderer Arzt die Entwicklung einer Krankheit beurteilt. Was sollte er machen? Blutwerte? Ultraschall um zu sagen ob er das Antibiotikum noch länger braucht? Sollte das Fieber nach 7 Tagen Fieber nicht endlich ganz weg sein? In der Kinderklinik hieß des, Amoxicillin-Clavulansäure passt, denn der Streptokokken-Schnelltest war positiv. Es hieß aber auch, dass sich im Rachen durchaus auch andere Keime gleichzeitig tummeln können, das Antibiotikum aber schon sehr breit gewählt ist. Nach anderen wurde nicht untersucht. Haben Sie einen Rat was Sie jetzt tun würden? Ich freue mich sehr auf zu Hause, aber ich habe auch großen Respekt davor. Ich merke die letzten Monate so deutlich. Meine Ausdauer ist so reduziert, ich weiß noch gar nicht wie ich zu Hause klarkommen soll und dann hat mein Mann ja gerade auch noch unseren kranken Sohn zu versorgen. Aber unsere zuckersüße Mia zaubert uns ein Lächeln in Gesicht wenn drum herum alles einzustürzen droht. Und die Physiotherapie scheint schon zu helfen. Sie dreht den Kopf schon viel besser in beide Richtungen und versucht jetzt ganz oft, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Bis zur Seite kommt sie auch und dann kämpft sie und schimpft frustriert, weil der Arm im Weg ist. Aber sie ist nah dran! Danke für Ihre Engelsgeduld mit mir. Ich hoffe, ich nerve Sie nicht zu oft. Sie sind top top!  Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das ist wirklich eine sehr, sehr gute Nachricht. Dass es Ihnen klinisch deutlich besser geht, dass das Fieber verschwunden ist, die Unterbauchschmerzen fast weg sind, der Kreislauf wieder stabiler ist und Sie sich nicht mehr so krank fühlen, ist das Wichtigste von allem. Genau das ist in einer solchen Situation oft aussagekräftiger als jeder einzelne Laborwert. Es spricht sehr dafür, dass die Kombination aus operativer Sanierung und Imipenem nun endlich die richtige Richtung gebracht hat. Ihre Sorge kann ich trotzdem sehr gut verstehen. Nach allem, was Sie in den letzten Wochen erlebt haben, wäre es fast unnatürlich, wenn Sie jetzt einfach nur unbeschwert nach Hause gehen würden. Die Freude ist da — aber das Sicherheitsgefühl muss erst wieder wachsen. Das ist völlig nachvollziehbar. Zu den Werten: Insgesamt sehe ich hier eine klare Besserung. Das CRP ist von wiederholt deutlich erhöhten Werten nun auf 13,2 gefallen — das ist ein sehr erfreulicher Rückgang. Auch die Leukozyten sind mit 12,8 noch nicht ganz normal, aber deutlich rückläufig. Das PCT mit 0,15 ist ebenfalls beruhigend. Kreatinin ist mit 1,06 wieder besser, was nach Vancomycin/Gentamicin und der ganzen Belastung ebenfalls wichtig ist. Der Hb von 9,2 erklärt sehr gut, warum Ihre Ausdauer noch so reduziert ist. Das ist nicht gefährlich niedrig, aber niedrig genug, um sich schlapp, kurzatmig, kraftlos und „nicht wie man selbst“ zu fühlen. Die bräunliche Blutung würde ich in dieser Situation nicht automatisch als schlechtes Zeichen werten. Nach Infektion, Operation, Entzündung und Wundheilung kann bräunliches Restbluten noch einige Zeit vorkommen. Wichtig ist: Es sollte nicht wieder stärker werden, nicht hellrot und mengenmäßig deutlich zunehmend sein, nicht übel riechen und nicht wieder mit Fieber, zunehmenden Schmerzen oder Kreislaufproblemen einhergehen. Ob einer Entlassung etwas im Weg steht, kann ich aus der Ferne natürlich nicht endgültig beurteilen. Aber wenn Sie fieberfrei sind, der Allgemeinzustand deutlich besser ist, die Schmerzen rückläufig sind, die Entzündungswerte klar fallen und im Ultraschall kein neuer problematischer Befund zu sehen ist, dann klingt eine Entlassung mit engmaschiger Kontrolle grundsätzlich plausibel. Für die Kontrolle am Freitag würde ich aus meiner Sicht Folgendes wichtig finden: klinischer Eindruck: Temperatur, Puls, Blutdruck, Allgemeinzustand gynäkologische Untersuchung und Ultraschall: Gebärmutter, Wund-/OP-Bereich, Douglasraum, freie Flüssigkeit, erneute Abszesszeichen, Hämatom oder Reste Blutwerte: CRP, Leukozyten, Hb, ggf. Thrombozyten, Kreatinin, Leberwerte und bei Bedarf PCT Kontrolle der Blutung: Menge, Farbe, Geruch, Schmerzhaftigkeit klare Rückkehr-Regeln: bei Fieber, Schüttelfrost, zunehmenden Unterbauchschmerzen, stärkerer Blutung, üblem Geruch, Kreislaufproblemen oder deutlicher Verschlechterung bitte nicht abwarten, sondern wieder sofort ärztlich vorstellen. Zum Eisen: Bei einem Hb von 9,2 ist Eisen natürlich ein Thema. Ob Tabletten reichen oder Eiseninfusionen sinnvoller sind, hängt vor allem von Ferritin, Transferrinsättigung, Verträglichkeit und Ihrer Gesamtsituation ab. Wenn Sie Eisentabletten schlecht vertragen oder sie sehr verstopfen, würde ich tatsächlich mit der Frauenärztin besprechen, ob eine intravenöse Eisengabe sinnvoll ist. Nach so einer schweren Entzündung und Operation sollte man Eiseninfusionen aber geplant und kontrolliert machen, nicht „einfach so“ nebenbei. Sinnvoll wäre daher: Ferritin und Transferrinsättigung mitbestimmen und dann entscheiden. Der TSH-Wert von 8,3 fällt auf. Das sollte man ernst nehmen, aber nicht panisch bewerten. In schweren Erkrankungen, nach Operationen, Infektionen und unter bestimmten Medikamenten können Schilddrüsenwerte vorübergehend irritiert sein. Trotzdem sollte man das nachkontrollieren. Ich würde TSH, fT3, fT4 und TPO-Antikörper bestimmen lassen — entweder noch in der Klinik oder zeitnah ambulant. Erst wenn sich der Wert bestätigt und vor allem wenn fT4 erniedrigt ist oder Beschwerden passen, muss man über eine Behandlung sprechen. Ein einmaliger Ausreißer ist möglich, aber kontrolliert werden sollte er auf jeden Fall. Zu Ihrem Sohn: Ich verstehe sehr gut, dass Sie sich Sorgen machen. Ein Kind mit so hohem Fieber, großem Halslymphknoten und Krankenhausabklärung macht einem als Eltern Angst — zumal Sie selbst gerade so viel durchmachen. Wenn der Streptokokken-Schnelltest positiv war und Amoxicillin/Clavulansäure gegeben wurde, ist das grundsätzlich ein breites und meist passendes Antibiotikum. Aber: Wenn nach 7 Tagen Antibiotikum immer noch Fieber bis 38,5–39,0 besteht, sollte er aus meiner Sicht unbedingt erneut ärztlich kontrolliert werden. Nicht, weil es automatisch gefährlich sein muss — aber weil man bei einem so langen Verlauf nicht einfach sagen sollte: „Die Flasche ist leer, also hören wir auf.“ Ich würde bei ihm mindestens kontrollieren lassen: Allgemeinzustand: trinkt er, ist er wach, ansprechbar, belastbar? Hals/Rachen/Mandeln: Rückgang oder Zunahme der Entzündung? Lymphknoten: kleiner, weicher, weniger schmerzhaft — oder größer, gerötet, überwärmt? Blutwerte: CRP, Leukozyten mit Differentialblutbild, ggf. PCT ggf. erneuter Ultraschall des Halses, wenn der Lymphknoten weiterhin sehr groß ist, schmerzt, gerötet ist oder der Befund nicht eindeutig rückläufig ist. Wenn kein Kinderarzt verfügbar ist, würde ich nicht lange telefonieren, sondern entweder den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst über 116117 kontaktieren oder — bei schlechtem Allgemeinzustand, Trinkschwäche, Atemproblemen, Nackensteifigkeit, zunehmender Schwellung, Rötung am Hals, erneuten Schüttelfrostanfällen oder sehr hohem Fieber — wieder direkt in die Kinderklinik gehen. Wichtig ist auch: Manchmal fällt das Fieber bei Kindern nicht sofort komplett ab, selbst wenn es langsam besser wird. Aber nach dieser Vorgeschichte und bei noch bestehendem Fieber sollte ein Arzt entscheiden, ob das Antibiotikum beendet, verlängert oder geändert werden soll. Das sollte nicht allein anhand der leeren Flasche entschieden werden. Und zuletzt: Sie nerven überhaupt nicht. Wirklich nicht. Sie sind gerade in einer extrem belastenden Situation — körperlich, seelisch, als Mutter, als Patientin und als ganze Familie. Dass Sie erschöpft sind, ist keine Schwäche, sondern eine völlig normale Reaktion auf eine außergewöhnlich schwere Zeit. Für zu Hause würde ich Ihnen sehr wünschen, dass Sie nicht versuchen, sofort wieder „funktionieren“ zu müssen. Ihr Hb ist niedrig, Ihr Körper kommt aus einer schweren Infektion, und Ihre Seele hat auch einiges mitgemacht. Zu Hause sollte erst einmal Rekonvaleszenz gelten: kurze Wege, viel Liegen, Hilfe annehmen, keine Heldentaten. Ihre Aufgabe ist nicht, sofort wieder alles zu tragen. Ihre Aufgabe ist jetzt, gesund zu werden. Und wie schön, dass Mia solche Fortschritte macht. Dieses kleine Kämpfen, Drehen, Schimpfen und Üben ist doch wunderbar. Manchmal ist es genau dieses kleine Leben, das einem zeigt: Es geht weiter — Schritt für Schritt. Ich freue mich sehr mit Ihnen über diese endlich gute Entwicklung und drücke fest die Daumen, dass es jetzt wirklich stabil bergauf geht. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke Ihnen so für Ihre Einschätzung, Ihren Rat zu mir UND meinem Sohn und für Ihre so verständnisvolle herzliche Art. So lieb, dass Sie sich mit uns freuen! Es ist wirklich eine schwierige Zeit, körperlich und seelisch. Es fühlt sich so merkwürdig, geradezu widersprüchlich an. Ich freue mich so, zu Hause zu sein, das eigene Bett ist einfach viel gemütlicher, aber vor allem sind Mia und ich bei unseren Lieben. Endlich. Bei meinem Mann, der sich so um uns alle kümmert und bei meinem Sohn, der Mama gerade dringend brauchen kann, so krank wie er selbst ist. Der Seele tut es so gut. Und gleichzeitig sitzt mir diese Angst im Nacken, dass es das letzte Mal gerade mal eine Woche gehalten hat, bis alles wieder von vorne losging und ich wieder ins Krankenhaus musste. Der Schock sitzt tief. Ich versuche nicht zu sehr in meinen Körper hinein zu hören um nicht jedes bisschen überzubewerten, sondern das schöne Wetter, die Sonne, im Gartenliegestuhl zu genießen. Den Nachbarn hörte ich heute jammern, dass es ja so heiß ist. Da dachte ich mir, wie glücklich ich einfach nur bin, diesen Moment Sonne und Wärme erleben und genießen zu dürfen. Es ist doch ein Geschenk 🙂 Doch ich merke die Einschränkungen schon noch sehr. Kaum ein Stockwerk hochgestiegen bin ich schon am Ende meiner Kräfte. Unser Sohn hängt gerade sehr an mir, die Freude, dass Mama endlich da ist, ist groß und gleichzeitig geht es ihm zwar besser, aber wir machen uns immernoch Sorgen. Das Antibiotikum hat nach 7 Tagen endlich zu einer Entfieberung geführt. Mein Mann war am Tag 8 (Am Morgen nach dem letzten Antibiotikum) mit ihm beim Kinderarzt zur Nachkontrolle. Die Praxis hatte doch offen, allerdings war nur ein anderer der drei Kinderärzte da und mein Mann sagt, man merkte, dass er den Fall nur so halb überblickte. Da kamen Fragen wie, ob er noch Husten habe, was er während der ganzen Infektion nie hatte. Der Arztbrief vom Krankenhaus wurde schnell überflogen. Es wirkte alles etwas oberflächlich. Bei der Untersuchung kam raus, dass die Mandeln nicht mehr entzündet aussehen, der Rachen aber noch leicht gerötet sei. Ohren ok. Da kein Fieber mehr da war, hieß es, 7 Tage Antibiotikum seine Standard und ausreichend. Mein Mann hat leider nicht gefragt, wie er sich dann den noch geröteten Rachen erklärt. Woran würden wir merken, dass das Antibiotikum zu bald abgesetzt wurde? Er würde wieder fiebern? Immerhin wurde nochmal kapillar Blut abgenommen und nochmal ein Ultraschall von dem großen Lymphknoten gemacht. Der Lymphknoten hat sich aber noch kaum verkleinert. Der Arzt meinte, das lymphatische System würde oft noch nachreagieren und das sei in gewissem Maß „normal“. Wir sollten nächste Woche nochmal zur Kontrolle kommen, dann müsste er kleiner werden. Ist das richtig? Kann das eine Woche nach Infektion noch immer so sein? Ich gebe Ihnen mal die Blutwerte. 20.5. -> 22.5. -> 27.5. + CRP 59 -> 59 -> 25 + LEU 13.95 -> 18.07 -> 8.48 (5.00-10.00) LYM 2.04 -> 2.12  -> 3.52(1.30-4.00) MON 0.30  -> 1.17 -> 1.09(0.30-4.00) + GRA 11.61 -> 14.78 -> 3.87(2.50-7.50) LYM % 14.6 (-) -> 11.7 (-) -> 41.5 (+)(25.0-40.0) MON % 2.1  -> 6.5 ->  12.8 (1.8-17.0) GRA % 83.3 (+) -> 81.8 (+) -> 45.7 (-)(50.0-75.0) ERY 4.90 -> 4.92 -> 4.71   (4.00-5.50) HGB 12.0 g/dl -> 12.3 -> 11.7 (-)(12.0-17.4) HCT 38,74% -> 39.52 -> 36.00 (36.00-52.00) MCV 79 fl -> 80 -> 76 (76-96) - MCH 24.5 pg -> 25.0 -> 24.9 (27.0-32.0) MCHC 31.0 g/dl -> 31.3 ->  32.6 (30.0-35.0) RDWc 14.9% -> 14.9 -> 15.0 PLT 325  ->  321 -> 283 (150-400) PCT 0.25% ->0.25 -> 0.19 - MPV 7.7 fl -> 7.7 -> 6.7 (8.0-15.0) PDWc 36.9% -> 37.4 -> 38.0 Lysierreagenz 0.90 ml ->  0.90 -> 0.90 PrVW 280/283 -> 275/279 -> 263/266 PrVR 312/314 -> 306/309 -> 299/302 Sie hatten schonmal einen Eisenmangel angesprochen, den Kinder oft haben. Mir fällt bei unserem Sohn gerade auf, dass er seit der Mandelentzündung so müde ist und sich unglaublich schwer tut, aus dem Bett zu kommen. Er schläft auch nachts gerade eher 12,5 Stunden. Vor der Mandelentzündung war er normalerweise spätestens nach 11,5 Stunden wach. Ich finde ihn auch sehr gereizt, was ich sonst nicht von ihm kenne. Ob das an der Veränderung durch meine Rückkehr liegt oder an den Nachwirkungen der Infektion oder an einem Eisenmangel, weiß ich auch nicht. Aber sobald er sich gerade für etwas anstrengen muss, wird geweint und nach Mama gerufen („Ich kann das nicht alleine.“). Sehr anstrengend in meinem unfitten Zustand. Plötzlich kann man nicht mehr alleine zur Toilette gehen, was vorher klappte usw. Er hat auch sehr viel abgenommen in der letzten Woche und man sieht die Knochen überall, die Hose rutscht. Er hatte kaum gegessen. Er isst jetzt wieder etwas besser, aber er ist grundsätzlich kein guter Esser, weder mengenmäßig noch von der Auswahl her. Ein sehr knatschiges Kind (Sie wissen schon, kein Gemüse, am besten den ganzen Tag trockene Nudeln oder Chicken Nuggets und bei Obst gehen nur geschälte Äpfel und Erdbeeren… schwierig…). Denken Sie, wir können ihm mal einen Eisensaft geben? Kann man da was falsch machen? Wir hätten sogar noch eine Flasche Rotbäckchen Vital zu Hause. Ab 4 Jahren werden 2-3 Mal täglich 10ml empfohlen. 20 ml am Tag enthalten dann 7mg Eisen, 20mg Vitamin C, 0,25mg Vitamin B1, 0,35mg Vitamin B2, 0,35mg Vitamin B6, 0,65 ug Vitamin B12. Sollten wir es vorher noch mit dem Kinderarzt beim nächsten Ultraschall besprechen? Und wie kann es eigentlich sein, dass die Lymphozyten, von denen es zu Beginn der Infektion zu wenig gab, jetzt auf einmal zu viele sind? Und bei den Granulozyten ist es genau andersrum auf einmal. Erst waren es zu viele, jetzt zu wenige. Das verstehe ich nicht. Der Kinderarzt meinte, so lange die Lymphozyten wieder in der Norm sind, hat das keine Bedeutung. Stimmt das? Ich war heute zur Kontrolle bei der Frauenärztin. Sie hat Ultraschall gemacht, das zum Glück o.B. war. Kein Hämatom, kein Abszess, alles gut. Blut abgenommen hat sie um Entzündungswerte, Nierenwerte, Leberwerte, Schilddrüsenwerte, Hb, Ferritin, Transferrinsättigung zu bestimmen. Darf ich Ihnen die Werte Anfang nächster Woche schicken sobald ich sie habe? Und ja, Mia ist unser Sonnenschein, der uns unsere Sorgen vergessen lässt. Seit zwei Tagen hält sie Spielzeug schon deutlich besser fest. Es fällt auch noch schnell runter, aber sie greift bewusst danach. Und wenn sie unter dem Spielebogen dann den Ring nicht schnell genug erwischt, schimpft sie. Und dann unterhält sie sich wieder ewig mit uns. Das ist wunderschön. Tagsüber schläft sie aber irgendwie nie länger als 30 Minuten. Sie schläft mit ihren 3,5 Monaten noch etwa 4 Mal am Tag 30 Minuten. Das ist schon wenig, oder? Nachts schläft sie dafür ganz gut, etwa 11-12 Stunden mit 2 Stillunterbrechungen insgesamt (gegen 4 und gegen 6-7 Uhr Früh). Insgesamt kommt sie so auf 13-14 Stunden Schlaf in 24 Stunden. Das ist nicht üppig, oder? Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende und danke nochmal für alles, was Sie für mich und meine ganze Familie leisten!Gestern lagen Mia und ihr Bruder auf einer Krabbeldecke endlich vereint im Garten im Schatten unter der Markise und haben sich gegenseitig angelächelt. Das hat mir so das Herz erwärmt. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Vielen Dank für Ihre so berührende Nachricht. Ich habe sie mit großer Anteilnahme gelesen. Man spürt zwischen jeder Zeile, wie viel Sie gerade körperlich und seelisch tragen müssen — und gleichzeitig auch, wie viel Liebe, Wärme und Dankbarkeit in Ihrer Familie gerade da ist. Dass Mia und ihr Bruder endlich wieder gemeinsam auf der Decke im Garten liegen und sich anlächeln konnten, ist wirklich ein wunderschönes Bild. Solche Momente sind keine Kleinigkeit. Gerade nach allem, was Sie erlebt haben, sind sie ein Geschenk. Und ja: Ich kann sehr gut verstehen, dass die Freude über das Zuhause-Sein noch nicht ganz unbeschwert ist. Wenn man schon einmal erlebt hat, dass es eine Woche gut ging und dann plötzlich wieder alles von vorne begann, bleibt der Körper innerlich auf Alarm. Das ist keine Überempfindlichkeit, sondern eine sehr normale Reaktion nach einem echten Schock. Trotzdem ist es gut, dass Sie versuchen, nicht jedes einzelne Körpersignal sofort zu bewerten, sondern auch bewusst Sonne, Wärme, Garten und Familie wahrzunehmen. Das ist nicht „Verdrängen“, sondern eine sehr gesunde Art, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Sehr erfreulich ist, dass Ihre frauenärztliche Kontrolle im Ultraschall unauffällig war: kein Hämatom, kein Abszess, kein auffälliger Befund. Das ist nach Ihrem Verlauf eine wirklich wichtige und gute Nachricht. Natürlich dürfen Sie mir die Blutwerte Anfang nächster Woche gerne schicken. Gerade CRP, Blutbild, Hb, Ferritin, Transferrinsättigung, Leber- und Nierenwerte sind in Ihrer Situation sinnvoll, um zu sehen, ob sich auch im Blutbild die klinische Besserung bestätigt. Zu Ihrem Sohn: Nach den Werten, die Sie mir geschickt haben, sieht man insgesamt eine deutliche Entspannung der Infektion. Das CRP ist von 59 auf 25 gefallen, die Leukozyten sind wieder im Normbereich, und vor allem die Granulozyten, die bei einer bakteriellen Entzündung oft deutlich erhöht sind, sind wieder stark zurückgegangen. Das passt gut dazu, dass er entfiebert ist und sich die Mandeln nicht mehr entzündet zeigen. Dass der Rachen noch etwas gerötet ist, muss nicht automatisch bedeuten, dass das Antibiotikum zu früh beendet wurde. Schleimhäute können nach einer Infektion noch einige Tage gereizt aussehen. Entscheidend ist eher der klinische Verlauf: Kommt wieder Fieber? Wird er wieder deutlich kränker? Nimmt der Hals- oder Schluckschmerz wieder zu? Wird der Lymphknoten größer, stärker schmerzhaft, gerötet oder überwärmt? Wird er apathisch oder trinkt schlecht? Das wären Zeichen, bei denen man nicht bis zur nächsten Routinekontrolle warten sollte. Dass der große Lymphknoten sich nach einer Woche noch kaum verkleinert hat, kann tatsächlich noch im Rahmen sein. Lymphknoten sind keine Fieberthermometer, die sofort wieder auf null gehen. Sie können nach einer kräftigen Infektion noch längere Zeit vergrößert bleiben, auch wenn die eigentliche Entzündung schon am Abklingen ist. Wichtig ist, dass er in den nächsten Wochen kleiner, weicher und unauffälliger wird und dass keine neuen Warnzeichen dazukommen. Die geplante Kontrolle nächste Woche ist deshalb vernünftig. Zu den Lymphozyten und Granulozyten: Das ist ein typischer Punkt, der auf dem Papier beunruhigend aussieht, aber häufig schlicht den Verlauf der Immunreaktion widerspiegelt. Am Anfang einer bakteriellen Entzündung sind oft die Granulozyten erhöht und der relative Anteil der Lymphozyten niedriger. Wenn die akute bakterielle Phase abklingt, gehen die Granulozyten zurück, und der relative Anteil der Lymphozyten steigt wieder an. Entscheidend ist hier vor allem die absolute Zahl. Bei Ihrem Sohn liegen die Lymphozyten absolut mit 3,52 im Normbereich. Auch die Granulozyten sind absolut mit 3,87 im Normbereich. Dass die Prozentwerte etwas verschoben wirken, ist bei einem sich erholenden Blutbild nicht ungewöhnlich. Insofern hat der Kinderarzt mit dieser Einschätzung grundsätzlich recht. Was mir bei Ihrem Sohn aber auffällt, ist etwas anderes: Er hat deutlich abgenommen, war eine Woche krank, hat schlecht gegessen, ist müde, gereizt und wirkt körperlich erschöpft. Das kann sehr gut eine normale Erholungsphase nach einer kräftigen Infektion sein. Kinder sind danach oft nicht sofort wieder „die Alten“. Sie brauchen manchmal erstaunlich lange, bis Energie, Appetit und Stimmung wieder stabil sind. Ein Eisenmangel ist zusätzlich möglich. Das Blutbild zeigt mit niedrigem MCH und eher niedrigem MCV zumindest eine Richtung, die zu kleinen, eher eisenarmen roten Blutkörperchen passen kann. Das beweist noch keinen Eisenmangel, macht es aber sinnvoll, beim Kinderarzt Ferritin, Transferrinsättigung und möglichst auch CRP mitzubestimmen oder die Werte nach Abklingen der Entzündung zu kontrollieren. Einen milden Eisensaft wie Rotbäckchen würde ich nicht dramatisieren. Mit 7 mg Eisen pro Tag ist das eher eine niedrige Ergänzungsdosis und keine starke therapeutische Eisengabe. Damit macht man kurzfristig in der Regel nichts Gefährliches. Trotzdem würde ich es beim nächsten Kinderarzttermin ansprechen, vor allem weil man bei echtem Eisenmangel anders dosieren und später auch kontrollieren würde. Wichtig wäre außerdem: Eisen nicht zusammen mit Milchprodukten geben, weil Milch die Aufnahme hemmen kann. Mit etwas Vitamin C oder Saft wird Eisen besser aufgenommen. Wenn er Bauchweh, Verstopfung oder dunkleren Stuhl bekommt, kann das vom Eisen kommen. Was Sie aktuell vor allem tun können: nicht kämpfen ums Essen, sondern Kalorien und Eiweiß sanft wieder anbieten. Kleine Portionen, häufig, ohne Druck. Wenn gerade Nudeln, Joghurt, Ei, Käse, Pfannkuchen, Kartoffeln, etwas Fleisch, Fischstäbchen, Nuggets, Erdbeeren oder Apfel gehen, dann ist das in dieser Erholungsphase erst einmal besser als ein täglicher Machtkampf um Gemüse. Erst wieder Kraft, dann wieder Erziehung zur Vollwertkost. Zu Mia: Was Sie beschreiben, klingt sehr schön und altersentsprechend. Dass sie mit 3,5 Monaten gezielt greift, Dinge festhält, sich ärgert, wenn es nicht klappt, und „erzählt“, sind wunderbare Entwicklungsschritte. Der Schlaf klingt für mich nicht besorgniserregend. Viermal 30 Minuten am Tag ist zwar für die Eltern anstrengend, aber in diesem Alter nicht ungewöhnlich. Viele Babys schlafen tagsüber nur kurze Zyklen und holen sich den Hauptschlaf nachts. Wenn sie nachts insgesamt gut schläft, trinkt, zunimmt, wach interessiert wirkt und sich gut entwickelt, dann sind 13–14 Stunden Schlaf in 24 Stunden durchaus in Ordnung. Nicht jedes Baby liest die Lehrbücher. Manche schlafen tagsüber kurz und nachts ordentlich — das ist nicht automatisch zu wenig. Und zu Ihnen selbst: Bitte erlauben Sie sich diese Schwäche. Nach Infektion, Krankenhaus, Antibiotika, Angst, Stillen, Sorge um zwei Kinder und körperlicher Erschöpfung ist es völlig normal, dass ein Stockwerk sich wie ein Berg anfühlt. Sie müssen jetzt nicht „funktionieren“. Ihr Körper hat noch Rekonvaleszenz vor sich. Gerade weil Ihr Sohn Sie jetzt so stark braucht, ist es wichtig, dass Sie nicht alles allein tragen. Wo Ihr Mann, Familie oder andere helfen können, sollten Sie Hilfe wirklich annehmen — nicht als Luxus, sondern als medizinisch vernünftige Maßnahme. Bitte achten Sie bei sich weiter auf Warnzeichen: wieder Fieber, zunehmende Unterbauchschmerzen, stärker werdende Blutung, Schüttelfrost, Kreislaufprobleme, übelriechender Ausfluss oder ein deutliches Krankheitsgefühl. Dann bitte nicht zögern, sondern sofort wieder ärztlich vorstellen. Aber der aktuelle Ultraschallbefund ist erst einmal sehr beruhigend. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass dieses Wochenende ein wirkliches Zuhause-Wochenende wird: mit Sonne, Garten, Mia, Ihrem Sohn, Ihrem Mann — und mit möglichst viel Ruhe zwischen all den Sorgen. Manchmal ist Heilung nicht spektakulär. Manchmal ist Heilung genau dieser Moment: zwei Kinder im Schatten auf einer Decke, ein kleines Lächeln, und zum ersten Mal wieder das Gefühl, dass das Leben nicht nur Angst ist, sondern auch Wärme. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Sie sind soooo lieb! Das ist extrem toll was Sie machen, wie Sie sich mit uns freuen, uns helfen, uns Beistand leisten!!! Ich habe wirklich Vertrauen in Sie als Arzt und Begleiter entwickelt. Ich weiß irgendwie, dass Sie immer einen guten Rat haben wenn der Schuh wieder drückt. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken. Es tut so unglaublich gut, diese Wärme der Sonne aber vor allem meiner Familie zu spüren. Das heilt die Seele so sehr! Und trotzdem ist das gerade alles andere als leicht. Unser Sohn verlangt ganz viel Mama und wenn Papa dann übernehmen möchte um mich zu entlasten, weil mir einfach so schnell die Puste ausgeht, wird traurig geweint („Nein, die Mama soll! Nicht der Papa!“) und wenn Papa dann erklärt, dass Mama selber noch krank ist, dann wird viel geweint. So streitet sich in mir immer Vernunft („Du brauchst selbst Erholung, lass Papa es machen!“) gegen Mitleid und Herz („Der Arme, Mama hat ihm gefehlt, er ist selbst auch noch nicht fit!“). Und so habe ich wahrscheinlich schon viel zu viel gemacht und merke schon nach drei Tagen zu Hause heute wieder Unterleibsschmerzen, wieder im Bereich der Gebärmutter, so gut kann ich es jetzt nach so vielen Infektionen schon selbst lokalisieren. Ich versuche sie nicht zu dramatisieren und mir zu sagen, dass das nur die „Nachwehen“ sind. Aber vorhin haben sie mich irgendwie ganz schön gequält. Dann habe ich eine Ibu genommen und mich hingelegt und jetzt spüre ich sie nur noch zart. Aber ich weiß nicht, ob das schon in Bereich des „Das muss unbedingt gleich kontrolliert werden“ ist oder im Bereich „Warten wir mal ab“. Hätte ich nicht meine Vorgeschichte, würde ich wahrscheinlich eher sagen, mal sehen was passiert. Die Blutung ist zwischendurch minimal rötlich, was sie gestern noch nicht war, aber insgesamt weiterhin eher braun. Vorhin war mir etwas kalt und ich habe Fieber gemessen und hatte aber zum Glück nur 37,8 wobei ich nicht weiß ob darauf Verlass ist, denn ich hatte ja zwei Stunden vorher eine Ibu genommen. Denken Sie, wir können ganz entspannt mal bis Montag abwarten wenn es nicht dramatischer wird? Oder ab welcher Temperatur sollen wir aktiv werden? Mein Mann war vorhin schon wieder besorgt und wollte keiner gleich wieder in die Klinik fahren, aber ich glaube, das wäre etwas übertrieben. Was denken Sie? Vielen lieben Dank für Ihre ausführliche Erklärung und Ihre Idee zu unserem Sohn. Das hat mich sehr beruhigt und mir eine klare Idee gegeben, dass wir beim Arzttermin am Montag zum Ultraschall seinen Lymphknotens mal fragen, ob man ihm Blutnehmen könnte um seinen genauen Eisenstatus mit Ferritin und Transferrinsättigung zu untersuchen. Welche Werte braucht man da noch? Da wird unser Sohn zwar nicht begeistert sein nachdem ihm letzte Woche so oft Blut genommen wurde und er mir ganz „traumatisiert“ erzählt hat, wie blöd er das fand, aber ich denke, es muss manchmal leider sein. Ich fürchte, das geht auch nicht kapillar? Er gähnt so viel momentan und ist so schnell übermüdet und überfordert mit sich selbst und der Welt. Das ist auch für mich so anstrengend, diese „Befindlichkeiten“ auszuhalten und am besten auch noch liebevoll zu begleiten obwohl ich selbst so kraftlos bin. Und obwohl Mia wirklich nicht schwierig ist, gibt es sie ja auch noch und Babys brauchen eben doch von Natur aus viel Zuwendung. Meine Schwiegereltern waren gestern Nachmittag da um uns unter die Arme zu greifen, aber emotional ist das für mich oft mehr Stress als Hilfe. Meine Schwiegermutter hat mich gleich wieder verärgert und Mia weinend auf dem Bauch am Boden liegen gelassen mit der Begründung, sie sollte doch ihre Bauchlage trainieren. Sie macht das ja auch schon sehr gut jetzt und hält es oft 5 Minuten aus, aber dann nörgelt sie eben und man merkt, dass sie nicht mehr kann und der Kopf schon auf den Boden fällt. Als Mia weinte, habe ich meine Schwiegermutter gebeten, Mia zu erlösen und sie auf den Rücken zu drehen oder hoch zu nehmen.  Da wurde ich gleich wieder schief angeredet, dass ich nicht gleich beim ersten Jammern reagieren dürfte, sonst würde sie zur Prinzessin werden. Ich finde das unmöglich, denn man konnte sichtlich erkennen, wie es Mia einfach zu viel wurde. Sie konnte das nicht mehr halten und warum sollte ich sie da quälen? Jedenfalls hat sich meine Schwiegermutter nichts von mir sagen lassen und ich habe Mia dann selbst hochgenommen obwohl ich mich gerade auf dem Sofa ausgeruht hatte, weil es mir eben einfach noch nicht so gut geht. Wenn Hilfe dann in Diskussionen und Streit endet, will ich lieber gar keine. Manchmal lässt sie mich an mir selbst zweifeln. Aber ich quäle meine Kind nicht, wenn ich sehe, es kann nicht mehr? Und auch mit dem Essen unseres Sohnes reden Sie mir aus der Seele. Gerade wenn Essen sowieso schon nicht interessant ist, weil er noch mit den Nachwirkungen der Mandelentzündung kämpft, ist es mir lieber, er isst etwas, auch wenn es nicht das Gesündeste vom Gesündesten ist, als dass er gar nichts isst. Er wollte einen Pfannkuchen mit zwei Rosinen als Augen und einem Zuckermund. Also habe ich meine Schwiegermutter gebeten, den Teig für den Pfannkuchen zu machen. Doch da argumentiere sie wieder, dass er am Mittag nicht einmal seine Kartoffel gegessen hat und stattdessen nur das Fischstäbchen, das ja Tiefkühlkost ist und das sei ja nicht gerade gesund und dafür würde ich ihn jetzt belohnen. Dann weinte unser Sohn und am Ende hatte ich mit dem Trösten alle Hände voll zu tun. Wenn sie nur beim Rauchen ihrer Zigaretten auch so auf “gesund” achten würde… da lässt sie sogar ein Baby passiv rauchen. Unsere Erziehungsstile passen einfach nicht zusammen. Aber ich bleibe positiv: Es bleibt hoffentlich alles gut. Das Bild von Mia und ihrem Bruder auf der Krabbeldecke im Schatten hätte ich Ihnen ja zu gerne gezeigt. Die beiden sind so goldig zusammen! :) Über eine kurze Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen aber Sie sind schon immer so viel für mich da, ich will Sie am Wochenende nicht so viel nerven. Ich hoffe, auch Sie genießen die Wärme mit der Familie 🙂 Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, ich freue mich sehr, dass Sie zu Hause sind, die Sonne, Ihre Familie und diese kleinen schönen Momente mit Ihren Kindern genießen können. Gerade nach allem, was Sie durchgemacht haben, ist das wirklich etwas sehr Wertvolles. Trotzdem verstehe ich Ihre Sorge sehr gut. Bei Ihrer Vorgeschichte darf man Unterbauchschmerzen und wieder etwas rötlichere Blutung nicht einfach völlig wegwischen. Andererseits klingt es im Moment — so wie Sie es beschreiben — noch nicht zwingend nach „sofort Klinik“, wenn die Schmerzen nach Ibuprofen und Ruhe deutlich besser geworden sind, die Blutung insgesamt eher braun und nicht stark ist und die Temperatur nur bei 37,8 °C lag. Ich würde es so einordnen: Wenn es bei leichten bis mäßigen Beschwerden bleibt, die sich durch Ruhe und Schmerzmittel bessern, keine stärkere frische Blutung dazukommt und die Temperatur nicht weiter steigt, kann man wahrscheinlich zunächst engmaschig beobachten und die Kontrolle am Montag wahrnehmen. Aktiv werden bzw. lieber früher in der Klinik anrufen oder sich vorstellen sollten Sie aber, wenn eines dieser Zeichen auftritt: Temperatur ab etwa 38,0 °C bis 38,5 °C, vor allem wenn sie wiederholt gemessen wird oder nach Ibuprofen/Paracetamol nicht klar sinkt Schüttelfrost oder ein deutliches Krankheitsgefühl wie bei den letzten Infektionen zunehmende Unterbauchschmerzen, besonders wenn sie trotz Ruhe und Schmerzmittel stärker werden frische stärkere Blutung, Koagel oder wieder eine Blutungsmenge wie zuvor Kreislaufprobleme, Schwindel, Herzrasen oder das Gefühl: „Irgendetwas stimmt nicht“ Gerade weil Ibuprofen Fieber etwas verschleiern kann, würde ich die Temperatur heute und morgen eher nüchtern beobachten: also nicht direkt nach Schmerzmittelgabe bewerten, sondern mit etwas Abstand nochmals messen. Und bitte nehmen Sie den Satz ernst: Sie müssen jetzt nicht beweisen, dass Sie wieder funktionieren. Ihr Körper ist noch in einer Erholungsphase. Wenn Ihr Sohn „Mama“ möchte, ist das rührend — aber Mama darf auch krank sein. Papa darf übernehmen, auch wenn dabei geweint wird. Das ist nicht herzlos, sondern notwendig. Ihr Sohn darf traurig sein, und trotzdem darf Ihr Körper geschützt werden. Zu Ihrem Sohn: Für die Eisenabklärung wären Ferritin, Transferrinsättigung, Serum-Eisen, Transferrin beziehungsweise TIBC, Hämoglobin, MCV, MCH und CRP sinnvoll. Das CRP ist wichtig, weil Ferritin bei Entzündung auch falsch hoch wirken kann. Kapillar ist manches möglich, aber für einen wirklich brauchbaren Eisenstatus ist venöses Blut meist zuverlässiger. Und zu Mia: Nein, Sie quälen Ihr Kind natürlich nicht. Im Gegenteil. Bauchlage ist gut und wichtig — aber nicht als „Durchhalten trotz Erschöpfung“. Wenn ein Baby sichtbar nicht mehr kann, den Kopf nicht mehr halten kann und weint, dann darf und soll man es umlagern oder hochnehmen. Ein Baby wird dadurch nicht zur Prinzessin. Es lernt: Meine Signale werden verstanden. Das ist Bindung, nicht Verwöhnung. Auch beim Essen Ihres Sohnes sehe ich es pragmatisch: Nach Krankheit zählt oft zuerst, dass überhaupt wieder Energie, Freude und Normalität ins Essen kommen. Ein Pfannkuchen mit Rosinenaugen und Zuckermund ist in so einer Situation keine pädagogische Niederlage, sondern manchmal genau das, was ein erschöpftes Kind braucht: etwas Liebevolles, Einfaches und ein bisschen Normalität. Bitte versuchen Sie, Hilfe so zu organisieren, dass sie wirklich entlastet — nicht so, dass Sie am Ende zusätzlich diskutieren, trösten und Grenzen verteidigen müssen. Im Moment brauchen Sie Schutz, Ruhe und Menschen, die Ihre Entscheidungen respektieren. Ich hoffe sehr, dass es jetzt einfach „Nachwehen“ der ganzen Belastung sind und sich alles weiter beruhigt. Aber Sie kennen Ihren Körper inzwischen leider sehr gut: Wenn sich das Gefühl verändert, wenn Fieber oder Schüttelfrost dazukommt oder die Schmerzen wieder klar zunehmen, dann bitte nicht tapfer abwarten, sondern früher Kontakt aufnehmen. Und das Bild von Mia und ihrem Bruder auf der Krabbeldecke im Schatten kann ich mir sehr gut vorstellen. Genau solche Bilder sind es, für die sich diese ganze schwere Zeit hoffentlich Schritt für Schritt wieder in Richtung Licht bewegt. Herzliche Grüße Ihr F. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre klare Einschätzung und Ihre Benennung klarer Warnzeichen, wann wir uns wie verhalten sollen, war so wertvoll! Lieben Dank! Leider waren es keine Nachwehen, sondern es hat mich wieder erwischt. Dieses Mal hat es ganze 4 Tage zu Hause gehalten.  😞 Und mir geht’s wieder schlecht. Aber immerhin heute schon etwas besser. Ich wünschte die Unterleibsschmerzen wären nur „Nachwehen“ gewesen wie Sie mit mir gehofft haben. Am Samstag ging es mir noch einigermaßen, wobei ich nachts schon zu frieren begann und am Sonntag explodierte alles: Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, die Blutung wurde immer stärker (rot, Kleine Koagel, übel riechend, krampfhafte Schmerzen dabei), ich musste alle zwei Stunden Binde wechseln, Fieber bis 39,7, mit Ibu ging es zumindest auf 39,0 runter, aber die Unterbauchschmerzen waren trotzdem unerträglich. Ich konnte kaum mehr laufen. Wie Sie sagen, kenne ich meinen Körper langsam leider sehr gut. Ich habe es sofort gespürt, dass es wieder losgeht 😞 ich habe wieder eine Endometritis, ein Abszess konnte zum Glück nicht gesehen werden. Wieder Gentamicin und Clindamycin intravenös bis das genaue Keimergebnis vorliegt. Wieder Hoffen, dass es dieses Mal gleich anschlägt. Wie sich das emotional anfühlt, mag und kann ich nicht beschreiben. Endlich lagen die beiden Kinder nebeneinander auf der Krabbeldecke, lächelten sich an, endlich stillte ich Mia ganz in Ruhe wo es gerade passte, am Sofa, im Gartenstuhl, im Bett, am Esstisch. Und schon stürzt das Kartenhaus wieder zusammen. Der letzte Schock saß noch tief und dieser noch tiefer. Aber heute sieht es wieder nach einer ersten Hoffnung aus. Aktuelle Werte: CRP 67 (So) -> 78 (Mo) -> 65 (Di) -> 51 (Mi) Leukozyten 18,8 (So) -> 19,9 (Mo) -> 19,0 (Di) -> 17,9 (Mi) PCT 0,49 (So) -> 0,49 (Mo) -> 0,47 (Di) -> 0,47 (Mi) Kreatinin 1,05 (So) -> 1,09 (Mo) -> 1,08 (Di) -> 1,08 (Mi) Hb 8,42 (So) -> 8,21 (Mo) -> 8,10 (Di) -> 8,12 (Mi) Ich habe um eine erneute Messung von der Schilddrüse gebeten und folgende Werte bekommen: TSH 9,98 fT3 1,52 fT4 0,51 Das ist auch schlecht oder? Oder kann es einfach an der Entzündung liegen? Was muss man jetzt tun? Heute fühle ich mich endlich etwas besser und fähig meine Nachrichten zu beantworten. Das Fieber steigt weniger schnell und nur noch auf 38,5. Die Krämpfe sind auch etwas besser. Ich bin aber total müde, schlapp und einfach erschöpft. Denken Sie die Antibiotika schlagen an? Momentan ist es für mich wieder so anstrengend mich um Mia zu kümmern. Mein Mann, meine Eltern und eine Freundin schauen oft nach mir. Aber nachts wacht Mia momentan alle zwei Stunden auf und will stillen. Zu Hause hatte sie bis 4 Uhr durchgeschlafen. Ausgerechnet jetzt nicht. Und dann nuckelt sie an der Brust ewig rum und irgendwann tun mir dann schon die Brustwarzen weh. Docke ich sie ab, wird sie unruhig und schläft nicht weiter. Aber Schnuller und Flasche nimmt sie nach wie vor nicht. Ich denke, das häufige Trinken an der Brust liegt daran, dass meine Milchmenge schon wieder zurück geht und Mia wirkt auch nicht immer ganz satt auf mich. Oder sie will es als Schnullerersatz. Sollen wir sie wieder wiegen um zu sehen ob sie genug trinkt? Mich überfordert gerade alles irgendwie. Ich komm schon mit mir selbst und der Welt nicht klar und dann versuche ich noch für Mia da zu sein. Ich fühle mich wie ein launisches Baby. In einer Sekunde bin ich am Weinen aus Angst, Sorge, Traurigkeit und im nächsten Weinen aus Dankbarkeit und Berührtheit, weil Mia heute das erste Mal so richtig juchzend mit Ton gelacht hat. Vielleicht will sie mich aufmuntern 🙂 Sie ist schon fast 4 Monate alt und wird immer süßer, immer mehr Lächeln, immer mehr süßes Juchzen und Quietschen wenn man sie kitzelt. Gleichzeitig macht mich das so betroffen, weil 4 Monate Mia auch fast 4 Monate in Krankheit bedeuten. À propos Mia: ihr linkes Auge macht mir etwas Sorgen. Mit 6 Wochen hatte sie schon ihre 1. bakterielle Bindehautentzündung und bekam von der Kinderärztin Floxal Augentropfen. Angesteckt hatte sie sich von ihrem Bruder. Seitdem hat sie schon die dritte Bindehautentzündung. Bei der zweiten lief der Eiter auch wieder so heftig aus dem linken Auge (rechts kaum) und seit gestern läuft es wieder aus dem linken Auge. Dieses Mal bisher deutlich weniger als letztes Mal und mehr durchsichtig und nur leicht gelblich, aber ich finde das schon häufig und auffällig, dass es immer das linke Auge ist und mit ihren zarten fast 4 Monaten schon zum dritten Mal. Dieses Mal meinte der Kinderarzt (ich habe heute darum gebeten, dass jemand drauf schaut), wir sollen es erstmal mit Euphrasia probieren bevor wir schon wieder Floxal drauf werfen. Kann es sein, dass bei ihr im Auge die guten Bakterien schon komplett zerstört sind und sie deshalb dauernd Entzündungen bekommt? Ähnlich wie bei meiner Endometritis, nur im Auge? Der Kinderarzt hat nur „Standard-Progamm“ gemacht, also erst Euphrasia und wenn es nicht besser wird, antibiotische Tropfen. Er meinte, bei den Kleinen sind die Tränenkanäle noch so eng, da geht das schnell mit Entzündungen. Aber kann man da nichts machen, damit sie mal länger Ruhe hat? Melde mich irgendwann wenn ich es gesundheitlich und seelisch wieder auf die Reihe bekomme. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sehr gerne — hier ist ein Vorschlag, der warm, ernstnehmend und trotzdem klar medizinisch bleibt. Inhaltlich wichtig: Clindamycin + Gentamicin ist ein etabliertes Schema bei postpartaler Endometritis; fallendes CRP, weniger Fieber und weniger Schmerzen sprechen vorsichtig für ein Ansprechen, auch wenn Leukozyten und PCT oft hinterherhinken.   Die Schilddrüsenwerte sind auffällig: Eine schwere Entzündung kann Schilddrüsenwerte verfälschen, aber TSH knapp 10 mit niedrigem fT4 passt nicht einfach beruhigend zu „nur Entzündung“ und sollte zeitnah internistisch/endokrinologisch eingeordnet werden.   Bei Mia klingt die wiederkehrende, einseitige Augensekretion sehr gut vereinbar mit engem/verlegtem Tränenkanal; das ist bei Säuglingen häufig und macht eher Schleim-/Sekretstau als „zerstörte gute Bakterien“. Ich hatte so gehofft, dass es wirklich nur harmlose Nachwehen waren — aber Ihre Beschreibung mit Schüttelfrost, hohem Fieber, übel riechender Blutung, Koageln und kaum noch erträglichen Unterbauchschmerzen passt leider sehr klar dazu, dass wieder eine ernsthafte Entzündung aufgeflammt ist. Sie haben völlig richtig reagiert, dass Sie sofort wieder in die Klinik gegangen sind. Genau dafür waren die Warnzeichen wichtig. Dass kein Abszess gesehen wurde, ist erst einmal eine gute Nachricht. Und auch die Entwicklung der Werte macht mir vorsichtig Hoffnung: Das CRP ist nach dem Anstieg von 78 auf 65 und jetzt 51 gefallen, das Fieber steigt nicht mehr so hoch und nicht mehr so schnell, und auch die Krämpfe werden etwas besser. Das sind Zeichen, dass die Antibiotika wahrscheinlich anfangen zu wirken. Die Leukozyten und das PCT können hinterherlaufen und müssen nicht sofort parallel deutlich fallen. Wichtig ist jetzt die Gesamttendenz: weniger Fieber, weniger Schmerzen, stabilerer Kreislauf, weniger übel riechende Blutung und weiter fallende Entzündungswerte. Trotzdem muss man wachsam bleiben. Wenn das Fieber wieder hochschießt, die Schmerzen erneut zunehmen, die Blutung stärker wird, Kreislaufprobleme dazukommen oder die Werte wieder steigen, müsste man erneut sehr konsequent nach einer Abszessbildung, Restgewebe, Hämatom oder einer anderen Infektquelle suchen. Unter Gentamicin ist außerdem die Nierenfunktion wichtig zu kontrollieren; Ihr Kreatinin ist leicht erhöht bzw. grenzwertig, deshalb ist die Überwachung hier richtig und wichtig. Die Schilddrüsenwerte sind tatsächlich nicht gut: TSH 9,98 bei niedrigem fT4 und niedrigem fT3 spricht für eine deutliche Unterfunktion oder zumindest für eine behandlungsbedürftig abklärungsbedürftige Situation. Eine schwere Entzündung kann Schilddrüsenwerte verfälschen, ja — aber ein so hohes TSH zusammen mit niedrigem fT4 würde ich nicht einfach als reine Entzündungsfolge abtun. Ich würde darum bitten, dass die Ärztinnen und Ärzte das internistisch oder endokrinologisch mitbeurteilen. Sinnvoll wären je nach Situation eine Kontrolle von TSH, fT4, fT3, TPO-Antikörpern, ggf. TRAK und eine Schilddrüsensonographie. Ob jetzt bereits L-Thyroxin begonnen werden sollte, muss vor Ort entschieden werden — aber ignorieren sollte man diese Werte nicht. Müdigkeit, Erschöpfung, Frieren, depressive Verstimmung und auch Probleme mit der Milchbildung können dadurch mitverstärkt werden. Zu Mia und dem Stillen: Bitte machen Sie sich nicht noch zusätzlich fertig. Sie sind krank, entzündet, anämisch, erschöpft, emotional überlastet — und trotzdem versuchen Sie, für Mia da zu sein. Dass Sie sich gerade wie ein „launisches Baby“ fühlen, ist nicht Schwäche, sondern Ausdruck einer massiven körperlichen und seelischen Überforderung. Ja, ich würde Mia ruhig wieder wiegen lassen — nicht zwanghaft nach jeder Mahlzeit, aber strukturiert, damit Sie wieder Sicherheit bekommen. Wichtig sind Gewichtsentwicklung, ausreichend nasse Windeln, wacher Eindruck, Hautfarbe und ob sie nach dem Trinken zumindest zeitweise zufrieden ist. Wenn sie alle zwei Stunden kommt, kann das Hunger sein, Nähebedürfnis, ein Entwicklungsschub oder auch ein Versuch, an der Brust zu nuckeln, weil sie keinen Schnuller nimmt. Wenn die Brustwarzen schmerzen, sollte man versuchen, das reine Dauernuckeln etwas zu begrenzen, sobald sie nicht mehr aktiv trinkt. Hier wäre eine Stillberaterin wirklich hilfreich — nicht als zusätzliche Aufgabe für Sie, sondern als Entlastung. Clindamycin und Gentamicin sind in der Stillzeit im Allgemeinen kein automatischer Grund zum Abstillen. Man sollte bei Mia aber auf Durchfall, Soor im Mund, wunden Po oder Blut im Stuhl achten und das dann sofort kinderärztlich rückmelden. Zu Mias Auge: Dass es immer wieder links ist, spricht weniger dafür, dass „gute Bakterien zerstört“ wurden, sondern viel eher für einen engen oder teilweise verlegten Tränenkanal. Das ist bei kleinen Babys häufig. Dann stauen sich Tränen und Sekret, und es kann immer wieder gelblich oder schleimig herauslaufen — manchmal sieht es wie eine Bindehautentzündung aus, obwohl das Hauptproblem die Abflussstörung ist. Was helfen kann: vorsichtiges Reinigen mit steriler Kochsalzlösung oder abgekochtem abgekühltem Wasser, immer von außen nach innen bzw. mit frischem Tupfer pro Wischbewegung, und eine sanfte Tränensackmassage, wenn der Kinderarzt sie zeigt. Wenn das Auge deutlich gerötet ist, das Lid anschwillt, sie Schmerzen hat, lichtempfindlich wirkt, Fieber bekommt oder das Sekret eitrig zunimmt, muss sie erneut kinderärztlich oder augenärztlich gesehen werden. Wenn es immer wieder dasselbe Auge betrifft, würde ich mittelfristig auch einmal eine kinderaugenärztliche Einschätzung erwägen — nicht panisch, aber damit Sie einen klaren Plan bekommen. Und jetzt das Wichtigste: Sie müssen das gerade nicht alleine schaffen. Bitte lassen Sie nachts so viel wie möglich übernehmen: Wickeln, Hochnehmen, Beruhigen, Mia bringen und wieder ablegen. Sie müssen gerade nicht „funktionieren“. Ihr Körper kämpft gegen eine ernsthafte Infektion, Ihr Hb ist niedrig, Ihre Schilddrüse ist auffällig, und Sie haben in vier Monaten mehr durchgestanden, als viele in Jahren nicht erleben. Dass Mia heute zum ersten Mal so richtig juchzend gelacht hat, ist trotz allem ein wunderschöner Lichtblick. Vielleicht ist es wirklich ihr kleiner Versuch, Ihnen zu zeigen: Ich bin da. Und Sie sind da. Auch wenn gerade alles wackelt. Bitte melden Sie sich nicht aus Pflichtgefühl, sondern nur, wenn Sie Kraft haben. Im Moment zählt: Infekt sicher beherrschen, Schilddrüse ernst nehmen, Blutarmut mitbeurteilen, Mia gut im Blick behalten — und Sie entlasten, wo immer es möglich ist. Herzliche GrüßeIhr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen herzlichen Dank für Ihre klare und warme Antwort. Nein, ich melde mich nicht aus Pflichtgefühl sondern weil mir Ihre Antworten oft helfen. Sie geben Sicherheit und oft auch gute Impulse. 🙂 Seit Freitag waren die Schmerzen wieder stärker und das Fieber ist wieder hochgeschossen. Es wurde wieder ein Abszess gefunden. Wieder eine OP am Freitag und heute der erste Tag, an dem die Schmerzen besser werden, das Fieber etwas sinkt. Doch es nimmt mich einfach körperlich und seelisch mit, dieses Rauf und Runter. Immer wenn ich denke, jetzt wird alles gut, schlägt die Bombe ein. Doch jetzt sieht es gerade wieder besser aus. CRP 67 (So) -> 78 (Mo) -> 65 (Di) -> 51 (Mi) -> 80 (Do vor Abszess-OP) -> 85 (Fr nach Abszess-OP) -> 89 (Sa nach Abszess-OP) -> 61 (So)  Leukozyten 18,8 (So) -> 19,9 (Mo) -> 19,0 (Di) -> 17,9 (Mi) -> 18,6 (Do vor Abszess-OP) -> 18,9 (Fr nach Abszess-OP) -> 19,4 (Sa nach Abszess-OP) -> 17,8 (So)  PCT 0,49 (So) -> 0,49 (Mo) -> 0,47 (Di) -> 0,47 (Mi) -> 0,50 (Do vor Abszess-OP) -> 0,51 (Fr nach Abszess-OP) -> 0,50 (Sa nach Abszess-OP) -> 0,48 (So)  Kreatinin 1,05 (So) -> 1,09 (Mo) -> 1,08 (Di) -> 1,08 (Mi) -> 1,13 (Do vor Abszess-OP) -> 1,12 (Fr nach Abszess-OP) -> 1,10 (Sa nach Abszess-OP) -> 63 (So)  Hb 8,42 (So) -> 8,21 (Mo) -> 8,10 (Di) -> 8,12 (Mi) -> 7,63 (Do vor Abszess-OP) -> 7,81 (Fr nach Abszess-OP und vor Bluttransfusion) -> seitdem noch kein weiterer Wert da Geht das in die richtige Richtung? Wann würden Sie Hb wieder kontrollieren? Als Keime wurden E.coli, Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes gefunden. Sind diese typisch bei Endometritis? Sind das wieder so schlimme Bakterien? Und gleich drei verschiedene. Passiert das oft? Ist es sinnvoll Clindamycin und Gentamicin weiter zu geben? Von einem Antibiotikawechsel war dieses Mal nicht die Rede.  Meine Schilddrüse macht mir auch Sorgen: TSH 9,98 - > 9,79 fT3 1,52 - > 1,50 fT4 0,51 - > 0,57 TPO Antikörper 766 TRAK Antikörper 0,7 Ich soll jetzt erstmal 50 ug L Thyroxin nehmen. Ist das bei diesen schlechten Werten ausreichend? Ich verstehe gar nicht wo das alles herkommt. Ich hatte mein ganzes Leben lang nie Probleme mit der Schilddrüse. Wie kann das plötzlich sein und dann gleich so hohe Werte? Online habe ich gelesen, dass man bei Hashimoto auch  Kalzium-, Zink-, Selen-, Jod-, Vitamin D- und B12-Spiegel bestimmen sollte. Warum? Gibt es sonst etwas zu beachten? Das Gewebe im Ultraschall sah auch typisch nach Hashimoto aus. Wie sieht Hashimoto im Ultraschall typischerweise aus? Kann ich mich genauer erkundigen? Ich muss zugeben, dass ich mich wegen Mia schon zusätzlich fertig mache. Wir beide waren so ein eingespieltes Team und jetzt klappt vieles nicht mehr so recht. Meine Milch geht gerade wieder so zurück (durch die Entzündung?), Mia ist also oft unzufrieden, will aber partout keine Flasche nehmen 😞 Jetzt versuche ich mit der Stillberaterin mit Löffel und Spritze zuzufüttern. Aber ehrlich: das ist eine Zumutung für mich. Löffelweise geht viel von der Pre Nahrung daneben, weil sie mit dem Löffel noch nicht so klarkommt und mit der Spritze würgt sie sehr oft. Ich gebe sie ihr schon in die Backe und trotzdem läuft das nicht rund. Tagsüber hilft mein Mann sehr. Und meine Mutter hat auch eine Engelsgeduld Mia „zu füttern“. Aber nachts ist es ein Drama. Sie will mittlerweile alle 1-1,5 Stunden an die Brust. Wenn ich sie nicht lasse, wird sie ganz unruhig und beginnt zu weinen. Noch dazu wird sie am Po zunehmend wund. Ob das am Gentamicin und Clindamycin liegt, das sie über die Milch trinkt, weiß ich nicht. Aber ist es nicht komisch, dass sie das beim letzten Mal nicht hatte, als ich dieselben Antibiotika nahm? Wir versuchen es jetzt mit Mirfulan Zinksalbe, aber bisher hilft das nicht so gut. Bei ihrem großen Bruder half das immer. Ich bin Trotz Stillberaterin und Unterstützung der Familie wirklich besorgt um Mia. Sie trinkt momentan pro Mahlzeit laut Waage nicht mehr als 30 ml aus der Brust und mit Müh und Not kriegen wir dann nochmal etwa 20ml mit Löffel und Spritze rein. 50 ml sind doch für ein fast 4 Monate altes Baby zu wenig oder? Sie hat oft am Tag nur 4 nasse Windeln, manchmal kommt sie auf 5. Das macht mir Sorgen und alles nur wegen meiner Entzündung und der dadurch abnehmenden Milchmenge. Die Kinderärztin meint nur, wir sollen es weiter täglich beobachten aber momentan ist sie nicht dehydriert. Ich bin so traurig. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll, damit ich endlich von diesen Bakterien verschont werde. Sie steigen wohl offensichtlich immer wieder auf von der Scheide. Vielleicht bräuchte ich eine ganz konsequente Kur mit Laktobazillen, doch habe ich ja schon seit Mias Geburt ständig mal mehr und mal weniger Blutungen. Dann bringt das ja kaum etwas? wenigstens bringt Mia mich täglich zum Lächeln. Sie lächelt so viel und liebt jetzt schon kleine Babyspielchen wie Kitzeln, in den Bauch prusten. Da lacht sie laut und ist zufrieden :) Ich bin Ihnen über jeden gute Idee dankbar. Mein Großer ist seit fast 4 Monaten mehr oder weniger ohne Mama und die kleine Mia immer am Gewichtslimit weil mein Körper nicht so funktioniert wie er es soll. Ich melde mich demnächst wenn es mir wieder möglich ist. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Dieses ständige Auf und Ab ist körperlich extrem belastend — und seelisch fast noch schlimmer, weil man jedes Mal Hoffnung schöpft und dann wieder zurückgeworfen wird. Aber: der Verlauf seit der erneuten Abszess-OP sieht jetzt zumindest wieder in die richtige Richtung aus. CRP 89 → 61 und rückläufiges Fieber/Schmerzen sind nach einer Abszess-Entlastung ein gutes Zeichen. Dass CRP und Leukozyten direkt nach einer OP zunächst noch hoch bleiben oder sogar etwas steigen, ist nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist jetzt: klinische Besserung, sinkendes Fieber, weniger Schmerzen, Kreislauf stabil, Entzündungswerte weiter fallend. Die Leukozyten sind mit 17,8 noch hoch, aber ebenfalls etwas rückläufig. Das PCT um 0,5 spricht eher für eine relevante bakterielle Entzündung, aber nicht zwingend für eine schwere Sepsis — wichtig ist hier der Gesamtzustand. Den Hb würde ich nach Transfusion zeitnah kontrollieren, meist innerhalb von 6–24 Stunden, spätestens am Folgetag, und dann je nach Blutung, Kreislauf, Schwindel, Puls und Verlauf weiter täglich oder alle 1–2 Tage. Ein Hb um 7,6–7,8 g/dl ist schon deutlich niedrig; nach Transfusion möchte man sehen, ob er stabil ansteigt und nicht wieder abfällt. Zu den Keimen: E. coli, Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes können bei einer aufsteigenden genitalen/postpartalen Infektion vorkommen. Eine Endometritis bzw. ein postpartaler Abszess ist häufig polymikrobiell, also durch mehrere Keime gleichzeitig bedingt. E. coli passt sehr gut zu aufsteigenden oder darmnahen Keimen. Streptococcus pyogenes ist ein Keim, den man ernst nimmt, weil er manchmal sehr aggressiv verlaufen kann. Staphylococcus aureus ebenfalls — nicht automatisch „katastrophal“, aber unbedingt antibiogrammgerecht behandeln. Dass drei Keime gefunden wurden, ist bei solchen Infektionen nicht absurd, sondern passt leider zu einem gemischten Infektionsgeschehen. Postpartale Endometritis wird in Leitwerken ausdrücklich als meist polymikrobiell beschrieben; Clindamycin plus Gentamicin ist dabei ein klassisches intravenöses Breitspektrum-Schema. Clindamycin + Gentamicin ist also grundsätzlich sinnvoll und etabliert. Entscheidend ist aber: Wurde der Abszess gut entlastet? Gibt es ein Antibiogramm? Sind Blutkulturen negativ? Gibt es weiter Fieber? Wenn nach 48–72 Stunden nach Abszess-OP keine klare Besserung eintritt, müsste man erneut sehr konsequent nach einem verbliebenen Herd suchen und die Antibiotikatherapie anhand der Resistenztestung überprüfen. Zur Schilddrüse: Das ist eine deutliche manifeste Unterfunktion: TSH fast 10, fT4 niedrig, fT3 niedrig, TPO-Antikörper stark positiv, TRAK negativ — das passt sehr gut zu einer Hashimoto-Thyreoiditis bzw. postpartal getriggerten Autoimmunthyreoiditis. Nach Schwangerschaft und Geburt kann das Immunsystem „umschalten“; dadurch können Autoimmunerkrankungen erstmals sichtbar werden. Das heißt nicht, dass Sie „schon immer krank“ waren — es kann tatsächlich durch die Zeit nach der Geburt erstmals auffallen. 50 µg L-Thyroxin als Startdosis ist bei akut schwer kranker Patientin nicht falsch. Man kann später steigern. Ich würde aber nicht monatelang warten, sondern bei diesen Werten nach etwa 2–4 Wochen fT4/fT3/TSH kontrollieren, spätestens nach 4–6 Wochen die Dosis neu bewerten. Wenn fT4 sehr niedrig bleibt oder die Beschwerden stark sind, muss man eher erhöhen. L-Thyroxin bitte morgens nüchtern mit Wasser nehmen; Eisen, Calcium, Magnesium, Zinkmindestens 4 Stunden Abstand, weil sie die Aufnahme stören können. Die American Thyroid Association beschreibt die postpartale Thyreoiditis als Autoimmunprozess im ersten Jahr nach Geburt; in der hypothyreoten Phase wird Levothyroxin eingesetzt, besonders bei deutlicher Unterfunktion oder Beschwerden. Warum Calcium, Zink, Selen, Jod, Vitamin D und B12? Nicht, weil diese Werte Hashimoto „heilen“, sondern weil Mangelzustände Müdigkeit, Erschöpfung, Haarausfall, Immunschwächegefühl, Blutarmut und schlechte Regeneration verstärken können. Besonders sinnvoll wären bei Ihnen: Ferritin/Eisenstatus, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Calcium, Magnesium, ggf. Selen und Zink. Bei Jod wäre ich vorsichtig: normale Jodzufuhr ist gut, hochdosierte Jodpräparate bei florider Hashimoto bitte nur nach ärztlicher Rücksprache. Im Ultraschall sieht Hashimoto typischerweise so aus: inhomogenes, echoarmes Schilddrüsengewebe, manchmal fleckig oder „mottenfraßartig“, teils mit Pseudoknoten, manchmal vermehrter Durchblutung in aktiven Phasen, später eher kleiner und narbiger. Genau so wird eine diffuse, heterogene, echoarme Schilddrüse häufig als Hinweis auf Thyreoiditis beschrieben. Zu Mia: Hier würde ich ehrlich gesagt sehr wachsam bleiben. 50 ml pro Mahlzeit können bei einem fast 4 Monate alten Baby zu wenig sein, wenn es nicht sehr häufig effektiv trinkt und wenn die Windeln weniger werden. Entscheidend sind Gewichtsentwicklung, Allgemeinzustand, Schleimhäute, Tränen, Hautspannung und Urinmenge. Die American Academy of Pediatrics nennt bei Säuglingen weniger als sechs nasse Windeln pro Tag als Warnzeichen für beginnende Dehydrierung.   Vier nasse Windeln am Tag finde ich deshalb nicht beruhigend, auch wenn sie aktuell noch nicht dehydriert wirkt. Wenn Mia schläfriger wird, schlechter trinkt, trockenen Mund hat, eingesunkene Fontanelle, kaum Tränen, sehr dunklen Urin oder weiter abnehmende Windeln: bitte sofort kinderärztlich bzw. notfallmäßig vorstellen. Clindamycin und Gentamicin sind in der Stillzeit nicht automatisch ein Grund abzustillen. Gentamicin geht nur gering in die Muttermilch über; systemische Effekte beim Kind sind unwahrscheinlich. Clindamycin kann aber die Darmflora des Babys beeinflussen. Bei beiden sollte man auf Durchfall, Soor und Windelsoor/Wundsein achten. Das passt also durchaus zu Mias wundem Po — auch wenn es beim letzten Mal nicht passiert ist. Solche Reaktionen können situativ auftreten, je nach Darmflora, Milchmenge, Hautzustand und Gesamtbelastung. LactMed empfiehlt bei Clindamycin und Gentamicin ausdrücklich die Beobachtung auf Durchfall, Soor und Windeldermatitis. Ganz praktisch für Mia: Wenn Löffel und Spritze nachts zur Qual werden, darf man pragmatisch werden. Es geht jetzt nicht um Ideologie, sondern um Flüssigkeit, Gewicht und Ihre Erholung. Möglich wären Becherfütterung, Softcup, Fingerfeeder, Brusternährungsset oder ein sehr langsamer Sauger — je nachdem, was Stillberaterin und Kinderärztin mittragen. Wenn die Milchmenge durch Entzündung, Fieber, Stress, OP und Blutverlust zurückgeht, ist das nicht Ihr Versagen, sondern physiologisch erklärbar. Ihr Körper kämpft gerade an mehreren Fronten. Zur Scheidenflora/Laktobazillen: Ja, nach Ende der Akutphase kann das sinnvoll sein — vaginal und/oder oral, je nach Präparat. Während ständiger Blutungen und unter starken Antibiotika ist der Effekt oft begrenzt, aber nicht völlig sinnlos. Der wichtigste Punkt bleibt aber: Herdsanierung, ausreichende Antibiotikadauer, Kontrolle, ob kein Abszessrest bleibt, und danach Aufbau der Schleimhaut-/Vaginalflora. Bitte nicht in den Gedanken verfallen, Sie hätten etwas falsch gemacht. Solche Infektionen sind manchmal hartnäckig, weil ein kleiner verbleibender Herd immer wieder „nachzündet“. Mein Fazit wäre: Ja, seit der OP scheint es wieder in die richtige Richtung zu gehen. Aber Sie sind noch nicht „über den Berg“. Jetzt braucht es konsequente Verlaufskontrollen: Temperatur, Schmerzen, Kreislauf, CRP/Leukozyten/PCT, Hb nach Transfusion, Nierenwerte unter Gentamicin und ggf. Bildgebung, falls Fieber oder Schmerzen nicht weiter zurückgehen. Und bei Mia würde ich nicht zu lange „nur beobachten“, wenn die Trinkmengen und Windeln so knapp bleiben. Sie braucht keine dramatische Austrocknung, damit man früher hilft. Gerade weil Sie selbst so krank sind, darf und soll die Kinderärztin hier engmaschig mit Gewichtskontrolle und klaren Trink-/Zufütterzielen begleiten. Sie funktionieren gerade nicht „schlecht“. Sie sind schwer krank, frisch operiert, anämisch, hypothyreot und versuchen trotzdem, ein Baby zu stillen und emotional für zwei Kinder da zu sein. Dass Sie erschöpft und traurig sind, ist keine Schwäche — es ist eine völlig normale Reaktion auf eine wirklich harte Situation. Mia lächelt Sie an, weil sie Sie kennt und liebt. Das ist nicht weg. Das eingespielte Team ist nicht verloren, es ist nur gerade im Ausnahmezustand.