Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

PCO, kein Windpockenschutz

Frage: PCO, kein Windpockenschutz

the.flower

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Guten Morgen Herr Dr. Gagsteiger, ich finde es richtig toll, dass man hier im Forum Fragen stellen kann. Zu meiner Person: 34 Jahre, schlank, leichtes PCO ohne Insulinresistenz, 1 Kind (Geburt Notkaiserschnitt 2021), aktuell unerfüllter Kinderwunsch seit 1 Jahr, Spermiogramm super. Meine Zyklen: verlängert (zwischen 33 und 38 Tagen), meist aber dennoch mit positivem LH-Test und Temperaturanstieg, Schmierblutungen 3-6 Tage vor Periodenbeginn. Deshalb soll ab dem nächsten Zyklus mit Letrozol stimuliert werden. Der aktuelle Zyklus ist aber gerade richtig gut: positiver LH-Test an Tag 13 und im Ultraschall wurde ein dominanter Follikel an Tag 12 gesehen (18 mm mit guter Gebärmutterschleimhaut von 10 mm). Einzig die Periode war 8 Tage lang und sehr stark und schmerzhaft. Die Temperatur ist in der 2. Zyklushälfte auch deutlich gestiegen, allerdings erst 5 Tage nach positivem LH-Test. Ist es normal, dass der Temperaturanstieg so lange dauert? Oder ist es ein Zeichen, dass der Eisprung erst deutlich nach dem positivem LH-Test stattgefunden hat oder dass das Progesteron nicht gut genug steigt? Wir haben diesen Zyklus von Tag 10 bis Tag 15 jeden Tag genutzt, sodass eine Schwangerschaft natürlich auch möglich ist. Könnte man diese im Blut schon an Tag 21 nachweisen? Oder ist das zu früh? Ich frage, weil ich an Tag 21 zur Kontrolle von Progesteron sowieso zur Blutentnahme gehen muss. Zweite Frage: Im Kinderwunschzentrum wurde uns viel Mut gemacht, dass es im Laufe des Jahres bestimmt mit einer Schwangerschaft klappen würde. Ich mache mir deshalb bereits Gedanken, wie/wann ich eine Schwangerschaft meinem Arbeitsgeber kommunizieren würde. Ich bin Lehrerin, habe also sehr viele Kontakte mit Kindern/Jugendlichen. Auch wenn er stressig ist, mache ich meinen Beruf mit Leidenschaft, weshalb ich ihn eigentlich gerne so lange wie möglich ausüben möchte. Mein Mann ist hier anderer Meinung, da ich keinen ausreichenden Windpockenschutz habe. Als Kind hatte ich nie Windpocken, bin jedoch dagegen geimpft, meine Hausärztin hat durch einen Bluttest aber herausgefunden, dass ich leider zu den seltenen Non-Respondern gehöre und nicht ausreichend Antikörper gebildet habe. Auch eine weitere Impfung würde daran nichts ändern. Mein restlicher Impfstatus ist aber komplett. Ich bin nicht ängstlich und habe immer das Gefühl, unser Kind bringt aus der Kita mehr Keime mit, als ich aus der Schule, möchte aber natürlich einem Baby auch nicht schaden. Wie würden Sie hier über ein individuelles Beschäftigungsverbot denken? Ich bedanke mich für Ihre Zeit und wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag Bitte beachten sie, dass ich Ihnen an dieser Stelle nur allgemeine Informationen geben und keine individuelle Beratung im Sinne einer behandelnden Ärztin/eines behandelnden Arztes ersetzen kann. Dennoch möchte ich gerne auf Ihre Fragen eingehen. 1. Zyklusgeschehen und Temperaturanstieg Zeitpunkt des Eisprungs und verzögerter Temperaturanstieg: Ein positiver LH-Test zeigt in der Regel an, dass der LH-Anstieg (LH-Surge) beginnt. Die Ovulation selbst erfolgt meist 24–36 Stunden nach Beginn dieses LH-Anstiegs. Der Anstieg der Basaltemperatur setzt häufig 1–3 Tage nach dem Eisprung ein. Wenn Sie an Zyklustag 13 einen positiven LH-Test hatten, kann der Eisprung also durchaus erst an Zyklustag 14 oder 15 stattgefunden haben, sodass die Basaltemperatur dann auch erst einige Tage später deutlich nach oben geht. - Dass Ihre Temperatur erst 5 Tage nach dem positiven LH-Test gestiegen ist, kann mehrere Gründe haben (Zeitpunkt der Messung, individuelle Schwankungen, Genauigkeit des LH-Tests, verspäteter Eisprung usw.). Das ist nicht zwingend ein Hinweis auf eine „schlechte“ Progesteronproduktion, solange Sie insgesamt einen klar erkennbaren Temperaturanstieg haben. Progesteronbestimmung in der zweiten Zyklushälfte (Tag 21): Oft wird ein “Progesterontest an Tag 21” durchgeführt, um die Lutealphase einzuschätzen, jedoch bezieht sich „Tag 21“ klassisch auf einen 28-Tage-Zyklus mit Eisprung an Tag 14. Wenn Sie eher einen Eisprung um Tag 14/15 haben, passt das terminlich noch einigermaßen. Bei Spätovulation (z.B. Tag 18–20) sollte man die Blutentnahme individuell anpassen (ca. 7 Tage nach Eisprung). Früher Nachweis einer Schwangerschaft im Blut: Ein quantitativer Bluttest (β-hCG) kann eine Schwangerschaft  ab 14 Tagen nach dem Eisprung sicher anzeigen, manchmal auch schon etwas früher. Der „Zyklustag 21“ reicht dazu nicht aus. Hier wird nur Verunsicherung entstehen. - Beispiel: War der Eisprung an Tag 14, wäre Tag 21 bereits 7 Tage danach („ES+7“). - Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ohnehin Progesteron bestimmen möchte, ist das am 21. ZT sinnvoll. 2. Beschäftigungsverbot und Windpocken-Immunität Ihre berufliche Situation (Lehrerin) und fehlender ausreichender Windpockenschutz: In Deutschland sind im Rahmen des Mutterschutzes bestimmte Regelungen vorgesehen, um Mutter und Kind zu schützen. Bei fehlendem Immunschutz gegen bestimmte Infektionskrankheiten und engem Kontakt zu potenziell ansteckenden Kindern kann ein ärztliches Beschäftigungsverbot in Betracht gezogen werden. Windpocken und Schwangerschaft: Varizellen (Windpocken) können in der Schwangerschaft – vor allem bei Infektion im ersten und zweiten Trimester – zu Komplikationen führen (z.B. konnatales Varizellensyndrom). - Da Sie als Non-Responder gegen Varizellen gelten, ist es bei bekannter Exposition (z.B. wenn in einer Ihrer Klassen Windpocken auftreten) wichtig, schnellstmöglich das weitere Vorgehen mit Ihrer Ärztin bzw. dem Gesundheitsamt zu besprechen. Unter Umständen kommt eine passive Immunisierung (Varizellen-Immunglobuline) in Betracht, die möglichst früh gegeben wird (innerhalb von 96 Stunden nach Exposition). Abwägung im Alltag: - Ein generelles Beschäftigungsverbot ab dem Tag der Schwangerschaft ist bei fehlender Windpocken-Immunität nicht automatisch Standard. Häufig wird zunächst eine individuelle Gefährdungsbeurteilung vorgenommen: Gibt es aktuell Fälle von Windpocken an Ihrer Schule? Wie eng und häufig ist der Kontakt zu erkrankten (oder potenziell erkrankten) Kindern? - Wenn keine Fälle auftreten, ist das Infektionsrisiko theoretisch sehr niedrig; manche Einrichtungen haben auch eine Meldepflicht bzw. informieren, sobald Windpocken in einer Klasse auftreten. In solchen Fällen wäre dann ein vorübergehendes Fernbleiben vom Unterricht denkbar, bis keine Gefahr mehr besteht. Kommunikation mit dem Arbeitgeber: Ob und wann Sie Ihrem Arbeitgeber die Schwangerschaft mitteilen, ist natürlich Ihre persönliche Entscheidung. Bei einem erhöhten Infektionsrisiko kann es jedoch sinnvoll sein, den Arbeitgeber früh zu informieren, damit eventuelle Schutzmaßnahmen (z.B. Versetzung in andere Klassenstufen ohne akute Fälle, organisatorische Umstellung, etc.) oder ein (vorübergehendes) Beschäftigungsverbot ermöglicht werden können. Persönliche Einstellung vs. ärztliche Empfehlung: Da Sie schreiben, Sie seien selbst nicht besonders ängstlich, möchten aber auch kein unnötiges Risiko eingehen, lohnt es sich, gemeinsam mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt und ggf. dem Betriebsarzt oder Gesundheitsamt zu planen: - Gibt es derzeit Infektionsfälle? - Wie schnell kann reagiert werden, wenn Fälle gemeldet werden? - Gibt es gegebenenfalls die Möglichkeit, in andere Aufgabenbereiche oder in den Distanzunterricht zu wechseln (falls wieder im Einzelfall notwendig)? In der Praxis liegt die Entscheidung über ein individuelles Beschäftigungsverbot oft bei der betreuenden Gynäkologin bzw. dem Gynäkologen in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt oder Betriebsarzt und basierend auf der konkreten Gefährdungsbeurteilung. Fazit Verzögerter Temperaturanstieg: Häufig kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, dass insgesamt ein Ovulationszeichen (LH-Anstieg, Follikelgröße, Progesteronwerte, Temperaturanstieg) feststellbar ist. hCG-Nachweis am Tag 21: Ist nicht sinnvoll. Windpocken-Risiko und Beschäftigungsverbot: Kein allgemeines automatisches Beschäftigungsverbot. Vielmehr eine individuelle Einschätzung unter Berücksichtigung aktueller Infektionslage an Ihrer Schule. Sprechen Sie diesen Punkt ruhig bereits früh in der Schwangerschaft mit Ihrem/r Gynäkologen/-in und eventuell Ihrem Arbeitgeber an, um rechtzeitig Schutzmaßnahmen einleiten zu können. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute für Ihren Kinderwunsch und drücke die Daumen, dass es bald klappt. Und natürlich wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen dabei, die für Sie persönlich beste Entscheidung in Bezug auf Ihren Beruf und das Infektionsrisiko zu treffen. Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende Ihr Dr. G. (stellvertretend aus dem „virtuellen” ärztlichen Rat)


the.flower

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Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, nun haben Sie mich mit einer solch umfassenden, ausführlichen Antwort sehr beeindruckt. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Zum Thema Windpocken: Eine individuelle Gefährdungsbeurteilung für Schwangere ist bei uns an allen Schulen Standard, ich habe nur selbst wenig Erfahrung damit, da meine 1. Schwangerschaft zu Covid-Zeiten bedeutete, dass ich als Lehrerin von der Schule ein sofortiges Beschäftigungs- und Betretungsverbot des Schulhauses bekam. Ich werde hier zur gegebenen Zeit mit der Kinderwunschklinik und meiner Frauenärztin Rücksprache halten. Ich hätte noch eine Rückfrage zum Thema Zyklus / PCO / Eisprung: Ist es denn überhaupt angezeigt, Letrozol zu geben, wenn bei mir offensichtlich selbst in den verlängerten Zyklen dennoch ein Eisprung stattfindet? Ist es auch einfach möglich, dass wir mit einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch zu ungeduldig sind? Oder sind die Schmierblutungen vor der Periode auch ein Argument für Letrozol? Ich bin etwas verunsichert, weil der momentane Zyklus bislang für meine Verhältnisse so "perfekt" ist, dass ich mir wirklich die Frage stelle, ob eine Medikation überhaupt notwendig ist. Wird Letrozol durchaus auch gegeben, wenn ein Eisprung stattfindet, dieser aber oft etwas verspätet ist? Im letzten Jahr hatte meine Frauenärztin einmal in einem Zyklus Progesteron 9 Tage nach Eisprung bestimmt. Der Wert war 9,8. In demselben Zyklus hatte ich 3 Tage vor der Periode Schmierblutungen. Daraufhin hatte sie mir Progesterontabletten und Agnus Castus verschrieben, eine Schwangerschaft ist dadurch aber in den darauffolgenden 8 Zyklen auch nicht eingetreten. Die LH-Tests waren aber immer positiv, nur oft eben erst zwischen Tag 18 und 22. Und erlauben Sie mir bitte eine letzte Frage: ich leide heute leider unter Kopfschmerzen, die ich versuche auszuhalten, weil ich keine Schmerzmittel nehmen möchte, falls nun doch eine Schwangerschaft eingetreten ist (heute Tag 19). Vielleicht ist es ja auch ein 1. Schwangerschaftssymptom?! Ob ich die Schmerzen noch den ganzen Tag durchhalte, weiß ich nicht, da sie gerade zunehmen. Wäre Ibuprofen in der Einnistungsphase, in der ich mich ja evtl. gerade befinden könnte, ungünstig und wäre dann Paracetamol eine Alternative? Leider hilft mir Paracetamol gegen Kopfschmerzen nicht so gut, aber es wäre besser als nichts. Herzliche Grüße auch an Sie und ein wunderschönes Wochenende!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Da ich sie nicht persönlich untersucht habe, kann ich nur allgemeine medizinische Informationen bereitstellen, die Ihnen bei der Einordnung Ihrer Situation helfen sollen. Bitte besprechen Sie Ihre individuellen Fragen und Therapieoptionen immer persönlich mit Ihrem behandelnden Arzt bzw. Ihrer Ärztin. 1. Letrozol bei bereits bestehendem (späten) Eisprung? Einsatz bei verlängerten oder unregelmäßigen Zyklen: Letrozol kommt nicht ausschließlich dann zum Einsatz, wenn gar kein Eisprung stattfindet. Es wird durchaus auch verschrieben, wenn zwar eine Ovulation vorhanden ist, diese jedoch spät oder sehr unregelmäßig auftritt. Hintergrund: Bei einer verspäteten Ovulation (z. B. ab Zyklustag 18–22) kann es vorkommen, dass die erste Zyklushälfte zu lang ist und möglicherweise auch die Follikelreifung nicht optimal verläuft. Letrozol kann helfen, den Zyklus zu regulieren, indem es den Eisprung auf einen „günstigeren“ Zeitpunkt legt (beispielsweise Zyklustag 12–16). Vorteil: Das erleichtert nicht nur das Timing des Geschlechtsverkehrs bzw. des Transfers (bei IVF/ICSI), sondern kann auch die Hormondynamik verbessern und damit die Einnistungschancen erhöhen. Schmierblutungen als Indiz? Schmierblutungen vor der Regelblutung können auf eine Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz) oder ein hormonelles Ungleichgewicht hinweisen. Wenn trotz Progesterongabe diese Schmierblutungen weiterhin auftreten und der Kinderwunsch bislang unerfüllt bleibt, könnte Letrozol (oder auch Clomifen) als Ovulationsauslöser in Betracht gezogen werden, um den Zyklus zu „optimieren“. Ein einzelner Progesteronwert (z. B. 9,8 ng/ml) gibt einen Hinweis auf eine wahrscheinliche Gelbkörperschwäche, aber auch der zeitliche Verlauf (mehrere Zyklen, mehrere Messungen) ist wichtig. Die Kombination aus längeren Zyklen, Schmierblutungen und unerfülltem Kinderwunsch über ein Jahr (offiziell spricht man ab 12 Monaten von einer „Subfertilität/Infertilität“) ist in vielen Praxen ein Grund, Ovulationsauslöser oder Zyklusmonitoring zu erwägen. Sind Sie „zu ungeduldig“? Es ist völlig nachvollziehbar, dass man nach einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch ungeduldig wird – vor allem, wenn man bereits mit verschiedenen Maßnahmen (z. B. Mönchspfeffer, Progesteron) experimentiert hat. Ein Jahr Kinderwunsch ist jedoch genau die Grenze, ab der in der Regel auch aus medizinischer Sicht eine weitere Abklärung oder Therapieempfehlung erfolgt. Bei einem Alter über 35 empfiehlt man schon nach 6 Monaten eine Abklärung beim Frauenarzt oder in einem Kinderwunschzentrum. Abklärung: Es sollte geklärt werden, ob bei beiden Partnern ggf. weitere Faktoren vorliegen (z. B. Spermiogramm des Mannes). Ebenso könnte eine Hormonstatus-Bestimmung (z. B. FSH, LH, AMH, Prolaktin, Schilddrüsenwerte) und ggf. ein Ultraschall-Monitoring klären, ob ausreichend Follikel heranreifen und wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Einnistung ist. Längere Zyklen können bei PCO-ähnlichen Konstellationen oder mildem PCO-Syndrom auf Dauer eine niedrigere Schwangerschaftsrate bedeuten, weil schlicht weniger Eisprünge pro Jahr stattfinden. Letrozol kurbelt daher oft regelmäßigere Zyklen an. 2. Schmerzmittel in der (möglichen) Einnistungsphase Ibuprofen vs. Paracetamol Paracetamol gilt in der gesamten Schwangerschaft (vor allem im ersten und zweiten Trimester) als das Mittel der ersten Wahl bei Schmerz- und Fieberbehandlung, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Ibuprofen ist grundsätzlich in den frühen Stadien einer Schwangerschaft oft noch nicht absolut kontraindiziert, allerdings wird es ab dem dritten Trimester (ab 28.–30. SSW) strikt gemieden, weil es dem Kind schaden und vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus verursachen kann. Frühe Schwangerschaft/Einnistungszeit: Hier ist die Datenlage zu Ibuprofen nicht ganz so eindeutig „problematisch“, wie in der späten Schwangerschaft. Manche Studien diskutieren allerdings ein leicht erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, wenn regelmäßig (hochdosiert) NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) eingenommen werden. Pragmatischer Rat: Wenn möglich, wählen viele Frauen (und auch Ärztinnen/Ärzte empfehlen es häufig) Paracetamol in der 2. Zyklushälfte, um jedes (wenn auch sehr geringe) potenzielle Risiko zu umgehen. Bei starken Schmerzen und nur gelegentlichem Gebrauch von Ibuprofen in der frühen Frühschwangerschaft ist das Risiko für eine Beeinträchtigung allerdings nach aktuellem Wissensstand überschaubar. Fazit: Wenn es Ihnen sehr schlecht geht und Paracetamol nicht ausreichend wirkt, ist die einmalige (oder kurzfristige) Anwendung von Ibuprofen um den Zeitpunkt der möglichen Einnistung herum vermutlich nicht „verboten“. Im Zweifel aber lieber erst versuchen, mit Paracetamol, viel Ruhe, Entspannung, ggf. auch Hausmitteln (Trinken, abgedunkelter Raum, kühle Stirnkompresse) etwas Linderung zu schaffen. Sollten Kopfschmerzen (oder Migräneanfälle) regelmäßig auftreten, empfiehlt sich ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin zur Migräne- oder Kopfschmerztherapie bei Kinderwunsch. 3. Zusammenfassung & Empfehlung Letrozol-Indikation: Kann auch sinnvoll sein, wenn Sie grundsätzlich Eisprünge haben, diese aber sehr spät oder unregelmäßig kommen. Lutealphasen-Optimierung durch medikamentös gesteuerte Follikelreifung kann sich positiv auf die Einnistungschancen auswirken. Die wiederholten Schmierblutungen könnten ein Hinweis sein, dass eine gezieltere Zyklussteuerung sinnvoll ist. „Zu ungeduldig“? Ein Jahr unerfüllter Kinderwunsch ist genau die Phase, in der üblicherweise eine weitergehende Abklärung (z. B. Spermiogramm, Hormonstatus, Ultraschallmonitoring) und ggf. therapeutische Schritte eingeleitet werden. Ihre Ungeduld ist daher durchaus nachvollziehbar – sie entspricht auch den medizinischen Leitlinien, nach einem Jahr konkret aktiv zu werden. Kopfschmerzen & Schmerzmittel: Paracetamol gilt in der frühen Schwangerschaft als die erste Wahl. Ibuprofen kann zu diesem Zeitpunkt gelegentlich eingenommen werden, sollte jedoch nicht über längere Zeit oder in hohen Dosen erfolgen. Einmalige Anwendungen sind in der Implantationsphase normalerweise kein großes Problem; die größte Vorsicht gilt im späteren Schwangerschaftsverlauf. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute auf Ihrem Weg zum ersehnten Wunschkind. Tauschen Sie sich am besten noch einmal mit Ihrer Frauenärztin oder in der Kinderwunschklinik aus, um gemeinsam eine klare Strategie festzulegen – zum Beispiel durch ein strukturiertes Zyklusmonitoring (Ultraschall, Hormonbestimmungen) und eine gezielte Ovulationsinduktion, wenn nötig. Alles Gute und gute Besserung für Ihre Kopfschmerzen!


the.flower

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Guten Morgen Herr Dr. Gagsteiger, ich möchte mich nur nochmals bei Ihnen für Ihre Zeit und für Ihre ausführlichen Erklärungen bedanken, die mich sehr bestärkt darin haben, dass wir hier nicht mehr einfach geduldig weiter abwarten und "Zeit verlieren" sollten. Unser Kinderwunschzentrum ist gerade auch schon dabei, verschiedene Dinge abzuklären. Der bis gestern so gut laufende Zyklus hat mich nur plötzlich daran zweifeln lassen, dass eine Behandlung wirklich notwendig ist. Seit gestern Abend habe ich aber eine ganz leichte hellbräunliche Schmierblutung (Tag 20) und die Basaltemperatur ist heute um 0,1 Grad gefallen. Es fühlt sich gerade eher so an, als würde dieser Zyklus nach all den verlängerten Zyklen plötzlich viel zu kurz werden und die Kopfschmerzen vielleicht schon mit PMS in Verbindung stehen (kurz vor der Periode habe ich das sehr oft). Morgen an Tag 21 muss ich zur Blutentnahme für Progesteron. Falls Sie noch einen klitzekleinen Moment Zeit für mich haben, würde ich Ihnen gerne noch eine Frage zum Prolaktin stellen. Meine Hormonwerte wurden nämlich zu Zyklusbeginn bestimmt. Eine Hyperandrogenämie war ersichtlich, mein AMH-Wert mit 5 sehr gut, spräche aber angeblich auch für PCO. Schilddrüsenwerte sind top. Prolaktin ist aber mit 45 leicht erhöht. Bei einer Kontrolle meiner Frauenärztin Mitte letzten Jahres war es nicht erhöht. Ab welchen Werten geben Sie hier im Allgemeinen Prolaktinhemmer? Tausend Dank, herzliche Grüße und einen wunderschönen Sonntag!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, grundsätzlich liegt der Referenzbereich für Prolaktin (je nach Labor) meist zwischen ca. 5–25 ng/ml (oder entsprechend 100–500 mIU/l). Ein Wert von 45 ng/ml (bzw. das jeweilige Äquivalent in anderen Einheiten) gilt als leicht bis moderat erhöht. Ob wir in so einem Fall direkt mit einem Prolaktinhemmer (z. B. Bromocriptin oder Cabergolin) behandeln, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Klinische Symptome: – Unregelmäßige Zyklen oder fehlender Eisprung – Galaktorrhoe (Milchfluss aus der Brust) – Ausgeprägte Zyklusstörungen oder Kinderwunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat Bestätigte Mehrfachmessungen: – Prolaktin kann unter Stress, nach körperlicher Aktivität oder auch durch bestimmte Medikamente (z. B. Antidepressiva, Schmerzmittel) vorübergehend erhöht sein. – Wenn wiederholte Messungen (v. a. morgens, nüchtern, in Ruhe) konsistent erhöht sind und zusätzlich Zyklusstörungen oder andere Symptome vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass eine behandlungsbedürftige Hyperprolaktinämie vorliegt. Bei einem leicht erhöhten Prolaktinwert ohne nennenswerte Beschwerden genügt es oft zunächst, kontrollierte Folgemessungen durchzuführen, um zu sehen, ob sich der Wert spontan normalisiert oder ob wirklich eine kontinuierliche Überproduktion besteht. Erst wenn bei wiederholter Messung Werte deutlich oberhalb des Referenzbereichs zu finden sind und/oder entsprechende klinische Symptome auftreten, raten wir zu einer weiterführenden Diagnostik (z. B. Ausschluss eines Prolaktinoms) bzw. zur medikamentösen Therapie. In Ihrem Fall mit einem Wert von 45 ng/ml und bestehendem Kinderwunsch wäre eine zeitnahe zweite Messung sinnvoll. Sollten sich dann weiterhin deutlich erhöhte Werte zeigen und Zyklusstörungen bestehen (z. B. zu kurzer Zyklus, ausbleibender Eisprung), kann eine Therapie mit Prolaktinhemmern angezeigt sein. Solange kein Prolaktinom vermutet wird (typischerweise bei sehr hohen Werten >100 ng/ml), ist in den meisten Fällen eine niedrig dosierte Medikation über einen gewissen Zeitraum ausreichend, um die Prolaktinwerte zu senken und den Zyklus zu stabilisieren. Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute. Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag, Dr. Gagsteiger


the.flower

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Guten Morgen Hr. Dr. Gagsteiger, Sie haben mir vergangenes Wochenende so sehr geholfen und ich könnte noch einmal Hilfe gebrauchen, weil ich mir gerade etwas Sorgen um eine möglicherweise nicht gut startende Schwangerschaft mache. Gestern war ich in der Kinderwunsch-Praxis und habe an Tag 21 den Progesteronwert von 13,26 und den Östradiolwert von 211,6 mitgeteilt bekommen. Mein LH-Test war ja auch an Tag 13 positiv, was für mich außergewöhnlich schnell und gut ist. Tag 10 – 15 haben wir täglich genutzt. Außer Inositol habe ich in diesem Zyklus gar nichts genommen. Allerdings kann ich mir die Schmierblutung seit Tag 19 bis heute (Tag 26) nicht erklären. Ist der Progesteronwert nicht eigentlich hoch genug? Die Blutung ist sehr schwach, hellbraun, oft auch nur 1-2 Mal am Tag am Toilettenpapier, einmal war sie rot aber sehr wenig. Ab und zu zieht es mal, aber nicht dramatisch. Die Basaltemperatur ist zwar nur langsam angestiegen, aber bislang oben geblieben (ca. 36,9). Der Arzt sagte mir gestern, eine Schwangerschaft sei natürlich auch möglich und deshalb wurde mir für die Bestimmung von HCG Blut abgenommen. Ich sollte das Ergebnis eigentlich noch gestern per Telefon mitgeteilt bekommen, aber leider hat sich niemand mehr gemeldet. Wahrscheinlich war das Labor nicht schnell genug. Jetzt mache ich mir Sorgen, dass Schmierblutungen auch ein Zeichen für eine gestörte Schwangerschaft sein könnten und ich dann vielleicht möglichst sofort Progesteron bräuchte? Auch in meiner 1. Schwangerschaft vor 4 Jahren hatte ich anfangs Schmierblutungen und musste Progesteron nehmen. Ich habe sogar noch Tabletten, aber diese jetzt auf Verdacht zu nehmen…? Sollte ich dennoch bis Montagfrüh abwarten und die Kinderwunsch-Praxis dann gleich zurückrufen? Könnte es sich auch um eine Einnistungsblutung handeln? Oder müsste sie dann nicht längst aufhören? Oder kann trotz des Progesteronwertes eine Gelbkörperschwäche vorliegen, die die Schmierblutung auslöst? Und wofür spricht das Verhältnis Progestern/Östradiol? Entschuldigen Sie meine vielen Fragen. Vielleicht können Sie mich beruhigen. Ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie so ein hilfsbereiter Arzt und Mensch sind. Ich wünsche Ihnen ein tolles Wochenende!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Morgen, ich verstehe, dass Sie sich in dieser Situation weiterhin verunsichert fühlen, gerade wenn Sie in Ihrer ersten Schwangerschaft bereits eine Progesteron-Unterstützung benötigt haben. Sie können also trotz des grundsätzlich ausreichenden, aber nicht sehr hohen Progesteronwerts bereits jetzt mit einer vaginalen Progesteron-Einnahme beginnen. Bitte bedenken Sie dabei unbedingt, dass ich Sie aus der Ferne nicht vollumfänglich beraten und untersuchen kann. Eine Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt ist nach wie vor wichtig. Dennoch möchte ich Ihnen folgende allgemeine Einschätzung und Empfehlung geben: 1. Progesteron-Wert und Schmierblutungen Ihr Progesteron-Wert von 13,26 ng/ml an Tag 21 liegt in einem ausreichenden Bereich, dennoch sehen wir in der Kinderwunschmedizin oft etwas höhere Werte um 15–20 ng/ml als „sehr guten“ Bereich. Leichte Schmierblutungen können einfach durch schwankende Hormonspiegel ausgelöst werden – auch bei eigentlich gutem Progesteron. 2. Sinnhaftigkeit einer Progesteron-Gabe Vorteil: Eine zusätzliche Progesteron-Unterstützung (z.B. vaginal) kann helfen, die Schleimhaut zu stabilisieren und mögliche frühe Schwangerschaften besser zu erhalten. Viele Frauen erhalten zur Lutealphasen-Unterstützung Progesteron, selbst wenn der Wert „nur“ im ausreichenden, aber nicht im optimal hohen Bereich liegt. Keine grundsätzliche Schädlichkeit: Progesteron in üblicher Dosierung (z.B. 2- bis 3-mal täglich vaginal) wird in der Regel gut vertragen und gilt als nicht schädlich – weder für die Frau noch für eine entstehende Schwangerschaft. Im Gegenteil wird Progesteron zur Unterstützung in Kinderwunsch-Behandlungen weltweit angewendet. Ihre Vorgeschichte: Da Sie in Ihrer ersten Schwangerschaft bereits auf ärztlichen Rat Progesteron verwendet haben, spricht nichts dagegen, dieses unterstützend auch jetzt wieder einzusetzen – insbesondere, da Sie noch Tabletten zu Hause haben. 3. Konkrete Empfehlung Vorsichtshalber können Sie bereits jetzt mit der vaginalen Einnahme Ihrer Progesteron-Tabletten beginnen – insbesondere, um möglichen Schmierblutungen entgegenzuwirken und die Lutealphase zu stützen. In der Regel wird 2- bis 3-mal täglich eine entsprechende Progesteron-Dosis (z.B. 200 mg) vaginal angewendet. Beachten Sie dazu die Packungsbeilage oder die frühere Dosierungsempfehlung Ihres Arztes. Kontakt mit der Kinderwunsch-Praxis: Rufen Sie am Montag trotzdem noch einmal dort an oder vereinbaren Sie kurzfristig einen Termin, um die weitere Vorgehensweise, z.B. genaue Dosierung und Dauer, mit Ihrem Arzt abzusprechen und sich die HCG-Ergebnisse mitzuteilen. 4. Zusammenfassung Obwohl Ihr Progesteron-Wert in einem grundsätzlich ausreichenden Bereich liegt, ist er nicht ausgesprochen hoch. Zudem hatten Sie bereits Schmierblutungen, was für viele Frauen ein Grund ist, Progesteron frühzeitig zur Stabilisierung einzusetzen. Eine vorsorgliche Progesteron-Gabe über das Wochenende ist in aller Regel nicht schädlich und könnte Ihnen Sicherheit geben. Sollte das HCG-Ergebnis positiv sein, wäre dies ohnehin angezeigt. Ist der Test negativ, können Sie die Einnahme auch wieder beenden. Achten Sie bitte auf verstärkte Blutungen oder Schmerzen – in einem solchen Fall sollten Sie sofort ärztliche Hilfe aufsuchen. Ich hoffe, diese ergänzten Informationen helfen Ihnen, die Situation etwas ruhiger anzugehen. Eine vaginale Progesteron-Anwendung schadet in der Regel nicht und kann eher hilfreich sein. Trotzdem wäre es wichtig, Anfang der Woche noch einmal Rücksprache mit Ihrer Kinderwunsch-Praxis zu halten, um das weitere Vorgehen genau abzustimmen und Ihren HCG-Wert zu besprechen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und drücke Ihnen fest die Daumen! Herzliche Grüße Ihr (Dr. Gagsteiger)


the.flower

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, Sie wissen gar nicht, wie dankbar ich Ihnen bin, dass Sie sich so schnell die Zeit genommen haben, mir zu antworten und das sogar am Samstag. Das ist wirklich alles andere als selbstverständlich und Sie haben sehr zu meiner Beruhigung beigetragen. Ich habe Famenita 200 mg zu Hause und habe davon gleich eine eingeführt, habe dann allerdings festgestellt, dass sie eigentlich seit 1,5 Jahren abgelaufen sind, da ich sie ja noch von der 1. Schwangerschaft übrighabe. Ich hoffe, das führt jetzt vermutlich maximal dazu, dass die Wirkung nicht mehr so gut ist? Sie sehen noch ganz normal aus. Hätten Sie da Bedenken, diese zumindest bis Montag noch zu verwenden? Selbstverständlich rufe ich am Montag in der Praxis an. Nachdem der Arzt mir gestern vorgeschlagen hat, dass wir ab dem nächsten Zyklus mit Letrozol stimulieren (natürlich nur falls ich jetzt nicht schwanger bin), weil dennoch mein Testosteron erhöht ist und meine Zyklen normalerweise zwischen 35 und 40 Tagen dauern, hat er mir für den nächsten Zyklus auch Cyclogest ab der 2. Zyklushälfte vorgeschlagen, mir aber bisher leider nur das Rezept für Letrozol mitgegeben. Schade, dass er nicht selbst auf die Idee kam, mir die Einnahme von Progesteron gleich noch für dieses Wochenende zu empfehlen. Er selbst sagte, eine Schwangerschaft sei durchaus möglich und von den Schmierblutungen hatte ich ihm erzählt. Sie schreiben, dass ich bei einer stärkeren Blutung sofort ärztliche Hilfe aufsuchen sollte. Könnte es sich dann nicht auch einfach um die Periode handeln? Oder würden Sie davon ausgehen, dass Tag 26 oder morgen Tag 27 zu früh für eine Periode wäre? Nun wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Samstag! Danke für alles!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo, es ist verständlich, dass Sie besorgt sind. Was abgelaufene Medikamente betrifft, ist es in der Regel sicherer, diese nicht zu verwenden. Obwohl das Medikament äußerlich normal aussieht, kann die Wirksamkeit nach Ablauf des Verfallsdatums nicht garantiert werden. Es ist möglich, dass die Wirkung abgeschwächt ist, was in Ihrem Fall bedeuten könnte, dass die gewünschte Unterstützung der Gelbkörperphase nicht vollständig gegeben ist. Gehen Sie in eine Apotheke, bitten um das Medikament und reichen Sie später das Rezept nach. Manchmal darf auch ein Apotheker dies entscheiden. Zum Thema Ihrer Blutung: Wenn Ihre Zyklen normalerweise zwischen 35 und 40 Tagen dauern, wäre Tag 26 oder 27 tatsächlich sehr früh für eine Periode. Es könnte sich um eine Schmierblutung handeln, die manchmal bei Schwangerschaften auftritt, aber auch andere Ursachen haben kann. Ich würde Ihnen raten, bei einer stärkeren oder überperiodenstarken Blutung tatsächlich ärztliche Hilfe aufzusuchen, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Da Ihr Arzt Ihnen Letrozol für den nächsten Zyklus verschrieben hat und zusätzlich Cyclogest empfohlen hat, wäre es sinnvoll, am Montag auch ein Rezept für das Progesteron zu erfragen, um für die kommende Zyklushälfte vorbereitet zu sein. Ich hoffe, dass ich Ihnen etwas helfen konnte, und wünsche Ihnen ebenfalls einen schönen Samstag. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.


the.flower

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Guten Morgen Hr. Dr. Gagsteiger, Sie haben mir sogar schon wieder sehr geholfen. Ich bin Ihnen für Ihre schnellen und hilfreichen Antworten so dankbar, das können Sie sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Gleichzeitig gibt es mir zu denken, dass Sie mir als Arzt, obwohl Sie so weit weg sind, bei dieser Problematik mehr geholfen haben als mein eigener. Wir haben gestern Nachmittag einen "Ausflug" gemacht und wohl sämtliche Apotheken der Stadt abgegrast, da sie entweder schon geschlossen waren oder mir ohne Rezept kein Progesteron geben wollten (auch nicht mit Nachreichen) oder nicht das passende dahatten. Letztlich waren wir aber erfolgreich und ich habe sogar Cyclogest bekommen. Gestern am späten Nachmittag habe ich dann eine eingeführt und heute Morgen auch. Da eine davon schon 400 mg hat, bin ich mir jetzt unsicher, ob ich davon 1 oder 2 am Tag nehmen soll? Die Schmierblutung ist leider nach wie vor da, aber nach wie vor gleich schwach. Es zieht auch nach wie vor immer wieder leicht. Die Basaltemperatur ist auch weiterhin konstant oben geblieben. Ist denn Ihrer Meinung nach der hCG-Bluttest am Freitag (Tag 25) dann überhaupt schon zuverlässig gewesen? Der LH-Test war an Tag 13 positiv und ich hatte das Gefühl, der Zervixschleim hat auch dazu gepasst, dass wahrscheinlich an Tag 14 (ausnahmsweise?) ein Eisprung stattgefunden hat. Dann müsste ein Urintest doch eigentlich auch am Dienstag (übermorgen) schon etwas anzeigen können. Selbstverständlich kontaktiere ich morgen in die Kinderwunsch-Praxis um das Ergebnis zu erfahren und mir das Cyclogest-Rezept zu besorgen. Vielleicht meldet sich der Arzt auch vorher selbst bei mir, denn ich selbst komme wohl leider erst am Nachmittag dazu, da bei uns in der Schule der Lehrermangel so zugeschlagen hat, dass man eigentlich überhaupt keine Pausen mehr hat: Krankheitsvertretungen in sämtlichen Lückenstunden (momentan sehr viele Influenzafälle), Mitführen von zwei Klassen parallel etc. Tatsächlich würde mir, falls ich schwanger bin, eine mögliche Influenza-Ansteckung und das allgemeine dauernde Gehetze momentan mehr Angst bereiten als die Windpocken-Problematik, über die wir geschrieben hatten. Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich Ihnen. Danke für Ihre unermüdliche Geduld mit mir.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Morgen, es freut mich sehr zu hören, dass ich Ihnen helfen konnte, und ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre freundlichen Worte. Ich verstehe, dass die Situation frustrierend sein kann, besonders wenn man auf der Suche nach der richtigen Medikation ist. Es ist gut zu hören, dass Sie letztendlich das Cyclogest finden konnten. Was die Dosierung von Cyclogest betrifft, so ist es wichtig, genau die Anweisungen Ihres Arztes zu befolgen. In der Regel wird Cyclogest in der Frühschwangerschaft einmal täglich (400 mg) verwendet, um die Progesteronspiegel zu unterstützen. Da Sie bereits 400 mg verwendet haben, würde ich empfehlen, bei dieser Dosis zu bleiben, es sei denn, Ihr Arzt gibt Ihnen andere Anweisungen. Bezüglich des hCG-Bluttests am Freitag: Normalerweise ist ein Bluttest 14 Tage nach einem angenommenen Eisprung klar aussagekräftig. Wenn Ihr LH-Test an Tag 13 positiv war und Sie vermuten, dass der Eisprung an Tag 14 stattgefunden hat, könnte der Test am Freitag (Tag 25) bereits eine Tendenz aussagen. Ein Urintest könnte ebenfalls schon am Dienstag ein Ergebnis zeigen, besonders wenn er sensitiv genug ist, um niedrige hCG-Spiegel zu erkennen. Dennoch ist es immer gut, sich zusätzlich ärztlich beraten zu lassen. Ihre Sorgen bezüglich Influenza und dem Stress in der Schule sind verständlich, besonders in einer solch potentiell sensiblen Phase. Es ist wichtig, dass Sie sich auch um Ihre eigene Gesundheit kümmern und versuchen, Stress so weit wie möglich zu reduzieren. Hoffentlich können Sie bald mehr Klarheit über Ihre Situation bekommen und entsprechende Unterstützung von Ihrem Kinderwunscharzt erhalten. Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommenden Tage und hoffe, dass alles zu Ihrem Wohlbefinden beiträgt. Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich auf. Einen schönen Sonntag auch für Sie!


the.flower

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Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, entschuldigen Sie bitte vorab, dass ich mich nochmals bei Ihnen melde und Ihre Zeit in Anspruch nehme. Sie haben mir so viel geholfen und ich vertraue Ihren Ratschlägen sehr, weshalb ich denke, dass Sie mir vielleicht einen letzten Rat geben können. Ich habe meinen Arzt der Kinderwunschpraxis gestern Nachmittag erreichen können und auch persönlich mit ihm gesprochen. Der hCG-Wert sagt leider, dass ich nicht schwanger bin. Bereits gestern ist nach nur 10 Tagen Temperaturhochlage (und sehr langsamen Anstieg nach positiven LH-Test) die Basaltemperatur abgefallen und heute hat die Periode eingesetzt. Während der kompletten 10 Tage Hochlage haben die Schmierblutungen angehalten. Zum Progesteronwert von 13 an Tag 21 meinte der Arzt, dass so ein Wert auch immer nur eine Momentaufnahme ist und hier sicherlich trotzdem ein Progesteronmangel vorliegt, weshalb ich jetzt auch das Rezept für Cyclogest für den nächsten Zyklus erhalten habe. Da meine Hormonwerte abgesehen vom leicht erhöhten Testosteron und dem erhöhten Prolaktin aber in Ordnung sind, schlägt er vor, im ersten Behandlungszyklus erst einmal nur eine leichte Stimulation mit Letrozol 2.5 mg zu starten: nur 3 Tabletten (nur von Tag 5 bis 7), anschließend Auslösen des Eisprungs. Meine Frage an Sie bezieht sich auf den Prolaktinwert, den mir der Arzt gestern auch mitgeteilt hat: Er war nun zum zweiten Mal leicht erhöht: Ende Januar 40, Mitte Februar 32, was bei mir sicherlich auch mit dem Stress in der Schule zu tun hat (und ganz nebenbei gibt es ja auch noch mein eigenes Kind). Da der Wert aber nur leicht erhöht ist, soll zunächst auf einen Prolaktinsenker verzichtet werden. Weil Sie mir schon so viele gute Tipps gegeben haben, wollte ich Sie hier um Ihre Meinung fragen. Halten Sie das auch für sinnvoll? Kann alleine Letrozol das Problem möglicherweise lösen? Wenn ja, sollte der Prolaktinwert nochmals kontrolliert werden? Wann? Eine erneute Kontrolle hat mein Arzt bislang nämlich nicht geplant. Oder wie viele Zyklen Letrozol ohne Prolaktinsenker wären sinnvoll bevor man die Strategie ändert? Auch wenn natürlich jeder negative Schwangerschaftstest nach über einem Jahr wieder traurig macht, hoffen wir nun auf Erfolg mit Letrozol und bleiben positiv. Ich danke Ihnen für Ihre hervorragende Unterstützung. Passen Sie auch gut auf sich auf und bleiben Sie auch gesund.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, gerade bei einem nur leicht erhöhten Prolaktinspiegel (Ihr Wert von 32–40) ist es durchaus üblich, erst einmal abzuwarten, ob sich die Situation mit anderen Maßnahmen (z. B. gezielte Ovulationsstimulation, Stressreduktion, Lutealphase-Unterstützung) von selbst reguliert, bevor man zu einem Prolaktinsenker wie Bromocriptin oder Cabergolin greift. Im Folgenden ein paar Punkte, die Sie hinsichtlich Prolaktin, Letrozol und Zyklusplanung berücksichtigen können: Leicht erhöhte Prolaktinwerte und Stress Prolaktin ist ein Hormon, das sehr empfindlich auf Stress reagiert. Schon das Blutabnehmen allein oder andere Alltagsbelastungen können Werte im Bereich von 30–40 ng/ml verursachen. Bei diesen Werten sind in der Regel weder eine weiterführende Diagnostik (z. B. MRT) noch eine direkte medikamentöse Senkung zwingend erforderlich – vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Auffälligkeiten (z. B. typische Symptome wie Milchfluss aus der Brust, sehr lange und unregelmäßige Zyklen oder extrem erhöhte Werte >50–60 ng/ml). Letrozol-Einnahme und Wirkung Letrozol (als Aromatasehemmer) sorgt für eine Anregung der Eireifung und kann dadurch den Eisprung stimulieren. Oft reicht schon eine leichte Dosis, um die Follikelreifung und den Hormonhaushalt zu unterstützen. Zudem kann Letrozol indirekt auf die Hypophyse und damit auch auf den Prolaktinspiegel Einfluss nehmen – zwar nicht wie ein klassischer Prolaktinsenker, aber wenn der Zyklus stabiler und „runder“ abläuft, kann dies unter Umständen den Prolaktinwert günstig beeinflussen. Progesteronunterstützung und Zyklusmonitoring Da Sie bereits ein Rezept für Cyclogest (Progesteron) haben, wird gleichzeitig Ihre Lutealphase stabilisiert, wodurch die Einnistung besser unterstützt werden kann. Oft ist ein niedriger Progesteronspiegel (oder ein zu früher Abfall desselben) in Kombination mit leichten Prolaktinschwankungen ein Grund, warum sich eine Schwangerschaft nicht einstellt. Wichtig ist, dass im Rahmen der Letrozol-Therapie auch kontrolliert wird, wie die Follikel wachsen und wann genau der Eisprung ausgelöst wird.  Zeitpunkt für erneute Prolaktin-Kontrolle Da Ihr Arzt vorerst auf einen Prolaktinsenker verzichten möchte, wäre es sinnvoll, den Prolaktinspiegel nach 2–3 Behandlungszyklen mit Letrozol erneut zu bestimmen – vor allem, wenn bis dahin keine Schwangerschaft eintritt. Falls während dieser Zeit klinische Zeichen auftreten, die für sehr hohes Prolaktin sprechen (plötzliches Ausbleiben der Periode, Milchfluss aus der Brust usw.), oder wenn die Zyklusmonitoring-Werte stark von der Norm abweichen, könnte man den Wert natürlich auch eher überprüfen. Wie viele Letrozol-Zyklen abwarten? Häufig wird empfohlen, etwa 3 Zyklen mit einer bestimmten Stimulationsstrategie (z. B. Letrozol plus Progesteron) durchzuführen, bevor man sie wechselt oder intensiviert. Sollte sich keine Schwangerschaft einstellen oder die Laborwerte unerwartet verschlechtern, würde man das Vorgehen anpassen (z. B. Prolaktinsenker einsetzen, andere Stimulationsprotokolle wählen oder zusätzliche Diagnostik betreiben). Allgemeine Maßnahmen zur Prolaktinsenkung Auch wenn es leichter gesagt als getan ist: Stressreduktion (beruflich und privat) kann helfen, den Prolaktinspiegel auf natürliche Weise zu normalisieren. Ausreichender Schlaf, Entspannungsübungen, moderater Sport und – soweit möglich – Stressvermeidung unterstützen einen ausgeglichenen Hormonhaushalt. Fazit: Bei Ihrem nur leicht erhöhten Prolaktinwert ist es gängige Praxis, zunächst mit einer leichten Letrozol-Stimulation (in Ihrem Fall 2,5 mg) zu beginnen und die Lutealphase mit Progesteron (Cyclogest) zu unterstützen. Ein Prolaktinsenker wird häufig erst dann in Betracht gezogen, wenn sich höhere Werte oder anhaltend problematische Werte zeigen (z. B. deutlich über 50 ng/ml) oder wenn nach mehreren Zyklen eine Schwangerschaft trotz guter Ovulation nicht eintritt. Es ist sinnvoll, nach etwa 2–3 Zyklen Letrozol-Therapie  eine erneute Kontrolle des Prolaktinwertes sowie eine Erfolgskontrolle bezüglich des Eisprungs durchzuführen. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und drücke die Daumen, dass Sie mit diesem Behandlungsplan bald Erfolg haben! Sprechen Sie bei Unsicherheit oder neuen Befunden unbedingt nochmals mit Ihrem behandelnden Arzt, damit Sie individuell und zeitnah reagieren können. Herzliche Grüße und alles Gute für Sie!


the.flower

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagteiger, ich wende mich an Sie, weil mir meine Problemstellung dringend erscheint und jetzt über die Feiertage niemand meiner Ärzte erreichbar ist, auch wenn ich weiß, dass meine Frage, nur begrenzt ins Expertenforum passt und entschuldige mich dafür. In der Kinderwunschphase im Februar hatten Sie mir schon einmal sehr kompetent geholfen. Ich bin 34 Jahre, mittlerweile in der 33. Schwangerschaftswoche und habe leider seit ein paar Tagen Influenza A. Das Gute: Ich bin so froh, dass ich mich vor 2 Monaten habe impfen lassen! Am Montag/Dienstag diese Woche begann es mit leichten Halsschmerzen, am Mittwoch ging es dann mit ordentlichem Schnupfen, Abgeschlagenheit, Frieren, Schwitzen weiter. Das Fieberthermometer ist aber bislang nicht über 38,1 gestiegen. Gleichzeitig habe ich alleine mit Kleinkind zu Hause irgendwie alles über Wasser gehalten. Seit Donnerstag huste ich mir die Seele aus dem Leib und habe richtigen Muskelkater im Bauch und hoffe, dem Bauchzwerg damit nicht zu schaden. Gestern, am Freitag, war ich bei der Hausärztin, weil es mir vor den Feiertagen doch irgendwie abklärungsbedürftig schien und hatte sogar gefragt, ob es Influenza sein könnte, das durch die Impfung abgeschwächt durchkommt. Sie tippte nicht darauf, veranlasste aber keinen Test. Die Lunge war frei, die Ohren waren in Ordnung, Lymphknoten und Rachen sahen für sie nach einem viralen Infekt aus, dem sie keinen Namen geben wollte. Als unser ungeimpftes Kleinkind aber seit heute Dauerfieber bis 39,6 bekam, das mit Nurofensaft zumindest auf 38,9 runterging, wurde ich hellhörig und skeptisch und habe uns von meinem Mann einen Influenza- und Covidtest aus der Apotheke holen lassen und siehe da: Influenza A ist knallpositiv bei mir, bei unserem Kind auch positiv, bei meinem Mann (noch?) negativ. Er schnäuzt aber immer wieder und ist auch geimpft. Jetzt quälen mich einige Fragen in meinen Gedanken. Vielleicht können Sie weiterhelfen. 1. Man liest, dass Influenza in der Schwangerschaft zu Früh- und Totgeburt führen kann. Gilt das auch für geimpfte Frauen? Oder nur bei schwerem Verlauf? Passieren die Influenzaviren denn die Plazenta und kommen direkt beim Baby an? Meine Frauenarzttermine sind jetzt zum Schluss der Schwangerschaft im 2-Wochen-Rhythmus. Es ist bisher alles unauffällig. Diesen Dienstag war das Baby zeitgemäß entwickelt (ca. 1700g, 41cm), alles ganz im Durchschnitt, viel Fruchtwasser (Depot 8,0 cm), aber die Menge ist noch ok, CTG unauffällig, einziges Problem: momentan noch BEL. 2. Nächster Termin bei meiner Frauenärztin ist am 2.1., welcher auch ihr erster Tag nach dem Weihnachtsurlaub ist. Sollte ich jetzt unter diesen Umständen zwischenzeitlich zur Vertretung oder unter welchen Umständen sollte ich das machen? Unter welchen Umständen sollte ich zur Vertretung von der Hausärztin? Oder zu einem anderen Arzt? Meine Hebamme ist zwischen Weihnachten und Neujahr erreichbar, sollte ich sie einmal um einen Hausbesuch bitten um die Herztöne zu prüfen oder etwas anderes zu tun? Oder kann ich einfach geduldig und positiv bis 2.1. abwarten? Ich spüre die Kindsbewegungen jeden Tag mehrmals sehr kräftig. Ich erkenne keinen Unterschied zu vor Influenza. 3. Die Hausärztin hat mir gesagt Prospan Kinderhustensaft ist erlaubt in der Schwangerschaft, genauso wie Nasic Kindernasenspray 1 Mal täglich zum Einschlafen. Meine Hebamme hat mir Plantago Bronchialbalsam und Meteoreisen Globuli velati empfohlen. Ab welcher Körpertemperatur sollte ich Fieber mit Paracetamol senken? Hätten Sie gegen diese Medikamente etwas einzuwenden oder gäbe es andere, die Sie mir empfehlen würden oder soll ich einfach gar nichts nehmen? Ich schlafe schon seit 3 Nächten tapfer ohne Nasenspray, um dem Baby möglichst nicht zu schaden. Stattdessen versuche ich es drei Mal täglich mit Nasendusche (Meersalz). Ich habe aber das Gefühl, die Nebenhöhlen schmerzen immer wieder. 4. Gibt es andere Hinweise, die Sie mir mit auf den Weg geben möchten? Wir bleiben positiv. Für den Moment scheint mir die Lage unter Kontrolle, doch beunruhigt mich Influenza in der Schwangerschaft doch etwas, vor allem fürs Baby. Ich bedanke mich herzlich für die Zeit und wünsche Ihnen frohe und hoffentlich gesunde Weihnachten!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sehr geehrte Frau …,   vielen Dank für Ihre sehr sorgfältige Schilderung – und bitte entschuldigen Sie sich keinesfalls. Ihre Fragen sind absolut berechtigt.   Vorweg das Wichtigste in einem Satz: Bei einer geimpften Schwangeren mit mildem bis moderatem Influenza-Verlauf, stabilem Allgemeinzustand, normaler Kindsbewegung und unauffälligen Vorsorgebefunden besteht in der 33. SSW in aller Regel keine akute Gefahr für das Kind.       1. Influenza in der Schwangerschaft – Risiko für Ihr Baby?       a) Früh- oder Totgeburt – für wen gilt das Risiko?     Die in Studien beschriebenen Risiken (Frühgeburt, schwere Verläufe, selten auch intrauteriner Fruchttod) betreffen vor allem:   ungeimpfte Schwangere hohes Fieber > 39 °C über längere Zeit schwere systemische Verläufe (Pneumonie, Atemnot, Hospitalisierung) frühe Schwangerschaftsdrittel     👉 Das trifft auf Sie nicht zu.   Die Impfung:   senkt das Risiko schwerer Verläufe dramatisch schützt auch das Kind indirekt über mütterliche Antikörper führt sehr häufig genau zu dem Bild, das Sie beschreiben: Infektion ja – aber abgeschwächt       b) Gelangen Influenzaviren zum Baby?     Das ist eine sehr häufige Sorge – die Antwort ist beruhigend:   Influenza ist keine klassische plazentagängige Virusinfektion Das Virus selbst erreicht das Kind in der Regel nicht Das Risiko entsteht, wenn überhaupt, indirekt über:   hohes Fieber schwere mütterliche Erkrankung Sauerstoffmangel       👉 Bei stabilem Kreislauf, moderatem Fieber und gutem Befinden des Kindes ist keine direkte Gefährdung zu erwarten.   Ihre aktuellen Befunde (Wachstum zeitgerecht, Fruchtwasser normal, CTG unauffällig, lebhafte Bewegungen) sind sehr gute Zeichen.   Die Beckenendlage hat nichts mit Influenza zu tun.       2. Müssen Sie jetzt zu einem Arzt / zur Vertretung?       Aktuell:  Nein – solange Folgendes zutrifft     Sie können bis zum 2.1. ruhig abwarten, wenn:   Sie regelmäßig kräftige Kindsbewegungen spüren kein anhaltendes Fieber ≥ 38,5–39 °C besteht keine Atemnot, kein Druck auf der Brust, keine deutliche Verschlechterung keine vorzeitigen Wehen, kein Blutverlust, kein Fruchtwasserabgang     Das ist bei Ihnen aktuell alles nicht gegeben.     Wann sollten Sie  sofort  ärztlich vorstellig werden?     Bitte nicht zögern, wenn eines davon eintritt:   Fieber ≥ 38,5 °C, das sich nicht mit Paracetamol senken lässt Atemnot, ausgeprägte Erschöpfung, Kreislaufprobleme deutlich weniger oder keine Kindsbewegungen Schmerzen/Wehen in regelmäßigen Abständen subjektives Gefühl: „Irgendetwas stimmt nicht“       Hebamme?     Ein Hausbesuch kann beruhigend sein, ist aber medizinisch nicht zwingend erforderlich, solange:   Sie Ihr Kind deutlich spüren keine neuen Symptome auftreten     Wenn es Ihnen emotional Sicherheit gibt: ja, gern. Medizinisch ist Geduld absolut vertretbar.       3. Medikamente – was ist sinnvoll, was nicht?       a) Fieber     Paracetamol ist das Mittel der Wahl in der Schwangerschaft empfehlenswert ab:   ≥ 38,5 °C oder früher, wenn Sie sich sehr krank fühlen       Dosierung (üblich):   500–1000 mg max. 3–4×/Tag möglichst kurzzeitig     👉 Fieber nicht tapfer aushalten, das Senken ist fürs Kind eher schützend.     b) Husten & Nase     Zu Ihren genannten Mitteln:   Prospan: ✔️ gut verträglich Nasic Kinder-Nasenspray 1×/Tag: ✔️ völlig in Ordnung → Sie dürfen das ohne schlechtes Gewissen nutzen, Schlaf ist wichtig Nasendusche: ✔️ sehr gut Plantago Bronchialbalsam: ✔️ unproblematisch Globuli: neutral – schaden nicht, ersetzen aber keine wirksamen Maßnahmen     👉 Nebenhöhlenschmerzen sind bei Influenza häufig. Ein maßvoll eingesetztes Nasenspray ist sicherer als dauerhaftes Leiden.   Was Sie nicht brauchen:   Ibuprofen Kombinationspräparate ätherische Öle oral         4. Weitere Hinweise für die nächsten Tage     viel trinken (auch wenn der Appetit fehlt) körperliche Schonung (Sie haben Unglaubliches mit Kleinkind geleistet!) Seitenlage, wenn der Bauch durch Husten schmerzt bei starkem Husten ein Kissen gegen den Bauch pressen → entlastet die Bauchmuskulatur, schadet dem Baby nicht     Ihr intensiver Husten führt nicht zu Schäden am Kind – die Gebärmutter ist sehr gut geschützt.       Mein zusammenfassendes Fazit     Sie haben:   alles richtig gemacht (Impfung!) einen milden, kontrollierten Verlauf ein vitales, gut entwickeltes Kind sehr gute Selbstwahrnehmung     Das ist keine Situation, die man verharmlosen sollte – aber auch keine, die Anlass zur Angst gibt.   Bleiben Sie aufmerksam, aber zuversichtlich. Und gönnen Sie sich – so gut es geht – Ruhe.   Ich wünsche Ihnen von Herzen eine baldige Besserung und ruhige, gesunde Weihnachtstage für Sie und Ihre Familie. 🌿


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, Sie haben mir sehr viel Angst mit Ihrer Nachricht genommen. Vielen lieben Dank, dass Sie sich sogar in der Urlaubszeit rund um Weihnachten so viel Zeit für eine ausführliche Antwort genommen haben! Heute geht es uns leider eher schlechter als gestern. Mein Mann hält sich wacker und versorgt uns beide. Mich friert es sobald ich kurz aufstehe und ich bin langsam wie eine rollende Schildkröte, die überhaupt keine Kraft hat und das in der 33. Schwangerschaftswoche, in der es sowieso langsam beschwerlich wird. Ich hoffe sehr, bis zur Geburt wieder ausreichend Kraft tanken zu können. Habe mich an Ihre Anweisung gehalten und bei 38,5 einen Schlussstrich gezogen, eine Paracetamol 500 genommen, mich ins Bett gelegt und nach einer Stunde angefangen zu schwitzen. Und die Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schmerzen in den Nebenhöhlen wurden dann auch gleich besser. Nach 5 Stunden fange ich jetzt wieder an zu frieren, aber es bleibt im Rahmen bei 38,5. Das Baby strampelt zum Glück sehr aktiv. Jede Bewegung erleichtert mich gerade sehr. Ich bin so froh, geimpft zu sein. Sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich im Krankenhaus. Unser Kind macht uns auch Sorgen. Es kommt heute kaum von den 40 Grad Fieber runter, nachts sogar 40,5. Zwei Stunden nach dem Fiebersaft sind wir aber kurz mal bei 38,3. 5 Stunden später wieder bei fast 40. Mit dem Wechsel von Paracetamol-Zäpfchen und Nurofensaft kommen wir gerade so hin ohne überzudosieren. Wenn Kinder den ganzen Tag freiwillig schlafend im Bett liegen, dann sind sie wirklich krank. Essen ging heute fast gar nicht, aber immerhin Wasser und Milch. Ich hatte Influenza bei Kleinkindern unterschätzt und bereue es sehr, nur uns Erwachsene geimpft zu haben. Nächstes Jahr impfen wir uns alle. Auch die Kinderärztin ist schon im Urlaub und wir müssten zur Vertretung. Teilen Sie meine Meinung, dass wir, so lange ein bisschen getrunken wird und Urin kommt, abwarten können, da wir ja wissen, was der Grund für das hohe Fieber ist und man gegen Influenza außer Fiebersaft sowieso nichts tun kann? Wenn kein Urin mehr kommt, sollten wir vielleicht eher in die Notaufnahme der Kinderklinik? Solche Krankheiten passieren natürlich ausgerechnet in den Weihnachtsferien. Danke für Ihr offenes Ohr und die beruhigenden Informationen, auch wenn es gar nicht Ihr Spezialgebiet mehr ist. Falls Sie noch Ergänzungen haben, freue ich mich jederzeit. Ich wünsche Ihnen fröhliche und vor allem gesunde Weihnachten!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,   vielen Dank für Ihre sehr offene, bewegende Nachricht. Es tut mir leid zu lesen, wie erschöpft und belastet diese Tage für Sie sind – das ist wirklich viel, erst recht in der 33. Schwangerschaftswoche und mit einem fiebernden Kleinkind zu Hause. Umso mehr Respekt davor, wie umsichtig Sie handeln.     Zu  Ihnen     Was Sie beschreiben, passt leider sehr gut zu einem typischen Influenza-Verlauf – aber auch zu einem insgesamt guten Management:   Dass Paracetamol bei 38,5 °C wirkt, das Schwitzen einsetzt und Schmerzen nachlassen, ist ein sehr gutes Zeichen. Das erneute Frieren nach 4–6 Stunden ist typisch, wenn die Wirkung nachlässt. Wichtig und beruhigend: Das Baby ist aktiv, regelmäßige Kindsbewegungen sind eines der zuverlässigsten guten Zeichen. Ihre Impfung hat sehr wahrscheinlich dazu beigetragen, dass der Verlauf trotz der Beschwerden kontrollierbar bleibt und keine schwere Atemproblematik entstanden ist.     Bitte erlauben Sie sich, wirklich langsam zu sein – Ihre Formulierung mit der „rollenden Schildkröte“ ist sehr treffend. Das ist kein Versagen, sondern schlicht Physiologie + Infekt + Schwangerschaft. Kraft kommt zurück – nicht von heute auf morgen, aber sie kommt.     Zu Ihrem  Kind     Ihre Einschätzung ist medizinisch absolut nachvollziehbar und vernünftig.   Bei Influenza im Kleinkindalter gilt tatsächlich:   Hohes Fieber (auch bis 40 °C) ist leider nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist nicht die Zahl allein, sondern:   trinkt Ihr Kind (auch kleine Mengen)? ✔️ gibt es regelmäßig Urin? ✔️ ist es zwischendurch ansprechbar (auch wenn sehr schlapp)? ✔️ sinkt das Fieber zeitweise nach Fiebersenkern? ✔️       Dass Sie Paracetamol und Ibuprofen korrekt im Wechsel geben und auf die Dosierung achten, ist genau richtig.   👉 Abwarten ist vertretbar, solange:   Ihr Kind trinkt (Wasser, Milch – Essen ist nebensächlich), mindestens alle 6–8 Stunden Urin kommt, keine zunehmende Atemnot, keine Blaufärbung, kein apathisches Wegdämmern auftritt.     👉 Sofortige Vorstellung (Kinderklinik / Notaufnahme) wäre sinnvoll, wenn:   kein Urin mehr kommt, Ihr Kind nicht mehr trinkt, das Fieber gar nicht mehr auf Medikamente reagiert, deutliche Atemprobleme, Einziehungen oder eine ungewöhnliche Schläfrigkeit auftreten, oder Sie als Eltern schlicht das Gefühl haben: „So stimmt das nicht mehr.“ Dieses Bauchgefühl ist absolut legitim.     Dass so etwas ausgerechnet in den Weihnachtsferien passiert, ist bitter – aber leider ein sehr bekanntes Szenario. Sie machen es unter diesen Umständen wirklich sehr gut.     Noch ein kleiner Trostgedanke     Dass Sie die Kinderimpfung bereuen, zeigt nur, wie verantwortungsvoll Sie denken – aber bitte seien Sie nicht hart zu sich. Viele Familien entscheiden sich so, und Sie werden nächstes Jahr eine klare, gute Entscheidung treffen. Mehr kann man nicht verlangen.   Ich wünsche Ihnen von Herzen:   ruhige Nächte mit möglichst langen fieberfreien Phasen, weiter spürbare, kräftige Kindsbewegungen, und dass sich bei Ihnen beiden in den nächsten Tagen langsam, aber stetig Besserung einstellt.     Danke für Ihre warmen Weihnachtswünsche – ich gebe sie sehr gerne zurück. Bitte melden Sie sich jederzeit, wenn sich etwas verändert oder Sie unsicher werden. Sie sind damit nicht allein.


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, vielen Dank für die herzlichen Weihnachtswünsche und Ihre hilfreichen Informationen. Ich hoffe, Sie können Weihnachten mit Ihrer Familie genießen. Bei uns hat es nun die Großeltern mit Influenza auch noch lahm gelegt. Ich bin sehr enttäuscht, dass die Hausärztin bei mir keinen Influenzatest gemacht hat, obwohl ich sie darauf angesprochen hatte und noch dazu schwanger zur Risikogruppe gehöre. Sie hätte damit zumindest verhindert, dass unser Sohn auch noch am Tag vor Symptombeginn zu den Großeltern geht und sie mit infiziert. Sie wollten ihn mir abnehmen, weil es mir nicht so gut ging und ich hatte ja nicht geahnt, welche Kreise das jetzt ziehen wird. Hätte ich gewusst, dass ich Influenza habe, hätte ich ihn niemals zu den Großeltern gehen lassen. Meine Impfung hat leider die Ernsthaftigkeit dieses Virus anfangs sehr verschleiert und jetzt liegen alle außer meinem Mann flach. Weihnachten fällt ins Wasser. Mir geht es zum Glück besser, das Fieber ist weg. Nur der Husten hält noch an und die Nebenhöhlen sind noch nicht frei. Ich mache fleißig Nasendusche. Das Baby ist auch weiterhin sehr aktiv. Das beruhigt mich. Aus der rollenden Schildkröte wird jetzt langsam wieder eine rollende Kugel Smiley nr105.gif Aber unser Sohn macht uns ganz große Sorgen. Nach 2,5 Tagen Fieber zwischen 39,5 und 40,5 war das Fieber am Montag fast komplett weg und er wollte wieder etwas spielen und ein bisschen essen (37,5 bis Max. 38,5). Seit Dienstag geht es wieder durch die Decke. Heute dauernd um 39,0-39,5. Er war wieder total schläfrig, hat kaum spielen wollen, nur kurz wenn das Fieber mal auf 38,5 runtergegangen ist. Wir haben im 4-Stunden-Takt Nurofensaft und Paracetamol Zäpfchen abgewechselt. Und das an Weihnachten, wo Kinder sich so über ihre Geschenke freuen. Selbst die Bescherung mussten wir verschieben. Mein Mann ist (und bleibt?) negativ. Bei ihm wirkt die Impfung voll. Er war mit ihm beim Bereitschaftsdienst. Die Lunge ist verschleimt, so die Kinderärztin. Er hat sie gebeten, kapillar Blut abzunehmen um etwas bakterielles auszuschließen. Die Werte: CRP < 1, Lym%, Gran%, Mid%, Lym#, Gran#, Mid#, RBC, HGB, HCT, MCH, MCHC, RDW-CV, RDW-SD, PLT, MPV, PDW, PCT, P-LCR, P-LCC alle im Normbereich. Zwei Werte nicht im Normbereich: Hs-CRP 0,86 rr g/dl (0,00-0,40) und MCV 78,9 (82,0-? Leider unlesbar wegen wenig Tinte). Was sind das für Werte? Habe noch nie Ha-CRP auf einem Blutbild gesehen. Die Kinderärztin sagte, es sei (noch?) viral, sollte aber morgen endlich wenigstens etwas besser werden mit dem Fieber (dann schon Tag 6). Wenn nicht, sollten wir wieder kommen und wieder die Lunge abhören lassen. Ich mache mir echt Sorgen, dass er gerade eine Lungenentzündung bekommt. Er redet sonst wie ein Buch und momentan will er nur kuscheln und schlafen und höchstens mal ein Buch vorgelesen bekommen. Aber er trinkt zumindest wenn man ihn erinnert und schafft etwa 3 Mal Wasserlassen täglich. Können Sie mir etwas zu diesen Werten von ihm sagen? Fiebern Kinder bei Influenza wirklich eine Woche lang so schlimm? Mich beunruhigt, dass es ihm dazwischen schon einmal besser ging. Falls ich Sie noch etwas zur Beckenendlage fragen darf: gibt es etwas, was ich tun kann, um das Baby zur Drehung zu ermutigen? Ich versuche optimistisch zu bleiben, doch leider wäre das schon das zweite Mal bei mir, dass ich mit Beckenendlage in die Geburt gehe. Wir hatten damals so viel probiert und es sollte einfach nicht sein. Von einer Wendung rät meine Frauenärztin auch ab, weil ich eine VW-Plazenta habe. Das erste Mal ist die natürliche Geburt schon gründlich schief gelaufen, also empfiehlt sie dieses Mal gleich Kaiserschnitt falls das Baby sich nicht bald dreht. Ich fand die Erholungszeit nach dem ersten (sekundären) Kaiserschnitt aber schon lang und mit zwei Kindern will man einfach schneller fit sein und funktionieren. Meine Hebamme meint, ich kann eine natürliche Geburt durchaus trotzdem noch einmal probieren. Doch am Ende durch natürliche Geburt und Kaiserschnitt zu gehen, war auch ganz schön anstrengend. Vielleicht haben Sie ja einen Rat. Wie lieb von Ihnen, dass ich noch einmal nachfragen darf!!!  Frohe Weihnachten Ihnen und Ihrer Familie! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, liebe Patientin,   danke für Ihr Vertrauen und dafür, dass Sie mich so offen an dieser belastenden Situation teilhaben lassen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie enttäuschend, erschöpfend und emotional schwer das alles gerade ist – Influenza zur Weihnachtszeit, ein krankes Kind, Sorgen um das Baby und dann noch Geburtsthemen. Das ist schlicht zu viel auf einmal.   Ich gehe Schritt für Schritt auf Ihre Fragen ein.       1. Zu den  Laborwerten Ihres Sohnes  – das ist wichtig und beruhigend einzuordnen       🔬  Was ist hs-CRP?     hs-CRP = hochsensitives C-reaktives Protein wird oft zusätzlich gemessen, um sehr geringe Entzündungen zu erfassen der Wert ist empfindlicher, aber nicht spezifischer als das normale CRP     👉 Ein hs-CRP von 0,86 bei normalem CRP (< 1) bedeutet:   keine relevante bakterielle Entzündung keine Hinweise auf eine bakterielle Pneumonie passt sehr gut zu einem viralen Verlauf     Wichtig: Für bakterielle Infektionen bei Kindern sehen wir meist:   CRP deutlich > 20–30 oft Verschiebungen im Blutbild → alles bei Ihrem Sohn NICHT der Fall         🩸  MCV 78,9     MCV = mittleres Erythrozytenvolumen leicht erniedrigt → spricht am ehesten für einen milden Eisenmangel hat nichts mit dem akuten Infekt zu tun ist nicht gefährlich und aktuell kein Grund zur Sorge     👉 Das kann man in Ruhe nach dem Infekt einmal kontrollieren.       2. Ist der Verlauf mit  Fieber über 6–7 Tage bei Influenza  möglich?     Ja – leider absolut.   Gerade bei Kleinkindern sehen wir:   hohes Fieber über 5–7 Tage oft biphasisch:   kurze Besserung dann erneuter Fieberanstieg → das ist typisch für Influenza, nicht automatisch ein Zeichen für eine bakterielle Superinfektion       Dass:   das Fieber auf Medikamente reagiert Ihr Sohn trinkt Urin kommt die Blutwerte viral sprechen     ist medizinisch sehr beruhigend.       3. Wann müsste man doch an eine Lungenentzündung denken?     Bitte achten Sie besonders auf:   🚨 Alarmzeichen   schnelle, angestrengte Atmung Einziehungen zwischen den Rippen Nasenflügeln dauerhaftes Stöhnen Kind kaum weckbar / reagiert kaum Fieber ohne Reaktion auf Medikamente     ➡️ In diesen Fällen sofort Kinderklinik.   👉 Im Moment beschreiben Sie keines dieser Zeichen.   Dass er viel kuscheln und schlafen will, ist bei Influenza leider typisch, aber kein schlechtes Zeichen an sich.       4. Zum Abwechseln von  Ibuprofen & Paracetamol     Sie machen das vorbildlich korrekt.   Wichtig:   Dosierung nach Gewicht ausreichend Abstand (Paracetamol 6–8 h, Ibuprofen 6–8 h) lieber regelmäßig, als das Fieber eskalieren zu lassen         5. Zu Ihrer Enttäuschung wegen des fehlenden Influenza-Tests     Ihre Enttäuschung ist vollkommen berechtigt.   Gerade:   bei Schwangerschaft (Risikogruppe) bei klarer Exposition bei hohem Fieber     wäre ein Test medizinisch sinnvoll gewesen – auch zur Eindämmung weiterer Kontakte.   Bitte seien Sie trotzdem nicht hart zu sich:   Sie haben verantwortungsvoll gehandelt die Impfung hat Sie vermutlich vor einem schweren Verlauf geschützt niemand konnte diese Kettenreaktion vorhersehen         6. Beckenendlage – was Sie realistisch tun können (und was nicht)       🔄  Was Sie versuchen können     Vierfüßlerstand / „Indische Brücke“ Seitenlagerung (links / rechts abwechselnd) Becken leicht erhöht lagern sanfte Bewegung (Spaziergänge)     Diese Maßnahmen sind nicht schädlich, aber: 👉 die Erfolgsrate ist begrenzt, vor allem nach der 32.–33. SSW.       🤰  Externe Wendung     Bei:   Vorderwandplazenta bereits problematischem Geburtsverlauf deutlicher Erschöpfung     ist die Zurückhaltung Ihrer Frauenärztin sehr nachvollziehbar.       ⚖️ Natürliche Geburt vs. geplanter Kaiserschnitt     Ihre innere Zerrissenheit ist absolut verständlich.   Ganz ehrlich und ärztlich nüchtern:   Eine geplante Sectio ist körperlich oft besser verkraftbar als:   eine lange, schwierige vaginale Geburt plus sekundärer Kaiserschnitt   mit zwei Kindern ist Planbarkeit manchmal ein echter Vorteil der Wunsch „schneller wieder funktionieren zu müssen“ ist real – und legitim     Die Aussage Ihrer Hebamme ist nicht falsch, aber Ihre Erfahrung zählt mindestens genauso viel.   👉 Wenn Ihr Bauchgefühl eher sagt: „Ich schaffe das emotional und körperlich besser mit einem klaren Plan“ dann ist das kein Versagen, sondern Selbstfürsorge.       🌱 Mein ehrliches Gesamtfazit     Ihr Sohn zeigt derzeit keine Zeichen einer bakteriellen Komplikation der Verlauf ist schwer, aber noch im Rahmen einer Influenza Sie selbst sind auf dem Weg der Besserung Ihr Baby zeigt sehr gute Lebenszeichen zur Geburt dürfen Sie sich erlauben, den für Sie schonenderen Weg zu wählen     Bitte melden Sie sich jederzeit, wenn:   das Fieber Ihres Sohnes weiter eskaliert neue Symptome auftreten Sie einfach jemanden brauchen, der mitdenkt     Ich wünsche Ihnen von Herzen:   eine baldige Stabilisierung Ihres Sohnes, ruhige Nächte, und dass trotz allem ein wenig Weihnachtsfrieden bei Ihnen einkehren darf.     Frohe Weihnachten – und bitte passen Sie gut auf sich auf.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich muss jetzt erst einmal aussprechen, wie lieb ich das von Ihnen finde, dass Sie mir und meiner Familie selbst an den Feiertagen so beiseite stehen. Das ist für uns sehr wertvoll, gerade jetzt, wo alle unsere Ärzte Urlaub machen und Weihnachten für uns dieses Jahr so daneben läuft. Ihre Antwort war sehr hilfreich und beruhigend zugleich und hat mich auch mit der BEL zum Nachdenken gebracht. Ich könnte Ihr Mitdenken aber doch noch einmal gebrauchen. Unserem Sohn geht es heute erfreulicherweise am 7. Tag endlich besser. Ich hoffe, der Fieberanstieg auf über 39 Grad kommt nicht noch wieder am späten Nachmittag oder Abend wie gestern. Aber bisher sind wir nur bei 38 Grad ohne Fiebersaft, er schaut auch viel wacher aus den Augen, redet wieder mehr, isst ein bisschen, will mehr spielen und nicht dauernd schlafen. Vielleicht können wir schon morgen unser kleines Weihnachtsfest mit Bescherung wenigstens zu 3,5 nachholen. Einen Kalender kennt unser Sohn ja zum Glück sowieso noch nicht. Er hustet noch ziemlich verschleimt und ich habe im Medikamentenschrank SalbuBronch Tropfen gefunden, die ihm die Kinderärztin mal bei Bronchitis verschrieben hatte (3 x 5 Tropfen). Können wir damit was falsch machen? Zu mir habe ich die eigentliche Frage: Wie viele Tage nach Symptombeginn ist es denn noch normal oder akzeptabel, dichte Nebenhöhlen zu haben? Ich hatte ja als erste von uns Influenza und die richtigen Symptome haben am Mittwoch vor einer Woche begonnen, also vor 10 Tagen. Ich mache 3 x täglich Nasendusche, aber kriege den Mist nicht los. Es kommt auch jedes Mal viel Schleim (weiß und gelb). Meine Nase ist verstopft und man hört es auch an meiner nasalen Stimme. Wenn ich jetzt zum HNO-Arzt gehe, weiß ich genau, was passiert: er hört, das geht schon 10 Tage so, also Antibiotikum. Aber (hoch)schwanger würde ich das gerne vermeiden. Es wäre schon das dritte Antibiotikum in dieser Schwangerschaft für mein armes Baby. Nach dem ersten war meine Scheidenflora komplett aus der Balance gekommen und ich habe dann ein zweites Antibiotikum wegen bakterieller Vaginose gebraucht. Ein Problem gelöst und ein neues geschaffen. So eine Kettenreaktion möchte ich jetzt 7 Wochen vor ET echt lieber vermeiden. Mein pH-Wert ist in letzter Zeit immer perfekt gewesen, ich will ihn nicht wieder zerstören. Aber ich weiß auch, dass meine Nebenhöhlen so nicht bleiben können. Wie viele Tage kann ich dem Ganzen noch geben? Vielleicht dauert es bei Influenza einfach etwas länger bis die Nebenhöhlen frei werden? Zum Bereitschaftsdienst am Wochenende will ich jetzt auch nicht, am Ende komme ich noch kränker nach Hause als ich hingegangen bin. Wäre es sinnvoll, bis Montag zu warten in der Hoffnung, es wird ohne Antibiotikum besser? Mein HNO-Arzt ist sowieso erst wieder am 7.1. da. Ich müsste mir also auch noch irgendwo eine Alternative suchen. Fieber habe ich nicht, der Schleim hängt wirklich nur fest. Wenn ich noch etwas abwarte, kann ich außer Nasendusche etwas tun? Kinder Nasic habe ich 4 Tage lang abends genommen und traue mich nicht mehr es zu lange weiter zu nehmen. Sinupret ist in der Schwangerschaft bestimmt auch nicht erlaubt. Und noch zur BEL: Ich frage mich, warum meine Kinder alle so einen Mist machen und die Kleine dem Großen diesen Mist nachmachen muss. Alle Ihre Ideen, damit das Baby sich noch dreht, setze ich schon um. Magnesium bekomme ich auch von der Frauenärztin um den Bauch immer weich zu halten. Meine Hebamme wird wieder Moxen, aber in der 1. Schwangerschaft hat das schon alles nichts gebracht. Aber Ihre Gedanken helfen mir sehr weiter, eine Entscheidung über die Geburt zu treffen. Ich stelle mir tatsächlich noch eine Frage: Ist es denn häufig bei BEL, dass die vaginale Geburt am Ende daran scheitert, dass das Baby es nicht raus schafft? Bei mir lief nämlich lange Zeit alles super, der Muttermund ging wunderbar auf die 10cm auf, ich habe keine Wehenverstärker gebraucht. Alles war super und dann in der Pressphase ging es nicht mehr weiter. Unser Sohn kam immer ein minimales Stück raus und direkt nach der Wehe rutschte er wieder zurück nach innen. Ich wurde dann noch in alle möglichen Richtungen umgelagert, aber er steckte einfach fest. Ist das eher Zufall oder liegt so etwas an der BEL? Er saß wie ein Buddha. Unser Sohn ist nämlich heute auch noch ein Bequemer (Mama, helf!) und es passt auch irgendwie zu seinem Charakter. Dann bekam ich noch Wehenverstärker und als auch das nichts brachte wurde mir zur PDA geraten, weil der Arzt die Fälle langsam davonschwinden sah und ich so schon bereit für den Kaiserschnitt war. Danach ging erst recht nichts mehr und mir wurde der Kaiserschnitt nahe gelegt. Sehen Sie die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das wieder so läuft, wenn ich mich bei einer 2. BEL wieder für eine natürliche Geburt entscheide? Oder mag das Zufall gewesen sein? Eine natürliche Geburt würde ich bevorzugen aber nicht wenn von Anfang an die Chancen wieder so schlecht stehen und ich mich dann doppelt quäle. Auch Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich ganz viel Weihnachtsfrieden, viel Erholung und es ist lieb, dass Sie an Weihnachten so eine gute Tat leisten. Danke und ganz herzliche Grüße aus der Weihnachtsstadt Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Grüße nach Nürnberg – und vielen Dank für Ihre warmen Worte. Ich nehme sie sehr ernst, gerade weil man zwischen den Zeilen spürt, wie erschöpfend diese Tage für Sie sind. Umso schöner ist es zu lesen, dass es Ihrem Sohn heute endlich etwas besser geht 🌿   Ich antworte Ihnen der Übersicht halber in drei Teilen.       1) Zu Ihrem Sohn und den SalbuBronch-Tropfen     Wenn die SalbuBronch-Tropfen Ihrem Sohn früher bei einer ärztlich diagnostizierten Bronchitis geholfen haben und er aktuell keine auffälligen Nebenwirkungen zeigt (Unruhe, Zittern, Herzklopfen), ist die kurzzeitige Gabe in der bekannten Dosierung in der Regel vertretbar. Sie helfen nicht primär gegen Schleim, sondern entlasten die Bronchien, sodass der Schleim besser abgehustet werden kann. Wichtig:   nur für einige Tage, nicht dauerhaft bei deutlicher Verschlechterung, Atemnot, Einziehungen → bitte ärztlich abklären     Dass er wieder wacher ist, spricht sehr dafür, dass er über den Berg ist.       2) Zu Ihnen: Nebenhöhlen nach Influenza – wie lange ist „noch normal“?     Ihre Beobachtung ist medizinisch sehr plausibel. Nach Influenza ist es häufig, dass:   die Nasennebenhöhlen 10–14 Tage, manchmal sogar bis zu 3 Wochen dicht bleiben der Schleim weiß bis gelblich ist, ohne dass eine bakterielle Infektion vorliegt kein Fieber besteht, sondern „nur“ Druck, Verstopfung, nasale Stimme       Wann spricht noch nicht alles für ein Antibiotikum?     In Ihrer Situation sprechen mehrere Punkte gegen eine sofortige Antibiotikatherapie:   kein Fieber kein einseitiger, zunehmender Gesichtsschmerz kein ausgeprägter Krankheitsrückfall langsame, aber spürbare Besserung im Gesamteindruck     Gerade in der Schwangerschaft ist Zurückhaltung absolut sinnvoll – Ihre Sorge wegen der vaginalen Flora ist sehr berechtigt.     Wie lange dürfen Sie dem Ganzen noch Zeit geben?     👉 Ja, Sie dürfen guten Gewissens noch einige Tage bis Anfang nächster Woche abwarten, solange:   kein Fieber >38,5 °C auftritt keine starken, einseitigen Schmerzen (Zähne, Stirn, Wange) entstehen sich Ihr Allgemeinzustand nicht deutlich verschlechtert     Dass Ihr HNO erst am 7.1. wieder da ist, ist unschön – aber medizinisch nicht automatisch problematisch.     Was können Sie zusätzlich tun (antibiotikafrei)?     Neben der Nasendusche (die Sie sehr gut und richtig machen):   Inhalieren mit Kochsalz (klassisch über Schüssel oder Inhalator) Feuchte, warme Raumluft Viel trinken (der Schleim wird dünner) Abschwellende Nasensprays: – Kinder-Nasic maximal 5–7 Tage, ggf. nur abends, das ist in Ordnung Kopf leicht erhöht schlafen     Sinupret: Es gibt Varianten (z. B. Sinupret Extract), die in der Schwangerschaft nicht empfohlen sind, weil keine ausreichenden Daten vorliegen. Ich würde es an Ihrer Stelle nicht neu beginnen.   ➡️ Kurzfassung: Ihr Verlauf passt sehr gut zu einer postviralen Sinusitis. Abwarten bis Montag ist absolut vertretbar.       3) Zur BEL und Ihrer sehr wichtigen Frage zur Geburt     Ihre Schilderung der ersten Geburt ist eindrücklich – und sie zeigt, dass Sie keineswegs „schlecht geboren“ haben. Im Gegenteil:   vollständige Muttermundseröffnung gute Wehentätigkeit keine primäre Geburtsstörung       Warum kann eine BEL in der Pressphase scheitern?     Ja – bei BEL kommt es häufiger genau in dieser Phase zum Stillstand, obwohl zuvor alles gut lief. Gründe können sein:   ungünstige Beinhaltung (z. B. „Buddha-Sitz“) suboptimale Flexion des kindlichen Kopfes ungünstige Anpassung zwischen Kind und Becken     Dass Ihr Sohn immer wieder zurückgerutscht ist, passt sehr typisch zu einer mechanischen Problematik – nicht zu mangelnder Kraft Ihrerseits.     Bedeutet das automatisch, dass es wieder so laufen wird?     👉 Nein. Aber: Ihre Vorgeschichte ist relevant und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Szenario ähnlich wiederholen könnte, wenn:   erneut eine BEL besteht die kindliche Haltung ungünstig ist keine optimale geburtshilfliche Erfahrung mit BEL-Geburten vorhanden ist     Das ist kein Automatismus, aber auch kein reiner Zufall.     Ist eine vaginale BEL-Geburt trotzdem vertretbar?     Ja – wenn:   das Kind günstig liegt Gewicht, Becken, Betreuung passen Sie innerlich hinter der Entscheidung stehen     Aber: 👉 Sie müssen sich nicht noch einmal „beweisen“. Eine geplante Entscheidung (egal in welche Richtung) ist keine Kapitulation, sondern Fürsorge.       Zum Schluss – ganz persönlich     Ich finde Ihre Gedanken sehr klar, sehr reflektiert und sehr mütterlich. Sie wägen ab, ohne zu dramatisieren, und hören auf Ihr Gefühl – das ist eine große Stärke.   Ich wünsche Ihnen sehr, dass:   Ihr Sohn weiter aufblüht Ihre Nebenhöhlen Ihnen bald Luft lassen – im wahrsten Sinne und Sie für die Geburt eine Entscheidung finden, die Ihnen Ruhe gibt, nicht zusätzliche Last     Danke für Ihre lieben Wünsche. Auch Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich – trotz allem – ein paar friedliche, warme Momente zwischen den Jahren.   Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich möchte Ihnen erst meinen Dank übermitteln für Ihre Präsenz und Ihre langen so hilfreichen Antworten. Sie sind mir so eine Unterstützung, gerade jetzt, wo alle meine Ärzte Urlaub machen und Krankheit sich aber leider nicht nach dem Datum richtet. Ich hoffe, Ihnen nicht auf den Nerv zu gehen. Ich kann noch einmal Ihr Mitdenken brauchen. Sie machen das so gründlich und gewissenhaft. Vorneweg: unserem Sohn geht es viel besser zum Glück. Er hat seit gestern gar kein Fieber mehr, er hustet noch etwas, aber das wird schon werden. Unglaublich wie schnell Kinder sich von einer Woche 40 Grad Fieber erholen. Er hat schon wieder viel mehr Energie. Ich war heute mit ihm etwas an der frischen Luft und er läuft mir rollenden Kugel schon wieder davon. Nur braucht er noch sehr viel Schlaf. Normalerweise schläft er nachts um die 11-12 Stunden, momentan um die 13 Stunden. Aber das tut Eltern auch mal gut wenn morgens länger Ruhe ist ;) Mir geht es aber nicht so gut. Daher meine Nachfrage. Jetzt sind wir bei 13 Tagen seit Influenza-Symptombeginn und ich schnäuze so viel, die Nase ist so dicht, ich habe seit gestern ständig stechende Kopfschmerzen, wobei ich nicht weiß ob sie von den Nebenhöhlen kommen. Mal im Gesicht, mal am Hinterkopf, ich kann es nicht einordnen. Ich habe aber auch das Gefühl, verspannt zu sein. Ich dachte, der Spaziergang heute an der frischen Luft tut der Nase gut, aber sie war trotzdem dauernd dicht und danach war ich total kaputt, müde, abgeschlagen und habe 1,5 Stunden im Bett geschlafen. Ich habe sonst so viel mehr Energie. Alles weg. Ich will auch nicht dauernd Nasic oder Paracetamol gegen die Kopfschmerzen nehmen. Also halte ich alles aus.  Mein Mann hat zum Glück auch gerade Urlaub und kann mir viel abnehmen. Trotzdem will ich irgendwie nicht zum HNO-Arzt gehen. Ich habe so Angst vor einer weiteren bakteriellen Vaginose so kurz vor der Geburt.  Nicht dass das dann noch eine Frühgeburt auslöst. Sie meinten ja, es kann nach Influenza sogar bis zu 21 Tage dauern bis die Nebenhöhlen frei sind. Wenn ich kein Fieber habe, kann ich noch ein bisschen zuwarten? Ich kann es so schlecht einschätzen was gerade richtig ist. Ist gelber Schleim immer ein Anzeichen für Bakterien? Irgendwo hatte ich mal gelesen, es kann auch von abgestorbenen Virenresten kommen. Ich hatte gestern auch noch das Gefühl von Senkwehen, aber ist das nicht etwas früh, jetzt in der 34. Schwangerschaftswoche? Es hat sich wie starke Menstruationsschmerzen angefühlt, auch in den Rücken gezogen, kam auch öfter, aber nach einem warmen Bad war wieder Ruhe. Ich würde sagen, Geburtswehen fühlen sich schlimmer an und würden nicht wieder weggehen. Aber unter den Umständen, dass es noch 6 Wochen bis zur Geburt sind, die Kleine in BEL liegt und diese Nebenhöhlen mich in den Wahnsinn treiben, macht es mich etwas unruhig. Nachdem der Schmerz aber wieder nachgelassen hat, reicht es vielleicht, wenn meine Hebamme mal vorbeikommt und draufschaut? Sie müsste doch auch sehen können falls der Muttermund sich schon öffnet? Mein Termin zum Vorgespräch zur Geburt im Krankenhaus ist auch erst in der 36. Schwangerschaftswoche. Sollte ich mich für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden, ist das früh genug? Meine Frauenärztin ist erst ab 2.1. wieder da. Und sollte es zum vorzeitigen Blasensprung kommen: müssten wir dann den RTW holen? Dieses Szenario ist in der 1. Schwangerschaft nämlich leider mit unserem Buddha-Sohn eingetreten und da hatte mir die Frauenärztin gesagt, ich sollte auf keinen Fall laufen wenn es dazu käme und den RTW holen. Also wurde ich komplett liegend transportiert. Was ich aber nicht verstanden habe, war, dass ich im Krankenhaus nachdem ein Ultraschall gemacht wurde, dann zwar nicht mehr nach Hause durfte und stationär aufgenommen wurde, aber wieder laufen durfte. Und ich glaube nicht, dass da noch Fruchtwasser übrig war, solche Massen wie aus mir liefen. Das waren nicht nur Tropfen. Ich möchte Ihnen nicht auf den Nerv gehen und hoffe, Sie haben eine schöne ruhige Zeit zwischen den Jahren. Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Frau …,   zunächst einmal: Sie gehen mir ganz sicher nicht auf die Nerven. Im Gegenteil – Ihre Nachricht ist sehr klar, reflektiert und zeigt, wie aufmerksam Sie mit sich und Ihrer Schwangerschaft umgehen. Gerade in einer Phase, in der ärztliche Ansprechpartner fehlen, ist es völlig legitim, Orientierung zu suchen. Und ich antworte Ihnen sehr gerne.   Es freut mich sehr zu lesen, dass es Ihrem Sohn wieder deutlich besser geht. Kinder haben in dieser Hinsicht tatsächlich eine beeindruckende Regenerationsfähigkeit – und ja: Dass er gerade mehr Schlaf braucht, ist absolut normal und sogar ein gutes Zeichen. Sein Körper holt nach. Und dass Eltern dabei morgens etwas länger Ruhe haben, darf man mit einem kleinen Augenzwinkern auch genießen 😊       1. Zu Ihrem aktuellen Infektzustand (13 Tage nach Influenza)     Was Sie beschreiben, passt leider sehr gut zu einem verlängerten postviralen Verlauf, insbesondere nach Influenza:   verstopfte Nase sehr häufiges Schnäuzen Druck- oder stechende Kopfschmerzen (Gesicht, Stirn, Hinterkopf wechselnd) ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung schnelle Erschöpfbarkeit nach eigentlich kleinen Belastungen     👉 Das ist nicht ungewöhnlich und kann – wie ich Ihnen bereits schrieb – bis zu 2–3 Wochen, manchmal sogar etwas länger, anhalten.     Gelber Schleim = bakterielle Infektion?     Kurz und beruhigend: Nein, nicht automatisch.   Gelblich-grünes Sekret entsteht häufig durch:   abgestorbene Immunzellen, Virusreste, eine verlangsamte Schleimabfuhr in den Nebenhöhlen.   Entscheidend für eine bakterielle Sinusitis wären:   neu auftretendes oder wieder ansteigendes Fieber zunehmende, einseitige Gesichtsschmerzen deutliche Verschlechterung nach vorheriger Besserung       Das beschreiben Sie so nicht.   Dass Sie nach dem Spaziergang erschöpft waren und schlafen mussten, ist kein Warnsignal, sondern eher Ausdruck davon, dass Ihr Körper noch klar in der Rekonvaleszenz steckt.   👉 Solange kein Fieber, keine deutliche Verschlechterung und keine starken, einseitigen Schmerzen auftreten, dürfen Sie zuwarten.       2. Medikamente: gut, dass Sie nicht „blind“ nehmen     Ihre Zurückhaltung gegenüber:   häufigem Nasic-Gebrauch regelmäßigem Paracetamol     ist vernünftig, aber Sie müssen auch nicht alles „aushalten“.   Ein paar ausgewogene Empfehlungen:   Meerwasser-Nasenspray oder -spülung dürfen Sie mehrfach täglich anwenden Inhalationen (z. B. mit Kochsalz) sind sehr sinnvoll Paracetamol bei Bedarf ist in der Schwangerschaft erlaubt – Sie müssen sich nicht quälen (es geht nicht darum, tapfer zu leiden)         3. Angst vor HNO-Besuch und bakterieller Vaginose     Diese Sorge kann ich emotional gut verstehen, medizinisch ist sie aber sehr gering zu gewichten:   Ein HNO-Besuch allein erhöht nicht das Risiko für eine bakterielle Vaginose. Selbst falls (rein hypothetisch) ein Antibiotikum nötig wäre, gibt es in der Schwangerschaft sehr gut verträgliche Präparate. Eine unbehandelte, schwere bakterielle Infektion wäre langfristig riskanter als eine kontrollierte Therapie.     👉 Aktuell sehe ich keinen zwingenden Grund, jetzt sofort zum HNO zu gehen – aber Sie müssen auch keine Angst davor haben, falls es doch nötig wird.       4. Zu den Schmerzen gestern: Senkwehen oder etwas anderes?     Was Sie beschreiben:   menstruationsähnliche Schmerzen Ziehen in den Rücken wellenartig Besserung nach einem warmen Bad     spricht sehr deutlich für Senkwehen / Übungswehen.   Wichtig:   In der 34. SSW sind Senkwehen nicht zu früh Sie sind oft unregelmäßig sie verschwinden bei Entspannung, Wärme, Lagewechsel     👉 Echte Geburtswehen:   werden stärker, kommen regelmäßig, lassen sich nicht „wegwärmen“ nehmen über Stunden zu.     Das war bei Ihnen nicht der Fall.       5. Hebamme ja – Krankenhaus nein (im Moment)     Ihre Einschätzung ist sehr gut:   Eine Hebamme kann:   den Bauch tasten, Wehenaktivität einschätzen, ggf. vaginal untersuchen, Veränderungen am Muttermund erkennen.       👉 Für die aktuelle Situation reicht das völlig aus, sofern:   keine regelmäßigen Wehen auftreten, kein Blutabgang besteht, kein Fruchtwasser abgeht.         6. BEL, Kaiserschnitt und Geburtsplanung     Ein Vorgespräch in der 36. SSW ist absolut ausreichend Auch die Entscheidung für einen geplanten Kaiserschnitt ist zu diesem Zeitpunkt völlig üblich Die BEL-Lage macht die Situation nicht gefährlicher, sondern planbarer     Hier besteht kein Zeitdruck.       7. Ganz wichtig: vorzeitiger Blasensprung – was tun?     Ihre Erinnerung aus der ersten Schwangerschaft ist korrekt für diese damalige Situation.   Allgemein gilt:   Bei starkem, schwallartigem Fruchtwasserabgang, besonders vor Termin:   nicht selbst fahren RTW rufen   Bei langsamem Tröpfeln:   ebenfalls zeitnah abklären lassen       Dass Sie im Krankenhaus später wieder laufen durften, ist normal:   Die akute Transportphase ist entscheidend Danach wird individuell entschieden     👉 Wenn dieses Szenario erneut eintreten sollte: lieber einmal zu vorsichtig als zu spät.       8. Ein Wort zu Ihnen – jenseits der Medizin     Sie sind:   körperlich erschöpft, hormonell stark gefordert, emotional angespannt, gleichzeitig Mutter, Schwangere und „Organisatorin“ des Alltags.     Dass sich das alles gerade zu viel anfühlt, ist kein Zeichen von Instabilität, sondern von Realität.   Sie machen das sehr gut. Und Ihr Körper zeigt trotz allem klare Zeichen, dass er funktioniert.     Liebe Grüße nach Nürnberg und bitte melden Sie sich jederzeit, wenn Sie erneut unsicher sind. Ich wünsche Ihnen sehr, dass die kommenden Tage etwas ruhiger werden.   Herzlich Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für die wertvollen Ideen und Informationen. Sie haben etwas sehr beruhigendes, freundliches, verständnisvolles, aufmerksames und gründliches an sich.  Das ich sehr lieb :) Leider geht es mir seit gestern Abend überhaupt nicht gut. Ich habe zwar kein Fieber bekommen, aber richtig gespürt, wie die ganzen Krankheitserreger explodiert sind. Mein Kiefer tut so weh, mein Kopf pocht und sticht, beim Bücken, Aufstehen und Schnäuzen sticht es richtig in den Stirnhöhlen, meine Augen sind zugequollen. Ich fühle mich richtig krank. Mein Mann hat sich heute Morgen Sorgen gemacht, in was für einem Zustand ich bin und mich überredet, doch einen HNO-Arzt zu finden, der zwischen den Jahren da ist. Ich habe angerufen durfte auch sofort kommen. Er hat nur einen Blick in die Nase mit seinem Gerät geworfen und sein Ton, mit dem er gesagt hat, dass das total vereitert ist, hat Bände gesprochen (Seine Worte: Ach du meine Güte ist das vereitert und schwanger sind Sie auch noch. Oje). Er war sehr gewissenhaft, finde ich und wollte genau wissen, welches Antibiotikum mir damals die bakterielle Vaginose beschert hat. Das war Cefuroxim. Er hat mir deshalb Amoxicillin 500mg 1-1-1 verordnet und möchte unbedingt, dass ich am Freitag zur Kontrolle komme. Ich habe ihn darum gebeten, mir auch Döderlein gleich aufzuschreiben, weil ich trotzdem wirklich Angst vor einer bakteriellen Vaginose habe. Er kannte sich damit überhaupt nicht aus, hat es mir aber aufgeschrieben. Wie würden Sie diese einnehmen? In der Packung steht einmal täglich. Kann ich auch mehr nehmen? Mit welchem Abstand zum Antibiotikum? Dieses soll ich alle 8 Stunden nehmen. Ich habe auch vaginale pH-Tests zu Hause. Soll ich jeden Tag einen machen? Vielleicht übertreibe ich. Ich habe einfach Panik vor einer bakteriellen Vaginose, weil genau das eben schon einmal direkt nach dem Antibiotikum passiert ist. Ich will keinen vorzeitigen Blasensprung deshalb :( Ist zumindest Amoxicillin fürs Baby wirklich komplett unbedenklich? Meine arme kleine Maus bekommt schon das dritte Antibiotikum. So viele Antibiotika wie in dieser Schwangerschaft habe ich in den ganzen letzten Jahren nicht gebraucht. Ausgerechnet jetzt…. Und noch eine Frage: Wie ansteckend ist denn so eine bakterielle Sinusitis? Wenn ich nach dem Schnäuzen gut die Hände wasche, kann ich das Risiko reduzieren? Ich möchte unseren Sohn und auch meinen Mann natürlich jetzt nicht auch noch das weitergeben. Ist es vielleicht zwei Tage nach Antibiotikabeginn schon weniger ansteckend? Normalerweise schlagen Antibiotika doch schnell an. Meine Hebamme schaut später noch nach mir wegen der Senk- oder Übungswehen. Gestern und heute spüre ich aber nichts mehr. Die kleine Maus ist sehr aktiv und tanzt in meinem Bauch :) Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,   erst einmal: Es tut mir sehr leid, wie schlecht es Ihnen gerade geht. Ihre Beschreibung passt leider sehr typisch zu einer akuten bakteriellen Sinusitis, und ehrlich gesagt: Gut, dass Ihr Mann Sie gedrängt hat zu gehen – und gut, dass der HNO-Arzt so klar reagiert hat. Das war richtig und wichtig, gerade in der Schwangerschaft.   Ich gehe Ihre Fragen der Reihe nach durch und versuche, Ihnen Sicherheit statt zusätzlicher Sorgen zu geben.       1. Die Diagnose & das Antibiotikum       Akute vereiterte Sinusitis     Ihre Symptome (Kieferschmerz, pochender Kopf, stechender Schmerz beim Bücken, geschwollene Augen) sind klassisch für:   eine bakterielle Superinfektion der Nebenhöhlen oft als Folge einer Influenza oder eines starken viralen Infekts     👉 Das ist keine Bagatelle, sondern eine klare Behandlungsindikation.       2. Amoxicillin in der Schwangerschaft – ehrlich und klar       Kurzfassung:     Ja, Amoxicillin ist für Ihr Baby sehr gut untersucht und sicher.   Es gehört zu den Penicillinen wird seit Jahrzehnten routinemäßig in der Schwangerschaft eingesetzt kein erhöhtes Fehlbildungs-, Frühgeburts- oder Entwicklungsrisiko auch in höheren Schwangerschaftswochen unproblematisch     👉 Für Ihr Baby ist eine unbehandelte bakterielle Infektion deutlich gefährlicher als dieses Antibiotikum.   Dass Ihre „kleine Maus“ jetzt schon mehrere Antibiotika „mitbekommt“, fühlt sich emotional schlimm an – medizinisch ist das kein Schaden, sondern Schutz.       3. Angst vor bakterieller Vaginose – sehr verständlich, aber gut handhabbar     Dass Sie nach Cefuroxim eine bakterielle Vaginose hatten, erklärt Ihre Sorge vollkommen. Gut, dass Sie das jetzt aktiv angehen.     Döderlein (Laktobazillen): wie sinnvoll anwenden?     Einmal täglich vaginal ist völlig ausreichend Mehr bringt keinen zusätzlichen Schutz Bitte nicht überdosieren – das kann eher reizen       Zeitpunkt in Kombination mit Antibiotikum     Amoxicillin: alle 8 Stunden Döderlein:   abends, möglichst 2–3 Stunden nach der letzten Antibiotikagabe dann bleiben sie besser „liegen“ und wirken lokal       👉 Sie können die Döderlein parallel zum Antibiotikum nehmen und gerne noch 5–7 Tage nach Ende der Antibiotikatherapie fortführen.       4. Vaginale pH-Tests – bitte nicht übertreiben     Ich sage das ganz liebevoll, aber klar:   Tägliches pH-Messen ist nicht nötig und kann Ihre Angst sogar verstärken     Empfehlung:   1–2× pro Woche reicht völlig oder nur, wenn:   vermehrter Ausfluss unangenehmer Geruch Brennen oder Jucken auftreten       👉 Ein einzelner leicht erhöhter pH-Wert ohne Symptome ist kein Drama.       5. Risiko für vorzeitigen Blasensprung?     Ganz wichtig:   Eine bakterielle Sinusitis macht keinen vorzeitigen Blasensprung Eine unbehandelte vaginale Infektion wäre ein Risiko – deshalb handeln Sie gerade vorbildlich präventiv     Mit:   Antibiotikum Döderlein Aufmerksamkeit für Symptome     tun Sie alles, was medizinisch sinnvoll ist.       6. Ansteckung: Wie gefährlich sind Sie für Mann & Sohn?     Die gute Nachricht:   Eine bakterielle Sinusitis selbst ist kaum ansteckend Die ursprünglichen Viren waren ansteckend – die Phase ist meist vorbei       Was Sie konkret tun können:     Hände waschen nach dem Schnäuzen (machen Sie ja) eigenes Taschentuch, eigenes Handtuch kein Anhusten ins Gesicht (selbstverständlich)     👉 Nach 24–48 Stunden Antibiotikum:   sinkt die bakterielle Last deutlich Sie gelten praktisch nicht mehr als ansteckend         7. Wehen & Baby – sehr beruhigend     Dass die Senk-/Übungswehen wieder weg sind → sehr gut Wärme hilft → spricht gegen Geburtswehen Die Maus ist aktiv → exzellentes Zeichen     Dass Ihre Hebamme heute noch schaut, ist perfekt.       8. Ein ehrliches Wort zum Schluss – nicht als Arzt, sondern menschlich     Sie sind:   krank, hochschwanger, hormonell sensibel, müde, und tragen viel Verantwortung.     Dass Ihr System gerade „Alarm schlägt“, ist kein Zeichen von Übertreibung, sondern von Erschöpfung. Sie machen das außerordentlich gewissenhaft – vielleicht sogar zu streng mit sich selbst.   Jetzt dürfen Sie:   das Antibiotikum mit gutem Gewissen nehmen sich hinlegen und darauf vertrauen, dass Sie medizinisch auf der richtigen Spur sind       Wenn Sie möchten, melden Sie sich gern:   nach der Kontrolle am Freitag oder wenn Sie unsicher sind wegen Ausfluss, pH oder Unterbauchgefühl     Ich wünsche Ihnen sehr, dass die Schmerzen in den nächsten 24–48 Stunden deutlich nachlassen – das ist unter Amoxicillin der Regelfall.   Herzliche Grüße nach Nürnberg und alles Gute für Sie und Ihre kleine Bauchbewohnerin 🌸


