Teich
Sehr geehrter Herr Gagsteiger, ich hatte heute meine Folikelpunktion für die 2. ICSI. Bei mir wurden 3 Follikel mit guter Größe punktiert und 2 Eizellen entnommen. Während dem Ultraschall wurde eine mit Flüssigkeit gefüllte Falte gefunden am linken Eierstock. Es konnte jedoch nicht festgestellt werden ob die Falte im oder am Eierstock ist. Ein Transfer wird in diesem Zyklus nicht mehr stattfinden. Meine Frage ist um was könnte es sich bei der Falte mit Flüssigkeit handeln? Der linke Eierstock produziert auch so gut wie keine Follikel. Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.
Guten Tag, vielen Dank für Ihre Nachricht und die genaue Beschreibung Ihres heutigen Befunds. Es freut mich, dass die Punktion gut verlaufen ist und zwei Eizellen gewonnen werden konnten – das ist eine solide Ausgangsbasis für die weitere Entwicklung im Labor. Die im Ultraschall beschriebene „flüssigkeitsgefüllte Falte“ am linken Eierstock kann mehrere, meist harmlose Ursachen haben: Follikelkollaps nach Eisprung oder Punktion: Nach einer Follikelpunktion kann sich am Eierstock eine kleine Einziehung oder Faltenbildung zeigen, die mit Flüssigkeit gefüllt ist. Das entsteht durch das Nachgeben der Follikelwand oder durch minimale Blut- bzw. Flüssigkeitsreste und ist in der Regel vorübergehend. Oberflächliche Ovarialzyste oder Follikelrest: Gelegentlich kann sich eine kleine funktionelle Zyste bilden, die als flüssigkeitsgefüllte Struktur imponiert, meist am Rande oder in der Kapsel des Eierstocks. Diese Zysten verschwinden oft spontan im Verlauf des nächsten Zyklus. Adhäsionen oder Einziehungen der Ovaroberfläche: Nach früheren Entzündungen, Operationen oder Reizungen kann sich die Eierstockhülle (Tunica albuginea)leicht verändern und Falten oder Einziehungen bilden. Wenn dabei Flüssigkeit eingelagert ist, wirkt das sonografisch wie eine flüssigkeitsgefüllte Tasche. Paratubäre Zyste (Nebenstrukturen der Tube): Auch kleine zystische Strukturen in der Nähe des Eileiters können wie eine Falte am Eierstock erscheinen, sind aber in der Regel klinisch unbedeutend. Da der linke Eierstock ohnehin weniger Follikel produziert, könnte die veränderte Struktur dort auch Ausdruck einer geringeren Aktivität oder Durchblutung sein. Wichtig ist jetzt vor allem, ob sich die Struktur im Verlauf zurückbildet. Ich empfehle daher, in etwa 2–3 Wochen eine Kontrolluntersuchung durchführen zu lassen. Meist lässt sich dann gut erkennen, ob die Falte sich wieder geglättet oder die Flüssigkeit resorbiert hat. Aktuell besteht kein Hinweis auf etwas Gefährliches, und es ist gut, dass der Transfer ohnehin in einem späteren Zyklus erfolgen soll – so hat der Eierstock Zeit, sich vollständig zu erholen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Friedrich Gagsteiger und das BestFertility-Team
Teich
Guten Abend Herr Dr. Friedrich Gagsteiger, vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung, Ihre Antwort hat mich etwas beruhigt. Meine Ärztin aus der Kinderwunschklinik hat jetzt eine Bauchspiegelung und eine Probenentnahme der Gebärmutterschleimhaut beschlossen. Ich frage mich jetzt, ob diese beiden Untersuchungen in einem während der Bauchspiegelung durchgeführt werden? Dies ergibt für mich aber nicht so viel Sinn, da die Bauchspiegelung in der ersten Zyklushälfte durchgeführt werden soll, aber zu diesem Zeitpunkt ist die Gebärmutterschleimhaut doch noch nicht aufgebaut. Oder werden die Untersuchungen an zwei unterschiedlichen Terminen durchgeführt? Vielen Dank für Ihre Zeit im Voraus Mit freundlichen Grüßen