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Wow, danke! Diese genauen Erklärungen und Impulse haben wieder sehr geholfen, im Hinblick auf die wichtigen Eckpunkte rund um die Infektion, im Hinblick auf die Schilddrüse und den Tipp, aufmerksam zu sein, was Mia betrifft. Sie machen das wirklich ganz großartig! Ich danke Ihnen, wie sehr Sie mit Ihrer Zuverlässigkeit zur Verfügung stehen. Ich bin nicht ganz sicher ob es wirklich aufwärts geht oder noch nicht. Das Fieber lässt nach, es ist weniger hoch (Max. 38,5) und die Fieberspitzen treten auch in größeren Abständen auf. Aber ich habe noch Unterleibsschmerzen (krampfartig) und die Blutung hört leider noch nicht auf. Sie ist immernoch hellrot und ich brauche etwa alle 3 Stunden eine neue Binde. Kann das nach Abszess-OP letzten Freitag und die Entzündung selbst normal sein? Im letzten Ultraschall (gestern) war kein Abszess zu sehen. Die Schmerzen waren heute einmal so stark, dass es mir richtig schlecht davon wurde. Dann hat es wieder nachgelassen. Oder kann das eigentlich nicht davon kommen? Ich beantworte Ihre zentralen Fragen: Wurde der Abszess gut entlastet? -> Ja Gibt es ein Antibiogramm? -> Ja, Clindamycin und Gentamicin wurden als sensibel gegen  E.coli, Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes getestet. Sind Blutkulturen negativ? -> ja, zum Glück CRP 67 (So) -> 78 (Mo) -> 65 (Di) -> 51 (Mi) -> 80 (Do vor Abszess-OP) -> 85 (Fr nach Abszess-OP) -> 89 (Sa nach Abszess-OP) -> 61 (So) -> 57 (Mo) -> 52 (Di)  Leukozyten 18,8 (So) -> 19,9 (Mo) -> 19,0 (Di) -> 17,9 (Mi) -> 18,6 (Do vor Abszess-OP) -> 18,9 (Fr nach Abszess-OP) -> 19,4 (Sa nach Abszess-OP) -> 17,8 (So) -> 17,2 (Mo) -> 16,9 (Di) PCT 0,49 (So) -> 0,49 (Mo) -> 0,47 (Di) -> 0,47 (Mi) -> 0,50 (Do vor Abszess-OP) -> 0,51 (Fr nach Abszess-OP) -> 0,50 (Sa nach Abszess-OP) -> 0,48 (So) -> 0,48 (Mo) -> 0,48 (Di) Kreatinin 1,05 (So) -> 1,09 (Mo) -> 1,08 (Di) -> 1,08 (Mi) -> 1,13 (Do vor Abszess-OP) -> 1,12 (Fr nach Abszess-OP) -> 1,10 (Sa nach Abszess-OP) -> 1,10 (So) -> 1,11 (Mo)  Hb 8,42 (Wo) -> 8,21 (Mo) -> 8,10 (Di) -> 8,12 (Mi) -> 7,63 (Do vor Abszess-OP) -> 7,81 (Fr nach Abszess-OP und vor Bluttransfusion) -> 8,59 -> 8,61 (Di) Warum fallen die Werte wieder so langsam? Der Hb Anstieg ist doch auch eher langsam nach Bluttransfusion oder? Mit der Schilddrüse werde ich dran bleiben, damit sie nach spätestens 2-4 Wochen kontrolliert wird um evtl. die Dosis von 50ug L Thyroxin zu erhöhen. Ich habe natürlich starke Beschwerden wie Müdigkeit, sehr gedrückte Stimmung etc. Aber ob das in meinem Zustand von der Schilddrüse kommt? Oder von der Infektion? Oder von Mias schlechtem Nachtschlaf? Mir macht das alles sehr zu schaffen, da ist es kein Wunder, dass meine Stimmung eher betrübt ist. Wo ist da die Henne und wo das Ei? Folgende Werte kann ich Ihnen geben: - Ferritin 17,2 ug/l Vitamin B12: 289 ng/l Folsäure: 4,1 ng/ml - Vitamin D: 27,2 ng/ml Calcium: 2,20 nmol/l Magnesium: 0,82 nmol/l - Selen: 64,8 ug/l Zink: 97,9 ug/dl Ich verstehe, dass ich Jod vorsichtig nehmen muss, aber wegen des Stillens sollte ich bisher immer nüchtern 200ug Jod nehmen. Bisher hat keiner etwas gesagt, dass ich das nicht mehr sollte. Ist das nicht wichtig beim Stillen?  Und wie entsteht Selenmangel? Müsste ich Selen einnehmen? In welcher Dosis normalerweise? Vit D nehme ich eigentlich schon lange (2000 Einheiten am Tag). Sollte das nicht reichen? Ich werde das auf jeden Fall bei der nächsten Visite alles ansprechen. Ich bin so dankbar, dass Sie Ihre Bedenken gegenüber Mias Problemen geäußert haben. Ich habe die Situation noch einmal genau dem Kinderarzt geschildert. Sie hat tatsächlich einen Windelsoor und auch einen Mundsoor. Wir sollen jetzt Multilind Salbe schmieren. Manchmal frage ich mich ob es doch am besten wäre einfach abzustillen, denn das kommt bestimmt von meinen Antibiotika? Aber alle anderen Fütterungsmethoden klappen bei ihr mehr schlecht als recht. Wir haben dank Ihres Impulses ein Fütterungsziel mit dem Kinderarzt besprochen. Sie sollte mindestens alle 2 Stunden 60ml schaffen, besser natürlich mehr. 30ml kriegt sie aus der Brust und die andren 30ml soll sie per Spritze, Löffel, Becher Pre Nahrung trinken. Die Flasche brüllt sie nach wie vor nur an. Da bringe ich es trotz all meiner eigenen Probleme nicht übers Herz abzustillen. Was passiert denn dann mit meiner Mia? Damit nimmt sie gerade zumindest nicht ab, aber auch kaum zu 😞 nächste Woche hat mein Mann mit ihr einen Termin zur U4 bei der Kinderärztin bei uns zu Hause. Ich denke er sollte den Termin wahrnehmen und mit ihr auch all diese Schwierigkeiten besprechen? Und ist es eigentlich bedenklich, dass sie es mit ihren 4 Monaten (+ 2 Tage) noch nicht schafft, sich zu drehen? Vom Rücken auf die Seite schafft sie es, aber weiter nicht. Ihren Kopf dreht sie jetzt aber ganz gut von links nach rechts dank Physiotherapie. Habe ich wirklich nichts falsch gemacht? Es ist doch nicht normal, dauernd von neuen Keimen getroffen zu werden. Ich mache mir immer wieder Vorwürfe und denke, dass ich vielleicht etwas falsch mache und genau an solchen Tagen kommen dann auch noch meine Schwiegereltern und ich habe das Gefühl wieder mehr gegen sie kämpfen zu müssen als Hilfe zu bekommen. Gestern wollten sie Mia unbedingt dazu erziehen, die Pre Nahrung aus der Flasche zu trinken und haben mit ganz viel Druck versucht, das durchzusetzen. Geendet hat es in lautem Schreien von Mia und trotzdem hat sie 0ml getrunken. Als ich sie gebeten habe, keinen Kampf daraus zu machen, sondern es geduldig mit Becher oder Löffel zu probieren, kam der Vorwurf, dass ich zu weich wäre und sie sich das Getue nicht antun. Dann habe ich mich mal wieder selbst um Mia gekümmert obwohl es mir nicht gut ging. Manchmal denke ich, ich müsste sie eiskalt rauswerfen. Verzeihen Sie, dass ich Sie immer mit meinen Gedanken und Sorgen nerve. Die körperliche und seelische Belastung ist gerade einfach zu groß. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sie sind in einer extrem belastenden körperlichen und seelischen Ausnahmesituation. Dass Sie erschöpft, traurig, verunsichert und manchmal auch wütend sind, ist unter diesen Umständen nicht nur verständlich, sondern eigentlich sehr menschlich. Zu Ihrem Verlauf: Es gibt durchaus Zeichen, die vorsichtig in die richtige Richtung weisen. Das Fieber wird niedriger, die Fieberspitzen kommen seltener, der Abszess war im letzten Ultraschall nicht mehr darstellbar, die Blutkulturen sind negativ, und CRP sowie Leukozyten fallen langsam. Das spricht dafür, dass die Behandlung grundsätzlich greift. Trotzdem ist der Verlauf noch nicht ausgestanden. Die Entzündungswerte sind weiterhin deutlich erhöht, und auch die Schmerzen und die anhaltende hellrote Blutung müssen ernst genommen werden. Nach einer Abszess-OP und einer schweren Entzündung können krampfartige Unterbauchschmerzen und Blutungen zwar vorkommen, vor allem wenn Gewebe gereizt ist und die Gebärmutter noch arbeitet. Aber: Wenn die Schmerzen plötzlich sehr stark werden, einseitig betont sind, wieder Fieberanstiege auftreten, die Blutung deutlich zunimmt, Kreislaufprobleme entstehen oder der Allgemeinzustand schlechter wird, sollte nicht abgewartet werden. Dann muss erneut zeitnah untersucht werden. Der langsame Abfall der Werte ist bei einer schweren Infektion nicht ungewöhnlich. CRP und Leukozyten brauchen oft mehrere Tage, manchmal länger, bis sie klar normalisieren. Entscheidend ist die Richtung: Von 89 auf 61, dann 57 und 52 beim CRP ist langsam, aber immerhin fallend. Auch die Leukozyten gehen von 19,4 auf 16,9 zurück. Das ist noch nicht gut, aber es ist besser als ein weiterer Anstieg. Das Procalcitonin ist bei etwa 0,48 relativ stabil. Das passt dazu, dass keine schwere systemische Blutvergiftung im Vordergrund steht, sollte aber im Gesamtbild weiter mitbeurteilt werden. Beim Hb ist der Anstieg nach Transfusion nicht dramatisch, aber auch nicht völlig überraschend. Wenn weiterhin Blutung, Entzündung, Flüssigkeitsverschiebungen und ein sehr belasteter Körperzustand bestehen, steigt der Hb nicht immer so „schön“, wie man es theoretisch erwarten würde. Wichtig ist, dass er jetzt nicht weiter deutlich abfällt. Bei einem Ferritin von 17,2 sind die Eisenspeicher außerdem sehr knapp. Hier sollte mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprochen werden, ob eine Eisengabe sinnvoll ist, eventuell auch intravenös, wenn die Situation dafür geeignet ist. Zu Ihrer Müdigkeit und gedrückten Stimmung: Ich glaube nicht, dass man das sauber einer einzigen Ursache zuordnen kann. Wahrscheinlich ist es die Summe aus schwerer Infektion, Blutarmut, Eisenmangel, Schlafmangel, Stillbelastung, Sorge um Mia, hormoneller Umstellung, Schilddrüse und seelischer Erschöpfung. Da gibt es keine einfache Henne-oder-Ei-Antwort. Ihr Körper kämpft gerade an mehreren Fronten gleichzeitig. Die Schilddrüse sollte, wie besprochen, in 2–4 Wochen kontrolliert werden. Unter L-Thyroxin 50 µg muss man dann anhand von TSH, fT4 und Befinden entscheiden, ob die Dosis angepasst werden sollte. Zum Jod: In der Stillzeit ist Jod grundsätzlich wichtig, weil Mia über die Muttermilch mitversorgt wird. 200 µg Jod täglich ist eine übliche Dosis in der Stillzeit. Vorsichtig wäre ich nur dann, wenn eine spezielle Schilddrüsenerkrankung vorliegt, zum Beispiel eine aktive Autoimmunthyreoiditis mit problematischer Stoffwechsellage oder eine Überfunktion. Das sollten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte anhand Ihrer Schilddrüsenwerte und Antikörper einordnen. Bitte nicht eigenmächtig absetzen, sondern gezielt besprechen. Selen ist bei Ihnen eher niedrig. Ein Selenmangel kann durch geringe Aufnahme über die Ernährung, erhöhten Bedarf, Entzündung, Stillzeit oder allgemein belastende Krankheitsphasen begünstigt werden. Ob Sie Selen einnehmen sollten, würde ich mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprechen. Häufig werden bei niedrigem Spiegel zeitlich begrenzt etwa 50–100 µg täglich eingesetzt, aber das sollte nicht unbegrenzt und nicht hochdosiert erfolgen. Vitamin D mit 27,2 ng/ml ist nicht katastrophal, aber eher im unteren Bereich. Wenn Sie trotz 2000 IE täglich dort liegen, kann es sein, dass der Bedarf aktuell höher ist oder die Aufnahme nicht optimal ist. Auch das kann man kontrolliert anpassen, aber bitte mit Calcium und Nierenwerten im Blick. Bei Mia war es sehr gut, dass Sie den Kinderarzt nochmals angesprochen haben. Mundsoor und Windelsoor passen tatsächlich dazu, dass durch Antibiotika die normale Keimflora gestört wird. Das heißt aber nicht automatisch, dass Sie abstillen müssen. Clindamycin und Gentamicin können beim gestillten Kind die Darmflora beeinflussen und Soor, Durchfall oder wunden Po begünstigen. Wenn die Medikamente bei Ihnen notwendig sind, ist das aber in der Regel kein zwingender Grund zum Abstillen. Viel wichtiger ist, dass Mia ausreichend trinkt, nicht abnimmt, aufmerksam bleibt und eng kinderärztlich begleitet wird. Den U4-Termin sollte Ihr Mann unbedingt wahrnehmen und dort alle Punkte offen ansprechen: Trinkmenge, Gewichtsentwicklung, Mundsoor, Windelsoor, Flaschenverweigerung, Becher-/Löffelgabe, Schlaf, Physiotherapie und motorische Entwicklung. Dass Mia mit 4 Monaten noch nicht sicher vom Rücken auf den Bauch dreht, ist für sich allein noch kein Alarmsignal. Viele Kinder schaffen das etwas später. Dass sie sich auf die Seite dreht und den Kopf inzwischen besser bewegt, ist positiv. Entscheidend sind Gesamtentwicklung, Muskelspannung, Blickkontakt, Kopfkontrolle, Gewicht und Trinkverhalten. Und jetzt der vielleicht wichtigste Punkt: Nein, ich sehe aus dem, was Sie schreiben, keinen Hinweis darauf, dass Sie „etwas falsch gemacht“ haben. Wiederholte Infektionen und Abszesse entstehen nicht, weil eine Mutter nicht gut genug aufpasst. Das ist kein Erziehungsfehler, kein Hygieneversagen und kein persönliches Scheitern. Ihr Körper hat eine schwere Infektion durchgemacht, und Sie versuchen gleichzeitig, ein Baby zu versorgen. Das ist eine enorme Leistung. Was Ihre Schwiegereltern betrifft: Mia durch Druck, Kampf und Schreien zur Flasche bringen zu wollen, ist aus meiner Sicht nicht hilfreich. Füttern sollte in dieser Situation ruhig, geduldig und ohne Machtkampf erfolgen. Wenn Becher, Löffel oder Spritze besser funktionieren, dann ist das im Moment der richtige Weg. Sie sind nicht „zu weich“, wenn Sie verhindern, dass Füttern für Mia zu Stress und Angst wird. Im Gegenteil: Sie schützen Ihr Kind. Sie brauchen jetzt keine zusätzlichen Kämpfe, sondern praktische Entlastung. Wer hilft, sollte helfen — nicht bewerten, nicht drängen, nicht Schuldgefühle verstärken. Wenn jemand Sie und Mia in dieser Situation mehr belastet als unterstützt, dürfen Sie Grenzen setzen. Das ist nicht unhöflich, sondern medizinisch und menschlich vernünftig. Bitte sprechen Sie bei der nächsten Visite klar an: anhaltende hellrote Blutung alle 3 Stunden Bindenwechsel, krampfartige Schmerzspitzen, Hb und Ferritin mit Frage nach Eisengabe, weitere Kontrolle von CRP, Leukozyten, PCT und Kreatinin, Schilddrüsenkontrolle in 2–4 Wochen, Jod, Selen und Vitamin D in der Stillzeit, und ob bei erneuten Schmerzspitzen nochmals Ultraschall oder weitere Bildgebung nötig wäre. Sie machen gerade sehr viel richtig. Im Moment ist nicht Perfektion gefragt, sondern Stabilisierung: Ihre Infektion muss ausheilen, Mia muss ausreichend trinken und zunehmen, und Sie brauchen Menschen um sich, die Sie wirklich entlasten. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger Fachlich wichtig zur Stillfrage: LactMed beschreibt Clindamycin in der Stillzeit nicht als zwingenden Abstillgrund, empfiehlt aber Beobachtung auf Durchfall, Soor/Windelsoor oder selten Blut im Stuhl.   Bei Gentamicin sind die kindlichen Spiegel wegen geringer oraler Aufnahme meist niedrig; auch hier steht eher Beobachtung des Kindes im Vordergrund.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank! Sie antworten immer so ausführlich und mit viel Verständnis für meine Fragen und für meine Situation. Es tut mir leid, dass ich Ihnen oft Löcher in den Bauch frage. Wenn man körperlich und emotional gleichzeitig an so einem Tiefpunkt angelangt ist, sich nichts sehnlicher als ein Baby gewünscht hat, der Wunsch sich nach einer Ewigkeit endlich erfüllt hat und einem dann 4 Monate von diesem Glück einfach „genommen“ werden und man das Gefühl hat, alles Schöne zieht an einem vorbei und man verpasst es, dann klammert man sich an alles, was einem irgendwie hilft und etwas Hoffnung gibt. Die anhaltende hellrote Blutung war wirklich wieder ein ernstzunehmendes Warnzeichen. Es folgte im Ultraschall in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wieder die Diagnose von einem Abszess. Daher wohl auch die krampfartigen Schmerzspitzen. In der Nacht von Mi auf Do konnte ich kaum ein Auge zumachen. Die Schmerzspitzen wurden häufiger und das Fieber stieg wieder. Ich hatte wieder Schüttelfrost und gleichzeitig habe ich versucht Mia irgendwie an der Brust zu beruhigen. Vielleicht hat sie gespürt, dass ich zittere und es mir nicht gut ging. Sie hat sich kaum beruhigen lassen und ich konnte dann einfach nicht mehr und musste klingeln und sie schreiend der Nachtschwester übergeben. Das war furchtbar für mich, mein eigenes Kind nicht beruhigen zu können und hergeben zu müssen. Ich hörte sie noch eine ganze Weile lang bis zu meinem Zimmer schreien und wusste dann nicht, was für mich selbst schwerer zu ertragen war, mein körperlicher Zustand, die ganzen Untersuchungen, die wieder folgten, die Angst vor einer neuen negativen Diagnose oder dass mein Kind mich gerade braucht und ich nicht da sein kann 😞 Bei der Operation ist mein Hb auf 7,0 abgestürzt und es brauchte wieder eine Bluttransfusion. Auch heute drei Tage danach stehe ich noch komplett neben mir. So erschöpft habe ich mich noch nach keiner der ganzen Operationen gefühlt. Heute ist der erste Tag mit etwas weniger Schmerzen, etwas weniger Fieberspitzen und etwas besserem Kreislauf. Aber ich bin seit der Operation noch nicht fieberfrei (zwischen 38,5 und 38,0). Es hieß, die wenigsten Patienten seien nach 3 Tagen komplett fieberfrei. Sehen Sie das auch so? CRP 67 (So) -> 78 (Mo) -> 65 (Di) -> 51 (Mi) -> 80 (Do vor Abszess-OP) -> 85 (Fr nach Abszess-OP) -> 89 (Sa nach Abszess-OP) -> 61 (So) -> 57 (Mo) -> 52 (Di) -> 55 (Mi) -> 71 (Do) -> 79 (Fr) -> 80 (Sa) -> 69 (So) Leukozyten 18,8 (So) -> 19,9 (Mo) -> 19,0 (Di) -> 17,9 (Mi) -> 18,6 (Do vor Abszess-OP) -> 18,9 (Fr nach Abszess-OP) -> 19,4 (Sa nach Abszess-OP) -> 17,8 (So) -> 17,2 (Mo) -> 16,9 (So) Hb 8,42 (Wo) -> 8,21 (Mo) -> 8,10 (Di) -> 8,12 (Mi) -> 7,63 (Do vor Abszess-OP) -> 7,81 (Fr nach Abszess-OP und vor Bluttransfusion) -> 8,59 -> 8,61 (Di) -> 7,00 (während OP) -> 8,55 (So) Ferritin 17,2 (Mi) Deuten die Werte wieder eine Verbesserung an? Ich traue schon langsam nicht mehr, denn es geht dann ja immer sofort wieder deutlich schlechter wenn es einmal aufwärts ging. Zusätzlich zur Bluttransfusion bekomme ich jetzt Eisen intravenös.  Eine Frage zu Jod, Selen und Vitamin D: Sie schrieben, Jod darf bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen nicht genommen werden, ist gleichzeitig in der Stillzeit aber wichtig. Nun wurde bei mir ja letzte Woche auch noch Hashimoto festgestellt und gleichzeitig stille ich Mia aber ja. Im Krankenhaus hat erst keiner daran gedacht, dass ich ja Jod nehme trotz Hashimoto. Auf meine Nachfrage hieß es jetzt, ich dürfte kein Jod nehmen. Was ist dann mit Mias Schilddrüse? Genau deshalb sollte ich es doch in der Stillzeit nehmen? Kommt Mia auch ohne klar oder sollte ich nach einer niedrigeren Dosis als 200ug fragen? Oder kann man Babys direkt Jod geben? Vit D bekommt Mia ja auch selbst. Selen bekomme ich jetzt 100ug. Der Vit D Wert war ja trotz 2000 IE täglich bei 27. In der Schwangerschaft hatte ich auch schon einen zu niedrigen Wert trotz der 2000 IE. Vielleicht braucht der Körper in der Schwangerschaft und Stillzeit etwas mehr davon? Ich sollte jetzt mal 4000 IE nehmen. Ist das jetzt nicht gleich etwas viel? Kann man da was überdosieren? In der Schwangerschaft habe ich dann 3000 IE genommen und dann hatte der Wert gepasst. Mia macht uns gerade auch noch wirklich Sorgen. Der Windelsoor und Mundsoor wird besser, aber ihre Trinkerei macht uns zu schaffen. Sie trinkt wirklich nur alle 2-3 Stunden ca. 30ml aus der Brust (mehr kommt leider gerade nicht) und zusätzlich etwa 20-30 ml Pre Nahrung aus Spritze, Sauger oder Becher. Mit viel Geduld. Sie war ja von Geburt an mit ihren 2,9kg schon eher leicht, aber jetzt folgt sie ihrer Gewichtskurve (Perzentile) nicht mehr. Mein Mann wird das am Mi bei der U4 alles besprechen. Vielleicht sollte ich wieder mehr pumpen um die Milchproduktion zu erhöhen damit sie mehr trinkt? Ich stille eigentlich echt gerne, aber unter den momentanen Bedingungen stresst es mich zusätzlich 😞 Nachts kommt sie im Schnitt gerade 6 (!) Mal, also alle 1,5 Stunden ungefähr. Manchmal hängt sie dann 30 Minuten an der Brust. Ich mache das zwar im Liegen und schlafe teilweise schon auch selbst dabei ein. Aber die Schlafqualität lässt zu wünschen übrig. Ich verstehe den Wandel auch nicht. Zu Hause hat sie vor diesem Krankenhausaufenthalt schon bis 4 Uhr Früh durchgeschlafen. Es mag an der wenigen Milch liegen oder vielleicht spürt sie meine Angst und sucht damit selbst Geborgenheit und Nähe? Ich weiß nicht ob ich sie nachts abgeben soll um selbst besser zu schlafen (das ist die Meinung von meinem Mann) oder ob ich ihr damit die Nähe, die sie braucht, entziehe. Nachts lässt sie sich nirgends so beruhigen wie an der Brust. Ich bin echt verzweifelt. Das Mutterherz schreit wenn ich sie so zurücklasse. Ich entschuldige mich wirklich, dass ich so oft nerve und Ihnen Fragen stelle, weil es an allen Fronten brennt. Ich versuche mich damit aufzuheitern, dass ich zwei so süße Kinder und einen Mann, der für mich da ist, habe. Das ist nicht selbstverständlich. Am schönsten ist es, dass unser Großer seine kleine Schwester jetzt schon selbst zum Lachen bringt mit seinem Quatsch. Melde mich wenn es mir möglich ist. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, bitte entschuldigen Sie sich nicht. Sie nerven ganz sicher nicht. Was Sie gerade durchmachen, ist körperlich und seelisch eine extreme Belastung. Und wenn man gleichzeitig Mutter eines kleinen Babys ist, stillt, Schmerzen hat, Fieber bekommt, wieder operiert werden muss und dann auch noch Angst um das eigene Kind hat, dann ist es völlig verständlich, dass man nach Halt, Erklärung und Hoffnung sucht. Dass Sie Mia in dieser Nacht der Schwester geben mussten, war kein Versagen als Mutter. Im Gegenteil: Es war in diesem Moment genau das Verantwortungsvolle. Sie waren schwer krank, hatten Schüttelfrost, Schmerzen, Fieber und später sogar einen Hb-Abfall bis 7,0. Ein Baby braucht eine Mutter — aber es braucht vor allem eine Mutter, die überlebt, behandelt wird und wieder zu Kräften kommt. Diese Szene tut Ihnen im Herzen weh, das verstehe ich sehr gut. Aber Mia wurde nicht „verlassen“. Sie wurde versorgt, während Sie selbst medizinisch dringend Hilfe brauchten. Zu Ihren Werten: Ja, ich sehe vorsichtig Zeichen einer Besserung. Das CRP ist nach dem erneuten Anstieg inzwischen wieder von 80 auf 69 gefallen. Die Leukozyten waren sehr hoch, zeigen aber ebenfalls eher eine langsame Abwärtstendenz. Nach einem Abszess und nach einer erneuten Operation ist es leider nicht ungewöhnlich, dass Fieber und Entzündungswerte nicht innerhalb von 24–72 Stunden komplett verschwinden. Entscheidend ist jetzt nicht ein einzelner Wert, sondern die Gesamtrichtung: weniger Schmerzspitzen, stabilerer Kreislauf, weniger Fieberhöhe, fallendes CRP, rückläufige Leukozyten und im Ultraschall keine neue Flüssigkeits- oder Abszessbildung. Trotzdem verstehe ich Ihr Misstrauen sehr gut, weil es bei Ihnen schon mehrfach so war, dass eine kurze Besserung wieder gekippt ist. Deshalb würde ich die Situation weiter engmaschig kontrollieren lassen. Warnzeichen wären erneut zunehmende Schmerzen, wieder Schüttelfrost, Fieberanstieg, übel riechende Blutung, Kreislaufverschlechterung oder wieder steigende Entzündungswerte. Dann müsste man sofort wieder reagieren. Aber der aktuelle Verlauf klingt zumindest etwas hoffnungsvoller als vor der letzten Operation. Der Hb von 8,55 nach Transfusion und Operation erklärt sehr gut, warum Sie sich so erschöpft fühlen. Das ist kein „sich Anstellen“, sondern Ihr Körper hat Blut verloren, Entzündung durchgemacht, mehrere Operationen hinter sich und kämpft zusätzlich mit Stillen und Schlafmangel. Ferritin 17 ist niedrig, daher ist die intravenöse Eisengabe absolut sinnvoll. Es wird aber einige Tage bis Wochen dauern, bis Sie wirklich spürbar mehr Kraft bekommen. Zur Schilddrüse, Jod, Selen und Vitamin D: Bei Hashimoto muss man mit Jod vorsichtig sein, aber Jod ist nicht automatisch grundsätzlich verboten. In der Stillzeit ist Jod für das Kind wichtig, weil die Schilddrüse des Babys Jod für die Hormonbildung braucht. Gleichzeitig kann zu viel Jod bei Hashimoto die Entzündung der Schilddrüse manchmal ungünstig beeinflussen. Ich würde deshalb nicht eigenständig hoch dosieren, sondern mit Endokrinologie/Kinderarzt besprechen, ob eine niedrigere Dosis, zum Beispiel 100 µg täglich, sinnvoller ist als 200 µg. Eine direkte Jodgabe an Mia sollte bitte nicht ohne Kinderarzt erfolgen. Vitamin D bekommt Mia ja bereits direkt, das ist gut. Selen 100 µg ist eine übliche, moderate Dosis. Vitamin D 4000 IE täglich ist kurzfristig bei niedrigem Spiegel nicht ungewöhnlich, sollte aber kontrolliert werden. Bei einem Wert von 27 trotz 2000 IE ist es plausibel, dass Sie vorübergehend mehr brauchen. Ich würde nach einigen Wochen den 25-OH-Vitamin-D-Wert, Calcium und möglichst auch die Nierenwerte kontrollieren lassen. Eine Überdosierung ist bei 4000 IE täglich kurzfristig eher nicht zu erwarten, aber dauerhaft sollte man es nicht blind ohne Kontrolle nehmen. Zu Mia: Dass sie im Krankenhaus, bei Ihrer Erkrankung, bei Stress, Soor und möglicherweise weniger Milch anders trinkt und nachts viel häufiger kommt, ist leider sehr gut erklärbar. Babys spüren Unruhe, sie suchen Nähe, und wenn die Milchmenge schwankt, trinken sie häufiger und ineffizienter. Entscheidend ist jetzt aber ihr Gewicht. Wenn sie ihre Perzentile verlässt, sollte das bei der U4 unbedingt klar angesprochen werden. Wichtig sind: Gewichtsentwicklung, Trinkmenge, nasse Windeln, Allgemeinzustand, Mundsoor, mögliche Schmerzen beim Trinken und ob eine vorübergehende strukturierte Zufütterung nötig ist. Ich würde Ihnen ganz ehrlich sagen: In Ihrer aktuellen Lage darf Stillen nicht zusätzlich zur Überforderung werden. Es ist schön, wenn Sie stillen möchten — aber Ihre Erholung ist im Moment ebenfalls Therapie. Vielleicht ist ein pragmatischer Mittelweg am besten: weiter anlegen, wenn es für Sie und Mia gut geht, zusätzlich zufüttern, und nur so viel pumpen, wie es Sie nicht weiter erschöpft. Pumpen kann die Milchbildung unterstützen, aber es darf nicht zu einem zusätzlichen Pflichtprogramm werden, das Ihnen die letzte Kraft nimmt. Auch nachts dürfen Sie Hilfe annehmen. Das bedeutet nicht, Mia Nähe zu entziehen. Vielleicht kann Ihr Mann eine oder zwei Nachtphasen übernehmen, in denen Mia Pre-Nahrung bekommt oder beruhigt wird, damit Sie wenigstens einen längeren Schlafblock haben. Wenn sie sich gar nicht beruhigen lässt, darf sie natürlich an die Brust. Aber Sie müssen nicht jede Nacht sechsmal allein durchhalten. Eine gute Mutter ist nicht diejenige, die sich komplett aufreibt, sondern diejenige, die Hilfe annimmt, damit sie wieder gesund werden kann. Und bei allem, was gerade brennt: Sie schreiben auch etwas sehr Schönes. Dass Ihr Großer seine kleine Schwester zum Lachen bringt, ist ein Stück echtes Leben mitten in diesem schweren Ausnahmezustand. Daran dürfen Sie sich festhalten. Das nimmt die Erschöpfung nicht weg, aber es zeigt: Da ist nicht nur Krankheit. Da ist Familie, Bindung, Liebe — und ein Weg zurück ins Leben. Bitte bleiben Sie weiter eng in ärztlicher Kontrolle. Ich hoffe sehr, dass die jetzige Operation nun wirklich den Wendepunkt bringt und Ihr Körper endlich zur Ruhe kommen darf. Herzliche Grüße F. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Zuerst mal danke für die letzte ausführliche Nachricht! Ich melde mich heute mit ganz guten Nachrichten, zumindest im Vergleich zu den letzten. Mir geht es gerade wieder deutlich besser und ich werde voraussichtlich am Montag nach Hause entlassen. Die Angst ist groß, dass es wieder nur ein kurzer „Ausflug“ nach Hause wird, aber ich hoffe, dass es dieses Mal wirklich endlich der Weg zur Normalität wird. Aber natürlich bin ich sehr angespannt und ängstlich nachdem ich schon zwei Mal zurück ins Krankenhaus musste. CRP ist auf 19,9 gefallen, Leukozyten auf 13,2, Kreatinin bei 1,0. Ich bin heute den ersten Tag bisher ganz fieberfrei und habe nur ganz leichte Schmerzen im Unterleib, die Blutung ist noch immer leicht, aber weniger. Mein Hb ist nach der Bluttransfusion nach der OP und nach Eiseninfusion immerhin bei 9,4 und Ferritin bei 20. Sehen Sie das auch so, dass Eiseninfusionen weiterhin Sinn machen? Mein Kreislauf ist nur mittelmäßig, mir ist oft schwindlig und ich bin so müde, aber ich denke, da spielt vieles mit rein: Eisenmangel, Schlafmangel wegen Mia, die heißen Temperaturen und meine Psyche ist auch nicht gerade optimal nach allem was passiert ist. Ich habe das Problem mit dem Jod und der Schilddrüse noch einmal angesprochen und gefragt, ob ich wegen der Stillzeit wenigsten 100ug Jod nehmen dürfte wie Sie vorgeschlagen haben. Es hieß, das wäre in Ordnung, besser wäre aber kein Jod. Mia dürfte das Jod aber sich nicht direkt selber bekommen. Dann würde ich doch lieber 100ug nehmen. Kann man da bei Hashimoto etwas falsch machen? Darf ich mich nächste Woche nach der Kontrolle der Blutwerte bei der Frauenärztin mal bei Ihnen melden? Was sollte sie alles kontrollieren? Mia macht uns nach der U4 noch immer etwas Sorgen. Meine Milch ist momentan einfach sehr zurückgegangen und da sie die Flasche nicht nimmt, kämpfen wir weiterhin mit Spritze, Becher und Löffel um jeden Milliliter. Sie hat Ihre Perzentile verlassen und ist zu leicht. Bei der U3 am 30.4. wog sie 5,12kg (Geburtsgewicht am 8.2. war 2920g bei 48cm). Diesen Mittwoch (17.6.) wog sie bei der U4 gerade mal 5,39kg bei 63cm Körpergröße. Das sind in 7 Wochen nur etwa 200g Zunahme. Die Kinderärztin sagte mir, es sollten mit 4 Monaten etwa 100g pro Woche sein. Unsere Kinderärztin hat meinen Mann nun gesagt, dass wir von der Pre Nahrung auf die 1er Milch wechseln sollten und mit Beikost (Mittagsbrei) starten sollen. Ich weiß, das ist nicht Ihr Spezialgebiet, aber Sie wissen immer etwas Gutes. Ich hatte von unserem Großen in Erinnerung, dass man am besten immer bei der Pre Nahrung bleibt und gar nicht auf die Folgemilch wechselt und dass der Darm nicht vor 5-6 Monaten reif genug für Babybrei ist. Mia ist ja erst etwas über 4 Monate alt. Sie zeigt auch noch kein Interesse am Essen. Es kommt schon von der Pre Nahrung bei der Löffelmethode immer viel wieder raus. Ich glaube nicht, dass sie das mit dem Essen schon hinbekommt. Sitzen kann sie mit ihren 4 Monaten ja auch noch nicht. Ich möchte sie nur ungern überfordern. Gibt es nicht auch einfach fettere Pre Milch, die wir ihr zur besseren Gewichtszunahme geben könnten? Vielleicht sollte ich mich zu Hause auch mal an meine Hebamme wenden. Sie meinte immer, keine Beikost unter 6 Monaten und dem Darm Zeit lassen, reif dafür zu sein. Ich möchte nicht aus einem Problem ein neues schaffen. Ich hatte mir von der Kinderärztin präzisere Informationen gewünscht. Sollten wir vielleicht noch genauere Fragen stellen? Der Mundsoor und Windelsoor sind wenigstens weg. Sie hat gerade etwa 5 nasse Windeln am Tag, aber nie mehr, eher mal nur 4. Sehr selten 6. Das Zungenbändchen ist ok. Woher könnten denn noch andere mögliche Schmerzen kommen? Zumindest sonst hat Mia große Fortschritte in ihrer Entwicklung gemacht. Sie dreht den Kopf jetzt schön auf beide Seiten dank Physio und hebt den Kopf in Bauchlage schon viel länger, greift gezielt, dreht sich zur Seite und bleibt dort liegen. Sie unterhält sich ununterbrochen mit lauten (aaaaah, wwwwww, arrrrrr, grrrrr, usw.), lacht und ist fröhlich. Die Kinderärztin war sonst sehr mit ihrer Entwicklung zufrieden. Nur das Gewicht macht uns Sorgen. Wie sehen Sie das? Passt wenigstens die Entwicklung ihrer Größe? Bei aller Angst, die mit der Entlassung mitschwingt, freue ich mich dennoch wieder auf Zuhause, auf meinen Großen und meinen Mann. Es ist so herzerwärmend, zu sehen, wie der Große die Kleine streichelt, ihr Bussis gibt, ihr sein Spielzeug vorführt und sich um sie kümmert,wenn sie weint und zu mir sagt: „Mama, die Mia weint. Wir müssen sie trösten.“ Ich bedanke mich für Ihre endlose Zeit und Geduld mit mir und wünsche Ihnen ein wunderbares Sommerwochenende! Wenn Sie Vorschläge haben, bitte immer her damit! Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das sind wirklich deutlich bessere Nachrichten. Ich freue mich sehr, dass es Ihnen endlich spürbar besser geht. Ein CRP von 19,9, Leukozyten von 13,2, normales Kreatinin, Fieberfreiheit und nur noch leichte Unterbauchschmerzen sprechen klar dafür, dass sich die Entzündungssituation beruhigt. Nach allem, was Sie hinter sich haben, ist es aber völlig verständlich, dass Sie der Entlassung nicht nur mit Freude, sondern auch mit Angst begegnen. Ihr Körper und Ihre Seele mussten in den letzten Wochen sehr viel aushalten. Dass Sie sich noch müde, schwindlig und kreislaufmäßig wackelig fühlen, passt gut zu der Gesamtsituation: Hb 9,4 ist nach Blutverlust und Infektion zwar schon besser, aber noch nicht wirklich kräftig. Ferritin 20 zeigt, dass die Eisenspeicher noch nicht üppig gefüllt sind. Deshalb halte ich weitere Eiseninfusionen grundsätzlich für sinnvoll, wenn Ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte keine Gegenargumente sehen. Ziel wäre nicht nur, den Hb-Wert zu stabilisieren, sondern auch Ihre Reserven wieder aufzubauen. Parallel spielen natürlich Schlafmangel, Stillbelastung, Hitze, Infektbelastung und die psychische Erschöpfung eine große Rolle. Bei der Kontrolle nächste Woche würde ich aus meiner Sicht sinnvoll finden: Blutbild mit Hb, Leukozyten und Thrombozyten, CRP, Ferritin, Transferrinsättigung oder Eisenstatus, Kreatinin/Nierenwerte, Leberwerte, Elektrolyte und – wegen Hashimoto und Stillzeit – TSH, fT4, ggf. fT3 und je nach Verlauf die Schilddrüsenantikörper nicht zwingend erneut, aber die Funktionswerte schon. Wichtig wäre auch, klinisch zu schauen: Temperatur, Schmerzen, Blutung, Kreislauf, Wund-/Entzündungszeichen und Ihr Allgemeinzustand. Zum Jod: In der Stillzeit besteht grundsätzlich ein erhöhter Jodbedarf. Bei Hashimoto sollte man keine hohen Joddosen und keine Algenpräparate nehmen, aber 100 µg täglich sind in der Regel eine vernünftige, eher vorsichtige Dosis, besonders wenn Sie stillen. Ich würde das nicht als gefährlich ansehen, solange die Schilddrüsenwerte kontrolliert werden. Gerade bei Hashimoto ist nicht „möglichst gar kein Jod“ automatisch die beste Strategie, sondern eine maßvolle, kontrollierte Versorgung. Zu Mia: Ihre motorische und soziale Entwicklung klingt sehr erfreulich. Dass sie den Kopf besser dreht, in Bauchlage Fortschritte macht, gezielt greift, lacht, lautiert und insgesamt wach und interessiert wirkt, ist sehr positiv. Die Größe von 63 cm mit etwas über vier Monaten wirkt zunächst nicht besorgniserregend. Das Problem ist tatsächlich vor allem die Gewichtsentwicklung: Von 5,12 kg am 30.04. auf 5,39 kg am 17.06. ist deutlich zu wenig Zunahme. Das sollte man ernst nehmen, ohne gleich panisch zu werden. Ich würde hier weniger die Frage „Pre, 1er oder Brei?“ in den Mittelpunkt stellen, sondern einen ganz konkreten Trink- und Gewichtskontrollplan. Pre-Nahrung ist grundsätzlich weiterhin eine gute Säuglingsnahrung und kann nach Bedarf gegeben werden. 1er-Nahrung ist nicht automatisch „besser“ oder deutlich kalorienreicher; sie sättigt durch Stärke teilweise anders, löst aber nicht zwingend das Grundproblem, wenn Mia insgesamt zu wenig aufnimmt. Eine wirklich „fettere Pre-Milch“ sollte man nicht eigenständig anmischen oder konzentrieren, weil das für Elektrolyte, Nieren und Verdauung ungünstig sein kann. Mit Beikost wäre ich in Ihrer Situation vorsichtig. Grundsätzlich darf Beikost frühestens ab Beginn des fünften Monats eingeführt werden, aber sie sollte zum Kind passen. Wenn Mia noch kein Interesse zeigt, vieles wieder herausschiebt und noch nicht gut stabil sitzt, würde ich Brei nicht als Hauptlösung für die Gewichtszunahme sehen. In diesem Alter ist Milch weiterhin die entscheidende Energie- und Flüssigkeitsquelle. Beikost kann man später in Ruhe beginnen, aber im Moment muss zuerst geklärt werden, wie Mia zuverlässig mehr Milch bekommt. Ich würde Ihnen sehr empfehlen, die Hebamme und am besten zusätzlich eine erfahrene Still- und Laktationsberaterin einzubeziehen. Sinnvoll wäre zum Beispiel: Wiegen in kurzen Abständen, eventuell Stillproben beziehungsweise Wiegen vor und nach dem Stillen, Einschätzung der Milchmenge, Stilltechnik, Pumpstrategie, Zufüttertechnik und ein realistisches Tagesziel für die Milchmenge. Wenn sie die Flasche nicht nimmt, kann man Becher, Löffel, Spritze, Brusternährungsset oder andere Saugerformen versuchen – aber bitte mit professioneller Anleitung, damit es für Sie nicht noch belastender wird. Die 4–5 nassen Windeln pro Tag sind nicht dramatisch, aber bei dieser Gewichtsentwicklung auch nicht ganz beruhigend. Wenn sie deutlich weniger nasse Windeln hat, apathisch wirkt, sehr schläfrig wird, schlecht trinkt, trockene Schleimhäute bekommt, Fieber entwickelt oder weiter Gewicht verliert, sollte sie kurzfristig erneut kinderärztlich gesehen werden. Ich würde der Kinderärztin konkret folgende Fragen stellen: Wie viel soll Mia pro 24 Stunden mindestens trinken? Wie oft soll sie jetzt gewogen werden? Ab welcher Trinkmenge oder Windelzahl sollen wir uns sofort melden? Sollen wir eine Stillberatung, Logopädie/Schluckberatung oder eine spezialisierte Füttersprechstunde hinzuziehen? Gibt es Hinweise auf Reflux, Schmerzen beim Trinken, Ohrenschmerzen, wiederkehrenden Soor, Saug-/Schluckprobleme oder eine andere Ursache für die geringe Aufnahme? Wäre vorübergehend eine strukturierte Zufütterung nach Plan sinnvoll, bis das Gewicht wieder stabil ansteigt? Mögliche Schmerz- oder Trinkhemmnisse können Reflux, Bauchschmerzen, Luftschlucken, Ohrenschmerzen, Mundschmerzen nach Soor, Saugverwirrung, Erschöpfung oder auch einfach eine schwierige Phase nach all dem Stress sein. Dass das Zungenbändchen in Ordnung ist, ist gut, aber es erklärt noch nicht alles. Mein Eindruck ist: Bei Ihnen geht es medizinisch endlich in die richtige Richtung, aber Sie brauchen nach Entlassung eine engmaschige Kontrolle und dürfen nicht das Gefühl haben, jetzt allein funktionieren zu müssen. Bei Mia würde ich nicht abwarten, sondern freundlich, aber bestimmt um einen konkreten Ernährungs- und Kontrollplan bitten. Nicht aus Angst, sondern damit wieder Ruhe und Sicherheit in die Situation kommt. Und bei allem: Es ist wunderschön, was Sie von Ihrem Großen erzählen. Dieses „Mama, die Mia weint. Wir müssen sie trösten“ ist genau das, was einem zeigt, dass trotz dieser schweren Wochen ganz viel Liebe und Familie da ist. Ich wünsche Ihnen sehr, dass der Montag wirklich der Beginn der Normalität wird – langsam, vorsichtig, aber diesmal dauerhaft. Sie dürfen sich nach der Kontrolle selbstverständlich gerne wieder melden. Herzliche Grüße Friedrich Gagsteiger Die fachliche Basis dahinter: In der Stillzeit empfiehlt die DGE weiterhin eine adäquate Jodversorgung; für Stillende werden 230 µg/Tag als Referenzwert genannt und ein Supplement von 100 µg/Tag zusätzlich zu jodierter Ernährung empfohlen, bei Schilddrüsenerkrankungen nach ärztlicher Rücksprache. Bei Hashimoto gilt eine bedarfsgerechte Jodaufnahme in der Regel als unproblematisch, hoch dosierte Jodquellen wie Algen sollte man vermeiden. Zur Beikost: Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ nennt frühestens den Beginn des 5. Monats und spätestens den Beginn des 7. Monats als Zeitfenster, aber die Reifezeichen und die individuelle Situation sind entscheidend. Für Mia ist bei der aktuellen Gewichtsentwicklung Milchzufuhr wichtiger als ein erzwungener Breistart. Zur Flüssigkeit: In den ersten Monaten kommt die Flüssigkeit im Wesentlichen aus Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung; zusätzliche Getränke sind bei Beikostbeginn meist noch nicht nötig, erst später bei mehreren ersetzten Breimahlzeiten. Bei wenigen nassen Windeln, Müdigkeit oder schlechtem Trinken sollte aber kinderärztlich früh reagiert werden.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich möchte Ihnen herzlich für Ihre ausführliche Antwort danken. Sie erklären alles immer sehr verständlich und detailliert, sodass ich genau weiß, wie die nächsten Schritte aussehen sollten. Dafür ein großes Dankeschön! :) Ich wurde wirklich am Montag entlassen und genieße jetzt die Familienzeit zu Hause so sehr. Ich erlebe es als das größte Geschenk, dem Großen endlich beim Planschen im Garten zuschauen zu können, diese Freude von ihm, dass Mama und Mia da sind, ist das Schönste, das ich mir gerade vorstellen kann. Er kann sich so schön freuen und springt aufgeregt durch den Garten und will Mia alles zeigen, was er baut und sie muss mit ihren 4 Monaten schon überall mit: ins Planschbecken, selbst in den Sandkasten (zumindest mit den Füßchen). Wir spielen mit einem Luftballon hin und her und Mia liegt darunter und lacht und schäkert, wenn der Ballon über sie fliegt oder – noch besser – auf ihr landet. Das ist für mich das größte Glück auf Erden, die beiden zusammen lachen zu sehen :) Und ich nehme jetzt gerade kein Antibiotikum. Das fühlt sich so gut an, mal ohne Antibiotikum leben zu können. Mir geht es gerade den Umständen entsprechend „gut“. Naja, „gut“ wäre jetzt schon übertrieben nach all den Monaten Krankheit, aber wenigstens habe ich fast keine Schmerzen, die Blutung ist bräunlich und eher wie Schmierblutung, ich habe kein Fieber und im Ultraschall hat die Frauenärztin bei der Kontrolle nichts Auffälliges gesehen. Das erleichtert mich sehr, wenngleich die Angst mitschwingt, dass es das letzte Mal bei der ersten Kontrolle auch so war und gleich danach fing es wieder mit Schmerzen und Fieber an. Auch meine Frauenärztin begrüßt jetzt den Aufbau mit Laktobazillen, da meine Scheidenflora sehr „gestört“ ist. Unter dem Mikroskop waren kaum gute Bakterien zu sehen und der vaginale pH Wert war 5,3. Kein Wunder nach den zahlreichen Antibiotika. Das erhöht meine Angst, dass es hoffentlich nicht bald schon wieder losgeht. Ich weiß, dass diese ganzen Milchsäurepräparate unterschiedliche Laktobazillen enthalten. Manche scheinen aber für die Scheidenflora wichtiger zu sein als andere. Ist das richtig? Welches Produkt empfehlen Sie mir und kann ich das täglich nehmen? Von meiner Frauenärztin habe ich noch Gynoflor zu Hause, das enthält aber ja Estrogen und daher weiß ich nicht, ob das in der Stillzeit unbedenklich ist. Ich bin bereit, das zu kaufen, was das Beste ist oder auch verschiedene abzuwechseln. Ich will endlich aus diesem Teufelskreis rauskommen. Denken Sie, eine Schmierblutung stört beim Einführen? Es schmiert momentan nur auf der Slipeinlage, mehr nicht. Ansonsten leidet mein Kreislauf schon noch und ich fühle mich einfach noch sehr schlapp, müde und schwindlig. Von „Funktionieren“ bin ich weit entfernt und das macht mir schon zu schaffen, für jeden Handgriff jemanden zu brauchen. Es ist, als ob gerade drei Kinder zu versorgen wären: der Große, die kleine Mia und ich. Mein Mann ist wirklich aufmerksam und bremst mich, wenn ich zu viel machen möchte, doch bleibt so auch einfach unglaublich viel liegen und mein Haushalt war noch nie so chaotisch. Blutwerte schicke ich Ihnen auch: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) Thrombozyten: 260.000 Ferritin: 20,2 (Krankenhaus) -> -> 21,9 (Di bei FÄ) - Transferrinsättigung: 13,8% Kreatinin: 1,0 (Mo vor Entlassung) -> 0,98 (Di bei FÄ) - Vitamin D: 27,2 ng/ml (Krankenhaus) -> Ich habe die Einnahme vor 1,5 Wochen von 2000 IE auf 4000 IE erhöht. Halten Sie das für sinnvoll? -> 29,1 (Di FÄ) -> Sollte die Dosis schon langsam reduziert werden, z.B. auf 3000 IE oder sogar 2000 IE? Calcium: 2,31 nmol/l Magnesium: 0,81 nmol/l - Selen: 64,8 ug/l  -> Ich nehme seit 1,5 Wochen 100 ug. Halten Sie das für sinnvoll? -> 68,9 (Di FÄ) -> Zink: 95,3 ug/dl + TSH 9,98 (Krankenhaus) - > 9,79 (Krankenhaus) -> 50ug L-Thyroxin -> 8,25 (FÄ nach knapp 2 Wo.) - fT3 1,52 ng/l (Krankenhaus) - > 1,50 ng/l (Krankenhaus) -> 1,61 ng/l (FÄ) - fT4 0,51 ng/dl (Krankenhaus) - > 0,57 ng/dl (Krankenhaus) -> 0,60 ng/dl (FÄ) TPO Antikörper 766 (Krankenhaus) -> 759 (FÄ) TRAK Antikörper 0,7 (Krankenhaus) Ich nehme jetzt 100ug Jod wegen der Stillzeit. Meine FÄ findet das auch in Ordnung. Könnten Sie mir zu den Werten Ihre Einschätzung geben? Meine FÄ ist der Meinung, die L-Thyroxin Dosis müssten wir von den 50ug auf mind. 75ug steigern, besser 100ug. Was denken Sie? Eine weitere Eiseninfusion soll ich bekommen. Die Eisentabletten stopfen sehr. Wie oft denken Sie, dass Kontrollen bei der FÄ gerade nötig sind? Die Hebamme kommt jeden zweiten Tag, wenn etwas Dringendes ist, würde sie auch jeden Tag kommen. Am Montag wurde ich entlassen, nun war ich gestern bei der FÄ und nachdem alles soweit in Ordnung aussieht, soll ich am Freitag noch einmal zur Blutentnahme kommen. Von einem erneuten Ultraschall hat sie nicht gesprochen. Sollte das aus Ihrer Sicht gemacht werden? Mia ist unser Sonnenscheinchen, sie lacht so viel und macht es uns echt leicht. Aber mit ihrer Trinkerei macht sie uns weiterhin Sorgen. Ich bin froh, dass Sie es genauso sehen wie wir und auch meine Hebamme hat das bestätigt: Beikost und Brei sind im 1. Lebensjahr eine Zugabe zur Milch, aber Milch bleibt die Hauptnahrungsquelle. Ihre schlechte Gewichtszunahme jetzt mit Brei positiv zu beeinflussen, für den Mia noch dazu noch gar nicht bereit ist, halten wir nicht für zielführend. Von der Kinderärztin haben wir wenige hilfreiche Antworten auf unsere Fragen zu Mindestrinkmenge, Wiegen, Windelzahl etc. erhalten. Meine Hebamme hilft uns gerade sehr und kommt wieder alle 2 Tage um nach mir und auch nach Mia zu schauen. Sie ist wirklich bemüht und auf Zack. Sie hat mir ihre Ersatzbabywage sogar da gelassen, damit wir Mia vor und nach jedem Stillen/Trinken wiegen können. Sie meint, wenn Mia etwa alle 2,5 Stunden trinkt, sollte sie mit ihren 4,5 Monaten mind. 90-100ml pro Mahlzeit schaffen (Brust + Spritze + Becher + Löffel zusammen). Ich soll sie alle 2,5 Stunden anlegen, auch wenn sie dann noch nicht vor Hunger schreit. Damit würde sie am Tag auf etwa 500ml kommen und nachts trinkt sie gerade auch alle 3 Stunden. Da müssen wir nicht wiegen. Ich hatte gelesen, dass Babys in diesem Alter einen Bedarf von 650-800ml am Tag haben. Das würde dann etwa hinkommen. Stimmen Sie dieser Trinkmenge zu? Ich pumpe jetzt wieder mehr und habe auch wieder mehr Milch, aber trotzdem noch keine Unmengen. Aus der Brust trinkt Mia meistens etwa 60ml. Die fehlenden 30-40ml versuchen wir dann mit Spritze + Becher + Löffel auszugleichen. Das ist mit ihr oft eine Geduldsarbeit und am Ende sind es oft nur 80ml, die sie schafft anstatt 90-100. Sie kommt damit gerade so auf ihre 5 Windeln. Momentan schwitzt sie durch die Hitze auch oft zusätzlich, hat nach dem Schlafen einen nassen Rücken oder nassgeschwitzte Haare am Hinterkopf. Muss ich davon ausgehen, dass da viel Flüssigkeit zusätzlich verloren geht? Sie schläft schon nur in Windel und Body ohne jegliche Decke, tagsüber lasse ich sie im Haus schon nur in der Windel oder in einem ganz dünnen Kleidchen ohne Body darunter und trotzdem schwitzt sie. Sofort bei der Kinderärztin sollen wir uns ab einer Trinkmenge von 70ml melden, wenn es mehrmals täglich der Fall ist oder ab einer Windelzahl von 4 am Tag. Mia spuckt schon immer wieder ordentlich nach dem Stillen, aber es gibt laut Kinderärztin keine Hinweise auf Schmerzen beim Trinken, Ohrenschmerzen, Saug-/Schluckprobleme. Der Mundsoor ist momentan wieder ein bisschen zurückgekommen, wird aber behandelt. Kann es daran liegen? Mein Gefühl ist, sie liebt es an die Brust gekuschelt zu trinken. Den ersten größten Hunger schafft sie daran zu stillen und dann sind Flasche, Spritze, Löffel, Becher und Pre Nahrung einfach nicht mehr interessant genug. Sie schaut dann interessiert durch die Gegend und will alles, nur noch trinken. Sie wirkt in dem Moment auch nicht unzufrieden. Aber warum steigt das Gewicht dann nicht besser? Es macht mir unglaublichen Druck, die Milchmenge wieder versuchen zu müssen, zu steigern, weil die Brust das einzige ist, wovon sie auch freiwillig mehr trinken würde. Ich traue mich gar nicht, den Gedanken zu haben, abzustillen. Ich stille sie auch sehr gerne, es ist nur gerade in meinem körperlichen Zustand für mich manchmal ganz schön anstrengend. Und die aktuelle Hitzeperiode macht das nicht besser. Entschuldigen Sie bitte meinen Roman, den ich zu Mia geschrieben habe. Wir machen uns über ihr Abrutschen auf der Perzentile einfach Sorgen. Wie finden Sie unseren momentanen Plan mit Mia? Würden Sie etwas ändern oder anders sehen? Ist es das, was Sie mit einer strukturierten Zufütterung nach Plan meinten? Wann ist eine Logopädie oder spezialisierte Füttersprechstunde sinnvoll? Ich bedanke mich für die Zeit, die Sie sich heute wieder genommen haben, um meine lange Nachricht zu lesen und zu beantworten. Ich freue mich einfach so, zu Hause zu sein und hoffe so sehr, dass es dieses Mal hält. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Wie schön, Ihre Zeilen zu lesen. Nach allem, was Sie in den letzten Monaten durchgestanden haben, ist es ein großes Geschenk, dass Sie jetzt wieder zu Hause sind und diese Momente mit Ihrem großen Sohn und Mia erleben können. Genau solche kleinen, lebendigen Familienszenen sind es, die einem nach so einer schweren Zeit wieder Kraft geben. Und trotzdem ist völlig verständlich, dass die Angst im Hintergrund noch mitläuft. Ihr Körper hat sehr viel durchgemacht, und Vertrauen in die Stabilität muss sich jetzt erst wieder langsam aufbauen. Zu Ihren aktuellen Befunden: Die Entwicklung sieht insgesamt erfreulich aus. Das CRP ist von 19,9 über 11,1 auf 6,3 gefallen, die Leukozyten sinken ebenfalls, Sie haben kein Fieber, kaum Schmerzen, die Blutung ist nur noch bräunlich-schmierblutig und der Ultraschall war unauffällig. Das sind alles gute Zeichen. Eine Garantie gibt es leider nie, aber im Moment spricht der Verlauf eher für Beruhigung und Erholung. Die Schmierblutung allein stört den Aufbau der Scheidenflora nicht wesentlich. Wenn es nur bräunlich schmiert und keine stärkere frische Blutung besteht, können Sie ein vaginales Präparat grundsätzlich anwenden. Wichtig ist nur: bei wieder zunehmenden Schmerzen, frischer stärkerer Blutung, Fieber, übelriechendem Ausfluss oder Krankheitsgefühl bitte sofort wieder ärztlich kontrollieren lassen. Zum Aufbau der Scheidenflora: Ja, es stimmt, dass nicht alle Laktobazillen gleich sind. Für eine stabile Scheidenflora sind besonders Laktobazillen wichtig, die ein saures Milieu unterstützen, vor allem Lactobacillus crispatus, außerdem auch L. gasseri, L. jensenii, L. rhamnosus und L. reuteri. Ich würde in Ihrer Situation zunächst ein hormonfreies vaginales Laktobazillenpräparat bevorzugen, möglichst mit lebenden Laktobazillen. Das kann man in der Regel für 7–14 Tage täglich abends vaginal anwenden und danach, je nach Befund und Gefühl, 2–3-mal pro Woche weiterführen. Manchmal ist auch eine Kombination sinnvoll: zuerst Laktobazillen, danach gelegentlich Milchsäure zur pH-Stabilisierung, aber nur, wenn es nicht brennt oder reizt. Gynoflor enthält zusätzlich Estriol. Lokal angewendetes Estriol wird zwar nur gering aufgenommen, aber in der Stillzeit wäre ich damit zurückhaltender und würde es nicht als erstes Mittel wählen, wenn es nicht ausdrücklich wegen trockener, östrogenarmer Schleimhaut notwendig ist. Ich würde daher zunächst hormonfrei beginnen und Gynoflor nur nach Rücksprache mit Ihrer Frauenärztin einsetzen. Zu den Blutwerten: Die Entzündungswerte sind erfreulich rückläufig. Der Hb von 9,6 zeigt aber noch eine deutliche Blutarmut, und Ferritin um 20 mit niedriger Transferrinsättigung passt zu einem relevanten Eisenmangel. Dass Sie sich schlapp, müde, schwindlig und kreislaufinstabil fühlen, ist daher nicht überraschend. Eine weitere Eiseninfusion halte ich in dieser Situation für sehr plausibel, gerade wenn Sie Eisentabletten schlecht vertragen. Der auffälligste Punkt ist aus meiner Sicht die Schilddrüse. TSH über 8, fT4 weiterhin niedrig und hohe TPO-Antikörper sprechen für eine deutliche autoimmune Schilddrüsenunterfunktion, also am ehesten Hashimoto beziehungsweise eine postpartale Schilddrüsensituation auf autoimmuner Grundlage. 50 µg L-Thyroxin scheinen bei diesen Werten noch nicht ausreichend zu sein. Ich würde die Einschätzung Ihrer Frauenärztin gut nachvollziehen: eine Steigerung auf mindestens 75 µg ist sinnvoll, möglicherweise auch auf 100 µg, abhängig von Gewicht, Kreislauf, Puls, Beschwerden und ärztlicher Einschätzung. Wichtig wäre eine erneute Kontrolle von TSH, fT3 und fT4 nach etwa 2–4 Wochen, weil fT4 bei Ihnen noch klar zu niedrig ist. Gerade in der Stillzeit und in dieser Erholungsphase sollte die Schilddrüse nicht längere Zeit deutlich unterversorgt bleiben. 100 µg Jod in der Stillzeit finde ich vertretbar, solange keine Überdosierung erfolgt. Bei Hashimoto sollte man keine hohen Joddosen nehmen, aber eine moderate Stillzeit-Supplementierung ist meistens in Ordnung. Selen 100 µg täglich kann man für einige Wochen bis wenige Monate ebenfalls vertreten, bitte aber nicht zusätzlich hoch dosieren. Vitamin D mit 4000 IE täglich ist bei Ihrem Wert um 29 ng/ml für eine begrenzte Zeit sinnvoll. Wenn der Wert stabil über 30–40 ng/ml liegt, kann man meist auf 2000 IE täglich reduzieren. Calcium ist normal, das ist beruhigend. Zu den Kontrollen: Dass Sie nach der Entlassung jetzt engmaschig betreut werden, ist genau richtig. Die Kontrolle am Freitag mit Blutentnahme ist sinnvoll. Einen Ultraschall würde ich nicht zwingend jedes Mal machen, wenn Sie fieberfrei sind, die Schmerzen nicht zunehmen, die Blutung nur bräunlich ist und die Entzündungswerte weiter fallen. Wenn aber Schmerzen, Fieber, stärkere Blutung oder ein erneuter CRP-/Leukozytenanstieg auftreten, sollte man großzügig erneut schallen. Zu Mia: Ich finde Ihren Plan grundsätzlich sehr vernünftig und strukturiert. Sie legen regelmäßig an, kontrollieren die Trinkmenge, ergänzen danach mit abgepumpter Milch oder Pre-Nahrung und achten auf Windeln, Gewicht und Allgemeinzustand. Genau das meinte ich mit strukturierter Zufütterung nach Plan. Die von Ihrer Hebamme genannten 90–100 ml pro Mahlzeit alle etwa 2,5 Stunden sind als Zielgröße nachvollziehbar. Entscheidend ist aber nicht jede einzelne Mahlzeit, sondern die Tagesmenge, die Gewichtsentwicklung und der klinische Eindruck. Viele Babys trinken nicht bei jeder Mahlzeit gleich viel. Wenn Mia an der Brust etwa 60 ml schafft und danach mit Spritze, Becher oder Löffel noch 20–40 ml ergänzt werden, ist das ein sinnvoller Weg. Wenn es am Ende manchmal 80 ml statt 100 ml sind, ist das nicht automatisch gefährlich, aber bei bereits abfallender Perzentile muss man es ernst nehmen und eng begleiten. Bei 4,5 Monaten liegt der Milchbedarf häufig ungefähr im Bereich von 650–800 ml pro Tag, je nach Gewicht und Kind. Wenn sie tagsüber etwa 500 ml schafft und nachts zusätzlich alle 3 Stunden trinkt, kann das durchaus hinkommen. Wichtig ist aber: Wenn die Gewichtszunahme trotzdem nicht reicht, muss man nicht nur auf die rechnerische Menge schauen, sondern auch auf Effektivität des Trinkens, Spucken, Mundsoor, Energieverbrauch, Hitze und mögliche Fütterprobleme. Mundsoor kann das Trinken durchaus beeinträchtigen, auch wenn ein Baby nicht dramatisch schreit. Wenn der Mund wund ist, trinken manche Babys kürzer, unruhiger oder verlieren schneller die Lust. Das sollte konsequent mitbehandelt werden, und wichtig ist auch, dass Brustwarzen, Schnuller, Sauger und gegebenenfalls abgepumpte Milch-/Flaschenmaterialien hygienisch mitgedacht werden, damit es nicht ständig wiederkommt. Die Hitze kann zusätzlich belasten. Schwitzen bedeutet Flüssigkeitsverlust, aber das wichtigste Warnsignal bleibt: weniger nasse Windeln, trockener Mund, ungewöhnliche Schläfrigkeit, eingefallene Fontanelle, sehr dunkler Urin, Trinkverweigerung oder wiederholt deutlich zu geringe Trinkmengen. Die Grenze Ihrer Kinderärztin — melden ab mehrfach nur etwa 70 ml oder bei nur 4 nassen Windeln — finde ich sinnvoll. 5 Windeln sind eher untere Grenze, aber noch nicht automatisch dramatisch, wenn Mia wach, rosig und interessiert ist. Ich würde zusätzlich eine Stillberaterin IBCLC oder eine spezialisierte Füttersprechstunde einbeziehen, wenn das Gewicht weiter nicht ausreichend steigt oder die Zufütterung dauerhaft so mühsam bleibt. Eine logopädische oder spezialisierte Fütterdiagnostik ist besonders sinnvoll, wenn Mahlzeiten sehr lange dauern, Mia schnell ermüdet, sich verschluckt, hustet, würgt, die Brust oder Flasche zunehmend ablehnt, auffällig viel spuckt oder trotz ausreichender angebotener Mengen nicht zunimmt. Manchmal sind es kleine Dinge im Saugen, Schlucken, der Muskelspannung oder der Koordination, die man von außen nicht sofort sieht. Ganz wichtig: Sie dürfen den Gedanken an Entlastung zulassen. Stillen ist wertvoll, aber Sie sind gerade selbst noch Patientin. Es ist kein Scheitern, wenn Sie abgepumpte Milch, Pre-Nahrung oder eine andere Zufütterstrategie brauchen. Ziel ist nicht „perfektes Stillen“, sondern: Mia soll zuverlässig zunehmen — und Sie sollen wieder zu Kräften kommen. Wenn Ihre Kraft zusammenbricht, hilft das niemandem. Deshalb ist Ihr Mann mit seinem Bremsen vermutlich gerade sehr wichtig, auch wenn der Haushalt chaotisch ist. Der Haushalt darf im Moment nachrangig sein. Wirklich. Zusammengefasst: Bei Ihnen sieht der Verlauf im Moment vorsichtig positiv aus. Die Entzündungswerte beruhigen sich, der Ultraschall war unauffällig, die Beschwerden sind besser. Wichtig sind jetzt Eisenauffüllung, deutliche Optimierung der Schilddrüse, Aufbau der Scheidenflora und engmaschige Beobachtung. Bei Mia ist Ihr Plan gut, aber wegen der Perzentilenentwicklung sollte die Gewichtszunahme weiter eng kontrolliert und bei ausbleibender Besserung frühzeitig eine spezialisierte Still-/Fütterberatung oder Kinderklinik-Füttersprechstunde einbezogen werden. Ich freue mich sehr, dass Sie zu Hause sind. Jetzt geht es nicht darum, sofort wieder zu funktionieren. Es geht darum, Tag für Tag Stabilität zurückzugewinnen — medizinisch, körperlich und seelisch. Herzliche Grüße Friedrich Gagsteiger Medizinischer Hintergrund: Bei fallender Gewichtskurve empfehlen Leitlinien eine strukturierte Fütterbeobachtung und gezielte Unterstützung; bei Zufütterung sollte Stillen unterstützt und Muttermilch möglichst vor Formula angeboten werden.   Für Vitamin D gilt weiterhin: gestillte oder teilgestillte Säuglinge brauchen in der Regel 400 IE täglich; mütterliche Vitamin-D-Gaben ersetzen das nicht automatisch.   Bei der vaginalen Flora ist die Laktobazillen-Dominanz der entscheidende Schutzfaktor; ein höherer vaginaler pH und Verlust von Laktobazillen passen zu Dysbiose/BV-Risiko.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Wow! Danke für diese umfassende Antwort! Wie schön, dass Sie immer da sind und wie schön, dass Sie sich auch mit mir freuen 🙂 Kaum den 5. Tag zu Hause, bin ich heute leider schon wieder verunsichert und könnte so gut Ihre Hilfe brauchen. Heute Morgen bei der Blutentnahme bei der FÄ war noch alles ok und jetzt spüre ich wieder ein Ziehen im Unterleib. Es hat vor etwa 3 Stunden angefangen und wurde immer stärker und schmerzhafter, sodass ich mir nach 1h eine Wärmflasche gemacht habe. Das hilft aber nur wenig irgendwie und bei der Hitze ist die zusätzliche Wärme auch kaum auszuhalten. Vor 1h habe ich eine Ibu genommen und warte noch auf Besserung. Ausgerechnet wieder jetzt wo meine FÄ bis Mo nicht mehr erreichbar ist. Ich frage mich, ob es Vorboten der ersten Periode nach der Geburt sind. Ich habe aber weiterhin nur Schmierblutung. Aber ich stille ja noch voll. Nach der 1. Geburt meines Sohnes kam die 1. Periode später, erst als er mehr gegessen hat und ich langsam weniger stillte. Fieber habe ich zum Glück nicht. Hoffentlich bleibt das so. Ich habe wirklich Angst nachdem es das letzte Mal genauso anfing als es wieder von vorne losging. Mir ist heute auch noch schwindliger als sonst und ich bin noch müder und könnte nur schlafen. Aber bei 39 Grad und einer mehr als bescheidenen Nacht ist das vielleicht auch kein Wunder. Mia hat bei der Hitze so schlecht geschlafen. Sie war fast stündlich wach und ganz unruhig. Dann hat sie neben mir weiter geschlafen aber sie dreht sich mittlerweile auch quer, dann hatte ich kaum Platz und einen Heizofen zusätzlich auf mir. Mia hat den ganzen Body durchgeschwitzt. Mein Mann hat sie dann ganz ausgezogen und sie hat nur in Windel geschlafen. Aber meine Unterleibsschmerzen dürften ja mit all dem nichts zu tun haben? Dummerweise hat mich auch die FÄ heute nicht mehr mit den Ergebnissen von der Blutentnahme von heute Morgen gemeldet. Wahrscheinlich sind sie noch nicht da. Und einen Ultraschall hat sie heute nicht gemacht. Nur eine Eiseninfusion habe ich bekommen und Blut wurde genommen. Doch damit bin ich jetzt etwas unsicher. Es hätte mich jetzt doch interessiert, ob die Entzündungswerte weiter niedrig bleiben. Wäre der Verlauf bisher nicht so beunruhigend gewesen, würde ich mir gerade nicht einmal etwas Böses denken. Mein Gefühl sagt mir, mal abzuwarten ob jetzt einfach eine Blutung (Periode?) einsetzt oder wieder Fieber kommt. Wenn nur eine stärkere Blutung ohne Fieber einsetzt: kann ich dann entspannt bleiben oder zumindest bis Montag warten? Oder vielleicht mal pH Wert vaginal messen ob er noch schlechter als 5,3 (Di bei FÄ) geworden ist? Meine Hebamme war die ganze Woche für mich da, doch von heute bis Dienstag ist sie im Kurzurlaub. Sie meinte zwar netterweise, ich dürfte sie auch anrufen wenn etwas dringendes wäre, weil wir so eine harte Zeit erleben. Aber ich habe sie noch nicht erreicht. Wir sorgen uns seit gestern nämlich auch noch um Mia. Wir sind und so unsicher, ob sie wirklich genug trinkt. Wir versuchen nach dem strukturierten Plan meiner Hebamme, sie alle 2,5 Stunden zum Trinken zu bekommen. Seit gestern ist sie aber oft entweder genau nach 2 Stunden so müde, dass sie sich dann an der Brust nur in den Schlaf nuckelt und nicht viel trinkt oder sie macht mir einen Stillstreik vom Feinsten und schreit dann die Brust an und schreit sich selbst so ein, dass dann gar nichts mehr geht. Ich habe das Gefühl, 90-100 ml alle 2,5 Stunden entspricht seit gestern nicht ihrem natürlichen Trinkrhythmus. Wenn wir nach ihrem Rhythmus (alle 3 Stunden trinken) gehen, müsste sie ja dann dafür mehr, also etwa 120ml pro Mahlzeit trinken (zumindest im Durchschnitt) um am Ende des Tages auf ihre 500ml zu kommen (+ eben nachts etwa 200ml). Das kommt sie aber nicht ganz. Sie trinkt etwa 90ml alle 3 Stunden, damit kommt sie dann aber ja nur auf ca. 360ml am Tag + ? ml nachts. Sie trinkt zügig, würgt nicht, verschluckt sich nur noch selten, aber sie ist einfach schnell satt und dann ist alles interessanter als Trinken. Sie haben zwar recht, dass es nicht ums perfekte Stillen geht und ich auf meine Kräfte achten sollte, doch das ist leichter gesagt als getan wenn Mia die Flasche ablehnt und es bei Pre Nahrung aus Spritze, Becher und Löffel alles ewig dauert. Vielleicht sollten wir ihr zuerst 30-40 ml Pre Nahrung geben und dann die Brust? Mein Gedanke dabei ist, dass sie ja lieber aus der Brust trinkt und deshalb das, was sie noch so mag, haben sollte, so lange der Hunger am größten ist? Man liest nur überall, dass man zuerst die Brust geben soll. Gestern hat sie noch dazu auch tagsüber so viel geschwitzt, Rücken und Hinterkopf waren dauernass. Unser Babyphone zeigt tagsüber 31 Grad im Schlafzimmer und abends 28 Grad an und dieses Wochenende soll es ja noch heißer werden. Ich denke, sie schwitzt viel raus. Von 9h morgens bis 16 Uhr hatte sie gestern nur eine Windel (und die war halb voll) und insgesamt nur 4 an dem Tag 😞 mein Mann war heute Morgen mit ihr nochmal beim Kinderarzt und sie meinte, Mia wäre aber nicht dehydriert und nicht apathisch. Fontanelle etc. wären ok. Ihre Gewichtszunahme ist aber schon wieder mager: Geburt (8.2.): 2920g U3 am 30.04.: 5,12kg U4 am 17.6.: 5,39kg 25.6.: 5,43kg Sollten es nicht etwa 100g pro Woche sein? Dann rutscht sie doch weiter auf der Perzentile ab? Die Kinderärztin hat sich auf Beikostbeginn und 1er Milch (statt Pre) eingeschossen, was wir nicht zielführend finden. Mia ist nach wie vor nicht am Essen interessiert. Sie beachtet gar nicht, was wir essen. Sie sitzt auch nicht alleine. Wie kritisch sehen Sie das Ganze? Sie Kinderärztin wirkte wieder relativ entspannt, meine Hebamme sah das Ganze diese Woche nicht so entspannt. Das verunsichert. Darf ich zu Ihrer letzten Nachricht auch noch Nachfragen stellen? 