Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

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Frage: kinderwunsch

Brownie90

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Guten Tag Aktuell verspühten wir einen Kinderwunsch. Wir haben zwei gesunde Kinder, dazwischen leider 3 Fehlgeburten bei welchen nie eine Ursache gefunden wurde. Beim zweiten Kind wurden wir mit leichter Unterstützung (hormongabe) und Insemination schwanger. Ich war sehr gestresst und froh dies etwas abzugeben.  (hat aber sofort geklappt und ist bei uns geblieben) Nun sind zwei Jahre vergangen und ich bin frisch 35. Wie realistisch ist ein Kiwu noch? AMH war 2022 bei 16.6 pmol. FSH bei 11.1 U/I in der Folikelphase.  Auch wollte ich wissen wie lange wir es versuchen sollten bevor wir uns bei den Ärzten melden sollten? Ich bin vorallem wegen der FG verunsichert. Was wäre wohl der beste Weg? 


Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, Ihre Ausgangssituation ist grundsätzlich sehr günstig – Sie haben schon zwei gesunde Kinder und damit den wichtigsten „Beweis“, dass Ihre Fruchtbarkeit prinzipiell gut funktioniert. Die drei Fehlgeburten dazwischen sind leider nicht ungewöhnlich, auch wenn es emotional sehr belastend ist. Etwa 10–20 % aller klinischen Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt, und bei Frauen ab Mitte 30 steigt dieses Risiko allmählich an – vor allem durch eine höhere Rate an Chromosomenveränderungen in den Eizellen.   Zu Ihren Werten: Ein AMH von 16,6 pmol/l im Jahr 2022 entspricht grob 2,3 ng/ml und liegt im oberen Normbereich für Ihr damaliges Alter. Das zeigt, dass die ovarielle Reserve gut war. Der FSH von 11,1 U/l ist eher an der oberen Normgrenze, was bei einzelnen Messungen aber stark schwanken kann. Wichtig wäre eine aktuelle Kontrolle, um zu sehen, ob sich hier etwas verändert hat, da seitdem drei Jahre vergangen sind und Sie inzwischen 35 sind.   Zur Frage „Wie realistisch ist ein Kinderwunsch noch?“: Mit 35 sind Ihre Chancen auf eine spontane Schwangerschaft pro Zyklus zwar schon etwas niedriger als mit Ende 20 (etwa 15 % statt 20–25 %), aber immer noch gut. Viele Paare werden in diesem Alter innerhalb eines Jahres schwanger. Das Fehlgeburtsrisiko liegt nun im Schnitt bei ca. 20 %, steigt aber nach 37–38 Lebensjahren wewiter  an. Mein Vorschlag für das weitere Vorgehen: Da Sie in der Vergangenheit mehrere Fehlgeburten hatten, wäre es aber auch gerechtfertigt, schon früher einen Termin zur Abklärung in einem Kinderwunschzentrum zu machen. Hier könnte man Hormonstatus, Schilddrüse, Gerinnung und ggf. genetische Faktoren prüfen, um mögliche Risiken zu erkennen. Falls Ihre Zyklen unregelmäßig sind oder Sie sich durch die Vorgeschichte stark verunsichert fühlen, ist eine frühere Vorstellung ebenfalls sinnvoll. Das Kinderwunschzentrum kann gleich zu Beginn einen Plan machen, der Sie entlastet – wie bei Ihrem zweiten Kind mit einer milden hormonellen Unterstützung und ggf. Insemination. Das kann den psychischen Druck deutlich verringern. Gerne dürfen Sie sich auch an uns (www.bestfertility.de) wenden.


Brownie90

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vielen Dank fürn Ihre sehr ausführliche Antwort.  Ich denke ich werde mich wirklich relativ rasch vorstellen, auch weil ich eben diese Unsicherheit direkt wieder verspühre.  Meine Zyklen sind regelmässig und Eisprünge vorhanden. Ich merke das mein Zervixschleim nicht mehr so "sichtbar" ist wie früher.  Die Fehlgeburten waren zu einem relativ jungen alter, was mich zusätzlich verunsichert. Ich habe aber damals jegliche Diagnostik machen lassen. (DNA, Gerinnung etc..)  Würden Sie mir direkt den Weg über KiWu mit Unterstützung raten? Was mich eben auch beschäftigt ist das Mehrlingsrisiko auch bei leichter Stimmulation. (Alter, Risikoschwanger und halt schon zwei Kinder) Kann man dieses Risiko eingrenzen? oder nur Ovartielle und IUI?  Noch eine letzte Frage, hat die aktuelle Hitze (35 Grad) einen grossen Einfluss auf Fruchtbarkeit Mann/Frau?   


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, Ich verstehe gut, dass Sie diese Unsicherheit möglichst schnell ausräumen möchten – gerade wenn Sie die Erfahrung gemacht haben, dass es in der Vergangenheit bereits zu Fehlgeburten gekommen ist. Da Ihre Zyklen regelmäßig sind und Eisprünge stattfinden, ist das grundsätzlich eine gute Ausgangslage. Der weniger ausgeprägte Zervixschleim kann mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen, die auch schon in den mittleren 30ern leicht auftreten, und er muss nicht zwingend bedeuten, dass die Fruchtbarkeit deutlich eingeschränkt ist – es kann aber den Zeitpunkt des Eisprungs etwas schwieriger erkennbar machen.   Wenn Sie ohnehin bald aktiv werden wollen, ist es oft sinnvoll, sich direkt in einem Kinderwunschzentrum vorzustellen, gerade weil Sie schon eine ausführliche Diagnostik in der Vergangenheit hinter sich haben. Dort kann man gezielt entscheiden, ob zunächst ein Zyklusmonitoring mit Ovulationsauslösung ausreicht oder ob eine leichte Stimulation (mit oder ohne Insemination) sinnvoll ist.   Zum Mehrlingsrisiko: Bei einer leichten hormonellen Stimulation (Clomifen, Letrozol oder niedrig dosierte FSH-Präparate) ist das Risiko für Zwillinge leicht erhöht, das für Drillinge aber sehr gering. Dieses Risiko lässt sich in einer guten Kinderwunschpraxis deutlich begrenzen, indem man die Follikelentwicklung engmaschig per Ultraschall kontrolliert und nur dann auslöst, wenn maximal 1 Eibläschen reif sind. Außerdem gibt es immer die Möglichkeit, überzählige Eibläschen vor der Ovulation abzupunktieren. Bei einer reinen Ovulationsauslösung (ohne Stimulation) ist das Mehrlingsrisiko kaum höher als natürlich. Eine IUI ohne vorherige Stimulation trägt praktisch kein zusätzliches Mehrlingsrisiko. Zur Hitze: Extreme Temperaturen wie aktuell (um die 35 °C) haben bei Frauen auf die Eizellqualität und den Zyklus in der Regel keinen nennenswerten direkten Einfluss – außer dass starke körperliche Belastung oder Flüssigkeitsmangel den Zyklus kurzfristig etwas beeinflussen können. Beim Mann kann längere Hitzeeinwirkung im Bereich der Hoden (enge, warme Kleidung, Sitzheizung, Sauna, heiße Bäder) die Spermienqualität vorübergehend verschlechtern. Normale Umgebungstemperaturen – auch bei Sommerhitze – haben aber im Alltag meist keinen dramatischen Effekt, solange man Überhitzung vermeidet und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtet. Viel Glück.


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