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich wünsche Ihnen vorab ein gutes neues Jahr mit viel Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und ganz viel Erfolg! :) Ich habe mich sehr über Ihre letzte Nachricht gefreut und dass Sie mir mit viel Verständnis, Mitgefühl und Gründlichkeit weiterhelfen. Morgen habe ich sowohl Kontrolle beim HNO-Arzt als auch bei der Frauenärztin. Dazu hätte ich vorab eine Frage an Sie. Das Amoxicillin hat 2 Tage gebraucht, bis ich überhaupt eine erste Wirkung spüren konnte. Nach einem ausgefallenen Weihnachten haben wir die Silvesterparty auch abgesagt, weil mir einfach die Energie gefehlt hätte. Aber nach zwei Tagen lief der Eiter endlich nicht mehr dauernd von selbst aus der Nase, die Kopfschmerzen wurden erträglich und ich spürte, wie es sich anfühlt, ein kleines bisschen durch die Nase atmen zu können. Jetzt 3 Tage nach Antibiotikabeginn habe ich das Gefühl, es wirkt. Die Nase ist noch immer nicht komplett frei, meine Stimme ist noch immer nasal und bei der Nasendusche kommen noch immer gelbe eitrige Stücke, aber es wird mit jeder Amoxicillin-Tablette besser und ich funktioniere wieder einigermaßen und liege nicht den ganzen Tag im Bett rum. Ich hoffe, der HNO-Arzt ist morgen mit dem Fortschritt auch zufrieden. Ich habe mir Ihren Rat zu vaginalem ph-Wert und Döderlein zu Herzen genommen und es nicht übertrieben, also 1 Döderlein am Abend vor dem Schlafen eingeführt und bisher hatte ich den ph-Wert gar nicht gemessen. Heute Morgen hatte ich aber das erste Mal das Gefühl, es brennt ganz leicht in der Scheide. Es ist wirklich nicht gravierend, aber nach meiner letzten Erfahrung nach dem Cefuroxim fing es auch genauso an und steigerte sich dann bis 2 Tage nach dem letzten Antibiotikum immer mehr und dann hatte die Frauenärztin auch schon eine bakterielle Vaginose festgestellt. Also habe ich heute Mittag mal den pH-Wert gemessen und wenn ich die Farben richtig lese, geht das schon eher ins grünliche, definitiv ist es nicht hellgelb wie es normalerweise wäre. Ich lese es als 4,7 oder max. 5,0. Ich muss das Amoxicillin noch weitere 3 Tage nehmen, habe also gerade einmal die Hälfte genommen. Nun habe ich morgen sowieso Routine-Termin bei der Frauenärztin zur Schwangerenvorsorge in der 34. Schwangerschaftswoche (Ultraschall, CTG usw.) und werde sie dann auch darauf ansprechen. Was würden Sie jetzt an meiner Stelle oder der Stelle meiner Frauenärztin machen? Weiter beobachten? Das Ende vom Amoxicillin abwarten? Abstrich? Mikroskop? Wahrscheinlich kann ich momentan nicht viel tun um gegen zu steuern? Ich befürchte, das Antibiotikum tötet die Döderlein-Bakterien, die ich zuführe, direkt wieder ab? Ich möchte den einen ph-Wert jetzt gar nicht überbewerten, vielleicht spielt es sich ja auch wieder von selbst ein. Nach der letzten bakteriellen Vaginose spüre ich jetzt im Nachhinein nur sensibler, dass es genauso angefangen hat, nur mit einem leichten Brennen. Meine Darmflora leidet auch. Ich leide normalerweise die Schwangerschaft über eher an Verstopfung, aber gerade ist es eher wieder Durchfall. Ich scheine toll auf Antibiotika zu reagieren, aber leider tötet es bei mir anscheinend besonders gut alles ab, auch die guten Bakterien sämtlicher Floren… Ich schreibe Ihnen morgen mal nach den Kontrollterminen, wenn das in Ordnung geht. Ich freue mich auf Ihre Nachricht. Liebe Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Patientin,   vielen Dank für Ihre ausführliche, sehr reflektierte Nachricht – und auch Ihnen ein gutes neues Jahr mit möglichst viel Ruhe, Stabilität und Gesundheit 🌱 Man spürt sehr deutlich, wie aufmerksam Sie Ihren Körper beobachten, gerade auch vor dem Hintergrund Ihrer letzten Erfahrungen.    Zunächst zu den guten Nachrichten: Der klinische Verlauf Ihrer Sinusitis unter Amoxicillin klingt insgesamt so, wie wir es uns wünschen. Dass es 2–3 Tage dauert, bis eine spürbare Wirkung eintritt, ist völlig typisch. Dass sich der Eiterfluss reduziert, die Kopfschmerzen nachlassen und die Nasenatmung langsam besser wird, spricht klar für ein Ansprechen auf das Antibiotikum. Dass nach drei Tagen noch Sekret kommt und die Stimme nasal ist, ist kein Zeichen des Versagens – die Schleimhäute brauchen oft deutlich länger zur Regeneration. Ich gehe daher auch davon aus, dass Ihr HNO-Arzt mit diesem Verlauf zufrieden sein wird.       Zur vaginalen Situation (der sensibelste Punkt)     Sie beschreiben das klassische Frühwarnsignal, das viele Frauen nach einer bereits erlebten bakteriellen Vaginose sehr gut kennen: leichtes Brennen, noch keine starken Symptome, ein pH-Wert, der leicht aus dem sauren Bereich driftet.   Ein pH von 4,7–5,0 ist:   noch keine manifeste bakterielle Vaginose, aber eine beginnende Verschiebung der Vaginalflora durchaus plausibel.     Und ja: Ihre Einschätzung ist richtig – systemische Antibiotika wie Amoxicillin reduzieren leider auch die Döderlein-Flora, selbst wenn man sie lokal zuführt. Das heißt nicht, dass die Zäpfchen sinnlos sind, aber sie können während der Einnahme nur begrenzt gegensteuern.       Was ich an Ihrer Stelle / an Stelle Ihrer Frauenärztin tun würde     Sehr strukturiert und ohne Übertherapie:   1. Morgen unbedingt ansprechen (das ist genau richtig). In der 34. SSW ist man zu Recht aufmerksam.   2. Gynäkologische Untersuchung mit:   pH-Messung in der Praxis Abstrich + Mikroskop (Nativpräparat) → das ist schnell, schmerzlos und gibt sofort Klarheit:   Döderlein vorhanden? Clue Cells? vermehrte Kokken? Hinweise auf Pilz?       3. Wenn im Mikroskop unauffällig oder nur leicht verschoben: 👉 Beobachten, Amoxicillin regulär zu Ende nehmen, 👉 Döderlein weiter 1× täglich abends, 👉 keine zusätzliche Säuretherapie im Moment (das könnte eher reizen).   4. Nur wenn tatsächlich eine bakterielle Vaginose diagnostiziert wird: Dann – und nur dann – gezielt behandeln (schwangerschaftsgerecht). Ein „prophylaktisches“ Gegenantibiotikum würde ich nicht empfehlen.       Ganz wichtig: Sie machen nichts falsch     Ein einzelner pH-Wert ist keine Diagnose Ihr Körper ist gerade durch Infekt + Antibiotikum + fortgeschrittene Schwangerschaft maximal gefordert Dass Darmflora und Vaginalflora gleichzeitig reagieren, ist sehr typisch     Der Durchfall passt gut zur antibiotischen Wirkung auf die Darmflora – auch hier gilt: unangenehm, aber meist vorübergehend. Falls Ihre Frauenärztin es sinnvoll findet, kann man später (nach Antibiotikaende) auch über ein orales Probiotikum sprechen – jetzt während der Therapie bringt das oft wenig.       Mein Fazit für Sie     Bitte nichts überstürzen Amoxicillin zu Ende nehmen Morgen abklären, nicht spekulieren Sehr wahrscheinlich ist das eine reversible, milde Dysbiose, keine „erneute große Baustelle“     Ich finde es sehr gut, wie umsichtig Sie handeln – nicht ignorierend, aber auch nicht panisch. Schreiben Sie mir sehr gerne nach den Terminen morgen, das ist völlig in Ordnung.   Herzliche Grüße nach Nürnberg Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für die schnelle Antwort und die hilfreichen Infos vorab zu meinen Arztbesuchen. So konnte ich konkret nachfragen :) Der HNO-Arzt war mit dem Fortschritt meiner Nase und Nebenhöhlen zufrieden. Man sieht, dass Amoxicillin anschlägt. Allerdings sitzt ganz oben in der Nase noch immer Eiter und die Schleimhäute sind noch sehr angeschwollen. Ich soll deshalb das Antibiotikum auf jeden Fall noch weiter nehmen, weiter Nasendusche und Salzwassernasenspray und ein Nasenspray mit Kortison (Budes Nasenspray 50 Mikrogramm/Sprühstoß) (morgens und abends je 1 Spritzer pro Nasenloch) nehmen, damit die Schleimhäute abschwellen und der Eiter besser abfließen kann und in 1 Woche noch einmal zur Kontrolle kommen. Dann sollten Eiter und Entzündung ganz weg sein. Etwas gestört hat mich daran, dass er selbst sagte, dass Kortison Wehen auslösen kann. Im nächsten Satz kam dann, dass das aber in dieser Dosis nichts machen dürfte, denn es wäre ja schön, wenn es so einfach wäre, Wehen zu provozieren. Ein Baby, das nicht bereit ist, wird davon auch nicht zur Welt kommen. So drückte er es aus. Als ich das Spray in der Apotheke abholte, war die Apothekerin etwas irritiert und sagte, dass im Beipackzettel steht, es sei in der Schwangerschaft nicht erlaubt. Ich sollte lieber mal noch mit meiner Frauenärztin Rücksprache halten. Das habe ich dann auch gemacht als ich sowieso zur Schwangerenvorsorge dort war. Sie sagte, ich kann das Spray nehmen. Das CTG  wurde allerdings erst nach dem Ultraschall gemacht und innerhalb der ca. 15 (20?) Minuten hat es zwei Wehen aufgezeichnet, die die Ärztin auch im Mutterpass notiert hat und gesagt hat, ich soll langsam machen und ruhig ein bisschen mehr Magnesium weiter nehmen. Eine der beiden Wehen habe ich auch etwas gespürt. Ansonsten war das CTG aber o.B. Im Nachhinein frage ich mich jetzt, ob ich dann wirklich ein Kortison-Nasenspray nehmen sollte? Oder kann das eigentlich wirklich nichts auslösen? Und ist es normal, dass das CTG in der 34. (fast 35.) Schwangerschaftswoche schon etwas Wehen aufzeichnet oder nicht so gut? Der Muttermund ist aber geschlossen und sonst war auch beim Baby nichts auffällig. Die kleine Maus ist bei ca. 2400g und 47cm. Laut der Ärztin geht es ihr gut. Sie hat zum Glück gut zugenommen obwohl ich in den letzten zwei Wochen 1 kg abgenommen habe, weil ich durch Influenza und diese Bakterien überhaupt keinen Appetit hatte. Die für mich beste Nachricht ist, dass sie sich doch noch gedreht hat und nicht mehr in Beckenendlage, sondern in Schädellage liegt! Jaaaa!!! :) Über Influenza, die eitrige Nebenhöhlenentzündung, das Antibiotikum und die von mir dadurch vermutete leichte Dysbalance der Vaginalflora habe ich ihr berichtet. Sie hat daraufhin genau geschaut. Der pH-Wert war auch bei mir etwa 4,7. Ich scheine ihn gestern also richtig selbst bestimmt zu haben. Unter dem Mikroskop waren nur wenige Milchsäurebakterien zu sehen, aber keine Entzündungszellen. Sie meinte, es sieht nach einer leichten Dysbalance aus, aber noch kein Pilz oder Bakterien. Ich soll Döderlein weiter nehmen und sie hat mir für anschließend ans Antibiotikum noch Gynoflor verschrieben. Sollte ich merken, dass es mehr kippt, soll ich früher wieder kommen, sonst in zwei Wochen. Abstrich hat sie aber keinen gemacht. Klingt das sinnvoll? Ansonsten war alles o.B. (Urin usw.). Ein kleines Blutbild hat sie noch machen lassen nachdem ich den halben Dezember krank war und den Ringelrötelntiter. Unser Sohn hatte nämlich Anfang Dezember einen Ausschlag im Gesicht. Wir waren damals beim Kinderarzt und ich glaube leider, dass da eine Fehldiagnose gestellt wurde. Er hatte nämlich eine einzige Aphte im Mund, sonst nichts. Da im Kindergarten gerade Hand-Fuß-Mund rumging, diagnostizierte sie das bei ihm. Er hat danach aber keine weiteren Bläschen, kein Fieber und gar nichts bekommen. Er war absolut fit und hat sogar besonders gut gegessen, vermutlich holte er da gerade von seinem Magen-Darm-Virus auf, den er vorher hatte. Das fand ich merkwürdig für ein angebliches Hand-Fuß-Mund und fragte mich dann eher, ob es auch Ringelröteln sein könnten. Das wäre nicht so gut, weil ich dagegen keine Immunität habe. Aber vielleicht war es auch einfach ein Ausschlag von etwas ganz anderem. Darf ich mich melden, falls beim Blutbild irgendwas auffällig ist oder ich das Gefühl habe, die Vaginalflora kippt noch mehr? Haben Sie sonst noch etwas anzumerken? :) Freu mich auf Ihren Rat. Liebe Grüße aus dem verschneiten Nürnberg :) Unser Sohn war heute so glücklich, dass Papa mit ihm Schlittenfahren gehen konnte :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,   vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr reflektierte Rückmeldung – man spürt, wie aufmerksam Sie Ihren Körper und Ihre Schwangerschaft begleiten. Ich gehe die Punkte gern mit Ihnen durch. 1. Kortison-Nasenspray (Budesonid) in der Schwangerschaft Ihre Verunsicherung ist absolut nachvollziehbar, vor allem durch die unterschiedlichen Aussagen von HNO-Arzt, Apotheke und Gynäkologin.   Die gute Nachricht zuerst: Ein lokal angewendetes Kortison-Nasenspray mit Budesonid in niedriger Dosierung gilt in der Schwangerschaft – auch im 3. Trimenon – als gut untersucht und sicher.   Warum das so ist:   Budesonid wirkt lokal in der Nasenschleimhaut die systemische Aufnahme ist minimal die tatsächlich im Blut ankommende Kortisonmenge ist um ein Vielfaches niedriger als bei Tabletten oder Infusionen Budesonid ist sogar das am besten untersuchte inhalative Kortison in der Schwangerschaft   Der Satz des HNO-Arztes war medizinisch etwas unglücklich formuliert, inhaltlich aber korrekt: 👉 Mit dieser Dosierung lassen sich keine relevanten Wehen provozieren. Wenn Kortison in dieser Form zuverlässig Wehen auslösen würde, hätten wir ein sehr einfaches geburtshilfliches Instrument – haben wir aber nicht.   Mein klares Fazit: ✔️ Das Spray dürfen und sollten Sie nehmen, damit:   die Schleimhäute abschwellen der Eiter abfließen kann die Entzündung vollständig ausheilt → denn eine persistierende eitrige Sinusitis ist für Sie und indirekt auch fürs Baby belastender als das Spray.         2. CTG mit zwei Wehen in der 34.–35. SSW – ist das normal?     Ja – das ist absolut im Rahmen.   In dieser Schwangerschaftswoche sind:   Übungswehen (Braxton-Hicks) gelegentliche, unregelmäßige Kontraktionen CTG-Ausschläge ohne Zervixveränderung     👉 völlig normal, vor allem:   nach Infekten bei Erschöpfung bei Dehydratation bei Magnesiumbedarf     Wichtige Entwarnungszeichen bei Ihnen:   Muttermund geschlossen CTG sonst unauffällig Sie haben nur eine der beiden Wehen gespürt kein regelmäßiges Muster     Die Empfehlung:   etwas Tempo rausnehmen Magnesium weiter einnehmen ist genau richtig – nicht mehr, nicht weniger.         3. Gewicht, Wachstum & Lage des Babys     Das ist wirklich eine sehr schöne Nachricht:   ca. 2400 g und 47 cm → exzellentes Wachstum Gewichtszunahme des Babys trotz Ihrer Erkrankung Schädellage! 🎉 → das ist in dieser Phase wirklich Gold wert     Dass Sie selbst etwas Gewicht verloren haben, ist nach Influenza + bakterieller Infektion nicht ungewöhnlich und kein Problem, solange:   das Baby gut wächst (tut es!) Sie jetzt langsam wieder Appetit entwickeln         4. Vaginalflora, pH-Wert & Vorgehen     Das Vorgehen Ihrer Frauenärztin ist sehr differenziert und sinnvoll.   Ihre Befunde sprechen für:   leichte Dysbalance keine Entzündung keinen Pilz keine bakterielle Vaginosen-Typik     Der pH von ~4,7 ist:   leicht erhöht aber noch nicht pathologisch     Die Strategie:   Döderlein weiter Gynoflor im Anschluss ans Antibiotikum kein sofortiger Abstrich engmaschige Selbstbeobachtung     👉 Das ist absolut leitliniengerecht. Ein Abstrich ohne Symptome und ohne Entzündungszellen hätte aktuell keinen Zusatznutzen.   Sehr gut, dass Sie sensibel auf Veränderungen achten – genau so soll es sein.       5. Ringelröteln-Sorge     Ihre Überlegungen sind medizinisch sehr klug, aber:   der Verlauf Ihres Sohnes passt nicht typisch zu Ringelröteln keine klassische Ausbreitung kein Krankheitsgefühl keine typische zeitliche Dynamik     Dass Ihre Ärztin den Parvovirus-B19-Titer bestimmt hat, ist trotzdem absolut richtig – das bringt jetzt Klarheit und Sicherheit.       6. Darf ich mich melden, wenn …?     Ganz klar: Ja, unbedingt.   Bitte melden Sie sich:   bei auffälligem Blutbild bei Veränderung von Ausfluss, Jucken, Brennen bei Unsicherheit oder Bauchgefühl oder einfach, wenn Sie eine Einordnung brauchen     Sie machen das sehr umsichtig – und genau so soll gute Schwangerschaftsbegleitung aussehen.       Mein Gesamteindruck     Medizinisch gesehen:   sehr gute Betreuung sinnvolle Entscheidungen keine roten Flaggen ein Baby, dem es offensichtlich gut geht     Und menschlich:   Sie haben enorm viel weggesteckt in den letzten Wochen Infekte, Sorgen, Schlafmangel und trotzdem so aufmerksam reagiert     Dass Ihr Sohn heute glücklich Schlitten gefahren ist, ist fast sinnbildlich dafür, dass sich gerade vieles wieder sortiert❄️🛷 Herzliche Grüße aus Ulm ins verschneite Nürnberg und weiterhin gute Besserung 🌷


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für Ihre so freundliche, ausführliche und hilfreiche Antwort. Sie sind mir wirklich eine große Hilfe und ich schätze es sehr, dass Sie selbst an Feiertagen Fragen beantworten. Sie sind wirklich tip top! :) Und das meine ich ganz ehrlich!  Ihre Antwort zum Budes Nasenspray hat mich sehr beruhigt und ich nehme es jetzt guten Gewissens wie verordnet. Meine Nase und Nebenhöhlen werden jeden Tag besser. Das Antibiotikum habe ich gestern zu Ende genommen und erhole mich jetzt langsam von Influenza und eitriger Nebenhöhlenentzündung. In der Hoffnung dass uns der Kindergarten ab morgen nicht gleich wieder den nächsten Infekt bringt… seit Dezember geht das fast pausenlos so. Wir haben jetzt deshalb überlegt, ob wir unseren Sohn zwei Wochen vor und zwei Wochen nach ET zu Hause lassen. So schade es für ihn ist, aber ich kann nicht in dem Zustand, in dem ich die letzten zwei Wochen war, entbinden und ich möchte auch kein Neugeborenes mit einem dieser heftigen Infekte… Ich würde Sie gerne etwas fragen, weil es mir vom Bauch her heute nicht gut geht. Die letzten Tage spüre ich immer wieder unregelmäßig leichte Wehen (35. Schwangerschaftswoche). Es zieht wie zur Periode, aushaltbar, aber unangenehm. Aber nicht dramatisch. Seit heute Morgen habe ich dauernd Bauchschmerzen, die gefühlt aber eher vom Darm kommen. Ich hatte auch Durchfall, aber der Bauch tut immer wieder weh. Ich habe mich sogar eine ganze Zeit lang hingelegt, weil es krampfartig ist und habe auch noch nichts gegessen heute. Im Liegen in Ruhe wurde es dann langsam etwas besser, aber es ist nicht weg. Ich frage mich, ob auch das von der zerstörten Darmflora kommt? Ich hatte vom HNO-Arzt aber zum Antibiotikum Mutaflor verschrieben bekommen. Sollte ich es mal mit OmniBiotic Panda probieren, das ja extra für Schwangere ist? Auch schon alleine, weil eine gute Darmflora ja auch während der Geburt fürs Baby gut ist? Ich hoffe, das sind keine Vorboten, dass es schon bald losgeht. Soweit ich gehört habe, kann so etwas auch Vorbote zur Geburt sein? Normalerweise legen sich Bauchschmerzen nach dem Durchfall ja schnell komplett, aber jetzt fühlt es sich eher so an, als würden sie so lange weiter gehen bis mein Darm komplett geleert ist. Die kleine Bauchbewohnerin spüre ich sehr aktiv wie immer :) Die Vaginalflora ist übrigens momentan zumindest stabil. Leichte Dysbalance, aber ich habe noch nicht das Gefühl, dass es schlechter geworden ist. Gestern habe ich nach drei Tagen pH-Wert gemessen und er ist weiterhin bei 4,7 und es brennt leicht. Ich habe sehr viel Ausfluss (ohne Slipeinlage geht nichts) und er wird auch immer mehr, er riecht aber normal. Ich denke, die Menge kommt eher von der fortgeschrittenen Schwangerschaft? Ich führe jetzt im Wechsel einen Tag abends Döderlein und einen Tag abends Gynoflor ein. Ist das sinnvoll? Haben Sie noch etwas anderes anzumerken? Das Ergebnis vom kleinen Blutbild von der Frauenärztin habe ich noch nicht (ich denke morgen). Ich freue mich wieder sehr auf Ihren Rat! Dankeschön, dass Sie mir in diesen etwas steinigen letzten Wochen der Schwangerschaft so viel guten Rat geben :) Da fühle ich mich nicht so allein gelassen :) Aber hoffentlich nerve ich Sie nicht... Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Patientin, vielen Dank für Ihre warmen Worte – sie haben mich ehrlich berührt. Und nein: Sie nerven ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Gerade in solchen Phasen soll man fragen dürfen. 🌿 1. Bauchschmerzen, Durchfall, „Darmziehen“ in der 35. SSW   Das, was Sie beschreiben, passt sehr gut zu einer Darmreaktion – und weniger zu echten geburtswirksamen Wehen. Warum der Darm gerade jetzt so reagiert: Antibiotikum beendet → Darmflora ist aktuell instabil Influenza + Infektbelastung → Stress für vegetatives Nervensystem Spätschwangerschaft → Darm ist mechanisch verdrängt und reagiert empfindlicher Progesteron + Infekt → veränderte Darmmotilität 👉 Typisch für Darmkrämpfe: krampfartig wellenförmig Besserung in Ruhe/Liegen Durchfall oder „Entleerungsgefühl“ Ziehen wie bei der Periode (das täuscht häufig Wehen vor)   Dass es nicht sofort komplett weg ist, sondern „so lange zieht, bis der Darm leer ist“, spricht sehr für den Darm.   2. Sind das Vorboten der Geburt?   Kurz und ehrlich: 👉 Nein, das klingt nicht nach Geburtsbeginn. Gegen Geburtsbeginn spricht:   keine regelmäßigen, zunehmenden Kontraktionen keine klare Rhythmik Besserung in Ruhe Darmbeschwerden im Vordergrund Kind ist sehr aktiv (sehr gutes Zeichen!)   Was Sie spüren, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit: Übungswehen / Senkwehen (in der 35. SSW völlig normal) ein gereizter Darm, der diese Schmerzen „überlagert“   Echte Geburtswehen werden regelmäßig, stärker, länger – und hören durch Hinlegen nicht auf.   3. Darmflora: Mutaflor vs. OmniBiotic Panda   Sehr gute und kluge Frage 👍   Mutaflor enthält E. coli Nissle medizinisch wirksam gut nach Antibiotika kann aber anfänglich Blähungen / Bauchkrämpfe machen   OmniBiotic Panda speziell für Schwangere & Stillzeit sanfter mehrere Lactobacillus- und Bifidostämme oft besser verträglich, wenn der Darm gerade „nervös“ ist   👉 Mein Vorschlag für Sie jetzt:   Sie dürfen problemlos auf OmniBiotic Panda wechseln oder:   Mutaflor pausieren Panda 1× täglich (am besten nüchtern oder abends)   Beides ist absolut vertretbar – hören Sie auf Ihr Bauchgefühl (im wörtlichen Sinn). Und ja: ✔️ Eine stabile Darmflora unterstützt das kindliche Mikrobiom bei der Geburt ✔️ Gerade nach Infekten sinnvoll   4. Vaginalflora, Ausfluss, pH-Wert Was Sie schildern, klingt beruhigend.   pH 4,7 → im Normbereich kein unangenehmer Geruch Brennen nur leicht sehr viel Ausfluss → in der späten Schwangerschaft absolut typisch     Der zunehmende Ausfluss kommt durch:   stärkere Durchblutung hormonelle Schleimhautaktivität vermehrte Drüsentätigkeit   Döderlein + Gynoflor im Wechsel 👉 Ja, das ist sinnvoll.   Döderlein: Stabilisierung Gynoflor: zusätzliches Estriol + Lactobazillen Solange: kein starkes Brennen kein Juckreiz kein unangenehmer Geruch … ist dieses Vorgehen sehr gut gewählt.   5. Kindergartenpause für Ihren Sohn Ich finde Ihre Überlegung sehr nachvollziehbar und verantwortungsvoll.   Zwei Wochen vor und nach ET:   reduziert Infektstress massiv schont Sie, die Geburt und das Wochenbett schützt das Neugeborene in einer extrem vulnerablen Phase   Für ein Kleinkind ist das emotional gut auffangbar – für eine erschöpfte Mutter und ein Neugeborenes kann es entscheidend sein.   👉 Das ist keine Übervorsicht, sondern Fürsorge.   6. Was Sie jetzt konkret tun können   Heute / nächste Tage:   viel trinken (kleine Schlucke) leichte Kost (Banane, Reis, Zwieback, Suppe) Wärme auf den Bauch Ruhe ohne schlechtes Gewissen Probiotikum (gerne OmniBiotic Panda)   Wann Sie bitte ärztlich kontrollieren lassen sollten:   wenn Schmerzen zunehmend und regelmäßig werden wenn Wehen nicht im Liegen nachlassen bei Fieber bei vaginaler Blutung bei deutlich verminderten Kindsbewegungen Aktuell sehe ich keinen Alarm, sondern einen Körper, der sich nach Infekt und Antibiotikum wieder sortiert. Liebe Patientin, Sie machen das sehr umsichtig, sehr reflektiert und mit viel Körpergefühl. Dass diese letzten Schwangerschaftswochen „steinig“ sind, ist leider oft so – aber Sie sind nicht allein damit. Herzliche Grüße aus Ulm nach Nürnberg 🌷 Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, schon wieder ich… Entschuldigung! Danke, dass ich immer nachfragen darf und Sie mir mit Ihrer großen Erfahrung und Ihrem großen Fachwissen so viel und schnell antworten. Das ist für mich so toll :) Ich habe schon wieder zwei Nachfragen, weil zwei Blutwerte im Blutbild nicht so gut waren und ich das Gefühl habe, die Scheidenflora kippt gerade doch mehr. Zuerst das Positive: Meinem Darm geht es wieder besser. Ich kann wieder mehr essen. Das Gefühl der Übungs- oder Senkwehen bleibt, aber sie sind unregelmäßig, mal gehen sie für einige Stunden ganz weg, dann kommen sie wieder und eher wie leichte Periodenschmerzen. Ich habe das Mutaflor weggelassen und in der Apotheke OmniBiotic Panda bestellt. Ich kann es morgen abholen und hoffe, ich vertrage das besser. Die Apothekerin meinte auch, dass es Mutaflor schon seit Kriegszeiten gibt, es aber mittlerweile bessere Probiotika gibt wie eben OmniBiotic. Im Mutaflor steht als Nebenwirkung auch Durchfall. Vielleicht ist mein Darm durch Beenden vom Antibiotikum und fortgeschrittene Schwangerschaft auch gerade sehr sensibel, wie Sie selbst schreiben. Ich kenne momentan fast nur den Zustand Durchfall oder Verstopfung. Und es fühlt sich auch wirklich nach wenig Platz durch die kleine Bauchbewohnerin an, auch für den Darm und die Blase. Wenn sie nicht gerade direkt auf die Blase boxt, dann liegt sie zumindest so drauf, dass ich ständig Wasserlassen muss, auch nachts und dann liege ich danach wach im Bett, es wird gestrampelt und ich kann nicht schlafen. Durch ihre Größe und ihr Gewicht drückt sie auch zunehmend richtig nach unten wenn ich (im Entengang) laufe. Aber das ist ja leider so am Ende der Schwangerschaft normal. Nun zu meinen eigentlichen Sorgen. Es brennt seit heute mehr in der Scheide und der Ausfluss wird noch mehr. Ich habe deshalb wieder einen pH-Test gemacht: 5,5. Was würden Sie jetzt tun? Gleich zur Frauenärztin? Erstmal abwarten und Döderlein und Gynoflor weiter nehmen?  Und zweite Frage die Blutwerte betreffend: Hämoglobin war zu niedrig und die Leukozyten zu hoch.  Hämoglobin: 10,5 Leukozyten: 12,2 Alle anderen Werte innerhalb der Norm: Thrombozyten, Erythrozyten, Hämatokrit, MCV, MCHC, MCH, Ery.Verteilbreite, Par. B19-IgG- und IgM-AK, Toxoplasmose-IgG und -IgM, Hubs-Antigen. Also auch keine Ringelröteln zum Glück. Woher können das Hämoglobin und die Leukozyten kommen? Von Influenza und eitriger Nebenhöhlenentzündung? Die Blutentnahme erfolgte an dem Tag, an dem ich das Antibiotikum seit 3 Tagen nahm und der HNO-Arzt eine deutliche Besserung sah. Es war nur noch Eiter ganz oben in der Nase sichtbar. Kann das so einen Einfluss auf die beiden Werte gehabt haben? Würden Sie etwas vorschlagen? Auch bräuchte ich noch die Keuchhustenimpfung vor der Geburt. Die Zeit läuft in der 35. Schwangerschaftswoche gefühlt so etwas davon. Beim letzten Termin wollte die Frauenärztin es aufs nächste Mal schieben, weil die eitrige Nebenhöhlenentzündung ja noch nicht vollständig verheilt war. Würde jetzt wieder etwas dagegen sprechen? Das nächste Mal wäre in Schwangeeschaftswoche 37. Wird es da nicht langsam knapp? Der Körper braucht ja auch noch Zeit, Antikörper zu bilden? Danke für Ihr Verständnis und Ihre nette Hilfe und dafür, dass Sie mich nicht alleine lassen :) Herzliche Grüße vom verschneiten Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,   bitte entschuldigen Sie sich überhaupt nicht. Gerade am Ende der Schwangerschaft, nach Infekt, Antibiotikum und mit einem sehr sensiblen Körper. Ich antworte Ihnen gern und Schritt für Schritt 🌷 Und herzliche Grüße zurück ins verschneite Nürnberg – Ulm ist heute ähnlich winterlich.       1. Scheidenbrennen + pH 5,5 – was jetzt tun?       Einordnung     Ein pH von 5,5 ist in der Schwangerschaft klar erhöht Das Brennen + vermehrter Ausfluss sprechen tatsächlich für eine Dysbalance der Vaginalflora Nach Antibiotikum, Infekt, Stress und Schwangerschaftshormonen ist das leider sehr häufig     👉 Das ist ernst zu nehmen, aber kein Notfall.     Was ich jetzt konkret tun würde     Sofern kein starker Juckreiz, kein übler Geruch und keine Schmerzen bestehen:   Gynoflor® weiternehmen (wegen der Östrogenkomponente sehr sinnvoll) Döderlein vaginal weiterführen   abends insgesamt 7–10 Tage   Kein weiteres Experimentieren (keine neuen Produkte, keine Intimspülungen)     📌 Aber: Wenn   das Brennen zunimmt, der Ausfluss grünlich / gelblich / übelriechend wird oder der pH trotz Therapie > 5 bleibt,     👉 dann bitte zeitnah zur Frauenärztin für:   Abstrich (Bakterien + Pilze) ggf. gezielte Therapie     💡 In der Schwangerschaft bin ich eher frühzeitig kontrollierend als abwartend.       2. Darm & OmniBiotic Panda – sehr gute Entscheidung     Sie beschreiben Ihren Körper extrem treffend. Was Sie erleben, ist eine klassische Dreifachbelastung:   Post-Antibiotikum hochschwanger (Platzmangel, Progesteron!) Infekt + Stress     👉 Dass Durchfall und Verstopfung sich abwechseln, ist leider typisch.     Zu Mutaflor vs. OmniBiotic     Die Apothekerin hatte recht:   Mutaflor (E. coli Nissle) ist historisch wertvoll, aber nicht für jeden Darm gut verträglich OmniBiotic Panda ist:   sanfter schwangerschaftstauglich häufig besser verträglich       👉 Starten Sie einschleichend:   ½ Beutel für 2–3 Tage dann ggf. steigern         3. Blutwerte: Hb 10,5 & Leukozyten 12,2       Hämoglobin 10,5 g/dl     ➡️ Leichte Schwangerschaftsanämie, sehr häufig!   Ursachen:   Verdünnungseffekt (mehr Plasma) Eisenverbrauch durch das Kind evtl. reduzierte Aufnahme durch Darmprobleme     👉 Nicht dramatisch, aber beobachtungswürdig.   Mein Vorschlag:   Ferritin bestimmen (falls noch nicht erfolgt) falls niedrig: → Eisen sanft ergänzen (z. B. jeden 2. Tag, nicht täglich)         Leukozyten 12,2     ➡️ Völlig erklärbar und unbedenklich in Ihrer Situation.   Mögliche Gründe:   Influenza eitrige Nebenhöhlenentzündung Schwangerschaft selbst (!)     💡 In der Schwangerschaft sind Werte bis 15–16 durchaus normal.   👉 Dass die Blutentnahme unter laufender Antibiotikatherapie erfolgte, erklärt das sehr gut.   ➡️ Kein Hinweis auf etwas Gefährliches.       4. Keuchhusten-Impfung (Pertussis) – wichtige Frage!     Sie denken völlig richtig 👏     Empfehlung     Optimal: zwischen SSW 28–32 Spätestens aber bis SSW 36     ➡️ In SSW 37 ist es noch möglich, aber wirklich die letzte sinnvolle Gelegenheit.     Nach Infekt / Antibiotikum?     Eine abgeklungene Nebenhöhlenentzündung spricht NICHT dagegen Kein Problem, wenn:   kein Fieber Allgemeinzustand stabil       👉 Ich würde nicht weiter warten.   📌 Der Körper braucht ca. 2 Wochen, um Antikörper zu bilden – deshalb ist jetzt der richtige Moment.       5. Zu den Senk-/Übungswehen & dem Druckgefühl     Was Sie schildern:   unregelmäßig wechselnd eher ziehend wie Periodenschmerz Druck nach unten beim Gehen     ➡️ Das passt sehr gut zu Senkwehen + Platzmangel.   ⚠️ Alarmzeichen wären:   regelmäßige, schmerzhafte Wehen Blutung Fruchtwasserabgang     Das beschreiben Sie nicht – das beruhigt.       Zusammenfassung – mein klarer Rat 💛     Vaginal:   Döderlein + Gynoflor fortführen bei Verschlechterung → Abstrich   Darm:   OmniBiotic Panda langsam einschleichen   Blutwerte:   Hb leicht niedrig → Ferritin prüfen Leukozyten erklärbar → kein Grund zur Sorge   Impfung:   Pertussis jetzt oder in den nächsten Tagen machen   Und ganz wichtig:   Sie machen das großartig Ihr Körper arbeitet auf Hochtouren – das spüren Sie.   Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bin Ihnen einfach soooooo dankbar! :) Was Sie leisten, geht wirklich über Ihren Job hinaus! Und das noch mit so viel Verständnis zu tun und mir dabei Mut zuzusprechen, ist echt lieb :) Ich habe alles genau so gemacht wie Sie vorgeschlagen haben. Das OmniBiotic Panda habe ich vorsichtig eingeschlichen (morgens nüchtern erstmal nur 1/2 Beutel) und gut vertragen, also keine Bauchschmerzen und Durchfall gehabt. Aber gerade ist mein Darm schon wieder ganz träge und im Verstopfungsmodus.  Meine größte Sorge bleibt leider die Vaginalflora. Es nervt mich von meinem Körper, dass er auf Antibiotika immer so sensibel reagiert. Und das ausgerechnet jetzt 5 Wochen vor ET. Das Brennen in der Scheide wird trotz Döderlein und Gynoflor im Wechsel nicht besser, eher mehr. Es brennt auch beim Wasserlassen. Ich sehe wegen meiner dicken runden Kugel leider nicht mehr selbst die Scheide. Mein Mann sagt, für ihn sieht sie gerötet aus. Er will, dass ich es lieber abklären lassen soll. Ich glaube, er fürchtet sich etwas vor einem vorzeitigen Blasensprung, zu dem eine bakterielle Vaginose ja führen kann und ich hatte in der 1. Schwangerschaft schon einen mitten in der Nacht beim Aufstehen in der 38. Schwangerschaftswoche. Der pH-Wert wird gerade auch schlechter, heute 5,8. Der Ausfluss riecht aber nicht direkt übel, ist aber grünlicher als normal. Die Praxis meiner Frauenärztin ist ausgerechnet jetzt die nächste Woche geschlossen. Direkt danach habe ich sowieso wieder Termin. Jetzt weiß ich nicht recht, ob ich so lange warten soll? Oder lieber am Montag zur Vertretung falls ich da überhaupt so schnell einen Termin bekomme? Vielleicht wird es als Notfall gesehen, wenn ich sage, dass ich 35. (fast 36.) Schwangerschaftswoche bin und die Vaginalflora nicht passt. Ab Montag schaut meine Hebamme auch einmal wöchentlich nach mir, weil sie mir geburtsvorbereitende Akupunktur macht. Ich fürchte nur, dass sie mit der Vaginalflora nur bedingt helfen kann, weil sie ja keinen Abstrich machen kann. Oder kann sie mir da helfen? Auch Ferritin ist nicht bestimmt worden. Ich nehme gerade nur das Eisen, das im Femibion 2 ist, aber das ist doch zu wenig bei einem Hämoglobin von 10,5?  Würden Sie eine bakterielle Vaginose eher vaginal mit Antibiotika behandeln oder oral? Wovon hängt das ab? Oder sogar erst ein Abstrichergebnis abwarten? Und inwiefern ist die Estriolkomponente eigentlich förderlich für die Vaginalflora? Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht. In der Schwangerschaft ist der Östrogenspiegel doch sowieso schon besonders hoch. Am Freitag habe ich es noch bei der Hausärztin probiert, die Keuchhustenimpfung zu bekommen um möglichst keine Zeit mehr zu verlieren. Ich habe die Situation erklärt und bekam als Antwort, es sollte lieber die Frauenärztin in einer Woche machen, wenn sie es für nötig hält, denn nach Impfpass war meine letzte Impfung erst 2022 (während meiner letzten Schwangerschaft) und dann wäre das zu bald. Aber das ist doch Unsinn, oder nicht? Ich habe es echt mit Argumenten probiert. Das hat mich so geärgert. Das ist doch sogar die Stiko-Empfehlung? Bin ich jetzt völlig am Holzweg? Ich will nicht bis Schwangerschaftswoche 37 warten. Unser Sohn kam auch eine Woche vor ET und außerdem kann mir keiner garantieren, dass wir dann nicht schon wieder den nächsten Kindergartenschnupfen haben. Jetzt sind wir gerade alle gesund. Meine Frauenärztin sagte mir, für den Nestschutz des Babys macht man das auf jeden Fall wieder, auch wenn es für mich selbst gerade noch nicht nötig wäre. Irgendwie bin ich jetzt überfragt, was ich am besten machen soll um das alles zu lösen. Die Hausärztin ist nicht kooperativ, die Frauenärztin nicht da und die Hebamme kann mir vermutlich auch nicht weiterhelfen. Darf ich Sie fragen, was Sie an meiner Stelle tun würden?  Danke für Ihr Verständnis :) Gerade sind wir von Freunden von Erlangen nach Nürnberg im Schneegestöber nach Hause gefahren und die Straßen sind ganz schön winterlich :) Verschneite Grüße aus dem Frankenland nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Maria,   erst einmal: Danke für Ihre unglaublich warmen Worte. 🌷 Man spürt beim Lesen sehr deutlich, wie aufmerksam, verantwortungsvoll und liebevoll Sie mit sich und Ihrem Baby umgehen – und gleichzeitig, wie sehr Sie diese Situation gerade nervlich fordert. Ich versuche, Ihnen jetzt ruhig, klar und praxisnah zu antworten – so, wie ich es mir an Ihrer Stelle selbst wünschen würde.       1️⃣ Vaginalflora:  Das ist aktuell der wichtigste Punkt       Ihre Symptome sprechen  nicht mehr nur für „Irritation“     zunehmendes Brennen, auch beim Wasserlassen Rötung, laut Ihrem Mann sichtbar pH 5,8 (deutlich zu hoch für die Schwangerschaft) grünlicher Ausfluss     ➡️ Das ist nicht typisch für eine reine Progesteron- oder Antibiotika-Nachwirkung. ➡️ Das spricht für eine relevante Dysbiose, evtl. bakterielle Vaginose oder Mischinfektion (z. B. Gardnerella ± andere Keime).     ❗ Und jetzt ganz wichtig:     In der 35.–36. SSW ist das kein Bagatellbefund, sondern abklärungsbedürftig.   Nicht panisch – aber bitte ernst nehmen.       2️⃣ Sollten Sie warten oder zur Vertretung gehen?     👉 Ich würde NICHT eine ganze Woche abwarten.   Meine klare Empfehlung: ➡️ Am Montag zur Vertretung (oder gynäkologischer Bereitschaftsdienst), mit dem Hinweis:   35./36. SSW, Brennen, erhöhter pH, grünlicher Ausfluss, V. a. bakterielle Vaginose.   Das wird in der Regel als dringlich gesehen.     Was dort unbedingt passieren sollte:     Vaginalabstrich pH-Kontrolle evtl. Schnelltest auf BV gezielte Therapieentscheidung         3️⃣ Hebamme – kann sie helfen?     Ihre Hebamme ist eine große Unterstützung, aber:   ❌ sie kann keinen Abstrich machen ❌ sie kann keine Antibiotikatherapie einleiten     ➡️ Sie kann:   pH kontrollieren Verlauf beobachten Sie begleiten     Aber die Diagnostik gehört jetzt ärztlich abgeklärt.       4️⃣ Antibiotika: vaginal oder oral?     Das hängt von 3 Dingen ab:   Erreger Stärke der Symptome Schwangerschaftswoche       Grundsätzlich:     Vaginal (z. B. Metronidazol vaginal): ✔️ bevorzugt bei leichter bis moderater BV ✔️ weniger systemische Belastung Oral: ✔️ bei ausgeprägten Symptomen ✔️ bei Rezidiven ✔️ bei Beteiligung der Harnröhre / Brennen beim Wasserlassen     ➡️ Ich würde – wenn möglich – den Abstrich abwarten, ABER: Bei starken Beschwerden darf man auch empirisch vaginal beginnen.       5️⃣ Estriol – warum hilft das der Vaginalflora?     Sehr gute, kluge Frage.     Kurz erklärt:     Estriol wirkt lokal es verdickt das Vaginalepithel mehr Glykogen → mehr Nahrung für Laktobazillen dadurch Senkung des pH     👉 Ja, systemisch ist der Östrogenspiegel hoch – 👉 lokal kann die Schleimhaut trotzdem „erschöpft“ oder gereizt sein, gerade nach Antibiotika.   ➡️ Deshalb ist Estriol trotz Schwangerschaft sinnvoll, wenn es lokal gegeben wird.       6️⃣ Darm & Verstopfung     OmniBiotic Panda vorsichtig einschleichen war genau richtig Verstopfung ist leider:   Eisen Progesteron Schwangerschaft       ➡️ Ergänzend sinnvoll:   viel trinken Magnesium (z. B. 150–300 mg abends) ggf. Flohsamenschalen sehr niedrig dosiert         7️⃣ Eisen / Ferritin     Hb 10,5 g/dl ist:   grenzwertig Ferritin sollte unbedingt bestimmt werden     Femibion allein reicht meist nicht.   ➡️ Ich würde:   Ferritin bestimmen lassen bei < 30–40 µg/l gezielt Eisen ergänzen (das erklärt auch die Verstopfung)         8️⃣ Keuchhustenimpfung – Sie haben völlig recht     Ganz klar: Sie liegen richtig.   STIKO empfiehlt die Pertussis-Impfung in JEDER Schwangerschaft unabhängig vom Impfstatus ideal: SSW 28–32, aber auch später absolut sinnvoll     ❗ Die Aussage „2022 war zu kurz her“ ist fachlich falsch.   ➡️ Ziel ist Nestschutz fürs Baby, nicht Ihr eigener Schutz.     Mein Rat:     Lassen Sie sich die Impfung bei der Vertretung oder einem anderen Arzt geben Sie müssen nicht bis SSW 37 warten gerade weil:   Ihr Sohn früh kam Kindergarteninfekte realistisch sind           🔑 Was ich an Ihrer Stelle tun würde (konkret):     1️⃣ Montag zur gynäkologischen Vertretung 2️⃣ Abstrich + pH + gezielte Therapie 3️⃣ Pertussis-Impfung organisieren (nicht weiter vertrösten lassen) 4️⃣ Ferritin bestimmen lassen 5️⃣ Vaginaltherapie erst anpassen, wenn der Befund da ist 6️⃣ Hebamme weiter einbinden – aber ergänzend, nicht ersetzend     Liebe Maria, Sie machen nichts falsch. Im Gegenteil: Sie handeln sehr reflektiert, informiert und verantwortungsvoll. Dass Ihr Körper auf Antibiotika sensibel reagiert, ist keine Schwäche, sondern eine bekannte biologische Reaktion – leider manchmal genau in den ungünstigsten Momenten. Ich bin gedanklich bei Ihnen – und wünsche Ihnen für heute Abend Wärme, Ruhe und ein bisschen Zuversicht. ❄️🤍   Verschneite Grüße zurück nach Franken Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke Ihnen genauso für Ihre unglaublich warmen Worte. Man spürt beim Lesen, wie gut Sie sich in andere Menschen hineinversetzen und wie sensibel Sie darauf reagieren können :) Das können viele Menschen nicht. Ihre fachlichen Informationen, Ihr Zuspruch und Ihre praxisnahe Empfehlung hat mich sehr darin bestärkt, heute genau das zu tun, wozu Sie mir geraten haben. Ich möchte Ihnen gerne schreiben, wie es heute gelaufen ist und vielleicht darf ich Ihnen die Fragen dazu stellen, die sich für mich jetzt ergeben. Ich habe bei der Vertretung meiner Frauenärztin angerufen, das Problem geschildert und durfte mich sofort auf den Weg machen. Die pH-Kontrolle hat 5,5 ergeben, also lag ich mit meinen Messungen der letzten Tage leider richtig. Im Mikroskop gab es massig Clue Cells. Dem Arzt zufolge handelt es sich um Bakterien, keine Pilze. Abstrich wurde gemacht und ins Labor geschickt, das Ergebnis kann aber leider ein paar Tage dauern. Ich habe jetzt schon ohne Abstrichergebnis Arilin Vaginalzäpfchen verschrieben bekommen. Ist das denn in der Schwangerschaft überhaupt sicher? Und wirkt das denn überhaupt sicher gegen die Bakterien, die ich habe? Das wird ja erst nach dem Abstrichergebnis klar sein. Ein Schnelltest auf BV wurde nicht gemacht. Was hätte man da testen können? Der Arzt meinte schon, es könnte sein, dass ich dann zusätzlich noch ein orales Antibiotikum brauche. Sie schrieben gestern, im Idealfall wartet man das Abstrichergebnis ab. Und würden Sie dann in der Zwischenzeit Döderlein und Gynoflor pausieren oder abends Arilin und morgens Döderlein und Gynoflor im Wechsel? Für den Ferritinwert wurde Blut abgenommen und die Keuchhustenimpfung habe ich bekommen. Jippie, geschafft! :) Heute hatte ich auch noch den zweiten Kontrolltermin beim HNO-Arzt wegen der eitrigen Nebenhöhlenentzündung und hatte gehofft, es ist jetzt wieder alles komplett im Lot. Im rechten Nasenloch ist ganz oben aber leider noch immer ein kleiner Eiterrest. Der Arzt sagte mir, die Eitermenge war auch wirklich massiv, in der Schwangerschaft dauert es einfach etwas länger, bis es ganz verheilt und meine rechte Nasenscheidewand ist auch etwas krumm, was den Eiter noch schlechter abfließen lässt. Ich spreche auch noch immer leicht nasal und spüre manchmal noch, wie die rechte Nasenschleimhaut anschwillt und ich dann weniger Luft bekomme. Also soll ich das Budes Kortison-Nasenspray weiterhin morgens und abends nehmen und Nasendusche fortsetzen. Ist das für Schwangere wirklich vertretbar, so lange Kortison-Nasenspray zu nehmen? Ich nehme es schon seit 1,5 Wochen und jetzt ja noch weiter. Oder wäre es sicherer, nur noch auf Meerwasser-Nasenspray umzusteigen? Ihre Ergänzung zur Verstopfung kann ich nur bestätigen. Ich merke, dass mein ganzes Verdauungssystem jetzt zum Ende der Schwangerschaft nicht mehr mitmacht (Verstopfung, Durchfall, Sodbrennen wechseln sich ab). Sie schlagen wegen der Verstopfung Magnesium vor. Meine Frauenärztin hat mir wegen der leichten Wehen, die das CTG ja auch gezeigt hatte, Magnesiocard verschrieben. Auf der Schachtel steht, dass 1 Beutel 121,5mg Magnesium als Magnesiumaspartat-hydrochlorid 3 H2O (1229,6mg), entsprechend 5 mmol enthält. Sie sagt, ich kann das ruhig 3 Mal täglich vor dem Essen nehmen. Ist das zu viel? Sie schreiben 150-300mg abends. Ich hatte von der letzten Schwangerschaft in Erinnerung, dass man Magnesium nicht bis zum Ende nehmen soll? Ich bin jetzt schon zu Beginn von Schwangerschaftswoche 36 angekommen. Und was wäre für Sie eine sehr niedrige Dosierung von Flohsamenschalen? Wie würden Sie sie einnehmen? Das Sodbrennen wird in den letzten Tagen auch immer schlimmer. Kaffee geht gar nicht mehr, Früchtetee nicht, selbst Kräutertee ging heute nicht. Schokolade lasse ich schon freiwillig weg. Ich konnte mich heute nachmittags nicht einmal aufs Sofa legen, weil es im Liegen gar nicht auszuhalten war, obwohl ich es schon mit zwei extra hohen Kissen probiert habe. Ich freue mich auf Ihre Antwort :) und schicke ganz herzliche Wintergrüße aus dem Glatteis-Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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guten Abend, vielen Dank für Ihre Worte. Umso schöner, wenn meine Einschätzung Ihnen Sicherheit gegeben hat. Gerne beantworte ich Ihre Fragen möglichst klar:   1. Bakterielle Vaginose (pH 5,5, Clue Cells)   Arilin® vaginal (Metronidazol) ist in der Schwangerschaft gut untersucht und als sicher einzustufen, auch bereits jetzt.   Es wirkt zuverlässig gegen die typischen BV-Keime. Dass der Abstrich noch aussteht, ist im Alltag üblich – bei klarem mikroskopischem Befund darf man sofort behandeln. Ein zusätzlicher Schnelltest (z. B. BV-Test auf Sialidase) wäre möglich gewesen, ist aber nicht zwingend nötig, wenn Clue Cells reichlich vorliegen.   Orales Antibiotikum: nur falls der Abstrich Keime zeigt, die lokal nicht ausreichend erfasst werden oder bei Persistenz der Beschwerden. Probiotika (Döderlein/Gynoflor): ➡️ Während der Arilin-Therapie pausieren, danach (z. B. ab dem Folgetag nach der letzten Zäpfchengabe) wiederaufbauen, nicht parallel.      2. Budesonid-Nasenspray bei Sinusitis   Ja, das ist in der Schwangerschaft gut vertretbar, auch über mehrere Wochen.   Budesonid ist das am besten untersuchte Kortison-Nasenspray in der Schwangerschaft. Die lokale Wirkung ist erwünscht, die systemische Aufnahme minimal. Ein reines Meerwasserspray allein wäre bei noch bestehendem Entzündungsrest nicht ausreichend.   ➡️ Bitte so fortführen wie empfohlen, plus Nasendusche.   3. Magnesium (Wehen + Verstopfung)   Ihr Magnesiocard®:   3× täglich = ca. 365 mg elementares Magnesium → das ist völlig im sicheren Bereich.   Dass man Magnesium „nicht bis zum Ende“ nehmen dürfe, ist ein alter Mythos. ➡️ In der 36. SSW ist Magnesium erlaubt und sinnvoll, v. a. bei Wehenneigung und Darmträgheit.   4. Flohsamenschalen – niedrig dosiert   Sehr sanft beginnen:   ½ Teelöffel (ca. 2–3 g) in großem Glas Wasser, abends, anschließend noch ein Glas Wasser.   Bei guter Verträglichkeit langsam steigern. Wichtig: Abstand zu Medikamenten (mind. 1–2 Std.).    5. Starkes Sodbrennen   Das, was Sie beschreiben, ist leider klassisch für die späte Schwangerschaft. Wenn Lagerung und Tees nicht mehr helfen, ist medizinisch sinnvoll:   Antazida (z. B. Hydrotalcit, Magaldrat) ggf. auch Pantoprazol – in der Schwangerschaft erlaubt, wenn nötig.   Hier darf (und sollte) man nicht „tapfer leiden“.   Zusammengefasst   Arilin vaginal: ja, sicher und richtig Probiotika: nach, nicht während der Antibiotikatherapie Budesonid-Nasenspray: weiternehmen Magnesium: Dosierung unproblematisch Flohsamen: sehr niedrig starten Sodbrennen: medikamentöse Hilfe erlaubt   Ich finde, Sie haben heute unglaublich viel geschafft – medizinisch und organisatorisch. Ganz herzliche Wintergrüße zurück aus Ulm nach Nürnberg (passen Sie auf dem Glatteis gut auf sich auf!) ❄️ Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich sehr für Ihre konkreten und klaren Antworten auf meine Fragen. Es tut mir leid, dass ich Sie gerade so oft um Rat frage, freue mich aber immer, wenn Sie sich meiner annehmen und heute kann ich Sie so arg brauchen. Seit heute fühlt es sich wieder so an, als würde irgendwie alles gleichzeitig schief gehen und das alles in der 36. Schwangerschaftswoche, also 4 Wochen vor Entbindung, wenn die Bauchbewohnerin sich noch genug Zeit lässt. Unser Sohn kam in der 38. Schwangerschaftswoche und man hört ja immer wieder, dass sich die Tendenz früher oder später zu entbinden, manchmal wiederholt. Ich fasse die Probleme kurz zusammen: Der Abstrich hat mehrere Keime ergeben, meine Symptome der BV sind noch nicht besser, der Ferritinwert passt auch nicht und ich hatte gestern Abend über etwa zwei Stunden wirklich regelmäßige schmerzhafte Wehen und dachte, es geht los. Dann war es plötzlich wieder vorbei. Die Praxis der Vertretung hat mir einen Rückruf vom Arzt bis Freitagmittag versprochen, aber nichts ist passiert und ich habe es ganz oft probiert, kam aber nicht mehr durch und jetzt geht nur noch der Anrufbeantworter ran, weil die Praxis bis Montag geschlossen ist. Ich fühle mich richtig allein gelassen. Und der Alptraum schlechthin: Unser Sohn hat zum 2. Mal Influenza A. Wohl den anderen Subtyp? Ich kann es mir nicht wirklich erklären, werde bald wahnsinnig. Vielleicht haben Sie einen guten Rat für mich… Jetzt der Reihe nach: Am Telefon von der MFA der Vertretung (Frauenarzt) habe ich am Morgen erfahren: Hämoglobin: 10,2 (bei Vertretung), vor 1 Woche 10,5 (bei meiner Frauenärztin) Ferritin: 24,5 (bei Vertretung) Erythrozyten: 3,81 (bei Vertretung), vor 1 Woche 4,02 (bei meiner Frauenärztin) Das wäre zu niedrig, der Arzt würde mich bis max. 12h zurückrufen, aber nichts ist passiert und ich rechne nicht mehr damit. Die Keime der BV sind: Gardnerella vaginalis, Proteus mirabilis, Klebsiella oxytoca, Resistenzprofil noch ausstehend, wahrscheinlich Montag. Auch dazu habe ich sonst aber keine weitere Rückmeldung vom Arzt bekommen. Ist Arilin gegen alle diese Keime überhaupt wirksam? Ich nehme es seit Montag, es brennt noch genauso, der Ausfluss ist noch immer grünlich, der pH-Wert ist bei meinen Messungen bei 5,5 – 5,8. Also keine Verschlechterung, aber auch keine Verbesserung. Die Wehen gestern Abend waren wirklich merkwürdig. Sie kamen zwei Stunden lang regelmäßig alle 10-12 Minuten und waren durchaus schmerzhaft für ungefähr 60 Sekunden. Ich habe ja die ganze Zeit schon unregelmäßige Übungs- und Senkwehen und das CTG vor 1 Woche hat auch 2 aufgezeichnet, aber gestern war jetzt doch schmerzhafter. Aber nach zwei Stunden war es wieder vorbei. Keine Blutung, kein Fruchtwasserabgang, kein Abgang vom Schleimpfropf. Dann können wir einfach abwarten, sagt mein Gefühl? Meine Hebamme war Anfang der Woche zur geburtsvorbereitenden Akupunktur da und hat die kleine Bauchbewohnerin abgetastet. Sie liegt weiterhin zum Glück in Schädellage, hat sich also NICHT zurück in BEL gedreht, sie schätzt sie auf 2500g, was ja auch zum Ultraschall der letzten Woche passen würde (etwa 2400g und 47cm). Sie hat mir auch gesagt, dass die kleine Maus zwar schon etwas ins Becken gerutscht ist, aber noch nicht ganz fest im Becken sitzt und ich deshalb bei vorzeitigem Blasensprung bis Schwangerschaftswoche 37+0 lieber liegend mit RTW ins Krankenhaus fahren sollte. Ich hoffe, das passiert nicht wieder, denn ich muss zugeben, dass ich unter den momentanen Umständen mit BV und den Wehen gestern Abend etwas Bammel davor habe, vor allem bei meiner Vorgeschichte mit dem wirklich filmreifen vorzeitigen Blasensprung unseres Sohnes in der 38. Schwangerschaftswoche in BEL mitten in der Nacht beim Aufstehen. Würden Sie das bei der jetzigen Schädellage genauso wie meine Hebamme handhaben? Ich dachte RTW gilt nur bei BEL. Im besagten Fall möchte ich natürlich nichts riskieren, aber auch nicht unnötigerweise einen RTW rufen. Am Montag ist meine Frauenärztin zum Glück wieder da und ich habe sowieso wieder Termin zur Schwangerenvorsorge. Soll ich so lange abwarten und mit Arilin weitermachen? Das sind aber sowieso nur 6 Zäpfchen, die ich am Montag begonnen habe, Samstagabend also das Letzte. Wäre es gut, mir einstweilen selbst Eisen zu besorgen oder kann das warten? Die Hebamme nach mir schauen lassen? Sie ist auch am Wochenende erreichbar. Oder einfach bis Montag abwarten? Ich fühle mich so in der Luft hängend, was ich hochschwanger mit BV und auch noch mit Eisenmangel nicht in Ordnung finde. Wäre es denn für die kleine Bauchbewohnerin gefährlich, vaginal geboren zu werden so lange ich eine BV habe? Und die Influenza A-Thematik: Unser Sohn hat gestern wieder leicht angefangen zu husten, heute Morgen kam vom Kindergarten die Meldung, dass heute die halbe Kindergartengruppe aufgrund von Fieber krankgemeldet ist und drei Kinderärzte Influenza A bestätigt haben. Unser Sohn war auch wieder recht warm und siehe da: Fieber 38,5. Obwohl ich es mir echt nicht vorstellen konnte, haben wir mit ihm wieder einen Dreifach-Schnelltest (Influenza A, B, Covid, RSV) gemacht und ich kann es nicht fassen, dass Influenza A wieder positiv ist. Zwei Mal dieselbe Variante (jedes Mal Typ A), im Abstand von 4 Wochen seit letztem Symptombeginn? Die Linie ist (noch) zart, allerdings haben wir auch nicht viel aus seiner Nase erwischt, weil er sich ganz schön gewehrt hat. Daraufhin habe ich um ein Telefonat mit der Kinderärztin gebeten, weil ich es mir nicht vorstellen konnte. Sie sagte, es ist äußerst selten, aber die Immunität kann natürlich auch mal nicht so gut sein und dann kann man es in der selben Saison nochmal bekommen, es sollte dann aber milder verlaufen. Naja, wir werden sehen. Seit 1h sind wir wieder bei 39,4 und er schläft gerade wieder platt auf dem Sofa. Gibt es nicht gerade auch verschiedene Subtypen im Umlauf und es ist eher wahrscheinlich, dass es der andere ist? Dann muss es aber nicht unbedingt milder verlaufen? Ich habe wirklich Panik davor, das zweite Mal Influenza zu bekommen, dieses Mal noch knapper vor ET und nächste Woche habe ich auch noch Termin zur Vorstellung zur Geburt im Krankenhaus. Den Termin von der 37. in die 38. Woche zu schieben, wäre ganz schön eng, falls die Kleine eher kommen möchte. Oder denken Sie, bei Erwachsenen, noch dazu geimpft, ist das Risiko, das 2. Mal Influenza in derselben Saison zu bekommen, doch deutlich niedriger? Ich kann mich davor kaum schützen mit einem Kleinkind, das kuschelbedürftig nach Mama verlangt. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie satt ich es von diesen Infekten habe. Wenn es wenigstens einfach mal nur ein Schnupfen wäre, aber es sind immer gleich Influenza und Co. Noch eine kurze Nachfrage zu den Verdauungsbeschwerden und Medikamenten: OK, Magnesiocard 3 x täglich (365mg gesamt) nehme ich immer vor dem Essen. OmniBiotic Panda 1 x täglich morgens nüchtern vertage ich gut, viel besser als Mutaflor. ½ TL Flohsamenschalen in Wasser am Abend habe ich probiert und vertrage es auch, merke aber noch keinen Unterschied. Die Verstopfung ist nach wie vor da und wenn ich jetzt dann auch noch Eisen nehmen muss, wird das ja vielleicht noch schlimmer. Sie schreiben, ich kann Flohsamenschalen langsam steigern. Auf wieviel maximal? Als meine Hebamme da war, hat sie mir ein paar zusätzliche Akupunkturnadeln gegen Sodbrennen gesetzt. Sie sagt, meine Gebärmutter ist besonders groß und weit oben und die kleine Maus scheint sich von oben bis unten zu strecken und es wundert sie daher leider nicht, dass das Sodbrennen gerade so schlimm ist. Gestern war es aber zwischendurch mal besser nach Essen von Joghurt und komplettem Verzicht auf Zucker und sämtliche Getränke außer Wasser. Heute habe ich nur einen halben Kaffee, ganz schwach, dünn und mit ganz viel Milch getrunken und das war schon wieder zu viel. Ich versuche es mit ganz viel Disziplin trotz Heißhunger. Sollte ich mir doch Hydrotalcit oder Magaldrat besorgen: wie viel davon sollte oder dürfte ich einnehmen? Ich hoffe, Sie wirklich nicht zu nerven. Das möchte ich nicht. Ich hoffe, Sie haben ein schönes Wochenende. In Nürnberg ist der ganze Schnee wieder weggetaut und die Sonne scheint :) Darf ich mich denn wieder melden, wenn mir etwas Sorgen macht? Sonnige und herzliche Grüße und viel Dankbarkeit schicke ich nach Ulm zu Ihnen! :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Frau …, zuerst: Sie nerven ganz und gar nicht. Im Gegenteil – in Ihrer Situation, hochschwanger, mit Infekten im Umfeld, unklaren Befunden und fehlender ärztlicher Rückmeldung, ist Ihre Sorge absolut berechtigt. Es ist gut und richtig, dass Sie sich melden. Ich versuche, Ihnen jetzt klar, priorisiert und realistisch Orientierung zu geben – mit dem wichtigen Zusatz: Aus der Ferne kann und darf man keine verbindlichen Diagnosen stellen, aber man kann sagen, was häufig ist, was eher harmlos und wo man aufmerksam sein sollte.         1. Wehen gestern Abend – wie einordnen?   Das, was Sie beschreiben (regelmäßig alle 10–12 Minuten über ca. 2 Stunden, schmerzhaft, dann komplettes Sistieren), passt sehr gut zu sogenannten Vorwehen/irritablen Uterusphasen in der späten Schwangerschaft. Wichtige Entwarnungspunkte bei Ihnen:   kein Blut kein Fruchtwasser kein Schleimpfropf vollständiges Abklingen Kind ruhig und in Schädellage   👉 Das spricht NICHT für einen beginnenden Geburtsverlauf. In der 36. SSW ist die Gebärmutter hochsensibel – Infekte, Eisenmangel, Stress und Erschöpfung können genau solche Episoden triggern. Mein Rat: Ja, Sie dürfen hier abwartend sein. Beobachten, Schonung, Magnesium weiternehmen. Sollten die Wehen regelmäßig >1–2 Stunden anhalten, stärker werden oder mit Fruchtwasser/Blutung einhergehen, dann bitte Vorstellung.         2. Blasensprung & RTW – auch bei Schädellage?   Ihre Hebamme liegt grundsätzlich richtig, aber man kann es etwas differenzieren:   Bei BEL → RTW immer Bei Schädellage, wie bei Ihnen:   vor 37+0: ✔️ liegend ins Krankenhaus, RTW ist vertretbar, besonders bei:   Vorgeschichte mit frühem Blasensprung Unsicherheit aktiver Infektion (BV)   ab 37+0: In der Regel reicht ein ruhiger Transport (Partner/Taxi), wenn keine Wehen/kein Druck.     👉 Sie würden also nichts falsch machen, wenn Sie bis 37+0 im Zweifel einen RTW rufen. Das ist keine Überreaktion.         3. Bakterielle Vaginose (BV) & Arilin   Die Keimkonstellation ist nicht ganz klassisch, sondern eher Mischflora:   Gardnerella vaginalis → gut empfindlich auf Metronidazol (Arilin) Proteus mirabilis / Klebsiella oxytoca → häufig nicht ausreichend durch Arilin allein abgedeckt   Dass:   Brennen grünlicher Ausfluss pH 5,5–5,8 keine Besserung zeigen, ist daher nicht überraschend.   👉 Aber wichtig: Sie tun aktuell das Richtige, indem Sie die Therapie zu Ende führen. Was ich jetzt empfehle:   Arilin wie geplant bis Samstag beenden keine zusätzliche Eigenmedikation Montag:   erneuter Abstrich oder zumindest Besprechung des Resistenzprofils ggf. gezielte Therapie oder lokaler Aufbau (z. B. Milchsäure/Lactobazillen)       Ist eine vaginale Geburt mit BV gefährlich?   👉 In aller Regel: nein. Eine behandelte oder zumindest angegangene BV ist keine Kontraindikation für eine vaginale Geburt. Relevant wird es nur bei:   unbehandelter, ausgeprägter Infektion und Frühgeburtlichkeit   Davon sind Sie aktuell nicht ausgegangen.         4. Eisenwerte – jetzt handeln oder warten?   Ihre Werte:   Hb ~10,2 Ferritin 24,5 Erythrozyten leicht rückläufig   👉 Das ist kein Notfall, aber ein klarer funktioneller Eisenmangel. Mein pragmatischer Rat:   Ja, Sie dürfen jetzt schon mit oralem Eisen beginnen niedrig dosiert, gut verträglich:   z. B. 20–40 mg elementares Eisen jeden 2. Tag   getrennt von Magnesium, Kaffee, Milch beobachten, wie der Darm reagiert   Eine Infusion ist jetzt übers Wochenende nicht nötig, das kann Montag in Ruhe entschieden werden.         5. Influenza A – zweite Runde?   Ihre Kinderärztin hat recht: 👉 Selten, aber möglich. Ja:   es zirkulieren verschiedene Influenza-A-Subtypen eine erneute Infektion ist wahrscheinlicher bei Kleinkindern beim Erwachsenen – vor allem geimpft – ist das Risiko deutlich geringer   Das ist mir wichtig, klar zu sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie jetzt kurz vor Termin erneut eine schwere Influenza entwickeln, ist niedrig. Natürlich nicht null – aber:   Impfung ✔️ Erwachsenenimmunsystem ✔️ meist milder Verlauf bei Re-Exposition ✔️   Schützen Sie sich so gut es geht, aber machen Sie sich keine Vorwürfe. Nähe zu Ihrem Sohn ist gerade wichtiger als perfekte Infektkontrolle.         6. Verdauung, Flohsamenschalen & Eisen   Flohsamenschalen dürfen Sie langsam steigern:   von ½ TL → 1 TL → max. 2 TL täglich immer mit ausreichend Wasser Wirkung oft erst nach mehreren Tagen   Kombination mit:   viel Flüssigkeit Bewegung ggf. etwas Öl/Joghurt ist sinnvoll.           7. Sodbrennen – Hydrotalcit / Magaldrat   Ja, dürfen Sie nehmen. Dosierung:   z. B. Hydrotalcit:   1–2 Kautabletten bis zu 4× täglich   möglichst zeitversetzt zu Eisen (≥2 Stunden)   Sie machen sonst alles richtig – Disziplin hilft, aber manchmal reicht sie einfach nicht mehr.         Zum Schluss – ganz persönlich   Sie stehen gerade an vielen Fronten gleichzeitig: hochschwanger, krankes Kind, Infektangst, fehlende ärztliche Erreichbarkeit. Dass sich das „zu viel“ anfühlt, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. 👉 Ja, melden Sie sich jederzeit, wenn Ihnen etwas Sorgen macht. 👉 Ja, ziehen Sie Ihre Hebamme am Wochenende ruhig hinzu, allein schon zur emotionalen Entlastung. 👉 Und ja: Bis Montag abwarten ist medizinisch vertretbar, solange sich nichts zuspitzt. Ich wünsche Ihnen von Herzen ein ruhigeres Wochenende, möglichst wenig Wehen, ein bald wieder fieberfreies Kind – und ein paar Sonnenstrahlen auch innerlich. Herzliche Grüße nach Nürnberg Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, Ich möchte einfach Danke sagen! Danke für diesen schnellen Einsatz Ihrerseits. Danke für diese Mühe. Das alles wäre eigentlich Aufgabe des Arztes gewesen, der meine Frauenärztin diese Woche vertreten hat und sich heute wirklich nicht mehr gemeldet hat. Stattdessen machen Sie das mit einer Gewissenhaftigkeit und das online einfach so. Top top von Ihnen! Schade, dass Ihr Kinderwunschzentrum doch nicht um die Ecke von Nürnberg ist. Da wären wir bestimmt top aufgehoben gewesen. Sie haben mich heute sehr beruhigt, abzuwarten und zu hoffen, dass Influenza meinen Mann und mich nicht mehr erwischt. Ich habe nur leider die Befürchtung, dass unser Sohn dieses Mal auch noch den aggressiveren Subtyp aus dem Kindergarten gebracht hat, denn bei ihm ist der Verlauf bisher nicht milder als an Weihnachten, im Gegenteil. Wir haben es heute Abend nicht geschafft, 8 Stunden Abstand von Nurofensaft zu Nurofensaft einzuhalten, obwohl wir schon mit Paracetamol (Ben-u-Ron) abwechseln.  7:30h: 38,5 Grad 13:15h: 39,4 Grad und Nurofensaft 17:30h: 39,4 Grad und Ben-u-Ron Saft  20h: 39,6 Grad und Nurofensaft Der Ben-u-Ron-Saft hat überhaupt keine Besserung gebracht. Ich hoffe, es ist nicht so dramatisch, dass wir den Nurofensaft nach 7 Stunden statt 8 schon wieder gegeben haben. Er war so platt und hatte wieder Schüttelfrost. Mal sehen, wie wir das heute Nacht hinkriegen. Es wird grandios werden. Ich schlafe mit der riesigen Kugel sowieso so schlecht mittlerweile, wache so oft auf und unser Sohn wird uns dann noch zusätzlich wecken. Ich finde so einen Verlauf schon merkwürdig und extrem 4 Wochen nachdem er erst Influenza hatte. So etwas habe ich noch nie erlebt. Influenza hat es diesen Winter echt in sich. Dazwischen kommt dann wieder eine Wehe und ich hoffe jedes Mal, dass es ruhig bleibt und Ibu jetzt nicht ausfalle. Unser Sohn braucht mich gerade.  Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, darf ich Sie bitte nochmal etwas fragen? Gestern hat mein Körper irgendwie wieder Alarm geschlagen und ich kann es mir nicht so recht erklären und auch nicht einschätzen ob das Alarmzeichen sind oder doch alles gut ist. Mir war den ganzen Tag richtig schlecht und obwohl ich fast nichts gegessen habe, musste ich zwei Mal brechen. Ich hatte auch die ganze Zeit Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen habe ich heute noch immer, aber weniger stark. Schlecht ist mir nicht mehr. Aber gestern war ich echt unbrauchbar und habe versucht, mich irgendwie zusammen zu reißen, denn unser Sohn hat mich auch dringend gebraucht. Nachts hatte er 40,4 Fieber, tagsüber 39,6 sobald der letzte Fiebersaft 3-4 Stunden zurück lag. Ich habe mich gefragt, ob ich mich vielleicht doch von Influenza Runde 2 von meinem Sohn angesteckt habe. Aber für mich passen die Symptome nicht. Ich habe kein Fieber, keinen Husten, keinen Schnupfen, keine Halsschmerzen, keine Gliederschmerzen. Mein Mann hat auch nichts. Ich hatte gestern aber auch wieder einmal so eine Wehenphase mit Wehen alle 15 Minuten, schmerzhaft, Dauer ca. 1 Min. Morgen bin ich ja sowieso bei der Frauenärztin. Da beginnt dann auch die 37. Schwangerschaftswoche. Sollte sie auf irgendetwas bestimmtes achten? Oder sollte ich etwas tun? Ich habe nicht schwanger öfter Kopfschmerzen, aber in der Schwangerschaft hatte ich das jetzt eigentlich nie. Die BV bespreche ich sowieso mit meiner Frauenärztin (Zustand ist gleichbleibend nachdem ich Arilin gestern beendet habe), den Eisenmangel auch nachdem von der Vertretung keine Rückmeldung mehr kam.  Unserem Sohn geht es bei Influenza Runde 2 heute an Tag 3 zum Glück schon etwas besser. Nur noch 38,5 Fieber ohne fiebersenkende Medikamente und er spielt wieder, hat aber die letzten Wochen unglaublich abgenommen durch diese heftigen Infekte. Er ist sowieso so ein schlanker, jetzt schauen die Rippen raus :(  Ich möchte Sie nicht nerven, sende Ihnen sonnige Grüße aus Nürnberg nach Ulm :) 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Schilderung – und bitte seien Sie ganz unbesorgt: Sie nerven keineswegs. Gerade in dieser Schwangerschaftsphase ist es absolut richtig, solche Veränderungen ernst zu nehmen und einzuordnen. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch:   1. Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen ohne Fieber   Die geschilderte Kombination (starke Übelkeit mit Erbrechen + Kopfschmerzen, ohne Fieber und ohne Infektzeichen) passt tatsächlich nicht typisch zu Influenza. Auch eine erneute Ansteckung ist bei fehlendem Fieber, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen eher unwahrscheinlich. Mögliche, in der Spätschwangerschaft häufige und meist harmlose Erklärungen sind:  vegetative/hormonelle Schwankungen Erschöpfung, Schlafmangel, Stress (allein die Situation mit Ihrem hochfiebernden Sohn ist körperlich wie emotional enorm) Blutdruckschwankungen (sowohl niedrig als auch ansteigend können Kopfschmerzen und Übelkeit machen) Eisenmangel (kann Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit verstärken) Dehydratation (v. a. wenn wenig gegessen und getrunken wurde)   Dass es Ihnen heute schon deutlich besser geht, spricht eher gegen etwas Gefährliches.   2. Kopfschmerzen in der 36./37. SSW – worauf achten?   Kopfschmerzen, die neu auftreten, sollten in der Schwangerschaft immer kurz eingeordnet werden, auch wenn sie meist harmlos sind. Ihre Frauenärztin sollte morgen bitte gezielt prüfen:  Blutdruck Urinstatus (Eiweiß!) ggf. Blutwerte, falls noch nicht erfolgt (Hb/Eisenstatus, evtl. Leberwerte)   👉 Wichtig: Starke, anhaltende Kopfschmerzen, die nicht auf Ruhe oder Paracetamol ansprechen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen oder plötzliche starke Wassereinlagerungen wären Warnzeichen – das beschreiben Sie aktuell aber nicht.    3. Wehenphase alle 15 Minuten   In der 36./37. SSW sind solche unregelmäßigen, schmerzhaften Kontraktionen sehr häufig:  meist Übungs- oder Senkwehen sie können durch Infektstress, Schlafmangel, Dehydratation deutlich zunehmen dass sie nicht regelmäßig kürzer werden und wieder abklingen, ist beruhigend   Ihre Ärztin kann morgen:  den Gebärmutterhals beurteilen ggf. ein CTG schreiben Allein der Beginn der 37. SSW ist per se kein Alarmzeichen.      4. BV und Eisenmangel   Gut, dass Sie das ohnehin ansprechen:   Eine persistierende BV kann Wehen triggern → sinnvoll, das nochmals zu kontrollieren. Eisenmangel sollte jetzt ernst genommen und ggf. konsequent behandelt werden – auch zur Vermeidung von Erschöpfung und Kopfschmerzen.      5. Ihre große Belastung – und Ihr Sohn   Was Sie gerade leisten, ist enorm. Ein hochfieberndes, krankes Kind zu versorgen, selbst schwanger zu sein und trotzdem „funktionieren zu müssen“, geht nicht spurlos am Körper vorbei. Dass Ihr Sohn: heute schon weniger Fieber hat wieder spielt  ist ein sehr gutes Zeichen. Der Gewichtsverlust nach solchen Infekten wirkt optisch oft dramatisch, ist aber meist rasch reversibel, sobald Appetit und Belastbarkeit zurückkehren.   6. Was Sie jetzt konkret tun können   Bis zum Termin morgen: ausreichend trinken (kleine Schlucke) Ruhe, so gut es eben geht bei Kopfschmerzen Paracetamol ist erlaubt bei erneutem Erbrechen oder starken Kopfschmerzen bitte früher ärztlich vorstellen   Zusammenfassend:  Im Moment spricht viel für eine vorübergehende, stress- und hormonbedingte Entgleisung, wenig für etwas Gefährliches. Der morgige Termin ist genau richtig, um die relevanten Punkte sauber abzuklären. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass sich die Lage nun Schritt für Schritt beruhigt – und schicke Ihnen ebenfalls sonnige, sehr herzliche Grüße zurück nach Nürnberg 🌷 Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, ich danke ganz herzlich für Ihre schnelle und sehr präzise Antwort und Empfehlung. Sie helfen mir wirklich sehr. Ich bin nach dem Termin bei meiner Frauenärztin etwas verunsichert und könnte Sie brauchen. Hintergrund: Das komplette IT-System der Praxis wird gerade umgestellt, alles hat ewig gedauert, beim Ultraschallgerät waren alle alten gespeicherten Daten für Vergleichswerte verschwunden, ich war die vorletzte Patientin am Abend und hatte etwas den Eindruck, es musste jetzt schnell gehen und manches wäre untergegangen, wenn ich nicht gefragt hätte und wurde dann aufs nächste Mal vertagt. Erst einmal war mein Blutdruck zu hoch: 147/110. Ich habe es auf dem Gerät gesehen, die MFA hat aber 147/101 (also 101 statt 110) in den Mutterpass geschrieben, was ich jetzt gerade erst gesehen habe. Vielleicht ist ein Zahlendreher verständlich nach einem 12-stündigen Arbeitstag, weil durch die Systemumstellung gerade alles so langsam läuft. Aber natürlich nicht so gut. Doch meine Frauenärztin hat dazu erst einmal gar nichts gesagt, erst als ich es angesprochen hatte und gesagt habe, dass ich die letzten zwei Tage Kopfschmerzen hatte, war die Antwort, dass ich morgen mal nochmal Blutdruck messen soll. Der Urin war o.B. (kein Eiweiß), Ödeme habe ich auch nicht, wobei ich etwas Wasser in Zehen und Fingern merke, weil sie leicht angeschwollen sind, Ringe sind enger, es ist aber nach außen nicht sichtbar. Ich bin auch grundsätzlich schlank, ich finde es eher komisch, dass ich in dieser Schwangerschaft so wenig zunehme. Insgesamt sind es zwar gerade etwa 10kg, aber ich habe fast alles in der 1. Hälfte zugenommen, seit 22+2 habe ich nur 100g zugenommen. Dazwischen lagen einige Infekte und vor allem Influenza und die eitrige Nebenhöhlenentzündung, aber Sorge macht mir v.a., dass die kleine Bauchbewohnerin in den letzten 2,5 Wochen kaum zugenommen hat und nicht gewachsen ist (also zwischen Schwangerschaftswoche 34 und 37, wo die Kleinen doch eigentlich am meisten zunehmen?). Heute hat die Frauenärztin sie im Ultraschall auf 2633g, 46cm und 31cm Kopfumfang geschätzt. Das Gewicht entspricht der 26. Perzentile, also unterdurchschnittlich. Einen Vergleich zum letzten Mal in Schwangerschaftswoche 34 konnte sie ja nicht direkt ziehen, weil alle Daten im Ultraschallgerät weg waren. Ich weiß aber noch, dass sie da etwa 2400g und 47cm gemessen hat und das die 56. Perzentile war, also sogar leicht über dem Durchschnitt. Also hat sie in 2,5 Wochen nur 233g zugenommen und ist nicht gewachsen. Ich möchte jetzt deshalb nicht panisch werden, denn insgesamt war die Ärztin zufrieden, aber hinterher habe ich mir die Frage gestellt, ob das mit dem Blutdruck zusammenhängen kann? Kann dadurch ihre Versorgung schlechter sein? Vielleicht war der Blutdruck ja auch nur ein einmaliger Ausrutscher und es sind ja alles nur Schätzungen. Die Ärztin meinte, ich musste ja auch so lange warten und dann kann das schonmal vorkommen. Ich war aber von der Wartezeit nicht gestresst. Mein Mann war zu Hause bei unserem Sohn, der kein Fieber mehr von Influenza hat und dem es viel bessergeht, und für mich war die Welt in Ordnung. Haben Sie eine Empfehlung für mich? Blutdruck messen? Wann, wie oft? Bei welchen Werten sollte ich mich melden? Die Antwort, ich sollte halt morgen nochmal messen, ist für mich im Nachhinein nicht sehr konkret gewesen. Kann ein Bluthochdruck zu Wachstumsverzögerungen beim Baby führen? Kann man da mit dem Dopplerultraschall irgendwas messen oder was sollte man messen? Die Ärztin hat heute nur das Baby selbst kurz vermessen, das war alles. Oder ist das nicht auffällig, dass die Kleine so kaum zugenommen hat und von der 56. plötzlich auf die 26. Perzentile gerutscht ist? Die beiden Male zuvor war mein Blutdruck bei der Untersuchung einmal 131/81 vor 2,5 Wochen und einmal 119/86 vor 6 Wochen. Und mein zweiter Gedanke: Den Streptokokken-B-Test hätte sie auch vergessen. Ich habe sie am Schluss darauf angesprochen, dass wir den noch nicht gemacht haben. Ihre Antwort war, dass wir das nächstes Mal in zwei Wochen machen. Ich glaube einfach, sie wollte fertig werden und nicht noch einmal anfangen. Auf dem Heimweg dachte ich mir dann, dass das doch schon wieder etwas knapp ist, so wie es bei der Keuchhustenimpfung auch gewesen wäre, wenn ich mich nicht selbst darum bemüht hätte. Das wäre dann in der 39. Schwangerschaftswoche. Das Ergebnis braucht ja auch noch ein paar Tage. Unser Sohn kam in der 38. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Damals wurde der Streptokokkentest viel eher gemacht, war zum Glück negativ. Ist es denn dann wahrscheinlich, dass er es dieses Mal wieder ist? Ich habe irgendwie etwas Bammel, dass die kleine Maus eher kommt. Ich kann ja nicht beurteilen, ob diese Wehenphasen, die ich immer wieder spüre, darauf hindeuten oder nicht. Die Frauenärztin hat mich direkt nach dem CTG heute selbst, ohne dass ich die Wehen erwähnt hatte, darauf angesprochen, ob ich immer wieder Wehen habe. Im CTG waren zwei Wehen mit Abstand 10 Minuten. Ich habe sie auch beide gespürt und gesehen, dass der Wehenschreiber einmal bis 99 ausschlug und einmal bis ca. 60. Sonst war er immer zwischen 0 und 15. Die Herzfrequenz der Kleinen war meistens zwischen 140 und 160, wenn sie mich getreten hat mal über 200. Sagen solche Wehenphasen denn was darüber aus, ob sie eher kommen könnte oder muss das gar nichts heißen? Der Muttermund ist geschlossen, im Mutterpass hat sie dazu „weich“ notiert. Was will „weich“ heißen? Morgen habe ich Termin im Krankenhaus zur Vorstellung zur Geburt. Ich weiß nicht, ob sie dort den Streptokokkentest machen können. Vielleicht lohnt es sich, nachzufragen? Auch nach einem Doppler? Oder was würden Sie vorschlagen? Doch abwarten bis zur 39. Woche? Haben Sie sonst noch etwas anzumerken? Für die BV mit den bekomme ich jetzt Amoxicillin/Clavulansäure. Die wurden bei der Vertretung als sensibel getestet. Eine Eiseninfusion habe ich auch bekommen. Ich möchte gar nicht dramatisieren. Vielleicht ist ja alles gut. Mir kam das heute nur sehr zack zack vor und ich hatte das Gefühl, selbst viel mitdenken zu müssen. Sonst wäre der Blutdruck nicht einmal aufgefallen und der Streptokokkentest wäre weggefallen. Darf ich mich noch einmal bei Ihnen melden, wenn ich unsicher bin? Sie sind tip top und sehr gründlich! Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Morgen, vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihre sehr strukturierte, aufmerksame Schilderung. Vorweg: Ihre Wahrnehmung ist klar, differenziert und medizinisch absolut berechtigt. Sie dramatisieren nicht – Sie beobachten genau. Das ist in dieser Schwangerschaftsphase richtig und wichtig. Ich gehe Ihre Punkte geordnet und konkret durch und gebe Ihnen klare Handlungsempfehlungen, damit Sie heute Abend und morgen innerlich etwas ruhiger werden können.         1. Blutdruck – der wichtigste Punkt zuerst   Ein gemessener Blutdruck von 147/110 mmHg ist nicht banal, auch wenn:   der Urin eiweißfrei ist keine ausgeprägten Ödeme sichtbar sind es ein Einzelwert war   Der diastolische Wert über 110 ist relevant und kein klassischer „Messfehlerwert“.   Was jetzt sinnvoll ist     Ab heute: Blutdruck 2–3× täglich messen   morgens (vor dem Frühstück) nachmittags abends   jeweils:   5 Minuten ruhig sitzen beide Füße auf dem Boden Manschette auf Herzhöhe zwei Messungen, Mittelwert notieren       Wann Sie sich melden sollten   Bitte sofort ärztlich Rückmeldung geben, wenn:   ≥140/90 mmHg wiederholt auftritt ≥160/110 mmHg einmalig gemessen wird neue Symptome dazukommen:   anhaltende Kopfschmerzen Sehstörungen Oberbauchschmerzen deutliche plötzliche Wassereinlagerungen     👉 Dass Ihre Ärztin nur sagte „morgen nochmal messen“, war zu unspezifisch – Ihre Nachfrage ist absolut gerechtfertigt.         2. Zusammenhang Blutdruck – Wachstum des Babys   Ja, ein erhöhter Blutdruck kann die Plazentadurchblutung beeinflussen, insbesondere:   wenn er persistiert oder sich schleichend entwickelt   Ein einmaliger Wert erklärt noch keine Wachstumsverzögerung, aber:   Was auffällt:     Perzentilenabfall von ca. 56 → 26 in einem Zeitraum, in dem Kinder normalerweise stark zunehmen zusätzlich Kopfschmerzen bei Ihnen   👉 Das ist kein Notfall, aber klärungsbedürftig.         3. Ultraschallmessungen – bitte realistisch einordnen   Ganz wichtig:   Gewicht, Länge und Kopfumfang sind Schätzungen Abweichungen von ±10–15 % sind normal Längenmessungen im späten Verlauf sind besonders ungenau   Aber:   der Perzentilen-Sprung nach unten + fehlender Vergleich wegen Datenverlust + Blutdruckauffälligkeit   → rechtfertigen eine Doppleruntersuchung         4. Doppler – ja, sinnvoll   Bei Ihrer Konstellation ist ein Doppler absolut angemessen, kein „Überdiagnostizieren“. Gemessen werden sollten:   A. umbilicalis (Nabelschnur) ggf. A. cerebri media ggf. Uterinarterien   👉 Das klärt:   ob die Versorgung aktuell gut ist ob man einfach beobachten kann oder ob engmaschiger kontrolliert werden sollte   Mein klarer Rat: 👉 Im Krankenhaus morgen aktiv danach fragen.         5. Wehen, CTG, Muttermund „weich“     CTG:     Zwei Wehen in 10 Minuten sind nicht ungewöhnlich in dieser SSW Auch Ausschläge bis 90–100 sagen nichts über Geburtsnähe allein Herzfrequenz 140–160 mit Akzelerationen → sehr gut     Muttermund:     geschlossen + weich bedeutet:   Körper bereitet sich vor keine akute Geburtsanzeige   Das ist in dieser Woche völlig normal   👉 Diese Wehenphasen bedeuten nicht, dass sie „bald kommen muss“.         6. Streptokokken-B-Test   Ihr Bauchgefühl ist richtig:   Test üblicherweise 35.–37. SSW Ergebnis ist nur 5 Wochen gültig     Jetzt konkret:     Ja, im Krankenhaus nachfragen, ob sie ihn morgen machen Das ist absolut sinnvoll Falls Geburt vor Testergebnis:   wird prophylaktisch Antibiotikum gegeben     Zur Beruhigung:   Ein negativer Test in der letzten Schwangerschaft senkt die Wahrscheinlichkeit, garantiert aber nichts Die geplante Amoxicillin/Clavulansäure-Therapie ersetzt den Test nicht, schadet aber nicht           7. Gewichtszunahme bei Ihnen     10 kg insgesamt bei schlanker Frau → völlig okay Plateau in der zweiten Hälfte:   kommt nach Infekten häufig vor ist allein kein Warnsignal     In Kombination mit den anderen Punkten: → Beobachten, nicht dramatisieren         8. Mein Vorschlag für morgen im Krankenhaus (Checkliste)   Sie dürfen – und sollten – aktiv ansprechen:   Blutdruckwerte schildern Bitte um:   Dopplerultraschall ggf. erneute Wachstumskontrolle   Streptokokken-B-Test ansprechen Fragen:   Wie engmaschig kontrollieren? Ab welchen Werten wiederkommen?             Zum Schluss – ganz persönlich   Sie haben heute sehr viel richtig gemacht:   hingeschaut nachgefragt Dinge nicht „weggeschluckt“   Dass es sich heute „zack zack“ angefühlt hat, liegt nicht an Ihnen, sondern an äußeren Umständen. Ihr Gefühl täuscht Sie nicht. Und ja: 👉 Sie dürfen sich jederzeit wieder melden, wenn Sie unsicher sind. Genau dafür sind solche Gespräche da. Ich wünsche Ihnen für morgen ein ruhiges, gründliches Gespräch im Krankenhaus – und Ihnen heute Abend ein bisschen mehr innere Ruhe. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre Gründlichkeit, Zuverlässigkeit und Ihre Schnelligkeit verdienen wirklich großes Lob! :) Sie haben mir damit sehr weitergeholfen, meine Situation einzuordnen, heute ganz konkret im Krankenhaus nachzufragen und mich damit wieder gut betreut zu fühlen. Das war gestern nach dem Termin bei meiner Ärztin leider nicht der Fall. Sie hat sich für die lange Wartezeit entschuldigt, aber das hat mich eigentlich am wenigsten gestört. So lange die Arbeit danach gründlich gemacht wird, bleibe ich gerne geduldig. Doch wenn die Systemumstellung dann dazu führt, dass die Qualität zu wünschen übriglässt, alles schnell gehen muss und die Hälfte übersehen oder vertagt wird, dann empfinde ich das insbesondere 3-4 Wochen vor ET als sehr störend. Im Krankenhaus habe ich mich heute viel besser aufgehoben gefühlt und auf meine Wünsche wurde zum Glück eingegangen. Der Arzt, der sich in der Schwangerenambulanz um mich gekümmert hat, war sehr verständnisvoll und hat sich die nötige Zeit genommen. Als ich ihm die Situation von gestern beschrieben habe, hat er selbst gleich gesagt, dass bei dem Ultraschall bei Vorliegen von erhöhtem Blutdruck und fallenden Perzentilwerten eben vor allem entscheidend wäre, ob es dem Baby gut geht und er deshalb einen Doppler machen wird. Ich habe einen Arztbrief für meine Ärztin mitbekommen und würde Ihnen die Werte gerne mal schicken. Der Arzt war zufrieden mit den Werten. Einige wenige liegen allerdings etwas weiter entfernt von den 50%. Können Sie vielleicht mal schauen, ob diese trotzdem in Ordnung sind? Anamnese: Blutgruppe: 0, Rhesus-positiv Frühere Schwangerschaften: Gravida 2. Para 1, Z.n. Sectio. BMI vor der Schwangerschaft: 22,15 kg/m2 Terminbestimmung: Geburtstermin: 15.02.2026. Gestationsalter: 36 W + 3 T Ultraschallbefund: Anzahl des Feten: 1 Herzaktion positiv. Herzfrequenz 156 spm. Kindsbewegungen: darstellbar. Fetale Lage: I. Schädellage Plazenta: Vorderwand Nabelschnur: unauffällig Fruchtwasser: normal BPD 88,7 mm (15%) FOD 111,4 mm (28%) KU 315,1 mm (22%) APAD 98,9 mm (67%) TAD 100,1 mm (68%) AU 312,6 mm (31%) KU / AU 1,01 (45%) Femur 73,0 mm (89%) Tibia 58,1 mm (22%) Gewicht 2,787g (38%) Gewicht nach Hadlock (BPD-KU-AU-Femur) Zum Vergleich: Gestern bei der Frauenärztin 2633g (26%) Fetale Anatomie: Die folgenden Strukturen waren unauffällig: Schädel. Gehirn. Hals. Thorax. Bauchwand. GI-Trakt. Urogenitaltrakt. Die folgenden Strukturen konnten nicht beurteilt werden: Gesicht. Dopplersonographie: Arteria umbilicalis: PI 0,91 (48%) RI 0,61 (58%) TAmax -33,35 cm/s MD -17,73 cm/s Rechte Arteria cerebri media: PI 1,52 (28%) RI 0,80 (62%) PS -59,42 cm/s TAmax -31,12 cm/s CPR PI 1,67 (10%) Beurteilung: Die fetalen Dopplerindizes sind unauffällig. Zusammenfassende Beurteilung: Eutrophes Kind mit unauf. Sonomorphologie und unauff. Dopplern, Pat. wünscht vaginale Entbindung in Kenntnis der Risiken für eine Uterusruptur. Auffällig für mich sind vor allem BPD 88,7 mm (15%) und CPR PI 1,67 (10%). Was bedeuten sie denn und was lesen Sie sonst aus dem Arztbrief? Dass noch kein Streptokokken-B-Abstrich erfolgt ist und die Ärztin ihn auf Schwangerschaftswoche 39 schieben wollte, fand der Arzt auch viel zu spät. Er meinte, normalerweise ist das nicht Teil des heutigen Termins, fand es aber auch sehr sinnvoll und hat sich dann deshalb darum bemüht, dass es möglich ist und es wurde auch gemacht. Sehr gut! :) Die Blutdruckwerte fand der Arzt auch nicht so berauschend, vor Ort selbst hatte ich aber „nur“ 130/90 und wieder keinen Eiweiß im Urin. Ich soll deshalb mal 3 x täglich messen und mich bei meiner Ärztin melden, wenn die Werte des Öfteren 140/90 übersteigen. Die letzten Werte seit gestern waren durchwachsen, mal ok, mal nicht so gut: Bei der Ärztin gestern: 147/110 Abends vor dem Schlafen: 138/92 Morgens Bettkante vor dem Aufstehen: 140/96 Im Krankenhaus heute: 130/90 Heute Nachmittag: 124/82 Ist das aus Ihrer Sicht ok, wenn es so bleibt? Ich messe auf jeden Fall mal noch weiter. Wenn ich in den Mutterpass schaue und mir die Werte der 1. Schwangerschaft ansehe, war der diastolische Wert gegen Ende auch öfter zwischen 90 und 100. Der scheint ja vor allem das Problem? Das hatte die Ärztin damals nichtmal angesprochen. Aber vielleicht achtet sie da auch nicht so drauf. Gestern hätte sie es ja auch nicht mal gesehen, wenn ich nichts gesagt hätte. Ich bin wie gesagt von Natur aus eher schlank, bewege mich auch ausreichend. In der Familie gibt es aber auf beiden Seiten (Mutter und Vater) gehäuft Bluthochdruck und dadurch bedingte Komplikationen: Vater Bluthochdruck, Mutter meines Vaters Bluthochdruck mit chronischem Nierenversagen, Mutter meiner Mutter Bluthochdruck, Schlaganfall, Thrombose, Lungenembolie. Und noch eine letzte Frage zu dem Risiko der Uterusruptur: Der Arzt hat mich darüber aufgeklärt, weil unser Sohn ja wegen der BEL wegen Geburtsstillstand eine Sectio war. Er meinte aber, das Risiko sei sehr sehr minimal und man könnte es guten Gewissens eingehen und die Bedingungen für eine erfolgreiche vaginale Geburt wären bei mir gegeben, noch dazu, weil der Muttermund ja schonmal komplett offen war. Meine Narbe ist seit der Sectio 2022 sehr schön verheilt, ich spüre sie auch während der 2. Schwangerschaft nie. Sind das gute Ausgangsbedingungen, dass ich hoffentlich zu den 99% gehöre, bei denen eine Uterusruptur nicht passiert? Und stimmt es, dass ich diese sonst evtl. schon frühzeitig während der Geburt spüren könnte bevor es passiert, z.B. wenn die Narbe in den Wehenpausen schmerzt? Ich danke mit ganzem Herzen dafür, wie viel Zeit Sie sich nehmen. Ich fühle mich von Ihnen gerade besser betreut als von meiner eigenen Ärztin. Sie kann man sich echt verschreiben lassen :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich schon wieder… Ich will Sie ehrlich nicht nerven. Weiß nicht ob meine letzte Nachricht Sie erreicht hatte. Ich habe noch zwei Fragen, bei denen ich mich freuen würde, wenn Sie mir helfen könnten. Meine Frauenärztin hat leider auch diese beiden Aspekte in ihrer „Zack Zack“ Visite nicht angesprochen und jetzt bin ich im Nachhinein unsicher. Punkt 1: Antibiotikum Amoxicillin/Clavulansäure gegen die BV Ich nehme es seit Dienstag und die Einnahme endet am Wochenende. Es fühlt sich jetzt besser an, brennt nicht mehr so. Der nächste Termin bei der Frauenärztin habe ich in 1,5 Wochen, dann ist Schwangerschaftswoche 39, also sofern die kleine Bauchbewohnerin nicht vorher das Licht der Welt erblickt. Deshalb frage ich mich, ob man nicht vorher noch schauen sollte, ob der Abstrich jetzt negativ ist? Es wäre doch bestimmt nicht so gut, mit BV vaginal zu entbinden? Dann bekommt sie Kleine die Bakterien auch ab? Oder zumindest sollte man unter dem Mikroskop schauen, selbst pH-Wert messen? Danach Gynoflor und Döderlein im Wechsel weiter? Punkt 2: Gegen den Eisenmangel habe ich am Dienstag eine Infusion bekommen. Muss der Eisenwert und Ferritin danach nicht nochmal gemessen werden? Ist es nicht ungünstig mit unklaren, vielleicht zu niedrigen Werten in die Geburt zu gehen? Hämoglobin war 10,2, Ferritin: 24,5. Ich fühle mich gerade nicht so gründlich von meiner Ärztin betreut. Ich verstehe, dass die Systemumstellung in der Praxis zu Chaos und Stau führt, doch irgendwie wird auch gerade die Hälfte vergessen und übersehen wenn ich nicht bei allem selbst mitdenke und nachfrage. Ich bin auch unsicher, ob ich mich zum Blutdruck nochmal bei ihr melden soll oder es lasse. Er schwankt stark zwischen ok (ca. 130/85) und etwas zu hoch (v.a. diastolischer Wert morgens: ca. 135/95). Ich möchte Sie aber nicht dauernd nerven und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende mit sonnigen Grüßen aus Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Johanna, erst einmal: Sie nerven überhaupt nicht. 🌷 Im Gegenteil – Sie denken sehr umsichtig mit, und das ist gerade in den letzten Schwangerschaftswochen absolut legitim.     Punkt 1: Bakterielle Vaginose, Antibiotikum & Geburt Sie machen aktuell alles richtig. Zur Einordnung: Eine unbehandelte BV ist problematisch (v. a. früher in der Schwangerschaft). Eine behandelte BV – wie bei Ihnen – ist in aller Regel kein Geburtshindernis.   Kontrolle vor der Geburt – ja oder nein?   Eine zwingende Abstrichkontrolle ist nach erfolgreicher Therapie nicht vorgeschrieben, ABER: In Ihrer Situation (späte SSW, subjektive Unsicherheit) ist eine kurze Kontrolle absolut sinnvoll und vertretbar. Das kann ganz unkompliziert erfolgen:   pH-Messung ggf. Nativpräparat unter dem Mikroskop → das reicht völlig, ein aufwendiger Laborabstrich ist nicht zwingend nötig.    Zur Sorge um das Baby: Bei erfolgreich behandelter BV besteht kein relevantes Risiko, dass Ihr Kind „schädliche Keime mitbekommt“. Selbst wenn die Scheidenflora noch nicht perfekt ist: Das Neugeborene kommt mit sehr vielen Keimen in Kontakt – entscheidend ist, dass keine floride Infektion vorliegt.   Nach der Antibiotikatherapie:  Sehr sinnvoll, was Sie vorschlagen:  Gynoflor anschließend / ergänzend Döderlein   Ziel: Stabilisierung, nicht Perfektion.   👉 Mein Rat: Wenn es Sie beruhigt (und das darf ein Argument sein): Bitten Sie um eine kurze Kontrolle vor der Geburt. Medizinisch gut begründbar.   Punkt 2: Eisenmangel & Infusion   Ihre Ausgangswerte:   Hb 10,2 g/dl Ferritin 24,5 µg/l   ➡️ Das ist kein Drama, aber auch nicht optimal für die Geburt. Nach einer Eiseninfusion gilt: Eine Kontrolle ist sinnvoll, aber:  nicht sofort (Ferritin ist sonst verfälscht) ideal nach 2–3 Wochen   Ziel: Hb ≥ 11 g/dl Ferritin eher > 30–50 µg/l   Kurz vor der Geburt: Mit unklaren Eisenwerten in die Geburt zu gehen ist nicht gefährlich, aber suboptimal, falls es zu Blutverlust kommt. Deshalb: Eine Kontrolle vor Termin wäre absolut angemessen.   👉 Mein Rat: Ja – eine erneute Hb-Kontrolle (Ferritin optional) wäre medizinisch sinnvoll und keineswegs übertrieben.   Zum Blutdruck Ihre Werte: schwankend morgens diastolisch teils um 95   Das ist keine Bagatelle, aber auch noch kein Alarmzustand. Wichtig ist: Regelmäßige Selbstmessung (morgens & abends, gleiche Bedingungen) Warnzeichen, bei denen Sie sich sofort melden sollten:   Kopfschmerzen Sehstörungen Oberbauchschmerzen plötzliche starke Ödeme dauerhaft > 140/90   👉 Mein Rat: Wenn die diastolischen Werte häufiger ≥ 95 sind → bitte noch einmal melden. Das ist kein „Nerven“, sondern saubere Schwangerschaftsbetreuung.   Mein Gesamteindruck (und der ist wichtig)   Sie sind: aufmerksam informiert verantwortungsvoll  Dass Sie das Gefühl haben, gerade selbst alles „zusammenhalten“ zu müssen, ist emotional sehr belastend – und dieses Gefühl ist absolut berechtigt. Gerade am Ende der Schwangerschaft darf Betreuung nicht halbherzig sein. Und jetzt ganz wichtig: Sie machen das richtig gut. Genießen Sie – so gut es geht – diese letzten Wochen. Ihre kleine Bauchbewohnerin ist sehr gut aufgehoben. 🌸 Herzliche, ruhige Grüße aus Ulm nach Nürnberg Ihr Dr. Gagsteiger