1. Sie schreiben: „Für eine stabile Scheidenflora sind besonders Laktobazillen wichtig, die ein saures Milieu unterstützen, vor allem Lactobacillus crispatus, außerdem auch L. gasseri, L. jensenii, L. rhamnosus und L. reuteri. Ich würde in Ihrer Situation zunächst ein hormonfreies vaginales Laktobazillenpräparat bevorzugen, möglichst mit lebenden Laktobazillen.“ - Nach meiner Recherche hat kein Präparat all diese Laktobazillen? Jedes hat andere. Soll ich dann verschiedene kombinieren? Oder halten Sie eines für besser? Ein bestimmtes? 2. Ist es grundsätzlich bei Hashimoto und hohen TSH-Werten um 8-10 besser, niedriger mit L-Thyroxin (75 ug) weiter zu machen oder besser gleich mit 100ug nachdem die 50ug keine deutliche bzw. schnelle Besserung gebracht haben? 3. Zu Mias Mundsoor: wir haben einen Sterilisator, in dem alle Spritzen, Becker, Löffel nach jedem Trinken sterilisiert werden. Schnuller nimmt Mia ja nicht. Was genau soll ich an den Brustwarzen machen? Es tut mir sehr leid, dass ich immer wieder mit denselben Themen anfange, Sie zu „nerven“. Mia macht uns wirklich Sorgen und ich bin nach dem Verlauf einfach verunsichert und „traumatisiert“ und sehr aufmerksam. Ich versuche, nicht zu sehr in meinen Körper hinein zu hören, aber ich spüre die Schmerzen schon deutlich und habe einfach Angst. Aber trotz allem: ich genieße meine beiden Kinder gerade so sehr: der Große, der die Kleine streichelt, die Kleine, die den großen Bruder anhimmelt und eine müde, kraftlose aber herzerfüllte Mama, die ihre beiden Süßen beobachtet und bewundert 🙂 Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Gerne — hier ist eine mögliche Antwort in Ihrem Stil: warm, beruhigend, aber mit klaren Sicherheitsgrenzen. Die wichtigsten medizinischen Eckpunkte: Bei Babys gelten weniger nasse Windeln, Schläfrigkeit/Reizbarkeit, trockener Mund, eingesunkene Fontanelle oder eingesunkene Augen als Warnzeichen für Dehydratation; Hitze erhöht das Risiko.   Bei langsamem Gedeihen sollte das Kind ärztlich und idealerweise zusätzlich stillberaterisch eng begleitet werden; als grober Orientierungswert werden zwischen 3 und 6 Monaten etwa 20 g/Tag genannt, wobei immer der Gesamtzustand, Perzentilenverlauf, Länge und Kopfumfang mitbeurteilt werden müssen.   Für vaginale Lactobazillen ist L. crispatus besonders interessant; Studien zu speziellen L. crispatus-Präparaten zeigen weniger BV-Rückfälle, aber die Präparate am Markt unterscheiden sich deutlich, und man muss nicht „alle“ Stämme gleichzeitig kombinieren. Liebe Maria, zuerst einmal: Sie nerven überhaupt nicht. Nach diesem Verlauf ist es völlig nachvollziehbar, dass Sie sehr aufmerksam sind und dass ein erneut zunehmendes Ziehen im Unterbauch sofort Angst auslöst. Das ist nicht „überempfindlich“, sondern nach den letzten Wochen eher eine sehr verständliche Alarmbereitschaft. Zu Ihren Unterbauchschmerzen: Es kann natürlich harmlose Ursachen geben: Nachwehen, Gebärmutterrückbildung, Darm, Übermüdung, Hitze, beginnende hormonelle Umstellung oder auch einmal eine erste Blutung nach der Geburt. Vollstillen macht eine frühe Periode zwar weniger wahrscheinlich, schließt sie aber nicht sicher aus. Bei Ihnen beurteile ich es aber wegen der Vorgeschichte strenger: Wenn die Schmerzen weiter zunehmen, trotz Ibuprofen nicht deutlich nachlassen, krampfartig werden oder Sie sich insgesamt krank fühlen, würde ich nicht bis Montag warten. Dann bitte lieber heute noch gynäkologisch/klinisch abklären lassen — auch wenn noch kein Fieber da ist. Gerade weil es bei Ihnen schon einmal so begonnen hat. Sofort abklären lassen sollten Sie bitte bei: Fieber ab etwa 38 °C oder Schüttelfrost, deutlich zunehmenden Unterbauchschmerzen, übel riechendem Wochenfluss/Ausfluss, stärkerer frischer Blutung, besonders wenn Sie sehr rasch Binden wechseln müssen oder größere Koagel kommen, Kreislaufproblemen, zunehmendem Schwindel, Herzrasen oder einem richtigen Krankheitsgefühl. Wenn nur eine menstruationsähnliche Blutung einsetzt, Sie kein Fieber haben, die Schmerzen eher abnehmen und der Kreislauf stabil bleibt, kann man eher beobachten. Aber bei Ihrer Vorgeschichte wäre meine Schwelle zur Kontrolle niedrig. Ein vaginaler pH-Wert kann ergänzend interessant sein, ersetzt aber keine Untersuchung. Ein pH von 5,3 zeigt nur, dass das Scheidenmilieu nicht optimal sauer ist; er sagt nicht sicher, ob wieder eine aufsteigende Entzündung oder ein Abszess entsteht. Wenn Sie die Blutwerte von heute noch bekommen: CRP, Leukozyten und Hb wären sehr hilfreich. Aber bitte nicht allein auf Laborwerte warten, wenn die Beschwerden klinisch schlechter werden. Zu Mia: Ich verstehe sehr gut, dass Sie hier verunsichert sind. Die Kinderärztin hat heute zum Glück keine akute Austrocknung gesehen — Fontanelle, Allgemeinzustand und Verhalten waren offenbar beruhigend. Das ist erst einmal wichtig. Trotzdem finde ich die Kombination aus Hitze, weniger nassen Windeln, Trinkstress und geringer Gewichtszunahme etwas, das man engmaschig ernst nehmen sollte. Vier Windeln am Tag, dazu starkes Schwitzen und eine sehr warme Wohnung, ist für mich ein Grund, sehr aufmerksam zu bleiben. Wenn Mia deutlich schläfriger wird, schwer weckbar ist, kaum trinkt, eine eingesunkene Fontanelle bekommt, trockene Schleimhäute hat, keine Tränen hat oder deutlich weniger nasse Windeln kommen, würde ich nicht abwarten, sondern den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst oder eine Kinderklinik kontaktieren. Zur Trinkstrategie: In Lehrbüchern steht oft „erst Brust, dann Zufütterung“, weil man die Brust stimulieren und die Milchbildung erhalten möchte. Praktisch muss man aber manchmal flexibler sein. Wenn Mia so hungrig oder überreizt ist, dass sie die Brust anschreit, kann ein kleiner „Startschluck“ von 20–30 ml abgepumpter Milch oder Pre-Nahrung vor der Brust sinnvoll sein, damit sie ruhiger wird. Danach dann Brust anbieten. Wenn sie dann noch etwas braucht, anschließend nochmals kleine Mengen zufüttern. Ich würde also nicht dogmatisch sein. Entscheidend ist jetzt nicht die perfekte Reihenfolge, sondern dass Mia genug Flüssigkeit und Kalorien bekommt und Sie nicht völlig erschöpfen. Praktisch könnte man versuchen: möglichst in einem kühlen, abgedunkelten Raum stillen, viel Hautkontakt, aber nicht überwärmen, häufiger kleine Mengen anbieten, bei Stillstreik nicht kämpfen, sondern kurz beruhigen und später erneut anbieten, bei Bedarf kleine Zufüttermengen vor oder nach der Brust, Windeln und Trinkmengen weiter dokumentieren, zeitnah erneut Gewichtskontrolle, am besten immer auf derselben Waage. Zur 1er-Nahrung: Ich wäre damit zurückhaltend, wenn es vor allem um Trinkmenge, Hitze und Gedeihen geht. Pre-Nahrung ist der Muttermilch am nächsten und kann nach Bedarf gegeben werden. 1er-Nahrung macht nicht automatisch, dass ein Kind besser gedeiht. Beikost ist ebenfalls nur dann sinnvoll, wenn Mia dafür entwicklungsbereit ist. Wenn sie noch kein Interesse zeigt, noch nicht ausreichend stabil sitzt und Essen gar nicht beachtet, würde ich das nicht als Hauptlösung sehen. Milch bleibt in diesem Alter die wesentliche Nahrung. Die Gewichtszunahme ist tatsächlich eher knapp. Das heißt nicht automatisch, dass etwas Gefährliches passiert, aber es heißt: bitte nicht einfach abhaken. Ich würde hier eine klare gemeinsame Linie mit Kinderärztin und Hebamme/Stillberatung wünschen: Zielmenge, Zufütterstrategie, Wiegeabstände und klare Kriterien, wann Sie sich sofort melden sollen. Zu den Lactobazillen: Sie haben völlig recht: Es gibt kaum ein Präparat, das alle genannten Lactobazillen enthält. Das müssen Sie auch nicht kombinieren. Ich würde nicht mehrere Präparate durcheinander verwenden, weil man dann gar nicht mehr weiß, was hilft oder reizt. Wichtiger ist: hormonfrei, vaginal anwendbar, möglichst mit lebenden Lactobazillen, gut verträglich. Besonders günstig wäre ein Präparat mit Lactobacillus crispatus, wenn verfügbar. Wenn nicht, sind auch Präparate mit Lactobacillus rhamnosus, reuteri, gasseri oder jensenii vertretbar. Entscheidend ist, dass Sie es vertragen und dass parallel keine akute Infektion übersehen wird. Zur Schilddrüse / Hashimoto: Ein TSH von 8–10 ist deutlich zu hoch, besonders wenn Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Wochenbett eine Rolle spielen. Wenn 50 µg keine ausreichende Besserung gebracht haben, ist eine Steigerung grundsätzlich nachvollziehbar. Ob 75 µg oder gleich 100 µg sinnvoller sind, hängt aber von Gewicht, Beschwerden, fT4/fT3, Herz-Kreislauf-Situation und der bisherigen Einnahmedauer ab. Wenn Sie 75 µg gut vertragen, aber der TSH weiter deutlich erhöht bleibt, ist 100 µg oft ein sinnvoller nächster Schritt. Wichtig ist dann eine Kontrolle nach etwa 4–6 Wochen, nicht zu früh, weil der TSH träge reagiert. Bei Herzrasen, innerer Unruhe, Zittern oder Schlaflosigkeit müsste man natürlich vorsichtiger sein. Zu Mias Mundsoor und Ihren Brustwarzen: Sterilisieren von Spritzen, Bechern und Löffeln ist sehr sinnvoll. An den Brustwarzen ist wichtig, dass Sie mitbehandelt werden, sonst kann es einen Ping-Pong-Effekt geben: Mia wird behandelt, steckt sich aber an der Brust wieder an — oder umgekehrt. Das bedeutet in der Regel: Nach dem Stillen die Brustwarzen vorsichtig mit Wasser reinigen, gut trocknen lassen und dann das verordnete Antimykotikum dünn auftragen. Vor dem nächsten Stillen wird meist nur überschüssige Creme vorsichtig entfernt, je nach Präparat und kinderärztlicher Empfehlung. Wichtig sind außerdem häufiges Wechseln von Stilleinlagen, BHs/Handtüchern heiß waschen und möglichst trockene Brustwarzen. Und zum Schluss: Auch wenn jetzt wieder Angst da ist — Sie machen das nicht falsch. Sie sind müde, körperlich geschwächt, haben eine schwere Infektionsgeschichte hinter sich und sorgen gleichzeitig liebevoll für zwei Kinder. Dass Sie Ihre beiden trotzdem so genießen können, zeigt, wie viel Kraft und Liebe da ist. Aber genau deshalb müssen Sie jetzt nicht tapfer abwarten, wenn Ihr Körper wieder deutliche Warnsignale sendet. Lieber einmal zu früh kontrollieren lassen als einmal zu spät. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für diese schnelle und große Hilfe!  Meine FÄ hat gestern Nachmittag sogar noch angerufen, um mir die Entzündungswerte mitzuteilen: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) Da die Werte nicht gestiegen sind und die Ibu mir dann gegen die ziehenden Unterleibsschmerzen geholfen hat, meinte die FÄ am Telefon, wir würden das am Mo wieder kontrollieren und sofern es nicht schlimmer wird, würde das ausreichen. Ich habe sie gefragt, ob sie denkt, es könnte einfach harmlos sein und die erste Periode nach der Geburt sein. Sie sagte, dass das natürlich möglich ist, sie es aber nicht für so wahrscheinlich hält, da sie am Di beim letzten Ultraschall keine aufgebaute Schleimhaut gesehen hatte. Kleine Follikel in Warteposition waren sichtbar, aber keine aufgebaute Schleimhaut. Halten Sie das dann auch eher für eine unwahrscheinliche Ursache für die Schmerzen oder kann es trotzdem ein paar Tage später zu einer Periode kommen? Ich fühle mich trotzdem sehr unsicher und merke, dass es psychisch etwas mit mir macht, ständig in dieser Alarmbereitschaft zu sein, dass es ja wieder schlimmer werden könnte. Weg sind die Schmerzen nämlich nicht, sobald die Ibu aufhört zu wirken, werden sie wieder Stück für Stück stärker. Ich möchte mich auch nicht ständig mit Schmerzmitteln zudröhnen. Letze Nacht konnte ich dann dafür nicht gut schlafen, weil ich keine mehr genommen habe. Mein Kreatininwert hatte sich ja wieder auf 1,0 verbessert, aber ist das noch immer etwas erhöht oder unbedenklich zwecks Ibu? Auch Mia bekommt das ja alles über die Muttermilch. Ich beobachte es genau weiter und hoffe, es wird nicht schlimmer und es kommt kein Fieber oder starke Blutungen hinzu. Bis jetzt ist es unverändert. Mein Mann wollte mich schon zu einer Kontrolle beim Bereitschaftsdienst überzeugen, aber ich denke, wir beobachten es erstmal weiter so lange es nicht schlimmer wird und die Schmierblutung minimal bleibt. Das war ja auch die Einschätzung der FÄ. Ich darf maximal alle 6 Stunden eine Ibu 400 nehmen oder? Dass mir heute sehr schwindlig ist und ich so müde bin, schiebe ich eher auf die Hitze, die schlechten Nächte mit Mia (letzte Nacht aber auch, weil ich die Schmerzen einfach nur aushalten wollte ohne Ibu und das war vielleicht nicht so geschickt im Nachhinein) und ich denke, meine schlechten Schilddrüsenwerte tragen auch was dazu bei. Kann das auch vom L-Thyroxin kommen? Zum Hashimoto schreiben Sie: „Ob 75 µg oder gleich 100 µg sinnvoller sind, hängt aber von Gewicht, Beschwerden, fT4/fT3, Herz-Kreislauf-Situation und der bisherigen Einnahmedauer ab.“ Die Werte, die ich Ihnen in der Nachricht zuvor gegeben hatte, waren folgende: + TSH 9,98 (Krankenhaus) - > 9,79 (Krankenhaus) -> 50ug L-Thyroxin -> 8,25 (FÄ nach knapp 2 Wo.) - fT3 1,52 ng/l (Krankenhaus) - > 1,50 ng/l (Krankenhaus) -> 1,61 ng/l (FÄ) - fT4 0,51 ng/dl (Krankenhaus) - > 0,57 ng/dl (Krankenhaus) -> 0,60 ng/dl (FÄ) TPO Antikörper 766 (Krankenhaus) -> 759 (FÄ) TRAK Antikörper 0,7 (Krankenhaus) Gewicht: 60kg, ich kriege die 5kg, die ich seit der Schwangerschaft mehr habe, auch nicht runter, trotz Vollstillen und wenig Essen während der Krankheit in den letzten Wochen  Weitere Beschwerden: Müdigkeit, Schwindel, Verstopfung, Antriebslosigkeit, oft depressive Verstimmung. Aber was davon von der Krankheit der letzten Wochen kommt und was vom Hashimoto, weiß ich nicht.  Herz-Kreislaufsituation: meinen Sie den Blutdruck? Der ist bei mir eher immer niedrig: um 100/70. Die FÄ wollte mit 75ug weitermachen, denken Sie gleich 100 sind sinnvoller? Ihre Ratschläge zu Mia versuchen wir alle umzusetzen. Sie ist so ein kleiner süßer Sonnenschein, oft gut drauf, lacht viel, nur ihre Trinkerei ist einfach problematisch. Heute trinkt sie zum Glück mal etwas besser, aber es ist immer an der Grenze zu „naja, geht gerade noch“. Heute hat sie sich aber zum ersten Mal auf den Bauch gedreht, zwar nur einmal bis jetzt und dann nur noch bis zur Seite, aber wir sind froh, dass sie mit ihren 4,5 Monaten jetzt so tolle motorische Fortschritte macht. Vorhin ist sie mit ihrem Bruder und meinem Mann kurz im Planschbecken im Schatten zur Abkühlung gewesen und es war so schön für mich, zu sehen, wie alle miteinander lachen 🙂 Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende, dass Sie die Hitze gut aushalten und das Wochenende genießen können 🙂 Wünschen Sie mir Glück, dass alles stabil bleibt und meine Angst unbegründet ist 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ihre Entzündungswerte entwickeln sich weiter in die richtige Richtung, Mia macht tolle Fortschritte und ich kann gut nachvollziehen, wie glücklich es Sie macht, Ihre beiden Kinder zusammen lachen zu sehen. Das sind genau die Momente, die nach den schweren Wochen wieder Kraft geben. Zu Ihren medizinischen Fragen: 1. Die Entzündungswerte machen mir insgesamt Mut Die Entwicklung ist erfreulich: Hb: 9,4 → 9,5 → 9,6 → 9,7 g/dl (langsame Erholung) Leukozyten: 13,2 → 11,9 → 10,9 → 10,8 G/l CRP: 19,9 → 11,1 → 6,3 → 6,1 mg/l Das spricht nicht für eine erneut aufflammende schwere Infektion. Natürlich ist das CRP noch nicht ganz normal, aber der kontinuierliche Rückgang ist deutlich wichtiger als der absolute Wert. Zusammen mit dem fehlenden Fieber und der nur minimalen Schmierblutung passt das sehr gut zu der Einschätzung Ihrer Frauenärztin, zunächst bis Montag weiter zu beobachten.   2. Kann das schon die erste Periode sein? Ich halte das ebenfalls eher für weniger wahrscheinlich. Ihre Frauenärztin hat am Dienstag keine aufgebaute Gebärmutterschleimhaut gesehen. Ohne ausreichend aufgebaute Schleimhaut ist eine Menstruation wenige Tage später eher unwahrscheinlich. Ganz ausschließen kann man es zwar nie – manchmal verändern sich die Eierstöcke überraschend schnell –, aber insbesondere bei einer voll stillenden Mutter in den ersten Monaten nach der Geburt ist eine erste Regelblutung eher ungewöhnlich. Viel eher könnte ich mir vorstellen, dass die Schmerzen noch mit der Heilung nach der Infektion und den Operationen zusammenhängen. Das Gewebe braucht nach einem Abszess oft mehrere Wochen, bis es sich vollständig beruhigt. Dabei können ziehende oder krampfartige Schmerzen durchaus auftreten.   3. Dass die Schmerzen auf Ibu ansprechen Auch das spricht zunächst eher für einen entzündlichen Heilungsprozess als für etwas Akut-Bedrohliches. Dass die Schmerzen wiederkommen, wenn die Wirkung nachlässt, ist leider nicht ungewöhnlich. Wichtig wäre für mich lediglich, wenn Fieber dazukommt, die Blutung deutlich zunimmt, die Schmerzen plötzlich wesentlich stärker werden, übelriechender Ausfluss entsteht oder Sie sich insgesamt deutlich kränker fühlen. Dann würde ich nicht bis Montag warten. Im jetzigen Verlauf finde ich das Vorgehen Ihrer Frauenärztin nachvollziehbar.   4. Ibuprofen Ja, 400 mg alle 6 Stunden sind grundsätzlich eine übliche Dosierung. Dabei sollte eine Tageshöchstdosis von 1.200 mg ohne ärztliche Anordnung möglichst nicht überschritten werden. Gerade jetzt gilt aber auch: Sie müssen Schmerzen nicht tapfer aushalten. Ausreichende Schmerztherapie unterstützt häufig sogar die Erholung, weil Schlaf, Bewegung und allgemeines Wohlbefinden besser werden.   5. Kreatinin 1,0 mg/dl Ein Kreatinin von 1,0 mg/dl ist bei einer 60-kg-Frau grundsätzlich noch im Normalbereich bzw. allenfalls grenzwertig. Nachdem sich Ihr Wert bereits wieder gebessert hat, sehe ich bei ausreichender Trinkmenge, normaler Urinausscheidung und einer nur vorübergehenden Einnahme von Ibuprofen keine wesentlichen Bedenken. Natürlich sollte Ibuprofen nicht über viele Wochen täglich eingenommen werden, aber für einige Tage erscheint mir das vertretbar. Auch während des Stillens gilt Ibuprofen als eines der bevorzugten Schmerzmittel, da nur sehr geringe Mengen in die Muttermilch übergehen.   6. Schilddrüse Ihre Werte sprechen leider tatsächlich für eine noch deutliche Unterfunktion. TSH 8,25 mU/l fT4 0,60 ng/dl (noch deutlich niedrig) fT3 1,61 ng/l (ebenfalls niedrig) TPO-AK deutlich positiv Dazu kommen genau die typischen Beschwerden: Müdigkeit Schwindel Verstopfung Antriebslosigkeit depressive Verstimmung Schwierigkeiten beim Abnehmen Natürlich kann ein Teil dieser Beschwerden auch von den letzten Wochen mit Infektion, Operationen, Blutverlust, Schlafmangel und dem Eisenmangel kommen. Aber die Schilddrüse trägt wahrscheinlich erheblich dazu bei.   7. 75 oder 100 µg? Das ist die schwierigste Frage. Bei 60 kg Körpergewicht, deutlicher Hypothyreose, noch niedrigem fT4, ausgeprägten Beschwerden könnte man durchaus überlegen, relativ zügig auf 100 µg zu steigern. Allerdings gibt es auch gute Argumente für den Weg Ihrer Frauenärztin: Sie haben erst seit knapp zwei Wochen 75 µg erhalten. L-Thyroxin braucht etwa 4–6 Wochen, bis sich der volle Effekt einer Dosiserhöhung im TSH zeigt. Deshalb würde ich wahrscheinlich folgendermaßen vorgehen: jetzt zunächst die 75 µg konsequent weiternehmen, in etwa 2–3 Wochen nochmals TSH, fT4 und möglichst auch fT3 bestimmen, falls der TSH dann weiterhin deutlich erhöht und fT4 noch niedrig ist, würde ich auf 100 µg steigern. Das erscheint mir der ausgewogenste Weg.   8. Schwindel Hier kommen wahrscheinlich mehrere Faktoren zusammen: Hitze Schlafmangel Blutarmut Eisenmangel niedriger Blutdruck Schilddrüsenunterfunktion körperliche Erschöpfung nach der Infektion Es wäre sogar erstaunlich, wenn Ihnen unter diesen Umständen nicht gelegentlich schwindelig wäre.   9. Zu Mia Dass sie sich mit 4½ Monaten zum ersten Mal auf den Bauch gedreht hat, ist ein wunderschöner Entwicklungsschritt! Auch wenn das Trinken manchmal noch grenzwertig erscheint, klingt es so, als würden Sie sie sehr aufmerksam beobachten. Solange sie ausreichend nasse Windeln hat, zunimmt und insgesamt wach und fröhlich ist, ist das beruhigend.   Und zum Schluss noch etwas Persönliches: Sie schreiben, dass Sie ständig in Alarmbereitschaft sind. Nach allem, was Sie in den vergangenen Wochen erlebt haben – Operationen, Infektion, Krankenhaus, Fieber, Blutungen und immer wieder Rückschläge –, ist diese Reaktion sehr verständlich. Ihr Körper scheint sich langsam zu erholen, aber Ihr Nervensystem hat noch nicht gelernt, dass die akute Gefahr vorbei sein könnte. Das braucht oft etwas länger. Deshalb wünsche ich Ihnen tatsächlich von Herzen, dass sich Ihr Verlauf jetzt weiter stabilisiert. Die objektiven Zeichen sprechen im Moment eher dafür als dagegen. Natürlich kann Ihnen niemand garantieren, dass nichts mehr passiert, aber im Augenblick sehe ich deutlich mehr Hinweise auf eine fortschreitende Heilung als auf einen erneuten Rückfall. Ich wünsche Ihnen deshalb ganz ausdrücklich Glück – und noch mehr als Glück wünsche ich Ihnen, dass Sie in den nächsten Tagen Stück für Stück wieder Vertrauen in Ihren Körper gewinnen können. Ich drücke Ihnen fest die Daumen, dass die Kontrolle am Montag weiterhin Entwarnung gibt und Sie die Zeit mit Ihrem Mann, Ihrem Sohn und der kleinen Mia wieder zunehmend genießen können. Das hätten Sie sich nach den letzten Wochen wirklich verdient. Ich wünsche Ihnen ebenfalls ein schönes Wochenende – trotz der Hitze – und hoffe sehr, dass Sie viele solcher Momente erleben dürfen wie heute am Planschbecken, als Ihre beiden Kinder gemeinsam gelacht haben. Solche Augenblicke sind oft die beste Medizin.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Erstmal möchte ich Ihnen sagen, wie sehr ich Ihre Bereitschaft schätze. Ich kann es schon gar nicht mehr zählen, wie viele Nachricht Sie mir schon geschickt haben und an wie vielen Wochenenden Sie tip top zur Verfügung standen, entweder um mich zu beruhigen oder um mir die nächsten Schritte klar aufzuzeigen. Das ist ganz besonders toll. Und ich habe gesehen, dass ich Ihnen das erste Mal im Februar 2025 geschrieben habe. So lange geben Sie sich schon Mühe für mich. Danke! Und schon wieder nerve ich Sie am Sonntag 😞  Letzte Nacht wurden die Schmerzen stärker und ich habe sie plötzlich trotz Ibu deutlich gespürt, so sehr, dass ich kaum schlafen konnte. Dann kam natürlich auch das Gedankenkarrussel dazu: Was, wenn es jetzt wieder von vorne losgeht? Muss ich am nächsten Morgen wieder ins Krankenhaus? Usw. Heute Früh war es mit Ibu dann aber wieder besser und ich war erstmal erleichtert. Aber vorhin wurde es wieder so stark. Dann wieder besser. Es schwankt heute so, aber die Tendenz ist leider eher mehr Schmerzen als gestern. Körpertemperatur war vorhin 37,9. Das ist ja zum Glück kein Fieber, aber eine ganz normale Temperatur ist es ja auch nicht. Ich habe beschlossen, heute nicht mehr zu messen, außer ich merke Schüttelfrost. Sonst macht mich das nur verrückt. Ich habe so Angst vor einem neuen Rückschlag 😞 Ich bin eigentlich echt nicht hypochondrisch oder überängstlich vor Krankheiten, nur leider hat mich mein Körper in der letzten Zeit immer eines Besseren belehrt und dann wird man natürlich wachsam. Ich habe vorhin mal den vaginalen pH Wert gemessen und der war 7,0 obwohl ich schon angefangen habe, Laktobazillen einzuführen! Bei der FÄ am Di war er noch 5,3. Oder verfälschen die Laktobazillen das Messergebnis? Ich hatte das letzte Mal gestern Abend welche eingeführt und dann heute Morgen gemessen, also der Abstand zwischen Einführen und Messen war schon mind. 10 Stunden. Was sollte die FÄ am Mo machen? Auch Ultraschall unter diesen Umständen? Wieder Blutwerte? Oder sollen wir doch noch heute zum Bereitschaftsdienst? Oder nur wenn es dauerhaft trotz Ibu immer schmerzhafter wird? Ja, Mia entwickelt sich abgesehen von ihrer Trinkerei und schleppenden Gewichtszunahme ganz wunderbar! Die Kinderärztin meinte auch beim letzten Termin, dass sie nochmal wacher, interessierter und fitter geworden ist und man auch ganz toll die Bindung zum Papa sehen kann, der ja mit ihr immer dort ist, weil sie auf ihn nochmal anders reagiert als auf die Ärztin zum Beispiel. Das hat mich gefreut zu hören, denn im Krankenhaus kam mein Mann uns zwar fast täglich besuchen, aber die meiste Zeit hat sie ja doch mit mir alleine verbracht. Auch zu ihrem großen Bruder scheint die Bindung schon gut da zu sein. Wenn mein Mann ihn aus dem Kindergarten abholt und Mia dabei ist, steht immer ein Haufen Kinder wie eine Traube um ihren Kinderwagen herum und schaut („Ohhh, das süße Baby ist wieder da!“). Sobald ihr großer Bruder dann vor ihrem Kinderwagen erscheint, lächelt sie ihn nochmal ganz anders an als sie die anderen Kinder anlächelt. Das ist schön für mich zu sehen, denn allzu viel Zeit konnten die beiden ja noch nicht miteinander verbringen. Auch wenn er etwas aufbaut mit seinen Spielsachen, schaut sie ihn ganz begeistert und interessiert an wie ihr großes Vorbild 🙂  Da hält sie es auf dem Bauch auch gleich länger aus. Nur dieses Trinken ist einfach beunruhigend. Ja, wir beobachten das genau und notieren in einer Babyapp wieviel sie getrunken hat. Heute waren es wieder grenzwertige 70ml vorhin und dann einmal 80ml, das mit der Hebamme besprochene Ziel sind aber ja 90-100ml. Sie meinten, wir sollen es statt 2,5-3 Stunden mal mit öfter anlegen versuchen. Das Problem ist, dass sie nach 2 Stunden meist absolut übermüdet ist und schlafen muss. Sie hat meist etwa Wachzeiten von 2 Stunden bevor sie wieder 35-45 Minuten schläft. Sie schläft etwa 4 Mal täglich. Also meist Schlafen - Aufwachen + Stillen - Wachzeit - wieder von vorne. Wenn sie müde ist, dann lässt sie sich zwar anlegen, nuckelt sich aber mehr oder weniger nur mit wenigen Schlucken Milch in den Schlaf. Meinen Sie mit öfter, schon alle 1-1,5 Stunden anlegen probieren und dann müsste sie statt 90-100ml dafür nur 45-50ml schaffen? Wenn Sie heute einen freien Sonntag möchten, kann ich das sehr gut verstehen und möchte nicht, dass Sie sich gezwungen fühlen, mir gleich zu antworten. Danke für alle Ihre warmen herzlichen Wünsche! Da freue ich mich sehr 🙂 Schönen Sonntag für Sie! Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Vielen Dank für Ihre so herzliche Nachricht. Es freut mich wirklich sehr zu lesen, dass Sie sich in dieser langen Zeit gut begleitet gefühlt haben. Ja, inzwischen begleiten wir Ihren Weg tatsächlich schon seit Anfang 2025 – durch den langen Kinderwunsch, die Behandlungen, die Schwangerschaft, die Geburt und nun die Wochen danach. Dass Sie sich auch an einem Sonntag melden, ist überhaupt kein “Nerven”. Gerade nach dem, was Sie erlebt haben, ist es völlig verständlich, dass Sie auf Veränderungen aufmerksam reagieren. Die vergangenen Monate waren medizinisch einfach zu belastend, als dass man neue Beschwerden leichtfertig abtun könnte. Zu Ihren Unterbauchschmerzen: Dass die Schmerzen heute stärker geworden sind und inzwischen trotz Ibuprofen immer wieder deutlich durchkommen, würde ich ernst nehmen. Gleichzeitig gibt es aber auch einige beruhigende Punkte: Sie haben aktuell kein Fieber. 37,9 °C ist eine leicht erhöhte Temperatur, aber noch kein Fieber. Sie berichten keinen Schüttelfrost. Die Schmerzen schwanken und sind nicht dauerhaft zunehmend. Die Entzündungswerte waren zuletzt erfreulich rückläufig. Das spricht zunächst eher gegen eine hochakute schwere Infektion. Trotzdem würde ich aufgrund Ihrer Vorgeschichte mit dem Abszess nicht einfach bis Dienstag abwarten. Mein Vorschlag wäre: Wenn die Schmerzen heute Abend oder in der Nacht weiter zunehmen, dauerhaft stark bleiben, trotz Ibuprofen kaum nachlassen, Fieber (≥ 38,0 °C), Schüttelfrost, übel riechender Wochenfluss oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes hinzukommen, würde ich tatsächlich nicht zögern und mich im Bereitschaftsdienst bzw. in der Klinik vorstellen. Wenn die Beschwerden dagegen so bleiben wie jetzt oder sich wieder bessern, halte ich eine Kontrolle morgen bei Ihrer Frauenärztin für einen guten und ausreichenden Weg. Dort würde ich Folgendes empfehlen: eine gründliche gynäkologische Untersuchung, einen vaginalen Ultraschall, um die Gebärmutter und insbesondere den Bereich des ehemaligen Abszesses erneut zu beurteilen, Blutkontrolle mit CRP, Leukozyten und gegebenenfalls erneut Hb, klinische Untersuchung des Bauches. Gerade der Ultraschall wäre für mich wichtig. Er kann häufig sehr gut zeigen, ob sich erneut Flüssigkeit oder eine entzündliche Veränderung entwickelt oder ob sich die Gebärmutter weiterhin normal zurückbildet. Zum vaginalen pH-Wert von 7,0: Den würde ich im Moment nur sehr vorsichtig interpretieren. Zum einen können Wochenfluss und geringe Blutbeimengungen den pH deutlich verändern. Zum anderen können auch die eingeführten Präparate die Messung beeinflussen. Ein einzelner gemessener Wert erlaubt deshalb leider keine sichere Aussage darüber, ob tatsächlich wieder eine bakterielle Fehlbesiedlung vorliegt. Falls Ihre Frauenärztin morgen untersucht, könnte sie zusätzlich einen Abstrich entnehmen, wenn sie den Eindruck hat, dass eine Infektion vorliegen könnte. Ich würde mich deshalb jetzt nicht allein von diesem Messwert beunruhigen lassen.   Umso schöner ist es, den zweiten Teil Ihrer Nachricht zu lesen. Wie Sie Mia beschreiben, freut mich wirklich sehr. Dass sie ihren Papa inzwischen so eindeutig erkennt und anders auf ihn reagiert als auf andere Menschen, zeigt sehr schön, wie sich ihre Bindung entwickelt hat. Und die Beschreibung mit ihrem großen Bruder hat mich richtig lächeln lassen. Dass sie ihn noch einmal ganz besonders anstrahlt und ihm beim Spielen aufmerksam zusieht, passt wunderbar zu dem, was man in diesem Alter häufig beobachten kann. Große Geschwister sind oft die spannendsten Menschen überhaupt. Dass sie in Bauchlage länger durchhält, wenn er dabei ist, ist ein schönes Zeichen dafür, wie motivierend seine Anwesenheit für sie ist. Sie haben sich so viele Sorgen gemacht, dass Sie durch den Krankenhausaufenthalt etwas von dieser Bindung verpassen könnten. Umso schöner ist es zu lesen, dass sich diese Beziehungen jetzt ganz selbstverständlich entwickeln.   Zum Stillen: Ich finde es sehr gut, dass Sie die Trinkmengen dokumentieren. Das hilft enorm, Entwicklungen objektiv zu beurteilen. Mit “öfter anlegen” ist tatsächlich gemeint, die einzelnen Mahlzeiten etwas kleiner werden zu lassen und dafür häufiger anzubieten. Das könnte beispielsweise so aussehen: statt alle 2½–3 Stunden etwa 90–100 ml, alle 1½–2 Stunden anbieten, wobei dann durchaus 45–70 ml ausreichend sein können. Sie müssen dabei nicht krampfhaft auf eine bestimmte Milliliterzahl pro Mahlzeit achten. Entscheidend ist die Gesamttrinkmenge über 24 Stunden, die Gewichtsentwicklung und dass Mia ausreichend nasse Windeln hat. Wenn Sie allerdings beobachten, dass sie nach zwei Stunden bereits so erschöpft ist, dass sie nur noch wenige Schlucke trinkt und sofort einschläft, würde ich sie nicht gegen ihren Schlaf “anstillen”. Schlaf ist in diesem Alter ebenfalls sehr wichtig. Manchmal hilft es eher, unmittelbar nach dem Aufwachen oder schon nach 1½ Stunden Wachzeit anzulegen, solange sie noch aufmerksam ist. Ich denke, Ihre Hebamme kennt Mia inzwischen gut und der gemeinsam vereinbarte Plan erscheint mir sinnvoll.   Und noch etwas Persönliches: Sie schreiben, dass Sie Angst vor einem neuen Rückschlag haben. Nach allem, was Sie erlebt haben, ist diese Angst leider völlig nachvollziehbar. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich die Geschichte wiederholt. Im Gegenteil: Die letzten Laborwerte haben sich kontinuierlich verbessert, und viele Ihrer Beschwerden können auch Teil der normalen Rückbildung sein. Wegen Ihrer Vorgeschichte sollten wir allerdings aufmerksam bleiben – nicht ängstlich, sondern wachsam. Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich die Schmerzen heute Abend wieder beruhigen. Sollte das nicht der Fall sein oder sollten Warnzeichen wie Fieber, Schüttelfrost oder eine deutliche Verschlechterung hinzukommen, lassen Sie sich bitte lieber einmal zu viel als einmal zu wenig untersuchen. Und Mia dürfen Sie von mir ruhig weiter ausrichten, dass sie ihren großen Bruder noch ganz oft so anlächeln soll – solche kleinen Momente sind manchmal die beste Medizin für die Seele. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie morgen eine beruhigende Untersuchung bei Ihrer Frauenärztin haben und sich die Schmerzen als etwas Vorübergehendes herausstellen. Ganz herzliche Grüße und alles Gute für Sie, Ihren Mann, den großen Bruder und natürlich die kleine Mia! Ihr
 Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich habe mich gestern Abend wirklich arg über Ihre Nachricht gefreut! Ihre herzlichen Zeilen und guten Wünsche taten meiner Seele gut und Ihre medizinische Einschätzung war erstmal beruhigend für mich. Sie haben jetzt wirklich schon viele „Einsätze“ für mich geleistet! Selbst an den Weihnachtsfeiertagen letztes Jahr, als es mich hochschwanger mit Influenza erwischt hatte, und auch im Wochenbett, ganz egal welcher Tag. DANKESCHÖN! Ich fühle mich unwohl, gerade wieder täglich um ihre Hilfe zu bitten. Doch leider bin ich auch heute verunsichert, weil ich das Gefühl habe, es geht gerade wieder in die falsche Richtung und alleine bei dem Gedanken könnte ich schon weinen. Die Schmerzen nehmen immer mehr zu, die meiste Zeit spüre ich sie trotz Ibu. Die Schmierblutung ist zwar nicht unbedingt stärker geworden aber von bräunlich zu hellrot und sie riecht nicht gut. So richtig starkes Fieber habe ich zum Glück (noch?) nicht, aber die Temperatur ist nicht ganz normal: 37,9-38,1. Bei der richtigen Endometritis ging es schnell über 39 Grad, aber 38,1 finde ich trotzdem nicht zu 100% beruhigend. Meine FÄ hat heute Morgen Ultraschall gemacht, einen vaginalen Abstrich ins Labor geschickt und Blut für die Entzündungswerte und Hb abgenommen. Direkt nach der Untersuchung konnte sie mir aber schon klar sagen, dass ich wieder eine bakterielle Vaginose habe. Das würde man im Mikroskop deutlich sehen. Sie wollte gerne die Blutwerte abwarten um mir zu sagen, ob das nach „mehr“ oder einer neuen Endometritis aussieht oder „nur“ nach einer BV. Wenn es nur eine BV ist, würde sie mir ein orales Antibiotikum verschreiben, bei einer Endometritis würde sie mich wieder ins Krankenhaus einweisen. Nun hat sie gerade angerufen und mir die Werte mitgeteilt: Sie meinte, wir könnten das 48h lang erst einmal mit oralem Antibiotikum (Amoxicillin) probieren es sei denn meine Symptome würden stärker werden. Ist das auch Ihre Meinung? Und ist Anixicillin dann überhaupt eine gute Wahl?Mein Mann ist sehr besorgt nach meinem Verlauf und ich muss auch zugeben, dass ich mir Sorgen mache. Die Entzündungswerte sind nicht annähernd so hoch, wie sie schonmal waren, aber definitiv gestiegen, wenn auch nur leicht. Oder kann eine BV zu einem leichten Anstieg der Entzündungswerte führen? Ich soll morgen nochmal zum Blutnehmen kommen. Also sehr engmaschig kontrolliert die Ärztin jetzt schon, aber ist das im ambulanten Setting noch tragbar? Ich will nicht zurück ins Krankenhaus, ich bin heute wirklich sehr geknickt über diesen Rückschritt. Doch will ich auch nichts dramatisches riskieren nach allem was passiert ist. Ist die FÄ zu locker oder ist das ok? Hier die Blutwerte: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) Darf ich Sie um Ihre Einschätzung bitten? Ich habe heute außerdem immer wieder das Gefühl, das Herz klopft so schnell. Ich spüre das dann richtig. Kann das einfach von der Dosiserhöhung vom L-Thyroxin (50 auf 75) kommen? Aber selbst wenn, kann man bestimmt nichts dagegen tun, denn mit 50ug ging der TSH ja kaum runter und er ist ja immernoch bei über 8. Kann der Hashimoto eigentlich auch wieder weggehen oder wird er mich ab jetzt mein Leben lang begleiten? Ich hatte ja nie Probleme mit der Schilddrüse und seit dem Ende dieser Schwangerschaft schlägt mein Körper irgendwie plötzlich an so vielen Ecken Alarm. Mia habe ich von Ihnen natürlich ausgerichtet, dass sie ihren Bruder weiterhin so anstrahlen soll und da hat sie ihn heute Morgen gleich wieder angestrahlt, als er ihr ein Gute Morgen Bussi gegeben hat. Es ist so schön, die Dynamik von zwei Kindern erleben zu dürfen. Ich hatte mir das gar nicht vorstellen können, wie schön das ist, sie miteinander lachen zu sehen. Das ist einfach noch einmal was ganz anderes als beim ersten Baby, mit dem man viel Zeit alleine verbringt.  Aber Mias Gewichtszunahme war in der letzten Woche schon wieder mager: Geburt (8.2.): 2920g U3 am 30.04.: 5,12kg U4 am 17.6.: 5,39kg 25.6.: 5,43kg 29.6.: 5,46kg Das sind wieder nur 30g. Die Kinderärztin schwört auf ihren Plan, ihr zumindest abends die 1er Milch zu geben. Ich glaube nicht, dass das der Gamechanger ist. Sie liebt die Brust. Ich versuche jetzt einfach wieder mehr zu pumpen, damit hoffentlich wieder mehr Milch kommt und sie bei mehr Angebot auch wieder mehr trinkt. Momentan kommen so 60-70ml aus der Brust und oft will sie dann eben von den Spritzen, Bechern und Löffeln mit Pre Nahrung gar nichts mehr wissen. Wenn ein bisschen mehr kommen würde aus der Brust, könnten wir uns die Pre Nahrung vielleicht sparen und es würde auch besser laufen. Ich habe auch versucht, sie jetzt einfach öfter anzulegen (1-1,5 Stunden). Das klappt auch nur mäßig. Wenn sie nicht hungrig ist, dann schaut sie nur durch die Gegend, weil ja alles so spannend ist und saugt kaum. Bei der aktuellen Hitze schwitzt sie dann auch noch und kommt damit öfter nur auf 4 Windeln. Sie ist aber nicht apathisch. Am Mittwoch hat sie Termin zur zweiten Meningokokkenimpfung. Da möchte mein Mann nochmal ansprechen, dass sie zur Zeit täglich nur 4 nasse Windeln hat. Beim letzten Mal meinte sie aber nur, so lange sie nicht apathisch ist und zunimmt, sei das ok. Doch sie nimmt ja auch nur langsam zu. Ich finde das alles sehr schwierig und fühle mich von der Kinderärztin nur so halb verstanden, denn ihre einzigen Tipps sind immer Beikost und 1er Milch. Mia ist aber aus meiner Erfahrung mit unserem Großen nicht bereit für Beikost. Ansonsten kommt immer der Tipp, ihr bei der Hitze zusätzlich Wasser zu geben. Ich dachte aber, das wäre veraltet. Meine Hebamme sagte mal, Wasser ohne Salze verdünnt das Blut. Fehlen die gelösten Salze, kann der Körper überschüssiges Wasser schlecht wieder loswerden. Das Natrium im Blut sinkt. Bei einem so kleinen Körper reichen kleine Mengen damit es zur Wasservergiftung kommt. Im Extremfall bis zum Krampfanfall. Stimmt das? Meine Hebamme sagt, kein zusätzliches Wasser, erst ab Beikostbeginn. Vorher nur Muttermilch oder Pre. Zusätzlich denke ich, dass Mia dann ihren Bauch vielleicht unnötig mit Wasser füllt, noch weniger Milch trinkt und noch schlechter zunimmt. Was halten Sie von all dem? Sie haben immer eine gute Idee. Ich danke Ihnen für Ihr offenes Ohr, Ihre Geduld, Ihre Ratschläge und freue mich auf Ihre Antwort. Ich bin heute wirklich ängstlich, in welche Richtung das gerade geht. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Bei zunehmenden Schmerzen trotz Ibu, hellroter übelriechender Blutung und Temperatur bis 38,1 °C wäre ich nach Ihrer Vorgeschichte vorsichtig. Die Blutwerte sind nur mäßig erhöht, aber der Trend geht wieder nach oben: CRP 6,1 → 12,4, Leukos 10,8 → 11,5. Eine reine bakterielle Vaginose kann Beschwerden und Geruch erklären, macht aber normalerweise keine ausgeprägten Unterbauchschmerzen. Eine Endometritis wird vor allem klinisch beurteilt: Unterbauch-/Uterusschmerz, Fieber/Temperatur, Krankheitsgefühl und ggf. übelriechender Ausfluss sind typische Warnzeichen. Ich finde das Vorgehen Ihrer Frauenärztin nur dann vertretbar, wenn Sie wirklich eng kontrolliert werden: morgen erneute Blutwerte, klare Rücksprache, und bei Verschlechterung sofort Klinik. Wenn die Schmerzen zunehmen, die Temperatur weiter steigt oder Sie sich krank/schüttelig fühlen, würde ich nicht 48 Stunden abwarten, sondern in die Klinik gehen. Zu Amoxicillin: Für eine klassische bakterielle Vaginose ist Amoxicillin nicht die Standardtherapie; üblich sind eher Metronidazol oral oder vaginal bzw. andere BV-geeignete Präparate.   Wenn der Verdacht Richtung Endometritis geht, braucht es meist eine breitere antibiotische Abdeckung, häufig stationär intravenös.   Das würde ich mit Ihrer FÄ konkret besprechen. Das Herzklopfen kann von Infekt/Temperatur, Blutarmut, Stress, Flüssigkeitsmangel oder der L-Thyroxin-Erhöhung kommen. Bei TSH > 8 ist die Erhöhung grundsätzlich nachvollziehbar; trotzdem wären fT3/fT4 und Puls wichtig. Postpartale Schilddrüsenprobleme können nach der Geburt auftreten und auch Herzklopfen machen.   Hashimoto bleibt oft als Veranlagung, kann aber phasenweise stärker oder schwächer auffallen. Zu Mia: Ich teile Ihre Skepsis beim Wasser. Unter 6 Monaten brauchen gestillte Babys auch bei Hitze normalerweise kein Wasser; Muttermilch bzw. Pre decken Flüssigkeit und Salze besser ab.   Wasser kann den kleinen Magen füllen und die Milchmenge verdrängen; bei größeren Mengen besteht tatsächlich ein Hyponatriämie-Risiko. Mias Zunahme ist aber wirklich knapp. Ich würde nicht auf 1er als „Gamechanger“ setzen. Sinnvoller wäre: Stillen, danach konsequent abgepumpte Milch oder Pre anbieten, Gewicht eng kontrollieren, und möglichst eine Stillberaterin/IBCLC dazunehmen. Bei nur 4 nassen Windeln täglich, Hitze und langsamer Zunahme würde ich das am Mittwoch sehr deutlich ansprechen; bei Apathie, trockenen Schleimhäuten, eingesunkener Fontanelle oder weniger nassen Windeln bitte sofort kinderärztlich. Für Sie heute: wenn Schmerz/Temperatur/Geruch weiter zunehmen: Klinik, nicht warten.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für Ihre schnelle Antwort. Klare Wegweiser sind in meiner Situation gerade besonders hilfreich. Um Sie heute nicht zu lange zu nerven, nur kurz: Schmerz, Temperatur, Blutung und Geruch sind unverändert. Nicht schlechter, aber auch nicht besser. Ich spüre die Schmerzen trotz Ibuprofen, Temperatur 37,9-38,2. Blutung ist ganz leicht aber hellrot mit unangenehmen Geruch.  Blutwerte heute: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di) Darf ich Sie um Ihre Einschätzung bitten? Die FÄ meinte, es wäre erstmal ein gutes Zeichen, dass die Werte nicht extrem gestiegen sind. Sie würde Amoxicillin bis morgen noch eine Chance geben bevor man es wieder intravenös probiert. Ich habe sie gefragt, warum sie bei Verdacht auf Endometritis Amoxicillin auswählt. Sie meinte, es würde ja nur um die BV gehen und Amoxicillin wäre gut stillverträglich. Können Sie diese Wahl und Entscheidung nachvollziehen? Mein Mann und ich machen uns Sorgen. Mir geht es nicht so schlecht wie bei der Letzten Endometritis, aber auch alles andere als  gut. Würden Sie klar sagen, morgen ins Krankenhaus wenn die Blutwerte sich nicht bessern? Mia hat letzte Nacht auch noch gemeint, sie muss eine halbe Stunde lang weinen, nichtmal an der Brust hat sie sich reguliert und wollte herumgetragen werden. Das hat dann zwar mein Mann übernommen, aber der Schlafmangel hilft mir natürlich auch nicht gerade. Herzliche Grüße und ich entschuldige mich für meine dauernden Störungen.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Bitte entschuldigen Sie sich nicht – Ihre Sorge ist absolut nachvollziehbar. Bei Ihrer Vorgeschichte und den aktuellen Beschwerden würde ich nicht weiter abwarten, sondern Ihnen klar empfehlen, sich heute noch in der Klinik vorzustellen. Auch wenn die Werte nicht dramatisch entgleist sind, passen die anhaltenden Schmerzen trotz Ibuprofen, die Temperatur bis 38,2 °C, die hellrote Blutung und der unangenehme Geruch leider zu dem Verdacht, dass sich wieder eine Gebärmutterentzündung entwickeln könnte – vielleicht nicht so schwer wie beim letzten Mal, aber doch ernst genug, um keinen Moment zu zögern. Amoxicillin ist zwar stillverträglich, erscheint mir bei diesem Verdacht aber möglicherweise nicht ausreichend breit. In der Klinik kann man Ultraschall, Blutwerte, Abstriche und gegebenenfalls eine intravenöse Antibiotikatherapie sofort und sicherer einleiten. Bitte gehen Sie heute noch hin – gerade mit Ihrer Vorgeschichte lieber einmal zu früh als zu spät. Herzliche Grüße


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke, einfach nur danke für diese klare Empfehlung, mit der Sie goldrichtig lagen! Zuerst hat Ihr Rat in mir natürlich schon Herzklopfen und Angst ausgelöst. Doch als ich nur kurz mit meinem Mann darüber gesprochen habe, war klar: er war sogar erleichtert, mich ins Krankenhaus zu bringen. Es geht auch nicht spurlos an ihm vorüber, wie es mir seit Monaten geht. Gestern hat er mich stündlich gefragt, ob die Schmerzen und das Fieber besser sind und als ich es immer verneint habe, hat man ihm die Anspannung sichtlich angemerkt. Wir haben dann also noch die Tasche für Mia und mich fürs Krankenhaus gepackt und Oma und Opa für den Großen organisiert. Er freut sich eigentlich immer auf Oma und Opa, gestern hat er aber so geweint, weil er nicht wollte, dass Mia und ich schon wieder ins Krankenhaus gehen. Mein Herz hätte es fast zerrissen. Und heute auf Station realisiere ich gerade erst so richtig, dass ich schon wieder eine Gebärmutterentzündung habe und bin emotional am Boden. Jedes Mal wenn ich versuche, wieder Vertrauen in meinen Körper zu gewinnen, zieht es mir den Boden unter den Füßen weg. Ich bin so wütend auf meinen Körper und so traurig, dass dieses süße Babyalter von Mia dauernd von Schmerzen, Fieber und Krankheit überschattet ist. Heute kämpfe ich nicht nur körperlich, sondern auch oft mit den Tränen. Entschuldigung für diesen Exkurs. Ich komme zum Medizinischen: Schon beim Packen der Tasche fürs Krankenhaus fing ich zunehmend wieder an zu frieren und mich schlapper und kränker zu fühlen und hatte ein ganz ungutes Gefühl. Bei der Aufnahme in der Notaufnahme wurde mir Fieber gemessen und wir waren dann schon bei 39,4. Da wurde mir so Angst zumute und das Gedankenkarussell ging los („Oh Gott, es geht von vorne los“). Meine Symptome, Ultraschall, Tastbefund und Blutwerte sind eindeutig: Endometritis. Ich bekomme wieder Clindamycin und Gentamicin. Amoxicillin wurde abgesetzt mit dem sehr offenen Kommentar einer Ärztin: „Das gibt man eigentlich nicht bei postpartaler Endometritis.“ Mein Mann und ich sind erneut enttäuscht von meiner Frauenärztin. Im Grunde hat sie die Endometritis übersehen und nur eine BV behandelt. Und das bei meiner Vorgeschichte. Mein Mann ist ziemlich sauer und meinte, es sei ein klarer Grund für ihn, den FA zu wechseln. Doch ich denke mir, immerhin kennt sie jetzt meine ganze Vorgeschichte. Was meinen Sie? Die Blutwerte: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) Der starke Anstieg in so kurzer Zeit beunruhigt uns sehr. Kann ich irgendwas Kluges fragen? Mir fiel vorhin ein, dass ich gar nicht weiß, ob ein Abstrich gemacht wurde. Wären irgendwelche Blutwerte sinnvoll? Ich merke die steigenden Werte auch leider deutlich:  Die Schmerzen sind heute heftig. Selbst mit Ibu habe ich mich richtig darauf konzentrieren müssen um sie auszuhalten. Meine Mutter und mein Mann schauen viel nach mir und kümmern sich auch um Mia. Aber der Gynäkologe hat mich bei der Visite gefragt, ob ich ein stärkeres Schmerzmittel bekommen möchte. Ich bekomme jetzt Metamizol intravenös. Ist das hoffentlich nicht allzu nierenschädigend? Mein Kreatinin war ja bei den letzten Malen der Endometritis immer leicht erhöht. Und laut Embryotox ist es grau. Die Ärztin hier meinte, für kurze Zeit geht das auch mal in der Stillzeit. Wie sehen Sie das? Ich will Mia so wenig wie möglich schaden. Ich schwanke heute zwischen Frieren und Schwitzen sobald das Fieber steigt und sinkt. Nicht schön. Sehr anstrengend. Und die Blutung ist weiter hellrot und heute eher mehr als gestern. Vom Kreislauf her bin ich heute auch wacklig. Der Puls ist sehr hoch (zwischen 90 und 110).  Zudem habe ich das Gefühl, die Milchmenge nimmt schon wieder ab. Wir bitten vor und nach jedem Trinken darum, dass Mia gewogen wird und hoffen, sie kommt auf ihre mind. 600ml in 24 Stunden. Bisher hat sie heute gerade mal 230ml. Und hoffentlich wird ihr Mundsoor nicht wieder schlimmer wenn ich jetzt wieder zwei Antibiotika bekomme. Oder lösen diese keinen Mundsoor aus? Ich blicke bei all den Antibiotika, die ich in letzter Zeit bekam, gar nicht mehr durch. Ich melde mich wenn es mir wieder möglich ist. Ich möchte nur, dass Sie unbedingt wissen, dass Ihre Einsätze tip top sind und viel mehr als man erwarten kann. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Es tut mir sehr leid, dass sich der Verdacht leider bestätigt hat. Gleichzeitig bin ich ehrlich gesagt sehr erleichtert, dass Sie auf mein Anraten hin direkt in die Klinik gefahren sind. Der rasche Anstieg von Fieber, Leukozyten und CRP zeigt, wie schnell sich eine postpartale Endometritis entwickeln kann. In dieser Situation ist eine stationäre Behandlung mit intravenösen Antibiotika genau der richtige Weg. Die Kombination aus Clindamycin und Gentamicin entspricht einer bewährten Standardtherapie der postpartalen Endometritis. Dass Amoxicillin abgesetzt wurde, ist aus dieser Sicht nachvollziehbar, weil damit nicht alle typischen Erreger ausreichend erfasst werden. Der Anstieg Ihrer Entzündungswerte beunruhigt verständlicherweise, passt aber leider genau zu dem klinischen Verlauf. Entscheidend ist jetzt nicht der Ausgangswert, sondern dass unter der Therapie Fieber, Schmerzen und Laborwerte in den nächsten 24–72 Stunden wieder zurückgehen. Dass Sie sich im Moment so krank fühlen, überrascht mich deshalb leider nicht. Sie können durchaus nachfragen, ob vor Beginn der Antibiotikatherapie Blutkulturen und ein vaginaler bzw. zervikaler Abstrich entnommen wurden. Gerade wenn eine Infektion so ausgeprägt verläuft, kann das sinnvoll sein, auch wenn die Behandlung zunächst ohnehin breit erfolgen muss. Metamizol halte ich in Ihrer Situation ebenfalls für vertretbar. Eine kurzfristige Anwendung in der Stillzeit wird allgemein als unproblematisch angesehen. Eine relevante Nierenschädigung ist dadurch nicht zu erwarten. Viel wichtiger ist allerdings, dass unter Gentamicin die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert wird – Kreatinin und gegebenenfalls auch die Gentamicin-Spiegel sollten überwacht werden. Das gehört aber in der Klinik zur Routine. Dass Ihr Puls erhöht ist, Sie frieren, schwitzen und der Kreislauf instabil ist, passt leider ebenfalls zum Fieber und zur Entzündungsreaktion. Ich hoffe sehr, dass sich das mit den Antibiotika rasch bessert. Zur Milchmenge: Akute Infektionen, hohes Fieber, Schmerzen und körperlicher Stress können die Milchbildung vorübergehend deutlich beeinträchtigen. Das bedeutet aber nicht, dass dies dauerhaft so bleiben muss. Häufig normalisiert sich die Milchmenge wieder, sobald sich der Allgemeinzustand verbessert. Dass Mia gewogen wird und ihre Trinkmenge beobachtet wird, finde ich sehr sinnvoll. Was den Mundsoor betrifft: Grundsätzlich können praktisch alle Antibiotika das Gleichgewicht der Schleimhäute verändern und dadurch Pilzwachstum begünstigen. Das heißt aber keineswegs, dass Mia zwangsläufig wieder einen Soor entwickelt. Beobachten Sie ihren Mund einfach aufmerksam. Zu Ihrer Frauenärztin möchte ich noch einen Gedanken mitgeben: Im Nachhinein ist man natürlich immer klüger. Dennoch muss ich sagen, dass ich bei Ihrer Vorgeschichte und den geschilderten Beschwerden deutlich früher an eine erneute Endometritis gedacht hätte. Ob Sie deshalb die Frauenärztin wechseln möchten, ist letztlich eine Vertrauensfrage. Entscheidend ist für mich, ob Sie sich künftig dort weiterhin gut aufgehoben und ernst genommen fühlen. Und zum Schluss noch etwas, das mir fast am wichtigsten ist: Sie schreiben, dass Sie das Vertrauen in Ihren Körper verlieren. Bitte versuchen Sie, Ihrem Körper nicht die Schuld zu geben. Ihr Körper versagt nicht – er kämpft gerade gegen eine Infektion. Dass Sie traurig sind, dass diese erste Zeit mit Mia immer wieder überschattet wird, kann ich sehr gut nachvollziehen. Das macht einen einfach traurig und wütend zugleich. Ich bin aber zuversichtlich, dass Sie mit der jetzt eingeleiteten Therapie wieder auf den richtigen Weg kommen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass das Fieber bereits in den nächsten ein bis zwei Tagen deutlich sinkt und Sie sich Stück für Stück erholen. Melden Sie sich gerne wieder, wenn es Ihnen etwas besser geht oder wenn neue Fragen auftauchen. Ich wünsche Ihnen von Herzen eine schnelle und vollständige Genesung.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Vielen lieben Dank für Ihre rasche Antwort, die vielen Informationen und Ihre guten Wünsche. Die kann ich wirklich brauchen.  Mir geht’s leider noch nicht besser. Und die Entzündungswerte steigen weiter: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Mi) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Mi) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Mi) Kreatinin: 1,09 Kann das 24-36 Stunden nach dem ersten Antibiotikum noch normal sein? Und der Hb fällt auch wieder, wahrscheinlich wegen der Blutung? Ist Kreatinin noch ok? Meine Symptome sind gleich bleibend. Ziemliche Schmerzen wenn ich Metamizol nicht bekomme (ich habe es heute mal ohne probiert und das ging gar nicht), Schüttelfrost wie gestern, Fieber bis 39,5.  Nach Abstrichen und Blutkulturen habe ich mich erkundigt. Beides wurde bei meiner Ankunft in der Notaufnahme sofort gemacht, es gibt aber noch keine Ergebnisse. Welcher Abstrich (vaginal oder Zervix) ist bei der Endometritis denn wichtiger? Beide? Ich brauche heute so unendlich viel Hilfe mit Mia. Ich komm einfach nicht klar, weil ich so mit mir selbst beschäftigt bin und fühle mich schon wieder wie die schlechteste Mutter der Welt. Und als ob das nicht schon genug des Guten wäre, schlug meine Schwiegermutter heute vor, dass ich mir doch einfach die Gebärmutter rausnehmen lassen sollte, dann würde sich nichts mehr entzünden. Für uns war es vor Mias Geburt noch nicht einmal sicher ob unser Kinderwunsch überhaupt schon abgeschlossen ist und dann schlägt sie so etwas vor. Nach den letzten Monaten zweifle ich tatsächlich an meinem Körper ob er eine dritte Schwangerschaft und Geburt überhaupt schaffen würde und ich habe ja auch Verantwortung für zwei Kinder, aber trotzdem: Man nimmt doch bei Entzündungen, die mit Antibiotika jedes Mal in den Griff zu bekommen sind, nicht einfach die Gebärmutter raus? Wie sehen Sie das? Ich war etwas geschockt über diesen Vorschlag. Was, wenn wir dann doch einen 3. Kinderwunsch haben? Dann bereue ich das bitter. Dieser Vorschlag kam auch noch von keinem Arzt. Für Mia haben wir jetzt die ausgeliehene Waage von meiner Hebamme mitgenommen, denn bis im Krankenhaus immer jemand kommt und Zeit hat, Mia zu wiegen, dauert es manchmal lange und in der Zwischenzeit ist sie oft schon fast am Verhungern und schreit untröstlich. Dennoch kam sie gestern wieder nur auf 530ml obwohl 600ml ja eigentlich schon das Tagesminimum sein sollten. Den Termin mit unserer Kinderärztin mit der Meningokokkenimpfung musste mein Mann verschieben, weil er gestern so mit mir beschäftigt war, dass dann nicht auch noch für den Impftermin Zeit war. So konnte er mit der Kinderärztin auch noch nicht sprechen was Mias Trinkerei und ihre Windeln (4-5 am Tag) betrifft. Vielleicht sollte er zwischendurch versuchen zumindest mal mit ihr zu telefonieren? Er gibt sein Bestes, aber ist mit der ganzen Situation gerade auch überfordert und weiß nicht, was er zuerst tun soll. Ich im Krankenhaus, Mia trinkt zu wenig, der Große, die Arbeit,… Zum Schluss möchte ich Ihnen auch im Namen meines Mannes noch einmal dafür danken, dass Sie den Notfall am Dienstagabend erkannt haben und sich gleich gemeldet haben sodass wir dann richtig reagieren konnten und ins Krankenhaus gefahren sind. Mein Mann war sehr erleichtert dass Sie diese klare Empfehlung ausgesprochen haben. Ich bin froh, dass ich Sie immer fragen darf und schätze Ihr Können. Vielleicht sollte ich die Frauenärztin wirklich wechseln. Ich habe mehr Vertrauen in Ihre Meinung als in die meiner eigenen Ärztin. Das gibt mir zu denken.  Ich freue mich auf Ihre Antwort und bedanke mich für Ihre Zeit. Wenn ich es wieder schaffe, schreibe ich. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Nach dem Verlauf, den Sie schildern, bin ich aber weiterhin überzeugt, dass die stationäre Aufnahme genau die richtige Entscheidung war. Ich bin sehr froh, dass Sie sich haben untersuchen lassen. Dass die Entzündungswerte in den ersten 24–36 Stunden nach Beginn einer Antibiotikatherapie noch ansteigen oder zunächst noch nicht zurückgehen, ist tatsächlich nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist jetzt vor allem Ihr klinischer Verlauf: Wie entwickeln sich Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und Ihr Allgemeinzustand in den nächsten ein bis zwei Tagen? Dass die Blutkulturen und Abstriche bereits vor Beginn der Antibiotika abgenommen wurden, ist medizinisch genau richtig und erhöht die Chance, den Erreger zu identifizieren. Für eine Endometritis sind sowohl ein vaginaler als auch insbesondere ein zervikaler Abstrich sinnvoll. Noch wichtiger sind jedoch die Blutkulturen bei Fieber sowie die klinische Beurteilung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen. Falls sich kein Erreger nachweisen lässt, schließt das eine Endometritis leider nicht aus. Ihr Kreatinin von 1,09 mg/dl ist im Moment noch nicht besorgniserregend. Es sollte aber unter der laufenden Behandlung weiter kontrolliert werden, insbesondere bei hohem Fieber und wenn Sie viel Flüssigkeit verlieren. Der leichte Abfall des Hämoglobins passt durchaus zu Ihrer anhaltenden Blutung und zur aktuellen Entzündung. Auch das wird im Krankenhaus sicher engmaschig überwacht. Zu Ihrer Schwiegermutter möchte ich Ihnen etwas ganz Wichtiges sagen: Nein, aus meiner Sicht ist eine Gebärmutterentfernung aufgrund der bisher geschilderten Situation derzeit überhaupt kein Thema. Eine Hysterektomie wäre ein sehr großer, endgültiger Eingriff und kommt nur in ganz besonderen Ausnahmefällen infrage – beispielsweise wenn eine lebensbedrohliche Infektion trotz maximaler Therapie nicht beherrschbar ist oder andere schwerwiegende Erkrankungen vorliegen. Davon sind Sie nach allem, was Sie berichten, weit entfernt. Wenn eine Endometritis unter Antibiotika beherrschbar ist, gibt es keinen Grund, allein deshalb die Gebärmutter zu entfernen. Und solange Ihr Kinderwunsch möglicherweise noch nicht endgültig abgeschlossen ist, würde ich einen solchen Schritt erst recht nicht in Betracht ziehen. Lassen Sie sich deshalb bitte durch diese Bemerkung nicht zusätzlich verunsichern. Was Mia betrifft, kann ich gut verstehen, dass Sie sich Sorgen machen. Gleichzeitig möchte ich Ihnen sagen: Sie sind keine schlechte Mutter. Ganz im Gegenteil. Sie sind schwer krank und befinden sich deshalb im Krankenhaus, damit Sie wieder gesund werden können. Dass Sie sich gerade nicht so um Mia kümmern können, wie Sie es sich wünschen, macht Sie nicht zu einer schlechten Mutter. Im Gegenteil: Indem Sie sich jetzt behandeln lassen, sorgen Sie dafür, dass Sie bald wieder für Ihre Kinder da sein können. Die ausgeliehene Waage finde ich eine sehr gute Idee. Und ich halte es ebenfalls für sinnvoll, wenn Ihr Mann möglichst heute noch telefonisch Kontakt mit Ihrer Kinderärztin aufnimmt und die Trinkmenge sowie die Anzahl der nassen Windeln mit ihr bespricht. So kann gemeinsam entschieden werden, ob zusätzliche Maßnahmen notwendig sind oder ob zunächst eine engmaschige Beobachtung ausreicht. Bitte richten Sie Ihrem Mann auch meinen Respekt aus. Er trägt im Moment unglaublich viel Verantwortung. Niemand kann in einer solchen Situation alles perfekt schaffen. Wichtig ist nur, Schritt für Schritt das Nächste zu erledigen. Vielen Dank auch für Ihre sehr wertschätzenden Worte. Das bedeutet mir wirklich viel. Es freut mich sehr, dass meine Empfehlung Ihnen und Ihrem Mann geholfen hat. Genau dafür bin ich da. Jetzt wünsche ich Ihnen vor allem, dass die Antibiotika in den nächsten 24 bis 48 Stunden greifen, das Fieber sinkt und Sie sich endlich langsam erholen. Ich denke weiterhin an Sie und drücke Ihnen ganz fest die Daumen. Bitte melden Sie sich gerne wieder, wenn es Neuigkeiten gibt oder Sie Fragen haben. