Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

PRT Behandlungen im CT vor einem Kinderwunsch

Frage: PRT Behandlungen im CT vor einem Kinderwunsch

IrinaMF

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Aufgrund eines Bandscheibenvorfwölung in der LWS habe ich eine sogenannte PRT-Behandlung gestartet. 2 Spritzen im CT habe ich schon erhalten, 3 sind dieses Jahr noch geplant - in die Nervenwurzel S1.  Nun hat der Radiologe bei dem Termin gestern etwas gesagt, was mir keine Ruhe mehr lässt: er erwähnte die Eierstöcke - und dass sie deshalb bei jungen Frauen (ich bin 32) vorsichtig sind und versuchen, diese nicht zu oft ins CT zu schieben - aufgrund der Strahlenbelastung und deren Gefahren. Um ehrlich zu sein, habe ich mir über diesen Zusammenhang vorher überhaupt gar keine Gedanken gemacht. Ich wollte bisher einfach nur diese heftigen Schmerzen loswerden, da alle anderen Maßnahmen bisher ohne Erfolg geblieben sind. Allerdings wollen mein Mann und ich auch Mitte des nächsten Jahres uns unserem Kinderwunsch widmen. ;) Ich habe mal recherchiert und es gibt tatsächlich eine sehr neue Studie aus Kanada, die zeigt, dass Frauen, die 4 Wochen vor der Befruchtung eine CT-Behandlung hatten, vermehrt Fehlgeburten haben oder Anomalien beim lebend geborenen Kind festgestellt wurden. Frauen, die Monate vorher CT-Behandlungen hatten waren allerdings nicht Teil der Studie. Das macht mir trotzdem alles ein wenig Angst. Sollte ich die PRT Behandlung besser abbrechen?   


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, PRT unter CT – was bedeutet das für Strahlung und Kinderwunsch?  1. Welche Strahlung entsteht bei CT-geführten PRTs? Eine CT-gestützte PRT ist keine hohe Strahlenuntersuchung, aber es entsteht dennoch echte medizinische Strahlenexposition: Es werden mehrere kurze CT-Sequenzen gefahren, um die Nadel zu positionieren. Die effektive Dosis liegt meist zwischen 1 und 3 mSv pro Sitzung – das ist relevant, aber deutlich weniger als bei einem diagnostischen Becken-CT (10 mSv oder mehr). Die Eierstöcke liegen anatomisch nahe und können damit in gewissem Umfang Streustrahlung abbekommen. Direkte Bestrahlung findet nicht statt, aber Streustrahlen sind nicht völlig unbedeutend.   Das ist der Befund: Es ist keine Hochdosis, aber es ist auch nicht „harmlos“. 2. Strahlung und Kinderwunsch – welche Zeiträume sind medizinisch bedeutsam? Wissenschaftlich relevant ist der Zeitraum kurz vor der Befruchtung. Warum? In der Phase wenige Tage vor der Empfängnis befinden sich die Eizellen in einer sehr sensiblen Phase der Reifeteilung. Höhere Strahlendosen in diesem kurzen Fenster können theoretisch das Risiko für Aborte oder frühe Fehlentwicklungen erhöhen. Genau darauf beziehen sich die wenigen Studien, die Sie gefunden haben – darunter die kanadische Studie: Sie untersuchte diagnostische CTs in den Wochen unmittelbar vor der Befruchtung, nicht Monate vorher, und nicht interventionelle Mini-CTs wie bei einer PRTDaraus kann man kein direktes Risiko für eine Situation wie Ihre ableiten. Aber: die Studien zeigen, dass man die Phase direkt vor einer geplanten Schwangerschaft möglichst strahlungsfrei halten sollte.   3. Ihre Situation – PRT Ende dieses Jahres, Kinderwunsch Mitte nächsten Jahres Zwischen Ihrer letzten PRT und Ihrem geplanten Kinderwunsch liegen: 👉 mehrere Monate Abstand Das ist fachlich wichtig, denn: Es gibt keine Daten, die ein erhöhtes Fehlgeburts- oder Fehlbildungsrisiko bei Strahlenexposition Monate vor der Empfängnis zeigen. Die sensibelste Phase ist unmittelbar vor der Empfängnis, nicht ein halbes Jahr vorher. Die vorhandenen Studien sind nicht auf Ihre Situation übertragbar (andere Dosen, andere Fragestellungen, anderer Zeitraum). Das bedeutet nicht, dass man die Strahlung ignorieren sollte – aber der Abstand macht den Zusammenhang zum späteren Kinderwunsch unwahrscheinlich. 4. Sollten Sie die PRT abbrechen? (neutral zu Vor- und Nachteilen)   Argumente, die für eine Fortsetzung sprechen Die Strahlendosis ist moderat und zeitlich weit entfernt von Ihrem Kinderwunsch. Schwere, chronische Schmerzen und entzündliche Prozesse können körperlich belastender sein als die geringe Strahlenmenge. Eine effektive Schmerztherapie verbessert später auch die körperliche Belastbarkeit in der Schwangerschaft.   Argumente, die für ein Abbrechen sprechen könnten Wenn die Wirkung bisher gering ist und Sie die Therapie ohnehin hinterfragen. Wenn Sie maximale Strahlenvermeidung wollen, obwohl die Datenlage kein direktes Risiko zeigt. Wenn andere (strahlenfreie) Therapieoptionen noch offen sind.   Beides ist medizinisch vertretbar – je nachdem, wie schwer Ihre Beschwerden sind und wie schnell Sie eine Besserung erreichen möchten.   5. Wenn Sie die PRT fortsetzen, können Sie die Strahlenexposition weiter reduzieren Radiolog*innen können explizit ein Low-Dose-Protokoll verwenden. CT-Sequenzen können auf das absolute Minimum reduziert werden. Gonadenschutz (Bleiabdeckung) ist bei manchen Positionierungen möglich – nachfragen lohnt sich. Zwischen letzter PRT und Kinderwunsch sollten min. 2–3 Monate Abstand liegen (bei Ihnen automatisch erfüllt).   6. Zusammenfassung    CT-gestützte PRT ist eine niedrig dosierte, aber reale Strahlenexposition. Eierstöcke bekommen Streustrahlung, jedoch in moderater Höhe. Relevante Risiken betreffen nur die Wochen direkt vor der Befruchtung. Monate vorher durchgeführte CT-PRTs sind nach aktueller Datenlage nicht mit erhöhten Fehlgeburts- oder Fehlbildungsraten verbunden. Ob Sie die Therapie fortsetzen oder stoppen, hängt vor allem von der Schwere Ihrer Beschwerden und Ihrem persönlichen Sicherheitsgefühl ab – medizinisch ist der Abstand zu Ihrem Kinderwunsch groß genug. Alles Gute wünsche ich ihnen, Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger  


IrinaMF

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Sehr geehrter Dr. Gagsteiger, ich bedanke mich wirklich von ganzem Herzen für Ihre sehr ausführliche Antwort, die mir meine Bedenken weitestgehend nehmen konnte und mir sehr weitergeholfen hat. Ich werde die PRT- Behandlung fortsetzen. Und ich entschuldige mich für die vergessenen "Höflichkeitsfloskeln" in meinem Beitrag. Ich war so sehr mit der Formulierung und Erklärung meines Anliegens beschäftigt, dass ich das aus den Augen verloren habe. Freundliche Grüße und eine angenehme Woche! 


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