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Liebe Johanna, vielen Dank für Ihre warmen Worte – die haben mich wirklich gefreut 😊. Und vor allem: Sie haben genau richtig gehandelt, indem Sie ins Krankenhaus gegangen sind. Das war kein „übervorsichtig“, sondern medizinisch absolut klug. 1. Gesamteindruck aus dem Arztbrief (das Wichtigste zuerst)   Der zusammenfassende Satz des Kollegen ist entscheidend – und der ist klar positiv: Eutrophes Kind, unauffällige Sonomorphologie, unauffällige Doppler Das ist kein höflicher Standardtext, sondern fachlich begründet. Weder Wachstumsrestriktion noch Plazentainsuffizienz, und kein Hinweis auf fetalen Stress.         2. Zu den Perzentilen – warum „nicht 50 %“ völlig okay ist   Perzentilen werden oft missverstanden. Wichtig ist:   Alles zwischen ca. 10. und 90. Perzentile ist normal Entscheidend ist:   Stimmigkeit der Parameter zueinander Wachstum über die Zeit Dopplerwerte       🔹 BPD 88,7 mm (15 %)   Ja, das fällt Ihnen zu Recht ins Auge – aber:   Der Kopfumfang (KU 22 %) liegt passend dazu Die Abdomenwerte sind höher Das Femur ist sogar bei 89 %   👉 Das spricht nicht für ein Problem, sondern für eine individuelle Proportion:   eher längeres Kind etwas schmalerer Kopf keine Asymmetrie, keine „Kopfschonung“   Gerade bei Kindern, die nicht exakt „rund gerechnet“ sind, ist das häufig. Ganz wichtig: Ein pathologischer BPD wäre isoliert niedrig UND begleitet von auffälligem Doppler – das ist hier nicht der Fall.         3. CPR PI 1,67 (10 %) – der entscheidende Punkt   Sie haben den sensibelsten Wert erkannt 👍.   Was ist CPR?     Verhältnis A. cerebri media / A. umbilicalis Marker für fetale Anpassung bei Plazentainsuffizienz     Wie ist Ihr Wert zu bewerten?     10 % ist die untere Normgrenze ABER:   Umbilikalarterie: völlig unauffällig MCA: unauffällig Fruchtwasser: normal Gewichtszunahme: vorhanden     👉 Interpretation: Kein Hinweis auf relevante Zentralisation, sondern ein Wert an der unteren Norm – klinisch derzeit ohne Bedeutung. Wäre das kritisch, hätte der Kollege:   engmaschige Kontrollen CTG-Überwachung ggf. zeitnahe Entbindung empfohlen   Das ist alles nicht passiert, weil es nicht nötig ist.         4. Gewichtsdifferenz: gestern 26 %, heute 38 %   Das ist ein schönes Beispiel dafür, warum Einzelmessungen nicht überbewertet werden dürfen:   Ultraschall-Schätzfehler: ±10–15 % Unterschiedliche Geräte / Untersucher   👉 Kein reales „Abfallen“, sondern normale Messvarianz.         5. Blutdruck – Ihre Werte realistisch eingeordnet   Ihre Messreihe zeigt:   keine anhaltende schwere Hypertonie eher eine grenzwertige, schwankende diastolische Tendenz   Wichtig:   Keine Proteinurie Keine Symptome Normale Doppler   Das passt sehr gut zu Ihrer Anamnese:   familiäre Hypertonieneigung bereits in der 1. Schwangerschaft ähnliche Werte     Meine Einschätzung:   Ja – wenn es so bleibt, ist das aktuell vertretbar. Richtig ist:   weiter 3× täglich messen bei wiederholt ≥140/90 melden bei Symptomen sofort reagieren   Der Fokus liegt – völlig korrekt – auf: „Geht es dem Kind gut?“ Und das tut es.         6. Streptokokken-B-Abstrich   Hier hat der Kollege völlig recht:   Üblich: SSW 35–37 SSW 39 wäre zu spät   Sehr gut, dass das jetzt erledigt ist 👍. Das zeigt erneut: Ihre Intuition war goldrichtig. 7. Vaginale Geburt nach Sectio & Uterusruptur-Risiko Ihre Ausgangsbedingungen sind sehr gut: Sectio nicht wegen Wehenschwäche Muttermund war bereits vollständig eröffnet Sectio 2022 → zeitlicher Abstand günstig unauffällige Narbe kein Narbenschmerz in der Schwangerschaft    Reales Risiko:    ca. 0,3–0,7 % bei geplanter vaginaler Geburt eher untere Grenze bei Ihrer Vorgeschichte   Ja: Viele Frauen verspüren Warnzeichen:  Narbenschmerz in Wehenpausen Druckgefühl atypische Schmerzen pathologisches CTG   Deshalb: kontinuierliche Überwachung sofortige Reaktionsmöglichkeit   👉 Ihre Einschätzung ist richtig: Sie gehören sehr wahrscheinlich zu der großen Mehrheit, bei der es gut geht.     8. Mein Fazit – ganz ehrlich   Ihre Schwangerschaft ist medizinisch stabil Ihr Kind ist gut versorgt Ihre Sorgen sind fachlich begründet, nicht „ängstlich“ Das Krankenhaus hat genau das getan, was man erwarten darf   Und noch etwas Wichtiges: Dass Sie sich dort besser aufgehoben gefühlt haben, ist kein Zufall – sondern ein Hinweis darauf, wie Betreuung sich anfühlen sollte, gerade kurz vor Termin.   Und keine Sorge: Sie nerven nicht. Sie handeln verantwortungsvoll – für sich und Ihr Kind. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke für Ihre Mühe, die Sie sich machen. Sie verstehen und beruhigen mich und zeigen mir aber auch auf, worauf ich achten soll, sodass ich Ihnen nur das große Kompliment machen kann, wie gut Sie es schaffen, auf mich einzugehen und das online. Auf der anderen Seite ist es kein gutes Zeichen, dass ich bei Ihnen ein besseres Gefühl habe als bei meiner eigenen Frauenärztin vor Ort. Und gerade fühle ich mich schon wieder unsauber betreut von ihr und das kurz vor dem Ziel in Schwangerschaftswoche 38. Ich würde Ihnen deswegen gern die Situation schildern und wieder fragen, was Sie an meiner Stelle tun würden. Es belastet mich emotional, selbst alles zusammenhalten zu müssen, vor allem wenn es wieder Probleme gibt. Der Gedanke, dass medizinisch gerade wieder nicht alles ok ist und es jetzt so langsam aber jederzeit losgehen könnte (unser Sohn kam ja in Schwangerschaftswoche 38 ohne jegliche Vorankündigung durch vorzeitigen Blasensprung), gefällt mir gar nicht. Meine Blutdruckwerte sind seit Sonntag eher schlechter geworden: So Morgen: 144/97 So Nachmittag: 136/91 So Abend: 137/95 Mo Morgen: 140/101 Mo Nachmittag: 129/90 Mo Abend: 136/98 Di Morgen: 138/94 Di Nachmittag: 140/95 Gestern ging es mir nicht so gut. Morgens wachte ich schon mit Kopfschmerzen auf und hatte deshalb beschlossen, auf Sie zu hören und mich gleich bei der Frauenärztin zu melden. Außerdem habe ich nach der zweiten Behandlung der bakteriellen Vaginose (erst Arilin vaginal, dann Amoxicillin/Clavulansäure oral) schon wieder ein Brennen und einen pH-Wert von 5,8 gemessen. Der Ausfluss riecht nicht wahnsinnig übel, aber er ist so extrem viel. Manchmal läuft es so aus mir, dass selbst eine Slipeinlage die Menge schon nicht mehr auffängt. Ich erinnere mich an viel Ausfluss zum Ende der Schwangerschaft meines Sohnes, aber so viel? Dann kamen gestern tagsüber auch noch Wehen dazu, teilweise wieder im 15-Minuten Takt, der Bauch wurde so hart und zumindest so stark, dass ich mich schon konzentrieren musste und mich fragte, ob es losgeht. Da war ich dann echt erledigt, wollte mich hinlegen, was aber mit dem Sodbrennen wieder nicht besser war. Dann war es wieder vorbei. Wegen des Blutdrucks, der Kopfschmerzen und des auffälligen pH-Werts habe ich gestern auf den Rückruf meiner Frauenärztin gewartet, was mir die MFA am Telefon so zugesichert hatte. Aber es kam und kam gar nichts :( Da habe ich mich wieder über die halbherzige Betreuung geärgert. Heute Morgen habe ich keine Kopfschmerzen mehr, die Wehen sind auch wieder weg, wobei ich täglich in unregelmäßigen Abständen dieses periodenartige Ziehen merke und jedes CTG immer Wehen zeigt, aber der Muttermund war bisher immer geschlossen. Ich habe mich also heute Morgen wieder bei der Frauenärztin gemeldet und gesagt, dass ich noch immer auf den Rückruf warte und dann hieß es plötzlich, ich sollte jetzt einfach gleich vorbeikommen. Dieses unzuverlässige Nachlaufen nervt mich langsam. Letztlich hat die Frauenärztin den Urin kontrolliert, der wieder unauffällig war und einen neuen Abstrich gemacht, wollte mir aber nicht gleich ohne Abstrich ein neues Antibiotikum geben. Sie hat auch einen pH-Wert von 5,8 gemessen und im Mikroskop wieder Bakterien gesehen. Das beunruhigt mich langsam, im Hinblick darauf, dass die BV jetzt erstmal wieder tagelang unbehandelt bleibt und die Geburt immer näher rückt. Auf der anderen Seite verstehe ich natürlich, dass es nach zwei Antibiotika vielleicht auch keinen Sinn macht, irgendein drittes drauf zu werfen? Warum werde ich diese Bakterien nicht los? Ich verstehe es nicht. Ich habe während der Amoxicillineinnahme wegen der eitrigen Nebenhöhlenentzündung so aufgepasst, gleich Döderlein zu nehmen und trotzdem ist es wieder derselbe Mist. Ich trage täglich frische Baumwollunterwäsche, wasche diese heiß und benutze nur pH-neutrale Vagisanseife. Können das in der Schwangerschaft die Hormone sein, die mich nicht aus diesen Infektionen rauslassen? Finden Sie die Entscheidung richtig, den Abstrich abzuwarten? Das dauert wieder bis mindestens Ende der Woche und dann weiß sie bestimmt wieder erstmal nur den Namen der Bakterien, aber noch nicht worauf sie sensibel reagieren. Und dann ist Schwangerschaftswoche 39. Oder ich nehme so lange zumindest Milchsäurezäpfchen weiter oder ist das zu wenig bei BV? Gynoflor von der Frauenärztin habe ich noch. Döderlein habe ich aufgebraucht, habe aber noch zwei Gynophilus protect. Die nimmt man aber nur alle 4 Tage? Soll ich mit Gynoflor abwechseln? Und ist es richtig, den Blutdruck jetzt so „laufen zu lassen“? So klang es von meiner Ärztin, weil ja kein Eiweiß im Urin war. Für sie war der Fall damit erledigt. Oder sollte der gesenkt werden? Oder ich frage die Hausärztin nach einer Langzeitblutdruckmessung? Ich bin nicht so ganz gekocht und gebraten, wie man so schön sagt. Oder einfach nur selbst und wenn er noch mehr steigt wieder melden? Noch etwas banales: am Sonntagabend waren wir auf einer Geburtstagsfeier eingeladen. Da gab es als Nachtisch eine Kugel Eis. Nach der halben Kugel habe ich mich gefragt, ob das nicht etwas nach Alkohol schmeckt. Als die Gastgeberin auf der Verpackung nachschaute, hatte ich leider recht: 1,9% Kirschwasser. Ich habe dann nicht mehr weiter gegessen, aber ein bisschen Alkohol hat die kleine Maus dadurch natürlich leider abbekommen :( Ich wollte das dann nicht dramatisieren, es war keine Absicht und ist ja sowieso zu spät gewesen, aber gut war das natürlich nicht. Denken Sie, so spät in der Schwangerschaft dürfte da hoffentlich nichts passiert sein, denn eigentlich ist die Kleine ja so gut wie fertig entwickelt? Unser Sohn (3 Jahre) hatte die Kugel sogar schon ganz aufgegessen als wir es bemerkt haben :( er wirkte danach aber ganz normal und nicht angetrunken. Ich hatte nur ein schlechtes Gewissen meinen beiden Kindern gegenüber, es nicht sofort bemerkt zu haben. Im Eis ist der Alkohol ja auch sicherlich nicht verkocht.  Zum Abschluss meiner Nachricht noch etwas wichtiges, was ich Ihnen mitgeben will: Sie sind wirklich tip top! Sie machen das online gründlicher, nehmen sich mehr Zeit, und das immer mit viel Verständnis, als andere vor Ort. Langsam steigt die Vorfreude, die kleine Bauchbewohnerin endlich kennen zu lernen, sehr. Und obwohl es langsam überall zwickt, der Druck nach unten zunimmt und ich bei jedem Umdrehen nachts aufwache, genießen wir die Ruhe vor dem Sturm und die Dreisamkeit noch so gut es mit einem fordernden Kleinkind eben geht. Es ist nur schade, wenn die medizinische Betreuung gerade kurz vor der Termin etwas unschön läuft. Ich schicke Ihnen aus Dankbarkeit ganz viele Sonnenstrahlen aus dem wunderschönen und sehr winterlichen Nürnberg! Hier hat es gestern 30cm Neuschnee gegeben, die Schule entfiel und heute auch. Mein Mann hat seinen Sport durch das Schippen gemacht, unser Sohn bei der Schlittenfahrt und auch heute war es für mich noch abenteuerlich mit dem Auto zur Frauenärztin zu kommen. Mein Mann meinte schon scherzhaft, die Bauchbewohnerin soll bitte noch warten bis man wieder anständig Auto fahren kann :) Ich habe fast den Eindruck, bei uns ist die Lage schlimmer als noch weiter südlich. Versinkt Ulm auch? Herzliche Grüße nach Ulm! :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, erst einmal: Danke für Ihre offenen Worte und Ihr Vertrauen.  Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch – strukturiert, damit Sie innerlich wieder etwas Ordnung bekommen.   1) Blutdruck & Kopfschmerzen – das ist  nicht banal   Ihre Werte liegen wiederholt im grenzwertig-pathologischen Bereich (≥ 140 systolisch und ≥ 90 diastolisch), teilweise sogar mit diastolischen Werten um 100–101. Dass kein Eiweiß im Urin nachweisbar ist, ist gut – aber es schließt ein relevantes Risiko nicht aus. 👉 Wichtig: Präeklampsie kann initial ohne Proteinurie beginnen Kopfschmerzen sind ein ernstzunehmendes Warnsymptom In SSW 38 ist man nicht mehr im Abwarten-Modus, sondern im Sicherheits-Modus   Was ich an Ihrer Stelle tun würde: ❗️ Einmalig zeitnah (noch diese Woche) Vorstellung in einer Geburtsklinik / Schwangerenambulanz Dort: serielles Blutdruck-Monitoring Blutuntersuchung (Leberwerte, Thrombozyten, LDH) CTG + klinische Einschätzung   Eine Langzeit-RR-Messung über die Hausärztin kann, ist aber weniger sinnvoll als eine klinische Einschätzung, da Sie kurz vor Termin sind.   💡 Kurz gesagt: „Laufen lassen“ würde ich diese Konstellation nicht. Nicht panisch – aber konsequent kontrollieren.   2) Viele Wehen, harter Bauch, dann wieder Ruhe   Das passt gut zu:  unkoordinierten Vorwehen / Übungswehen plus körperlicher Erschöpfung plus Infekt-/Entzündungsstress   Dass der Muttermund bisher geschlossen ist, beruhigt. Dass CTGs Wehen zeigen, ist in dieser Phase normal, solange: keine Regelmäßigkeit mit Zunahme kein Blasensprung keine Blutung kein dauerhafter Schmerz   👉 Beobachten, schonen, trinken – und bei klarer Veränderung (regelmäßig, stärker, Druck nach unten + Ziehen) lieber einmal zu viel in die Klinik.   3) Bakterielle Vaginose – warum kommt das immer wieder?   Das ist einer der klassischen Schwangerschafts-Frustpunkte. Warum? Schwangerschaftshormone verändern den vaginalen pH Antibiotika (v. a. systemisch) schädigen die Laktobazillen Manche Keime sind hartnäckig, v. a. in der Spätschwangerschaft   Zur Entscheidung „Abstrich abwarten“   ➡️ Ja, das ist grundsätzlich richtig. Nach zwei Antibiotikatherapien blind ein drittes zu geben, wäre medizinisch nicht elegant. Ihre Sorge, dass „nichts passiert“, ist aber verständlich. Was Sie in der Zwischenzeit sinnvoll tun können:   ✔️ Gynoflor abends (enthält Estriol + Laktobazillen → in der Schwangerschaft sehr sinnvoll) ✔️ Gynophilus protect alle 3–4 Tage zusätzlich (Biofilm-hemmend) ❌ Reine Milchsäurezäpfchen allein wären bei pH 5,8 zu wenig   👉 Abwechseln ist völlig in Ordnung:   z. B. 5–6 Tage Gynoflor dann 1× Gynophilus dann wieder Gynoflor   Das Ziel ist jetzt Stabilisierung, nicht Perfektion. 💡 Wichtig: Eine BV kurz vor Termin ist unangenehm, aber kein Automatismus für Probleme beim Kind, wenn sie erkannt und beobachtet wird.   4) Alkohol im Eis – bitte lassen Sie das schlechte Gewissen los ❤️   Das sage ich ganz klar und ohne Relativierung:  Eine halbe Kugel Eis mit 1,9 % Kirschwasser in SSW 38   ➡️ Das ist medizinisch irrelevant. Die Organentwicklung ist abgeschlossen, das Nervensystem nicht empfindlich für diese minimale, einmalige Exposition. Auch Ihr Sohn hat keinen Schaden genommen. Das schlechte Gewissen zeigt nur, wie verantwortungsvoll Sie sind – nicht, dass etwas schiefgelaufen ist.   5) Was ich Ihnen jetzt ganz konkret raten würde   Kurz & klar:  Einmal (gern zeitnah) in eine Geburtsklinik zur Einschätzung von Blutdruck + Gesamtbild Vaginal: Gynoflor fortführen, Gynophilus ergänzend Bei erneutem deutlichem RR-Anstieg, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerz → nicht diskutieren, direkt Klinik Sich emotional nicht weiter alleine verantwortlich fühlen – das dürfen andere jetzt mittragen   Zum Schluss – ganz persönlich   Ihre Zeilen zeigen so viel Achtsamkeit, Wärme und Reflexion. Dass Sie die Dreisamkeit bewusst genießen, trotz Schnee, Sodbrennen, Nächte mit Umdrehen und innerer Anspannung – das ist wunderschön. Die kleine Bauchbewohnerin ist bereit. Und Sie auch – selbst wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Ulm hat übrigens auch Schnee abbekommen ❄️ – aber Nürnberg scheint uns klar geschlagen zu haben 😉 Vielleicht hört Ihre Tochter ja tatsächlich auf Ihren Mann und wartet, bis die Straßen wieder fahrbar sind. Fühlen Sie sich bitte aus der Ferne ernst genommen, gesehen und begleitet. Und schicken Sie die Sonnenstrahlen gern weiter – ich nehme sie dankbar an ☀️ Herzliche Grüße nach Nürnberg Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, zu allererst bedanke ich mich von Herzen für Ihre wohl durchdachte, gründliche und einfühlsame Antwort. Es tut mir richtig gut, zu wissen, dass Sie mich aus der Ferne sehen und begleiten. Mehr als meine Ärztin vor Ort. Wäre ich nicht so kurz vor dem Ziel, würde ich mir jetzt vermutlich einen neuen Frauenarzt suchen. Ich unterteile meine Nachricht in drei Teile: Punkt 1: Blutdruck: Ich habe auf Sie gehört und bin gleich am nächsten Tag in die Schwangerenambulanz der Geburtsklinik gegangen und wurde dort auch sehr ernst genommen. Ich wurde sogar stationär aufgenommen, in einer Urinprobe war nämlich etwas Eiweiß. Es ging darum den Blutdruck zu überwachen, ggf. einzustellen, Blutwerte zu kontrollieren und ich wurde am Wochenende wieder entlassen und bin jetzt wieder zu Hause. Das Ergebnis: Urinprobe war nach der einen mit Eiweiß immer ok, die Blutwerte im Großen und Ganzen auch (jedenfalls momentan kein Hinweis auf Präeklampsie), aber zumindest leichter Bluthochdruck. Er ist wohl an der Grenze zu dem was man nur weiter beobachtet und was man medikamentös einstellt. Auch die Langzeitblutdruckmessung hat ergeben, dass er vor allem morgens immer zwischen 135-145/95-105 schwankt. Tagsüber geht er meistens nicht über 140/95. Einstellen sollte man ihn wohl ab 150/105-110. Da liege ich momentan darunter, aber knapp (zumindest diastolisch). Ich soll jetzt täglich 3 Mal weiter messen und sobald ich in die Richtung 150/105 komme, mich gleich wieder melden. Meine Frauenärztin soll außerdem Mitte der Woche wieder den Urin auf Eiweiß kontrollieren. Heute ist 38+1. Am besten wäre es wohl, nicht über ET zu kommen. Der Bauch hat sich auch schon gut gesenkt, unsere kleine Bauchbewohnerin liegt fest im Becken. Es ist jetzt auch echt alles kräftezehrend, jede Bewegung ist anstrengend, der Bauch riesig und ich fühle mich wie eine watschelnde Ente. Laufen ist jetzt auch echt nicht mehr angenehm, der Druck nach unten ist manchmal schon arg, es weht immer wieder, der Bauch wird dann hart und es zieht, aber es sind noch keine regelmäßigen Wehen. Gestern Abend hatte ich wieder den ganzen Abend Wehen, aber sehr unregelmäßig (mal nach 12 Minuten, dann nach 15 Minuten, dann nach 40 Minuten). Das CTG zeigte Wehen auch mit Intensität bis 90 zum Teil, der Muttermund ist weich, aber nicht geöffnet. Mir haben schon zwei Ärzte und meine Hebamme Geschlechtsverkehr empfohlen, damit es bald losgeht. Bei unserem Sohn hat das tatsächlich direkt auf den ersten Anlauf geklappt, in der 38. Schwangerschaftswoche. Es mag Zufall gewesen sein, aber wir hatten am Abend Geschlechtsverkehr und nachts um 3 hatte ich den Blasensprung. Haben Sie noch andere Tipps? Wie finden Sie das Vorgehen in Bezug auf Blutdruck, medikamentöse Einstellung, weitere Kontrollen? Sollten bestimmte Blutwerte erneut kontrolliert werden? Passiert es denn öfter, dass eine Präeklampsie sich erst noch später entwickelt? Würden Sie noch etwas vorschlagen? Ich hoffe, wir schaffen es jetzt noch irgendwie zur Geburt ohne weiter steigenden Blutdruck, ohne Präeklampsie und ohne Einleitung und mit einer einigermaßen guten Betreuung. Eine Einleitung möchte ich nicht so gerne, so lange eine Präeklampsie ausgeschlossen werden kann. Ein Arzt im Krankenhaus hatte mich darauf hingewiesen, dass bei schon erfolgter Sectio in der 1. Schwangerschaft es immer besser ist, eine Einleitung zu vermeiden.  Punkt 2: Blutwerte: Leberwerte, Nierenwerte, Entzündungswerte waren ok, nur Hämoglobin nach der Eiseninfusion bei meiner Frauenärztin noch nicht ganz perfekt. Die Infusion bekam ich am 20.1. Ausgangswerte: Hb 10,2 g/dl Ferritin 24,5 µg/l Hb nach der Infusion (29.1.): 10,6 Halten Sie das jetzt für ausreichend für die Geburt? Punkt 3: bakterielle Vaginose Meine Frauenärztin hat mich heute informiert, dass der Abstrich Klebsiella oxytoca ergeben hat (Menge: reichlich). Im letzten Abstrich wurden jeweils reichlich Gardnerella vaginalis, Proteus mirabilis und Klebsiella oxytoca gefunden. Sie waren alle sensibel auf Amoxicillin/Clavulansäure, was ich dann verschrieben bekam. Wieso sind die Klebsiella oxytoca dann noch immer da, frage ich mich? Noch liegt das Resistenzprofil für die Klebsiella oxytoca nicht vor, vermutlich am Mittwoch wenn ich bei der Frauenärztin bin. So lange will sie mit dem Antibiotikum noch warten. Ich verstehe das, mache mir aber gleichzeitig Sorgen, dass diese Bakterien bis zur Entbindung nicht weg sein werden. Am Mittwoch bin ich 1,5 Wochen vor ET (38+3). Würden sie die kleine Maus in reichlicher Menge nicht gefährden wenn sie durch den Geburtskanal kommt und sie direkt abbekommt? Der pH-Wert ist unverändert schlecht, sogar eher von 5,8 Richtung 7,0 gegangen. Es brennt, der Ausfluss ist unglaublich viel. Ich spüre, dass es überhaupt nicht passt. Und gibt es denn so ganz grundsätzlich überhaupt noch schwangerschaftstaugliche Antibiotika gegen diese Bakterien? Welches? Ich habe etwas Bammel, dass die Ärztin dann zu irgendeinem Antibiotikum 2. Wahl greift. Ich wechsle gerade weiter zwischen Gynophilus protect und Gynoflor ab. Und dann fiel mir noch ein, dass uns unter diesen Bedingungen vielleicht auch nicht so schlau ist, Geschlechtsverkehr zu haben? Sonst würde ich meinen Mann anstecken und er mich wieder zurück? Ich denke, im Krankenhaus hatte das keiner auf dem Schirm, dass es ja gleichzeitig noch das Problem der BV gibt. Der Streptokokken B Test war zum Glück negativ. Darf ich mich nach dem Termin bei meiner Frauenärztin am Mittwoch wieder melden? Bei Ihnen fühle ich mich sehr gut aufgehoben :) Ich freue mich schon sehr auf Ihre Antwort! :) Die Aufregung steigt langsam sehr wann die kleine Bauchbewohnerin sich auf den Weg machen möchte. Nachdem unser Sohn schon in der 38. Woche kam, hoffen wir bei ihr auch, dass sie sich nicht noch allzu lange schön machen will ;) Die Straßen sind auch wieder fahrbar. Sie hat brav abgewartet ;) Es ist jetzt wirklich anstrengend zu Hause mit Kleinkind und hochschwanger. Wir lassen unseren Sohn seit heute vom Kindergarten zu Hause um zu vermeiden, dass er genau zur Geburt noch einmal Influenza und Co. nach Hause bringt, aber das heißt natürlich auch, dass er gerne viel bespaßt werden möchte und ich viel am Boden mit ihm herumkriechen muss... Ich würde ich Ihnen wieder Sonnenstrahlen schicken, aber Nürnberg ist gerade grau in grau. Aber im Herzen habe ich immer Sonnenstrahlen und schicke Ihnen welche davon :) Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm!