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke von Herzen für Ihre freundlichen Zeilen und Ihre hilfreichen Antworten auf meine Fragen. Es geht mir leider noch immer nicht besser. Jetzt sind wir bei 48-60h nach Therapiebeginn. Der Schüttelfrost sucht mich immer wieder heim und dann geht es mir so richtig schlecht (39,5 Fieber) Ich fühle mich schlapp und krank und jeder Schritt fällt mir dann schwer. Mein Mann könnte sich gerade weiter teilen zwischen Mia, dem Großen, mir und der Arbeit, weil ich gar nicht alleine klar komme. Mia ist insgesamt ein braves Baby, aber nur im Bett mit mir zu bleiben, langweilt sie mittlerweile auch. Aber ich schaffe es nicht, ihr etwas zu bieten und mich ausreichend um sie zu kümmern. Die Schmerzen sind so krampfhaft, als würde die Gebärmutter sich richtig wehenartig zusammenziehen. Ohne Metamizol kann ich gar nicht, aber es hieß ja, ich sollte das nur kurzfristig bekommen wegen des Stillens. Gibt es stillfreundlichere Alternativen falls das noch länger so geht? Ibu alleine hilft nicht richtig. Die Schmerzen sind zu stark. Das sind die Werte von heute, die noch immer steigen: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) Heute hieß es, es würde noch ein drittes Antibiotikum dazukommen müsste, wenn sich nichts bessert. Wie lange noch gewartet wird, habe ich nicht verstanden. Sollte aus Ihrer Sicht noch gewartet werden oder nicht mehr? Was ist entscheidend wonach ich mich erkundigen sollte? Sind die Werte arg schlecht? Die Ergebnisse der Kulturen (Blut, vaginal, Zervix) sind noch nicht da. Ich warte so sehnsüchtig. Das dauert sooo lange. Ist das normal? Ich habe heute auch wieder so stark Herzklopfen und der Puls ist zwischen 100 und 110. Ich spüre richtig das Klopfen. Beim Blutwertecheck fiel erneut meine Schilddrüse auf: + TSH 9,98 (Krankenhaus) - > 9,79 (Krankenhaus) -> 50ug L-Thyroxin -> 8,25 (FÄ nach knapp 2 Wo. bzw. vor 1 Woche) -> 8,20 (heute)  - fT3 1,52 ng/l (Krankenhaus) - > 1,50 ng/l (Krankenhaus) -> 1,61 ng/l FÄ nach knapp 2 Wo. bzw. vor 1 Woche) -> 1,64 (heute)  - fT4 0,51 ng/dl (Krankenhaus) - > 0,57 ng/dl (Krankenhaus) -> 0,60 ng/dl (FÄ) + TPO Antikörper 766 (Krankenhaus) -> 759 FÄ nach knapp 2 Wo. bzw. vor 1 Woche) -> 812 (heute)  TRAK Antikörper 0,7 (Krankenhaus) Die Dosis vom L-Thyroxin hatte keine FÄ ja vor einer Woche schon von 50 auf 75ug erhöht. Jetzt wollen sie mir hier gleich 100ug geben. Ich weiß, wir hatten darüber schon gesprochen und Sie meinten, mit 75 weiterzumachen und erst später ggf. zu erhöhen. Jetzt bin ich verunsichert und ich habe ja jetzt schon so Herzklopfen. Dann wird das bestimmt eher noch schlimmer? Ich bin sehr erleichtert wie Sie über eine Hysterektomie denken. Ich hätte meiner Schwiegermutter meine Gedanken dazu gar nicht mitteilen sollen. Am Ende hat sie mich für verrückt hingestellt und behauptet, wir seien egoistisch wenn wir noch ein drittes Mal schwanger werden wollen würden. Als ob sie in eine Glaskugel schauen könnte, meinte sie, meine Gebärmutter würde sich dann bestimmt wieder entzünden und das wäre der ganzen Familie gegenüber unverantwortlich. Ich finde es so daneben, jetzt über solche Dinge und Entscheidungen zu sprechen. Es ist gerade so unwichtig, weil ich einfach nur gesund sein und meine Familie genießen möchte. Es gibt manchmal Menschen, die einem einfach nicht gut tun, wenn man sich sowieso schon quält. Da wäre gutes Zureden, Trösten und Ermutigen wohl besser geeignet als Vorwürfe und Beleidigungen. Mein Mann konnte heute mit der Kinderärztin ein Telefonat über Mia führen. Sie ist zwar immer freundlich und hat einen guten Draht zu Kindern, doch ihre Einstellung zu Mias schlechter Gewichtszunahme geht uns beiden etwas auf die Nerven. Jedes Mal fängt sie damit an, dass wir ihr Beikost/Brei geben sollen, dann wird sie schneller zunehmen. Sie hat eine komische Einstellung dazu. Babys, die früher Beikost bekämen, würden später mehr Obst und Gemüse essen wollen (daraufhin sagte ich im Spaß zu meinem Mann: „Siehst du, jetzt weißt du, warum unser Sohn so ein knatschiger Esser ist. Wir haben alles falsch gemacht.“ - Bei ihm haben wir nämlich auch erst mit 6 Monaten begonnen). Mein Mann sagte der Kinderärztin auch nochmals, dass Mia überhaupt noch kein Interesse am Essen am Tisch zeigt und ja auch nich stabil sitzt und doch die Reifezeichen noch gar nicht erfüllt und er einfach gerne wüsste, wie sie Mias Milchmenge von 500-550ml am Tag einschätzt, weil sie ja das Minimum von 600ml so gut wie nie schafft und auf der Perzentile dauernd abrutscht. Daraufhin meinte sie nur, um zu essen, würde es reichen, Hunger zu haben. Bei diesem Unsinn fehlen mir irgendwie die Worte. Bei dieser Logik könnte man ja einem Neugeborenen auch schon Brei geben - es hat auch Hunger! Eine befriedigende Antwort auf unsere Fragen hat mein Mann wieder nicht bekommen. Ich schließe daraus, dass eine engmaschige Beobachtung gerade ausreicht. Welche zusätzlichen Maßnahmen, von denen Sie schreiben, gäbe es denn überhaupt grundsätzlich für Kinder, die nicht genug trinken? Motorisch macht sie gerade interessante Fortschritte: einerseits dreht sie sich tagsüber noch nicht regelmäßig, letzte Nacht muss sie sich aber irgendwie gedreht haben, denn plötzlich ist sie auf dem Bauch liegend aufgewacht. Und auf ihrer Krabbeldecke hat sie heute in Bauchlage schon so richtig versucht, den Po hochzuschieben als ob sie Vorwärtskommen wollte. Leider ist sie seit heute Morgen wieder sehr rot am gesamten Po. Normalerweise hilft Mirfulan Salbe dagegen super gut, aber bis jetzt dieses Mal nicht. Vielleicht ist es auch wieder ein Pilz 😞 Vielleicht bitte ich hier mal um einen Kinderarzt zwecks Windelsoor und Gewichtszunahme? Über jede andere Anmerkung sind wir Ihnen übrigens immer dankbar! Lassen Sie uns gerne wissen, was Sie denken! Zum Schluss noch etwas Persönliches: ich habe meinem Mann Ihren Respekt ausgerichtet. Darüber hat er sich sehr gefreut und grüßt Sie ganz herzlich. Er leistet gerade wirklich übermenschliches und hält alles irgendwie zusammen. Aber ich mache mir manchmal auch Sorgen um ihn, weil man ihm die Müdigkeit und Erschöpfung zunehmend anmerkt. Wir schätzen Ihre Unterstützung und Hilfsbereitschaft wirklich sehr. Wer weiß, wie sich die ganze Entzündung entwickelt hätte, wenn Sie den Notfall nicht bemerkt hätten. Dafür sind wir Ihnen sehr sehr dankbar! Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende 🙂Ich melde mich wen ich es schaffe, will Sie aber am Wochenende nicht auch noch so viel stören.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Es freut mich sehr, dass meine Unterstützung Ihnen und Ihrem Mann etwas Halt geben kann. Richten Sie Ihrem Mann bitte nochmals meinen herzlichen Respekt aus. Was er im Moment leistet, ist wirklich außergewöhnlich. Ich wünsche Ihnen beiden sehr, dass bald wieder ruhigere Tage einkehren. Leider muss ich Ihnen aber auch sagen, dass mich Ihr heutiger Bericht medizinisch eher beunruhigt. Dass Sie 48–60 Stunden nach Beginn der Antibiotikatherapie weiterhin Schüttelfrost mit Fieber bis 39,5 °C haben, sich insgesamt schwer krank fühlen und gleichzeitig Leukozyten und CRP weiter ansteigen, spricht dafür, dass die Infektion derzeit noch nicht ausreichend unter Kontrolle ist. Auch die krampfartigen Schmerzen und Ihr schneller Puls passen leider zu diesem Bild. Deshalb würde ich persönlich jetzt nicht mehr auf Laborwerte allein schauen, sondern vor allem auf Ihren klinischen Zustand. Wenn eine Patientin trotz Therapie weiterhin hohes Fieber, Schüttelfrost und steigende Entzündungswerte entwickelt, sollte die Behandlung aus meiner Sicht zeitnah erneut überprüft und gegebenenfalls erweitert werden. Dass Ihre behandelnden Ärzte bereits über ein drittes Antibiotikum nachdenken, erscheint mir daher nachvollziehbar. Ich würde an Ihrer Stelle ausdrücklich nachfragen, welche Kriterien sie für eine Therapieeskalation zugrunde legen und ob diese angesichts Ihres aktuellen Verlaufs nicht bereits erfüllt sind. Ebenso wichtig ist die Frage, ob nochmals sorgfältig nach einem verbliebenen Infektionsherd gesucht werden sollte, beispielsweise mittels erneuter gynäkologischer Untersuchung und Bildgebung. Die Ergebnisse der Blut-, Vaginal- und Zervixkulturen lassen leider häufig einige Tage auf sich warten. Das ist zwar verständlicherweise sehr belastend, aber durchaus normal. Ich hoffe sehr, dass sie bald einen Erreger nachweisen oder zumindest helfen, die Antibiotikatherapie gezielt anzupassen. Der Abfall Ihres Hämoglobins auf 8,9 g/dl trägt sicherlich zusätzlich zu Ihrer Schwäche und vermutlich auch zu einem Teil des Herzklopfens bei. Der erhöhte Puls passt außerdem gut zu Fieber, Entzündung und körperlicher Belastung. Bezüglich der Schilddrüse würde ich im Moment eher zurückhaltend bleiben. Ihr TSH ist zwar weiterhin deutlich erhöht, allerdings bessern sich fT3 und fT4 bereits langsam. Da L-Thyroxin erst nach mehreren Wochen seine volle Wirkung entfaltet und Sie aktuell ohnehin durch Fieber, Infektion und Blutarmut einen schnellen Puls haben, würde ich persönlich nicht vorschnell weiter steigern. Die vor einer Woche erfolgte Erhöhung auf 75 µg würde ich zunächst wirken lassen und anschließend die Werte erneut kontrollieren. Eine sofortige Steigerung auf 100 µg erscheint mir zumindest nicht zwingend notwendig. Letztlich kennen Ihre behandelnden Ärzte aber Ihre gesamte Situation vor Ort und müssen diese Entscheidung im Gesamtkontext treffen. Zu Ihren Schmerzen: Metamizol gilt grundsätzlich auch in der Stillzeit als möglich, wenn es medizinisch erforderlich ist und möglichst nur vorübergehend eingesetzt wird. Da Ibuprofen bei Ihnen offensichtlich nicht ausreicht, würde ich jetzt nicht aus Sorge vor dem Stillen unnötig starke Schmerzen in Kauf nehmen. Viel wichtiger ist zunächst, dass die Ursache der Schmerzen behandelt wird und die Infektion unter Kontrolle kommt. Was Ihre Schwiegermutter gesagt hat, tut mir sehr leid. Ich finde ebenfalls, dass dies im Moment überhaupt nicht die richtige Zeit für solche Diskussionen ist. Im Augenblick geht es ausschließlich darum, dass Sie wieder vollständig gesund werden. Über eine spätere Familienplanung muss jetzt niemand entscheiden. Lassen Sie sich davon bitte nicht zusätzlich belasten. Sie brauchen jetzt Menschen, die Ihnen Mut machen und Ihnen Kraft geben. Zu Mia: Ich kann gut verstehen, dass Sie und Ihr Mann mit der Beratung etwas unzufrieden sind. Die Einführung von Beikost richtet sich nicht nach dem Körpergewicht allein, sondern vor allem nach der neurologischen und motorischen Reife des Kindes. Dass Mia noch kein echtes Interesse am Essen zeigt und noch nicht stabil sitzt, spricht eher dafür, nichts zu überstürzen. Gleichzeitig sollte ihre Gewichtsentwicklung natürlich aufmerksam beobachtet werden. Falls ein Säugling dauerhaft zu wenig Milch aufnimmt oder auf den Perzentilen weiter abrutscht, gehören je nach Ursache verschiedene Maßnahmen dazu: eine genaue Still- beziehungsweise Trinkbeobachtung, gegebenenfalls Wiegen vor und nach dem Stillen, Kontrolle der Trinktechnik, gegebenenfalls Zufüttern abgepumpter Muttermilch oder Säuglingsnahrung sowie – falls erforderlich – eine Mitbetreuung durch eine erfahrene Stillberaterin oder eine spezialisierte Kinderklinik. Ich halte es deshalb für sinnvoll, dass Mia kinderärztlich weiterhin engmaschig begleitet wird. Sollte der rote Windelbereich trotz Mirfulan nicht rasch besser werden oder typische Zeichen eines Windelsoors zeigen, wäre eine kinderärztliche Untersuchung ebenfalls sinnvoll. Die motorischen Fortschritte, die Sie beschreiben, freuen mich dagegen sehr. Dass sie sich nachts bereits selbst gedreht hat und nun erste Ansätze zeigt, sich vorwärts bewegen zu wollen, klingt ausgesprochen erfreulich und altersgerecht. Bitte melden Sie sich auch am Wochenende, wenn sich Ihr Zustand weiter verschlechtert oder Sie unsicher werden. Dafür müssen Sie keinerlei schlechtes Gewissen haben. Nach allem, was Sie schildern, ist Ihr Verlauf leider nicht der einer unkomplizierten Besserung. Ich hoffe sehr, dass die Kollegen die Therapie jetzt konsequent anpassen und Sie in den nächsten Tagen endlich eine deutliche Wendung zum Guten erleben. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass das Fieber bald nachlässt, Sie wieder Kraft schöpfen können und Sie Ihre beiden Kinder ganz bald wieder unbeschwert genießen dürfen. Mit den herzlichsten Grüßen aus Ulm Ihr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, was soll ich sagen. Wow, großartig, danke! Man merkt Ihren Willen, zu helfen sehr und davon profitieren wir gerade unglaublich. Danke! Auch von meinem Mann! Er hat sich sehr über Ihre netten Zeilen gefreut! Die medizinischen Details sind aber leider auch heute wieder beunruhigend. Die Entzündungswerte sind zwar nicht mehr so stark wie gestern gestiegen, aber sie steigen weiter. Der Ultraschall und die Bildgebung zeigen, dass sich die Entzündung auf Eileiter und Eierstöcke ausgebreitet hat 😞 kann es deshalb sein, dass ich solche starken Schmerzen habe? Schüttelfrost und Fieber sind anhaltend bei 39,5. Ich habe ganz konkret gefragt, welche Kriterien für eine Therapieeskalation vorliegen müssen und es hieß, dass meine Symptome und Entzündungswerte und die Bildgebung genug für eine Eskalation wären und deshalb zusätzlich zu Clindamycin und Gentamicin jetzt Imipenem eingesetzt wird. Das macht uns ganz schön Sorgen. Darf ich Sie wieder um Ihre Einschätzung bitten? Und ist dieses Antibiotikum eine gute Erweiterung? Und auch stilltauglich für Mia? Passiert so eine Ausbreitung einer Infektion postpartal häufig? Ist es das, woran Frauen ganz früher mal häufig nach der Geburt gestorben sind (Kindbettfieber)? Wie gefährlich ist das? Ist das Risiko dabei groß, unfruchtbar zu werden? Wir hatten gehofft, dass es nach all den Entzündungen besser wird, 😞 das ist so frustrierend und belastend. Und ich frage mich ständig, wie lange es noch dauert bis es endlich ein Ergebnis der Abstriche und Blutkulturen gibt. Blutwerte: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) Mir erscheint eine Steigerung von 75 auf 100 L-Thyroxin auch sehr schnell, denn 75 konnten ja noch gar nicht richtig lang wirken. Ich habe deshalb gefragt, ob wir bitte erstmal bei 75 bleiben können, da mein Puls auch sowieso vom Fieber so schnell ist (heute auch wieder bei 100-110) und das geht in Ordnung. Da hat mir Ihr Rat sehr geholfen um nochmal nachzufragen. Danke! :) Vielen Dank für Ihre guten Empfehlungen was Mia betrifft. Ich habe sie heute einem Kinderarzt gezeigt und sie hat leider wieder einen Windelsoor. Ich denke leider, das kommt wieder von meinen Antibiotika. Jetzt muss sie wieder behandelt werden. Ich hoffe, sie bekommt nicht zusätzlich wieder einen Mundsoor. Wir sollen jetzt mal drei Tage genau protokollieren, wie viel sie wann trinkt und wann sie eine nasse Windel hat und dann findet ein Gespräch statt. Eine Stillberaterin hat heute nach mir geschaut. Sie findet, Mia trinkt sehr schön und zügig aus der Brust. Sie scheint nur schnell satt zu sein und nimmt dann aus Becher, Spritze, Löffel nicht mehr viel an. Sie hat es mit mir mit einem Brusternährungsset probiert, sodass Mia gleichzeitig zum Saugen an der Brust über einen dünnen Schlauch Pre Milch bekam in der Hoffnung, sie trinkt dann mehr, weil sie die Flasche ja weiterhin ablehnt. Auch Schnuller lehnt sie weiterhin ab und nimmt jetzt zunehmend den Daumen :( Aber letztlich hat sie dann dafür wohl aus der Brust weniger getrunken, weil sie insgesamt auch wieder nur auf 80-90ml kam. Außerdem geht meine Milch gerade weiter zurück, was es nicht besser macht. Eine richtig gute Lösung hat bisher irgendwie keiner. Die Stillberaterin schwört auf ihr Brusternährungsset, das man wohl auch Frühchen gibt, doch es ändert bei Mia an der Milchmenge nichts und ist sehr aufwändig in der Installation usw. Ich bringe momentan einfach so wenig Energie für solche Dinge auf und bräuchte etwas, was möglichst einfach und schnell geht. Doch Löffel etc. geht natürlich nur im Anschluss an die Brust wenn Mia oft schon zu satt ist um noch weiter zu trinken. Was halten Sie davon? Motorisch macht sie wirklich gerade große Fortschritte, was uns sehr freut. Gestern Abend hat sie es sogar zwei Mal direkt nacheinander geschafft, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Nur ihr Arm liegt dann noch etwas unbequem unter ihr und ist „blockiert“, sodass sie dann jammert und momentan dauernd jemanden braucht, der daneben steht und sie „befreit“. Ja, meine Schwiegermutter schafft es immer wieder, einen in einer sowieso schon unschönen Situation auch noch zum Weinen zu bringen anstatt Mut zu machen und aufzubauen. Das ist verletzend. Danke für Ihre guten Wünsche, die ich wirklich gut gebrauchen kann. Ich wünsche mir einfach nur die Situationen zurück, die ich letzte Woche endlich zu Hause erleben durfte. Es ist so wunderbar, zu sehen, wie der Große die Kleine streichelt, mit ihr herumalbert und Mia immer mit einem Lächeln oder Quietschen reagiert. Das ist unbezahlbar. Nächste Woche wird sie schon 5 Monate alt. 5 Monate Mia und fast 5 Monate Krankheit :( Herzliche Grüße Und ich melde mich, wenn es mir möglich ist und wünsche Ihnen ein sehr schönes sonniges Wochenende!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Vielen Dank, dass Sie sich trotz allem wieder die Zeit genommen haben zu schreiben. Ich kann mir gut vorstellen, wie erschöpfend diese Tage für Sie sein müssen. Umso mehr freut es mich, dass Sie sich dennoch melden konnten. Und bitte richten Sie Ihrem Mann auch einen herzlichen Gruß von mir aus. Es freut mich sehr, wenn ich Ihnen beiden in dieser schwierigen Situation wenigstens etwas Orientierung und Zuversicht geben kann. Dass sich die Entzündung in der Bildgebung inzwischen auch auf die Eileiter und Eierstöcke ausgedehnt zeigt, erklärt tatsächlich sehr gut die starken Schmerzen, die Sie beschreiben. Das Gewebe im kleinen Becken ist sehr schmerzempfindlich, und eine solche Ausbreitung kann erhebliche Beschwerden verursachen. Dass gleichzeitig Fieber und Schüttelfrost anhalten, passt leider ebenfalls zu diesem Bild. Vor diesem Hintergrund kann ich die Entscheidung Ihrer behandelnden Ärzte, die Antibiotikatherapie zu erweitern, gut nachvollziehen. Wenn trotz einer bereits wirksamen antibiotischen Behandlung Fieber bestehen bleibt, die Entzündungsparameter weiter ansteigen und sich die Befunde in der Bildgebung verschlechtern, ist eine Therapieeskalation durchaus angezeigt. Ziel ist es, möglichst rasch auch diejenigen Erreger sicher zu erfassen, die unter der bisherigen Therapie eventuell nicht ausreichend erreicht wurden. Imipenem ist ein sehr breit wirksames Antibiotikum und gehört zu den Reserveantibiotika. Dass man es jetzt einsetzt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass Ihre Situation außer Kontrolle geraten ist, sondern vielmehr, dass man konsequent reagiert und die Behandlung an den bisherigen Verlauf anpasst. Ich halte das grundsätzlich für einen sinnvollen Schritt. Nach den derzeitigen Erkenntnissen ist Imipenem auch in der Stillzeit grundsätzlich möglich. Wie praktisch alle Antibiotika kann es beim gestillten Säugling gelegentlich zu dünnerem Stuhl oder einer Veränderung der Darmflora kommen, schwerwiegende Auswirkungen sind aber nicht zu erwarten. Angesichts Ihrer Erkrankung überwiegt der Nutzen der Behandlung eindeutig. Sie fragen, ob so etwas nach einer Geburt häufiger vorkommt. Glücklicherweise nein. Dank moderner Hygiene, früher Diagnostik und Antibiotika sehen wir schwere postpartale Infektionen heute insgesamt selten. Sie gehören aber leider nach wie vor zu den bekannten Komplikationen des Wochenbetts. In gewisser Weise ist dies tatsächlich das Krankheitsbild, das früher unter dem Begriff “Kindbettfieber” gefürchtet war. Der entscheidende Unterschied zu damals ist jedoch, dass wir heute über sehr wirksame diagnostische und therapeutische Möglichkeiten verfügen. Deshalb sind die Heilungschancen heutzutage in aller Regel sehr gut. Ich verstehe auch Ihre Sorge hinsichtlich einer möglichen späteren Fruchtbarkeit. Eine Entzündung der Eileiter kann das Risiko für spätere Einschränkungen grundsätzlich erhöhen. Gleichzeitig wäre ich im jetzigen Zeitpunkt mit Prognosen sehr vorsichtig. Viele Frauen erholen sich nach einer konsequent behandelten Infektion vollständig, ohne dass daraus langfristige Folgen entstehen. Im Moment ist das wichtigste Ziel, die Entzündung vollständig zum Abklingen zu bringen. Erst danach lässt sich beurteilen, ob überhaupt bleibende Veränderungen zurückgeblieben sind. Ihre Blutwerte zeigen leider tatsächlich noch eine fortbestehende Entzündungsreaktion. Gleichzeitig fällt mir aber auf, dass der CRP-Anstieg inzwischen deutlich flacher verläuft als noch zuvor. Das ist zwar noch keine Entwarnung, aber zumindest kein Hinweis auf eine explosionsartige Verschlechterung. Auch bei schweren Infektionen braucht der Körper häufig 24 bis 72 Stunden, bis sich nach einer Therapieanpassung eine echte Trendwende in den Laborwerten zeigt. Deshalb würde ich die Wirkung des neuen Antibiotikums jetzt zunächst abwarten. Dass Sie auf die Ergebnisse der Blutkulturen und Abstriche warten, kann ich gut nachvollziehen. Diese Geduld fällt schwer. Blutkulturen benötigen häufig mehrere Tage, weil zunächst überhaupt ein Erreger wachsen muss und anschließend noch geprüft wird, auf welche Antibiotika er empfindlich reagiert. Gerade diese Informationen können dann helfen, die Behandlung gegebenenfalls noch gezielter auszurichten. Ich finde es übrigens sehr gut, dass Sie bezüglich des L-Thyroxins noch einmal nachgefragt haben. In einer Situation mit hohem Fieber und einem ohnehin beschleunigten Puls halte ich es ebenfalls für vernünftig, die Schilddrüsenmedikation zunächst nicht vorschnell weiter zu steigern. Dass Ihre Ärzte diesen Gedanken aufgegriffen haben, erscheint mir sinnvoll. Dass Mia nun erneut einen Windelsoor entwickelt hat, tut mir sehr leid. Tatsächlich können wiederholte Antibiotikatherapien das Auftreten von Pilzinfektionen sowohl bei der Mutter als auch beim gestillten Kind begünstigen. Gut, dass Ihr Kinderarzt dies früh erkannt und behandelt hat. Hoffentlich bleibt Ihnen ein Mundsoor diesmal erspart. Was die Ernährung betrifft, habe ich den Eindruck, dass weniger die Trinktechnik als vielmehr die Trinkmenge das eigentliche Problem ist. Dass Mia an der Brust effektiv trinkt, ist zunächst einmal eine sehr gute Nachricht. Das Brusternährungsset ist ein hervorragendes Hilfsmittel und kann in vielen Situationen ausgesprochen hilfreich sein. Gleichzeitig muss eine Methode immer auch zu der Mutter passen. Wenn sie im Klinikalltag zusätzlichen Stress erzeugt, viel Kraft kostet und Ihnen momentan kaum praktikabel erscheint, darf man das durchaus offen ansprechen. Nicht jede theoretisch gute Lösung ist auch im individuellen Alltag die beste Lösung. Ich würde deshalb gemeinsam mit den Stillberaterinnen und Kinderärzten weiterhin nach einem Weg suchen, der medizinisch sinnvoll und gleichzeitig für Sie dauerhaft umsetzbar ist. Besonders gefreut hat mich Ihr Bericht über Mias motorische Fortschritte. Zweimal hintereinander auf den Bauch zu rollen ist ein schöner Entwicklungsschritt. Dass der Arm dabei noch “stecken bleibt”, ist in diesem Alter ganz typisch. Das wird sich mit zunehmender Rumpfstabilität und etwas Übung ganz von selbst geben. Und schließlich noch etwas Persönliches: Es hat mich berührt, was Sie über Ihren großen Sohn geschrieben haben. Solche Momente, in denen Geschwister miteinander lachen und sich so selbstverständlich gernhaben, sind tatsächlich unbezahlbar. Halten Sie sich diese Bilder ruhig immer wieder vor Augen. Sie erinnern daran, wofür sich all die Anstrengungen lohnen. Was Ihre Schwiegermutter betrifft, wünsche ich Ihnen, dass Sie sich im Moment vor allem an den Menschen orientieren, die Ihnen Kraft geben. In einer Situation wie Ihrer braucht man Mitgefühl und Ermutigung – keine zusätzlichen Verletzungen. Ich weiß, dass Sie sich nach einer schnellen Besserung sehnen und die letzten Tage sehr entmutigend waren. Dennoch habe ich den Eindruck, dass Sie jetzt an einem Punkt sind, an dem Ihre behandelnden Ärzte konsequent reagieren und alle notwendigen Schritte einleiten. Das ist wichtig und gibt mir Zuversicht. Ich hoffe sehr, dass das neue Antibiotikum nun in den nächsten Tagen Wirkung zeigt und sich sowohl Ihr Befinden als auch die Entzündungswerte endlich in die richtige Richtung entwickeln. Bitte melden Sie sich wieder, wenn Sie Kraft dazu haben oder sich etwas verändert. Bis dahin wünsche ich Ihnen von Herzen, dass das Fieber bald nachlässt, die Schmerzen erträglicher werden und Sie jeden Tag einen kleinen Schritt in Richtung Genesung machen. Mit den besten Wünschen für Sie, Ihren Mann, den Großen und natürlich für die kleine Mia. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich habe gerade lange überlegt, wie ich meine Nachricht beginnen soll, weil Sie so nett, freundlich, mitfühlend, ermutigend und herzlich geschrieben haben und ich Ihnen schon so einiges verdanke. Ich denke immernoch daran, dass Sie es waren, der den Notfall erkannt hat, dass Sie uns viel erklären damit es greifbarer und verständlicher wird und dass Sie immer wieder gute Ideen einbringen, wie zum Beispiel die Dosis des L-Thyroxin. Wir schätzen das sehr und mein Mann grüßt Sie wieder herzlich und mit viel Dankbarkeit zurück! Es geht mir leider noch nicht wirklich besser. Aber vielleicht ist es 24h nach Imipinembeginn auch noch zu Früh. Ich warte einfach sehnlichst darauf, dass es besser wird. Ich habe mich heute schon einmal übergeben, weil mir so schlecht ist. Ich bringe auch nur wenig runter und mache mir schon Gedanken, dass das für Mias Milch ganz schlecht ist. Aber mir ist so schlecht und ich habe null Appetit. Gerade wirkt Metamizol richtig und senkt das Fieber so auf 38,5 und nimmt mir zumindest die größten Schmerzen, aber ohne geht es mir so schlecht. (Schüttelfrost, Schmerzen). Letzte Nacht wollte Mia noch dazu so oft an die Brust, dass ich kaum geschlafen habe und irgendwann weinend die Nachtschwester geholt habe, die Mia kurz mitgenommen hat, aber Mia weinte und weinte am ganzen Gang und da hat mir das Herz so geblutet, dass ich auch nicht viel besser schlafen konnte, immer den Gedanken im Kopf „Mein Baby weint da draußen irgendwo untröstlich nach der Mama.“ Mein Mann hat mir angeboten, nächste Nacht bei uns beiden zu bleiben und mich zu unterstützen, aber das geht nicht oft, denn zum Einen gibt es ja auch noch den Großen, den mein Mann auch nicht jede Nacht bei den Großeltern lassen möchte und zum anderen ist mein Mann auch am Rande seiner Kräfte und braucht wenigstens etwas Schlaf.  Ist es möglich, dass Imipinem jetzt anschlägt obwohl die Werte noch immer leicht weiter steigen? - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) Was fällt Ihnen auf? Was sollten wir ansprechen? Kann sich so eine Entzündung noch mehr auf weitere benachbarte Organe ausbreiten? Ich habe Angst, weil es mir einfach noch nicht besser geht. Und denken Sie das Herzklopfen (100-110) kommt eher vom Fieber als von der Schilddrüse/L-Thyroxin? Das wäre zumindest insofern beruhigend, als es dann wieder weggehen würde, wenn die Infektion sich bessert. Wenn es vom L-Thyroxin kommt, fände ich das blöder, denn das werde ich ja wahrscheinlichen jetzt  für immer nehmen müssen? Mia macht wirklich gerade täglich Fortschritte. Das ist so schön zu sehen und gibt uns so viel Kraft. Sie „erzählt“ so viel wenn man sie anschaut und lächelt pausenlos. Wenn man sie kitzelt, lacht sie richtig laut mit Ton los. Sooo süß! In diesem Alter werden Babys irgendwie jeden Tag noch süßer! Wir sind so verliebt in die kleine Maus. Bis auf ihre schlechte Trinkerei ist sie wirklich ein Anfängerbaby und leicht zufrieden zu stellen. Auf Station lieben sie alle. Sie greift auch immer sicherer, wenn ein Spielzeug in Ihrer unmittelbaren Nähe liegt, nimmt sie es sich jetzt auch schon von selbst. Und ja, es ist nicht die Trinktechnik das Problem, denn sie trinkt innerhalb von 5 Minuten zügig eine Brust, dann 5 Minuten die andere Seite und dann ist sie zufrieden, dockt sich ab und lächelt mich an. Aber sie ist einfach eine spärliche Trinkerin, denn sie kommt nie auf ihre nötigen 600ml am Tag. Wir haben auch das Gefühl, dass sie nur aus der Brust trinken will und vielleicht etwas mehr trinken würde, wenn ich mehr Milch hätte. Auf Pre Nahrung im Anschluss hat sie dann immer kaum Lust. Leider hat sie jetzt zusätzlich zum Windelsoor wirklich noch einen Mundsoor entwickelt. Heute trinkt sie daher noch schlechter als die letzten Tage und kommt anstatt sonst 70-80ml pro Mahlzeit nur noch auf etwa 60ml. Wir beobachten die Windelanzahl heute sehr aufmerksam. Jetzt muss ich meine Brüste auch noch mitbehandeln. Mich strengt das alles unglaublich an. Morgen hat Mia jetzt den verlegten Termin zur zweiten Meningokokkenimpfung, aber ob das mit zusätzlichem Mund- und Windelsoor gerade gut ist, weiß ich nicht. Was denken Sie? Und Sie haben recht, Menschen, die mir gerade die wenige Energie rauben, brauche ich nicht. Mia hatte sich heute wieder auf der Krabbeldecke umgedreht und ihr Arm war wieder unter dem Bauch „blockiert“ und sie jammerte ganz eindeutig nach Hilfe. Da meine Schwiegermutter nicht von selbst reagierte, habe ich sie darum gebeten, ihr zu helfen, damit ich im Bett liegen bleiben kann. Sie erklärte mir nur, dass Mia es nie selbst lernen wird, wenn man ihr bei allem sofort hilft. Ich habe sie nochmals gebeten und ihr erklärt, dass sie das Drehen ja noch nicht lange macht und eben noch etwas Unterstützung benötigt. Da wurde ich wieder beleidigt, denn ich sei zu weich und würde sie damit zur Prinzessin erziehen. Ich habe ihr zwar erklärt, dass ich einfach nur ihre Bedürfnisse wahrnehme und eine warmherzige Mama sein möchte, die Bindung zu ihrem Kind hat und es nicht alleine lässt, wenn es sichtlich überfordert ist. Auf ihr Augenrollen bin ich selbst aufgestanden und habe Mia geholfen. Beim Hochgehen wurde mir dann richtig schwindlig und darauf hörte ich dann nur von ihr, dass ich ja selbst schuld sei und liegen bleiben hätte können. Mein Mann und ich sind kurz davor, ihr den Besuch zu verbieten. Zum Schluss noch etwas Persönliches: wir freuen uns sehr über Ihre Hilfe, aber möchten Sie wirklich nicht überstrapazieren. Nehmen Sie sich gerne auch mal „frei“. Ich bin ja nicht alleine auf dieser Welt. Unser Großer hat Mia heute ganz lieb gestreichelt und ihr gesagt „Eijei, liebe Schwester. Wann kommst du wieder zu mir nach Hause? Ich will dir wieder zeigen, was ich gebaut habe.“ Da ging mir so das Herz auf, aus Berührung, aber auch aus Traurigkeit, dass die beiden sich bisher so wenig sehen. Wir grüßen Sie herzlich und ich melde mich, wenn es mir möglich ist. Ihnen einen schönen Sonntag!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Herzlichen Dank für Ihre so warmen und persönlichen Worte. Dass Sie und Ihr Mann unsere Begleitung in dieser schwierigen Zeit als hilfreich empfinden, freut mich von Herzen. Bitte richten Sie Ihrem Mann ebenfalls meinen herzlichen Dank für seine Grüße aus. Vor allem wünsche ich Ihnen, dass Sie jetzt endlich die ersehnte Wende erleben. Nach allem, was Sie bisher durchgemacht haben, haben Sie wirklich das Recht darauf, dass es nun Tag für Tag wieder aufwärtsgeht. Zu Ihrer wichtigsten Frage: Ja, das ist durchaus möglich. Unter einer schweren Gebärmutterentzündung oder einer Infektion nach der Geburt können die Entzündungswerte durchaus noch 24–48 Stunden, manchmal sogar etwas länger, weiter ansteigen, obwohl das Antibiotikum bereits wirkt. Entscheidend ist nicht nur der Laborwert, sondern vor allem Ihr klinischer Zustand. Deshalb hoffe ich sehr, dass Sie in den nächsten ein bis zwei Tagen zumindest merken, dass die Schüttelfrostattacken seltener werden, das Fieber besser kontrollierbar ist und die Schmerzen langsam nachlassen. Trotzdem sollten die Ärzte aufmerksam bleiben. Ich würde insbesondere folgende Punkte regelmäßig ansprechen bzw. kontrollieren lassen: Passt das Antibiotikum sicher zum vermuteten Erreger oder liegen inzwischen Ergebnisse aus Blut- oder Abstrichkulturen vor? Zeigt der Ultraschall wirklich keine verbliebenen Plazentareste oder einen Abszess? Sollte bei anhaltendem Fieber gegebenenfalls eine erneute Bildgebung (z. B. CT oder MRT) erfolgen, um eine Ausbreitung der Entzündung oder eine Beckenvenenthrombose auszuschließen? Die leicht steigenden Kreatininwerte sollten ebenfalls aufmerksam beobachtet werden, da sowohl die Infektion als auch Medikamente oder Flüssigkeitsmangel die Nieren belasten können. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie – soweit die Übelkeit es zulässt – ausreichend Flüssigkeit erhalten, notfalls auch über Infusionen. Dass Sie sich übergeben mussten und kaum essen können, überrascht mich bei einer so ausgeprägten Entzündung leider nicht. Das ist belastend, aber meist vorübergehend. Für Mia ist jetzt vor allem wichtig, dass Sie selbst ausreichend versorgt werden. Falls Trinken und Essen gar nicht möglich sind, sprechen Sie die Ärzte bitte auch auf Medikamente gegen die Übelkeit an. Stillen ist unter Imipenem grundsätzlich möglich, und Ihr Körper wird die Milchproduktion nicht sofort einstellen. Allerdings können Fieber, Erschöpfung und geringe Flüssigkeitsaufnahme die Milchmenge vorübergehend reduzieren. Das Herzklopfen mit 100–110 Schlägen pro Minute halte ich im Moment deutlich eher für eine Folge der Infektion, des Fiebers und auch der Blutarmut. Ihr Hämoglobin ist inzwischen auf 8,5 g/dl gefallen, und allein das kann den Puls deutlich erhöhen. Natürlich sollte auch die Schilddrüse im Verlauf kontrolliert werden, aber im Augenblick erscheint mir die Infektion als die wesentlich wahrscheinlichere Ursache. Ich wäre deshalb eher zuversichtlich, dass sich der Puls mit der Besserung der Erkrankung wieder normalisiert. Zu Mia: Es ist einfach wunderschön zu lesen, wie sie sich entwickelt. Dass sie erzählt, lacht, greift und Sie anlächelt, sind wunderbare Zeichen. Solche kleinen Momente sind oft genau das, was in einer schweren Zeit Kraft gibt. Der Mundsoor erklärt leider sehr gut, warum sie momentan noch schlechter trinkt. Saugen kann dann einfach schmerzhaft sein. Gut, dass jetzt sowohl sie als auch Ihre Brust mitbehandelt werden. Wegen der Meningokokken-Impfung würde ich den Kinderarzt vor Ort entscheiden lassen. Eine lokale Pilzinfektion allein ist meist kein grundsätzlicher Hinderungsgrund für eine Impfung. Wenn Mia aber insgesamt deutlich schlechter trinkt oder einen beeinträchtigten Allgemeinzustand hat, kann es sinnvoll sein, die Impfung um wenige Tage zu verschieben, bis sie sich stabilisiert hat. Und noch etwas zu Ihrer Schwiegermutter: Ich finde, Sie haben die Situation sehr liebevoll und richtig eingeschätzt. Ein Baby, das sich gerade erst drehen gelernt hat und sich dabei sichtbar überfordert fühlt, braucht keine Lektion in Selbstständigkeit, sondern eine verlässliche Bezugsperson. Dadurch wird kein Kind zur “Prinzessin”. Es lernt vielmehr, dass Hilfe da ist, wenn sie gebraucht wird – und genau das ist eine wichtige Grundlage für Selbstvertrauen und Sicherheit. Im Moment brauchen Sie Menschen, die Sie entlasten und Ihnen guttun. Wenn Besuche Sie zusätzlich Kraft kosten oder belasten, dann dürfen Sie diese guten Gewissens begrenzen. Das ist kein Egoismus, sondern vernünftige Selbstfürsorge. Ganz besonders berührt hat mich die Geschichte Ihres Sohnes. Sein Satz: „Eijei, liebe Schwester. Wann kommst du wieder zu mir nach Hause? Ich will dir wieder zeigen, was ich gebaut habe.“ geht einem wirklich ans Herz. Ich wünsche Ihnen sehr, dass dieser Wunsch bald in Erfüllung geht und Ihre kleine Familie wieder gemeinsam zuhause sein kann. Und machen Sie sich bitte keine Gedanken darum, mich zu “überstrapazieren”. Natürlich gibt es Zeiten, in denen ich einmal nicht sofort antworten kann. Aber wenn ich helfen kann, tue ich das gerne. Im Moment ist es wichtig, dass Sie sich auf Ihre Genesung konzentrieren und die Verantwortung nicht auch noch auf Ihre Schultern nehmen. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die nächsten 24 bis 48 Stunden endlich den Wendepunkt bringen. Dafür drücke ich Ihnen ganz fest die Daumen. Herzliche Grüße – und streicheln Sie Mia und Ihren großen Bruder gedanklich einmal von mir. Ihr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre gestrige Nachricht hat uns sehr berührt, Ihre guten Wünsche, Ihre Hilfsbereitschaft, Erläuterungen, Ihr Mitdenken über die nächsten Schritte und ganz besonders Ihr gedankliches Streicheln über die Köpfe unserer Kinder. Das nenne ich mal Können, Herzlichkeit und Mitgefühl in einer Person vereint. Wir schätzen das sehr! Gestern Abend hat es mich leider wieder wie der Blitz getroffen. Ich habe irgendwie stündlich gemerkt, wie es mir schlechter geht, die Schmerzen wurden trotz Metamizol immer unaushaltbarer, ich bekam so Schüttelfrost, dass meine Zähne klapperten und ich musste mich mehrfach übergeben. Es wurden dann direkt Ultraschall und CT gemacht und ein 12cm großer Tuboovarialabszess festgestellt, der wohl kurz vorm Platzen war. Eine Laparoskopie mit Eiterababsaugung und Beckenspülung folgte sofort noch gestern spät abends notfallmäßig. Ich wurde direkt nach der Diagnose für den OP vorbereitet und es schien mir alles sehr eilig. Der Eileiter wurde erhalten, aber in meinem Kopf ist gerade großes Durcheinander und es sind gerade noch so viele Fragen unbeantwortet, die ich noch keinem Arzt stellen konnte: Sind 12cm sehr groß? Wieso spült man das ganze Becken wenn nur der Eileiter betroffen ist? Das macht mir Angst. Wie sicher ist es, dass man so etwas nicht ein zweites Mal operieren muss? Wie kann der Abszess so schnell so groß geworden sein oder wurde er am Tag zuvor übersehen oder man hat mir nur nichts davon gesagt? Hat dieser Eingriff nun endgültig meine Fruchtbarkeit zerstört? Das Keimergebnis der Abstriche (vaginal/Zervix) hat ergeben: Bacteroides spp, E.coli, Streptococcus pneumoniae. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden alle drei Antibiotika weiter gegeben (Clindamycin, Gentamicin, Imipinem). Ist denn jeder dieser Keime auf ein anderes Antibiotikum sensibel? Wäre es nicht besser, nur noch das Antibiotikum zu geben, das dagegen wirkt? Ich habe heute so viele Fragen, Entschuldigung. Heute Morgen bei der Visite stand ich noch richtig neben mir und so langsam kommt mir so vieles. An welcher Stelle wäre es wichtig genauer zu fragen? Die Blutkultur war zum Glück negativ, es wurde aber gestern nochmal eine gemacht, von der es noch kein Ergebnis gibt. Das beunruhigt mich. Wieso macht man das zwei Mal? Vermutet man jetzt doch Bakterien im Blut? Während der Laparoskopie wurde auch ein Abstrich der Bakterien  gemacht um sicher zu gehen, dass es keine neuen Bakterien gibt. Blutwerte: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo)  + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) Der sprunghafte Anstieg gestern Abend hat mich sehr geschockt. Liegt das wohl am Abszess? Wann müsste es jetzt nach der Sanierung endlich zurückgehen? Die Schmerzen sind heute definitiv besser als gestern vor der OP, aber ich würde sagen, jetzt fühlt sich alles wieder wie vor zwei Tagen an (Schmerzintensität, Schüttelfrost, leichte Blutung, immer wieder Übelkeit). Gegen die Übelkeit bekomme ich jetzt Ondansetron. Das hilft etwas, aber viel essen schaffe ich nicht und hoffe, es reicht für eine gute Milch für Mia. Mit ausreichend Flüssigkeit meinen Sie eine Ringer-Infusion? Die bekomme ich auf Nachfrage. Mia tut mir heute richtig leid. Der Windel- und Mundsoor machen ihr zu schaffen. Sie weint bei jedem Wickeln, weil es ihr sicherlich sehr weh tut. Der Popo ist auch noch immer sehr rot. Dazu trinkt sie heute noch schlechter, vermutlich wegen des Mundsoor. Sie macht ganz oft Stillstreik, schreit dann die Brust an und schiebt sich stattdessen seitlich den Daumen in den Mund. Wir haben die Impfung deshalb um 3 Tage verschoben. Wenn sie nämlich danach auch noch fiebern sollte, was bei der ersten Meningokokkenimpfung der Fall war, wird es sonst wieder grenzwertig mit den nassen Windeln. Meiner Schwiegermutter haben wir heute gesagt, dass wir eine Besuchspause brauchen und es mir nach der OP noch nicht gut genug für Besuch gehen würde. Aber selbst das respektiert sie nicht. Sie würde sich nicht sagen lassen, dass sie ihre Enkelin nicht mehr sehen darf.  Vorhin war sie also dennoch da und hat mir gesagt, wie unverschämt sie es findet, dass sie nicht kommen soll, denn sie würde ja nur helfen wollen. Mir fehlen noch immer die Worte, dass sie es nicht respektieren kann wenn ich Ruhe brauche. Immerhin meine beiden Kinder ermöglichen es mir, etwas Kraft zu schöpfen. Mias Lächeln erdet mich immer wieder so richtig und bringt Sonnenstrahlen in mein Herz. Und als ihr großer Bruder sie heute noch so liebevoll abgeküsst hat, war für einen kurzen Moment meine Welt eine ganz kleine heile Welt. Und noch etwas Persönliches zum Schluss: als ich Mia heute das Köpfchen gestreichelt habe und dabei gedanklich gedacht habe, dass das Streicheln von Ihnen ist, hat sie mit einem ganz goldigen Lächeln reagiert. Wir schicken Ihnen also herzliche Grüße und ein Lächeln von der kleinen süßen Mia.  Ich versuche mich weiter zu melden.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Richten Sie Mia bitte ein ganz herzliches Lächeln zurück aus. Dass sie auf das gedankliche Streicheln mit einem Lächeln geantwortet hat, hat mich wirklich berührt. Ich wünsche Ihren beiden Kindern von Herzen, dass ihre Mama bald wieder gesund wird. Zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen: Es tut mir sehr leid, dass sich die Situation so entwickelt hat. Gleichzeitig bin ich ehrlich gesagt auch erleichtert, dass die Ursache nun gefunden wurde und sofort gehandelt worden ist. Nach Ihrer Schilderung mit den zunehmenden Schmerzen, dem Schüttelfrost, den Entzündungswerten und dem plötzlichen Einbruch des Allgemeinzustandes passt das Bild leider sehr gut zu einem Tuboovarialabszess. Dass die Operation unmittelbar erfolgte, war aus meiner Sicht genau richtig. Ein Abszess von 12 cm ist tatsächlich groß. Nicht nur groß, sondern so groß, dass ich die Eile der Kollegen sehr gut nachvollziehen kann. Bei dieser Größe besteht die Gefahr einer spontanen Ruptur mit einer Ausbreitung der Infektion in die gesamte Bauchhöhle. Dass der Eileiter erhalten werden konnte, werte ich zunächst einmal als sehr erfreulich. Warum wurde das gesamte Becken gespült? Weil sich Eiter und entzündliche Flüssigkeit im kleinen Becken verteilen können. Auch wenn der Ursprung am Eileiter liegt, sammelt sich entzündliches Sekret häufig zwischen Darm, Gebärmutter, Eierstöcken und im Douglas-Raum. Durch die gründliche Spülung versucht man, die bakterielle Belastung möglichst weit zu reduzieren und die Heilung zu unterstützen. Das bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Bauchhöhle schwer betroffen war. Dass Ihre Blutkulturen erneut abgenommen wurden, ist ebenfalls ein übliches Vorgehen. Nicht weil man zwangsläufig davon ausgeht, dass nun Bakterien im Blut sind, sondern weil sich die Situation deutlich verändert hatte und Sie hohes Fieber sowie Schüttelfrost entwickelt hatten. Gerade vor einer Notfalloperation möchte man sicher sein, eine Blutstrominfektion nicht zu übersehen. Dass die erste Blutkultur negativ geblieben ist, ist eine gute Nachricht. Zu den Antibiotika: Die Kombination aus Imipenem, Clindamycin und Gentamicin ist eine sehr breit wirksame Therapie für schwere Unterbauchinfektionen. Bacteroides gehören zu den Anaerobiern, E. coli zu den gramnegativen Darmbakterien und Pneumokokken zu den grampositiven Erregern. In einer so schweren Situation behandelt man zunächst bewusst breit, bis alle mikrobiologischen Ergebnisse einschließlich der Resistenztestung aus den Operationsabstrichen vorliegen. Erst dann wird häufig auf eine gezieltere Therapie umgestellt. Dass im Moment mehrere Antibiotika gegeben werden, ist deshalb keineswegs ungewöhnlich. Ob der Abszess innerhalb weniger Tage entstanden ist oder bereits vorher in einer kleineren Form vorhanden war, lässt sich im Nachhinein oft nicht sicher beantworten. Solche Abszesse können erstaunlich rasch größer werden. Gerade wenn sich die Entzündung einkapselt, kann sich innerhalb kurzer Zeit eine erhebliche Eitermenge ansammeln. Ich würde daraus nicht schließen, dass zwangsläufig etwas übersehen wurde. Die Frage nach Ihrer Fruchtbarkeit bewegt mich besonders. Nein, ich würde daraus jetzt keinesfalls schließen, dass Ihre Fruchtbarkeit endgültig zerstört ist. Natürlich stellt eine so schwere Entzündung ein Risiko für Verwachsungen und für die Funktion des Eileiters dar. Aber der Eileiter konnte erhalten werden, Sie sind jung und Ihr Körper besitzt eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit. Jetzt geht es zunächst darum, die Infektion vollständig ausheilen zu lassen. Über die langfristige Fruchtbarkeit sollte man erst nach der Genesung nachdenken. Im jetzigen Moment wäre jede Prognose reine Spekulation. Dass Leukozyten und CRP heute noch weiter angestiegen sind, überrascht mich nach einer so ausgeprägten Infektion und einer nächtlichen Operation nicht. Beide Werte reagieren zeitverzögert. Häufig erreichen sie ihren Höchstwert sogar erst 24 bis 48 Stunden nach der operativen Sanierung. Viel wichtiger als der einzelne Laborwert ist jetzt, wie Sie sich klinisch entwickeln. Dass Sie schreiben, die Schmerzen seien bereits besser als unmittelbar vor der Operation, werte ich als ein vorsichtig gutes Zeichen. Entscheidend ist, dass Fieber, Schüttelfrost und Allgemeinzustand in den nächsten ein bis drei Tagen langsam besser werden. Bleibt das aus oder verschlechtert sich etwas erneut, müssten die Kollegen selbstverständlich nach einer verbliebenen Eiteransammlung oder anderen Ursachen suchen. Ihr Kreatinin beobachte ich ebenfalls mit Aufmerksamkeit. Der leichte Anstieg kann durchaus durch die schwere Infektion, die eingeschränkte Flüssigkeitsaufnahme und auch durch Medikamente mitbedingt sein. Deshalb finde ich es richtig, dass Sie ausreichend Flüssigkeit erhalten. Ja, eine Ringer-Infusion gehört dazu, ebenso wie das Trinken, sobald es Ihnen wieder möglich ist. Dass Sie sich trotz allem Sorgen machen, ob Mia genügend Milch bekommt, zeigt einmal mehr, was für eine liebevolle Mutter Sie sind. Versuchen Sie bitte, sich deswegen kein schlechtes Gewissen zu machen. Ihr Körper braucht jetzt selbst Kraft zum Gesundwerden. Wenn vorübergehend etwas ergänzt werden müsste, wäre das überhaupt kein Versagen. Das Wichtigste für Mia ist, dass ihre Mama wieder gesund wird. Der Mundsoor und der Windelsoor tun mir für die kleine Mia sehr leid. Dass sie deshalb an der Brust streikt, ist leider gut erklärbar, denn das Saugen kann bei einem schmerzhaften Mundsoor unangenehm sein. Ich hoffe sehr, dass die Behandlung rasch anschlägt und sie bald wieder entspannter trinken kann. Die Entscheidung, die Impfung um wenige Tage zu verschieben, erscheint mir unter den aktuellen Umständen gut nachvollziehbar. Zu Ihrer Schwiegermutter möchte ich Ihnen etwas sagen, das mir wichtig ist: Im Moment brauchen Sie keine zusätzlichen Kämpfe. Sie haben gerade eine schwere Notoperation hinter sich. Ruhe ist kein Luxus, sondern Teil Ihrer Behandlung. Wer Ihnen helfen möchte, hilft Ihnen im Augenblick am meisten, indem er Ihre Grenzen respektiert. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihr Umfeld das versteht und Sie in den nächsten Tagen schützt. Und zuletzt noch etwas ganz Persönliches: Sie schreiben, dass Ihre Kinder Ihnen Kraft geben. Genau das spürt man in jeder Zeile. Halten Sie diese kleinen Momente fest – Mias Lächeln, die Küsse ihres großen Bruders. Sie werden Ihnen durch diese schwierige Zeit helfen. Und ich bin weiterhin zuversichtlich, dass wir auch diese Etappe gemeinsam schaffen. Ich denke weiterhin sehr an Sie, an Mia und an Ihren kleinen großen Bruder und wünsche Ihnen von Herzen, dass die Operation nun der Wendepunkt war und Sie jeden Tag ein kleines Stück weiter genesen. Herzliche Grüße aus Ulm Ihr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre lieben Worte, das Mitgefühl und die herzlichen Grüße haben mich ebenfalls berührt. Und vielen Dank für die guten Erklärungen.  Mir geht es heute noch ziemlich gleich wie gestern und ich weiß nicht, ob das beunruhigend oder im Rahmen des Normalen ist. Insgesamt geht es mir besser als kurz vor der Notoperation, die Schmerzen sind aushaltbarer (aber nur dank Schmerzmittel) und das Fieber steigt nicht innerhalb kürzester Zeit auf 40 Grad wie vor der OP, aber alles ist gleich wie gestern: ich habe noch immer Schüttelfrost sobald das Fieber steigt und anhaltende Schmerzen und Übelkeit. Der Puls rennt (100-110). Die Blutung ist auch weiterhin rot. Ich fühle mich müde, schlapp, krank. Sie sagten, es sei normal, dass die Entzündungswerte bis zu 48h nach der Notoperation noch weiter steigen, was sie leider auch noch tun: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) Finden Sie das alles noch im Rahmen dafür, dass die Notoperation erst am Sonntagabend stattgefunden hat? Oder sollte man sich vergewissern, dass es nicht wieder einen Abszess gibt? Die neuen intraoperativen Keim- und Blutkulturen liegen noch nicht vor. Solange wird weiter Clindamycin, Gentamicin und Imipinem gegeben. Wären andere Blutwerte noch wichtig? Sie sagen auch, man muss das Kreatinin aufmerksam beobachten. Ringer-Infusionen erhalte ich 1-2 Mal täglich. Es hieß gestern bei der Visite, ich dürfte am Abend wieder eine haben, aber das wurde offenbar vergessen. Ich bekam erst heute Morgen wieder eine. Wie viele täglich wären denn angemessen? Oder gibt es da eine Höchsttagesmenge? Irgendwie hat es gestern auch ewig gedauert bis die Infusion durch war. Mit Mia im Arm ist das manchmal sehr störend so lange an der Infusion fest zu hängen. Dann kommt wieder Antibiotikum, Schmerzmittel, ständig etwas anderes und ich brauche dauernd Hilfe mit Mia. Eine Schwester hat dann die Geschwindigkeit der Infusion etwas erhöht aber es halt trotzdem 1,5 Stunden für eine Ringerlösung gedauert. Das ist doch zu lang oder? Die Flüssigkeit wurde kaum weniger. Vielleicht ist der Zugang etwas „verstopft“?  Mias Windel- und Mundsoor bessern sich seit heute zum Glück. Sie möchte auch wieder öfter an die Brust. Doch heute kam so wenig Milch, dass Mia hinterher sich nicht zufrieden wie sonst angedockt hat. Beim Wiegen waren es dann gerade mal 50ml und das war selbst der sparsamen Trinkerin Mia zu wenig. Mit Löffel und Spritze Pre Nahrung war sie aber auch nicht so glücklich bzw. wollte sichtlich lieber noch mehr aus der Brust trinken. Ich weiß, dass es gar nicht tragisch ist, ihr etwas Pre Nahrung zufüttern zu müssen, doch mich hat es als Mama so traurig gemacht, ihr in dem Moment nicht geben zu können, was sie wollte. Dann kam in mir unendliche Wut und Traurigkeit, dass mein Körper nicht so funktioniert wie er soll und mein Mann hatte dann zwei weinende Mädels zu trösten, Mama und Mia. Sie haben es mit meiner Schwiegermutter auf den Punkt getroffen: ich brauche Ruhe, Ermutigung und Menschen, die meine Grenzen akzeptieren. Und es ist einfach nicht nett am Tag nach einer Notoperation, die mich nochmal mehr Kraft gekostet hat, nicht zu respektieren, dass ich keinen Besuch empfangen kann. Wer das nicht versteht, ist respektlos. Wenn meine Schwiegermutter da ist, macht sie mir noch dazu zusätzlich mit vielen Dingen bei Mia auch noch Druck, bei ihr fühlt man immer eine Art Leistungsdruck und das macht sie schon einem Baby, was ich sehr schade finde. Ich erlebe Mia eher als die Gemütliche, Ruhige, die gerne schaut und einfach nur interessiert ist ohne alles sofort ausprobieren zu wollen. Beispielsweise dreht sie sich zwar jetzt auf den Bauch, aber eher nur 1-2 Mal täglich. Sie liegt gerne einfach brav auf dem Rücken und schaut sich interessiert um. Sie spielt gerne mit Spielzeug, ist aber auch mal nur mit Schauen eine ganze Zeit lang zufrieden. Da hat unser Großer mehr Action gewollt und gemacht. Dafür unterhält sie sich sehr gerne und viel und lächelt viel mehr. Es mögen Charakterzüge sein oder Unterschiede in den Geschlechtern (?), aber jedes Baby ist anders und das ist doch auch gut so oder? Sie muss sich doch nicht ständig drehen oder sehe ich das zu locker? Meine Schwiegermutter verunsichert mich oft, denn sie will Mia ständig zu jemandem machen, der sie nicht ist. Sie zeigt ihr ständig, wie man sich dreht, damit sie „übt“ usw. Wenn sie jammert weil es ihr zu viel wird, soll sie erst noch weiter aushalten bevor sie zurückgedreht wird usw. Die Menschen müssen so ticken, wie sie tickt. Akzeptanz,Rücksicht, Individualität sind Fremdwörter für sie. Und zum Schluss etwas Persönliches: Dass Sie schreiben, wir werden das gemeinsam schaffen, klingt nach Ermutigung, Team, Zusammenhalt und sehr viel Beistand Ihrerseits. Dafür danken wir Ihnen sehr - mein Mann und ich. Herzliche Grüße auch von ihm! Und als ich Mia heute angelächelt habe und ihr gesagt habe, dass dieses Lächeln von unserem „Beistand aus der Ferne“ kommt, hat sie gleich nochmal zurückgelächelt und mit der Antwort „a-a-a-a“ bestimmt liebe Grüße an Sie ausrichten wollen 😉Ich melde mich wieder, wenn es mir möglich ist.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre ausführliche Nachricht. Sie müssen sich überhaupt keine Gedanken machen, dass Sie “zu viel” schreiben. Im Gegenteil – gerade in einer so komplexen Situation helfen mir Ihre Schilderungen sehr, den Verlauf einzuordnen. Zunächst einmal freut es mich, dass die Operation Ihnen offensichtlich das Leben gerettet hat. Ein 12 cm großer Tuboovarialabszess kurz vor der Ruptur ist eine ausgesprochen ernste Situation. Dass Sie heute nicht mehr innerhalb weniger Stunden auf 40 °C Fieber ansteigen und die Schmerzen zumindest unter Schmerzmitteln beherrschbar sind, zeigt, dass die Operation einen ganz entscheidenden Schritt gebracht hat. Gleichzeitig ist Ihr Körper aber noch mitten in einer schweren Entzündungsreaktion. Dass Leukozyten und CRP in den ersten 48–72 Stunden nach einer solchen Notoperation zunächst noch weiter ansteigen können, sehen wir tatsächlich nicht selten. Der Körper muss das gesamte entzündliche Gewebe erst abbauen, und durch die Operation selbst wird das Immunsystem zusätzlich aktiviert. Insofern überrascht mich der Anstieg der Werte zunächst noch nicht vollständig. Dennoch würde ich Ihren Verlauf sehr aufmerksam beobachten. Sollte Fieber, Schüttelfrost oder Schmerzen nicht langsam nachlassen oder sogar wieder zunehmen, müsste man selbstverständlich erneut überlegen, ob irgendwo noch ein verbliebener Abszess oder eine nicht ausreichend drainierte Entzündungsquelle besteht. Falls sich innerhalb der nächsten Tage keine klare klinische Besserung zeigt, halte ich eine erneute Ultraschalluntersuchung – gegebenenfalls ergänzt durch eine CT- oder MRT-Kontrolle – durchaus für sinnvoll. Entscheidend ist letztlich aber nicht nur das Labor, sondern vor allem, wie Sie sich insgesamt entwickeln. Sehr gespannt bin ich auch auf die neuen Blutkulturen und die intraoperativen Abstriche. Sie werden hoffentlich zeigen, welche Keime tatsächlich verantwortlich sind und ob die derzeitige Antibiotikatherapie optimal passt. Mit Imipenem, Clindamycin und Gentamicin erhalten Sie im Moment jedenfalls eine sehr breit wirksame Behandlung. Das Kreatinin würde ich tatsächlich ebenfalls aufmerksam verfolgen. Es steigt zwar nur langsam an, aber insbesondere unter Gentamicin ist eine sorgfältige Kontrolle der Nierenfunktion wichtig. Dazu gehören neben dem Kreatinin auch die tägliche Urinmenge sowie gegebenenfalls Harnstoff und Elektrolyte. Dass Sie ausreichend Flüssigkeit erhalten, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Wie viel Ringer-Lösung sinnvoll ist, lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Das richtet sich nach Ihrem Körpergewicht, Ihrer Trinkmenge, der Urinausscheidung, dem Blutdruck, der Herzfrequenz und natürlich auch danach, ob Sie stillen. Gerade beim Stillen ist der Flüssigkeitsbedarf zusätzlich erhöht. Deshalb würde ich persönlich in Ihrer Situation eher großzügig auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, solange Herz und Lunge gesund sind und keine Überwässerung droht. Dass eine Ringer-Infusion für einen Liter etwa eineinhalb Stunden benötigt, ist grundsätzlich noch nicht ungewöhnlich. Wenn die Flüssigkeit allerdings zwischendurch kaum läuft oder ständig Probleme macht, sollte der venöse Zugang überprüft werden. Manchmal liegt tatsächlich nur eine ungünstige Lage oder ein teilweise verschlossener Zugang vor. Das lässt sich meist rasch kontrollieren und gegebenenfalls durch einen neuen Zugang beheben. Ihr Hb-Wert ist mittlerweile deutlich gefallen. Das erklärt sicher auch einen Teil Ihrer Müdigkeit, Erschöpfung und des schnellen Pulses. Ob hier eine Eisenbehandlung ausreicht oder ob weitere Maßnahmen notwendig werden, hängt natürlich davon ab, wie stark Sie noch bluten und wie Sie sich klinisch fühlen. Besonders berührt hat mich der Abschnitt über Mia. Bitte machen Sie sich wegen der Stillmenge keine Vorwürfe. Ihr Körper kämpft momentan gleichzeitig gegen eine schwere Infektion, verarbeitet eine Notoperation, bildet Wundheilungsgewebe, produziert Milch und muss zusätzlich Ihren eigenen Kreislauf stabilisieren. Das ist eine enorme Belastung. Dass die Milchmenge vorübergehend zurückgeht, ist unter diesen Umständen keineswegs ungewöhnlich und sagt überhaupt nichts darüber aus, was für eine Mutter Sie sind. Dass Mia lieber an Ihre Brust möchte als die Pre-Nahrung zu trinken, ist eigentlich ein wunderschönes Zeichen. Sie sucht nicht nur Nahrung, sondern vor allem ihre Mama. Wenn vorübergehend etwas Pre notwendig ist, damit sie satt wird, dann ist das kein Versagen, sondern eine Brücke für einige Tage. Sobald Sie sich erholen, steigt häufig auch die Milchproduktion wieder an. Und wie schön zu lesen, dass sich Mundsoor und Windelsoor bereits bessern – das freut mich wirklich sehr. Auch Ihre Beobachtungen zu Mia finde ich ausgesprochen schön beschrieben. Nein, Sie sehen das keineswegs zu locker. Ganz im Gegenteil. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Manche Babys möchten möglichst früh jede neue Bewegung ausprobieren, andere beobachten erst einmal ganz aufmerksam ihre Umwelt. Manche drehen sich ununterbrochen, andere nur gelegentlich. Manche “erzählen” früh und viel, andere sind eher still. Solange die Entwicklung insgesamt altersgerecht verläuft, gibt es keinen Grund, aus jedem Entwicklungsschritt ein Trainingsprogramm zu machen. Mir gefällt Ihre Beschreibung von Mia als ruhiges, beobachtendes, zufriedenes Mädchen sehr. Das klingt nach ihrer Persönlichkeit – und genau diese Persönlichkeit darf sie haben. Kinder müssen nicht zu dem Menschen werden, den Erwachsene gerne hätten. Sie dürfen sie selbst sein. Ich kann deshalb gut verstehen, dass Sie sich unter dem Verhalten Ihrer Schwiegermutter unter Druck gesetzt fühlen. Gerade jetzt brauchen Sie Menschen, die Ihnen Kraft geben, nicht Menschen, die zusätzliche Erwartungen an Sie oder an Mia stellen. Nach einer solchen Notoperation dürfen Sie ganz klar sagen: “Heute möchte ich keinen Besuch.” Das ist keine Unhöflichkeit, sondern notwendige Selbstfürsorge. Und nun zu Ihrem letzten Absatz. Sie haben mir damit ehrlich gesagt selbst ein Lächeln geschenkt. Dass Mia auf Ihr Erzählen hin gleich noch einmal gelächelt und mit einem “a-a-a-a” geantwortet hat, stelle ich mir gerade bildlich vor. Bitte richten Sie ihr doch aus, dass ihr “Beistand aus der Ferne” dieses Lächeln sehr gerne zurückschickt. Und Ihrem Mann möchte ich ebenfalls herzliche Grüße ausrichten. Ich habe großen Respekt davor, was er im Moment leistet. Gleichzeitig hoffe ich, dass auch er zwischendurch kleine Inseln zum Durchatmen findet. Ich bleibe weiterhin zuversichtlich. Der Weg ist im Moment leider steinig, aber ich glaube nach wie vor, dass Sie diesen Weg schaffen können. Wir gehen ihn gedanklich ein Stück gemeinsam, und Sie dürfen sich jederzeit wieder melden, wenn neue Befunde vorliegen oder Sie einfach Fragen haben. