Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Wäre eine OP besser für mein Kind als das ständige cremen?

Frage: Wäre eine OP besser für mein Kind als das ständige cremen?

finettchen

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Sehr geehrter Herr Dr. Posth, vielen Dank für Ihre wertvolle Arbeit! Unser Sohn 3J hat seit längerem Probleme mit der Vorhaut. Sie bläht sich manchmal bei Miktion ballonartig auf und er muß etwas pressen. Infekte gab es bislang nicht. Bisher haben wir vom KiArzt Cortisoncreme erhalten und nach ca 1-2 Wochen Cremen ist die Verklebung offen und beim Wasserlassen alles ok. In cremefreien Intervallen verklebt sie wieder. Da unser Sohn dieses Eincremen aber nicht mehr toleriert und es sich trotz guten Zuredens sehr schwierig gestaltet, weiß ich nun nicht weiter. Da ich ihn nicht gegen seinen Willen am Penis eincremen möchte, hatte ich schon an eine Op gedacht, mein Mann möchte ihm die Op jedoch gerne ersparen. Kinderarzt Termin kommt noch. Wie sehen Sie das, was wäre die größere (seelische) Belastung für das Kind? Immer mal einige Wochen cremen- auch wenn er sich sträubt-, bis es sich von selbst löst oder eine OP mit Nachsorge und Pflege oder gar Schmerzen – oder einfach garnichts machen?


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, normalerwweise gehört es zu jeder Vorsorge-Untersuchung beim Jungen dazu, einmal kurz und beiläufig auch den Genitalstatus zu erheben. Dabei prüft man, ob eine Verklebung besteht oder eine echte Phimose. Die Verklebung ist ein physiologischer Zustand, der vor dem Schulalter nicht behandelt werden muss. Meist löst sich die Vorhaut durch Reifung von alleine. Danach behandelt man mit Östrogen-hältiger Salbe, wobei dann der Junge mithelfen sollte. Cortison-haltige Salben sind nur bei Narbenbildungen gefragt. Am besten, Sie unternehmen bis zur Untersuchung nichts mehr. Manipulationen an ihrem Penis durch andere Personen mögen die kleinen Jungen gar nicht. Das Phänomen des Blähens beim Wasserlassen dürfte nicht mehr auftreten. Viele Grüße


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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PS: gerade noch einmal gelesen, dass für Cortison, insb. Betamethason die meisten Studien vorliegen. Danach waren Wirkungen gut und die zu erwartenden Nebenwirkungen selten. Es wurde aber wohl nicht unterschieden, ob die Phimose nur eine physiologische Verklebung gewesen ist oder eine echte Vorhautenge. Auch wurde nicht klar unterschieden, ob diese Enge einem Lichen sclerosus et atrophicus (z.B. nach forcierter Lösung) entsprach. Nur dann wären Cortison-haltige Salben indiziert.Sie sehen, die Sache ist komplizierter als man denkt.


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