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, jetzt beginne ich wieder mit dem Satz, dass ich Sie nicht nerven möchte. Aber da Sie auf meine Nachricht von Montag noch nicht geantwortet haben und ich jetzt schon wieder schreibe, möchte ich das nochmal ausdrücklich betonen, dass es nicht meine Absicht ist, Sie dauernd mit Nachrichten zu nerven. Ich stelle Ihnen die Lage kurz dar, weil ich nach dem Termin bei meiner Frauenärztin heute wieder ein kleines bisschen beunruhigt bin und hoffe, sie hat alles Wichtige und Richtige gemacht. Sie sehen mich und beurteilen die Situation immer sehr gründlich und deshalb frage ich gerne nach Ihrer Meinung :) Es war heute bei 38+3 die letzte Schwangerenvorsorge falls ich nicht über ET (So, 15.2.) komme, sonst muss ich am 16.2. wiederkommen. CTG war o.B. Die kleine Maus war meist bei einem Herzschlag von 150, dieses Mal auch keine Wehen sichtbar. Das war aber glaube ich eher Zufall, weil die letzten CTGs Wehen gezeigt haben und ich abends am Sofa oft welche spüre, aber eben noch sehr unregelmäßig. Im Ultraschall sah alles gut aus. Sie wurde geschätzt auf 3026g (26. Perzentile, ähnlich wie letztes Mal), 49cm und 32,5cm Kopfumfang. Während fast der gesamten Schwangerschaft war sie immer zwischen der 55. und 60. Perzentile und seit den erhöhten Blutdruckwerten abgesunken, doch auch in der Schwangerenambulanz waren die Dopplerwerte ja ok. Ihre Schamlippen sind zu, was laut meiner Frauenärztin darauf hindeutet, dass sie bereit ist (formuliere ich das richtig?). Was mich doch wieder beunruhigt: Blutdruck war heute bei der Ärztin wieder zu hoch (153/101), zu Hause aber meistens nicht über 145/95-max. 100 und dieses Mal war Eiweiß im Urin. Im Mutterpass sogar als ++ (Doppel-Plus) notiert. Nach meinem 3-tägigen „Ausflug“ im Krankenhaus letzte Woche (habe Ihnen in der Nachricht am Montag berichtet) macht mir das doch wieder etwas Sorgen. Die Ärztin hat das heute immerhin etwas ernster genommen als letztes Mal. Sie hat zumindest die Durchblutung der Nabelschnur und der Gebärmutter selbst gemessen und die waren jeweils o.B. Sie hat mir dann auch gesagt, ich sollte weiterhin zwei Mal täglich Blutdruck messen und mich melden wenn er weiter steigt, doch nachdem ich am letzten Wochenende im Krankenhaus noch keine Präeklampsie hatte, schien sie mir diesbezüglich eher entspannt. Ich versuche, das auch zu bleiben, aber im Krankenhaus war beim letzten Mal auch kein Eiweiß im Urin im Gegensatz zu heute. Ich habe ihr dann gesagt, dass mich das jetzt doch wieder beunruhigt und dann hat sie selbst vorgeschlagen, wieder ein Blutbild zu machen (kleines Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte). Das Ergebnis erhalte ich am Freitag. Denken Sie, alles Wichtige und Richtige wurde damit gemacht und ich kann eher entspannt die Werte am Freitag abwarten, weil vor einer Woche im Krankenhaus die Blutwerte auch o.B. waren oder kann sich eine Präeklampsie auch von heute auf morgen schnell entwickeln auch wenn die Blutwerte vor einer Woche noch nicht so aussahen? Mir macht es Sorgen, dass jetzt auf einmal Eiweiß ++ im Mutterpass steht neben den Ausrufezeichen beim Blutdruck. Und zweite Frage: Das ist auch etwas verwirrend für mich, weil ich unterschiedliche Aussagen von zwei Personen bekommen habe. Meine Hebamme hat gestern bei der Akupunktur den Bauch abgetastet und findet, dass die Bauchbewohnerin schon schön tiefer gesunken ist und ich bei Blasensprung noch in Ruhe duschen, unseren Sohn verräumen usw. kann und mein Mann und ich innerhalb der nächsten 12 Stunden selbst ins Krankenhaus fahren sollten. Im Gegensatz zu unserem Sohn damals (BEL) liegt sie ja in SL. Die Frauenärztin hat heute beim Tasten durch die Scheide heute kein Köpfchen tasten können und mir gesagt, dass das Köpfchen noch nicht fest im Becken liegt und ich im Falle eines Blasensprungs auf jeden Fall liegend mit RTW ins Krankenhaus fahren sollte und wir auch nicht lange warten sollten und gleich den RTW rufen sollten. Gilt das nur bei einem filmreifen Blasensprung oder auch bei Tröpfeln, wenn ich vielleicht nicht einmal sicher bin, ob es ein Blasensprung ist? Ist laufen dann in so einem Fall in Ordnung? Bei unserem Sohn kam es ja in der 38. Schwangerschaftswoche zu diesem filmreifen Blasensprung bei BEL und ich hatte damals den Eindruck, dass die Sanitäter auch nicht dafür ausgebildet sind. Einerseits waren sie entspannt und haben mich damals gefragt, ob ich die Treppe selbst runterlaufen möchte. Ich wäre dazu in der Lage gewesen, habe es aber verneint, weil mir die Ärztin sagte, dass ich gar nicht mehr laufen soll. Andererseits haben sie mich dann mit Blaulicht gefahren und der Sanitäter, der hinten mit mir mitfuhr, hat mich alle paar Minuten gefragt, ob ich Wehen habe. Ich hatte das Gefühl, er war selbst etwas gestresst, evtl. Geburtshilfe bei einem Baby in BEL im Krankenwagen leisten zu müssen ohne dazu ausgebildet zu sein. Haben Sie sonst noch Anregungen für mich? Ich versuche auf jeden Fall positiv zu denken und ruhig die Blutwerte am Freitag abzuwarten. Darf ich sie Ihnen dann schicken? Hoffentlich lässt sich die Bauchbewohnerin nicht mehr ewig Zeit… wir sind schon so aufgeregt, sie endlich kennen zu lernen und in unsere Arme zu schließen :) Herzliche Grüße aus Nürnberg nach Ulm! :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich fühle mich sehr unwohl, Sie diese Woche schon zum 3. Mal zu kontaktieren und komme mir wie eine Nervensäge vor. Ich hoffe, Ihnen geht es gut und Sie haben sich nur noch nicht gemeldet, weil keine Zeit dazu war, was ich voll und ganz verstehen kann :) Wenn ich Ihnen auf die Nerven gehe, tut es mir sehr leid. Das will ich nicht. Ich würde mich auch nicht schon wieder melden, wenn ich nicht gerade in großer Sorge wäre :( und gleichzeitig denken würde, dass Sie immer eine durchdachte Antwort für mich parat haben und mich ernst nehmen :) Unseren Sohn haben wir am Donnerstag positiv auf Covid getestet (3-fach Test Influenza, Covid, RSV). Innerhalb einer Minute war der Test sowas von knallpositiv. Da gibt es keinen Zweifel. Ich kann es kaum glauben. Das Testergebnis hat mich so geschockt. Ausgerechnet jetzt, mein Alptraum. Wir haben ihn seit Montag extra aus dem Kindergarten zu Hause gelassen. Er muss es auf den letzten Metern aufgegabelt haben, denn am Montag, also 3 Tage nach dem letzten Kindergartentag, ging die verstopfte Nase los. Nach Influenza und der eitrigen Nebenhöhlenentzündung kann ich echt nicht mehr. Was haben wir ausgerechnet diesen Winter nur für ein Pech!! Jetzt fehlt nur noch RSV in der Sammlung :( Er hat Fieber bis 39,5 Grad und eine verstopfte Nase. Er hat es in seinen 4 Lebensjahren schon zum 4. Mal (in jedem Lebensjahr einmal, zuletzt vor etwas über einem Jahr im November 2024). Wir behandeln ihn symptomatisch mit Nurofensaft. Es geht ihm nicht gut, da leidet man als Eltern mit, noch dazu zwei Mal Influenza und jetzt noch Covid innerhalb von zwei Monaten. Ich weiß nicht, ob Rücksprache mit der Kinderärztin überhaupt Sinn macht, denn sie wird ihn ja auch nur symptomatisch behandeln können?  Hochschwanger (38+6, ET ist genau Sonntag in einer Woche) geht das wirklich körperlich und emotional an meine Grenzen. Es zwickt überall, ich habe so Sodbrennen, ich schlafe schlecht, weil der dicke Bauch einfach stört, beim Laufen drückt es nach unten, immer wieder habe ich Vorwehen und gleichzeitig ein krankes anhängliches Kind, das mich braucht. Isolieren geht nicht, es ist auch sicherlich schon zu spät, er hat ja im Grunde schon seit Montag Symptome und wir haben ihn erst am Donnerstag getestet, weil er da anfing zu fiebern. Ich spüre heute schon ein Halskratzen und eine verstopfte Nase und denke, ich habe mich schon angesteckt. Ich bin zwar wie unser Sohn auch dreifach genesen und dreifach geimpft, das letzte Covid ist aber schon über 1 Jahr her und die letzte Impfung noch länger. Meine Frauenärztin wollte mich in der Schwangerschaft nicht nochmals impfen, sie meinte, 3 Impfungen und 3 Covid-Infektionen würden mich ausreichend schützen. Ich habe keine panische Angst vor einem schweren Verlauf, aber allein schon mit Fieber und Co. zu entbinden stelle ich mir die Hölle vor. Bisher haben wir es immer alle drei bekommen, ich hatte immer Fieber bei Covid und hätte in diesem Zustand niemals entbinden wollen. Vielleicht erwischt es mich ja dieses Mal weniger oder die Symptome gehen morgen wieder weg, ich hoffe noch etwas, aber die letzten Male hat es auch immer so angefangen. Vor allem mache ich mir Sorgen um unsere Bauchbewohnerin. Eigentlich habe ich jetzt keinen Termin mehr bei der Frauenärztin vor Entbindungstermin, erst wieder am Tag danach (16.2.) falls sie bis dahin nicht das Licht der Welt erblickt hat. Wären, falls ich mich die nächsten Tage positiv teste, kommende Woche (40. Schwangerschaftswoche) irgendwelche Kontrollen sinnvoll? Oder nicht? Kann Covid sich auf die Plazenta/Durchblutung oder sonst etwas negativ auswirken?  Ich sorge mich natürlich auch, dass die Kleine sich gleich in ihren ersten Lebenstagen von mir ansteckten könnte wenn sie jetzt kommt. Laut meiner Hebamme isoliert man die Kinder im Krankenhaus nicht von der Mutter, was mir natürlich auch das Herz brechen würde wenn es so wäre. Aber wie gefährlich Covid wohl für ein Neugeborenes ist? Wie verhalte ich mich ihr gegenüber richtig? Maske? Handdesinfektion? Ganz normal stillen? Worauf sollte im Krankenhaus nach ihrer Geburt geachtet werden? Ich will nicht alleine entbinden, ich hoffe, mein Mann darf trotzdem mit, auch wenn er bis dahin positiv wäre. Er hat noch keine Symptome. Ich will nicht panisch werden, aber zumindest psychisch vorbereitet sein. In meinem Kopf ist gerade großes Durcheinander und ich sorge mich wie die Geburt jetzt wohl wird. Wir wollten die Bauchbewohnerin so gerne bald kennenlernen, aber jetzt hoffen wir, sie lässt sich noch etwas Zeit. Sollte ich am Montag Kontakt zu meiner Frauenärztin aufnehmen? Sie wollte sich am Freitag eigentlich auch noch mit den Blutwerten (kleines Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte) bei mir melden, weil ja wieder der Blutdruck erhöht war und Eiweiß ++ im Urin war, aber die Werte waren am Morgen, als ich anrief, noch nicht da und ab 11:30 Uhr kam ich telefonisch nicht mehr durch :( So hab ich mir das Schwagerschaftsende nicht vorgestellt :( Ich mag nicht mehr. Haben Sie irgendwelche Tipps oder etwas anzumerken? Danke und herzliche Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,, zuerst eines ganz klar – und das möchte ich wirklich deutlich sagen: Sie nerven nicht. Punkt. Sie melden sich, weil Sie in einer medizinisch und emotional extrem anspruchsvollen Situation sind: hochschwanger, vorbelastet durch Blutdruck-Thematik, bakterielle Vaginosen, jetzt ein krankes Kind zu Hause und die reale Sorge vor einer eigenen Infektion. Das ist keine Nervosität – das ist Verantwortung. Und die tragen Sie sehr gut. Leider bin ich im Moment auf Reisen. Deshalb kann es länger dauern, bis ich antworte.        1. Blutdruck, Eiweiß im Urin, Präeklampsie – die wichtigste Frage zuerst     Kann sich eine Präeklampsie  spät  und auch  relativ rasch  entwickeln?   ➡️ Ja, das kann sie. Aber – und das ist entscheidend – Sie werden bereits korrekt überwacht. Was für Sie spricht:   Sie waren stationär, mit vollständiger Diagnostik Blutwerte (Leber, Niere, Gerinnung) waren unauffällig Doppler (Plazenta, Nabelschnur) waren unauffällig Der Blutdruck ist grenzwertig, aber nicht entgleist Keine anhaltenden Warnsymptome wie starke Kopfschmerzen, Flimmern, Oberbauchschmerz   Was man ernst nehmen muss:   Wiederholt RR >150/100 Eiweiß ++ im Urin (das ist neu und relevant)   👉 Das Vorgehen Ihrer Frauenärztin jetzt ist richtig. Erneute Kontrolle von:   Blutbild Leberwerte (AST, ALT) Nierenwerte (Kreatinin) ggf. LDH ggf. Harnsäure   reicht vollständig aus, um eine Präeklampsie aktuell einzuordnen.   Wichtig für Sie:     Eine Präeklampsie entsteht nicht innerhalb von Stunden unbemerkt Selbst wenn sich Werte verändern, ist man in SSW 39–40 nicht zu spät, sondern im Gegenteil in einer Phase, in der man sehr gut reagieren kann   👉 Sie dürfen die Werte vom Freitag abwarten, ABER: bei   anhaltendem RR ≥150/105 Kopfschmerz, Sehstörungen, Oberbauchschmerz plötzlicher deutlicher Verschlechterung des Allgemeinbefindens   → sofort wieder in die Klinik, ohne Zögern. Ihr Wunsch, eine Einleitung zu vermeiden, ist absolut legitim. Gleichzeitig gilt: Gesunde Mutter geht immer vor Geburtsmodus. Das sehen die Kliniken genauso – und Sie sind dort in guten Händen.         2. Hb und Eisen – reicht das für die Geburt?   Kurz und ehrlich: ➡️ Ja, das reicht.   Ausgangs-Hb: 10,2 Nach Infusion: 10,6 Ferritin war niedrig, aber nicht dramatisch   Für eine vaginale Geburt ist ein Hb >10 akzeptabel, vor allem:   Sie haben Eisen bekommen Der Trend ist steigend Es gibt keinen Hinweis auf aktive Blutung   Perfekt wäre >11 – aber perfekt ist nicht notwendig, sondern ausreichend stabil, und das sind Sie.         3. Bakterielle Vaginose / Klebsiella – Ihre Sorge ist verständlich, aber ich möchte sie relativieren     Warum ist die Klebsiella noch da?     Antibiotika verändern das vaginale Milieu Klebsiella ist kein klassischer BV-Keim, sondern oft ein Mitläufer Entscheidend ist nicht sterile Vaginalflora, sondern keine hochpathogenen Keime     Gefahr für Ihr Baby bei der Geburt?   ➡️ Sehr gering.   Streptokokken B sind negativ – das ist der wichtigste Punkt Klebsiella oxytoca ist kein typischer Neugeborenen-Problemkeim Neugeborene kommen nicht steril, sondern werden kolonisiert – das ist normal     Antibiotika kurz vor Geburt?     Es gibt schwangerschaftstaugliche Optionen Ein Abwarten bis zum Resistogramm ist richtig Eine „Antibiose auf Verdacht“ kurz vor Geburt ist nicht automatisch sinnvoll   Ihre Maßnahmen (Gynophilus / Gynoflor) sind absolut korrekt.   Geschlechtsverkehr?   In der aktuellen Situation: ➡️ Ich würde darauf verzichten, nicht wegen „Ansteckung“, sondern um:   Schleimhautreizung zusätzliche Keimverschleppung unnötige Irritation   zu vermeiden.         4. Blasensprung – gehen oder liegen?   Hier herrscht oft Verwirrung, deshalb ganz klar:   Filmreifer Blasensprung (plötzlich viel Flüssigkeit): → liegend transportieren, RTW rufen – korrekt. Tröpfeln / unklarer Abgang: → ruhig bleiben, hinlegen, Klinik kontaktieren, dann Vorgehen klären. Ein paar Schritte sind kein Drama, aber nicht „spazieren gehen“.   Dass Hebamme und Ärztin unterschiedlich einschätzen, liegt daran, dass Tastbefunde subjektiv sind. Entscheidend ist das klinische Vorgehen, nicht die Wortwahl.         5. Covid beim Kind – jetzt ganz wichtig: Sie sind nicht schuld   Ich sage das bewusst: Sie haben alles richtig gemacht. Kinder holen sich Infekte manchmal trotz aller Vorsicht.   Zu Ihrem Sohn:     Symptomatische Therapie ist korrekt Rücksprache mit Kinderärztin ist sinnvoll, allein zur Dokumentation     Zu Ihnen:     Dreifach geimpft + mehrfach genesen = guter Schutz vor schweren Verläufen Selbst wenn Sie sich infizieren: → das bedeutet nicht automatisch eine Gefährdung Ihres Babys     Auswirkungen auf Plazenta / Kind?     Bei mildem oder moderatem Verlauf: keine relevante Gefährdung In SSW 39–40 ist die Plazenta reif, das Risiko gering     Geburt mit oder nach Covid?     Sie dürfen stillen Maske, Händehygiene – ja Trennung von Mutter und Kind: nein, das macht man heute nicht mehr routinemäßig Ihr Mann darf in der Regel mit – das klärt die Klinik           6. Was ich Ihnen jetzt konkret rate     Blutdruck weiter messen, wie besprochen Blutwerte abwarten – Sie dürfen mir diese gerne schildern Bei Erkältungssymptomen:   Testen Fieber senken Viel trinken   Sich erlauben zu sagen: „Ich darf erschöpft sein. Das heißt nicht, dass ich schwach bin.“           Und zum Schluss – ganz persönlich   Sie tragen gerade sehr viel. Ein krankes Kind. Eine späte Schwangerschaft. Medizinische Unsicherheiten. Und trotzdem bleiben Sie reflektiert, informiert, liebevoll. Das ist Stärke. Ihre kleine Bauchbewohnerin ist bereit. Und Sie sind es auch – auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Melden Sie sich jederzeit. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, zu allererst bedanke ich mich von Herzen für Ihre wohl durchdachte, gründliche und einfühlsame Antwort obwohl Sie auf Reisen sind. Das ist wieder mal top top :) Es gibt große News: Unsere kleine Mia ist heute mit 2920g, 48cm und 35cm Kopfumfang bei Schwangerschaftswoche 39+0 um 10:58 Uhr geboren :) Wir sind überglücklich und voller Liebe! :) Sie ist gesund, es geht ihr gut und es hat trotz der 1.Sectio bei meinem Sohn dieses Mal mit der vaginalen Geburt geklappt. Mir geht es soweit auch ganz gut, ich bin noch sehr müde und mein Kreislauf ist noch sehr schwach. Die letzte Nacht habe ich ab 1 Uhr gar nicht mehr geschlafen, weil ich immer stärkere Wehen bekam. Noch dazu hat unser Sohn auf 39,5 Grad gefiebert. Mein armer Mann hatte mit uns beiden gleichzeitig gut zu tun. Morgens um 7 waren die Wehen immer stärker und alle 5 Minuten, sodass wir ins Krankenhaus fuhren. Da war mein Muttermund schon 7-8cm offen und ich sollte direkt in den Kreißsaal! Dass bei der BEL unseres Sohnes damals der Muttermund schon komplett offen war obwohl es dann in der Austreibungsphase zum Geburtsstillstand und zur Sectio kam, hat sich wirklich ausgezahlt. Heute ging der Muttermund super toll und flott auf. Die Pressphase hat sich aber leider auch heute als problematischer herausgestellt als die Eröffnungsphase. Die kleine Prinzessin kam trotz allem Pressen und Umlagern nicht so wirklich raus und es hat sich über so viele Wehen gezogen, dass ich kaum mehr Kraft hatte. Mit der Saugglocke hat es dann geklappt. Ich denke, bei einer BEL wäre es wieder zur Sectio gekommen. Ich habe einen Scheidenriss, der genäht werden musste. Außerdem habe ich sehr stark (stärker als normal) geblutet, weil wohl nicht alle Eihautreste rauskamen. Ich bekam dann erst nur kurz Oxytocin, was aber nicht geholfen hat. Dann bekam ich noch intravenös eine höher dosierte Oxytocininfusion über 30 Minuten und es wurde noch einmal heftig unangenehm auf meinem Bauch gedrückt um alles rauszukriegen. Der Arzt sagte, wenn das nicht klappen sollte, bräuchte ich noch heute eine Ausschabung. Es scheint aber geklappt zu haben, denn es war keine Rede mehr von der Ausschabung, doch ich habe den Arzt nach der Infusion nicht mehr gesehen. Hätte hier noch ein Ultraschall stattfinden sollen oder ist das unnötig und ertastbar? Woran würde ich Eihautreste noch bemerken? Und sollte ich morgen bei der Visite nach Hb fragen? Und muss der Verdacht auf Präeklampsie noch weiter verfolgt werden oder hat der sich jetzt erübrigt? Mein Kreislauf ist noch sehr wackelig, mir wird beim Aufstehen noch schummrig und unten tut beim Sitzen natürlich noch alles weh, aber es ist von den Schmerzen kein Vergleich zur Sectio bei meinem Sohn, sofern viel besser. Ich bin so froh, dass es vaginal geklappt hat :) Würden Sie morgen bei der Visite bestimmte Fragen stellen? Unserem Sohn geht es mit Covid heute leider richtig schlecht. Er hatte 40,4 Fieber und brauchte dann Paracetamol und Nurofensaft fast gleichzeitig damit es ihm wenigstens etwas besser geht. Wir mussten ihn natürlich leider trotz Krankheit zu den Großeltern verräumen, die jetzt bestimmt auch Covid bekommen, Weindörfer kleine Mia es eilig hatte. Vielleicht sollte mein Mann morgen mit ihm zur Kinderärztin oder denken Sie, das ist bei der Diagnose Covid nicht nötig weil man nur Symptome behandeln kann? Jedenfalls tut es mir sehr leid um ihn und seine Schwester kann er so auch nicht besuchen :( Meine Symptome (Halsschmerzen und verstopfte Nase) sind zum Glück gerade wieder weg, sodass ich es vor der Geburt nicht mehr geschafft habe, mich zu testen. Ich hoffe, unsere kleine Mia bekommt nicht gleich Covid wenn wir voraussichtlich am Dienstag nach Hause kommen… Ich denke, einen Tag länger im Krankenhaus bleiben geht nicht so einfach nur aus Nestschutzgründen, oder? Was denken Sie? Ich freue mich auf eine Ihre Antwort :) Gute Reise und herzliche Grüße aus Nürnberg :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich hätte einen kurzen Nachtrag bzw. wollte Sie fragen ob Sie dasselbe wie ich denken: ich weiß noch immer nicht den Hb-Wert. Ich habe schon die Ärztin bei der Visite und auch die Ärztin bei der Abschlussuntersuchung heute Abend gefragt, weil mir noch immer schwindlig ist. Ich habe heute eine Ringerlösung bekommen und das hat geholfen, aber bei jedem Aufstehen merke ich noch den Kreislauf. Gestern habe ich das Blut vom Kopf richtig absacken gespürt als ich aufgestanden bin. Eine Schwester war zum Glück dabei und hat mich sofort ins Bett zurück gebracht und die Füße hoch gehalten und mir gesagt, ich soll unbedingt klingeln und noch nicht alleine zur Toilette gehen. Sie meinte, ich hätte bei der Nachgeburt 700ml Blut verloren. Ist das sehr viel? Ich bekam dann sofort Oxytocin und das half noch nicht und dann bekam ich über ein Stunde einen Oxytocintropf und wurde überwacht und immer wieder auf dem Bauch gedrückt. Danach hat sie eine Ärztin geholt, weil sie ein Hämatom und eine Schwellung an der Scheide gesehen hat. Ich weiß nicht ob es da ist wo die Scheide gerissen ist und genäht wurde. Die Ärztin befand aber, dass es nicht ausgeräumt werden muss und dass ich 2 Mal täglich Diclac 50mg Zäpfchen nehmen soll. Das Personal ist super nett, alle helfen, doch manchmal weiß die Linke nicht was die Rechte tut. Laut Ärztin bei der Visite bleiben wir bis Mittwoch und sollte der Hb unter 10 sein, bekäme ich noch eine Eiseninfusion. Und dann kam plötzlich am Abend eine Assistenzärztin zur Abschlussuntersuchung. Ich habe ihr gesagt, dass ich gerne erstmal meinen Hb-Wert wüsste bevor ich so heimgeschickt werde. Sie hatte ihn noch nicht nachgeschaut. Außerdem hat unsere kleine Maus noch keine einzige der Untersuchungen, denen wir zugestimmt haben, bekommen. Es fehlen noch Hörscreening, Herzultraschall, Untersuchung durch Versenblut, U2, RSV-Impfung. Wenn sie das einem Neugeborenen alles an einem Vormittag antun wollen, wird sie sicherlich völlig unentspannt sein. Ich werde mich morgen bei der Visite wehren. Es hieß ursprünglich auch, die U2 sei am Mittwoch, Tag der Entlassung und nicht am Dienstag. Die Geburt war ja am Sonntag. Fänden Sie eine Eiseninfusion nicht auch besser anstatt Eisentabletten falls der Hb zu niedrig ist? Bei welchem Wert wäre für Sie die Grenze? Seit der Geburt ist mein Darm auch maximal verwirrt, ich hatte noch keinen Stuhlgang und Eisentabletten machen das sicherlich nicht besser. Sollte ich nach einem Abführmittel fragen? Denken Sie auch, dass erst der Hb in Ordnung sein sollte bevor ich rausgeschmissen werde?  Die Milch kommt leider auch noch nicht so ganz obwohl Mia sich beim Abdocken wirklich gut macht (besser als ihr Bruder damals). Sie ist ja sowieso zart mit ihren 2920g und jetzt ist  sie bei 2790g. Ich hatte für den Fall eines zweiten nötigen Kaiserschnitts prophylaktisch etwas Kolostrum in Spritzen gesammelt und eingefroren. Das gebe ich ihr jetzt nach jeder Stillmahlzeit und sie verputzt es immer. Aber vielleicht müsste ich noch aktiver werden? Doch wie? So, jetzt schläft die kleine süße Maus endlich ganz ruhig und ich nutze die Gelegenheit bis zur nächsten Stillunterbrechung auch. Ihnen weiterhin gute Reise und ich danke für Ihre große Unterstützung :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich hoffe, Sie haben eine schöne Reise- und Urlaubszeit. Ich möchte Ihre Zeit nicht zu lange in Anspruch nehmen, nur noch einmal etwas fragen, was dem aktuellen Stand entspricht auch wenn ich Ihnen damit schon die 3. Nachricht schicke. Mia und ich wurden am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen. Bei Mia war bei der U2 alles gut, es wurden noch das Neugeborenen Hörscreening gemacht, die RSV Impfung gegeben, Versenblut für einige Untersuchungen entnommen. Alles o.B. Ein Kopfultraschall wegen der Saugglockengeburt war auch o.B. zum Glück. Nur beim Herzultraschall (um frühe Herzfehler zu entdecken) hat sie ein ganz kleines Loch, das in 4 Wochen kontrolliert werden soll, aber der Kinderkardiologe war nicht beunruhigt. Er meinte, das haben ganz viele Neugeborene und das wächst zu 99% zu bis zur Kontrolle. Ihr Gewicht ist leider noch ein Problem. Sie hat innerhalb von zwei Tagen von 2920g auf 2640g abgenommen und damit fast die 10% erreicht und sie wurde leicht gelb. Mir wurde dann im Krankenhaus Stress mit Zufüttern gemacht und ich hatte den Eindruck, dass ihr das zwar hilft, sie aber noch fauler an die Brust geht und damit erst recht keine Milch produziert wird. Bei jedem Andocken schläft sie nach 3 Minuten ein. Sie dockt wunderbar ganz alleine an, aber sie saugt wenig und ist so schnell müde. Aus der Flasche kommt die Milch natürlich schneller und bequemer. Meine Hebamme möchte jetzt eine andere Strategie verfolgen: weniger zufüttern, mehr anlegen, sie öfter wecken. Gibt es denn Präparate, die die Milchbildung anregen? Oder würden Sie noch etwas anderes zusätzlich empfehlen?  In meinem Mutterpass wurde eingetragen:  SSW: 39+0 Geburtsdatum: 08.02.2026 Geburtszeit: 10:58 Geschlecht: W Geburtsmodus: Vakuum-Extraktion von BB Kindslage: aus v.HHL Gewicht: 2920g Länge/Kopfumfang: 48 cm / 35 cm Apgar: 9/10/10 NA-pH/NA-BE: 7.22 Fehlbildungen: keine Entbindungsrisiken: Z.n.Sectio, protrahierte Geburt/Geburtsstillstand in der Austreibungsperiode bei BEL Komplikationen bei der Geburt: Atonie; Scheidenriss Geburtsverletzungen: Damm intakt Hb: 9,7 RR 135/90 gyn. Befund normal: ja Der Scheidenriss wurde genäht. Ich habe 700ml Blut verloren, weil nach der Nachgeburt die Gebärmutter sich nicht richtig zusammenzog. Es wurde etwas hektisch auf meinem Bauch herumgedrückt um Eihautreste zu holen, das klappte nicht. Dann sagte der Arzt, ich sollte sofort an den Oxytocintropf und bräuchte eine Ausschabung in Vollnarkose falls wir es nicht in der nächsten Stunde hinbekommen. Ich wurde noch eine Stunde beobachtet und immer wieder der Bauch gedrückt. Dann gab es Entwarnung und Mia und ich wurden auf Station gebracht. Ich soll jetzt Eisentabletten nehmen, aber mir ist noch immer oft schwindlig. Wäre nicht eine Infusion besser? Bei der Frauenärztin? Was denken Sie? Außerdem ist mein Darm noch etwas verwirrt nach der Entbindung und der Stuhlgang noch etwas problematisch. Ich denke, die Eisentabletten machen das nicht besser. Meine Hebamme hat außerdem festgestellt,  dass meine Rektusdiastase 3-4 Finger groß ist und findet das sehr viel. Ich soll nur über die Seite aufstehen, ab und zu eine Schulterbrücke machen und mich unbedingt zur Rückbildung anmelden. Sie wird sie genau beobachten, bei einer größeren müsste man operieren. Das hat mir etwas Angst gemacht. Warum und ab wann operiert man das? Kann das jetzt im Wochenbett noch größer werden? Was kann ich dagegen tun? Haben Sie sonst noch Anregungen oder Anmerkungen für mich? Ich danke Ihnen sehr für Ihre Unterstützung :) Wir sind gerade zu viert wie in einer kleinen Blase zu Hause und genießen diese Kennenlern- und Kuschelzeit sehr. Der große Bruder hat uns wegen seiner Covid-Infektion ja leider nicht im Krankenhaus besuchen können. Es hat sich wie ein Wunder zum Glück aber keiner angesteckt. Er ist so liebevoll mit seiner kleinen Schwester und hat sich so gefreut, sie kennen zu lernen. Da liefen bei mir die Freudentränchen :) wie sagt man so schön? Im Wochenbett fließt es überall: das Blut, die Tränen, die Milch :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was für wundervolle Nachrichten. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer kleinen Mia. 39+0, 2920 g, 48 cm – das klingt nach einem sehr stimmigen Start ins Leben. Und nach einer starken Mutter. Eine vaginale Geburt nach Sectio ist kein Selbstläufer. Das haben Sie großartig gemacht. Ich gehe Ihre Fragen jetzt ruhig und strukturiert durch.         1. Die Blutung und die Eihautreste   Zunächst: Das, was Sie schildern, klingt nach einer atone bzw. subatone Nachblutung mit Verdacht auf Plazentarest oder Eihautreste. Das ist nicht selten.   Was üblicherweise gemacht wird:     Uterus tasten (Fundusstand, Konsistenz) manuelle Kontrolle Oxytocin ggf. höher dosierte Infusion ggf. uteriner Druck (Crede-Handgriff) nur bei Persistenz → Kürettage   Wenn danach:   der Uterus gut kontrahiert ist, die Blutung deutlich nachlässt, Kreislauf stabil bleibt,   → dann ist kein zwingender Ultraschall erforderlich. Ein Ultraschall kann hilfreich sein, aber: Frische Blutkoagel und Restgewebe sehen sonographisch oft ähnlich aus. Die klinische Beurteilung ist entscheidender.   Woran würden Sie Restgewebe bemerken?   Achten Sie auf:   erneut zunehmende starke Blutung große Koagel anhaltend weicher, hochstehender Uterus Fieber übel riechender Wochenfluss zunehmende Unterbauchschmerzen   Solange die Blutung normaler Wochenfluss ist und der Uterus sich gut zusammenzieht → sehr beruhigend.         2. Hb-Wert – unbedingt nachfragen   Ja. Nach starker Blutung und Ihrem wackeligen Kreislauf würde ich morgen aktiv fragen: „Wie ist mein Hb-Wert nach der Geburt?“ Wenn Hb < 10 g/dl → Eisen. Wenn deutlich darunter → je nach Symptomatik Infusion oder selten Transfusion. Ihr Schwindel beim Aufstehen kann sein:   Schlafmangel Flüssigkeitsmangel Blutverlust Kreislauflabilität nach Geburt   Das klärt sich mit Hb und Blutdruck.         3. Präeklampsie – erledigt oder nicht?   Mit der Geburt ist der Haupttrigger entfernt. Aber: Präeklampsie kann postpartal noch auftreten oder fortbestehen, typischerweise innerhalb der ersten 48–72 Stunden. Fragen Sie morgen:   „Wie sind meine Blutdruckwerte?“ „Wurden die Laborwerte (Leber, Thrombozyten) nochmal kontrolliert?“   Wenn Blutdruck jetzt normal ist und kein Eiweiß mehr im Urin → Thema wahrscheinlich abgeschlossen.         4. Ihre vaginale Geburt – realistische Einordnung   Die lange Pressphase mit Vakuum ist nach VBAC nicht ungewöhnlich. Entscheidend:   Keine Uterusruptur Keine Notsectio Vaginal gelungen Kein Vergleich zur Sectio-Schmerzintensität   Das ist ein sehr gutes Outcome. Der Scheidenriss: Sitzen ist unangenehm, klar. Kühlung, lokale Pflege, Zeit. In 7–10 Tagen deutlich besser.         5. Ihr Sohn mit Covid   40,4 °C ist hoch, aber bei Covid bei Kindern nicht ungewöhnlich. Zum Kinderarzt morgen? Ja, wenn:   Fieber > 3 Tage hoch bleibt er sehr apathisch ist schlecht trinkt Atemprobleme auftreten   Ansonsten ist es symptomatische Therapie:   Paracetamol oder Ibuprofen (nicht „fast gleichzeitig“, sondern im Wechsel mit Abstand) viel trinken Beobachtung   Ich verstehe, dass Ihnen das Herz bricht, dass er seine Schwester nicht sehen kann. Aber aktuell schützen Sie Mia damit.         6. Covid-Risiko für Mia   Neugeborene bekommen keinen klassischen „Nestschutz“ gegen Covid, nur Antikörper, wenn die Mutter welche hat. Entscheidend:   Hände desinfizieren kranker Bruder mit Abstand ggf. Maske bei Symptomen viel Lüften   Ein Tag länger im Krankenhaus nur aus Infektionsschutzgründen ist meist organisatorisch schwierig, medizinisch nicht zwingend notwendig, wenn Sie stabil sind. Viel wichtiger ist: Zu Hause klare Hygienestrategie.         7. Konkrete Fragen für die Visite morgen   Sie dürfen selbstbewusst fragen:   Wie hoch war mein Blutverlust geschätzt? Wie ist mein Hb heute? Ist der Uterus gut rückgebildet? Besteht sonographisch Restverdacht? Wie sind meine aktuellen Blutdruckwerte? Brauche ich Eisen? Wann darf ich mobilisieren? Worauf soll ich zu Hause achten?   Das sind kluge, sachliche Fragen.         8. Und jetzt das Wichtigste   Sie haben:   eine VBAC geschafft eine Saugglockengeburt durchgestanden eine stärkere Nachblutung gemeistert eine schlaflose Nacht überlebt ein fieberndes Kind im Hintergrund gehabt   Natürlich ist Ihr Kreislauf wackelig. Ihr Körper hat heute Hochleistungssport betrieben. Trinken. Langsam aufsetzen. Unterstützung annehmen. Kein Heldentum. Und erlauben Sie sich, stolz zu sein.       Wenn sich etwas anfühlt wie:   zunehmende Schwäche Herzrasen starke Blutung Kopfschmerz mit Blutdruckanstieg Fieber   → sofort melden. Ansonsten: Sie sind auf einem guten Weg. Und Mia? Die hat sich eine sehr entschlossene Mutter ausgesucht. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was für wundervolle Nachrichten. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer kleinen Mia. 39+0, 2920 g, 48 cm – das klingt nach einem sehr stimmigen Start ins Leben. Und nach einer starken Mutter. Eine vaginale Geburt nach Sectio ist kein Selbstläufer. Das haben Sie großartig gemacht. Ich gehe Ihre Fragen jetzt ruhig und strukturiert durch.         1. Die Blutung und die Eihautreste   Zunächst: Das, was Sie schildern, klingt nach einer atone bzw. subatone Nachblutung mit Verdacht auf Plazentarest oder Eihautreste. Das ist nicht selten.   Was üblicherweise gemacht wird:     Uterus tasten (Fundusstand, Konsistenz) manuelle Kontrolle Oxytocin ggf. höher dosierte Infusion ggf. uteriner Druck (Crede-Handgriff) nur bei Persistenz → Kürettage   Wenn danach:   der Uterus gut kontrahiert ist, die Blutung deutlich nachlässt, Kreislauf stabil bleibt,   → dann ist kein zwingender Ultraschall erforderlich. Ein Ultraschall kann hilfreich sein, aber: Frische Blutkoagel und Restgewebe sehen sonographisch oft ähnlich aus. Die klinische Beurteilung ist entscheidender.   Woran würden Sie Restgewebe bemerken?   Achten Sie auf:   erneut zunehmende starke Blutung große Koagel anhaltend weicher, hochstehender Uterus Fieber übel riechender Wochenfluss zunehmende Unterbauchschmerzen   Solange die Blutung normaler Wochenfluss ist und der Uterus sich gut zusammenzieht → sehr beruhigend.         2. Hb-Wert – unbedingt nachfragen   Ja. Nach starker Blutung und Ihrem wackeligen Kreislauf würde ich morgen aktiv fragen: „Wie ist mein Hb-Wert nach der Geburt?“ Wenn Hb < 10 g/dl → Eisen. Wenn deutlich darunter → je nach Symptomatik Infusion oder selten Transfusion. Ihr Schwindel beim Aufstehen kann sein:   Schlafmangel Flüssigkeitsmangel Blutverlust Kreislauflabilität nach Geburt   Das klärt sich mit Hb und Blutdruck.         3. Präeklampsie – erledigt oder nicht?   Mit der Geburt ist der Haupttrigger entfernt. Aber: Präeklampsie kann postpartal noch auftreten oder fortbestehen, typischerweise innerhalb der ersten 48–72 Stunden. Fragen Sie morgen:   „Wie sind meine Blutdruckwerte?“ „Wurden die Laborwerte (Leber, Thrombozyten) nochmal kontrolliert?“   Wenn Blutdruck jetzt normal ist und kein Eiweiß mehr im Urin → Thema wahrscheinlich abgeschlossen.         4. Ihre vaginale Geburt – realistische Einordnung   Die lange Pressphase mit Vakuum ist nach VBAC nicht ungewöhnlich. Entscheidend:   Keine Uterusruptur Keine Notsectio Vaginal gelungen Kein Vergleich zur Sectio-Schmerzintensität   Das ist ein sehr gutes Outcome. Der Scheidenriss: Sitzen ist unangenehm, klar. Kühlung, lokale Pflege, Zeit. In 7–10 Tagen deutlich besser.         5. Ihr Sohn mit Covid   40,4 °C ist hoch, aber bei Covid bei Kindern nicht ungewöhnlich. Zum Kinderarzt morgen? Ja, wenn:   Fieber > 3 Tage hoch bleibt er sehr apathisch ist schlecht trinkt Atemprobleme auftreten   Ansonsten ist es symptomatische Therapie:   Paracetamol oder Ibuprofen (nicht „fast gleichzeitig“, sondern im Wechsel mit Abstand) viel trinken Beobachtung   Ich verstehe, dass Ihnen das Herz bricht, dass er seine Schwester nicht sehen kann. Aber aktuell schützen Sie Mia damit.         6. Covid-Risiko für Mia   Neugeborene bekommen keinen klassischen „Nestschutz“ gegen Covid, nur Antikörper, wenn die Mutter welche hat. Entscheidend:   Hände desinfizieren kranker Bruder mit Abstand ggf. Maske bei Symptomen viel Lüften   Ein Tag länger im Krankenhaus nur aus Infektionsschutzgründen ist meist organisatorisch schwierig, medizinisch nicht zwingend notwendig, wenn Sie stabil sind. Viel wichtiger ist: Zu Hause klare Hygienestrategie.         7. Konkrete Fragen für die Visite morgen   Sie dürfen selbstbewusst fragen:   Wie hoch war mein Blutverlust geschätzt? Wie ist mein Hb heute? Ist der Uterus gut rückgebildet? Besteht sonographisch Restverdacht? Wie sind meine aktuellen Blutdruckwerte? Brauche ich Eisen? Wann darf ich mobilisieren? Worauf soll ich zu Hause achten?   Das sind kluge, sachliche Fragen.         8. Und jetzt das Wichtigste   Sie haben:   eine VBAC geschafft eine Saugglockengeburt durchgestanden eine stärkere Nachblutung gemeistert eine schlaflose Nacht überlebt ein fieberndes Kind im Hintergrund gehabt   Natürlich ist Ihr Kreislauf wackelig. Ihr Körper hat heute Hochleistungssport betrieben. Trinken. Langsam aufsetzen. Unterstützung annehmen. Kein Heldentum. Und erlauben Sie sich, stolz zu sein.       Wenn sich etwas anfühlt wie:   zunehmende Schwäche Herzrasen starke Blutung Kopfschmerz mit Blutdruckanstieg Fieber   → sofort melden. Ansonsten: Sie sind auf einem guten Weg. Und Mia? Die hat sich eine sehr entschlossene Mutter ausgesucht. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was für wundervolle Nachrichten. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer kleinen Mia. 39+0, 2920 g, 48 cm – das klingt nach einem sehr stimmigen Start ins Leben. Und nach einer starken Mutter. Eine vaginale Geburt nach Sectio ist kein Selbstläufer. Das haben Sie großartig gemacht.    1. Die Blutung und die Eihautreste   Zunächst: Das, was Sie schildern, klingt nach einer atone bzw. subatone Nachblutung mit Verdacht auf Plazentarest oder Eihautreste. Das ist nicht selten.   Was üblicherweise gemacht wird:     Uterus tasten (Fundusstand, Konsistenz) manuelle Kontrolle Oxytocin ggf. höher dosierte Infusion ggf. uteriner Druck (Crede-Handgriff) nur bei Persistenz → Kürettage   Wenn danach:   der Uterus gut kontrahiert ist, die Blutung deutlich nachlässt, Kreislauf stabil bleibt,   → dann ist kein zwingender Ultraschall erforderlich. Ein Ultraschall kann hilfreich sein, aber: Frische Blutkoagel und Restgewebe sehen sonographisch oft ähnlich aus. Die klinische Beurteilung ist entscheidender.   Woran würden Sie Restgewebe bemerken?   Achten Sie auf:   erneut zunehmende starke Blutung große Koagel anhaltend weicher, hochstehender Uterus Fieber übel riechender Wochenfluss zunehmende Unterbauchschmerzen   Solange die Blutung normaler Wochenfluss ist und der Uterus sich gut zusammenzieht → sehr beruhigend.         2. Hb-Wert – unbedingt nachfragen   Ja. Nach starker Blutung und Ihrem wackeligen Kreislauf würde ich morgen aktiv fragen: „Wie ist mein Hb-Wert nach der Geburt?“ Wenn Hb < 10 g/dl → Eisen. Wenn deutlich darunter → je nach Symptomatik Infusion oder selten Transfusion. Ihr Schwindel beim Aufstehen kann sein:   Schlafmangel Flüssigkeitsmangel Blutverlust Kreislauflabilität nach Geburt   Das klärt sich mit Hb und Blutdruck.         3. Präeklampsie – erledigt oder nicht?   Mit der Geburt ist der Haupttrigger entfernt. Aber: Präeklampsie kann postpartal noch auftreten oder fortbestehen, typischerweise innerhalb der ersten 48–72 Stunden. Fragen Sie morgen:   „Wie sind meine Blutdruckwerte?“ „Wurden die Laborwerte (Leber, Thrombozyten) nochmal kontrolliert?“   Wenn Blutdruck jetzt normal ist und kein Eiweiß mehr im Urin → Thema wahrscheinlich abgeschlossen.         4. Ihre vaginale Geburt – realistische Einordnung   Die lange Pressphase mit Vakuum ist nach VBAC nicht ungewöhnlich. Entscheidend:   Keine Uterusruptur Keine Notsectio Vaginal gelungen Kein Vergleich zur Sectio-Schmerzintensität   Das ist ein sehr gutes Outcome. Der Scheidenriss: Sitzen ist unangenehm, klar. Kühlung, lokale Pflege, Zeit. In 7–10 Tagen deutlich besser.         5. Ihr Sohn mit Covid   40,4 °C ist hoch, aber bei Covid bei Kindern nicht ungewöhnlich. Zum Kinderarzt morgen? Ja, wenn:   Fieber > 3 Tage hoch bleibt er sehr apathisch ist schlecht trinkt Atemprobleme auftreten   Ansonsten ist es symptomatische Therapie:   Paracetamol oder Ibuprofen (nicht „fast gleichzeitig“, sondern im Wechsel mit Abstand) viel trinken Beobachtung   Ich verstehe, dass Ihnen das Herz bricht, dass er seine Schwester nicht sehen kann. Aber aktuell schützen Sie Mia damit.         6. Covid-Risiko für Mia   Neugeborene bekommen keinen klassischen „Nestschutz“ gegen Covid, nur Antikörper, wenn die Mutter welche hat. Entscheidend:   Hände desinfizieren kranker Bruder mit Abstand ggf. Maske bei Symptomen viel Lüften   Ein Tag länger im Krankenhaus nur aus Infektionsschutzgründen ist meist organisatorisch schwierig, medizinisch nicht zwingend notwendig, wenn Sie stabil sind. Viel wichtiger ist: Zu Hause klare Hygienestrategie.         7. Konkrete Fragen für die Visite morgen   Sie dürfen selbstbewusst fragen:   Wie hoch war mein Blutverlust geschätzt? Wie ist mein Hb heute? Ist der Uterus gut rückgebildet? Besteht sonographisch Restverdacht? Wie sind meine aktuellen Blutdruckwerte? Brauche ich Eisen? Wann darf ich mobilisieren? Worauf soll ich zu Hause achten?   Das sind kluge, sachliche Fragen.         8. Und jetzt das Wichtigste   Sie haben:   eine VBAC geschafft eine Saugglockengeburt durchgestanden eine stärkere Nachblutung gemeistert eine schlaflose Nacht überlebt ein fieberndes Kind im Hintergrund gehabt   Natürlich ist Ihr Kreislauf wackelig. Ihr Körper hat heute Hochleistungssport betrieben. Trinken. Langsam aufsetzen. Unterstützung annehmen. Kein Heldentum. Und erlauben Sie sich, stolz zu sein.       Wenn sich etwas anfühlt wie:   zunehmende Schwäche Herzrasen starke Blutung Kopfschmerz mit Blutdruckanstieg Fieber   → sofort melden. Ansonsten: Sie sind auf einem guten Weg. Und Mia? Die hat sich eine sehr entschlossene Mutter ausgesucht. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Erstmal: Sie denken völlig richtig. Und Sie reagieren nicht „überempfindlich“, sondern strukturiert und verantwortungsvoll. Ich gehe das Punkt für Punkt durch.         1. 700 ml Blutverlust – ist das viel?   Nach vaginaler Geburt gilt:   Ø Blutverlust: ca. 300–500 ml 500 ml = postpartale Hämorrhagie 700 ml = moderat erhöhte Blutung, aber kein dramatisischer Ausnahmefall   Entscheidend ist nicht nur die Zahl, sondern:   Wie war Ihr Ausgangs-Hb? Wie reagieren Kreislauf und Symptome?   Ihr Schwindel beim Aufstehen + „Blut sackt ab“-Gefühl spricht für: → orthostatische Kreislauflabilität → möglicherweise relevanter Hb-Abfall Dass die Schwester Sie nicht alleine gehen lässt, ist absolut richtig.         2. Hb-Wert – hier haben Sie vollkommen recht   Ich sage es klar: Sie sollten den Hb-Wert kennen, bevor über Entlassung gesprochen wird. Orientierung:   Hb > 11 → meist problemlos Hb 10–11 → grenzwertig, je nach Symptomatik Hb 9–10 → häufig symptomatisch Hb < 9 → deutlich behandlungsbedürftig Hb < 8 → klare Indikation für i.v.-Eisen oder ggf. Transfusion je nach Klinik   Mit Schwindel würde ich persönlich sagen: Unter 10 und symptomatisch → i.v.-Eisen ist sinnvoller als Tabletten. Warum?   wirkt schneller keine Darmprobleme bessere Resorption Sie haben gerade ein Neugeborenes – Sie brauchen Energie   Sie denken absolut richtig.         3. Eiseninfusion vs. Tabletten   Ich würde bei:   Hb < 10 + Symptome → Infusion bevorzugen Hb 9 oder darunter → klar Infusion   Tabletten:   wirken langsam machen Verstopfung schlecht bei ohnehin trägem Darm postpartal   Und ja – Ihr Darm ist nach Geburt oft „beleidigt“:   Progesteronabfall Weichteilschwellung Schmerz Bewegungsmangel   Sie dürfen ganz klar nach einem milden Laxans fragen:   Lactulose Macrogol   Nicht warten, bis es weh tut.         4. Das Hämatom an der Scheide   Das ist nicht ungewöhnlich nach:   Vakuum Riss Pressphase   Wichtig ist:   Wird es größer? Zunehmende Schmerzen? Druckgefühl?   Wenn stabil und klein → konservativ + Diclofenac völlig korrekt.         5. Das organisatorische Chaos   Sie haben völlig recht: Neugeborenen-Screenings gebündelt an einem Vormittag sind Stress. Standard:   U2 zwischen 3.–10. Lebenstag Hörscreening meist vor Entlassung Pulsoxymetrie früher Fersenblut meist Tag 2–3 RSV je nach Saison   Sie dürfen sachlich sagen: „Ich möchte, dass die Untersuchungen sinnvoll verteilt werden.“ Das ist kein „Wehren“. Das ist Mitdenken.         6. Entlassung nur bei stabilem Hb?   Ich bin ganz bei Ihnen:   stabile Kreislaufsituation Hb bekannt Mobilisation möglich ohne Präsynkope kein expandierendes Hämatom   Dann Entlassung. Nicht: „Wird schon gehen.“ Sie müssen zu Hause funktionieren.         7. Gewichtsabnahme von Mia   2920 g → 2790 g Das sind ca. 4–5 % Gewichtsverlust. Bis 7–10 % physiologisch. Also: völlig im Rahmen. Und dass sie gut andockt, ist Gold wert.         8. Milch kommt noch nicht richtig?   Tag 2 nach Geburt? Völlig normal. Sie hatten:   lange Geburt Blutverlust Stress Oxytocin-Infusion Kreislaufprobleme   All das kann den Milcheinschuss verzögern. Sie machen es perfekt:   häufig anlegen Kolostrum zufüttern Ruhe nutzen   Wenn Sie aktiver werden wollen:   alle 2–3 Stunden anlegen ggf. nach dem Stillen 10 Minuten beidseits abpumpen (Stimulation!) viel trinken Haut-zu-Haut-Kontakt   Aber kein Aktionismus. Ihr Körper braucht gerade Regeneration.         9. Wichtigste Einschätzung   Sie zeigen:   klare klinische Beobachtung richtige Prioritäten sachliche Forderungen   Das ist souverän. Was ich morgen sagen würde: „Ich habe noch orthostatischen Schwindel. Bitte teilen Sie mir meinen Hb-Wert mit. Ab welchem Wert empfehlen Sie i.v.-Eisen?“ Das ist ruhig, fachlich und klar.         10. Und jetzt ganz ehrlich   Sie haben:   VBAC geschafft 700 ml Blutverlust kompensiert ein Hämatom Kreislaufstress Covid-Sohn im Hintergrund Stillbeginn   Natürlich sind Sie erschöpft. Ihr Körper hat heute ein großes Werk vollbracht. Jetzt ist Phase 2: Regeneration. Schlafen Sie, sobald Mia schläft. Nehmen Sie Hilfe an. Und bleiben Sie in dieser klaren, ruhigen Haltung. Sie machen das sehr gut.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Zuerst: Sie klingen trotz allem stabil, reflektiert und sehr klar. Und dieses Bild am Ende – Blut, Tränen, Milch – trifft das Wochenbett ziemlich präzise.   1. Mia – Herzbefund   Ein „kleines Loch“ beim Neugeborenen ist fast immer ein:  kleines PFO (persistierendes Foramen ovale) oder kleiner muskulärer VSD   Beides ist extrem häufig. Wenn der Kinderkardiologe entspannt war, ist das entscheidend. 99 % schließen sich spontan. Kontrolle in 4 Wochen ist Standard, kein Alarmzeichen.      2. Gewichtsabnahme & Stillen   2920 g → 2640 g Das sind ~9,6 %. Grenzwertig, aber noch im physiologischen Rahmen. Problem ist weniger die Zahl – sondern: schläft nach 3 Minuten ein saugt wenig wird schnell müde Das ist typisch bei:   leichtem Ikterus verzögertem Milcheinschuss Geburtsstress leichter Anämie der Mutter (Milchbildung indirekt)   Ihre Hebamme denkt absolut richtig: Mehr Stimulation, weniger Flaschenbequemlichkeit.  Konkrete Strategie:     Alle 2–3 Stunden anlegen, auch nachts Vor dem Anlegen:   wickeln Füße kitzeln Hautkontakt   Währenddessen:   Brustkompression (Milchfluss aktiv halten)   Nach dem Stillen 10 Minuten beidseits abpumpen → das ist der stärkste Stimulus für Milchbildung   Flasche nur, wenn:   Gewichtsabnahme weitergeht Trinkschwäche persistiert Bilirubin steigt   Wenn zufüttern, dann möglichst:   Becher Löffel Brusternährungsset           3. Gibt es Mittel zur Milchsteigerung?   Ja – aber sekundär. Pflanzlich:   Bockshornklee Mariendistel Stilltee   Medikamentös (selten):   Domperidon (Off-label, ärztliche Entscheidung)   Aber: Der stärkste Stimulus ist Entleerung der Brust. Milchbildung ist Nachfrage-System.         4. Ihr Hb 9,7 – und weiterhin Schwindel   9,7 + Symptome → ich persönlich hätte Ihnen im Krankenhaus eine i.v.-Eisengabe angeboten. Warum?   schneller wirksam weniger Darmprobleme Sie sind im Wochenbett, nicht im Büro   Sie können das bei Ihrer Gynäkologin ansprechen. Hb < 10 + Schwindel → für mich klare Indikation zur Erwägung einer Infusion.         5. Darmprobleme   Postpartal normal:   Progesteronabfall Beckenbodenreizung Riss Schmerzhemmung Eisen   Sie dürfen:   Macrogol Lactulose viel trinken Flohsamenschalen   Nicht pressen – wegen Riss und Diastase.         6. Rektusdiastase 3–4 Finger   Das ist im frühen Wochenbett nicht dramatisch. Nach zwei Schwangerschaften ist das häufig. Wichtig:   In den ersten 8–12 Wochen operiert man praktisch nie. Man operiert nur bei:   persistierender >3–4 cm Diastase nach 6–12 Monaten funktionellen Beschwerden massiver Instabilität     Jetzt:   Seitlich aufstehen → richtig Kein Sit-up Kein schweres Heben Frühzeitige, sanfte Tiefenmuskulatur-Aktivierung Rückbildungskurs   Nein – sie wird jetzt im Wochenbett normalerweise nicht größer, wenn Sie sich vernünftig bewegen. Angst vor OP ist aktuell nicht nötig.         7. Atonie & Bauchdrücken   Das, was Sie schildern, war ein klassisches atones Geschehen. Sie sind stabil geblieben. Keine Ausschabung nötig. Das spricht dafür, dass letztlich keine relevanten Reste verblieben sind.         8. Ihre Gesamtsituation   Sie haben:   VBAC 700 ml Blutverlust Hb 9,7 Stillstart Ikterus-Baby Covid-Sohn hormonellen Crash   Natürlich sind Sie wackelig. Und trotzdem klingen Sie innerlich stabil.         9. Was ich jetzt priorisieren würde     Hb-Kontrolle in 1–2 Wochen Eiseninfusion erwägen Konsequent anlegen + pumpen Gewicht engmaschig kontrollieren Schlaf über alles stellen           10. Und jetzt etwas Wichtiges   Sie analysieren alles medizinisch korrekt. Aber vergessen Sie nicht: Wochenbett ist kein Examen. Es ist Chaos, Hormone, Müdigkeit, Liebe, Unsicherheit. Und das, was Sie am Ende schreiben – der große Bruder, die Tränen – das ist das Entscheidende. Sie sind als Familie angekommen. Der Rest sind lösbare, medizinisch gut steuerbare Themen. Sie machen das sehr gut.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen herzlichen Dank für die Glückwünsche zur Geburt unserer kleinen Mia und für Ihre wirklich ausführlichen Antworten. Sie sind sehr feinfühlig und verstehen die Situation ausgesprochen gut :) Es ist so eine wunderschöne Familienzeit zum Kuscheln, man kann dieses Glück und diese Liebe nicht in Worte fassen. Mia ist eine so zuckersüße und bis jetzt so brave Maus. Sie lässt alles geduldig mit sich machen, lässt sich ablegen, wickeln, weint gar nicht viel. Wenn es so bleibt, ist sie wirklich ein pflegeleichtes Baby :) und ich bin so froh, dass es vaginal dieses Mal geklappt hat. Als die Pressphase so unerträglich lang war und ich es vor Schmerzen nicht mehr ausgehalten habe und mir auch noch die Kraft ausging und ich merkte, dass die Hebamme meinte, es läuft nicht mehr so gut, habe ich vor Angst gefleht, dass ich bitte bitte nicht nochmal einen Kaiserschnitt möchte. Der Arzt meinte dann, wir schaffen das schon ohne. Dann musste ich zwar in Positionen gehen, die ich unerträglich fand und empfand die Saugglocke als extrem schmerzhaft, weil dann selbst in den Wehenpausen der Schmerz extrem war, aber sie hat zum Ziel geführt und ich bin so glücklich, jetzt nicht wieder diese Schmerzen nach einem Kaiserschnitt zu erleben :) Gestern hat Mia Clusterfeeding gemacht, sie wollte alle Stunden an die Brust und das war wirklich anstrengend, aber es hat dazu geführt, dass die Milch endlich richtig eingeschossen ist und sie langsam beginnt, zuzunehmen. Die Hebamme hat sie vor und nach dem Trinken gewogen und sie hatte plötzlich 60ml aus einer einzige Seite bekommen. Das ist das Doppelte von dem, was wir zufüttern sollten. Heute trinkt sie sich mit kräftigen Schlücken satt und ist danach wie im Milchkoma und lange Zeit zufrieden. Doch leider habe ich jetzt heute das Gefühl, dass es jetzt schon direkt zu viel Milch ist und sich die Brust entzündet. Sie fühlt sich heiß und so prall an und schmerzt sehr und es fröstelt mich immer wieder. Ich lege mich heute schon viel hin, weil es mir wirklich überall weh tut. Unten vom Riss und Hämatom und oben von der Milch. Der Hormoncrash tut dann sein Übriges dazu. Mir ist auch immernoch schwindlig und im Nachhinein ärgert es mich, dass ich keine Eiseninfusion im Krankenhaus bekommen habe, sondern nur Eisentabletten, vor allem weil Sie gestern geschrieben haben, dass Sie mir eine Infusion gegeben hätten. Jetzt nehme ich Flohsamenschalen (Ihr Vorschlag) gegen die Verstopfung. Die ist doppelt unschön, weil ich seit der Geburt zusätzlich echt schmerzhafte Hämorrhoiden habe. Das hilft etwas, aber ich denke, die Eisentabletten sind ungut. Sie meinten, Hb-Kontrolle in 1-2 Wochen. Soll ich vielleicht eher zur Kontrolle um eine Infusion zu bekommen? Morgen kommt auch meine Hebamme wieder und ich frage sie, was sie mir für die Brust empfiehlt, doch ich schätze Ihre Ratschläge sehr und wollte auch Sie fragen. Was kann ich tun?  Haben Sie noch Anmerkungen oder Tipps? Die sind immer tip top :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :) 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Was für eine kraftvolle Geburt. Sie haben gekämpft, gezweifelt, gelitten – und es geschafft. Vaginal, trotz Angst, trotz Erschöpfung, trotz Saugglocke. Das ist keine „kleine“ Leistung. Das ist beeindruckend. Und jetzt liegen Sie da – unten wund, oben gespannt, hormonell durchgeschüttelt – und halten dieses kleine Wunder im Arm. Genau so fühlt sich Wochenbett oft an: Himmel und Hölle gleichzeitig. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch.         🍼 1️⃣ Brust – Milchstau oder normale Einschussphase?   Das klingt sehr nach Milcheinschuss + beginnender Stau, noch nicht zwingend nach Mastitis. Typisch jetzt:   heiße, pralle Brust Druckschmerz Frösteln allgemeines Krankheitsgefühl   Wichtig: Jetzt konsequent handeln, damit es nicht kippt.   Was Sie heute konkret tun sollten:   Vor dem Stillen:   5–10 Minuten Wärme (warmer Waschlappen, Dusche) Brust sanft ausstreichen   Beim Stillen:   häufig anlegen (alle 2–3 h) Kinn des Babys Richtung verhärtete Stelle Position variieren   Nach dem Stillen:   kühlen! (Quarkwickel oder Kühlpad) nur minimal abpumpen, wenn noch Spannung bleibt (nicht leerpumpen!)   Zusätzlich:   viel Ruhe (Sie machen das richtig) viel trinken BH nicht zu eng   ⚠️ Wenn:   Fieber > 38,5 deutliche Rötung starke Gliederschmerzen   → sofort ärztlich vorstellen. Dann reden wir über Antibiotika. Aber im Moment klingt es noch wie „zu viel Angebot nach Clusterfeeding“. Das reguliert sich oft innerhalb von 24–48 Stunden.         🧠 2️⃣ Hormoncrash & Schwindel   Das ist eine Mischung aus:   Östrogenabfall Schlafmangel Geburtstrauma möglicher Anämie   Dass Sie noch schwindelig sind, nehme ich ernst. Sie hatten:   lange Pressphase Saugglocke Hämatom   Das heißt: Blutverlust war wahrscheinlich nicht minimal.   Meine klare Haltung:   Wenn Sie:   deutlich schwindelig sind sich kraftlos fühlen Hb vermutlich unter 10 liegt   Dann würde ich nicht zwei Wochen warten. Ich würde:   diese Woche Hb kontrollieren Ferritin mitbestimmen bei Hb < 10 oder Ferritin sehr niedrig → Eiseninfusion erwägen   Gerade im Wochenbett darf man großzügiger sein. Sie müssen funktionieren – für sich und Mia. Eisentabletten + Hämorrhoiden + Obstipation = unnötige Quälerei. Das dürfen Sie aktiv ansprechen.         🚽 3️⃣ Verstopfung & Hämorrhoiden   Sie machen mit Flohsamenschalen alles richtig. Zusätzlich sinnvoll:   viel trinken ggf. Lactulose niedrig dosiert lokal z.B. Hamamelis-Salbe oder Posterisan akut beim Stuhlgang nicht pressen   Wichtig: Erst weich machen, dann kommt die Heilung.         💛 4️⃣ Emotionale Verarbeitung der Geburt   Was Sie schildern – die Angst vor dem Kaiserschnitt, das Flehen, das Ausgeliefertsein – das darf nachhallen. Auch wenn das Ergebnis wunderschön ist, war es körperlich und emotional grenzwertig. Wenn Sie merken, dass:   Bilder immer wieder kommen Sie nachts unruhig werden Sie die Szene gedanklich durchspielen   Dann sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ärztin darüber. Früh darüber reden verhindert spätere Verarbeitungsschwierigkeiten. Aber im Moment klingt es nach normaler Erschöpfung, nicht nach Trauma.         🧒 Mia   60 ml aus einer Brust – das ist hervorragend. Milchkoma nach kräftigem Trinken – perfektes Zeichen. Clusterfeeding war kein Problem, sondern die Lösung. Sie machen das sehr gut.         🎯 Meine klare Prioritätenliste für Sie     Heute konsequent Brustmanagement Hb zeitnah kontrollieren (nicht erst in 2 Wochen, wenn Sie sich schwach fühlen) Weichen Stuhl sichern Schlafen, wann immer Mia schläft Sich bewusst sagen: „Ich darf gerade angeschlagen sein.“   Sie sind nicht „zu empfindlich“. Sie sind eine Frau im Wochenbett. Und das ist physiologisch eine Extremphase.       Wenn morgen die Hebamme kommt, lassen Sie:   Brust anschauen Temperatur kontrollieren ggf. einen Stau gezielt massieren   Und falls heute Abend Fieber kommt, bitte direkt reagieren.       Sie machen das beeindruckend gut. Und ja – diese Liebe kann man nicht in Worte fassen. Aber man sieht zwischen Ihren Zeilen, wie sehr Sie angekommen sind. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg und streichen Sie Mia einmal sanft über das Köpfchen von mir.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, was für eine herzliche und einfühlsame Rückmeldung von Ihnen :) Vielen lieben Dank :) Da sind mir gleich die Tränen gekommen, dass Sie Mia über ihr kleines Köpfchen streicheln :) Sie sagen es genau richtig. Das Wochenbett ist Himmel und Hölle zugleich. Dieses kleine süße zerbrechliche Wunder schaut einen plötzlich mit großen Rehaugen an. Man schmilzt dahin. Gleichzeitig tut alles weh und jede Kleinigkeit bringt einen zum Weinen und man weiß gar nicht warum. Die Hormone schütteln einen ganz schön durch. Diesen Spagat zwischen zwei Kindern hinzubekommen, finde ich anspruchsvoll, vor allem dem großen Bruder noch immer gerecht zu werden. Wir haben ihn noch nicht wieder in den Kindergarten, da es dort gerade einige RSV Fälle gibt und uns das selbst mit Mias Impfung zu heiß ist. Aber immer wenn ich mich hinlege habe ich ein schlechtes Gewissen und verschiebe es erstmal auf etwas später um mit dem Großen erst etwas zu spielen, damit er nicht das Gefühl hat, Mama ist nicht mehr da. Aber es strengt mich sehr an, denn die Nächte sind auch anstrengend obwohl Mia nicht öfter als 2 Mal nachts stillen will und mein Mann alles andere nachts gerade übernimmt. Sie ist leicht zu befriedigen, allerdings macht sie bei fast jedem Stillen Kaka in die Windel, am liebsten natürlich in eine frische Windel, sodass die Nächte vor allem deshalb hart sind. Ich bin sehr froh über alle Ihre Ratschläge, wie ich eine Brustenzündung jetzt möglichst vermeiden kann. Habe alles befolgt. Die Hebamme hat sich die Brust heute angeschaut und massiert, weil sie da schon einen Milchstau bemerkt. Mia nimmt jetzt toll zu: 2920g bei Geburt, 2640g nach 2 Tagen, 2760g vorgestern, 2840g heute. Die Milch ist da, aber einfach zu viel. Ich habe kein starkes Fieber, aber doch 38,2 und fühle mich auch schlapp und die Brüste sind heiß und rot. Die Hebamme meinte, ich sollte morgen unbedingt mal zur Frauenärztin. Braucht man bei leicht erhöhter Temperatur schon Antibiotika oder kann man das vielleicht noch ohne hinkriegen? Geht das oral ohne ins Krankenhaus zu müssen? Und sollte mir die Frauenärztin vielleicht gleich eine Eiseninfusion geben ohne noch einmal Blut abzunehmen? Im Mutterpass steht als Hb 9,7 und der Blutverlust war 700ml wegen der Antonie. Nach 1h Oxytocintropf und Überwachung war ich ok, aber seitdem ist mir einfach schwindlig. Es ist weniger als die ersten zwei Tage nach der Geburt, aber nach dem Duschen war es mir vom Kreislauf her heute schon wieder nicht so gut. Denken Sie, die Frauenärztin sollte mir einfach gleich morgen eine Eiseninfusion geben? Ihr Labor ist immer sehr langsam (2-3 Tage). Dann könnte ich mir endlich die Eisentabletten sparen und damit wäre das Verstopfungs-Hämorrhoiden-Problem auch besser? Und noch eine Frage zum Bluthochdruck/ Präeklampsie: meine Frauenärztin hatte sich ja am Freitag vor der Geburt leider nicht mehr mit den Blutwerten (kleines Blutbild, Leber, Niere) gemeldet und am Sonntag ist sie geboren. Als wir im Kreißsaal ankamen, hat die Hebamme im Mutterpass den letzten Blutdruckwert (153/101) und Eiweiß ++ gesehen und dann wurde mir gleich nochmal Blut abgenommen, Urin getestet und Blutdruck gemessen. Ich weiß, dass der Blutdruck wieder hoch war (aber vielleicht im Wehenstress normal?). Was mit dem Urin war, weiß ich nicht. Ich bekam dann noch einen Einlauf und ab dem Moment war ich dann schon so mit mir selbst beschäftigt, dass ich zu solchen Nachfragen nicht mehr fähig war. Mein Mann hat auch nicht gefragt. Auf Station war der Blutdruck eher niedrig, vielleicht bedingt durch den Blutverlust? Sollte ich jetzt nochmal regelmäßig messen oder denken Sie, das Thema ist somit passé? Und eine letzte banale Frage: im Krankenhaus bekam ich immer 200mg Jod am Morgen, welches ich in der Stillzeit weiter nehmen soll. Im Femibion 3, das ich schon vor der Geburt gekauft habe, sind nur 150mg. Reicht das oder soll ich lieber 50mg zusätzlich nehmen? Falls das Gewicht wichtig ist: ich bin eher klein und zierlich. Ja, die Bilder der Geburt hallen schon noch etwas nach. Die Pressphase war nicht einfach und ich habe gespürt, dass Hebamme und Arzt irgendwann an einem Punkt waren, wo ich dann genau den Anweisungen folgen musste, weil es zu kippen drohte und das erinnerte mich an die BEL Geburt unseres Sohnes, bei der es wirklich kurz vor dem Ziel stagnierte und zur Sectio kam und ich danach wirklich körperlich fertig war. Stundenlange Wehen und am Ende die Schmerzen einer Sectio. Doch ich glaube, die Angst, dass es wieder in den letzten Zügen der Geburt nach all den Schmerzen und Stunden zum Geburtsstillstand und Notkaiserschnitt kommt, war dann schon groß, aber dadurch, dass es dank Saugglocke vaginal geklappt hat, wenn es auch höllisch wehtat, weil es wieder so viele Wehen gebraucht hat, in der Mias Kopf und Saugglocke dann gefühlt halb drinnen und halb draußen waren, hinterlässt die Geburt insgesamt doch ein sehr positives Bild. Es hat geklappt :) Das war jeden Schmerz wert :) ich kann das also sehr positiv sehen :) Herzlichen Dank und liebe Grüße aus Nürnberg :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Es tut mir leid, dass ich Sie nach zwei Tagen schon wieder zutexte. Mir geht’s seit letzter Nacht nicht gut, ich kann Sie wieder gut gebrauchen. Gestern hatte ich das Gefühl, den Milchstau mit ihren Tipps in den Griff zu bekommen. Erst Brust wärmen, dann stillen in verschiedenen Positionen, abpumpen, kühlen. Meine Hebamme hat die Brust massiert, aber der Stau löst sich nicht :( Heute Nacht wurde die Brust richtig heiß, rot, Ich konnte mich kaum umdrehen im Bett und seitlich drauf legen vor Schmerzen und habe sehr gefroren und 39 Fieber bekommen. Jetzt fühle ich mich richtig krank. Frieren, müde, schlapp, Schmerzen. So habe ich mir das Wochenbett nicht vorgestellt. Ich möchte für die kleine Mia fit sein :( Ich war deshalb heute bei der Frauenärztin und sie hat mir gegen die Mastitis Floxapen 500mg 4xtgl. für 10 Tage verschrieben. Ich soll auch Ibu 600 gegen Fieber und Schmerzen nehmen. Ist diese Behandlung Standard? Wann würde man eine Milchkultur in Erwägung ziehen? Kann ich auch Ibu 400 nehmen? Wie oft? Das reicht vielleicht. Es geht ja alles in die Muttermilch… was sollte ich sonst beachten? Erst hatte ich nicht genug Milch und jetzt ist es so viel, dass ich nicht mehr weiß wohin damit. Stilleinlagen alleine reichen nicht, meine Hebamme hat mir Auffangschalen gegeben und da sammeln sich in 3 Stunden locker 30-40ml pro Brust. Toll, dass ich das gleich einfrieren kann, aber es schmerzt und fühlt sich nach Explosion an. Das Problem ist vielleicht auch, dass Mia eher nur alle 4 Stunden trinken möchte und dann aber einen richtigen Zug hat und in 8 Minuten sich den Bauch an allein einer Seite vollhaut und an der anderen Seite dann fast nichts mehr will und satt und müde ist. Sie rollt dann so süß die Augen wie in einem Milchrausch, lächelt sogar kurz, genießt und schläft ein. Wenn ich sie schon nach 2-3 Stunden wecke, damit sie die Brust eher leert und mir Druck nimmt, ist sie schläfrig und will nicht viel trinken. Es geht offenbar gegen ihren Rhythmus. Sie schläft mit ihren 10 Tagen noch unglaublich viel. Sie nimmt aber super zu. Heute (10 Tage alt) schon 3040g, also schon mehr als Geburtsgewicht (2920g) und das obwohl sie ja so abgenommen hatte. Sie hat 200g in 2 Tagen zugenommen. Super toll! Doch meiner „Explosion“ hilft es leider nicht :( Sobald die Ibu nicht wirkt, friert es mich und die Schmerzen werden echt stark. Ich hoffe außerdem, mit dem Antibiotikum nicht wieder eine bakterielle Vaginose zu bekommen wie nach der eitrigen Nebenhöhlenentzündung am Ende der Schwangerschaft. Ich kann ja mit dem Wochenfluss und Scheidenriss jetzt auch keine Milchsäurezäpfchen einführen. Gibt es eine Alternative? Denken Sie, im Wochenbett ist die Gefahr genauso hoch wie in der Schwangerschaft oder sogar höher? Sollte ich auch gleich wieder OmniBiotic Panda nehmen?  Den Eisen- und Ferritinwert hat die Frauenärztin abgenommen, das Ergebnis kommt aber frühestens am Donnerstag (oder Freitag). Darf ich es Ihnen dann schicken? Ich hatte gehofft, sie gibt mir bei meinem Hb von 9,7 nach der Atonie und dem Hämatom durch die Geburt einfach gleich eine Eiseninfusion, aber leider nein. Mir ist zusätzlich einfach so oft schwindlig, schlapp, müde, meine Hebamme findet mich blass. Ich fühle mich auch so. Für 10 Tage nach der Geburt fühle ich mich noch völlig unfit. Ich finde das gerade alles schwierig mit Neugeborenem, das versorgt werden muss und den Großen gibt es ja auch noch. Mein Mann hat gerade Elternzeit und hilft viel, aber trotzdem möchte und muss ich ja auch funktionieren. Bin etwas traurig gerade :( Die Situation macht es nicht gerade leicht, den Hormoncrash emotional gerade gut auszuhalten. Vielleicht haben Sie Anmerkungen und Anregungen für mich :) Die sind immer wieder tip top :) Herzliche Grüße aus Nürnberg :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,, Ein normales, aber sehr intensives Wochenbett. Zwei Kinder, Schlafmangel, hormoneller Absturz, Verantwortung – das ist Hochleistung. Dass Sie dabei emotional sind, zeigt nur, wie sehr Sie fühlen. Und ja: Es darf gleichzeitig Himmel und Hölle sein. Jetzt ruhig und strukturiert zu den medizinischen Punkten.         1️⃣ Brust, Temperatur, möglicher Beginn einer Mastitis   Sie berichten:   Milchstau bereits bemerkt heiße, gerötete Brüste 38,2 °C schlappes Gefühl   Das ist sehr wahrscheinlich eine beginnende Mastitis, noch im Frühstadium. 👉 38,2 °C ist noch kein dramatisches Fieber. 👉 Krankenhaus ist nicht automatisch nötig. 👉 Antibiotika sind nicht immer sofort erforderlich. Aber: Wenn Rötung, Schmerzen oder Temperatur morgen steigen → frühzeitig behandeln.   Was jetzt entscheidend ist:     Weiterstillen (sehr wichtig!) Häufiges Anlegen, beginnend an der betroffenen Seite Nach dem Stillen kühlen Vor dem Stillen Wärme Sanfte (!) Massage Richtung Mamille Ibuprofen ist erlaubt (entzündungshemmend)   Wenn morgen bei der Gyn:   Temperatur > 38,5 ausgeprägte Rötung Verschlechterung   → Dann Antibiotikum, oral, ambulant. Typisch: Flucloxacillin oder Cephalosporin. Kein Krankenhaus nötig, solange Sie stabil sind. Sie sind noch in einem Bereich, wo man es eventuell ohne Antibiotika drehen kann – aber bitte niedrigschwellig behandeln.         2️⃣ Eisen, Hb 9,7, 700 ml Blutverlust   Hb 9,7 nach Geburt + 700 ml Blutverlust   Schwindel Schlappheit   Das ist absolut plausibel. Hier meine klare Meinung: 👉 Ja, eine Eiseninfusion wäre sinnvoll. 👉 Sie müssen dafür nicht erst 3 Tage auf Labor warten. 👉 Ferritin war vermutlich vor Geburt nicht hoch. Eine einmalige i.v.-Gabe:   wirkt schneller macht keine Verstopfung verbessert Kreislauf deutlich   Gerade mit zwei Kindern und Stillen ist schnelle Stabilisierung wertvoll. Ich würde es machen.         3️⃣ Blutdruck / Präeklampsie   153/101 + Eiweiß ++ ist ernst zu nehmen. Dass danach stationär niedrige Werte waren, kann durch:   Blutverlust Entspannung nach Geburt   bedingt sein. Meine Empfehlung: 👉 Jetzt 1–2 Wochen täglich messen morgens und abends in Ruhe, nicht im Stress. Wenn Werte:   unter 140/90 → beruhigend wiederholt darüber → bitte kontrollieren lassen   Postpartale Präeklampsie kann auch nach Geburt noch auftreten. Also: Thema noch nicht ganz „passé“, aber wahrscheinlich erledigt.         4️⃣ Jod in der Stillzeit   Stillzeitbedarf: ca. 200–250 µg/Tag. Wenn Femibion 150 µg enthält, würde ich auf 200 µg ergänzen. Also ja: 50 µg zusätzlich ist sinnvoll. Nicht wegen Körpergröße – sondern wegen Bedarf.         5️⃣ Ihr schlechtes Gewissen wegen des Großen   Jetzt etwas Wichtiges: Ihr Sohn braucht keine perfekte Mutter. Er braucht eine regulierte Mutter. Wenn Sie sich überlasten, um „gerecht“ zu sein, ist langfristig niemandem geholfen. Er lernt gerade: Mama ist müde, aber Mama liebt mich. Das reicht. Und RSV-Vorsicht ist absolut nachvollziehbar.         6️⃣ Zur Geburt   Was Sie beschreiben, klingt nach:   Kontrollverlustangst durch Vorgeschichte alte Sectio-Erinnerung Grenzsituation dann doch vaginaler Erfolg   Dass es positiv überwiegt, ist ein sehr gutes Zeichen. Aber dass die Bilder noch nachhallen, ist normal. Wenn in 2–3 Wochen:   Flashbacks starkes Wiedererleben Vermeidungsverhalten   auftreten → bitte ansprechen. Früh reagieren ist klug, nicht schwach.         Zusammenfassung     Mastitis wahrscheinlich im Frühstadium → morgen kontrollieren Antibiotikum nur bei Verschlechterung Eiseninfusion: ja, sinnvoll Blutdruck 1–2 Wochen beobachten Jod auf 200 µg ergänzen Progesteron / Stillen / Prolaktin hier kein Thema   Und ganz persönlich: Sie machen das gut. Sehr gut sogar. Aber jetzt dürfen Sie sich auch ausruhen. Ihr Körper hat gerade Großes geleistet. Herzliche Grüße nach Nürnberg 🌷


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst ganz ruhig: Das, was Sie gerade erleben, ist keine Schwäche, sondern eine echte akute Erkrankung im Wochenbett. 39° Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen – das ist keine „kleine Verhärtung“, das ist eine echte Mastitis. Und die darf man ernst nehmen. Sie haben absolut richtig reagiert.         1️⃣ Floxapen 500 mg 4× täglich – ist das Standard?   Ja. Das ist Leitlinien-gerecht bei bakterieller Mastitis. Wirkstoff: Flucloxacillin Ziel: Staphylokokken (häufigster Erreger) Dauer 7–10 Tage ist üblich. Bitte nicht vorzeitig abbrechen, auch wenn es schneller besser wird. Krankenhaus braucht man nur bei:   Kreislaufinstabilität Abszess keine Besserung nach 48 Stunden           2️⃣ Ibuprofen – 400 oder 600?   Beides ist stillverträglich. Ibuprofen geht nur minimal in die Muttermilch. Sie dürfen:   400 mg alle 6–8 Stunden oder 600 mg alle 8 Stunden   Maximal 2400 mg pro Tag. Bei 39° und starken Schmerzen ist 600 mg absolut vertretbar. Das ist nicht gefährlich für Mia.         3️⃣ Wann Milchkultur?   Nur wenn:   nach 48 Stunden Antibiotikum keine Besserung oder Rückfall oder Verdacht auf MRSA   Jetzt noch nicht nötig.         4️⃣ Ihre „Explosion“ – das ist gerade das Hauptproblem   Sie haben:   Überproduktion Baby mit 4-Stunden-Rhythmus einseitige 8-Minuten-Powertrinkerin   Das führt zwangsläufig zu: → Überfüllung → Druck → Stau → Entzündung Wichtig jetzt: ❗ Nicht zusätzlich stark abpumpen. Das signalisiert: „Mehr produzieren!“ Stattdessen:   Nur Druck abnehmen, nicht leerpumpen Blockstillen erwägen (z.B. 3 Stunden nur eine Seite) Kühlen nach dem Stillen Enge BHs vermeiden Lecithin (z.B. 1200 mg 3×/Tag) kann helfen, Milchfließfähigkeit zu verbessern   Dass sie viel zunimmt, ist wunderbar – aber Ihre Brust darf dabei nicht kaputtgehen.         5️⃣ Bakterielle Vaginose durch Antibiotikum?   Das Risiko ist da – aber im Wochenbett nicht höher als sonst. Sie können:   OmniBiotic Panda weiternehmen zusätzlich ein orales Milchsäurepräparat für Vaginalflora   Zäpfchen jetzt wirklich nicht sinnvoll wegen Wochenfluss. Beobachten reicht erstmal. Nicht prophylaktisch vaginal behandeln.         6️⃣ Eisen, Schwindel, Blässe   Hb 9,7 + 700 ml Blutverlust   Infekt Schlafmangel   Natürlich fühlen Sie sich miserabel. Sie sind 10 Tage post partum. Ihr Körper hat:   Geburt Blutverlust Hormonabsturz Infekt   gleichzeitig zu bewältigen. Das ist Hochleistungssport im Minusbereich. Wenn Ferritin niedrig ist → ich würde weiter zur Infusion tendieren. Schicken Sie mir die Werte gerne.         7️⃣ Emotionale Lage   Sie sind:   infiziert anämisch hormonell im Crash schlafdepriviert   Und versuchen gleichzeitig, eine perfekte Mutter für zwei Kinder zu sein. Das ist unmenschlich viel. Sie müssen gerade nicht funktionieren. Sie müssen gesund werden. Ihr Mann ist da. Das ist jetzt sein Job.         8️⃣ Woran Sie erkennen, dass es besser wird   Innerhalb von 24–48 Stunden Antibiotikum sollte:   Fieber sinken Schmerzen abnehmen Rötung kleiner werden   Wenn nicht → sofort wieder zur Ärztin.         Und jetzt etwas Persönliches   Dass Sie traurig sind, ist kein Zeichen, dass Sie es nicht schaffen. Es ist ein Zeichen, dass Sie erschöpft sind. Sie haben:   ein gesundes Baby ein gut zunehmendes Baby eine vaginal bewältigte Geburt eine engagierte Hebamme einen unterstützenden Mann   Im Moment fühlt es sich nicht so an – aber objektiv läuft sehr vieles gut. Nur Ihr Körper schreit gerade: „Pause.“ Und die dürfen Sie sich nehmen. Herzliche Grüße nach Nürnberg 🌷


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für die herzlichen Worte und Ihre super ausführlichen Anregungen. Das hilft sehr gut. Es beeindruckt mich, mit welchem Eifer Sie das machen. Ich weiß, Sie schreiben mir immer, ich nerve nicht, aber jetzt schreibe ich schon wieder. Heute Mittag hat mich meine Frauenärztin angerufen um mir die Eisenwerte mitzuteilen. Sie hat versucht, es extra zu beschleunigen, weil sie auch gesehen hat, dass es mir echt nicht so gut geht. Heute ist die Praxis am Nachmittag zu. Ich soll gleich morgen zur Eiseninfusion kommen. Endlich bekomme ich eine!!! Die Werte: Hb 9,0 (bei Entlassung im Krankenhaus 9,7) Ferritin 16,2 µg/l Aber was mich etwas irritiert: Wie kann denn dieser erneute Absturz vom Hb sein? Dass er 9,7 nach der Geburt war, wundert mich bei dem Blutverlust von 700ml wegen der Uterusatonie nicht. Aber wieso ist er jetzt trotz Eisentabletten nochmal so gefallen? Der Wochenfluss ist nach 11 Tagen schon noch stark und noch immer rot und teilweise mit kleinen Koageln und auch stärker als nach der 1. Geburt, aber das war ja ein Kaiserschnitt. Da ist er schwächer als nach einer vaginalen Geburt? Ich kann mir den erneuten Absturz nicht ganz erklären. Dürfen denn nach 11 Tagen noch Koagel abbluten? Ist das auffällig? Die Hebamme schaut immer auf die Wunde selbst, aber sie sieht natürlich die Blutung selbst auch nicht ständig. Sollte ich sie auf etwas bestimmtes ansprechen wenn sie wieder kontrolliert? Ich spüle auch bei jedem Toilettengang noch immer mit dem „Einlaufbeutel“, den ich im Krankenhaus bekommen habe, mit Wasser, damit das Blut nicht verklebt oder sich Bakterien sammeln.  Wie viele Infusionen gibt man denn bei diesen Werten? Erstmal eine und dann kontrollieren? Wann? Oder ist es wahrscheinlich dass es mehrere braucht? Oder reicht vermutlich eine? Die Mastitis ist leider noch nicht besser, ich muss mich vermutlich noch gedulden. Es sind ja erst 24 Stunden seit dem Antibiotikum. Die letzte Nacht war die Hölle. Ich hatte so Schüttelfrost und dann 39,3 Fieber. Habe dann wieder eine Ibu genommen. Dann hat Mia gleichzeitig nicht gut abgetrunken, sondern immer nur ein paar Schlucke und dann geweint. Das Ganze hat sie im 3-Stunden-Takt gemacht. Mein Mann hat sie super beruhigt, aber wach waren wir natürlich beide. Wir denken, sie hat Bauchweh, denn danach hat sie gedrückt, irgendwann kam Kaka in die Windel, dann hat sie wieder ein paar Schluck trinken können, ist dann aber schnell an der Brust eingeschlafen und ich dachte, mir platzt gleich die Brust. Also habe ich wieder etwas abgepumpt (nicht leer gepumpt) und gekühlt. Meine Hebamme meinte, nach etwa 10 Tagen verändert sich die Milch und wird fettiger und schwerer verdaulich. Liegt es vermutlich daran? Auf jeden Fall macht es das Milchstauproblem noch blöder wenn sie genau jetzt weniger trinkt, weil sie Bauchweh hat. Nach dieser kurzen Nacht habe ich jetzt auch noch Kopfschmerzen zusätzlich. Oder könnte es sein, dass Mia vom Floxapen oder von Ibu Bauchweh bekommt? Welches orale Produkt empfehlen Sie mir neben OmniBiotic Panda denn für die Vaginalflora? Gibt es eines, das besonders gut ist? Kijimea scheint wohl viele Stämme zu haben? Ich finde es nicht so sinnvoll, dass im Femibion nur 150 Mikrogramm Jod sind, wenn Sie sagen, dass 200-250 Mikrogramm in der Stillzeit angemessen sind und ich im Krankenhaus auch 200 Mikrogramm bekommen habe. Ich habe keine Tabletten mit 50 Mikrogramm zur Ergänzung gefunden, nur 100 Mikrogramm. Habe ich nur noch nicht gut geschaut oder gibt es das wirklich nicht? Dann einfach jeden zweiten Tag 100 Mikrogramm zusätzlich zum Femibion nehmen? Oder einfach jeden Tag? Ich frage mich wirklich nach der Sinnhaftigkeit von Femibion 3 wenn genau vom Wichtigsten in der Stillzeit nicht genug drin ist… Ich versuche mich heute wieder mehr auszuruhen. Mein Mann nimmt mir sehr viel ab, kocht lecker, wäscht, kauft ein. Es ist tatsächlich mein Problem, dass ich unglaublich gerechtigkeitsliebend bin und dem Großen genauso viel Aufmerksamkeit geben möchte wie der Kleinen. Ich möchte nicht, dass er sich jetzt als das 5. Rad am Wagen fühlt. Für mich ist das emotional noch sehr schwierig. Beim 1. Kind stellt sich diese Frage nicht. Mein Mann bietet mir ständig an, mit ihm zu spielen, damit ich mich ausruhen kann. Ich muss es vielleicht einfach öfter annehmen. Mit dem Fieber und den Schmerzen bin ich auch gerade nicht in der Lage, lang am Boden rumzusitzen. Mal davon abgesehen, dass ich danach den Scheidenriss auch jedes Mal wieder mehr spüre. Obwohl es gerade etwas holpert, bin ich doch sehr froh, dass vieles auch gut läuft. Mia ist gesund, nimmt toll zu und gibt uns so viel. Unser Großer geht ganz lieb mit ihr um, ist bisher gar nicht kompliziert und passt sich seiner „Entthronung“ ganz gut an. Mein Mann ist da und fängt alles auf. Und meine Hebamme und Sie haben immer ein Auge darauf, wenn etwas nicht so läuft :) Dankeschön :) Herzliche Grüße von Nürnberg nach Ulm :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, zunächst: Sie nerven nicht. Sie stemmen gerade Wochenbett + Anämie + Mastitis + zwei Kinder + Schlafmangel – und funktionieren immer noch reflektiert und verantwortungsvoll. Das ist keine Kleinigkeit. Ich gehe strukturiert durch Ihre Punkte.         1. Hb-Abfall trotz Eisentabletten – wie kann das sein?   Hb 9,0 g/dl, Ferritin 16 µg/l → das ist eine klare Eisenmangelanämie. Und ja: Der leichte weitere Hb-Abfall ist erklärbar. Warum?   Verdünnungseffekt: Nach der Geburt verschiebt sich Flüssigkeit zurück ins Gefäßsystem. Das kann den Hb in den ersten 1–2 Wochen nochmals „verdünnen“. Orales Eisen wirkt langsam. In 11 Tagen steigt der Hb oft noch gar nicht relevant. Anhaltender Wochenfluss. Wenn er noch deutlich rot ist und stärker als nach dem Kaiserschnitt, verlieren Sie weiter Blut. 700 ml Blutverlust + Entzündung (Mastitis) → das belastet zusätzlich.   Das ist also nicht mysteriös – sondern physiologisch plausibel.         2. Wochenfluss nach 11 Tagen – sind Koagel normal?   Ja, kleine Koagel sind noch normal. Nach vaginaler Geburt ist der Wochenfluss meist:   stärker länger rot mit kleinen Koageln   Nach Kaiserschnitt ist er oft schwächer, weil die Gebärmutter ausgeschabt wird. Alarmzeichen wären:   faustgroße Koagel plötzliche massive Blutung übler Geruch Kreislaufprobleme   Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie die Hebamme konkret an: „Ist die Uterusrückbildung zeitgerecht? Könnte noch eine Plazentarestproblematik bestehen?“ Aber nach Ihrer Schilderung klingt es noch im Rahmen. Das Spülen mit Wasser ist absolut in Ordnung.         3. Eiseninfusion – wie viele?   Bei Hb 9,0 und Ferritin 16: 👉 In der Regel 1000 mg Eisen i.v. (z.B. Ferricarboxymaltose) → danach Kontrolle nach 2–3 Wochen Häufig reicht eine Infusion. Manchmal braucht es eine zweite – das sieht man nach Kontrolle. Wichtig: Ferritin sollte >50 µg/l werden, besser Richtung 80.         4. Mastitis + Fieber + Schüttelfrost   39,3 °C mit Schüttelfrost ist typisch. 24 Stunden Antibiotikum sind noch zu früh für klare Besserung. Erwartung:   Fieber sollte nach 48 Stunden sinken Brust weicher werden Allgemeinzustand besser   Wenn das nicht passiert → erneute ärztliche Kontrolle (Abszess ausschließen).         5. Trinkt Mia weniger – Bauchweh wegen Antibiotikum?   Möglich, aber:   Floxapen geht nur minimal in die Milch über. Ibu ist stillverträglich.   Wahrscheinlicher:   Milchzusammensetzung verändert sich tatsächlich Mastitis verändert Fluss & Geschmack Sie ist insgesamt unruhig, weil Sie krank sind   Dass sie nach Stuhlgang besser trinkt, spricht für Blähungen. Das Hauptproblem ist nicht die Milch – sondern der Zeitpunkt (Milchstau + Mastitis + Wachstumsschub). Sie handeln absolut richtig:   nicht leerpumpen kühlen regelmäßig anlegen           6. Probiotikum für Vaginalflora   OmniBiotic Panda ist fürs Baby gut. Für Sie vaginal/oral:   OmniBiotic Flora plus Kijimea FloraCare (mehr Stämme, solide) lokal: Milchsäure-Zäpfchen möglich   Ich würde es nicht überkomplizieren. 1 gutes Präparat reicht.         7. Jod – ganz pragmatisch   Sie denken richtig. Stillzeit: 200–250 µg sinnvoll. Femibion 3 enthält 150 µg. Optionen: ✔ täglich zusätzlich 100 µg → ergibt 250 µg oder ✔ jeden 2. Tag 100 µg → im Mittel 200 µg Beides medizinisch völlig akzeptabel. Sie müssen kein 50 µg-Präparat suchen.         8. Ihre emotionale Belastung   Hier spreche ich Klartext. Ihr Körper:   hat 700 ml Blut verloren hat Hb 9 kämpft mit Mastitis schläft kaum   Und Sie möchten gleichzeitig perfekte Mutter für zwei Kinder sein. Das ist unrealistisch. Ihr Großer braucht nicht Gleichverteilung. Er braucht:   Sicherheit Verlässlichkeit das Gefühl, gesehen zu werden   Und das kann auch Ihr Mann leisten. Wenn Sie sich jetzt nicht schonen, verlängern Sie:   die Mastitis die Anämie die Erschöpfung   Nehmen Sie Hilfe an. Nicht aus Schwäche – aus Verantwortung.         9. Kopfschmerzen   Sehr wahrscheinlich:   Anämie Schlafmangel Entzündung Dehydrierung   Trinken. Schlafen. Eiseninfusion.         Und jetzt das Wichtigste   Trotz allem schreiben Sie:   Mia ist gesund. Sie nimmt zu. Ihr Großer ist liebevoll. Ihr Mann trägt. Sie fühlen Dankbarkeit.   Das ist kein Zufall. Das ist Ihre stabile innere Struktur. Es holpert – aber es kippt nicht. Und das ist der entscheidende Unterschied. Ruhen Sie sich heute wirklich aus. Nicht theoretisch. Praktisch. Herzliche Grüße zurück nach Nürnberg Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Guten Abend lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort und die klaren Erklärungen. Das war wieder tip top.  Ich will Sie nur ganz kurz fragen, was Sie an meiner Stelle morgen tun würden. Ich komme nicht ganz mit was mein Körper tut, mein Mann ist beunruhigt um mich und mich macht das emotional alles echt fertig. Das Floxapen gegen die Mastitis nehme ich jetzt seit 48 Stunden. Ich finde, die Brust tut weniger weh, ist weniger rot und Mia hat heute auch oft und gut abgetrunken, aber das Fieber geht nicht runter. Müsste das dann nicht auch runter gehen? Wenn die Ibu nicht mehr wirkt, geht es schnell mit Schüttelfrost Richtung 39,0-39,3. Dann fühle ich mich natürlich schlapp und müde und einfach nicht gut. Ich finde auch den Wochenfluss heute stärker als gestern, aber vielleicht kann das auch mal sein? Er ist noch immer zwischen hellrot und dunkelrot und mit Koageln (Tag 12 nach Geburt). Morgen würde auch meine Hebamme wieder nach mir schauen. Denken Sie, das reicht oder sollte ich noch vor dem Wochenende nochmal zur Frauenärztin? Was könnte das sein oder muss ich mich einfach noch gedulden? Ich kann es nicht einschätzen. Gut geht’s mir noch gar nicht. Wenn ich zur Frauenärztin gehe, was sollte sie untersuchen oder machen? Die Eiseninfusion habe ich jetzt endlich bekommen :) Ich habe mir aber Ihren Klartext zu Herzen genommen und mich heute sehr viel ausgeruht. Mein Mann hat alles allein geschmissen. Also daran liegt es heute nicht :) ich war brav. Tut mir leid, dass ich mich schon wieder an Sie wende. Herzliche Grüße aus dem verschneiten Nürnberg :) Mia war heute das erste Mal im Schnee im Kinderwagen mit ihrem Papa und Bruder draußen und hat alles verschlafen :) Und der stolze Bruder hat sie geschoben :) Hoffe, ich kann auch bald mal mit meinen Lieben rausgehen.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend – und zuerst: Es tut mir leid, dass Sie gerade so kämpfen. Tag 12 nach Geburt, Mastitis, Fieber, Wochenfluss – das ist körperlich und emotional eine echte Belastung. Und Sie machen das gut. Sie ruhen sich aus, Sie nehmen das Antibiotikum, Ihr Mann unterstützt Sie. Das ist genau richtig. Jetzt Klartext, damit Sie Sicherheit bekommen:   1️⃣ Mastitis unter Floxapen – wie sollte es laufen?   Sie nehmen Floxapen seit 48 Stunden. Typischer Verlauf:   Schmerz ↓ innerhalb 24–48 h Rötung ↓ Allgemeinzustand bessert sich Fieber sollte innerhalb von 48–72 h deutlich sinken   Bei Ihnen:   Brust wird besser ✔️ Kind trinkt gut ✔️ Fieber geht bei Ibu-Ende wieder auf 39+ ❗   Das ist der Punkt, der mich aufmerksam macht. 👉 Wenn nach 48 Stunden noch hohes Fieber mit Schüttelfrost besteht, muss man prüfen:   Ist das Antibiotikum passend? Gibt es einen Abszess? Gibt es zusätzlich eine andere Infektionsquelle?           2️⃣ Wochenfluss Tag 12 – normal oder Warnsignal?   Tag 12:   Hellrot bis dunkelrot kann noch normal sein Kleinere Koagel sind möglich Es darf aber nicht wieder deutlich stärker werden   Worauf man achten muss:   Übler Geruch? Druckschmerz über der Gebärmutter? Unterbauchschmerzen? Frisches, schwallartiges Blut?   Wenn Fieber + stärkerer Wochenfluss zusammen auftreten, denkt man auch an: ➡️ Endometritis (Gebärmutterentzündung) Das kann sich mit Mastitis überlappen oder zusätzlich auftreten.         3️⃣ Was würde ich morgen tun?   Ganz ehrlich: Ich würde nicht einfach abwarten, auch wenn die Hebamme kommt. Sie brauchen morgen eine ärztliche Kontrolle – idealerweise:   Untersuchung sollte beinhalten:     Brust gründlich palpieren (Abszess?) Temperaturverlauf anschauen Uterusdruckschmerz prüfen Vaginaluntersuchung Ultraschall:   Restgewebe? Flüssigkeit?   CRP, Blutbild   Wenn CRP hoch bleibt oder steigt → Antibiotikum wechseln oder erweitern.         4️⃣ Wann sofort handeln?   Heute noch ärztlich abklären, wenn:   Fieber trotz Ibu nicht unter 38,5 kommt Schüttelfrost anhält Kreislaufprobleme starke Unterbauchschmerzen übel riechender Wochenfluss           5️⃣ Wichtig für Ihre Beruhigung   Sie haben:   Schmerzrückgang bessere Brust gute Entleerung Eiseninfusion erhalten   Das sind positive Zeichen. Aber: Anhaltendes hohes Fieber nach 48h → sollte man ernst nehmen. Das ist kein „Sie sind zu empfindlich“. Das ist vernünftig.         6️⃣ Emotional   Sie sind im Wochenbett. Hormone + Schlafmangel + Infekt = emotionale Achterbahn. Ihr Mann ist beunruhigt, weil er Sie liebt. Sie sind erschöpft, weil Ihr Körper gerade Gewaltiges leistet. Und trotzdem: Sie haben heute geruht. Sie haben Hilfe angenommen. Sie sind verantwortungsvoll. Das ist Stärke.         Meine klare Empfehlung:   👉 Morgen ärztlich untersuchen lassen. Nicht erst übers Wochenende. Hebamme + Ärztin wäre ideal. Und wenn heute Nacht das Fieber wieder hochschießt und Sie sich richtig krank fühlen → lieber einmal zu viel in die Klinik. Sie sollen bald mit Mia im Schnee spazieren gehen – nicht im Bett mit 39,3 liegen. Und übrigens: Ein schlafendes Schneebaby im Kinderwagen ist ein ziemlich starkes Motiv, wieder gesund zu werden.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke für Ihre verständnisvolle Antwort und die guten Empfehlungen. Ich würde gerne nach meinem Arztbesuch heute und dem Besuch meiner Hebamme nochmal Rücksprache mit Ihnen halten, denn ich bin etwas verunsichert ob alles so läuft wie es soll. Ich spüre seit letzter Nacht immer wieder leichte Unterleibsschmerzen und um die Stärke vom Wochenfluss genauer zu beschreiben: er ist wieder stärker als die letzten Tage, auf jeden Fall mehr als bei der Periode, eher wie kurz nach der Geburt, aber jetzt auch nicht schwallartig mit faustgroßen Koageln. Es sind kleinere Koagel. Das Fieber ist unverändert bei 39-39,3. Mit Ibu geht das Fieber auf circa 38,0 runter und dann steigt es nach ein paar Stunden wieder auf 39,0-39,3. Dann bekomme ich leichte Unterleibsschmerzen und Kopfschmerzen. Ich war heute also bei der Frauenärztin. Die Brust ist wirklich besser. Sie schmerzt weniger, Mia trinkt besser ab. Die Ärztin hat keinen Abszess finden können. Sie denkt, daran liegt es nicht. Sie hat beim Abtasten vom Bauch festgestellt, dass die Gebärmutter noch relativ groß ist und ich hatte Druckschmerzen. Sie hat Blut abgenommen für ein Blutbild inklusive CRP, Leukozyten. Das Ergebnis kommt aber erst Montag. Restgewebe in der Gebärmutter hat sie im Ultraschall nicht gesehen. Einstweilen soll Ich Amoxicillin/Clavulansäure nehmen. Falls das Fieber bis Sonntag nicht sinkt oder sogar steigt, sollen wir ins Krankenhaus gehen. Meine Hebamme war am Nachmittag auch da und war etwas besorgt. Sie meinte, man würde eine Endometritis eigentlich im Krankenhaus mit intravenösen Antibiotika behandeln und Oxytocin geben. Sie meinte, sie würde dem Ganzen nicht mehr als 24h geben. Ich wollte Sie gern nach Ihrer Meinung fragen. Es ist wahrscheinlich aus der Ferne schwerer einzuschätzen und natürlich können Sie dafür keine Verantwortung übernehmen, aber ich bin jetzt etwas verunsichert. Mein Mann macht sich weiterhin Sorgen. Ich habe ja direkt nach der Entbindung schon Oxytocin intravenös bekommen und es wurde im Wechsel vom Arzt und der Hebamme ganz viel auf meinem Bauch gedrückt, weil die Gebärmutter sich nicht kontrahiert hat, es zur Antonie kam und ich 700ml Blut verloren habe. Ich habe auch überhaupt keine Nachwehen gespürt, auch nicht beim Stillen, was ich nach dem Kaiserschnitt unseres Sohnes schon gespürt hatte. Kann es sein, dass sich das jetzt fortsetzt und das Problem ist? Es hieß ja dann auch, dass ich noch Eihautreste habe, die mit einer Ausschabung raus müssten, wenn das Problem mit Oxytocin nicht in den Griff kommt. Davon war dann keine Rede mehr. Ist die Behandlung meiner Frauenärztin in Ordnung? Sind diese Antibiotika Standard und geht davon viel in die Muttermilch? Wird es Mia sehr schaden? Sie hat auch heute immer wieder mit Blähungen zu kämpfen, schreckt dann mitten im Schlaf weinend hoch, hat einen roten Kopf, drückt und will erst wieder die Brust, wenn sie Stuhlgang hatte. Ich hoffe, dadurch die Mastitis nicht wieder zu verschlimmern. Jetzt bekomme ich also Floxapen + Amoxicillin/Clavulansäure gleichzeitig. Macht das denn Sinn auf Verdacht sozusagen? Haben Sie sonst Anmerkungen oder Tipps? Meine Hebamme schaut morgen wieder nach mir. Sollte sie was bestimmtes schauen? Ich fühle mich wirklich wie zwischen Himmel und Hölle. Dieser Verlauf vom Wochenbett macht mich so traurig. Ich würde Mia so gerne genießen, aber wenn es einem schlecht geht und man am liebsten nur schlafen will, ist das so schade.  Emotional fühle ich mich wie eine Heulsuse, der ständig die Tränen kommen. Die Hormone machen das nicht besser. Und dann schau ich Mia wieder in ihre großen Kulleraugen und bin ganz verliebt in dieses kleine Wunder :) sie ist so zuckersüß und bisher so ein Anfängerbaby. Gar nicht anspruchsvoll. Wenn sie ihre Milch bekommen hat und satt ist, ist ihre Welt in Ordnung und sie lässt alles mit sich machen :) Nur die Nächte lassen noch sehr zu wünschen übrig. Herzliche Grüße aus Nürnberg :) Ihre Antworten helfen ungemein! 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, ich antworte Ihnen jetzt sehr klar und strukturiert, weil Ihre Situation ernst genommen werden muss. Sie haben:   anhaltendes Fieber 39–39,3 °C Druckschmerz über der Gebärmutter wieder stärker gewordenen Wochenfluss Vorgeschichte mit Uterusatonie und 700 ml Blutverlust   Das ist kein typischer harmloser Wochenbettverlauf.         🔎 Woran man jetzt denken muss   Das klinische Bild passt deutlich eher zu einer Endometritis puerperalis als zur Mastitis. Typische Zeichen:   Fieber > 38,5 °C über mehrere Tage Druckschmerzhafte, vergrößerte Gebärmutter vermehrter oder wieder stärker werdender Wochenfluss evtl. Koagel   Dass die Brust besser ist, spricht gegen eine anhaltende Mastitis als alleinige Ursache.         ⚠️ Wichtig: 39 °C trotz Antibiotikum   Sie nehmen bereits:   Floxapen (gegen Mastitis) jetzt zusätzlich Amoxicillin/Clavulansäure   Wenn das Fieber trotzdem unverändert hoch bleibt, bedeutet das: ➡️ Die derzeitige Therapie greift möglicherweise nicht ausreichend. ➡️ Oder der Fokus liegt tatsächlich in der Gebärmutter. Ihre Hebamme hat einen wichtigen Punkt angesprochen: Eine echte Endometritis wird häufig stationär mit intravenösen Antibiotika behandelt – insbesondere bei hohem Fieber.         💊 Ist Amoxicillin/Clavulansäure richtig?   Ja – es ist ein übliches Breitbandantibiotikum im Wochenbett. Aber: Bei 39 °C und Uterusschmerz reicht „abwarten bis Montag“ medizinisch nicht immer aus. Ich würde es so formulieren:   Wenn das Fieber innerhalb von 24 Stunden nicht klar sinkt oder Sie sich schlechter fühlen oder Schüttelfrost dazukommt   ➡️ dann bitte nicht zögern und ins Krankenhaus fahren. Lieber einmal zu früh als zu spät.         🤱 Stillen & Antibiotika   Amoxicillin/Clavulansäure ist:   stillverträglich geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über   Mögliche Nebenwirkung beim Baby:   etwas weichere Stühle Blähungen   Das ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Das aktuelle Verhalten von Mia klingt nach normalen Säuglingskoliken – nicht nach Antibiotikaschaden. Sie dürfen weiter stillen. Das ist sogar wichtig.         🧠 Zur Uterusatonie-Vorgeschichte   Ja – das kann zusammenhängen. Wenn:   die Gebärmutter sich initial schlecht kontrahiert hat eventuell Eihautreste im Raum standen Sie keine Nachwehen gespürt haben   kann es sein, dass sich die Gebärmutter jetzt verzögert zurückbildet. Das begünstigt Infektionen.         💬 Ganz ehrlich meine Einschätzung   Bei:   39 °C Uterusschmerz stärkerem Wochenfluss emotionaler Erschöpfung   wäre meine persönliche Schwelle niedrig, stationär zu gehen. Nicht panisch. Aber konsequent. Ihre Hebamme wirkt aufmerksam – das ist gut. Lassen Sie sie morgen bitte konkret prüfen:   Fundusstand (wie hoch steht die Gebärmutter?) Druckschmerz Geruch des Wochenflusses Kreislauf erneute Temperatur   Wenn das Fieber morgen weiterhin 39 °C beträgt → ich würde nicht bis Montag warten.         💛 Und jetzt etwas Wichtiges   Sie sind nicht „Heulsuse“. Sie haben:   Geburt Blutverlust Mastitis hohes Fieber Schlafmangel Hormone im Sturzflug   Jeder stabile Mensch wäre da emotional am Limit. Dass Sie Mia anschauen und sich verlieben – das ist das Entscheidende. Der Rest ist Erschöpfung und Entzündungsstress.         Klare Handlungs-Empfehlung   Heute Nacht:   regelmäßig Temperatur kontrollieren ausreichend trinken Ibu nehmen wie verordnet   Morgen:   Hebammenkontrolle wenn weiterhin 39 °C → Krankenhaus   Nicht aus Angst. Sondern aus kluger Vorsicht. Sie sind keine komplizierte Patientin. Sie haben nur einen Verlauf, der aktiv gemanagt werden muss. Und das bekommen wir hin. Herzliche Grüße nach Nürnberg Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Über Ihre schnelle Antwort mit der klaren Handlungsempfehlung bin ich sehr dankbar. Sie haben mir klar gezeigt, was normal ist und was nicht. Und Sie finden immer ein paar freundliche Worte, die mir Mut machen und Verständnis zeigen.  Meine Frauenärztin wirkte mir mit dem Blutdruck- und Eiweißproblem schon sehr entspannt, eher zu entspannt und jetzt war es wieder dasselbe mit der Endometritis. Meine Hebamme war eher vorsichtig wie Sie und gestern besorgt, als sie uns besucht hat. Die Nacht von Freitag auf Samstag war  schon ganz unschön. Ich hatte wieder 39 Fieber, unterbauchschmerzen und Mia hat sich irgendwie auf einmal auch noch schwer getan, an der Brust anzudocken, was sie sonst super gut macht. Dauernd kamen ihr ihre Hände und Finger in die Quere, sie hat sie dauernd vor die Brust geschoben und sich damit selbst beim Trinken blockiert und irgendwann hat sie sich etwas verzweifelt in Rage geschrien. Davon ist dann der große Bruder trotz geschlossener Türen wach geworden und dann hatte mein Mann zwei weinende Kinder und eine verzweifelte Frau zu trösten.  Gestern Nachmittag war dann meine Hebamme da. Fieber 38,2 aber ich hatte eine Stunde vorher eine Ibu genommen, weil es wieder bei 39,5 war. Fundusstand noch auf Nabelhöhe (Mia ist jetzt genau zwei Wochen alt). Das ist viel zu hoch? Wo sollte er sein? Druckschmerz ist da. Wochenfluss ist rot, Heute kam tagsüber mal ein handtellergroßer Koagel. Sie sagte, der Wochenfluss riecht auch nach Bakterien. Mein Kreislauf ist noch nicht besser seit der Eiseninfusion am Donnerstag. Wie schnell sollte das gehen? Mir ist immer wieder schwindlig. Auch meine Hebamme war der Meinung, dass ich stationär behandelt werden muss. Wir sind also ins Krankenhaus gefahren. Von Ultraschall über Abstrich über Blutentnahme wurde ich auf den Kopf gestellt und habe bisher nur so viel verstanden, dass ich wirklich eine Endometritis habe. Ich erhalte jetzt Clindamycin und Gentamicin intravenös. Mia darf zum Glück bei mir bleiben und ich darf und soll sie weiter stillen. Sind beide Medikamente in Ordnung für sie? Wäre etwas wichtig? Kann ich irgendwelche klugen Fragen stellen? Sollte ich auf etwas achten? Haben Sie Anmerkungen? Erzählen Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Was sollte nach der Atonie, verzögerten Rückbildung der Gebärmutter, Endometritis und Mastitis alles erfolgen? Gibt man nochmal Oxytocin wie kurz nach der Geburt wegen der Atonie? Ich muss ehrlich sagen, dass mir das emotional alles viel zu viel ist. Mir ist heute nur zum Weinen. Ich würde so gerne die Kuschelzeit zu Hause genießen. Und ich habe auch Angst vor der nächsten Nacht mit Mia alleine obwohl es mir gar nicht gut geht. Die letzte Nacht war für mich schrecklich. Irgendwann habe ich nur noch geweint. Das Stillen klappt ja im Liegen gut. Aber Mia hatte sichtlich wieder Bauchweh. Sie hat kurz angedockt, dann kaum getrunken, ganz laut geweint und gedrückt. Mur Ihrem kurzen Nuckeln hat sie den Milchspendereflex so stark ausgelöst, dass ich mich dann komplett umziehen musste, weil trotz Stilleinlagen alles nass voller Milch war. Dann hatte ich wieder das Gefühl, die Brust explodiert obwohl die Mastitis insgesamt besser ist. Hoffentlich wird sie so nicht wieder schlechter. Dann lief die Binde über, weil es stark blutet. Wieder umgezogen. Mia hat wieder geweint. Irgendwann war sie glücklicher, hat getrunken und Stuhlgang in die Windel gemacht. Windel gewechselt, 4 Mal, weil 4 Mal reingemacht :( Das alles frierend und schlapp wegen Fieber. Sie hat aber von ihren 2920g Ausgangsgewicht schon auf 3190g zugenommen, davon allein in den letzten 4 Tagen 150g. Ich möchte doch einfach nur fit werden für meine Lieben 😞 Ich wollte so gerne eine vaginale Geburt, weil ich nach dem Notkaiserschnitt bei unserem Sohn lange gebraucht habe um fit zu sein. Und jetzt ist es alles noch doofer. Entschuldigung für mein Gejammer. Melde mich wieder bei Ihnen wenn ich Fragen habe und es physisch und psychisch auf die Reihe kriege zu schreiben. Versuche mich jetzt mal suf Ruhe und Schlaf zu konzentrieren. Herzliche Grüße 🙂