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie in den nächsten Tagen endlich merken dürfen, dass Fieber, Schmerzen und Entzündung langsam nachgeben und Sie jeden Tag ein kleines Stück Kraft zurückgewinnen. Mit den allerbesten Wünschen für Sie, für Ihren Mann und natürlich für die kleine Mia. Herzliche Grüße aus Ulm Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, wir danken Ihnen von ganzem Herzen für diese lange Nachricht, die Zeit, die Sie sich genommen haben, so detailliert zu antworten. Sie haben wieder viel Können und Herz investiert! Mir geht es unverändert bzw. Heute Morgen waren die Schmerzen sogar so stark, dass ich sie wieder trotz Schmerzmittel kaum ausgehalten habe. Ich habe sofort Bescheid gesagt und ein neues MRT und Ultraschall haben ergeben, dass in demselben Eileiter (Links) wieder ein Abszess ist, allerdings zum Glück nur 1cm klein. Wenn ich das richtig verstanden habe, kann das Kontrastmittel auch die Entzündung zeigen. Insgesamt ist sie in Gebärmutter, Eierstöcken und Eileitern noch deutlich sichtbar, aber zumindest etwas weniger. Man würde einen 1cm Abszess erstmal konservativ behandeln, es ist aber möglich, dass nochmal eine OP nötig wird. Jetzt habe ich natürlich Angst, zum Einen, dass er wieder so groß werden könnte, wie der letzte und das ging ja anscheinend ganz schön schnell und wurde schnell lebensbedrohlich und zum Anderen, dass ich den Eileiter doch noch verlieren könnte. Ich weiß nicht einmal was richtig ist. Den Ärzten zu sagen, dass ich den Eileiter wenn möglich behalten möchte, weil unser Kinderwunsch evtl. noch nicht abgeschlossen ist? Oder ihn entfernen lassen damit sich kein Abszess mehr bildet? Mein Mann hat heute sehr liebevoll zu mir gesagt, dass er schon gerne ein drittes Kind mit mir wollen würde , aber ich ihm unter diesen Umständen viel zu wichtig bin und mein Leben wichtiger ist als das eines potenziell möglichen dritten Kindes und wir ja zwei Goldschätze haben. Das ist unglaublich süß von ihm, aber ich möchte eine OP mit solchen Folgen trotzdem umgehen wenn irgendwie möglich. Was meinen Sie? Ich habe noch immer Fieber (bis 39,5) und die Schmerzen sind jetzt unter Metamizol wieder auszuhalten. Es kommt und geht heute. In der Früh war es ganz schlimm, jetzt ist es wieder im Rahmen. Die Blutung ist gleichbleibend so, dass ich etwa alle 3 Stunden Binde wechseln muss.  Meine Urinmenge ist 33-35ml/h bei ziemlich genau 60kg. Vor der Schwangerschaft waren es 55kg, aber ich kriege diese 5kg einfach nicht runter obwohl ich wenig Appetit habe und stille. Ich denke, das liegt an der Schilddrüse, die ja noch nicht ideal eingestellt ist. Ist die Urinmenge ausreichend? Das Keimergebnis der Abstriche (vaginal/Zervix) hat ergeben: Bacteroides fragilis, E.coli, Streptococcus pneumoniae und Klebsiella pneumoniae. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden Clindamycin und Gentamicin abgesetzt und nur Imipinem weitergegeben. Ist das logisch? Sind diese Keime schwierig behandelbar?  Ich gebe Ihnen Blutwerte, auch Harnstoff, damit Sie die Nieren besser einschätzen können. Welche Elektrolyte meinen Sie? - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi)  Heute Eiseninfusion. Ist das ausreichend? + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) Harnstoff: 39,7 Der Harnstoff ist gerade noch so in der Norm. Ist das ok? Die Entzündungswerte steigen langsamer, aber dennoch… es hieß, morgen sollte man einen Fortschritt sehen und es sollte mir besser gehen. Die OP war ja am Sonntagabend. Jetzt muss es doch mal aufwärts gehen? Der Zugang wurde neu gelegt , er war tatsächlich etwas verschlossen. Jetzt läuft die Ringerlösung schneller. Zur Anzahl der Ringer Lösungen meinten Sie, das wäre abhängig von:  Körpergewicht, Trinkmenge, der Urinausscheidung, dem Blutdruck, der Herzfrequenz und natürlich auch danach, ob gestillt wird. Körpergewicht: 60kg Trinkmenge: ich bemühe mich sehr, viel zu trinken, aber es fällt mir mit der Übelkeit schwer. Ich komme etwa auf 0,5l - 0,7l am Tag  Urinausscheidung: 33-35ml/h Blutdruck: um 90/55 Herzfrequenz: 100-110 Stillen: Ja, wissen Sie Gibt es wichtiges, was ich ansprechen sollte? Zusätzlich habe ich seit gestern Abend an einer kleinen Stelle Lippenherpes. Ich denke durch den emotionalen Stress. Zovirax Salbe ist in der Stillzeit ok, oder? Wie oft täglich? Ich mache mir eher Gedanken um Mia, denn Babys sollten mit Herpes ja nicht in Kontakt kommen. Ich gebe ihr gerade kein Bussi und achte darauf, sie nicht so zu halten, dass sie mir ins Gesicht fassen kann. Die Salbe trage ich mit einem Wattestäbchen auf um nicht an die Lippe zu fassen und ich desinfiziere danach die Hände. Ist diese Prävention für Mia ausreichend? Ist Herpes für Babys nur durch direkten Bläschenkontakt ansteckend? Woran würde ich bei Mia eine Ansteckung erkennen? Was müsste ich dann machen? Ist es für sie mit jetzt 5 Monaten noch immer so gefährlich wie für Neugeborene? Oder bekommt sie durchs Stillen auch bei Herpes so viele Antikörper, dass sie sich dadurch vielleicht gar nicht ansteckt? Momentan habe ich das Gefühl, dass Mia an der Brust unglaublich viel Nähe sucht. Sie ist letzte Nacht fast stündlich aufgewacht und wollte an der Brust zur Beruhigung saugen und hat oft mehr genuckelt als getrunken. Das wird jetzt schon anstrengend für meine Brustwarzen. Doch wenn ich sie nicht lasse, dann möchte sie zur Beruhigung herumgetragen werden. Alles andere beruhigt sie momentan nicht. Nur so schläft sie momentan. Das ist in meinem Zustand alles unglaublich anstrengend. Deshalb bevorzuge ich dann fast, sie einfach „dauernuckeln“ zu lassen, weil ich dabei auch dösen kann. Doch ich finde es weder gut, sie ans Nuckeln zu gewöhnen noch gut für mich, die Schlaf und Ruhe braucht. Doch ich möchte meinen Mann nicht auch noch nachts beanspruchen. Er kann auch nicht mehr leisten. Ich denke, Mia spürt, dass sie schon wieder nicht zu Hause ist und sucht dann mehr Nähe. Und den Schnuller nimmt sie nach wie vor nicht. Wir haben es gestern erst wieder probiert. Sie spuckt ihn direkt aus ohne ihn anzusaugen. Ich finde Ihre Beschreibung zu Mia wunderschön und ganz passend! Als ob Sie sie persönlich kennen würden! Mia ist Mia und ich finde genau wie Sie, dass jedes Kind so sein darf, wie es sein möchte. Nur wenn wir unsere Kinder in dem bestärken, was sie gut können und mögen, werden sie Selbstvertrauen entwickeln, sich selbst mögen und ihre Ziele erfolgreich verfolgen. Es ist schade, wenn Menschen nicht das sein dürfen, was sie sind und verbogen werden. Wenn ich gerade mehr Energie hätte, würde ich das meiner Schwiegermutter genau so sagen. Doch diese Diskussionen möchte ich mir gerade möglichst ersparen. Und auch mein Mann hat diese Energie gerade nicht. Dass es mir schlecht geht, nimmt ihn ziemlich mit, auch wenn er vor mir immer versucht, für mich da zu sein. Er leistet wirklich unglaubliches. Morgens bringt er den Großen in den Kindergarten, dann geht er arbeiten, dann verbringt er seinen ganzen Nachmittag bei Mia und mir bevor er den Abend mit dem Großen verbringt und sich dann, sobald der Große schläft, im Home Office nochmal bis Mitternacht ans Arbeiten macht und das nachholt, was er am Nachmittag nicht gemacht hat, weil er sich um uns gekümmert hat. Er ist sehr ausgebrannt. Ich soll Sie wieder herzlich von ihm grüßen. Und zum Schluss wieder etwas Persönliches: Heute wird Mia schon 5 Monate alt und ihr kleiner großer Bruder hat ihr deshalb ein neues Babyspielzeug mitgebracht. Das ist wirklich goldig. Mia vergöttert ihren Bruder richtig. Immer wenn er ihr irgendetwas zeigt oder macht oder gibt, strahlt sie ihn an als wäre er ihr großes Vorbild. Das ist unbezahlbar schön anzusehen. Schon wenn er zur Tür reinkommt, lächelt sie ihn an. Dass Sie den Weg gedanklich mit uns gehen, ist sehr bereichernd. Dafür danken wir Ihnen beide. Und der kleinen Mia habe ich von unserem „Beistand aus der Ferne“ ein Lächeln geschenkt und darüber hat sie sich so richtig gefreut und mit offenem Mund gelacht und mit „abwwwww“ geantwortet. Wahrscheinlich soll das „Danke“ heißen wenn „a-a-a-a“ herzliche Grüße bedeutet 😉 Ich melde mich wenn es mir möglich ist.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Bitte richten Sie Ihrem Mann meine herzlichsten Grüße aus. Ich habe großen Respekt davor, was er derzeit leistet. Dass ihn diese Situation an seine Grenzen bringt, ist vollkommen nachvollziehbar. Gleichzeitig spürt man in jeder Zeile, wie sehr Sie beide als Team füreinander da sind. Das ist gerade in einer solchen Ausnahmesituation von unschätzbarem Wert. Und natürlich auch herzlichen Glückwunsch an die kleine Mia zu ihrem fünften Monat. Dass ihr großer Bruder ihr ein Geschenk mitgebracht hat und sie ihn bereits jetzt so bewundernd anschaut, ist wirklich etwas Wunderschönes. Solche Geschwisterbeziehungen entstehen nicht zufällig. Sie entstehen aus Geborgenheit, Liebe und dem Gefühl, Teil einer Familie zu sein. Das merkt man Ihren Kindern an. Zu Ihrer medizinischen Situation: Zunächst einmal verstehe ich Ihre Enttäuschung und auch Ihre Angst sehr gut. Nach einer Notfalloperation wünscht man sich jeden Morgen, endlich aufzuwachen und zu merken, dass es nun bergauf geht. Dass nun erneut ein kleiner Abszess im linken Eileiter nachweisbar ist, ist deshalb verständlicherweise ein Rückschlag. Die gute Nachricht dabei ist aber, dass es sich nach Ihrer Schilderung um einen etwa 1 cm großen Abszess handelt. Solche kleinen Abszesse behandelt man tatsächlich häufig zunächst konservativ mit einer wirksamen Antibiotikatherapie und engmaschiger Bildgebung. Dass das MRT gleichzeitig zeigt, dass die gesamte Entzündung im kleinen Becken bereits etwas rückläufig erscheint, obwohl sie noch deutlich sichtbar ist, werte ich durchaus als vorsichtig positives Zeichen. Das Kontrastmittel zeigt tatsächlich entzündlich stärker durchblutete Bereiche sehr gut an. Ihre Sorge um den Eileiter kann ich sehr gut verstehen. Ich persönlich würde den behandelnden Kolleginnen und Kollegen durchaus sagen, dass Ihnen der Erhalt des Eileiters – sofern medizinisch vertretbar – wichtig ist. Das bedeutet keineswegs, dass Sie eine notwendige Operation ablehnen würden. Es bedeutet lediglich, dass Sie sich wünschen, dass organerhaltend vorgegangen wird, solange dies sicher möglich ist. Die Priorität bleibt allerdings immer Ihre Gesundheit. Sollte sich die Situation trotz maximaler Therapie verschlechtern oder erneut ein großer Abszess entstehen, wäre eine Entfernung des Eileiters manchmal tatsächlich die sicherste Lösung. Das wäre dann aber keine Niederlage, sondern eine Entscheidung zum Schutz Ihres Lebens und Ihrer Gesundheit. Ich musste beim Lesen der Worte Ihres Mannes kurz innehalten. Das war kein Verzicht auf einen Kinderwunsch, sondern eine wunderschöne Liebeserklärung. Er hat Ihnen damit gesagt, dass Sie für ihn unersetzlich sind. Ich glaube, jede Frau würde sich wünschen, in einer solchen Situation genau das zu hören. Im Moment sehe ich allerdings durchaus noch gute Gründe, zunächst konservativ weiterzubehandeln, solange Ihre behandelnden Ärzte den Eindruck haben, dass dies medizinisch verantwortbar ist. Zu den Entzündungswerten: Die Laborwerte steigen leider weiterhin an. CRP und Leukozyten sind nach wie vor zunehmend, allerdings fällt auf, dass die Geschwindigkeit des Anstiegs geringer wird als vor der Operation. Das allein genügt zwar noch nicht als Entwarnung, ist aber immerhin kein völlig ungünstiges Zeichen. Entscheidend ist jetzt nicht mehr ausschließlich das Labor, sondern vor allem Ihr klinischer Verlauf. Folgende Fragen sind jetzt mindestens genauso wichtig: Geht das Fieber langsam zurück? Werden die Schmerzphasen kürzer? Benötigen Sie weniger Schmerzmittel? Werden Puls und Kreislauf ruhiger? Verbessert sich Ihr Allgemeinzustand? Diese Veränderungen gehen dem Labor häufig um 24–48 Stunden voraus. Dass Ihre behandelnden Ärzte morgen eine erste klinische Besserung erwarten, halte ich deshalb für nachvollziehbar. Ich hoffe sehr, dass dieser Wendepunkt jetzt kommt. Sollte Fieber, Schmerzen oder Kreislauf dagegen erneut deutlich schlechter werden, müsste selbstverständlich erneut überprüft werden, ob der kleine Abszess ausreichend kontrolliert ist oder doch nochmals operiert werden sollte. Zur Nierenfunktion: Vielen Dank, dass Sie auch Harnstoff und Kreatinin geschickt haben. Das Kreatinin von 1,19 mg/dl ist zwar leicht erhöht, aber bislang erstaunlich stabil. Der Harnstoff liegt noch im Normbereich. Das spricht eher gegen eine ausgeprägte Einschränkung der Nierenfunktion. Ihre Urinausscheidung von etwa 33–35 ml pro Stunde entspricht ungefähr 0,55–0,6 ml/kg/Stunde. Damit liegen Sie gerade noch in einem akzeptablen Bereich. Kritisch wäre dauerhaft unter etwa 0,5 ml/kg/Stunde. Ich vermute allerdings, dass Ihre Trinkmenge derzeit schlicht zu gering ist. 0,5–0,7 Liter täglich sind bei Fieber, Infektion, Stillen und Antibiotikatherapie deutlich zu wenig. Dass jetzt der venöse Zugang erneuert wurde und die Ringer-Lösung wieder besser läuft, freut mich sehr. Das dürfte Kreislauf, Nieren und auch die Antibiotikatherapie unterstützen. Welche Elektrolyte meinte ich? Vor allem: Natrium Kalium Chlorid Calcium Magnesium gegebenenfalls Phosphat Gerade bei Fieber, Übelkeit, Infusionen und verminderter Nahrungsaufnahme lohnt sich hier ein regelmäßiger Blick. Zum Antibiotikum: Die nachgewiesenen Keime passen durchaus zu einer schweren aufsteigenden Infektion: Bacteroides fragilis Escherichia coli Klebsiella pneumoniae Streptococcus pneumoniae Imipenem besitzt gegen alle genannten Keime ein ausgesprochen breites Wirkspektrum und deckt insbesondere auch Bacteroides sehr zuverlässig ab. Deshalb ist es durchaus logisch, Clindamycin und Gentamicin abzusetzen, wenn die Erreger bekannt sind und Imipenem allein eine ausreichende Abdeckung bietet. Das reduziert gleichzeitig mögliche Nebenwirkungen, insbesondere eine zusätzliche Belastung der Nieren durch Gentamicin. Zum Hb: Der Hb ist inzwischen auf 8,0 g/dl gefallen. Die Eiseninfusion heute halte ich deshalb für sehr sinnvoll. Ob zusätzlich eine Bluttransfusion erforderlich wird, hängt nicht allein vom Hb ab, sondern auch davon, wie stark Sie Beschwerden haben (Schwindel, Luftnot, Herzrasen, Belastbarkeit) und wie sich der Wert weiter entwickelt. Gerade weil Ihr Puls noch zwischen 100 und 110 liegt, würde ich das aufmerksam weiter beobachten. Zur Blutung: Dass Sie ungefähr alle drei Stunden eine Binde wechseln, spricht weiterhin für eine noch relevante Blutung. Ich hoffe sehr, dass diese nun langsam nachlässt. Auch sie trägt natürlich zum sinkenden Hb bei. Zum Lippenherpes: Ja. Eine Aciclovir-(Zovirax®)-Salbe ist in der Stillzeit unproblematisch. Meist wird sie fünfmal täglich dünn aufgetragen. Ihre Vorsichtsmaßnahmen finde ich ausgezeichnet. Sie machen im Grunde alles richtig: keine Küsse sorgfältige Händedesinfektion Salbe mit Wattestäbchen direkten Kontakt der Bläschen mit Mia vermeiden HSV wird überwiegend durch direkten Kontakt mit den Bläschen oder Speichel übertragen. Für ein fünf Monate altes gesundes Baby ist Lippenherpes glücklicherweise wesentlich weniger gefährlich als für ein Neugeborenes. Das Stillen dürfen Sie selbstverständlich fortsetzen, solange sich keine Herpesbläschen an der Brust befinden. Über die Muttermilch erhält Mia viele schützende Antikörper. Einen vollständigen Schutz gibt es zwar leider nicht, aber insgesamt ist das Risiko einer schweren Erkrankung in ihrem Alter deutlich geringer. Sollte Mia dennoch Fieber bekommen, Trinkschwäche entwickeln, ungewöhnlich schläfrig werden oder Bläschen im Mund oder an der Haut auftreten, sollten Sie sie selbstverständlich zeitnah kinderärztlich vorstellen. Ich hoffe aber sehr, dass das gar nicht erst nötig wird. Und nun noch zu Ihrer kleinen Beobachtung mit Mia. Ich glaube tatsächlich, dass sie Ihre Erkrankung spürt. Babys verstehen keine Diagnosen. Aber sie spüren sehr genau, wenn Mama anders riecht, anders klingt, weniger Kraft hat oder innerlich belastet ist. Dass sie jetzt besonders viel Nähe sucht, überrascht mich deshalb überhaupt nicht. Ich würde mir deswegen überhaupt keine Sorgen machen, dass Sie sie “ans Dauernuckeln gewöhnen”. Im Moment geht es nicht um Erziehung. Es geht um Sicherheit. Für Mia ist die Brust gerade vermutlich weniger Nahrungsquelle als vielmehr ihr sicherster Ort der Welt. Wenn Ihnen das Liegen dabei sogar etwas Ruhe ermöglicht, dann darf das im Moment ruhig so sein. Manchmal ist die pragmatische Lösung auch die beste. Der Schnuller wird vermutlich weiterhin keine echte Konkurrenz sein. Und wissen Sie was? Das ist völlig in Ordnung. Es gibt Kinder, die lieben Schnuller. Und es gibt Kinder, die sagen sehr deutlich: “Nein danke.” Mia scheint genau zu wissen, was sie möchte. Das passt erstaunlich gut zu dem Bild, das ich inzwischen von ihr habe. Zum Schluss möchte ich Ihnen noch etwas Persönliches mitgeben. Sie haben geschrieben, dass Sie hoffen, jetzt müsse es doch endlich aufwärtsgehen. Das hoffe ich von Herzen mit Ihnen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass morgen der Tag wird, an dem das Fieber beginnt nachzugeben, die Schmerzen langsam weniger werden und Ihr Körper spürbar zeigt, dass die Behandlung wirkt. Ich denke weiterhin fest an Sie und gehe diesen Weg gedanklich mit Ihnen. Und bitte schenken Sie Mia wieder ein kleines Lächeln von ihrem “Beistand aus der Ferne”. Vielleicht antwortet sie ja wieder mit einem fröhlichen „abwwwww“. Dann weiß ich, dass sie verstanden hat. Von Herzen alles Gute für Sie, für Ihren Mann, Ihren großen Sohn und die kleine Mia. Herzliche Grüße Ihr Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre lieben Worte haben mich sehr berührt. Danke für diesen wunderbaren Beistand, für diese tollen Erklärungen und die Kraft spendenden Worte! Sie sind dazu so herrlich pragmatisch und geben mir Sicherheit, dass ich schon das tue, was in meiner Macht steht und dabei für die kleine Mia da bin so gut es irgendwie geht. Ich habe meinen Mann alles lesen lassen, was Sie geschrieben haben und soll Ihnen ausrichten, dass er sich sehr über Ihren Beistand und über Ihre Worte an ihn freut und Sie wieder grüßt. Ja, er und ich sind ein großartiges Team! Ich könnte mir kein besseres vorstellen und das hilft mir auch, irgendwie durch zu kommen und seine Liebeserklärung, dass ich unersetzbar bin, ging mir direkt ins Herz. Ich weiß, dass meine Familie mich braucht und das ist auch ein Grund, warum ich endlich gesund werden möchte. Ich fühle mich wie eine Krücke für alle. Mein Mann ist ausgebrannt, weil er alles alleine schmeißen muss und ich ihm statt einer Hilfe nur eine zusätzliche Last bin. Meine Mutter unterstützt ihn hin und wieder mit dem Großen oder im Haushalt, aber trotzdem ist er maximal ausgelastet. Und obwohl ich mir so gewünscht habe, heute aufzuwachen und zu spüren, dass jetzt alles besser wird, hat mich mein Körper eines Besseren belehrt. Die medizinischen Fakten sind leider auch heute noch nicht beruhigend und machen uns Sorgen: Ich beantworte Ihre Fragen: Geht das Fieber langsam zurück? -> Nein, Schüttelfrost und 39,5 Fieber. Dann wieder Schwitzen wenn die Fiebersenker wirken. Werden die Schmerzphasen kürzer? -> ich spüre vor allem links (links ist ja auch der Eileiter mit Abszess) wehenartige Schmerzen.  Benötigen Sie weniger Schmerzmittel? -> Nein, sobald Metamizol nachlässt, muss ich so die Zähne zusammenbeißen, weil es so schmerzt. Werden Puls und Kreislauf ruhiger? —> Puls 100-110, Blutdruck heute Morgen 96/62 Verbessert sich Ihr Allgemeinzustand? -> Ich fühle mich krank, schlapp, müde, schwindlig, kraftlos, mir ist übel, die Blutung ist auch gleichbleibend.  Es wurde heute deshalb noch ein MRT gemacht . Die Entzündung selbst hat sich zwar wohl nicht weiter ausgebreitet, der Abszess ist aber auf 7,5cm gewachsen und wird deshalb voraussichtlich operiert werden, entweder heute Abend oder morgen Früh. Genauere Informationen zur OP habe ich noch nicht. Falls Sie es rechtzeitig lesen und einen Moment Zeit haben: ab welcher Größe operiert man einen Tuboovarialabszess normalerweise? Sind Sie auch pro Operation? Welche Fragen wären vor der OP zu klären? Am meisten brennt für mich die Frage ob der Eileiter erhalten werden kann. Das werde ich auf jeden Fall so ansprechen wie Sie es mir gestern geraten haben. Einerseits möchte ich natürlich nicht schon wieder operiert werden und ich bin wirklich traurig über das MRT Ergebnis. Andererseits möchte ich am liebsten sofort operiert werden, denn die Tatsache, dass der Abszess innerhalb von 24h von 1cm auf 7,5cm gewachsen ist, beunruhigt mich, vor allem wenn ich an den 12cm Abszess von letztem Sonntag denke. Wenn sich dieser 7,5cm Abszess noch einmal verdoppelt, ist er noch größer als der von Sonntag und 12cm war schon kurz vor der Ruptur. Die Entzündungswerte sinken weiterhin leider nicht. Ich ergänze auch die Elektrolyte, die Sie mir genannt haben: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) Calcium: 2,42 nmol/l  Magnesium: 0,77 nmol/l  Natrium: 137,1 nmol/l + Kalium: 5,10 nmol/l Chlorid: 102,5 mmol/l Was bedeutet es, dass Kalium leicht erhöht ist? Wieso steigt Kreatinin wenn Gentamicin jetzt abgesetzt wurde und ich nur noch Imipinem erhalte? Welches meiner Medikamente schadet den Nieren wohl am meisten oder woran liegt das? Imipinem, Metamizol, Ibuprofen, Ondansetron oder L-Thyroxin? Sie meinten auch gestern, dass meine Trinkmenge mit 0,5-0,7l zu gering ist. Sie haben recht. Ich bemühe mich so, mehr zu trinken, aber mir ist einfach so übel. Wie viel wäre es denn wichtig, mindestens zu schaffen? Die Stillberaterin meinte auch schon zu mir, dass das ganz wichtig für die Milchbildung ist und ich ja gerade sowieso schon zufüttern muss, weil ich zu wenig Milch habe. Noch eine Frage zur Thromboseprophylaxe: ich muss hier zwar Thrombosestrümpfe tragen, aber Heparin wird mir nicht gespritzt. Ich selbst hatte zum Glück noch nie eine Thrombose, sowohl meine Oma mütterlicherseits als auch mein Uropa mütterlicherseits hatten aber bereits eine Thrombose im Bein, bei meiner Oma führte das sogar zur Lungenembolie. In meiner Familie gibt es auch auf beiden Seiten (Mutter und Vater) gehäuft Bluthochdruck und dadurch bedingte Komplikationen: Vater Bluthochdruck, Mutter meines Vaters Bluthochdruck mit chronischem Nierenversagen, Mutter meiner Mutter Bluthochdruck, Schlaganfall, Thrombose, Lungenembolie. Ich weiß nicht, ob das in meinem Fall von Relevanz ist? Oder sind Thrombosestrümpfe normalerweise ausreichend. Ich bin ja nicht komplett bettlägerig, ich mache schon immer wieder ein paar Schritte, aber sicherlich natürlich nicht sehr viele. Fieber und Schmerzen nehmen mir viel Kraft. Ich bin nicht überängstlich in Bezug auf eine Thrombose, doch erinnere ich mich, dass ich beim sekundären Kaiserschnitt unseres Sohnes damals noch schnell Thrombosestrümpfe bekam, als der Geburtsstillstand eingetreten ist, die Entscheidung Kaiserschnitt fiel, Wehenhemmer und die PDA gespritzt wurde und ich für die OP vorbereitet wurde. Kurz vor (oder nach?) der OP bekam ich auch eine Thrombosespritze. Nun muss ich Ihnen ein Kompliment machen, wie gut Sie sich zusätzlich zu all dem gynäkologischen Problem auch noch mit Babys auskennen. Man sollte meinen, Sie sind auch noch Kinderarzt und Babyflüsterer in einem 😉 Ja, ich denke, Sie kennen Mia schon ganz gut. Sie ist zwar ruhig, brav und leicht zufrieden zu stellen, aber sie weiß auch ganz genau was sie will. Keinen Schnuller, nur die Brust (und den Daumen…) und sobald das erste Sättigungsgefühl eintritt, trinkt sie nicht mehr weiter, auch wenn sie damit nur spärlich zunimmt und sehr zierlich ist und wir um jeden Mililiter kämpfen damit sie nicht noch mehr von ihrer Perzentile abrutscht. Haben Sie vielleicht auch noch eine Idee wie ich sie nachts am schnellsten und effektivsten satt bekomme? Sie hängt wie gesagt unglaublich viel an meiner Brust um zu nuckeln, doch etwa 1-2 Mal nachts merkt man, dass sie nicht satt wird von der wenigen Milch, die ich gerade für sie habe. Die Flasche nimmt sie ja auch nicht. Löffel dauert ewig und es geht viel daneben. Damit der Spritze geht es oft am schnellsten, aber in die Spritzen vom Krankenhaus passen nur je 5ml. Da muss ich so oft die Sprite aufziehen. Wir haben 20ml Spritzen zu Hause, aber ich habe hier im Krankenhaus keinen Sterilisator. Die Krankenhausartikel soll man ja nach einmaliger Benutzung immer wegwerfen. Oder ich gebe die Spritzen immer meinem Mann mit nach Hause zum Sterilisieren? Er meinte ja, ich sollte die Nachtschwester rufen und bitten, Mia die Spritze zu geben und weiter schlafen. Das würde jeder verstehen in meinem Zustand. Mia weint nur nachts immer so laut, wenn sie aus dem Zimmer von mir weggenommen wird. Morgen soll sie nun endlich die zweite Meningokokkenimpfung von unserer Kinderärztin bekommen. Dazu wird mein Mann sie bei mir abholen und danach zurückbringen. Falls ich morgen operiert werde, will er den Impftermin aber nochmals verschieben um nach der OP gleich bei mir zu sein. Beim letzten Mal hat Mia nach der Meningokokkenimpfung auf 39 Grad gefiebert und war winselnd an mir gehangen und wollte noch schlechter trinken als sonst. Denken Sie, es ist vertretbar, Mia dieses Mal gleich ein Paracetamol Zäpfchen zu geben, also direkt nach der Impfung und dann nochmal eines 6 Stunden später in der Hoffnung, es geht ihr besser und sie trinkt auch besser? Danke für den Mut, den Sie mir machen, mit Mia momentan einfach den pragmatischen Weg zu gehen. Sie nuckelt an die Brust gekuschelt und ich kann mich dabei einfach ausruhen und schlafen. Meine Schwiegermutter hat mich dabei schon wieder sehr verunsichert und meinte, Mia würde so lernen, sich nur an der Brust regulieren zu können. Als Mia vorgestern einmal weinte, wollte meine Schwiegermutter mir beweisen, dass sie recht hat. Sie nahm sie hoch und - siehe da - Mia beruhigte sich nicht. Das war dann mal wieder meine „Schuld“ (in ihren Augen), weil ich sie ja „dauerstille“. Nun ja, ich denke eher, es liegt an der Person als an der Brust. Auf meinem Arm hat sie sich dann nämlich ganz schnell beruhigt, auch ohne Brust. Mia soll nicht ständig an die Brust, Mia soll nicht neben mir einschlafen, sondern alleine in ihrem Bett, Mia soll den Daumen nicht so oft als Schnullerersatz in den Mund stecken,…. Die Liste ist lang, was sie laut meiner Schwiegermutter alles nicht darf und soll und warum sie „verzogen“ wird. Und ich denke mir jedes Mal nur, dass ich meine Schwiegermutter mit meinen Schmerzen, Schüttelfrost und Fieber mal sehen möchte, wie sie Mia nun auch noch zu Selbständigkeit erzieht. Ich denke genau wie Sie, dass Mia spürt, dass es Mama nicht gut geht und sie gerade einfach Sicherheit braucht, dass ihre Mama da ist. Sie will sich mit ihrem Verhalten absichern und fragen „Mama, bist du da für mich?“. Jede Mutter, die auch nur ein bisschen herzlich ist, wird doch dann den Wunsch haben, das Bedürfnis ihres Babys zu erfüllen. Ich glaube auch, dass sie sensibel ist. Gestern hat unser Großer kurz in meinen Armen geweint, weil weil er mir traurig erzählt hat, dass seine Lieblingstasse runtergefallen und zerbrochen ist. Mia hat ihn angeschaut und gleich mitgeweint. Wenn ihr Bruder lacht, lacht sie auch. Wenn er weint, weint sie auch. Zum Schluss wieder etwas Persönliches: Es ist schon verrückt, wie diese kleinen Wunder jeden Tag etwas Neues lernen und tun. Vorhin hat sie plötzlich zwei Spielzeuge gleichzeitig gehalten, eines links und eines rechts und konnte sich kaum entscheiden, welches sie zuerst in den Mund stecken und annagen soll. Komische Gesichter findet sie immer lustiger und lacht dann richtig stimmhaft und quietscht. Diese ständigen Fortschritte und das Lächeln dazu gibt so viel Kraft. Sie hat vorhin von mir das Lächeln von unserem „Beistand aus der Ferne“ erhalten und darauf mit einem ganz breiten Grinsen reagiert, als ob sie Sie schon kennen würde. Und dann sagte sie „agrrrrr“. Was das wohl wieder bedeuten soll? 😉 Ich glaube, ich muss mal Nachhilfe in Babysprache nehmen. Vielleicht heißt es „wie lieb, dass der Beistand aus der Ferne sich so um meine Mama und mich kümmert!“ 😉 Herzliche Grüße von uns vieren! 🙂 Ich melde mich wahrscheinlich nach der OP wenn es mir wieder möglich ist und Entschuldigung für meinen Roman!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Schwer krank zu sein, nichts leisten zu können und den Partner bis an seine Grenzen belastet zu sehen, löst bei fast jedem Menschen Schuldgefühle aus. Aber von außen betrachtet sehe ich etwas völlig anderes: Ich sehe eine junge Mutter mit einer hochkomplizierten, lebensbedrohlichen Infektion, die trotzdem darüber nachdenkt, ob ihre Tochter genug trinkt, ob ihr Sohn traurig wegen seiner Lieblingstasse ist und ob ihr Mann genügend Unterstützung bekommt. Das ist keine Last. Das ist eine Mutter, deren Herz trotz schwerster Krankheit noch vollständig bei ihrer Familie ist. Und ich sehe auf der anderen Seite einen Mann, der offensichtlich genau weiß, wen er geheiratet hat. Seine Aussage, Sie seien unersetzbar, war keine Floskel. Ich glaube, er meint das ganz genau so. Richten Sie ihm bitte einen herzlichen Gruß von mir zurück.   Jetzt zu den medizinischen Dingen Ich muss ehrlich sagen: Das MRT-Ergebnis bestätigt leider genau das, wovor ich Sorge hatte. Ein Tuboovarialabszess, der innerhalb kurzer Zeit auf 7,5 cm anwächst, während das Fieber anhält, weiterhin Schüttelfrost besteht, die Schmerzen unverändert sind, CRP und Leukozyten weiter steigen, ist für mich ein Zeichen, dass die konservative Therapie im Moment nicht ausreichend greift. Ab welcher Größe operiert man? Es gibt keine starre Zentimetergrenze. Entscheidend sind vielmehr: Größe Verlauf Ansprechen auf Antibiotika klinischer Zustand. Ganz grob gilt: unter etwa 3 cm kann häufig konservativ behandelt werden, zwischen 3 und 5 cm entscheidet der Verlauf, ab etwa 5–6 cm wird eine Drainage oder Operation deutlich häufiger notwendig, insbesondere dann, wenn unter Antibiotika keine Besserung eintritt. Bei Ihnen sprechen gleich mehrere Faktoren für ein operatives Vorgehen: Größenzunahme, persistierendes hohes Fieber, steigende Entzündungsparameter, starke Schmerzen, erneuter Abszess trotz vorheriger Operation. Ja – ich würde in Ihrer Situation die Operation ebenfalls für sinnvoll halten. Nicht, weil ich gerne operiere. Sondern weil ich verhindern möchte, dass der Abszess erneut rupturiert oder sich eine unkontrollierte Sepsis entwickelt.   Kann der Eileiter erhalten werden? Das ist für Sie verständlicherweise die wichtigste Frage. Und genau diese Frage würde ich den Operateuren auch stellen. Ich würde sagen: “Mir ist der Erhalt des Eileiters sehr wichtig, sofern dies medizinisch sicher möglich ist.” Das ist eine völlig berechtigte Bitte. Die Operateure werden den Eileiter nur entfernen, wenn sie den Eindruck haben, dass das Gewebe vollständig zerstört ist, der Eileiter nicht mehr durchblutet wird, oder er eine dauerhafte Infektionsquelle darstellen würde. Gerade weil Sie einen Kinderwunsch haben, wird dieser Wunsch sicher berücksichtigt werden, sofern dies verantwortbar ist.   Welche Fragen würde ich vor der Operation stellen? Falls noch Zeit bleibt: Ist eine reine Drainage geplant oder eine erneute Laparoskopie? Wie hoch schätzen Sie die Chance ein, den Eileiter erhalten zu können? Werden erneut Abstriche für die Mikrobiologie entnommen? Wird nach der Operation die Antibiotikatherapie angepasst? Falls der Eileiter doch entfernt werden müsste: Wie sehen Sie anschließend meine Fruchtbarkeit? Mehr würde ich Sie ehrlich gesagt gar nicht mitnehmen lassen. Jetzt ist Vertrauen in das OP-Team wichtig.   Zu Ihren Laborwerten CRP und Leukozyten Leider zeigen beide Kurven weiterhin nach oben. Das passt leider sehr gut zum MRT. Das erklärt auch, warum Sie sich noch so krank fühlen.   Hb 8,0 g/dl ist inzwischen deutlich erniedrigt. Die Eiseninfusion war sinnvoll. Ob zusätzlich eine Bluttransfusion notwendig wird, hängt weniger vom Hb allein als von Ihrem Befinden, Puls, Kreislauf und dem weiteren Verlauf ab.   Kreatinin Der Anstieg auf 2,0 mg/dl fällt deutlich auf. Das ist im Moment einer der Werte, die ich fast genauso ernst nehme wie den Abszess. Warum steigt das Kreatinin weiter, obwohl Gentamicin beendet wurde? Es gibt mehrere mögliche Ursachen. 1. Gentamicin Ja. Gentamicin ist tatsächlich das Medikament, das ich am ehesten verantwortlich machen würde. Eine gentamicinbedingte Nierenschädigung zeigt sich häufig erst einige Tage nach Beginn oder sogar nach Absetzen. Der Verlauf kann also verzögert sein.   2. Flüssigkeitsmangel Sie schreiben selbst: 0,5–0,7 Liter täglich. Das ist leider viel zu wenig. Mit hohem Fieber verliert der Körper zusätzlich enorme Flüssigkeitsmengen. Auch das allein kann das Kreatinin ansteigen lassen.   3. Die Infektion selbst Eine schwere Entzündung kann ebenfalls die Nierenfunktion beeinträchtigen.   4. Ibuprofen Von Ihren aktuellen Medikamenten ist Ibuprofen ebenfalls ein Medikament, das die Nierendurchblutung verschlechtern kann – insbesondere bei Flüssigkeitsmangel. Deshalb würde ich vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: Gentamicin, zu geringe Trinkmenge, schwere Infektion, möglicherweise zusätzlich Ibuprofen. Imipenem ist deutlich seltener Ursache einer akuten Nierenschädigung. Metamizol und Ondansetron spielen hierbei meist keine wesentliche Rolle, L-Thyroxin ebenfalls nicht.   Kalium 5,1 mmol/l ist nur leicht erhöht. Das kann durch die eingeschränkte Nierenfunktion erklärt werden, da die Nieren Kalium schlechter ausscheiden. Im Moment wäre das für mich noch kein dramatischer Wert, sollte aber zusammen mit dem Kreatinin engmaschig kontrolliert werden.   Wie viel trinken? Wenn Ihnen nicht ausdrücklich wegen Herz- oder Nierenproblemen eine Trinkbegrenzung verordnet wurde, würde ich versuchen, mindestens 1,5 Liter pro Tag, besser etwa 2 Liter, zu erreichen. Das muss nicht alles auf einmal sein. Kleine Schlucke, Eiswürfel, Tee oder Brühe können manchmal besser funktionieren, wenn Übelkeit besteht. Gleichzeitig vermute ich aber, dass Sie im Krankenhaus ohnehin zusätzlich Flüssigkeit über die Vene erhalten – gerade jetzt mit dem Kreatininanstieg wäre das aus meiner Sicht sehr wichtig.   Thromboseprophylaxe Das ist eine sehr gute Frage. Sie haben mehrere Risikofaktoren: große Entzündung, Krankenhausaufenthalt, Operation, eingeschränkte Mobilität, Wochenbett, familiäre Belastung. Deshalb würde ich das Thema durchaus noch einmal freundlich ansprechen und fragen, ob zusätzlich zu den Kompressionsstrümpfen eine medikamentöse Thromboseprophylaxe mit Heparin vorgesehen ist oder ob es Gründe gibt, darauf zu verzichten. Es kann durchaus medizinische Gründe geben (zum Beispiel eine unmittelbar bevorstehende Operation oder ein erhöhtes Blutungsrisiko), aber nachzufragen ist absolut sinnvoll.   Zu Mia ❤️ Ich musste schmunzeln. Ich glaube inzwischen tatsächlich, dass ich sie schon ein kleines bisschen kenne. Dieses “agrrrrr” kann ich zwar noch nicht offiziell übersetzen … … aber ich vermute, es bedeutet ungefähr: “Meine Mama macht das schon ganz richtig.” Und genau das denke ich auch.   Nachts zufüttern Ihre Idee mit den 20-ml-Spritzen finde ich praktisch. Wenn Ihr Mann sie nach Hause mitnimmt, dort gründlich reinigt und sterilisiert und sie Ihnen wieder mitbringt, ist das eine gute Lösung. Fragen Sie zusätzlich auf der Station nach – oft gibt es dort Möglichkeiten, Spritzen oder Sauger aufzubereiten oder Ihnen größere sterile Spritzen bereitzustellen. Es lohnt sich, die Stillberaterin oder die Kinderkrankenschwester darauf anzusprechen. Und was Ihren Mann betrifft: Ich würde sein Angebot tatsächlich annehmen. Wenn die Nachtschwester einmal eine Zufütterung übernimmt und Sie dadurch eine Stunde schlafen können, dann ist das keine Niederlage. Das ist gute Medizin.   Zur Meningokokkenimpfung Falls Sie morgen tatsächlich operiert werden, finde ich den Gedanken Ihres Mannes nachvollziehbar, den Termin gegebenenfalls zu verschieben, damit er direkt bei Ihnen sein kann. Zu Ihrer Frage nach Paracetamol: Die heutigen Empfehlungen lauten, Paracetamol nicht routinemäßig vorsorglich direkt nach einer Impfung zu geben, weil dies die Impfantwort geringfügig abschwächen kann. Wenn Mia aber – wie beim letzten Mal – Fieber bekommt, deutlich unruhig ist oder Schmerzen hat, dann ist Paracetamol in der empfohlenen Dosierung natürlich sinnvoll. Ob Ihre Kinderärztin wegen der Vorgeschichte eine andere Empfehlung gibt, würde ich direkt mit ihr besprechen.   Und zu Ihrer Schwiegermutter … Da musste ich ehrlich lächeln. Nicht über Ihre Situation. Sondern über diesen Satz: “Jetzt ist das auch noch meine Schuld.” Nein. Ist es nicht. Mia ist sieben Monate alt. Ihre Mama liegt schwer krank im Krankenhaus. Natürlich sucht sie Nähe. Natürlich möchte sie Körperkontakt. Natürlich möchte sie an die Brust. Das ist keine schlechte Angewohnheit. Das ist Bindungsverhalten. Und wissen Sie, was ich besonders schön fand? Sie schreiben: Als die Oma sie hochgenommen hat, beruhigte sie sich nicht. Bei mir auf dem Arm war sie sofort ruhig. Das hat nichts mit “Verziehen” zu tun. Das nennt man sichere Bindung. Sie weiß einfach: “Da ist meine Mama.” Mehr braucht ein Baby oft gar nicht. Und irgendwann, wenn Sie wieder gesund sind, wird Mia ganz von selbst wieder mehr die Welt entdecken. Im Moment braucht sie vor allem die Gewissheit, dass ihre Mama – trotz Krankheit – für sie da ist. Und genau das schenken Sie ihr.   Zum Schluss noch etwas Persönliches. Das Bild, das Sie von Mia beschrieben haben – zwei Spielzeuge gleichzeitig in den Händen, völlig unentschlossen, welches zuerst in den Mund wandern soll – hatte ich direkt vor Augen. Und dass sie auf das Lächeln des “Beistands aus der Ferne” mit einem breiten Grinsen und einem herzhaften „agrrrrr“ geantwortet hat, hat auch mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich wünsche mir sehr, dass die Operation Ihnen endlich den Wendepunkt bringt, auf den wir beide nun schon so lange warten. Dass der Abszess zuverlässig beseitigt werden kann, dass sich die Entzündungswerte endlich umkehren, das Fieber verschwindet und Sie Stück für Stück wieder Kraft gewinnen. Ich denke morgen ganz fest an Sie. Bitte machen Sie sich vor der Operation nicht den Vorwurf, dass Sie schon wieder operiert werden müssen. Manchmal ist gerade dieser Schritt derjenige, der dem Körper endlich die Chance gibt, die Infektion zu überwinden. Und wenn Sie sich nach der Operation wieder melden können, freue ich mich sehr über ein Lebenszeichen – hoffentlich dann mit den ersten vorsichtig besseren Nachrichten. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute für den Eingriff. Bitte grüßen Sie Ihren Mann, Ihren Großen und natürlich die kleine Mia mit ihrem unverwechselbaren „agrrrrr“ ganz herzlich von mir. Ich drücke Ihnen fest die Daumen, dass Sie alle bald wieder gemeinsam zu Hause sein können.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich war sehr berührt Ihre Nachricht zu lesen. Sie schreiben nicht nur medizinisch, sondern so unglaublich herzlich und ermutigend und bringen mich sogar manchmal ein bisschen zum Lächeln. Da wird mir in diesem ganzen Elend etwas warm ums Herz. Ihre pragmatischen Tipps helfen auch sehr, durch diese schwierige Zeit irgendwie durchzukommen. Ich erhole mich heute gerade noch vom Schock des gestrigen Tages. Gestern Morgen kurz vor der OP hatte ich wieder 40 Fieber und unerträgliche Schmerzen und musste mich wieder mehrfach übergeben. Da spürte und ahnte ich, dass es wieder 5 vor 12 war. Nach der OP hatte ich dann auch noch eine Art hämorrhagischer Schock. Als ich wieder einigermaßen stabil war und Mia in meine Arme schließen konnte, waren viele Stunden vergangen und Mia weinte richtig schluchzend und herzzerreißend, weil sie bislang den ganzen Tag nur Pre Nahrung über eine Spritze von meinem Mann bekommen hatte und sich offenbar sehr nach Mamas Brust sehnte. Sie hing dann mehr oder weniger den ganzen Nachmittag und Abend trinkend und nuckelnd an meiner Brust und schlief schluchzend daran ein. Das hat mich schon zusätzlich mitgenommen, meine kleine Maus so schluchzen zu sehen. Ich denke, sie hat gespürt , dass heute irgendwas nicht stimmt und war dann so erschöpft, dass sie dann so tief an der Brust einschlief, dass sie dann dafür abends um 23 Uhr, als mein Mann schon weg war, hellwach wurde und mich mit ihrem unverwechselbaren Lächeln anschaute. So süß, das gab Kraft, doch war ich auch so müde, dass ich kaum Energie für sie aufbrachte. Viel an schlafen war dann nachts nicht zu denken, Mia hat die Nacht zum Tag gemacht und ich war kaum in der Lage, mich um sie zu kümmern. Es war für mich wirklich schlimm. Aber jetzt etwas medizinischer: Ihre Fragen kamen vor der OP zum Glück noch rechtzeitig an und ich konnte sie alle stellen. Der Abszess war von 7,5cm am Donnerstag dann schon auf 9cm am Freitagfrüh gewachsen. Deshalb ging es mir bestimmt auch so schlecht. Die gute Nachricht ist, dass mein Eileiter erhalten werden konnte. Es war keine reine Drainage, sondern eine Laparoskopie mit Spülung. Wann reicht denn normalerweise eine reine Drainage aus? Wenn nicht das gesamte Becken gespült wird? Und wann spült man nicht das gesamte Becken? Abstriche wurden intraoperativ wieder entnommen und eine neue Blutkultur angelegt. Bislang war die Blutkultur immer negativ, aber ich muss zugeben, je öfter es „Spitz auf Knopf“ steht, umso größer wird meine Angst vor einer Sepsis. Aber da müsste es mir doch noch deutlich schlechter gehen, oder? „Spürt“ man eine Sepsis nicht? Die Antibiotikatherapie wird angepasst falls sich beim Abstrich Keime ergeben sollten, die auf Imipinem nicht sensibel sind. Aber Imipinem ist doch schon sehr breit. Welche Keime gibt es denn überhaupt, die darauf nicht reagieren? Sind das nur vereinzelte? Die schlechte Nachricht ist, dass ich am Ende der Laparoskopie so stark blutete, dass mein Hb auf 6,5 abrutschte und ich eine Bluttransfusion benötigte und mich auch heute trotz häufiger Ringerlösung so richtig schwach und müde fühle. Ich habe auch weiterhin Fieber, zwischendurch Schüttelfrost und dauernd Schmerzen, aber wenigstens weniger als direkt vor der OP. Es geht mir besser als gestern vor der OP, aber ich spüre trotzdem deutliche Symptome. Ich kann selbst nicht einordnen ob das einen Tag nach der OP vielleicht einfach wieder noch normal ist. Sie sagten ja auch, dass die Entzündungswerte 24-48 h nach OP oft sogar noch steigen. Jedenfalls fühle ich mich echt schlapp und noch kraftloser als vor der OP. Die OP und dieser Blutverlust haben mich viel Kraft gekostet. Ich verstehe gar nicht, wieso dieser Blutverlust bei mir immer wieder auftritt. Nach Mias Geburt hatte ich ja wegen einer Uterusatonie auch schon 700ml Blutverlust und brauchte Oxytocin. Dieses Mal waren es sogar 900ml Blutverlust und ich wachte mit kaltem Schweiß, einem Blutdruck von 85/55 und einem Puls von 120 auf und war schwindlig. Ich habe dann gleich eine Bluttransfusion erhalten und die Blutung konnte irgendwie gestoppt werden. Zum Glück! Aber ich weiß gar nicht, ob ich mal genauer nachfragen sollte, wieso das schon zum zweiten Mal passiert. Oder ist sowas einfach Pech? Oder ob es andere Fragen gibt, die ich hierzu stellen könnte? Mein Mann war bei mir und sagte mir heute, dass ihm echt Angst zumute wurde. Die neuen Blutwerte sind auch noch keinesfalls beruhigend, auch wenn sie 1-1,5 Tage nach OP noch normal sein mögen: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) Was sagen Sie zu diesen schlechten Werten? Kann das einen Tag nach OP eben noch normal sein? Heparin zur Thromboseprophyle ist angedacht. Ich habe mich danach erkundigt. Doch momentan ist man wegen der starken Nachblutung und auch wegen der vaginalen Blutung noch zurückhaltend. Doch die Nachblutung betraf ja nur den Tag der OP. Eigentlich sollte das doch jetzt kein Problem mehr darstellen. Was denken Sie? Macht es Sinn, nochmal zu fragen? Ich bemühe mich sehr, mehr zu trinken. Mir ist einfach so übel. Eiswürfel helfen ein bisschen. Das war ein guter Tipp. Ich bin gerade ehrlich durch und kann es kaum mehr aushalten krank zu sein, auf Besserung zu warten, meine Familie hängen zu lassen und doch sagen Sie mir so lieb, dass ich das schon ganz richtig mache. Danke! Sie machen mir Mut dass es normal ist, dass Mia so ist wie sie ist und gerade viel Nähe und die Brust sucht und ich mich von meiner Schwiegermutter vielleicht nicht ständig beleidigen lassen sollte. Ist es nicht deplatziert, mir am Tag nach der OP schon wieder neue Vorwürfe in Bezug auf Mia zu machen? Nun kam sie auf die Idee, dass Mia endlich alleine einschlafen könne müsste, ich sollte sie in ihrem Bett ablegen und wenn sie weinen würde, müsste sie eben lernen, dass ihr ja nichts passiert und irgendwann würde sie schon einschlafen. Ehrlich gesagt ist es nicht meine Meinung, dass ein 5 Monate kleines Baby schon ganz alleine einschlafen können muss und ich würde Mia allenfalls ablegen und in den Schlaf begleiten, aber sie niemals alleine weinend liegen lassen bis sie vor Erschöpfung schluchzend einschläft. Aber ich habe momentan keine Kraft für Experimente jeglicher Art. Ich bin froh, wenn ich mit mir selbst klarkommen und Mia einfach an der Brust einschläft. Und aus meiner Erfahrung mit unserem Großen mache ich mir wenig Sorgen, dass das Alleine Schlafen irgendwann klappt. Er schläft mit seinen 4 Jahren schon längst alleine in seinem Bett in seinem Zimmer und schläft auch alleine ein. Mia sei auch motorisch hinten dran, weil sie sich ja nur dreht, wenn etwas sie sehr dazu motiviert. Zum Beispiel wenn man ein für Mia interessantes Bild schräg hinter ihren Kopf stellt und es nicht reicht, den Kopf zu drehen um es richtig anzusehen, dreht sie sich auf den Bauch um. Aber sie tut es im Grunde nur, wenn sie aus Neugierde etwas sehen möchte. Laut meiner Schwiegermutter sei das zu wenig. Ich denke, Sie werden mir Recht geben, dass das völlig ok so ist? Mia liebt Ihren Spielebogen und kann sich damit bei guter Laune bestimmt schon 20 Minuten alleine beschäftigen. Das ist doch super, finde ich. Sie hat da nicht das Bedürfnis, sich dauernd zu drehen. Es ist doch auch in Ordnung, wenn wir sie immer wieder auf den Bauch legen und sie es nur selten alleine macht? Sie ist eben eher ruhiger und dafür gesprächiger. Es lernen ja auch nicht alle Kinder laufen bevor sie sprechen lernen. Wenn es anders herum ist, so what?! Dafür hat sie wirklich schon viel soziale Kompetenz. Sie erkennt alle ihr bekannten Gesichter, lacht immer fröhlich und schaut ihren großen Bruder immer an, als würde sie am liebsten gleich aufstehen und mitmachen.  Zum Schluss etwas Persönliches: Ich bin so dankbar, so liebe Menschen zu haben, die bei mir sind. Mein Mann war gestern den ganzen Tag bei mir, hat meine Tränen aufgefangen, meine Hand gehalten, mir gut zugeredet, sich um Mia gekümmert, damit ich nach der OP möglichst viel ausruhen und schlafen konnte und er hat wieder betont wie unersetzlich ich bin. Mia begrüßte mich zwar schluchzend nach meiner OP, doch als sie mich anlächelte mit ihrem breiten Grinsen an und anfing zu erzählen, wusste ich, jetzt geht es ihr wieder gut. Unser Großer brachte mir ein selbstgemaltes Bild, auf das er uns vier gemalt hat und drückte mich dazu gast fest. Und meine Mama schloss mich voll Erleichterung in ihre Arme. Und Sie schreiben mir so nett, dass Sie sich über ein Lebenszeichen freuen und an uns denken 🙂 Ich fühle mich zwar krank, aber nicht alleine. Das ist ganz toll. Und Mia grüßt Sie heute übrigens mit breiten Lächeln und einem „aröööööö“ zurück! Was das wohl wieder bedeutet? Wahrscheinlich so etwas wie „Unser Beistand aus der Ferne ist wirklich tip top!“ Ich melde mich wenn es mir möglich ist 🙂 Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein wunderschönes sonniges Wochenende!Tanken Sie ein paar Sonnenstrahlen für mich mit! 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Es freut mich sehr, wieder von Ihnen zu hören – und gleichzeitig tut es mir unendlich leid, was Sie in den vergangenen Tagen erneut durchmachen mussten. Ehrlich gesagt habe ich beim Lesen mehr als einmal geschluckt. Dass Sie trotz allem noch die Kraft finden, so aufmerksam zu beobachten, Fragen zu stellen und sogar anderen Menschen mit Wärme zu begegnen, verdient großen Respekt. Die Schilderung von Mia nach Ihrer Operation hat mich sehr bewegt. Ich kann gut nachvollziehen, dass Ihnen das durch Mark und Bein gegangen ist. Für ein fünf Monate altes Baby ist die Brust eben weit mehr als Nahrung. Sie ist Trost, Sicherheit, Geruch, Herzschlag, Nähe und die Gewissheit: “Mama ist wieder da.” Dass Mia nach der langen Trennung so intensiv trinken und nuckeln wollte und schließlich schluchzend an Ihrer Brust eingeschlafen ist, empfinde ich überhaupt nicht als Zeichen eines Problems, sondern als Ausdruck einer sehr sicheren Bindung. Sie hat dort genau das gesucht, was sie in diesem Moment gebraucht hat. Und als sie Sie später mit ihrem unverwechselbaren Lächeln angesehen hat, war das vermutlich ihre ganz eigene Art zu sagen: “Jetzt ist meine Welt wieder in Ordnung.” Solche Momente geben tatsächlich Kraft – selbst wenn man selbst kaum noch welche besitzt. Nun zu den medizinischen Fragen. Dass der Abszess innerhalb eines Tages von 7,5 auf 9 cm gewachsen ist, erklärt sehr gut, warum es Ihnen unmittelbar vor der Operation noch einmal so dramatisch schlechter ging. In dieser Situation war die Entscheidung zur erneuten Operation absolut richtig. Umso mehr freut es mich, dass der Eileiter erhalten werden konnte. Zu Ihrer Frage bezüglich einer Drainage: Eine reine Drainage genügt meist dann, wenn ein einzelner, gut abgekapselter Abszess vorliegt und die Entzündung sich nicht im gesamten kleinen Becken ausgebreitet hat. Sobald sich aber entzündliches Sekret oder Eiter frei in der Bauchhöhle befindet oder mehrere entzündete Areale bestehen, ist eine laparoskopische Sanierung mit ausgiebiger Spülung deutlich sinnvoller. Genau das scheint bei Ihnen der Fall gewesen zu sein. Ziel ist es, möglichst viel infektiöses Material zu entfernen und die bakterielle Last deutlich zu reduzieren. Ihre Sorge vor einer Sepsis kann ich sehr gut verstehen. Nach allem, was Sie schildern, spricht aber vieles dafür, dass Sie bereits intensiv behandelt werden, bevor eine unkontrollierte Blutstrominfektion entstehen kann. Dass die bisherigen Blutkulturen negativ geblieben sind, ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Eine Sepsis “spürt” man nicht anhand eines einzelnen Symptoms. Sie äußert sich vielmehr durch eine Kombination aus schwerem Krankheitsgefühl, Kreislaufinstabilität, Organfunktionsstörungen und typischen Veränderungen der Vitalparameter. Sie waren ohne Zweifel schwer krank, aber Sie befanden sich gleichzeitig bereits unter maximaler stationärer Überwachung und hochwirksamer antibiotischer Therapie. Genau dafür ist eine solche Behandlung da: um zu verhindern, dass sich eine Infektion weiter verselbstständigt. Imipenem gehört tatsächlich zu den breitesten Antibiotika, die wir zur Verfügung haben. Es deckt die allermeisten Erreger ab, die bei gynäkologischen Infektionen vorkommen. Es gibt zwar resistente Keime – beispielsweise einzelne multiresistente Pseudomonas-Stämme, Carbapenemase-bildende Enterobakterien oder manche Enterokokken –, diese sind aber insgesamt deutlich seltener. Deshalb ist es absolut sinnvoll, dass intraoperativ erneut Abstriche entnommen wurden. Falls tatsächlich ein ungewöhnlicher Erreger nachgewiesen wird, kann die Therapie gezielt angepasst werden. Der starke Blutverlust war natürlich eine zusätzliche enorme Belastung. Ein Hb-Abfall auf 6,5 g/dl erklärt sehr gut Ihren niedrigen Blutdruck, den schnellen Puls, den kalten Schweiß und die ausgeprägte Schwäche. Dass Sie unmittelbar transfundiert wurden, war völlig richtig. Ein Hb von 9,5 g/dl nach der Transfusion ist zunächst ein gutes Ergebnis. Warum es bei Ihnen bereits zum zweiten Mal zu einem größeren Blutverlust gekommen ist, würde ich tatsächlich ansprechen. Allerdings würde ich daraus zunächst keine grundsätzliche Blutungsneigung ableiten. Nach Mias Geburt lag eine Uterusatonie vor – das ist ein ganz anderer Mechanismus als eine Blutung im Rahmen einer entzündlich veränderten Operation. In stark entzündetem Gewebe sind die Blutgefäße deutlich stärker durchblutet und gleichzeitig wesentlich verletzlicher. Dadurch können Operationen technisch erheblich schwieriger werden. Trotzdem finde ich Ihre Frage absolut berechtigt. Sie dürfen ruhig nachfragen, wodurch die Blutung genau entstanden ist und ob man sie auf die ausgeprägte Entzündung zurückführt oder ob noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben. Ihre Laborwerte sehen auf den ersten Blick natürlich erschreckend aus. Man muss allerdings sehr genau unterscheiden zwischen den Werten vor der Operation und der Entwicklung danach. Die hohen Leukozyten- und CRP-Werte spiegeln zunächst die massive Infektion wider, die ja unmittelbar vor der Operation ihren Höhepunkt erreicht hatte. Zusätzlich führt jede Operation selbst noch einmal zu einer Entzündungsreaktion. Deshalb ist es tatsächlich häufig so, dass Leukozyten und CRP in den ersten 24 bis 48 Stunden nach einer Operation zunächst noch weiter ansteigen oder zumindest nicht sofort fallen. Entscheidend ist vielmehr, wie sich die Werte anschließend entwickeln und – mindestens genauso wichtig – wie es Ihnen klinisch geht. Dass Sie heute noch Fieber, Schmerzen und Schwäche verspüren, überrascht mich ehrlich gesagt nach dem, was Ihr Körper in den letzten Tagen durchmachen musste, überhaupt nicht. Zwei große Operationen innerhalb kurzer Zeit, eine schwere Infektion, ein Blutverlust von rund 900 ml mit Transfusion – das alles kostet den Organismus enorme Kraft. Natürlich müssen die Ärzte Sie weiterhin sehr aufmerksam beobachten. Aber einen Tag nach einer solchen Operation wäre ich von einem völlig beschwerdefreien Zustand eher überrascht. Besonders aufmerksam würde ich allerdings die Nierenfunktion weiter beobachten. Der Kreatininanstieg verdient Aufmerksamkeit, ebenso das leicht erhöhte Kalium. Ich bin sicher, dass Ihre behandelnden Ärzte dies ohnehin engmaschig kontrollieren und entsprechend reagieren. Wichtig ist weiterhin alles, was die Nieren unterstützt: ausreichende Flüssigkeitszufuhr – soweit es die Übelkeit zulässt –, stabile Kreislaufverhältnisse und die Behandlung der Infektion. Zur Thromboseprophylaxe sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Nach einer größeren Operation und bei längerer Immobilisation ist eine medikamentöse Prophylaxe grundsätzlich sehr sinnvoll. Unmittelbar nach einer starken Nachblutung wägt man allerdings das Blutungsrisiko gegen das Thromboserisiko sorgfältig ab. Da die eigentliche Nachblutung inzwischen offenbar gestillt ist, halte ich es durchaus für sinnvoll, noch einmal freundlich nachzufragen, wie der aktuelle Plan aussieht und wann die Heparingabe beginnen soll. Das ist eine absolut berechtigte Frage. Und nun zu Mia. Nein – ich halte es überhaupt nicht für angemessen, Ihnen am Tag nach einer solchen Operation Vorwürfe zu machen oder ausgerechnet jetzt grundlegende Erziehungsdiskussionen zu beginnen. Sie brauchen im Moment Unterstützung, Verständnis und Entlastung – keine zusätzlichen Erwartungen. Ein fünf Monate altes Baby muss keineswegs alleine einschlafen können. Dass Mia an der Brust einschläft, ist in diesem Alter völlig normal. Gerade nach den Ereignissen der letzten Tage würde ich ihr dieses Bedürfnis nach Nähe ganz bestimmt nicht verwehren. Sie hat eine enorme Verunsicherung erlebt und sucht jetzt verständlicherweise Sicherheit. Auch motorisch klingt das, was Sie beschreiben, überhaupt nicht besorgniserregend. Dass sie sich gezielt dreht, wenn etwas ihre Aufmerksamkeit weckt, zeigt ja gerade, dass sie diese Fähigkeit besitzt. Manche Kinder nutzen neue motorische Fähigkeiten sofort ständig, andere sehr selektiv. Beides ist normal. Dass Sie sie regelmäßig in Bauchlage fördern, reicht völlig aus. Es gibt keinen Grund, daraus einen Wettkampf zu machen. Ich musste übrigens lächeln, als Sie Mia beschrieben haben. Sie klingt tatsächlich eher wie eine kleine Beobachterin: ruhig, aufmerksam, kommunikativ und sehr sozial interessiert. Kinder entwickeln sich eben unterschiedlich. Manche sammeln zuerst motorische Meilensteine, andere scheinen zunächst die Menschen um sich herum zu studieren. Beides ist völlig in Ordnung. Und wissen Sie, was mich an Ihrer Nachricht besonders beeindruckt hat? Nicht nur, wie krank Sie sind. Sondern wie viel Liebe Sie trotzdem noch wahrnehmen können. Sie sehen Ihren Mann, der Ihre Hand hält und Ihnen immer wieder sagt, wie unersetzlich Sie sind. Sie sehen Ihren Sohn mit seinem selbstgemalten Bild der vierköpfigen Familie. Sie spüren die Umarmung Ihrer Mutter. Und Sie nehmen sogar noch wahr, dass ich mich über Ihr Lebenszeichen freue. Das zeigt mir etwas ganz Wichtiges: Sie sind zwar im Moment körperlich unglaublich erschöpft, aber Sie sind emotional keineswegs allein. Und genau das trägt Menschen oft durch die schwersten Zeiten. Bitte haben Sie weiterhin Geduld mit sich selbst. Sie lassen Ihre Familie nicht im Stich. Ganz im Gegenteil: Im Moment besteht Ihre wichtigste Aufgabe darin, zu überleben und gesund zu werden. Ihr Mann scheint das sehr gut verstanden zu haben. Und Ihre Kinder brauchen keine perfekte Mama – sie brauchen ihre Mama. Genau deshalb ist es jetzt richtig, alle Kräfte in Ihre Genesung zu investieren. Zum Schluss noch etwas ganz Wichtiges: Bitte richten Sie Mia aus, dass ich mich sehr über ihr “aröööööö” gefreut habe. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dies eindeutig Babyisch für “Viele Grüße zurück!” bedeutet. Vielleicht sogar mit einem kleinen Zusatz: “Ich passe gut auf meine Mama auf.” Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die nächsten Tage nun endlich die ersehnte Wende bringen, das Fieber nachlässt, die Schmerzen Schritt für Schritt weniger werden und die Laborwerte beginnen, in die richtige Richtung zu gehen. Ich denke weiterhin an Sie und Ihre Familie. Und Ihren Auftrag mit den Sonnenstrahlen nehme ich gerne an. Ich werde heute ein paar davon für Sie mittanken – in der Hoffnung, dass Sie sie schon bald selbst wieder genießen können. Mit den herzlichsten Grüßen und den allerbesten Wünschen für eine stetige Besserung Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich habe mich so sehr über Ihre herzliche Antwort gefreut! Man merkt in jeder Zeile, dass Sie ein großes Können haben, aber auch mit viel Herz dabei sind und wie Sie selbst schreiben, trägt genau so eine Herzlichkeit Menschen durch die größten Krisen. Und ich mag Ihre Sicht auf die Dinge. Sie ist so wunderbar warmherzig, verständnisvoll und pragmatisch. Ich erlebe es wirklich als besonders belastend so krank zu sein, weil ich täglich mehr merke, wie ich an meine Grenzen komme, mich überhaupt noch um Mia zu kümmern und gleichzeitig weiß ich, dass es irgendwie gehen muss. Mein Mann hatte mir nach der OP erzählt, dass es mit jeder Spritze mehr mit Pre Nahrung, die er Mia gab, immer schwieriger wurde, sie noch zum Trinken zu motivieren, mit jedem Mal reagiere sie suchender (nach der Brust) und es endete immer mehr mit Weinen. Durch viel Herumtragen konnte er Mia zwar lange Zeit irgendwie einigermaßen beruhigen, doch irgendwann war die Sehnsucht nach Mamas Brust doch zu groß. Ich habe wirklich großen Respekt, was mein Mann gerade leistet. Mich, Mia, der Große, die Arbeit. Am Wochenende holt er dann im Home Office noch das nach, was er zum Beispiel diesen Freitag nicht geschafft hat, weil er wegen der OP den ganzen Tag bei mir war. Er grüßt Sie übrigens wieder ganz herzlich! Mir geht es heute noch nicht wirklich besser als gestern, heute ist Tag 2 nach der OP. Die Ärzte geben dem Ganzen wieder bis Tag 3 nach der OP Zeit. Ist das richtig so? Ich habe weiterhin Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen, Übelkeit. Weniger als direkt vor der OP, aber gleich stark wie gestern und an den anderen Tagen. Die vaginale Blutung nervt mich noch dazu langsam tierisch und tut meinem Hb sicherlich auch nicht gut. Im Grunde hatte ich seit Mias Geburt nur wenige blutungsfreie Tage. Seit 5 Monaten! Und Tampons sind bestimmt weiterhin tabu? - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) Sehe ich es richtig, dass es mir ab morgen besser gehen sollte und die Werte sich dann auch bessern sollten? Ab welchen Werten ist die  eingeschränkt? Ab wann wird es kritisch/gefährlich?  