Guten Tag, Ihre Überlegung ist vollkommen richtig und sehr nachvollziehbar – genau solche Fragen zeigen, dass Sie die Abläufe gut verstehen. Tatsächlich werden Bauchspiegelung (Laparoskopie) und Probenentnahme der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumbiopsie) zwar manchmal im selben Eingriff kombiniert, aber nur, wenn der Untersuchungszweck es sinnvoll erscheinen lässt – z. B. bei einem generellen Fertilitäts-Check, wo auch gleich die Durchgängigkeit der Eileiter geprüft und Auffälligkeiten wie Endometrioseherde oder Verwachsungen behandelt werden können. Wenn es jedoch um die Beurteilung der Schleimhaut im Hinblick auf Einnistung oder Zyklusreifung geht (also beispielsweise zur Abklärung einer Entzündungsreaktion, Immunaktivität oder Einnistungsfenster-Analyse wie ERA, ALICE oder EMMA), dann sollte die Schleimhaut zu bestimmten Zeitpunkten in der zweiten Zyklushälfte, also nach dem Eisprung, entnommen werden. Eine Probe in der frühen Zyklusphase wäre in einigen Fällen nicht aussagekräftig, weil die Schleimhaut noch nicht passend umgewandelt ist. In der Praxis bedeutet das oft: Die Bauchspiegelung erfolgt in der ersten Zyklushälfte (oft um ZT 6–10), wenn die Schleimhaut noch flach ist und die Sicht auf Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke optimal ist. Die Gebärmutterschleimhautprobe (Endometriumbiopsie) wird in einem separaten Zyklus, etwa zwischen Zyklustag 19 und 23, durchgeführt, also nach dem Eisprung oder nach einer medikamentösen Simulation in der Lutealphase. Ich würde Ihnen empfehlen, Ihre Ärztin noch einmal konkret zu fragen, welches Ziel mit der Schleimhautprobe verfolgt wird – histologisch, immunologisch oder molekulargenetisch –, und ob sie dafür tatsächlich dieselbe Narkose nutzen möchte oder zwei getrennte Termine vorsieht. Viel Erfolg!
Teich
Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe bei der Ärztin noch einmal nachgefragt und sie möchte es in einer OP machen. Dazu habe ich noch eine Frage, wie genau läuft eine Geärmutterspiegelung unter Narkose ab und gibt es einen Unterschied zur Gebärmutterspiegelung ohne Narkose von den Instrumenten her und dem Vorgehen. Wie wird der Muttermund geweitet bzw. wird dieser bei der Dehneung festgehalten? Die Ärztin meinte Sie würde den Muttermund um mind. 8 mm dehnen / öffnen, ist das normal ? Wann kann man nach der Bauchspiegelung und der Gebärmutterspiegelung mit einem Kryotransfer starten, wenn nur eine Zyste entfernt wird bei der Bauchspiegelung? Viele Grüße
Guten Tag,, vielen Dank für Ihre präzisen Fragen – es ist sehr gut, dass Sie sich im Vorfeld genau informieren. Ich erkläre Ihnen den Ablauf und die Hintergründe gern etwas ausführlicher: 1. Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) unter Narkose Bei einer Hysteroskopie unter Narkose schlafen Sie für kurze Zeit und spüren während des Eingriffs keinerlei Schmerzen. Zunächst wird der Muttermund unter Sicht mit einem Spekulum dargestellt. Anschließend wird er mit spezialisierten, konisch geformten Instrumenten (Hegar-Stiften) schrittweise auf etwa 7–9 mm gedehnt – das ist bei operativen oder kombinierten Eingriffen völlig normal. Damit der Gebärmutterhals während dieser vorsichtigen Dehnung stabil bleibt, wird die Gebärmutter im unteren Bereich kurz fixiert, meist mit einer kleinen Zange am Gebärmutterhals (Portio). Dadurch lässt sich der Gebärmutterkanal sicher halten und die Dehnung kontrolliert durchführen, ohne Verletzungsgefahr. Anschließend wird das Hysteroskop (eine optische Kamera mit Spülflüssigkeit) in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Durch das Einleiten einer klaren Flüssigkeit entfaltet sich die Gebärmutterhöhle sanft, und die Ärztin kann die Schleimhaut, den Innenraum, eventuelle Polypen, Myome oder Verwachsungen genau begutachten und gegebenenfalls behandeln oder Proben entnehmen. Da Sie schlafen, merken Sie nichts von der Prozedur. Nach der Operation kann ein leichtes Ziehen wie bei Menstruationsschmerzen auftreten, das aber meist schnell wieder abklingt. 