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst ganz klar: Sie jammern nicht. Sie sind zwei Wochen nach Geburt, mit Fieber bis 39,5 °C, Endometritis, Mastitis-Vorgeschichte, Anämie, zwei kleinen Kindern – und funktionieren trotzdem noch. Dass Sie weinen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, wie viel Sie gerade tragen. Jetzt sachlich und ruhig Punkt für Punkt.         1. Endometritis – ist die Therapie richtig?   Ja. Die Kombination aus Clindamycin und Gentamicin ist ein klassisches, sehr wirksames Standardregime bei postpartaler Endometritis. Sie deckt:   anaerobe Keime Streptokokken gramnegative Darmkeime   ab – also genau das, was man nach Geburt erwartet.   Stillen?   Beide Medikamente sind in der Stillzeit grundsätzlich erlaubt.   Clindamycin geht nur in geringen Mengen in die Milch über. Gentamicin wird beim Kind praktisch nicht resorbiert (es bleibt im Darm).   Beobachten Sie bei Mia:   Durchfall? Soor im Mund? ungewöhnliche Trinkschwäche?   Aber grundsätzlich: Sie dürfen stillen.         2. Fundusstand – ist Nabelhöhe zu hoch?   Ja, das ist für Tag 14 deutlich zu hoch. Normalerweise:   Tag 1–2: auf Nabelhöhe danach: ca. 1 Querfinger pro Tag tiefer nach 2 Wochen: meist schon deutlich unterhalb der Symphyse tastbar oder kaum mehr abdominal fühlbar   Dass er bei Ihnen noch auf Nabelhöhe ist + Druckschmerz + übel riechender Wochenfluss → passt absolut zur Endometritis. Das ist also keine übertriebene Reaktion, sondern eine klare medizinische Situation.         3. Gibt man Oxytocin?   Im Akutfall einer Atonie direkt nach Geburt ja. Zwei Wochen später ist Oxytocin meist nicht mehr primäre Therapie. Was jetzt entscheidend ist:   effektive Antibiotikatherapie ggf. Kontrolle im Ultraschall: Restgewebe? Plazentareste? Entzündungswerte (CRP, Leukozyten) Verlauf Temperaturverlauf   Falls im Ultraschall Reste gesehen würden, wäre eine Kürettage Thema. Aber nur wenn wirklich etwas da ist.         4. Eiseninfusion – wann wirkt sie?   Viele erwarten ein Wunder nach 24 Stunden. Realistisch:   Kreislaufbesserung oft nach 3–5 Tagen Hb-Anstieg messbar nach ca. 1 Woche volle Leistungsfähigkeit dauert   Ihr Schwindel ist aktuell wahrscheinlich multifaktoriell:   Fieber Infekt Schlafmangel Blutverlust Hormonumstellung   Nicht nur Eisen.         5. Mastitis – Risiko Rückfall?   Der starke Milchspendereflex spricht eher für viel Milch als für Blockade. Wichtig:   regelmäßig anlegen oder abstreichen Brust weich halten nicht „auf Vorrat“ pumpen keine Stauung zulassen   Dass Mia 150 g in 4 Tagen zugenommen hat, ist hervorragend. Das zeigt: Milchmenge passt. Ihr Gefühl, die Brust „explodiert“, ist wahrscheinlich:   Milchspendereflex + Stress + Fieber + Hormonchaos           6. Mias Verhalten an der Brust   Das mit den Händen vor der Brust, Unruhe, Drücken, Schreien: Typisch für:   Bauchweh / Darmreifung sehr starken Milchspendereflex Überangebot (sie bekommt „Milchschwall“)   Manchmal hilft:   kurz etwas Milch vorher ausstreichen leicht zurückgelehnt stillen (damit der Fluss nicht so stark ist)   Vier volle Windeln sind kein Problem – das ist eher gesund.         7. Emotional – und das ist wichtig   Sie hatten:   Atonie verzögerte Rückbildung Mastitis jetzt Endometritis hohes Fieber Krankenhaus   Das ist kein „normaler Wochenbettverlauf“. Ihr Körper steht seit 14 Tagen im Dauerstress. Und jetzt das Entscheidende: Wenn Sie sagen, dass Sie Angst vor der Nacht haben, obwohl Mia neben Ihnen liegt – das nehme ich ernst. Postpartale Erschöpfung kann kippen in:   Wochenbettdepression Überforderung Angstsymptomatik   Das ist nichts, wofür man sich schämt. Das ist Biologie + Schlafentzug + Entzündung + Hormone. Bitte sagen Sie im Krankenhaus offen: „Ich bin emotional überfordert und habe Angst vor der Nacht.“ Das ist eine medizinische Information, kein Gejammer.         8. Was Sie klug fragen können     Wie hoch sind CRP und Leukozyten? Wie schnell sollte das Fieber unter Therapie sinken? Wird ein Kontrollultraschall gemacht? Sind Plazentareste sicher ausgeschlossen? Wie lange planen Sie die i.v.-Therapie? Wann darf ich heim?   Meist sieht man innerhalb von 48 Stunden deutliche Besserung. Wenn das Fieber nicht sinkt → Therapieanpassung.         9. Wichtig: Prognose   Postpartale Endometritis unter richtiger Therapie → heilt in aller Regel vollständig aus. Das bedeutet:   keine bleibende Schädigung der Gebärmutter keine langfristige Einschränkung keine Beeinträchtigung zukünftiger Fruchtbarkeit   Sie sind nicht „kaputt“. Ihr Körper kämpft gerade – und er bekommt jetzt die richtige Hilfe.         10. Und jetzt etwas Persönliches   Sie wollten die Kuschelzeit genießen. Sie wollten die „leichte“ vaginale Geburt. Sie wollten es diesmal anders. Stattdessen fühlen Sie sich wie im Dauer-Ausnahmezustand. Das ist bitter. Aber: Sie haben ein gesund wachsendes Mädchen mit 3190 g. Sie stillen trotz allem. Sie handeln verantwortungsvoll. Sie sind ins Krankenhaus gefahren, obwohl Sie eigentlich nur Ruhe wollten. Das ist keine schwache Mutter. Das ist eine sehr gute. Jetzt ist Ihre einzige Aufgabe: Schlafen, wenn Sie können. Antibiotika wirken lassen. Sich helfen lassen. Mehr nicht. Und bitte: Melden Sie sich jederzeit. Ich begleite Sie da ruhig durch.


the.flower

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Guten Abend lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bin sehr berührt von Ihrer Hilfe. Medizinisch und emotional sind Sie eine echte Stütze und Bereicherung :)  Am Samstagabend kamen wir im Krankenhaus an und nachdem ich komplett untersucht wurde, bekam ich nachts das erste Antibiotikum intravenös. Die 48 Stunden sind noch nicht ganz vorbei, aber fast. Ich bin vielleicht auch zu ungeduldig… Aber bis jetzt sinkt das Fieber nicht. Kann es auch etwas länger dauern bis es sinkt? Ich stehe unter Dauer Ibu, aber dazwischen geht das Fieber wie eine Rakete mal rauf (höchstes heute: 39,6), mal runter (niedrigstes heute: 38,2). Frieren und Schwitzen im Wechsel. Ich finde das körperlich sehr anstrengend. Ziehe mich ständig um, weil ich entweder so schwitze von der Ibu oder die Milch oder das Blut überall hinlaufen. Fühle mich wie nicht Herr meines Körpers. Und ich habe immer Unterleibsschmerzen sobald die Ibu nicht wirkt. Ist es denn auch normal bei Endometritis, dass der Wochenfluss manchmal diese handtellergroßen Koagel hat? Da erschrecke ich jedes Mal und frage mich auch, wie da der Eisenwert wieder besser werden soll, selbst mit Infusion? Ein Kontrollulttaschall wurde am Samstagabend gemacht. Kann man Eihautreste denn immer gut im Ultraschall erkennen? Ich bin irgendwie noch skeptisch, dass sie wirklich komplett weg sind. Sie sagen Oxytocin ist nicht mehr primäre Therapie nach zwei Wochen. Wie meinen Sie das? Wird es gar nicht oder nur wenig gegeben? Direkt nach der Nachgeburt standen diese Reste ja im Raum und Arzt und Hebamme wurden wegen der Atonie etwas hektisch. Die Hebamme sagte nur etwas erschrocken, dass es so stark blutet und der Arzt hat sofort Oxytocin organisiert und nachdem alle beide auf meinem Bauch herum drückten, kündigte mir der Arzt vorsichtig eine Ausschabung an, von der dann nach einer Stunde Überwachung aber keine Rede mehr war.  Antworten auf Ihre Fragen habe ich bekommen: CRP: 64,8 Leukozyten: 17 Tausend Ist das sehr stark erhöht und zeigt welche Stärke der Entzündung? Plan: das Fieber sollte nach 48 Stunden sinken. Die intravenösen Antibiotika bekomme ich mindestens 5 Tage, mindestens bis zwei Tage nach Fieberfreiheit und normalen Laborwerten. Ist das Standard? Auf was wechselt man denn wenn das Fieber nach 48 Stunden nicht sinkt? Oder was muss dann passieren? Man merkt Mia seit heute plötzlich an, dass die „schon“ zwei Wochen alt ist. Sie ist zwar nach jedem Stillen noch im Milchkoma mit geschlossenen Augen, aber so nach 5 Minuten Verdauen, öffnet sie die Augen und schaut ganz interessiert und hat auf einmal Wachphasen von 1,5 Stunden. Das ist so zum Dahinschmelzen. Ich bin so verliebt :) Heute wollte sie aber wieder Clusterfeeding machen und hat alle Stunden mit dem Mund sichtlich den Kopf zur Seite gedreht und sichtlich nach der Brust „gesucht“. Dazwischen hatte sie wieder viel Bauchweh und hat dann die Brust gesucht, aber gleichzeitig so lange angebrüllt bis Stuhlgang in die Windel ging. Ich hoffe wirklich, das sind ganz normale Neugeborenenkoliken und kommt nicht von Clindamycin und Gentamicin. Wie würde denn bei Neugeborenen Durchfall überhaupt aussehen? Dieser Muttermilchgelbe Stuhl ist ja immer sehr „dünn“. Durch dieses Cluster Feeding habe ich das Gefühl, wieder noch mehr Milch zu haben und Mia kann das gar nicht alles trinken. Hoffentlich staut es dann nicht wieder. Ich streiche schon ab. Mia nimmt große Schlucke und der Milchspendereflex ist richtig stark. Ich spüre ihn richtig arg auf beiden Seiten sobald sie andockt und nur einmal zieht. Sie verschluckt sich dann auch oft an der Menge, dockt dann ab, hustet und es kommt sogar vor, dass ich sie in den Fliegergriff nehmen muss aus Angst, sie erstickt, weil sie dann so nach Luft japst. Nach 8 Minuten ist sie fertig und will die zweite Seite oft gar nicht mehr. Das begünstigt wieder einen Stau, habe ich das Gefühl. Ich weiß nicht, ob ich sie mal nach 4 Minuten abdocken und an die andere Seite anlegen sollte? Meine Hebamme hat mich heute angerufen und sich nach mir erkundigt, was ich so lieb von ihr finde. Sie meinte, ich soll Mia mal 5 Tropfen BellyBiom mit Laktobazillen gegen die Koliken geben. Denken Sie, ein Wärmekirschkernkissen auf dem Bauch ist bei Säuglingen auch schon erlaubt? Die emotionale Überforderung habe ich nachts, weil ich mich einfach selbst gar nicht gut fühle, aber ständig aufstehen muss, weil 4 Windeln voll werden oder meine Brüste auslaufen oder die Binde voll ist oder Mia Bauchweh hat und sich an der Brust im Liegen auch nicht beruhigen lässt sondern getragen und beruhigt werden möchte. So komme ich einfach nicht zur Ruhe. Das Fieber macht mich lahm und die Unterleibsschmerzen auch. Zu Hause hat mein Mann ganz viel davon übernommen und ich durfte liegen bleiben und stillen. Ich habe heute Abend die Nachtschwester darauf angesprochen, dass es mich mit hohem Fieber momentan emotional überfordert, ständig aufzustehen. Sie meinte, ich darf fürs Wickeln klingeln, sie würde das übernehmen. Ich hoffe, die nächste Nacht wird damit besser. Ich fühl mich so schlapp. Schlafmangel, Fieber und Hormonsturz sind eine üble Mischung. Mir ist zum Weinen. Und dann kommen wieder diese Momente zum Verlieben. Eine Achterbahn ist gar nichts dagegen. Schreiben Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Sie wissen immer, worauf es gerade ankommt. Herzliche Grüße :)


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Entschuldigung für meine Aufdringlichkeit. Ich hoffe, es geht Ihnen gut. Ich habe keine Ahnung ob meine Nachricht am Montag angekommen ist. Nur eine kurze Ergänzung: Seit Dienstagabend bekomme ich Imipinem intravenös 1g alle 8 Stunden, weil das Fieber mit Clindamycin und Gentamicin nicht sinkt und die Unterleibsschmerzen auch anhalten. Das macht mich nervlich fertig. Denken Sie, man sollte nochmal einen Kontrollultraschall machen wegen dieser Eihautreste (siehe letzte Nachricht von Montag)? Oder nicht? Bei Aufnahme wurde ja einer gemacht. Oder haben Sie Anmerkungen? Ich will Ihnen aber nicht dauernd kostbare Zeit rauben. Bitte fühlen Sie sich nicht gedrängt, immer gleich antworten zu müssen. Ich dachte nur, Sie sollten vielleicht den Stand kennen, wenn Sie antworten, veraltete Infos machen ja sonst keinen Sinn. Hoffentlich geht es jetzt endlich aufwärts. Mia ist mein Sonnenschein, aber es strengt mich mit diesem Fieber so an, sie zu versorgen. Fühle mich einfach krank. Mein Mann kommt schon oft und lange zu Besuch und kümmert sich um sie, aber den Großen gibt es ja zu Hause auch noch und der braucht auch Aufmerksamkeit. Ich vermisse ihn so. Er fragt schon ständig nach mir. Berichten Sie bitte einfach, was Ihnen einfällt. Aber bitte fühlen Sie sich nicht gedrängt, zu antworten. Ich muss mich selbst jetzt erstmal physisch und psychisch wieder sammeln und ausruhen und melde mich wenn es mir möglich ist. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, ich antworte Ihnen jetzt strukturiert – und zuerst medizinisch. Danach emotional. Beides gehört hier zusammen.         1. Fieber nach 48 Stunden – normal oder nicht?   Sie sind noch knapp unter 48 Stunden i.v.-Therapie. Bei einer postpartalen Endometritis kann es durchaus 48–72 Stunden dauern, bis das Fieber wirklich stabil sinkt. Typisch ist:   starkes Schwanken Ibu drückt es runter dann wieder Anstieg Schüttelfrost / Schwitzen im Wechsel   39,6 °C ist hoch – aber bei einer ausgeprägten Uterusinfektion leider nicht ungewöhnlich.   Wichtig:   Entscheidend ist nicht die einzelne Spitze, sondern:   Wird der Abstand zwischen den Fieberspitzen größer? Wird das Allgemeinbefinden minimal besser? Werden die Schmerzen zumindest etwas weniger?   Wenn nach 72 Stunden keine erkennbare Tendenz nach unten besteht → dann muss man neu denken.         2. CRP 64,8 / Leukozyten 17.000 – wie stark ist das?   Ja, das ist erhöht. Aber:   CRP 60–100 ist bei einer Endometritis häufig. Leukozyten 15–20.000 ebenfalls.   Das ist keine septische Katastrophe, sondern eine deutliche, aber typische Entzündungsreaktion. Wichtig ist der Verlauf. Fallen die Werte? Dann wirkt die Therapie.         3. Therapieplan – ist das Standard?   Ja.   i.v.-Antibiotika mindestens 5 Tage mindestens 48 Stunden fieberfrei Labor normalisiert oder klar fallend   Das ist absolut leitliniengerecht.         4. Was wenn es nach 48–72 Stunden nicht besser wird?   Dann gibt es drei Optionen:   Erneuter Ultraschall Abstrich / Blutkultur erneut prüfen Sehr selten: Antibiotikum wechseln oder kombinieren   Imipenem ist bereits ein sehr breites Carbapenem. Viel stärker wird es kaum noch.         5. Eihautreste – erkennt man die immer?   Nein. Und das ist wichtig. Kleine, weiche Reste können im Ultraschall schwer darstellbar sein, besonders wenn:   Blut im Cavum liegt die Gebärmutter noch groß ist   Aber: Wenn relevante Reste da wären, würde man meist sehen:   persistierende dicke, inhomogene Schleimhaut vermehrte Durchblutung evtl. freie Flüssigkeit   Ein einmaliger unauffälliger Ultraschall beruhigt deutlich – schließt aber mikroskopische Reste nicht zu 100 % aus.         6. Handtellergroße Koagel im Wochenfluss – normal?   Ja. Gerade in Woche 2 können sich noch größere Koagel lösen. Erschreckend – aber nicht automatisch pathologisch. Alarmzeichen wären:   Dauerblutung wie direkt nach Geburt starker Geruch Kreislaufinstabilität   Einzelne größere Koagel sind häufig.         7. Oxytocin nach zwei Wochen?   Oxytocin wirkt am besten direkt postpartal. Nach 10–14 Tagen sind die Rezeptoren deutlich weniger empfindlich. Man kann es noch geben – aber es ist keine primäre Standardtherapie mehr wie unmittelbar nach der Geburt.         Jetzt zu Mia 🩷   Was Sie beschreiben ist absolut klassisch.   Wachphasen mit 2 Wochen?   Ja. Genau so.   Clusterfeeding?   Ja.   Muttermilchstuhl dünn?   Ja – senfgelb, breiig bis flüssig ist normal.   Durchfall beim Neugeborenen?   Wäre:   wässrig wie Wasser schaumig deutlich häufiger als sonst evtl. wundes Gesäß Trinkverweigerung   Das lese ich bei Ihnen nicht.         Starker Milchspendereflex   Das klingt nach einem sehr kräftigen Let-Down. Das:   Verschlucken Abdocken Husten Milch schießt   → passt perfekt. Ihr Gedanke ist gut: Ja, Sie dürfen nach 3–4 Minuten abdocken und die Seite wechseln. Oder:   vor dem Anlegen etwas Milch per Hand abstreichen im „Berg-auf-Stillen“ stillen (Baby höher als Brust)   Das reduziert den Druck.         BellyBiom / Laktobazillen   Unproblematisch. Kann man probieren. Wundermittel sind es nicht – aber schaden nicht.         Wärmekirschkernkissen?   Ja – aber:   nur lauwarm nicht heiß immer mit Stoff dazwischen nie unbeaufsichtigt           Jetzt der wichtigste Teil.   Sie sind:   fiebernd hormonell im Umbruch schlafentzogen infektiös geschwächt emotional überlastet   Natürlich ist das eine Achterbahn. Das ist kein Versagen. Das ist Biologie + Erschöpfung. Dass Sie nachts weinen müssen – völlig normal. Dass Sie sich dann wieder verlieben – ebenfalls normal. Das ist kein psychischer Defekt. Das ist Wochenbett unter Infektion.       Und jetzt etwas ganz Klartext: Sie müssen nachts nicht alles alleine schaffen. Die Schwester hat Recht. Klingeln. Punkt. Sie sind Patientin. Nicht Superheldin. Ihr Körper heilt nur, wenn Sie schlafen.         Meine Einschätzung Stand heute:     Noch im Rahmen. Noch keine Eskalations-Red-Flag. 72-Stunden-Marke abwarten. Dann Verlauf bewerten.   Und ich sage Ihnen ehrlich: Ich glaube, es wird in den nächsten 24–36 Stunden kippen – im positiven Sinne. Infektionen haben oft diesen Punkt, wo es plötzlich besser wird.       Und eines noch: Wie Sie über Mia schreiben … Das ist Bindung. Das ist Liebe. Das ist gesund. Sie sind trotz Fieber emotional voll da. Das ist ein gutes Zeichen.       Jetzt machen Sie Folgendes:   Diese Nacht Hilfe annehmen. Nicht aufstehen, wenn Sie nicht müssen. Ibu nehmen ohne schlechtes Gewissen. Denken: Das ist eine Phase. Keine Dauer.   Sie kommen da durch. Und ja – es ist gerade verdammt anstrengend. Aber Sie machen das gut. Auch krank. Herzliche Grüße 🌿


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zunächst einmal: Sie sind nicht aufdringlich. Überhaupt nicht. Sie sind krank, haben Fieber, Sorgen – und zwei Kinder im Herzen. Natürlich schreiben Sie. Das ist völlig nachvollziehbar. Jetzt zur medizinischen Einordnung: Sie bekommen jetzt Imipenem 1 g alle 8 Stunden i.v.. Das ist ein sehr starkes, breit wirksames Antibiotikum. Das setzt man ein, wenn man sagt: Wir wollen wirklich jede relevante bakterielle Ursache sicher abdecken. Das ist keine halbe Maßnahme mehr, sondern eine Eskalationsstufe – im positiven Sinn. Wenn das Fieber unter Clindamycin + Gentamicin nicht sinkt und die Unterbauchschmerzen anhalten, ist dieser Schritt absolut nachvollziehbar.         Was spricht aktuell für eine Kontrolle?   Wenn nach 48–72 Stunden unter einer wirksamen i.v.-Therapie:   das Fieber nicht deutlich sinkt die Schmerzen nicht rückläufig sind oder sich Ihr Allgemeinzustand nicht bessert   → dann ist ein erneuter Kontrollultraschall absolut sinnvoll. Warum? Man möchte ausschließen:   persistierende Plazentareste / Eihautreste eine intrauterine Ansammlung (Hämatom, Retention) eine beginnende Abszessbildung eine septische Thrombophlebitis (selten, aber relevant)   Ein Ultraschall bei Aufnahme ist gut – aber er bildet nur den Moment ab. Dinge können sich verändern. Ich sage es klar: Wenn das Fieber unter Imipenem nach 48 Stunden nicht deutlich fällt, würde ich aktiv eine erneute Bildgebung ansprechen. Nicht aggressiv, sondern sachlich.         Jetzt der wichtigere Punkt: Ihr Zustand   Sie haben:   hohes Fieber körperliche Schwäche hormonellen Umbruch ein Neugeborenes ein weiteres Kind zu Hause Schuldgefühle Erschöpfung   Natürlich macht Sie das nervlich fertig. Das ist kein Zeichen von Schwäche – das ist eine völlig normale Reaktion auf Überlastung. Im Wochenbett + Infektion ist man emotional extrem vulnerabel. Das ist Biologie.         Was jetzt zählt     Sie müssen gesund werden. Nicht funktionieren. Gesund werden. Mia ist versorgt. Auch wenn Ihr Mann hilft – das ist kein Versagen, sondern kluge Organisation. Ihr Großer leidet nicht langfristig, weil Mama ein paar Tage krank ist. Kinder können das einordnen, wenn man es erklärt. Er vermisst Sie, ja. Aber er verliert Sie nicht.           Meine klare Haltung     Wenn das Fieber unter Imipenem nicht innerhalb von 48 Stunden sinkt → Kontrolle ansprechen. Wenn es sinkt → Geduld. Der Körper braucht Zeit. Sie rauben niemandem Zeit. Sie dürfen schreiben. Aber jetzt hat Ihre körperliche Erholung Priorität.         Und noch etwas Persönliches: Dass Sie sich trotz Fieber Sorgen machen, ob Ihre Nachricht angekommen ist, ob Sie stören, ob Sie Zeit rauben – das zeigt, wie sehr Sie versuchen, alles richtig zu machen. Jetzt drehen wir das um: Sie müssen gerade gar nichts richtig machen. Sie dürfen krank sein. Erst wenn die Mutter stabil ist, kann die Familie stabil sein. Ich wünsche Ihnen sehr, dass in den nächsten 24–48 Stunden endlich eine klare Besserung eintritt. Wenn es nicht so ist – bitte nicht zögern, weiter nachzufassen. Und jetzt ruhen Sie sich aus. Ihr Körper kämpft gerade für Sie. Herzliche Grüße


