Mitglied inaktiv
Lieber Herr Dr. Posth, ich habe in letzter Zeit viel über die unsicheren Bindungen im Mutter-Kind-Verhältnis gelesen und mache mir ein bisschen Gedanken. Mein Kleiner ist 8 Monate alt und ziemlich ausgeglichen. Er schläft seit er 8 Wochen ist nachts durch, weint sehr selten, außer natürlich bei Hunger, Müdigkeit oder wenn er zahnt. Er lacht sehr viel und auch seine Entwicklung läuft (er kam 3 Wochen zu früh) gut voran. Er fremdelt irgendwie kaum. Manche Menschen guckt er an und verzieht keine Miene, scheint sogar etwas irritiert und skeptisch zu sein, aber manchmal lächelt er sie sofort an und quietscht vergnügt. Ich weiß natürlich nicht, was wäre, wenn ein Fremder ihn auf den Arm nehmen und von mir weggehen würde. Das gab es noch nie. Desweiteren bin ich fast jeden Tag bei meiner Mama, die ihn dann auch ab und zu füttert und mit ihm Späßchen macht. Ich bin alleinerziehend. Kann es ein, dass der Kontakt zu viel ist & er nachher nicht weiß, wer seine primäre Bezugsperson ist?
Hallo, ja, diese skeptischen Blicke sind eindeutig auch Fremdeln. Über das Fremdeln wurde bisher in der Entwicklungspsychologie wenig berichtet und v.a. wurde keine Fremdelskala entwickelt. Für die Ztschr. Kinderärztliche Praxis habe ich das Fremdeln des Säuglings in drei Stufen eingeteilt, wobei die erste der lang andauernde, skeptische Blick ist. Dieser kann je nach Temperament des Kindes und spontaner Sympathiegefühle sehr schnell in ein Kontaktlächeln übergehen. Es hängt natürlich viel auch von der Mimik des Fremden ab, wie der Säugling reagiert. Ansonsten erscheinen sicher gebundene Säuglinge insgesamt ruhig und ausgeglichen, so wie offenbar Ihr Sohn. V.a. in der beginnenden Phase der Anhänglichkeit, die ja bei Ihrem Sohn erst noch kommt, zeigt der Säugling, resp. das Kleinkind, das es nur in der Nähe der Mutter absolut sicher ist und freudig auf Entdeckungsreise geht. Das jedenfalls ist das Ergebnis der klassischen Untersuchungen v. M. Ainsworth, Untersuchungen, die inzwischen vielfach bestätigt worden sind. Und eine Großmutter als Ersatzmutter im Hintergrund kann eigentlich nur von Nutzen sein. Viele Grüße
Mitglied inaktiv
Desweiteren würde ich gerne wissen, ob man eine unsichere Bindung an bestimmten Verhalten des Kindes erkennen kann? Oder müsste ich mir bei einem Kind, dass so gut drauf ist, eigentlich keine Gedanken machen? Im Moment kommt´s mir echt manchmal so vor, als wenn jeder meinen Kleinen auf den Arm nehmen könnte, wenn ich dabei bin. Oder sind diese mißtrauischen Blicke schon fremdeln? Und meinen Sie, ich sollte den Kontakt zur Oma etwas einschränken? Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Danke
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