Arabela
Guten Tag Frau Dr. Althoff, ich würde Sie gerne um eine zweite kinderärztliche Einschätzung bezüglich meiner 10 Monate alten Tochter bitten. Unsere Tochter hatte vor etwa einem Monat zunächst sechs Tage Fieber, wobei eine Harnwegsinfektion leider zunächst nicht erkannt wurde. Am 20.08. wurde sie schließlich stationär aufgenommen, und es wurde eine Pyelonephritis bestätigt. Im Urin wurden damals E. coli und Enterokokken nachgewiesen. Sie bekam vom 20.08. bis 26.08. stationär zwei verschiedene Antibiotika intravenös und anschließend zu Hause noch bis zum 31.08. bzw. 01.09. eine orale Antibiotikatherapie. Seitdem geht es ihr sehr gut. Sie ist aktuell komplett symptomfrei, hat kein Fieber, trinkt und isst gut und verhält sich ganz normal. Bei einer Kontrolluntersuchung wollte ich jetzt lediglich noch einmal den Urin testen lassen. Da kein Urin direkt gewonnen werden konnte, bekam ich einen Urinbeutel für zu Hause. Der Urinstreifentest war zweimal hinsichtlich der Leukozyten positiv, Nitrit war jeweils negativ. Daraufhin habe ich darum gebeten, den Urin zur Kultur einzuschicken. Nun wurde in dieser Beutelurinprobe erneut E. coli nachgewiesen, laut Labor in einer Keimzahl von über 1 Million. Sie hat jedoch keinerlei Beschwerden oder Fieber. Ich habe bereits mit unserer Kinderärztin gesprochen. Sie ist aufgrund des fehlenden Fiebers und der fehlenden Symptome, des negativen Nitrits und insbesondere der Tatsache, dass es sich um einen Beutelurin handelt, der Meinung, dass aktuell keine erneute Antibiotikatherapie notwendig ist. Aufgrund der Vorgeschichte bin ich trotzdem etwas verunsichert und würde sehr gerne Ihre Meinung dazu hören. Wie würden Sie diesen Befund beurteilen? Kann ein solcher E.-coli-Nachweis aus einem Beutelurin trotz der hohen Keimzahl eine Verunreinigung sein? Würden Sie bei der Vorgeschichte zur Sicherheit noch einmal eine möglichst zuverlässig gewonnene Urinprobe, beispielsweise per Katheter, untersuchen lassen, um einen erneuten Harnwegsinfekt sicher auszuschließen? Vor allem beschäftigt mich auch die Frage, ob eine solche hohe Keimzahl von über 1 Million E. coli bei einem ansonsten völlig symptomfreien Kind bereits irgendeinen Schaden verursachen kann, wenn man zunächst nicht behandelt. Kann eine solche Infektion zunächst unbemerkt sein und später plötzlich Beschwerden oder Fieber verursachen? Besteht die Gefahr, dass dadurch die Nieren geschädigt werden, wenn aktuell keine Symptome bestehen? Und woran würde ich als Mutter erkennen, dass sich die Situation verändert und wir sofort ärztlich handeln müssen? Gibt es bestimmte Symptome oder Veränderungen, auf die ich bei ihr besonders achten sollte – beispielsweise Fieber, Trinkverhalten, Erbrechen, Verhalten oder andere Anzeichen? Wir hatten außerdem geplant, für vier Tage zu meiner Mutter nach Österreich zu fahren. Würden Sie unter diesen Umständen davon abraten oder wäre die Reise aus Ihrer Sicht bei ihrem aktuellen guten Allgemeinzustand vertretbar? Mir geht es vor allem darum, aufgrund ihrer Vorgeschichte nichts zu übersehen, aber natürlich auch nicht unnötig erneut Antibiotika zu geben. Vielen Dank für Ihre Einschätzung und Ihre Zeit. Liebe Grüße Arabela
Hallo Arabela, die Sorge aufgrund der Vorgeschichte kann ich prinzipiell verstehen. Ich verstehe aber ehrlich gesagt überhaupt nicht, wieso bei einem gesunden Kind ohne Symptome überhaupt eine erneute Urinprobe gemacht wurde. Wie man an dem Beispiel wieder sieht: Unnötige Untersuchungen führen oft zu unnötigen Sorgen. Der zweite Punkt, den ich nicht verstehe, ist, wieso man einen Beutelurin einschickt. Das ist aus meiner Sicht schlichtweg falsch. Ein Beutelurin gilt bis zum Beweis des Gegenteils (also bis man auf eine saubere Art und Weise, z.B. durch eine Katheterisierung oder einen sogenannten Clean Catch, Urin gewonnen und getestet hat) als verunreinigt. Eingeschickt gehört nur sauber gewonnener Urin, der auffällig ist. Eine ausgeprägte Nierenbeckenentzündung ohne Fieber gibt es nicht. Es kann vorkommen, dass Leukozyten oder auch Bakterien im Urin sind, ohne Symptome zu verursachen, ja. Aber das muss dann entsprechend bei gesunden Kindern, die keine Auffälligkeiten im Bereich der Harnwege haben, in der Regel auch nicht behandeln. Also nein, ich würde aktuell nicht behandeln, da ich von einer Verunreinigung ausgehe. Und eine Katheterisierung würde ich einem gesunden, asymptomatischen Kind auf keinen Fall antun. Fieber würden Sie nicht verpassen. Teilweise riecht der Urin bei Infektionen auch auffällig. Ansonsten gibt es aus meiner Sicht nichts zu beachten und Sie können auch problemlos nach Österreich fahren. Viele Grüße!