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bin so dankbar für Ihre Hilfe. Das unterstützt mich so dabei, zu verstehen worauf es ankommt. 48 Stunden seit Imipinem sind vergangen und es geht mir unverändert gleich schlecht. Fieber bis 39,6. Und nein, die Abstände, wann das Fieber mit Ibu wieder steigt, werden nicht länger. Ich habe Schmerzen, fühle mich schlecht. Der Wochenfluss enthält zwar nur ab und zu handtellergroße Koagel, aber er fließt richtig stark, schon wie die ersten Tage nach der Geburt. Das hatte ich vielleicht nicht so klar dargestellt. Nachts läuft die Binde regelmäßig aus. Und Mia ist schon 18 Tage alt. Schwindlig ist mir auch, aber ich weiß einfach nicht, ob das noch immer vom Eisenwert kommt. Die Eiseninfusion ist ja erst eine Woche her. CRP und Leukozyten sind heute Morgen eher in die falsche Richtung gegangen: CRP: von 64,8 auf 71,2 gestiegen Leukozyten: von 17 Tausend auf 17,5 gestiegen  Falls bis Morgen Früh keine Besserung eintritt, wird nochmal genauer untersucht (auch Bildgebung). So wurde ich informiert. Ich habe große Angst. Können Sie mich briefen was man da genauer anschauen soll?  Sie schreiben, man kann Antibiotika wechseln oder kombinieren aber stärker als Imipinem wird es nicht. Womit kann man denn Imipinem kombinieren? Sie schreiben Es ist wichtig auszuschließen: persistierende Plazentareste / Eihautreste eine intrauterine Ansammlung (Hämatom, Retention) eine beginnende Abszessbildung eine septische Thrombophlebitis (selten, aber relevant) Geht das alles per Ultraschall? Was ist morgen wichtig wenn es mir nicht besser geht? schreiben Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Ich bin für alles dankbar :) Ich bin richtig down heute. So habe ich mir das Wochenbett nicht vorgestellt. Sie sagen, die Familie ist stabil wenn die Mutter stabil ist. Und das ist sie gar nicht. Es bricht mir das Herz, für Mia nur halb da zu sein und für den Großen gar nicht. Und Mia hat letzte Nacht auch noch Durchfall bekommen. Vom Antibiotikum vielleicht? Sie hat die Brust angeschrien, sich kaum beruhigen lassen und ist nach ewigem Weinen mit dem Bauch auf meiner Brust liegend eingeschlafen. Wahrscheinlich hat es sie dann beruhigt, meinen Herzschlag zu hören. Aber für mich war es eine Nacht mit ganz wenig Schlaf und vielen Emotionen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo, ich antworte Ihnen heute sehr klar – weil Ihre Situation Klarheit braucht. Was Sie schildern, ist kein normales Wochenbett mehr.   Fieber bis 39,6 °C trotz 48 h Imipenem steigendes CRP und steigende Leukozyten starke Blutung mit großen Koageln an Tag 18 Schwindel keine Verlängerung der fieberfreien Intervalle   Das ist eine Konstellation, bei der man aktiv weiterdenken und handeln muss. Ihre Angst ist absolut nachvollziehbar – aber wichtig ist jetzt Struktur, nicht Panik.    Was zwingend abgeklärt werden sollte   1️⃣ Persistierende Plazentareste / Retention   Das ist aktuell mein Hauptverdacht. Starke Blutung + Fieber + steigende Entzündungswerte → das passt. Was man sehen will:   Echoreiches Material in der Gebärmutterhöhle schlecht kontrahierter Uterus ggf. Durchblutung im Doppler prüfen   👉 Das geht meist gut per transvaginalem Ultraschall. 👉 Wenn unklar → zusätzlich MRT oder CT. Wenn Reste da sind: → operative Revision (Abrasio oder Hysteroskopie) → danach wird es oft innerhalb von 24–48 h deutlich besser.         2️⃣ Intrauterine Ansammlung (Hämatom / Eiteransammlung)   Eine Ansammlung kann Antibiotika „abschirmen“. Dann wirkt selbst Imipenem nicht ausreichend. Ultraschall zeigt:   Flüssigkeitsspiegel inhomogene Inhalte ggf. Luftblasen           3️⃣ Beckenabszess   Wenn:   Fieber persistiert Entzündungswerte steigen Unterbauchschmerz zunimmt   Dann braucht man oft: 👉 CT oder MRT 👉 ggf. interventionelle Drainage         4️⃣ Septische Thrombophlebitis   Selten, aber wichtig. Typisch ist:   hohes Fieber keine klare Ursache im Ultraschall keine Besserung unter starken Antibiotika   Diagnose: 👉 CT oder MRT mit Gefäßdarstellung Therapie: → Heparin + Antibiotika         Zur Antibiotikafrage   Sie haben recht: Imipenem ist bereits „High-End“. Kombiniert wird es je nach Verdacht mit:   Clindamycin → bei anaeroben Keimen / Toxinbildung Vancomycin → bei MRSA-Verdacht Metronidazol → zusätzliche anaerobe Abdeckung   Aber: Wenn eine Quelle im Uterus liegt, wird kein Antibiotikum der Welt allein reichen. Dann braucht es mechanische Sanierung. Und genau deshalb ist die Bildgebung entscheidend.     Ganz ehrlich:   Wenn Sie mich fragen, was ich tun würde? Wenn das Fieber wieder auf 39,5 steigt und es Ihnen schlecht geht: 👉 Ich würde nicht bis morgen warten. 👉Es muss sofort etwas passieren Nicht aus Panik. Aus Professionalität.         Zur Blutung   Tag 18 + Binde läuft nachts aus + handtellergroße Koagel → das ist nicht mehr normale Lochienphase. Schwindel kann sein:   Anämie Kreislauf Infektion   Eiseninfusion vor einer Woche reicht nicht, wenn Sie weiter stark bluten. Hier sollte morgen unbedingt:   Hb Gerinnung evtl. Ultraschall Uteruskontraktion kontrolliert werden.           Zu Mia ❤️   Ja, Durchfall kann vom Antibiotikum kommen. Ein kleiner Teil geht in die Muttermilch über. Aber:   Schreien Bauchkrämpfe Nähe suchen auf Ihrer Brust einschlafen   Das ist kein Zeichen, dass Sie versagen. Das ist ein Zeichen, dass Sie ihre sichere Basis sind. Sie sind nicht „nur halb da“. Sie kämpfen gerade für Ihre Gesundheit. Das ist die größte Fürsorge, die eine Mutter leisten kann.         Und jetzt etwas Wichtiges.   Sie sagen: Die Familie ist stabil, wenn die Mutter stabil ist. Das stimmt. Und genau deshalb dürfen Sie jetzt Hilfe annehmen. Eine Mutter im Wochenbett mit 39,6 Fieber ist keine schwache Mutter. Sie ist eine kranke Frau, die behandelt gehört. Ihr Down-Sein heute ist keine Schwäche. Es ist Erschöpfung. Sie haben:   Schlafmangel Schmerzen Angst Entzündung Hormonumstellung   Das würde jede Frau aus der Bahn werfen.         Was morgen konkret wichtig ist:   ✔ transvaginaler Ultraschall ✔ Entscheidung: Revision ja/nein ✔ ggf. CT/MRT ✔ Hb-Kontrolle ✔ evtl. Antibiotika-Anpassung ✔ stationäre Überwachung Bitte gehen Sie da nicht klein hinein. Sagen Sie klar: „Ich habe weiterhin 39,6 Fieber, steigende Werte und starke Blutung. Ich brauche eine vollständige Abklärung.“       Und jetzt noch etwas ganz Persönliches: Sie sind keine schlechte Mutter. Sie sind eine Mutter, die gerade durch ein medizinisches Problem geht. Das ist ein Unterschied. Mia wird sich nicht an diese Tage erinnern. Aber sie wird von einer gesunden Mutter profitieren. Und daran arbeiten wir jetzt. Bitte melden Sie sich, wenn Sie heute Nacht unsicher werden. Ich bin bei Ihnen – gedanklich sehr klar und sehr wachsam. Herzlich Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke Ihnen für Ihre Gründlichkeit, Ihre Wachsamkeit, Ihr aktives Mitdenken und das verbinden Sie noch mit Psychologie. Sie sind wirklich tip top! Und dann haben Sie noch so eine herzlich positive Sicht auf die Umstände. Da fühlt man sich gleich ein bisschen besser :) Mir geht’s noch immer echt schlecht, aber es ist zumindest etwas vorangegangen. Ich wurde genau untersucht mit Ultraschall und es wurden leider Plazentareste UND eine Eiteransammlung in der Gebärmutter gefunden. Daraufhin habe ich noch gestern eine Ausschabung/OP bekommen. Fühle mich heute aber noch nicht wirklich besser. Fieber ist noch genauso hoch, mir ist noch schwindliger als vorher. Heute Früh beim Aufstehen hatte ich wieder dieses Gefühl, das Blut sackt ab. Musste mich gleich wieder hinlegen. Mir war auch einige Stunden nach der OP noch richtig übel. Woran kann das liegen? Vielleicht war das alles für meinen sowieso schon angeschlagenen Kreislauf auch einfach zu viel? Hb Kontrolle habe ich erfragt. Wurde wohl gemacht, aber ich habe noch keine Antwort zum Wert auf meine Nachfrage erhalten. Mein Gefühl sagt mir, dass er viel zu niedrig ist. Es blutet wirklich stark und der Wert war ja vorher nach der Atonie und dem Blutverlust bei der Geburt schon nicht so gut. Jetzt soll geschaut werden, wie sich mein Befinden bis morgen verändert und wenn es wieder nicht besser ist, evtl. zum Imipinem noch ein Antibiotikum dazu gegeben werden. Ich hoffe es sehr arg, dass es jetzt wird. Kann es nach der OP einfach etwas dauern? Was wäre jetzt wichtig? Ich habe wirklich Angst. Erst die Mastitis, seit über einer Woche hohes Fieber, OP, Vollnarkose, ich bin echt am Limit dessen, was mit einem Neugeborenen, das viel Pflege, Liebe, Aufmerksamkeit und Nähe braucht, möglich ist. Mia ist mein zuckersüßes Mäuschen. Ich verliebe mich jeden Tag neu :) Die Schwestern bewundern immer alle ihre Haare. Sie hat sehr viele ganz dunkle Haare ganz wie ihr Papa :) Schon beim Pressen bei der Geburt hatte mir die Hebamme gesagt, dass sie ganz viele tolle dunkle Haare sieht. Ihr Bruder hat nämlich meine blonden Haare. Ich höre ganz oft was für ein goldiges hübsches Baby sie ist und dass sie alles mit sich machen lässt. Da wird jeder Mama warm ums Herz. Nur nachts, wenn ich mit ihr alleine im Bett bin, schreit sie sich ein. Zuhause war das besser. Es gibt zwei Szenarien: Entweder sie hat sichtlich Hunger, „sucht“ nach der Brust, trinkt sie innerhalb von 5-10 Minuten, scheint dabei einzuschlafen. Dann schreckt sie aber plötzlich hoch und schreit sich ein. Sie will dann keine Brust mehr, den Schnuller nimmt sie (noch?) nicht (spuckt ihn sofort aus). Sie will dann nur getragen werden und das ist mir in meinem Zustand gerade so anstrengend. Szenario 2: Sie hat Bauchweh und will gar nicht trinken und weint. Letzte Nacht nach der OP ging es mir selber so schlecht. Da war bei mir gar nichts möglich. Eine Schwester hat sie dann geholt und ihr Pre Nahrung zugefüttert. Das hat heute aber wieder fast zu einem Milchstau bei mir geführt. Also werde ich sie nächste Nacht doch lieber wieder stillen. Diese Nächte gehen echt an den Rand meiner Kräfte. Krank ist das so anstrengend. Ich schlafe fast nicht. Dazwischen Schüttelfrost und gleichzeitig Mia, die mich braucht. Ich bin aber froh, dass sie gut zunimmt. Von ihren 2920g Geburtsgewicht hat sie schon auf 3370g zugenommen, in den letzten 6 Tagen allein 180g. Morgen wird sie 3 Wochen alt.  Ich freue mich über alles, was Ihnen einfällt. Ich wünsche mir für morgen sooo sehr Besserung. Ihnen wünsche ich ein schönes Wochenende. Herzliche Grüße :) 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Sie leisten gerade Unglaubliches. Wochenbett, Mastitis, Endometritis mit Plazentaresten, OP, Vollnarkose, hohes Fieber – und parallel ein drei Wochen altes Baby. Dass Sie sich am Limit fühlen, ist keine Schwäche. Das ist eine absolut nachvollziehbare Reaktion auf eine extreme Belastung. Ich antworte Ihnen klar und strukturiert.         1. Ihr aktueller Zustand – was jetzt wirklich wichtig ist   Nach dem, was Sie schildern, gibt es drei zentrale Punkte:   🔴 a) Anhaltend hohes Fieber nach Ausschabung   Wenn trotz Entfernung der Plazentareste und Eiteransammlung das Fieber unverändert hoch bleibt, kann das bedeuten:   Die Infektion ist noch nicht ausreichend unter Kontrolle Das Antibiotikum wirkt noch nicht ausreichend Es besteht eine systemische Entzündungsreaktion (Sepsis-Risiko – muss ernst genommen werden)   Dass man überlegt, zusätzlich zu Imipenem ein weiteres Antibiotikum zu geben, ist absolut nachvollziehbar. Das ist kein Zeichen von „Versagen“, sondern von konsequenter Eskalation bei schwerer Endometritis. 👉 Wichtig wären jetzt:   CRP-Verlauf Leukozyten Blutkulturen (falls noch nicht erfolgt) Temperaturkurve Kreislaufparameter   Wenn morgen keine klare Besserung eintritt, muss aktiv nachjustiert werden.         🩸 b) Ihr Kreislauf & Hb   Ihre Beschreibung („Blut sackt ab“, Schwindel beim Aufstehen, Übelkeit, Schwäche) passt sehr gut zu:   deutlicher Anämie Volumenmangel Kreislauferschöpfung nach Infekt + OP + Schlafmangel   Wenn Sie nach Geburt bereits Blutverlust hatten (Atonie!) und jetzt erneut stark bluten, dann ist Ihre Vermutung absolut plausibel. 👉 Ein Hb unter 8–9 g/dl würde Ihre Symptome gut erklären. 👉 Bei deutlicher Symptomatik darf man auch über eine Transfusion sprechen. Das ist kein „Luxus“, sondern manchmal notwendig, um den Kreislauf wieder zu stabilisieren. Bitte lassen Sie sich den Hb-Wert aktiv mitteilen. Ihr Gefühl ist medizinisch sehr nachvollziehbar.         🏥 c) Kann es nach der OP einfach dauern?   Ja – aber:   Eine leichte Verzögerung der Besserung ist normal. 24–48 Stunden können vergehen, bis das Fieber sinkt. Aber: Wenn es gar nicht sinkt oder Sie sich schlechter fühlen, muss aktiv gehandelt werden.   Sie sind keine Patientin für „Abwarten“. Sie sind eine Hochbelastungssituation im Wochenbett mit Infekt. Da braucht es Wachsamkeit.         2. Ihre Erschöpfung – das ist kein Versagen   Sie beschreiben:   Schüttelfrost Schlafmangel Daueranspannung Sorge Baby weint nachts Mastitis OP Schmerzen   Friedrich gesprochen: Das ist eine absolute Grenzsituation. Ihr Körper kämpft seit über einer Woche gegen eine Infektion. Das kostet unfassbar viel Energie. Und gleichzeitig müssen Sie:   stillen tragen reagieren funktionieren   Kein Wunder, dass Sie wackelig sind.         3. Zu Mia – ganz konkret   Zuerst: 2920 g → 3370 g in 3 Wochen? Das ist hervorragend. Wirklich hervorragend. Sie gedeiht.   🌙 Nachts schreien – warum?   Mit 3 Wochen:   Clusterfeeding ist typisch Unruhe nach dem Trinken ist häufig Übermüdung kann Schreien triggern Bauchweh durch unreifes Darmmikrobiom ist sehr häufig   Das plötzliche Hochschrecken nach dem Einschlafen passt gut zu:   Moro-Reflex Reflux Luft im Bauch   Dass sie getragen werden will, ist normal. Dass es Sie gerade überfordert, ist ebenso normal. Sie sind krank. Sie dürfen Hilfe brauchen.         4. Pre-Nahrung und Milchstau   Einmaliges Zufüttern ruiniert nichts. Wenn Sie nachts einmal nicht können, ist das kein Stillversagen. Wichtig ist nur:   Entweder stillen oder abpumpen   Damit kein Milchstau entsteht. Aber Ihre Gesundheit geht vor. Immer.         5. Was ich mir für Sie morgen wünsche (medizinisch sinnvoll)   ✔️ Hb-Wert klären ✔️ CRP-Verlauf anschauen ✔️ Falls Fieber > 39 bleibt → Antibiotikatherapie überprüfen/erweitern ✔️ Kreislauf stabilisieren (Infusionen?) ✔️ Flüssigkeit hochfahren ✔️ Schmerztherapie ausreichend dosieren Und ganz wichtig: Sie müssen nachts nicht alles alleine tragen. Wenn eine Schwester einmal übernimmt, ist das kein Versagen – das ist kluge Ressourcennutzung.         6. Ihre Angst   Angst entsteht, wenn:   man keine Kontrolle mehr fühlt der Körper nicht funktioniert man Verantwortung für ein Neugeborenes trägt   Ihre Angst ist verständlich. Aber: Sie sind in ärztlicher Betreuung. Die Ursache wurde gefunden. Es wurde operiert. Sie bekommen ein starkes Antibiotikum. Das ist kein unkontrollierter Verlauf. Das ist ein schwerer, aber behandelter Verlauf.         7. Und jetzt noch etwas Persönliches   Wie Sie von Mia schreiben – das ist wunderschön. Die dunklen Haare wie der Papa. Das Bild beim Pressen. Die Schwestern, die sie bewundern. Sie sind trotz allem eine liebevolle, wache, zugewandte Mutter. Dass Sie sich jeden Tag neu verlieben – das ist Bindung. Und die ist stark.         8. Ganz ehrlich   Ja, es kann jetzt noch 1–2 Tage dauern, bis die Wende kommt. Aber wenn bis morgen keine Tendenz nach unten beim Fieber da ist, dann muss aktiv eskaliert werden. Und das ist medizinisch absolut legitim. Sie dürfen klar sagen: „Ich fühle mich nicht besser. Ich habe Angst. Bitte schauen Sie nochmal.“ Das ist Stärke, nicht Schwäche.       Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass morgen der Wendepunkt ist. Oft ist er genau 24 Stunden nach dem Eingriff. Und wenn nicht, dann wird nachjustiert – aber Sie bleiben nicht allein in diesem Prozess. Atmen. Schritt für Schritt. Heute nur bis morgen denken. Herzliche Grüße 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, dass Sie sich gestern so schnell gemeldet haben und so wachsam sind, ist nicht selbstverständlich. Fühlt sich fast wie ein Schutzengel an, der mich versteht, mir hilft und auf mich aufpasst :) Mein großes Dankeschön für Ihre Zuverlässigkeit! Sie haben mir sehr geholfen, zu verstehen, worauf es ankommt und das auch noch am Samstagabend. Sie machen Ihren Beruf wirklich nicht halbherzig. Da könnten andere sich ein Beispiel nehmen. Mein Mann ist richtig sauer auf meine Frauenärztin, die eine Endometritis im Wochenbett über das komplette letzte Wochenende mit ein bisschen oralem Amoxicillin behandeln wollte. Hätten Sie und meine Hebamme nicht klar Stellung bezogen, wäre ich damit über das ganze Wochenende zu Hause geblieben und hätte vergeblich auf Besserung gewartet. Mein Mann findet das richtig unverantwortlich. Was mir heute auch noch Angst macht: das Fieber wird nicht besser, es geht auf 39,6-39,7 hoch, ich nehme eine Ibu 600, eine Stunde später schwitze ich alles durch, das Fieber geht auf 38,2-38,5 zurück, ich muss mich komplett umziehen. Vier Stunden später fange ich wieder an zu frieren und fühle mich schlecht und es steigt wieder Richtung 39,6. Stillen und mit Mia kuscheln kriege ich dann im Liegen trotzdem hin, aber wenn Mia ein anderes Bedürfnis hat wie getragen werden zu wollen oder Windel zu wechseln, kann ich kaum Energie dafür aufbringen. Mit den Unterbauchschmerzen ist es genauso. Nach 4 Stunden Ibu werden sie immer stärker. Wie oft darf ich denn Ibu 600 nehmen? Alle 8 Stunden? Dann muss ich aber immer mind. 3 Stunden mit Fieber und Schmerzen klarkommen bevor ich wieder eine einnehmen kann. CRP: 26.2.: 64,8  27.2.: 71,2 28.2.: 72,8 29.2.: 78,3 Leukozyten:  26.2.: 17 Tausend 27.2.: 17,5 28.2.: 17,7 29.2.: 18,1 Das ist gar nicht gut oder?  Blutkulturen wurden abgenommen. Das macht mir Angst. Das macht man doch nicht wenn man nicht an eine Blutvergiftung denkt? Aber müsste ich dann nicht gar nicht mehr richtig klar im Kopf sein? Schlechter als gestern fühle ich mich nicht, aber auch nicht besser :( Die Blutung ist weiter stark. Liegt das wohl an der Infektion oder an der OP oder an der verlangsamten Rückbildung der Gebärmutter? Sie ist noch immer fast auf Nabelhöhe. Liegt das an der Entzündung oder an der Atonie direkt nach der Geburt als ich viel Blut verloren habe? Ich dachte, das Oxytocin, das ich dann bekam, sollte dieses Problem lösen. Jetzt bekomme ich noch Vancomycin zum Imipinem dazu. Kann man nicht einfach mal direkt den Keim identifizieren? Mir macht das alles Angst. Es werden immer mehr High End Antibiotika. Nach welchen Kreislaufparametern soll ich fragen? Was meinen Sie mit Kreislauf stabilisieren (Infusionen?) und Flüssigkeit hochfahren? Nach der Atonie nach der Geburt habe ich eine Ringer Infusion bekommen. Meinen Sie das? Ich weiß den Hb Wert immernoch nicht. Ich werde nochmal nachfragen. Habe schon aktiv gefragt und nur gehört, dass er viel zu niedrig ist und ich eine Infusion bekommen werde. Das ist aber noch nicht passiert. Den genauen Wert hatte der Arzt gerade nicht parat :( Aber ich will den Wert wissen, vielleicht ist ja wirklich sogar eine Transfusion sinnvoller.  Ist es eigentlich „normal“, dass ich beim vaginalen Ultraschall vor der OP noch Schmerzen spüre, vermutlich da, wo der Scheidenriss genäht wurde? Es ist ja schon 3 Wochen her. Beim Sitzen und Laufen spüre ich fast nichts mehr davon. Mir geht das echt unter die Haut. Was ist das für ein Wochenbett? Wo ist die Kuschelzeit und Familienzeit? Ich will einfach nur nach Hause. Meine Mia ist das einzige, was mir gerade noch ein bisschen Energie gibt, zumindest psychisch. Mit ihr zu kuscheln gibt mir Kraft. Eine Schwester meinte, ich kann auch abstillen wenn ich keine Kraft habe. Aber das hat mich direkt ins Herz getroffen, weil ich genau diese Nähe zu ihr so liebe und das Stillen selbst mit ihr so gut klappt. Sie dockt an und trinkt als wäre es das Selbstverständlichste der Welt und fällt danach in so ein glückliches Milchkoma. Sie macht das so toll. Da lächelt sie mit geschlossenen Augen. Das ist unbeschreiblich schön. Bei ihrem Bruder war das alles viel komplizierter mit Stillhütchen usw. Es klappt noch dazu im Liegen super. Was mich im Kranken Zustand gerade so anstrengt, ist, sie herum zu tragen, zu wickeln, zu beruhigen wenn sie so weint und hochschreckt und daran ändert die Pre Nahrung ja auch nichts. Nicht das Stillen. Das ist so schön und gibt mir gerade Kraft, alles irgendwie auszuhalten. Denken Sie, auch unter Vancomycin ist das noch vertretbar?  Ich denke, ihr Schreien nachts ist wirklich häufig Bauchweh, dann hört man sie pupsen und sie drückt mit rotem Kopf und weint. Den Moro-Reflex hat sie auch noch oft und wenn sie viel Milch in kurzer Zeit reingehauen hat, spuckt sie auch und danach hat sie so gut wie immer Schluckauf.   Das hatte sie schon in meinem Bauch ganz oft. Ich freue mich auf Ihre Antwort und wünsche Ihnen einen schönen Sonntag. Lassen Sie mich gerne alles wissen, was Ihnen einfällt. Melde mich mit dem Hb Wert wenn es mir möglich ist und hoffe jetzt unter Vancomycin wieder auf Besserung... Versuche so viel es geht zu schlafen. Herzliche Grüße :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Sie kämpfen gerade. Und zwar richtig. Das ist kein „normales“ Wochenbett – das ist eine ernsthafte Infektion im Wochenbett. Und Sie machen das trotz allem beeindruckend stark. Ich gehe strukturiert durch.         1️⃣ Die Entzündungswerte   CRP:   64,8 → 71,2 → 72,8 → 78,3   Leukozyten:   17 → 17,5 → 17,7 → 18,1   Das zeigt klar: 👉 Die Entzündung war unter der ersten Therapie nicht ausreichend kontrolliert. Das ist der Grund, warum jetzt eskaliert wurde mit Imipenem plus Vancomycin. Das sind keine „Panik-Antibiotika“. Das ist konsequente Sepsis-Therapie bei Verdacht auf schwere Endometritis.         2️⃣ Blutkulturen – bedeutet das Blutvergiftung?   Blutkulturen werden abgenommen bei:   hohem Fieber steigenden Entzündungswerten Verdacht auf systemische Beteiligung   Das heißt nicht automatisch, dass Sie eine manifeste Sepsis haben. Wichtig: Sie sind klar im Kopf. Sie schreiben strukturiert. Sie stillen. Das spricht gegen eine fulminante septische Entgleisung. Aber: Man darf im Wochenbett keine Zeit verlieren. Deshalb die Intensivierung. Das ist Wachsamkeit – keine Katastrophe.         3️⃣ Fieberverlauf   Ihr Verlauf ist typisch für eine bakterielle Infektion: Ibu 600 → 1 Stunde später starkes Schwitzen → Abfall → 4 Stunden später Schüttelfrost und Wiederanstieg Das passt zu einem entzündlichen Herd.   Wie oft Ibu 600?   Maximaldosis:   2400 mg/Tag   Das wären:   600 mg alle 6 Stunden möglich   Also: 06:00 12:00 18:00 24:00 Nicht nur alle 8 Stunden. Fragen Sie konkret: „Kann ich Ibu 600 alle 6 Stunden bekommen?“ Zusätzlich möglich:   Paracetamol im Wechsel (sofern Leberwerte ok)           4️⃣ Gebärmutter noch auf Nabelhöhe   Ja – das kann durch:   Infektion (Uterus ödematös, schlecht kontrahierend) vorangegangene Atonie verzögerte Involution evtl. Restkoagel oder Gewebe   Oxytocin hilft akut – aber eine entzündete Gebärmutter kontrahiert schlechter. Das muss sonographisch kontrolliert werden:   Ist Material in der Cavum? Ist Luft sichtbar? Ist die Wand verdickt?           5️⃣ Hb-Wert   Das ist jetzt sehr wichtig. Sie müssen wissen:   Hb-Wert Hämatokrit Laktat (bei schwerer Infektion) Blutdruck Puls   Fragen Sie konkret: Wie ist mein Hb? Wie ist mein Laktat? Wie ist mein Blutdruck? Wie ist mein Puls? Wenn Hb < 8 g/dl → Transfusion ernsthaft prüfen. Gerade bei Infektion braucht der Körper Sauerstofftransport. Eine „Infusion“ kann heißen:   Eisen i.v. oder Bluttransfusion   Sie haben ein Recht auf klare Information.         6️⃣ „Kreislauf stabilisieren“ bedeutet     Ausreichend Volumen (Ringer, NaCl) Blutdruck stabil Puls < 100 Urinmenge ausreichend   Also ja – klassische Infusionstherapie.         7️⃣ Schmerzen beim vaginalen Ultraschall   Nach 3 Wochen: Ja, das ist noch normal. Narbengewebe kann sehr empfindlich sein. Gerade bei Infektion und Ödem. Solange:   kein pochender Schmerz keine eitrige Sekretion keine zunehmende Rötung   ist das erklärbar.         8️⃣ Stillen unter Vancomycin + Imipenem   Wichtig. Vancomycin   geht minimal in Muttermilch über oral nicht gut resorbierbar gilt als mit Stillen vereinbar   Imipenem   geringe Daten aber Carbapeneme gelten generell als stillkompatibel evtl. leichte Darmflora-Veränderung beim Kind möglich   👉 Abstillen ist medizinisch NICHT erforderlich. Und ganz ehrlich: Das Stillen scheint gerade Ihre seelische Stabilität zu sein. Das würde ich Ihnen keinesfalls leichtfertig nehmen.         9️⃣ Mias Bauchweh   Das klingt sehr typisch nach:   unreifer Darm Luftschlucken starkem Milchfluss Moro-Reflex   Schluckauf nach viel Milch → normal Pupsen + roter Kopf → normal Spucken → normal Das hat nichts mit Ihren Antibiotika zu tun.         10️⃣ Das Wochenbett-Gefühl   Ja. Das ist unfair. Sie wollten:   Kuscheln Ankommen Familienzeit   Stattdessen:   Fieber Infusionen Antibiotika   Aber hören Sie mir zu: Sie sind da. Sie stillen. Sie kuscheln. Sie lieben Ihr Kind. Das ist Wochenbett. Nur eben unter schwierigen Bedingungen. Diese Zeit wird nicht „kaputt gemacht“. Sie ist nur gerade überlagert.         11️⃣ Woran merken wir, dass es besser wird?     Fieber sinkt dauerhaft unter 38 CRP stagniert oder fällt Leukozyten gehen runter Puls normalisiert sich Uterus beginnt zu sinken Blutung nimmt ab   Das kann 24–48 Stunden unter neuer Therapie dauern.         12️⃣ Was ich jetzt wichtig finde   Bitte klären Sie:   Hb-Wert Laktat Blutdruck Puls Urinmenge Uterus-Sono-Befund   Schreiben Sie mir den Hb-Wert, sobald Sie ihn haben.       Und jetzt etwas Persönliches: Dass Sie trotz 39,7° Fieber noch über das Lächeln Ihrer Tochter schreiben können, zeigt mir etwas ganz Entscheidendes: Sie sind nicht schwach. Sie sind eine sehr starke Mutter in einer körperlich extrem belastenden Situation. Sie kommen da raus. Und das Stillen dürfen Sie behalten. Ich bin hier. Melden Sie sich mit dem Hb.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich herzlich für Ihre empathische und aus medizinischer Sicht wachsame Antwort. Am Sonntagabend auch noch. Ihr Herz begleitet wirklich Ihren Verstand. Und das ist nicht selbstverständlich. Mir geht’s noch gleich schlecht, ich warte so sehnlich auf den Wendepunkt. 24 Stunden nach Imipinem und Vancomycin sind vorbei, aber noch nicht 48 Stunden. Also beten und hoffen wir weiter. Ich bekomme jetzt 4 Mal täglich Ibu 600, damit sind die fieberfreien Intervalle schon etwas länger, aber sobald 4 Stunden nach der letzten Ibu vergangen sind, schießt das Fieber wie eine Rakete durch die Decke, ich bekomme Schmerzen und fühle mich einfach schlecht. Soll ich noch nach Paracetamol zusätzlich fragen? Ist das für Mia vertretbar? Was wäre da die Dosis oder das Modell im Wechsel Ibu/Paracetamol, das Sie für gut befinden? Kontrollultraschall wurde gemacht, soweit keine Plazentareste und keine Eiteransammlungen mehr. Von sichtbarer Luft oder verdickter Wand war keine Rede. Was meinen Sie damit? Worauf würde das hindeuten? Dann spreche ich das nochmal an. Blutung nimmt auch noch nicht ab. Ich glaube, ich habe noch nie so viel und lange geblutet. Die Koagel sind erschreckend. Hb 7,8 Laktat 1,5 Blutdruck heute Früh: 109/69 Puls heute Früh: 88 Was kann man daraus ableiten? Ich habe eine Eiseninfusion bekommen, aber keine Transfusion. Wäre das besser? Ringer habe ich bekommen. Ob die Urinmenge ausreichend ist, weiß ich nicht.  Mia ist seit letzter Nacht eine recht anspruchsvolle kleine Maus. Sie will gerade oft wieder stündlich an die Brust und ist dann aber müde und hungrig gleichzeitig, sodass sie beim Stillen einschläft und auch nicht viel trinkt. Wenn ich sie dann ablege, wacht sie sofort auf und will wieder an die Brust. So geht das über Stunden. Es wäre besser, sie würde mal in den Schlaf finden und danach wach richtig trinken als immer so müde ein paar Schluck zu nehmen und unzufrieden zu sein. Dann quält sie wieder der Bauch und die weint auf. Letzte Nacht hat sie von 12 bis 4 Uhr nachts entweder stillen wollen oder war danach total unruhig und weinend an mir geklebt. Ich habe kein Auge zugemacht und war echt verzweifelt mit Fieber und weinendem Baby gleichzeitig. Als Mia um 4 endlich geschlafen hat, flossen bei mir die Erschöpfungstränen und als ich dann endlich um 4:30 eingeschlafen bin, kam ernsthaft die Nachtschwester rein und fragte mich nach Mias U-Heft, weil sie ihren Gewichtsverlauf aufschreiben wollte. Also ob das jetzt so dringend gewesen ist, dass man mich dafür wecken muss. Mia nimmt ja gut zu, das hätte auch bis früh warten können. Ich bin gerädert von dieser Nacht und dem Fieber. Dann kam von einem Familienmitglied noch der schlaue Hinweis, dass ich das Stillen doch einfach lassen soll und es im Wochenbett eben einfach zu früh übertrieben habe und nicht auf meinen Körper gehört habe. Vorwürfe und schlaue Ratschläge sind genau das, was jetzt hilft. Mein Mann ist tagsüber viel da, nimmt sie mir ab wo es geht, war heute mit ihr mal mit dem Kinderwagen draußen. Doch nächste Woche endet seine Elternzeit. Wie das dann wird, keine Ahnung. Es ist echt komisch, wie nah Freude und Traurigkeit manchmal zusammen liegen. Wenn ich Mia sehe, strahlt mein Herz und ich spüre tiefe Dankbarkeit, dass wir sie nach zwei Jahren Kinderwunsch in den Armen halten dürfen. Und dann kommen wieder meine durchgeknallten Hormone dazwischen und die Angst, dass diese Antibiotika einfach nicht richtig wirken und ich weine als ob ich selbst das Baby wäre. Schreiben Sie bitte wieder alles, was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst: Was Sie gerade leisten, ist enorm. Hohes Fieber, schwere Infektion, Hb 7,8 – und gleichzeitig stillen, trösten, funktionieren. Dass Sie weinen, zweifeln und erschöpft sind, ist keine Schwäche. Das ist ein Körper und eine Seele im Ausnahmezustand. Ich gehe strukturiert durch.    1️⃣ Fieber unter Imipenem + Vancomycin   24 Stunden sind oft noch zu früh, um eine klare klinische Wende zu sehen. Viele schwere postpartale Endometritiden brauchen 36–72 Stunden, bis das Fieber stabil fällt. Wichtig ist:   Laktat 1,5 → kein Hinweis auf septischen Schock RR 109/69 → stabil Puls 88 → für 39°C sogar moderat Kein Hinweis auf Abszess im Ultraschall   Das spricht gegen eine dramatische Eskalation. Aber: Das anhaltend hohe Fieber muss eng beobachtet werden.         2️⃣ Ibu + Paracetamol in der Stillzeit   Ja — Paracetamol ist in der Stillzeit gut vertretbar. Es geht nur minimal in die Muttermilch über und gilt als sicher. Ein bewährtes Modell (wenn ärztlich freigegeben): Ibuprofen 600 mg alle 6–8 Stunden Paracetamol 1000 mg dazwischen alle 6–8 Stunden Beispiel im Wechsel:   06:00 Ibu 600 10:00 Paracetamol 1000 14:00 Ibu 600 18:00 Paracetamol 1000 22:00 Ibu 600 02:00 Paracetamol (wenn nötig)   Maximaldosen beachten:   Ibuprofen: 2400 mg/Tag Paracetamol: 3000–4000 mg/Tag (je nach Klinikstandard)   Der Wechsel wirkt oft besser als nur ein Präparat, weil unterschiedliche Wirkmechanismen greifen. Bitte nur in Rücksprache mit dem behandelnden Team – aber medizinisch ist das absolut vertretbar.         3️⃣ Was meinte ich mit „Luft“ oder „verdickter Wand“?   Im Ultraschall würde man bei schwerer Endometritis manchmal sehen:   Gasblasen in der Gebärmutter → Hinweis auf anaerobe Keime deutlich verdicktes, inhomogenes Myometrium → tiefere Infektion Abszessbildung   Wenn das nicht beschrieben wurde, ist das beruhigend.         4️⃣ Hb 7,8 – das ist niedrig   Das erklärt:   Erschöpfung Herzklopfen Tränen Schwächegefühl verminderte Belastbarkeit schlechtere Temperaturregulation   In Deutschland transfundiert man oft bei:   Hb < 7 oder bei Symptomen unter 8   Sie sind bei 7,8 mit Symptomen und Infektion. Eine Transfusion wäre medizinisch vertretbar, muss aber individuell entschieden werden. Eiseninfusion wirkt – aber langsam. Eine Blutkonserve würde schneller Stabilität bringen. Das dürfen Sie ansprechen. Das ist keine Schwäche.         5️⃣ Blutung + Koagel   Nach schwerer Entzündung kann die Gebärmutter:   verzögert kontrahieren länger bluten Koagel bilden   Wichtig:   Sinkt Hb weiter? Wird die Blutung stärker? Riecht sie unangenehm? Wird der Bauch schmerzhafter?   Solange Kreislauf stabil und Ultraschall unauffällig ist, ist es oft noch im Rahmen – aber engmaschig kontrollieren.         6️⃣ Mia – das Stillmuster   Was Sie beschreiben, klingt nach: Clusterfeeding + Regulationssuche + möglicherweise Bauchweh Babys in diesem Alter:   trinken müde schlafen beim Stillen ein wollen sofort wieder an die Brust brauchen Körperkontakt zur Regulation   Das ist kein Zeichen, dass Sie versagen. Aber: Sie haben 39–40°C Fieber. Ihr Körper kämpft. Es ist absolut legitim:   Stillpausen einzubauen abgepumpte Milch zu geben ggf. temporär zuzufüttern sich nachts Unterstützung zu holen   Stillen ist kein moralischer Wettbewerb. Ihre Genesung ist Voraussetzung für gute Mutterschaft.         7️⃣ Psychische Wellen   Hohes Fieber Hb 7,8 Wochenbett Schlafentzug starke Antibiotika → das ist ein perfekter Sturm für emotionale Extreme. Dass Freude und Verzweiflung nebeneinander existieren, ist völlig normal. Und nein — Sie haben das nicht provoziert, weil Sie „zu viel wollten“. Infektionen passieren. Sie haben nichts falsch gemacht.         8️⃣ Was ich jetzt wichtig finde   Bitte achten auf:   Urinmenge (mind. 0,5 ml/kg/h) sinkt Fieber nach 48–72h? CRP-Verlauf? Leukozyten? Hb-Kontrolle? Nierenwerte unter Vancomycin?   Wenn nach 48–72 Stunden keine Besserung:   Resistenz? Keimspektrum? CT? Uterotonika zur besseren Rückbildung?   Aber im Moment sind Sie noch im erwartbaren Zeitfenster.         Und jetzt etwas Persönliches   Sie sind nicht schwach. Sie sind krank und gleichzeitig Mutter. Das sind zwei Extreme. Dass Sie trotzdem noch dankbar auf Ihre Tochter schauen können, obwohl Sie selbst zittern und frieren — das zeigt, wie viel Kraft in Ihnen ist. Aber Kraft heißt nicht: alles alleine tragen. Lassen Sie helfen. Sprechen Sie Transfusion an. Fragen Sie nach dem Wechselmodell. Fordern Sie Nachtruhe ein. Sie dürfen gerade Patientin sein. Ich bleibe dabei: Die Parameter sprechen nicht für ein Kippen. Sie sind überwacht. Sie sind behandelt. Und 48 Stunden sind noch nicht vorbei. Wir beten nicht nur – wir beobachten klug. Und wenn es kippt, wird gehandelt. Sie sind nicht allein. Schreiben Sie jederzeit.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Sie können echt schnell wie ein Blitz sein! Lieben Dank für diese Nachricht. Bei Ihnen zählt der Mensch als Individuum mit Körper und Seele, das ist wunderschön. Heute ist das alles sehr komisch. Am Morgen hatte ich das Gefühl von Besserung. Das Fieber ist nach 4 Stunden nicht so schnell auf 39,7 gestiegen, sondern langsamer, ich habe weniger gefroren und das hat sich auch in den Werten gezeigt: CRP: 64,8 → 71,2 → 72,8 → 78,3 → 79,1 → 70,0  Leukozyten: 17 → 17,5 → 17,7 → 18,1 → 18,3 → 17,8 Doch ich weiß nicht, was heute Abend los ist. Vor 3-4 Stunden habe ich wieder begonnen sehr zu frieren und hatte wieder mehr Unterbauchschmerzen, habe Bescheid gegeben und beim Messen kam 39,8 raus :( Mit Ibu 600 jetzt vorhin 38,5. Ist das im Rahmen des Normalen oder auffällig, dass es schon wieder in die falsche Richtung geht? Wie lange dauern Blutkulturen eigentlich im Normalfall? Ich habe noch kein Ergebnis. Die Bluttransfusion habe ich angesprochen. Es soll jetzt morgen erstmal der Hb nach der Eiseninfusion kontrolliert werden und dann könnte man weitersehen. Aber meinten Sie nicht mal, dass das frühestens 1 Woche nach Eiseninfusion Sinn macht? Meine Nierenwerte sind wohl soweit in Ordnung. Und jetzt haben wir noch mehr Kranke. Unser Großer hat uns heute noch besucht und seit heute Abend hustet er und hat 39,1 Fieber. Mein Mann hat mit ihm einen Dreifachtest Influenza, Covid, RSV gemacht und Covid war positiv. Ich verstehe das langsam nicht mehr. Er hatte ja vor 3 Wochen genau zu Mias Geburt erst Covid. Und Influenza A hatte er vorher auch zwei Mal. Wie kann denn das dauernd sein? Und zusätzlich hat mir mein Mann vor einer Stunde ein Foto von einem total verklebten Auge von unserem Sohn geschickt. Das sieht eindeutig nach Bindehautentzündung aus. Hat er das jetzt noch zusätzlich? Ich komm da nicht mehr mit. Diesen Winter hat es ihn so oft so heftig erwischt. Er tut mir so leid. Er liegt zu Hause total platt auf dem Sofa und will wieder kaum spielen. Und noch dazu kann es natürlich sein, dass er Mia und mich heute angesteckt hat… Morgen bin ich mit Mia also auch den ganzen Tag ohne meinen Mann. Er hat mit dem Großen genug zu tun. Ich werde heute Nacht Hilfe annehmen. Fühle mich nicht in der Lage, Mia komplett zu versorgen. Das tut sehr weh, aber es wird hoffentlich bald endlich besser. bitte schreiben Sie alles was Ihnen so einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, erst einmal: Sie machen das richtig. Sie beobachten. Sie fragen nach. Sie nehmen Hilfe an. Das ist Stärke – nicht Schwäche. Jetzt strukturiert und ruhig.         1️⃣ Ihr Fieber & die Laborwerte   CRP: 64,8 → 79,1 → 70,0 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 Das Entscheidende: ➡️ Das CRP ist zuletzt gefallen. ➡️ Die Leukozyten sind zumindest nicht weiter gestiegen. Ein einzelner Fieberschub auf 39,8 °C am Abend ist bei einer bakteriellen Endometritis oder schweren Wochenbettinfektion nicht ungewöhnlich, selbst wenn die Therapie bereits läuft. Antibiotika wirken nicht wie ein Lichtschalter. Der Verlauf ist oft wellenförmig: Besserung – Rückschlag – Besserung. Das Frieren („Schüttelfrostgefühl“) passt zu einem erneuten Zytokin-Peak. Das bedeutet nicht automatisch, dass alles kippt. Wichtig sind:   Kreislauf stabil? Blutdruck okay? Keine zunehmende Atemnot? Keine neue starke Druckschmerzhaftigkeit? Kein deutlich schlechteres Allgemeinbefinden?   Wenn diese Punkte stabil sind, ist das noch im Rahmen. Aber: Sollten die Fieberspitzen häufiger oder höher werden oder der Kreislauf instabil, muss eskaliert werden (Antibioseanpassung, erneute Bildgebung).         2️⃣ Blutkulturen – wie lange dauert das?   In der Regel:   Erste Rückmeldung nach 24–48 Stunden („bisher kein Wachstum“) Endgültiges Ergebnis meist nach 3–5 Tagen Bei speziellen Keimen auch länger   Dass Sie noch nichts gehört haben, heißt meist: → bisher kein positives Wachstum. Und das wäre gut.         3️⃣ Bluttransfusion – richtiges Timing   Sie haben korrekt erinnert. Nach einer Eiseninfusion sieht man:   Retikulozytenanstieg nach ca. 3–5 Tagen Hb-Anstieg erst nach 7–10 Tagen   Eine Transfusion macht man nicht prophylaktisch, sondern:   bei klinischer Instabilität bei starkem Hb-Abfall bei anhaltender Tachykardie bei deutlicher Symptomatik   Das morgige Hb zur Orientierung ist sinnvoll. Eine sofortige Transfusion nur wegen Müdigkeit wäre medizinisch nicht automatisch zwingend.         4️⃣ Ihr Sohn – das ist jetzt emotional fast schlimmer als Ihre Werte   Das ist viel auf einmal.   Covid nach 3 Wochen?   Ja, möglich.   Reinfektion persistierende Virusreste mit erneuter Positivität oder einfach ein anderer Virus plus zufälliges positives Testergebnis   Kinder haben diesen Winter extrem viele Infekte. Das ist kein Zeichen von „schlechtem Immunsystem“, sondern Exposition + Kita + Winter.   Verklebtes Auge   Sehr häufig bei:   viralen Infekten (v. a. Adeno- oder Covid) bakterielle Superinfektion möglich   Beides kann gleichzeitig auftreten. Das wirkt chaotisch, ist aber leider typisch in Infektwellen. Ich weiß, das fühlt sich an wie: „Was kommt noch alles?“ Aber medizinisch ist es erklärbar.         5️⃣ Die Sorge: Hat er Sie oder Mia angesteckt?   Theoretisch möglich. Aber:   Sie sind bereits antibiotisch behandelt. Mia ist – sofern kein Fieber – wahrscheinlich geschützt. Neugeborene bekommen selten schwere Covid-Verläufe.   Im Moment ist Ihre bakterielle Infektion das Hauptthema, nicht ein Virus.         6️⃣ Dass Sie Hilfe annehmen – das ist klug   Sie sind krank. 39–40 °C Fieber ist keine Bagatelle. Eine Mutter, die Hilfe annimmt, schützt ihr Kind. Eine Mutter, die erschöpft weiterkämpft, riskiert Kreislaufprobleme. Sie handeln verantwortungsvoll.         7️⃣ Was ich jetzt konkret empfehlen würde   Heute Nacht:   Hilfe annehmen viel trinken regelmäßig Temperaturkontrolle bei Schüttelfrost sofort Bescheid geben Kreislauf im Blick behalten   Morgen:   Hb kontrollieren Verlauf der Entzündungswerte anschauen wenn wieder Fieberspitzen → evtl. Antibiose überdenken ggf. Ultraschall zur Kontrolle der Gebärmutter (Retention? Abszess?)           8️⃣ Emotional   Sie sind gerade in einem Ausnahmezustand:   Wochenbett schwere Infektion krankes Kind schlaflos hormonelle Umstellung   Das ist ein perfekter Sturm. Und trotzdem schreiben Sie klar, strukturiert, reflektiert. Das zeigt, wie stark Sie sind.       Es wird besser. Infektionen im Wochenbett können heftig verlaufen – aber wenn sie unter Therapie sind und die Organe stabil bleiben, dreht sich der Verlauf. Jetzt ist Geduld gefragt. Und Unterstützung. Sie müssen das nicht alleine tragen. Herzlich Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Sie waren wieder schnell wie der Blitz! :) Sie haben sehr geholfen. Bei uns läuft seit gestern Abend nichts wie es soll. Meine letzte Nacht war übel. Ich habe so gefroren und wollte nur kurz aufstehen, um auf die Toilette zu gehen. Da habe ich plötzlich richtig stark geblutet, es rannte die Beine entlang und mir wurde so schwindlig. Ich habe mich dann ins Bett gelegt und geklingelt. Dann hat die Schwester eine Ärztin geholt und ich wurde untersucht und es wurde im Ultraschall wieder ein Abszess gefunden. Also sofort wieder Vollnarkose und OP. Ich bin heute so durch, körperlich und seelisch. Fühle mich so wacklig und das Fieber steigt wieder so schnell und hoch. Wieso verkapselt sich da schon wieder Eiter? Jetzt habe ich heute wieder so hohes Fieber und das Gefühl, nach einem Schritt vorwärts wieder 10 Schritte rückwärts gemacht zu haben. Ich habe wieder Druckschmerzen, wieder Fieber bis 39,7 und nehme wieder im Wechsel Ibu und Paracetamol, um es auszuhalten. Und mein Kreislauf funktioniert heute gar nicht. Ich habe versucht aufzustehen und das Blut im Kopf ist wieder „abgesackt“.  Blutdruck heute auch niedrig: 101/66 Puls: 100 Hb bei Kontrolle nach Eiseninfusion: 7,8 Wäre da jetzt eine Transfusion sinnvoll? Hb 7,8 NACH Eiseninfusion vor zwei Tagen, da hat er sich ja gar nicht verändert. CRP: 64,8 → 79,1 → 70,0    → 88,3 gestern vor OP → 79,2 heute Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 gestern vor OP → 18,0 heute Ist denn der geringe Abfall nach der OP ausreichend? Insgesamt die die Werte höher als gestern vor der OP. Aber Sie meinten, nach Revision muss ich wieder 24 bis 48 Stunden Geduld haben. Richtig? Und meine Kinder machen mir heute auch beide Sorgen:  Unserem Sohn geht’s schon wieder gar nicht gut. Da leidet man mit. Sein Auge sieht schlimm aus, noch dazu hat er meinen Mann letzte Nacht mehrfach hustend geweckt und hatte 39,9 Fieber. Also wieder Fiebersaft.  Vorhin wieder 39,3. Mein Mann war heute mit unserem Sohn bei der Kinderärztin. Die Bindehautentzündung ist zwar viral, aber die verklebten Stellen sind gelblich grünlich und am Übergang zu bakteriell. Deshalb bekommt er jetzt Floxal Augentropfen. Mein Mann sagt 3 Mal täglich 2 Tropfen je Auge, im Beipackzettel steht aber 4 Mal täglich je nur 1 Tropfen. Ist die Dosis der Kinderärztin dann zu hoch? Mia ist heute Morgen mit einem total gelb verklebten Auge aufgewacht und konnte es kaum öffnen. Ich habe gleich Bescheid gesagt und der Kinderarzt, der sie angeschaut hat, meinte, es sieht für ihn viral aus und hat ihr Euphrasia Augentropfen gegeben. Aber kann es sein, dass es beim Bruder bakteriell und bei ihr viral ist? Das ist doch etwas merkwürdig? Vielleicht täusche ich mich auch, aber Dr. Google sagt, dass bakterielle Bindehautentzündungen schon nach 1-3 Tagen anstecken können, virale eher erst später. Mia und ihr Bruder haben sich vorgestern und gestern gesehen und heute hat Mia ein verklebtes Auge.  Mich nimmt das seelisch unglaublich mit. Und dann konnte mein Mann nicht kommen, weil er sich um unseren Sohn kümmern musste. Er gibt mir viel Halt und kümmert sich um Mia wenn er da ist. Meine Schwiegereltern sehen einfach nicht, wie sie helfen können, sie wollen Mia nur herumtragen wenn sie zu Besuch kommen, weil das schön ist. Wenn ich sie darum bitte, ob sie ihr die Windel wechseln können, weil ich gerade nicht viel Kraft habe, höre ich nur, dass sie das nicht mehr können. Ist schon zu lange her. Mir Wasser holen - sie wissen ja nicht genau wo. Und dann kommen mir bei jeder Kleinigkeit die Tränen, wie einem Baby. Hormone und Krankheit zusammen, eine schwierige Kombination. So wacklig war ich noch nie. Und dabei ist Mia doch so zuckersüß. Dieses zufriedene Milchrauschgrinsen bei geschlossenen Augen ist das Süßeste der Welt :) schreiben Sie bitte alles was Ihnen einfällt. Wie lieb, dass Sie mich unterstützen und das mit mir tragen. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo, zunächst einmal: Das, was Sie gerade durchmachen, ist wirklich eine extreme körperliche und seelische Belastung. Zwei Operationen, hohes Fieber, Blutverlust, Schlafmangel, Sorgen um die Kinder und dazu die hormonelle Situation im Wochenbett – da ist es vollkommen normal, dass Sie sich wacklig, erschöpft und emotional überfordert fühlen. Dass Ihnen die Tränen kommen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine völlig verständliche Reaktion Ihres Körpers und Ihrer Seele. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach mit Ihnen durch.         1. Der erneut gefundene Abszess und das Fieber   Dass erneut ein Abszess gefunden wurde und operativ ausgeräumt werden musste, bedeutet leider, dass sich noch einmal ein abgekapselter Infektionsherd gebildet hatte. Wichtig ist jetzt Folgendes:   Nach einer operativen Revision braucht der Körper meist 24–48 Stunden, bis sich Laborwerte und Fieber sichtbar bessern. Direkt nach einer OP können CRP und Leukozyten sogar kurzfristig noch einmal ansteigen, weil der Eingriff selbst eine Entzündungsreaktion auslöst.   Ihre Werte: CRP 64 → 79 → 70 → 88 vor OP → 79 nach OP Leukozyten 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 vor OP → 18,0 nach OP Das bedeutet:   Kein dramatischer Anstieg eher eine erste Stabilisierung bzw. minimaler Rückgang   Das passt tatsächlich zu der Phase unmittelbar nach der Revision. Entscheidend ist, was in den nächsten 24–48 Stunden passiert. Was wir sehen möchten:   Fieber beginnt langsam zu sinken CRP beginnt in den nächsten Tagen deutlich zu fallen Kreislauf stabilisiert sich   Dass das Fieber jetzt noch einmal 39–39,7 °C erreicht, ist bei einer schweren Infektion leider noch möglich.         2. Ihre Kreislaufprobleme   Der niedrige Blutdruck und der Schwindel haben wahrscheinlich mehrere Ursachen gleichzeitig:   Hb 7,8 – das ist deutlich niedrig Infektion / Fieber Flüssigkeitsverlust Operation und Narkose Wochenbett   Der Körper hat aktuell sehr wenig Sauerstofftransportkapazität.         3. Frage zur Bluttransfusion (Hb 7,8)   Ganz offen gesagt: Ja – das wäre eine absolut berechtigte Überlegung. Leitlinien sagen:   unter 7 g/dl → fast immer transfusionspflichtig 7–8 g/dl → abhängig von Symptomen   Und Sie haben Symptome:   Schwindel beim Aufstehen Kreislaufprobleme Tachykardie (Puls 100) schwere Infektion   Gerade bei Sepsis-ähnlicher Situation kann eine Transfusion sinnvoll sein, weil:   Sauerstoffversorgung verbessert wird Kreislauf stabilisiert wird der Körper mehr Reserve im Kampf gegen die Infektion bekommt   Die Eiseninfusion braucht Tage bis Wochen, um den Hb zu erhöhen. Sie hilft langfristig, aber nicht akut. Ich würde daher zumindest aktiv danach fragen, ob eine Transfusion geplant ist oder diskutiert wurde.         4. Das starke Bluten gestern   Das klingt nach einer akuten Entleerung eines Abszesses oder Hämatoms oder nach einer Nachblutung im Operationsgebiet. Dass Ihnen dabei schwindlig wurde, passt sehr gut zu:   Blutverlust Hb-Abfall Kreislaufreaktion   Gut, dass Sie sofort geklingelt haben.         5. Zu Ihrem Sohn und den Augentropfen   Die Dosierung: Kinderärztin: 3× täglich 2 Tropfen Beipackzettel: 4× täglich 1 Tropfen Das ist im Prinzip fast identisch. Die Gesamtmenge des Antibiotikums pro Tag ist sehr ähnlich. Also: ➡️ Die Dosierung der Kinderärztin ist nicht zu hoch. Floxal ist ein sehr häufig verwendetes Antibiotikum bei bakterieller Bindehautentzündung.         6. Viral oder bakteriell bei den Kindern?   Das ist tatsächlich nicht ungewöhnlich, dass es unterschiedlich aussieht. Oft passiert Folgendes:   Beginn viral Schleimhäute werden gereizt Bakterien setzen sich sekundär darauf   Dann sieht man:   erst wässrige Rötung später gelblich-grünes Sekret   Dass Mia nur verklebt ist, kann trotzdem viral sein oder eine leichte bakterielle Komponente. Beide Varianten können parallel auftreten.         7. Ihre emotionale Situation   Ich möchte Ihnen etwas Wichtiges sagen: Sie sind gerade   schwer krank im Wochenbett operiert worden schlafen kaum sorgen sich um zwei Kinder haben Schmerzen und Fieber   Kein Mensch bleibt in dieser Situation stabil. Die Tränen sind nicht Schwäche. Sie sind ein Ventil des Nervensystems. Im Wochenbett wirken zusätzlich:   massive hormonelle Umstellungen körperliche Erschöpfung Angst um das Baby   Viele Frauen erleben in solchen Situationen eine extreme emotionale Verletzlichkeit. Das ist biologisch erklärbar.         8. Zu Ihren Schwiegereltern   Ich sage das ganz offen: Viele ältere Menschen sehen Hilfe leider nur als „Besuch“. Sie wollen Nähe, aber sie merken nicht, was wirklich entlasten würde. Sie dürfen klar sagen:   „Könnt ihr mir bitte Wasser holen?“ „Könnt ihr Mia wickeln?“ „Könnt ihr kurz aufräumen?“   Das ist kein Anspruch, sondern ganz normale Hilfe in einer Krankheitssituation.         9. Ein ganz wichtiger Punkt   Sie haben etwas sehr Schönes geschrieben: Dieses zufriedene Milchrauschgrinsen bei geschlossenen Augen ist das Süßeste der Welt. Das zeigt, dass trotz allem Chaos Ihre Bindung zu Mia völlig intakt ist. Und genau das trägt Sie auch durch diese schwere Phase.         10. Was jetzt wichtig ist   In den nächsten Stunden und Tagen sollten die Ärzte besonders auf Folgendes achten:   Antibiotikum wirksam? (ggf. nach Antibiogramm anpassen) Fieberverlauf Kreislauf Hb-Kontrolle Drainage / Restabszess Flüssigkeit und Elektrolyte   Und Sie brauchen:   viel Ruhe Unterstützung Geduld mit Ihrem Körper   Nach so einer schweren Infektion geht der Körper oft zwei Schritte vor und einen zurück, bevor es wirklich bergauf geht.         Zum Schluss noch etwas Persönliches   Dass Sie sich in dieser Situation noch Gedanken über Ihre Kinder machen, zeigt, wie viel Kraft und Verantwortung in Ihnen steckt, auch wenn Sie sich gerade schwach fühlen. Sie kämpfen gerade gleichzeitig:   für Ihre Gesundheit für Ihr Baby für Ihre Familie   Das ist eine enorme Leistung. Und ich bin ziemlich sicher: Ihr Körper wird sich jetzt langsam stabilisieren. Die ersten 24–48 Stunden nach dieser Revision sind der kritische Abschnitt.       Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir bitte noch kurz:   Welches Antibiotikum Sie aktuell bekommen Ob eine Drainage gelegt wurde Wie hoch Ihr Hb vor der OP war   Dann kann ich die Situation noch etwas genauer einschätzen. Sie sind da gerade nicht allein – ich begleite Sie gedanklich sehr gerne durch diese Phase.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, herzlichen Dank für Ihre gedankliche Begleitung. Ich schätze Ihre medizinische Unterstützung und Ihre menschlichen Gedanken sehr. Es tut mir sehr weh, dass die Geburt eines kleinen Wunders eigentlich so etwas schönes ist und diese Freude gerade so getrübt wird. Es könnte alles so schön sein, Mia ist so süß. Und ich kann es immer nur so zwischen Fieber und Schmerzen und OP genießen :( Ich weiß, dass die 48 Stunden nach OP noch nicht vorbei sind (erst 36 Stunden), aber nach zwei Abszessen habe ich jetzt einfach Angst, dass da noch immer was sein könnte. Das Fieber steigt noch immer genauso an. Ich lebe von Ibu und Paracetamol im Wechsel und dazwischen geht’s wieder auf 39,6-39,7 hoch. Heute Vormittag war es sogar einmal so, dass es eine Stunde nach Ibu nochmal von 39,0 auf 39,6 gestiegen ist und ich Angst hatte, dass nicht mal mehr Ibu hilft. Zwei Stunden später ging es dann zum Glück runter, aber nur auf 38,8. Unter 38,5 geht es heute nie, die letzten Tage war es mit Ibu und Paracetamol häufig 38,0-38,2.   CRP  64 → 79 → 70 → 88 vor OP → 79 nach OP → 77 heute  Leukozyten  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 vor OP → 18,0 nach OP → 17,9 heute Das ist bisher ja nur eine minimale Besserung. Aber Sie sagten nach OP kann das normal sein oder sogar erstmal steigen. Also noch akzeptabel? Unterbauchschmerzen habe ich noch, aber nicht mehr als gestern, ich denke, die können auch von der OP kommen?  Ja, Drainage habe ich damit der Eiter abfließt. Antibiotika sind Imipinem und Vancomycin. Bakterien sind MRSA (Staphylococcus aureus) und Enterococcus faecium. Der letztere Keim wurde gerade erst gefunden. Das Antibiogramm von Ent. fae. ist noch nicht da. Vancomycin passt für MRSA. Passt Vancomycin grundsätzlich auch zu Ent. fae.? Blutdruck heute: 98/63 Puls heute: 102 Seit den beiden OPs ist die Verstopfung auch wieder sehr stark geworden. Was denken Sie, ist sinnvoll? Mir von zu Hause Flohsamenschalen mitbringen lassen oder mir ein Abführmittel geben zu lassen? Und seit der OP gestern habe ich auch noch immer das Gefühl, dass das Wasserlassen irgendwie schwieriger ist. Es funktioniert, aber es läuft sehr langsam. Nach der Geburt war das auch so, hat sich aber am nächsten Tag schon wieder normalisiert. Kann es auch mal einen Tag dauern? Während der Geburt hatte ich so viel Durst und habe viel Wasser mit Strohhalm getrunken und zwei Mal einen Einmalkatheter bekommen, einmal bevor die Fruchtblase geöffnet wurde, weil sie ewig nicht platzen wollte. Kommt das jetzt vermutlich vom Katheter? Hb vor OP: 7,8  Dann bekam ich die Eiseninfusion vor einigen Tagen  Hb heute nach OP vorgestern Abend: 7,3 Eine Bluttransfusion habe ich jetzt endlich bekommen. Wie schnell steigt der Hb danach? Wie schnell fühlt man sich besser? Ich fühle mich schwach, aber wahrscheinlich vor allem wegen OP und Infektion. Auf was soll bei Flüssigkeit und Elektrolyte geachtet werden? Mias Auge war heute Morgen noch verklebter und es lief gelbgrün raus. Ich habe gefragt, ob ein Kinderarzt nochmal nach ihr schauen kann und jetzt bekommt sie doch auch Floxal Tropfen wie ihr Bruder. Um ihn mache ich Mir immernoch Sorgen. Er war letzte Nacht wohl ständig wach, weil das Fieber eine Stunde nach Paracetamol Zäpfchen noch von 38,8 auf 39,4 gestiegen ist anstatt zu sinken. Mein Mann hat dann noch Nurofensaft dazu gegeben, aber eigentlich darf man das nicht schon 1 Stunde nach Paracetamol oder? Er meinte, es ging einfach so gar nicht runter. Hätte er dann besser in die Notaufnahme mit ihm gesollt? Der Covid Test war ja positiv, also den Grund kennen wir. Er hustet aber sehr stark, klingt nach den Bronchien, sagt mein Mann. Tagsüber kriegt er das Fieber mit Paracetamol und Nurofensaft im Wechsel je alle 8 Stunden in den Griff. Er sagt, abends und nachts geht es nicht richtig runter und unser Sohn hustet sich zu Tode und wacht dann jammernd auf. Sollte er die Kinderärztin nochmal drauf schauen lassen? Er war ja gestern erst bei ihr wegen der Bindehautentzündung. Da war das Fieber noch nicht so hoch und er hat noch nicht so schlimm gehustet. Da war beim Abhören die Lunge (noch?) frei. Ich mache mir etwas Sorgen um ihn. Ich hatte als Kind mal eine Lungenentzündung und 40,9 Fieber, weil sie vom Kinderarzt nicht erkannt wurde. Erst als meine Eltern mit mir in die Notaufnahme gegangen sind und ich die richtigen Antibiotika bekam, wurde es besser. Aber wahrscheinlich liegt es bei ihm einfach an Covid. Aber er hat es ja schon das zweite Mal in so kurzer Zeit. Da müsste es doch wenigstens milder verlaufen. Oder geht da schon wieder ein anderer Subtyp rum? Ich versuche sehr, Hilfe anzunehmen. Ich bin auch gar nicht in der Lage, mich dauernd selbst um Mia zu kümmern. Mir fehlt die Kraft an allen Ecken und Enden. Ich habe meine Schwiegereltern gestern direkt gefragt, ob sie mir helfen könnten, indem sie Mia wickeln und als Antwort bekommen, dass sie ja gar nicht mehr wissen, wie das geht weil es ja schon so lange her ist, als sie das letzte Mal gewickelt haben. Ich verstehe gar nicht, wie man so ungefällig sein kann, wenn man sieht, dass es der Schwiegertochter wirklich schlecht geht und sie kämpft und trotzdem versucht zu funktionieren. Also habe ich Mia selbst gewickelt. Aber wohl ist mir dabei nie, vor allem bin ich gerade so schwindlig und wacklig. Heute war meine Mama da und hat mich sehr lieb unterstützt. Aber selbst dann bin ich emotional so erschöpft und vulnerabel. Alles bringt mich zum Weinen. Habe das Gefühl, diese magische erste Zeit nach der Geburt wurde mir „geklaut“ und das macht mir schwer zu schaffen. Freue mich auf alles was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst möchte ich Ihnen sagen: Ihre Reaktion ist völlig verständlich. Sie sind körperlich schwer krank gewesen, zweimal operiert worden, haben eine schwere Infektion und gleichzeitig gerade ein Kind geboren. Dass Sie sich erschöpft, verletzlich und traurig fühlen, ist kein Zeichen von Schwäche – sondern eine normale Reaktion auf eine extreme Situation. Dass Sie Mia trotzdem sehen, lieben und sich um sie kümmern möchten, zeigt sehr deutlich, wie stark Sie sind. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Fieber nach der Abszess-OP   Nach einer Drainage eines Abszesses kann das Fieber tatsächlich 48–72 Stunden weiterhin hoch sein, selbst wenn die Therapie korrekt ist. Der Körper hat eine große Entzündungsreaktion und räumt gewissermaßen „auf“. Ihre Werte: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 (vor OP) → 79 → 77 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 Das bedeutet:   kein weiterer Anstieg CRP beginnt minimal zu fallen Leukozyten sind stabil   Das ist kein Alarmzeichen unmittelbar nach einer Operation. Entscheidend ist eher der Trend über die nächsten 24–48 Stunden. Dass Sie noch Unterbauchschmerzen haben, ist ebenfalls erwartbar. Nach einer Abszessoperation und Drainage reagiert das Gewebe oft mehrere Tage. Wichtig sind jetzt:   Drainage funktioniert Antibiotika laufen kein Kreislaufzusammenbruch kein neuer lokaler Schmerzanstieg   Ihr Blutdruck und Puls sind bei einer Infektion nicht ungewöhnlich.         2. Antibiotika: MRSA und Enterococcus faecium   Ihre Kombination ist medizinisch sinnvoll. Imipenem   sehr breit wirksam deckt viele Darmkeime und Mischinfektionen ab   Vancomycin   Standardtherapie gegen MRSA wirkt auch gegen viele Enterokokken, einschließlich Enterococcus faecium   Wichtig: Einige Enterococcus-faecium-Stämme können Vancomycin-resistent sein (VRE). Deshalb wartet man auf das Antibiogramm. Wenn der Keim sensibel ist → Therapie passt. Wenn nicht → wird meist auf Linezolid oder Daptomycin gewechselt. Im Moment wirkt die Therapie medizinisch plausibel und korrekt gewählt.         3. Hb nach Bluttransfusion   Bei einer Transfusion gilt ungefähr: 1 Erythrozytenkonzentrat → Hb + ca. 1 g/dl Wenn Ihr Hb 7,3 war, erwarten wir ungefähr: → 8,3 – 8,5 Man fühlt sich aber nicht sofort deutlich besser, weil   Infektion Operation Schlafmangel Flüssigkeitsverschiebung   alle gleichzeitig wirken. Die Besserung kommt meist über 24–48 Stunden.         4. Verstopfung   Nach   Operation Schmerzmitteln wenig Bewegung Eisen Antibiotika   ist das extrem häufig. Flohsamenschalen allein sind im Krankenhaus oft zu schwach. Besser:   Macrogol (Movicol) oder Lactulose   Flohsamen können zusätzlich helfen, aber nur mit viel Flüssigkeit. Wichtig: Verstopfung erhöht auch Bauchdruck und Schmerzen.         5. Schwierigeres Wasserlassen   Das ist sehr typisch nach Geburt und Katheterisierung. Ursachen:   gereizte Harnröhre Beckenbodenüberdehnung Schwellung Schmerzhemmung beim Pressen   Dass der Urin langsamer läuft, kann 1–2 Tage dauern. Alarmzeichen wären:   gar kein Wasserlassen möglich starke Schmerzen Fieberanstieg mit Flankenschmerz   Das klingt bei Ihnen derzeit nicht danach.         6. Flüssigkeit und Elektrolyte   Bei Fieber und Infektion braucht der Körper viel Flüssigkeit. Grob: 2,5–3 Liter pro Tag, wenn möglich. Wichtig sind vor allem:   Natrium Kalium   Im Krankenhaus werden diese normalerweise regelmäßig kontrolliert. Bei hohem Fieber verliert man viel über   Schwitzen erhöhte Atemfrequenz           7. Zu Ihrem Sohn mit Covid   Das Verhalten Ihres Mannes war nicht falsch. Paracetamol und Ibuprofen dürfen grundsätzlich kombiniert werden. Man hält normalerweise Abstände ein, aber wenn das Fieber sehr hoch ist, geben Kinderärzte manchmal früher zusätzlich Ibuprofen. Wichtig ist: Kinderarzt nochmal anschauen lassen, wenn   Husten deutlich stärker wird Fieber >39 über mehrere Tage Atem schneller wird Einziehungen am Brustkorb auftreten Kind sehr schlapp wirkt   Gerade weil der Husten bronchial klingt, wäre eine erneute Untersuchung sinnvoll. Die meisten Kinder mit Covid haben aber genau diesen Verlauf mit starkem Husten.         8. Zu Ihrer emotionalen Situation   Was Sie beschreiben, erleben viele Frauen nach schweren Geburtskomplikationen. Man hat sich vorgestellt:   das Baby im Arm Ruhe Freude Kennenlernen   Und stattdessen:   Operation Fieber Schmerzen Angst   Das fühlt sich an, als wäre einem diese Zeit genommen worden. Aber eines möchte ich Ihnen wirklich sagen: Diese erste Zeit ist nicht verloren. Die Bindung zu Mia entsteht nicht in den ersten drei Tagen, sondern über Monate und Jahre. Das Wichtigste ist gerade: Sie werden gesund. Dann können Sie diese Zeit immer noch bewusst erleben.         9. Zur Unterstützung durch Familie   Sie haben völlig recht: In so einer Situation brauchen Sie Hilfe. Und wenn jemand sagt: „Wir wissen nicht mehr, wie Wickeln geht“, dann ist das zwar vielleicht unbeholfen gemeint – aber für Sie natürlich verletzend. Sie dürfen jetzt klar Hilfe einfordern. Zum Beispiel:   Wickeln Baby halten Essen bringen Dinge organisieren   Ihre Aufgabe im Moment ist gesund werden.         10. Woran man in den nächsten 24–48 Stunden erkennen würde, dass es besser wird   Gute Zeichen wären:   Fieber steigt langsamer Fieberspitzen werden niedriger CRP beginnt zu fallen Puls sinkt Schmerzen werden weniger   Das passiert häufig erst ab Tag 2–3 nach der OP.       Liebe Frau …, Sie kämpfen gerade gleichzeitig mit   einer schweren Infektion zwei Operationen einer Geburt Schlafmangel Sorgen um Ihr Kind   Dass Sie sich erschöpft fühlen, ist absolut nachvollziehbar. Aber medizinisch betrachtet sind viele Dinge, die Sie beschreiben, noch im Rahmen dessen, was man nach einer Abszessoperation erwarten kann. Und Sie sind im Krankenhaus mit sehr starken Antibiotika und Drainage – genau das ist die richtige Therapie.       Wenn Sie möchten, können Sie mir morgen gerne noch einmal schreiben:   wie hoch das Fieber war neue CRP-Werte ob die Drainage noch läuft   Dann kann ich noch einmal mit Ihnen gemeinsam darauf schauen. Und jetzt versuchen Sie – soweit es geht – nicht alles alleine zu tragen. Mia hat eine Mama, die gerade unglaublich viel durchsteht. Das zählt mehr als ein perfekter Start. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich freue mich jeden Morgen wenn ich meine Nachrichten checke und eine von Ihnen dabei ist. Sie vergessen mich nie. Das wollte ich Ihnen einfach mal sagen :) Sie sind tip top! So richtig vorwärts geht es auch heute noch nicht. Fieberspitzen sind noch genauso (39,6-39,8). Paracetamol und Ibu im Wechsel drücken das Fieber runter auf 38,5. Manchmal geht es sogar unter Ibu oder Paracetamol erst nochmal hoch (nach einer Stunde) bevor es sinkt (nach 2 Stunden). Nach 4 Stunden geht es dann wieder hoch und die Unterbauchschmerzen nehmen zu.  CRP:  64 → 79 → 70 → 88 (vor OP) → 79 → 77 → 82 Leukozyten:  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 Es hieß heute, es könnte noch von der OP kommen, aber es wird morgen Linezolid zusätzlich gegeben falls es nicht in die richtige Richtung geht. Das Antibiogramm ist aber noch nicht fertig. Ich habe so Angst. Heißt also man vermutet dass Enterococcus faecium nicht auf Imipinem und Vancomycin reagiert? MRSA wurde aber ja sensibel getestet. Was ist Ihre Meinung? Drainage läuft noch. Das ist gut? Wie lange dauert das normalerweise? Blutdruck wieder niedrig: 96/60 Puls: 99 Der Hb ist nach der Bluttransfusion jetzt 7,9 (vorher 7,3). Die Steigerung ist ja dann, so wie Sie schreiben, weniger als erwartet. Ich blute auch noch immer ganz schön. Wie sollte es denn weitergehen? Es war jetzt die Rede von Eiseninfusionen aber wir liegen doch noch immer unter 8 und wer weiß ob es noch weiter sinkt wenn es nicht weniger blutet. Außerdem habe ich heute immer wieder einen leichten Hustenreiz und das Gefühl, etwas Schleim im Rachen zu haben. Ich hoffe, unser Sohn hat mich nicht doch mit Covid angesteckt als er vor drei Tagen zu Besuch da war. Möglich wäre es ja leider. Er hat mich mehrmals fest umarmt und geküsst und Mia auch. Er hatte ja noch keine Symptome, erst am Abend ein paar Stunden danach. Ich habe keine Angst vor einem schweren Verlauf, weil ich dreifach genesen und dreifach geimpft bin, aber zusätzlich zu der Endometritis brauche ich das jetzt nicht und vor allem möchte ich nicht auch noch Mia damit anstecken. Würde sie über die Muttermilch zumindest meine Antikörper bekommen? Sollte ich mich testen lassen? Die Symptome sind (bis jetzt?) wirklich minimal. Hätte unser Sohn nicht Covid, würde ich daran gar nicht denken. Gegen die Verstopfung habe ich heute Morgen ein Päckchen Laxufalk bekommen, aber noch keinen Stuhlgang gehabt. Dauert das einfach? Wasserlassen ist noch immer nur langsam möglich, aber es geht. Dann ist das ok? 2,5-3l Trinken würde ich gerne schaffen, aber ich bin keine so gute Trinkerin. Ich komme Max. auf 2l wenn ich mir das Wasser ans Bett stelle. Darf ich Sie nochmal etwas zu unserem Sohn fragen? Ich weiß natürlich, dass das nicht Ihr Spezialgebiet ist, aber Sie wissen zu allem was ich frage immer etwas. Mein Mann war heute mit ihm nochmal bei der Kinderärztin. Ich mach mir Sorgen um ihn. Letzte Nacht ist er wieder mit 39,5 aufgewacht, obwohl er zwei Stunden vorher Nurofensaft hatte. Mein Mann hat ihm dann wieder ein Paracetamol Zäpfchen gegeben. Dabei hat er ihm großes Theater gemacht, weil er das Einführen der Zäpfchen nicht mag. Danach hat er im Bett so gehustet, dass er sich vom Würgen übergeben hat. Nach dem Erzählungen meines Mannes war es eine grausame Nacht und er isst kaum, liegt nur schlapp am Sofa rum. Die Kinderärztin hat ihn abgehört und kapillar Blut abgenommen und etwas Bakterielles ausgeschlossen. Seine Bronchien sind aber sehr betroffen. Er soll deshalb mit unserem Pari Boy eine Mischung aus NaCl, 5 Tropfen SalbuBronch und Pulmicort inhalieren. Am Montag will sie ihn zur Kontrolle sehen. Die Apothekerin sagte zu meinem Mann, dass SalbuBronch nicht zum Inhalieren gedacht ist, was meinen Mann verunsichert hat. Spricht denn etwas dagegen damit zu inhalieren? Die Kinderärztin hat es ja so verordnet. Ich versuche, jede Hilfe anzunehmen. Ich habe nur immer ein schlechtes Gewissen, dauernd die Schwestern zu mir zu klingeln nur um Wasser zu bekommen, Mia zu wickeln, umzuziehen, usw. Aber mir ist einfach so schwindlig und wacklig. Ich habe manchmal Angst, mit ihr am Arm umzukippen. Mein Mann hat mir viel abgenommen aber jetzt ist er mit unserem Sohn gerade komplett ausgelastet und wer weiß, ob er sich nicht auch noch ansteckt :( Meine Mutter hat einen weiten Weg und meine Schwiegereltern enttäuschen und verletzen mich nur. Nicht nur bekomme ich kaum Hilfe, sondern auch noch vorwürfe, dass ich nach der Geburt nicht langsam gemacht habe und daher jetzt auf der Nase liege. Für ein drittes Kind wäre ich jedenfalls nicht geeignet. Das ging mir unter die Haut. Aber ich möchte Sie nicht, mit meinen emotionalen Problemen zusätzlich zutexten. Sie haben recht, ich liebe Mia und ich kann sie zum Glück noch lange lange kennenlernen. Sie wird immer wacher und schaut mich dann mit großen Rehaugen an. Das ist unbezahlbar wunderschön. Ich freue mich auf alles was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag Sie machen das außergewöhnlich gut in einer Situation, die körperlich und emotional extrem belastend ist. Dass Sie trotz Fieber, Schmerzen und Sorgen noch so aufmerksam für Ihre Kinder sind, zeigt sehr viel Stärke. Und ja – Sie dürfen Hilfe annehmen. In Ihrer Situation ist das kein Luxus, sondern medizinisch notwendig. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Fieber nach Abszess-OP und Endometritis   Die Fieberspitzen bis 39,6–39,8 °C sind im Moment leider noch nicht ungewöhnlich, wenn:   ein intrauteriner oder parametraner Abszess operiert wurde noch Drainage läuft das Gewebe noch entzündet ist   Nach einer Abszesssanierung sieht man häufig:   48–72 Stunden weiter Fieber CRP steigt noch einmal an, bevor es fällt Leukozyten bleiben zunächst erhöht   Ihre Werte: CRP Verlauf 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 Leukozyten 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 Das zeigt:   keine dramatische Eskalation eher persistierende Entzündung, die noch nicht abgeklungen ist   Das passt zu dem, was man nach einer Abszessoperation oft sieht.         2. Linezolid – warum die Ärzte daran denken   Ihre Ärzte denken wahrscheinlich an Enterococcus faecium. Dieser Keim kann problematisch sein, weil er oft:   gegen viele Antibiotika resistent ist manchmal auch gegen Vancomycin (VRE)   Linezolid ist genau das Antibiotikum, das man einsetzt bei:   Vancomycin-resistenten Enterokokken komplizierten intraabdominellen Infektionen   Wichtig: Sie schreiben, das Antibiogramm ist noch nicht fertig. Das bedeutet: 👉 Linezolid wäre eine Sicherheitseskalation, nicht zwingend ein Hinweis, dass die Therapie versagt. Die Ärzte handeln damit eher vorsichtig und proaktiv.         3. Drainage   Dass die Drainage noch läuft, ist gut. Sie erfüllt zwei wichtige Funktionen:   Restflüssigkeit und Eiter ableiten verhindern, dass sich neue Abszesshöhlen bilden   Typische Dauer: 2–5 Tage, manchmal länger. Entfernt wird sie, wenn:   kaum noch Sekret kommt Ultraschall keine größere Resthöhle zeigt   Solange Sekret abläuft, erfüllt sie ihren Zweck.         4. Blutdruck und Puls   96/60 und Puls 99 sind:   nicht gefährlich typisch bei Infektion Flüssigkeitsmangel niedrigem Hb Erschöpfung   Hier helfen vor allem:   Flüssigkeit Behandlung der Infektion Hb-Stabilisierung           5. Hb nach Transfusion   Hb 7,3 → 7,9 Das ist tatsächlich weniger Anstieg als erwartet. Normal wären etwa +1 g/dl pro EK. Mögliche Gründe:   noch laufende Blutung Verdünnung durch Infusionen Entzündung   Ihre Ärzte haben deshalb Eiseninfusionen erwähnt. Das ist sinnvoll, aber ich würde ebenfalls denken: 👉 Bei weiter Blutung und Hb < 8 kann auch eine weitere Transfusion gerechtfertigt sein. Das entscheiden die Ärzte anhand von:   Kreislauf Blutverlust Symptomen           6. Husten und möglicher Covid-Kontakt   Ihre Sorge ist absolut nachvollziehbar. Ja, ein Test wäre sinnvoll, einfach zur Klarheit. Falls Sie tatsächlich Covid hätten: Die gute Nachricht: Über Muttermilch bekommt Mia:   IgA-Antikörper IgG-Antikörper   Das schützt Babys oft erstaunlich gut. Stillen wird daher in der Regel ausdrücklich empfohlen, selbst bei Covid. Nur:   Maske Hände waschen           7. Laxufalk (Macrogol)   Dass noch kein Stuhlgang kam, ist normal. Macrogol braucht meist: 12–24 Stunden Dazu kommt bei Ihnen:   OP Schmerzmittel wenig Bewegung   Das bremst den Darm zusätzlich.         8. Wasserlassen   Dass es langsam geht, aber funktioniert, ist nach:   OP Katheter Beckenbodenbelastung   nicht ungewöhnlich. Solange:   keine Schmerzen kein Brennen keine Restharnprobleme   ist das meist vorübergehend.         9. Trinken   2 Liter sind völlig in Ordnung. Niemand muss 3 Liter schaffen. Wichtiger ist:   regelmäßig kleine Schlucke Tee oder Brühe           10. Zu Ihrem Sohn   Die Symptome passen sehr gut zu einer viralen Bronchitis. Typisch:   hohes Fieber Husten bis zum Erbrechen Schlappheit kaum Appetit   Dass die Kinderärztin bakteriell ausgeschlossen hat, ist beruhigend.         Inhalation   Die Mischung:   NaCl SalbuBronch Pulmicort   ist eine häufige pädiatrische Kombination. Zur Erklärung: SalbuBronch enthält Salbutamol, einen Bronchienerweiterer. Auch wenn das Präparat primär für orale Anwendung gedacht ist, wird Salbutamol häufig inhalativ genutzt, und viele Kinderärzte verwenden solche Mischungen im Pari Boy. Das ist also nicht ungewöhnlich.         11. Ein sehr wichtiger Punkt   Bitte hören Sie mir hier kurz zu. Sie schreiben, Sie hätten ein schlechtes Gewissen zu klingeln. Das dürfen Sie wirklich sofort streichen. Sie haben:   eine schwere Infektion hohes Fieber Hb unter 8 eine OP hinter sich ein Neugeborenes   In dieser Situation gilt: 👉 Sie dürfen NICHT alleine aufstehen. Ihre Sorge, mit Mia im Arm umzukippen, ist absolut realistisch. Bitte lassen Sie sich:   Wasser bringen Mia wickeln helfen beim Aufstehen unterstützen   Das ist exakt der Grund, warum Sie im Krankenhaus sind.         12. Zu dem, was Ihre Schwiegereltern gesagt haben   Ich sage das sehr klar: Das ist nicht nur falsch, sondern unfair. Wochenbettinfektionen können auftreten, selbst wenn eine Frau:   sich perfekt schont medizinisch optimal betreut wird   Das hat nichts mit persönlichem Versagen zu tun. Sie haben nichts falsch gemacht.         13. Und jetzt zu Mia   Der Satz mit den Rehaugen ist wunderschön. Gerade diese kleinen Momente sind die, die tragen. Und glauben Sie mir aus vielen Jahren Medizin: Sehr oft kommt nach genau solchen schweren Tagen plötzlich der Punkt, an dem:   das Fieber fällt der Körper aufatmet alles langsam leichter wird.   Sie sind noch mitten im Sturm, aber vieles, was Sie berichten, passt noch zu einem Verlauf, der sich in den nächsten Tagen stabilisieren kann.       Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir morgen wieder:   Temperatur CRP Leukozyten ob die Drainage noch läuft   Dann kann ich Ihnen noch besser sagen, in welche Richtung sich das entwickelt. Und jetzt konzentrieren Sie sich auf zwei Dinge: 1️⃣ Ruhe und Hilfe annehmen 2️⃣ Ihre kleine Mia anschauen Der Rest kommt Schritt für Schritt. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich danke sehr für Ihre Nachricht von gestern. Ich habe heute Morgen so Schmerzen im Bauch gehabt, und wieder Schüttelfrost und Temperatur von 39,9. Ich musste Mia sogar „abgeben“, weil ich mich nicht um sie kümmern konnte. Das hat mich emotional fertig gemacht, dass es mir so schlecht geht, dass ich nicht mal mehr für mein Baby da sein kann. Der Ultraschall hat zum Glück keinen neuen Abszess ergeben und mit Ibu und Paracetamol ist das Fieber wieder auf 38,6 gegangen und die Schmerzen sind auszuhalten, aber ich fühle mich echt schlapp. CRP 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82  → 91 Leukozyten  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 Was sagen Sie zu diesem Anstieg? :( Drainage läuft noch. Vermutlich wird jetzt noch heute Linezolid dazu gegeben. Also stimmt Ihre Vermutung wahrscheinlich, dass es sich um VRE handelt. Das macht Angst. Und hinzu kommt, dass ich es so verstanden habe, dass ich unter Linezolid Mia nicht mehr stillen darf. Sie bekommt dann Pre Nahrung und ich kann entscheiden, ob ich abstille oder abpumpe und die Milch verwerfe und weiter still, wenn ich Linezolid nicht mehr brauche. Das Stillen hat für mich wirklich eine psychische Wirkung. Es hilft mir, irgendwie durchzuhalten. Und wenn mir das jetzt auch noch genommen wird? Das löst in mir endgültig ein Trauma aus. Ist Linezolid so schädlich fürs Baby? Ist es wirklich nicht mehr vertretbar zu stillen? Ich will nicht abstillen. Mia ist so eine süße Stillmaus. Sie macht das so toll und es ist so schön wenn sie dann an der Brust einschläft und ganz seelig in meinem Arm vor sich hinschläft. Das ist das schönste Kuscheln der Welt. Wenn es sein muss, dann pumpe ich jetzt eben ständig :( Es macht mich so traurig, jetzt wo die Mastitis weg war und die Milchproduktion so im Gleichgewicht ist. Gibt es da wirklich keine Alternative? Es fühlt sich so an, als wäre Linezolid meine letzte Hoffnung, dass es endlich wieder wird. Das macht Angst. Hb 7,3 → 7,9 Ich soll doch noch eine Transfusion bekommen. Wann danach sollte der Hb kontrolliert werden? Der Covid-Schnelltest war (erstmal?) negativ. Ein PCR Test wird anscheinend nur bei positivem Schnelltest gemacht. Aber Schnelltests sind ja nicht sehr sensibel bei kleinen Virusmengen? Vielleicht habe ich auch Glück, aber ich habe letze Nacht viel gehustet und abgesehen davon, dass ich schon glaube, dass es von meinem Sohn kommt (die 3 Tage Inkubationszeit passen auch noch genau), tut Husten im Bauch echt weh. Und ich will Mia wirklich kein Covid geben. Wenn ich sie nicht stillen darf, bekommt sie noch nicht einmal Antikörper von mir. Denken Sie, der Schnelltest ist aussagekräftig und verlässlich genug? Wie oft sollte ich denn Laxufalk bekommen? Die Verstopfung bessert sich noch nicht mit der Einnahme einmal täglich. Ich lasse mir mit Mia wirklich viel helfen. Die Schwester hat mir heute auch noch gesagt, dass ich nicht alleine aufstehen soll. Ich fühle mich wie eine Schwerkranke, die für alles Hilfe braucht. Aufstehen, die einfachsten Dinge holen, Mia versorgen. Das bringt mich so zum Weinen. So muss es sich anfühlen, wenn man 90 oder 100 ist. Dann noch unfaire Kommentare von den Schwiegereltern. Ist denn die Gefahr hoch, wieder so ein problematisches Wochenbett zu erleben falls es irgendwann mal Kind 3 geben sollte? Meine Schwiegereltern stellen das gerade so dar, als wäre es unverantwortlich nochmal schwanger zu werden, weil das ja wieder passieren würde. Heute wird meine kleine Mia schon 4 Wochen alt bzw. genau 1 Monat. Diese kleinen Geräusche, mal wie ein Lamm, mal wie ein Hündchen sind so goldig. Zum Glück ist sie da und es geht ihr gut. Das hilft, alles auszuhalten. Sie hat in 1 Woche schon wieder 300g zugenommen, von 3,3 auf 3,6 kg, also schon 700g insgesamt seit der Geburt mit 2,9 kg.  Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Was Sie gerade durchmachen, ist körperlich und emotional eine extreme Situation. Hohes Fieber, zwei Operationen, ein Neugeborenes, Schlafmangel, Schmerzen – und gleichzeitig der Wunsch, für Ihr Baby da zu sein. Dass Sie erschöpft sind, weinen müssen und sich überfordert fühlen, ist keine Schwäche, sondern eine völlig normale Reaktion Ihres Körpers und Ihrer Psyche auf eine massive Belastung. Sie kämpfen gerade wirklich hart. 💛 Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Entzündungswerte (CRP / Leukozyten)   Die Entwicklung:   CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2   Das zeigt leider:   Die Entzündung ist noch aktiv Es gibt keine klare Trendbesserung Der leichte Anstieg kann gut zu einer persistierenden bakteriellen Infektion passen.   Wichtig ist aber auch:   kein neuer Abszess im Ultraschall Drainage läuft   Das bedeutet: Der Fokus ist vermutlich bekannt und behandelt, aber der Keim ist möglicherweise schwerer zu treffen – deshalb denken die Kollegen jetzt über Linezolid nach. Das ist in solchen Situationen kein ungewöhnlicher Schritt, sondern eher ein Zeichen, dass man therapeutisch konsequent eskaliert.         2. VRE – wie gefährlich ist das?   Falls es tatsächlich ein Vancomycin-resistenter Enterokokkus (VRE) ist:   das ist kein besonders aggressiver Keim aber antibiotisch schwerer zu behandeln   Darum wird oft verwendet:   Linezolid   Die gute Nachricht: ➡️ Linezolid wirkt gegen VRE sehr zuverlässig. Wenn das wirklich der Keim ist, kann dieses Antibiotikum tatsächlich der Wendepunkt der Therapie sein.         3. Stillen unter Linezolid   Das ist für Sie verständlicherweise das emotional schwierigste Thema. Die Fakten:   Linezolid geht in die Muttermilch über das Baby würde etwa 6–15 % der mütterlichen Dosis pro kg erhalten mögliche Risiken beim Säugling:   Durchfall Veränderungen der Darmflora selten Knochenmarksuppression (bei längerer Exposition)     Deshalb empfehlen viele Leitlinien vorsichtshalber: ➡️ Stillpause während der Therapie Aber wichtig: Das bedeutet nicht, dass Sie abstillen müssen. Die sinnvollste Strategie ist oft:   Milch abpumpen Milch verwerfen Milchproduktion erhalten Nach Ende der Therapie wieder stillen   Das ist psychisch viel leichter als ein endgültiges Abstillen. Viele Mütter machen das genau so bei:   starken Antibiotika Radiojod bestimmten Medikamenten   Die Milchproduktion bleibt normalerweise gut erhalten, wenn regelmäßig gepumpt wird. Und das Wichtigste: Das Stillen kann danach wieder ganz normal weitergehen. Ihre Bindung zu Mia geht dadurch nicht verloren. Das Kuscheln, das Einschlafen an Ihrer Brust – das kommt wieder zurück.         4. Covid-Schnelltest   Ihre Einschätzung stimmt medizinisch. Schnelltests haben:   gute Spezifität aber begrenzte Sensitivität   Das bedeutet:   ein positiver Test ist zuverlässig ein negativer Test schließt eine Infektion nicht sicher aus   Allerdings: Wenn Ihr Fieber seit Tagen hoch ist, wären Schnelltests meist schon positiv. Der Husten kann auch kommen von:   Intubation bei der OP Reizung Infekt Ihres Sohnes Erschöpfung   Eine PCR wäre natürlich sicherer, aber viele Kliniken testen tatsächlich erst bei positivem Schnelltest.         5. Hb und Transfusion   Ihre Werte:   Hb 7,3 → 7,9   Das ist eine typische Situation im Wochenbett nach Komplikationen. Nach einer Transfusion gilt meist: ➡️ Hb-Kontrolle nach etwa 12–24 Stunden Dann sieht man zuverlässig:   wie stark der Hb angestiegen ist ob noch weiterer Bedarf besteht.           6. Verstopfung / Laxofalk   Wenn einmal täglich nicht reicht, ist das nicht ungewöhnlich. Typische Dosierung:   1–3 Beutel pro Tag   Viele postoperative Patienten brauchen: ➡️ 2 Beutel täglich bis der Darm wieder normal arbeitet.         7. Ihre Angst vor einer nächsten Schwangerschaft   Hier möchte ich Ihnen etwas sehr Wichtiges sagen: Ein solches Wochenbett ist extrem selten. Die Kombination aus   Mastitis Abszess erneuter Abszessbildung schwerer Infektion   ist kein typischer Verlauf. Das bedeutet: ➡️ Das Risiko, dass das wieder passiert, ist sehr gering. Ihre Schwiegereltern sehen gerade nur:   die Krise die Angst die Belastung   aber sie sehen nicht die medizinische Statistik. Sie sind keine Frau mit einem grundsätzlich gefährlichen Wochenbett. Sie haben gerade einfach sehr viel Pech gehabt.         8. Dass Sie Mia kurz abgeben mussten   Dieser Moment tut vielen Müttern unglaublich weh. Aber sehen Sie es einmal anders: Sie haben Ihr Baby nicht im Stich gelassen. Sie haben: ➡️ Hilfe angenommen, damit Sie gesund werden können. Und gesund werden ist gerade das Wichtigste für Mia. Ein krankes, erschöpftes, fieberndes Mama-Herz kann nicht alles alleine tragen. Eine Mama, die Hilfe annimmt, handelt verantwortungsvoll.         9. Mia wächst wunderbar   Das ist übrigens ein ganz starkes Zeichen: Geburt: 2,9 kg jetzt: 3,6 kg ➡️ +700 g in vier Wochen Das ist eine sehr schöne Gewichtsentwicklung.     10. Meine Einschätzung insgesamt   Was ich im Moment sehe:   Die Situation ist noch ernst aber nicht außer Kontrolle   Positiv:   kein neuer Abszess Drainage vorhanden Therapie wird angepasst Baby gesund Milchproduktion stabil   Der Körper braucht nach so einer Infektion oft mehrere Tage, bis sich eine klare Besserung zeigt. Mit einem wirksamen Antibiotikum kann sich das relativ plötzlich drehen.       Und noch etwas Persönliches: Die Bilder, die Sie beschreiben – Mia, die an der Brust einschläft, die kleinen Geräusche wie ein Lamm oder Hündchen – das sind genau die Momente, die zeigen, wie stark Ihre Bindung ist. Diese Verbindung geht nicht verloren, nur weil Sie jetzt ein paar Tage kämpfen müssen. Sie kämpfen gerade nicht gegen Ihr Baby, sondern für Ihr Baby. Und das merkt Mia.       Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen auch noch kurz erklären:   woran Ärzte erkennen, dass sich eine Sepsis stabilisiert wann typischerweise nach Linezolid eine Besserung kommt und welche drei Zeichen jetzt in den nächsten 48 h besonders wichtig sind   Das würde Ihnen vielleicht etwas mehr Orientierung geben.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke für die herzlichen Worte und für die medizinisch sehr gute Unterstützung! Auch am Sonntag. Wieder tip top von Ihnen. Mir geht’s genauso wie gestern. Fieberspitzen bis 39,9 mit Schüttelfrost, Schmerzen, Schwindel, zusätzlich ist mir heute auch noch schlecht und ich habe mich einmal übergeben. Kann das von der Endometritis kommen? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 Warum steigt und steigt es weiter? Ist das erwartbar? Ich bekomme jetzt seit 24h Linezolid ohne dass das Ergebnis vom Antibiogramm (Enterococcus faecium) schon da ist. Vancomycin und Imipinem läuft auch weiter wegen MRSA. Ist dieser Keim aggressiv?  Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 (24 Stunden nach 2. Transfusion) Das ist aber immernoch ein geringer Anstieg? Ich blute auch weiter wirklich stark für 4 Wochen nach Geburt. Müsste der Wochenfluss nicht schon braun werden und wenig? Er ist noch hellrot und sehr stark. Liegt das an der Endometritis, dass es nicht besser wird?  Von einer weiteren Transfusion war jetzt keine Rede mehr. Was würden Sie empfehlen? Mein Kreislauf ist einfach schlecht. Außerdem läuft es seit heute Morgen gelb aus meinem linken Auge. Also haben meine Kinder mich wohl auch noch mit der Bindehautentzündung angesteckt. Aber das kann ja eigentlich nur viral sein, denn Antibiotika bekomme ich ja schon. Die wirken sicherlich auch gegen bakterielle Bindehautenzündung? So eine Bindehautentzündung ist jetzt ja nicht tragisch, aber das Brennen brauche ich jetzt nicht auch noch. Am linken Augenrand habe ich wie einen Schleier und es läuft dauernd gelb aus dem Auge und wird stündlich röter und explodiert gerade. Probiere es jetzt mit Euphrasia. Ist das richtig so? Und gleich in beide Augen? Mias Auge ist nach dem Schlafen auch noch immer verkrustet obwohl sie die Floxal Augentropfen schon 5 Tage bekommt. Sie soll jetzt nochmal 3 Tage die Tropfen bekommen.  Ja, bitte sagen Sie mir gerne wie Sie es angeboten haben: woran Ärzte erkennen, dass sich eine Sepsis stabilisiert wann typischerweise nach Linezolid eine Besserung kommt und welche drei Zeichen jetzt in den nächsten 48 h besonders wichtig sind Nur das mit der Sepsis verstehe ich nicht ganz. Ich habe von der Blutkultur nie gehört, dass sie positiv wäre. Und ich bin ja sehr klar. Ist das dann trotzdem eine Sepsis? Mia bekommt jetzt Pre Nahrung. Ich pumpe alle 3 Stunden. Denken Sie, das reicht um die Milchproduktion aufrecht zu erhalten? Und nachts alle 4 Stunden? Ich hoffe, sie nimmt anschließend die Brust noch wenn sie jetzt so auf die Flasche fixiert wird :( oder wäre es besser, mit Spritzen zu füttern? Aber sie trinkt schon über 100ml pro Mahlzeit. Das dauert mit Spritze ja ewig. Andererseits denke ich nicht, dass sie mit 4 Wochen noch eine Saugverwirrung bekommt? Die Flasche nimmt sie jedenfalls, den Schnuller spuckt sie sofort aus. Wenn man ihn ihr gibt, wenn sie sowieso schon weint, schreit sie sich eher noch mehr in Rage nach dem Motto „Was willst du mit dem blöden Ding, da kommt ja nichts raus.“ Heute hat sie die U3 bekommen. Alles ist unauffällig. Sie hat von 2920g auf 3840g in 1 Monat zugenommen, ist von 48cm auf 55cm gewachsen und der Kopfumfang von 35cm auf 36,5cm gewachsen. Die Kinderärztin findet sie pfiffig und fit für ihre 4 Wochen und sie weiß was sie will. Das ist schön zu hören für mich, dass es wenigstens ihr gut geht. Zum Schnuller meinte sie, ich will es mit den süßen Sab Tropfen auf dem Schnuller probieren, damit sie ihn nimmt aus Angst sie könnte eine Daumenlutscherin werden. Ist es denn so wichtig, dass sie den Schnuller nimmt? Ich weiß nicht… zumindest muss man ihn dann nicht irgendwann abgewöhnen. Ihre Sichtweise auf die Dinge und auf Mia hilft mir, zu versuchen, das Negative positiver zu sehen. Danke :) Ich versuche mich jeden Tag darauf zu konzentrieren, wie süß und goldig sie ist. Aber dass ich sie momentan so oft abgeben muss, weil ich es nicht schaffe, mich genug um sie zu kümmern und jetzt nicht einmal mehr stillen darf, hat mir wirklich einen neuen Treffer gegeben und bringt mich oft zum Weinen. Ich habe das Gefühl, ihren ersten Monat in einer gewissen Art zu verpassen. Ich hoffe, mein Mann kann bald wieder öfter vorbeikommen wenn es unserem Sohn wieder gut geht. Zumindest ist sein Fieber jetzt weg und die Lunge ist wieder frei. Da bin ich erleichtert. Und ich freue mich schon so auf Mias erstes Lächeln. Aber auch ihr Milchgrinsen ist schon so eine Art Lächeln und bringt mich immer zum Schmelzen. schreiben Sie bitte wieder alles was Ihnen einfällt. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zunächst einmal: Ich verstehe sehr gut, wie belastend diese Situation für Sie gerade ist. Nach Geburt, Operation, Infektion, Fieber und gleichzeitig ein kleines Baby zu haben – das ist körperlich und emotional eine enorme Herausforderung. Dass Sie sich Sorgen machen, ist absolut verständlich. Ich versuche, die wichtigsten Punkte möglichst klar einzuordnen.         1. Fieber, steigendes CRP und Leukozyten   Die Werte zeigen leider weiterhin eine aktive Entzündungsreaktion. Ihre Entwicklung: CRP 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 Leukozyten 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 Das bedeutet: Der Körper kämpft weiterhin gegen eine Infektion im Beckenbereich. Bei einer Endometritis oder einem Abszess nach Geburt kann das durchaus vorkommen. Besonders nach einer Operation kann der Verlauf mehrere Tage verzögert reagieren, bis das richtige Antibiotikum wirkt.         2. Enterococcus faecium   Dieser Keim ist:   ein typischer Krankenhauskeim häufig resistent gegen viele Antibiotika kann hartnäckige Infektionen verursachen   Darum bekommen Sie jetzt Linezolid. Linezolid wirkt auch gegen:   VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) MRSA   Das ist ein sehr starkes Reserveantibiotikum. Wichtig zu wissen: 👉 Eine klinische Besserung sieht man meist nach 24–48 Stunden, manchmal auch erst nach 48–72 Stunden. Dass nach 24 Stunden noch keine deutliche Verbesserung da ist, ist nicht ungewöhnlich.         3. Wann Ärzte merken, dass sich eine Sepsis stabilisiert   Sie haben völlig recht: Eine positive Blutkultur ist nicht zwingend notwendig, um von einer Sepsis zu sprechen. Sepsis bedeutet im Grunde: Infektion + systemische Entzündungsreaktion des Körpers. Viele Blutkulturen bleiben sogar negativ. Ärzte achten deshalb vor allem auf drei Entwicklungen:   1️⃣ Temperaturverlauf     Fieberspitzen werden niedriger Schüttelfrost verschwindet     2️⃣ Kreislauf     Puls sinkt weniger Schwindel stabilerer Blutdruck     3️⃣ Labor     CRP beginnt nach 48–72 h zu fallen Leukozyten sinken langsam   Das CRP reagiert übrigens sehr träge. Es steigt oft noch weiter, obwohl das Antibiotikum schon wirkt.         4. Blutung 4 Wochen nach Geburt   Ein Wochenfluss kann bis zu 6 Wochen dauern. Typischer Verlauf:   Lochia rubra – rot (erste Tage) Lochia fusca – bräunlich Lochia flava Lochia alba   Bei einer Endometritis kann es jedoch sein, dass:   der Wochenfluss länger rot bleibt stärker ist langsamer abnimmt   Das passt also durchaus zu Ihrer Situation.         5. Hb-Anstieg nach Transfusion   Ihr Verlauf: Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 Eine Einheit Blut erhöht den Hb ungefähr um 1 g/dl. Wenn Sie zwei Konserven bekommen haben, passt dieser Anstieg ungefähr. Wenn Sie weiterhin bluten, steigt der Hb natürlich langsamer. Ein Hb von 8–8,5 ist niedrig, aber für viele Patientinnen noch tolerabel, solange:   der Kreislauf stabil bleibt keine Luftnot besteht           6. Bindehautentzündung   Das gelbe Sekret spricht eher für eine bakterielle Konjunktivitis. Systemische Antibiotika wirken im Auge nicht zuverlässig, weil dort nur wenig Wirkstoff ankommt. Darum braucht man meist lokale Augentropfen. Euphrasia ist harmlos, aber wenn das Auge:   sehr rot wird stark eitert ein Schleier entsteht   dann sollte man antibiotische Augentropfen verwenden.         7. Stillen und Abpumpen   Sie machen das sehr gut. Abpumpen:   alle 3 Stunden nachts alle 4 Stunden   ist völlig ausreichend, um die Milchproduktion aufrecht zu erhalten. Viele Mütter können später wieder problemlos zur Brust zurückkehren. Mit 4 Wochen ist eine dauerhafte Saugverwirrung eher selten. Eine Flasche mit 100 ml pro Mahlzeit ist für dieses Alter völlig normal. Mit einer Spritze zu füttern wäre in Ihrem Fall wirklich sehr mühsam und bringt wahrscheinlich keinen Vorteil.         8. Schnuller   Ein Schnuller ist kein Muss. Manche Kinder lieben ihn, andere lehnen ihn einfach ab. Wenn Mia ihn nicht möchte, ist das völlig in Ordnung. Viele Kinder entwickeln ohnehin keinen Daumenlutschreflex. Man muss also nichts erzwingen.         9. Zu Mia   Ihre Entwicklung klingt wirklich sehr gut. Geburtsgewicht: 2920 g jetzt: 3840 g Das ist eine sehr schöne Gewichtszunahme. Auch das Wachstum von 48 cm auf 55 cm ist absolut im normalen Bereich. Dass die Kinderärztin sie als wach, fit und pfiffig beschreibt, ist ein sehr gutes Zeichen.         10. Ein persönlicher Gedanke   Sie haben das Gefühl, den ersten Monat mit Mia zu verpassen. Das verstehe ich sehr gut. Aber glauben Sie mir: Ein Baby misst Liebe nicht in Wochen oder Tagen. Das Wichtigste für Mia ist, dass Sie da sind – auch wenn gerade vieles schwierig ist. Babys spüren Nähe, Stimme, Geruch und Zuwendung. Und diese Verbindung entsteht nicht nur in einem perfekten ersten Monat.         11. Die nächsten 48 Stunden   Die drei wichtigsten Dinge, auf die jetzt alle achten: 1️⃣ Fiebertrend 2️⃣ Kreislaufstabilität 3️⃣ Beginnender Abfall von CRP Wenn das Antibiotikum greift, sieht man meistens in den nächsten zwei Tagen eine Wendung.       Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich jetzt bald eine Besserung zeigt. Und ich finde es bemerkenswert, wie klar Sie trotz dieser Belastung noch alles beobachten und beschreiben. Mia klingt nach einem wunderbaren kleinen Mädchen – und Sie nach einer sehr aufmerksamen Mutter. Herzliche Grüße. Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Mühe und dass Sie immer so umgehend antworten und so menschlich mit mir sind. Das ist nicht selbstverständlich. Gestern war ein fürchterlicher Tag. Als ich aufstehen wollte, ist mein Kreislauf komplett zusammengebrochen. Ich habe es zum Glück nicht alleine gemacht, sonst wäre ich umgekippt. Ich war aber dennoch kurz ohnmächtig. Habe in dem Moment plötzlich auch wieder stark geblutet. Im Ultraschall wurde dann wieder eine Eiteransammlung entdeckt und sofort operiert. Das dritte Mal. Gestern war ich deshalb nicht mal fähig, mich um Mia zu kümmern und das hat mir wieder einen psychischen Treffer gegeben. Heute macht mich das Fieber weiterhin schlapp und einfach fertig. Ich weiß, ich soll nicht so denken, aber wie soll man sich da wie eine Mutter fühlen, die sich kümmert und Nähe und Liebe gibt? CRP  64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96  → 112 Leukozyten  17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 20,0 Sie meinten, es ist normal, dass die Werte kurz nach OP erst steigen? Aber Linezolid müsste jetzt zumindest wirken. Woher kann man dann wissen ob es endlich wirkt? Der Hb ist auch wieder gefallen. 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 Ich habe wieder eine Transfusion bekommen. jetzt braucht es also wieder Geduld nach der OP? Das Antibiogramm sagt zumindest dass Linezolid gegen Ent. faecium richtig ist. Wenn es auch gegen MRSA wirkt, warum gibt man dann Imipinem und Vancomycin zusätzlich trotzdem weiter und stellt nicht einfach komplett auf Linezolid um? Dann müsste sich wann eine Besserung zeigen? Die Bindehautentzündung ist leider wirklich viral und bakteriell. Ich bekomme jetzt auch Floxan Augentropfen. Das linke Auge, mit dem es begonnen hat, ist noch rot, Aber es läuft nicht mehr eitrig raus. Das rechte hat letzte Nacht erst angefangen und läuft heute richtig schlimm eitrig und das Aufenlid ist richtig geschwollen. Es brennt, juckt und hätte ich jetzt wirklich nicht auch noch gebraucht. Außer Augen spülen kann man aber wahrscheinlich nicht viel zusätzlich tun? Beim Abpumpen kamen vorgestern in 10 Minuten links 130ml und rechts 80ml. Das wäre sogar mehr als Mia trinkt, denn aktuell ist sie bei etwa 125ml pro Mahlzeit alle 3-4 Stunden. Schon bei unserem Sohn war meine linke Seite die bessere, aber ist so ein großer Unterschied normal? Leider ging es mir gestern so mies und mit OP und allem konnte ich nicht sehr oft abpumpen und heute kommt jetzt echt weniger Milch (links vielleicht so 40-50und rechts 40ml). Das würde Mia gerade nicht reichen, denn bei der Pre Nahrung aus der Flasche trinkt sie gerade ja etwa 125ml pro Mahlzeit alle 3-4 Stunden. Das macht mir Angst, dass das Stillen vielleicht nie mehr so klappt :( sollte ich dann doch öfter als alle 3 Stunden tagsüber und alle 4 Stunden nachts pumpen? Ich will sie nach dem Antibiotikum so gerne wieder stillen :( Wann ist denn der Wochenfluss normalerweise  Lochia flava und wann Lochia alba und wie sieht er dann aus? Ich weiß von meinem Sohn nur noch, dass er viel schneller bräunlich und gelblich wurde. Nach Kaiserschnitt, aber trotzdem hatte ich da ja auch keine Infektion. Und Mia hatte heute ihren Kontrolltermin, weil beim Herzultraschall als sie 3 Tage alt war, ein 1-2 mm großes Loch gesehen wurde. Ich vermute in Vorhofwand? Der Kinderkardiologe schien damals nicht besorgt und meinte, wir kontrollieren das nach 4 Wochen, aber es wird bestimmt zuwachsen. Es ist jetzt auch so klein geworden, dass es nicht mehr messbar ist und er hat alle Gefäße kontrolliert, die auch alle ok waren, aber es ist nicht ganz zu. Wir wollen es in 4-5 Monaten nochmal kontrollieren. Denken Sie, das ist noch im Rahmen des Normalen? Sind hier moderne Technik nur Segen und Fluch zugleich und ich mache mir über normale Dinge Sorgen? Der Kinderkardiologe wirkte entspannt. Bei unserem Sohn wurde das damals noch nicht untersucht bzw. nicht angeboten, daher habe ich keinen Vergleich. Aber sonst war bei Mia bei der U3 ja auch alles völlig ok. Heute hat Mia mich das erste Mal so ein klitzekleines bisschen mit großen Augen angelächelt, noch ganz zart, aber dennoch so süß. Ich versuche immer daran zu denken, wenn mich die Mischung aus Angst, Hormonen, Sorgen, Traurigkeit wieder einholt. Aber es fällt mir wirklich nicht leicht.  Ich freu mich auf alles was Ihnen einfällt.  Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Hallo Drei Operationen kurz hintereinander, hohes Fieber, Infektion, Bluttransfusion, Schlafmangel und gleichzeitig ein Neugeborenes. Dass Sie sich erschöpft, traurig und auch als Mutter verunsichert fühlen, ist keine Schwäche, sondern eine völlig verständliche Reaktion auf eine enorme Belastung. Bitte glauben Sie mir: Ihre Fähigkeit, eine liebevolle Mutter zu sein, hängt nicht davon ab, ob Sie gerade körperlich funktionieren können. Ihre Tochter spürt Ihre Nähe und Ihre Zuneigung auch dann, wenn Sie krank sind. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Entzündungswerte nach der Operation   Die Werte:   CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 20   Nach einer erneuten Abszess-Operation kann es tatsächlich passieren, dass:   CRP 24–48 Stunden nach dem Eingriff noch einmal ansteigt auch die Leukozyten zunächst hoch bleiben   Der Körper reagiert auf zwei Dinge gleichzeitig:   die Operation selbst die Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus dem Abszess   Darum beurteilt man den Verlauf meist erst nach etwa 48 Stunden wirklich.   Woran erkennt man, dass die Therapie wirkt?   Typische Zeichen wären:   Fieber beginnt weniger hoch anzusteigen längere fieberfreie Intervalle CRP beginnt nach 1–2 Tagen zu fallen Kreislauf stabilisiert sich Schmerzen nehmen ab   Wenn Linezolid gegen Enterococcus faecium sensibel ist, ist das grundsätzlich eine gute Nachricht.         2. Warum mehrere Antibiotika gleichzeitig?   Sie bekommen:   Linezolid Vancomycin Imipenem   Das wirkt auf den ersten Blick doppelt, hat aber einen Hintergrund.   Gründe für die Kombination     Schwere Infektion nach Operation mögliche Mischinfektion Breitspektrum-Schutz, bis alles stabil ist   Linezolid   wirkt gegen   Enterococcus faecium MRSA     Vancomycin   ebenfalls gegen MRSA und Enterokokken   Imipenem   deckt zusätzlich viele gramnegative Keime und Anaerobier ab   Bei schweren intraabdominellen oder gynäkologischen Infektionen will man zunächst kein Risiko eingehen, bis der Verlauf stabil ist. Häufig reduziert man das Schema nach 48–72 Stunden, wenn klar ist, dass sich der Zustand bessert.         3. Hb-Abfall und Transfusion   Ihr Verlauf:   7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8   Nach:   Operation Entzündung Blutverlust   sind solche Schwankungen leider nicht selten. Die Transfusion soll vor allem:   den Kreislauf stabilisieren die Sauerstoffversorgung verbessern   Das hilft dem Körper auch bei der Infektionsbekämpfung.         4. Ihre Augenentzündung   Das passt leider zu dem Bild eines geschwächten Immunsystems nach Geburt und Infektion. Was sinnvoll ist:   Floxal/Floxan Tropfen wie verordnet sterile Kochsalzspülungen saubere Kompressen nicht reiben   Die starke Eiterbildung im zweiten Auge ist typisch dafür, dass die Infektion erst später übergesprungen ist. Das heilt meist innerhalb weniger Tage.         5. Milchmenge – sehr wichtig für Ihre Sorge   Zuerst eine wichtige Information: Der Unterschied   links 130 ml rechts 80 ml   ist völlig normal. Viele Frauen haben eine „stärkere Brust“.   Der Rückgang der Milch jetzt   Das liegt fast sicher an:   Operation Stresshormonen Infektion weniger Pumpen   Das bedeutet nicht, dass Ihre Milchproduktion verloren geht. Die Brust arbeitet nach dem Prinzip: Nachfrage = Produktion   Deshalb wäre jetzt sinnvoll   Tagsüber → alle 2–3 Stunden pumpen Nachts → alle 3 Stunden Auch wenn wenig kommt. Das signalisiert dem Körper: „Milch wird gebraucht.“ Viele Frauen erleben nach Krankheit oder OP nach einigen Tagen wieder einen deutlichen Anstieg. Und selbst wenn Sie teilweise Pre zufüttern müssen: Das Stillen kann trotzdem wieder funktionieren.         6. Wochenfluss   Der typische Verlauf:   Lochia rubra   erste Tage rot/blutig   Lochia fusca   ca. Tag 4–10 bräunlich   Lochia flava   ca. 2.–3. Woche gelblich   Lochia alba   ab 3.–4. Woche weißlich/hell Bei einer Infektion oder Operation kann sich der Verlauf deutlich verlängern oder verändern. Das ist leider nicht ungewöhnlich.         7. Das kleine Loch im Herzen von Mia   Das klingt ganz typisch nach: kleinem Vorhofseptumdefekt oder offenem Foramen ovale Größe: 1–2 mm Dass es jetzt:   nicht mehr messbar aber noch minimal offen   ist sehr häufig. Viele dieser Öffnungen:   schließen sich im ersten Lebensjahr manchmal sogar erst später   Der entspannte Eindruck des Kinderkardiologen ist daher ein gutes Zeichen. Kontrolle in 4–5 Monaten ist Standard. Hier würde ich mir wirklich keine Sorgen machen.         8. Ein ganz wichtiger Punkt zum Schluss   Sie schreiben: „Wie soll man sich da wie eine Mutter fühlen?“ Eine gute Mutter ist nicht die, die immer stark ist. Eine gute Mutter ist die, die ihr Kind liebt und sich sorgt. Und genau das tun Sie. Ihre Tochter hat heute zum ersten Mal ein kleines Lächeln gezeigt. Das ist kein Zufall. Babys reagieren auf:   Stimme Geruch Nähe   Sie sind für Mia die wichtigste Person der Welt, auch wenn Sie gerade krank sind.         Noch ein medizinischer Gedanke   Der entscheidende Zeitraum jetzt sind wirklich die nächsten 24–48 Stunden: Wenn   Fieber etwas sinkt CRP beginnt zu fallen Kreislauf stabiler wird   dann hat die Behandlung den richtigen Weg eingeschlagen.       Wenn Sie möchten, können Sie mir gerne noch schreiben:   wie hoch das Fieber heute war ob Sie Schüttelfrost hatten ob eine Drainage noch liegt   Dann kann ich den Verlauf noch besser einschätzen. Und versuchen Sie, auch in diesem Chaos einen Moment mit Mia bewusst wahrzunehmen – so wie heute dieses kleine Lächeln. Solche Momente tragen einen manchmal erstaunlich weit. Herzliche Grüße.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Danke für die schnelle Antwort. Danke für die Erklärungen. und danke für die einfühlsamen Gedanken. Ihre positive Sichtweise auf die Dinge ist so menschlich und hilft mir, ein wenig Kraft zu schöpfen. Ich habe heute einen ersten kleinen Hoffnungsschimmer auf Besserung! Aber ich bin noch nicht sicher ob es gute Zeichen sind und Entwarnung von Seiten der Ärzte gab es noch nicht. Vielleicht können Sie die Situation einschätzen: Das Fieber steigt schon noch hoch auf 39,6-39,7 aber nicht schon 4 Stunden nach Ibu sondern erst nach etwa 5-6 Stunden. Mir wird dann auch noch kalt wie bei Schüttelfrost, aber eher wie frösteln, nicht ganz so schlimmes zittern. Die Schmerzen sind da, aber ich kann nicht einschätzen ob von OP oder von der Infektion. Woran merke ich den Unterschied? Die Werte steigen aber immernoch.  CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 Diese sind von heute Morgen, etwa 40 Stunden nach OP. Ist es zu früh um zu sagen ob es jetzt wieder wird?  Sie schrieben CRP ist träge. Wie schnell fällt es denn wenn es endlich mal beginnt zu fallen? Und sind die Leukozyten auch träge?  Ja, Drainage liegt noch. Ist das gut? Mein Kreislauf ist noch gar nicht stabil. Heute Morgen wollte ich aufstehen und hatte wieder das Gefühl das Blut sinkt ab und mir wird so schwindlig, dass ich direkt wieder ins Bett muss.  Blutdruck heute Morgen 98/60 Puls 98 Hb ca. 24 Stunden nach Bluttransfusion:  7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 Der Anstieg ist wieder nur mäßig oder? Sollte man dann mit Eiseninfusionen weiter machen? Ich pumpe jetzt mehr, weil die Milchmenge so abgenommen hat. Heute waren es sogar nur noch 40ml links und 20ml rechts. Warum wird das immer weniger obwohl ich jetzt mehr pumpe? Alle 2 Stunden, nachts alle 3. Was kann ich machen? Bockshornklee? Das stresst mich und dadurch wird es wahrscheinlich noch weniger. Kann Mia sich eigentlich von meiner Bindehautentzündung wieder zurück anstecken? Sie hat ihre letzten Floxal Augentropfen gestern, aber ich habe heute immernoch rote Augen und nehme die Tropfen noch bis Samstag. Vielleicht wäre es gut für sie, ihr Euphrasia zur Vorbeugung zu geben? Mir fehlt auch mein Großer so. Sein Covid Test ist immernoch zart positiv und er hustet noch und die Nase läuft noch. Mein Mann bringt ihn deshalb noch nicht mit. Ist die Ansteckungsgefahr noch so hoch? Mein Mann hat sich nicht angesteckt obwohl er 24/7 mit ihm zusammen ist und unser Sohn ihm sozusagen ins Gesicht hustet und niest.  Mein Mann hat von zu Hause meine eingefrorene Muttermilch mitgebracht. Dann bekommt Mia weniger Pre Nahrung. Letzte Nacht hat sie fast zwei Stunden lang mal mehr mal weniger geweint, hatte Luft im Bauch und sichtlich Bauchschmerzen. Ich habe das Gefühl, die Pre Nahrung macht ihr mehr Bauchschmerzen als die Muttermilch. Oder kann es an der Umstellung liegen? Es fiel mir irgendwie schwer sie weinend an die Schwester abzugeben und wollte für sie da sein, aber nach 1 Stunde wirkte die Ibu nicht mehr und mir wurde kalt und ich habe es nicht mehr geschafft. Aber ich versuche die schönen Momente bewusst wahrzunehmen. Wenn sie mit großen Augen schaut, süße Geräusche macht, versucht zu lächeln, ihr Milchrauschgesicht. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, Sie kämpfen gerade gleichzeitig mit einer schweren Infektion, einer Operation, Kreislaufproblemen, Stillproblemen und den Sorgen um Ihre Kinder – und trotzdem versuchen Sie, die schönen Momente mit Mia bewusst wahrzunehmen. Das ist kein kleines Detail, sondern ein Zeichen innerer Stärke. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Fieber und Entzündungswerte   Die Entwicklung ist nicht eindeutig schlecht, auch wenn die Laborwerte noch steigen. Ein paar wichtige Punkte: Zeit nach Operation: 40 Stunden nach einer Abszessoperation ist noch sehr früh. Der Körper hat zwei Prozesse gleichzeitig:   die eigentliche Infektion die Operationsentzündung   Beides treibt CRP und Leukozyten nach oben.   CRP   CRP reagiert relativ träge:   beginnt meist erst 24–48 Stunden nach erfolgreicher Behandlung zu fallen halbiert sich dann ungefähr alle 24–48 Stunden   Das bedeutet: Selbst wenn das Antibiotikum jetzt wirkt, kann das CRP noch 1–2 Tage steigen oder plateauieren, bevor es fällt. Ein CRP von 118 ist hoch, aber bei einem intraabdominellen Abszess leider nicht ungewöhnlich.   Leukozyten   Leukozyten reagieren schneller als CRP, aber auch sie können noch steigen, solange:   Fieber besteht Gewebe entzündet ist der Körper Stress hat   Wichtiger als ein einzelner Wert ist der Trend über mehrere Tage.         2. Ihr Fieberverlauf   Das, was Sie beschreiben, ist tatsächlich ein kleines positives Zeichen: Vorher:   Fieberanstieg schon nach 4 Stunden   Jetzt:   erst nach 5–6 Stunden   Das bedeutet häufig:   die Entzündungsaktivität nimmt minimal ab der Körper hat etwas mehr Kontrolle   Auch dass der Schüttelfrost eher Frösteln statt starkem Zittern ist, passt dazu. Es ist keine Entwarnung, aber ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer.         3. Schmerzen – OP oder Infektion?   Typische Unterschiede: Operationsschmerz   eher lokal bewegungsabhängig Druckschmerz an der OP-Region nimmt langsam täglich ab   Infektionsschmerz   eher diffus oft begleitet von   Schüttelfrost starkem Krankheitsgefühl erneut steigenden Schmerzen     Nach einer Abszessoperation sind Schmerzen noch mehrere Tage normal.         4. Drainage   Dass die Drainage noch liegt, ist sehr gut. Sie erfüllt zwei wichtige Aufgaben:   Rest-Eiter kann abfließen man erkennt früh, ob sich wieder Flüssigkeit sammelt   Eine Drainage verhindert häufig einen neuen Abszess.         5. Kreislaufprobleme   Ihr Kreislauf erklärt sich gut durch mehrere Faktoren:   schwere Infektion Operation Blutverlust Hb noch niedrig Flüssigkeitsmangel Stillstress   Ihr Blutdruck 98/60 mit Puls 98 zeigt: Der Körper arbeitet noch im Kompensationsmodus. Das braucht oft einige Tage, bis es stabil wird.         6. Hb-Wert   Ihr Verlauf: 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 Das ist nicht ungewöhnlich. Nach Transfusionen passiert oft:   zunächst Anstieg dann Verdünnung durch Infusionen leichte Schwankungen   Ein Hb um 8–8,5 ist nach solchen Ereignissen leider typisch.   Eiseninfusion   Ja, intravenöses Eisen kann sinnvoll sein, besonders wenn:   Blutverlust bestand Stillen geplant ist Hb sich nur langsam erholt   Das entscheiden die Ärzte meist nach Ferritinwert.         7. Stillen – warum die Milchmenge sinkt   Die wichtigsten Gründe bei Ihnen:   Schwere Infektion Fieber Stresshormone Schlafmangel Kreislaufbelastung Operation   Der Körper priorisiert gerade Überleben vor Milchproduktion. Das bedeutet nicht, dass es nicht wiederkommt. Ihr Pumpenrhythmus ist bereits sehr gut.   Dinge die helfen können     viel trinken Hautkontakt mit dem Baby wenn möglich Ruhe warmes Anlegen vor dem Pumpen Oxytocin durch Nähe     Bockshornklee   Kann helfen, aber:   wirkt nicht bei allen kann Bauchprobleme machen   Der wichtigste Faktor bleibt Gesundwerden. Wenn Ihr Körper sich stabilisiert, steigt die Milchproduktion häufig wieder.         8. Bindehautentzündung – Ansteckung   Wenn Mia bereits Floxal bekommen hat und beschwerdefrei ist: Eine erneute Ansteckung ist unwahrscheinlich. Augentropfen bis Samstag zu nehmen ist vernünftig. Euphrasia zur Vorbeugung ist möglich, aber medizinisch meist nicht nötig. Wichtiger:   Hände waschen eigene Handtücher nicht ins Auge fassen und dann ans Baby           9. Covid beim großen Sohn   Ein zart positiver Test bedeutet:   Virusreste können noch nachweisbar sein Ansteckungsfähigkeit ist meist deutlich geringer   Wenn:   Husten Schnupfen   noch bestehen, ist etwas Vorsicht sinnvoll – vor allem wegen des Neugeborenen. Ihr Mann verhält sich daher vernünftig.         10. Bauchschmerzen bei Pre-Nahrung   Das kommt sehr häufig vor. Mögliche Gründe:   Darm muss sich erst anpassen andere Zusammensetzung als Muttermilch mehr Gasbildung   Besonders wenn ein Baby:   abwechselnd Muttermilch und Pre bekommt gerade erst geboren ist   Das reguliert sich meist nach einigen Tagen. Muttermilch ist für den Darm natürlich leichter.         11. Die Szene mit Mia   Dass Sie sie schweren Herzens abgegeben haben, zeigt nur eines: Sie sind eine sehr gute Mutter. Eine Mutter zu sein bedeutet nicht, immer alles selbst zu schaffen, sondern zu erkennen, wann der eigene Körper Hilfe braucht. Gerade jetzt ist Gesundwerden Ihre wichtigste Aufgabe. Denn nur dann können Sie langfristig für Mia da sein.         Eine medizinische Gesamt-Einschätzung   Es gibt noch keinen klaren Entwarnungspunkt, aber auch keine dramatischen Alarmzeichen in Ihrer Beschreibung. Der Verlauf passt zu:   schwerer Infektion Abszessoperation noch sehr früher postoperativer Phase   Die nächsten 48 Stunden sind meist entscheidend. Wenn   Fieber langsam sinkt CRP Plateau erreicht Kreislauf stabiler wird   dann geht es meist in die richtige Richtung.       Und noch etwas Persönliches: Sie beschreiben diese kleinen Momente mit Mia – die großen Augen, die Geräusche, das Milchrauschgesicht. Genau diese Momente sind es, die Menschen auch durch schwere Tage tragen. Der Körper braucht vielleicht noch ein paar Tage. Aber Ihr Blick für diese Momente zeigt, dass Sie innerlich schon wieder Richtung Leben gehen.    Alles, alles Gute! Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre sehr schnelle Antwort gestern. Ihre Menschlichkeit und Professionalität schätze ich wirklich. Sie machen das so lieb und tip top :) Ich glaube jetzt geht’s langsam aufwärts! :) Jedenfalls hoffe ich das! Ich habe etwas weniger Schmerzen, das Fieber steigt nur noch alle 6 Stunden und dann nur bis 39,4.  Die Schmerzen kann ich nicht so einordnen. Sie sind schon bewegungsabhängig, aber ich kann die Stelle nicht genau benennen. Spricht das dann eher für OP Schmerzen oder kommt es eher von der Infektion? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120  Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 Denken Sie es wird besser obwohl CRP noch steigt? Drainage liegt noch, es läuft viel. Ist das normal? Sollte es nicht täglich weniger werden? Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 gestern  Ferritin 17 Machen weitere Eiseninfusionen Sinn? Kreislauf: Blutdruck heute Morgen 101/64 Puls 97 Das ist noch nicht so gut? Dass beim Abpumpen nur noch so wenig kommt, macht mich sehr traurig. Ich verstehe natürlich, dass mein Körper gerade die Heilung priorisiert. Doch Mia ist so ein Stillbaby, sie macht das so toll. Ich versuche mich damit zu trösten, dass ich den nackten Körperkontakt (um die Oxytocinbildung zu fördern) zu ihr sehr liebe.  Ich habe seit gestern schon Halsschmerzen und habe es aber auf die OP (Vollnarkose) geschoben. Doch seit letzter Nacht hat Mia eine total verstopfte und laufende Schnupfennase. Manchmal hustet sie verschleimt. Wo auch immer sie jetzt einen Virus herhaben kann. Und ich auch, denn mein Covid-Schnelltest vor ein paar Tagen war ja negativ. Ich mache mir jetzt schon etwas Sorgen um sie, denn mit ihren 4,5 Wochen ist ihr Immunsystem ja nicht gerade gut. Ein Kinderarzt hat sie schon angeschaut. Bis jetzt zum Glück nichts in der Lunge oder den Ohren, es ist nur die Nase und der Rachen. Bei jedem Wickeln soll ihr jetzt Fieber gemessen werden, ab 38,0 soll ich gleich Bescheid geben. Es war aber bisher immer darunter (37,5/37,8/37,7). Ich spüle ihre Nase jetzt mit NaCl und darf ihr Max. 3 x täglich Otriven Nasenspray für Säuglinge geben. Leider trinkt sie jetzt gerade nicht so gut. Sie ist sehr anhänglich, lässt sich kaum ablegen, hat letzte Nacht so viel geweint und wollte zwar alle Stunden trinken, aber nach ein paar Schlücken hat ihre Nase sie so gestört, dass das Trinken in Schreien überging. Für mich war es also wieder alles andere als eine erholsame Nacht. Vielleicht sollte ich ihr das NaCl und Otriven immer vor dem Stillen geben? Wobei sie Otriven ja nur 3 Mal täglich haben darf. Vorhin kam mir der Gedanke, dass es hoffentlich nicht RSV oder doch noch Covid vom Bruder ist. Aber dann wäre die Inkubationszeit ja 9 Tage gewesen. Da war er das letzte Mal da. Das ist doch unwahrscheinlich? Haben Sie noch andere Tipps oder Anmerkungen für Mia und mich? Mache mir Sorgen um die kleine Maus. Sie ist noch so klein und zerbrechlich. Aber insgesamt entwickelt sie sich so prächtig, es ist eine wahre Freude, das zu sehen. Wie aufmerksam und interessiert sie schon schaut im Vergleich zu vor zwei Wochen, wie sie ihr Köpfchen schon hebt wenn man sie über die Schulter schauen lässt. Man muss natürlich schon noch bereit sein, dass es jeden Moment kippt, aber sie hält das oft bestimmt schon mehr als 5 Sekunden. Ich bin so verliebt und versuche mich davon tragen zu lassen. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, Es freut mich wirklich zu lesen, dass Sie das Gefühl haben, dass sich die Situation langsam etwas stabilisiert. Das sind genau die kleinen Zeichen, auf die man in so einer Phase achten muss. Ich gehe Ihre Punkte einmal der Reihe nach durch.         1. Fieber, CRP und Leukozyten   Dass Ihr Fieberabstand größer wird (erst nach etwa 6 Stunden) und die Schmerzen etwas nachlassen, ist tatsächlich ein gutes klinisches Zeichen. In der Medizin gilt: Der klinische Zustand ist wichtiger als ein einzelner Laborwert. Dass Ihr CRP noch steigt (118 → 120) ist nach einer schweren Infektion und Operation nicht ungewöhnlich. CRP reagiert zeitverzögert und kann noch 1–2 Tage weiter ansteigen, obwohl die Therapie bereits wirkt. Wichtiger ist:   Fieber steigt langsamer Schmerzen nehmen leicht ab Kreislauf stabilisiert sich Drainage funktioniert   Das passt insgesamt durchaus zu einer beginnenden Besserung. Die Leukozyten sind sogar minimal gesunken (19,5 → 18,9) – das ist ebenfalls ein kleines, aber positives Zeichen.         2. Schmerzen – OP oder Infektion?   Die Beschreibung spricht eher für postoperative Schmerzen: Typisch für OP-Schmerzen:   bewegungsabhängig schwer exakt lokalisierbar eher „ziehend“ oder „drückend“   Typisch für Infektionsschmerz wäre:   sehr lokalisierbar konstant oft zunehmender Druckschmerz   Dass Sie die Stelle nicht genau benennen können und sie bewegungsabhängig sind, passt daher eher zu Wund- bzw. Gewebeschmerzen nach der Operation.         3. Drainage   Dass noch viel Sekret läuft, ist zunächst kein schlechtes Zeichen. Eine Drainage hat zwei wichtige Funktionen:   Eiter / Entzündungsflüssigkeit abführen Verhindern, dass sich wieder ein Abszess bildet   Solange sie noch fördert, bedeutet das oft: ➡️ Der Körper räumt noch auf. Die Menge nimmt oft erst nach einigen Tagen langsam ab, nicht unbedingt täglich. Problematisch wäre eher:   plötzlich kein Ablauf mehr zunehmende Schmerzen neues Fiebermaximum           4. Blutwerte und Eisen   Ihr Hb ist deutlich niedrig. Verlauf:   7,3 7,9 8,5 7,8 8,4   Das spricht für eine langsame Stabilisierung, aber die Reserven sind gering. Ihr Ferritin 17 zeigt praktisch leere Eisenspeicher. Daher: ➡️ Ja, weitere Eiseninfusionen sind sehr sinnvoll. Gerade nach:   Operation Infektion Blutverlust Stillzeit   braucht der Körper Eisen, um wieder rote Blutkörperchen aufzubauen. Das hilft auch gegen:   Schwäche Herzrasen Kreislaufprobleme           5. Kreislauf   Ihr Kreislauf:   101 / 64 Puls 97   Das ist nach:   Infektion Anämie Operation Schlafmangel   noch nicht überraschend. Der Puls ist etwas erhöht, was bei Hb um 8 völlig typisch ist. Der Körper versucht damit, den Sauerstofftransport auszugleichen. Wichtig ist:   viel trinken langsam aufstehen Eisen auffüllen           6. Stillen und wenig Milch   Dass beim Abpumpen weniger Milch kommt, hat mehrere Gründe: Ihr Körper ist gerade beschäftigt mit:   Heilung Entzündung Blutaufbau Stresshormonen   All das hemmt die Milchproduktion vorübergehend. Der wichtigste Punkt ist aber: Körperkontakt. Dass Sie Mia nackt auf Ihrer Haut halten, ist tatsächlich eine der besten Maßnahmen, um Oxytocin zu fördern und die Milchbildung wieder anzukurbeln. Sie machen das genau richtig. Und ganz wichtig: Selbst wenn zeitweise weniger Milch kommt – das ist kein dauerhaftes Problem.         7. Mias Schnupfen   Das klingt zunächst sehr typisch nach einem harmlosen Säuglingsinfekt. Gute Zeichen:   Temperatur unter 38 °C Lunge frei Ohren unauffällig   Bei Neugeborenen sind verstopfte Nasen besonders störend beim Trinken, weil sie Nasenatmer sind. Ihr Vorgehen ist richtig: Sehr sinnvoll:   NaCl vor dem Stillen Kopf leicht erhöht lagern kurze Stillpausen zum Luft holen   Ihr Gedanke ist gut: ➡️ NaCl tatsächlich am besten vor dem Stillen geben. Otriven können Sie dann gezielt vor wichtigen Mahlzeiten einsetzen (max. 3× täglich).         8. RSV oder Covid?   Nach 9 Tagen Inkubationszeit ist das eher unwahrscheinlich. Typische Inkubationszeiten:   RSV: 3–5 Tage Covid: 2–5 Tage   Wahrscheinlich hat sie einfach einen gewöhnlichen Erkältungsvirus. Das kommt leider häufig vor – besonders wenn ältere Geschwister im Umfeld sind. Wichtige Warnzeichen wären:   Atemnot Einziehungen zwischen den Rippen Trinkverweigerung Fieber über 38 °C   Davon berichten Sie glücklicherweise nichts.         9. Noch ein Gedanke zu Ihnen   Sie haben gerade extrem viel gleichzeitig zu tragen:   schwere Infektion zwei Operationen Blutverlust Stillstart Neugeborenes   Und trotzdem schreiben Sie mit so viel Liebe über Mia. Dass Sie sie anschauen, wie sie ihr Köpfchen hebt und sich darüber freuen können – das zeigt, dass trotz allem Ihre Verbindung zu ihr unglaublich stark ist. Das ist für ein Baby mindestens so wichtig wie jede perfekte medizinische Situation.         Zusammenfassung   Die Zeichen sprechen vorsichtig für eine langsame Besserung:   Fieberabstände größer Schmerzen etwas weniger Leukozyten minimal gesunken Drainage funktioniert   Das CRP darf noch kurz nachlaufen.     Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ganz lieben Dank für Ihre so schnelle Antwort. Ich fühle mich von Ihnen wirklich gut begleitet. In all den brenzligen Momenten waren und sind Sie immer zur Stelle. Ich fühle mich heute wieder ein bisschen besser! Etwas weniger Schmerzen, das Fieber steigt nur noch bis 39,0 und Ibu allein ist ausreichend ohne mit Paracetamol abzuwechseln. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 Ich freue mich, dass beide Werte fallen, aber von halbieren alle 24-48 Stunden kann man ja noch nicht reden. Sollte das bei CRP und Leukozyten gleichermaßen so sein? Drainage liegt noch, aber heute läuft sehr wenig. Gestern war es richtig viel. Ist das normal? Heute habe ich nur gehört, dass meine Nierenwerte sich etwas verschlechtert haben und bei weiterer Verschlechterung Vancomycin gestoppt wird und ich dann nur noch Linezolid und Imipinem gegen die MRSA und die Ent. faec. kriege. Ist das ok? Wieso jetzt auf einmal die Nieren? Muss ich mir Sorgen machen? Kreislauf  Blutdruck heute Morgen 106/67 Puls 95 Ist das immerhin schon etwas besser? Aufgrund vom niedrigen Hb und Kreislauf ist mir oft noch sehr schwindlig. Mia macht mir heute Sorgen und es nimmt mich emotional sehr mit, dass es ihr nicht so gut geht und fordert mich in meinem Zustand sehr heraus, mich entsprechend um sie zu kümmern. Ihre Schnupfennase ist richtig zu, dadurch trinkt sie oft wenig aus der Flasche, aber dafür öfter. Ihre Temperatur ist zum Glück weiter knapp unter 38, also 37,5-37,8. Manchmal hustet sie richtig verschleimt. Gestern Abend und heute Morgen hat sie so schwallartig gespuckt, dass ich nicht weiß, ob man das noch spucken oder schon brechen nennen muss. In hohem Bogen sehr weit und von der Menge sehr viel, fast die ganze Milch, die sie etwa 30 Minuten vorher getrunken hat. Das hat sie seit der Geburt noch nie gemacht. Kurz vorher hat sie gewürgt, mir kam es so vor, als würde sie den Schleim der Erkältung loswerden wollen. Ich hoffe, das ist nicht schlimm? Nicht dass sie nicht genug Flüssigkeit hat oder stark abnimmt. Das Ganze zieht das einen Rattenschwanz nach sich: man muss sie umziehen, weil alles vollgespuckt ist. Davon wacht sie auf und weint, weil sie eigentlich müde ist. Wenn ich sie dann nackt auf mich lege (Haut auf Haut) um sie zu beruhigen, riecht sie wahrscheinlich die Milch an meiner Brust und fängt sichtlich an danach zu „suchen“ (dreht den Kopf zur Seite der Brust und öffnet den Mund), aber wegen Linezolid darf sie ja nicht an die Brust. Das macht sie dann „traurig“ und sie weint. Dann hilft nur noch herumtragen, was ich aber körperlich noch nicht lange schaffe und auch Angst habe, dass mir genau mit ihr am Arm der Kreislauf umkippt. Dann kommen mir selbst die Tränen, weil ich denke, dass ich ihr nicht gerecht werde und nicht geben kann, was sie braucht. Mein Mann kommt jetzt wieder, weil unser Sohn zum Glück wieder gesund ist, aber er kann auch nicht den ganzen Tag bleiben, denn den Großen gibt es ja auch noch. Und noch eine medizinische Frage zu Mia: würde es nicht auch Sinn machen, ihr mit einem Nasensauger Schleim aus der Nase zu holen, direkt nach der NaCl Lösung? Das NaCl Spülen ist ja gut, aber es beseitigt ja nicht das, was stört.  Und zu ihrer Bindehautentzündung: die Floxaltropfrn bekam sie 8 Tage. Jetzt sind ihre Augen aber immernoch verklebt, besonders morgens nach der Nacht und tagsüber nach einem längerem Schlaf. Ist das normal? Meine Hebamme meinte, es können bei Neugeborenen auch verstopfte Tränenkanäle sein. Ich nehme die Floxaltropfen jetzt seit 5 Tagen, der Eiter ist weg, meine Augen sind aber auch noch immer leicht gerötet und morgens verklebt. Nachts wenn Mia nicht weckt, wache ich auch mit verklebten Augen auf und muss sie erstmal reinigen. Ist das normal? Kann das von der viralen Komponente kommen? Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Für Mia habe ich wirklich unendlich viel Liebe, das haben Sie richtig aus meinen Zeilen gelesen. Dank ihr verzweifle ich nicht komplett. Diese Rehaugen, diese vielen samtweichen schwarzen Haare, diese weiche Babyhaut, der Babygeruch, das gibt Kraft. Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend Man spürt in jeder Zeile, wie sehr Sie Ihre kleine Mia lieben. Und gleichzeitig, wie viel Sie gerade körperlich und emotional tragen müssen. Dass Ihnen dabei manchmal die Tränen kommen, ist absolut verständlich. Sie sind gerade selbst krank, erschöpft und gleichzeitig Mutter eines Neugeborenen – das ist eine enorme Belastung. Bitte sehen Sie: Sie machen das sehr gut. Allein Ihre Aufmerksamkeit und Sorge zeigen das. Ich gehe Ihre Punkte der Reihe nach durch.         1. Ihre Infektion – CRP, Leukozyten und Fieber   Die Entwicklung Ihrer Werte wirkt insgesamt vorsichtig positiv. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 Wichtige Punkte:   CRP beginnt zu fallen (120 → 107) – das ist ein gutes Zeichen. Leukozyten fallen ebenfalls – ebenfalls positiv. Dass sich das nicht sofort halbiert, ist bei schweren Infektionen völlig normal.   Diese Regel („Halbierung alle 24–48 h“) gilt eher für unkomplizierte bakterielle Infektionen. Bei Abszessen, Operationen und Drainagen ist der Verlauf oft langsamer und wellenförmig. Das Entscheidende ist:   Fieber weniger hoch Schmerzen weniger CRP und Leukozyten beginnen zu sinken   Das passt zu einer langsamen Stabilisierung.         2. Drainage – heute weniger Sekret   Das ist nicht ungewöhnlich. Nach Abszessdrainagen sieht man häufig:   Anfangs viel Sekret dann rasch weniger schließlich nur noch wenig   Wichtig ist eher:   kein neuer Abszess im Ultraschall kein erneuter Fieberanstieg   Dass gestern viel und heute wenig läuft, passt also gut.         3. Nierenwerte und Vancomycin   Hier kann ich Sie beruhigen. Vancomycin ist bekannt dafür, die Nieren zu belasten. Typisch ist:   Kreatinin steigt etwas Ärzte reagieren vorsichtig Medikament wird reduziert oder gestoppt   Wenn man auf Linezolid + Imipenem umstellt, ist das medizinisch völlig plausibel. Gerade gegen Enterococcus faecium und MRSA ist Linezolid ein sehr gutes Antibiotikum. Dass die Ärzte die Nieren im Blick haben, zeigt: ➡️ Sie überwachen die Therapie sorgfältig. Ein leichter Anstieg der Nierenwerte ist unter dieser Therapie nicht selten und meist reversibel.         4. Kreislauf   Blutdruck 106/67 Puls 95 Für Ihre Situation ist das absolut akzeptabel. Der Schwindel kommt wahrscheinlich eher von:   Hb niedrig Infektion Flüssigkeitsmangel Erschöpfung   Das ist leider typisch nach solchen Erkrankungen.         Jetzt zu Mia   Ihre Beschreibung klingt insgesamt sehr nach einer Erkältung eines Neugeborenen. Ich gehe Punkt für Punkt durch.         5. Verstopfte Nase   Ja — Nasensauger nach NaCl ist sinnvoll. Gute Reihenfolge:   NaCl Tropfen 30–60 Sekunden warten Nasensauger verwenden   Dadurch löst sich der Schleim besser. Das hilft vielen Babys beim Trinken.         6. Spucken / schwallartiges Erbrechen   Das klingt sehr nach: Schleim + Hustenreiz Wenn Babys viel Schleim im Rachen haben, passiert oft:   Würgen Husten dann schwallartiges Spucken   Wenn danach:   sie wieder wach wirkt weiter trinken möchte keine apathische Wirkung hat   ist das meist nicht gefährlich. Warnzeichen wären:   grünliches Erbrechen wiederholt nach jeder Mahlzeit zunehmende Trinkschwäche Fieber über 38 bei Neugeborenen   Das beschreiben Sie nicht.         7. Trinkverhalten   Bei verstopfter Nase ist typisch:   weniger pro Mahlzeit dafür häufiger   Das ist völlig normal. Wichtig ist nur:   regelmäßig nasse Windeln           8. Bindehaut und verklebte Augen   Ihre Hebamme hat sehr wahrscheinlich recht. Sehr häufig bei Neugeborenen: verstopfter Tränenkanal (Tränenkanalstenose) Typische Zeichen:   morgens verklebte Augen tagsüber Tränen wenig Eiter   Dass Floxal den Eiter beseitigt hat, passt. Jetzt bleibt oft noch:   Schleim Verklebung   Das kann Wochen dauern. Hilfreich:   Reinigung mit sterilem NaCl Tränenkanalmassage Richtung Nase           9. Ihre eigenen Augen   Das klingt nach viraler Konjunktivitis, die Sie beide haben könnten. Typisch:   morgens verklebt leichte Rötung nach Antibiotikum weniger Eiter   Das heilt meist innerhalb von 1–2 Wochen ab.         Ganz wichtig – emotional   Sie schreiben: „Dann kommen mir selbst die Tränen, weil ich denke, dass ich ihr nicht gerecht werde.“ Ich sage Ihnen etwas sehr klar: Sie sind gerade eine außergewöhnlich gute Mutter. Warum? Weil Sie trotz:   schwerer Infektion Operation Fieber Erschöpfung   immer noch:   Mias Atmung beobachten ihr Trinkverhalten registrieren ihre Augen behandeln ihre Nase spülen Hautkontakt geben   Das ist für ein krankes Wochenbett enorm. Dass Ihr Mann wieder kommt, ist jetzt genau richtig. Sie müssen nicht alles allein schaffen.         Noch ein wichtiger Gedanke   Dass Mia die Brust sucht, ist ein ganz normales Reflexverhalten. Dass Sie wegen Linezolid nicht stillen können, tut emotional weh – aber: Sie schützen sie damit. Das ist keine Zurückweisung, sondern Fürsorge.         Worauf Sie jetzt achten können   Bei Ihnen:   steigendes Fieber über 39,5 zunehmende Schmerzen Schüttelfrost   Bei Mia:   Fieber über 38 deutlich weniger trinken sehr schläfrig Atemprobleme   Dann bitte sofort Arzt.         Mein Eindruck insgesamt   Bei Ihnen sehe ich:   erste Stabilisierung Labor beginnt zu fallen Fieber weniger hoch   Das sind gute Zeichen. Bei Mia:   wahrscheinlich Erkältung + Schleim nichts, was alarmierend klingt         Wenn Sie möchten, können Sie mir auch noch kurz sagen:   wie alt Mia jetzt genau ist wie viele nasse Windeln sie heute hatte   Das hilft, ihr Trinken besser einzuschätzen. Und noch etwas Persönliches zum Schluss: Die Art, wie Sie Mia beschreiben – ihre Haare, ihre Haut, ihren Geruch – zeigt sehr deutlich, dass sie in genau den richtigen Händen gelandet ist. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ganz lieben Dank für Ihre beruhigende und aufmerksame Nachricht gestern Abend. Sie sind einfach top top und machen Ihre Arbeit mit Herz. Das ist so schön für mich :) Und Sie ermutigen mich immer! Ich fühle mich heute etwa wie gestern, also insgesamt etwas besser aber so ganz enorm ist der Unterschied noch nicht. Etwas weniger Schmerzen, kein Schüttelfrost mit Zittern und klappernden Zähnen, aber frösteln und Gänsehaut wenn sie Ibu nach etwa 6 Stunden nicht mehr wirkt. Dann steigt das Fieber so auf 39,0. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 Ist das im Rahmen, dass sie weiter langsam fallen? Kreatinin ist 1,4. Ist das deutlich erhöht und wie schnell normalisiert sich die Nierenfunktion wenn jetzt Vancomycin weggelassen wird? Drainage liegt noch, aber heute läuft fast gar nichts. Ist das eher gut weil der Eiter dann weg ist oder eher schlecht weil er nicht mehr abläuft? Mein Kreislauf ist heute irgendwie nicht gut.  Blutdruck heute Morgen 96/59 Puls 103 Heute ist mir oft sehr schwindlig. Mia hatte gestern nur 4 nasse Windeln, davon 1 mit Stuhlgang. Sonst hat sie locker 6-8 Windeln und in fast jeder Stuhlgang. Heute sind es bisher 2 nasse Windeln, was auch wenig ist? Sie ist ja ein Sonntagskind und heute genau 5 Wochen alt. Sollte sie mehr Windeln haben? Sie trinkt durch die Erkältung auch weniger. Eigentlich trinkt sie etwa 120ml pro Mahlzeit und das alle 3-4 Stunden. Momentan trinkt sie zwar alle 2-3 Stunden aber eher nur 60ml. Und davon spuckt sie dann ab und zu (zum Glück nicht nach jeder Mahlzeit!) wirklich viel in hohem Bogen aus. Es sieht dann aus wie eine Mischung aus Milch und Schleim. Danach schläft sie dann ein und will auch nicht noch mehr trinken. Ist das noch im Rahmen? Ihre Temperatur ist zwischen 37,4 und 37,8. Der Schleim stört sie auch im Rachen, nicht nur in der Nase. Sie hustet immer wieder verschleimt. Ich denke, wir haben beide denselben Mist aufgegabelt. Ich habe schon seit Tagen immer wieder Halsschmerzen und heute noch mehr und huste auch verschleimt. Meine Nase ist aber frei. Für mich ist der Husten sehr unangenehm weil die Erschütterung mir jedes Mal im Bauch schmerzt. Kann man Babys was gegen den Schleim im Rachen geben? NaCl, Nasensauger und Otriven Nasenspray helfen ja nur der Nase. Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Es freut mich, dass man meine Liebe zu Mia so deutlich erkennt. Mir geht es zwar wirklich schlecht und ich hatte die Hoffnung, dass es dieses Mal ohne Notkaiserschnitt besser läuft. Aber sie ist trotzdem jeden Schmerz wert. Ich weiß, dass man nur spekulieren kann, wo diese fiese Infektion herkommt. Aber manchmal frage ich mich, ob durch die Saugglocke irgendwie Keime in die Gebärmutter gekommen sein könnten? Oder ist das unrealistisch? Ich weiß nicht, wie lange eine Saugglocke normalerweise in der Scheide ist, aber in meinem Fall ging das über viele viele Wehen und war vom Schmerzlevel fast unaushaltbar, weil ich selbst in den Wehenpausen das Gefühl hatte, der Schmerz zerreißt mich und es der einzige Moment der Geburt war, in dem ich sehnsüchtig auf die nächste Wehe gewartet habe, weil es beim Pressen fast aushaltbarer war als in den Pausen. Ich bekam dann irgendein opiodähnliches Schmerzmittel, aber nicht mal damit war es besser. Das war völlig umsonst. Kann die lange Dauer eine Infektion begünstigt haben? Oder die sich anschließende Atonie? Es hieß ja dann, dass dank Oxytocintropf alles draußen ist, aber dann wurden ja doch noch Eihautreste gefunden. Mia ist jedenfalls so süß! Ich könnte sie den ganzen Tag anschauen. Ihr Bruder hat ihr heute beim Besuch die Flasche gegeben. Das war so ein herzerwärmender Moment, meine beiden Kinder zusammen zu sehen. Bis jetzt konnten sie ja leider noch nicht viel Zeit miteinander verbringen. Und zum Lachen hat mich unser Sohn dabei auch gebracht. Er hat mir erklärt, dass mir noch eine dritte Brust in der Mitte wachsen muss, denn wenn ich Mia wieder stillen darf, ist eine für Mia, eine für ihn zum Probieren der Milch und Papa braucht ja auch eine :) Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Gjuten Abend, Man spürt in jeder Zeile, wie sehr Sie sich trotz der ganzen Belastung um Mia kümmern. Das ist wirklich beeindruckend. Sie kämpfen gerade mit einer schweren Situation, und trotzdem haben Sie noch den Blick für Ihr Baby und sogar für die schönen Momente mit Ihrem Sohn. Das sagt sehr viel über Sie aus. Ich gehe die Punkte der Reihe nach durch.         1. Entzündungswerte (CRP und Leukozyten)   Ihre Entwicklung wirkt insgesamt erstmals klar in die richtige Richtung. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 Das Entscheidende ist:   Der Peak scheint bei 120 erreicht gewesen zu sein. Jetzt sehen wir zwei Messungen hintereinander fallend.   CRP fällt fast immer deutlich langsamer, als es ansteigt. Dass es nicht alle 24–48 h halbiert wird, ist völlig normal bei:   größeren Infektionen Abszessen postoperativen Situationen   Der Verlauf, den Sie jetzt zeigen, ist medizinisch absolut plausibel. Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 Auch hier sehen wir:   Plateau jetzt langsam fallend   Das passt gut zum CRP-Trend. 👉 Kurz gesagt: Der Verlauf wirkt erstmals stabil rückläufig.         2. Drainage – dass jetzt wenig kommt   Das ist meist ein gutes Zeichen. Eine Drainage hört normalerweise aus zwei Gründen auf zu laufen:   Der Eiterraum ist leer → gut Die Drainage ist verstopft → selten, wird aber klinisch geprüft   Wenn gleichzeitig:   Schmerzen weniger werden Entzündungswerte fallen Fieber etwas weniger wird   spricht das sehr für Variante 1.         3. Kreatinin 1,4   Ja, das ist leicht erhöht, aber noch nicht dramatisch. Typische Ursachen in Ihrer Situation:   Dehydratation (Fieber!) Antibiotika wie Vancomycin Kreislaufbelastung nach OP Infektion   Wenn Vancomycin abgesetzt wird und Sie wieder stabil trinken, normalisiert sich das häufig innerhalb weniger Tage. Wichtig ist jetzt:   ausreichend Flüssigkeit Kontrolle der Werte           4. Kreislauf: 96/59 und Puls 103   Das ist bei Ihrer Situation nicht ungewöhnlich. Mögliche Gründe:   Infektion Fieber Flüssigkeitsmangel postoperative Belastung Schmerzmittel   Der Puls reagiert bei Fieber stark. Schwindel ist daher nachvollziehbar, sollte aber beobachtet werden. Hilfreich:   ausreichend trinken langsam aufsetzen / aufstehen Beine leicht hochlagern           5. Mia – Windeln   Mit 5 Wochen erwartet man typischerweise: 5–8 nasse Windeln pro Tag. Vier sind untere Grenze, aber noch nicht automatisch problematisch. Wenn es heute erst zwei sind, sollte man:   weiter beobachten schauen, ob sie im Laufe des Tages noch mehr hat   Wichtige Warnzeichen wären:   sehr dunkler Urin trockene Lippen eingesunkene Fontanelle auffällig schlapp   Das beschreiben Sie nicht.         6. Weniger trinken wegen Erkältung   Das passt gut zu einem Infekt. Vorher:   120 ml alle 3–4 h   Jetzt:   60 ml alle 2–3 h   Die Tagesmenge kann dabei ähnlich bleiben, nur anders verteilt. Babys trinken bei Erkältung oft:   häufiger kleinere Mengen   Das ist sehr typisch.         7. Spucken „im hohen Bogen“   Solange:   es nicht nach jeder Mahlzeit Mia danach zufrieden wirkt sie weiter zunimmt   ist das meist Reflux + Schleim durch den Infekt. Der Schleim aus dem Rachen wird oft mit ausgespuckt.         8. Temperatur von Mia   37,4–37,8 °C ist noch kein Fieber. Bei Babys spricht man meist erst ab 38,0 °C rektal von Fieber.         9. Schleim im Rachen   Leider gibt es für so kleine Babys kaum Medikamente. Hilfreich sind:   NaCl-Nasentropfen Nasensauger leicht erhöhte Oberkörperlagerung feuchte Raumluft   Manchmal hilft auch:   Baby kurz aufrecht halten leicht auf den Rücken klopfen   Das löst Schleim.         10. Ihre eigene Erkältung   Das passt leider zu Ihrem Gesamtbild. Infektionen der oberen Atemwege sind postpartal sehr häufig, weil:   Immunsystem erschöpft ist Krankenhauskontakte hoch sind Schlaf fehlt   Der Husten tut nach Bauchoperation oder Abszess-OP immer besonders weh.         11. Frage zur Saugglocke und Infektion   Eine Saugglocke allein verursacht normalerweise keine Gebärmutterinfektion. Infektionen entstehen häufiger durch:   lange Geburtsdauer viele vaginale Untersuchungen Eihautreste Blutreste Atonie Kaiserschnitt   Die Eihautreste, die später gefunden wurden, sind tatsächlich ein plausiblerer Auslöser als die Saugglocke. Die Saugglocke kann indirekt beitragen, wenn:   die Geburt sehr lange dauert Gewebe stark belastet wird   Aber sie ist selten die Hauptursache.         12. Und noch etwas Persönliches   Der Moment mit Ihrem Sohn, der Mia die Flasche gibt, ist genau das, was in solchen Wochen zählt. Und seine Theorie mit der dritten Brust für Papa ist medizinisch zwar nicht ganz korrekt – aber emotional ziemlich charmant. Solche Sätze zeigen, dass Kinder manchmal genau das schaffen, was Medizin nicht kann: Sie bringen Licht in eine schwere Situation.         Was mich heute am meisten beruhigt   Drei Dinge:   CRP fällt erstmals Leukozyten fallen Schüttelfrost wird weniger   Das sind klassische Zeichen, dass der Körper langsam gewinnt. Es geht selten plötzlich – meist in kleinen Schritten. Und genau diese kleinen Schritte beschreiben Sie gerade.   Das hilft vielen Patienten sehr, die nächsten Tage besser einzuordnen.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ganz lieben Dank für Ihre beruhigende und so menschliche Antwort und für die lieben Zeilen und die Komplimente zu mir als Mutter :) auch bei Ihnen spürt man in jeder Zeile, dass Sie hinter all den medizinischen Details doch die Menschen sehen, denen es schlecht geht und gerne helfen. Das sagt auch viel über Sie als Mensch aus! Es geht glaube ich weiterhin in die richtige Richtung! Weniger Schmerzen, weniger hohes Fieber (heute max. 38,8) nach Wirkung der Ibu.  CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 Ist das weiterhin ok, dass sie weiter langsam fallen und ich noch Fieber habe? Kreatinin (1,4): Wann und wie oft sollte das jetzt kontrolliert werden nachdem Vancomycin weggelassen wurde? Und Sie sagen, Flüssigkeit ist wichtig. Meinen Sie Ringer-Lösungen? Ich bekomme eine am Tag, fühle mich aber noch schwindlig vom Kreislauf. Wäre es eine Idee, zu fragen, ob man sie erhöhen kann? Z.B. auf 2 am Tag? Drainage liegt noch, gestern lief fast gar nichts, heute auch nicht viel, aber etwas mehr. Ist das normal? Diese Schwankungen? Wann zieht man die Drainage normalerweise? Wenn gar nichts mehr läuft über längere Zeit? Mia tut sich heute sehr schwer beim Trinken. Ihre Nase scheint sie zu quälen oder sie hat auch Halsschmerzen wie ich. Wenn sie so stark sind wie meine, wundert es mich nicht, dass sie nicht viel trinkt. Meine sind ganz schön störend. Es kostet mich heute sehr viel Kraft, denn kaum trinkt sie 20ml, schreit sie die Flasche an. Dazwischen spuckt sie auch noch in hohem Bogen beim Husten. Sie kommt auch wieder so grad so auf 4 Windeln. Ich habe echt keine Idee mehr, wie ich sie zum Trinken motivieren kann. Die Schwester meinte schon, sie sollte am besten etwas mehr trinken, die Menge war heute grenzwertig. Aber das stresst mich, was soll ich denn machen, wenn sie die Flasche anschreit? Sollte ich die Schwester mal bitten nach ihrer Fontanelle zu schauen? Sie ist nicht apathisch aber sie trinkt nicht viel und spuckt einen Teil auch noch wieder aus. Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Als Ergänzung zur möglichen Ursache für diese schlimme Infektion: die Latenzphase hat nicht so lange gedauert. Um 1 Uhr nachts hatte ich die ersten Wehen und als wir früh um 7:30 Uhr im Krankenhaus waren, war der Muttermund schon fast ganz offen und wir durften direkt in den Kreißsaal und die Wehen wurden plötzlich schnell sehr heftig. Ich wollte erst noch länger zu Hause warten, weil ich die Wehen noch erträglich fand, aber nachdem die Abstände immer mehr Richtung 3-5 Minuten gingen, wollte mein Mann zum Glück los und im Auto wurde es dann schon sehr unangenehm. Bis dahin war alles super. Die Pressphase war dann das Problem. Sie hat sich ewig gezogen, ich musste dann Stellungen in Rückenlage einnehmen, die von den Schmerzen her unerträglich für mich waren, aber ich erkannte anhand der Anweisungen von Arzt und Hebamme, dass es sonst gar nichts mehr wird und Mia kam am Schluss trotzdem nur mit Saugglocke raus. Laut Kinderarzt hat man an ihren Werten auch sehen können, dass sie am Ende der Geburt gestresst war. Danach kam es zur Antonie, den Einhautresten und dem Oxytocintropf, Drücken auf dem Bauch bei mir. Ich weiß, keiner kann mir sagen warum die Entzündung so schlimm ist, aber man sucht doch irgendwie nach einer plausiblen Erklärung für sich selbst. Es ist so herzerwärmend wenn Mias Bruder die streichelt, ihr die Flasche gibt oder sie im Arm hält. Das sind wirklich gerade die Momente, die mich durch diese blöde Situation tragen. Und ich freue mich immer auf liebe Nachrichten :) Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, haben Sie vielen Dank für Ihre sehr offene und berührende Nachricht. Man spürt wirklich, wie aufmerksam Sie sowohl Ihren eigenen Zustand als auch den Ihrer kleinen Mia beobachten – und gleichzeitig, wie sehr Sie trotz Ihrer eigenen Schwäche versuchen, für Ihr Baby da zu sein. Das ist keineswegs selbstverständlich. Dass Mias Bruder so liebevoll mit ihr umgeht, ist ein sehr schönes Zeichen dafür, wie viel Wärme in Ihrer Familie ist – solche Momente tragen tatsächlich durch schwierige Tage. Ich gehe gerne Punkt für Punkt auf Ihre Fragen ein.         1. Entwicklung von CRP, Leukozyten und Fieber   Die Entwicklung Ihrer Werte wirkt insgesamt weiterhin plausibel und eher beruhigend. CRP-Verlauf: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 Wichtige Punkte:   Das CRP hat seinen Gipfel offenbar überschritten (120) und fällt jetzt. Auch die Leukozyten sinken langsam. Gleichzeitig nehmen Ihre Symptome ab (weniger Schmerzen, weniger Fieber).   Das ist genau die Kombination, die man sehen möchte. Bei schweren Infektionen fällt das CRP nicht schlagartig, sondern oft über mehrere Tage schrittweise. Dass noch Fieberspitzen bis etwa 38,8 °C auftreten, kann in dieser Phase noch normal sein, solange:   die Peaks insgesamt niedriger werden die Abstände größer werden das Allgemeinbefinden besser wird   Das scheint bei Ihnen gerade zu passieren.         2. Kreatinin 1,4 nach Vancomycin   Vancomycin kann die Nieren belasten, daher wird Kreatinin üblicherweise engmaschig kontrolliert. Typischer Ablauf:   täglich Kontrolle, solange Antibiotika laufen danach noch 1–2 Tage Verlaufskontrolle   Ein Kreatinin von 1,4 ist leicht erhöht, aber noch nicht dramatisch. Oft normalisiert sich das wieder, wenn   Vancomycin beendet wurde ausreichend Flüssigkeit gegeben wird.           3. Flüssigkeit / Infusionen   Mit „Flüssigkeit“ meine ich tatsächlich:   Ringer-Lösung oder NaCl   Eine Infusion pro Tag ist eine eher moderate Menge. Wenn Sie noch   Kreislaufschwindel haben wenig trinken können eine Infektion mit Fieber durchmachen   dann kann es durchaus sinnvoll sein, mehr Volumen zu geben. Ihr Vorschlag ist deshalb sehr vernünftig: freundlich nachfragen, ob man 2 Infusionen pro Tag geben könnte. Gerade nach Infektionen, Blutverlust oder Fieber ist der Kreislauf häufig noch etwas „leer“.         4. Drainage – Schwankungen der Menge   Die Beschreibung passt sehr gut zu dem, was man häufig sieht. Drainagen verhalten sich oft so:   ein Tag fast nichts dann wieder etwas mehr dann wieder wenig   Das liegt daran, dass sich im Gewebe kleine Flüssigkeitsdepots entleeren. Entfernt wird eine Drainage meist, wenn:   sehr wenig läuft (z.B. < 20–30 ml/24 h) keine Eiterzeichen bestehen der Ultraschall unauffällig ist.   Dass es bei Ihnen jetzt insgesamt deutlich weniger wird, ist ein gutes Zeichen.         5. Mia und das Trinken   Das klingt im Moment tatsächlich nach einem infektbedingten Trinkproblem. Mögliche Ursachen:   verstopfte Nase Halsschmerzen Husten Schluckschmerz   Dann trinken Babys oft nur:   kleine Mengen unter Protest und spucken leichter.   Ein paar praktische Dinge, die helfen können: 1. Nase frei machen Falls die Nase verstopft ist:   Kochsalztropfen danach vorsichtig Nasenabsauger   Das verbessert oft sofort das Trinken. 2. kleinere Portionen Statt große Mengen:   öfter anbieten auch nur 10–20 ml sind ok.   3. leicht aufrechter halten Beim Füttern etwas aufrechter, damit Husten weniger stört. 4. Spucken Beim Husten kann es zu projektilartigem Spucken kommen, das ist nicht ungewöhnlich.         6. Windeln und Fontanelle   Vier Windeln sind noch im unteren Normbereich, aber man sollte es beobachten. Eine Fontanellenkontrolle durch die Schwester zu erbitten ist eine gute Idee – das ist völlig legitim und nicht „übervorsichtig“. Warnzeichen wären:   eingefallene Fontanelle apathisches Verhalten deutlich weniger Urin trockene Schleimhäute.   Das beschreiben Sie im Moment nicht, daher klingt es noch nicht besorgniserregend.         7. Zur möglichen Ursache Ihrer Infektion   Ihr Gedankengang ist sehr nachvollziehbar. Viele Frauen versuchen später zu verstehen, warum eine Infektion so schwer verlaufen ist. Ein paar Faktoren aus Ihrer Beschreibung könnten tatsächlich eine Rolle gespielt haben:   lange Pressphase Saugglocke Plazentareste / Einhautreste Uterusatonie viele Manipulationen im Uterus   Das bedeutet nicht, dass jemand etwas falsch gemacht hat. Aber jede dieser Situationen kann die Wahrscheinlichkeit für eine postpartale Infektion erhöhen. Solche schweren Verläufe entstehen meist aus einer Kombination mehrerer Faktoren, nicht aus einem einzelnen Ereignis.         8. Ein persönlicher Gedanke   Dass Sie sich trotz   Fieber Schmerzen Operation Sorge um Mia   noch so intensiv kümmern und reflektieren, zeigt sehr deutlich, wie stark Sie als Mutter sind. Und die Szene, die Sie beschreiben – wie Mias Bruder sie streichelt oder ihr die Flasche gibt – ist genau das, was Familien in solchen Momenten trägt. Kinder haben oft eine erstaunliche Fähigkeit, Wärme und Ruhe in schwierige Situationen zu bringen.   Ich denke weiterhin, dass Sie sich langsam in die richtige Richtung bewegen. Herzliche Grüße 🌿