Zur Thromboseprophylaxe habe ich heute erstmalig eine Heparinspritze bekommen. Ich hoffe, es wird die vaginale Blutung jetzt aber nicht noch mehr verstärken? Von einer Blutungsneigung war nicht die Rede, ich habe die Erklärung, warum ich so viel Blut verloren habe, ehrlich gesagt noch nicht ganz verstanden, aber es hieß etwas von einer undichten Naht. Aber hätte man sie dann nicht noch einmal nähen müssen? Ich muss wahrscheinlich noch einmal genauer fragen. Gibt es da bestimmte Tests, die gemacht werden sollten um eine Blutungsneigung dann auszuschließen?  Ich bin sehr froh, dass Sie mir in allen meinen Einschätzungen zu Mia recht geben. Vorhin hat meine Schwiegermutter sich wieder einen Faux Pas erlaubt. Wir können ihre „klugen“ Ratschläge einfach nicht mehr ertragen und fragen uns, ob wir ihr doch deutlicher verbieten sollten, Mia und mich zu besuchen. Sie selbst verhält sich nicht dazu überhaupt nicht vorbildlich. Sie wollte gestern mit meinem Mann und Mia gemeinsam etwas draußen mit dem Kinderwagen spazieren gehen und ließ sich von meinem Mann nicht sagen, dass sie doch bitte ihre nächste Zigarette anschließend rauchen sollte, aber nicht während sie den Kinderwagen schiebt. Sie respektiert einfach überhaupt keine Grenzen. Ich hoffe, das einmalige Passivrauchen draußen war für Mia nicht so tragisch? Ich bin ja froh, wenn Mia mal ein bisschen an die frische Luft kommt, doch nicht wenn Mia dann ihren Zigarettenrauch einatmet. Noch dazu kam sie heute mit starkem Husten zu Mia und mir. Mein Mann war gerade da und hat sie direkt auf ihr Husten angesprochen, woraufhin sie meinte, dass sie gestern schon Halsschmerzen hatte und heute kam Husten dazu. Sie hatte uns davon gestern nichts gesagt und nicht einmal gefragt, ob sie trotzdem kommen dürfte, eine Maske hatte sie auch nicht dabei und sowohl Mia genommen als auch keinen größeren Abstand zu mir eingehalten. Mein Mann hat sie heute mit Husten direkt nach Hause geschickt. Wenn ich zu meinen Unterleibsschmerzen auch noch Husten bekomme, weiß ich nicht, wie ich das aushalten soll. Mia hatte sie auch im Arm und ich hoffe, sie hat sie nicht angesteckt.Denken Sie auch, sie sollte mit Erkältungssymptomen momentan lieber nicht kommen? Mia stellt gerade irgendwie ihren Schlaf um und hat jetzt auf einmal noch längere Wachzeiten. Das ist zwar ein schönes Zeichen für ihre Entwicklung, doch für mich in meinem Zustand natürlich sehr anstrengend. Bis vor ein paar Tagen war sie noch alle 2 Stunden müde und brauchte einen 30-minütigen Schlaf und kam damit auf 4-5 Schläfchen am Tag. Gestern hat sie plötzlich nur noch 3 Schläfchen am Tag gemacht und die waren nicht gerade lang: einmal 30 Minuten und zwei Mal 35 Minuten. Das ist für ein 5-monatiges Baby schon wenig, oder? Ihre letzte Wachphase vor dem Schlafen am Abend war plötzlich fast 4 Stunden lang. Nachts schläft sie etwa 10,5 Stunden am Stück mit Still-/Trinkunterbrechungen. Insgesamt kommt sie meistens auf 12-13 Stunden Schlaf. Zum Schluss noch etwas persönliches: Es ging mir sehr ans Herz, dass es Sie beeindruckt, wie viel Liebe ich trotz allem noch wahrnehmen kann. Das ist für mich das Wichtigste der Welt. Ich habe wirklich das Gefühl, alle stützen mich und sind da und geben mir so viel Kraft, wie es nur geht, damit ich gesund werden kann. Es gibt eine Person, die mir eher Kraft nimmt als gibt … sie werden nicht drauf kommen wer das wohl ist… Vorhin hat mein Großer mich ganz fest in den Arm genommen und gefragt „Mama, wann wirst du wieder gesund? Spielst du dann wieder mit mir?“ Und Mia entdeckt gerade lautes Quietschen. Wenn ihr großer Bruder dann mitquietscht, ist das zwar für die Ohren anstrengend, aber irgendwie auch so schön zu sehen, wie die beiden Spaß miteinander haben. Und ich bin froh, dass Sie so gut Babyisch können und mir übersetzt haben, dass Mia mit ihrem „arööööö“ gesagt hat, dass sie gut auf mich aufpasst. Vielleicht können Sie mir ja auch übersetzen, was ihr „ammmmmmm“ zusammen mit einem großen Lächeln heute bedeutet hat, als ich ihr gesagt habe, dass Sie sich über ihr „arööööö“ sehr gefreut haben 😉 Und Ihre Sonnenstrahlen, die Sie mitgetankt haben, habe ich direkt warm gespürt. Wir vier senden Ihnen sonnige Sonntagsgrüße 🙂 Ich melde mich wenn es mir möglich ist 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ihre Nachricht hat mich wieder sehr berührt – und die sonnigen Sonntagsgrüße von Ihnen allen vier nehme ich sehr gerne an. Bitte grüßen Sie auch Ihren Mann ganz herzlich von mir zurück. Was er gerade leistet, verdient wirklich großen Respekt. Er kümmert sich um Sie, um Mia, um Ihren Großen, versucht seiner Arbeit gerecht zu werden und holt am Wochenende im Homeoffice nach, was unter der Woche liegen geblieben ist. Dass Sie das trotz Ihrer eigenen schweren Erkrankung so bewusst wahrnehmen, zeigt, wie eng Sie als Familie zusammenstehen. Ich möchte diesmal zunächst auf Ihre medizinische Situation eingehen. Ich würde aus Ihren Werten nicht ableiten, dass es Ihnen ab morgen zwangsläufig besser gehen muss. Nach einer größeren Operation können Fieber, Schmerzen und Entzündungswerte durchaus noch ein bis zwei Tage nachlaufen. Bei Ihnen betrachten wir aber nicht nur den normalen Verlauf nach einer Operation, sondern eine Kombination aus weiterhin bestehendem Fieber und Schüttelfrost, anhaltenden Schmerzen und Übelkeit, zuvor kontinuierlich steigenden Entzündungswerten sowie einer deutlichen Verschlechterung der Nierenfunktion. Der Kreatininanstieg von etwa 1,1 auf rund 2,0 mg/dl entspricht bereits einer akuten Einschränkung der Nierenfunktion. Das bedeutet keineswegs automatisch, dass Ihre Nieren dauerhaft geschädigt werden oder gar eine Dialyse notwendig wird. Es zeigt aber, dass Ihr Körper momentan erheblich belastet ist und dass die Ursache – Infektion, Flüssigkeitsmangel, Blutverlust, niedriger Blutdruck oder Medikamente – konsequent überwacht und behandelt werden muss. Das Kalium ist nur leicht erhöht und im Moment für sich allein noch kein kritischer Wert. Entscheidend ist aber, dass die Nierenfunktion und die Elektrolyte engmaschig kontrolliert werden. Auch Ihr Hämoglobin hat sich nach der Bluttransfusion erfreulicherweise zunächst stabilisiert. Jetzt kommt es darauf an, dass es nicht erneut absinkt und die Blutung langsam nachlässt. Ein ganz wichtiger Punkt ist mir aber noch: Sie müssen sich bewusst machen, dass Sie im Moment schwer krank sind. In den vergangenen Wochen haben Sie bereits fünf Operationen hinter sich gebracht. Hinzu kamen eine schwere Infektion, ein großer Tuboovarialabszess, eine Bluttransfusion, eine akute Einschränkung der Nierenfunktion und immer wieder Rückschläge. Ich glaube, wir alle – mich eingeschlossen – haben zu Beginn gehofft, dass sich die Situation schneller stabilisieren würde. Der bisherige Verlauf hat jedoch gezeigt, dass Ihre Erkrankung deutlich schwerer ist als zunächst angenommen. Deshalb dürfen Sie diese Situation nicht unterschätzen. Dass Fieber, Schmerzen und Entzündungswerte nur langsam zurückgehen, kann nach einer solchen Operation durchaus vorkommen. Es kann aber leider auch bedeuten, dass sich erneut ein Infektionsherd oder sogar wieder ein Abszess entwickelt oder dass die Infektion noch nicht vollständig beherrscht ist. Gerade deshalb werden Ihre Ärzte jetzt sehr genau beobachten, wie sich Ihr klinischer Zustand entwickelt und ob gegebenenfalls erneut eine Bildgebung notwendig wird. Ich möchte Ihnen damit keine Angst machen. Aber ich möchte, dass Sie die Ernsthaftigkeit Ihrer Erkrankung realistisch einschätzen. Sie haben in den letzten Wochen eine Erkrankung durchgemacht, die zeitweise lebensbedrohlich war. Jetzt geht es darum, Ihrem Körper endlich die Möglichkeit zu geben, sich vollständig zu erholen. Deshalb möchte ich Ihnen einen Rat geben, der vielleicht genauso wichtig ist wie jedes Antibiotikum: Sie müssen jetzt Kraft für sich selbst reservieren. Sie versuchen trotz allem immer noch gleichzeitig Mutter, Ehefrau, Organisatorin und Patientin zu sein. Das ist unglaublich beeindruckend – aber im Moment darf Ihre wichtigste Aufgabe auch einmal sein, einfach nur sich gesund pflegen zu lassen.  Alles, was Ihnen zusätzliche Kraft nimmt, sollte jetzt konsequent reduziert werden. Damit komme ich zu Ihrer Schwiegermutter. Ich glaube, Ihr Mann hat vollkommen richtig gehandelt, sie mit Husten wieder nach Hause zu schicken. Mit Halsschmerzen und Husten sollte sie weder Sie noch Mia besuchen. Sie brauchen jetzt wirklich keinen zusätzlichen Atemwegsinfekt. Auch das Rauchen während des Spaziergangs mit Mia finde ich nicht in Ordnung. Ein einmaliges Passivrauchen im Freien wird Mia sehr wahrscheinlich nicht geschadet haben. Trotzdem sollte in ihrer Nähe konsequent nicht geraucht werden. Noch wichtiger finde ich aber etwas anderes: Wenn Menschen Ihre Grenzen nicht respektieren oder Ihnen mehr Kraft nehmen als geben, dann dürfen Sie diese Besuche im Moment auch freundlich, aber klar begrenzen. Und wenn Ihre Schwiegermutter darüber beleidigt sein sollte, dann ist das jetzt wirklich zweitrangig. Ihre Gesundheit hat im Moment Vorrang. Sie brauchen Menschen, die Sie entlasten – nicht Menschen, die zusätzliche Diskussionen verursachen. Ich würde deshalb gemeinsam mit Ihrem Mann auch noch einmal überlegen, ob Sie sich für einige Tage oder Wochen nicht doch noch etwas mehr Unterstützung bei der Betreuung von Mia holen können. Ich weiß, wie schwer Ihnen dieser Gedanke fällt. Aber jede Stunde, in der Sie schlafen können, sich erholen können oder einfach einmal keine Verantwortung tragen müssen, hilft Ihrem Körper bei der Genesung. Sie kämpfen im Moment gegen eine Erkrankung, die deutlich schwerer verlaufen ist, als wir alle gehofft hatten. Deshalb dürfen Sie jetzt Hilfe annehmen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Vernunft. Zu Ihrer Frage nach den Tampons: Nein, ich würde weiterhin ausschließlich Binden verwenden. Nach einer solchen Operation und bei einer noch bestehenden Blutung sind Tampons derzeit nicht sinnvoll. Die Heparinspritzen sind trotz der Blutung grundsätzlich wichtig, weil Ihr Thromboserisiko durch Operation, Infektion und eingeschränkte Mobilität deutlich erhöht ist. Sollte die Blutung allerdings zunehmen, muss das Ihre behandelnde Mannschaft sofort wissen, damit täglich neu zwischen Blutungs- und Thromboserisiko abgewogen werden kann. Was Ihre Frage zur Blutungsquelle betrifft: Es lohnt sich, den Operateur noch einmal zu fragen, wo genau die Blutung entstanden ist und wie sie gestillt wurde. Eine „undichte Naht“ muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass erneut genäht werden musste. Oft gelingt die Blutstillung auch auf andere Weise. Lassen Sie sich das ruhig noch einmal erklären. Nun zu der kleinen Mia. Mit insgesamt etwa zwölf bis dreizehn Stunden Schlaf liegt sie für ihr Alter noch im Normbereich, wenn auch eher am unteren Ende. Dass sie mit fünf Monaten langsam längere Wachphasen entwickelt und von vier bis fünf Schläfchen auf drei Schläfchen umstellt, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Die fast vierstündige Wachphase am Abend erscheint mir allerdings noch recht lang. Vielleicht lässt sich dort irgendwann wieder ein kleines zusätzliches Nickerchen einschieben – wobei Mia vermutlich ihre ganz eigenen Vorstellungen davon hat. Und jetzt muss ich natürlich noch einmal meine Kenntnisse der Babysprache bemühen. Nach sorgfältiger Übersetzung bedeutet ihr fröhliches „ammmmmmm“ ungefähr: „Sag dem netten Dr. Gagsteiger, dass ich seine Nachricht verstanden habe. Ich passe weiterhin gut auf meine Mama auf. Aber jetzt hätte ich bitte gerne etwas Milch und anschließend eine wichtige Quietsch-Konferenz mit meinem großen Bruder.“ Dass Ihr Großer Sie gefragt hat: „Mama, wann wirst du wieder gesund? Spielst du dann wieder mit mir?“, hat mich sehr berührt. Kinder bringen die wirklich wichtigen Dinge oft mit wenigen Worten auf den Punkt. Ich wünsche mir sehr, dass genau das bald wieder möglich sein wird. Und noch etwas Persönliches: Sie schrieben, dass Sie trotz allem noch so viel Liebe wahrnehmen können. Ich glaube, genau das ist eine Ihrer größten Stärken. Viele Menschen würden in einer solchen Situation nur noch ihre Krankheit sehen. Sie sehen trotz allem Ihren Mann, Ihre Kinder, die kleinen schönen Momente und sogar noch Mias neues „Babyisch“. Das beeindruckt mich sehr. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass all diese Menschen ihre Liebe auch in Form von Entlastung zurückgeben dürfen. Sie müssen diese schwere Zeit nicht alleine tragen. Vielen Dank für Ihr Vertrauen. Es ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, Sie in dieser schwierigen Zeit zu begleiten. Medizin besteht für mich nicht nur aus Laborwerten, Ultraschallbildern und Leitlinien. Gerade in solchen Wochen braucht ein Mensch neben einer guten Behandlung auch Zuversicht, Verständnis und jemanden, der die Dinge ehrlich einordnet. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass sich in den nächsten Tagen endlich eine echte Trendwende zeigt – nicht nur bei den Laborwerten, sondern vor allem daran, dass Sie sich Stück für Stück wieder besser fühlen. Ich denke weiter an Sie und drücke Ihnen ganz fest die Daumen. Herzliche Grüße auch an Ihren großartigen Mann, Ihren Großen und die kleine Mia – die nach meiner Übersetzung gerade beschlossen hat, dass ihre Mama ganz schnell wieder gesund werden muss. Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, was soll ich sagen? Sie sind ungelogen der einzige Mediziner, den ich kenne, für den Medizin nicht nur irgendwelche wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse sind, sondern für den der Mensch als ganzheitliches Wesen zählt, zu dem der Körper genauso wie Herz und Seele gehören. Dass es Ihnen eine „Herzensangelegenheit“ ist, mir in dieser Zeit zu helfen, merkt man in jeder Zeile. Sie schreiben nicht einfach herzlos Fakten runter, bei Ihnen zählt der Mensch. Und das leisten Sie auch noch in Ihrer Freizeit. Das ist wirklich besonders. Sie sagen, es beeindruckt Sie, dass ich in meiner Situation auch noch Liebe wahrnehmen kann. Und uns beeindruckt, dass Sie innerhalb kürzester Zeit solch durchdachte, menschliche Antworten schreiben. In diesem Sinne auch wieder ganz herzliche Grüße von meinem Mann. Ich beginne mit dem Medizinischen. In der Nacht von Sonntag auf Montag ging es mir wieder recht schnell sehr schlecht (Schüttelfrost, 40 Fieber, unerträgliche Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, das ganze Programm.) und wieder wurde am frühen Montagmorgen ein Abszess (wieder fast 12 cm!) entdeckt und musste sofort operiert werden, da wieder eine Ruptur drohte und dieses Mal kommt es mir noch viel schlimmer vor: Es wurde leider der linke Eileiter entfernt und wieder der Bauchraum gespült. Neben der Angst, dass es gar nicht aufhören will, macht es mich unendlich traurig, dass es so weit kommen musste und meine Fruchtbarkeit nun für immer und ewig sehr eingeschränkt ist. Abgesehen davon ist es ja noch nicht einmal klar, welchen Schaden der verbliebene Eileiter, die Eierstöcke und die Gebärmutter am Ende von dieser schweren Krankheit genommen haben werden. Mein Mann ist momentan sowieso so „traumatisiert“ von dem ganzen Verlauf, dass er sich zum jetzigen Zeitpunkt kein drittes Kind vorstellen kann, doch Meinungen können sich auch wieder ändern und für mich ist es einfach schrecklich, einen Eileiter verloren zu haben. Die letzten intraoperativen Abstriche haben wieder dieselben Keime ergeben: Bacteroides fragilis, E.coli, Streptococcus pneumoniae und Klebsiella pneumoniae, zusätzlich aber auch Proteus vulgaris, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Imipinem wirkt dagegen nicht und ich bekomme zusätzlich noch Ceftriaxon. Macht das Sinn? Wieso werden es immer mehr verschiedene Bakterien? Ist Ceftriaxon stillgeeignet und schadet es den Nieren? Die Blutkultur war erfreulicherweise wieder negativ. Wir warten aber wieder auf die aktuellen intraoperativen Ergebnisse von gestern. - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) Wenigstens etwas positives: ich fühle mich zwar mit jeder OP schwächer und kraftloser, aber ich habe heute das erste Mal seit zwei Wochen das Gefühl, dass ich etwas weniger Schüttelfrost habe und die Temperatur steigt auch „nur“ auf 39 Grad. Vorher waren es immer über 39 Grad oder sogar 40. Ist das vielleicht ein mini mini winzig kleines gutes Zeichen? Und jetzt zu Ihrem eigentlichen Appell der letzten Nachricht: Ihre Worte, dass ich mehr Entlastung mit Mia und Menschen, die mich unterstützen brauche, haben mich sehr berührt.  Ich denke, mein Unterbewusstsein wusste die ganze Zeit schon, dass ich so schwer krank bin, dass es schon lebensgefährliche Phasen gab. Doch sich Lebensgefahr so deutlich vor Augen zu halten, macht auch große Angst und führt dann vielleicht auch zu einer gewissen Verdrängung. Sie haben da einen wichtigen Punkt getroffen, was dazu geführt hat, dass ich mit meinem Mann geredet habe, denn auch er ist schon seit einigen Tagen der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann, insbesondere was die Besuche seiner Mutter betrifft. Er hat ihr deshalb gesagt, dass wir vorerst keine Besuche von ihr wünschen. Natürlich hat sie schwer beleidigt reagiert und meinte, wir würden Ihre Unterstützung mit Mia nicht würdigen und wären unverschämt, ihr zu verbieten, ihre Enkeltochter zu besuchen. Aber die Ruhe ohne Ihre Kommentare ist jetzt schon fantastisch. Mein Mann, meine Mutter und mein Vater versuchen ab jetzt im Wechsel, mir nicht nur nachmittags, sondern auch noch vormittags Mia so viel wie möglich abzunehmen und sie mir nur zum Stillen zu geben oder wenn meine Sehnsucht nach Mia oder Mias Sehnsucht nach Mama zu groß wird. Mir fällt das schon sehr schwer, sie so oft abzugeben, doch Sie haben natürlich auch recht, dass ich einfach mehr Ruhe und Schlaf benötige um gesund zu werden. Doch ich merke einfach, wie die ganze Familie an ihre Grenzen kommt fühle mich schuldig. Mein Mann, der den Großen und die Arbeit zusätzlich noch hat, meine Eltern, die meine über 90-Jährige schwer kranke Oma pflegen und dann noch ich. Und es kommt auch immer wieder vor, dass meine Mutter oder mein Vater mir Mia dann weinend zurückbringen, weil sie entweder an die Brust möchte oder sich einfach nach Mama sehnt. Das geht mir dann wieder durch Mark und Bein. Sehr arg gefreut habe ich mich, dass meine Nachsorgehebamme mich heute im Krankenhaus besucht hat. Sie hatte Kontakt zu mir gehalten und mir immer wieder geschrieben und gefragt, wie es mir geht. Sie meinte heute, ich sollte unbedingt weiterhin nur über die Seite aufstehen, weil zusätzlich zu allem meine Rektusdiastase noch immer 3 Finger breit ist (nach der Geburt waren es 3-4 Finger). Denken Sie, das ist auch durch die schwere Krankheit bedingt, dass sie nicht so richtig kleiner wird? Ist es ein sehr schlechtes Zeichen? Ich habe mich mit ihr auch über den Beikoststart bei Mia unterhalten, weil die Kinderärztin ja sehr merkwürdige Behauptungen geäußert hat („Je früher, desto mehr Obst und Gemüse essen die Kinder später“, Reifezeichen ignoriert sie und meint „Das Baby muss nur Hunger haben“). Sie meinte, die Kinderärztin sei überhaupt nicht up to date mit ihrer Empfehlung, denn nach der neuen S3 Leitlinie soll Beikost nicht vor 6 Monaten gegeben werden, weil Darm und Nieren vorher nicht bereit wären, man dürfte sogar bis max. zum 8. Lebensmonat erst beginnen, wenn das Kind keine Reifezeichen zeigt. Ehrlich gesagt finde ich das beruhigend, denn Mias Zungenstoßreflex ist noch immer ausgeprägt, sie kann nicht sitzen und sie interessiert sich noch gar nicht für Essen. Außerdem sind gerade alle zu 100% ausgelastet und keiner hat gerade Nerven dafür, jetzt auch noch mit Beikost bei Mia zu starten. Wir sind alle froh, dass es mit meiner Muttermilch und den Pre Nahrung Spritzen momentan einigermaßen gut läuft. Denken Sie auch, wir können uns damit noch Zeit lassen? Und zum Schluss wieder noch etwas Persönliches: Ihre „ammmmmm“ Übersetzung war offensichtlich sehr treffend, denn Mia passt gut auf mich auf und genießt gerade täglich ihre Quietsch-Konferenzen mit ihrem großen Bruder. Sie entdeckt gerade gefühlt sämtliche Laute, die sie mit ihrem Mund produzieren kann und lacht dann anschließend selbst darüber und strampelt ganz aufgeregt und stolz und grinst dabei, um uns zu zeigen, was sie da tolles zu Stande gebracht hat. Das ist so goldig. Auch dieses „Himbeerblasen“/Prusten liebt sie gerade und die Speichelblasen laufen ständig bis zum Hals hinunter. Manchmal finde ich es unglaublich, wie entspannt sie ist und alle anlächelt und um den Finger wickelt. Auf Station lieben sie alle. Jetzt werden Sie wieder denken, wie ich trotz Krankheit noch so hin und weg von meiner kleinen Maus sein kann. Vielleicht ist es aber genau das, was mir so viel Kraft gibt. Mia schickt Ihnen heute deshalb ein prustendes „abwwwwwww“ mit vielen Speichelblasen, damit Sie wieder was auf Babyisch zu übersetzen haben 😉 Mia wächst ja zweisprachig auf (neben Deutsch noch Französisch), doch ich glaube es muss entweder Babyisch oder doch eher Miaisch sein 😉 Ich freue mich jedenfalls sehr auf Ihre Übersetzung in welche Sprache auch immer (das dürfen Sie sich aussuchen) und sende Ihnen die herzlichsten Grüße von uns vieren! Ich melde mich wann immer es mir irgendwie möglich ist!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sie kämpfen derzeit um Ihr Leben. Das ist keine harmlose Erkrankung und auch keine Situation, die man allein mit Geduld, Durchhaltevermögen und familiärer Improvisation bewältigen sollte. Der erneute fast 12 cm große Abszess, die drohende Ruptur, die erneute Notoperation, die Entfernung des linken Eileiters, die wiederholten Spülungen des Bauchraums, die steigenden Entzündungswerte, die Blutarmut und die zunehmende Einschränkung der Nierenfunktion zeigen, wie schwer und gefährlich der Verlauf weiterhin ist. Es tut mir sehr leid, dass der linke Eileiter entfernt werden musste. Ich verstehe, dass Sie das nicht nur als medizinischen Eingriff, sondern auch als Verlust eines Teils Ihrer Fruchtbarkeit erleben. Diese Trauer ist völlig nachvollziehbar. Gleichzeitig war die Entfernung in dieser konkreten Situation sehr wahrscheinlich notwendig, um Ihr Leben zu schützen. Bei einem erneut fast 12 cm großen, rupturgefährdeten Abszess musste die Infektionsquelle möglichst konsequent beseitigt werden. Was Ihre spätere Fruchtbarkeit betrifft, lässt sich heute noch keine abschließende Aussage treffen. Viele Frauen können auch mit nur einem Eileiter spontan schwanger werden. Entscheidend wird sein, wie sich der verbliebene Eileiter, die Eierstöcke und die Gebärmutter nach vollständiger Ausheilung darstellen. Das sollte erst dann beurteilt werden, wenn die akute Erkrankung wirklich überwunden ist. Im Moment hat Ihre Genesung absolute Priorität. Die nachgewiesenen Keime passen grundsätzlich zu einer schweren polymikrobiellen Infektion des kleinen Beckens und des Bauchraums. Bacteroides fragilis, E. coli, Klebsiella pneumoniae und Proteus vulgaris gehören zu den Erregern, die aus dem Darm- und Genitalbereich stammen und bei komplizierten Abszessen gemeinsam auftreten können. Dass in späteren Abstrichen zusätzliche Keime gefunden werden, bedeutet nicht zwingend, dass ständig neue Bakterien hinzukommen. Es kann auch daran liegen, dass nicht alle Erreger bei jeder Probe nachgewiesen werden, dass sich ihre Menge verändert oder dass einzelne Bakterien unter der bisherigen Antibiotikatherapie stärker hervortreten. Wenn Proteus vulgaris laut Antibiogramm gegenüber Imipenem nicht ausreichend empfindlich ist, kann die zusätzliche Gabe von Ceftriaxon durchaus sinnvoll sein. Entscheidend ist aber das vollständige Resistenzmuster aller nachgewiesenen Keime und eine möglichst enge infektiologische Mitbeurteilung. Ceftriaxon gilt im Allgemeinen als mit dem Stillen vereinbar. Es gehen nur geringe Mengen in die Muttermilch über. Beim Kind können gelegentlich weichere Stühle oder eine vorübergehende Veränderung der Darmflora auftreten. Eine ausgeprägte direkte Nierenschädigung durch Ceftriaxon ist eher selten. Ihre deutlich angestiegenen Kreatininwerte müssen dennoch sehr ernst genommen werden. Wahrscheinliche Ursachen sind die schwere Infektion, wiederholte Operationen, Kreislaufbelastungen, Flüssigkeitsverschiebungen und möglicherweise weitere Medikamente. Bei einem Kreatinin von etwa 2 mg/dl sollte die Nierenfunktion engmaschig überwacht und möglichst auch nephrologisch mitbetreut werden. Dazu gehören unter anderem Flüssigkeitsbilanz, Urinmenge, Elektrolyte und die Überprüfung aller Medikamente auf ihre Nierenverträglichkeit und notwendige Dosisanpassungen. Ihre Laborwerte zeigen leider sehr deutlich, dass die Infektion bis zur erneuten Operation nicht ausreichend kontrolliert war. Die stetig steigenden Leukozyten- und CRP-Werte sprechen dafür, dass weiterhin ein erheblicher Entzündungsherd vorhanden war. Dass jetzt operiert und der betroffene Eileiter entfernt wurde, war daher vermutlich unvermeidbar. Dass Sie heute etwas weniger Schüttelfrost haben und die Temperatur nicht mehr bis 40 Grad, sondern „nur“ noch bis etwa 39 Grad steigt, kann ein erstes kleines günstiges Zeichen sein. Es ist jedoch noch keine Entwarnung. Gerade nach einem solchen Verlauf müssen der klinische Zustand, die Temperatur, die Schmerzen, die Kreislaufverhältnisse, die Urinmenge sowie CRP, Leukozyten, Hämoglobin und Nierenwerte über mehrere Tage gemeinsam beurteilt werden. Trotzdem darf man vorsichtig hoffen, dass die erneute Operation nun eine entscheidende Infektionsquelle beseitigt hat. Ich bin sehr erleichtert, dass Sie und Ihr Mann die Besuche Ihrer Schwiegermutter zunächst gestoppt haben. In Ihrer jetzigen Situation muss jede vermeidbare körperliche und seelische Belastung ausgeschaltet werden. Ob jemand darüber beleidigt ist, darf momentan keine Rolle spielen. Sie benötigen Ruhe, Schlaf und eine möglichst konfliktfreie Umgebung. Dass Ihr Mann und Ihre Eltern nun versuchen, Ihnen Mia häufiger abzunehmen, ist richtig und notwendig. Gleichzeitig zeigt Ihre Schilderung deutlich, dass Ihre gesamte Familie bereits an ihre Belastungsgrenzen kommt. Deshalb sollte jetzt nicht mehr versucht werden, alles ausschließlich innerhalb der Familie aufzufangen. Jetzt muss man sich rasch um zusätzliche professionelle Unterstützung kümmern. Jedes Krankenhaus hat hier entsprechendes sachkundiges Personal. Denkbar wären eine Haushaltshilfe, eine Familienpflegerin oder – bei längerfristigem Bedarf – auch ein zuverlässiges Au-pair-Mädchen über eine seriöse Vermittlungsagentur. Es gibt gute Agenturen, die verlässliche Au-pairs vermitteln. Wenn es finanziell möglich ist, wäre auch eine privat eingestellte Haushaltshilfe eine große Entlastung. Besonders wichtig ist, dass Ihr Mann sich umgehend bei Ihrer Krankenkasse erkundigt. Bei einer schwer erkrankten Mutter und kleinen Kindern kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Haushaltshilfe oder Familienpflege von der Krankenkasse übernommen werden. Häufig wird hierfür eine ärztliche Bescheinigung benötigt, aus der hervorgeht, dass Sie den Haushalt und die Versorgung der Kinder krankheitsbedingt nicht übernehmen können. Ihr Mann sollte dies nicht aufschieben, sondern möglichst sofort mit der Krankenkasse, dem Sozialdienst des Krankenhauses und gegebenenfalls dem Jugendamt oder örtlichen Familienpflegediensten klären. Auch Ihre Eltern könnten bei den Telefonaten und Anträgen helfen. Bitte legen Sie diese organisatorische Aufgabe nicht zusätzlich auf Ihre eigenen Schultern. Wir leben in einem Land, in dem für solche schweren familiären Ausnahmesituationen Hilfen vorgesehen sind. Diese Unterstützung anzunehmen ist kein Versagen, sondern vernünftig und notwendig. Ihre Familie darf nicht vollständig zusammenbrechen, während alle versuchen, irgendwie weiterzufunktionieren. Sie geben Mia auch nicht einfach „ab“. Sie geben sie in vertraute und liebevolle Hände, damit Sie schlafen, sich erholen und gesund werden können. Das ist derzeit ein wesentlicher Teil Ihrer Behandlung. Ihre wichtigste Aufgabe ist im Moment nicht, allen gerecht zu werden, sondern zu überleben und wieder gesund zu werden. Die Rektusdiastase von etwa drei Fingerbreiten ist unter diesen Umständen kein überraschender und auch kein besonders beunruhigender Befund. Schwangerschaft, Geburt, mehrere Bauchoperationen, schwere Entzündungen, Blutverlust, körperliche Schwäche und lange Immobilität verzögern die Rückbildung erheblich. Es ist sinnvoll, weiterhin über die Seite aufzustehen und die Bauchdecke zu schonen. Eine gezielte Rückbildung oder Physiotherapie sollte erst begonnen werden, wenn Ihr Allgemeinzustand stabil ist und die behandelnden Ärzte dies erlauben. Beim Thema Beikost besteht ebenfalls kein Grund, jetzt zusätzlichen Druck aufzubauen. Wenn Mia noch einen deutlichen Zungenstoßreflex zeigt, sich kaum für Essen interessiert und noch keine ausreichenden Reifezeichen erkennen lässt, können Sie sich noch Zeit lassen. Solange sie mit Muttermilch und Pre-Nahrung gut versorgt ist und altersgerecht gedeiht, muss die Beikost nicht ausgerechnet während Ihrer schwersten Krankheitsphase begonnen werden. Der Zeitpunkt sollte sich am Kind und nicht an starren Vorstellungen orientieren. Und Mias prustendes „abwwwwwww“ würde ich diesmal so übersetzen: „Mama soll jetzt schlafen, essen, sich helfen lassen und endlich gesund werden. Papa und die anderen Erwachsenen sollen die Organisation übernehmen. Ich kümmere mich in der Zwischenzeit um das Lächeln, das Strampeln und die Speichelblasen.“ Das ist vermutlich tatsächlich Miaisch – mit deutschem Nachdruck und französischem Charme. Mit sehr herzlichen Grüßen an Sie, Ihren Mann, den großen Bruder und natürlich an Mia Ihr Dr. Gagsteiger


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Wir bedanken uns ganz herzlich für ihre offenen und ehrlichen  Worte und die ganz pragmatischen Tipps zu Hilfsangeboten. Ich fühle mich zwar noch sehr kraftlos, habe aber heute seit zwei Wochen endlich das Gefühl, dass es einen ganz kleinen Schritt in die richtige Richtung geht. Ich habe das erste Mal erst nach ungefähr 6 Stunden wieder Schüttelfrost und nicht schon nach 4-5 Stunden. Die Schmerzen sind minimal besser und die Entzündungswerte gehen ganz leicht zurück. Das macht mir heute so viel Hoffnung! Und trotzdem habe ich das Gefühl, meine kleine heile Welt zerbricht gerade in 1000 Scherben. Und das Schlimmste ist für mich, dass ich glaube, auch meine Kinder merken das. Mia hat sich heute schon mehrmals beim Einschlafen im Kinderwagen mit meiner Mutter so eingeschrien, dass sie wirklich kreischend und schluchzend nur an der Brust einschlafen konnte, als ob sie sagen wollte „Mama, bleib bei mir!“. Und der Große fragte heute weinend wann ich endlich nach Hause kommen würde. - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) Wie sehen Sie das? Und ja, nephrologisch werde ich mitbetreut. Für Ihre ehrlichen Worte danke ich Ihnen sehr. Gleichzeitig realisiere ich mit jedem Tag, jeder Operation, jedem Schüttelfrost mehr, dass mein Leben in Gefahr ist und dann bekomme ich richtig Panik. Ich denke an meine beiden kleinen Kinder, die ohne mich nicht können, der Große, für den eine Welt zusammenbrechen würde, die kleine Mia, die noch so winzig klein ist und meinen Mann, für den ich „unersetzbar“ bin. Aber auch an mich selbst denke ich und will noch so viel erleben. Bei dem Gedanken, um mein Leben zu kämpfen, wird mir ganz schlecht und heiß und die Tränen laufen. Mein Mann richtet Ihnen wieder einen herzlichen Gruß aus und ein Dankeschön. Er kümmert sich heute gleich um Anrufe für eine Haushaltshilfe. Er hat gar nicht lange gezögert, als er Ihren Vorschlag gelesen hat. Darf ich Sie noch fragen, was Sie mit Mia machen würden, wenn sie gerade etwas Verstopfung hat? Normalerweise hat sie etwa alle 2 Tage Stuhlgang, was laut meiner Hebamme bei Stillkindern in Ordnung ist. Aber jetzt hat sie schon seit 6 Tagen keinen Stuhlgang gehabt und es hieß, ab 10 Tagen sollte man damit den Kinderarzt aufsuchen. Meine Mutter probiert bei Mia immer, sie mit dem Fieberthermometer zu „kitzeln“. Doch eigentlich soll man das ja nicht machen? Kümmelzäpfchen probieren? Oder gibt es andere Mittel? Und zum Schluss noch etwas Persönliches: Mias nachdrückliches und gleichzeitig charmantes „abwwwwww“ haben Sie sehr gut und verständlich übersetzt 😉 Sie sprechen aber gut Miaisch 😉 sie grüßt Sie heute mit „allllllllll“ und einem ganz breiten Lächeln und sagt „Ich will meine Mama behalten. Ich kuschel mich ganz eng an ihre Brust, da geht es mir gut.“ Herzliche Grüße von uns allen! Ich melde mich wenn es mir möglich ist.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre ausführliche Nachricht. Ich habe sie mehrmals gelesen. Es freut mich sehr, dass Sie heute zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl haben, einen ganz kleinen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Nach allem, was Sie in den letzten Wochen durchgemacht haben, ist jeder kleine Fortschritt von großer Bedeutung. Auch Ihre Laborwerte passen vorsichtig zu diesem Eindruck. Das CRP ist erstmals von 115,1 auf 106 mg/l gefallen und auch die Leukozyten sind zumindest leicht rückläufig. Das sind noch immer deutlich krankhafte Werte, aber sie zeigen, dass die Entwicklung möglicherweise endlich in die richtige Richtung geht. Entscheidend ist jetzt, dass dieser Trend in den nächsten Tagen anhält. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen, dass die Nierenfunktion mit einem Kreatinin um 2,0 mg/dl weiterhin deutlich eingeschränkt ist und deshalb die enge nephrologische Mitbetreuung sehr wichtig bleibt. Dass diese bereits erfolgt, beruhigt mich sehr. Ich möchte Ihnen aber auch sagen: Ihre Angst ist völlig nachvollziehbar. Sie haben inzwischen fünf Operationen hinter sich, wiederholt schwere Schüttelfrostanfälle erlebt und mussten erleben, wie sich die Entzündungswerte trotz aller Bemühungen zunächst weiter verschlechtert haben. Jeder Mensch würde in einer solchen Situation an seine Familie denken und Angst um sein Leben haben. Diese Gedanken machen Sie nicht schwach – sie zeigen nur, wie sehr Sie Ihre Kinder, Ihren Mann und auch Ihr eigenes Leben lieben. Dass Ihr kleiner Sohn fragt, wann seine Mama endlich wieder nach Hause kommt, und dass Mia so intensiv Ihre Nähe sucht, hat mich sehr berührt. Kinder spüren oft sehr genau, wenn etwas nicht stimmt. Gleichzeitig möchte ich Ihnen aber auch etwas Mut machen: Kinder besitzen eine erstaunliche Fähigkeit, schwierige Zeiten zu überstehen, wenn sie von liebevollen Menschen getragen werden. Ihre Mutter, Ihr Mann und Ihre Familie geben Ihren Kindern gerade genau diese Sicherheit. Und Ihre Kinder verlieren ihre Mama nicht, nur weil sie im Moment im Krankenhaus kämpfen muss. Im Gegenteil: Alles, was jetzt getan wird, dient dazu, dass Sie wieder gesund nach Hause kommen können. Es hat mich sehr gefreut zu lesen, dass Ihr Mann meinen Rat sofort umgesetzt hat und sich noch heute um eine Haushaltshilfe kümmern möchte. Genau so wünsche ich mir das. Bitte nehmen Sie jede Hilfe an, die Sie bekommen können. Eine Haushaltshilfe, vielleicht später auch ein Au-pair oder Unterstützung durch Familie und Freunde – all das ist jetzt keine Schwäche, sondern kluge Vorsorge. Ihre wichtigste Aufgabe ist im Moment nicht der Haushalt und auch nicht, allen gerecht zu werden. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, gesund zu werden. Zu Mia: Sechs Tage ohne Stuhlgang können bei einem voll gestillten Säugling durchaus noch normal sein, solange sie insgesamt einen guten Eindruck macht, ausreichend trinkt, gut zunimmt, einen weichen Bauch hat und keine Zeichen von Schmerzen, Erbrechen oder einen geblähten Bauch entwickelt. Viele voll gestillte Kinder haben nur alle fünf bis zehn Tage Stuhlgang. Das regelmäßige “Kitzeln” mit dem Fieberthermometer würde ich eher nicht empfehlen. Dadurch kann sich das Kind an diese Stimulation gewöhnen und der natürliche Entleerungsreflex gestört werden. Wenn Mia entspannt ist, gut trinkt und keine Beschwerden hat, würde ich zunächst einfach abwarten. Ein Kümmelzäpfchen kann bei Blähungen manchmal hilfreich sein, löst aber nicht zuverlässig eine Verstopfung. Sollte sie sich sichtbar quälen, einen harten Bauch bekommen, erbrechen oder nach etwa zehn Tagen weiterhin kein Stuhlgang erfolgt sein, würde ich sie kinderärztlich untersuchen lassen. Ihre Hebamme und der Kinderarzt können dann gemeinsam entscheiden, ob überhaupt eine Behandlung notwendig ist. Nach Ihrer Schilderung klingt das im Moment aber eher nach dem normalen Stuhlverhalten eines gestillten Säuglings. Und nun noch zu Mias wunderbarer Sprache. Dass sie heute “allllllllll” sagt und dabei so breit lächelt, konnte ich mir richtig vorstellen. Ich glaube, ich verstehe inzwischen tatsächlich ein klein wenig “Miaisch”. Meine Übersetzung lautet heute ungefähr so: “Liebe Mama, ich passe gut auf Dich auf. Ich warte auf Dich. Und wenn Du wieder da bist, hole ich alle Kuscheleinheiten nach, die uns gerade fehlen. Also werde bitte wieder gesund.” Ich wünsche mir sehr, dass genau das bald wieder möglich ist. Bitte kämpfen Sie jetzt weiter Schritt für Schritt. Nicht an die nächsten Monate denken, sondern immer nur an den nächsten Tag. Heute war ein kleiner Fortschritt. Morgen darf gerne der nächste folgen. Viele kleine Schritte ergeben irgendwann einen langen Weg zurück nach Hause. Richten Sie Ihrem Mann bitte meinen herzlichen Gruß aus. Ich habe großen Respekt davor, wie besonnen und entschlossen er diese schwierige Zeit mit Ihnen gemeinsam trägt. Sie beide sind ein beeindruckendes Team. Ich denke weiterhin an Sie und wünsche Ihnen von Herzen, dass aus diesem kleinen Hoffnungsschimmer in den kommenden Tagen eine stabile Besserung wird. Mit den besten Wünschen für Sie, Ihren Mann, den großen Bruder und die kleine Mia – und einem herzlichen Gruß zurück an die kleine Dame, die inzwischen schon erstaunlich gut “Miaisch” unterrichtet. Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich habe mich so über Ihre lieben Zeilen gefreut! Sie haben mir große Hoffnung gemacht, dass wir uns jetzt endlich wieder in die richtige Richtung bewegen. Vielleicht war die Entfernung des Eileiters leider einfach genau der Schritt, der für eine Besserung nötig war. Es tut mir zwar sehr weh, aber wenn es das war, was mir das Leben retten wird, dann ist es wohl mein Schicksal. Ich kämpfe weiter. Heute gehe ich den zweiten kleinen Schritt. Die Schrittgröße passt in etwa zu Mias Fußgröße. Mini klein. Aber so ist das wohl bei schwerer Krankheit. Man rutscht ganz schnell hinein und kommt aber nur ganz langsam wieder heraus. Ich denke, die Sie werden mir sagen, dass die Laborwerte auch heute in die richtige Richtung gehen. Bei meinem Befinden bin ich so unsicher, etwas hin- und hergerissen. Einerseits steigt das Fieber wirklich weniger schnell als noch vor 2 Tagen (so etwa alle 5-6 Stunden und vorher schon alle 4 Stunden), andererseits hatte ich heute Vormittag wieder so einen Moment, in dem es mir richtig schlecht ging. Aber vielleicht war das auch nur so, weil gerade mehreres auf einmal zusammenkam. Ich hatte gerade richtig üblen Schüttelfrost, gleichzeitig aber das Gefühl, eine ziemlich volle Binde zu haben. Als ich aufstand um sie zu wechseln, wäre ich vor Unterleibsschmerzen fast umgekippt. Laufen und Bewegung schmerzen gerade grundsätzlich besonders, aber in dem Moment war es sehr heftig. Mein Mann war zum Glück gerade da und hat mich dann gestützt und bis zur Toilette begleitet und anschließend hat er dann auch gleich geklingelt und Bescheid gegeben. Es wurde ein Ultraschall gemacht und darin nichts „neues“ festgestellt. Denken Sie, das ist ausreichend beruhigend? Jetzt am Nachmittag hat es sich wieder beruhigt. Was kann das wohl gewesen sein? Die Entzündungswerte bessern sich jedenfalls leicht: - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,6 (Do) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,0 (Do) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 95,7 (Do) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,06 (Do) Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,16 (Do) Mein Mann hat bereits mit der Krankenkasse telefoniert, Formulare ausgefüllt, den Sozialdienst kontaktiert und ist schon einen Schritt weiter, um eine Haushaltshilfe zu bekommen, doch ganz so schnell geht es anscheinend auch nicht. Wir werden uns das mit dem Au Pair Mädchen auch mal durch den Kopf gehen lassen. Vielleicht sucht mein Mann nach einem französischen Au Pair Mädchen um gleichzeitig die Zweisprachigkeit bzw. das Französisch unserer Kinder zu unterstützen. So wird aus Mias Miaisch vielleicht einmal nicht nur gutes Deutsch, sondern auch gutes Französisch wie es bei ihrem Bruder schon der Fall ist 😉 Französisch ist einfach seine schwächere Sprache, weil er im Kindergarten alles auf Deutsch erlebt und genau weiß, dass Mama und Papa auch Deutsch können. Er versteht alles, spricht aber meist nur Französisch, wenn er weiß, dass er anders nicht verstanden wird. Vielleicht könnte man so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mia hatte heute Termin beim Kinderkardiologen für einen Herzultraschall, um zu kontrollieren, ob sich das 1-2mm große Loch im Herz mittlerweile geschlossen hat. Das ist zum Glück der Fall. Darüber sind wir sehr froh. Er sagte, ihr Herz ist komplett gesund. Dass sie seit (jetzt) 7 Tagen noch keinen Stuhlgang hatte, beunruhigt mich deshalb, weil sie gerade auch schon wieder nur grenzwertig viel trinkt. Aus meiner Brust bekommt sie bei jedem Stillen nur noch 50ml und mit der Spritze trinkt sie dann gerade max. 20 ml nach. In 24 Stunden hatte sie gestern 8 Mal getrunken und kam insgesamt auf nur etwa 560ml am Tag, wobei das mit der Hebamme festgelegte Minimum bei 600ml liegt. Ist es unter diesen Umständen dann doch auffällig, dass sie schon seit 7 Tagen keinen Stuhlgang hatte, wenn sie sonst etwa alle 2 Tage Stuhlgang hat? Sie kratzt ja auch vom Gewicht immer an den unteren Perzentilen und verlässt ihre Perzentile nach wie vor.  Ihr Gewicht: Geburt (8.2.): 2920g U3 am 30.04.: 5,12kg U4 am 17.6.: 5,39kg 25.6.: 5,43kg 29.6.: 5,46kg 16.7.: 5,59kg  Das sind ja in 17 Tagen gerade mal 130g und damit ist sie auf der 3. Perzentile. Ich habe das Gefühl, dass sie sehr sensibel ist und merkt, dass es Mama nicht gut geht. Seit gestern kann sie auch auf einmal im Kinderwagen nicht mehr einschlafen. Sie schreit sich so langweilig, bis meine Eltern oder mein Mann sie zu mir bringen und sie sich an der Brust in den Schlaf nuckeln darf. Gestern habe ich sie einmal abgedockt um meine Brustwarzen zu schonen. Dann hat sie sich meinen Arm gesucht und dort so lange und stark gesaugt, bis sie mir einen „Knutschfleck“ gemacht hat. Ich glaube, ihr Saugbedürfnis ist auch einfach groß wie eben bei allen Babys. Meine Mutter hat dann nochmal versucht, ihr einen Schnuller zu geben, aber entweder sie spuckt ihn direkt aus oder sie fängt damit sogar an zu würgen. Im Moment geht zum Einschlafen also einzig und alleine viel Nähe und die Brust. Das stört mich gar nicht und es ist ja auch schön für mich, wenn ich wenigstens mit ihr kuscheln kann, ich hoffe nur, dass ich nicht nochmal operiert werden muss und nicht zur Verfügung stehe. Sie ist gerade so abhängig von mir. Aber wahrscheinlich haben Sie auch keine Idee wie man das anders lösen könnte? Mein Mann geht morgen mit ihr zur U5 und wird das Trinkproblem wieder ansprechen. Doch ich mache mir nicht viel Hoffnung, dass dieses Gespräch viel bewirkt, denn laut der Kinderärztin würde sich ja alles lösen wenn wir mal mit Beikost anfangen würden. Abgesehen davon ist Mia wirklich ein Anfängerbaby. Immer gut drauf, lächelnd, liegt einfach brav unter dem Spielebogen ohne zu meckern. Unser Großer sagte heute zu mir, dass er ihr süßes Geplapper und Lachen zu Hause vermisst und hat sie mit einem Kindergartenlied zum Lachen gebracht. Da ging mir das Herz auf. Der Große singt und die Kleine lacht richtig herzhaft mit Ton dazu!  Und zum Schluss wieder etwas Persönliches: Ich grüße Sie wieder ganz herzlich von meinem Mann und die kleine Mia sagt heute „maaaaaaaa“ und lächelt Sie wieder freudig an 😉 Ich bin auf Ihre Fortschritte in Miaisch neugierig 😉 Herzliche Grüße!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Haben Sie vielen Dank! Ich freue mich ehrlich über jeden kleinen Schritt, den Sie im Moment nach vorne machen. Und ich finde Ihr Bild sehr treffend: Die Schrittgröße entspricht im Moment ungefähr Mias Fußgröße. Genau so verläuft die Erholung nach einer so schweren Erkrankung häufig – winzige Fortschritte, die sich zunächst kaum bemerkbar machen und die erst rückblickend zu einem großen Weg werden. Ich glaube tatsächlich, dass die Entfernung des Eileiters ein entscheidender Wendepunkt gewesen sein könnte. Natürlich tut dieser Verlust weh, und das darf er auch. Aber wenn dieser chronisch entzündete Eileiter die Ursache dafür war, dass Ihr Körper nicht mehr zur Ruhe kommen konnte, dann war dieser Eingriff möglicherweise genau der Schritt, der notwendig war, damit Ihr Körper endlich beginnen kann zu heilen. Ihre Laborwerte machen mir vorsichtig Hoffnung. Besonders freut mich, dass sowohl die Leukozyten als auch das CRP erstmals kontinuierlich zurückgehen. Nach einem so schweren septischen Verlauf ist das kein kleiner Befund. Noch wichtiger ist allerdings, dass sich Ihr Fieberintervall verlängert. Dass Sie heute erst nach fünf bis sechs Stunden wieder Fieber bekommen haben und nicht mehr alle vier Stunden, ist ein klinisches Zeichen, das ich sogar höher gewichten würde als einzelne Laborwerte. Dass Sie heute Vormittag diesen heftigen Einbruch hatten, kann ich gut nachvollziehen. Nach einer großen Bauchoperation, einer schweren Entzündung und einer Blutung reichen manchmal schon mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig aus – Schüttelfrost, Aufstehen, Schmerzen, Kreislaufbelastung –, um einen solchen Moment auszulösen. Dass sofort ein Ultraschall durchgeführt wurde und dabei kein neuer Abszess, keine neue Blutung oder andere frische Komplikation gefunden wurden, empfinde ich durchaus als beruhigend. Natürlich muss man weiterhin aufmerksam bleiben, aber dieser Befund spricht zunächst gegen eine akute neue Verschlechterung. Ganz wichtig ist mir trotzdem eines: Bitte unterschätzen Sie Ihre Erkrankung weiterhin nicht. Sie kämpfen noch immer gegen eine schwere Infektion. Auch wenn die Richtung jetzt endlich besser aussieht, sind Sie noch längst nicht über den Berg. Deshalb gilt weiterhin alles, was wir bereits besprochen haben: jede unnötige körperliche Belastung vermeiden, konsequent Hilfe annehmen und jede Kraft, die eingespart werden kann, tatsächlich einsparen. Der Weg zurück wird leider nicht in Tagen, sondern wahrscheinlich eher in Wochen verlaufen. Ihre Nierenwerte beobachte ich ebenfalls mit Respekt. Das Kreatinin ist zwar erfreulicherweise stabil geblieben und steigt nicht weiter an, liegt aber weiterhin deutlich über dem Normalbereich. Auch Kalium und Harnstoff zeigen, dass sich Ihre Nieren noch nicht vollständig erholt haben. Gerade deshalb brauchen sie jetzt Zeit. Ich hoffe sehr, dass sich mit dem Rückgang der Entzündung auch die Nierenfunktion Schritt für Schritt wieder bessern wird. Es freut mich sehr, dass Ihr Mann bereits aktiv geworden ist. Das war genau der richtige Schritt. Eine Haushaltshilfe wäre im Moment eine enorme Entlastung. Die Idee mit einem französischen Au-pair finde ich übrigens ausgesprochen schön. Wenn sich daraus langfristig eine gute Betreuung und gleichzeitig ein natürlicher Kontakt zur französischen Sprache ergibt, könnte das tatsächlich für beide Kinder eine wunderbare Bereicherung sein. Aber bitte setzen Sie sich dabei nicht unter Zeitdruck. Im Moment geht es zunächst darum, möglichst rasch irgendeine zuverlässige Entlastung zu organisieren. Nun zu Mia. Die Nachricht vom Kinderkardiologen hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Dass sich das kleine Vorhofseptumdefekt beziehungsweise das winzige Loch inzwischen vollständig geschlossen hat und ihr Herz gesund ist, ist wirklich eine wunderschöne Nachricht. Bezüglich des Trinkens und des Gewichts verstehe ich Ihre Sorge allerdings gut. Die Gewichtszunahme von etwa 130 g in 17 Tagen ist tatsächlich eher am unteren Rand dessen, was man erwarten würde. Auch eine tägliche Trinkmenge von ungefähr 560 ml liegt etwas unter der Zielmenge, wenn Ihre Hebamme 600 ml als Mindestmenge festgelegt hat. Das allein bedeutet noch nicht zwangsläufig ein ernstes Problem, aber zusammen mit der flachen Gewichtskurve sollte es weiter aufmerksam beobachtet werden. Dass Mia jetzt seit sieben Tagen keinen Stuhlgang hatte, ist bei einem voll oder überwiegend gestillten Säugling zwar durchaus möglich. Manche gestillten Kinder haben nur einmal pro Woche oder sogar noch seltener Stuhlgang. Entscheidend ist aber immer das Gesamtbild. Wenn gleichzeitig wenig getrunken wird, die Gewichtszunahme eher knapp ausfällt und die Windeln insgesamt trockener werden sollten, würde ich das durchaus als Anlass sehen, morgen bei der U5 ganz gezielt noch einmal darauf hinzuweisen. Ich würde Ihren Mann bitten, die gesamte Gewichtsentwicklung und die Trinkmengen genauso strukturiert vorzulegen, wie Sie sie mir aufgeschrieben haben. Das macht oft mehr Eindruck als einzelne Momentaufnahmen. Ihr Stillproblem kann natürlich auch mit Ihrer schweren Erkrankung zusammenhängen. Ihr Körper musste in den vergangenen Wochen Unvorstellbares leisten. Dass die Milchmenge darunter leidet, überrascht leider nicht. Bitte machen Sie sich deswegen keine Vorwürfe. Und nun zu dem, was mich fast am meisten berührt hat. Dass Mia nur an Ihrer Brust einschlafen möchte, dass sie Ihren Arm sucht und sich dort fest saugt, ist aus meiner Sicht kein Zeichen, dass Sie etwas falsch machen. Im Gegenteil. Sie sucht Sicherheit, Wärme, Geruch, Herzschlag und Geborgenheit. Gerade weil Sie so lange getrennt waren und weil Babys unglaublich fein spüren, wenn ihre Mutter schwer krank ist, überrascht mich dieses Verhalten überhaupt nicht. Ehrlich gesagt glaube ich im Moment auch nicht, dass man dieses Bedürfnis “wegtrainieren” sollte. Wenn Sie da sind und die Kraft dafür haben, würde ich ihr diese Nähe schenken. Gleichzeitig finde ich es aber wichtig, dass Ihr Mann und Ihre Eltern weiterhin immer wieder ganz behutsam eigene Einschlafrituale ausprobieren – viel Körperkontakt, Tragen, Summen, Wiegen –, nicht weil sie Sie ersetzen sollen, sondern damit Mia langsam erlebt, dass auch andere Menschen ihr Sicherheit geben können. Das wird vermutlich Geduld brauchen. Ihr Großer hat mich ebenfalls tief beeindruckt. Dass er seine kleine Schwester mit einem Kindergartenlied zum herzhaften Lachen bringt, ist ein wunderschönes Bild. Solche Momente sind oft viel wertvoller als jedes Medikament. Sie zeigen, dass trotz allem Leben, Liebe und Familie noch da sind. Und jetzt muss ich natürlich noch auf Mia eingehen. Ich freue mich sehr über ihren Gruß. Wenn sie inzwischen schon „maaaaaaa“ sagt, dann macht sie in Miaisch deutlich größere Fortschritte als ich. Ich fürchte, ich spreche diese Sprache immer noch mit starkem schwäbischem Akzent. Vielleicht könnte unsere kleine Unterhaltung inzwischen ungefähr so aussehen: Sie: „Maaaaaa.“ Ich: „Das klingt ganz ausgezeichnet. Ich glaube, Sie haben gerade Ihrer Mama gesagt, dass sie weiter kämpfen soll.“ Darauf würde Mia vermutlich herzlich lachen – und ich ehrlich gesagt auch. Nun habe ich den Eindruck, dass sich das Blatt ganz langsam zu Ihren Gunsten wendet. Bitte erwarten Sie jetzt keine großen Sprünge. Nach einer derart schweren Erkrankung sind Millimeter oft schon ein großer Erfolg. Gehen Sie diese kleinen Schritte weiter – einen nach dem anderen. Und wenn ein Tag einmal wieder schlechter ist, bedeutet das nicht automatisch einen Rückschritt. Die Gesamtrichtung ist entscheidend. Und die zeigt im Moment glücklicherweise vorsichtig nach oben. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die Laborwerte morgen diesen positiven Trend bestätigen, dass die U5 hilfreiche Impulse für Mia bringt und dass Sie in den nächsten Tagen wieder einen weiteren kleinen Schritt machen können – vielleicht dann schon einen Schritt, der nicht mehr nur Mias Fußgröße hat, sondern vielleicht schon die eines Kleinkindes. Und richten Sie Ihrem Mann bitte meinen herzlichen Dank aus. Was er im Moment leistet, ist außergewöhnlich. Ebenso grüße ich Ihre Eltern ganz herzlich, die Sie so engagiert unterstützen. Und der kleinen Mia sende ich einen ganz lieben Gruß zurück – verbunden mit der Bitte, ihre Mama weiterhin jeden Tag mit einem Lächeln zu belohnen. Das ist im Moment wahrscheinlich die schönste Medizin, die es gibt. Ich denke weiterhin fest an Sie.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Sie haben mir mit Ihrer letzten Nachricht mehrmals ein großes Lächeln ins Gesicht gezaubert 🙂 Ihre Ermutigungen, Ihre netten Zeilen und natürlich Ihr  sind so nett! 😉 Ich glaube Ihre Medizin besteht auch darin, mich immer wieder zwischendurch zu erheitern. Das gelingt Ihnen ausgezeichnet 😉 Mir geht es mal so und mal so. Das Schüttelfrostintervall ist zwar insgesamt schon länger geworden (von alle 4-5 auf alle 6 Stunden), aber seit ein paar Tagen stagniert es dort und ich wünschte mir einfach mal einen halben Tag ohne Schüttelfrostattacken. Das ist so anstrengend und mir geht es jedes Mal so schlecht dabei. Die Schmerzen sind dann auch immer am schlimmsten und ich liege wie ein Häufchen Elend im Bett und warte, dass es besser wird. Ich weiß, Sie sagten, die Schritte sind klein, klein wie Mias Füße oder vielleicht wie die von ihrem Bruder. Aber momentan stagniert es so. Auch gehen die Entzündungswerte zwar weiter etwas runter, aber meine Nierenwerte verbessern sich nicht. Das beängstigt uns und wir wollten Sie gerne fragen ob Sie eine Idee haben, was wir die Nephrologen fragen können und worauf es ankommt. Woran liegt das nur? Und ist es wirklich normal, dass die Entzündungswerte nur langsam fallen? Sollte es nicht schneller gehen? Die Ärzte sind darüber auch nicht begeistert und eine weitere Spülung des Bauchraums ist im Gespräch. Das macht mir große Angst und ich weiß nicht ob Sie auch dazu den Ärzten bestimmte Fragen stellen würden? - Hb: 9,4 -> 9,5 (Mo vor Entlassung) -> 9,6 (Di bei FÄ) -> 9,7 (Fr bei FÄ kurz vor Eiseninfusion) -> 9,8 (Mo) -> 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) + Leukozyten: 13,2 -> 11,9 (Mo vor Entlassung) -> 10,9 (Di bei FÄ) -> 10,8 (Fr bei FÄ) -> 11,5 (Mo) -> 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) + CRP: 19,9 -> 11,1 (Mo vor Entlassung) -> 6,3 (Di bei FÄ) -> 6,1 (Fr bei FÄ) -> 12,4 (Mo) ->  13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) Fällt Ihnen sonst etwas auf? Und auch sonst ist gerade zu viel los: Meine Schwiegermutter hat mit ihrem Husten tatsächlich unseren Großen angesteckt und er hustet gerade so schlimm und wieder so kruppartig, dass er sich letzte Nacht übergeben hat und panisch geweint hat. Mein Mann sagt, er hustet fast minütlich. Letzte Nacht hat er ihm deshalb ein Klimascort Zäpfchen gegeben. Wir haben noch zwei zu Hause gehabt, die uns die Kinderärztin mal verschrieben hatte. Mein Mann kommt fast gar nicht zum Schlafen, weil der Große durch den Husten so schlecht schläft, dass er ihn dauernd weckt. Mit Zäpfchen war es wohl zumindest besser, aber trotzdem musste er immer wieder husten. Jetzt muss er tagsüber auch noch den Großen versorgen, weil er so nicht in den Kindergarten kann. Er ist nämlich auch total platt und hat 38. Mein Mann ist nervlich gerade am Ende und stinksauer, dass meine Schwiegermutter niemandem von ihren Halsschmerzen erzählt hatte und erst heim ging als mein Mann sie mit Husten heimgeschickt hatte. Da hatte sie anscheinend schon unsere beiden Kinder angesteckt. Mia hatte bei der U5 am Freitag schon einen geröteten Hals laut Kinderärztin und seit letzter Nacht ist ihre Nase so verstopft, dass sie mich ganz oft weckt und dann auch nicht mal richtig trinken möchte. Wenn sie aus der Brust trinkt, höre ich ihre verstopfte Nase, die kaum Luft kriegt. Ich schlafe dadurch gerade wieder sehr schlecht. Aber wer soll mir Mia nachts auch noch abnehmen? Normalerweise schläft sie mit zwischendurch Stillen nachts ganz gut. Jetzt ist das auch noch schlecht. Und heute läuft ihr fast pausenlos die Nase und wir müssen sie dauernd putzen. Es fehlt nur noch, dass sie mich in meiner Verfassung auch noch ansteckt oder es ihr noch schlechter geht und sie nur noch an mir und/oder der Brust hängt. Wobei ich damit fast rechne, so nah wie sie mir kommt. Alle sind am Limit der Belastungsgrenze und meine Schwiegermutter schafft es selbst mit ihrer Abwesenheit noch dazu beizutragen, dass man sauer auf sie ist. Mein Mann kann nicht auch noch nachts bei uns sein, er hat schon den Großen. Meine Eltern übernehmen auch schon so viel. Morgen kommt eine Freundin und möchte die anderen etwas entlasten. Darf ich Sie fragen, wie Sie bei unseren Kindern vorgehen würden? Mia NaCl geben und dann mit dem Nasensauger alles rausziehen? Otriven Nasenspray? Ich hoffe, sie trinkt jetzt nicht wieder so wenig, dass es kritisch wird. Und der Große darf nicht mehr als 2 Klimascort Zäpfchen an zwei Abenden haben? Sollte mein Mann zur Kinderärztin mit ihm? Ich möchte ihn so ungern schicken wenn es auch von selbst wieder gut werden kann. Es macht mir Sorgen, wie kaputt er gerade ist. Er kann nicht mehr unfeine Haushaltshilfe soll er bald bekommen, hat aber noch keine. Ich soll Sie wieder ganz freundlich zurückgrüßen und Ihnen sagen, dass es für ihn selbstverständlich ist, was er für mich tut, er aber Ihnen gerne einen Dank zurückschickt, denn das was Sie tun, ist nicht selbstverständlich.  Ach, und ich mag Ihre Einstellung was Mias Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Wärme angeht: man kann das nicht einfach „wegtrainieren“, ihr nur gleichzeitig auch Sicherheit von anderen Menschen geben. Unsere Kinderärztin ist leider sehr „verfahren“ in ihrer Meinung und berät sehr nach „Schema F“ ohne die individuelle Situation zu berücksichtigen. Und das obwohl sie weiß, dass ich so krank bin. Mia sollten wir am besten nur ablegen zum Einschlafen, sie sollte möglichst gleich Beikost bekommen und abends die 1er Milch um mehr zuzunehmen. Genau das halten wir nicht für sinnvoll. Sie hat weiterhin kein Interesse am Essen und selbst das Vitamin D, das wir ihr jetzt mit Löffel geben, wird mit der Zunge wieder herausgeschoben und man muss es mehrmals „auffangen“ und nochmal geben. Eine andere Lösung zur besseren Gewichtszunahme hatte sie auch dieses Mal nicht gefunden. Das finden wir sehr schade. Würden Sie zu einem anderen Kinderarzt gehen? Oder doch etwas davon ausprobieren? Die 1er Milch abends? Ansonsten ist Mia sehr zeitgerecht entwickelt. Sie tut alles motorische, kognitive, soziale, was sie tun sollte. Ihr Feinmotorik hat sich sehr verbessert in den letzten Wochen. Sie kann jetzt auch Gegenstände halten, die schwieriger festzuhalten sind, auch zwei gleichzeitig, sie holt sie sich selbst. Sie beobachtet unglaublich aufmerksam und die Kinderärztin meinte zu meinem Mann, sie hat ein Lächeln, das von innen heraus strahlt. Das hat mich berührt. Drehen tut sie sich nach wie vor sehr selten (nur alle 2-3 Tage mal), sie kann es aber. Wie engmaschig sollte ihr Gewicht aus Ihrer Sicht überwacht werden? Laut der Ärztin sollen wir erst in einem Monat wiederkommen. Aus den 7 Tagen ohne Stuhlgang wurde auf einmal das komplette Gegenteil: 7-9 Mal Stuhlgang am Tag, also gerade in so gut wie jeder Windel nach fast jedem Stillen, selbst nachts. Immer nur ganz ganz wenig, aber auf einmal ganz oft. Ich komme da nicht mehr mit. Vorher war das 1 Mal am Tag. Was ist da los? Eine Freundin meinte, es könnte so sein, wenn Babys zahnen. Mia sabbert zwar viel, aber das macht sie immer. Ich merke bei ihr kein Zahnen. Also musste ich Mia jedenfalls auch letzte Nacht wickeln was ich sonst nie machen muss und für mich ist das momentan einfach körperlich unglaublich anstrengend. Ich hatte danach wieder so Unterleibsschmerzen und habe mehr Schmerzmittel gebraucht. Das findet mein Mann nicht gut und will am liebsten nachts auch noch kommen und den Großen bei meinen Eltern übernachten lassen, aber dann hat mein Mann noch weniger Schlaf und kippt mir irgendwann um. Doch wenn ich klingel, dauert es manchmal einfach so lang bis jemand für Mia Zeit hat und sie hat gerade sowieso schon so einen roten Popo, da wollte ich sie nicht zu lange in der Windel liegen lassen. Wahrscheinlich haben Sie auch keinen genialen Einfall? Und zum Schluss wieder etwas Persönliches: Mia schenkt mir jeden Tag mehr als ein Lächeln und gibt mir damit ihre Medizin. Die Beste. Und wissen Sie was? Ich liebe die Nähe zu ihr, das Stillen, das Kuscheln. Dann schläft sie eben aktuell so ein, wen stört es? Es ist allen dabei geholfen. Mia ist glücklich, die anderen haben einen freien Moment und ich kann mich dabei ausruhen und kuscheln und ihre Liebe spüren. Auch Ihnen schickt Mia wieder ein Lächeln. Ich soll Ihnen von ihr ausrichten, dass sie beeindruckt von Ihren Miaisch-Kenntnissen ist. Sie verstehen sie erstaunlich gut und das obwohl sich bei ihr wahrscheinlich ihr französischer Akzent bemerkbar macht 😉 Sie schickt Ihnen heute ein „wwwwwww“ zurück. Ich selbst konnte es leider nicht übersetzen. Aber ich bin sicher, Ihre Miaisch-Sprachkenntnisse werden mir helfen 😉 Ganz herzliche Grüße von der ganzen Familie! Ich melde mich wenn es mir möglich ist.