Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Erhöhung der Chancen in der Kinderwunsch Klinik

Frage: Erhöhung der Chancen in der Kinderwunsch Klinik

Franzi-12345

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Guten Abend, wir sind seit über fünf Jahren im Kinderwunsch. Haben nach Langer Wartezeit und Hormonstimulation (Bsp Clomifen) vor sechs Jahren doch noch einen gesunden Sohn bekommen (Zeugungsfenster lag jedoch außerhalb der Hormonstimulation). Nun klappt es seit fast über fünf Jahren nicht mit dem zweiten Kind. Deswegen sind wir nun direkt in eine Kinderwunsch Klinik. Die Hormonwerte sehen soweit alle gut aus, von mir und meinem Mann auch. Bsp AMH 1,67. was sind Ihre Empfehlungen für uns, um unsere Chancen im Kinderwunsch sinnvoll zu verbessern? die üblichen Maßnahmen wie gesunde Ernährung inkl. Vitamin D Optimierung, regelmäßige Bewegung und Stressmanagement setzen wir bereits um. die aktive Behandlung soll im Januar starten, und sie ist ja recht fordernd für den Körper. vielen Dank vorab!    


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihr Vertrauen und für die sehr klare Schilderung Ihrer Situation. Man spürt, wie reflektiert und gut vorbereitet Sie bereits sind – und gleichzeitig, wie lang und kräftezehrend dieser Weg für Sie war.   1. Einordnung Ihrer Situation – das ist wichtig Sie können schwanger werden (spontane Schwangerschaft, gesunder Sohn). Die aktuellen Basiswerte sind unauffällig (AMH 1,67 ist altersabhängig absolut im grünen Bereich). Dass das Zeugungsfenster damals außerhalb der Stimulation lag, ist ein ganz wichtiger Hinweis: → Ihr Körper kann ovulieren, reagiert aber möglicherweise sensibel oder atypisch auf Medikamente.   Das spricht weniger für „schlechte Voraussetzungen“, sondern eher für die Notwendigkeit einer fein abgestimmten Strategie.   2. Was jetzt wirklich sinnvoll ist – zusätzlich zu dem, was Sie schon tun Sie machen bereits vieles richtig. Der größte Hebel liegt jetzt nicht mehr in Lifestyle-Optimierung, sondern in der Qualität der medizinischen Feinsteuerung. 2.1 Zyklus- und Eisprung-Timing extrem genau nehmen Gerade bei Paaren mit längerer Kinderwunschdauer sehen wir häufig: sehr kurze oder leicht verschobene Zeitfenster Eisprünge, die früher oder später als „Lehrbuch“ stattfinden Gelbkörperphasen, die „formal okay“, funktionell aber grenzwertig sind   Empfehlung: engmaschiges Ultraschall- und Hormonmonitoring Auslösen des Eisprungs nicht schematisch, sondern individuell Progesteron ggf. frühzeitig und ausreichend, nicht nur „nach Schema“     2.2 Gelbkörperphase gezielt absichern Auch bei scheinbar normalen Werten kann die Progesteronwirkung zu schwach oder zeitlich nicht optimal sein.   👉 Sinnvoll kann sein:   Progesteron vaginal oder kombiniert Start exakt abgestimmt auf den Eisprung ggf. Kontrolle des Progesteronspiegels unter Therapie   Das ist kein „Overtreatment“, sondern häufig ein entscheidender Feinschliff.   2.3 Sanfte, individuelle Stimulation statt „mehr hilft mehr“ Ihre Vorgeschichte spricht nicht automatisch für hohe Dosen. Gerade nach: früherer Schwangerschaft normalem AMH sensibler Reaktion auf Clomifen   kann sinnvoll sein:   milde Stimulation (z. B. niedrig dosiert, ggf. Letrozol-basiert) oder sogar bewusst zyklusnahe Konzepte statt aggressiver Protokolle   Das Ziel ist Qualität + Timing, nicht maximale Hormonwirkung.   3. Partnerfaktor: auch bei „normalem Spermiogramm“ Auch wenn beim Mann „alles okay“ ist: Beweglichkeit, DNA-Integrität und Reifung der Spermien sind entscheidend diese Parameter schwanken und sind nicht immer im Standardbefund sichtbar   Sinnvoll (je nach Klinik): erweiterte Beurteilung der Spermienqualität ggf. zeitlich optimierter Verkehr oder gezielte Unterstützung im Zyklus auch Inseminationen mit modernen Spermienseparationskammern diskutieren   4. Mentale und körperliche Vorbereitung auf Januar Sie haben völlig recht: Die Behandlung ist fordernd – nicht nur hormonell, sondern emotional.   Meine ehrliche Empfehlung:   gehen Sie nicht mit der Haltung „Das muss jetzt klappen“ hinein sondern: „Wir geben diesem Zyklus die bestmöglichen Bedingungen“   Hilfreich ist: realistische Erwartungshaltung feste kleine Erholungsanker (Spaziergänge, feste Ruhezeiten) klare Kommunikation als Paar: Was gibt uns Halt, wenn es anstrengend wird?   5. Mein Fazit für Sie   Ihre Ausgangslage ist deutlich besser, als sich fünf Jahre Warten anfühlen. Der Schlüssel liegt jetzt in:   präzisem Timing individuell dosierter Therapie guter lutealer Unterstützung und einer Behandlung, die Ihren Körper liest, nicht nur Laborwerte.   Wenn Sie möchten, können Sie mir gern noch sagen:   Ihr Alter ob Zyklen regelmäßig sind welche Behandlung konkret geplant ist (z. B. Stimulation + GV, IUI, IVF)     Dann kann ich Ihnen noch gezielter sagen, wo Sie Ihre Chancen realistisch weiter verbessern können.   Ich wünsche Ihnen für den Start im Januar viel Zuversicht – und vor allem das Gefühl, medizinisch wirklich gesehen zu werden.