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich herzlich für Ihre empathische Antwort. Dass Sie so wachsam sind und jeden Tag so zuverlässig nach mir „schauen“ ist nicht selbstverständlich und ich freue mich jeden Tag aufs Neue von Ihnen zu lesen :) Heute ist der erste Tag, an dem ich mich wirklich deutlich besser fühle, deutlich weniger Schmerzen, das Fieber geht nicht mehr über 38,5 und aus der Drainage kommt sehr wenig. Die letzten 24 Stunden waren es etwa 30-40ml. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 Ich denke, jetzt wird es endlich langsam aber stetig? Denken Sie, man kann jetzt schon langsam die Drainage ziehen? Kreatinin ist noch bei 1,4 obwohl das Vancomycin schon vor 3 Tagen beendet wurde. Wie schnell sollte es sich normalisieren? Hb 7,3 → 7,9 → 8,5 → 7,8 → 8,4 → 8,6 Ist diese Steigerung nach der letzten Eiseninfusion am 14.3. schon ganz gut? Einen großen Unterschied sieht man ja noch nicht. Muss Ferritin (Wert 17 am 13.3.) auch wieder kontrolliert werden? Ringer bekomme ich jetzt auf Nachfrage 2 Mal täglich. Das tut gut, danach ist der Kreislauf immer etwas besser, aber insgesamt bin ich echt noch wacklig. Wann wird das besser? Die Rückbildung der Gebärmutter war ja lange Zeit sehr schlecht und sie war die ganze Zeit noch auf Nabelhöhe. Jetzt ist sie etwas unterhalb des Nabels, sinkt aber weiterhin nicht täglich um 1 Finger wie sie sollte. Ist das bei meiner schweren Infektion zu erwarten oder ist das ein Problem? Der Wochenfluss ist noch immer rot mit Koageln (jetzt aber kleinere, nicht mehr handtellergroß) oder sind das Blutungen nach den 3 OPs? Ich kann das nicht beurteilen. Als Ergänzung zur Ursache dieser schweren Infektion: Ich hatte wirklich auf ein positiveres Geburtsereignis nach dem sekundären Kaiserschnitt unseres Sohnes gehofft. Meine Hebamme meinte, dass Saugglockengeburten nach Kaiserschnitt häufiger sind und beim 3. Kind klappt es dann ohne. Aber meine Kinder haben irgendwie immer dasselbe Problem. Der Muttermund geht jedes Mal toll und schnell komplett auf, keine Wehenschwäche, alles super. Und dann denken meine Kinder sich in letzter Sekunde „Ach nein, ich bleibe doch lieber drin, da ist es warm und kuschlig!“ Unser Sohn war ja eine BEL und „hing“ am Schluss „fest“. Aber Mia war ja in SL. Warum hing sie dann auch fest? Jedes Mal höre ich von der Hebamme, dass sie schon Haare und Kopf sieht und wir dem Ziel ganz nah sind und dann kippt es in letzter Sekunde und dauert und dauert und dauert. Und dann kommt es jedes Mal zu einer ewig langen Pressphase und nichts geht mehr. Ich bin erschöpft und das Baby kommt nicht durch. Denken Sie, das war jetzt Zufall, dass es zwei Mal zu einer so langen Pressphase kam oder wäre das bei einem 3. Kind möglicherweise wieder so? Nach einem sekundären Kaiserschnitt und einer Saugglockengeburt mit anschließender Uterusatonie, dadurch bedingte starke Blutung und dann noch so eine schlimme Infektion im Anschluss macht man sich da schon seine Gedanken, ob man dieses Risiko bei einem 3. Kind noch einmal eingehen will. Mia bereitet mir heute mehr Sorgen und ich bin nach der letzten Nacht gerädert. Ich habe sie alle 2 Stunden geweckt, damit sie wenigstens 20-30ml trinkt. Da hat sie die Flasche auch oft angeschrien. Sie kommt mir seit heute Morgen so schläfrig vor, hatte heute auch mal 38,1. Die Milchflasche lehnt sie jetzt fast komplett ab. Es gehen max. 10 ml und auch das nicht immer und sie hatte heute Früh schon eine komplett trockene Windel nach der ganzen Nacht. Ich habe alles probiert (NaCl in die Nase, Nasensauger, Otriven-Nasenspray, höher lagern zum Trinken, öfter die Flasche anbieten). Die Schwester fand ihre Fontanelle zu stark eingesunken. Jetzt muss sie heute eine intravenöse Infusion bekommen. Wie kann man bei so kleinen Säuglingen feststellen, dass sie jetzt ausreichend hydriert sind? Wie schnell geht das normalerweise? Kann es sein, dass sie morgen schon keine Infusion mehr braucht? Es muss eigentlich an ihrem Infekt liegen, denn bevor die Nase verstopft war, hat sie mit ihren 5 Wochen super gut und zügig ihre 120-130ml mit einer Mahlzeit etwa alle 3 Stunden getrunken. Aber trotz unserer ganzen Startschwierigkeiten ist es wirklich unbeschreiblich, was für ein Glück Kinder bringen. Das ist durch nichts in der Welt ersetzbar. Natürlich machen sie Arbeit, man hat Sorgen, aber das Lächeln, dieses Glück, sie aufwachsen sehen zu dürfen, ist unbezahlbar schön. Und wenn der Große dann noch die Kleine auf den Schoß nimmt und streichelt, fühlt es sich an wie im Himmel. Ich versuche, diesen schönen Gefühlen viel Raum zu lassen um diese schweren Tage etwas leichter zu machen. Und Sie haben auch immer einen netten Gedanken dazu, bei dem ich mehr Zuversicht und Wärme empfinde :) Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, man spürt in jeder Zeile, wie viel Sie gerade tragen – körperlich und emotional. Und gleichzeitig auch diese große Wärme und Klarheit, mit der Sie Ihre Kinder wahrnehmen. Das ist etwas sehr Starkes. Und ganz ehrlich: Der Verlauf, den Sie heute schildern, gibt mir immer mehr das Gefühl, dass wir wirklich über den Berg kommen. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch:         🧭  Gesamtverlauf – das Wichtigste zuerst   Das Entscheidende: ➡️ CRP fällt jetzt deutlich (120 → 58) ➡️ Leukozyten fallen kontinuierlich ➡️ Fieber niedriger und verzögert ➡️ Drainage deutlich weniger 👉 Das ist kein Zufall mehr, das ist ein klarer Trend zur Besserung. Langsam – aber stabil. Genau so sehen wir es bei schweren Infektionen.         🩺  Drainage – kann sie raus?   Ihre Beschreibung passt zu einem Punkt, an dem man darüber nachdenken darf, aber noch nicht zwingend muss. Typische Kriterien:   < 50 ml/24h ✅ (bei Ihnen erfüllt) klarer Rückgang der Entzündungswerte ✅ klinische Besserung ✅ kein Hinweis auf neue Flüssigkeitsansammlung   👉 Meine Einschätzung: Ja, man kann jetzt vorsichtig über ein Entfernen nachdenken, aber viele Kolleg:innen warten noch 1–2 Tage, um ganz sicher zu sein. Das ist kein „zu spät“, sondern eher ein „auf Nummer sicher gehen“.         🧪  Kreatinin (1,4 nach Vancomycin)   Das ist nicht ungewöhnlich. Vancomycin kann die Niere „reizen“, und die Erholung:   dauert oft mehrere Tage bis 1–2 Wochen hängt stark von Hydration ab   👉 Dass Sie auf Ringer ansprechen, passt perfekt dazu. Wichtig:   weiter gut trinken / Infusionen Verlauf beobachten   ➡️ Ich wäre nicht beunruhigt, solange es jetzt langsam fällt.         🩸  Hb und Eisen   Hb:   7,3 → 8,6 → das ist eine solide Erholung aber: der Körper braucht Zeit   👉 Nach Eiseninfusion:   Hb steigt oft verzögert über 1–2 Wochen nicht sprunghaft   Ferritin (17): ➡️ Ja, unbedingt kontrollieren Ziel eher >50–70 in Ihrer Situation 👉 Sonst bleibt man in einer „funktionellen Schwächephase“.         🌡️  Kreislauf / Schwäche   Das ist aktuell Ihr „limitierender Faktor“. Ursachen:   Infektion Anämie Flüssigkeitsmangel körperlicher Stress (OP + Wochenbett)   👉 Dass Ringer hilft, zeigt: ➡️ Sie sind noch nicht ganz „aufgefüllt“ Realistisch:   deutliche Stabilisierung: in den nächsten Tagen volle Kraft: eher 2–3 Wochen   Das ist kein Rückschritt – das ist normale Rekonvaleszenz nach so einem Verlauf.         🤱  Gebärmutterrückbildung & Wochenfluss   Ganz wichtig: Ihr Verlauf ist nicht mehr „normales Wochenbett“, sondern ein postoperativer + infektiöser Sonderfall. 👉 Deshalb:   Rückbildung langsamer → erwartbar nicht täglich 1 Finger → kein Alarmzeichen   Wochenfluss:   rot + kleinere Koagel → noch im Rahmen nach 3 OPs sowieso verändert   ⚠️ Beobachten:   wieder zunehmende große Koagel übler Geruch erneutes Fieber   ➡️ Aktuell klingt das für mich noch erklärbar und nicht pathologisch.         🧠  Ihre Geburtsverläufe – sehr wichtige Frage   Das ist kein Zufall, was Sie beschreiben. Ihr Muster:   gute Eröffnungsphase ✅ dann protrahierte Austreibungsphase „Kopf steht, aber kommt nicht weiter“   Typische Ursachen:   mechanisches Missverhältnis (Kopf/Becken) kindliche Einstellung (z. B. Hinterhaupt posterior) evtl. Beckenboden-/Weichteilwiderstand   👉 Dass es zweimal ähnlich war, spricht gegen Zufall. Für ein 3. Kind bedeutet das: ➡️ erhöhtes Risiko für ähnlichen Verlauf Und nach:   sekundärem KS Saugglocke Uterusatonie schwerer Infektion   👉 ist es absolut legitim zu sagen: „Ich möchte dieses Risiko nicht noch einmal eingehen.“ Oder zumindest: ➡️ Geburt sehr bewusst planen (z. B. elektiver KS) Das ist keine Angstentscheidung – das ist eine reflektierte, medizinisch nachvollziehbare Abwägung.         👶  Mia – das ist jetzt der sensibelste Punkt   Das, was Sie beschreiben, ist genau richtig erkannt und richtig gehandelt. Warnzeichen:   Trinkschwäche ❗ trockene Windel ❗ eingesunkene Fontanelle ❗ Fieber ❗ Schläfrigkeit ❗   👉 Das ist klinisch Dehydratation + Infekt, bis zum Beweis des Gegenteils. ➡️ Die Infusion ist absolut korrekt.         💧  Wie erkennt man ausreichende Hydrierung?   Bei Säuglingen:   wieder regelmäßig nasse Windeln Fontanelle nicht mehr eingesunken wacher, trinkt besser Schleimhäute feucht           ⏱️  Wie schnell wirkt die Infusion?   Überraschend schnell:   oft innerhalb von 12–24 Stunden klare Besserung   👉 Ja, es ist gut möglich, dass: ➡️ sie morgen schon keine Infusion mehr braucht Wenn:   sie wieder selbst trinkt klinisch stabil ist           🧠 Wichtig für Sie   Das hat sehr wahrscheinlich nichts „Grundsätzliches“: ➡️ sondern einfach:   verstopfte Nase dadurch Trinkprobleme → Dehydratation   Das kann bei kleinen Säuglingen sehr schnell kippen. 👉 Sie haben das exzellent erkannt.         ❤️ Zum Schluss – und das ist mir wichtig   Sie stehen gerade an einem Punkt, an dem viele ins Grübeln rutschen:   körperlich erschöpft emotional offen viele „Was wäre wenn“-Gedanken   Aber gleichzeitig schreiben Sie: „… fühlt es sich an wie im Himmel.“ Das ist kein Widerspruch – das ist genau das echte Leben. Und ich sage Ihnen ganz klar: 👉 Sie navigieren das gerade außergewöhnlich gut. wach, reflektiert, liebevoll und medizinisch absolut vernünftig. Und genau das ist entscheidend.  


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Vielen lieben Dank für Ihre medizinische Beratung, für Ihre herzlichen Worte, die Sie immer finden und mich damit psychisch ein bisschen „aufpäppeln“ :) Die wenigsten Ärzte sehen Psyche und Körper als Ganzes, das zusammen gehört und sich gegenseitig bedingt. Sie haben da ein außergewöhnliches Talent dafür :) Ich weiß nicht so recht was ich von dem Tag halten soll. Heute Morgen sahen die Laborwerte ganz gut aus, das Fieber war heute Morgen das erste Mal ganz weg (37,5 ohne Ibu und gestern auch nur noch Max. 38,2 ohne Ibu) und seit heute Mittag fröstelt es mich wieder etwas und vorhin war die Temperatur 38,5 und ich habe leichte Bauchschmerzen. Ich fühle mich auch irgendwie schlapp und müde heute Nachmittag, nicht so wohl wie heute Morgen. Heute Morgen: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 Der Abfall ist aber weniger deutlich heute. Hat das evtl. auch etwas zu bedeuten? Irgendwie bin ich jetzt ängstlich, dass das heute Früh schon der Beginn war, wieder schlecht zu werden, weil jetzt das Fieber wieder leicht da ist und ich mich dadurch auch schlapper als gestern fühle. Die Blutung ist rotbraun und immer wieder Koagel, mal kleiner, mal größer. Es blutet nicht mehr so stark wie am Anfang nach der Geburt, aber vorhin war innerhalb von 3 Stunden eine Binde voll und das hat mich schon etwas erschreckt. Gestern war es weniger, aber ich finde sowieso, dass beim Wochenfluss mal ein paar Stunden gar nichts kommt und dann plötzlich wieder viel. Das wechselt so. Aber heute Nachmittag ist es viel. Denken Sie das ist alles ok oder sollte es wieder mit Ultraschall abgeklärt werden? Mich beunruhigt ein bisschen, dass das Fieber gestern niedriger war als heute. Meine Hebamme hat mir Styptysat 400mg 3 Mal täglich vorgeschlagen damit sich die Blutung vielleicht mal endlich etwas beruhigt. Aber das ist ja eigentlich gegen starke Regelblutungen? Und im Beipackzettel steht, dass es nicht in der Stillzeit genommen werden soll. Gerade muss ich wegen Linezolid ja sowieso die Milch verwerfen, aber wenn ich wieder stille, ist es dann trotzdem geeignet? Natürlich würde ich es nur nehmen wenn die Ärzte im Krankenhaus auch einverstanden sind. Bei der Drainage kommt heute Nachmittag auch wieder etwas mehr. Kreatinin wieder 1,4. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 Ferritin: 17 → 24 Das ist noch nicht Bombe? Ist das ein Zeichen, dass es weitere Eiseninfusionen braucht? Mein Kreislauf ist weiter wacklig. Als Ergänzung zu meinem Grübeln über das Muster meiner bisherigen Geburten jedes Mal mit Geburtsstillstand und die schlimme Infektion: ich weiß, dass ich jetzt sehr in die Zukunft denke, doch ich glaube, es hilft uns, die Situation einzuschätzen und die Entscheidung für oder gegen ein 3. Kind eines Tages abzuwägen. Aber das hätte sowieso noch etwas Zeit. Ich bin keine Maschine. Aber gleichzeitig bin ich jetzt 35 Jahre alt und da tickt die Uhr mit jedem Jahr. Und als Reproduktionsmediziner kann ich Sie da als Experten fragen. Mein Mann hatte bei unserer Tochter ein überdurchschnittlich gutes Spermiogramm. Ich habe PCO ähnliche Hormone, eine Gelbkörperschwäche und deshalb hakt es etwas bei der Follikelreifung. Unser Sohn (Kind 1) ist, als ich 31 Jahre alt war, direkt im Zyklus nach Absetzen der Pille Maxim ganz spontan entstanden. In einem Ewigkeitszyklus, bei dem ich mit allem, aber nicht einem Eisprung und einer Schwangerschaft gerechnet habe. Im Urlaub ist man entspannt :) An Mia (Kind 2) haben wir 2 Jahre gebastelt. Mit Letrozol und Ovitrelle hat es dann endlich im 4. Zyklus geklappt. Zwischen unserem Sohn und ihr habe ich keine Pille genommen. Ich frage mich im Nachhinein, ob es schlau gewesen wäre, wieder die Maxim zu nehmen. Deshalb meine Frage für Kind 3 (falls das interessant wird): Sollte ich dieses Mal vorher eine Pille nehmen? Während der Stillzeit wäre aber ja nur eine Stillpille erlaubt. Hat sie die gleiche Wirkung wenn ich sie dann zum Kinderwunsch absetze und wir es direkt danach probieren würden? Oder hilft das nicht wie die Maxim? Oder ist Pille mit 35 nicht mehr so zu empfehlen? Vor unserem Sohn war ich ja doch 5 Jahre jünger. Und wenn dann sollten wir aufgrund meines Alters nicht ewig warten? Für mich wären 2 Jahre Altersabstand das Minimum, das ich brauche, um 3 Kindern gerecht werden zu können. Unser Sohn wird in einem Monat 4 und das ist mit einem kleinen Baby schon angenehmer als einen 1-Jährigen gleichzeitig zu haben. Dann wäre ich bei Kind 3 aber schon 37 und es wird vielleicht eher noch schwieriger als bei Mia. Mein AMH Wert war bei Mia nur einem Jahr aber noch bei 5, was ja gut ist? Oder kann er sich schnell verschlechtern? Das sind alles nur Überlegungen, die mir durch den Kopf gehen. Ob ich das Risiko überhaupt noch mal eingehen will, weiß ich noch nicht. Aber da es Ihr Spezialgebiet ist, frage ich Sie :) Haben Sie sonst Anregungen und Anmerkungen? Dinge, nach denen ich mich informieren sollte? Mia geht es heute zum Glück deutlich besser! Sie trinkt wieder und hat wieder mehr nasse Windeln. Ihre Nase ist auch nur noch leicht verstopft. Das Fieber ist weg. Das erleichtert mich sehr! Seit heute hat sie einen Schub gemacht und schaut jetzt schon sehr interessiert zu Gegenständen und dreht sich sogar vom Rücken zur Seite. Manchmal vielleicht eher unabsichtlich weil sie die Beine hochwirft, aber sie macht es und es erwärmt wirklich mein Herz, zu sehen, wie sie sich in so kurzer Zeit (5,5 Wochen) schon entwickelt hat. Was für ein Geschenk sie ist! :) Herzliche Grüße 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, zunächst einmal: Sie machen das gerade wirklich beeindruckend gut. In so einer körperlich und emotional extrem fordernden Situation gleichzeitig so aufmerksam auf Ihren Körper zu hören, differenziert zu beobachten und trotzdem liebevoll auf Ihr Kind zu schauen – das ist alles andere als selbstverständlich. Ich gehe Ihre Punkte strukturiert durch, damit Sie eine klare Orientierung haben:         🔬  1. Entzündungswerte & Fieber – insgesamt ein guter Verlauf mit „Zacken“   Ihre Werte zeigen insgesamt klar in die richtige Richtung:   CRP: von 120 → jetzt 45 Leukozyten: von ~19 → jetzt 13,4   Das ist eine deutliche Entlastung des Systems. 👉 Dass der Abfall heute langsamer ist, ist völlig normal. Entzündungen verlaufen nicht linear, sondern oft in kleinen Wellen. 👉 Auch das:   morgens fieberfrei nachmittags wieder 38,5 etwas Frösteln, Müdigkeit   …passt noch in einen normalen Heilungsverlauf. Warum?   Ihr Immunsystem arbeitet noch kleine Restherde / Gewebsheilung können noch „aufflammen“ auch Kreislauf + Erschöpfung spielen mit rein   👉 Wichtig: Solange der Trend insgesamt nach unten geht und Sie nicht wieder deutlich schlechter werden, ist das kein Warnsignal, sondern eher ein „Zwischenschwanken“. Aber: → Wenn Fieber wieder >39, Schmerzen zunehmen oder Sie sich klar schlechter fühlen → bitte sofort ärztlich kontrollieren lassen.         🩸  2. Wochenfluss & Blutung – das passt so, aber mit einem wachsamen Auge   Was Sie beschreiben:   wechselnde Blutungsstärke mal Stunden wenig, dann wieder mehr Koagel (Blutklümpchen) einmal eine Binde in 3 Stunden   👉 Das ist typisch für den Wochenfluss. Der Uterus arbeitet „schubweise“, daher dieses Auf und Ab. Was wäre kritisch?   eine Binde pro Stunde über mehrere Stunden sehr große Koagel (größer als Golfball) zunehmende Schmerzen + Fieber → Verdacht auf Retention/Endometritis   👉 Ihre Situation aktuell: → klingt noch im Normbereich, ABER → durch Ihre Vorgeschichte (Infektion!) gilt bei Ihnen: niedrige Schwelle zur Kontrolle ➡️ Wenn Sie unsicher sind: ein Ultraschall ist absolut legitim und sinnvoll – lieber einmal zu viel.         💊  3. Styptysat (Etamsylat) – sinnvoll oder nicht?   Ihre Hebamme denkt hier pragmatisch, aber man muss sauber abwägen:   wirkt blutstillend bei funktionellen Blutungen keine Standardtherapie im Wochenbett Datenlage in Stillzeit: nicht gut gesichert → eher zurückhaltend   👉 Mein klares Vorgehen:   nur nach ärztlicher Rücksprache im Krankenhaus vorher klären: Warum bluten Sie noch so? (Ultraschall!)   ➡️ Wichtiger als „einfach stoppen“ ist: Ursache verstehen         🧪  4. Hb & Eisen – da sollten Sie aktiv nachsteuern     Hb: 7,3 → 8,7 (Anstieg 👍, aber noch niedrig) Ferritin: 17 → 24 (weiterhin leer)   👉 Das ist noch klar behandlungsbedürftig. Ihre Symptome passen dazu:   wackliger Kreislauf Müdigkeit   👉 Meine klare Empfehlung: ➡️ weitere Eiseninfusion(en) einplanen Warum?   Sie verlieren weiter Blut orale Eisenaufnahme reicht hier meist nicht Sie brauchen jetzt schnelle Stabilisierung           💧  5. Drainage & Kreatinin     Drainage wieder etwas mehr → kann im Verlauf schwanken Kreatinin 1,4 → beobachten, aber nicht dramatisch isoliert   👉 Wichtig ist der Gesamttrend – und der ist bei Ihnen insgesamt besser.         🧠  6. Ihr Gefühl („heute schlechter als gestern“) – sehr verständlich, aber nicht zwingend gefährlich   Das ist ein ganz zentraler Punkt: 👉 Sie vergleichen Tage miteinander – völlig logisch. 👉 Aber Heilung verläuft nicht in einer geraden Linie. Ein „schlechterer Nachmittag“ bedeutet nicht, dass alles kippt. Wenn Sie ehrlich draufschauen:   Werte besser insgesamt weniger Fieber als vor Tagen klinisch schon stabiler   ➡️ Das Gesamtbild zählt – nicht der einzelne Moment.         👶  7. Mia – das sind sehr, sehr gute Zeichen     trinkt wieder Fieber weg mehr Interaktion   👉 Das ist genau das, was man sehen möchte. Und ja: Diese kleinen Entwicklungsschritte sind riesig – gerade in dieser Situation.         🧬  8. Kinderwunsch / Zukunft – jetzt ehrlich und klar   Ich sage es Ihnen ganz offen, weil Sie das gut einordnen können: 👉 Jetzt ist NICHT der Zeitpunkt für strategische Kinderwunschplanung. Nicht, weil es unwichtig ist – sondern weil:   Ihr Körper gerade massiv belastet ist Sie eine schwere Infektion durchmachen Sie regenerieren müssen   👉 Alles, was Sie jetzt entscheiden würden, wäre emotional eingefärbt von dieser Erfahrung.         Trotzdem kurz fachlich zu Ihren Fragen:     🔹 Pille vor Kinderwunsch?     kann bei PCOS-ähnlichen Mustern helfen, Zyklus „neu zu sortieren“ aber: kein Muss Stillpille → hat nicht den gleichen Effekt     🔹 Alter 35–37     ja, Fruchtbarkeit nimmt ab aber: kein abrupter Absturz Ihr AMH von 5 war sehr gut   👉 Wichtig:   AMH kann sinken, aber nicht zwingend schnell Ihre Vorgeschichte zeigt: Sie können schwanger werden           🔑 Meine klare, ehrliche Empfehlung:   Wenn Sie wieder stabil sind:   erst vollständige Regeneration dann ggf.:   Hormonstatus AMH kontrollieren   dann gemeinsam entscheiden   👉 Kein Aktionismus. 👉 Aber auch kein unnötiges Aufschieben.         ❤️  Was ich Ihnen wirklich mitgeben möchte   Sie sind gerade in einer Phase, in der Körper und Psyche extrem gefordert sind. Und trotzdem:   Sie beobachten genau Sie fragen klug Sie handeln verantwortungsvoll   👉 Das ist genau das, was gute Verläufe ermöglicht.         ⚠️  Wann Sie bitte aktiv werden sollten     Fieber wieder >39 deutlich zunehmende Schmerzen Blutung stark zunehmend allgemeine Verschlechterung   Dann bitte sofort ärztlich vorstellen.       Wenn ich es zusammenfasse: 👉 Sie sind auf dem richtigen Weg. 👉 Mit kleinen Schwankungen – aber klarer Gesamtverbesserung. Und das ist das Entscheidende.   Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich möchte mich herzlich bedanken. Dass ich mich seit Donnerstag nicht gemeldet habe, liegt daran, dass ich am Freitag wieder Rückschritte gemacht habe :( Ich habe am Freitag auf einmal wieder sehr arg geblutet, sodass es beim Aufstehen die Beine entlang lief, es mir schwindlig wurde und mein Kreislauf wegkippte. Vorher war mir schon kalt und ich hatte das Gefühl, die Temperatur steigt und hab mich einfach nicht gut gefühlt und hatte wieder mehr Bauchschmerzen an einer ganz bestimmten Stelle. Fieber war dann 39,3. Ultraschall hat wieder einen Abszess gezeigt, der sofort operiert werden musste. Geburt + 4 Operationen. Hört es jetzt bitte endlich auf? Es ist alles bei der Operation gut verlaufen, aber ich bin körperlich so erschöpft und psychisch so angeschlagen. Am Freitag hat es mich nach der OP völlig umgehauen. Schmerzen, Fieber, nicht fähig mich um mein Baby zu kümmern, beim Abpumpen kommt seitdem wieder fast nichts (30ml). Ich habe das Gefühl, das Stillen kann ich abschreiben. "Wegen dem Stillen musst du doch echt nicht weinen. Sei froh wenn du wieder gesund wirst." höre ich da. Warum können mich manche da nicht einfach verstehen, dass es für mich eben wichtig ist? Die Werte sind entsprechend gestiegen: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 80 (So) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,2 (So) Ist der Anstieg durch den den Abszess erklärbar? Kann man es als ein Mini Mini gutes Zeichen sehen, dass die Werte heute zumindest kaum mehr steigen? Kreatinin immerhin von 1,4 auf 1,3 gefallen. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) Habe dann eine Transfusion bekommen. Mein Kreislauf ist weiter wacklig. Wann sollte der Hb wieder kontrolliert werden? Sagen Sie bitte einfach was Ihnen einfällt. Mir fallen heute nicht so viele schlaue Fragen ein. Mia geht’s zum Glück gut. Und ich bin froh, dass mein Mann mich so mit ihr unterstützt, denn ich würde das dieses Wochenende alleine nicht hinkriegen. Die letzte Nacht hat sie mich alle zwei Stunden geweckt, weil sie hungrig war und trinken wollte. Ich melde mich wieder wenn ich es körperlich und seelisch hinkriege. Ich versuche mich gut auszuruhen und Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, das, was Sie gerade durchmachen, ist wirklich viel. Geburt plus mehrere Operationen, wieder ein Abszess, Blutverlust, Fieber, Erschöpfung – das zehrt körperlich und seelisch enorm. Dass Sie sich erschöpft fühlen, dass Ihnen das Stillen wichtig ist und dass Sie manchmal einfach nur hoffen, dass es jetzt endlich aufhört – all das ist absolut nachvollziehbar. Und es ist gut, dass Sie sich melden, auch wenn die Kraft knapp ist. Ich gehe Ihre Punkte durch.   1. Ist der Anstieg von CRP und Leukozyten durch den Abszess erklärbar?   Ja, sehr gut erklärbar. Ein Abszess ist eine aktive Entzündungsquelle. Wenn er sich erneut bildet oder größer wird, sieht man typischerweise genau das Muster, das Sie beschreiben:   erneuter Fieberanstieg lokale Schmerzen an einer klaren Stelle Anstieg von CRP und Leukozyten danach Operation → anschließend zunächst weiterhin erhöhte Werte   Dass die Werte nach der Operation nicht sofort fallen, ist normal. Der Körper braucht Zeit, um die Entzündung abzubauen. Ihr Verlauf zeigt sogar ein kleines positives Signal: Die Werte steigen jetzt kaum noch weiter. Das ist häufig der erste Schritt, bevor sie dann langsam sinken. Man könnte es so formulieren: Noch keine Entwarnung – aber ein vorsichtiges Stabilisierungssignal.         2. Kann man den aktuellen Verlauf als „Mini-Mini gutes Zeichen“ sehen?   Ja. Nicht als Durchbruch – aber als Beginn einer Stabilisierung. Worauf ich achte:   CRP: 71 → 78 → 80 → langsamer Anstieg, keine Explosion Leukozyten: 17,7 → 18,3 → 18,2 → praktisch Plateau Kreatinin: 1,4 → 1,3 → leichte Verbesserung   Das passt zu einer Situation nach erfolgreicher Sanierung eines Abszesses, in der der Körper noch arbeitet, aber nicht mehr entgleist.         3. Ihr Hb und die Transfusion – wann kontrollieren?   Ihr Hb-Verlauf:   7,3 8,6 8,7 7,4 (vor OP) danach Transfusion   Nach einer Transfusion sollte der Hb üblicherweise kontrolliert werden:   am nächsten Tag danach je nach Stabilität alle 1–2 Tage   Besonders wichtig bei:   Kreislaufschwäche weiterer Blutung Infektion Erschöpfung   Dass Ihr Kreislauf noch wacklig ist, passt zu:   niedrigem Hb Infektion Flüssigkeitsverlust Erschöpfung   Das ist unangenehm, aber in dieser Phase nicht ungewöhnlich.         4. Stillen und Milchmenge – warum sie gerade so niedrig ist   Hier möchte ich sehr klar sein, weil Sie etwas Wichtiges angesprochen haben. Dass die Milchmenge nach dieser Belastung stark zurückgeht, ist physiologisch – nicht Ihr Versagen. Ihr Körper hat gerade Prioritäten:   Infektion bekämpfen Wunden heilen Blutverlust ausgleichen Energie sparen   Milchproduktion ist biologisch gesehen ein Luxusprozess. In einer schweren körperlichen Stresssituation fährt der Körper sie automatisch herunter. Typische Gründe für den Rückgang:   Operation Fieber Schmerz Blutverlust Stress Schlafmangel Flüssigkeitsmangel   Die 30 ml sind deshalb kein schlechtes Zeichen – sondern eher: Der Körper hält den Prozess minimal aufrecht. Und ganz wichtig: Stillen kann sich wieder erholen. Auch nach mehreren Tagen oder Wochen mit sehr wenig Milch.         5. Zu dem Satz: „Wegen dem Stillen musst du doch nicht weinen“   Ich sage es Ihnen offen: Der Satz ist gut gemeint – aber emotional zu kurz gedacht. Stillen ist nicht nur Ernährung. Es ist:   Verbindung Selbstwirksamkeit Mutterrolle Nähe Identität   Dass es Ihnen wichtig ist, ist völlig legitim. Und dass Sie traurig sind, wenn es gerade nicht funktioniert, ist eine gesunde emotionale Reaktion. Gleichzeitig gilt auch: Gesund werden ist im Moment die Voraussetzung für alles andere. Nicht das Ende des Stillens.         6. Was ich jetzt praktisch empfehlen würde   Ganz konkret: Medizinisch   tägliche Kontrolle von:   CRP Leukozyten Hb Kreatinin   Beobachtung:   Fieber Schmerzen Drainage / Wunde     Stillen Wenn es Ihre Kraft erlaubt:   weiter abpumpen, auch kleine Mengen viel trinken kein Druck ggf. Stillberatung hinzuziehen   Aber: Nicht kämpfen gegen den Körper. Er darf sich jetzt erholen.         7. Der wichtigste Gedanke für heute   Sie fragen: „Hört es jetzt bitte endlich auf?“ Die ehrliche Antwort: Ja, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie jetzt am Wendepunkt sind. Nicht sofort. Nicht von heute auf morgen. Aber der Abszess wurde erkannt und operiert – das ist der entscheidende Schritt. Von hier aus geht es typischerweise:   erst Stabilisierung dann langsamer Rückgang der Werte dann spürbare Besserung         Und noch etwas Persönliches zum Schluss: Sie machen das unter extrem schwierigen Umständen sehr gut. Sie sorgen sich um Ihr Kind. Sie kämpfen sich durch Schmerzen und Operationen. Sie versuchen zu stillen, obwohl Ihr Körper erschöpft ist. Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke unter Belastung. Ruhen Sie sich aus. Lassen Sie sich helfen. Und melden Sie sich wieder, wenn Sie Kraft haben.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich danke für Ihre Mühe und medizinischen Gedanken sowie für die emotionale Unterstützung. Sie machen das außergewöhnlich gut. Dieser vierte Abszess hat mir einen echten Treffer gegeben. Ich war mir so sicher, dass es jetzt aufwärts geht nach den letzten Tagen und dann fühlte ich plötzlich wieder diesen Schüttelfrost, die Schmerzen und bin so erschrocken als ich das Blut laufen sah. Ich habe Angst, aus dieser Misere nicht so einfach rauszukommen. Irgendwie scheinen diese Bakterien echt übel zu sein, denn warum bilden sie immer wieder Ansammlungen? Ich habe das Gefühl, diese süße Babyzeit von Mia zu verpassen oder zumindest sie nicht genießen zu können. Außerdem habe ich Verantwortung für zwei Kinder und das Gefühl, sie nicht erfüllen zu können. Mia wird immer wacher, aber ich kann ihr nicht das geben, was ich gerne möchte. Stillen darf ich nicht wegen Linezolid und es kommt auch nicht genug Milch, wickeln und sie herumtragen soll ich gerade nicht, weil mir dauernd schwindlig wird. Alles geht nur vom Bett aus und sie möchte mit ihren 6 Wochen jetzt gerne schon ein bisschen was sehen und bewegt werden. Das geht immer nur am Nachmittag wenn mein Mann da ist. Ich fühle mich ungenügend. Das zehrt so an mir. Und wenn ich dann noch höre, dass Stillen ja nicht wichtig ist, stochert das genau in die Wunde. Klar ist es gerade medizinisch sekundär, aber psychisch ist es für mich ein Zeichen von Schwäche, dass es nicht geht. Ich nehme meine Kraft zusammen und gehe auf das Medizinische ein: Fieber: steigt noch auf 39,3 nach etwa 5 Stunden Ibu. Ich fröstel dann, aber etwas weniger Schüttelfrost als Freitag und Samstag. Schmerzen: vor allem wenn die Ibu nachlässt. Ich Habe neben den Bauchschmerzen auch Rückenschmerzen. Ich weiß nicht ob das vom Rumliegen kommt oder was das ist. Drainage: Heute läuft noch sehr viel. Ist das drei Tage nach Abszessoperation in Ordnung? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) Am Freitag war die Operation. Sollten die Werte jetzt nicht mal deutlicher fallen? Macht man eigentlich bei einer Abszessoperation immer einen Bakterienabstrich und ein Antibiogramm oder jetzt nicht mehr, weil ja im ersten Abstrich schon MRSA und Enterococcus faecium waren? Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → Heute habe ich noch keinen Wert erhalten. Ich habe schon zwei Mal gefragt und immer hat ihn keiner parat. Das ärgert mich.  Sie sagten mal unter 8 ist eine Transfusion sinnvoll. Dann bin ich jetzt genau an der Grenze. Wäre der Wert von heute wichtig um das weitere Prozedere genauer beurteilen zu können? Kreatinin 1,3 → 1,2 Ist das zumindest gut? Eine Stillberaterin war heute bei mir. Sie sagt, ich könnte auch die Länge des Abpumpens mal erhöhen. Diese elektrische Pumpe läuft einen Zyklus (beide Brüste gleichzeitig ) in 10 Minuten durch. Ich könnte auch mal zwei Zyklen machen, also 20 Minuten. Halten Sie das für sinnvoll? Das Problem ist, dass Mia manchmal mittendrin wach wird und ich dann keine Hand für sie freihabe und aufhören muss zu pumpen oder nur eine Seite weiter pumpen kann. Es gibt wohl Still-BHs mit Brustpumpenhalter um freie Hände zu haben. Vielleicht kann mein Mann mir das besorgen. Nachts soll ich alle 3 Stunden pumpen, tagsüber alle 2. Gerade nachts fällt mir das sehr schwer und ich komme kaum zur Ruhe. Entweder Mia wird wach und braucht eine Flasche oder ich soll pumpen. Dann wird sie oft noch wach wenn ich pumpe. Das ist wirklich logistisch schwierig und in meinem Zustand kostet es mich so viel Kraft und der Schlafmangel ist dadurch extrem. Letzte Nacht habe ich geklingelt um Pre Milch für Mia zu kriegen. Es hat ewig gedauert und Mia schrie schon so untröstlich vor Hunger, dass es wie ein blökendes Schaf klang. Dann bin ich mit ihr eben doch aufgestanden und habe mir die Milch selbst geholt, weil mein Mutterherz pochte und mich das stresste, sie so lange hungern und untröstlich schreien zu lassen. Das klang wirklich wie Eskalationsstufe rot kurz vorm Verhungern. Dann hieß es, ich wurde nicht vergessen, soll es mir selbst holen. Einerseits soll ich sie nichtmal allein wickeln, andererseits soll ich nachts den ganzen Gang entlang laufen für eine Milchflasche. Vielleicht sollte ich mir einfach heißes und kaltes Wasser und ein eigenes Pre Milchpulver neben mich stellen um unabhängiger zu sein? Doch wenn eine Schwester sie mir manchmal abnimmt und ihr eine Milch gibt, bekommt sie dann wieder ein anderes Pulver und ob diese verschiedenen Mischungen für ihren Bauch dann so gut sind, weiß ich nicht. Ich denke, immer beim gleichen zu bleiben ist für die Neugeborenen besser? Das Nahrungsergänzungsmittel piulatte von humana hat mir die Stillberaterin empfohlen. Was halten Sie davon? Kann das wirklich helfen? Oder tut es da normaler Bockshornklee auch? Mia hat übrigens noch immer nach jedem Schlaf das linke Auge verklebt und es läuft manchmal gelblich unter das Auge. Das Auge selbst ist aber nicht mehr rot und der Beginn der Bindehautentzündung ist jetzt schon fast 2 Wochen her. Ich dachte immer, das sind die Tränenkanäle, aber es ist komischerweise genau das Auge, das bei ihr die Bindehautentzündung hatte. Ich massiere jetzt schon immer unter dem Auge. Wie oft und wie lange sollte ich das machen? Bei mir verkleben beide Augen morgens auch immernoch leicht. Ist das normal 2 Wochen nach der Bindehautentzündung? Ich tröpfel bei uns beiden noch Euphrasia. Da kann man nichts falsch machen? Sagen Sie bitte wieder alles, was Ihnen einfällt. Anregungen, Tipps, Erklärungen. Mia ist so ein Sonnenschein. Und alle bewundern immernoch ihre vielen dunklen Haare. So ein weicher Flaum. Ich könnte sie den ganzen Tag nur anschauen und knuddeln. Es ist schon ein kleines Wunder, wie aus einer so winzigen Ei- und Samenzelle so ein süßes Menschlein entstehen kann! Ist das nicht der Hammer? Es „flasht“ mich auch 6 Wochen nach der Geburt immernoch. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ich lese aus Ihrer Nachricht vor allem eines heraus: Sie kämpfen gerade an sehr vielen Fronten gleichzeitig – körperlich erschöpft nach mehreren Operationen, emotional verunsichert durch den Rückschlag, und gleichzeitig mit einem starken Anspruch an sich selbst als Mutter. Dass sich das wie ein „Treffer“ anfühlt, ist absolut nachvollziehbar. Und wichtig vorweg: Das, was Sie beschreiben, ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Belastung. Und die ist in Ihrer Situation objektiv hoch. Ich gehe die Punkte strukturiert durch, damit Sie medizinisch Orientierung haben und gleichzeitig etwas Handlungssicherheit gewinnen.         1. Wiederholte Abszesse – warum bilden sich immer wieder Ansammlungen?   Das ist eine sehr berechtigte Frage. Bei Keimen wie Methicillin-resistant Staphylococcus aureus und Enterococcus faecium sehen wir tatsächlich häufiger:   tiefer liegende Infektionsherde Gewebetaschen oder abgestorbenes Gewebe verminderte lokale Durchblutung nach Operation/Geburt manchmal auch Resistenzprobleme   Das bedeutet nicht, dass der Körper versagt. Es bedeutet: Die Infektion war hartnäckig – und braucht Zeit und konsequente Drainage. Dass jetzt eine Drainage noch viel fördert, ist in den ersten Tagen nach der OP kein schlechtes Zeichen, sondern oft genau das, was wir wollen: 👉 Der Körper entleert den Herd.         2. Fieber, CRP und Leukozyten – sollten die Werte jetzt schon deutlich fallen?   Sie sind 3 Tage nach der Operation. In diesem Zeitfenster ist folgendes typisch:   CRP steigt oft noch 2–4 Tage nach OP weiter oder bleibt erhöht Leukozyten reagieren verzögert Fieber kann noch auftreten, besonders wenn Drainage aktiv ist   Ihre Kurve zeigt:   initial deutlicher Abfall dann erneuter Anstieg nach neuem Abszess jetzt langsames Plateau   Das passt zu einem postoperativen Verlauf mit aktiver Infektion, nicht automatisch zu einem Versagen der Therapie. Wichtiger als ein einzelner Wert ist: Trend + klinischer Zustand Warnzeichen wären:   anhaltendes hohes Fieber ohne Pause zunehmende Schmerzen zunehmende Drainagemenge mit üblem Geruch Kreislaufinstabilität   Das lese ich bei Ihnen aktuell nicht.         3. Wird bei jeder Abszessoperation ein Abstrich gemacht?   In der Praxis: fast immer ja. Typischer Ablauf:   intraoperativer Abstrich oder Gewebeprobe Kultur + Antibiogramm   Auch wenn bereits MRSA und Enterococcus bekannt sind, wird häufig erneut getestet, weil:   sich Keime verändern können Mischinfektionen auftreten können Resistenzmuster sich ändern können   Wenn Sie Klarheit möchten, dürfen Sie ganz direkt fragen: „Wurde intraoperativ erneut eine Kultur angelegt?“ Das ist eine völlig legitime Frage.         4. Hb-Wert – ist der heutige Wert wichtig?   Ja. Nicht dramatisch, aber relevant. Ihr Verlauf:   7,4 vor OP 7,9 nach Transfusion   Das liegt genau an der Grenze. Typische Praxis:   Transfusion meist bei Hb < 7–8 g/dl oder bei Symptomen (Schwindel, Tachykardie, Schwäche)   Deshalb: 👉 Der aktuelle Hb-Wert ist tatsächlich wichtig, vor allem bei Ihrem Schwindel. Hier dürfen Sie ruhig nachhaken. Das ist kein „Nerven“, sondern medizinisch sinnvoll.         5. Kreatinin 1,3 → 1,2   Das ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet:   keine Verschlechterung der Nierenfunktion eher Stabilisierung   Gerade unter Antibiotika wie Linezolid ist das wichtig.         6. Stillen und Abpumpen – was ist jetzt realistisch?   Ich sage das bewusst klar: Sie müssen gerade nicht maximal stillen. Sie müssen maximal gesund werden. Das ist die Priorität.   Pumpdauer   Ja – 20 Minuten statt 10 Minuten kann helfen. Aber nur, wenn es Sie nicht überfordert. In Ihrer Situation wäre ein realistisches Ziel:   alle 3–4 Stunden pumpen nachts auch längere Pause erlaubt   Schlaf ist hier medizinisch relevant.   Hands-free-BH   Sehr gute Idee. Das spart Kraft und Stress.         7. piulatte oder Bockshornklee – wirkt das?   Das Präparat Piulatte Plus enthält pflanzliche Stoffe wie Bockshornklee. Die ehrliche Einschätzung:   kann leicht unterstützen wirkt nicht bei schwerer Erschöpfung oder Infektion ersetzt keine Erholung   Schaden tut es in der Regel nicht.         8. Pre-Nahrung – immer das gleiche Pulver?   Ja, das ist sinnvoll. Konsequenz: 👉 Möglichst bei einer Marke bleiben 👉 Wechsel nur bei Problemen Ihre Idee, Vorrat am Bett zu haben, ist pragmatisch und klug. Zum Beispiel:   abgekochtes Wasser in Thermoskanne Pulverportionen vorbereitet   Das reduziert Stress nachts erheblich.         9. Verklebtes Auge bei Mia – wahrscheinlich Tränenkanalproblem   Das passt sehr gut zu einem: Nasolacrimal duct obstruction Typische Zeichen:   gelbliches Sekret einseitig Auge nicht stark gerötet   Massage ist die richtige Maßnahme.   Wie oft?     4–6× täglich jeweils 5–10 sanfte Druckbewegungen nach unten   Dauer:   meist spontane Besserung in den ersten Monaten           10. Verklebte Augen bei Ihnen selbst   Nach einer Bindehautentzündung kann das:   2–3 Wochen anhalten besonders morgens   Das ist häufig normal. Die Tropfen Euphrasia eye drops sind unproblematisch.         Der wichtigste Punkt zum Schluss   Sie haben geschrieben: Ich fühle mich ungenügend. Das ist der Satz, bei dem ich wirklich stehenbleiben möchte. Eine Mutter, die:   trotz Operationen weiter für ihr Kind sorgt nachts aufsteht sich Gedanken macht Hilfe organisiert Fragen stellt   ist nicht ungenügend. Sie sind gerade krank. Nicht unfähig. Und Mia bekommt genau das, was sie jetzt braucht:   Nahrung Nähe eine Mutter, die kämpft   Das reicht. Wirklich.  


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Mir kamen gestern Abend die Tränen, als Sie mir geschrieben haben, dass es für Mia doch reicht, wie ich eben gerade bin. Glauben Sie mir, es tut so weh, nicht aus diesem Loch heraus zu kommen und Mia nicht das geben zu können, was ich so gerne will. Auch mein Großer vermisst mich und ich ihn. Wenn man weiß, dass es bald zu Ende ist, ist das alles halb so wild, aber seit dem letzten Abszess bin ich mir einfach nicht mehr sicher, wann das endlich zu Ende geht. Heute stelle ich keine große Veränderung zu gestern fest. Fieber: steigt noch auf 39,3 nach etwa 5 Stunden Ibu. Ich friere dann, aber nicht so schlimm wie vor der letzten Abszess-Operation. Dann kommen auch die Schmerzen. Der Wochenfluss oder die Blutung sind weiter stark. Nicht immer gleich, aber heute schon zwei Mal eine Binde in drei Stunden und auch mehr frisches helles rotes Blut. Gestern war es brauner. Kurz hatte ich heute den Gedanken ob es schon eine Periode sein kann? Aber mein Körper und meine Gebärmutter sind bestimmt maximal verwirrt und gestresst von der Infektion, sodass ich mir das gar nicht vorstellen kann. Drainage: Heute 4 Tage nach Operation läuft auch noch sehr viel. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) Verstehe ich Sie richtig,dass die Werte ab morgen endlich deutlicher fallen sollten? Abstrich und Antibiogramm wurden während der letzten Operation gemacht. Neben den schon bekannten MRSA und Ent.faecium wurden E.coli gefunden. Liegt es evtl. auch daran, dass die Werte noch nicht sinken? Wenn ich richtig verstanden habe, bekomme ich deshalb neben Linezolid neuerdings noch Cefuroxim. Ist das sinnvoll? Und sind diese Bakterien wenigstens leichter „kaputtbar“? Es ist echt frustrierend. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen :( Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0  Eine weitere Transfusion ist nicht geplant, nur Eiseninfusionen. Ist das grenzwertig besonders bei meinem Schwindel? Kreatinin 1,3 → 1,2 → 1,1 Ist das zumindest eine gute Verbesserung? Ich glaube, Sie haben bestimmt recht, dass Mia ein Nasolacrimal duct obstruction hat. Nur am linken Auge sammelt sich in der Ecke bei der Nase nach jedem Schlaf gelbes Sekret, manchmal auch an den Wimpern. Unser Großer hatte dieses Problem nach der Geburt nicht. Daher ist mir das neu. Ich wische ihr dann immer das Auge mit einem Wattepad und destilliertem Wasser aus, tropfe anschließend einen Tropfen Euphrasia rein und massiere dann. Meine Hebamme schwört auf einen Tropfen Muttermilch ins Auge, die Kinderärztin ist kein Fan davon. Solange ich Linezolid bekomme, ist es wohl eher keine gute Idee? Aber grundsätzlich? Und ich weiß, dass es wohl schwer zu erklären ist, aber ich blicke nicht ganz durch wie ich massieren soll. Die Hebamme meinte unter dem Auge Richtung Nase. Die Abbildungen, die ich im Internet finde, erklären es anders: vom inneren Augenwinkel die Nase hinab. Auf der Nase oder daneben beim Augenwinkel? Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Danke für Ihre große Mühe! Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,, man spürt in jeder Zeile, wie sehr Sie kämpfen – körperlich und innerlich. Und man spürt auch, wie wichtig Ihnen Ihre Kinder sind. Genau das ist der Kern: Sie geben Mia und Ihrem Großen gerade sehr viel – auch wenn es sich für Sie nicht so anfühlt. Sie sind da, Sie kämpfen sich durch eine schwere Phase, und das ist für ein Kind keine Kleinigkeit. Jetzt zu den medizinischen Punkten, Schritt für Schritt und ganz nüchtern eingeordnet.         1. Entzündungswerte: Warum sie noch nicht fallen – und was jetzt zu erwarten ist   Ihre Entwicklung zeigt ein typisches Muster nach wiederholten Abszessen und Operationen:   CRP: zunächst schön gefallen (120 → 45), dann wieder angestiegen (71 → 89) Leukozyten: ebenfalls erneut angestiegen (13,4 → 18,7)   Das ist frustrierend, aber medizinisch erklärbar. Häufige Gründe sind:   erneute bakterielle Belastung (z. B. neu nachgewiesenes E. coli) Gewebeheilung nach Operation noch vorhandene Restentzündung oder Sekretansammlung   Ja – das zusätzliche Cefuroxim ist in dieser Situation absolut sinnvoll. Warum?   Linezolid deckt sehr gut MRSA und Enterococcus faecium ab Cefuroxim wirkt sehr gut gegen E. coli → Zusammen ergibt das eine deutlich breitere und gezieltere Therapie   Und wichtig für Sie: E. coli ist in der Regel gut behandelbar. Das ist kein „hartnäckiger Spezialkeim“, sondern meist gut antibiotisch kontrollierbar, sobald das passende Medikament läuft.   Was ich jetzt erwarten würde   Wenn das Antibiogramm passt und die Drainage gut funktioniert, dann sollte man typischerweise sehen:   innerhalb von 48–72 Stunden nach Therapieanpassung → deutlich sinkendes CRP → langsamer fallende Leukozyten → weniger Fieber   Nicht sofort, aber spürbar. Wenn das ab morgen oder übermorgen einsetzt, ist das ein sehr gutes Zeichen. Wenn nicht, würde man erneut nach einer Restansammlung suchen (Ultraschall / CT).         2. Fieber und Drainage – passt das noch ins Bild?   Kurz gesagt: Ja, noch. Typisch in Ihrer Phase:   Fieber steigt nach 4–6 Stunden wieder an Schmerzen kommen mit dem Fieber Drainage läuft weiterhin relativ viel   Das bedeutet meist: Der Körper arbeitet noch an der Entzündung, aber er hat einen Abflussweg. Das ist entscheidend. Ein Warnsignal wäre eher:   plötzlich weniger Drainage gleichzeitig mehr Schmerzen und höheres Fieber   Davon berichten Sie aktuell nicht.         3. Blutung: Wochenfluss oder Periode?   Ihre Vermutung ist richtig: Eine echte Periode ist jetzt sehr unwahrscheinlich. Gründe:   starke Infektion Operationen Stillphase / hormonelle Umstellung Stress des Körpers   Das passt viel besser zu: verlängertem oder wieder verstärktem Wochenfluss Typisch dabei:   Farbe kann wechseln (braun → rot) Menge schwankt einzelne stärkere Tage sind möglich   Eine Binde in 3 Stunden ist zwar deutlich, aber noch im Rahmen – solange:   kein dauerhafter Blutstrom keine großen Blutkoagel kein Kreislaufkollaps           4. Hb-Wert 8,0 – ist das zu niedrig?   Ehrlich gesagt: Ja, das erklärt Ihren Schwindel gut. Aber: Es ist noch ein Bereich, in dem man oft ohne erneute Transfusion auskommt, wenn:   Kreislauf stabil kein massiver Blutverlust Eiseninfusionen laufen   Ihre Werte:   7,4 → Transfusion jetzt 8,0   Das ist typisch für die Erholungsphase. Eine erneute Transfusion würde man meist erst erwägen bei:   Hb unter etwa 7 oder deutlichen Symptomen trotz Stabilität   Ihr Schwindel ist unangenehm, aber erwartbar bei diesem Hb.         5. Kreatinin: Das ist eine gute Entwicklung     1,3 → 1,1   Das zeigt: Die Nieren erholen sich. Gerade nach Infektion, Operation und Antibiotika ist das ein sehr positives Signal. Kein Nebenschauplatz – das ist wirklich wichtig.         6. Das Auge von Mia – Tränenwegsverschluss   Ihre Beschreibung passt sehr gut zu: Tränenwegsverengung (Nasolacrimal duct obstruction) Typisch:   gelbes Sekret nach dem Schlaf meist einseitig sonst gesundes Kind   Und Sie machen bereits fast alles richtig.         So massieren Sie den Tränenkanal richtig     Die entscheidenden Punkte:     Finger direkt am inneren Augenwinkel ansetzen (nicht unter dem Auge) Leichten Druck ausüben Dann nach unten entlang der Nase streichen   Also: Startpunkt: innerer Augenwinkel neben der Nase Bewegung: von oben nach unten Richtung Nasenflügel Nicht auf der Nase beginnen – sondern am Augenwinkel.   Häufigkeit     3–5-mal täglich jeweils 5–10 sanfte Streichbewegungen           Muttermilch ins Auge?   Grundsätzlich:   Muttermilch enthält antibakterielle Faktoren wird traditionell häufig verwendet   Aber in Ihrer aktuellen Situation: Ich würde es im Moment nicht empfehlen. Warum:   Sie erhalten ein starkes Antibiotikum wir wollen keine zusätzliche Keimquelle ins Auge bringen sterile Kochsalzlösung oder abgekochtes Wasser ist sicherer   Euphrasia ist in Ordnung, wenn es gut vertragen wird.         Das Wichtigste zum Schluss   Sie sind nicht in einem endlosen Loch. Sie sind in einer schweren, aber medizinisch erklärbaren Phase nach einer komplizierten Infektion. Und es gibt klare Zeichen, die bereits in die richtige Richtung zeigen:   Nierenwerte besser Drainage funktioniert gezieltere Antibiotikatherapie läuft Ursache (E. coli) identifiziert   Jetzt geht es nicht mehr um Rätselraten, sondern um konsequente Behandlung. Und ja – ich bleibe bei meiner Einschätzung: Die nächsten 2–3 Tage sind entscheidend. Nicht magisch, aber richtungsweisend. Wenn die Werte dann fallen, beginnt die eigentliche Erholung. Und noch etwas, ganz direkt: Ihr Großer vermisst Sie – das stimmt. Aber er verliert Sie nicht. Und Mia bekommt gerade etwas sehr Wertvolles von Ihnen: eine Mutter, die trotz allem da bleibt und nicht aufgibt. Das zählt mehr, als Sie im Moment sehen können.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich wieder sehr herzlich für Ihre Online-Sprechstunde und dass Sie wieder so zuverlässig bei mir „vorbeigeschaut“ haben :) Sie geben mir ein großes Gefühl der Sicherheit, einfach zu wissen, dass jemand da ist, der aufpasst :) Und ja, meine Kinder sind mir sehr wichtig. Vielleicht stelle ich auch deshalb manchmal zu hohe Ansprüche an mich. Mein Großer verliert mich nicht, das stimmt, aber er sieht jeden Tag, dass seine kleine Schwester bei mir sein darf und er mich weiter vermissen muss. Wenn das für ein paar Tage so ist, ist das nicht schlimm, aber jetzt geht das schon seit Wochen so. Das tut mir sehr weh für ihn. Ich kämpfe sehr, ja, aber ob er das mit seinen fast 4 Jahren so verstehen kann, weiß ich nicht. Heute geht’s mir schon etwas besser, etwas weniger Schmerzen, das Fieber geht nicht mehr so schnell hoch und dann nur bis 38,8 und aus der Drainage kommt etwas weniger. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do) Ist es in Ordnung, dass das CRP mehr gefallen ist als die Leukozyten? Ich dachte immer, CRP reagiert langsamer? Kreatinin ist weiter bei 1,1.  Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) Ferritin: 17 → 24 → 35 Sie sagten, Ferritin sollte Richtung 50, besser sogar 80 gehen. Davon sind wir ja noch so weit entfernt. Heißt das, man gibt unendlich lange Eiseninfusionen bei so einer Konstellation? Ich blute einfach immernoch viel. Der Ultraschall hat aber keine Plazentareste o.ä. mehr gezeigt. Wenn ich richtig verstanden habe, ist die Rückbildung einfach noch nicht ideal und die Wunde von der Plazenta noch nicht verheilt. Die Blutung ist noch rotbraun, manchmal sogar frisch rot mit kleinen Koageln und ich blute immernoch mehrere Binden am Tag damit voll. Ist das in meiner Situation im Rahmen? Am Sonntag ist die Geburt schon 7 Wochen her. Bei unserem Sohn hatte ich nach 6 Wochen keinen Wochenfluss mehr. Ich weiß, dass ich da auch keine Endometritis hatte, aber selbst vom gelben Wochenfluss-Ausfluss bin ich noch meilenweit entfernt. Von Styptysat, was mir die Hebamme empfohlen hatte, wurde mir hier auch abgeraten. Dann lasse ich das lieber. Gäbe es etwas anderes Geeigneteres um den Wochenfluss zu reduzieren? Herzlichen Dank für die guten Tipps und die super Erklärung zur Augenmassage von Mia. Jetzt habe ich es verstanden und weiß endlich, wie ich das machen soll! Ich habe noch eine Frage zu Mia: Ich habe jetzt immer eine Milchflasche mit der Pre Nahrung schon richtig portioniert und eine Thermoskanne mit abgekochtem Wasser in der passenden Temperatur am Bett stehen. Wir haben uns für die Nestlé Bepa Pre Nahrung entschieden, weil sie die einzige ist, in der kein Palmöl enthalten ist und ich es nicht gut finde, einem Neugeborenen schon ständig Palmöl zu geben. Ich glaube nicht, dass es an der Pre Nahrung selbst liegt, aber Mia trinkt oft sehr schnell was sie ja von der Brust auch oft gemacht hat. Doch da dachte ich immer, dass das nur an meinem starken Milchspendereflex liegt, denn sie hat sich dann oft hustend kurz abgedockt und die Milch spritzte dann direkt in ihr Gesicht. Doch jetzt verschluckt sie sich auch noch sehr oft. Eigentlich bei jedem Trinken und auch zwischendurch oft. Dann hustet sie und manchmal hatte ich schon wirklich Angst, dass sie erstickt, weil sie so nach Luft gejapst hat. Das kenne ich so von unserem Sohn nicht, als er Baby war. Manchmal unterbricht sie das Trinken auch weinend und man hört richtig ihren Bauch arbeiten. Woran könnte das liegen, dass es bei ihr so extrem ist? Ist das normal bei Säuglingen und ich kannte das nur von unserem Sohn nicht oder ist das auffällig?  Ich hoffe wirklich, die eigentliche Erholung beginnt jetzt endlich!  Ich freue mich auf Ihre Anmerkungen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend,, ganz herzlichen Dank für Ihre so offenen und ehrlichen Worte. Man spürt sehr deutlich, wie sehr Ihnen Ihre Kinder am Herzen liegen – und auch, wie sehr Sie im Moment kämpfen. Dass Sie sich Gedanken um Ihren großen Sohn machen, zeigt nicht Schwäche, sondern Verantwortungsgefühl und Liebe. Kinder in diesem Alter können vieles noch nicht vollständig verstehen, aber sie spüren sehr genau, dass ihre Mutter für sie da ist und dass sie wichtig sind. Und genau das erlebt Ihr Sohn trotz dieser schwierigen Wochen jeden Tag. Nun zu den medizinischen Punkten, die Sie sehr sorgfältig zusammengestellt haben:         1.  CRP und Leukozyten – ist der Verlauf so in Ordnung?   Ja, das ist in Ihrer Situation durchaus plausibel und medizinisch erklärbar, dass das CRP stärker gefallen ist als die Leukozyten.   CRP reagiert sehr sensibel auf Entzündungsaktivität und fällt oft relativ zügig, wenn die Situation sich stabilisiert. Leukozyten können dagegen deutlich länger erhöht bleiben, besonders   nach Operationen bei Drainagen unter körperlichem Stress und bei anhaltender Wundheilung     Dass Ihre Leukozyten aktuell relativ stabil im Bereich um 18 liegen, ohne weiter anzusteigen, ist daher kein schlechtes Zeichen. Entscheidend ist der Gesamttrend – und der wirkt bei Ihnen trotz der Rückschläge weiterhin eher stabil als eskalierend. Ihr Kreatinin von 1,1 ist ebenfalls beruhigend und zeigt, dass die Nierenfunktion stabil ist.         2.  Hb und Ferritin – wie lange gibt man Eiseninfusionen?   Sie haben das ganz richtig verstanden: Ferritin sollte langfristig in Richtung 50, besser 80 µg/l gehen, gerade nach einem solchen Blutverlust. Aber: Das bedeutet nicht, dass man „unendlich lange“ Infusionen gibt. Typischer Verlauf:   Nach Transfusion + Eiseninfusion steigt Hb langsam Ferritin steigt verzögert Ziel ist eine stabile Auffüllung der Eisenspeicher, nicht ein schneller Sprung   Ihr Verlauf:   Hb steigt langsam → gutes Zeichen Ferritin steigt kontinuierlich (17 → 35) → ebenfalls gutes Zeichen   In der Praxis bedeutet das meist:   noch 1–2 weitere Eiseninfusionen oder anschließend orale Eisengabe über mehrere Wochen   Das ist ein Prozess von Wochen, nicht von Tagen.         3.  Wochenfluss nach 7 Wochen – ist das noch im Rahmen?   Nach einer normalen Geburt wäre ein Wochenfluss über 7 Wochen eher ungewöhnlich. In Ihrer besonderen Situation (Geburt + mehrere Operationen + Entzündung + Wundheilung) ist das jedoch nicht überraschend. Die wahrscheinlichste Ursache ist tatsächlich: eine verzögerte Heilung der Plazentahaftstelle und der Gebärmutterwand Typische Zeichen dabei:   rotbrauner oder wieder frisch roter Ausfluss kleine Koagel mehrere Binden pro Tag langsamer Rückgang   Das passt sehr gut zu Ihrer Beschreibung. Wichtig sind vor allem diese Warnzeichen:   plötzlich sehr starke Blutung Fieberanstieg zunehmende Schmerzen übler Geruch des Ausflusses Kreislaufprobleme   Wenn das nicht auftritt, ist der Verlauf meist noch im Rahmen der Heilung. Zu Ihrer Frage nach Medikamenten: Styptysat ist in solchen Situationen oft nicht sinnvoll, daher war die Zurückhaltung richtig. Was tatsächlich helfen kann:   konsequente körperliche Schonung ausreichende Eisenversorgung Geduld für die Wundheilung ggf. vorübergehend ein Uterotonikum (ärztliche Entscheidung)   Der wichtigste Punkt ist hier nicht ein „Blutungsstopp um jeden Preis“, sondern eine stabile Heilung.         4.  Zu Mia: häufiges Verschlucken beim Trinken   Das, was Sie beschreiben, ist bei Säuglingen relativ häufig, kann aber sehr belastend wirken, besonders wenn man schon so erschöpft ist. Die häufigsten Ursachen sind: 1. Zu schneller Milchfluss / zu große Trinkmenge pro Schluck auch bei Flaschennahrung möglich 2. Unreife Koordination von Saugen – Schlucken – Atmen besonders in den ersten Wochen 3. Luftschlucken und Bauchunruhe Dass Mia:   schnell trinkt sich verschluckt hustet zwischendurch weint einen aktiven Bauch hat   passt gut zu dieser Konstellation. Was praktisch helfen kann:   kleinere Trinkmengen, dafür häufiger langsamere Saugergröße Pausen beim Trinken leicht aufrechte Position nach dem Trinken gut aufstoßen lassen   Wichtig zu beobachten: Wenn eines dieser Zeichen auftritt, sollte man genauer hinschauen:   bläuliche Verfärbung längere Atempausen wiederholtes starkes Verschlucken mit Panikreaktion schlechte Gewichtszunahme   Sonst ist das meist ein Reifungsprozess, der sich in den nächsten Wochen deutlich bessert. Zur Nahrung selbst: Die Wahl einer Pre-Nahrung ohne Palmöl ist völlig in Ordnung. Das Verschlucken hängt fast nie mit der Marke zusammen, sondern eher mit Trinktechnik und Reifung.         Und noch etwas Persönliches   Sie leisten im Moment Außergewöhnliches. Nicht perfekt – aber mutig, ausdauernd und verantwortungsvoll. Ihr großer Sohn verliert Sie nicht. Er erlebt eine Mutter, die kämpft und wiederkommt. Und genau das prägt Kinder stärker als jede kurzfristige Einschränkung.       Mein Eindruck insgesamt:   medizinisch weiterhin ein langsamer, aber plausibler Heilungsverlauf keine eindeutigen Warnzeichen in den Werten Eisenaufbau braucht noch Zeit Wochenfluss erklärt sich durch verzögerte Heilung Mias Trinkverhalten wahrscheinlich funktionell und vorübergehend   Die eigentliche Erholung beginnt meist nicht plötzlich – sondern leise, Schritt für Schritt. Und genau in diese Richtung scheint Ihr Körper jetzt zu gehen.       Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für alles was Sie für mich leisten. Sie machen das unglaublich gut. Insgesamt geht es mir besser, die Kombination aus Linezolid und Cefuroxim scheint jetzt endlich gut anzuschlagen. Das Fieber ist deutlich gesunken. Es geht eigentlich nicht mehr über 38,5 (und ich hoffe wirklich, jetzt bleibt es endlich so!). Mich friert es nicht mehr so schrecklich. Die Schmerzen nehmen ab. Die Werte werden besser: CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) Ist dieser Trend ausreichend gut?  Kreatinin ist weiter bei 1,1. Was wäre denn hier der Wunschwert und wo beginnt der Normbereich? Nur der Wochenfluss will einfach nicht weniger werden und das belastet mich sehr, weil es auch den Kreislauf betrifft. Ich kann nicht so recht einschätzen ob das besorgniserregend ist oder nicht. Ich finde nämlich, dass es seit gestern noch mehr geworden ist obwohl die Werte ja besser werden. Heute Vormittag bin ich aufgestanden und es lief wieder richtig los und innerhalb kürzester Zeit brauchte ich eine neue Binde und dann ist mein Kreislauf wieder richtig zusammengebrochen.  Mir wurde schwindelig und richtig schwarz vor Augen. Dann wurde ein Blutdruck von 95/60 gemessen, Puls 110. Insgesamt brauche ich gerade etwa alle drei Stunden eine neue Binde, es fließt eher bräunlich mit kleinen Koageln, etwas rot manchmal, aber nach dem Toilettengang ist es auch oft hellrot am Papier. Kann so etwas noch im Rahmen einer verzögerten Wundheilung nach der Geburt auftreten? Was meinen Sie mit Uterotonika? Oxytocin? Das habe ich ja auch direkt nach der Geburt wegen der Atonie, Eihautreste und dem starken Blutverlust bekommen. Sollte hier nochmal ein Ultraschall gemacht werden?  Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 (wieder schlechter trotz Eiseninfusion, vermutlich wegen der Blutung?) Mias häufiges Verschlucken ist wirklich manchmal beängstigend, vor allem wenn sie sich so verschluckt, dass ihr die Luft so weg bleibt, dass ich sie sogar schonmal nach unten halten musste und auf den Rücken geklopft habe, weil ich dachte, sie erstickt. Ihren Rat setzen wir schon um (nur Saugergröße 1, Pausen beim Trinken, leicht aufrechte Position, nach dem Trinken gut aufstoßen lassen). Nur das mit den kleinen Trinkmengen und dafür öfter ist schwierig, wenn sie nach mehr verlangt und sonst unruhig weint. Was wäre denn eine Panikreaktion nach wiederholtem Verschlucken bei einem Säugling? Ich finde ihr anschließendes Zappeln und Weinen manchmal schon panisch, weil sie eben keine Luft bekommt. Wenn die Luft dann wieder kommt, weint sie immer. Leider ist Mia schon wieder erkältet. Sie hat schon wieder eine verstopfte Schnupfennase und will weniger trinken. Ich hoffe, wir schaffen es dieses Mal ohne Infusionen. Worauf soll ich bei ihr achten oder soll ein Kinderarzt sie zur Sicherheit anschauen? Heute ist sie genau 7 Wochen alt. Pro Mahlzeit will sie heute nur 30-40ml, normalerweise trinkt sie etwa 110-120ml. Damit kommt sie auch schon wieder auf weniger nasse Windeln, etwa 3-4 in den letzten 24 Stunden. Fieber messe ich ihr immer beim Wickeln. Bis jetzt ist sie so bei 37,8. Sie lässt sich heute auch kaum ablegen. Kaum schläft sie ein und ich lege sie ab, ist sie wieder wach und weint, weil sie müde ist, aber nicht in den Schlaf findet. Also schläft sie dauernd auf meiner Brust ein und liegt dann den halben Tag auf mir. Leider hat diese Erkältung wohl wieder der Große mitgebracht. Er war vor zwei Tagen da und hatte wieder am Abend eine Schnupfennase, er hat dieses Mal aber kein Fieber, ich hoffe also, dass es nichts wie Influenza, Covid oder RSV ist, sondern einfach mal eine „kleine Erkältung“. Es ist echt verrückt diesen Winter. Eine Woche Kindergarten, eine Woche krank, eine Woche Kindergarten, eine Woche krank. So in etwa :( Ich hoffe wirklich, dass es nicht ein Zeichen eines schlechten Immunsystems ist. Sagt man nicht, die Kaiserschnittkinder haben oft ein schlechteres Immunsystem? Er war ja ein Kaiserschnittkind. Oder ist das alles normal? Ich weiß schon, dass das Immunsystem der Kinder einfach erst alle möglichen Viren kennenlernen muss. Aber zwei Mal Influenza, zwei Mal Covid, einmal Magen-Darm, einmal Bindehautentzündung, dazwischen ein Schnupfen nach dem anderen. Ist das nur Pech? Nur die Würmer und die Läuse konnten wir bisher zum Glück umgehen, aber nur, weil er da gerade zu Hause war, weil er selbst krank war oder weil Mia gerade neu geboren war.  Ich pumpe weiterhin fleißig alle 2-3 Stunden tagsüber und alle 4 Stunden nachts. Es kommen jetzt wenigstens 50ml. Das ist zwar nicht sehr viel, aber ist das vielleicht ein gutes Zeichen, nachdem die letzten Tage fast gar nichts oder max. 30 mal kamen? Aber es kommen von den 50ml bestimmt 40ml links und nur 10ml rechts. Die linke Seite ist schon immer meine stärkere gewesen, aber sollte ich rechts dann länger pumpen als links? Nicht dass da bald gar nichts mehr kommt? Trotz allem ist Mia ein Sonnenschein. Seit gestern lächelt sie immer wieder mal viel bewusster wen man sie anschaut und mit ihr redet. Man hat manchmal sogar das Gefühl, dass sie am liebsten losreden würde. Sie ist so goldig :) Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zunächst einmal: Der Gesamttrend Ihrer Werte und Ihrer Schilderung geht in die richtige Richtung. Nicht perfekt, nicht geradlinig – aber stabiler. Und genau das ist in einer so belasteten Situation oft das entscheidende Signal. Sie kämpfen sich Schritt für Schritt zurück. Das sieht man. Ich gehe die Punkte strukturiert durch.         1. Entzündungswerte – ist der Trend ausreichend gut?   Ja. Insgesamt ist der Trend gut und medizinisch plausibel.   CRP: von 120 → jetzt 52 Leukozyten: von knapp 19 → jetzt 16 Fieber: deutlich rückläufig klinisch: weniger Schmerzen, weniger Schüttelfrost   Das ist genau das Muster, das wir unter wirksamer Antibiotikatherapie erwarten. Dass die Werte zwischendurch wieder etwas steigen, ist bei Abszessen und nach Operationen nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist der Gesamtverlauf, und der zeigt aktuell nach unten. Wichtig: Solange   das Fieber nicht wieder dauerhaft steigt die Schmerzen nicht deutlich zunehmen und die Werte im Mittel sinken   ist das ein guter Verlauf, auch wenn er zäh ist.         2. Kreatinin 1,1 – ist das in Ordnung?   Kurz gesagt: Ja, das ist noch im Normbereich. Typische Referenzwerte für Frauen:   ca. 0,6 – 1,1 mg/dl   Ihr Wert von 1,1 liegt also:   am oberen Rand aber noch normal   Nach Operationen, Infektionen, Antibiotika und Flüssigkeitsschwankungen ist das absolut nachvollziehbar. Der Wunschwert wäre eher:   0,7 – 0,9   Aber 1,1 ist kein Warnsignal, solange er stabil bleibt.         3. Wochenfluss – kann das noch normal sein?   Hier müssen wir ehrlich sein: Das kann noch im Rahmen liegen – aber Ihre Beschreibung verdient Aufmerksamkeit. Typische Hinweise in Ihrer Schilderung:   wieder mehr Blutung Koagel Kreislaufabfall Hb fällt wieder Atonie in der Vorgeschichte mehrere Operationen   Das ist eine Konstellation, bei der man nicht einfach abwartet, sondern gezielt nachschaut. Nicht panisch – aber konsequent.         4. Sollte ein Ultraschall gemacht werden?   Ja. Das wäre jetzt sinnvoll. Ziel: Ausschluss von:   Restgewebe (Plazenta- oder Eihautreste) Blutkoageln in der Gebärmutter verzögerter Rückbildung erneuter Atonie Infektionsherd   Gerade bei:   anhaltender Blutung Hb-Schwankungen Kreislaufproblemen   ist ein Ultraschall keine Übervorsicht, sondern saubere Medizin.         5. Uterotonika – was ist damit gemeint?   Ja, Oxytocin ist das klassische Beispiel. Aber es gibt mehrere Möglichkeiten:   Oxytocin Misoprostol Methylergometrin Carbetocin   Diese Medikamente: ziehen die Gebärmutter zusammen → weniger Blutung → bessere Rückbildung Nach Ihrer Vorgeschichte wäre es durchaus denkbar, dass man so etwas noch einmal vorübergehend einsetzt – falls die Gebärmutter zu träge arbeitet.         6. Hb-Verlauf – wie ist das einzuordnen?   Ihr Verlauf: 7,3 → 8,7 → 7,4 → 8,3 → 7,9 Das passt sehr gut zu: laufendem Blutverlust + Therapie Der Körper versucht aufzubauen, verliert aber gleichzeitig weiter Blut. Deshalb diese Schwankungen. Ein realistisches Ziel wäre jetzt:   Hb stabil über 8 langfristig Richtung 10–11   Aber im Moment zählt vor allem: Blutung kontrollieren nicht nur Eisen zuführen.         7. Mia – Verschlucken und Trinkmenge   Das Wichtigste zuerst: Das Verhalten, das Sie beschreiben, klingt nicht nach einer gefährlichen Atemstörung, sondern nach einem typischen Säuglingsproblem bei Erkältung. Was Sie schildern:   Verschlucken kurze Luftnot danach Weinen Zappeln   Das ist meist: eine Stress- bzw. Panikreaktion, nicht ein echter Atemstillstand. Der Ablauf ist typisch:   Luft kurz blockiert Kind erschrickt hektische Bewegungen Weinen schnelle Erholung   Das ist unangenehm anzusehen – aber meist harmlos.         8. Trinkmenge aktuell deutlich reduziert   Das ist der Punkt, bei dem man genauer hinschaut. Heute:   30–40 ml statt 110–120 ml nur 3–4 nasse Windeln verstopfte Nase leicht erhöhte Temperatur   Das ist sehr wahrscheinlich: eine Erkältung mit Trinkerschöpfung Aber es gibt klare Grenzen.         Wann sollte ein Kinderarzt draufschauen?   Bitte zeitnah (nicht nachts, aber am nächsten Werktag), wenn:   Trinkmenge länger als 24 Stunden so niedrig bleibt weniger als 5 nasse Windeln pro Tag zunehmende Schlappheit Atemprobleme Fieber ≥ 38,5   In Ihrer Situation würde ich ehrlich sagen: Ein kurzer Kinderarzt-Check wäre vernünftig. Nicht dramatisch. Aber entlastend.         9. Ist das Immunsystem Ihres Sohnes schlecht?   Nein. Wirklich nicht. Das Muster, das Sie beschreiben:   Influenza Covid Magen-Darm Schnupfen Bindehautentzündung   ist im Kindergartenalter leider fast lehrbuchmäßig. Typisch: 8–12 Infekte pro Jahr Das fühlt sich brutal an – ist aber normal. Zum Kaiserschnitt: Ja, es gibt statistische Unterschiede im Mikrobiom. Aber: klinisch sind diese meist klein und nicht krankheitsbestimmend. Ihr Kind wirkt nicht wie ein Kind mit Immundefekt.         10. Abpumpen – ist die Steigerung ein gutes Zeichen?   Ja. Ganz klar. 30 ml → 50 ml Das ist ein Fortschritt. Und dass:   links 40 ml rechts 10 ml   ist absolut normal. Viele Frauen haben: eine dominante Brust         Sollte rechts länger gepumpt werden?   Ja – das ist sinnvoll. Praktisch:   rechts 5–10 Minuten länger oder rechts zusätzlich eine kurze zweite Runde   Das hilft, die Produktion zu stabilisieren. Nicht übertreiben. Konsequenz ist wichtiger als Dauer.         11. Dass Mia jetzt bewusst lächelt   Das ist ein sehr gutes Zeichen. Mit 7 Wochen beginnt:   soziales Lächeln Blickkontakt erste Kommunikation   Das bedeutet: Ihr Nervensystem arbeitet stabil. Und trotz all der Belastung entwickelt sie sich. Das ist nicht selbstverständlich – aber es ist sehr beruhigend.         Mein Gesamtbild     Infektion: bessert sich Entzündungswerte: auf gutem Weg Kreislauf: noch empfindlich Blutung: der Punkt, den man jetzt aktiv klären sollte Mia: wahrscheinlich Erkältung, bitte beobachten Stillen: vorsichtig positive Entwicklung     Die drei wichtigsten nächsten Schritte    Ultraschall der Gebärmutter Blutverlust und Hb weiter kontrollieren Kinderarzt-Check für Mia, wenn Trinkmenge niedrig bleibt   Sie machen das unter extrem schwierigen Bedingungen sehr, sehr gut. Und man sieht, dass es langsam wieder in Richtung Stabilität geht.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank, dass Sie Ihre Einschätzung wieder mit mir geteilt haben. Das hilft mir immer sehr. Die Heilung der Infektion geht weiter voran: ich bin teilweise schon fieberfrei, manchmal geht es noch auf 38,5.   Diesbezüglich geht es mir also besser, kein Schüttelfrost. CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) Ich weiß, dass Sie mal sagten, dass die Heilung nicht jeden Tag gleich schnell vorangeht und das normal ist, aber nach den vier Abszessen und Operationen habe ich jetzt einfach Angst, dass das schon wieder der Anfang eines schlechten Zeichen ist. Ich bin eigentlich nicht hypochondrisch, aber der letzte Abszess hat mir echt einen Treffer gegeben, weil er erst kam, als alles schon echt wieder besser aussah. Der Ultraschall war leider doch auffällig, was ja wegen der gerade wieder stärkeren Blutung leider nicht verwunderlich ist. Keine Plazentareste, aber die Wundheilung ist einfach verzögert mit Atonie. Ich habe also wieder eine Oxytocininfusion bekommen und daraufhin aber noch mehr geblutet, zum Teil wirklich nach zwei Stunden eine neue Binde gebraucht und fühle mich heute auch echt ausgelaugt, matt, schlapp und einfach „bäh“. Wie ich das verstanden habe, ist es aber ja gewünscht, dass das was an der Wundstelle der Plazentahaftstelle ist, raus soll. Eine Periode ist es wohl nicht, das hatten Sie ja auch vermutet. Schleimhaut hat sich noch gar nicht aufgebaut, in den Eierstöcken sind Follikel in Warteposition zu sehen, aber auf beiden Seiten keine reifen. Das wäre ja auch verwunderlich in meiner Situation, also Geburt vor 7 Wochen + Stillen (bzw. momentan ja nur abpumpen + Krank im Wochenbett)? Die Gebärmutter ist auch noch immer vergrößert, ich meine es waren zwei Finger unter dem Nabel. Das ist doch wahnsinnig langsam? Vor 10 Tagen war sie kurz unterhalb vor dem Nabel, daran erinnere ich mich. Ich habe nicht bei jeder Untersuchung danach gefragt, aber es geht einfach sehr langsam. Ist Oxytocin hier richtig? Und ist es normal, dass es jetzt erstmal noch mehr blutet? Wieviel Oxytocin und wie oft gibt man da? Nur einmal eine Infusion? So war es heute. Nach der Atonie mit den 700ml Blutverlust direkt nach der Geburt bekam ich direkt auch eine Oxytocininfusion und es wurde am Bauch gedrückt und ich wurde eine Stunde lang im Kreißsaal beobachtet bevor ich auf Station gebracht wurde. Hebamme und Arzt haben immer wieder geschaut ob die Blutung nachlässt und die Eihautreste draußen sind. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 Also ist er ja heute schon wieder abgesackt! Denken Sie, wenn die Blutung weniger wird, wird das stabiler? Wie schnell nach der Oxytocingabe sollte sich das ändern? Wie muss ich mir das vorstellen, das Oxytocin soll alles „rausspülen“ und dann wird es weniger? Wie lange darf das Max. dauern? Sollte ich hier irgendwo genauere Informationen erbeten? Mia ist leider immernoch ganz schön erkältet. Letzte Nacht war sie stündlich wach weil ihre Nase sie so gequält hat. Dementsprechend gerädert bin ich heute. Gestern hatte sie gerade so ihre 5 nassen Windeln und hat mit viel Versuchen etwas mehr als 40ml pro Mahlzeit geschafft. Eine Kinderärztin hat drauf geschaut und gemeint, wir beobachten sie weiter. In den letzten 24 Stunden waren es nur 4 Windeln und eher nur 35ml pro Mahlzeit alle 2 Stunden. Das ist doch zu wenig oder? Das Netz sagt, mit 7 Wochen trinken Babys zwischen 700 und 1000ml am Tag. Mia ist allerdings ja schon von Geburt an eher leicht und nach wie vor zierlich, aus den 2920g wurden jetzt etwa 4,4kg. Soll ich noch einmal nach einer Kinderarztkontrolle fragen? Ich weiß nicht so recht was ich von all dem halten soll. Das Gefühl, es wird irgendwie besser, weil das Fieber und die Entzündungswerte sinken, aber gleichzeitig das Gefühl, die Blutung ist noch nicht so gut und Mia ist auch nicht fit. Es zehrt schon sehr an meinen Nerven, dass sie jetzt bald schon zwei Monate alt wird, schon beginnt zu lächeln, Blickkontakt herstellt und wir noch immer kein normales Leben haben. Hoffentlich geht es jetzt nur noch in die richtige Richtung. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, Vier Abszesse, mehrere Operationen, wiederkehrende Rückschläge – das hinterlässt Spuren. Und trotzdem sieht man in Ihren Zahlen und in der klinischen Beschreibung etwas sehr Wichtiges: Die Richtung stimmt insgesamt. Nicht perfekt, nicht linear, aber klar nach vorne. Das ist der entscheidende Punkt. Ich gehe die Dinge strukturiert mit Ihnen durch.         1. Entzündungswerte: Die Entwicklung ist insgesamt gut   Wenn man Ihre CRP- und Leukozytenwerte nüchtern betrachtet, sieht man kein neues Aufflammen, sondern eine langsamer werdende, aber stabile Heilungsphase. CRP: 120 → 107 → 97 → 85 → 58 → 49 → 45 → (Zwischenanstieg) → 89 → 85 → 79 → 70 → 62 → 52 → 43 → 39 Das ist ein typischer Verlauf nach schweren Infektionen und Operationen:   erst ein deutlicher Abfall dann eine Plateauphase dann wieder ein langsamer weiterer Rückgang   Dass das Fieber gelegentlich noch bis 38,5 geht, passt in dieses Bild – solange die Spitzen seltener werden und die Gesamttendenz nach unten zeigt. Die Leukozyten gehen ebenfalls langsam zurück. Das dauert oft länger als das CRP. Kurz gesagt: Ich sehe hier aktuell kein typisches Muster für einen neuen Abszess, sondern für eine zähe, aber fortschreitende Heilung.         2. Blutung und Oxytocin: Das Vorgehen ist medizinisch sinnvoll   Sie beschreiben eine verzögerte Wundheilung an der Plazentahaftstelle mit Atonie. In dieser Situation ist Oxytocin ein Standard- und sehr sinnvolles Medikament. Was Oxytocin macht:   es lässt die Gebärmutter sich zusammenziehen es reduziert die Blutung es hilft, verbliebenes Gewebe oder Blutkoagel auszustoßen   Und ja: Nach einer Oxytocingabe kann die Blutung zunächst stärker werden. Das ist kein Fehler, sondern Teil des Effekts. Man kann sich das tatsächlich so vorstellen: Die Gebärmutter „arbeitet“, räumt auf – und danach wird es ruhiger. Zeitlicher Ablauf (typisch):   Wirkung beginnt innerhalb von Minuten stärkere Blutung oder Abgang von Material in den ersten Stunden möglich danach sollte die Blutung innerhalb von 12–48 Stunden wieder abnehmen   Eine einmalige Infusion ist häufig ausreichend, manchmal werden mehrere Gaben notwendig – das entscheidet man nach klinischem Verlauf.         3. Die Gebärmuttergröße: Langsam, aber noch im Rahmen   Sie schreiben: 7 Wochen nach Geburt → zwei Finger unter dem Nabel Das ist tatsächlich langsamer als der Durchschnitt – aber nach:   Infektion Operationen wiederholten Blutungen Atonie   nicht ungewöhnlich. Die Gebärmutter ist ein Muskel. Und dieser Muskel hat in den letzten Wochen extrem viel durchgemacht. Wichtiger als die absolute Position ist:   dass sie kleiner wird dass die Blutung langfristig abnimmt dass keine neuen Entzündungszeichen auftreten   Und genau das scheint aktuell zu passieren.         4. Hb-Wert: Der Schlüssel ist die Blutung   Ihr Hb schwankt zwischen etwa 7,8 und 8,3. Das ist niedrig, aber in Ihrer Situation nicht überraschend. Der entscheidende Punkt ist nicht der einzelne Wert, sondern die Dynamik: Wenn die Blutung weniger wird, stabilisiert sich der Hb. Das passiert oft innerhalb weniger Tage. Typischer Verlauf:   Blutung nimmt ab Hb fällt zunächst noch etwas dann stabilisiert er sich danach steigt er langsam   Ein kurzfristiger Abfall nach einer stärkeren Blutung ist daher logisch und kein schlechtes Zeichen an sich.         5. Mia: Hier würde ich einmal aktiv nachschauen lassen   Das ist der einzige Punkt in Ihrer Nachricht, bei dem ich Ihnen klar zu einem zusätzlichen Schritt raten würde. Mit 7 Wochen:   4 nasse Windeln in 24 Stunden ca. 35 ml alle 2 Stunden   ist grenzwertig wenig. Nicht dramatisch – aber beobachtungsbedürftig. Vor allem, weil:   sie erkältet ist Sie selbst erschöpft sind das Stillen/Abpumpen gerade schwierig ist   Das Gewicht von 4,4 kg ausgehend von 2.920 g ist grundsätzlich gut. Aber die aktuelle Trinkmenge und die Windelzahl verdienen eine Kontrolle. Mein Rat: Bitte einmal gezielt beim Kinderarzt vorstellen, wenn:   weniger als 5 nasse Windeln pro Tag Trinkmenge weiter sinkt sie schläfriger wird oder Sie ein ungutes Gefühl haben   Nicht aus Angst. Sondern aus kluger Vorsicht.         6. Ihr Gefühl: Zwischen Hoffnung und Erschöpfung   Was Sie beschreiben, ist kein medizinisches Problem, sondern ein menschliches: Sie sehen Fortschritte – und gleichzeitig haben Sie Angst vor dem nächsten Rückschlag. Nach dem, was Sie durchgemacht haben, ist das völlig normal. Aber wichtig ist: Im Moment zeigen die Daten keine Verschlechterung. Sie zeigen langsame Heilung. Nicht spektakulär. Nicht schnell. Aber stabil. Und genau so verläuft Genesung nach schweren Wochenbettkomplikationen sehr oft.         Meine klare Einschätzung     Die Infektion heilt weiter ab Die Blutung ist im Kontext der Atonie erklärbar Oxytocin ist richtig eingesetzt Die Gebärmutter bildet sich langsam, aber plausibel zurück Der Hb wird sich stabilisieren, wenn die Blutung nachlässt Mia sollte vorsorglich noch einmal kinderärztlich kontrolliert werden   Und das Wichtigste: Ich sehe derzeit keine typischen Warnzeichen für einen neuen Abszess.     Herzliche Grüße