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Beim Lesen Ihrer Nachricht musste ich tatsächlich mehrmals schmunzeln. Das „wwwwwww“ von Mia habe ich natürlich sofort verstanden. Nach sorgfältiger Übersetzung aus dem Miaischen lautet es ungefähr: “Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Sie machen das ganz ordentlich. Aber vergessen Sie bitte nicht, meiner Mama zu sagen, dass sie endlich gesund werden muss. Ich brauche sie nämlich noch sehr lange zum Kuscheln.” Ich hoffe sehr, dass meine Übersetzung diesmal einigermaßen korrekt war. Mia möge mir verzeihen, falls ihr französischer Dialekt doch noch ein paar Feinheiten enthält. 😊 Nun aber zu den wichtigen Dingen. Ich sehe bei Ihren Werten etwas, das mir trotz aller Sorgen durchaus Hoffnung macht. Die Leukozyten sinken inzwischen kontinuierlich von 21,8 auf 18,8, das CRP fällt ebenfalls langsam, aber stetig von 115 auf 91 mg/l. Das ist kein spektakulärer Rückgang – aber es ist ein Rückgang. Und genau das möchte ich im Moment sehen. Nach einer so schweren Infektion mit mehreren Operationen, einer erneuten Bauchoperation und einer Entfernung des Eileiters würde ich ehrlich gesagt keinen raschen CRP-Abfall erwarten. Das CRP reagiert träge. Selbst wenn die Ursache bereits beseitigt wurde, braucht der Körper oft viele Tage bis Wochen, bis diese Werte wirklich deutlich sinken. Dass auch Ihre behandelnden Ärzte ungeduldig werden, kann ich gut verstehen – sie möchten natürlich ebenfalls eine schnellere Besserung sehen. Dennoch finde ich den aktuellen Verlauf zunächst eher vereinbar mit einer langsamen Erholung als mit einer eindeutigen Verschlechterung. Das eigentliche Problem sehe ich im Moment weniger beim CRP als bei der Nierenfunktion. Dass das Kreatinin von etwa 1,1 auf rund 2,0 mg/dl angestiegen ist und dort praktisch stehen bleibt, muss sorgfältig geklärt werden. Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen: eine noch bestehende Belastung durch die schwere Infektion, eine vorübergehende Schädigung der Nieren durch Medikamente (gerade manche Antibiotika können dies verursachen), Flüssigkeitsmangel oder Kreislaufprobleme während der schweren Krankheitsphase, seltener eine Abflussstörung der Harnleiter nach den Operationen oder durch Entzündungen im kleinen Becken. Ich würde die Nephrologen deshalb ganz konkret fragen: Wodurch erklären Sie sich den Kreatininanstieg am ehesten? Handelt es sich wahrscheinlich um eine akute Tubulusschädigung (ATN), eine medikamentöse Nierenschädigung oder sehen Sie Hinweise auf eine andere Ursache? Ist der Urin ausführlich untersucht worden (Eiweiß, Blut, Sediment, Zylinder)? Sind beide Nieren und die Harnleiter sonographisch unauffällig oder besteht irgendwo ein Harnstau? Welche Medikamente kommen als Ursache infrage und wurden diese bereits angepasst? Woran würden Sie erkennen, dass sich die Nieren jetzt wieder erholen? Diese Fragen halte ich im Moment für wichtiger als das CRP. Zur möglichen erneuten Bauchspülung: Ich würde die Ärzte ganz offen fragen: Welchen konkreten Verdacht haben Sie? Gibt es im CT oder Ultraschall einen Befund, der eine erneute Operation erforderlich macht? Oder erfolgt die Überlegung ausschließlich wegen der Laborwerte? Denn Laborwerte allein operiert man nicht. Eine erneute Operation sollte immer einen nachvollziehbaren klinischen oder bildgebenden Grund haben. Ihr Hämoglobin ist erfreulicherweise inzwischen erstaunlich stabil. Nach diesem dramatischen Verlauf ist ein Wert um 8,4 g/dl zwar niedrig, aber er fällt zumindest nicht weiter ab. Auch das ist ein kleines positives Signal.   Nun zu Ihrer Familie. Ganz ehrlich: Ihr Mann leistet im Moment Außergewöhnliches. Tagsüber zwei kranke Kinder. Nachts ein hustendes Kind. Dazu die Sorge um seine schwerkranke Frau. Und zwischendurch versucht er noch, Ihnen Halt zu geben. Bitte richten Sie ihm meinen größten Respekt aus. Niemand kann diese Belastung über längere Zeit alleine tragen. Deshalb bleibe ich bei meinem Rat: Die Haushaltshilfe muss jetzt wirklich kommen. Nicht irgendwann, sondern möglichst sofort. Wenn die Krankenkasse helfen kann, sollte das mit Nachdruck verfolgt werden. Ihre Eltern und Freunde helfen bereits großartig – aber auch sie brauchen irgendwann wieder Kraft.   Zum Großen: Das klingt nach einem deutlichen Virusinfekt mit Pseudokrupp-Komponente. Wenn der Husten nachts so stark ist, dass er kaum schlafen kann, Fieber hat und tagsüber sehr abgeschlagen wirkt, würde ich ihn der Kinderärztin vorstellen. Nicht, weil ich sofort etwas Gefährliches vermute, sondern weil einmal Lunge, Ohren und Rachen abgehört bzw. untersucht werden sollten. Das Klimacort-/Klismacort-Zäpfchen kann bei einem echten Pseudokrupp-Anfall sehr hilfreich sein. Es ist aber keine Dauertherapie. Wenn wiederholt Steroide notwendig werden oder die Beschwerden anhalten, sollte das ärztlich beurteilt werden. Sollte Atemnot auftreten, Einziehungen am Brustkorb sichtbar werden oder ein pfeifendes Atemgeräusch bereits in Ruhe bestehen, wäre das natürlich ein Grund, sich sofort ärztlich vorzustellen.   Zu Mia: Ja. Genau so würde ich vorgehen. Mehrmals täglich Kochsalzlösung (NaCl) in die Nase. Anschließend – wenn nötig – vorsichtig absaugen. Wenn sie wegen der verstopften Nase kaum trinken kann oder nachts überhaupt keine Luft bekommt, darf man für wenige Tage auch altersgerecht dosiertes Otriven Baby-Nasenspray einsetzen. Das verbessert oft das Trinken erheblich. Wichtig ist nur, es nicht über viele Tage am Stück zu verwenden. Dass sie momentan häufiger Stuhlgang hat, passt durchaus zu einem Virusinfekt. Auch wenn viele Eltern Zahnen als Ursache vermuten, ist es oft einfach eine begleitende Virusinfektion. Solange sie ausreichend trinkt, keine Zeichen der Austrocknung zeigt und der Stuhl nicht blutig ist, würde ich das zunächst beobachten.   Zu Ihrer Kinderärztin. Sie kennen inzwischen meine Haltung. Ich mag keine Medizin nach Schema F. Ich mag Medizin, die den Menschen anschaut. Mia entwickelt sich motorisch, sozial und kognitiv altersgerecht. Sie greift, beobachtet aufmerksam, hält Gegenstände, lächelt von Herzen – und allein diese Beschreibung hat auch mich berührt. Dass sie sich nur gelegentlich dreht, sie es aber kann, macht mich im Moment nicht unruhig. Wenn sie Beikost aktuell eindeutig verweigert, würde ich sie nicht unter Druck setzen. Kinder haben oft ein erstaunlich gutes Gespür dafür, wann sie bereit sind. Auch die Empfehlung, abends unbedingt 1er-Milch zu geben, sehe ich nicht als zwingend an. Wenn das Stillen gut funktioniert, Mia insgesamt wach und zufrieden ist und sich entwickelt, würde ich nicht gegen ihren Willen arbeiten. Das Gewicht würde ich allerdings etwas engmaschiger kontrollieren als erst wieder in einem Monat. Ein Wiegen in etwa zwei Wochen – sei es bei der Kinderärztin oder der Hebamme – würde ich persönlich beruhigender finden. Sollten Sie dauerhaft das Gefühl haben, dass Ihre Sorgen und die individuelle Situation Ihrer Familie nicht ausreichend berücksichtigt werden, dann finde ich es durchaus legitim, einmal eine zweite kinderärztliche Meinung einzuholen. Das ist kein Misstrauen, sondern manchmal einfach hilfreich.   Und jetzt noch etwas ganz Persönliches. Sie schreiben: “Ich liebe die Nähe zu ihr, das Stillen, das Kuscheln. Dann schläft sie eben aktuell so ein, wen stört es?” Mich ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil. Gerade jetzt, in dieser schweren Zeit, geben Sie sich gegenseitig Kraft. Das ist keine schlechte Angewohnheit. Das ist Bindung. Das ist Trost. Das ist Liebe. Irgendwann wird Mia alleine einschlafen. Irgendwann wird sie gar nicht mehr getragen werden wollen. Irgendwann wird sie sagen: “Mama, ich schaffe das allein.” Aber heute braucht sie Ihre Nähe. Und vielleicht brauchen Sie ihre genauso sehr. Deshalb genießen Sie diese Momente ohne schlechtes Gewissen. Und zum Schluss noch eine kleine Bitte: Denken Sie trotz aller Fürsorge für Ihre Kinder immer wieder daran, dass Sie selbst noch immer schwer krank sind. Sie kämpfen sich Schritt für Schritt zurück ins Leben. Dass die Schritte momentan nicht größer werden, ist frustrierend – aber sie gehen noch immer in die richtige Richtung. Sollte das Fieber wieder häufiger werden, die Schmerzen deutlich zunehmen oder die Entzündungswerte erneut steigen, müssen Ihre behandelnden Ärzte sofort erneut nach einer Ursache suchen. Im Moment sehe ich aber vorsichtigen Grund zur Hoffnung. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass aus den sechs Stunden bald acht werden. Und aus acht irgendwann zwölf. Und irgendwann merken Sie plötzlich, dass Sie den ganzen Tag keinen Schüttelfrost mehr hatten. Das wird ein wunderbarer Tag sein. Bis dahin grüßen Sie bitte Ihren Mann ganz herzlich zurück. Sagen Sie ihm, dass auch Helden schlafen müssen – und dass ich hoffe, dass die Unterstützung für Ihre Familie jetzt ganz bald organisiert wird. Und Mia… richten Sie ihr bitte aus, dass ich weiter fleißig Miaisch lerne. Beim nächsten Mal versuche ich mich dann an ganzen Sätzen. Ich fürchte allerdings, bis zu einem akzentfreien Französisch brauche ich noch ein bisschen Übung. 😊 Ich wünsche Ihrer ganzen Familie von Herzen, dass die kommende Woche etwas ruhiger wird und Sie alle wieder ein kleines Stück Kraft zurückgewinnen.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, wo fange ich am besten an? Mit Mias Sprachkünsten in Miaisch oder den Grüßen meines Mannes? Ich habe mich für ein dickes Dankeschön entschieden! Für Ihr medizinisches Können, das den Menschen als Ganzes betrachtet, mit seinem ganzheitlichen Körper und Geist und der ganzen Seele. Aber auch danke für Ihre freundlichen, mich zum Schmunzeln und Lächeln bringenden Worte 🙂 Erstmal zu den medizinischen Fakten: Heute waren die Schüttelfrostintervalle eher wieder kürzer: Statt 5-6 Stunden eher wieder 4-5 Stunden. Meine Zähne klappern dann richtig und mir wird schlecht. Außerdem habe ich mich natürlich leider von Mia angesteckt mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Nachts wecken Mia und ich uns gerade gegenseitig mit Husten 😞 Und das Schlimmste ist vor allem, dass mir heute so der Bauch wehtut, ich denke, es kommt daher, dass der Husten alles erschüttert. Zur Erkältung eine Frage: Darf ich trotz Stillens Nasic nehmen zum besseren Schlafen? Die Ärzte hier finden das ok, ich erinnere mich aber, dass die Hausärztin in der Stillzeit vom Großen immer meint, abschwellendes Nasenspray ist tabu. Oder zumindest die Kinderdosis? Ich beantworte Ihre Fragen: Nieren: Wodurch erklären Sie sich den Kreatininanstieg am ehesten? Handelt es sich wahrscheinlich um eine akute Tubulusschädigung (ATN), eine medikamentöse Nierenschädigung oder sehen Sie Hinweise auf eine andere Ursache? -> Mischung aus Medikamenten und der schweren Krankheit  Ist der Urin ausführlich untersucht worden (Eiweiß, Blut, Sediment, Zylinder)? -> Ja. Im Urin sind granuläre Zylinder, tubuläre Epithelzellen und freie Tubuluszellen -> können Sie mir das übersetzen? Sind beide Nieren und die Harnleiter sonographisch unauffällig oder besteht irgendwo ein Harnstau? -> kein Harnstau Welche Medikamente kommen als Ursache infrage und wurden diese bereits angepasst? -> Gentamicin wurde abgesetzt, stattdessen erhalte ich Imipinem und Ceftriaxon. Ibuprofen wurde abgesetzt. Ich bekomme Metamizol. Ist das nierenfreundlicher? Woran würden Sie erkennen, dass sich die Nieren jetzt wieder erholen? -> Kreatinin sinkt Entzündung/OP: Welchen konkreten Verdacht haben Sie? Gibt es im CT oder Ultraschall einen Befund, der eine erneute Operation erforderlich macht? Oder erfolgt die Überlegung ausschließlich wegen der Laborwerte? -> Eiterreste auch am verbliebenen Eileiter Das hat mich heute sehr geschockt und klingt wie ein neuer Abszess, wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke? Ich werde hierzu auf jeden Fall nochmal genauer fragen. Was würden Sie dazu genau fragen? - Hb: 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) -> 8,5 (Di) -> 8,6 (Mi) -> 8,5 (Do) -> 8,4 (Fr) + Leukozyten: 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) -> 18,8 (Di) ->18,6 (Mi) -> 18,2 (Do) -> 18,2 (Fr) + CRP: 13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) -> 91,0 (Di) -> 89,8 (Mi) -> 85,1 (Do) -> 85,0 (Fr) + Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,05 (Do) -> 2,07 (Fr) + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) -> 43,1 (Di) -> 44,0 (Mi) -> 46,3 (Do) -> 47,1 (Fr) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) -> 5,17 (Di) -> 5,18 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,18 (Fr) Darf ich Sie zum Großen wieder fragen? Er hustet schon seit Montag vor einer Woche immer wieder (13.7.). Aber da war es harmlos. Seit Samstag (18.7.) wurde es stärker und Schnupfen kam dazu. Seit Sonntag, 19.7. kam Fieber (bis 38) dazu. Am Dienstag (3. Fiebertag) ist mein Mann mit ihm zur Kinderärztin. Sie meinte, sie kann es nicht sicher sagen, aber sie vermutet schon, dass da Bakterien im Spiel sind. Normalerweise testet sie das immer mit einer kapillaren Blutentnahme, wollte es dieses Mal aber nicht machen, weil sie meinte, sie wäre sich sicher, man würde da noch nichts sehen. Sein Puls war bei etwa 120, das fand sie hoch. Die Ohren und die Lunge waren ok, nur der Hals rot und der Husten sehr verschleimt. Sie entschied sich dann für ein Antibiotikum: Moxifloxacin. Können Sie die Entscheidung nachvollziehen? Oder war das vielleicht etwas vorschnell? Wieso soll man dieses Mal auf einmal nichts in den Blutwerten erkennen können? Der Große hat dieses Jahr auch schon so viel Antibiotikum bekommen, das letzte erst bei der Mandelentzündung vor zwei Monaten. Jedenfalls sind in den letzten drei Tagen alle Symptome gleich geblieben: Fieber zwischen 38,0 und 38,5, verschleimter Husten, verstopfte Nase. Mein Mann sagt, er hustet immerhin nachts weniger, aber dafür hängt der Schleim jetzt fest. Er sagt, er spielt auch normal, isst etwas weniger und sagt oft, er hat Bauchweh und will sich zwischendurch immer wieder freiwillig ausruhen auf dem Sofa. Sonst ist er mit seinen 4 Jahren ein Wirbelwind, der nie auf diese Idee kommen würde. Mein Mann war heute also nochmal bei der Kinderärztin mit ihm, weil er das Antibiotikum seit Dienstagabend nimmt und sich nichts verändert hat. Sie hat ihn nochmal abgehört und in die Ohren und den Mund geschaut und nichts „neues“ gefunden. Das ist immerhin beruhigend, dennoch sollte es ja dann langsam mal besser werden? Allerdings hat mein Mann heute festgestellt, dass er ihm Moxifloxacin und ACC Schleimlöser immer relativ zeitgleich gegeben hat (einmal am Morgen und einmal am Abend). So hatte es die Kinderärztin ihm gesagt. Im Beipackzettel von ACC Saft für Kinder steht aber, dass es eine Wechselwirkung zwischen ACC und vielen Antibiotika gibt und es deshalb zeitversetzt (mind. 2 Stunden Abstand) gegeben werden muss. Betrifft das auch Moxifloxacin und ACC oder nur andere Antibiotika? Mein Mann sagte, er wusste das nicht und die Kinderärztin hat ihn nicht darauf hingewiesen. Hoffentlich wirkt das Antibiotikum dann richtig? Und darf Milch / dürfen Milchprodukte gleichzeitig mit Moxifloxacin verzehrt werden? Auch darauf wurde er nicht hingewiesen und unser Sohn hat kurz nach dem Antibiotikum seine morgendliche Tasse Milch zum Frühstück getrunken. War das ungünstig und sollte er das für den Rest der Einnahme unterlassen? Mia hat es wesentlich weniger erwischt. Sie hustet nur etwas und ihre Nase ist ab und zu verstopft und läuft immer wieder mal. Ich weiß nicht, warum es den Großen immer mit Fieber und allem drum und dran erwischt und die Kleine, die ja als Baby eigentlich das schlechtere Immunsystem haben müsste, nur einen Schnupfen und Husten ohne Fieber hat. Oder liegt es an den Antikörpern in der Muttermilch? Wenn ich mehr Milch hätte, würde ich dem Großen jetzt am liebsten etwas Milch abpumpen und ihn boosten. Was Mia betrifft, wird mein Mann sich mal eine Zweitmeinung bei einem anderen Kinderarzt einholen, der unsere Situation vielleicht etwas differenzierter betrachtet. Von meinem Mann soll ich Sie wieder ganz herzlich zurück grüßen. Ich habe ihm gesagt, dass auch Helden schlafen müssen. Wollen Sie ehrlich wissen, wie er reagiert hat? Er hatte Tränen in den Augen und meinte, dass er anscheinend ein Held ohne Schlaf ist, denn wenn der Große nicht gerade hustet, dann liegt er wach vor Sorge im Bett. Das hat mich berührt, aber gleichzeitig mache auch ich mir Sorgen, dass er irgendwann umkippt. Ich habe ihm nochmal eindringlich gesagt, dass er bitte nochmal Druck machen soll, möglichst gleich eine Haushaltshilfe zu bekommen. Diese Woche konnte er noch nicht einmal wirklich arbeiten, weil der Große nicht in den Kindergarten konnte und er zwischen ihm und Mia und mir gesprungen ist. Ich habe ihm gesagt, er soll sich doch wenigstens „Kind krank“ melden oder selbst krankmelden. Letzteres will er nicht und Kindkranktage sind ja beschränkt. Ich denke, er könnte sich durchaus mal eine Woche krankschreiben lassen. Ich weiß nicht wie Sie darüber denken. Er ist schließlich am Rande seiner Kräfte. Und zum Schluss wieder etwas Persönliches: Ihr Miaisch wird von Nachricht zu Nachricht besser! 😉 Wahrscheinlich könnten Sie sich mit Mia schon fließend unterhalten 😉 Sie grüßt Sie wieder ganz herzlich mit einem strahlenden Lächeln von innen zurück und sagt auf Miaisch „bwuuuuuuu“. Was das genau bedeuten soll, können Sie mir mit Ihren exzellenten Miaisch-Kenntnissen sicherlich besser sagen 😉 Ihre letzte Übersetzung fand sie richtig gut und Ihr französischer Akzent klingt schon richtig authentisch ;) Genau das wollte sie schon immer sagen. Denn Kuscheln ist ihre große Leidenschaft. Genau wie meine auch. Es ist wirklich genau das, was uns beiden in dieser schweren Zeit Kraft und Halt gibt. Und meine Eltern haben Mia ein kleines neues Kuscheltier (Koala) als Spieluhr mitgebracht. Das ist so goldig, wie sie sich jedes Mal darüber freut, wenn der Koala ihr etwas vorsingt. Da geht mir das Herz auf 🙂 Herzliche Grüße von uns vieren und bleiben Sie gesund 🙂 Leider weiß ich gerade sehr gut, wie wichtig es ist, gesund zu bleiben damit nicht das ganze Leben entgleist. Ich melde mich wenn es mir möglich ist.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Frau …, haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre ausführliche Nachricht. Ich freue mich jedes Mal, von Ihnen zu lesen – auch wenn ich mir natürlich wünschen würde, dass Ihre Berichte inzwischen deutlich langweiliger wären. Dass Sie sich trotz dieser schweren Zeit noch Ihr Lächeln und Ihren Humor bewahren, beeindruckt mich sehr. Zunächst zu Ihnen. Ich muss leider sagen, dass mich Ihr heutiger Bericht wieder etwas nachdenklicher stimmt. Die Schüttelfrostintervalle sind wieder kürzer geworden und die Bauchschmerzen nehmen unter dem Husten zu. Natürlich kann das durchaus muskulär bedingt sein – kräftiger Husten belastet die Bauchdecke und das Operationsgebiet erheblich. Gleichzeitig dürfen wir bei Ihrem bisherigen Verlauf niemals vorschnell alles auf den Husten schieben. Gerade deshalb finde ich es richtig, dass Sie bei anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen Ihre behandelnden Ärzte erneut darauf ansprechen. Die Laborwerte zeigen für mich weiterhin ein gemischtes Bild. Positiv ist, dass die Entzündungswerte langsam, wenn auch quälend langsam, zurückgehen. Das spricht zumindest dafür, dass die antibiotische Therapie grundsätzlich wirkt. Gleichzeitig bleiben die Leukozyten und das CRP aber weiterhin sehr hoch, und die wieder kürzeren Schüttelfrostintervalle passen leider noch nicht zu einer vollständigen Kontrolle der Infektion. Die Nierenwerte bereiten mir ebenfalls weiterhin Sorgen. Dass Kreatinin und Harnstoff praktisch unverändert erhöht bleiben, zeigt, dass sich die Nieren noch nicht erholen. Die von Ihnen beschriebenen granulären Zylinder, tubulären Epithelzellen und freien Tubuluszellen bedeuten vereinfacht erklärt, dass sich tatsächlich Zellen aus den Nierenkanälchen ablösen. Das spricht sehr gut zu der Einschätzung Ihrer Ärzte, dass eine akute Tubulusschädigung (ATN) vorliegt. Die Kombination aus schwerer Infektion und den inzwischen abgesetzten nierenschädigenden Medikamenten – insbesondere Gentamicin – ist dafür eine sehr plausible Erklärung. Metamizol ist in dieser Situation tatsächlich deutlich nierenfreundlicher als Ibuprofen. Dass Ibuprofen beendet wurde, halte ich deshalb für sinnvoll. Besonders aufmerksam wurde ich bei Ihrer Schilderung der möglichen Eiterreste am verbliebenen Eileiter. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich bereits wieder ein neuer Abszess gebildet hat, aber genau diese Frage würde ich an Ihrer Stelle stellen. Ich würde die Ärzte ganz konkret fragen: Handelt es sich lediglich um postoperative Veränderungen oder besteht der Verdacht auf eine erneut abgekapselte Eiteransammlung? Wie groß ist der Befund? Hat sich der Befund im Vergleich zur letzten Bildgebung verändert? Reicht aus heutiger Sicht die Antibiotikatherapie aus oder könnte nochmals eine Drainage oder Operation notwendig werden? Diese Fragen sind aus meiner Sicht völlig berechtigt. Zu Ihrer Erkältung: Nasic enthält Xylometazolin. Dieses geht bei üblicher Anwendung nur in sehr geringer Menge in den Blutkreislauf über. Nach heutigem Kenntnisstand gilt eine kurzfristige Anwendung in der Stillzeit im Allgemeinen als vertretbar. Ich würde es aber tatsächlich nur einige Tage und möglichst sparsam verwenden. Falls eine Kinderdosierung bei Ihnen ausreichend hilft, wäre das selbstverständlich ebenfalls eine gute Möglichkeit. Nun zu Ihrem Großen. Zunächst eine kleine Anmerkung: Moxifloxacin überrascht mich etwas. Dieses Antibiotikum wird bei Kindern normalerweise nicht routinemäßig eingesetzt, da Fluorchinolone in diesem Alter nur für ganz besondere Situationen vorgesehen sind. Deshalb würde ich ehrlich gesagt noch einmal nachfragen, ob tatsächlich Moxifloxacin verordnet wurde oder ob vielleicht ein anderes Antibiotikum gemeint ist. Sollte es tatsächlich Moxifloxacin sein, dann gilt Folgendes: ACC sollte tatsächlich mit einem zeitlichen Abstand von etwa zwei Stunden gegeben werden. Noch wichtiger ist allerdings der Abstand zu Milch und Milchprodukten. Calcium kann die Aufnahme von Moxifloxacin deutlich vermindern. Deshalb sollten Milch, Joghurt oder calciumreiche Produkte möglichst nicht gleichzeitig mit dem Antibiotikum gegeben werden. Dass sich nach drei Tagen noch kaum eine Besserung zeigt, ist zwar enttäuschend, aber nicht zwangsläufig ungewöhnlich. Entscheidend ist jetzt, dass Ihr Sohn engmaschig kontrolliert wird. Sollten das Fieber anhalten, die Schlappheit zunehmen oder Atemprobleme auftreten, würde ich ihn erneut kinderärztlich vorstellen. Warum Mia deutlich milder erkrankt ist, lässt sich übrigens durchaus erklären. Kinder reagieren auf dieselben Viren oft völlig unterschiedlich. Die Antikörper in der Muttermilch können tatsächlich einen gewissen Schutz bieten. Ganz verhindern können sie Infektionen zwar nicht, sie können den Verlauf aber durchaus abmildern. Deshalb ist Stillen gerade jetzt weiterhin etwas sehr Wertvolles. Nun noch ein Wort zu Ihrem Mann. Ich musste einen Moment schmunzeln und gleichzeitig schlucken, als ich seine Reaktion gelesen habe. Ein Held ohne Schlaf kann auf Dauer kein Held bleiben. Ich sehe die Situation ähnlich wie Sie. Ihr Mann trägt im Moment eine enorme Last. Er kümmert sich um zwei kleine Kinder, sorgt sich ununterbrochen um Sie, organisiert den Alltag und versucht gleichzeitig noch zu arbeiten. Das hält kein Mensch über längere Zeit durch. Deshalb bleibe ich bei meinem Rat: Bitte organisieren Sie jede Unterstützung, die möglich ist. Haushaltshilfe, Hilfe der Krankenkasse, Familie, Freunde – jetzt ist wirklich nicht die Zeit, alles alleine schaffen zu wollen. Wenn Ihr Mann selbst merkt, dass seine Kräfte nicht mehr reichen, dann ist es auch völlig legitim, sich ärztlich beraten zu lassen und gegebenenfalls selbst vorübergehend auszufallen. Niemandem ist geholfen, wenn er irgendwann selbst zusammenbricht. Und nun noch zu Mia. Ich glaube inzwischen tatsächlich, dass mein Miaisch langsam alltagstauglich wird. Das heutige „bwuuuuuuu“ habe ich nach sorgfältiger Übersetzung wie folgt verstanden: “Lieber Herr Doktor, machen Sie sich nicht zu viele Sorgen um Mama. Ich passe auf sie auf. Und wenn sie traurig ist, kuschle ich mich einfach ganz fest an sie. Das hilft meistens besser als jede Medizin.” Ich halte diese Übersetzung für ausgesprochen plausibel. Mia darf sie selbstverständlich jederzeit korrigieren. Der kleine Koala gefällt mir übrigens ausgesprochen gut. Ich glaube, Kinder suchen sich ihre Kraftquellen ganz intuitiv. Und manchmal ist eine singende Spieluhr tatsächlich genauso wichtig wie jedes Medikament. Bitte verlieren Sie trotz dieses langen Weges nicht den Mut. Auch wenn die Schritte im Moment winzig erscheinen, zeigen Ihre Entzündungswerte insgesamt noch immer in die richtige Richtung. Gleichzeitig bleibe ich dabei: Sie sind schwer krank gewesen und kämpfen sich Schritt für Schritt zurück. Geben Sie Ihrem Körper weiterhin die Zeit, die er braucht, und scheuen Sie sich nicht, bei jeder Veränderung Ihre Ärzte anzusprechen. Ich wünsche Ihnen, Ihrem Mann, Ihrem Großen und natürlich der kleinen Mia von Herzen alles Gute. Und richten Sie Ihrem Mann bitte aus: Helden dürfen Hilfe annehmen. Das macht sie nicht schwächer, sondern klüger. Herzliche Grüße Ihr 
Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich freue mich auch jedes Mal über Ihre Nachricht 🙂 Sie schreiben mitfühlend und zugleich mit Humor und bringen mich immer wieder zum Lächeln 🙂 Ich würde Ihnen heute gerne einen langweiligeren Bericht schicken, aber leider wird es den Ärzten mit mir nicht langweilig. Ich beginne gleich mit dem zentralen Prunkt, der uns heute schockt und beantworte dabei Ihre Fragen: Handelt es sich lediglich um postoperative Veränderungen oder besteht der Verdacht auf eine erneut abgekapselte Eiteransammlung? -> es besteht der Verdacht auf einen erneuten Abszess am verbliebene Eileiter. Wie groß ist der Befund? -> 3 cm Hat sich der Befund im Vergleich zur letzten Bildgebung verändert? -> Ja. Vorher war kein Abszess sichtbar. Reicht aus heutiger Sicht die Antibiotikatherapie aus oder könnte nochmals eine Drainage oder Operation notwendig werden? -> der Abszess soll beobachtet werden und falls er schnell wächst, muss operiert werden  Diese Nachricht hat uns sehr geschockt. Ich bin danach ehrlich gesagt in Tränen ausgebrochen. Ich habe Angst, den zweiten und letzten Eileiter auch noch zu verlieren, Angst um mein Leben, Angst um meine Fruchtbarkeit. Noch ist der Abszess klein, doch was passiert, wenn er wieder plötzlich wächst wie auf der anderen Seite? Da ging das innerhalb von Stunden. Ich war von dieser Nachricht erstmal so überrumpelt, dass mir die Sprache wegblieb. Jetzt frage ich mich: Kann bei dieser Größe aus Ihrer Sicht auch noch abgewartet werden? Oder sollte man besser gleich aktiv werden? Wieso wird immer gleich operiert? Reicht nicht so lange keine Ruptur droht auch eine Drainage? Vermutlich ist der Abszess auch der Grund, warum ich gerade zunehmend wieder kürzere Intervalle vom Schüttelfrost spüre und wieder mehr Schmerzen habe? Der Husten macht es natürlich nicht besser. Gerade quäle ich mich wieder von einer Schmerzmitteldosis zur nächsten. Gäbe es denn noch andere Schmerzmittel als Metamizol, die stärker sind, aber nierentauglich für mich und gleichzeitig stillverträglich nach denen ich fragen könnte? Oder ich nehme wieder zusätzlich eine Wärmflasche? Ich habe nur immer Angst, Mia damit zu verbrühen wenn sie auf mir liegt. Oder etwas gegen den Husten? Ich huste heute so viel und diese Kombination mit den Unterleibsschmerzen ist echt übel. Und eine Frage zu den Nieren: was genau ist denn eine akute Tubulusschädigung (ATN)? Kann sie wieder weggehen wenn die Infektion weggeht? Die letzten Laborwerte: - Hb: 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) -> 8,5 (Di) -> 8,6 (Mi) -> 8,5 (Do) -> 8,4 (Fr) -> 8,3 (Sa) + Leukozyten: 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) -> 18,8 (Di) ->18,6 (Mi) -> 18,2 (Do) -> 18,2 (Fr) -> 18,7 (Sa) + CRP: 13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) -> 91,0 (Di) -> 89,8 (Mi) -> 85,1 (Do) -> 85,0 (Fr) -> 89,5 (Sa) + Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,05 (Do) -> 2,07 (Fr) -> 2,09 (Sa) + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) -> 43,1 (Di) -> 44,0 (Mi) -> 46,3 (Do) -> 47,1 (Fr) -> 48,0 (Sa) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) -> 5,17 (Di) -> 5,18 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,18 (Fr) -> 5,15 (Sa) Alles stagniert heute so und der Harnstoff wird sogar täglich schlechter. Das nimmt mich heute doch sehr mit. Schüttelfrost, Bauchschmerzen, Husten, Schnupfen. Das ist echt zu viel. Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich Ihnen natürlich das falsche Antibiotikum von unserem Großen genannt habe. Ich hatte es mir von meinem Mann sagen lassen und mir falsch gemerkt. Es heißt Infecto-mycin. Gilt hier auch der wichtige zeitlich Abstand von zwei Stunden zu ACC Kindersaft und zu Milch?  Heute ist Tag 6 des Fiebers bzw. Tag 4 des Antibiotikums und er hat noch immer zwischen 38 und 38,5 Fieber 😞 er spielt aber und ist einfach nur etwas müder als sonst. Ich frage mich eher, ob er nicht einfach nur Viren hat so wie Mia und ich auch. Und mein Mann… ja… was soll ich sagen? Erst einmal einen lieben Gruß und dass er beeindruckt ist, von dem was Sie für unsere Familie tun. Ich hoffe, er nimmt sich zu Herzen, dass es so nicht weitergeht. Er hat mir versprochen, noch die Unterstützung von ein oder zwei anderen Freunden anzunehmen und am Montag noch einmal mit der Krankenkasse zu telefonieren, damit die Haushaltshilfe endlich Realität wird. Noch dazu hat er sich jetzt wahrscheinlich auch angesteckt und hat schon Halsschmerzen. Ich denke, er sollte sich dringend am Montag von der Hausärztin eine Krankschreibung organisieren, wenigstens bis seine Erkältung besser ist. Sind Sie d’accord mit mir? Ich merke einfach, wie er sich übernimmt. Zum Schluss wieder etwas Persönliches: Mia war beeindruckt von Ihrer alltagstauglichen Übersetzung vom Miaischen ins Deutsche 😉 Sie hat nichts zu korrigieren, nur etwas zu ergänzen: „Mama, sag dem lieben Herrn Doktor Gagsteiger, dass er wirklich tip top ist und der beste Beistand aus der Ferne, den man sich wünschen kann.“ Heute kam dann noch der Laut „awürrrrrr“ dazu, den sie Ihnen zur Übersetzung mitsamt einem großen Lächeln schickt 😉 Ich muss zugeben, heute fällt es mir schwer, den Mut nicht zu verlieren. Es fühlt sich an wie ein kleiner Schritt zurück. Zum Glück versteht Mia davon nichts auch wenn sie merkt, dass etwas nicht stimmt. Sie lag vorhin wieder auf ihrer Krabbeldecke und hat fröhlich die Füße mit den Händen gehalten und mich dabei angestrahlt und Laute von sich gegeben als ob sie sich unterhalten wollte. Das gibt mir Kraft. Herzliche Grüße von meiner ganzen Familie und ich melde mich wenn es mir möglich ist 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Von Herzen würde ich ihnen wünschen, dass Ihre Berichte inzwischen deutlich langweiliger wären. Dass Sie nach dieser heutigen Nachricht in Tränen ausgebrochen sind, kann ich sehr gut nachvollziehen. Nachdem Sie schon so viel durchgestanden haben, trifft der Verdacht auf einen neuen Abszess natürlich genau den wunden Punkt: die Sorge um Ihre Gesundheit, um Ihren letzten Eileiter und um Ihre Zukunft.  Trotzdem möchte ich versuchen, etwas Ordnung in diese schwierige Situation zu bringen. Zunächst ist wichtig: Ein 3 cm großer Verdacht auf einen Abszess bedeutet noch nicht automatisch, dass erneut operiert werden muss. Gerade weil der Befund vergleichsweise klein ist und Sie unter engmaschiger stationärer Überwachung stehen, halte ich das derzeitige Vorgehen – sorgfältige Beobachtung unter Antibiotikatherapie – grundsätzlich für nachvollziehbar. Der entscheidende Unterschied zur letzten Situation ist, dass die Ärzte jetzt wissen, worauf sie achten müssen. Sollte der Befund wachsen, sich klinisch verschlechtern oder eine Ruptur drohen, kann man rechtzeitig reagieren. Sie fragen völlig berechtigt, weshalb häufig operiert wird und ob nicht zunächst eine Drainage ausreichen könnte. Das hängt vor allem von drei Faktoren ab: der Größe und Lage des Abszesses, ob er technisch sicher punktiert werden kann, und ob der Eiter bereits ausreichend verflüssigt ist. Nicht jeder Abszess lässt sich sinnvoll drainieren. Manche liegen ungünstig zwischen Darm, Gefäßen oder dem verbliebenen Eileiter, sodass eine Punktion mehr Schaden als Nutzen verursachen könnte. Andere enthalten noch überwiegend entzündliches Gewebe und kaum frei abfließenden Eiter. Deshalb entscheiden die behandelnden Chirurgen und Gynäkologen je nach Verlauf individuell zwischen Antibiotika, Drainage und Operation. Dass man im Moment zunächst beobachtet, spricht eher dafür, dass man Ihren letzten Eileiter nach Möglichkeit erhalten möchte. Das ist zunächst einmal ein gutes Zeichen. Ihre zunehmenden Schmerzen und die kürzeren Schüttelfrostintervalle könnten tatsächlich mit diesem neuen Entzündungsherd zusammenhängen. Ganz sicher lässt sich das aus der Ferne natürlich nicht sagen, aber es wäre eine durchaus plausible Erklärung. Zu den Schmerzen: Metamizol ist bereits eines der wichtigsten Schmerzmittel in Ihrer Situation. Falls dieses nicht mehr ausreichend wirkt, können je nach Nierenfunktion und Stillzeit zusätzlich niedrig dosierte Opioide (zum Beispiel Morphin oder Oxycodon) unter stationärer Überwachung eingesetzt werden. Diese sind in bestimmten Situationen auch in der Stillzeit möglich, müssen aber individuell sehr sorgfältig abgewogen werden. Bitte sprechen Sie die behandelnden Ärzte ruhig darauf an. Es gibt durchaus Möglichkeiten, stärkere Schmerzen zu behandeln. Eine Wärmflasche kann bei krampfartigen Schmerzen zusätzlich angenehm sein. Wegen Mia würde ich sie allerdings tatsächlich nie verwenden, solange sie auf Ihrem Bauch liegt. Die Gefahr einer unbemerkten Verbrennung bei Säuglingen ist leider real. Gegen den Husten sollten Sie ebenfalls Ihre Ärzte ansprechen. Gerade wenn jeder Hustenstoß die Bauchdecke erschüttert, kann bereits ein stillverträglicher Hustenstiller für die Nacht oder eine gute Inhalation mit Kochsalzlösung eine deutliche Erleichterung bringen. Sie fragten nach der akuten Tubulusschädigung (ATN). Die Nieren bestehen aus Millionen kleiner Filtereinheiten. Hinter jedem Filter liegen winzige Röhrchen – die Tubuli. Diese Tubuli sind sehr stoffwechselaktiv und deshalb besonders empfindlich gegenüber schweren Infektionen, niedrigem Blutdruck oder bestimmten Medikamenten. Bei einer ATN werden genau diese Tubuluszellen vorübergehend geschädigt. Die erfreuliche Nachricht lautet: Tubuluszellen gehören zu den wenigen Zellen des Körpers, die sich erstaunlich gut regenerieren können. Wenn die Infektion vollständig unter Kontrolle kommt und keine weitere Schädigung hinzukommt, kann sich eine ATN durchaus wieder deutlich zurückbilden. Das braucht allerdings oft Wochen bis Monate und leider nicht nur wenige Tage. Ihre Laborwerte zeigen heute ein gemischtes Bild. Positiv finde ich weiterhin: Das Hämoglobin bleibt nach der Transfusion erstaunlich stabil. Die Leukozyten sind insgesamt deutlich niedriger als noch vor einigen Tagen. Das CRP ist trotz des heutigen kleinen Anstiegs insgesamt erheblich unter dem Höchstwert. Der heutige leichte CRP-Anstieg könnte durchaus mit dem neu entdeckten Entzündungsherd zusammenhängen. Etwas mehr Sorgen bereiten natürlich Kreatinin und Harnstoff, die sich bislang leider nicht erholen. Dennoch sehe ich im Moment eher eine Stagnation als eine dramatische Verschlechterung. Auch das Kalium bleibt zwar leicht erhöht, aber erfreulicherweise relativ stabil. Ich würde deshalb den heutigen Tag noch nicht als Wendepunkt nach unten interpretieren, sondern eher als einen kleinen Stolperstein auf einem insgesamt sehr langen Weg. Nun zu Ihrem Großen. Vielen Dank für die Korrektur. InfectoMycin enthält Azithromycin. Hier gilt: Ein Abstand zu Milch ist nicht erforderlich. Auch zu ACC besteht kein notwendiger zweistündiger Abstand. Diese Wechselwirkung betrifft eher bestimmte andere Antibiotika. Dass Ihr Sohn nach sechs Tagen Fieber unter Azithromycin immer noch Temperaturen um 38–38,5 °C hat, obwohl er spielt und insgesamt recht fit wirkt, lässt tatsächlich auch an einen gleichzeitig bestehenden Virusinfekt denken – zumal Mia und Sie ebenfalls erkältet sind. Sollte das Fieber allerdings über das Wochenende unverändert anhalten oder sich sein Allgemeinzustand verschlechtern, sollte er selbstverständlich nochmals kinderärztlich untersucht werden. Zu Ihrem Mann: Ja. Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Er trägt momentan eine enorme Last, ist selbst vermutlich krank geworden und versucht trotzdem, alles aufrechtzuerhalten. Ich würde ihm tatsächlich empfehlen, sich am Montag bei seiner Hausärztin vorzustellen. Eine Krankschreibung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern wahrscheinlich eine notwendige Voraussetzung dafür, dass er überhaupt noch leistungsfähig bleibt. Ich freue mich sehr, dass er nun Hilfe aus dem Freundeskreis annehmen möchte. Und bitte bleiben Sie beide unbedingt an der Haushaltshilfe dran. Gerade in Ihrer Situation ist das keine “Luxusleistung”, sondern medizinisch und familiär ausgesprochen sinnvoll. Und nun muss ich natürlich noch auf Mia eingehen. Dass sie mein Miaisch nicht korrigieren musste, werte ich als große Auszeichnung. Der neue Laut „awürrrrrr“ lässt sich nach eingehender wissenschaftlicher Analyse vermutlich folgendermaßen übersetzen: “Lieber Herr Doktor Gagsteiger, Mama soll sich heute nicht zu viele Sorgen machen. Ich passe nämlich ganz gut auf sie auf. Und wenn sie traurig schaut, schenke ich ihr einfach wieder mein schönstes Lächeln.” Ich glaube tatsächlich, dass Mia im Moment etwas macht, was manchmal selbst die beste Medizin nicht leisten kann. Sie holt Sie immer wieder für einen Augenblick ins Hier und Jetzt zurück. Wenn sie auf ihrer Krabbeldecke liegt, ihre kleinen Füße festhält und Sie dabei anstrahlt, erinnert sie Sie daran, wofür Sie diesen unglaublich schweren Weg gerade gehen. Heute fühlt sich der Weg wie ein kleiner Rückschritt an. Das darf er auch. Heilung verläuft leider fast nie geradlinig. Nach all den Wochen wäre ein kleiner Umweg leider nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist, dass Ihre Ärzte diesen neuen Befund früh entdeckt haben und Sie engmaschig überwachen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich der Abszess unter der Antibiotikatherapie doch noch beruhigt und eine weitere Operation vermieden werden kann. Und bitte verlieren Sie eines nicht aus den Augen: Sie kämpfen nun seit Wochen gegen eine außerordentlich schwere Erkrankung. Trotz aller Rückschläge sind Sie immer noch da, schreiben mir diese unglaublich klaren Nachrichten, kümmern sich gedanklich um Ihren Mann, um Ihren Sohn und um Mia. Das zeigt mir, wie viel Kraft noch in Ihnen steckt – auch wenn Sie sie selbst heute vielleicht gerade nicht spüren. Ich denke weiterhin fest an Sie und Ihre ganze Familie. Herzliche Grüße auch an Ihren Mann, an Ihren tapferen kleinen Patienten, an die kleine Sprachwissenschaftlerin Mia – und natürlich an Sie.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Wir bedanken uns mit großem Respekt vor dem, was Sie für uns leisten. Tip top!  Heute ist nicht mein Tag. Der Abszess ist von 3cm auf 7cm gewachsen. Mein ganzer Bauch tut weh, aber besonders auf der Seite Des verbliebenen Eileiters. Gestern Abend habe ich nach mehr Schmerzmitteln und Medikamenten gegen den Husten gefragt und Morphin und Dextromethorphan bekommen. Das hat zwar wie eine Bombe gewirkt, aber ich war wie benebelt und schwindelig und müde und wäre nicht mal in der Lage gewesen, mich auch nur ein bisschen um Mia zu kümmern oder gar Nachrichten zu schreiben. Ich war wie in Trance. Selbst wenn Mia aus Hunger weinte, habe ich es gar nicht richtig mitbekommen und mein Mann hat sie mir dann zum Stillen angelegt. Auch Mia wurde richtig schläfrig dadurch. Das kann ich nicht verantworten. Dann leide ich lieber still als meinem Baby so etwas anzutun. Eine Mama, die nicht mal mehr checkt, dass ihr Baby Hunger hat und ein Baby, das schläfrig wird. Das geht nicht. Wenn Matamizol gerade richtig wirkt, so wie jetzt, dann halte ich die Schmerzen schon aus. Die Löcher dazwischen sind am schlimmsten. Was ist denn die maximale Dosis davon? Vielleicht kann man die ja noch hochschrauben? Wenn ich es richtig verstanden habe,  bekomme ich gerade 1ml Injektion alle 6 Stunden. Ist das weit von der Höchstdosis entfernt? Ich weiß, dass auch das für das gestillte Baby nicht ideal ist, aber vielleicht immernoch besser als Morphin? Und es macht nicht abhängig? Wie oft sollte denn das überwacht werden ob der Abszess weiter wächst? Reicht per Ultraschall oder auch per CT? Ich habe so Angst, dass er wieder so riesig wird und eine Ruptur droht. Sie schreiben zu Drainage vs. OP: „Das hängt ab von der Größe und Lage des Abszesses, ob er technisch sicher punktiert werden kann, und ob der Eiter bereits ausreichend verflüssigt ist. Nicht jeder Abszess lässt sich sinnvoll drainieren. Manche liegen ungünstig zwischen Darm, Gefäßen oder dem verbliebenen Eileiter, sodass eine Punktion mehr Schaden als Nutzen verursachen könnte. Andere enthalten noch überwiegend entzündliches Gewebe und kaum frei abfließenden Eiter.“ Ich habe mich erkundigt: Der Abszess liegt wohl genau zwischen Darm und verbliebenem Eileiter, hat aber frei abfließenden Eiter. Heißt das automatisch OP wie ich verstanden habe? Es heißt momentan, dass ich wahrscheinlich morgen oder übermorgen operiert werde. So habe ich es verstanden. Heparin soll noch abgesetzt werden vorher. Welche Fragen würden Sie vor der OP stellen? Ich habe so Angst, den letzten Eileiter zu verlieren. Dann war’s das mit der Fruchtbarkeit. Aus und vorbei. Was sagen Sie als Reproduktionsmediziner dazu? Die letzten Laborwerte steigen auch wieder: - Hb: 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) -> 8,5 (Di) -> 8,6 (Mi) -> 8,5 (Do) -> 8,4 (Fr) -> 8,3 (Sa) -> 8,1 (So) -> 7,9 (Mo) + Leukozyten: 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) -> 18,8 (Di) ->18,6 (Mi) -> 18,2 (Do) -> 18,2 (Fr) -> 18,7 (Sa) -> 19,0 (So) -> 19,9 (Mo) + CRP: 13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) -> 91,0 (Di) -> 89,8 (Mi) -> 85,1 (Do) -> 85,0 (Fr) -> 89,5 (Sa) -> 94,0 (So) -> 98,1 (Mo) + Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,05 (Do) -> 2,07 (Fr) -> 2,09 (Sa) -> 2,08 (So) -> 2,13 (Mo) + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) -> 43,1 (Di) -> 44,0 (Mi) -> 46,3 (Do) -> 47,1 (Fr) -> 48,0 (Sa) -> 50,0 (So) -> 50,3 (Mo) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) -> 5,17 (Di) -> 5,18 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,18 (Fr) -> 5,15 (Sa) -> 5,17 (So) -> 5,20 (Mo) Alles Werte sind schlechter geworden 😞 Es macht mich mental fertig. Außerdem bin ich gerade von der Erkältung sehr heiser und befürchte, dass ich in diesem Zustand nach der Narkose gar keine Stimme mehr habe. Macht es Sinn, den Anästhesisten darauf anzusprechen? Gibt es stimmschonende Möglichkeiten bei einer Vollnarkose? Unserem Sohn geht es seit gestern zum Glück wieder besser. Das Fieber ist weg, er hustet nur noch wenig. Das Antibiotikum muss er noch bis Dienstag nehmen. Mein Mann hat dagegen zunehmend Halsschmerzen und fühlt sich angeschlagen. Er war heute zum Glück bei der Hausärztin, die ihn für diese Woche krankgeschrieben hat. Eine Haushaltshilfe bekommt er ab Donnerstag. Das ist auch ein Lichtblick. Und er hat zwei Freunde organisiert, die ihn einmal die Woche zu Hause unterstützen und zwei Freundinnen, die sich ein Mal pro Woche um mich und Mia kümmern. Mias verstopfte Nase ist schon deutlich besser, dafür hustet sie jetzt manchmal noch und durchaus auch mal so schlimm, dass sie knallrot wird im Gesicht und man das Gefühl hat, dass sie gleich erstickt. Heute war es einmal so schlimm, dass sie kaum mehr Luft bekam. Ist das „normal“? Und sie dreht sich seit einiger Zeit (schon kurz vor der Erkältung) so gar nicht mehr vom Rücken auf den Bauch. Auch vorher hat sie es ja nur spärlich gemacht aber jetzt wirklich gar nicht mehr. Sie ist einfach glücklich auf dem Rücken mit ihrem Spielebogen und Spielzeug, nimmt sich das auch von der Seite (sie dreht sich zur Seite, aber nicht weiter). Ist das noch ok mit ihren 5,5 Monaten?  Zum Schluss wieder etwas Persönliches: ich frage mich gerade wirklich täglich, wie ich diese Krankheit überwinden soll, wie ich das alles schaffen soll. Ich kann es mir schon fast nicht mehr ohne Krankheit vorstellen. Und dann kommen doch dazwischen schöne Momente. Kleine Entwicklungsschritte, neue Bewegungen, neugierige Blicke, all diese Momente, in denen ich kurz innehalte und denke „Wow, was für ein Wunder, das uns geschenkt wurde.“ Diese Inseln halten mich fest, damit ich nicht zu tief falle. Ein Lächeln. Ein neuer Entwicklungsschritt. Ein kleines Videogespräch mit dem Großen, der mir sagt, dass er mich so lieb hat. Ein Quatsch vom Großen, über den die kleine Mia lacht. Ein süßer Kommentar vom Großen wie gestern: "Mama, wann kann die Mia mit mir spielen? Ich will mit ihr Duplo bauen." Ein Moment, in dem alles kurz so leicht wirkt. Vielleicht besteht Glück manchmal aus winzig kleinen Augenblicken mitten im Unglück. Mia möchte Sie auch heute an einem dieser winzig kleinen Momente teilhaben lassen und sendet Ihnen deshalb ein „mruuuu da“ in Miaisch 😉 und freut sich schon auf Ihre Übersetzung. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmunterung. Sie finden selbst in den schlimmsten Situationen noch eine Art, zu versuchen, alles etwas positiver zu betrachten. Herzliche Grüße von uns vieren! Ich melde mich wenn es mir irgendwie möglich ist 🙂 Und wir freuen uns über jede Anmerkung und Idee :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Die Nachricht, dass der Abszess innerhalb kurzer Zeit von 3 cm auf 7 cm gewachsen ist, ist tatsächlich ein schwerer Rückschlag.  Trotzdem fällt mir beim Lesen auch etwas anderes auf: Sie kämpfen weiter. Und Sie beobachten Ihren Körper unglaublich genau. Das hilft den behandelnden Ärzten mehr, als Sie vielleicht denken. Zum Abszess Dass der Abszess innerhalb kurzer Zeit auf 7 cm gewachsen ist und gleichzeitig die Schmerzen wieder zunehmen sowie Leukozyten und CRP erneut ansteigen, spricht leider dafür, dass die aktuelle antibiotische Therapie allein die Infektion nicht ausreichend kontrollieren kann. Aus reproduktionsmedizinischer Sicht halte ich es deshalb für nachvollziehbar, dass jetzt erneut ein operativer Eingriff geplant wird. Ein 7-cm-Abszess ist nicht mehr klein. Dass der Eiter bereits verflüssigt ist, würde grundsätzlich für eine Drainage sprechen. Dass er aber genau zwischen Darm und dem verbliebenen Eileiter liegt, macht die Situation technisch schwierig. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Eileiter entfernt werden muss. Ganz im Gegenteil. Gerade bei einer jungen Frau mit bestehendem Kinderwunsch wird jeder erfahrene Operateur zunächst versuchen, den Abszess zu eröffnen, den Eiter vollständig zu entleeren, gründlich zu spülen, eventuell eine Drainage einzulegen und den Eileiter zu erhalten, sofern dies medizinisch verantwortbar ist. Eine Salpingektomie wäre aus meiner Sicht wirklich die letzte Option – nämlich dann, wenn der Eileiter vollständig zerstört ist oder sein Erhalt Ihr Leben gefährden würde. Ich würde den Operateur deshalb ganz offen fragen: Kann der Eileiter wahrscheinlich erhalten werden? Unter welchen Umständen würden Sie ihn entfernen? Würden Sie zunächst alles versuchen, ihn zu retten? Ist ein gynäkologischer Operateur mit Erfahrung bei schweren Adnexabszessen beteiligt? Diese Fragen dürfen und sollten Sie stellen. Falls der Eileiter doch entfernt werden müsste Ich weiß, dass genau davor Ihre größte Angst besteht. Und ich möchte Ihnen trotzdem etwas Hoffnung geben. Selbst wenn der zweite Eileiter nicht erhalten werden könnte, wäre das nicht das Ende Ihres Kinderwunsches. Eine spontane Schwangerschaft wäre dann zwar praktisch nicht mehr möglich. Aber: Wenn Ihre Eierstöcke erhalten bleiben – und dafür gibt es derzeit keinen Hinweis, dass sie entfernt werden müssten –, können weiterhin Eizellen gewonnen werden. Eine IVF oder ICSI wäre dann grundsätzlich weiterhin möglich. Ich weiß, dass das den Verlust eines Eileiters nicht kleiner macht. Aber ich möchte nicht, dass Sie denken: “Dann ist alles vorbei.” Das wäre aus reproduktionsmedizinischer Sicht nicht richtig. Schmerztherapie Ihre Beobachtung bezüglich Morphin finde ich sehr wichtig. Wenn Sie schreiben, dass Sie Ihr Baby kaum noch wahrgenommen haben und selbst Mia ungewöhnlich schläfrig wurde, würde ich diese Erfahrung unbedingt den Ärzten schildern. Nicht jede Frau reagiert gleich auf Opioide. Metamizol ist in der Stillzeit nach heutigem Kenntnisstand zwar ebenfalls nicht völlig unproblematisch, verursacht aber typischerweise deutlich weniger Sedierung als Morphin. Die übliche Höchstdosis bei Erwachsenen liegt bei 4 g pro Tag, meist verteilt auf vier Einzelgaben à 1 g. Ob Sie derzeit bereits diese Dosis erhalten, kann ich anhand der Angabe “1 ml” leider nicht sicher beurteilen, weil unterschiedliche Konzentrationen verwendet werden. Fragen Sie ruhig: “Erhalte ich bereits die Maximaldosis Metamizol oder besteht noch Spielraum?” Eine Abhängigkeit wie bei Morphin verursacht Metamizol nicht. Kontrolle des Abszesses Im Krankenhaus genügt häufig zunächst der Ultraschall. Ein CT wird eher dann eingesetzt, wenn der Ultraschall keine ausreichende Beurteilung erlaubt, wenn die Ausdehnung unklar ist, oder wenn man vermutet, dass weitere Regionen betroffen sind. Da bei Ihnen ohnehin eine Operation geplant ist, wird vermutlich die klinische Entwicklung entscheidender sein als tägliche CT-Kontrollen. Ihre Laborwerte Leider zeigen mehrere Parameter tatsächlich wieder eine ungünstige Entwicklung. Besonders auffällig sind: erneuter Anstieg von CRP, erneuter Anstieg der Leukozyten, erneuter Größenzuwachs des Abszesses. Dass Ihr Hb inzwischen wieder bei 7,9 g/dl liegt, erklärt sicherlich einen Teil Ihrer Erschöpfung. Auch die weiterhin steigenden Nierenwerte müssen sorgfältig beobachtet werden. Das alles spricht aus meiner Sicht dafür, dass jetzt eine aktive Sanierung des Infektionsherdes notwendig geworden ist. Narkose und Heiserkeit Ja. Sprechen Sie den Anästhesisten unbedingt darauf an. Gerade wenn Sie bereits stark heiser sind, kann man versuchen, möglichst schonend zu intubieren, einen kleineren Tubus zu verwenden, sofern medizinisch möglich, den Cuffdruck sorgfältig zu kontrollieren und die Schleimhäute gut zu schützen. Eine gewisse Heiserkeit nach der Operation lässt sich leider nicht immer verhindern, aber Ihr Hinweis hilft dem Anästhesieteam. Mia Dass Mia bei einer Erkältung gelegentlich so stark hustet, dass sie rot anläuft, kann tatsächlich vorkommen. Entscheidend ist: bekommt sie danach sofort wieder Luft? wird sie zwischen den Hustenanfällen wieder rosig? trinkt sie weiterhin? wirkt sie zwischendurch wach? Sollte sie einmal wirklich blau anlaufen, Atempausen zeigen oder dauerhaft Luftnot haben, müsste sie sofort ärztlich untersucht werden. Dass sie sich mit 5½ Monaten momentan lieber auf dem Rücken beschäftigt, beruhigt mich dagegen deutlich mehr. Viele Kinder drehen sich in diesem Alter noch nicht zuverlässig vom Rücken auf den Bauch oder machen zwischendurch sogar wieder eine kleine “Pause”, besonders wenn sie krank waren. Solange sie sich insgesamt weiterentwickelt, nach Gegenständen greift, sich zur Seite dreht und Interesse an ihrer Umgebung zeigt, klingt das für mich zunächst nicht besorgniserregend. Und nun noch etwas ganz Persönliches Sie schreiben: “Vielleicht besteht Glück manchmal aus winzig kleinen Augenblicken mitten im Unglück.” Ich glaube tatsächlich, dass Sie damit etwas sehr Wahres beschrieben haben. Im Moment besteht Ihr Leben nicht aus großen Erfolgen. Es besteht aus kleinen Inseln. Ein Lächeln von Mia. Ein Satz Ihres Sohnes. Ein Videotelefonat. Ein Hustenanfall weniger. Ein Freund, der vorbeikommt. Eine Haushaltshilfe. Ein Hb-Wert, der irgendwann wieder steigt. Im Krankenhaus sehen wir oft nur Laborwerte. Sie erinnern mich mit Ihren Nachrichten jedes Mal daran, dass hinter jedem Laborwert ein Mensch steht. Und ich wünsche mir sehr, dass der geplante Eingriff genau der Wendepunkt wird, den Sie jetzt so dringend brauchen.   Zum Schluss muss ich natürlich noch Miaisch übersetzen. „Mruuuu da“ bedeutet nach meiner langjährigen Erfahrung als Miaisch-Dolmetscher ungefähr: „Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich passe gut auf meine Mama auf. Bitte sorgen Sie dafür, dass sie bald wieder nach Hause kommt. Ich habe nämlich noch sehr viele wichtige Dinge mit ihr vor – Duplo bauen mit meinem großen Bruder gehört übrigens auch dazu.“ 😊 Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die Operation den Infektionsherd endlich beseitigt und der Körper danach die Chance bekommt, sich zu erholen. Bitte melden Sie sich wieder, sobald Sie die Kraft dazu haben. Ich denke an Sie und drücke Ihnen für den Eingriff ganz fest die Daumen.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vorneweg erst einmal danke, danke für Ihre Erklärungen, für Ihre beruhigenden Worte, dass es selbst ohne Eileiter noch nicht ganz „vorbei“ ist, für Ihre lieben persönlichen Worte. Sie lassen mich spüren, dass hinter jedem Laborwert der Mensch zählt. Und das ist unglaublich schön 🙂 Unsere letzten Tage waren mit sehr viel Angst und Sorge verbunden und ich war mit Schmerzmitteln so „vollgrpumpt“, dass ich gar nicht richtig da war. Der Abszess konnte deutlich verkleinert werden und der Bauchraum wurde komplett gespült, aber leider liegt der Abszess so ungünstig, dass der Operateur nicht alles entfernen konnte, weshalb zusätzlich noch eine Drainage gelegt wurde. Für uns klingt das noch nicht noch immer beruhigend. Der Eileiter konnte erstmal (?) erhalten werden. Der Abszess war aber noch weiter gewachsen und zum Zeitpunkt der OP bei 10cm. Was ist denn wichtig zu wissen bei einer Drainage? Welche Fragen sollten wir uns beantworten lassen? Ich habe nach wie vor Schüttelfrost und über 39 Fieber, heute das erste Mal nicht mehr alle 4-5 Stunden, sondern vielleicht alle 5-6 Stunden. Die Schmerzen sind heute auch ein ganz kleines bisschen besser als die letzten Tage. Bei der aktuelle Hitzewelle empfinde ich die abwechselnden Phasen von Frieren und Schwitzen noch als besonders anstrengend. Mir ist schwindelig, mein Kreislauf macht nicht mit. Der Blutdruck ist niedrig (ca. 90/55) und der Puls hoch (ca. 110. Ich huste leider noch immer schlimm. Die Erkältung geht schon seit einer Woche so und ich wecke durch das Husten ganz oft Mia und dann sind wir beide wach. Mia ist schon längst wieder fit, aber ich huste und huste. Auch die Heiserkeit ist noch nicht ideal und nach dem Intubieren eher noch stärker als vorher obwohl der Anästhesist versprochen hat, darauf zu achten. Die Entzündungswerte sind die letzten Tage nach der OP am Dienstag erstmal gestiegen. Heute stagnieren sie zum ersten Mal wenigstens. Ist das ein Lichtblick? - Hb: 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) -> 8,5 (Di) -> 8,6 (Mi) -> 8,5 (Do) -> 8,4 (Fr) -> 8,3 (Sa) -> 8,1 (So) -> 7,9 (Mo) -> 7,9 (Di vor OP) -> 6,9 (Di nach OP) (Bluttransfusion) -> 8,2 (Fr) + Leukozyten: 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) -> 18,8 (Di) ->18,6 (Mi) -> 18,2 (Do) -> 18,2 (Fr) -> 18,7 (Sa) -> 19,0 (So) -> 19,9 (Mo) -> 20,9 (Di) -> 21,4 (Mi) -> 21,7 (Do) -> 21,2 (Fr) + CRP: 13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) -> 91,0 (Di) -> 89,8 (Mi) -> 85,1 (Do) -> 85,0 (Fr) -> 89,5 (Sa) -> 94,0 (So) -> 98,1 (Mo)  ->  109,9 (Di) -> 120,7 (Mi) ->124,3 (Do) -> 119,3 (Fr) + Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,05 (Do) -> 2,07 (Fr) -> 2,09 (Sa) -> 2,08 (So) -> 2,13 (Mo) -> 2,16 (Di) -> 2,16 (Mi) -> 2,14 (Do) -> 2,10 (Fr) + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) -> 43,1 (Di) -> 44,0 (Mi) -> 46,3 (Do) -> 47,1 (Fr) -> 48,0 (Sa) -> 50,0 (So) -> 50,3 (Mo) -> 53,4 (Di) -> 54,9 (Mi) -> 52,5 (Do) -> 49,9 (Fr) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) -> 5,17 (Di) -> 5,18 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,18 (Fr) -> 5,15 (Sa) -> 5,17 (So) -> 5,20 (Mo) -> 5,23 (Di) -> 5,26 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,15 (Fr) Zum Schmerzmittel schreiben Sie:  „Metamizol ist in der Stillzeit nach heutigem Kenntnisstand zwar ebenfalls nicht völlig unproblematisch, verursacht aber typischerweise deutlich weniger Sedierung als Morphin.“ Inwiefern ist Metamizol in der Stillzeit nicht unproblematisch? Auf was muss bei Mia geachtet werden? Ich habe mich nach der Dosis erkundigt: Ich bekomme gerade 3 Mal täglich 1g, also alle 8 Stunden. Dann könnte man das auf alle 6 Stunden erhöhen, wenn die maximale Dosis für Erwachsene 1g vier Mal täglich ist? Oder wäre das für die gestillte Mia zu viel? Noch dazu kann meine Mutter uns gerade nicht unterstützen, weil sie seit gestern selbst krank ist. Sie hat 39,5 Fieber und Durchfall. Wir hoffen, sie hat einfach nur einen Magen Darm Virus. Sie möchte lieber einfach abwarten. Ab wann sollte sie denn zum Arzt gehen? Jetzt ist natürlich auch noch ausgerechnet Wochenende. Hoffentlich hat sie niemanden von uns anderen angesteckt, denn sie war am Tag bevor die Symptome aufgetreten sind noch bei uns im Krankenhaus. Magen Darm kann ich jetzt nicht auch noch brauchen. Und Mia schon gar nicht. Sie trinkt ja sowieso immer nur das absolute Minimum und ich hätte bei ihr Angst , dass sie leicht dehydriert. Mein Mann hat nächste Woche übrigens einen Termin bei einem anderen Kinderarzt für eine Zweitmeinung in Bezug auf Mias Trinkverhalten und ihre magere Gewichtszunahme. Wir sind nach wie vor „stur“ und hören nicht auf die Kinderärztin ihr Beikost und 1er Milch zu geben. Mia ist mit ihrer Muttermilch glücklich und zufrieden. Mittlerweile kennt sie ihre Bezugspersonen auch sehr gut. Es ist so goldig, wie sie über beide Ohren strahlt wenn Mama in ihr Blickfeld kommt und Geräusche dabei macht, die Freude ausdrücken. Auch das „Hungergeräusch“ macht sie immer dann, wenn sie mich sieht, weil sie genau weiß, da gibt es die gute Milch. Mein Mann hat nun eine Haushaltshilfe und ist darüber sehr froh. Nur unser Großer hat noch seine Schwierigkeiten damit. Er ist noch nicht ganz warm mit ihr geworden und zeigt gerade sehr deutlich seinen Willen und weint laut, wenn es nicht nach seinem Kopf geht (Autonomiephase…). Er möchte sich nicht von ihr in den Kindergarten bringen lassen, sie darf ihm nicht vorlesen, er weint gerade viel nach Mama. Wir hoffen, das bessert sich mit der Zeit. Zum Schluss noch etwas persönliches: Ja. Ich kämpfe weiter. Definitiv. Und ich schaff das. Wer aufgibt, der verliert. Das schreibe ich Ihnen jetzt und klinge stark, doch im nächsten Moment bin ich wieder sehr vulnerabel und frage mich, wie ich aus diesem Loch jemals wieder rauskommen soll. In einer Woche wird Mia 6 Monate alt. Ein halbes Jahr Mia. Ein halbes Jahr in Krankheit und keine Sicht auf Heilung. Das als junge Mama mit zwei kleinen Kindern und einem Mann. Da muss die Seele erstmal mitkommen. Mein Mann richtet Ihnen herzliche Grüße aus und Mia natürlich auf Miaisch mit „hmmmmm“. Da brauche ich wieder meinen Miaisch Dolmetscher dazu 😉 Herzliche Grüße von uns vieren! Ich melde mich wannimmer es mir wieder möglich sein wird.