Franzi-12345

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Lieber Herr Gagsteiger, Herzlichen Dank für Ihre umfassende und klare Rückmeldung. Das hilft mir sehr. Grad auch ihr ermutigendes Fazit. Klasse, dass sie als Mediziner noch so ein umfassendes Bild zeichnen und verstehen wollen. Sehr gerne anbei meine weiteren Daten: - Alter: ich knapp 45, Mein Mann 42 - Zyklen regelmäßig: Relativ, zwischen 28 und 36 Tagen. Das hat sich jedoch erst seit circa drei Jahren eingependelt, vorher kam die Regel teilweise wochenlang nicht, ohne sonstige Beschwerden. kein Gynäkologe konnte mir bisher erklären, warum.  Interessanterweise kam die Regel erst dann regelmäßig, als ich mehrfach für ein paar Wochen in der konsequent Hormonkost umgesetzt habe, also kein Weißmehl, kein Zucker, kein Kaffee, kein Alkohol. - welche Behandlung konkret geplant ist: der Reproduktionsmediziner empfiehlt ISCI, auch IVF hält er für eine gute Variante. Wir würden mit Beginn des nächsten Zyklus gegen Mitte Januar mit der IVF starten.   pS: Meine private Krankenkasse weigert sich bisher zu zahlen und will die Kosten auf meinen Mann und damit seine gesetzliche Kasse abwälzen, obwohl die medizinische Notwendigkeit bei mir festgestellt wurde und nicht bei meinem Mann (beide Spermiogramme unauffällig). Bei mir war Verdacht auf PCOS, und eine Zyklus Verzögerung wird vermutet. So genau wurde das dort jedoch nie festgestellt...ich habe es durch Messung von Basaltemperatur etc. rausbekommen. herzlichen Dank vorab für Ihre Hilfe! gerne weitere Empfehlungen von Ihnen. PS: Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie erholsame Feiertage und vor allem ein gesundes und glückliches neues Jahr.   Herzliche Grüße!


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