Hallo Ende März wurde bei unserer Tochter die seit sie 3 Monate alt ist neurodermitits hat (geboren 15.01.23) ein stuhltest (zonulin 305, antitripsin 98, lysozym 1200, calprotectin unter 10) gemacht. Ein bluttest gab IgG Werte von Ei 200, Milch 72, Gluten 38 an Die Heilpraktikerin hat daraufhin eine Karenz von min 6 Monaten verordnete mit diesen 3 Lebensmitteln weil sie meinte dass dies ganz klar eine Unverträglichkeit zeigt. Obwohl wir kein gutes Gefühl dabei hatten 3 Grundnahrungsmittel zu entziehen haben wir uns aufgrund von verschiedenen Aussagen der Heilpraktikerin die enorm Druck aufgebaut haben dazu breitschlagen lassen und hatten doch die Hoffnung dass es etwas bringt. Ab Februar war also Karenz und der Darm wurde mit verschiedenen Präparaten aufgebaut. Da wir dem Druck nicht mehr standhalten konnten hat sie vom 1.4-10.4 die Lebensmittel reduziert bekommen. Wurden aber wieder stark unter Druck gesetzt, es hieß „ohne die Karenz bringt es alles Nix, es wird sehr schwierig ohne, es können sich andere Krankheiten wie Asthma, höheres Krebsirsiko usw aus dem Leaky gut entwickeln, man sollte auf keine Fall warten bis sich das alles eventuell von selber auswächst…“ Danach war also wieder Karenz. Ein erneuter stuhltest am 1.6 zeigte zonulin 60, antitripsin 58, lysozym 1900. Die Heilpraktikerin gab noch mehr Präparate und meine die Karenz kann auf keinen Fall beendet werden solange noch Symptome da sind und nicht mindestens 6 Monate um. Auch dass sich die Haut nicht gebessert hat hieß es nur es braucht eben noch mehr Zeit. Ende Juli wurde das lysozym und calprotectin nochmal getestet welches dann bei 2300 bzw 72 war. Daraufhin haben wir selber die reißleine gezogen, die Zusammenarbeit beendet und alle Präparate abgesetzt. 5 Wochen später war dann lysozym 723 und calprotectin wieder unter 10. An ihrer Haut hat sich in der ganzen Zeit nicht wirklich signifikant etwas verbessert. Sonst hatte sie ja nie irgendwelche anderen Symptome. Mitte August haben wir dann angefangen ihr für 2 Wochen alle 4 Tage Gluten zu geben, dann erhöht auf alle 2 Tage und mittlerweile isst sie es täglich aber reduziert und auch mal ein Tag Pause. Seit Ende September bekommt sie alle 4 Tage Ei. Milch haben wir immer noch weggelassen. Jetzt zu meiner Frage: durch unsere Heilpraktikerin wurde uns so enorm druck und Angst gemacht weil sie sagte auf keinen Fall die Sachen wieder geben, sie müssen halt ein ganzes Jahr weg wenn es noch nicht gut ist, die Werte werden wieder schlecht wenn sie es jetzt bekommt usw. Es bringt alles nix wenn man die Sachen nicht min 6-12 Monate strikt und ohne Fehler weglässt. Richtig erklärt was das für ein Hintergrund hat wurde uns aber nie. Die Haut hat sich seit der Gabe nicht verschlechtert. Trotzdem habe ich jeden Tag Angst dass die Darmwerte wieder schlecht werden und das Leaky gut durch die Lebensmittel zurück kommt. Bis heute verstehe ich auch nicht was es mit den IgG Antikörper auf sich hat, müssen diese komplett abgebaut sein bevor man sie wieder gefahrlos essen kann ? Und wäre dies nach dieser Karenz Zeit nicht schon der Fall ? Hat sie eine Allergie dagegen ? Und wäre das dann nicht beobachtbar nach dem Verzehr ? Vllt nicht sofort aber wenigstens in den 72 Stunden danach wenn sie die Sachen nicht vertragen würde ? Zu Beginn wurde beim Kinderarzt auch ein IgE Test gemacht wo Ei klasse 2 und Milch klasse 1 rauskam. Sie hatte aber nie unmittelbar nach dem Verzehr Symptome weshalb dieser meinte dann seien die Werte vernachlässigbar. Auch jetzt wo wir Gluten und Ei wieder eingeführt haben konnten wir innerhalb von 72 Stunden keine eindeutige hautreaktion feststellen. Wir wurden mit diesen „leaky gut“ stark verunsichert, wird der Darm von unserer Tochter nicht mit der Zeit von selber dicht ? Und verlieren sich die Allergien nicht von selber und die Antikörper bauen sich ab ? Oder passiert das wirklich nur mit so einer enorm langen Lebensmittel Karenz ohne Fehler ? vielen Dank
Ihr ungutes Gefühl war für mich sehr verständlich, hat doch die Sie beratende Person ganz offensichtlich keinerlei Fachkenntnis von all dem, was wir heute zur Neurodermitis, der Diagnostik und den vielen Möglichkeiten einer wirksamen und gut verträglichen Therapie. Die Testverfahren, vor allem die IgG Antikörper sind seit vielen Jahren nach wissenschaftlicher Prüfung von den relevanten Fachgesellschaften als völlig unbrauchbar, teilweise sogar als gefährlich bewertet worden. Nur für eine kleine Untergruppe von Neurodermiotis-Kindern ist eine Diät erforderlich, mitunter helfen da die Bestimmung von IgE - Antikörpern, die bei Ihrer Tochter für Milch und Ei eher niedrig (die Skala der Klassen geht bis 4 oder 6, je nach Test.) liegt. Sie sollten einen erfahrenen Kinderallergologen hinzuziehen, er weiß einzuschätzen, ob überhaupt eine Diät erforderlich ist, oder ob nicht besser für Ihre Tochter eine vollwertige Kleinkinderkost angezeigt ist (was ich vermute). Auch weiß er ihnen über die modernen medizinische Therapien (z. B. Elidel Creme etc.) Rat zu geben. Sie sollten da wirklich optimistisch herangehen. Ich bin zuversichtlich, dass Sie mit einer wirksamen Behandlung bald Freude an der Behandlung haben werden. Auch, wenn wir die Eerkrankung nicht heilen (sie heilt nach einiger Zeit von selbst aus), so können wir die Beschwerden doch sicher und gut kontrollieren und den betroffenen Kinder eine tolle Lebensqualität vermitteln. Gruß, Ulrich Wahn
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