Ähnliche Fragen
Noch was bitte: Womit würden Sie als Arzt leicht vermehrte E.Coli in der Vag. in der Stillzeit behandeln? (Ergebnis der Vag.-Kultur). Ich weiß,dass es stillfreundliche AB gibt, meine FÄ will mir ein solches verordnen und Tantum Rosa Spülung seit 1 Woche scheint nicht genügend zu helfen...aber dennoch kommt es ja zu meinem Baby und ich will bei i ...
Guten Tag, meine Tochter hat seit Anfang Dezember letzten Jahres Probleme mit e-coli Bakterien im Urin. Mittlerweile nimmt sie das 4. Antibiotikum. Die Bakterien sind einfach nicht wegzubekommen. Wir sind bei einer Urologin in Behandlung, Ultraschall wurde gemacht. Ich gebe ihr mittlerweile sogar UroVaxum Tabletten (eine Art Impfung gegen e-coli i ...
Hallo, unser Sohn ist jetzt 11 wochen alt und beim KH Aufenthalt wegen spucken wurde auch der Urin untersucht. Es waren immer wieder leukos drin. Auf nachfragen wurde eine Kultur angelegt. Das Ergebnis heute dann, coli bakterium. Beim Kinderarzt dann heute,wurde mir das mitgeteilt. Diese sagte aber auch das es untypisch ist weil Babys diese auch n ...
Guten Tag, ich habe die o.g. Bakterien im Rachen, sie verursachen bei mir Halsschmerzen. Trotz 6 tägiger Antibotikum Therapie, keine Besserung. Immer noch Bakterien. Nun meine Frage: Kann ich meinen 10 Monate alten Sohn gefährden? MfG
Sehr geehrter Dr. Busse, bei meinem Sohn wurde vergangenen Freitag eine MCU durchgeführt. Es ist kein Reflux vorhanden. Jedoch wurde bei dem Katheterurin nun e. coli festgestellt. Dieser Befund war vorher negativ. Prophylaktisch wurde er 3 Tage im Anschluss an die MCU mit Antibiotika behandelt. Er hat jetzt eine Temperatur von 36.9 und ist unauf ...
Guten Tag Herr Dr. Busse. Ich wende mich mit einem etwas komplexerem Thema an Sie. Meine Tochter ist am 01.04.2016 geboren - per geplantem Kaiserschnitt. Sie ist nun fast 4 Monate alt. Vor 3 Wochen hatte sie ihre erste Nierenbeckenentzündung. Der Verlauf war etwas seltsam. Sie bekam einen Donnerstag aufeinmal Fieber und wir gingen zum Arzt. Da w ...
Guten Tag Herr Dr. Busse, unsere dreijaehrige Tochter leidet seit einiger Zeit unter Beschwerden beim Wasser lassen und ihre Schamlippen sind rot. Wir hatten eine Vaginalsekretion machen lassen. Demzufolge hat sie E.coli-Bakterien in der Vagina. Der Kinderarzt in Suedamerika, wo wir zur Zeit leben, meinte, dass alle herkoemmlichen Antibiotika in ...
Nochmal zu dem Harnwegsinfekt von unten. Es wurden ja e. coli festgestellt, darauf hin wurde Amoclav forte verwendet mit Amoxicillin. Jetzt liest man aber, daß Amoxicillin nicht mehr bei e. coli verwendet werden soll, ist jetzt davon auszugehen, dass e. coli nicht vernichtet wurde und wir zum 4.Mal eine Kultur anlegen müssen? Welches Antibi ...
Guten Abend Herr Dr. Busse, mein Sohn ist 3 Monate alt und ich stille voll. Bis jetzt haben wir immer unser Leitungswasser getrunken. Vor ein paar Tagen wurden leider E Coli Bakterien darin nachgewiesen. Nun habe ich gelesen, dass schon kleinste Mengen von diesen Bakterien im Babys Organismus zum plötzlichen Kindstod führen können! Ich habe ...
Guten Tag Herr Dr. Busse, Mein 5 Wochen alter Sohn (er ist zudem 3 Wochen zu früh auf die Welt gekommen und war erst ein paar Tage auf intensiv wegen schlechter Atmung und Neugeboreninfektion) hat am Nachmittag 1 Stunde sehr stark geweint, was untypisch für ihn war. Am nächsten Morgen war Eiter im Ohr. Wenn man am Ohr leicht gedrückt hat kam we ...