Aghlp
Liebe Frau Henkes Gerne möchte ich Ihnen eine Situation schildern und würde mich über Ihre Einschätzung freuen. Letzte Woche waren meine Tochter (3 Jahre) und ich in einem Waldkindergarten für ein Schnuppertag. Als die Erzieherin auf meine Tochter und mich zukam, um „Hallo“ zu sagen, zögerte meine Tochter und klammerte sich ganz leicht um meine Beine, allerdings nur für einen kurzen Moment. Sie blieb dann im meiner Nähe. Auf dem Weg in den Wald habe ich ein paar Worte mit der Erzieherin gewechselt. Mir ist dann aber auf dem Weg mit der Erzieherin aufgefallen, dass meine Tochter immer wieder ihre Hand halten wollte und meine abwies. Als wir mit der Erzieherin im Wald angekommen sind, hat meine Tochter die anderen Kinder beobachtet und aus irgendeinem Grund wollte sie nicht zu den Kindern und hat sich dann ans Bein der Erzieherin gekuschelt bzw. Hinter dem Körper der Erzieherin versteckt (es sah so aus als wäre die Erzieherin ihre Mutter). Ich stand gleich neben der Erzieherin, zuerst dachte ich, meine Tochter hätte mich irgendwie nicht gesehen, aber als ich ihren Arm hielt und sie zu mir führen wollte, hat sie sich abgewendet und auch mit Mimik und Gestik klar gemacht, dass sie nicht zu mir will. Für mich war das Traurig, so von der Tochter abgewiesen worden zu sein und die Erzieherin fühlte sich irgendwie auch nicht wohl und hatte ein verlegenes Lächeln. Was kann dieses Verhalten meiner Tochter mir gegenüber bedeuten? Wie hätte ich in dieser Situation reagieren können? Allgemein scheint mir, dass sie bei fremden Menschen nach kurzer Zeit gleich die Aufmerksamkeit und die Nähe sucht. Mir ist bei dieser Sache nicht wohl.
Guten Tag, nach Ihrer Beschreibung vermute ich, dass Ihre Tochter sich auf die unbekannte Situation nur einlassen konnte, indem sie Ihre Anwesenheit verdrängt hat. Es fühlte sich für Sie ja auch so an, als wären Sie in den Augen Ihrer Tochter gar nicht da. Stattdessen hat sie die ihr unbekannte Erzieherin übergangslos als Ersatzobjekt in Anspruch genommen und sich ihr so angenähert wie sonst nur Ihnen. Das Verhalten Ihrer Tochter sollte Sie nicht traurig stimmen. Für sie ist es vermutlich die einzige Möglichkeit, sich einer unvertrauten Situation zu stellen. Im Laufe der weiteren psychischen Entwicklung wird Ihre Tochter noch andere Möglichkeiten der Bewältigung kennenlernen, die keinen ausschließen müssen. Zeigen Sie Ihrer Tochter, dass Sie ihr Verhalten verstehen und gut aushalten können. So verhindern Sie, dass Ihre Tochter wegen ihres Verhaltens ein schlechtes Gewissen bekommt. Sie macht das nämlich nicht, weil sie Sie ärgern oder provozieren will. Dreijährige entwickeln nicht selten eine Zeigelust, die sie nach der Aufmerksamkeit auch fremder Menschen suchen lässt. Das ist in Ordnung, wenn Sie es für angemessen halten. Wenn Ihre Tochter sich fremden Menschen zu sehr annähert, können Sie sie daran hindern. Erklären Sie ihr, dass Sie beide diejenigen nicht kennen und deshalb etwas mehr Abstand einhalten. Sie finden als Mutter da sicher die passenden Worte für Ihre Tochter. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Ingrid Henkes
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