2. Unterschied zur Hysteroskopie ohne Narkose (Office-Hysteroskopie) Bei einer Hysteroskopie ohne Narkose wird ein viel dünneres, flexibles Instrument (meist 2–4 mm Durchmesser)verwendet. Der Gebärmutterhals wird dabei nicht gedehnt, und es ist keine Fixation mit einer Zange nötig. Diese Variante eignet sich vor allem zur rein diagnostischen Beurteilung, dauert nur wenige Minuten und ist meist gut auszuhalten, auch ohne Betäubung. 3. Alternative: Hochauflösender Ultraschall In modernen Kinderwunschzentren, die mit hochauflösenden Ultraschallgeräten arbeiten, kann man viele Veränderungen der Gebärmutterhöhle heute bereits nicht-invasiv erkennen. Durch eine intrauterine Flüssigkeitsdarstellung (Sonohysterographie oder HyCoSy) lassen sich Polypen, kleine Myome oder Schleimhautunregelmäßigkeiten häufig bereits im Ultraschall klar abgrenzen, sodass eine Hysteroskopie manchmal gar nicht mehr nötig ist. Eine operative Hysteroskopie bleibt dann nur für Befunde reserviert, die im Ultraschall unklar bleiben oder tatsächlich behandelt werden müssen. 4. Kombination mit Bauchspiegelung Wenn gleichzeitig eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) geplant ist, wird die Hysteroskopie während derselben Narkose durchgeführt. Das ist medizinisch sehr sinnvoll, da man so sowohl die Gebärmutter von innen als auch die Eileiter und Eierstöcke von außen beurteilen kann. In Ihrem Fall – wenn lediglich eine Zyste entfernt wird – ist das Vorgehen optimal und schonend. 5. Wann darf der Kryotransfer danach stattfinden? Wenn die Operation unkompliziert verläuft und nur eine Zyste entfernt wird, kann der Körper sich schnell erholen. In der Regel ist ein Kryotransfer im nächsten oder übernächsten Zyklus möglich, je nach Heilungsverlauf und Schleimhautbefund im Ultraschall. Zusammengefasst: Eine Dehnung des Gebärmutterhalses auf ca. 8 mm ist bei operativer Hysteroskopie normal. Dabei wird die Gebärmutter zur Stabilisierung kurz mit einer kleinen Zange fixiert. Alternativ können moderne Ultraschalluntersuchungen mit Flüssigkeitsdarstellung viele Veränderungen auch ohne operative Hysteroskopie erkennen. Nach einer unkomplizierten Kombination aus Bauchspiegelung und Gebärmutterspiegelung ist meist nach einem Zyklus Pause wieder ein Kryotransfer möglich. Viel Erfolg wünscht ihnen Dr. Friedrich Gagsteiger
Teich
Guten Abend Herr Dr. Gagsteiger, vielen Dank für Ihre ausführliche Erklärung, dies hat mir sehr weiter geholfen. Die behandelnde Ärztin hat den Eingriff wie folgt geplant: 1. Gebärmutterspiegelung mit Probenentnahme ( Muttermund soll auf 8mm gedehnt werden), die wird mit lokaler Anästhesie erfolgen. 2. Bauchspiegelung mit Entfernung einer Zyste am Eierstock und anschließender Eileiterdurchlässigkeitsprüfung mit Wasser ( in Vollnarkose) Hier zu habe ich noch ein paar Fragen: - Wie lange dauert die Gebärmutterspiegelung im Ganzen und wie lange dauert die Dehnung für das Hysterodkop mit den Hegar- Stiften und wie viele werden davon ca benötigt? Wie schmerzhaft ist dies und sollte man auf eine Durchgehende Narkose umschwenken? - wie lange braucht der Muttermund um sich nach der Dehnung wieder zu schließen? - Das Spekulum wird ja zu Beginn eingeführt, bleibt dies während des gesamten Eingriffes bis zur Eileiterdurchlässigkeitsprüfung geöffnet in der Vagina oder wird es nach der Gebärmutterspiegelung entfernt und zur Eileiterdurchlässigkeitsprüfung wieder eingesetzt. Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.