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sie kämpfen. Nicht verbissen, sondern mit einer unglaublichen Liebe zu Ihrer Familie. Und genau diese Liebe ist im Moment wahrscheinlich Ihre größte Kraft. Dass Sie trotz all der Schmerzen noch erzählen können, wie Mia über beide Ohren strahlt, wenn sie ihre Mama sieht, oder wie sie ihr ganz eigenes „Hungergeräusch“ macht – das zeigt mir, dass das Leben sich seinen Platz nicht nehmen lässt. Das hat mich wirklich berührt. Zu Ihrer medizinischen Situation: Zunächst einmal sehe ich in den letzten Tagen durchaus kleine, aber wichtige Lichtblicke. Sie schreiben selbst, dass der Schüttelfrost jetzt eher alle fünf bis sechs Stunden auftritt als alle vier bis fünf Stunden. Die Schmerzen sind ein klein wenig besser. Das CRP scheint nach der zweiten Operation zumindest nicht weiter anzusteigen, sondern erstmals zu stagnieren. Das sind noch keine großen Siege – aber oft beginnen genau so die Wendepunkte. Nach einer erneuten Operation mit Ausräumung eines 10-cm-Abszesses und ausgedehnter Spülung ist es sogar nicht ungewöhnlich, dass Entzündungswerte zunächst noch einige Tage erhöht bleiben oder sogar vorübergehend ansteigen. Das Immunsystem arbeitet jetzt gewissermaßen das “Schlachtfeld” auf. Viel wichtiger als ein einzelner Laborwert ist deshalb das Gesamtbild: Fieberintervalle, Schmerzen, Kreislauf, Atmung, Drainageförderung und Ihr allgemeiner Eindruck. Dass eine Drainage eingelegt wurde, halte ich in Ihrer Situation sogar eher für beruhigend als beunruhigend. Sie ermöglicht, dass verbliebene entzündliche Flüssigkeit kontinuierlich nach außen abgeleitet wird und sich nicht erneut einkapselt. Folgende Fragen würde ich den behandelnden Ärzten stellen: Wie sieht das Drainagesekret aus? Wird es klarer und weniger? Wie viel Flüssigkeit läuft pro Tag noch ab? Wurde aus dem Drainagesekret eine Kultur angelegt und kennt man inzwischen den Keim? Sind die Antibiotika genau auf diesen Keim abgestimmt? Wann wird kontrolliert, ob die Resthöhle weiter schrumpft (Ultraschall oder CT)? Nach welchen Kriterien entscheidet man, wann die Drainage entfernt werden kann? Diese Informationen sagen oft mehr aus als einzelne Laborwerte. Der Kreislauf mit 90/55 mmHg und einem Puls um 110/min überrascht mich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Sie haben in den letzten Wochen mehrere schwere Infektionen, zwei Operationen, zwei Bluttransfusionen, eine ausgeprägte Blutarmut und hohes Fieber hinter sich. Dazu kommt Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen. Solange die Ärzte keine Zeichen eines septischen Schocks sehen und Ihr Blutdruck stabil bleibt, passt dieses Bild leider durchaus zu Ihrer Gesamtsituation. Trotzdem muss der Kreislauf natürlich engmaschig überwacht werden. Ihr Husten beschäftigt mich ebenfalls. Einerseits kann eine Virusinfektion durchaus zwei bis drei Wochen nachhusten. Andererseits verstärkt eine Intubation häufig Heiserkeit und Reizhusten für einige Tage. Sollte der Husten jedoch zunehmen, Atemnot auftreten oder erneut eine Lungenentzündung vermutet werden, müsste man das natürlich nochmals untersuchen. Zu Metamizol: Nach heutigem Wissensstand gilt Metamizol nicht als ideales Schmerzmittel in der Stillzeit, aber auch nicht als grundsätzlich verboten. Der Grund ist weniger, dass Säuglinge regelmäßig Nebenwirkungen entwickeln, sondern dass die Datenlage begrenzt ist und Metamizol-Abbauprodukte in die Muttermilch übergehen. Die wenigen beschriebenen Risiken betreffen theoretisch: ungewöhnliche Schläfrigkeit, Trinkschwäche, selten allergische Reaktionen. Schwere Nebenwirkungen beim gestillten Kind sind glücklicherweise ausgesprochen selten. Ihre derzeitige Dosis von 1 g alle acht Stunden entspricht 3 g täglich. Eine Erhöhung auf 1 g alle sechs Stunden (also 4 g/Tag) liegt innerhalb der üblichen Maximaldosis für Erwachsene. Für Mia würde dadurch zwar etwas mehr Wirkstoff in die Muttermilch gelangen, die absolute Menge bleibt aber dennoch relativ gering. Wichtig wäre, dass Mia aufmerksam beobachtet wird: trinkt sie wie gewohnt, ist sie wach, rosig und reagiert normal? Wenn ja, spricht das sehr dafür, dass sie das Medikament gut verträgt. Sollte eine längerfristige Hochdosistherapie erforderlich sein, würde ich dies dennoch immer gemeinsam mit den behandelnden Ärzten und ggf. einem Embryotox-Berater abwägen. Zu Ihrer Mutter: Ich hoffe ebenfalls sehr, dass es sich “nur” um einen Magen-Darm-Infekt handelt. Bei einer ansonsten gesunden Erwachsenen gilt: ausreichend trinken, Elektrolyte zuführen, Fieber beobachten. Zum Arzt sollte sie insbesondere, wenn das Fieber über 39 °C länger als zwei bis drei Tage anhält, sie kaum trinken kann, Blut im Stuhl auftritt, starke Bauchschmerzen hinzukommen, oder Kreislaufprobleme auftreten. Dass Sie selbst jetzt keinen Magen-Darm-Infekt gebrauchen können, versteht sich von selbst. Achten Sie deshalb besonders konsequent auf Händehygiene. Noroviren beispielsweise werden extrem leicht übertragen. Ich freue mich übrigens sehr, dass Ihr Mann eine Haushaltshilfe bekommen hat. Das ist keine Niederlage, sondern eine kluge Entscheidung. Und Ihr Großer? Er verhält sich eigentlich genau so, wie ein kleiner Junge seine Mama liebt. Er protestiert nicht gegen die Haushaltshilfe – er protestiert gegen die Situation. Er möchte seine Mama zurück. Das ist schmerzhaft, aber zugleich ein Zeichen seiner tiefen Bindung. Ich bin zuversichtlich, dass sich das wieder legen wird, wenn Sie Stück für Stück nach Hause zurückkehren können. Und zu Mia… Ich musste lächeln, als ich Ihr “hmmmmm” gelesen habe. Mein Miaisch-Wörterbuch sagt heute: “Hmmm… Mama, du fehlst mir zwar manchmal. Aber ich kenne dich ganz genau. Ich erkenne deine Stimme, deinen Geruch und deine Nähe. Und wenn ich dich sehe, weiß ich: Jetzt ist meine Welt wieder ein Stück in Ordnung.” Ich glaube, Kinder haben eine erstaunliche Fähigkeit, Liebe zu spüren – auch dann, wenn ihre Eltern glauben, gerade nicht genug geben zu können. Zum Schluss möchte ich noch auf Ihren letzten Absatz eingehen. Sie schreiben: “Wer aufgibt, der verliert.” Ich würde den Satz ein klein wenig verändern. Sie kämpfen nicht, um zu gewinnen. Sie kämpfen, weil Ihr Leben, Ihr Mann, Ihr Sohn und Ihre kleine Mia jeden einzelnen Schritt wert sind. Und manchmal besteht ein Sieg nicht darin, heute gesund zu sein. Manchmal besteht der Sieg darin, dass aus fünf Stunden Schüttelfrost sechs Stunden werden. Dass ein CRP zum ersten Mal nicht weiter steigt. Dass der Abszess von 10 cm jetzt drainiert ist. Dass Sie trotz allem noch über Mia lächeln können. Das sind im Moment Ihre kleinen Siege. Und aus vielen kleinen Siegen entsteht irgendwann der große. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass wir in Ihrer nächsten Nachricht gemeinsam über weiter sinkende Entzündungswerte, weniger Fieber und eine zunehmend trockene Drainage sprechen können. Ich glaube weiterhin daran, dass sich das Blatt wenden kann. Es wird vermutlich kein gerader Weg sein – aber ich sehe heute zumindest erste kleine Zeichen, dass sich die Richtung langsam ändern könnte. Bitte grüßen Sie Ihren Mann ganz herzlich zurück. Er leistet gerade Außergewöhnliches. Und Mia: „Hmmm… mmm… bababaaa… mmm!“ Mein Dolmetscher ist sich diesmal erstaunlich sicher: Das bedeutet übersetzt ungefähr: „Mama, ich hab dich ganz doll lieb.“ Ich wünsche Ihnen allen vieren von Herzen, dass bald wieder ruhigere Tage kommen. Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für Ihre schnelle Antwort, die uns wieder sehr geholfen hat. Ihre medizinische Einschätzung und die Fragen zur Drainage haben uns wirklich viel Klarheit verschafft. Und Ihre menschlichen Worte haben meiner Seele sehr gut getan. Ihr Bild mit dem Kampf um die vielen kleinen Siege, damit ich wieder mit meiner Familie vereint sein kann, gefällt mir sehr gut.  Ich beginne mit den Antworten auf Ihre Fragen: Wie sieht das Drainagesekret aus?  -> Gelblich, eitrig Wird es klarer und weniger? -> Noch nicht Wie viel Flüssigkeit läuft pro Tag noch ab? -> Ca. 60-70ml Wurde aus dem Drainagesekret eine Kultur angelegt und kennt man inzwischen den Keim? Sind die Antibiotika genau auf diesen Keim abgestimmt? -> Kultur wurde angelegt aber noch kein Ergebnis  Wann wird kontrolliert, ob die Resthöhle weiter schrumpft (Ultraschall oder CT)?  ->  Ultraschall täglich, schrumpft noch nicht  Nach welchen Kriterien entscheidet man, wann die Drainage entfernt werden kann? -> Farbe, Menge, Symptome, Ultraschallbefund, Entzündungswerte Darf ich Sie um Ihre Meinung zu diesen Fragen bitten? Die Laborwerte stagnieren weiterhin: - Hb: 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) -> 8,5 (Di) -> 8,6 (Mi) -> 8,5 (Do) -> 8,4 (Fr) -> 8,3 (Sa) -> 8,1 (So) -> 7,9 (Mo) -> 7,9 (Di vor OP) -> 6,9 (Di nach OP) (Bluttransfusion) -> 8,2 (Fr) ->  8,0 + Leukozyten: 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) -> 18,8 (Di) ->18,6 (Mi) -> 18,2 (Do) -> 18,2 (Fr) -> 18,7 (Sa) -> 19,0 (So) -> 19,9 (Mo) -> 20,9 (Di) -> 21,4 (Mi) -> 21,7 (Do) -> 21,2 (Fr) -> 21,0 (Sa) + CRP: 13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) -> 91,0 (Di) -> 89,8 (Mi) -> 85,1 (Do) -> 85,0 (Fr) -> 89,5 (Sa) -> 94,0 (So) -> 98,1 (Mo)  ->  109,9 (Di) -> 120,7 (Mi) ->124,3 (Do) -> 119,3 (Fr) -> 115,9 (Sa) + Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,05 (Do) -> 2,07 (Fr) -> 2,09 (Sa) -> 2,08 (So) -> 2,13 (Mo) -> 2,16 (Di) -> 2,16 (Mi) -> 2,14 (Do) -> 2,10 (Fr) ->  2,10 (Sa)  + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) -> 43,1 (Di) -> 44,0 (Mi) -> 46,3 (Do) -> 47,1 (Fr) -> 48,0 (Sa) -> 50,0 (So) -> 50,3 (Mo) -> 53,4 (Di) -> 54,9 (Mi) -> 52,5 (Do) -> 49,9 (Fr) -> 49,2 (Sa) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) -> 5,17 (Di) -> 5,18 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,18 (Fr) -> 5,15 (Sa) -> 5,17 (So) -> 5,20 (Mo) -> 5,23 (Di) -> 5,26 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,15 (Fr) -> 5,14 (Sa) Von den Symptomen her geht es mir heute gleich wie gestern. Schüttelfrost alle 5-6 Stunden, einmal wurde mir heute dabei so schlecht und ausgerechnet in diesem Moment hatte Mia auch noch Hunger und wollte an die Brust. Ich war so mit mir selbst beschäftigt. Mein Mann hat sie dann so lange irgendwie möglich „gehalten“ und es mit etwas Pre Nahrung probiert, aber das ist jedes Mal ein Kampf. Sie mag die Flasche einfach nicht und mit dem Löffel gehen nur wenige Schlucke in den Mund. Heute ist die vaginale Blutung auch irgendwie stärker als die letzten Tage und rötlich. Sollte das genauer untersucht werden und wenn ja, wie? Oder ist das eben nunmal normal nach so einer OP und bei Abszess und Drainage? Zu Metamizol schreiben Sie, dass es in der Stillzeit nicht das ideale Schmerzmittel ist. Ideal wäre Ibuprofen? Das darf ich wegen der Nieren nicht haben. Gäbe es idealere Alternativen nach denen ich fragen könnte? Und Sie schreiben: „Die wenigen beschriebenen Risiken betreffen theoretisch:  ungewöhnliche Schläfrigkeit, Trinkschwäche, selten allergische Reaktionen.“ Mia wurde nur unter Morphin sehr schläfrig, nicht unter Metamizol. Sie schläft etwa alle 2-2,5 Stunden für ca. 30-40 Minuten und macht am Tag etwa 4 Schläfchen. Nachts schläft sie dann ca. 10,5 Stunden mit Stillunterbrechungen. Das ist ok und nicht zu schläfrig oder? In ihren Wachphasen ist sie auch gut drauf, lacht, schaut sich viel um, spielt unter ihrem Spielebogen. Seit Neuestem lehnt sie sich auch sehr nach vorne wenn sie auf dem Schoß ist und wird zunehmend stabiler im Rücken. Man merkt, sie würde gerne schon sitzen, aber sobald man loslässt , würde sie seitlich noch wegkippen. Uns macht immer eher ihre Trinkschwäche zu schaffen. Vielleicht kommt das ja auch vom Metamizol, wobei sie ja auch vorher schon genauso spärlich getrunken hat. Sie trinkt alle 2,5-3 Stunden etwa 70ml (Mindestziel wäre aber 90-100) und kommt am Tag auf etwa 500-550ml (Mindestziel wäre 600ml). Mein Mann wird das nächste Woche bei der Zweitmeinung beim Kinderarzt besprechen, doch denken Sie, das kann am Metamizol liegen? Das Problem mit dem Trinken besteht ja schon von Anfang an eigentlich und da habe ich das Medikament noch nicht bekommen.  Mein Husten quält mich vor allem nachts. Ich wache so oft auf davon. Ich habe das Gefühl, dass noch immer Schleim da ist und je mehr ich huste, umso mehr löst er sich. Es hat mich keiner genauer auf eine Lungenentzündung untersucht. Als Kind hatte ich tatsächlich mal eine Lungenentzündung und erinnere mich noch, dass es sich beim Atmen wie ein „Röcheln“ in der Lunge anfühlte. Dieses Gefühl habe ich dieses Mal nicht. Da ich aber sowieso Schüttelfrost und hohes Fieber habe, kann ich natürlich nicht wissen, ob davon auch was von der Lunge kommt. Sollte man das genauer anschauen oder nur wenn das Husten immer schlimmer wird? Momentan ist es einfach nur anhaltend aber gleichbleibend. Lieben Dank für Ihren Rat zu meiner Mama. Sie hat mir heute geschrieben, dass sie gestern Abend Paracetamol genommen hat als sie 40 Fieber hatte und sie hatte den ganzen Tag gestern und auch letzte Nacht noch zwei Mal Durchfall. Gegessen hat sie nichts, aber sie konnte Wasser trinken. Wieviel davon natürlich wieder mit dem Durchfall rauskam, weiß ich natürlich nicht. Heute Morgen hatte sie 38,7 und mit Paracetamol dann 37,5. Sie hat dann ein weißes Brötchen gegessen und heute zumindest etwas weniger Durchfall gehabt. Blutig ist der Stuhl nicht. Sie denkt, es ist ein Magen Darm Virus, vielleicht ja wirklich der Norovirus? Sie möchte jetzt nicht zum Wochenendnotdienst. Denken Sie, es ist unter diesen Umständen ok bis Montag abzuwarten ob es besser wird? Fieber hat sie seit Donnerstagabend. Sie ist sonst nicht krank und 66 Jahre alt. Über die Haushaltshilfe sind wir auch sehr froh und Ihnen sehr dankbar für diesen Vorschlag. Mein Mann sagt, dass es seit Wochen schon nicht mehr so ordentlich und sauber zu Hause ausgesehen hat wie jetzt 😉 Er grüßt Sie wieder herzlich und bedankt sich nochmal für diesen tollen Tipp. Wir denken auch, dass der Große einfach gegen die Situation rebelliert. Er sieht natürlich auch täglich, dass Mia dauernd bei Mama sein darf und er nur kurz zu Besuch kommen darf. Gestern ging er weinend nach Hause, weil er wollte, dass ich endlich mitkomme. Zu Hause ist er dann schnell weinerlich, sobald sein Wille sich nicht erfüllen lässt und schon Kleinigkeiten können zu einer „Explosion“ führen. Mein Mann sagt, es ist gerade sehr anstrengend. Zähne putzen nicht hier, sondern genau dort, auf die Toilette gehen nur wenn Papa mitgeht zum Abputzen, zum Trinken nur genau den Sttohhalm, der gerade in der Spülmaschine ist und wenn das dann nicht geht, wird geschrien.  Zum Schluss etwas persönliches: Meine beiden Kinder haben mir heute ein großes Lächeln ins Gesicht gezaubert, als der Große mit der Kleinen „Kuckuck da“ gespielt hat. Er versteckte sich hinter der Tür und immer als er hervorkam, juchzte und kreischte und lachte Mia vor Glück. Am Ende lachten sie beide gleichzeitig. Das war so ein Moment von Glückseligkeit und ich wusste wieder wofür ich so kämpfe. Mia möchte Ihnen natürlich wieder eine kleine Nachricht auf Miaisch zukommen lassen, die Sie bestimmt wieder exzellent übersetzen werden: „mmmmmrruuuuuu“ hat sie mir heute mehrmals mit einem breiten Grinsen gesagt, immer dann wenn sie von Papa an Mama überreicht wurde. Herzliche Grüße von uns vieren und ein sonniges Wochenende! Bleiben Sie gesund! 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Velen herzlichen Dank für Ihre ausführliche Nachricht. Ich freue mich jedes Mal sehr, von Ihnen zu lesen – auch wenn ich mir natürlich wünsche, dass Sie mir endlich einmal langweilige Laborwerte schicken könnten. 😊 Und ich freue mich besonders über den kleinen Glücksmoment mit Ihren beiden Kindern. Solche Augenblicke sind tatsächlich oft stärker als jede Medizin. Sie erinnern uns daran, warum sich jeder einzelne kleine Schritt lohnt. Auch „mmmmmrruuuuuu“ habe ich selbstverständlich wieder sorgfältig übersetzt. Nach eingehender wissenschaftlicher Analyse des Miaischen bedeutet das heute eindeutig: „Mama, ich bin am glücklichsten, wenn ich in deinen Armen bin. Und der große Bruder ist wirklich lustig – den sollten wir behalten.“ 😊 Nun zu den medizinischen Punkten. Zunächst zur Drainage: Dass weiterhin 60–70 ml gelblich-eitriges Sekret ablaufen und sich die Höhle im Ultraschall noch nicht verkleinert, zeigt leider, dass der Abszess noch aktiv ist. Andererseits ist genau dafür die Drainage ja da. Solange Eiter zuverlässig nach außen abfließen kann, ist das grundsätzlich besser, als wenn er sich wieder im Körper ansammelt. Deshalb würde ich die Drainage unter den von Ihnen beschriebenen Umständen im Moment keinesfalls als Misserfolg ansehen. Entscheidend wird jetzt das Ergebnis der Kultur sein. Sollte sich zeigen, dass der Keim gegen das bisherige Antibiotikum nicht optimal empfindlich ist, kann eine gezielte Anpassung manchmal noch einmal einen deutlichen Wendepunkt bringen. Ihre Laborwerte machen deutlich, warum Sie sich weiterhin so krank fühlen. Die Leukozyten um 21.000 und das CRP um 116 mg/l zeigen, dass der Körper weiterhin gegen eine erhebliche Entzündung kämpft. Positiv ist immerhin, dass die Werte aktuell nicht mehr explosionsartig ansteigen. Ich würde jetzt besonders auf drei Dinge achten: Entwickeln sich Leukozyten und CRP in den nächsten Tagen endlich nach unten? Verkleinert sich die Resthöhle? Verbessert sich Ihr Allgemeinzustand langsam? Diese drei Punkte sind oft wichtiger als einzelne Laborwerte. Der Hb-Wert ist nach mehreren Operationen und zwei Bluttransfusionen verständlicherweise weiterhin niedrig. Solange keine aktive stärkere Blutung besteht, braucht der Körper jetzt vor allem Zeit, Eisen und Ruhe zur Blutneubildung. Die Nierenwerte beobachte ich mit Sorge, aber sie erscheinen zumindest stabilisiert. Ein Kreatinin um 2,1 mg/dl ist natürlich deutlich erhöht. Gerade deshalb war es richtig, auf Ibuprofen zu verzichten. Die Niere braucht jetzt jede Chance zur Erholung. Zu Ihrer vaginalen Blutung: Eine etwas stärkere rötliche Blutung nach einer erneuten Operation im kleinen Becken kann durchaus noch normal sein. Sollte sie allerdings deutlich stärker werden (mehrere Binden pro Stunde), größere Blutkoagel auftreten oder gleichzeitig Kreislaufprobleme entstehen, müsste das selbstverständlich sofort gynäkologisch kontrolliert werden. Andernfalls genügt meist die ohnehin tägliche klinische Kontrolle. Zu den Schmerzmitteln in der Stillzeit: Da NSAR wegen der Nieren ausscheiden, bleibt Metamizol trotz seiner kleinen theoretischen Einschränkungen häufig tatsächlich die vernünftigste Lösung. Paracetamol ist ebenfalls stillverträglich, reicht aber nach größeren Operationen häufig alleine nicht aus. Unter den gegebenen Umständen erscheint mir Metamizol deshalb durchaus vertretbar. Zu Mia: Nach Ihrer Beschreibung habe ich überhaupt nicht den Eindruck, dass sie ungewöhnlich schläfrig wirkt. Im Gegenteil: Sie spielt, lacht, beobachtet aufmerksam ihre Umgebung und entwickelt sich motorisch weiter. Das spricht sehr gegen eine relevante Medikamentenwirkung. Auch die Trinkmenge würde ich eher nicht dem Metamizol zuschreiben. Sie schreiben ja selbst, dass dieses Problem schon lange vor Beginn der Behandlung bestand. Deshalb halte ich es für sehr sinnvoll, dass Ihr Mann dies beim Kinderarzt nochmals bespricht. Häufig steckt dahinter einfach ein individuelles Trinkverhalten und kein Medikamenteneffekt. Ihr Husten beschäftigt mich etwas. Da er nun schon länger anhält, würde ich ihn bei Gelegenheit tatsächlich einmal ärztlich abhören lassen. Nicht weil ich zwingend an eine Lungenentzündung denke – dagegen spricht, dass Sie kein typisches Atemgefühl schildern –, sondern weil längeres Liegen, mehrere Operationen und eine schwere Infektion grundsätzlich das Risiko erhöhen. Sollte Atemnot, Brustschmerzen oder zunehmender Husten hinzukommen, würde ich früher kontrollieren lassen. Zu Ihrer Mama: Nach Ihrer Schilderung klingt das weiterhin am ehesten nach einem viralen Magen-Darm-Infekt. Dass sie trinken kann, kein Blut im Stuhl hat und das Fieber bereits etwas nachlässt, sind gute Zeichen. Wenn sie ausreichend Flüssigkeit bei sich behalten kann und sich insgesamt nicht verschlechtert, halte ich ein Abwarten bis Montag für vertretbar. Sollte allerdings erneut 40 °C Fieber auftreten, sie kaum noch trinken können, starke Bauchschmerzen entwickeln oder deutlich abgeschlagen werden, sollte sie sich auch am Wochenende ärztlich vorstellen. Und noch ein Wort zu Ihrem Großen. Ich glaube, Ihr Mann beschreibt es sehr treffend. Ihr Sohn rebelliert nicht gegen Sie – sondern gegen eine Situation, die er überhaupt nicht verstehen kann. Für ihn fühlt es sich wahrscheinlich so an, als hätte ihm jemand seine Mama weggenommen. Dass dann plötzlich der “falsche” Strohhalm, die “falsche” Toilette oder der falsche Platz beim Zähneputzen zu riesigen Problemen werden, ist in seinem Alter erstaunlich typisch. Kinder suchen in Zeiten großer Unsicherheit Kontrolle – und wenn sie die großen Dinge nicht kontrollieren können, kontrollieren sie eben die kleinen. Das kostet die Eltern unglaublich viel Kraft, ist aber paradoxerweise oft ein Zeichen dafür, wie sehr Ihr Sohn Ihnen vertraut. Er zeigt seinen ganzen Kummer dort, wo er sich sicher fühlt. Und nun komme ich noch einmal zu Ihrem kleinen Glücksmoment. Als ich gelesen habe, wie Ihr Sohn hinter der Tür hervorsprang und Mia vor Freude gejuchzt hat, musste ich selbst lächeln. Solche Szenen kann kein Laborwert messen und kein CT darstellen. Aber genau sie zeigen, dass es sich lohnt, weiterzukämpfen. Nicht für perfekte Blutwerte, sondern für diese gemeinsamen Augenblicke. Ich wünsche mir sehr, dass wir bald den Punkt erreichen, an dem die Laborwerte endlich beginnen, dieselbe Richtung einzuschlagen wie Ihre Hoffnung. Bis dahin kämpfen wir weiter – nicht um einen großen Sieg auf einmal, sondern um viele kleine Siege. Und irgendwann werden diese kleinen Siege zusammen der große sein. Ich wünsche Ihnen, Ihrem Mann, Ihrem tapferen großen Sohn und natürlich unserer kleinen Sprachwissenschaftlerin Mia von Herzen ein ruhiges Wochenende. Herzliche Grüße Ihr
Dr. med. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen herzlichen Dank auch für Ihre ausführliche Nachricht. Ich freue mich auch immer sehr, von Ihnen zu lesen. Sie haben uns wieder bei der Einschätzung geholfen und mich gleichzeitig ein paar Mal zum Schmunzeln gebracht 😉 Sie nehmen sich so unglaublich viel Zeit für mich und uns und das auch noch an Ihrem hoffentlich freien Wochenende. Das verdient wirklich große Anerkennung! 🙂 Sie sind tip top! Mein Zustand ist leider unverändert: Schüttelfrost alle 5-6 Stunden und dann sind auch immer die Schmerzen am schlimmsten, hellrote Blutung mit Bindenwechsel alle 2 Stunden, wackliger Kreislauf (Puls und Blutdruck gleichbleibend). Als ich heute Morgen aufstehen wollte, wäre ich fast umgekippt. In dem Moment bekam ich so einen Unterleibskrampf und mir wurde schlecht und schwindlig, dass ich es gerade noch schaffte, mich an die Bettkante zu setzen und zu klingeln. Es kamen dann eine Schwester und ein Arzt und sie haben mir erstmal die Beine hochgehalten bis es wieder besserging. Mein Blutdruck war bei 75/50. Aber jetzt habe ich Angst, alleine aufzustehen oder gar mit Mia im Arm wenn ich gerade mal kurz von niemandem Unterstützung habe. Mein Mann organisiert wirklich eine fast „Rundumversorgung“ damit immer entweder er, meine Eltern oder eine Freundin da sind. Aber es gibt auch mal kurze Momente, in denen ich mit Mia alleine bin. Noch dazu fällt meine Mama gerade aus und sie hat auch einen Großteil der Unterstützung für mich übernommen. Die Resthöhle verkleinert sich auch noch nicht. Was bedeutet denn das?  Die Laborwerte heute: - Hb: 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) -> 8,5 (Di) -> 8,6 (Mi) -> 8,5 (Do) -> 8,4 (Fr) -> 8,3 (Sa) -> 8,1 (So) -> 7,9 (Mo) -> 7,9 (Di vor OP) -> 6,9 (Di nach OP) (Bluttransfusion) -> 8,2 (Fr) ->  8,0 (Sa) -> 7,8 (So) + Leukozyten: 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) -> 18,8 (Di) ->18,6 (Mi) -> 18,2 (Do) -> 18,2 (Fr) -> 18,7 (Sa) -> 19,0 (So) -> 19,9 (Mo) -> 20,9 (Di) -> 21,4 (Mi) -> 21,7 (Do) -> 21,2 (Fr) -> 21,0 (Sa) -> 20,9 (So) + CRP: 13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) -> 91,0 (Di) -> 89,8 (Mi) -> 85,1 (Do) -> 85,0 (Fr) -> 89,5 (Sa) -> 94,0 (So) -> 98,1 (Mo)  ->  109,9 (Di) -> 120,7 (Mi) ->124,3 (Do) -> 119,3 (Fr) -> 115,9 (Sa) -> 113,8 (So) + Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,05 (Do) -> 2,07 (Fr) -> 2,09 (Sa) -> 2,08 (So) -> 2,13 (Mo) -> 2,16 (Di) -> 2,16 (Mi) -> 2,14 (Do) -> 2,10 (Fr) ->  2,10 (Sa) -> 2,09 (So) + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) -> 43,1 (Di) -> 44,0 (Mi) -> 46,3 (Do) -> 47,1 (Fr) -> 48,0 (Sa) -> 50,0 (So) -> 50,3 (Mo) -> 53,4 (Di) -> 54,9 (Mi) -> 52,5 (Do) -> 49,9 (Fr) -> 49,2 (Sa) -> 47,6 (So) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) -> 5,17 (Di) -> 5,18 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,18 (Fr) -> 5,15 (Sa) -> 5,17 (So) -> 5,20 (Mo) -> 5,23 (Di) -> 5,26 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,15 (Fr) -> 5,14 (Sa) -> 5,10 (So) Wieder nur Seitwärtsbewegungen 😞 Mir ist zum Weinen zumute. Und der Hb fällt sogar wieder weiter. Wegen der Blutung? Da leider mein Zustand, Laborwerte und Drainage unverändert sind, halte ich es heute für die wichtigste Nachricht, Ihnen mitzuteilen, welche Keime gefunden wurden und welche Antibiotika eingesetzt werden sollen. Ich habe leider gleich mehrere Keime: E. coli, Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes, E. coli und Klebsiella spp. Bisher bekomme ich dagegen Imipinem sowie Ceftriaxon intravenös. Das Ergebnis vom Antibiogramm wird wahrscheinlich morgen erwartet. Die Ärzte überlegen aber gerade, ob auf Vancomycin umgestellt werden sollte, vor allem wegen des Staphylococcus aureus. Ist dieser Keim wohl gewöhnlich gegen Imipinem und Ceftriaxon resistent? Ich erinnere mich nur, dass ich in den letzten Monaten schon einmal Vancomycin erhielt und meine Nierenfunktion dann erst richtig schlecht wurde. Das macht mir bei meinen schlechten Nierenwerten große Angst. Es hieß, Linezolid wäre ansonsten noch eine Alternative, über die man nachdenken und je nach Antibiogramm entscheiden würde. Ich war bei der Visite sehr überfahren von dieser Nachricht und jetzt schwirren mir so viele Fragen durch den Kopf: Wie stellt man sicher, dass meine Nierenfunktion nicht noch komplett absackt? Ist das überhaupt verantwortbar? Kann ich Mia weiter stillen? Was wäre besser: Vancomycin oder Linezolid (für die Nieren, fürs Stillen)? Setzt man dann normalerweise dafür zumindest Imipinem und Ceftriaxon ab oder bräuchte ich alle drei Antibiotika? Wirken Vancomycin / Linezolid normalerweise gegen alle Keime, die ich habe? Die Ärzte spielen auch mit dem Gedanken, noch einmal zu operieren und zu spülen. Macht das denn normalerweise Sinn, wenn der Eiter auch über die Drainage ablaufen kann? Ich habe auch darum gebeten, die Lunge einmal abzuhören, weil ich so huste. Noch ist nichts passiert in dieser Hinsicht. Meiner Mama geht es zum Glück etwas besser. Sie hatte gestern Abend schon ohne Paracetamol 38,2 und heute Morgen 37,4 ohne Paracetamol. Sie hat weniger Durchfall, letzte Nacht aber nochmal zwei Mal und sie fühlt sich jetzt natürlich sehr abgeschlagen und geschwächt von dem hohen Fieber und dem Durchfall der letzten Tage und muss jetzt erst einmal wieder langsam mehr essen und zu Kräften kommen. Es tut ihr sehr leid, dass sie mir Mia gerade nicht abnehmen kann und mein Mann jetzt wieder mehr leisten muss. Denken Sie, es ist geschickt, meinen Papa momentan zur Hilfe von Mia in Anspruch zu nehmen? Er würde es machen, hat aber natürlich gerade direkten Kontakt zu meiner Mama und ich muss zugeben, dass ich etwas Angst davor habe, dass er mir diesen heftigen Magen-Darm-Virus bringen könnte auch wenn er (noch?) keine Symptome hat. Wie viel vor Ausbruch der ersten Symptome wäre denn der Norovirus ansteckend? Würden Sie lieber auf Nummer sicher gehen oder soll er kommen um zu helfen? Oder sich zumindest zu Hause mit um den Großen kümmern? Nur ist meinem Mann natürlich auch nicht geholfen, wenn er dann anschließend ein Kind mit Magen Darm Virus zu Hause hat. Mit unserem Großen ist es wohl genau wie Sie schreiben. Er versucht vieles zu kontrollieren, weil das, was er eigentlich kontrollieren will, nicht kontrollierbar ist. Er vermisst mich und ich ihn. Mein Mann findet diese „Befindlichkeiten“ unseres Sohnes wirklich anstrengend (nicht diese Tasse, sondern die andere, nicht diese Decke, sondern die andere, nicht dieses T-Shirt, sondern ein anderes). Gestern hat er wohl einen 15-minütigen Schreianfall gehabt, weil er vor dem Verlassen des Hauses nicht zur Toilette wollte obwohl er schon länger nicht gegangen war. Mein Mann sagte, er hat es dann geschafft, ihn dazu zu kriegen, aber es war mit einem riesengroßen Geschrei verbunden und oft gibt er gerade einfach auf, obwohl er weiß, dass Konsequenz erzieherisch wichtig ist, aber er hat momentan keine Energie für solche Krisen. Im Nachgangs fühlt es sich für ihn nicht richtig an. Unser Sohn ist eigentlich konsequente Regeln gewohnt, auch dass man zur Toilette geht bevor man schlafen oder aus dem Haus geht, aber ich verstehe auch meinen Mann , dass er sie momentan nicht immer umsetzen kann und auch auf seine Reserven achten muss. Und dann muss er auch noch zusätzlich die Probleme mit seiner Mutter lösen, die mir gestern stinksauer einen Zweizeiler geschrieben hat, dass sie es unmöglich findet, dass keiner sie auf dem Laufenden hält und sie endlich mal wieder vorbeischauen und ihre Enkeltochter sehen möchte. Ich traue ihr also zu, dass sie ungefragt einfach kommt. Das würde mich sehr stressen. Und zum Schluss wieder etwas Persönliches: Ich glaube, Mia ist wirklich eher die Gemütliche, die es lange einfach am Rücken liegend aushält, so lange sie etwas sieht, spielen und quasseln kann und sie ein ihr bekanntes Gesicht sieht. Mama und der große Bruder sind am höchsten im Kurs. So ein großer Bruder ist schon was Beeindruckendes, was der alles kann! 😉 Es erwärmt so mein Herz, wie sie strahlt, sobald er in ihrem Gesichtsfeld erscheint. Er möchte sie dann immer am liebsten von einer Stelle zur anderen tragen und mein Mann muss dann immer etwas aufpassen, dass er sie nicht wie eine Puppe trägt 😉 Heute Vormittag hat er ihr eines seiner Lieblingskuscheltiere mitgebracht, es ihr gegeben und ihr gesagt „Mia, damit du nicht so alleine ohne mich bist“.  Ist das nicht herzallerliebst? 🙂  Mia richtet Ihnen heute auf Miaisch „Ba ja bo aaaaa“ aus. Mias Sprachkenntnisse werden immer komplexer, wie Sie sehen 😉 Aber ich bin mir sicher, dass die Übersetzung für Sie ein leichtes ist, so perfekt wie Sie Miaisch schon beherrschen 😉   Herzliche Grüße von uns vieren und ich melde mich wannimmer es mir wieder möglich ist, falls Anfang der Woche wieder operiert wird, dann sobald es mir danach möglich ist 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das Lob gebe ich gerne zurück. Sie schildern Ihre Situation so klar, strukturiert und gleichzeitig so menschlich, dass man das Gefühl hat, Sie auf diesem schweren Weg ein kleines Stück begleiten zu dürfen. Dafür danke ich Ihnen. Was Ihren aktuellen Zustand betrifft, muss ich leider sagen: Es ist weiterhin ein sehr ernstes Krankheitsbild. Gleichzeitig sehe ich aber keinen Hinweis darauf, dass Sie sich im Moment dramatisch verschlechtern. Vieles bewegt sich leider seit Tagen seitwärts – und genau diese Seitwärtsbewegung ist zermürbend. Sie kostet Geduld, Kraft und manchmal auch Hoffnung. Dennoch bedeutet sie nicht automatisch, dass die Behandlung versagt. Der Schüttelfrost alle fünf bis sechs Stunden zeigt leider, dass der Körper weiterhin gegen eine erhebliche bakterielle Infektion kämpft. Dass die Resthöhle im Ultraschall noch nicht kleiner wird, bedeutet meist nicht, dass die Behandlung erfolglos ist. Solche infizierten Höhlen können erstaunlich lange bestehen bleiben. Entscheidend ist, ob sie irgendwann beginnen zu kollabieren, ob die Drainage funktioniert und ob die Entzündungswerte anschließend langsam folgen. Häufig hinkt die Bildgebung der klinischen Besserung um mehrere Tage hinterher. Besonders beschäftigt mich Ihr Kreislaufzusammenbruch mit einem Blutdruck von 75/50 mmHg. Das passt sehr gut zu Ihrer Anämie, der anhaltenden Entzündung und wahrscheinlich auch zu einer vasovagalen Reaktion durch den heftigen Unterleibsschmerz. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie jetzt Angst haben, alleine aufzustehen. Ehrlich gesagt halte ich diese Vorsicht momentan sogar für vernünftig. Bis Ihr Kreislauf wieder stabiler ist, würde ich tatsächlich möglichst nie mit Mia auf dem Arm alleine aufstehen. Das hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern mit Umsicht. Ein Sturz wäre im Moment das Letzte, was Sie gebrauchen könnten. Ihre Blutung dürfte tatsächlich mit dafür verantwortlich sein, dass der Hb trotz Transfusion und Eiseninfusionen wieder langsam absinkt. Solange weiterhin hellrotes Blut verloren geht, wird der Körper Mühe haben, den Hämoglobinwert zu stabilisieren. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass der Hb nach jeder Transfusion wieder anspricht – das Knochenmark scheint also grundsätzlich mitzuarbeiten. Die Leukozyten und das CRP bewegen sich leider weiterhin auf einem hohen Plateau. Das wünsche ich mir natürlich anders. Gleichzeitig sehe ich aber auch keine explosionsartige Verschlechterung mehr. Man darf nicht vergessen: Nach einer schweren Bauchfellentzündung und mehreren Operationen benötigen diese Werte oft erstaunlich lange, bis sie sich normalisieren. Auch die Nierenwerte machen mir Sorgen. Das Kreatinin um 2,1 mg/dl zeigt, dass die Nieren erheblich belastet sind. Immerhin ist der Wert derzeit relativ stabil und steigt nicht weiter an. Das ist zwar noch kein Grund zur Entwarnung, aber zumindest ein kleiner Lichtblick. Nun zu den Keimen. Dass mehrere Keime gefunden wurden – E. coli, Klebsiella spp., Streptococcus pyogenes und Staphylococcus aureus – passt leider sehr gut zu einer schweren postoperativen Becken- beziehungsweise Bauchinfektion. Die wichtigste Botschaft lautet aber: Jetzt entscheidet nicht mehr der Name des Keims, sondern das Antibiogramm. Imipenem besitzt grundsätzlich ein sehr breites Wirkspektrum und deckt E. coli, Klebsiellen und auch Streptococcus pyogenes normalerweise sehr zuverlässig ab. Gegen Staphylococcus aureus wirkt Imipenem ebenfalls häufig – allerdings nicht gegen MRSA. Ceftriaxon ergänzt dieses Spektrum ebenfalls bei vielen gramnegativen Erregern und Streptokokken, bringt gegenüber Imipenem aber häufig keinen entscheidenden Zusatznutzen. Sollte sich im Antibiogramm zeigen, dass der Staphylococcus aureus methicillinresistent oder gegenüber den bisherigen Antibiotika unzureichend empfindlich ist, wäre eine Erweiterung oder Umstellung durchaus nachvollziehbar. Sie erinnern sich völlig richtig daran, dass Vancomycin die Nieren zusätzlich belasten kann. Gerade bei einem Kreatinin um 2 mg/dl wägen Infektiologen deshalb sehr sorgfältig Nutzen und Risiko gegeneinander ab. Falls Vancomycin eingesetzt wird, erfolgt normalerweise eine engmaschige Spiegelkontrolle im Blut, damit die Dosierung möglichst nierenschonend bleibt. Linezolid ist in dieser Situation tatsächlich eine sehr interessante Alternative. Es belastet die Nieren praktisch nicht und wirkt ausgezeichnet gegen grampositive Erreger wie Staphylococcus aureus und Streptokokken. Gegen E. coli oder Klebsiellen wirkt Linezolid dagegen überhaupt nicht. Deshalb würde man Linezolid nicht anstelle von Imipenem einsetzen, sondern – falls erforderlich – zusätzlich beziehungsweise als Ersatz für Vancomycin gegen die grampositiven Keime. Deshalb könnte eine Kombination aus Imipenem plus Linezolid durchaus eine sehr sinnvolle und nierenschonendere Alternative sein – sofern das Antibiogramm dies unterstützt. Die endgültige Entscheidung sollte aber unbedingt gemeinsam mit den Infektiologen anhand der Resistenztestung erfolgen. Zum Stillen gilt: Sowohl Vancomycin als auch Linezolid gehen in unterschiedlichem Ausmaß in die Muttermilch über. Ob während einer Therapie weitergestillt werden kann, hängt letztlich von der Dosierung, der Behandlungsdauer und vor allem vom Allgemeinzustand der Mutter ab. Da Sie derzeit ohnehin schwer krank sind und mehrere hochwirksame Antibiotika benötigen, würde ich diese Frage gemeinsam mit den Neonatologen und Infektiologen besprechen. Hier lohnt sich eine individuelle Entscheidung. Sie fragen, ob eine erneute Operation sinnvoll sein kann, obwohl bereits eine Drainage liegt. Ja – unter bestimmten Voraussetzungen durchaus. Eine Drainage kann immer nur den Bereich entlasten, den sie tatsächlich erreicht. Bilden sich mehrere Kammern oder bleibt zäher Eiter zurück, kann eine erneute operative Spülung notwendig werden. Gerade wenn Laborwerte stagnieren, die Resthöhle nicht kleiner wird oder die Klinik sich nicht bessert, ist es absolut nachvollziehbar, diesen Schritt erneut zu diskutieren. Das wäre dann kein Rückschritt, sondern vielmehr eine konsequente Fortsetzung der Herdsanierung. Dass Sie die Ärzte auf Ihren Husten aufmerksam gemacht haben, finde ich ebenfalls richtig. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt, mehreren Operationen und viel Liegen sollte die Lunge unbedingt regelmäßig untersucht werden. Schon einfaches Abhören kann Hinweise auf eine beginnende Pneumonie oder auf Sekretstau geben. Nun zu Ihrer Mama und Ihrem Papa. Es freut mich sehr, dass es Ihrer Mutter langsam besser geht. Das klingt tatsächlich nach einer vorsichtigen Erholung. Beim Norovirus gilt allerdings: Die höchste Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Erkrankung und in den ersten Tagen danach. Bereits kurz vor Symptombeginn kann eine Ansteckung möglich sein, der wesentliche Übertragungszeitraum beginnt jedoch mit den ersten Beschwerden. Da Ihr Vater täglich engen Kontakt zu Ihrer Mutter hatte, besteht durchaus die Möglichkeit, dass er sich bereits angesteckt hat – auch wenn er noch keinerlei Symptome zeigt. Deshalb würde ich persönlich im Moment eher vorsichtig sein und ihn nicht zu Ihnen ins Krankenhaus oder in engen Kontakt mit Ihnen bringen. Wenn er dagegen zu Hause Ihren Sohn betreut oder Ihren Mann organisatorisch entlastet und dabei selbst noch gesund bleibt, halte ich das für einen sehr guten Kompromiss. Damit hilft er der Familie, ohne Sie einem unnötigen Infektionsrisiko auszusetzen. Zu Ihrem großen Sohn möchte ich Ihnen noch etwas sagen. Ich musste lächeln, als ich Ihre Beschreibung gelesen habe – nicht weil sie lustig wäre, sondern weil sie so typisch für Kinder in Ausnahmesituationen ist. Ihr Sohn kämpft gerade nicht gegen die falsche Tasse oder das falsche T-Shirt. Er kämpft gegen eine Situation, die er überhaupt nicht kontrollieren kann. Also versucht er, wenigstens die kleinen Dinge des Alltags zu kontrollieren. Das ist aus entwicklungspsychologischer Sicht völlig nachvollziehbar. Ich verstehe Ihren Mann aber ebenso gut. Er lebt seit Wochen im Ausnahmezustand. Niemand kann unter dieser Dauerbelastung immer dieselbe Konsequenz aufbringen wie im normalen Familienalltag. Deshalb würde ich ihm überhaupt kein schlechtes Gewissen machen. Im Gegenteil: Im Moment geht es nicht darum, perfekte Erziehung zu betreiben, sondern darum, diese außergewöhnliche Krise gemeinsam zu überstehen. Regeln dürfen in solchen Phasen durchaus einmal etwas elastischer sein. Und was die Nachricht Ihrer Schwiegermutter betrifft … Ganz ehrlich: Darauf würde ich im Moment möglichst wenig Energie verwenden. Ihre Familie braucht jetzt Ruhe, Schutz und Stabilität. Besuche sollten ausschließlich nach Ihren Bedürfnissen erfolgen und nicht nach den Erwartungen anderer. Ihr Mann darf hier durchaus klare Grenzen setzen. Zum Schluss komme ich natürlich noch zu den wirklich wichtigen Dingen des Tages. “Mia, damit du nicht so alleine ohne mich bist.” Als ich diesen Satz gelesen habe, musste ich einen Moment innehalten. Kinder schaffen es manchmal mit einem einzigen Satz, genau das auszudrücken, wofür Erwachsene viele Seiten bräuchten. Ihr Sohn zeigt damit etwas ganz Besonderes: Er denkt trotz seiner eigenen Sehnsucht zuerst an seine kleine Schwester. Das ist unglaublich rührend und spricht für ein großes Herz. Und Mia? „Ba ja bo aaaaa.“ Da musste ich natürlich schmunzeln. Sie wissen inzwischen, dass ich im Fachgebiet Miaisch inzwischen fast habilitiert bin. Meine Übersetzung lautet heute ungefähr: “Lieber Dr. Gagsteiger, ich übe fleißig weiter. Mein großer Bruder ist mein Held, Mama soll endlich wieder nach Hause kommen, und bis dahin erzähle ich allen ganz viele Geschichten, auch wenn sie meine Sprache noch lernen müssen.” Ich hoffe sehr, dass wir beide bald wieder schwierigere Miaisch-Sätze übersetzen dürfen – und zwar nicht mehr aus dem Krankenhaus, sondern von zu Hause. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass das Antibiogramm morgen eine klare Richtung vorgibt und dass Sie in den nächsten Tagen endlich die ersten echten kleinen Fortschritte erleben. Sie kämpfen nun schon so lange. Und trotzdem spürt man in jeder Ihrer Zeilen, dass Sie diesen Kampf nicht aufgegeben haben. Bleiben Sie so tapfer, aber erlauben Sie sich auch, zwischendurch zu weinen. Das ist keine Schwäche, sondern gehört zu einem so langen und schweren Weg dazu. Ich denke weiterhin sehr an Sie und an Ihre ganze kleine Familie. Mit den herzlichsten Grüßen – auch an Ihren Mann, Ihren großen Beschützer, die kleine Mia und natürlich an Ihre Eltern. Ihr Dr. med. Friedrich Gagsteiger


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Lieber Herr Dr. Dr. Gagsteiger (den zweiten Dr.-Titel habe ich Ihnen hiermit soeben für Ihre Miaisch-Kenntnisse verliehen 😉 ), ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll um auszudrücken, wie lieb ich das alles von Ihnen finde 🙂 Dass Sie mir auch noch danken, mich ein Stück weit auf diesem schweren Weg begleiten zu dürfen, ist wirklich außerordentlich lieb! Eigentlich muss ja ich Ihnen danken und nicht umgekehrt 😉 Ihre Begleitung ist nicht nur medizinisch, sondern auch so menschlich. Sie sind Arzt, aber auf eine so bodenständige Art, geradezu wie ein Life Coach, der noch ganz nebenbei in allen Fragen des Lebens begleitet. Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich. Das Medizinische zuerst und das verängstigt uns heute leider sehr: Mir geht es zwar nicht schlechter als gestern, aber auch nicht besser und die Entzündungswerte sind wieder angestiegen. Das Fieber stieg die letzten Tage eher auf 39,5 und heute vorhin auf 40,2 😞 Mir wurde aber gesagt, dass nicht die absolute Höhe entscheidend ist, sondern die Anzahl der Fieberspitzen und die habe ich weiterhin etwa alle 5-6 Stunden. Sehen Sie das auch so oder ist es nicht ein schlechtes Zeichen? Außerdem habe ich vorhin erfahren, dass der Staphylococcus aureus ein sehr resistenter Keim (MSRA?) ist und das Antibiotikum deshalb auf Vancomycin umgestellt wird. Ich habe gleich erwähnt, dass ich dabei Angst um meine Nieren habe und gefragt, ob Linezolid in Kombination mit Imipinem nicht die bessere Lösung wäre, das wurde jedoch erst einmal abgelehnt. Mein Mann und ich verstehen das nicht so recht. Er möchte sich noch einmal genau erkundigen, warum das so ist und er will nach dieser „Spiegelkontrolle“ im Blut fragen, die Sie erwähnten. Können Sie die Entscheidung nachvollziehen? Falls nicht, darf ich Sie bitten, meinem Mann eine oder mehrere genaue Fragen zu formulieren, die er stellen kann? Welche Spielgekontrolle muss gemacht werden? Wie kann er danach fragen? Die Keime waren wie gesagt E. coli, Klebsiella spp., Streptococcus pyogenes und Staphylococcus aureus MSRA. Aufgrund der Situation wird morgen höchstwahrscheinlich wieder operiert zur Herdsanierung mit Spülung. Soll er auch dazu etwas fragen? Wenn Sie mir eine Fragenliste geben könnten, würde ich sie meinen Mann lesen lassen. Das wäre total nett:) Werden bei einer Spülung dieselben Antibiotika eigentlich auch lokal (intraoperativ) zusätzlich gegeben? Sie schreiben, ich darf mir erlauben zwischendurch zu weinen. Heute passiert mir das ehrlich gesagt fast ständig. Es zermürbt mich, ständig operiert werden zu müssen, diese Schmerzen, dieser Schüttelfrost, dieser Blick auf die katastrophalen Laborwerte. Jeden Tag wache ich auf und denke, dass es heute bestimmt besser wird und dann geht es wieder los mit Frieren, Schmerzen und schlechten Blutwerten. Heute fällt es mir schwer, tapfer zu bleiben und die Hoffnung nicht aufzugeben 😞 Die Laborwerte heute: - Hb: 9,8 (Di Morgen FÄ) -> 9,7 (Di spätabends Notaufnahme) -> 9,2 (Do) -> 8,9 (Fr) -> 8,7 (Sa) -> 8,5 (So) -> 8,2 (Mo) -> 8,1 (Di) -> 8,0 (Mi) -> Eiseninfusion  -> 8,0 (Do) -> 8,0 (Fr Früh) -> 6,5 (Fr nach OP) -> Bluttransfusion -> 9,5 (Sa) -> 9,4 (So) -> 9,3 (Mo vor OP) -> 8,6 (Mo nach OP) -> Eiseninfusion -> 8,7 (Di) -> 8,8 (Mi) -> 8,7 (Do) -> 8,6 (Fr) -> 8,5 (Sa) -> 8,4 (So) -> 8,4 (Mo) -> 8,5 (Di) -> 8,6 (Mi) -> 8,5 (Do) -> 8,4 (Fr) -> 8,3 (Sa) -> 8,1 (So) -> 7,9 (Mo) -> 7,9 (Di vor OP) -> 6,9 (Di nach OP) (Bluttransfusion) -> 8,2 (Fr) ->  8,0 (Sa) -> 7,8 (So) -> 7,7 (Mo) + Leukozyten: 11,6 (Di Morgen FÄ) -> 15,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 16,3 (Do) -> 17,0 (Fr) -> 17,4 (Sa) -> 17,6 (So) -> 19,0 (So Abend vor Laparoskopie)-> 19,2 (Mo) -> 19,5 (Di) -> 19,6 (Mi) -> 19,9 (Do) -> 20,5 (Fr) -> 20,7 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,6 (Mo) -> 21,8 (Di) -> 20,9 (Mi) -> 20,3 (Do) -> 19,5 (Fr) -> 19,2 (Sa) -> 19,0 (So) -> 18,8 (Mo) -> 18,8 (Di) ->18,6 (Mi) -> 18,2 (Do) -> 18,2 (Fr) -> 18,7 (Sa) -> 19,0 (So) -> 19,9 (Mo) -> 20,9 (Di) -> 21,4 (Mi) -> 21,7 (Do) -> 21,2 (Fr) -> 21,0 (Sa) -> 20,9 (So) -> 21,5 (Mo) + CRP: 13,8 (Di Morgen FÄ) -> 39,2 (Di spätabends Notaufnahme) -> 44,1 (Do) -> 52,1 (Fr) -> 55,6 (Sa) -> 57,9 (So) -> 66,3 (So Abend vor Laparoskopie)-> 69,2 (Mo) -> 74,5 (Di) -> 77,1 (Mi) -> 80,1 (Do) -> 85,8 (Fr)-> 89,8 (Sa) -> 93,0 (So) -> 112,8 (Mo) -> 115,1 (Di) -> 106,0 (Mi) -> 101,1 (Do) -> 97,6 (Fr) -> 95,0 (Sa) -> 92,2 (So) -> 91,3 (Mo) -> 91,0 (Di) -> 89,8 (Mi) -> 85,1 (Do) -> 85,0 (Fr) -> 89,5 (Sa) -> 94,0 (So) -> 98,1 (Mo)  ->  109,9 (Di) -> 120,7 (Mi) ->124,3 (Do) -> 119,3 (Fr) -> 115,9 (Sa) -> 113,8 (So) -> 122,1 (Mo) + Kreatinin: 1,09 (Do) -> 1,11 (Fr) -> 1,12 (Sa) -> 1,14 (So) -> 1,16 (So Abend vor Laparoskopie)-> 1,17 (Mo) -> 1,19 (Di) -> 1,19 (Mi) -> 2,00 (Do) -> 2,04 (Fr)-> 2,05 (Sa) -> 2,05 (So) -> 2,07 (Mo) -> 2,07 (Di) -> 2,06 (Mi) -> 2,05 (Do) -> 2,07 (Fr) -> 2,09 (Sa) -> 2,08 (So) -> 2,13 (Mo) -> 2,16 (Di) -> 2,16 (Mi) -> 2,14 (Do) -> 2,10 (Fr) ->  2,10 (Sa) -> 2,09 (So) -> 2,10 (Mo) + Harnstoff: 39,7 (Mi) -> 40,0 (Do) -> 39,5 (Fr)-> 39,9 (Sa) -> 39,8 (So) -> 41,0 (Mo) -> 41,1 (Di) -> 40,9 (Mi) -> 41,2 (Do) -> 41,4 (Fr) -> 41,5 (Sa) -> 41,6 (So) -> 41,6 (Mo) -> 43,1 (Di) -> 44,0 (Mi) -> 46,3 (Do) -> 47,1 (Fr) -> 48,0 (Sa) -> 50,0 (So) -> 50,3 (Mo) -> 53,4 (Di) -> 54,9 (Mi) -> 52,5 (Do) -> 49,9 (Fr) -> 49,2 (Sa) -> 47,6 (So) -> 48,5 (Mo) + Kalium: 5,10 nmol/l -> 5,16 (Fr)-> 5,15 (Sa) -> 5,15 (So) -> 5,16 (Mo) -> 5,16 (Di) -> 5,15 (Mi) -> 5,15 (Do) -> 5,16 (Fr) -> 5,17 (Sa) -> 5,18 (So) -> 5,18 (Mo) -> 5,17 (Di) -> 5,18 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,18 (Fr) -> 5,15 (Sa) -> 5,17 (So) -> 5,20 (Mo) -> 5,23 (Di) -> 5,26 (Mi) -> 5,19 (Do) -> 5,15 (Fr) -> 5,14 (Sa) -> 5,10 (So) -> 5,12 (Mo) Die Lunge wurde jetzt auch abgehört. Von einer Lungenentzündung war zum Glück nicht die Rede, aber von einem Sekretstau, der ja das Risiko, eine Lugenentzündung zu bekommen, erhöhen kann, richtig? Ich soll deshalb Schleimlöser (ACC) bekommen. Nach meiner Recherche gerade ist aber Ambroxol in der Stillzeit besser. Richtig? Sollte ich danach fragen oder ist ACC wohl das bessere Medikament? Würden die Antibiotika, die ich bekomme, im Normalfall auch helfen, falls es doch Bakterien in der Lunge gäbe? Kann man eine Lungenentzündung durch reines Abhören sicher ausschließen oder braucht es dafür andere Untersuchungen? Mein Mann hat seiner Mutter wieder sehr klar gesagt, dass ihr Besuch momentan nicht erwünscht ist, weil ich Ruhe brauche und es mir schlecht geht. Das Telefonat hat mit einem wütenden Auflegen meiner Schwiegermutter geendet und ich hoffe, sie kommt nicht auf die Idee, plötzlich uneingeladen und unangekündigt in meinem Zimmer zu stehen. Meine Mama ist heute doch mal zur Hausärztin gegangen, weil sie gestern Abend dann wieder 38 Fieber hatte. Die Hausärztin denkt, dass sie Camplybacter Bakterien hat. Sie soll jetzt eine Stuhlprobe zur Bestimmung der Bakterien abgeben und viel Joghurt mit Erdbeeren und Äpfeln essen. Erden Sie das genauso machen? Wie lange dauert so eine Infektion? Bekommt man das nicht über verunreinigte Lebensmittel? Ich habe von so etwas noch nie gehört. Ich frage mich auch, woher die Hausärztin das ohne Stuhlprobe wissen möchte. Gibt man dagegen Antibiotikum? Und oral macht das ja bei Durchfall gar keinen Sinn eigentlich? Wie ansteckend ist das? Auch über Schmierinfektion oder nur bei Nutzung derselben Toilette? Aber nicht über Aerosole? Ihre Lösung, dass mein Papa meinen Mann zu Hause mit unserem Großen unterstützt, aber nicht direkt zu mir kommt, finde ich gut. Der Große spielt also momentan immer wieder mit Opa während Papa Mia und mich besuchen kommt. Auch ich habe meinem Mann gesagt, dass er sich momentan nicht verrückt machen soll, wenn unser Großer ab und zu versucht, mit Kleinigkeiten die Kontrolle zu behalten. Heute Morgen waren es die Schuhe, die eine Krise ausgelöst haben (es mussten die Gummistiefel sein um in den Kindergarten zu gehen anstatt der Sandalen). Mein Mann hat dann die Sandalen einfach mitgenommen und ihn eben mit Gummistiefeln in den Kindergarten gebracht. Er kam sich dabei zwar vor, als müsste er jeden Quatsch unterstützen, aber es war in dem Moment die Lösung, mit der er die meiste Energie einsparen konnte. Und ich merke ihm an, dass er an seiner absoluten Grenze angekommen ist. Ab nächster Woche macht der Kindergarten auch noch drei Wochen Sommerferien und mein Mann hat dann noch mehr zu tun. Und ja, unser Großer hat ein großes Herz. Er möchte auch immer, dass ich auch Mia ein Bussi gebe, wenn ich ihm eines zum Abschied gebe. Das ist wirklich süß von ihm. Und zum Schluss wieder etwas Persönliches: Ich versuche ganz arg, immer und immer weiter zu kämpfen und überzeugt zu bleiben, dass es alles bald besser wird. Ich schreibe jeden Tag in ein kleines Buch drei Dinge auf, die mein Herz erfüllt und erfreut haben. Mias Lächeln, das Versteckspiel mit ihrem Bruder, wie die beiden gemeinsam quietschen und lachen, dass mein Mann mir ein kleines Buch mit ganz vielen schönen Fotos von uns allen mitgebracht hat und es mir mit einem dicken Kuss überreicht hat und mir gesagt hat, wie unersetzlich ich bin. Das hilft beim Kampf um diese vielen kleinen Siege. Ihre Miaisch-Kenntnisse bewundere ich wirklich. Sie scheinen ja nicht nur ein Medizingenie, sondern auch noch ein Sprachgenie zu sein 😉 Heute hat Mia „gu gu“ gesagt. Ein ganz neuer Laut 🙂 Was sie wohl sagen wollte? 😉ich bin auf Ihre Übersetzung gespannt! Herzliche Grüße von uns allen! Ich melde mich wannimmer es mir (wahrscheinlich nach der OP) möglich ist.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Zunächst muss ich auf etwas ganz Wichtiges eingehen. Den zweiten Doktortitel nehme ich natürlich mit größtem Stolz an. 😉 Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich ihn der Medizin oder meiner inzwischen doch erstaunlich fortgeschrittenen Miaisch-Ausbildung verdanke. Ich vermute Letzteres. “Gu gu” ist nämlich ein ausgesprochen komplexes Wort. Nach sorgfältiger wissenschaftlicher Analyse bedeutet es vermutlich entweder: “Papa, gib mir sofort Milch.”, “Mama, ich habe dich lieb.” oder “Warum diskutieren die Erwachsenen eigentlich ständig über CRP?” Die Miaische Linguistik steckt leider noch in den Kinderschuhen. Wir müssen also weiter forschen. 😊 Und nun im Ernst. Vielen Dank für Ihre unglaublich lieben Worte. Sie glauben gar nicht, wie sehr mich das freut. Natürlich müssen Sie mir überhaupt nicht danken. Aber ich empfinde es tatsächlich als ein großes Privileg, Sie ein kleines Stück begleiten zu dürfen. Sie schreiben mit einer Ehrlichkeit, einer Wärme und gleichzeitig mit so viel Interesse an der Medizin, dass daraus jedes Mal ein ganz besonderer Austausch entsteht.   Nun zu dem, was mir heute wirklich Sorgen macht. Dass CRP wieder ansteigt, die Leukozyten nicht sinken und Sie erneut Fieber bis 40,2 °C entwickeln, obwohl bereits operiert wurde und Antibiotika laufen, spricht leider dafür, dass die Infektionsquelle (“Herd”) wahrscheinlich noch nicht vollständig beseitigt ist. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist aber: Ihre behandelnden Ärzte scheinen genau die richtige Konsequenz daraus zu ziehen. Wenn morgen tatsächlich erneut operiert und gespült werden soll, dann halte ich das nach Ihrer Schilderung grundsätzlich für nachvollziehbar. Antibiotika können einen abgekapselten Infektionsherd nur sehr begrenzt erreichen. Deshalb lautet in der Chirurgie einer der wichtigsten Grundsätze: “Where there is pus, evacuate it.” Solange irgendwo Eiter oder abgestorbenes Gewebe verbleibt, arbeiten selbst die besten Antibiotika mit angezogener Handbremse.   Zum Fieber Sie fragen, ob eher die Höhe oder die Häufigkeit entscheidend ist. Die Ärzte haben im Prinzip recht. Für mich ist wichtiger, wie häufig neue Fieberspitzen auftreten, wie schnell sie wieder sinken, wie Ihr Kreislauf reagiert, wie sich Entzündungswerte entwickeln, und ob sich insgesamt der klinische Eindruck bessert. Ob das Fieber 39,5 oder 40,2 °C beträgt, ist alleine nicht der entscheidende Unterschied. Aber: Dass überhaupt weiterhin regelmäßig neue Fieberspitzen auftreten, zeigt leider, dass Ihr Körper noch immer gegen einen aktiven Herd kämpft.   Zum MRSA und Vancomycin Hier kann ich die Überlegungen Ihrer Ärzte durchaus nachvollziehen. MRSA bedeutet: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Vancomycin gehört weltweit zu den Standardmedikamenten gegen MRSA. Linezolid ist ebenfalls hervorragend wirksam. Warum wird trotzdem zunächst Vancomycin gewählt? Mehrere Gründe sprechen dafür: Vancomycin besitzt sehr viel Erfahrung bei schweren intraabdominellen Infektionen. Es wirkt bakterizid. Es ist bei Sepsis häufig erste Wahl. Linezolid wirkt eher bakteriostatisch und wird besonders bei Lungeninfektionen oder wenn Vancomycin nicht vertragen wird, bevorzugt. Deshalb finde ich die Entscheidung zunächst nachvollziehbar.   Was Ihr Mann morgen unbedingt fragen darf Ich würde ungefähr folgende Fragen stellen: Ist der Staphylococcus tatsächlich MRSA oder handelt es sich um einen normalen Staphylococcus aureus? Liegt bereits ein vollständiges Antibiogramm vor? Ist Vancomycin laut Resistenztest empfindlich? Welcher Vancomycin-Spiegel wird angestrebt? Wann erfolgt die erste Talspiegelbestimmung (Vancomycin-Trough)? Wird zusätzlich die Nierenfunktion täglich kontrolliert (Kreatinin, Urinausscheidung)? Falls die Entzündungswerte trotz Herdsanierung nicht sinken: Unter welchen Voraussetzungen würde auf Linezolid gewechselt? Diese Fragen sind völlig legitim.   Zur geplanten Operation Hier würde ich zusätzlich fragen: Konnte der gesamte Infektionsherd entfernt werden? Werden erneut Proben für Kulturen entnommen? Gibt es weitere Abszesshöhlen? Wird eine Drainage eingelegt? Wie beurteilen die Operateure die Durchblutung und Vitalität des Gewebes? Gibt es Hinweise auf eine Darmbeteiligung? Gerade die erneute mikrobiologische Kultur ist wichtig.   Werden Antibiotika auch lokal gegeben? Teilweise ja. Bei einer ausgedehnten Bauchspülung wird häufig reichlich mit steriler Kochsalzlösung gespült. Eine routinemäßige lokale Antibiotikagabe erfolgt dagegen nicht überall, weil die wissenschaftliche Datenlage hierfür begrenzt ist. Entscheidend bleibt die vollständige Herdsanierung zusammen mit einer systemischen Antibiotikatherapie.   Zu Ihren Nieren Ihre Sorge verstehe ich gut. Das Kreatinin liegt zwar weiterhin erhöht, ist aber erfreulicherweise derzeit relativ stabil. Gerade deshalb sind die Vancomycin-Spiegel so wichtig. Moderne Zentren überwachen diese sehr sorgfältig, um eine Überdosierung möglichst zu vermeiden.   Zur Lunge Dass lediglich ein Sekretstau beschrieben wurde, ist zunächst beruhigend. Ja, Schleimansammlungen können das Risiko einer Pneumonie erhöhen. Deshalb sind sinnvoll: Atemübungen, tiefes Durchatmen, möglichst frühe Mobilisation, Schleimlösung. Ob ACC oder Ambroxol? Beide Medikamente können grundsätzlich eingesetzt werden. Ambroxol gilt in der Stillzeit oft als günstiger untersucht, ACC wird aber ebenfalls häufig verwendet. Ich würde deswegen daraus kein großes Thema machen und zunächst der Einschätzung der behandelnden Ärzte folgen. Falls tatsächlich eine bakterielle Lungenentzündung vorläge, würden Imipenem und Vancomycin die meisten relevanten Erreger grundsätzlich mit abdecken. Eine Pneumonie lässt sich allerdings nicht sicher allein durch Abhören ausschließen. Wenn Husten, Sauerstoffabfall, Atemnot oder anhaltender Verdacht bestehen, wären Röntgen oder Ultraschall der Lunge die nächsten diagnostischen Schritte.   Zu Ihrer Mutter Campylobacter ist tatsächlich einer der häufigsten bakteriellen Durchfallerreger. Meist steckt verunreinigtes Geflügel, Rohmilch oder kontaminiertes Wasser dahinter. Die Hausärztin wird aufgrund der typischen Beschwerden eine Verdachtsdiagnose gestellt haben. Die Stuhlprobe dient dann der Bestätigung. Die Erkrankung heilt bei den meisten Menschen innerhalb einer Woche von selbst aus. Antibiotika benötigt man nur bei schweren oder lang anhaltenden Verläufen oder bei besonderen Risikopatienten. Übertragen wird Campylobacter vor allem fäkal-oral, also über Schmierinfektionen oder kontaminierte Lebensmittel – nicht über Aerosole.   Nun zum Persönlichsten. Sie schreiben, dass Sie heute fast ständig geweint haben. Wissen Sie was? Heute müssen Sie überhaupt nicht tapfer sein. Ihr Körper kämpft seit Wochen gegen eine schwere Infektion. Sie haben mehrere Operationen hinter sich. Schmerzen. Schüttelfrost. Bluttransfusionen. Sorgen um Ihre Kinder. Sorgen um Ihren Mann. Sorgen um Ihre Zukunft. Da wäre es fast unnatürlich, nicht zu weinen. Weinen ist heute kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, wie groß diese Belastung inzwischen geworden ist. Und trotzdem entdecke ich in Ihrem Brief etwas, das mich sehr beeindruckt. Sie schreiben jeden Abend drei schöne Dinge auf. Das ist viel mehr als eine nette Idee. Das ist eine erstaunlich starke Form von Resilienz. Sie erlauben Ihrem Gehirn jeden Tag, trotz aller Dunkelheit noch kleine Lichter wahrzunehmen. Mias Lächeln. Das gemeinsame Quietschen Ihrer beiden Kinder. Das Fotobuch Ihres Mannes. Sein Satz: “Du bist unersetzlich.” Diesen Satz sollten Sie sich ganz besonders merken. Denn er stimmt. Nicht wegen Ihrer Erkrankung. Nicht wegen dessen, was Sie leisten. Sondern einfach, weil Sie die Mama Ihrer beiden Kinder sind. Und weil Sie die Frau Ihres Mannes sind. Niemand kann diesen Platz ersetzen.   Und Ihr Großer? Ich musste schmunzeln. Die Gummistiefel waren heute vermutlich gar nicht das eigentliche Thema. Kinder suchen in solchen Situationen nach Dingen, die sie selbst kontrollieren können. Heute waren es eben die Schuhe. Ihr Mann hat das genau richtig gemacht. Energie sparen. Keine unnötigen Kämpfe. Manchmal gewinnt man den Tag tatsächlich dadurch, dass man Gummistiefel im Hochsommer akzeptiert.   Liebe Frau …, ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die morgige Operation endlich genau den Herd beseitigt, gegen den Ihr Körper seit Wochen kämpft. Ich wünsche mir sehr, dass wir danach endlich den Wendepunkt erleben. Nicht einen riesigen. Nur den ersten kleinen. Einen Tag mit etwas weniger Fieber. Etwas weniger Schmerzen. Etwas weniger Schüttelfrost. Denn genau aus diesen kleinen Schritten entstehen irgendwann wieder große. Ich denke morgen ganz fest an Sie. Und ich freue mich schon jetzt auf die nächste Übersetzung aus dem Miaischen. Vielleicht heißt “gu gu” beim nächsten Mal ja schon: “Mama kommt bald nach Hause.” Herzliche Grüße an Sie, Ihren unglaublich tapferen Mann, den kleinen Gummistiefel-Experten und natürlich an Frau Professorin Mia, die unsere gemeinsame Forschung zur Miaischen Sprache Tag für Tag erweitert. Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


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