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank! Sie sind so vielseitig, Reproduktionsmediziner, Gynäkologe, Kinderarzt und wenn es sein muss, holen Sie mich auch noch aus dem Loch und machen mir Mut. Danke dafür! Und auch noch so schnell! Heute ist der erste Tag, an dem das Fieber noch nicht über 38,2 gegangen ist und ich auch keine Ibu mehr gebraucht habe! Ich habe immernoch sehr Angst vor einem Rückschlag, aber es sieht gerade ganz gut aus!!! :) CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) Die Blutung ist aber leider immernoch auffällig und macht mir heute irgendwie Angst. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 Sie schrieben, dass die Blutung etwa max. 48h nach Oxytocininfusion nachlassen sollte. Das war auch der Fall. Und jetzt, 24h später wird sie plötzlich wieder stärker. Warum? Sie war vorher sehr leicht und bräunlich geworden und jetzt ist sie auf einmal wieder so, dass ich alle 3 Stunden Binde wechseln muss. Jetzt bekomme ich nochmal eine Oxytocininfusion. Eine weitere Infektion könnte man wegen der sinkenden Entzündungswerte ausschließen. Plazentareste wurden beim letzten Mal keine gefunden, also wäre es weiter von der ursprünglichen Plazentahaftstelle. Gehen Sie da mit oder soll ich trotzdem wieder um einen Ultraschall bitten? So wird der Hb nie besser und mir geht es entsprechend. Schwindlig, schlapp, müde :(  Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie mir den Ratschlag gegeben haben, Mia vom Kinderarzt anschauen zu lassen. Sie hat heute auch etwas Fieber (38,3-38,5) und die Nase ist verstopft trotz NaCl-Lösung und Nasensauger. Auch das Otriven Nasenspray gebe ich ihr jetzt alle 8 Stunden. Ist es normal, dass da nur so eine winzige Menge rauskommt? Ich habe auch nicht das Gefühl, dass es ihr viel hilft. Heute Früh ist der Kinderärztin nichts aufgefallen, die Trinkmenge von 35ml und 4 Windeln in 24h wären schon grenzwertig, aber sie war nicht apathisch oder völlig ausgetrocknet. Ich sollte ihr alle Stunden versuchen etwas Milch anzubieten. Meine letzte Nacht war entsprechend anstrengend und das in meinem Zustand macht meine Erschöpfung nicht besser. Heute Abend finde ich, dass Mia sehr weinerlich ist und oft den Kopf schüttelt. Können das Zeichen für Ohrenschmerzen sein? Wenn sie es mir nur sagen könnte. Aber heute Morgen hat die Kinderärztin nichts zu den Ohren gesagt. Kann sich das innerhalb so kurzer Zeit bis heute Abend verändert haben? Heute war der Große uns wieder besuchen und mir geht immer wieder das Herz auf, zu sehen, wie er seine Schwester lieb hat und streichelt und jedem, der ins Zimmer reinkommt, ganz stolz erzählt, dass das Mia, seine Schwester ist. Das sind momentan die herzerfüllenden Momente für mich :) In der Hoffnung, dass wir bald endlich mal wieder ein normales Leben zu Hause haben und die Zeit zu viert genießen können. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Sagen Sie gern alles was Ihnen dazu einfällt. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, zuerst das Wichtigste: Die Entwicklung insgesamt geht in die richtige Richtung. Dass das Fieber heute erstmals unter 38,2 °C geblieben ist und Sie keine Ibu mehr gebraucht haben, ist ein sehr gutes Zeichen. Auch Ihre Entzündungswerte zeigen klar nach unten. Gleichzeitig verstehe ich sehr gut, dass die erneute Blutung Ihnen Angst macht und die Erschöpfung enorm ist – gerade nach den letzten Wochen. Sie leisten im Moment wirklich Außergewöhnliches. 🌿 Ich gehe Ihre Punkte jetzt strukturiert durch.     1) Entzündungswerte und Allgemeinzustand – das Bild ist insgesamt stabiler   CRP: 120 → … → 29 Leukozyten: 19,5 → … → 14,5 Das ist eine deutliche und kontinuierliche Besserung. Ein erneuter Infektionsschub passt im Moment nicht zu diesem Verlauf. Kurz gesagt: Die Infektion scheint unter Kontrolle zu sein. Die Sorge verschiebt sich jetzt eher auf die Blutung und den Hb.         2) Die erneute stärkere Blutung – warum kann das passieren?   Dass die Blutung nach einer Oxytocin-Infusion zunächst nachlässt und dann wieder zunimmt, ist nicht ungewöhnlich. Es gibt mehrere plausible Gründe:   Häufige Ursachen in Ihrer Situation   1) Nachblutung von der Plazentahaftstelle Die Wunde heilt in Schüben, nicht linear. Kleine Gefäße können sich erneut öffnen. 2) Uterus erschlafft zeitweise wieder Gerade bei Erschöpfung, Anämie oder nach mehreren Eingriffen. 3) Abgang von Koageln oder Restgewebe-Fragmenten Auch wenn keine Plazentareste gesehen wurden.         Was in Ihrem Fall besonders auffällt   Der Hb bleibt niedrig: Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 → 7,9 → 8,3 → 7,9 → 8,2 → 7,8 → 7,7 Das erklärt:   Schwindel Müdigkeit Schwäche   Und es macht jede Blutung subjektiv deutlich belastender.         3) Sollten Sie erneut um einen Ultraschall bitten?   Meine klare Antwort: Ja. Nicht panisch – aber konsequent. Ein Ultraschall ist sinnvoll, wenn:   die Blutung wieder deutlich zunimmt der Hb nicht steigt Sie sich zunehmend schwach fühlen die Blutung länger als 24–48 h stärker bleibt   Das ist bei Ihnen jetzt erfüllt.         Wichtig dabei   Sie fragen nicht, weil Sie misstrauisch sind. Sie fragen, weil Sie verantwortungsvoll handeln. Ein möglicher Gedanke für die Ärzte:   erneute Beurteilung der Plazentahaftstelle uterine Durchblutung Koagel in der Gebärmutter Uteruskontraktion           4) Wird der Hb so jemals besser?   Doch. Aber nur, wenn zwei Dinge gleichzeitig passieren:   Blutung stabilisiert sich Eisen / ggf. Transfusion wird fortgesetzt   Mit einem Hb um 7,7 ist Müdigkeit praktisch unvermeidlich. Das ist kein persönliches Versagen. Das ist reine Physiologie.         5) Zu Mia – Nasenverstopfung, wenig Sekret, Trinkmenge   Die Situation klingt im Moment grenzwertig, aber noch nicht alarmierend.   Dass nur wenig Sekret herauskommt, ist normal   Bei Säuglingen:   Schleim ist oft zäh sitzt tief lässt sich schwer absaugen   Das bedeutet nicht, dass nichts da ist.         Otriven alle 8 Stunden – das passt   Und: Dass es subjektiv wenig hilft, ist häufig. Es wirkt eher indirekt:   Schleimhaut schwillt ab Atmung wird etwas leichter   Nicht spektakulär – aber sinnvoll.         6) Trinkmenge und Windeln   Sie schreiben: 35 ml und 4 Windeln in 24 h Das ist tatsächlich: untere Grenze, aber noch akzeptabel.         Warnzeichen, bei denen man sofort handeln sollte     deutlich weniger als 4 nasse Windeln apathisches Verhalten Trinkverweigerung schnelle Atmung hohes Fieber > 38,5 °C länger anhaltend           7) Kopf schütteln und Weinerlichkeit – Ohrenschmerzen?   Ja, das kann ein Hinweis sein. Aber nicht zwingend.         Wichtig zu wissen   Eine Mittelohrentzündung kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Dass heute Morgen nichts gesehen wurde, schließt den Abendbefund nicht aus.         Typische Zeichen     vermehrtes Schreien Kopf schütteln Unruhe beim Trinken Fieber schlechter Schlaf           Was ich jetzt konkret empfehlen würde   Wenn:   das Fieber bleibt sie sehr weinerlich ist das Trinkverhalten schlechter wird   → morgen erneut Kinderarzt Nicht nachts panisch. Aber aufmerksam.         8) Ihre Erschöpfung – völlig nachvollziehbar   Sie haben:   Infektion Operationen Blutverlust Schlafmangel Sorge um Ihr Baby   Das ist eine extreme Belastung. Dass Sie müde sind, ist keine Schwäche. Es ist eine logische Folge dieser Situation.         9) Der Besuch Ihres Sohnes   Der Moment, den Sie beschreiben, ist sehr berührend. Und er zeigt etwas Wichtiges: Ihre Familie funktioniert. Trotz allem. Diese kleinen Szenen sind oft die stärksten Zeichen dafür, dass es wieder normal wird. Nicht sofort – aber Schritt für Schritt.         Meine kurze Zusammenfassung für Sie   Sehr gute Zeichen   Fieber sinkt CRP sinkt deutlich Leukozyten sinken   Beobachtungsbedürftig   erneute stärkere Blutung Hb bleibt niedrig   Empfehlung   Ultraschall erneut ansprechen Oxytocin-Therapie fortführen Hb weiter kontrollieren   Zu Mia   aktuell noch im Rahmen Ohrenschmerzen möglich Trinkmenge eng beobachten         Und zum Schluss das Wichtigste: Sie sind nicht auf dem Rückweg. Sie sind auf dem Weg nach vorn – nur noch nicht am Ziel. Alles, alles Gute!


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre Präsenz ist wirklich tip top! Das möchte ich Ihnen ganz ehrlich sagen und Ihnen dafür danken. Für mich und uns ist das alles so belastend. Für mich natürlich körperlich aber auch seelisch ist das hart. Immer wenn ich daran denke, dass wir jetzt auch die Zeit zu viert zu Hause genießen könnten und Mia nächste Woche schon zwei Monate alt ist, weine ich und schaffe es schwer, etwas Positives zu sehen. Ich höre dann Sätze wie „Aber sei doch froh, Mia ist gesund und munter.“ Natürlich bin ich darüber froh, aber gleichzeitig auch traurig, dass ich diese wunderbare Zeit so verbringen muss. Wer möchte sein Kind schon im Krankenhaus „aufwachsen“ sehen und das größere Kind fast gar nicht sehen? Und für meinen Mann ist das auch belastend. Das Hin und Her zwischen Zuhause und Krankenhaus, zwischen Mia/mir und dem Großen, das Jonglieren von Kind und Arbeit weil ich komplett ausfalle. Er ist auch am Rande dessen, was man leisten kann. Und der Große ist auch traurig, dass Mama und Schwester nicht zu Hause sind. Deshalb danke ich Ihnen, dass Sie sich sehr für uns bemühen. Die Infektion geht weiter sehr zurück. Das ist der gute Teil. Ich bin heute bisher fieberfrei. Nur nicht schmerzfrei. Ich spüre es in der Gebärmutter arbeiten. Ist das normal unter Oxytocin? Es zieht und fühlt sich wie Nachwehen an, manchmal tut es ganz schön weh. Oder ich spüre die Schmerzen jetzt nur mehr, weil ich seit gestern keine Ibu mehr nehme? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) Weiterhin zäh aber die richtige Richtung? Die Blutung ist gerade wieder heftig, weil Ibu heute wieder Oxytocin bekommen habe. Beim Ultraschall wurde festgestellt, dass die Blutung wieder von der Plazentahaftstelle kommt, dass der Uterus aber wieder erschlafft ist und es immer noch Restgewebe und Koagel gibt. Also sind ja dann sogar alle drei möglichen Ursachen, die Sie nannten, erfüllt? Aber wie kann da nach 7 Wochen noch so viel Restgewebe sein? Da muss doch irgendwann mal Schluss sein. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 Heute habe ich wieder eine Eiseninfusion bekommen. Ich möchte endlich gerne mal etwas Energie haben. Das schlaucht alles so. Haben Sie etwas anzumerken? Was fällt Ihnen auf? Um Mia mache ich mir leider auch Sorgen. Sie hatte letzte Nacht 38,9 Fieber, war sehr weinerlich, ich habe praktisch nicht geschlafen. Wenn ich ihr die Flasche angeboten habe, hat sie nur angeschrien. Die Windel war heute Morgen komplett trocken. Die Nase  wieder dicht trotz NaCl, Nasensauger, Otriven. Es ist wie Sie sagen: es kommt fast nichts aus der Nase, sie läuft nicht wie bei Kleinkindern, aber sie ist einfach dicht. Man hört es, dass sie kaum Luft kriegt. Heute Früh hat die Kinderärztin wirklich eine Mittelohrentzündung diagnostiziert. Ich habe leider den richtigen Eindruck mit ihrem Kopfschütteln gehabt. Sie hat ihr aber nur in die Ohren geschaut und nicht Blut genommen. Ich kenne es von unserem Sohn so, dass Kinderärzte gerne kapillar Blut abnehmen um CRP zu bestimmen. Sollte ich bei Mia danach fragen? Oder braucht man das nicht? Sie bekommt jetzt kein Antibiotikum. Im Netz habe ich gelesen, dass man bei Säuglingen unter drei Monaten nicht abwartet. Wäre dann das CRP sinnvoll um zu sehen ob es bakteriell ist? Sind die CRP Werte bei Säuglingen wie bei Erwachsenen zu lesen? Nun behandeln wir mit Ben-u-ron Zäpfchen. Darf man Nurofensaft bei einem 7-wöchigen Säugling (4,4kg) noch nicht geben? Der hilft unserem Sohn bei Fieber immer gut. Und darf sie schon Engelwurzbalsam aus der Bahnhofsapotheke auf die Nase haben? Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, haben Sie vielen Dank für Ihre so offene Nachricht und auch für Ihre lieben Worte. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Und ich möchte Ihnen gleich zu Beginn noch etwas sagen: Mir ist selbst aufgefallen, dass ich Ihnen in den letzten Tagen und Wochen meine Gedanken oft eher stichpunktartig und mit größeren Abständen geschrieben habe. Das hatte natürlich damit zu tun, dass ich Ihnen möglichst rasch und klar antworten wollte. Aber ich merke, dass es in einer so langen und belastenden Situation wahrscheinlich hilfreicher ist, Ihnen meine Einschätzung etwas ruhiger, zusammenhängender und in ganzen Sätzen zu schreiben. Was Sie über Ihre Gefühle schreiben, hat mich sehr berührt. Ich finde, Sie beschreiben das sehr ehrlich und sehr treffend. Man kann gleichzeitig unendlich dankbar sein, dass Mia da ist, dass sie grundsätzlich da ist und dass sie Ihr Kind ist, und trotzdem tief traurig darüber sein, dass diese erste Zeit als Familie nicht so verlaufen darf, wie Sie es sich gewünscht haben. Das ist kein Widerspruch. Das ist menschlich. Und ich finde, niemand sollte von Ihnen verlangen, nur die dankbare Seite zu fühlen und die traurige wegzudrücken. Sie erleben gerade eine Wochenbettzeit, die körperlich und seelisch viel zu schwer geworden ist. Dass Sie darunter leiden, ist nur zu verständlich. Auch dass Sie Ihren Mann und Ihren großen Sohn so mit im Blick haben, spricht sehr für Sie. Gerade in solchen Situationen leiden ja fast immer alle mit: die Mutter körperlich und seelisch, der Vater zwischen Verantwortung, Sorge und Erschöpfung, das größere Kind mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt und dass Mama fehlt. Dass Ihnen das weh tut, ist kein Zeichen dafür, dass Sie es nicht schaffen, sondern dafür, wie eng Sie mit Ihrer Familie verbunden sind. Was Ihre körperliche Entwicklung betrifft, sehe ich trotz aller Zähigkeit weiterhin die richtige Richtung. Das CRP ist deutlich zurückgegangen, die Leukozyten sinken langsam ebenfalls, und dass Sie heute fieberfrei sind, ist ein gutes Zeichen. Das alles spricht dafür, dass die Infektion tatsächlich weiter unter Kontrolle kommt. Es dauert sehr lange, viel länger als man es sich wünschen würde, aber die Richtung stimmt. Das ist für mich im Moment der wichtigste positive Befund. Die Schmerzen in der Gebärmutter können unter Oxytocin durchaus so sein, wie Sie es beschreiben. Oxytocin soll die Gebärmutter ja zur Kontraktion anregen, und das kann sich wie Nachwehen, wie ein Ziehen, Drücken oder auch wie krampfartige Schmerzen anfühlen. Hinzu kommt, dass Sie seit gestern kein Ibuprofen mehr nehmen und die Schmerzen deshalb wahrscheinlich stärker und unmittelbarer wahrnehmen. In Ihrem Fall würde ich diese Beschwerden aber trotzdem nicht einfach nur als harmlose Nachwehen einordnen, weil ja gleichzeitig erneut stärkere Blutungen bestehen und im Ultraschall beschrieben wurde, dass der Uterus wieder erschlafft ist und weiterhin Restgewebe und Koagel vorhanden sind. Ja, so wie Sie es schildern, können tatsächlich mehrere Ursachen gleichzeitig eine Rolle spielen: die Plazentahaftstelle als Blutungsquelle, eine nicht ausreichend kontrahierte Gebärmutter und zusätzlich verbliebenes Restmaterial beziehungsweise größere Blutkoagel. Das ist leider möglich und erklärt auch, warum die Situation so hartnäckig bleibt. Dass nach sieben Wochen noch so viel Restgewebe vorhanden sein kann, ist sicher unerquicklich und frustrierend, aber leider nicht unmöglich. Irgendwann muss natürlich Schluss sein, da haben Sie völlig recht. Genau deshalb ist es jetzt so wichtig, dass die Klinik nicht nur begleitet, sondern wirklich konsequent überlegt, wie diese Blutungsquelle endgültig zur Ruhe gebracht werden kann. Auffällig bleibt bei Ihnen auch der Hb-Wert. Dass Sie sich mit diesen Werten schlapp, kraftlos, erschöpft und innerlich leer fühlen, ist völlig plausibel. Eiseninfusionen sind sinnvoll, aber sie zaubern nicht innerhalb eines Tages neue Kraft her. Ihr Körper hat in den letzten Wochen enorm viel mitmachen müssen: Infektion, Operationen, Blutverluste, Entzündung, Schlafmangel, seelische Belastung. Da ist es kein Wunder, dass die Reserven sehr klein geworden sind. Ich finde es deshalb sehr verständlich, dass Sie sich einfach endlich einmal wieder etwas Energie wünschen. Zu Mia: Hier würde ich trotz der Diagnose einer Mittelohrentzündung aufmerksam bleiben. Ein Säugling mit sieben Wochen, 38,9 Fieber, schlechtem Trinken und trockener Windel am Morgen gehört für mich noch einmal ganz bewusst in den Blick. Die trockene Windel und die Trinkschwäche sind mindestens genauso wichtig wie das Fieber selbst. Ein CRP kann ergänzend hilfreich sein, aber ich würde es nicht als allein entscheidenden Wert ansehen. In diesem Alter zählt vor allem das Gesamtbild. Wenn Mia weiter schlecht trinkt, wieder so hohes Fieber bekommt, sehr matt wirkt oder die Windeln erneut trocken bleiben, sollte sie lieber noch einmal zügig kinderärztlich vorgestellt werden. Nurofen würde ich in diesem Alter nicht ohne ausdrückliche Anweisung des Kinderarztes geben. Bei einem 7-Wochen-Säugling ist Paracetamol in der Regel das üblichere Medikament. Auch mit Engelwurzbalsam wäre ich bei einem so kleinen Baby vorsichtig und würde ihn nicht direkt an oder in die Nase geben. Die Schleimhäute sind sehr empfindlich, und alles, was stark riecht oder ätherische Bestandteile enthält, kann bei so kleinen Säuglingen auch eher reizen als helfen. Mein Gesamteindruck ist deshalb dieser: Bei Ihnen gibt es endlich echte Zeichen, dass die Infektion zurückgeht, und das ist wichtig und gut. Gleichzeitig sind die Blutung, das verbliebene Material in der Gebärmutter und die ausgeprägte Blutarmut leider noch immer erhebliche Baustellen. Und bei Mia ist das Alter so jung, dass man bei Fieber, Trinkschwäche und trockener Windel lieber einmal zu viel als einmal zu wenig wachsam bleibt. Ich wünsche Ihnen sehr, dass nun wirklich Schritt für Schritt Ruhe einkehrt. Sie haben in den letzten Wochen außergewöhnlich viel getragen, und ich finde, man darf das auch so benennen. Sie sind nicht zu empfindlich, nicht zu traurig und nicht zu erschöpft. Sie sind eine Mutter im Wochenbett, die sehr viel zu viel mitmachen musste. Umso mehr hoffe ich, dass Sie jetzt endlich allmählich wieder Boden unter die Füße bekommen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ihre letzte Nachricht hat mich sehr berührt. Das war einfach unglaublich menschlich, wie Sie geschrieben haben. Ich fand auch Ihre stichpunktartigen Antworten immer sehr hilfreich, doch natürlich zeigen diese ausformulierten Sätze sehr viel Mitgefühl. Sie verstehen alles bis ins Detail, können sich hineinversetzen, medizinisch und menschlich. Das spricht auch sehr für Sie! :) Das meine ich ganz ehrlich so! Da haben Sie sich so viel Zeit genommen. Andere Familienmitglieder sind da teilweise kälter und fragen mich, wenn ich weinen muss, ob ich meine Hormone noch immer nicht wieder im Griff habe. Das ist dann nur verletzend. Alles wird immer auf die Hormone geschoben, die sich natürlich bestimmt auch immernoch neu sortieren müssen, aber Hormone hin oder her möchte ich einen sehen, den ein wochenlanger Krankenhausaufenthalt nach einem eigentlich so freudigen Anlass nicht so umwirft. Mia und ich kämpfen weiter, hoffentlich in die richtige Richtung. Unsere letzte Nacht war furchtbar. Mia hat stündlich geweint, ich denke vor Hunger und auch Ohrenschmerzen, aber die Flasche nur angebrüllt. Sie hat sich überhaupt nicht ablegen lassen und auf mir dauernd nach der Brust gesucht. Ich glaube, da hätte sie etwas getrunken, weil die Nähe sie beruhigt hätte. Das tat mir in der Seele weh, sie hungern zu sehen und ihr wegen Linezolid nicht meine Milch an der Brust geben zu dürfen. Gleichzeitig hatte ich echt Schmerzen im Unterleib und als ich aufstand um zur Toilette zu gehen, kamen zwei sehr große Koagel und mir wurde wieder schwindlig. Aber es heißt immer, dass die Blutung eben an diesen Resten, dem schlaffen Uterus und der Wunde an der Plazentahaftstelle liegt. Was meinen Sie damit, dass Sie denken, die Schmerzen sind nicht nur einfache Nachwehen? Was könnte es dann sein? Gestern erhielt ich ja nochmal Oxytocin, daher wahrscheinlich die großen Koagel beim Aufstehen in der Nacht? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) Denken Sie, so eine leichte Pause der Verbesserung ist ok? Ab welchen Werten setzt man die Antibiotika denn üblicherweise ab? Wenn sie im Normbereich sind? Oder hängt das noch von anderen Faktoren ab? Macht man vorher einen Abstrich? Und erst wenn der negativ ist, hört man auf? Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) Ist der langsame Anstieg ok? Mia ist gerade mein Sorgenkind. So klein und zerbrechlich und gleich Fieber und Mittelohrentzündung. Mit Ach und Krach kriege ich alle zwei Stunden 30-35ml in sie hinein und wir haben damit ca. 4 nasse Windeln in 24h. Sie sind nicht voll, aber haben immerhin eine blaue Linie und sind nass. Ich weiß auch gar nicht ob es sinnvoll ist, sie alle zwei Stunden zu wecken. Was denken Sie? Wo ist die Grenze zur Infusion? Man ist da sehr zurückhaltend so lange sie nicht komplett dehydriert ist. Woran erkenne ich das dann? Sie ist gerade sowieso auch sehr schläfrig und wenn ich sie aus dem Tiefschlaf hole, trinkt sie noch weniger. Wenn sie sich von selbst meldet, trinkt sie etwas mehr, aber alles geht gerade nur mit viel Geschrei und so kenne ich sie bisher nicht. Auch ihr süßes Lächeln schenkt sie mir heute nicht. Die letzten Wochen fand ich sie sehr pflegeleicht. Sobald sie gestillt und ausgeschlafen war, war sie sehr friedlich und hat sich ganz interessiert umgeschaut oder mich mit großen Augen angeschaut. Das macht sie gerade kaum. Entweder sie schläft oder sie weint gerade :( Sie weint auch noch immer ohne Tränen (grundsätzlich). Daran kann ich also auch nicht erkennen ob sie zu ausgetrocknet ist. Sie hatte ja auch so schön von 2,9kg Geburtsgewicht auf 4,4kg zugenommen, aber jetzt sind wir schon nur noch bei 4,1kg. Ist diese Abnahme sehr schlimm? Das hat sie in zwei Tagen abgenommen! Bei sowieso schon zierlichen Babys ist das immer gleich so deutlich sichtbar. Die Wirkung der Ben-u-ron Zäpfchen lässt oft nach bevor ich die nächste Dosis geben darf und dann wird Mia richtig weinerlich. Die heutige Visite vom Kinderarzt zeigte eine Linksverschiebung bei den Leukozyten und ein erhöhtes CRP. Also bekommt sie jetzt Amoxicillin. Ist das Standard bei Mittelohrentzündung bei Säuglingen?  Ich wünsche Ihnen einen hoffentlich ruhigen und freien Karfreitag ein schönes Osterwochenende mit Ihrer Familie. Wenn Sie möchten, „nerve“ ich Sie dieses Wochenende nicht mit meinen Nachrichten. Ich kann sehr gut verstehen, wenn Sie mal Pause von mir möchten. Ich hoffe, Sie haben eine schöne Familienzeit. Ich werde traurig, wenn ich daran denke, dass unser Großer gefragt hat, ob ich auch zur Ostereiersuche bei Oma und Opa komme.  Hoffentlich sind Mia und ich wenigstens in zwei Wochen endlich zu Hause. Da hat unser Großer seinen 4. Geburtstag und als ich ihn gefragt habe, was er sich wünscht, kam von ihm „ein Fahrrad und dass du mir zuschaust wie ich damit fahre“. Nichts mehr wünsche ich mir auch. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, Dass Sie im Moment so reagieren, ist aus meiner Sicht überhaupt nicht „nur Hormone“. Nach einer Geburt, dann einem eigentlich schönen Anlass, der in einen langen Krankenhausverlauf, Schmerzen, Blutverlust, Sorge um das eigene Kind und Trennung vom großen Bruder kippt, wäre fast jeder Mensch seelisch erschüttert. Das ist eine zutiefst menschliche Reaktion. Dass Sie weinen, traurig sind und sich überfordert fühlen, passt leider sehr gut zu dem, was Sie gerade durchmachen. Es macht Sie nicht schwach, sondern zeigt, wie viel Sie tragen. Zu Ihren eigenen Werten und Beschwerden: Die Richtung Ihrer Entzündungswerte finde ich insgesamt weiterhin ermutigend. Das CRP ist von sehr hohen Werten inzwischen auf 19 gefallen, und auch die Leukozyten gehen langsam zurück. Dass es unterwegs einmal kleine Plateaus oder kurze „Stolperer“ gibt, kann in so einem Verlauf durchaus vorkommen. Entscheidend ist meist nicht ein einzelner Wert, sondern die Gesamttendenz zusammen mit Ihrem Befinden, der Temperatur, den Schmerzen, der Blutung und dem klinischen Eindruck. Bei einer Gebärmutterinfektion oder Wochenbettinfektion werden Antibiotika in der Regel nicht einfach nur nach einem Labor-Grenzwert beendet, sondern dann, wenn die Patientin klinisch klar stabiler ist, fieberfrei wird bzw. bleibt und die Schmerzen deutlich rückläufig sind; bei stationärer IV-Therapie wird häufig noch bis etwa 24–48 Stunden nach Entfieberung weiterbehandelt. Ein negativer Abstrich ist dafür meist nicht die Voraussetzung.   Ihr Hb-Anstieg ist langsam, aber nach einem solchen Verlauf nicht völlig überraschend. Nach Blutverlust, Operation, Entzündung und Eisenbehandlung springt der Hb oft nicht schnell nach oben. Viel wichtiger ist, ob er sich wenigstens langsam stabilisiert, ob Sie kreislaufmäßig besser werden und ob die Blutung wirklich weniger wird. Wenn Sie weiterhin größere Koagel verlieren, schwindlig sind oder die Blutung wieder deutlich zunimmt, muss man das sehr ernst nehmen, weil dann der Hb auch wieder gebremst werden kann.   Zu Ihrer Frage, was ich meinte mit „nicht nur einfache Nachwehen“: Nachwehen können sicher schmerzhaft sein, gerade wenn Oxytocin gegeben wurde. Das passt auch dazu, dass danach größere Koagel abgehen können, weil sich die Gebärmutter kräftiger zusammenzieht und Blut bzw. Gewebe herausbefördert. Aber bei Ihnen würde ich gedanklich nicht nur an Nachwehen denken, sondern auch an andere Dinge, die man im Blick behalten muss: verbliebene Reste in der Gebärmutter, eine weiterhin bestehende oder nur teilweise beruhigte Entzündung, eine noch unzureichend zusammengezogene Gebärmutter, eine Reizung an der Plazentahaftstelle oder seltener auch ein erneutes Blutungsproblem. Stärkere Blutung nach der ersten Zeit, große Koagel, Schwindel und Unterbauchschmerzen sind genau die Kombination, bei der man aufmerksam bleiben sollte. Häufige Ursachen einer sekundären Wochenbettblutung sind Infektion, verbliebenes Gewebe und eine verzögerte Rückbildung an der Plazentastelle.   Deshalb wäre meine praktische Linie: Solange große Koagel weiterkommen, der Schwindel zunimmt, die Schmerzen stärker werden, Fieber wiederkommt oder die Blutung wieder „frisch stärker“ wird, sollte das vor Ort nochmals aktiv kontrolliert werden, idealerweise mit Untersuchung, Ultraschall, Temperatur, Puls, Hb und klinischer Beurteilung. Große Blutkoagel nach den ersten 24 Stunden oder wieder stärker werdende Blutung sind kein Punkt, den ich nur nebenbei abhaken würde.   Zu Mia: Hier bin ich ehrlich: Das macht mir mehr Sorge als die Zahlen allein. Eine Gewichtsabnahme von 4,4 kg auf 4,1 kg in zwei Tagen ist für ein so kleines Baby deutlich und in Kombination mit sehr geringer Trinkmenge, nur etwa 4 nassen Windeln in 24 Stunden, vermehrter Schläfrigkeit, Schmerzen und wenig Reserven etwas, das engmaschig kinderärztlich überwacht werden sollte. Weniger nasse Windeln, Schläfrigkeit, trockener Mund, wenige Tränen, eingesunkene Fontanelle, schnelle Atmung oder kalte/marmorierte Haut sind Warnzeichen einer Dehydrierung. Bei Säuglingen gelten weniger als etwa 6 nasse Windeln pro Tag als Warnsignal; schwere Müdigkeit, deutlich weniger Urin oder gar kein Urin sind klare Alarmzeichen.   Dass sie ohne Tränen weint, ist bei ganz kleinen Säuglingen zwar nicht immer gut beurteilbar, aber in Ihrer Situation würde ich mich daran gerade nicht beruhigen. Entscheidend sind eher: Trinkmenge, Wachheit, Hautfarbe, Mundschleimhaut, Temperatur, Atmung und die Windeln. Ob man sie alle zwei Stunden wecken soll? Ganz grundsätzlich ist häufiges Anbieten bei einem kranken jungen Säugling sinnvoll, aber wenn sie dabei kaum wach wird, weniger trinkt und insgesamt deutlich schläfriger ist, ist genau das eher ein Zeichen, dass sie ärztlich noch enger beobachtet werden sollte. Die Grenze zur Infusion wird nicht nur an „komplett dehydriert oder nicht“ festgemacht, sondern schon dann, wenn ein Baby oral nicht ausreichend aufnimmt, weiter Gewicht verliert, klinisch schläfriger wird oder die Urinausscheidung zu wenig ist. Das muss vor Ort entschieden werden, aber Ihre Beschreibung reicht aus, dass ich hier nicht locker wäre. Dass jetzt Amoxicillin gegeben wird, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Wenn bei akuter Mittelohrentzündung bei einem kleinen Kind eine antibiotische Behandlung erforderlich ist, ist Amoxicillin üblicherweise die Standard-Erstlinientherapie, sofern keine besonderen Gründe dagegensprechen.   Mein offener Rat wäre deshalb: Bitte seien Sie mit Mia lieber einmal zu vorsichtig als zu gelassen. Bei weiter schlechter Trinkmenge, weiterer Schläfrigkeit, weniger nassen Windeln, Fieber, auffälliger Blässe, schneller Atmung oder weiterem Gewichtsverlust gehört sie umgehend wieder kinderärztlich bzw. klinisch angeschaut. Und bei Ihnen selbst gilt: stärkere Blutung, erneut große Koagel, zunehmender Schwindel, Herzrasen, Fieber oder stärkerer Unterbauchschmerz sollten ebenfalls sofort erneut vor Ort beurteilt werden. Das ist keine Situation, in der Sie „sich nicht anstellen“ dürften. Im Gegenteil. Und noch etwas ganz Persönliches: Bitte schreiben Sie, wenn es Ihnen hilft. Sie stören nicht. In so einer Ausnahmesituation muss man nicht tapfer schweigen. Ihr Wunsch, in zwei Wochen Ihrem Sohn beim Fahrradfahren zuzuschauen, ist nicht klein und nicht kitschig, sondern genau der richtige innere Kompass. Halten Sie daran fest. Im Moment geht es Schritt für Schritt, Tag für Tag. Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich sowohl Ihre Blutung als auch Mias Zustand jetzt endlich stabilisieren. Und ich hoffe mit Ihnen, dass Sie bald gemeinsam nach Hause können. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, lieben Dank für Ihre Wärme und gleichzeitig für Ihre Offenheit und Ehrlichkeit. Ich wusste nach Ihrer letzten Nachricht genau worauf es gerade ankommt und Ihr Mitgefühl spricht sehr für Sie als Mensch! Es war sehr gut, dass Sie noch einmal deutlich gesagt haben, dass man eine wieder stärker werdende Blutung nicht einfach abhaken soll. Letzte Nacht wurde sie nämlich beim Aufstehen wieder so stark mit großen Koageln, mir wurde schwindlig und ich hatte so Schmerzen. Ich habe dann beschlossen, dieses Mal gleich zu klingeln. Mein Blutdruck war bei 92/58 und Puls bei 107, Temperatur bei 38,3. Also wieder Ultraschall. Es wurden tatsächlich nochmal größere Reste gefunden und wieder eine Ausschabung gemacht. Ich stehe heute irgendwie noch total neben mir. Operation Nummer 5. Ich habe heute so geweint , weil es sich unendlich lang anfühlt. Wie kann es denn sein, dass es immer erst heißt, es gibt keine Reste mehr und plötzlich werden doch wieder so viele gefunden? Jetzt hoffen wir, dass die Blutung sich endlich beruhigt. Momentan blutet es schon noch so, dass ich alle 3-4 Stunden Binde wechseln muss . Liegt das evtl. noch an der Ausschabung selbst? Wann müsste das aufhören? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) Denken Sie auch, dass der leichte Anstieg wohl von der Ausschabung kommt?  Ist das zumindest möglich? Das Fieber steigt nicht weiter als Max. 38,2 und ich habe auch keinen Schüttelfrost mehr. Wann müssten die Werte dann wieder runter gehen? Zur Sicherheit wurde aber wieder ein Abstrich mitgemacht. Das Ergebnis habe ich noch nicht. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) Wie kann es denn eigentlich sein, dass der Hb so abgesackt ist während der Operation? Bisher war das so stark nicht der Fall. Ist der bisherige Anstieg nach der Bluttransfusion ok? Wie schnell soll er danach um wieviel steigen? Ich stehe heute sehr neben mir. Mia bekommt heute zum Glück eine Infusion. Das ist das einzig richtige nachdem sie so schlecht getrunken hat und so wenige nasse Windeln hatte. Jetzt ist sie auch gleich etwas weniger schläfrig. Bei den Ben-u-Ron 75mg Zäpfchen hieß es bei der Entlassung, dass ich ihr alle 12 Stunden eines geben darf. Aber laut meiner Recherche ist das die Dosis für unter 3 Monate (3-4kg). Ab 4-5kg (auch unter 3 Monate) darf man alle 8 Stunden ein Zäpfchen geben. Mia hat jetzt von 4,4kg auf genau 4kg abgenommen. Ist sie jetzt sehr unter der 50. Perzentile? Morgen wird sie 8 Wochen alt. Denken Sie, alle 8 Stunden Paracetamol Zäpfchen geht dann auch? Sie ist einfach sehr weinerlich durch die Ohrenschmerzen und das Fieber steigt auch eher als nach 12 Stunden auf etwa 39 Grad. Es ist für mich heute echt nicht einfach, mein so zerbrechlich kleines Baby so leiden zu sehen und gleichzeitig selbst heute so durch den Wind und geschlaucht zu sein. Sie schläft heute eigentlich überhaupt nicht sobald sie keinen Körperkontakt mehr hat. Wann müsste das Amoxicillin bei ihr Wirkung zeigen? Sie bekommt es seit gestern. Ich werde mich jetzt gut ausruhen und hoffentlich etwas Energie für morgen tanken. Melde mich wenn ich wieder etwas Energie habe. Hoffe, dank der Ausschabung ist jetzt dann endlich mal Schluss! Ihnen wünsche ich morgen ein schönes Osterfest mit Ihrer Familie! Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Wenn Ihnen sonst noch was einfällt dazu, immer gerne :) Herzliche Grüße und frohe Ostern für Sie und Ihre Familie! :)


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Nachricht. Es tut mir sehr leid, was Sie im Moment alles gleichzeitig aushalten müssen. Dass Sie bei dieser erneuten starken Blutung sofort geklingelt haben, war ganz wichtig und ganz richtig. Genau für solche Situationen ist es gut, nicht abzuwarten. Bei Schwindel, starken Schmerzen, großen Koageln, niedrigem Blutdruck und erneutem Fieber darf man das wirklich nicht einfach als „normalen Verlauf“ abhaken. Dass jetzt doch wieder größere Reste gefunden wurden, ist für Sie natürlich kaum zu ertragen, gerade nach allem, was schon hinter Ihnen liegt. Leider kann es tatsächlich vorkommen, dass in einer Ultraschallkontrolle zunächst kein sicherer Rest mehr gesehen wird und später doch wieder Material auffällt. Der Grund ist, dass Blutkoagel, Schleimhaut, Wundsekret und verbliebenes Gewebe im Ultraschall nicht immer sauber voneinander abgrenzbar sind; außerdem kann sich das Bild im Verlauf auch verändern. Wiederholte Eingriffe kommen deshalb leider vor. Auch nach einem solchen Eingriff ist eine Blutung noch für einige Zeit möglich; üblich ist, dass sie im Verlauf von Tagen bis ein bis zwei Wochen nachlässt. Die ersten ein bis zwei Tage kann sie durchaus noch etwas stärker sein, weil die Gebärmutter nach der Ausschabung selbst wieder wie eine Wundfläche reagiert. Wenn die Blutung aber erneut richtig stark wird, Sie also etwa deutlich häufiger als alle 2–3 Stunden wechseln müssen, große Koagel abgehen, Schwindel, Kreislaufprobleme, zunehmende Schmerzen oder Fieber dazukommen, muss das wieder direkt ärztlich kontrolliert werden.   Der leichte Anstieg von CRP und Leukozyten nach einer erneuten Ausschabung kann durchaus noch mit dem Eingriff selbst zusammenhängen. Ein Eingriff setzt ja wieder einen frischen Entzündungsreiz. Dass das Fieber nicht weiter ansteigt, kein Schüttelfrost mehr besteht und parallel ein Abstrich abgenommen wurde, ist zumindest erst einmal etwas beruhigender. Entscheidend ist jetzt die Richtung in den nächsten 24 bis 72 Stunden: klinisch sollte es Ihnen eher etwas besser gehen, die Blutung ruhiger werden, die Schmerzen nicht zunehmen und die Entzündungswerte wieder nach unten drehen. Wenn Fieber, Schmerzen, Blutung oder Kreislaufprobleme wieder zunehmen, wäre das erneut ein Warnsignal.   Zum Hb: Dass er im Rahmen einer Operation noch einmal absackt, ist leider möglich. Dahinter können akuter Blutverlust, Verdünnungseffekte durch Infusionen und der zeitliche Abstand der Blutabnahme zum Eingriff stehen. Ein Hb von 6,7 g/dl erklärt sehr gut, warum Sie sich so erschöpft und „neben sich“ fühlen. Nach einer Bluttransfusion steigt der Hb typischerweise schon messbar an; ein Anstieg von 6,7 auf 7,7 innerhalb von 24 Stunden ist grundsätzlich plausibel. Entscheidend ist auch hier weniger der einzelne Wert als der weitere Verlauf zusammen mit Ihrer Blutung, dem Kreislauf und Ihrem Befinden.   Zu Mia: Dass sie jetzt eine Infusion bekommt, klingt in der geschilderten Situation sehr vernünftig, besonders bei wenig Trinken, wenigen nassen Windeln und deutlicher Schlappheit. Bei Amoxicillin sieht man meist nicht sofort, sondern eher innerhalb von etwa 48 bis 72 Stunden eine erkennbare Besserung. Wenn Fieber, Schmerzen, Trinkschwäche oder der Allgemeinzustand bis dahin nicht besser werden oder sich vorher verschlechtern, sollte sie erneut ärztlich gesehen werden.   Beim Paracetamol ist bei einem so jungen Säugling Zurückhaltung wichtig, weil Alter und aktuelles Gewicht zählen. Die allgemeine Fachinformation für Paracetamol-Zäpfchen nennt für 75 mg bei Säuglingen unter 3 Monaten mit 4–5 kg tatsächlich 1 Zäpfchen alle 6–8 Stunden, maximal 3 Zäpfchen in 24 Stunden; grundsätzlich wird Paracetamol nach Körpergewicht dosiert, meist 10–15 mg/kg pro Dosis, mit mindestens 6 Stunden Abstand. Bei einem Kind unter 3 Monaten mit Fieber würde ich die konkrete Gabe trotzdem nicht allein nach Internetrecherche umstellen, sondern mich an die behandelnde Kinderärztin, die Klinik oder den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst halten, gerade weil Mia aktuell krank ist und Gewicht verloren hat.   Wegen des Gewichts: Eine einzelne Zahl ist immer nur begrenzt aussagekräftig. Wichtiger als die Frage nach der exakten Perzentile ist im Akutfall, ob sie wieder besser trinkt, wieder mehr nasse Windeln hat, wacher wird und das Gewicht sich wieder stabilisiert. Die WHO-Growth-Charts zeigen, dass 4,0 kg bei einem 8 Wochen alten Mädchen eher im unteren Bereich liegt, aber die klinische Entwicklung und der Verlauf sind jetzt wichtiger als die reine Perzentile.   Am wichtigsten ist für heute: Ruhen Sie sich jetzt wirklich aus, so gut es eben geht. Ihr Körper hat in sehr kurzer Zeit extrem viel aushalten müssen. Und bitte nehmen Sie jedes neue Warnzeichen weiterhin ernst — insbesondere wieder zunehmende Blutung, Kreislaufschwäche, stärkere Schmerzen, Fieberanstieg oder übel riechenden Ausfluss. Ich denke sehr an Sie. Es ist absolut verständlich, dass Sie heute weinen und sich einfach nur erschöpft und überfordert fühlen. Nach Operation Nummer 5 ist man nicht „zu empfindlich“, sondern am Rand seiner Kräfte. Und gleichzeitig noch Sorge um so ein kleines, krankes Baby zu haben, ist wirklich eine enorme Belastung. Ich hoffe sehr, dass diese Ausschabung nun endlich die letzte war und endlich Ruhe einkehrt — bei Ihnen und bei Mia. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger P.S.: Auch wenn die Situation im Moment alles andere als leicht ist, wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen den Umständen entsprechend ruhige, kraftspendende und möglichst doch ein wenig frohe Ostern.


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Nachricht. Es tut mir sehr leid, was Sie im Moment alles gleichzeitig aushalten müssen. Dass Sie bei dieser erneuten starken Blutung sofort geklingelt haben, war ganz wichtig und ganz richtig. Genau für solche Situationen ist es gut, nicht abzuwarten. Bei Schwindel, starken Schmerzen, großen Koageln, niedrigem Blutdruck und erneutem Fieber darf man das wirklich nicht einfach als „normalen Verlauf“ abhaken. Dass jetzt doch wieder größere Reste gefunden wurden, ist für Sie natürlich kaum zu ertragen, gerade nach allem, was schon hinter Ihnen liegt. Leider kann es tatsächlich vorkommen, dass in einer Ultraschallkontrolle zunächst kein sicherer Rest mehr gesehen wird und später doch wieder Material auffällt. Der Grund ist, dass Blutkoagel, Schleimhaut, Wundsekret und verbliebenes Gewebe im Ultraschall nicht immer sauber voneinander abgrenzbar sind; außerdem kann sich das Bild im Verlauf auch verändern. Wiederholte Eingriffe kommen deshalb leider vor. Auch nach einem solchen Eingriff ist eine Blutung noch für einige Zeit möglich; üblich ist, dass sie im Verlauf von Tagen bis ein bis zwei Wochen nachlässt. Die ersten ein bis zwei Tage kann sie durchaus noch etwas stärker sein, weil die Gebärmutter nach der Ausschabung selbst wieder wie eine Wundfläche reagiert. Wenn die Blutung aber erneut richtig stark wird, Sie also etwa deutlich häufiger als alle 2–3 Stunden wechseln müssen, große Koagel abgehen, Schwindel, Kreislaufprobleme, zunehmende Schmerzen oder Fieber dazukommen, muss das wieder direkt ärztlich kontrolliert werden.   Der leichte Anstieg von CRP und Leukozyten nach einer erneuten Ausschabung kann durchaus noch mit dem Eingriff selbst zusammenhängen. Ein Eingriff setzt ja wieder einen frischen Entzündungsreiz. Dass das Fieber nicht weiter ansteigt, kein Schüttelfrost mehr besteht und parallel ein Abstrich abgenommen wurde, ist zumindest erst einmal etwas beruhigender. Entscheidend ist jetzt die Richtung in den nächsten 24 bis 72 Stunden: klinisch sollte es Ihnen eher etwas besser gehen, die Blutung ruhiger werden, die Schmerzen nicht zunehmen und die Entzündungswerte wieder nach unten drehen. Wenn Fieber, Schmerzen, Blutung oder Kreislaufprobleme wieder zunehmen, wäre das erneut ein Warnsignal.   Zum Hb: Dass er im Rahmen einer Operation noch einmal absackt, ist leider möglich. Dahinter können akuter Blutverlust, Verdünnungseffekte durch Infusionen und der zeitliche Abstand der Blutabnahme zum Eingriff stehen. Ein Hb von 6,7 g/dl erklärt sehr gut, warum Sie sich so erschöpft und „neben sich“ fühlen. Nach einer Bluttransfusion steigt der Hb typischerweise schon messbar an; ein Anstieg von 6,7 auf 7,7 innerhalb von 24 Stunden ist grundsätzlich plausibel. Entscheidend ist auch hier weniger der einzelne Wert als der weitere Verlauf zusammen mit Ihrer Blutung, dem Kreislauf und Ihrem Befinden.   Zu Mia: Dass sie jetzt eine Infusion bekommt, klingt in der geschilderten Situation sehr vernünftig, besonders bei wenig Trinken, wenigen nassen Windeln und deutlicher Schlappheit. Bei Amoxicillin sieht man meist nicht sofort, sondern eher innerhalb von etwa 48 bis 72 Stunden eine erkennbare Besserung. Wenn Fieber, Schmerzen, Trinkschwäche oder der Allgemeinzustand bis dahin nicht besser werden oder sich vorher verschlechtern, sollte sie erneut ärztlich gesehen werden.   Beim Paracetamol ist bei einem so jungen Säugling Zurückhaltung wichtig, weil Alter und aktuelles Gewicht zählen. Die allgemeine Fachinformation für Paracetamol-Zäpfchen nennt für 75 mg bei Säuglingen unter 3 Monaten mit 4–5 kg tatsächlich 1 Zäpfchen alle 6–8 Stunden, maximal 3 Zäpfchen in 24 Stunden; grundsätzlich wird Paracetamol nach Körpergewicht dosiert, meist 10–15 mg/kg pro Dosis, mit mindestens 6 Stunden Abstand. Bei einem Kind unter 3 Monaten mit Fieber würde ich die konkrete Gabe trotzdem nicht allein nach Internetrecherche umstellen, sondern mich an die behandelnde Kinderärztin, die Klinik oder den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst halten, gerade weil Mia aktuell krank ist und Gewicht verloren hat.   Wegen des Gewichts: Eine einzelne Zahl ist immer nur begrenzt aussagekräftig. Wichtiger als die Frage nach der exakten Perzentile ist im Akutfall, ob sie wieder besser trinkt, wieder mehr nasse Windeln hat, wacher wird und das Gewicht sich wieder stabilisiert. Die WHO-Growth-Charts zeigen, dass 4,0 kg bei einem 8 Wochen alten Mädchen eher im unteren Bereich liegt, aber die klinische Entwicklung und der Verlauf sind jetzt wichtiger als die reine Perzentile.   Am wichtigsten ist für heute: Ruhen Sie sich jetzt wirklich aus, so gut es eben geht. Ihr Körper hat in sehr kurzer Zeit extrem viel aushalten müssen. Und bitte nehmen Sie jedes neue Warnzeichen weiterhin ernst — insbesondere wieder zunehmende Blutung, Kreislaufschwäche, stärkere Schmerzen, Fieberanstieg oder übel riechenden Ausfluss. Ich denke sehr an Sie. Es ist absolut verständlich, dass Sie heute weinen und sich einfach nur erschöpft und überfordert fühlen. Nach Operation Nummer 5 ist man nicht „zu empfindlich“, sondern am Rand seiner Kräfte. Und gleichzeitig noch Sorge um so ein kleines, krankes Baby zu haben, ist wirklich eine enorme Belastung. Ich hoffe sehr, dass diese Ausschabung nun endlich die letzte war und endlich Ruhe einkehrt — bei Ihnen und bei Mia. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger P.S.: Auch wenn die Situation im Moment alles andere als leicht ist, wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen den Umständen entsprechend ruhige, kraftspendende und möglichst doch ein wenig frohe Ostern.


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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Nachricht. Es tut mir sehr leid, was Sie im Moment alles gleichzeitig aushalten müssen. Dass Sie bei dieser erneuten starken Blutung sofort geklingelt haben, war ganz wichtig und ganz richtig. Genau für solche Situationen ist es gut, nicht abzuwarten. Bei Schwindel, starken Schmerzen, großen Koageln, niedrigem Blutdruck und erneutem Fieber darf man das wirklich nicht einfach als „normalen Verlauf“ abhaken. Dass jetzt doch wieder größere Reste gefunden wurden, ist für Sie natürlich kaum zu ertragen, gerade nach allem, was schon hinter Ihnen liegt. Leider kann es tatsächlich vorkommen, dass in einer Ultraschallkontrolle zunächst kein sicherer Rest mehr gesehen wird und später doch wieder Material auffällt. Der Grund ist, dass Blutkoagel, Schleimhaut, Wundsekret und verbliebenes Gewebe im Ultraschall nicht immer sauber voneinander abgrenzbar sind; außerdem kann sich das Bild im Verlauf auch verändern. Wiederholte Eingriffe kommen deshalb leider vor. Auch nach einem solchen Eingriff ist eine Blutung noch für einige Zeit möglich; üblich ist, dass sie im Verlauf von Tagen bis ein bis zwei Wochen nachlässt. Die ersten ein bis zwei Tage kann sie durchaus noch etwas stärker sein, weil die Gebärmutter nach der Ausschabung selbst wieder wie eine Wundfläche reagiert. Wenn die Blutung aber erneut richtig stark wird, Sie also etwa deutlich häufiger als alle 2–3 Stunden wechseln müssen, große Koagel abgehen, Schwindel, Kreislaufprobleme, zunehmende Schmerzen oder Fieber dazukommen, muss das wieder direkt ärztlich kontrolliert werden.   Der leichte Anstieg von CRP und Leukozyten nach einer erneuten Ausschabung kann durchaus noch mit dem Eingriff selbst zusammenhängen. Ein Eingriff setzt ja wieder einen frischen Entzündungsreiz. Dass das Fieber nicht weiter ansteigt, kein Schüttelfrost mehr besteht und parallel ein Abstrich abgenommen wurde, ist zumindest erst einmal etwas beruhigender. Entscheidend ist jetzt die Richtung in den nächsten 24 bis 72 Stunden: klinisch sollte es Ihnen eher etwas besser gehen, die Blutung ruhiger werden, die Schmerzen nicht zunehmen und die Entzündungswerte wieder nach unten drehen. Wenn Fieber, Schmerzen, Blutung oder Kreislaufprobleme wieder zunehmen, wäre das erneut ein Warnsignal.   Zum Hb: Dass er im Rahmen einer Operation noch einmal absackt, ist leider möglich. Dahinter können akuter Blutverlust, Verdünnungseffekte durch Infusionen und der zeitliche Abstand der Blutabnahme zum Eingriff stehen. Ein Hb von 6,7 g/dl erklärt sehr gut, warum Sie sich so erschöpft und „neben sich“ fühlen. Nach einer Bluttransfusion steigt der Hb typischerweise schon messbar an; ein Anstieg von 6,7 auf 7,7 innerhalb von 24 Stunden ist grundsätzlich plausibel. Entscheidend ist auch hier weniger der einzelne Wert als der weitere Verlauf zusammen mit Ihrer Blutung, dem Kreislauf und Ihrem Befinden.   Zu Mia: Dass sie jetzt eine Infusion bekommt, klingt in der geschilderten Situation sehr vernünftig, besonders bei wenig Trinken, wenigen nassen Windeln und deutlicher Schlappheit. Bei Amoxicillin sieht man meist nicht sofort, sondern eher innerhalb von etwa 48 bis 72 Stunden eine erkennbare Besserung. Wenn Fieber, Schmerzen, Trinkschwäche oder der Allgemeinzustand bis dahin nicht besser werden oder sich vorher verschlechtern, sollte sie erneut ärztlich gesehen werden.   Beim Paracetamol ist bei einem so jungen Säugling Zurückhaltung wichtig, weil Alter und aktuelles Gewicht zählen. Die allgemeine Fachinformation für Paracetamol-Zäpfchen nennt für 75 mg bei Säuglingen unter 3 Monaten mit 4–5 kg tatsächlich 1 Zäpfchen alle 6–8 Stunden, maximal 3 Zäpfchen in 24 Stunden; grundsätzlich wird Paracetamol nach Körpergewicht dosiert, meist 10–15 mg/kg pro Dosis, mit mindestens 6 Stunden Abstand. Bei einem Kind unter 3 Monaten mit Fieber würde ich die konkrete Gabe trotzdem nicht allein nach Internetrecherche umstellen, sondern mich an die behandelnde Kinderärztin, die Klinik oder den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst halten, gerade weil Mia aktuell krank ist und Gewicht verloren hat.   Wegen des Gewichts: Eine einzelne Zahl ist immer nur begrenzt aussagekräftig. Wichtiger als die Frage nach der exakten Perzentile ist im Akutfall, ob sie wieder besser trinkt, wieder mehr nasse Windeln hat, wacher wird und das Gewicht sich wieder stabilisiert. Die WHO-Growth-Charts zeigen, dass 4,0 kg bei einem 8 Wochen alten Mädchen eher im unteren Bereich liegt, aber die klinische Entwicklung und der Verlauf sind jetzt wichtiger als die reine Perzentile.   Am wichtigsten ist für heute: Ruhen Sie sich jetzt wirklich aus, so gut es eben geht. Ihr Körper hat in sehr kurzer Zeit extrem viel aushalten müssen. Und bitte nehmen Sie jedes neue Warnzeichen weiterhin ernst — insbesondere wieder zunehmende Blutung, Kreislaufschwäche, stärkere Schmerzen, Fieberanstieg oder übel riechenden Ausfluss. Ich denke sehr an Sie. Es ist absolut verständlich, dass Sie heute weinen und sich einfach nur erschöpft und überfordert fühlen. Nach Operation Nummer 5 ist man nicht „zu empfindlich“, sondern am Rand seiner Kräfte. Und gleichzeitig noch Sorge um so ein kleines, krankes Baby zu haben, ist wirklich eine enorme Belastung. Ich hoffe sehr, dass diese Ausschabung nun endlich die letzte war und endlich Ruhe einkehrt — bei Ihnen und bei Mia. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger P.S.: Auch wenn die Situation im Moment alles andere als leicht ist, wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von Herzen den Umständen entsprechend ruhige, kraftspendende und möglichst doch ein wenig frohe Ostern.


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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, lieben Dank für diese zuverlässige Beratung und Ihre warmherzige menschliche Art! Ihre Antworten kommen oft so schnell und helfen mir immer bei der Einschätzung der Lage! Sie sind tip top! Gestern am Ostersonntag war die Blutung wieder sehr stark (Bindenwechsel alle 2 Stunden), zumindest kein hohes Fieber und kein Schüttelfrost, aber immerhin wieder 38,5-38,7 aber wieder Kreislaufschwäche. Im Ultraschall war nichts bedrohliches erkennbar, der Abstrich hat aber gezeigt, dass ich neben den noch vereinzelten E. coli jetzt auch noch Enterobacter cloacae habe. Davon habe ich noch nie gehört? Was für ein Bakterium ist das? Schwer behandelbar? Das Gute ist immerhin, dass keine MRSA mehr gefunden wurden und Linezolid deshalb abgesetzt wird. Ich wurde jetzt gestern auf Cefepim umgestellt, das wohl gegen E. coli und gegen Enterobacter wirken soll. Linezolid wird abgesetzt. Unter Cefepim dürfte ich anscheinend auch wieder stillen. Im Moment habe ich so wenig Milch. Beim Pumpen kommen 40ml links und 10-20 ml rechts. Mia trinkt (wenn sie gesund ist) jetzt zwischen 110 und 120ml. Aber vielleicht könnte ich ihr wieder die Brust geben und dann eben zufüttern? Ich würde sie so gern wieder an die Brust lassen. Sie sucht so oft danach und es ist emotional etwas, was mir hilft, das auszuhalten. Aber natürlich will ich das nicht um jeden Preis. Ich möchte nicht, dass ihr das irgendwie schadet. Wie sehen Sie das? Ist Cefepim stillverträglich? Ist die Antibiotikaentscheidung gut gewählt? Ist ein Absetzen von Cefuroxim ok auch wenn es noch E.coli gibt? Reagieren sie dann genauso gut auf Cefepim? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) → 39(So) → 38 (Mo) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) → 15,1 (So) → 15,0 (Mo) Der erneute Anstieg macht mir Angst. Doch kann man sagen, dass er wenigstens nicht so hoch ist und heute schon ein Plateau erreicht hat und das ein vorsichtig gutes Zeichen ist? Ich versuche mir überall was schön zu reden, ich weiß. Sonst werde ich noch irre. Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) → 7,9 → 7,8 Ich soll wieder eine Eiseninfusion bekommen. Bei Mia scheint das Antibiotikum zum Glück anzuschlagen und die Infusion macht sie wieder lebhafter. Sie hat weniger Fieber (Max. 38,5) und trinkt wieder ein bisschen mehr (immerhin 70-80ml pro Mahlzeit). Sie hatte heute 5 nasse Windeln. Sie wacht auch von selbst nach 2-3 Stunden wieder auf und verlangt nach Milch. Ich denke, das sind gute Zeichen? Sie hat mir heute auch seit Tagen das erste Mal wieder ein Lächeln geschenkt. Sie liebt es wenn man ihr zart über die Bäckchen streichelt und sie anlächelt. Dann lächelt sie zurück und macht ganz sanfte Geräusche mit denen sie kommuniziert. Das ist zum Schmelzen :) Daraus ziehe ich gerade meine ganze Kraft. Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Osterfest im Kreise der Familie! Ich bin schon sehr traurig, dass mein Großer mich gestern bei der Ostereiersuche so vermisst hat. Aber ich hoffe ganz arg, seinen Geburtstag in zwei Wochen mit ihm feiern zu können. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen und bleibe tapfer. Was bleibt mir auch anderes übrig. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, das, was Sie gerade durchmachen, ist wirklich enorm. Und trotzdem klingen Ihre Zeilen trotz aller Angst erstaunlich klar, aufmerksam und liebevoll. Dass Sie aus Mias kleinem Lächeln Kraft ziehen, kann ich sehr gut verstehen. Das sind in so einer Lage keine Kleinigkeiten, sondern echte Lichtpunkte. Zu Ihren Fragen: 1. Enterobacter cloacae – was ist das überhaupt? Enterobacter cloacae ist ein gramnegatives Darmbakterium, also kein exotischer Keim, sondern ein sogenannter opportunistischer Erreger, der vor allem im Krankenhauskontext oder bei geschwächtem Gewebe Probleme machen kann. Es ist also nichts „Unbekanntes“, aber leider ein Keim, den man ernst nehmen muss, weil er häufig resistenter ist als ein einfaches sensibles E. coli.   2. Ist Cefepim dafür eine gute Wahl? Ja, grundsätzlich klingt die Umstellung auf Cefepim gut nachvollziehbar. Cefepim ist ein Cephalosporin der 4. Generation mit guter Aktivität gegen viele gramnegative Keime, darunter E. coli und die Enterobacter-Gruppe. Genau deshalb wird es oft gewählt, wenn man gegenüber einfacheren Cephalosporinen eine breitere und stabilere gramnegative Abdeckung braucht.   Der wichtige Haken ist: Bei Enterobacter cloacae reicht der reine Name des Bakteriums nicht, entscheidend ist das Antibiogramm. Dieser Keim kann eine sogenannte AmpC-Betalaktamase aktivieren und dadurch unter Therapie gegen manche Betalaktam-Antibiotika resistent werden. Deshalb ist es sinnvoll, dass das Team jetzt gezielter und “stärker” denkt. Cefepim ist bei solchen Konstellationen oft eine vernünftige Option, wenn die Empfindlichkeit im Antibiogramm bestätigt ist.   3. Ist es in Ordnung, Cefuroxim abzusetzen, obwohl noch E. coli nachweisbar sind? Ja, das kann absolut sinnvoll sein. Man behandelt nicht zwei Keime mit zwei Namen getrennt voneinander, sondern wählt ein Antibiotikum, das das gesamte relevante Keimspektrum gut abdeckt. Wenn das E. coli und der Enterobacter cloacae auf Cefepim empfindlich sind, braucht man Cefuroxim nicht zusätzlich. Im Gegenteil: Ein gezielterer, passender Wechsel ist dann oft sauberer als ein Festhalten am bisherigen Schema. Cefepim hat grundsätzlich Aktivität gegen beide.   4. Ist Cefepim stillverträglich? Ja, Cefepim gilt nach den verfügbaren Daten als stillverträglich bzw. akzeptabel in der Stillzeit. In der Muttermilch werden nur niedrige Spiegel gefunden. Wie bei anderen Cephalosporinen kann es beim Säugling theoretisch einmal zu weicherem Stuhl, Durchfall oder Soor kommen, aber insgesamt wird es als vereinbar mit dem Stillen eingeschätzt.   5. Dürfen Sie Mia also wieder an die Brust legen? Von der Cefepim-Seite her spricht grundsätzlich viel dafür, dass Anlegen wieder möglich sein kann. Gerade wenn es Ihnen emotional hilft und Mia aktiv sucht, wäre das nicht nur ernährungsphysiologisch, sondern auch seelisch sehr wertvoll. Ich würde es so sehen:   Brust anbieten ist grundsätzlich vertretbar, aber ohne Druck, und im Moment wahrscheinlich eher als Kombination aus Anlegen + Zufüttern.   Denn bei den derzeitigen Mengen von etwa 40 ml links und 10–20 ml rechts wird das Stillen allein im Augenblick vermutlich noch nicht reichen. Das ist aber kein Versagen, sondern nach allem, was Ihr Körper durchgemacht hat, leider sehr nachvollziehbar. Blutverlust, mehrere Eingriffe, Infektion, Fieber, Erschöpfung, Stress – all das kann die Milchbildung deutlich bremsen. Dass überhaupt noch Milch kommt, ist eher ein gutes Zeichen. Ich würde deshalb praktisch denken: erst anlegen, dann bei Bedarf zufüttern. So bekommt Mia Nähe und Brustkontakt, ohne dass ihr etwas fehlt. Und falls Sie pumpen, kann das zusätzlich helfen, das Angebot wieder etwas anzuregen. 6. Zu Ihren Entzündungswerten – ist der erneute Anstieg zwingend ein schlechtes Zeichen? Er macht verständlicherweise Angst. Aber man muss ihn differenziert betrachten. Ein Anstieg von CRP und Leukozyten ist natürlich nicht das, was man sich wünscht. Gleichzeitig stimmt es: Der jetzige Anstieg ist deutlich moderater als frühere Eskalationen, und bei Ihren Werten sieht man weiterhin insgesamt eher eine gebremste, nicht explosionsartige Entwicklung. Dass das CRP von 19/24 wieder auf 39 ging und heute bei 38 liegt, ist kein Entwarnungszeichen, aber es ist auch nicht automatisch der Beweis, dass alles wieder entgleist. Nach Eingriffen, Blutungen, Gewebereizung und Keimwechseln kann es solche Zwischenanstiege geben. Dass heute kein weiterer deutlicher Sprung da ist, darf man vorsichtig als kleinen Stabilisierungshinweis sehen. Bei den Leukozyten gilt etwas Ähnliches: von 13,9 auf 14,2 auf 15,1 auf 15,0 – das ist leider noch erhöht, aber es ist eher ein Plateau auf zu hohem Niveau als ein dramatischer steiler Wiederanstieg. Das ist nicht schön, aber etwas besser, als wenn die Werte täglich massiv hochschießen würden. Ich würde es deshalb so formulieren: Ja, man darf vorsichtig sagen, dass der Verlauf im Moment eher nach “noch nicht gut, aber vielleicht wieder etwas gefangen” aussieht – allerdings nur unter enger Kontrolle. 7. Zu Hb und Eisen Dass man Ihnen erneut Eisen intravenös geben will, ist bei diesem Verlauf gut nachvollziehbar. Ein Hb um 7,8 ist nach allem, was passiert ist, natürlich immer noch sehr niedrig und erklärt einen Teil Ihrer Schwäche und Kreislaufprobleme mit. Dass Sie bei stärkerer Blutung wieder wackelig werden, passt leider sehr dazu. 8. Und Mia? Die Zeichen, die Sie beschreiben, sind tatsächlich ermutigend: weniger Fieber, wieder mehr Trinkmenge, 5 nasse Windeln, selbstständiges Aufwachen nach 2–3 Stunden, mehr Lebhaftigkeit, erstes Lächeln. Das sind alles Dinge, die man bei einem Kind in dieser Lage sehr gern hört. Das heißt nicht, dass schon alles überstanden ist, aber es sind gute klinische Zeichen. Mein persönlicher Eindruck wäre deshalb: Ja – die jetzige Antibiotikaentscheidung wirkt nachvollziehbar. Ja – Cefepim ist grundsätzlich stillverträglich. Ja – Anlegen plus Zufüttern könnte ein sehr guter Mittelweg sein. Und ja – Ihre Laborwerte sind nicht beruhigend normal, aber im Moment eher vereinbar mit einem vorsichtigen Hoffen als mit einer klaren neuen Katastrophe. Ganz wichtig bleibt aber: Bei erneut stärkerer Blutung, Schüttelfrost, deutlich höherem Fieber, zunehmender Kreislaufschwäche, neu starken Schmerzen oder wenn Mia wieder schlechter trinkt oder weniger nasse Windeln hat, muss sofort wieder eng reagiert werden. Dass Sie Ihren Großen an Ostern vermisst haben und er Sie vermisst hat, geht einem sehr nahe. Aber Kinder tragen erstaunlich viel Liebe in sich. Er wird nicht erinnern: „Mama war an Ostern nicht da“, sondern vor allem: Mama wollte zu mir zurück. Ich hoffe sehr mit Ihnen, dass Sie seinen Geburtstag in zwei Wochen mitfeiern können. Herzliche Grüße und weiterhin viel Kraft.


the.flower

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Lieber Herr Dr. Gagsteiger, Ich komme mir so komisch vor, in jeder Nachricht wieder denselben Dank auszusprechen, aber ich möchte gerne, dass Sie wissen, dass das, was Sie leisten, auf keinen Fall selbstverständlich ist, sondern unglaublich menschlich, lieb, hilfsbereit, freundlich, fachlich tip top und einfach nur toll ist!!! Es könnte Ihnen ja auch egal sein, aber immer denken Sie an mich! Ich denke, heute geht’s mir den Umständen entsprechend. Sagen wir mal so: es ging mir in den letzten Tagen schonmal besser als die Entzündungswerte auch mehr gesunken waren. Jetzt merke ich wieder mehr Schmerzen und es friert mich immer wieder wenn das Fieber auf 38,5-38,8 geht. Mit Ibu schwitze ich dann wieder und die Schmerzen nehmen ab. Die Blutung ist weiter so, dass ich alle 3 Stunden wechseln muss, teils hellrot, teils bräunlich. Also nichts was schlechter wäre als gestern aber auch nicht besser. Cefepim bekomme ich jetzt seit ungefähr 48h. Dann müsste es aber morgen besser werden? Ein Antibiogramm zum Enterobacter clocacae ist noch nicht ausgewertet. Ihrer Erklärung entnehme ich: Ist es also möglich, dass Cefepim nicht das richtige Medikament ist? Was wäre dann die Alternative? Und wäre das stillverträglich oder nicht? CRP: 64 → 79 → 70 → 88 → 79 → 77 → 82 → 91 → 96 → 112 → 118 → 120 → 107 → 97 → 85 → 58  → 49 → 45 → 71 (Fr) → 78 (Sa) → 79 (So) → 83 (Mo) → 89 (Di) → 85 (Mi) → 79 (Do) → 70 (Fr) → 62 (Sa) → 52 (So) → 43 (Mo) → 39 (Di) → 29 (Mi) → 20 (Do) → 19 (Fr) → 24 (Sa) → 39(So) → 38 (Mo) → 38 (Di) Leukozyten: 17 → 18,3 → 17,8 → 18,8 → 18,0 → 17,9 → 18,1 → 19,2 → 19,4 → 19,5 → 18,9 → 17,9 → 17,3 → 16,2 → 14,5 →13,6 → 13,4 → 17,7 (Fr) → 18,3 (Sa)  → 18,4 (So) → 18,4 (Mo) → 18,7 (Di) → 18,6 (Mi) → 18,4 (Do)  → 17,9 (Fr) → 16,8 (Sa) → 16,0 (So) → 15,2 (Mo) → 15,0 (Di) → 14,5 (Mi) → 14,0 (Do) → 13,9 (Fr) → 14,2 (Sa) → 15,1 (So) → 15,0 (Mo) → 14,9 (Di) Leitet man daraus ab, dass es stagniert oder noch nicht klar ist in welche Richtung es geht? Hb: 7,3 → 8,6 → 8,7 → 7,4 (Freitag vor Operation) → 7,9 (So einen Tag nach Transfusion) → 8,0 → 8,3 (nach Eiseninfusion) → 7,9 → 8,2 (wieder nach Eiseninfusion) → 7,8 → 7,7 → 7,8 → 7,9 (1 Tag nach Eiseninfusion) → 6,7 (Operation) → 7,7 (24h nach Transfusion) → 7,9 → 7,8 → 8,0 (nach Eiseninfusion gestern) Kreatinin ist von 1,0 wieder auf 1,1 erhöht. Kann das an der Medikamentenumstellung liegen? Ist das dramatisch? Mia geht es weiter besser! Zum Glück :) Sie hat zwar noch Fieber, aber es ist gesunken auf ca. 38,3-38,5, nicht mehr um die 39. Manchmal ist sie noch etwas weinerlich, aber vieles weniger. Das Schönste für mich ist heute, dass sie mit einer riesigen Freude an die Brust gegangen ist und jetzt wieder alle 2-3 Stunden suchend aufwacht. Sie dreht dann richtig den Kopf zur Seite, öffnet den Mund und schmatzt und weint vor Hunger. Nach dem Trinken lächelt sie mit ihrem Milchrauschgesicht. So süß! Das Problem ist heute eher ein anderes: sie lehnt die Flasche danach komplett ab. Sie beißt nur mir ihrer Kauleiste auf dem Sauger rum oder schreit die Flasche an. Ich kenne das von unserem Sohn. Er hat die Brust geliebt und die Flasche komplett verweigert. Selbst abgepumpte Milch nahm er nicht und ich konnte mich deshalb bei ihm leider nie lange alleine von ihm aufhalten, denn dann wäre er lieber verhungert und hätte geschrien. Aber bei Mia finde ich es merkwürdig, weil sie bis gestern ja gezwungenermaßen noch an die Flasche gewöhnt war und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich von gestern auf heute schon so viel mehr Milch habe, dass sie davon satt wird. Sie wirkt nach dem Stillen immer erstmal kurz zufrieden und satt, wird aber danach doch wieder weinerlich, aber ich kann nicht genau einschätzen ob das aus Hunger oder aus einem anderen Grund ist. Haben Sie einen Rat? Mir fällt gerade ein, man könnte sie vielleicht mal vor und nach dem Stillen wiegen um zu sehen, was sie rauskriegt? Oder ich pumpe einmal ab anstatt zu stillen und schaue nochmal wie viel das ist? Aber dann muss sie das aus der Flasche trinken und ich weiß nicht ob das klappt. Ich pumpe heute direkt in Anschluss ans Stillen nochmal 5-10 Minuten um die Milchproduktion weiter anzuregen (nicht immer aber immer wenn ich es körperlich gerade schaffe). Da kommen dann immer max. 10ml links und rechts nur Tröpfchen. Aber das heißt vermutlich nur, dass Mia das was da war, leer getrunken hat? Meine Hebamme hat mir auch mal gesagt, dass die Babys oft mehr aus der Brust kriegen als die Pumpe rauskriegt. Stimmt das? Ich hoffe einfach, sie nimmt jetzt wieder zu. Sie hat nicht mehr weiter abgenommen seit der Infusion, also insgesamt von 4,4 auf 4,0kg in 3 Tagen. Aber seitdem ist es wenigstens stabil. Übermorgen wird sie 2 Monate alt.  Unsere letzte Nacht war leider nicht berauschend. Sie schläft tagsüber gerade sehr viel und nachts hat sie mich oft mit großen Augen angeschaut und wollte gerne Programm. Das war vor der Mittelohrentzündung besser. Da hat sie auch schonmal 4-5 Stunden am Stück geschafft ohne aufwachen und ohne trinken (von 23-4 Uhr). Ich weiß auch nicht recht wie ich ihren Tag-Nacht-Rhythmus etwas besser fördern kann. Wenn ich sie tagsüber wecke, ist sie schlecht gelaunt und will auch nicht gut trinken und schläft an der Brust ein. Wenn ich sie selbst aufwachen lasse, trinkt sie flott und schaut wach. Für mich ist das in meinem Zustand echt anstrengend, mir dauernd so massiv die Nächte um die Ohren zu hauen. Alle 2 Stunden ist sie wach, will trinken, danach schaut sie mit großen Augen und tagsüber schafft sie nicht mehr als eine Stunde oder manchmal schläft sie sogar direkt nach dem Stillen wieder ein. Ich hoffe, Sie hatten einen guten Start in eine verkürzte Woche.  Ich wünsche mir so sehr, bald mit beiden Kindern und meinem Mann zu Hause diese magische erste Zeit nachholen zu können. Das tut mir weh, sie nicht genießen zu können. Freu mich auf Ihre Anmerkungen und Ideen. Herzliche Grüße


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