Guten Tag, vielen Dank für Ihre genaue Rückmeldung und die sehr sinnvollen Nachfragen – ich erkläre Ihnen das gerne im Detail, damit Sie genau wissen, was Sie erwartet. Die von Ihrer Ärztin geplante Kombination aus Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) und Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist ein sehr gutes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen, um sowohl die Gebärmutterhöhle als auch die Eileiter und Eierstöcke in einem Eingriff vollständig beurteilen zu können. Zur Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) Die Dauer der Hysteroskopie beträgt in der Regel 5 bis 10 Minuten, je nachdem, ob nur eine diagnostische Beurteilung oder zusätzlich eine Gewebeentnahme oder kleine Korrektur (z. B. Polyp, Septum, Verwachsung) erfolgt. Um das Hysteroskop in den Gebärmutterkanal einzuführen, muss dieser vorsichtig mit Hegar-Stiften gedehnt werden. Meist sind das 3–5 Stufen (z. B. 4 mm, 6 mm, 8 mm), jede Stufe wird langsam und unter Sicht durchgeführt, die eigentliche Dehnung dauert meist nur 1–2 Minuten. Bei einer Dehnung auf 8 mm kann ein leichter, krampfartiger Schmerz auftreten, der vergleichbar ist mit Menstruationsbeschwerden. Unter lokaler Betäubung (z. B. Parazervikalblock) ist das für viele Patientinnen gut erträglich. Wenn Sie jedoch sehr schmerzempfindlich sind oder schon bei gynäkologischen Untersuchungen stärker reagieren, kann eine kurze Sedierung oder Narkose angenehmer sein. Ein Wechsel auf eine durchgehende Narkose ist also keine medizinische Notwendigkeit, aber manchmal eine sinnvolle Komfortentscheidung. Zum Verschluss des Muttermundes nach der Dehnung Der Muttermund zieht sich nach dem Eingriff wieder zusammen, meist innerhalb von wenigen Stunden. Er bleibt nach einer 8 mm-Dehnung nicht dauerhaft offen. Schon nach 1–2 Tagen ist der Gebärmutterkanal wieder physiologisch eng, sodass kein Infektions- oder Folgerisiko besteht. Zur Instrumentierung während des Eingriffs Das Spekulum wird nur für den Zugang zur Gebärmutterspiegelung eingesetzt, also für das Einführen des Hysteroskops. Es bleibt nicht während der gesamten Operation liegen. Nach der Gebärmutterspiegelung wird es entfernt. Für die Eileiterdurchgängigkeitsprüfung, die während der Bauchspiegelung erfolgt, wird ein kleiner Katheter über den Muttermund eingeführt, der über das Laparoskop kontrolliert wird. Diese Phase erfolgt dann bereits in Vollnarkose, sodass Sie davon nichts spüren. Zusammengefasst Gebärmutterspiegelung: 5–10 Minuten Dehnung mit Hegar-Stiften: 1–2 Minuten, meist 3–5 Größenstufen Muttermund schließt sich wieder innerhalb weniger Stunden Spekulum nur temporär für die Hysteroskopie Eileiterprüfung mit Katheter erfolgt separat in Narkose Wenn Sie eher empfindlich auf Schmerzen oder Untersuchungen reagieren, würde ich empfehlen, die Gebärmutterspiegelung gleich in der kurzen Narkose mit durchzuführen. Das ist medizinisch unkompliziert, und Sie hätten dann den gesamten Eingriff in einem Schritt ohne zusätzliche Belastung. Aber bitte stellen sie alle diese Fragen auch Ihrer Ärztin. Nur sie kann individuelle Änderungen schildern. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger
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